01. Bilanz und Musikgeschichte

Bilanz  und Musikgeschichte
1. Die Top - 50 der DDR-Musik  Rock/ Pop und Schlager
2.
Geschichte der DDR-Musik

           

1. Die Top -50 der DDR Rock-Pop-Musik

Die folgende Auflistung orientiert sich an der Popularität jener Zeit mit Hilfe von Radio-Charts (soweit vorhanden), Amiga-Sampler,
TV-Auftritten und Erinnerungen von Zeitzeugen.

Platz                         Titel                                    Jahr    Interpretation                        K= Komponist // T= Texter         
  1. Über sieben, Brücken musst du geh’n   1978 Karat K: Ulrich Swillms // T: Helmut Richter
  2. Am Fenster   1977 City K: Georgi Gogow // T: Hildegard Maria Rauchfuß
  3. Jugendliebe 1980 Ute Freudenberg K: Bernd Henning // T: Burkhard Lasch
  4. Du hast den Farbfilm vergessen 1974 Nina Hagen K: Michael Heubach // T: Kurt Demmler
  5. Geh zu ihr 1973 Puhdys K: Peter Gotthardt // T: Ulrich Plenzdorf
  6. Der blaue Planet  1981 Karat K: Ullrich Swillms // T: Norbert Kaiser
  7. Berührung 1980 Gaby Rückert K: Thomas Natschinski // T: Ingeburg Branoner
  8. Anna Maria 1971 Rote Gitarren  K: Seweryn Krajewski // T: Christopher Dzikowki
  9. Als ich fortging  1987 Karussell K: Dirk Michaelis // T: Gisela Steineckert
10. Bataillon d’amour 1986 Silly  K: <<Band>> // T: Werner Karma
11. Wer die Rose ehrt  1973 Klaus Renft Combo K: Peter Gläser // T: Kurt Demmler
12. Alt wie ein Baum 1976 Puhdys K: << Band>> // T: Burkhard Lasch
13. Doch ich wollte es wissen 1975 Kreis K: Arnold Fritzsch // T: Fred Gertz)
14. Das ich eine Schneeflocke wär 1976 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Kurt Demmler
15. Mädchen mit Perlen im Haar 1970 Omega K: Gabor Presser // T: Anna Adamis
16. In der Mocca-Milch-Eisbar 1970 Th. Natschinski C. K: Thomas Natschinski // T: Hartmut König
17. Sagte mal ein Dichter 1978 Holger Biege K: Holger Biege // T: Fred Gertz
18. Es war doch nicht das erste Mal  1973 Reinhard Lakomy K: Reinhard Lakomy // T: Fred Gertz
19. Wenn Träume sterben 1977 Puhdys K: <<Band>> // T.: Wolfgang Tilgner
20. Auf der Wiese 1975 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Bettina Wegner
21. Schwanenkönig 1980 Karat K: Ulrich Swillms // T: Norbert Kaiser
22. Mont Klamott  1983 Silly   K: << Band >> // T: Renè Volkmann 
23. Sommernachtsball 1977 Veronika Fischer K: Franz Bartzsch // T: Kurt Demmler
24. König der Welt  1977 Karat K: Ullrich Swillms // T : Kurt Demmler
25. Rockerrente  1984 Puhdys K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Dieter Birr
26. Der Clown  1980 Neumis Rock Circus T & K.: Hans Joachim Neumann
27. Wenn ein Mensch lebt  1974 Puhdys  K: Peter Gotthardt // T: Ullrich Plenzdorf
28. Zwischen Liebe und Zorn  1972 Klaus Renft Combo K: Peter Gläser // T: Kurt Demmler
29. Am Abend mancher Tage 1981 Lift K: Wolfgang Scheffler // T: Joachim Krause
30. … sagen meine Tanten 1972 Scirocco                      //  K: Volker Thiele, Hendryk Wendt // T: Regina Scheer
31. Eh die Liebe stirbt 1986 Ralf Bursy K: Ralf Bursy // T: Burkhard Lasch
32. Lebenszeit  1976 Puhdys K: << Band >>  // T: Wolfgang Tilgner
33. Nie zuvor 1984 Electra  K: Manuel von Senden // T: Werner Karma
34. In jener Nacht 1975 Veronika Fischer            // K: V. Fischer & F. Bartzsch // T: Ingeburg Branoner 
35. Der Kampf um den Südpol 1977 Stern Combo Meißen K: << Band >> // T: Kurt Demmler
33. Casablanca  1987 City K: <<Band>>  // T: Kuno Kleinfelt, Titti Flanell
37. Ehrlich will ich bleiben 1979 Karussell K: Jochen Hohl // T: Kurt Demmler
38. Die Tagesreise  1975 Horst Krüger Band K: Michael Heubach // T: Jo Schaffer
39. Traumzeit 1985 Petra Zieger K: Andreas Schulte // T: Burkhard Lasch
40. … und wir gingen auf uns zu  1976 Kreis K: Arnold Fritsch // T: Fred Gertz
41. Das Buch  1984 Puhdys K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Dieter Birr
42. Wunderland  1987 IC Falkenberg T&K: Ralf Schmidt
43. I.L.D. (ich liebe dich)  1988  Rockhaus K: << Band>> // T: Mike Killian
44. Wasser und Wein 1977  Lift K: Michael Heubach // T: Kurt Demmler
45. Reichtum der Welt  1979 Holger Biege K: Holger Biege // T: Fred Gertz
46. He, John  1981  Puhdys  K: Dieter Birr, Peter Meyer // T: Burkhard Lasch
47. Zeit, die nie vergeht 1985 Perl T&K: Michael Barakowski
48. Gewitterregen  1979 Karat K: Ullrich Swillms // T: Norbert Kaiser
49. Entweder oder 1979 Karussell K: Lutz Kirsten // T: Kurt Demmler
50. Sieben Meter Seidenband 1978  Prinzip K: Jürgen Matkowski T: Kurt Demmler

