02 Zeitspiegel Teil 2

Zeitspiegel der 90er Jahre –Teil 2

6. Partnerschaft                 (Sex, Kinder, Emanzipation, Homosexualität) 
7.
Kick des Lebens            ( Bungeejumping, Skateboard, Flitzer)
8. Wegwerfgesellschaft     (Mode, Technik, Betrüger)
9. Schönheitswahn            (Diäten, Schönheits-OP, Magersucht)
10. Wissensgläubigkeit  
11. Rechtschreibreform  &  Wissensniveau             
12. Kids & Euphorie 
13. Medialer Markt              (Handy, PC, Internet)
14. Krawalltouristen          (Randalierer mischen sich unter Demonstranten)
15. Umweltbewusstsein 
16. Gen-Technik & Seuchen   (Clone-Schaf Dolly, BSE, Vogelgrippe)

 

6. Partnerschaft - Beziehungen

Die gesellschaftlichen Bedingungen schufen ein egoistisches Klima, dass auf Wohlstand und Selbstdarstellung beruhte. Gesellschaftspsychologisch gesehen, steigt immer mit dem wachsenden Wohlstand ein irreales egoistisches Streben. Die rationalen natürlichen Triebe eines Menschen setzen sich dabei über die seelischen Bedürfnisse nach Geborgenheit und gaukeln der Psyche eines Menschen ein trügerisches seelisches Verlangen vor. Der Geschlechtsverkehr wird dabei zum wichtigsten Gradmesser einer Liebe und somit der Begriff Treue überbetont. Sex wurde daher eine überzogene Bedeutung gegeben, da Liebe auf Sex reduziert wurde. Die Geschäftemacher erkannten den sexuellen Status, der zugleich die Triebe verstärkten. Das führte dazu, dass elementare einer Liebe zu verwischen und oberflächliche Werte falsch zu interpretieren.
Die Medien verkauften dazu gezielt ein Bild von einer harmonischen Beziehung, die unterschwellig Wohlstand und Konsum suggeriert. Partnerschaftsprobleme waren auf dieser Basis vorprogrammiert, da die seelischen Belange zu wenig berücksichtigt wurde. Im Laufe einer Beziehung meldete sich über kurz oder lang die Seele und fordert ihre Rechte oder zuvor zerbricht eine oberflächliche Beziehung an nichtigen Problemen.
Über kein Wort der Welt, wurden so viele Bücher, Gedichte und Lieder geschrieben, wie über die Liebe. Und noch immer fällt es schwer die wahre Liebe zu definieren. Sicherlich ist sie ein unerreichbares Ideal, dem man sich nur nähern kann. Dazu gehört, dass man versucht EINS zu sein. In gegenseitiger Achtung, Gleichwertigkeit, Verständnis und Toleranz, gilt es sich selbst zurückzunehmen, um eine Einheit zu werden, ohne sich dabei für einen Partner  aufzugeben. Das heißt, jeder gibt sein Teil seiner Persönlichkeit in eine Beziehung für ein harmonisches Ganzes, damit die Seele beider Partner wohlig glühen kann. Damit ein Herz in Liebe brennen kann, ist es notwendig an der Liebe zu arbeiten, da die Welt und sich damit auch das Leben verändert. Demzufolge wird es immer Probleme geben die gelöst werden müssen, wenn aber die seelische Basis stimmig ist, werden Krise gemeistert und schmieden dann sogar eine Partnerschaft noch fester zusammen.
Wie nun das persönliche Glück im Einzelnen aussieht ist völlig verschieden, nur von einem Irrtum sollte man sich trennen. Sexualität ist zwar die höchste Form und Ausdruck einer Liebesbeziehung, sie ist aber auch ein natürlicher Grundtrieb des Menschen. Es gilt daher zu unterscheiden, ob Sex ein Liebesakt oder ein Trieb-Akt ist. Sicherlich ist sexuelle Untreue ein Vertrauensbruch zum Partner, die Frage stellt sich jedoch, hat sich der Sünder dem Trieb hingegeben oder hat bzw. ist er dabei seine Beziehung aufzulösen. Die Frage ist häufig nicht deutlich zu beantworten und einen wesentlichen Anteil bei der Verschärfung der Untreue haben jene Unternehmen die mit Sex Geschäfte machen.
So haben die privaten TV-Medien (RTL, SAT1) sexuelle Tabus im Fernsehen durchbrochen. Softsexkomödien rückten auf immer frühere Sendeplätze. Mit Russ Meyer Sexfilmen und der „Emanuel“- Reihe erzielten die Privatsender hohe Einschaltquoten und verführten den Betrachter zur sexuellen Gier. In Videotheken wurden nun Pornofilme angeboten und im Medium Internet kursierten zahlreiche Nackt-Fotos. Legal flimmerten Musikvideos über den Bildschirm mit spärlich bekleideten Frauen, die sich aufreizend präsentierten. Bordelle hatten ihr Schmuddel-Image verloren, Peepshows boomten und halb nackte Girls lächelten verführerisch von den Zeitschriften.
Stärker als je zuvor wurde die Frau zum Sexobjekt und steigerte folgerichtig beim Mann das sexuelle Verlangen. Da die Angst vor AIDS längst ins Abseits gerückt war, machten die Unternehmen enorme Umsätze mit Sex, aber es steigerten sich auch enorm die kriminellen Delikte in dem Bereich. Die Folge war, ein ebenso hoher Anstieg an AIDS-Erkrankungen und diversen Geschlechtskrankheiten.
