05. DDR-Lexikon E-N

DDR – Pop & Rock Lexikon             von E bis N  
            
( Von Elecktra  bis  NO55)

Anmerkung:
Auflistung von Interpreten, Gruppen und Orchester mit den Bekanntheitszusätzen:
    [A] = populärer Interpret oder Gruppen in der DDR-Musikszene
    [B] = relativ bekannte Interpreten oder Gruppen, mit wenig Präsenz in den Medien 
(Radio, TV), dennoch durch spezifische Eigenarten
              populär, z.B.: spektakulärer 
Auftritt, eindrucksvolle Konzerte, Musikstil auf Schallplatten oder es handelte sich um staatlich
              gescholtene Künstler, die über Kirchenkonzerte bekannt wurden
    [C] = bekannt bei Insidern und durch die Undergroundszene

 

E


ELECTRA           [A]                      (progressive & Artrock)

Erste Besetzung:  Bernd Aust ( fl, sax, keyb), Peter Ludewig (dr, voc), Karl-Heinz Ringel  (keyb), Ekkehard Berger (g, voc),
                               Wolfgang Riedel (bg)

Story: Die Dresdener Band gegründete sich 1969, mit Aust, Ludewig und Riedel. Hinzu kamen Stefan Trepte (voc), Hans Peter Dohanetz (keyb) und Peter Sandkaulen (g). Die Band gehörte neben den Puhdys, Renft und Panta Rhei zur DDR-Rockelite in der ersten Hälfte der 70er Jahre - - - durch die zwei gegensätzlichen Sänger (Trepte und Ludewig) brachte die Band eine interessante Farbe in die frühen Jahre des DDR-Rocks - - - der erste große Hit „Tritt ein in den Dom“ hatte eine Länge von fast neun Minuten - - - 1975 wechselte Trepte zu LIFT und Dohanetz verließ ebenfalls die Band - - - Rainer Uebel (keyb) und Gisbert Koreng (g, voc) kamen in die Band und machten sich musikalisch mit Adaptionen einen Namen - - - 1978 kam mit Manuel von Senden ein neuer Sänger hinzu, der allerdings eine ähnliche Stimmfärbung wie Peter Ludewig hatte - - - die Band stand bis Anfang der 80er Jahre für Kunstrock Made in GDR - - - 1980 erschien die hoch gelobte Konzept-LP ,,Die sixtinische Madonna“, die sich mit 150.000 Exemplaren überdurchschnittlich verkaufte - - - in den 80er Jahren war die Band regelmäßig in den Hitparaden der DDR vertreten, ein wirklicher Evergreen gelang ihnen nur mit dem Song „Nie zuvor“ (1984) - - - Ludewig spielte nebenher in der Country-Folkband SIMPLE SONG und probierte solistische Projekte - - - immer wieder kam es zu kleineren Umbesetzungen der Band - - - 1989 kehrte Stefan Trepte mit großen Plänen zur Band zurück, aber durch die Wende wurde die geplante LP nicht realisiert  - - - nach einer Durststrecke traten sie mit der Ostalgie wieder in Erscheinung und touren mit LIFT und STERN MEIßEN als Revivalband über die Konzertbühnen.
LP:    Elektra Combo (1974), Adaptionen (1976), Electra 3 (1980), Die sixtinische Madonna 
(I980), Ein Tag wie eine Brücke (1981),
          Augen der Sehnsucht (1985), Tausend und ein 
Gefühl (1987)

ELEFANT             [C]             ( bekannt durch Ute Freudenberg ) 

Band: Werner Kunze (g), Michael Heubach (keyb), Bernd Henning (g), Bodo Huth (bg), Peter Fiele (dr)

Story: Burkhard Lasch gründete 1976 ursprünglich in Weimar die Band, mit den drei Sängerinnen Marion Scharf, Eva Kyselka und Ute Freudenberg - - - 1977 strebten sie liedhafte Popmusik an, mit Augenmerk auf die Sängerinnen - - - bis 1980 wurde die Band völlig umgewandelt bis auf die Sängerin Ute Freudenberg und im selben Jahr stieg das Lied „Jugendliebe“ zum Megahit auf und gilt heute als einer der populärsten Hits der DDR-Rockgeschichte - - - mit dem großen Erfolg degradierte sich die Band zur Begleitband - - - nachdem Ute Freudenberg 1983 die DDR verließ, war auch das Ende der Gruppe besiegelt.
LP: Jugendliebe (1981), Alles oder Nichts (1982)

ENGERLING           [B]                   (Bluesband )

Band:  Wolfram Bodag (mundh, p, voc ), Heiner Witte (g), Rainer Lojewski (dr,), Erhard Klauschenz (bg), Reiner Greger (v, voc)
             und Peter Brandl (mundh, voc)

Story: Die Berliner Gruppe unter Leitung von Wolfram Bodag wurde 1975 gegründet und spielten einen erdigen, geradlinigen Blues- und Boogierock - - - die unspektakuläre Weise ihres Auftretens sowie der traditionelle Stil ihrer Titel, ließ die Band schnell zum Kultobjekt der DDR-Bluesfans werden - - - Vor allem der Titel „Mama Wilson“, eine Homage an den verstorbenen CANNED HEAD - Frontmann Al Wilson, wurde ein großer Erfolg - - - 1978 gab es diverse Umbesetzungen und 1980 erhielten sie den Berufsstatus - - - als einzige Gründungsmitglieder blieben Bodag und Witte danach übrig und weitere Umbesetzungen folgten - - - mit Peter Lucht (dr), Tilo Ferch (sax) und Günther Krex (bg) setzte sich für drei Jahre eine stabile Besetzung durch - - - 1986 fiel die Band erneut auseinander, wegen Ausreiseantrag und Armeezeit, und zudem geriet Bodag mit der Polizei aneinander, wobei ihm beide Hände gebrochen wurden - - - Ende 1986 entschied sich der Bandleader doch noch weiterzumachen, mit Bodag, Witte, Pokrandt (bg), Schulz (dr), Weiz (g) kam es zu einem Neuanfang - - - die Wende überstand die Band relativ unbeschadet und wurde zu diversen Festivals eingeladen und stand mit MEAT LOAF oder DR. FEELGOOD auf der Bühne.
LPs: Engerling (1979), Tagtraum (1981), So oder so (1989) 

ETC                 [C]                             (Begleitband)

Band:  C. Steyer (keyb), E. Rosser (bg), N. Wieklein (dr), R. Baptist (bvoc), D. Kopf (g),  W. Düwel (g)

Story:  Spielte ab 1973 als Nachfolger der Uwe Schikora Combo als Begleitband für Frank Schöbel - - - nachdem Frank Schöbel 1983 an den Stimmbändern operiert wurde, setzte das schleichende Ende ein, zumal Frank Schöbels neue Begleitband Datzu wurde - - - Mitte der 80er Jahre formierte sich die Gruppe als Begleitband von Hans-Jürgen. Beyer.
LP: Komm, wir malen eine Sonne (1976), Ich bleib der Alte (1977)

EXPRESS            [B]            ( Country - und Rockband)

Band:  E. Lemke (key, v, sax, voc), H. Zilliges (g, perc), P. Kmmele (b), R. Franz (dr)

Story: Die Berliner Band wurde 1971 gegründet und trotz zirka 50 eingespielten Lieder im Rundfunk, blieb die Band erfolglos - - - Erst 1977 kam als Gastsänger der Country- und Schlagerinterpret Peter Tschernig in die Band und legte Expreß verstärkt als Country Rockband fest - - - nach einem Jahr verfolgte Tschernig eine Solokarriere - - - Rainer Nawrath (voc) kam, der nur bedingt der Country Ausrichtung gerecht wurde - - - bewusst wurde ein Stilwechsel vorgenommen und man spielte nun melodiebetonten Rock - - - von 1980-1986 spielten sie verstärkt für den tschechischen Popstar Petra Janu - - - 1986 folgten verschiedene Umbesetzungen, bis sie sich zur Wendezeit auflösten - - - erwähnenswert wäre ihre Fanhymne für den 1. FC Magdeburg (Fußball) - - - neben einer kurzen populären Phase (1976 bis 1979), blieb die Gruppe überwiegend eine Begleitband.
Songs: Wenn Musikanten heimwärts fahren (1976), Ein Wigwam steht in Babelsberg (1976), 
Liebling ich verspeis dich zum Frühstück
            (1977), Nimm die Nacht in deine Hände (1978)

F


FEELING  B              [C]                             (Punkband)

Band: Aljoscha Rompe (g, voc), Paul Landers (g, voc), Christian Lorenz (key), Christoph Zimmermann (b),  Alexander Kriening (dr)

Story: 1983 gründete sich die Punkband im Berliner Prenzlauer Berg und zählte zu den Pionieren der Berliner Undergroundszene - - - die Band war ein Hauptbestandteil der DDR-Rock Dokumentation aus dem Jahre 1988 „Flüstern und Schreien“ - - - der kommerzielle Erfolg hielten sich in Grenzen - - - Lorenz und Landers wurden nach der Wende Mitbegründer der erfolgreichen Rock-Gruppe RAMMSTEIN.
LP: Geling B (1990)

FELLER, LINDA            [B]                   (Countrysängerin)