 

CD – Empfehlung:  Die 100 größten Ost-Hits  // 2010 Sony Music - AMIGA // Katalog-NR: 88697808262
Diese Sampler-Kollektion (8 CDs) basiert auf einer Fanauswertung über die Internetseite www.ostparade.de. Fans wählten die besten Songs
der DDR-Musikgeschichte und es entstand, ein sehr guter Querschnitt über die
DDR- Rockmusik. Unter dem Markenzeichen AMIGA hat
dann Sonymusic die Musiksammlung produziert.
Auf den CDs befinden sich auch alle 50 Songs der oberen Hitliste. Angemerkt sei, dass
die Platzierungen auf 
der CD dem subjektiven Voting der Fans entspricht. Somit wurden auf der CD-Sammlung gescholtene Gruppen der
DDR Doktrin (z.B.: Renft Combo, Klosterbrüder) bevorteilt oder Gruppen mit einem hohen künstlerischen Anspruch aufgewertet
(z. B.: Platz 17 auf der CD, für den kommerziell nicht so erfolgreichen Song, „Tritt ein in
den Dom“- Electra). 

 

 Die Top -50 des DDR Schlagers

Platz                         Titel                                    Jahr    Interpretation                        K= Komponist // T= Texter         
  1. Rennsteiglied 1962 Herbert Roth & Ensemble K: Herbert Roth / T: Karl Müller
  2. Damals  1959 Bärbel Wacholz K: Gerd Natshinski / T: Robert Romanus
  3. Wie ein Stern  1971 Frank Schöbel K: Hans Georg Schmiedecke / T: Dieter Lietz
  4. Zwei gute Freunde  1958 Fred Frohberg K: Gerd Natschinski / T: Günther Loose
  5. Kleines Haus am Wald  1957  Herbert Roth & Ensemble K: Herbert Roth / T: Karl Müller
  6. Gold in deinen Augen 1971 Frank Schöbel K: Arndt Bause / T: Fred Kerstien
  7. Yvetta  1972 Jirgi Korn K&T: Karel Svoboda / dt.: Gerd Halbach
  8. He kleine Linda  1976 Muck K: Muck (*1) / T: Wolfgang Brandenstein
  9. Tag für Tag 1974 Hans Jürgen Beyer K: Arndt Bause / T: Kurt Demmler
10. Sing mei Sachse sing 1980 Jürgen Hart K: Arndt Bause / T: Jürgen Hart
11. Jetzt kommt dein Süßer 1983 Helga Hahnemann K: Arndt Bause // T: Angela Gentzmer
12. Hätt’ ich nochmal die Wahl 1976 Sandra Mo & Jan Gregor K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
13. Weil du heut Geburtstag hast  1966 Robby Lind  K & T: Ralf Petersen
14. Keine Bange wir holen eine Zange 1975 Hauff & Henkler K: N. Kalogjera / T: I. Krajac / dt: G.Halbach (*2)
15. Das wünsch ich mir 1958 Bärbel Wachholz K: Georg Möckel / T: Peter Bering
16. Lieb mich so wie dein Herz es mag 1967 Doerk & Schöbel  K: Frank Schöbel / T: Dieter Schneider
17. Rauchen im Wald ist verboten 1969  Nina Lizell K: Rudi Werion / T: Thomas Kluth
18. Sag ihr auch   1979 Gerd Christian K: Holger Biege / T: Fred Gertz
19. Der alte Hut von Jerry Flynn 1963 Mary Halfkath K: Wolfram Schöne / T: Birgit Wernecke
20. Maria Helena 1972 Ivica Seresi K & T: Nikica Kalogjera /dt: Fred Neumann
21. Morgenrot – Abendrot   1974 Andreas Holm K: Arndt Bause / T: Fred Kerstien
22. Ich geh vom Nordpol zum Südpol … 1973 Frank Schöbel K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