Das Ganze hatte erhebliche Konsequenzen für die Partnerschaftsbeziehungen. Männer waren von den sexuellen Reizen überflutet und idealisierten den Sex-Trieb als Liebe, doch zu schnell verblasste der Sex zur Routine, langweilte und wurde zur Enttäuschung. Das nicht befriedigt sein, verstärkte den Wunsch nach neuen sexuellen Abenteuern, doch meistens, über kurz oder lang, enttäuschten auch die erotischen Abenteuer. Einige fragten sich dann schon, dass es außer Sex noch etwas anderes geben muss (Liebe) und bereuten ihre Untreue. Andere suchten ihr Glück in anderen Abenteuern und fanden bestenfalls ein trügerisches Glück. Meistens geriet man in den Strudel eines psychischen Leidens, die sich äußerlich im Trennungsschmerz, Ehekrieg und Scheidung äußerten.
Im Rahmen eines neuen Emanzipationsverständnisses, entdeckten die Frauen in ihrer Rolle, als Begehrenswerte, auch Vorteile. Sofern sie sich erotisch interessant machten, konnten sie einen hohen Einfluss erlangen und mit selbstsicheren Auftreten manche Ziele durchsetzen. Das Bild von der modernen Frau änderte sich demzufolge und aus der Gejagten wurde ein Jäger. Selbstbewusste Frauen nutzten ihre Reize beruflich wie privat. Sie stiegen verstärkt in leitenden Positionen auf und kosteten ihre Macht über die Männer aus. Im Zuge der neuen Emanzipationswelle wurde nun auch Männerstriptease für Frauen angeboten und Jamaika wurde die Insel für ihre erotischen Abenteuer (Thailand für Männer).
Im Zuge der neuen Emanzipation spielten sich aber auch privat zahlreiche Dramen ab. Erfolgreich waren in der Regel nur eine Minderheit oder Frauen, die mit ihrer Schönheit punkteten, da sie aufgrund des geprägten Schönheitsideals von den Medien verehrt wurden. Gesellschaftspolitisch schafften es engagierte Frauen zu Vorsitzenden von Bürgerinitiativen oder Bürgerrechtsbewegungen oder engagierten für die Emanzipation. Sowohl beruflich, als auch sportlich drangen Frauen endgültig in die Domänen der Männerwelt ein (Eishockey, Fußball, Boxen) und entscheidend bewirkten sie ein ökologisches Denken und setzten Maßstäbe zur gesunden Ernährung.
Für die meisten Frauen machte sich jedoch Verunsicherung breit, wenn sie nicht dem Ideal entsprachen oder bei weitem nicht so selbstsicher waren. Zur wesentlichen Angst wurde dabei, seinen Partner zu verlieren und mündete dann in eine unterordnende Haltung in einer Beziehung. Extreme in der Partnerschaft nahmen insgesamt zu. Besonders häufig waren Beziehungen, in dem der Mann seine Frau züchtigte, ihr angeknackstes Selbstbewusstsein brach und sie wie eine Sklavin behandelte. Es waren jene Männer, die dem alten Rollen-verständnis anhingen und keine emanzipierte Frau neben sich duldete. Umgekehrt gab es nun auch Frauen, die über ihre Männer ihre Macht auskosteten. Dementsprechend wurde einerseits Frauen- und Männerhass zur Normalität und andererseits stieg der Trend zu http://www.ey-lou-flynn.de/wp-content/dateien/0007_ehen.gifabnormen Sexpraktiken.
Allgemein wurde Liebe als Zeitfaktor begriffen und definierte sich nun als wirtschaftliche Zweckgemeinschaft. Ein Zusammenleben erhöhte lediglich den gemeinsamen Wohlstand und brachte steuerliche Vorteile ein. Eine Ehe war jedoch ein Wagnis, weil der Gesetzgeber im Scheidungsfall ein Trennungsjahr vorsah und Scheidungskosten drohten. Es war also besser nicht zu heiraten, um schneller wieder frei zu sein.
Entgegen dem Trend forderten gleichgeschlechtliche Paare das Eherecht für sich. Darüber hinaus hegten sie den Wunsch Kinder zu adoptieren und Lesben forderten für sich die Möglichkeit eines Retortenbabys. Die Ursache hierfür liegt darin begründet, dass homosexuelle Beziehungen in der Regel bislang äußerst instabil waren und mit der Ehe und dem Kinderwunsch erhofften sie sich mehr Stabilität. Erst seit den 80er Jahren wurden Homo-sexuelle gesellschaftlich akzeptiert und in den 90er Jahren zur Normalität. Verbanden sich bisher Homosexuelle durch ihre gesellschaftliche Ablehnung zusammen, bestand dafür nun kein Grund mehr und probierten neue Partnerschaften aus. Außerdem stieg die Zahl der Homosexuellen/Lesben und ähnlicher Orientierungen in dem Jahrzehnt drastisch an und war auch ein Resultat der chaotischen Beziehungsproblematik. Neben den Problemen in der Zweisamkeit, gab es starke Differenzen zum Kinderwunsch.
Einerseits hofften Frauen, einen Mann mit einem Kind an sich binden zu können oder es als  Ersatz für eine Liebe haben zu wollen. Dagegen stieg die Zahl derer, die ein Kind, wegen der beruflichen Karriere ablehnten.
Hatte sich ein Paar für ein Kinder entschieden, so war damit besonders ein logistischer Aufwand (Kindergarten, Schule) verbunden, vor allem wenn Frauen berufstätig waren. Für die meisten Familien war es finanziell notwendig geworden, dass die Frau arbeitete und im Osten sogar selbstverständlich. In der DDR wurde mit der Gleichberechtigung der Frauen, auch Maßnahmen zur Kinderbetreuung geregelt. Unter anderem, gab es im Osten somit ausreichend Kindergärten, im Gegensatz zum Westen. Die Bundesregierung kam den Familien mit Kindern politisch nicht ausreichend entgegen und schon gar nicht den Alleinstehenden mit Kind.