Geboren am 23. 09. 1966 in Ohrdruff (bei Gotha) als Uta Weitzel - - - 1984 schickten Freunde von ihr eine Musikkassette an die TV-Nachwuchssendung „Sprungbrett“ mit Hartmut Schulze-Gerlach - - - der Auftritt wurde ein großer Erfolg und H. S. Gerlach schrieb für sie den Titel „Tränen verraten dich“ - - - in der Folgezeit war sie mehr mit Country-Klassiker unterwegs und beim Amiga- Sampler „Country Roads“ interpretierte sie den Dolly-Parton Hit ,,Apple Jack“ - - - sie wurde Sängerin bei der Band COUNTRY & CO und war Frontfrau der Band bis 1988 - - - bei einem Konzert in Zürich (Schweiz) verabschiedete sie sich in die BRD - - - dort wurde sie sehr erfolgreich und über 15 CD wurden mit ihr veröffentlicht - - - der Höhepunkt ihrer Country-Karriere war ein Auftritt in der Grand Öle Opry in Nashville, dem Heiligtum aller Country-Fans.
Singlehits: Tränen verraten dich (1987), ich weiß genau was ich will (1992), Andere Mütter 
haben auch ein schönes Kind (1994),
                   Keiner lügt so schlecht wie du (1985), 
Du weißt, was Frauen lieben (2000)

FISCHER, VERONIKA       [A]             ( Popinterpretin)

Geboren am 28.07. 1951 im thüringischen Wölfis, deren Familie die Hausmusik pflegte und sie mit ihren Schwestern als Volksmusiktrio auftraten. 1968 studierte sie bis 1973 an der Musikhochschule Carl Maria von Weber in Dresden Chanson und Musical. Sie sang zwischendurch bei der Fred Herfter-Combo, Stern Combo Meißen (1970/71) und gehörte 1971-1973 der Gruppe Panta Rhei an.
Ende 1973 gründete sie ihre eigene Band, mit der sie bis 1981 großen Erfolg haben sollte. Zur ersten Besetzung gehörten namhafte Musiker, wie Franz Bartzsch (keyb), Hansi Biebl (g), Frank Hille (dr) und der Bassist Eckhard Kremer. Mit Bartzsch als Komponist und Kurt Demmler als Texter überzeugte Veronika Fischer als vielschichtige Sängerin, die auf den Pfaden Rock („Und wer bist du?“, „Blues von der letzten Gelegenheit“), Schlager („Klavier im Fluss“), Ballade („Dass ich eine Schneeflocke war“) erfolgreich balancierte. Zahlreiche Tophits hatte sie in den DDR-Charts und feierte mit den balladenhaften Songs ihre größten Erfolge. Zu Klassikern wurden „Auf der Wiese“ und „Sommernachtsball“. Darüber hinaus sang sie auf zwei erfolgreichen Kinderlieder LPs von Reinhard Lakomy mit.
Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verließ Veronika das Land, da sich ihr ungarischer Manager und Ehemann mit Sohn und auch ihr Hauskomponist Franz Bartzsch in die BRD absetzten. Anfangs kamen ihr die DDR-Funktionäre entgegen und stellten ihr ein zwei-jähriges Dauervisum für Westberlin aus, Veronika drängte dann aber auf die Aberkennung ihrer DDR-Staatsbürgerschaft. In der BRD erhielt sie daraufhin einen langfristigen Vertrag bei WEA und veröffentlichte dort sechs LPs, die sich durchschnittlich verkauften.
Vertreten auf den LPs:  Panta Rhei (1973), Geschichtenlieder (1978 mit R. Lakomy, A. Mann u.a.), Traumzauberbaum
                                         (1980 mit R. Lakomy, A, Mann u.a.)

Eigene LPs: Veronika Fischer & Band -1 (1976), Veronika Fischer & Band - 2 (1977), Aufstehn (1978); Goldene Brücken (1980)
Weitere Songhits /DDR:  In jener Nacht (1975), Hänschengroß (1976), Ich rufe dich (1977), Nein Doktor nein (1977),
                    Hast du einen Freund (1978)

Erfolge in der BRD:  Single:  Du willst deinen Spaß (1984), Sehnsucht nach Wärme (1985), Ein Gefühl wie das Leben (1988) //
                                   
LP:  Sehnsucht (1983); Gefühle (1991)

FRANKE ECHO QUINTETT       [B]                    ( Beatband )

Band 1960:   Dieter Franke (g), Henry Kotowski (dr, voc),  Bernd Frömel (g), Peter König (bg), Hans Sigismund (sax)

Story: Die Band wurde 1959 in Berlin gegründet und galt in den 60er Jahren, neben den SPUTNIKS als erfolgreichste Beatband - - - bis 1965 überzeugten sie besonders mit ihren Live-Auftritten und waren auf den ersten Beat-Samplern „Big Beat 1“ und „Big Beat 2“ (1965) vertreten - - - ihr Echosound gab der Band nicht nur ihren Namen, sondern sie beeindruckte auf Konzerten, sowie die dreihälsige Gitarre (Marke Eigenbau in den Stimmungen einer Mandoline, Gitarre und Bass) - - - im November 1964 trat die Band, neben den Sputniks den Amigos im Berliner Friedrichstadtpalast auf. Während der Live-Aufnahme durch den Rundfunk und vom Fernsehen (,,Amiga Cocktail“), gerieten die Zuschauer in eine nicht erwünschte Begeisterungshysterie, was die Antibeatkampagne der Funktionäre anheizte - - - Anfang 1965 kam es zu erheblichen Umbesetzungen und im Oktober 1965 musste sich die Band im Zuge des Beatverbotes auflösen - - - nach der Verbotsphase, schlossen sie sich wieder zusammen, ohne großen Erfolg, sind aber bis heute noch aktiv.
Songs: Peter Gun, Brasiliana,  Melodie für Barbara, Seeschloß, Peters Twist (alle 1964/65)

 

FREUDENBERG, UTE            [A]             ( Popsängerin) 

Geboren am 02.01.1956 in Weimar und wurde 1971 als Gesangstalent in Straußberg (b. Sonderhausen) entdeckt. Von 1972 bis 1977 studierte sie an der Franz Liszt Musikhochschule Gesang und wurde von Burkhard Lasch für die Gruppe ELEFANT entdeckt. Sie war 1976 ein Gründungsmitglied der Band und hatte 4 Jahre später mit dem Titel „Jugendliebe“ ihren größten Erfolg. Nach zwei LPs mit ihrer Band verließ sie 1983 die DDR. In der BRD blieb sie zunächst erfolglos. Nach der Wende kehrte sie nach Weimar zurück und ist inzwischen eine bekannte Schlagersängerin, aber der ganz große Erfolg blieb bislang aus.
Songs: Jugendliebe (1981), Wie weit ist es bis ans Ende dieser Welt (1982), 
Wolken ziehen weiter (1999)

FREYGANG                [C]                         (Bluesrockband )

Band 1983:   André Greiner-Pol (voc, g, v, b, Lyra), Reiner Gaszak (g), Charly Prohaska (g), Wolf- Dieter Mohr (b), Wilfried Eckstein (dr)

Story: Die Berliner Kultband gab 1977 ihre ersten Konzerte - - - schnell wurde die kraftvolle Rhythm and Blues-Band zum Insidertipp - - - bis 1981 spielte die Band in verschiedenen Besetzungen unter der Leitung von André Greiner-Pol (*1952, Sohn des Komponisten Kurt Greiner-Pol) - - - sie verloren kurzzeitig die Spielerlaubnis, wegen ihrer nicht Staatskon-formen Auftritten - - - ab 1982 schrieb Greiner-Pol eigene Texte und Musik, mit kritischen Untertönen und die Band überzeugte überwiegend als Live-Band - - - bei einem Open Air-Konzert im Sommer 1983 kamen 7.000 Zuschauern nach Ketzin bei Potsdam und kurz darauf wurde die Band wegen Greiners öffentlichen Äußerungen mit einem Verbot belegt - - - um das Verbot zu umgehen, gründete Greiner-Pol DIE FIRMA, bevor 1985 Freygang wieder spielen durfte - - - zu ihrem ersten Konzert (danach) kamen 3.000 Fans in die alte Kongresshalle/ Leipzig - - - im Sommer 1986 kam das unwiderrufliche Aus, wegen Greiners erneuter Unbeherrschtheit. Er wurde auf der Bühne verhaftet und es wurde ihm obszöne Äußerungen und eine Belästigung des Publikums vorgeworfen, sowie Widerstand gegen die Polizei und Störung des sozialistischen Zusammenlebens - - - der damalige Verteidiger Gregor Gysi konnte einen längeren Gefängnisaufenthalt seines Mandanten verhindern - - - Greiner-Pol ging in den musikalischen Untergrund und arbeitete unter verschiedenen falschen Namen - - - mit der Wende war Freygang 1989 wieder legal aktiv, aber mehr mit Aktionen als mit der Musik - - - Beispielsweise besetzte  die Band 1990 das Berliner Kino Camera und gründeten die Kulturstätte Tacheles - - - bis zum Tode von Greiner Pol (15.12. 2008-Herzinfarkt) fiel die Band durch weitere Provokationen auf.