23. Kleiner Vogel  1977 Monika Herz K: Arndt Bause / T: Dieter  Schneider
24. Gegensätze zieh’n sich an 1981 Ina Maria Federowski K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
25. Erna kommt 1983 Lippi K: Arndt Bause // T: Wolfgang Brandenstein
26. Es brennt wie Feuer 1986 Olaf Berger K: Lothar Kehr / T: Volkmar Andrä
27. Zwei Küsse beim nach Hause geh’n 1965 Ina Martell K: Ralf Petersen / T: Dieter Schneider
28. Karthäuserknickebein Shake 1963  Lutz Jahoda K: Karl Schinski / T: Franz Felder
29. Labostella bei Tante Ella  1968 Britt & Bert K: Gerd Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
30. Eine Welt ohne dich  1958 Julia Axen K: Wolfgang Kähne / T: Ursula Upmeier
31. Das Lied vom alten Plattenschrank 1961 Monika & Ruth  K: Harry Seeger / T: Willy Schüller
32. Blonder Stern  1964 Frank Schöbel  K: Klaus Hugo / T: Dieter Schneider
33. Roter Mohn wird wieder blühn 1963 Heidi Kempa K: Klaus Hugo / T: Dieter Schneider
34. Spielverderber 1985 Inka K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
35. Verdammt  1988 Wolfgang Ziegler K: Christian Heilburg / T: Wolfgang Ziegler
36. Schallala Schallali 1977  Jürgen Walter K: Arndt Bause / T: Gisela Steinecke
37. Die Liebe ist ein Haus  1975 Regina Thoß K: Dieter Schneider / T:Andreas Falk
38. Blond wird groß geschrieben 1967 Britt Kerten K: Gerhard Siebholz / T: Hein Sollinger
39. Charlie ade 1978 Monika Herz K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
40. Heut ist wieder Vollmond 1973 Hauff & Henkler K: Dieter Schneider / T: Gerhard Siebholz
41. Pinguin Mambo 1955 Werner Hass K & T: Hans J. Fleischer
42. Meerblaue Augen wie die Adria 1973 Ivica Serfesi K: Rudi Werion / T: Gerd Halbach
43. Der Mann mit dem Panamahut  1973 Nina Lizell  K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
44. Jedes junge Mädchen wird mal … 1972 Chris Doerk K: Dieter Schneider / T: Gerhard Siebholz
45. Morgenstunde hat Gold im Munde 1965  Ruth Brandin K: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
46. Das war ein Meisterschuss 1977 Hauff & Henkler  K: Gerhard Siebholz / T: Wolfgang Brandenstein
47. Nimm den Zug der Sehnsucht heißt 1973 Aurora Lacasa  K: Arndt Bause / T: Dieter Schneider
48. Schreib es mir in den Sand 1971 Frank Schöbel K: Gabor Presser /dt. T: Dieter Schneider
49. Die Primaballerina meiner Träume 1963 Günter Geissler K: Siegfried Osten / T: Jürgen Hermann
50. Ein himmelblauer Trabant  1971 Sonja Schmidt K: Rudi Werion / T: Thomas Kluth
*1 = Muck = Hartmut Schulze - Gerlach  // *2 =K: Nikica Kalogjera / T: Ivica Krajac / dt: Gerd Halbach

 

Grundsätzliches zu den Auflistungen
Das Auflisten und Datieren von Liedern der DDR war mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, da es kaum verlässlichen Quellen gab.
Mit dem Anspruch der zeitlichen Popularität eines Liedes können sich daher Fehler eingeschlichen haben.