Zu einem politischen Reizthema wurde die Abtreibung und führte zum hartnäckigen Disput zwischen Ost und West. Die Ostfrauen wollten sich nicht ihr Recht auf Abtreibung nehmen lassen und wurden dabei von den Westfrauen unterstützt. Nach hartnäckigen Widerstand der Kirchen lenkten sie schließlich ein und gaben der Politik grünes Licht für einen Kompromiss (Fristenlösung). Neu im Trend lag die Leihmutterschaft, die schon wegen erheblicher juristischer Bedenken untersagt wurde und auch für eine künstliche Befruchtung wurden Regeln festgelegt, obwohl der Staat insgesamt an Kinder interessiert war. Kinder waren ein wichtiger Marktfaktor für die Unternehmen. Neben diversem Spielzeug lockte die Werbung mit Kinderfilmen und Musik-CDs den Eltern das Geld aus der Tasche.
Im Zuge des freiheitlich demokratischen Denkens kursierte eine Fülle von Meinungen zu allen möglichen Themen über die Medien umher. So auch über die Kindererziehung. Die antiautoritäre Erziehung wurde zum Gesetz, aber die Details darüber waren strittig. Wie bei allen gesellschaftlichen Thematiken verbreiten sich die verschiedensten Ansichten und verunsicherten den Bürger. Es gab keine richtungsweisende Ideale und Werte mehr, zumal die bisherigen Werte als spießbürgerlich oder überholt galten. Besonders am Pranger stand in der Kindererziehung, die Züchtigung, wie Ohrfeigen oder Stubenarrest. Stattdessen sollten die Eltern psychologisch auf ihre Kinder einwirken. Es zeigte sich sehr schnell, dass die Kinder ihren Status begriffen und ihn egoistisch ausnutzten. In zahlreichen Familien standen der Beruf, die Karriere oder persönliche Interessen im Vordergrund und vernachlässigten dabei ihre Kinder. Sie beschäftigen sich kaum noch mit ihnen (Spielen, Reden) und glaubten sich mit dem Spielzeugkauf zu rehabilitieren. 
Insgesamt kam die notwendige Kommunikation zu kurz, wodurch bei den Kindern ein egoistisches Konsumverhalten erzeugt (Besitzgier) wurde. Es verstärkte sich ein rebellisches Verhalten, wenn das Kind nicht das bekam, was es wollte. Unterschwellig litt auch die Psyche, wodurch sich Aggressionen und Perversionen herausbildeten. Bei Jugendliche spiegelte sich das im Trend zur Begeisterung für das Abnorme wieder (s. Spaßgesellschaft). In anderen Familien oder häufig bei Alleinstehenden, wurden andere Tendenzen sichtbar. Kinder wurden mehr dressiert und ihnen ein eigener Willen genommen. Extreme bildeten sich heraus. So wurde hier ein Kind mit Süßigkeiten vollgestopft und wie ein Haustier behandelt oder dort ein Kind zu einer Karriere gezwungen (Klavierspielen). Eltern oder Alleinerziehende entwickelten auch Methoden, um ihre Kinder psychisch zu Foltern. Das entfachte die Diskussion über physische und psychische Gewalt.
Letztendlich galt es die Kinder in eine Spur zu bringen, damit sie später verantwortungsvolle Bürger der Gesellschaft wurden. Mit ihren unterschiedlichen Lehrmethoden versagte die Schule größtenteils, da sie nicht fähig waren die Schüler zu leiten. Mit hochgestochenen pädagogischen Prinzipien, wollten sie die Individualität fördern, aber häufig verstanden sie ihre Schüler nicht mehr. Die Lehrer waren oftmals unfähig auf Erscheinungen zu reagieren, wodurch sich der Schüler im Einzelfall allein gelassen fühlte. Dieses Versagen setzte sich bei den Jugendlichen fort.
Bis zum Ende der 90er Jahre zeigte sich demzufolge sehr deutlich das Scheitern der Belehrungs-Psychologie. Die Straftaten von Kindern und Jugendlichen nahmen sprunghaft zu und das Verhalten untereinander war häufig berechnend und aggressiv. Es bilden sich Gruppen und Gangs, die weit entfernt waren vom propagierten humanistischen Geist, aber geschickt die praktizierte Psychologie strafmildernd für sich verwendeten. Die Mehrheit der Bürger betrachtete die angewandte Psychologie als gescheitert und forderte von der Politik Maßnahmen. Letztendlich wurden für die wachsenden gesellschaftlichen Probleme andere Ursachen verantwortlich gemacht, die zum Teil begründet waren.
Doch eine verwirrende Argumentation überzeugte selten, umso unverständlicher war, dass neue Richtlinien das Chaos vergrößerten und die Menschen noch mehr verunsicherten. Statt Probleme zu lösen, verschärften sie sich. Der Strafvollzug verlor seine Schrecken, durch humanistische Haftbedingungen und das Gerede von der Zweiten Chance wurden juristisch stärker durchgesetzt. Dementsprechend sank die Hemmschwelle zu kriminellen Taten und dem Respekt vor der Menschenwürde. Durch handlungsunfähige Regierungen, sah sich der Bürger auf den Weg in die Anarchie und lebte in der Hoffnung sein Leben leben zu können und ignorierte daher gern die Realität. Die Prognose für das neue Jahrtausend sah demzufolge eher düster aus und konnten nur mit viel Humor kompensiert werden.  