FRIEDMAN, PERRY            [B]                     ( Folksänger)

Geboren am 25. 09. 1935 in Prince Albert (Kanada), gestorben 16.03. 1995 in Berlin. Nach dem Abitur 1953 begab er sich auf Wanderschaft und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ab 1956 war Friedman Folksänger und siedelte aufgrund seiner kommunistischen Überzeugung 1959 in die DDR über. Friedman veranstaltete ab 1960 den Hootenannies Liederabend (u. a. mit Gisela May, Lin Jaldati). Mit seinen engagierten Songs fand er schnell Anerkennung bei den Funktionären und erhielt 1965 eine eigene Radiosendung „Treff mit Perry“. 1966 war er Mitbegründer des Hootenanny-Clubs (Singebewegung), der sich ein Jahr später in „Oktoberklub“ umbenannte. An die Seite gedrängt, war er ab 1967 als Berater des Oktoberklubs tätig und kehrte von 1971 bis 1976 (private Gründe) wieder zurück nach Kanada. Dann kam er zurück in die DDR und war seitdem eng mit der Singebewegung verbunden, die sich aber inzwischen im musikalischen Abseits befand.
LP: Hootenanny m. P. F. (1966), Hooterianny 2 (1966), Passing Through (1976), 
P. Friedman (1982)

FRITZENS DAMPFERBAND     [B]                           (Showband)

Bandchef Michael Fritzen (*1938) gründete bereits 1963 seine erste Band, spielte dann bei den SPUTNIKS und den JAZZ OPTIMISTEN, bevor er im April 1975 Fritzens Dampferband gründete. In der stark wechselnden Gruppe sangen als Solisten Nina Hagen (1976 in die BRD), Achim Mentzel und Gerd Christian (Biege). Die Gruppe stand für Ulk und Klamauk und sah sich als Partyband. So waren sie beliebte Gäste bei humorigen TV-Showformaten, wie der Silvester- und den Faschingssendungen. Zwischen 1977 und 1980 geriet die Band in Vergessenheit, da auch der Frontmann Achim Mentzel eine erfolgreiche Solokarriere begann. Ab 1980 ging es für die Gruppe in einer Neubesetzung wieder bergauf und konnte wieder mediales Interesse wecken, ehe Michael Fritzen 1984 in die BRD ging. Als Berliner Dampferband (siehe oben) machte die Gruppe jedoch weiter.
LP: Hatschiwaldera (1974), Wir tanzen Tango (1975), Plim Plim (1977)

G


GERD-MICHAELIS-CHOR               [A]                     (Begleitchor)

Der Gerd-Michaelis Chor ging 1968 aus dem Wolfgang-Brandenstein-Ensemble (1966 gegründet) hervor, dessen musikalischer Leiter Gerd Michaelis war. Nachdem sich das W. B. Ensemble auflöste, war der Chor nicht mehr an den Friedrichstadtpalast gebunden und konnte nun freischaffend arbeiteten. Während der Weltfestspiele 1973 löste sich der Chor aus dem Backgroundimage heraus und schuf nach Vorbild der Les-Humphries-Singers einige Poptitel („Solidarität“, „Sing auf allen Straßen“). Bei Amiga arbeitete der Chor eng mit dem Orchester Jo Kurzweg zusammen. Live hatte der Chor in den 70er Jahren eine eigene Gerd-Michaelis-Band. 1976 gab Gerd Michaelis aus gesundheitlichen Gründen den Chor auf, welcher als Cantus-Chor weiter machte.
LP: Tanz ohne Pause (1973), Winterzeit … Schöne Zeit (1973), Gerd-Michaelis-Chor (1974),  Auf sonnigen Wegen (1975),
       Picknick-Party (1975), Musikalische Schlittenfahrt (1975), 
Party an Bord (1977)  

GIPSY                     [C]                                (Popband)

Band 1984:   Dietmar Schulte (voc), Wilfried Opitz (acg, voc), Fredy Lieberwirth (bg),  Ralf Sternkopf (g ), Jens Malinowski (keyb),
                      Rene Tümpner (dr)

Story: Gegründet 1977 in Thalheim (Erzgebirge), stabilisierte sich die Band nach einigen Umbesetzungen 1984. Ihren größten Hit hatten sie mit „Marie“, an den sie nie wieder anknüpfen konnten, zumal die Band sich erneut umbesetzte. 1989 kam Marina Heß als Sängerin und die Band blieb in den 90er Jahren relativ stabil, jedoch ohne großen Erfolg.
Titel: Marie (1984), Stein deiner Träume (1985) 

GOTTSCHALK, HEINZ-JÜRGEN  „GOTTE“          [B]              ( Popsänger)

Heinz-Jürgen Gottschalk wurde am 16. 05. 1948 in Leipzig geboren. War in seiner Kindheit ein jodelnder Volksmusiksänger, lernte Jürgen Kehrt (Blues) kennen und begeisterte sich durch ihn für die Beatmusik. Er spielte in regionalen Bands und blieb längere Zeit bei den Nautiks. 1971 studierte er an der Hochschule für Musik in Weimar und 1973 wechselte er zur Horst-Krüger-Band (sang dort den Klassiker „Tagesreise“). 1976 war er Mitbegründer der Neue Generation und verließ die Band 1979, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten. Schließlich begann er eine Solokarriere und hatte mit „Wenn ich auf dem Rücken lieg“ (1981) seinen größten Erfolg. Während eines Auftritts in Westberlin blieb er 1985 dort und wählte kurze Zeit München als neue Heimatstadt. In der BRD blieb er erfolglos.         
LP: Wenn ich auf dem Rücken lieg (1984)

H


HAGEN, NINA             [A]                         (Popsängerin)

Geboren am 11. 03. 1955 in Berlin als Catharina Hagen und als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Hagen. Nach der Trennung ihrer Eltern war der Liedermacher Wolf Biermann, der neue Lebensgefährte der Mutter. Geprägt davon strebte sie eine künstlerische Laufbahn an. 1972 fiel sie allerdings bei der Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule durch und begann stattdessen 1973 eine einjährige Ausbildung am zentralen Studio für Unterhaltungskunst. Zwischendurch sang sie in verschiedenen Band und lebte kurzeitig in Polen.
Die Gruppe Automobil entdeckte sie 1974 und engagiert sie als Sängerin. Der erste Hit der Band war zugleich der Start für eine brillante Karriere für Nina. „Du hast den Farbfilm vergessen“ wurde zum Superhit der DDR-Popgeschichte, der ungewöhnlich originell und witzig daherkam. Nach dem Tophit rissen sich die Veranstalter um Nina, aber nicht um Automobil, wodurch die Trennung vorprogrammiert war. Noch im selben Jahr 1974 stand sie für den Film „ABC der Liebe“ vor der Kamera, dem 1975 der Fernsehfilm „Junge, heute ist Freitag“ folgte. Passend zu ihrem Image wurde sie Frontsängerin der Fritzens Dampferband.
Songs wie, „Wir tanzen Tango“, „Honigmann“ und „Hatschi Waldera“ wurden populäre Hits im Schlagerbereich. Nina Hagen schaffte es in nur zwei Jahren ein absoluter Superstar in der DDR zu werden und wurde von den Medien als seltenes Talent gefeiert. Als Wolf Biermann 1976 ausgebürgert wurde, gingen Nina und ihre Mutter mit staatlicher Genehmigung ebenfalls in die BRD. Ihr künstlerischer Weg führte sie dort in die Punkszene und wurde in diesem Bereich ebenso ein Star. Kurzzeitig versuchte sie ihr Glück in den USA, mit relativem Erfolg, kehrte zurück und sorgte durch ihr skandalöses Auftreten in Talkshows immer wieder für Schlagzeilen. Mit ihrem facettenreichen Gesang blieb sie ein anerkannter Rockstar und probierte musikalisch und privat unterschiedlichste Sachen aus, wobei sie das Extreme suchte. Unter anderem vertonte sie mit Max Raabe ihre Version der „Dreigroschenoper“, begeisterte sich für die UFO-Theorie, wechselte spiritistisch zur Religion und sang mit Udo Lindenberg. Die größten Chartserfolge: Ein Herz kann man nicht reparieren (1991 -m. U. Lindenberg), Solo (1998- m. Thomas D.), Seemann (2003- m. Apokalyptica).