Probleme:
1. Rudimentäre Titellisten von TV- und Radiohitparaden und Unstimmigkeiten bei den Amiga Produktionen.
2. Die Jahreshitparaden von DT64 (ab 1975) sind nicht repräsentativ, da nur Stammhörer votierten.
3. Es gab keine Singlecharts und Platten wurde nach dem Bedarf und oft verspätet produziert
4. In der Regel musste sich ein Song zunächst in den Medien (Radio, TV) bewähren und erschien dann häufig 
verspätet auf einer Sampler
    LPs (produktionsabhängig). Lediglich bekannte oder vielversprechende Künstler, 
durften eine Single produzieren, wobei sich oft zwei
    Künstler eine Single (A- und B-Seite) teilen mussten.
5. Nur privilegierte Künstler durften eine LP aufnehmen. Das Radio durfte LP-Auskopplungen veröffentlichen, 
das aber kein Garant dafür,
    dass jener Titel auch auf Single erschien.
6.
Die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung, Medienpräsenz und Platten-Produktion eines Liedes war daher enorm.

 

2. Geschichte der Unterhaltungsmusik in der DDR

Vorbemerkungen 

1. Sozialistische Ideologie:

Auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Theorie wurde nach dem 2. Weltkrieg im Osten die Gesellschaft radikal umgestaltet, mit dem Idealziel eine gerechte und klassenlose Gesellschaft unter der Führung der sozialistischen Partei zu schaffen. Dazu sei angemerkt, dass Gegensatz zur Anarchie, die kommunistische Idee die Notwendigkeit einer geistigen Führung verlangte. Es galt den Egoismus des Menschen zu zügeln und Gefahren für das Menschsein abzuwenden. In diesem Sinne sollte der Mensch zu einem verantwortungsvollen und gesellschaftsbewussten Bürger geleitet und erzogen werden. Besonders sollten die natürlichen egoistischen Trieben des Menschen gezügelt werden und der Mensch über die Partei seine evolutionären Veranlagungen gesellschaftskonform kontrollieren lernt.
In der Musik wurde zu diesem Zweck die schöngeistige und anspruchsvolle Musik gefördert. Besonders die Kunstmusik (Klassik, Orchester, Chanson) sollte dabei eine kulturelle Reife erzeugen. Dagegen waren Arbeiter- und Kampflieder als mobilisierende und motivierende Faktoren gedacht. Als Ersatz für die niedere kapitalistische Unterhaltungsmusik sollten die traditionellen Volkslieder dienen und zugleich die folkloristischen Wurzeln unterstreichen.
Die bisherige Art des Schlagers (Unterhaltungsmusik) war daher unerwünscht, da sie nur oberflächlich egoistische und niedere Emotionen und Trugschlüsse weckten, die sich vom sozialistischen Geist entfernen würden. Ein wesentliches Argument für die Funktionäre war, dass die Art und Weise des Schlagers, in der NS-Zeit ideologischen Zwecken diente und beim Neuaufbau Deutschlands hinderliche nationalistische Tendenzen erzeugen könnte.

2. NS-Schlager:

In allen Besatzungszonen waren deshalb nach dem 2. Weltkrieg zunächst sämtliche Schlager aus der nationalsozialistischen Zeit verboten. Die Lieder erzeugten nicht nur starke Emotionen, sondern weckten auch extremistische Gefühle. Die einen sehnten sich nach dem Deutschland vor dem Krieg zurück und verharmlosten das Hitler-Regime. Bei anderen, die unter dem Nazi-Deutschland gelitten hatten, erzeugten die Lieder einen Hass gegen alle Deutsche, die das Regime stützten oder davon profitierten. So oder so, verursachten die Schlager unterschiedliche Emotionen in der Erwachsenenwelt.
Die Jugendlichen ließen sich mitunter anstecken, aber musikalisch orientierten sie sich eher an der modernen amerikanischen Swingmusik, die im Hitlerdeutschland verboten war und nun nach dem Krieg einen neuen Zeitgeist propagierte. Angesichts eines zerstörten und besetzten Deutschlands, suchte aber die ältere Generation seine nationale Identifikation, um sich mental wieder aufrichten zu können. Als Ersatz zu den unerlaubten Schlagern dienten die Volkslieder.
Trotz alledem war der Bedarf nach deutscher Schlagermusik ungebrochen. Die USA lockerte das Verbot von Schlagern und verbot lediglich nationalistische durchtränkte Lieder. Die USA waren auch jene Besatzungsmacht, die Deutschland am liberalsten gegen-überstand. Das lag vor allem daran, dass die Amerikaner, im 2. Weltkrieg, nicht direkt dem Hitlerfaschismus ausgesetzt und demzufolge nicht emotionell betroffen waren. In den USA gab es sogar Tendenzen, die das Hitlerregime bewunderten. Da die Amerikaner in allen Bereichen die Dominanz im westlichen Deutschland übernahmen, benutzten sie den Schlager als Instrument des Kalten Krieges. Die USA förderte bewusst den Schlager, da sich auch der Ostbürger nach Schlagern sehnte. Die sowjetische Besatzungsmacht sah sich daraufhin gezwungen ihr kulturelles Konzept zu überdenken. Damit sich am Schlager nicht unnötige Spannungen gegenüber der Bevölkerung entzünden sollten und wurden der Schlager auch in der Ostzone zugelassen (toleriert).