Und stets galt es, seine Schäfchen ins Trockne zu bringen (den Wohlstand zu mehren).

7. Kick des Lebens (Selbstdarstellung)

Mut zum Risiko und einmal über sein Schatten gesprungen zu sein, bekam für das Selbstwertgefühl eine hohe Bedeutung. Bungeejumping war so eine ultimative Mutprobe und ein  Körper-Tattoo war beinahe eine Pflicht für jeden Jugendlichen. Neu waren die Techniken des Piercing oder Brandings. Jugendliche neigten zu gefährlichen Aktionen, aber um einmal im Mittelpunkt zu stehen nahmen sie die Todesgefahr in Kauf. Beliebt waren illegale Autorennen, nachts auf normalen Straßen und das S-Bahn Surfen, bei geöffneter Tür, auf dem Trittbrett draußen, von einer Station zu anderen zu fahren. Auch das Springen von Brücken in einem Fluss war meistens lebensgefährlich.
Ein hohes Unfallrisiko war dagegen mit dem Skateboard verbunden. Die Industrie kam der Trendsportart nach und entwickelte die notwendige Schutzbekleidung dazu. Nach erstem Zögern nahmen die Jugendlichen die Schutzmaßnahmen an. Von den Trendsportarten war Beach Volleyball am ungefährlichsten und diente mehr der körperlichen Zurschaustellung. Wer anderweitig im Mittelpunkt stehen wollte, versuchte in die Medien zu kommen, so rannten, sogenannte Flitzer, während eines Fußballspieles nackt über die Spielfläche. Schließlich gab es noch kriminelle Auswüchse in Form von Gangs, die ganze Straßenzüge terrorisierten und mit entwürdigenden Mitteln sich Opfer suchten, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Nicht selten quälten sie ihre Opfer oder lebten an ihnen ihre perversen Fantasien aus. Nicht minder abscheulich waren jene Gruppierungen, die makabre Scherze umsetzen und ihre Opfer demütigten.

8. Wegwerfgesellschaft

Noch stärker als in den 80er Jahren verführte die Werbung den Bundesbürger dazu einem modernen Trend zu folgen. Einrichtungsgegenstände wurden nicht mehr entsorgt weil sie kaputt sind, sondern unmodern. Bei der Bekleidung wurden bewusst Modetrends für den Normalbürger gesetzt und für die Reichen teure Designerkleidung entworfen. Die Modeindustrie bedient zudem jeden profitablen Trend der Jugendlichen. Massenhaft landeten Kleidung und Schuhe im Müll oder im Altkleidercontainer. Für die Bürger mit beschränkten finanziellen Mitteln entstand ein An- und Verkauf-Markt. Typisch für die 90er Jahre wurde die Begeisterung für technische Geräte. TV-Geräte,  Handys, Computer, oder Küchengeräte erfreuen sich einer großen Nachfrage und wer es sich leisten konnte, erneuert seine alten durch moderne Geräte. Ebenso saß beim Kauf eines Autos das Geld ziemlich locker. Unterstützt wurde die jeweilige Gier, durch trügerische Rabatte und so manches preisgünstiges Angebot stellte sich als Kostenfalle heraus.
Die Luxustendenz rief auch eine Reihe von Betrügern auf den Plan und für Einbrecher und Diebe übte der präsentierte Wohlstand eine magnetische Anziehungskraft aus. Anfang der 90er Jahre waren besonders die Ostdeutschen ein begehrtes Ziel von Kleinkriminellen. Der bis dahin wohlbehüteten Osten fiel auf die kriminellen Machenschaften herein, kauften naiv Billigware, die sich als Schrott erwiesen oder schlossen lukrativscheinende Verträge ab und zahlten wegen den kleingedruckten Vertragsbedingungen mächtig drauf. Schließlich lernten die Ostdeutschen mit den negativen Erscheinungen der Markwirtschaft umzugehen. Zudem verbesserte sich die finanzielle Situation (speziell Berlin) im Osten. Jeder Bundesbürger der es sich leisten konnte strebte mindestens einen eigenen Mittelklassewagen, ein eigenes Haus und einen 14-tägigen Urlaub an. Dazu wollte man modisch im Trend liegen und technisch auf dem neusten Stand sein. Im Prinzip schuftete der Bundesbürger nur noch für die Statussymbole und vergaß dabei zu leben bzw. entfernte sich davon.

9. Schönheitswahn

Der Schönheitstrend idealisierte spindeldünne Blondinnen und die Werbung zeigte sie als erfolgreiche anerkannte Frauen. Das führte dazu, dass junge Mädchen alles Taten um sich diesem Ideal zu nähern. Sie wollten ebenfalls zu jenen gehören, die im Rampenlicht standen oder zu denen man gesellschaftlich aufschaute. Mit Kosmetik, Dessous, Kleidung und Schuhe wurden die Vorbilder kopiert. Frauen gaben Unmengen an Geld für Diätprogramme aus oder unterwarfen sich der Fitnessfolter. Finanzierbar wurde auch die Schönheitschirurgie für den Normalbürger. Dennoch verschlangen Brustvergrößerungen oder das Fettabsaugen ebenso viel Geld. Frauen und Mädchen entwickelten eine Schönheitspsychose mit dem Ringen um Anerkennung und Bewunderung. Der Wahn mündete oftmals in die Magersucht, einem bewussten Hungern, um so schlank wie möglich zu sein. Nicht selten wurde die Psychose lebensgefährlich oder führten zu schweren körperlichen Schäden (Unterernährung). Die magersüchtige Isabelle Caro machte 2007 mit einer Fotokampagne auf sich aufmerksam, um besonders junge Models davor zu warnen. Einige Modeschöpfer reagierten sofort und gaben neue Richtlinien für den Laufsteg.