HERZBUBEN                  [B]                   (A-Capella- Gruppe)

Band 1987:  Sebastian Krumbiegel (*1966, voc, piano), Wolfgang Lenk (*1966, voc, g),  Dirk Schrot

Story: Nach mehreren erfolglosen Bandgründungen ab 1982, nannte sich die Leipziger Gruppe ab 1987 Herzbuben - - - alle Mitglieder verfügten über eine klassische Gesangsausbildung (Thomanerchor Leipzig bzw. Dresdener Kreuzchor) und versuchten es mit witzigen A-cappella-Nummern - - - schnell wurden sie im Leipziger Raum bekannt und fielen dem Rundfunk auf und vergrößerten sich mit Jens Sembdner (*1967, b, key) und verzichteten von nun an gänzlich auf Instrumente - - - bis zum Ende der DDR erschienen einige ihrer Rundfunkerfolge auf Amiga-Sampler  - - - 1989 wurde Sempner zum Wehrdienst eingezogen (kehrte danach zurück), Schrot verließ die Gruppe dafür kam Henry Schmidt (*1967, voc)  - - - der Song „Gaby und Klaus“ wurde ihr erster großer Hit (erschien 1991 bundesweit als Single) - - - mit der Wende verlangten die volkstümlichen Wildecker Herzbuben von der Gruppe eine Namensänderung, gleichzeitig nahm sich die NDW-Pionierin Anette Humpe der Gruppe an - - - sie änderten ihren Namen in DIE PRINZEN und Tobias Künzel (*1964 , von Amor und die Kids) kam dazu und es folgte eine außergewöhnliche Karriere ab 1991 - - - bis 1993 waren sie die beliebteste Gruppe in Gesamtdeutschland - - - danach ebbte der ganz große Erfolg etwas ab, aber immer wieder machten sie mit ihren Liedern auf sich aufmerksam.
Songs als Herzbuben: Die neumodische Beatmusik (1988), Der schönste Junge aus der DDR 
(1989), Du hast den Farbfilm vergessen 
           (1989-Coversong), Gabi und Klaus (1989) 

HOF BLUES BAND           [C]                (Undergroundband)

Nachfolgeband der legendären Berliner Gruppe B-Club 66, um Günter „Ulle“ Hofer (*1949, g, voc) und Jochen Lorentz (*1944, p, voc), die 1977 als Quintett in Hohen Neuendorf / Birkenwerder neu gegründet wurde. Ab 1978 spielte man als Trio mit Michael Seilin (g, voc) weiter und erreichte in der Bluesszene großes Ansehen mit mehrstimmigem Gesang und anspruchsvollen Texten. Musikstilistisch gehörte die Band zum Folkblues. Nachdem sich Sellin einen Namen als Rocktexter gemacht hatte, verließ er in der ersten Hälfte der 80er Jahre die Band. Das kommerzielle Interesse bei Hofer und Lorentz war immer zweitrangig und doch gehörten sie in den 70er und 80er Jahren zu den beliebtesten Folkbluesbands der Berliner Szene und erhielten wegen ihrer kritischen Texte häufig Auftrittsverbot. Ab 1985 ging es musikalisch bergab und Hofer (Diplomingenieur) und Lorentz (Mediziner) zogen sich ins Berufsleben zurück.
Bekannte Songs:  KWV Blues (1977), Alk Blues (1977), Die zweite Haut (1985)

I


IC   (Falkenberg)          [A]                      (Popsänger)

Geboren als Ralf Heinz Schmidt am 10. 09. 1960 in Halle. Er erhielt Klavier- und Gesangsunterricht und sang bei verschiedenen Gruppen. Mit dem Stilwandel von Stern Meißen zum New Wave, holte ihn Martin Schreiner 1983 als Sänger.
1984 wurde er (Stern Meißen) als bester Popinterpret des Jahres gekürt, was ihn veranlasste, ab 1985 (parallel) eine sehr erfolgreiche Solokarriere zu beginnen. 1985 und 1986 hatte er seine erfolgreichste Zeit, als IC Falkenberg und dann nur als IC mit den Titeln „Wunderland“ und „Mann im Mond“. 1988 wurde er mit dem Schallplattenpreis der Goldene Amiga ausgezeichnet und Ende der 80er Jahre versuchte er mit Andreas Bicking ein Electronic-Pop-Projekt als Delta Dreams (erfolglos). Im August 1989 zog sich IC aus dem Popgeschäft zurück, was mit der Auflösung von Stern Meißen einherging. Nach der Wende blieb er relativ erfolglos.
LPs: Traumarchiv (1987), Zigeuner auf Zeit (1988)

J


JESSICA                 [B]                               ( Popband )

Band:  Tino Eisbrenner (voc), Ralf Böhme (key), Andre Drechsler (g), Janek Skirecki (b),  Olaf Becker (dr)

Story: 1983 von Schulfreunden gegründet - - - im selben Jahr suchte das englische TV-Team von Tyne Tee Television für ihre Dokumentation junge deutsche Musikgruppen und stießen zufällig auf Jessica - - - in der BRD suchten sich das TV-Team die ÄRZTE aus und fanden  Jessica, die zu jenem Zeitpunkt Songs der englischen Gruppe POLICE nachspielten und  ignorierten somit die Vorschläge der DDR-Funktionäre - - - im Zuge dessen wurde der Titel „Ich such einen Traum“ produziert - - - mit nachfolgenden TV-Auftritten erlebte die New Wave-orientierte Band einen enormen Popularitätsschub. Ihre erste und einzige LP „Spieler“ verkaufte sich 180.000-mal. Mit ihrer Ablehnung einen Titel für „Rock für den Frieden“ einzuspielen, zogen sie sich den Zorn der Funktionäre zu, welche die Auflösung der Band bewirkten. So wurden Drechsler und Böhme zum Wehrdienst eingezogen und boten Eisbrenner eine Solokarriere an. Eisbrenner nahm das Angebot, um anderen Maßnahmen des Staates zu entgehen und es erschien die LP „Tino“ 1989.
LP:Spieler“

JUCKREIZ              [C]                       (New Wave Band)

Band:  Marion Sprawe (voc), Jürgen Rohmeis (g), Friedhelm Ruschak (keyb), Viola Woigk (keyb, voc), Jürgen Albrecht (g),
            Peter Piele (dr)

Story: Die NDW-Band wurde 1980 in Magdeburg gegründet. Sie verstanden es, sich mit witzigen Titeln in der Popszene zu etablieren. Der Titel „FKK“ (1983) wurde ihr einzige Hit und nach 1985 wurde es sehr ruhig um die Band, löste sich faktisch auf.
Songs: Sticker aus Tallin (1983), FKK (1983)

K


KARAT               [A]                                   ( Rockband)

Gründungsband: Herbert Dreilich ( *1942, g, voc), Ulrich „Ed“ Swillms (*1947, key), Henning Protzmann (*1946, bg),  
                              Hans Joachim Neumann (*1952, voc), 
Ulrich Pexa (g),  Konrad Burkert (dr)

Story: Nachdem 1973 Veronika Fischer die Band PANTA RHEI verließ, löste sich die Band auf und Protzmann und Neumann bauten eine neue Band auf. Protzmann holte dazu seine PANTA RHEI Kollegen Swillms und Dreilich, und Neumann holte Pexa und Burkert in die Band. Zielsetzung war eine rockorientierte, aber melodiöse Musik, da Neumann die Regie in der Band an sich zog wurden mehr die Rockakzente betont.
Im Januar 1975 gab es die ersten Rundfunkaufnahmen, gingen dann auf Konzerttournee und hatten bis Jahresende 13 Lieder beim Rundfunk produziert. 1976 wurden Burkert und Pexa ausgewechselt und für sie kamen Michael Schwandt (*1947, dr) und Bernd Römer (*1952, g). Zu dieser Zeit waren die Songs nicht nur stark vom Rock geprägt und sondern bedienten sich textlich eine zweideutigen kritischen Sprache („Such ein Zimmer, „So’ne Kleine“). Sie gerieten somit in den Fokus der Kulturbehörde, die Konflikte um den Chef Hans Joachim Neumann bewirkten. Der Staat half mit der Einberufung Neumanns zum Wehrdienst 1977 nach und setzte zugleich ein Zeichen gegenüber den anderen Gruppenmitgliedern.
Mit dem Sänger Dreilich änderte sich der Musikstil, was die Funktionäre wohlwollend registrierten. Die Musik wurde zunehmend melodiöser und die Texte lyrischer.
1978 nahm Amiga die erste LP mit Karat auf, wovon die Auskopplungen „König der Welt“ und „Über sieben Brücken“ zu Dauerbrennern in den DDR-Hörercharts wurden und später als Klassiker der DDR-Rockmusik galten. 1978 legten sich die Band, mit Norbert Kaiser, einen neuen Stammtexter zu, der es verstand in den lyrischen Stil kritische Töne zu vernetzen. Zuvor schrieben Kurt Demmler und Burkhard Lasch die Songtexte.
Nach der Armeezeit von Hans Joachim Neumann, war für ihn kein Platz mehr in der Band, aber die Kulturbehörde unterstützte daraufhin sein Soloprojekt NEUMIS ROCK CIRCUS.
1979 hatte Karat sein größtes Erfolgsjahr und setzten sich in der Popularität sogar vor den Puhdys, die bislang konkurrenzlos waren. Ihre 2. LP „Über sieben Brücken“ war ein Verkaufsknüller. Später coverte der rockige BRD-Schlagersänger Peter Maffay den Titelsong und machte „Über sieben Brücken“ zu einem gesamtdeutschen Hit und ist heute ein häufig gespieltes Lied (Evergreen). 1980 wurden die LP und der Titelsong „Schwanenkönig“, ebenfalls große Hits. Bis Mitte der 80er Jahre war Karat stetiger Dauergast in den DDR-Hitparaden, z. B. mit „Gewitterregen“ (1979), „Albatros“ (1979), „Schwanenkönig“ (1980), „Magisches Licht“ (1980), „Der blaue Planet(1981), „Marionetten“ (1982), „Jede Stunde“ (1982).
Mit dem Erfolg entstanden auch Probleme, so wurde bekannt das Swillms zum Alkoholismus neigte. Swillms, der bisher fast alle Karatsong komponierte, wurde bei den Konzerten zu einem Risiko. Während der Konzerte in der BRD 1980/81, brach Swillms, wie befürchtet zusammen. Glücklicherweise hatten sie den Erfolgskomponisten und Keyboarder Thomas Natschinski in der Hinterhand, der Swillms vertreten konnten. Bis 1984 blieb Natschinski dauerhaft in der Band, wollte sich dann aber wieder dem komponieren widmen. Die Ausfallerscheinungen von Swillms verstärkten sich und er bekam seine Alkoholsucht nicht geregelt. Die Band engagierte daraufhin den Keyboarder Thomas Kurzhals von der Stern Combo Meißen.
Die LP und Single „Der blaue Planet“ (1982), wurde in Ost und West ein gigantischer Erfolg, aber zugleich der letzte große Erfolg. Die Popularität sank enorm. 1986 gelang der Band mit dem Titel ,,Hab den Mond mit der Hand berührt“ ein Hitparadenerfolg, aber der große Glanz von Karat war verflogen und die Bandkrise zeigte sich immer stärker.
Ulrich Swillms zog 1986 seine Konsequenzen aus seiner Sucht und stieg offiziell bei der Band aus. Herbert Dreilich versuchte die Band am Leben zu erhalten, doch der Zerfall schien unaufhaltbar. Dazu kam die Wendezeit, in der die Jugend den Ostbands den Rücken kehrte. Mit der Ostalgie stieg Mitte 1992 die Popularität von Ostgruppen steil an. Als Revivalband hatte Karat zahlreiche Auftritte, volle Konzerte und ihre alten Titel verkauften sich hervor-ragend auf CD. Weniger erfolgreich waren dagegen die neune Songs. 1997 erlitt Herbert Dreilich einen Schlaganfall und am 12.12. 2004 verstarb er an Leberkrebs.
Eigentlich wollte sein Sohn Claudius nur beim Gedenkkonzert für seinen Vater, die alten Karathits nachsingen, aber er begeisterte mit seinem Gesang das Publikum. Seine Stimme klang identische zum Vater und es entwickelte sich eine gewaltige Zuschauerresonanz, die weitere Konzerte forderten. Doch auch nach weiteren Konzerten, war die Begeisterung für Karat so hoch, dass sich sein Sohn entschloss dauerhaft Sänger von Karat zu bleiben. Die Band tourt überwiegend als Rivivelband durch die Lande.