3. Berlinstatus:

Die sowjetische Besatzungsmacht hatte, laut Viermächtevertrag, die Verwaltungshoheit über ganz Berlin. Es wurden aber drei Verwaltungsregionen festgelegt, in denen die anderen drei alliierten Mächte (Westberlin) ein Mitbestimmungsrecht und den Status einer Schutzmacht besaßen. Das bedeutete, die Sowjetunion konnte somit den sozialistischen Kurs in Westberlin nicht zwangsverordnen und musste auch auf die Bedürfnisse der West-Berliner eingehen.
Eines dieser Bedürfnisse war die Schlagermusik. Zähneknirschend wies das sowjetische Oberkommando die Gründung der Schallplattenfirma AMIGA (1947) an. Letztendlich entdeckten die sowjetischen Funktionäre, dass mit dem Schlager die Expansion der amerikanischen Swingmusik gestoppt wurde und AMIGA von einer zahlungskräftigen Westberliner Bevölkerung profitieren konnte. Gleichzeitig wurde dann dem Radiosender BERLINER RUNDFUNK, höhere Sendeanteile mit Schlagermusik im Programm erlaubt.
Aufgrund dessen kam Ostberlin ebenso in den Genuss von Schlagermusik. Um nun nicht die anderen Bürger im Osten zu verärgern, erlaubten die Funktionäre eine Publizierung der Musik. Das Verbreiten oder Nachsingen von Schlagern über Tanzkapellen und Interpreten wurde toleriert, aber grundsätzlich förderten die Funktionäre den Schlager nicht.
Übrigens der Vertrieb von Schallplatten war zwar erlaubt, aber nur wenige Menschen hatten einen Schallplattenspieler und demzufolge gab es keinen richtigen Absatzmarkt im Osten. Auch neue ostdeutsche Radiosender waren erst im Entstehen. Natürlich war somit der Berliner Rundfunk der beliebteste (einzige) Rundfunksender des Ostens, der über weite Teile der Ostzone empfangen werden konnte.

4. Rohstoffmangel:

Aufgrund schwerer wirtschaftlicher Startbedingungen im Osten, die zudem von der sozialis-tischen Umgestaltung zusätzlich belastet wurde, gab es enorme ökonomische Engpässe. Das Produzieren von Schallplatten wurde als eine unnütze Verschwendung von wertvollen Rohstoffen angesehen. Nachdem der profitable Markt in Westberlin (1948) abbrach und sich1949 die DDR  gründete, wurden Schallplatten nur noch für den Mindestbedarf produziert.
Besonders Schallplatten mit Unterhaltungsmusik, wurden zunächst stark begrenzt und erst mit dem steigenden Wohlstand und dem Bevölkerungsbedarf erweitert. Häufig mussten Schallplatten im Laden bestellt werden.
Man sollte dazu Wissen, dass die
Auswahl von Schallplatten in einem Musikgeschäft einen geringen Umfang hatte und dort überwiegend Musikinstrumente und Noten verkauft wurden (anfangs, auch in der BRD).
Da nun die DDR lediglich auf den Bedarf reagierte und an keinen Plattenmarkt interessiert war, gab es bis zum Ende der DDR keine Singlecharts und Verkaufszahlen von Tonträgern müssen klar relativiert werden. Einerseits wurden erfolgreiche Platten jeweils in begrenzter Stückzahl neu aufgelegt, aber in der Regel wurde die eigentliche Nachfrage selten gedeckt. Prinzipiell mussten Lieder erst einmal erfolgreich im Radio laufen, um es wenigstens auf eine Sampler-LP zu schaffen. Eine Produktion von Singles wurde aus ökonomischen Gründen stark begrenzt und doch leisteten sich die Funktionäre so manche Fehleinschätzung. Meistens wurden Schallplatten in großer Stückzahl produziert, die aus politischen Gründen gefördert werden sollten, aber der ideologische Sinn sein Ziel verfehlte und zum Ladenhüter wurde.