10. Wissenschaftsgläubigkeit

Die Meinungsvielfalt betraf nicht nur gesellschaftliche Sachverhalte, sondern auch die Wissenschaft wurde infrage gestellt. Besonders über das Internet wurden vermeintliche Tatsachen hinterfragt. Verschwörungstheoretiker stellten beispielweise die Mondlandung 1969 infrage und unterstellten der NASA, der Welt eine Studioproduktion vorgespielt zu haben. Das hinter-fragen von wissenschaftlichen Erkenntnissen, führte außerdem zu neuen Denkansätzen und Erkenntnissen, die jene propagierten Theorien der Forschung widerlegten.
Vorreiter war der Schweizer Erich von Däniken, der mit seiner Theorie, über das Wirken von Außerirdischen, die Wissenschaft in Erklärungsnöte brachte. Seit den 70er Jahren konfrontierte er die Wissenschaft mit seiner Theorie. Erst in den 80 Jahren verbreiteten seine Thesen und es stieg die Zahl der Forscher die seinen Denkansätzen folgten. In den 90er begeisterte seine Weltsicht zahlreiche Hobby-Forscher. Dazu kamen nun noch andere Thesen, wodurch es kein absolutes Wissen mehr gab. Die renommierte Wissenschaft Wehrte sie entsprechend und erklärte ihren Wissenstand zum Dogma. Das war in gewisser Weise auch nötig, da zu viel Pseudowissen verbreitet wurde, wodurch wiederrum so manche interessante These blockiert wurde. Letztendlich trennte sich rasch die Spreu vom Weizen und bestimmte Thesen setzten sich durch. Daraufhin änderte die renommierte Wissenschaft ihre dogmatische Haltung, räumte ein, dass nicht alles erklärbar ist und somit einige Thesen für
möglich erachtet, sofern sie logisch fundamentiert sind. Um die Menschheit nicht weiter zu verunsichern hielt die Wissenschaft an ihren Thesen fest, sofern nicht eine überzeugende Beweisführung eine These wiederlegt. Speziell über die Urgeschichte der Erde, gab es zahlreiche Theorien. Wie schwer sich die Forscher mit einem neuen Denken tun, veranschaulicht die Theorie über die Verbreitung der Menschen. Die Wissenschaftler beharren auf die These, dass in Afrika der Mensch entstand und sich von dort, über die Welt verbreitet. Knochenfunden außerhalb von Afrika und logische Zweifel, wiedersprechen der These und gehen von mindestens einem weiteren Entwicklungszentren des Menschen in Asien aus.  
Nicht nur erdgeschichtliches Wissen steht zur Disposition, sondern fast alle Wissensgebiete müssen sich gegen eine Vielzahl von Denkansätze oder Erkenntnisse wehren. Im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit wurden auch fragwürdige Thesen verbreitet. So erschienen um und über Adolf Hitler diverse Bücher und Schriften, die sehr stark einen idealisierenden Effekt auslösten. Völlig unverständlich war, dass sogar Schriften erscheinen durften, die den Judenmord in der NS-Zeit leugnen durften und die Nazi-Verbrechen relativierten. Insgesamt war der Bürger jedoch überfordert von Thesen und Antithesen, so dass sich ein großes Desinteresse verbreitete und gesellschaftlich der bisherigen Lehrmeinung folgte.