DDR-Produktionen

Noch nicht erwähnte Hits: Das Monster / Abendstimmung (1976), Le Doyen (1980), Märchenzeit (1983)
LP-Hits in der DDR:   Karat (1978), Über sieben Brücken (1979), Albatros (1979), Schwanenkönig (1980), Der blaue Planet (1982), 
Die sieben Wunder der Welt (1984), 
Fünfte Jahreszeit (1987)

BRD-Produktionen
Singles - Hits: 
Über sieben Brücken (1981/ Pl. 15 - 13 Wo.), Der blaue Planet (1981 / Pl. 14 - 31 Wo)
LP Hits:  Schwanenkönig (1980 / Pl. 26 - 24 Wo), Der blaue Planet (1982 / Pl. 8 - 48 Wo)
Auswahl- neuer BRD Alben: Die geschenkte Stunde (1995), Licht und Schatten (2003),  
Weitergeh’n (2010)
 

KARUSSELL              [A]                          (Rockband )

Erstband:   Wolf Rüdiger Raschke (keyb), Peter Gläser (g, voc), Reinhard Huth ( voc, g),  Claus Winter (bg), Lutz Kirsten (g),
                     Bernd Schumacher (sax, fl), Jochen Hohl (dr)

Story: Im April 1976 entstand aus der Gruppe FUSION, unter Leitung von Raschke, die Band, mit Mitgliedern der verbotenen RENFT COMBO, Gläser und Hohl - - - 1977 entstanden erste Rundfunkproduktionen und wurden von den Fans, als Nachfolgeband von der RENFT COMBO angesehen - - - Kurt Demmler schrieb zunächst die Texter für die der Band  - - - Es folgten Umbesetzungen, Bernd Dünnebeil (g ) ersetzte Kirsten und Schumacher ging - - - 1979 erschien die erste Amiga LP „Entweder oder“, deren Titelsong ein Hit wurde - - - auch Dünnebeil ging, dennoch  wurden zwei weiter LPs eingespielt („Ehrlich will ich bleiben“- 1979, „Das einzige Leben“-1981), deren Titelsongs ebenso zu Hits und Klassiker der DDR Rockmusik wurden - - - schließlich verließ Gläser die Band und Lutz Salzwedel und Tom Leonhardt kamen dazu, doch während eines Gastspiels in der BRD, kehrten sie nicht in die DDR zurück - - - 1985 kamen Dirk Michaelis (voc) und Jürgen Hofmeister (g); mit Michaelis zog in die Band künstlerische Kontinuität ein, trotz kurzzeitigem Besetzungschaos - - - 1987 entstand „Als ich fortging“ (Komposition: Dirk Michaelis / Text: Gisela Steineckert) und gilt heute noch, als einer der schönsten DDR-Rockballaden - - - 1990 hatten die Band mit „Marie“ ihren letzten großen Hit und lösten sich praktisch 1991 auf, auch wenn es versuche gab die Band neu zu formieren (zuletzt 2008- 2009).
LPs nach 1981: Schlaraffenberg (1982), Was kann ich tun (1984), Cafe anonym (1987), Solche wie du (1989), Sonnenfeuer (1994), 
         Loslassen (2011)

KEIMZEIT                [B]                      ( Popband )

Band: Geschwister Leisegang - Norbert (voc, g), Hartmut (bg), Marion (voc), Roland (dr)

Story: Gründete sich 1980 als JOGGER in Bad Belzig und nannten sich 1982 um - - - 1984 kam Ulrich Sende (g) hinzu und 1989 Matthias Opitz (p), dafür stieg Marion mit der Geburt ihres Kindes aus - - - schnell fand Keimzeit eine feste Fangemeinde, mit ihren skurrilen Texten, verbunden mit dem lasziven Gesangsstil von Norbert - - - Der kommerzielle Erfolg stellte sich aber erst zur Wendezeit ein, wobei die Lieder „Flugzeug ohne Räder“ und „Irrenhaus“ am erfolgreichsten waren - - - erst 1993 wurde der alte Song „Kling Klang“ neu veröffentlicht und wurde der größte Hit der Band - - - bis heute ist die Band aktiv, deren schräge Musik eher Insider begeistert.
LP-Auswahl: Irrenhaus (1990), Bunte Scherben (1993), Das Beste bis jetzt (Best of- 2002)

KEKS                     [B]                              (Popband)

Band:  Michael Matthies (voc), Gerd Wagner (g), Ralph Oelschlägel (key),  Wolfram Schäfer (b), Ingo Politz (dr)

Story: 1978 in Berlin gegründeten Diskopopband - - - Ralf Bursy und Detlef Brauer ersetzten 1979 Wagner und Matthies - - - der damit verbundene Wechsel zum liedhaften Rock brachte den Erfolg und den ersten Hit „Warten in der Dunkelheit“ - - - 1982 verließ Bursy die Band und startete seine Solokarriere, unter anderem mit Songs aus seiner Zeit bei KEKS - - -  nach einer erneuten Umbesetzung kamen Sebastian Baur (g) und Jörg Skaba (dr) in Band, worauf sich der Musikstil zum New Wave änderte - - - 1983 erschien ihre erste und einzige LP - - - nach heftiger Kritik an dem schrillen Auftritten der Band und gestellten Ausreiseanträgen wurde die Band 1985 verboten.
LP: Keks (1983), Songs: Wir lassen uns nicht schocken (1982), Henriette (1983)

KERTH, JÜRGEN               [B]                      (Bluesinterpret)

Geboren 19. 07. 1948 in Erfurt, gründete 1964 eine Schülerband zusammen mit Heinz-Jürgen Gottschalk, woraus 1967 das Rock & Blues Ensemble Kerth entstand - - - weiter zählten zur Band Siegfried Hörger und Roland Michi - - - 1968 verließ Gottschalk die Gruppe, worauf die Band auseinander brach - - - Jürgen Kerth widmete sich seiner Ausbildung an der Musik-schule in Erfurt und spielte in verschiedenen Bands - - - auf Initiative von Luise Mirsch wurden von Jürgen, 1969 erste Rundfunkaufnahmen produziert - - - 1970 gründete er erneut eine Band, mit Bernd Schulze (sax), Egon Böhm (b), Lothar Wilke (key) und Christian Fischer (dr) - - - Kerth galt als einer der besten Bluesgitarristen und Bluesinterpreten der DDR - - - die erfolgreichsten Songs waren „Martha“ (1975) und „Helmut“ (1976), die allerdings nur Blues-Fans begeisterten - - - eine kommerziellere Karriere in Berlin lehnte er ab und blieb in seiner thüringischen Heimat - - - heute interpretiert er gelegentlich in Clubs Bluestitel, veröffentlichte einige LPs und engagierte sich für den Kinderhospiz Nordhausen.
LPs: Gruppe Jürgen Kerth (1978), Komm herein (1980), Gloriosa (1982), 
Ich liebe die Eine (2006)