5. Künstlerfamilie:

Besonders Popmusiker (ab den 60er Jahren) waren in der DDR nicht nur territorial, sondern ebenso durch Verbote und Auflagen eingegrenzt. Dagegen zeigte sich der Staat gegenüber klassisch orientierten Musikern großzügig und ließen sie sogar ins kapitalistische Ausland zu Gastspielen reisen. Selbst Schlagersänger durften zumindest an internationalen Wettbewerben in den sozialistischen Staaten teilnehmen. 
Das führte dazu, dass sich die wenigen tolerierten Pop- und Rockkünstler untereinander sehr gut kannten und im Prinzip zu einer Künstlerfamilie verschmolzen. Mit der Förderung der Rockmusik um 1970, waren es jene betagten Musiker, die seit dem Beatverbot (1965) auf  eine neue Chance lauerten und nun zu Pionieren der DDR-Rockmusik wurden. Die gereifte alte Garde war geprägt vom Anspruch nach niveauvoller Musik und entwickelten somit auch einen spezifischen Kunstrockstil. Unabsichtlich wurden aber dadurch die frischen Nachwuchsmusiker und die Popmusik ausgebremst. Die Musiker, von einst, waren bereits musikalisch gestandenen Persönlichkeit, die sofort die Musikszene dominierten und sich die spontane Naivität von neuen Gruppen nur schwer durchsetzen konnte.
Diese Situation prägte die Besonderheit der DDR-Rockmusik. Die Musiker orientierten sich an der internationalen Kunstmusik (Jazz, Progressiver Hardrock Stile) und lebten in dem Rahmen ihre Kreativität aus. Jede Musikerpersönlichkeit entwickelte, in der Folgezeit, eigene Vorstellungen von der Musik und strebte ein individuelles Umsetzen an. Das führte dazu, dass es zu zahlreichen Umbesetzungen der Rockgruppen kam und die Bandnamen zum Siegel eines spezifischen Musikstils wurde. In der internationalen Rockszene war solche Tendenz ebenso üblich, aber nicht in der Form, so wie es in der DDR praktiziert wurde.
Zunächst bewirkte der häufige Musikerwechsel, von einer Band zur anderen, dass eine kleine Anzahl von Bands die Musikszene beherrschte. Dann aber gründeten Musiker verstärkt eigene Projekte (Karat, Veronika Fischer) und bereicherten die Szene. Trotz einer breiteren Auswahl an Musik, verlangte die Jugend nach zeitgemäßer Musik und tanzbarer Popmusik. Nur wenige Newcomer (Kreis, Winni2) konnten sich daraufhin durchsetzen, zumal die alten Rockgruppen (Puhdys, Renft) auf den Bedarf reagierten und tanzbare Musik anboten.
Bis in den 80er Jahre hinein bestimmte die alte Garde die Musikszene und gab der DDR-Rock-Musik seinen typischen Charakter. Mit der NDW-Musik der BRD, stürmten nun eine Reihe von neuen Bands die Szene, die aber mehrheitlich die westliche NDW-Musik kopierte. Gruppen, die sich von der traditionellen Musikszene abnabelten, gelang es meistens nicht ein eigenes Gesicht zu prägen. Sie feierten zwar kurzzeitige Erfolge in der DDR, blieben aber eine zeitlich begrenzte Modeerscheinung, die heute vergessen sind. Nur jene Bands, die auf den Traditionen der DDR-Rockmusik aufbauten (Silly, City) gehören heute noch zu den unvergessenen Gruppen im Osten. Mit dem Gütesiegel OST-ROCK werden noch heute jene Gruppen und Musiker verehrt, die in der DDR eindrucksvoll Musikgeschichte schrieben.