11. Rechtschreibreform & Wissensniveau

1996 wurde die Rechtschreibreform für deutschsprachige Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) durchgesetzt. Ziel war es die deutsche Sprache zu vereinfachen und die Grammatik und Rechtschreibung sinnvoller zu machen. Doch abgesehen davon, dass eine Reihe von  Bücher und Schriften neu gedruckt werden mussten, war die Kritik an der Reform sehr hoch. Die neuen Regeln wurden nicht als Erleichterung empfunden, sondern machten vieles komplizierter und einiges wirkte unsinnig. Die Öffentlichkeit zeigt sich stark ablehnend und bekannte Zeitungsverlage druckten ihre Blätter demonstrativ nach der alten Rechtschreibweise weiter. Der anhaltende Protest zeigte Wirkung, allerdings mit dem Resultat, dass die Reform nur in Deutschland 2004 und 2006 überarbeitet wurde. Nicht aber in der Schweiz und Österreich. Somit gibt es inzwischen ein verschiedenes Deutsch in den deutschsprachigen Ländern. Übrigens der Duden, das Hauptnachschlagewerk für die deutsche Sprache, musste demzufolge mehrmalig überarbeitet und gedruckt werden. Die verschiedenen Ausgaben verwirrten nun völlig. Für die Schulen war damit ein unnötiger finanzieller Aufwand verbunden und insgesamt waren die Bürger in Punkto Grammatik und Rechtschreibung total verunsichert. Besonders fatal war das für Schüler, aber auch Lehrer.
Nicht nur die Rechtschreibreform wirkte sich erheblich auf das Wissensniveau von Schülern aus. Der neue Zeitgeist ermöglichte neue Lehrmethoden. In den staatlichen Schulen führte das zu unterschiedlichen Lehrplänen und Lehrmaterialien. Nicht nur Bundesländer benutzten verschiedene Materialien, selbst Schulen innerhalb einer Stadt konnten sich auf kein einheitliches Lehrmaterial verständigen. Ein Schulwechsel wurde somit zum Problem. Alternativ wurden auch Privatschulen zugelassen. Insgesamt führten unterschiedliche Lehrmaterialien und Lernmethoden zu einem ungleichen Wissensstand. Das bedeutete für die Abiturklassen, dass sie ihre Schüler in der 11. Klasse auf einen gemeinsamen Wissensstand bringen mussten. Im Gegensatz zur DDR (12 Klassen) waren in der Bundesrepublik 13. Klasse notwendig.
Die Kritik an dem Schulsystem war groß. Aber anstatt sich an erfolgreichen Schulsystemen in Europa zu orientieren, kamen weitere Schulmodelle hinzu. Für die Grundschüler setzte  sich die Maßgabe „spielerisch zu lernen“ durch. Zur Förderung des Individualismus wurden dazu die Leistungsnoten abgeschafft. Das funktionierte aber nicht und Lehrer gingen dazu über, die Leistungen mit Tierstempel zu versehen (Bienchen = 1). Für die höheren Klassen wurden individuelle Leistungskurse mit einem Punktesystem eingeführt. Schnell offenbarten sich die Nachteile der Bildungsstrategie, die jedoch ignoriert wurden und die Verantwortlichen andere Ursachen dafür ausmachten. In der PISA-Wissensstudie (ab 2000) erreichte Deutschland einen beschämenden Platz 20, zumal nicht alle Staaten Europa daran Teilnahmen. Doch erneut verschanzten sich die Verantwortlichen hinter Ausreden und benannten irgendwelche Ursachen, statt selbstkritische Fehler einzuräumen.
In der Summe hatte das zur Folge, dass Schulzeugnisse nicht aussagekräftig waren. Zudem zeigten viele Auszubildende eine mangelhafte Arbeitseinstellung, die weder flexibel noch dynamisch war. Ausbildungsbetriebe waren gezwungen Einstellungstests auszuarbeiten, um Lehrlinge zu erhalten, die fähige Mitarbeiter der Firma werden konnten. Dieser Zustand äußerte sich im wesentlich darin, dass die Firmen keine Lehrlinge ausbilden wollten.

12. Kids & Fan-Euphorie

Mit dem höheren Wohlstand verfügten nun auch die Kids über ein höheres Taschengeld und machte sie für die Wirtschaft als Einnahmequelle interessant. Der Absatz an Spielzeug war schon enorm gestiegen und Kinder zwischen 8 und 12 Jahren (KIDS) offenbarten ein hohes Interesse an Filme, Musik-CDs, Computerspiele und Freizeitangeboten. Zu schnell wollten Kinder erwachsen werden und über die Sozialpolitik wurde die Persönlichkeit angehoben. Im Sinne der Wirtschaft wurde von der Erwachsenenwelt mehr Anerkennung ihrer Persönlichkeit eingeklagt. Mädchen verfielen schon dem Schönheitswahn und wollten von den Jungen verehrt werden. Die Knaben übten sich dagegen im Darstellungsgehabe, ein cooler Typ zu sein und revoltierten gegen Eingrenzungen. Das neue Selbstbewusstsein der Kids brachte für die Wirtschaft zahlreiche Einnahmequellen. So wurde der Verkauf von Singles maßgeblich von ihnen beeinflusst und verfielen der Fan-Euphorie. Besonders die Mädchen vergötterten ihre Idole von Boygroups. Unerwartet machte sich dabei eine entgegengesetzte Euphorie breit. Nicht die Schönlinge der Boygroups wurden verehrt, sondern die bizarre Kelly Family. Die Bekleidung der Gruppe entsprach eher Lumpen und der Gesang war auch nicht überragend.
Die Kelly-Familie, war eine umherziehende singende Familie, die ihren Lebensunterhalt auf der Straße verdiente. Vater Daniel Jerome „Dan“, zog mit seiner Familie durch verschiedene Länder und kam schließlich nach Deutschland. 1994 wurde „An Angel“ zum Hit und entfachte eine beispiel-lose Fanverehrung. Die Kelly Family lebte bescheiden auf einem Hausboot am Rhein. Es war ihre Unvollkommenheit die begeisterte. Sie zeigten den Kids, dass man keine Perfektion anstreben muss um Glücklich zu sein. Die Familie repräsentierte ein Ideal von einer geschlossenen Harmonie, Zusammenhalt und Liebe. Genau das wünschten sich viele Kids in einer kalten gefühllosen Welt. Diese Euphorie wurde von der Wirtschaft gewinnbringend ausgeschlachtet.