KLOSTERBRÜDER           [C]                       (Hardrockband)

Band:  Dietrich Kessler (sax, fl), Hans Joachim Kneis (voc),  Klaus Weigert (bg), Lothar Kramer (keyb), Jörg „Matze Blankenburg (g),
             Detlef Kessler (dr)

Story: Die Hardrockband war über Jahre ein Geheimtipp - - - 1967 in Magdeburg gegründet scharten sie sich schnell eine treue Fangemeinde um sich - - - ihre spektakulären Live-Konzerte bescherten ihnen regionale Spielverbote, da sie in Mönchskutten auftrat oder Gitarrenkoffer in Form von Särgen auf die Bühne brachten - - - erst Mitte der 70er Jahre kam es dennoch zu Rundfunkaufnahmen, von denen „Lied einer alten Stadt (Weimar)“ recht populär wurde - - - nach einer gemeinsamen Tournee mit der Stern Combo Meißen, kam es 1975 überraschend zur Trennung - - - die Brüder Detlef und Dietrich Kessler, Kneis und Weigert gründeten in deren Folge die Band MAGDEBURG, die auch schnell zerfiel - - - nach der Wende startete MAGDEBURG ein Comeback, aber ab 2000 traten sie wieder als Klosterbrüder auf. 
Songs: Lied einer alten Stadt (1975), Fieber (1975), Kalt und heiß (1975) 

 CD:  Klosterbrüder/Magdeburg – Die größten Hits (2007) 

KREIS                    [A]                              ( Disco-Popband)

Band: Arnold „Murmel“ Fritzsch (voc, key, g), Eva Fritzsch (voc, fl), Gerhard Witte (g), Helmut Sickel (bg),  Uwe Peschke (dr)

Story: Arnold Fritzsch gründete 1973 die Band, neben ihm seine Frau Eva - - - das anfängliche Konzept war auf Phillysound ausgerichtet - - - mit Hits wie, „Doch ich wollt es wissen“ (1975), „Und wir gingen auf uns zu“ (1976) und „Sie ist immer noch allein“ (1977) wurden  sie zur beliebtesten Teenieband des Landes - - - der Wandel zu melodiösen Songs („Garten Straße Nr. 10“,Der fünfte Beatle“) war weniger erfolgreich - - - ein umformieren der Band 1979 brachte sie nur ins Mittelmaß und 1982 löste Arnold Fritsch die Band auf und widmete sich nun dem komponieren.
LPs: Kreis (1976), Alle Mann an Deck (1978), CD: Die größten Hits (2007) 

 

KRÜGER, HORST & BAND           [B]                ( Komponist / Rockband)

Horst Krüger wurde am 14. 12. 1942 in Berlin geboren. Der gelernte Maurer spielte zunächst in verschiedenen Gruppen und kam während seiner Armeezeit (1960-1961) zum Erich Weinert Ensemble - - - ab 1963 war er Mitglied der Klaus Lenz Band, kam 1966 zum Wolfgang Brandenstein Ensemble und war Mitbegründer des Gerd Michaelis Chores - - - 1968 gründete er sein eigenes Horst Krüger Sextett unter anderem mit Gerti Möller und Benno Penssler und sich als Sänger, die weitere Besetzung der Band änderte sich ständig - - - 1975 nannten sie sich Horst-Krüger-Band um und widmeten sich eindeutiger der Rockmusik - - - bis 1977 existierte die Horst-Krüger-Band und setzte sich mit „Tagesreise“ (1975) ein musikalisches Denkmal ⇒ das Lied wurde von Michael Heubach komponiert, der Text stammte von Josef Schaffer und wurde ursprünglich 1973 von der Bürkholz-Formation veröffentlicht, aber erst durch die Version der HK Band wurde das Lied zum besten Rocksongs der DDR-Rockmusik gekürt - - - Krüger widmete sich danach verstärkt der Studioarbeit und dem Komponieren für andere Interpreten (u.a. Karel Gott, Eva-Maria Pieckert, Gerti Möller, Jürgen Walter) - - - um 1979 entstand seine Rockoper „Rosa Laub“ die am Volkstheater Rostock uraufgeführt wurde und 1982 auf LP erschien - - - Anfang der 80er Jahre gründete Krüger wieder eine Band mit den Solisten Bernd Dewet und Anke Schenker - - - neben seiner Konzerttätigkeiten entstand die 2. Rockoper „Zaubersprüche“ - - - später war Horst Krüger auch als Mentor und Berater für Nachwuchsinterpreten tätig.
LPs: Horst Krüger und Ensemble (1971), Geh’ durch die Stadt (1972), Horst-Krüger-Band (1975), Rosa Laub (1982), CD: Quer-Beat-easy (1997)

KRUG, MANFRED              [A]                         (Jazz-Sänger)

Geboren am 08.02. 1937 in Duisburg. Nach der Scheidung seiner Eltern ging er mit seinem Vater nach Leipzig und später nach Brandenburg. Als gelernter Stahlschmelzer begann er 1954 ein Studium an der staatlichen Schauspielschule, musste sie aber aus disziplinarischen Gründen verlassen. Bis 1957 spielte er als Eleve am Berliner Ensemble und legte dort seine Prüfung ab und arbeitete als freischaffender Schauspieler fürs Fernsehen und Kino.
Krug entwickelte sich in den folgenden Jahren zum beliebtesten Nachwuchsschauspieler und erhielt 1968 den Nationalpreis. Die Serien „Wege übers Land“ und „Die Verschworenen“ brachten ihm einen hohen Sympathiebonus ein. Parallel dazu tat er sich als sensibler Jazz- und Chansonsänger hervor und errang damit in der DDR Kultstatus. Die enge Zusammenarbeit mit dem Saxophonisten und Komponisten Günther Fischer machte ihn zum erfolgreichsten Jazzsänger der DDR. Seine enorme Popularität sollte sich bis Mitte der 70er Jahre steigern, ehe ihm als Mitinitiator der Unterschriftensammlung gegen die Aus-bürgerung Wolf Biermanns die Auftrittsmöglichkeiten begrenzt wurden.
Im April 1977 stellte er daraufhin einen Ausreiseantrag. In der BRD konnte Manfred Krug sofort wieder Fuß fassen. Über die Kindersendung „Sesamstraße“, folgten die Fernsehserien „Auf Achse“, „Liebling Kreuzberg“ und „Tatort“, die ihm eine hohe Popularität einbrachten. Seine musikalischen Talente reduzierte er zunächst, bis er in der Rolle als Kommissar Stöver im „Tatort“ gemeinsam mit seinem Partner Charles Brauer Jazzstandards intonierte. Von 1984 bis 2001 ermittelte Manfred Krug 41-mal als Tatort-Kommissar und das Team galt vor 2010 als Zweitbeliebteste Ermittler der Krimiserie hinter Götz George.
Er schrieb Autobiografie „Abgehauen“, die ein Bestseller und inzwischen verfilmt wurde. Bis heute produzierte er einige Jazz-CD und trat hin und wieder als Synchronsprecher in Erscheinung, widmete sich ansonsten seinem Privatleben.
LP-Auswahl : Auf der Sonnenseite (1962), M. K. und die Modern Jazz Big Band (1965), Das war nur ein Moment (1971),
Ein Hauch von Frühling (1972), Greens(1974), Du bist heute wie neu (1976), Evergreen- Das Beste von M.K. (2000),
Sweet Nothings (2003)

L


LAKOMY, REINHARD             [A]                 (Liedermacher/ Sänger)

Geboren am 19. 01. 1946 in Magdeburg und starb am 23. 03. 2013 an Krebs. Sein Weg führte ihn zunächst an die Musikhochschule (1966) und wurde von Klaus Lenz als Pianist engagiert. 1967 gründete er mit Günther Fischer das Günther-Fischer-Quartett. In dieser Zeit entwickelte er seine Qualität des Komponierens, was sich bei den Künstlern  des Landes herum sprach und zahlreiche Aufträge erhielt. Im textlichen Bereich arbeitete er ab 1968 mit dem Textautoren Fred Gertz zusammen. Sie schrieben Lieder für aufstrebende Sänger, wie Thomas Lück, Uschi Brüning, Andreas Holm oder Michael Hansen. Es folgte seine Armeezeit und danach kehrte er kurzzeitig zu Günther Fischer zurück.
Reinhard wollte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Musikern sein eigenes Profil finden. Schließlich schrieb 1972 er das Lied „Es war doch nicht das erste Mal“, aber er fand keinen Interpreten dafür, worauf man ihn ermutigte den Song selbst zu singen. Das Lied wurde ein großer Hit. Das Publikum war begeistert von seiner Reibeisenstimme, die das Lied insgesamt erfrischend authentisch und ehrlich machte. Aufgrund des großen Erfolges erschienen weitere Singles bei Amiga, die alle Hits wurden. Weiterhin zur Seite stand ihm Fred Gertz, der ihm bei seiner ersten Solo-LP textlich half. Auch die LP erfreute sich einer großen Nachfrage.
Zu den Weltfestspielen 1973 gründete Lakomy sein Ensemble, mit Angelika Mann als Sängerin, woraus sich eine äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit entwickelte. Nach 4 LPs trennte er sich 1977 vom dem Ensemble und wollte sich an der elektronischen Musik versuchen, mit mäßigem Erfolg. Er gab aber nicht auf und konnte Amiga überzeugen ab 1982 drei weitere Electronic-LPs zu produzieren, mit unterschiedlichem Echo. Seine dauerhaft größten kommerziellen Erfolge hatte er dagegen mit den beiden Kinderlieder LPs „Traumzauberbaum“ und „Geschichtenlieder“, die heute noch bei Kindern sehr beliebt sind. Die Texte stammten von seiner Frau Monika Erhardt und bei der Interpretation der Geschichtenlieder wurde er unterstützt von Angelika Mann und Veronika Fischer. Bis zur Wende war er weiterhin als Komponist tätig und schrieb vor allem Filmmusiken für die DEFA. Nach der Wende komponierte er zwar weiter, aber mit verhaltenen Erfolg.