6. Deutschsprachlicher Gesang:

Die Kulturbosse standen der Jugendmusik stets reserviert gegenüber und konnten hierbei auf die Mehrheit der erwachsenen Bürger bauen. So fand ein Verbot von Rock’N’Roll und später dem Beat eine breite Zustimmung in der Bevölkerung. Dennoch ließ sich die Jugendmusik nichts verbieten und die Funktionäre machten Zugeständnisse. Eine Reihe von Vorgaben wurde deshalb definiert und sollte verhindern, dass westliche (angloamerikanische) Musik nicht die sozialistische Ideologie unterwandert. Grundsätzlich musste deshalb in Deutsch gesungen werden, damit zu verstehen war, was gesungen wurde.
Verboten waren staatskritische Texte und Lieder, die nicht dem sozialistischen Geist vereinbar waren. Dazu zählten auch lebensverneinende Lieder, die depressiv geprägt waren oder von hoffnungslosen Sorgen und Nöte im Alltag berichteten, sowie Texte die düstere Horrorwelten (Satan, Monster) thematisierten. Ebenfalls waren Texte über zersetzende Zukunftsängste, Aussteiger (Gammler, Punker), selbstzerstörerischer Liebesschmerz ohne Alternative, Tabuthemen (Versorgung, Grenze, Homosexualität) oder unbegrenzte Reiselust untersagt. Die Texte sollten lebensbejahend sein und schöpferisch den sozialistischen Gemeinschaftssinn stärken. Allerdings war das Bewerten durch die Zensur mitunter sehr willkürlich, sodass die Texter die Kunst entwickelten mussten mit zweideutigen Untertönen zu agieren. 
Die Filmkünstler der DDR verpackten schon seit längerer Zeit kritische Inhalte in Märchen und historischen Filmen. Diesem Stilmittel bediente sich nun ebenso die Rockmusik. Der DDR-Bürger war deshalb geübt darin versteckte Botschaften herauszuhören. Fernab jeglicher Greifbarkeit drückten Rockmusiker ihre Gefühle und Kritiken über irrealen Welten (Märchen, Sagen, historische Begebenheiten, Gedichten, Fabeln u. ä.) aus und tarnten sie mit lyrischen Inhalten. Obwohl ebenfalls die Funktionäre die Untertöne verstanden, waren sie gezwungen die meisten Texte großzügig zu tolerieren. Einerseits fanden sie keine Gründe für eine Zensur und andererseits war es besser nicht zu reagieren, um nicht unnötig einen Anlass für eine gespannte Situation zu erzeugen.

Bitte lesen Sie ebenfalls die spezifischen Ausführungen über die DDR-Musik in den Betrachtungen über die einzelnen Zeitepochen und den Darlegungen im Pop- und Rocklexikon.

Chronik / Stationen der DDR- Musik:

13. 05. 1945 - Berliner Rundfunk:
Der Sender ging als Radio Berlin auf Sendung und lag nach der Sektorenaufteilung Berlins zunächst in Westberlin.
Mit den zunehmenden Spannungen zwischen den Alliierten, zog der Sender nach Königs Wusterhausen und startete neu am 20. 03.1949. Im Zuge der Zentralisierung erhielt das Funkhaus 1952 seinen endgültigen
Sitz in der Nalepastraße (Berlin-Oberschöneweide). 
  

03. 02. 1947 - Amiga:
Gründung der Schallplattenfirma AMIGA, unter Leitung von Ernst Busch, deren erste Schlagerstars Bully Buhlan, Rita Paul und Evelyn Künneke waren.

1948 - Berlinblockade:
Die Berlinblockade führte zur endgültigen Abspaltung von Westberlin. Aus Protest gegen die sowjetischen Maßnahmen gegen Westberlin kündigten Buhlan, Paul und Künnecke ihre Verträge mit dem Label AMIGA und wechselten zum Westberliner Label ODEON. Lediglich Margot Friedlaender blieb dem Plattenlabel AMIGA erhalten.

1949 - Gründung der DDR:
Mit der Gründung der DDR wurde AMIGA dem VEB Deutsche Schallplatte unterstellt. Es wurde überwiegend schöngeistige Musik produziert. Trotzdem nur wenige DDR Bürger einen Plattenspieler besaßen, war dennoch der Bedarf an Platten groß und führte dazu, dass Schallplatten auf dem Schwarzmarkt gehandelt wurden. Ansonsten durfte der Radiosender Berliner Rundfunk dosiert Schlager spielen und Tanzmusikkapellen war das Nachspielen von BRD-Schlagern erlaubt. Auch AMIGA durfte in der Folgezeit wieder verstärkt Schlager produzieren. Da es aber keine eigene Schlagerszene gab, hielten sich eigne Produktionen in Grenzen. Das Plattenlabel verlagerte sich darauf BRD-Schlager zu covern und suchte sich speziell unbekannte Songs heraus und vermittelte dadurch den Trugschluss, dass es sich um DDR-Schlager handelte.