13. Medialer Alltag

Die 90er Jahre waren geprägt von den neuen technischen Möglichkeiten für den einfachen Bürger zu bezahlbaren Preisen. Videorekorder ermöglichten den Mittschnitt von Fernsehsendungen und machten den Bildschirm zum Heimkino. Ein schnurloses telefonieren wurde möglich und der Begriff Handy verbreitete sich für die Mobilgeräte, die handlicher und kleiner wurden. Es gab inzwischen weitere private Fernsehsender mit einem durchgehenden Programm und durch die gegenseitige Konkurrenz wurde das Angebot immer vielfältiger. Nachteil war, dass die Menschen unterschiedliche Sendungen sahen und somit bot Fernsehen keinen gemeinsamen Gesprächsstoff mehr. Es bildeten sich daher Fan-Gemeinschaften, um mit anderen über eine Sendung oder Serie reden zu können. Nur wenige Highlights im Fern-sehen sprachen die breite Masse an („Wetten, dass ...?“), die im Alltag für Gesprächsstoff sorgten. Auch die vielen Radiosender mit durchgängiger Musik begannen die Menschen zu spalten, was den einen eher nervte, war für den anderen seine Lieblingsmusik.
Die Medien rückten allerdings für die Jugendlichen etwas in den Hintergrund, sie fühlten sich zu den neuen elektronischen Neuheiten hingezogen. Sie waren begeistert von LCD- und den Konsolenspielen oder dem Game Boy. Doch der absolute Hit war der Computer, mit seinen vielfältigen Möglichkeiten. Das Word-Programm machte die Schreibmaschine überflüssig und mit der CD-ROM-Technik wurde es leichter umfangreiche Programme zu installieren. Begeistert waren Jugendliche davon Musik-CDs kopieren zu können und vor allem wurden PS-Spiele grafisch immer besser, vielfältiger und authentischer.
Ab 1993 wurde das Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Speziell der Anbieter AOL öffnete das Tor zur Welt und in einem rasanten Tempo, gab es Online diverse Angebote für die verschiedensten Interessen. Besonders begehrt waren Musikportale, die kostenlose Downloads anboten und erste Chat-Portale, über die man sich anonym austauschen konnte. Die Faszination von Computer und Internet führte zum Suchtpotenzial. Eine steigende Zahl von Jugendlichen verbrachte seine Freizeit vor dem PC. Sie igelten sich ein, entfernten sich vom realen Alltag und ließen sich auf virtuelle Ersatzwelten ein. Besonders gefährlich waren Spiele, die von Gewalt geprägt waren und dem Spieler das Gefühl von Macht vermittelten. Da die Spiele grafisch und thematisch immer realer wurden, ging bei einigen Spielern der Sinn für die Wirklichkeit verloren. Psychologen warnten bereits zeitig davor, dass durch bestimmte Spiele die Hemmschwelle zur Gewalt sank. Sie forderten für alle Spiele ein Verbot, die inhaltlich Horror, Gewalt, Krieg und motivierende Action (Autorennen) zum Thema hatten.
In den USA kam es schließlich zu Horrortaten, Amokläufen und brutalen Gewaltaktionen, deren Täter von mörderischen PC-Spielen inspiriert wurden. Der Gesetzgeber hierzulande handelte, allerdings sehr inkonsequent und verfügten lediglich eine Altersbeschränkung. Das Geschäft mit PC-Spielen war längst zu einem gigantischen Markt geworden, den man nur sporadisch beschnitt. Trotzdem auch in Deutschland Gewalttaten zunahmen, die wahrscheinlich auf PC-Spiele beruhten, sah die Regierung keinen Handelsbedarf. Stattdessen wurde der Einfluss von PC-Spielen bezweifelt und Verbote als Eingriff in die persönlichen Freiheiten gewertet. Über wirklich bedenkliche Spiele, sollten die Jugendlichen lediglich über die Risiken aufgeklärt werden. Die Schulen und Medien sollten dazu eindringlich vor der Suchtgefahr warnen.

14. Krawalltouristen

Ein neuer Trend machte sich breit und es bildeten sich radikale Gruppierungen die bewusst die Konfrontation mit der Staatsmacht (Polizei) suchten. Heldenhaft wie ein Krieger, ging es darum, gegen einem übermächtigen Gegner zu bestehen. Wesentlich dabei war ein medialer Effekt. Auseinandersetzungen nach einem Fußballspiel wurden von den Medien kaum noch registriert. Effektvoller war es sich unter Demonstranten zu mischen, die Stimmung anzuheizen und die Lage eskalieren zu lassen. In den 90er Jahren entzündeten sich besonders stark Proteste gegen die Globalisierung, die von den Demonstranten nicht als Hilfe, sondern als Kolonialisierung von Staaten angesehen wurde. Demonstranten reisten deshalb zu den Konferenzen der Wirtschaftsmächte und brachten dort ihren Unmut zum Ausdruck. Unter den friedfertigen Demonstranten mischten sich aber jene Randalierer, denen die politische Motivation völlig egal war. Sie suchten nur den Konflikt und reisten zu den Brennpunkten in Europa. Überall dort, wo medienwirksame Proteste anstanden, mischte sie sich unter die Demonstranten, heizten die Stimmung an und ließen den Protest eskalieren. Zerstörerische Randale und Straßenschlachten mit der Polizei waren die Folge. Die Krawalltouristen schädigten damit erheblich den eigentlichen Sinn der Demonstration. In der Öffentlichkeit wurden alle Demonstranten unter Generalverdacht gestellt und als gewaltbereite Anarchisten angesehen. Für die Politik kamen Krawalltouristen deshalb nicht ungelegen und wurden deshalb auch sehr inkonsequent verfolg und bestraft. Letztendlich fanden sich immer weniger Demonstranten, um ihren Protest zu äußern, aus Angst verletzt zu werden, denn bei einer Eskalation kamen häufig die wirklichen Demonstranten zu Schaden.