Weitere Solo-Hits: Und ich geh in den Tag (1973), Heute bin ich allein (1973)
LPs: Reinhard Lakomy (1973), Lacky und seine Geschichten (1974), Lacky's Dritte (1975), 
Daß kein Reif… (1976), Seine großen Erfolge
         (1977), Der Traum von Asgard (1983), 
Zeiten (1985), Aer (1991)
Erfolgreichsten Kinder-LPs: Geschichtenlieder (1979), Der Traumzauberbaum (1981), Mimmelit, das Stadtkaninchen (1984),
         Schlaps und Schlumbo (1986), Der Wolkenstein (1989) 

LENZ, KLAUS                    [B]                    (Komponist/ Big Band)

Geboren 22. 03. 1940 in Berlin und studierte dort Musik. Gründete 1961 seine erste Band, woraus sich 1962 das Klaus-Lenz-Sextett gründete. Bis 1969 spielte die Band in unterschiedlicher Besetzung und neben Jazz auch Tanzmusik. Musiker wie Günther Fischer, Reinhard Lakomy, Horst Krüger, Henning Protzmann oder Günter Sommer spielten in der Band. Lenz versuchte nebenbei, 1963 und 1965 eine Big Bands zusammen zu stellen. 1968 schaffte er es endlich, die sich aber 1970 in SOK und der neuen Klaus-Lenz-Band aufteilte. 1972 schrieb Lenz das erfolgreiche Musical „Es waren zwei Königskinder“.
Für ein musikalisches Highlight wurde der Zusammenschluss von Gerhard Laartz und Klaus Lenz zur Modern Soul-Big-Band, mit den erstklassigen Solisten Uschi Brüning und Klaus Nowodworski. 1977 verließ Lenz wegen fehlender künstlerischer Perspektiven die DDR. Nach anfänglichem Erfolg in der BRD wurde er Restaurator und trat erst wieder 2010 musikalisch in Erscheinung.
LPs: Klaus Lenz für Fenz (1970), Klaus-Lenz-Modem-Soul-Big-Band (1974, Live), 
Klaus-Lenz-Big-Band (1975), Aufbruch (1976),
         Fusion (1978- BRD)
 

LIFT                          [A]                        (Art –Rockband)

Erstband:  Gerhard Zachar (b), Christiane Ufholz (voc), Bernd Schlund (voc), Jürgen Heinrich (g), Wolfgang Scheffler (key), 
                   Till Patzer (sax, fl ), Manfred Nytsch 
(pos), Karl Heinz Pflugbeil (tp), Konrad Burkert (dr)

Story: Die Band entstand im Januar 1973 aus dem Dresden-Septett. Die Band war dann Mitinitiator der Veranstaltungsreihe „Solibeat“. Nachdem Nytsch, Schlund und Pflugbeil die Band verließen, orientierte sich Lift in Richtung Ballade, weg vom bisherigen Jazz-Rock. Der neue Sänger Stefan Trepte (Electra) und der Keyboarder Franz Bartzsch bereicherten die, Band und prägten nachhaltig den Stil von Lift. Schließlich kam es zu Umbesetzungen, u.a. gingen Christiane Ufholz und Konrad Burkert, dafür kamen Michael Heubach und Werther Lohse. 1975 schien die Band sich stabilisiert zu haben, aber 1976 ging Trepte, dafür kam Henry Pacholski (Sänger & Texter).
Bis 1978 sollte die Besetzung von Lift halten, die ohne Gitarren auskam und in dieser Phase lyrische Rock-Klassiker schuf: „Nach Süden“, „Scherbenglas!“, „Sommernacht“, „Wasser und Wein“ und „Jeden Abend.
Dann starben bei einem Autounfall (1978) Pacholski und Zachar. Werther Lohse übernahm den Gesang und Michael Ledig und Frank Endrik Moll (dr) kamen in die Band. Doch erneut drohten Umbesetzungen. Der ständige Wechsel machte eine konstantes arbeiten unmöglich und 1980 dachte Lift darüber nach sich aufzulösen. Unerwartet wurde der Song „Am Abend mancher Tage“ (1980) ihr größter Hit. 1984 wagte die Band in neuer Besetzung einen Neuanfang, aber wieder brach die Band auseinander. Werther Lohse startete 1985 noch einmal das Projekt Lift und die Besetzung hielt sich sogar bis 1990, aber mit bescheidenen Erfolg. 1993 formierte Werther Lohse die Band erneut und tourte mit ELECTRA und der STERN COMBO (Meißen) durch die Lande. Die Besetzung  bestand aus Lohse, Yvonne Fechner, Bodo Komnick, Jens Brüssow und Peter Michailow. 
Ein weiterer Erfolstitel: Mein Herz soll ein Wasser sein (1977)

LPs: Lift (1977), Meeresfahrt (1979), Spiegelbild (1981), Nach Hause (1987)
CD: Die schönsten Balladen (1996), Tagesreise – The Best 1976-2003 (2005)

M


MAGDEBURG                   [C]                              (Hardrockband )

Band:  Dietrich Kessier (sax, fl, key ), Hans Joachim Kneis (voc), Klaus Weigert (b), Hans-Peter Dohanetz (key), 
             Gisbert Piatkowski (g), Detlef Kessler (dr)

Story: Nach der Auflösung der Klosterbrüder (Unstimmigkeiten) nannten sich die Band 1976 nach ihrer Heimatstadt um, zudem drangen die Behörden auf eine Namensänderung (Kloster-bruder = Bezug zur Kirche = Verdacht Oppositionell) - - - da ihnen ein erneutes Spielverbot drohte, machten sie den Kompromiss und es wurden ihnen erste Rundfunkaufnahmen erlaubt - - - es folgten Umbesetzungen, wonach nur noch die Gründungsmitglieder Kessier, Kneis und Kessler übrig blieben - - - die Band versuchte nun melodischen Hardrock zu spielen und es kam zu erneuten Rundfunkaufnahmen und Amiga produzierte eine LP - - - auf der einzigen LP wurden auch Lieder aus den Zeiten der Klosterbrüder aufgenommen - - - inzwischen war aber ihre Fangemeinde zerbrochen, dazu kam ein erneutes Besetzungswirrwarr und die Ausreiseanträge von Kessler und Kneis besiegelten das Ende der Band. (siehe auch Klosterbrüder).
LP: Magdeburg (1980) 

MODERN SOUL BAND                  [A]                    ( Soul & Jazzrockband)

Erstband: Gerhard „Hugo“ Laartz (key), Klaus Nowodworski (voc), Eugen Hahn (b),  Jürgen Fritzsch (sax), Andreas Altenfelder (tp),
                  Günter Dobrowolski (g), 
 Günther Wosylus (dr)

Story: Nach dem Verbot der Music Stromers (allgemeines Beatverbot), gründete Laartz im Juli 1968 die Band - - - 1969 ging Wosylus, Altenfelder und Dobrowolski, es kamen Karl-Jürgen Rath (dr), Jochen Gleichmann (tp) und Hansi Biebl (g) - - - mit Conrad „Conny“ Bauer nannte sich das Modern Septett in Modern Soul Band um, und machte zugleich ihre Vorbilder deutlich (Blood Sweat and Tears) - - - sie spielten ein Gemisch aus Jazz, Rock und Soul, mit einem erstklassigen Bläsersatz - - - trotz zahlreicher Umbesetzungen spielten sie eine wichtige Rolle in der Rockmusik der DDR, so waren sie Sprungbrett und Inspirationsquelle für Hansi Biebl, Stefan Trepte, Angelika Mann, Uschi-Brüning, Holger Biege und Regine Dobberschütz - - - 1972 hatte die Band eine relativ konstante Besetzung und ersten Rundfunktitel wurden produziert (u.a. „Wie schön“)  - - - nach wenigen Monaten setzte ein erneutes kommen und gehen ein, sodass Bandchef Laartz und Dagobert Darsow (tb), die einzige Konstante der Band war. 1973 fusionierte die Gruppe für eine Tournee mit der Klaus Lenz Big Band - - - Amiga veröffentliche im Jahr darauf, als Dokumentation eine hochgelobte Live-LP - - - es folgten eine Reihe von Gast-solisten, die später auf der ersten LP 1976 mitwirkten, à Stefan Trepte, Angelika Mann, Uschi Brüning, Klaus Nowodworski, Hansi Klemm, Holger Biege, Regine Dobberschütz und Henry Kotowski („Zickenrock“) - - - weitere Umbesetzungen folgten und die Sängerin Regine Dobberschütz, prägte entscheidend den Stil der Band - - - 1978 ging R. Dobberschütz und es kam kurzzeitig Barbara Kusta, bevor Gonda Streihig der Band bis 1981 treu blieb - - - in dieser Zeit entstand die LP „Meeting“ (1979) - - - trotz weiterer Umbesetzungen gewann die Gruppe 1984 den zweiten Platz beim Grand Prix Wettbewerb des Internationalen Schlagerfestivals in Dresden mit dem Titel „Ideale“ - - - bis 1988 wechselten 37 Musiker in und aus die/der Band - - - 1988 durfte sie erstmalig im westlichen Ausland auftreten (wie Dänemark, Westberlin) - - - die Band existiert noch heute, aber ohne konstante Besetzung.
LP: Modem Soul Band (1976), Meeting (1979), Berliner Song (1987)
CD: Moods (1991), Rolling Man (1998)
weitere Songs: Schlafen geh’n; Mister Wonder; Berlin Song; verlier nie die eig’ne Fantasie

MONA LISE                 [B]                            (Popband)

Band: Lieselotte Reznicek (voc, key), AntjeWittösch (g), Manuela Rehberg (b), Christina Powileit (dr)

Story: Frauenband der DDR, die durch den Pankow-Manager Wolfgang Schubert 1982 ins Leben gerufen wurde - - - schon nach kurzer Zeit produzierten sie erste Titel für das DDR-Fernsehen: „Heute“, „Hallo Süßer“, „Superdürre Tina“ - - - 1984 verließ Manuela die Band wegen ihrer Schwanger-schaft, es kam die Ungarin Elisabeth Illes - - - Konzertmogul Fritz Rau (BRD) wollten die Gruppe als Vorband für Udo Lindenberg gewinnen, aber die Künstleragentur der DDR lehnte ab - - - auch Anette Humpe (Ideal) interessierte sich für die Band, ihr wurde die Einreise verweigert - - - 1985 nahm die Band erfolgreich am ungarischen Rocksommer teil - - - 1986 kam es zu erheblichen Umbesetzungen und war in deren Folge keine reinen Frauenband mehr (Th. Hergert, P. Scheffler kamen) - - - 1987 hatte sie mit „Tränen“ ihren größten Erfolg, aber die Band befand sich in der Auflösung, was 1989 endgültig erfolgte.    
LP: Mona Lise (1989), weiterer Hit: Ruhelos (1988) 

MONOKEL                    [C]                         (Bluesrockband)
Band: Frank Gahler (voc, mundh), Jörg Schütze (b) //  bis 1979 Sebastian Baur (g, voc), 
Mario Janik (dr), Wilfried Borchert (g, voc) //
            ab 1979 Bernd Kühnert (g, voc), 
Michael Linke (g, voc), Rainer Lojewski (dr)

Story: Berliner Bluesrock-Band wurde 1976 gegründet und 1979 umbesetzt - - - 1982 ging Gahler, dafür kam Bernd Buchholz (voc, mundh) - - - nach erneuten Umbesetzungen durfte die Band 1986 ihre einzigste LP produzieren - - - für Insider blieb sie stets eine beliebte Liveband - - - nach der Wende bestand Monokel weiter und konnte zumindest in der Bluesszene das Publikum begeistern.
LP: Monokel (1986), CD: Nachlass eines Aussteigers (2000), Monokel & Gäste - Live (2007)

MORGENROCK              [C]                    (Rockband)  

Band: Andreas Raab (voc, p), Heinz Prüfer (g), Hans Jürgen Dreßler (b), Michael Felden (dr)

Story: 1978 in Berlin gegründet und nach diversen Umbesetzungen, spielten sie 1982 ihren Erfolgstitel „Mir geht’s gut“ ein  - - - live überzeugte sie besonders mit Coverversionen von Frank-Zappa-Songs - - - lösten sich 1985 auf.

MTS                               [B]                  (Musikcomedy)

Band: Thomas Schmitt (*1951, voc), Frank Engelhardt (*1952, g, fl, voc),  Herbert Treichel  (*1953, g, voc)

Story: 1973 in Berlin gegründet, sahen sich als kabarettistisches Musiktrio an - - - schnell erlangten sie Kultstatus und verbreiteten zur Freude für Jung und Alt ihre Nonsensverse und Limericks - - - ab 1977 folgten erste Auftritte in Funk und Fernsehen - - - in den 80er Jahre stieß der ehemalige Silly-Schlagzeuger Michael Schafmeier dazu und interpretierte den Ulkhit „Ich bin der letzte Kunde“ neu (wurde zuerst von Silly gesungen) - - - bis zur Wende gab es einige Umbesetzungen und während der Wende kamen kaum noch Zuhörer - - - nach 1993 stabilisierte sich die Zuhörerschaft wieder und sind heute noch aktiv.
Topsongs: Zehn böse Autofahrer (1974), Ballade vom Förster (1975), Ein Pferd wie du und ich (1976) //
LPs: Mut, Tatendrang, Schönheit (1977), Erste komische Interessengemeinschaft (1986 m. Possenspiel), Radio MTS (1998),
         ACH! (2003),  Echte Männer (2009)

N


NATSCHINSKI, THOMAS – BAND  s. Thomas Natschinski bei Liedermacher 

NAUTIKS                      [C]                 (Jazzrockband )

Band 1971: H. J. Gottschalk (g, voc), A. Jereczinski (key), B. Schulze (fl, sax),  E. Böhm (b), J. Kloß (dr)

Story: Die Erfurter Band wurde 1968 von Heinz-Jürgen Gottschalk gegründet und die Lieder „Wir gehen am Meer“ und „Lichter in deinen Augen“ wurden bekannt. Gottschalk musste dann seinen Grundwehrdienst ableisten, wodurch sich die Gruppe zunächst auflöste. In neuer Besetzung wurde 1971 die Band wiederbelebt. Es folgte ihre erfolgreichste Zeit, bis man der Band westliche Kontakte vorwarf und sie im Fokus staatlicher Behörden standen. Gottschalk löste daraufhin die Band auf und wechselte zur Horst-Krüger-Band (1974). 1975 startete die  Band einen erneuten Versuch, bevor sich die Gruppe wegen mangelndem Erfolg am Ende der 80er Jahre endgültig auflöste.
Songs bei Amiga: Wir gehen am Meer (1970), Ich steh allein in dieser Stadt (1971), 
Wie ein Vogel (1980)
 

NEUMIS ROCK CIRCUS           [B]          (Satirische Rockband)

Eine Mischung aus Zirkus, Rockmusik, Clownerie und Kabarett sollte das erfolgreiche Konzept werden. 1979 gegründete Hans Joachim „Neumi“ Neumann die Band. Das ehemalige Mitglied von Karat fand nach seinem Wehrdienst keinen Platz mehr bei Karat und war zudem den Funktionären ein Dorn im Auge. Während seiner Karat-Zeit enthielten seine Songs zu kritische Untertöne. Dennoch unterstützten die Kulturfunktionäre sein Talent und erlaubte ihm einen Neuanfang. Sie erlaubten ihm gesellschaftskritische Töne, achteten aber darauf, dass er nicht staatspolitisch wurde. Mit den Song „Clown“ (1980) und dem satirischen „Die Nachbarinnen“ (1982), hatte er seinen größten Erfolg. Trotz der steigenden Popularität verließ er 1983 das Land, wegen der staatlichen Zensur. In Westberlin wurde er Produzent und arbeitete, unter anderem, für Judy Weiss, David Hasselhoff, die Flippers und Roland Kaiser.   
LP: Neumis Rock Circus (1981)

 

NO 55                        [B]                   (Rockband )

Ende 1981 gründeten Georgi Gogow (v, b, voc) und Gisbert Piatkowski (g, arkor) die Band, die sich nach der alten Postleitzahl des Berliner Stadtbezirkes Prenzlauer Berg benannte.
Hans Peter Krause (dr) und Frank Gahler (voc, mundh), vervollständigten die Anfangs-besetzung. Im Januar 1982 begeisterten sie bei ihrem ersten Auftritt, bei „Rock für den Frieden“. 1983 wechselte der Schlagzeuger (Bernd Haucke kam) und Gahler wurde zum Wehrdienst einberufen (Armee). Die Band nannte sich daraufhin ENNO und wechselte in dieser Zeit mehrfach die Besetzung. 1985 kehrte Gahler wieder zurück und belebte die Band, die nun wieder NO55 hieß. Rene Decker (sax) und Thomas Schock (keyb) wurde die Band vergrößert. Im Herbst 1989 verließ Gahler die erfolgreiche Band, die sich dann auflöste.
LPs: Kopf oder Zahl (1984), Träume von gestern (1988) 
Songauswahl:
Geburt (1982), Kopf oder Zahl (1983), In der letzten Stunde des Tages (1984 – als ENNO), Kurzschluß (1984),
                          Schlüsselkind (1984), Träume von gestern (1987), Laß sie warten (1988)