15. Umweltbewusstsein

Deutlicher als jemals zuvor, zeigten sich Auswirkungen von Umweltschäden und forderten dringend Maßnahmen. Die Mehrheit der Menschen befürwortete zwar Umweltschutzmaß-nahmen, war aber nicht bereit, dafür auf Annehmlichkeiten zu verzichten. Viele Forderungen von Umweltschützern gingen der Bevölkerung deshalb zu weit und zudem verunsicherten die unterschiedlichen Standpunkte zum Umweltschutz selbst die Befürworter. Demonstrationen zum Umweltschutz fanden kaum noch Resonanz und über Funk und Fernsehen wiederlegten Experten jene bedrohlichen Thesen. Selbst das Sparen von Energie oder Wasser wurde in den Haushalten nur halbherzig durch-gesetzt. Im Trend lag mehrmaliges Duschen am Tag und zur Weihnachtszeit begann man sein Haus mit Lichterketten zu verschönen. Selbst die Mülltrennung funktionierte kaum noch und für das bisschen Pfandgeld für eine Bierflasche lohnte sich nicht der Weg in den Supermarkt. Auch Umweltmaßnahmen gegenüber der Industrie verfehlten oft ihre Wirkung. Unternehmen zahlte lieber Umweltstrafen, statt teure Filteranlagen zu installieren und fanden Möglichkeiten ihre Umweltsünden zu vertuschen. Laut Studien und Publikationen verringerte sich die Verschmutzung der Gewässer und der Luft, aber in der Argumentation wurden einige ursächliche Details verschwiegen. Speziell der technische Wandel in der Industrie brachte es mit sich, dass herkömmliche Fabriken nicht mehr gebraucht wurden. Qualmende Schornsteine gehörten der Geschichte an und somit auch giftige Substanzen, die zuvor massenhaft in die Gewässer geleitet wurden. Somit relativierten sich die Erfolge der Politik im Umweltschutz durch neue Techniken. Selbst Umweltpartei Die Grünen hinterfragten solche Statements nicht und entfernten sich insgesamt von ihren ursprünglichen ökologischen Ansatz.

16. Gentechnik & Seuchen

Eine heftige Diskussion löste die Gen-Technologie aus und einflussreiche Kräfte aus der Wirtschaft setzten ein Verbot durch. Sie verbreiteten die Angst davor, dass mit der Technik Tabugrenzen durchbrochen werden könnten, die unkalkulierbare Risiken in sich bargen. Andere Nationen waren wesentlich aufgeschlossener und so wurde in Großbritannien das Clone-Schaf Dolly geboren. Sicherlich lagen Fluch und Segen dicht nebeneinander, doch genmanipulierte Nahrungsmittel könnten das zukünftige Ernährungsproblem der Welt lösen. Für alle Wirtschaftszweige, die von der bisherigen Landwirtschaft profitierten, barg die Gen-Technik ein erhöhtes Risiko im Preisverfall für Lebensmittel. Gerne malten sie mit den idealistischen Gegner das Gespenst von düsteren Visionen, dass Wissenschaftler an einen Supermenschen basteln könnten. Natürlich ist diese Angst nicht unbegründet, doch die bisherige Landwirtschaft war ebenfalls in Verruf geraten.
Eine Reihe von Lebensmittel-Skandalen offenbarte, wie sehr landwirtschaftliche Betriebe immer wieder gegen Auflagen und Bestimmungen verstießen. Angefangen über den Einsatz unerlaubter Substanzen bei der Fütterung von Tieren, den chemischen Düngemitteln auf den Feldern, bis hin zu bedenklichen Methoden der Massentierhaltung. Viele Produkte stellten somit direkt oder indirekt eine gesundheitliche Gefahr für den Menschen dar.
http://www.onlinewahn.de/b11.jpgNeu hinzu kam nun noch die Rinderseuche BSE (Bovine spongiforme Enzephalopathie), einer Seuche, die sich im Gehirn von Rindern verbreitete und zum Tod führte. Die Erreger im Fleisch gerieten in den Verdacht, sie könnten die tödliche Gehirnkrankheit Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen auslösen. Über die Medien wurde daraufhin verallgemeinert, dass infiziertes Fleisch für den Menschen sehr gefährlich sei. Aufgrund der Ansteckungsgefahr wurden alle erkrankten und verdächtigen Tiere getötet  und das Fleisch vielerorts vom Markt genommen. Besonders stark betroffen war England und von dort soll sich die Seuche über ganz Europa ausgebreitet haben. Über 40.000 Rinder starben bzw. wurden getötet, bis sich Experten Gehör verschafften und die Gefährlichkeit von BSE bezweifelten. Die übertriebenen Maßnahmen zu Bekämpfung von BSE gerieten in den Verdacht einer wirtschaftlichen Strategie. Im Handel verkaufte sich nämlich das nun etwas teurere Schweine- und Geflügelfleisch wesentlich besser, als Rindfleisch. Dennoch ließen sich viele Bürger nicht vom Kauf, des nun billigen Rindfleisches nicht abhalten.
Nach der BSE-Seuche folgte die Geflügelgrippe, die ebenso für ein sinnloses Abschlachten der Tiere sorgte und auch die Maul- und Klauenseuche ruinierte so manchen Bauer. Leider konnte nicht nachgewiesen werden, ob nicht die Wirtschaft bestimmte Seuchen zur Preisregulierung benutzte und die Politik zu überzogenen Maßnahmen veranlasste. Insgesamt geriet die Landwirtschaft in den Fokus der Öffentlichkeit und auch die Lebens-mittelindustrie, die mit chemischen Geschmacksverstärkern oder Farbstoffen arbeitete. Die Flut an Skandalen schaffte auch hier Verwirrungen und ebenso begann der Bürger jene Meldungen zu ignorieren. Es interessierten ihm wenig die KZ-Hühner (Legebatterien) oder eine ökologische (teurere) Landwirtschaft. Er ernährte sich nach seinem Gutdenken und nach seinen finanziellen Möglichkeiten.