1953 – Reform / Schallplattenlabel:
Es fand eine grundlegende Reform beim VEB Deutsche Schallplatte statt, dabei wurde für bestimmte kulturelle Gebiete spezifische Label geschaffen (s. Lexikon: Amiga) und das Label AMIGA, war nun ausschließlich für das Resort Unterhaltungsmusik zuständig. Zuvor wurde Ernst Busch als Leiter entlassen, den man dafür verantwortlich machte, zu sehr die westliche Musik publiziert zu haben. Das Kulturministerium verfügte die Förderung von einer eigenen Unterhaltungsmusik und drängte auf die Begrenzung von BRD-Covermusik.

1954  - Nachwuchsstudio:
AMIGA richtete ein Nachwuchsstudio ein, dass 1957 vom Berliner Rundfunk übernommen wurde. Ziel war es Lieder im Rundfunk zu testen, bevor sie auf Platte gepresst wurden.
Auf Initiative vom Musikpädagogen Kurt Penkert wurde an der Musikhochschule Berlin-Friedrichshain eine Tanzmusikklasse gegründet. Die erwachende Schlagerszene war zunächst volkstümlich und Jazz orientiert. Wie in der BRD, waren zunächst Seemannslieder besonders beliebt. Den Funktionären waren aber Lieder vom Fernweh (Bahia, Honolulu, Venedig) ein
Dorn im Auge. Sie verlangten, dass keine Orte von kapitalistischen Ländern besungen werden sollten und ebenso sollten volkstümliche Lieder beschränkt werden, da sie zu stark nationalis-tische Emotionen weckten. Daraufhin wurde der große Erfolg von Herbert Roth geschmälert.

1957- Rock’N’Roll:
In beiden Teilen Deutschlands wurde jene Jugendmusik als Problem angesehen. Wegen der aggressiven Auswüchse in den USA, wollte man im eigenen Land eine solche Entwicklung vermeiden, die zudem den Jugendlichen von den gesellschaftlichen Werten entfernen würde. In der DDR wurde die Musik rigoros verboten, zumindest im Radio und auf Schallplatte. Dennoch wurden Jugendtreffs und Tanzveranstaltungen stillschweigend toleriert, sofern sich keiner beklagte oder es zu Vorkommnissen kam, die ein Eingreifen notwendig machten.
Zum Eklat kam es, als AMIGA den Song „Mister Patton aus Manhattan“ von Werner Haas veröffentlichte und sich herausstellte, dass der vermeintliche Swingsong eine Coverversion von „See You Later Alligator“ (Bill Haley) war. Der Rocksong wurde sofort verboten und W. Haas erhielt ein Auftrittsverbot, worauf er in die BRD auswanderte.
Alternativ erfand man den LIPSI und sollte als Ersatz für den Rock’N’Roll dienen. Die Jugend lehnte den Lipsi mehrheitlich ab und erst recht den späteren ORION.
Um 1958 tendierte der Rock’N’Roll zum rhythmischen Schlager und damit akzeptabel.

1958 - Neue Schlagerszene:
Die neue Schlagerszene trug Früchte und eine Riege von Sängern machten von sich reden (Fred Froberg, Bärbel Wachholz, Helga Brauer). Enormen Anteil am Erfolg des neuen Schlagers hatte der Komponist Gerd Natschinski, der zuvor als Musicalschöpfer bekannt war. Zur Begrenzung westlicher Musik und der Förderung der eigenen Musik, verfügte die Regierung eine Programmquote. Demnach durfte auf Tanzveranstaltungen, der Anteil von westlicher Musik höchstens 40% betragen. In der Realität wurde diese Quote, besonders in ländlichen Gegenden mehrfach missachtet.

1960 - Twist:
Der unverfängliche Rock’N’Roll Stil begeisterte durch den Tanzstil, der von den Funktionären toleriert wurde. Lediglich die imperialistische Bezeichnung störte und wurde hierzulande in Shake umbenannt.

1961- Mauerbau:
Dieses Ereignis ging natürlich nicht spurlos an der Kulturszene vorbei. Einige Künstler flohen zuvor in die BRD, aber der Mehrheit blieb die Verunsicherung. Die Kulturbosse wollten musikalisch beschwichtigend auf hochkochenden Emotionen einwirken. Bedacht weckten sie Heimatgefühle und förderten wieder die volkstümlicher Musik (Herbert RothLutz Jahoda) oder entsprechend trotzigen Schlagern („Was willst du denn in Rio“). Gleichzeitig wurde dem Schlager ein großer textlicher Spielraum gegeben. „Der alte Hut von Jerry Flynn“ (US-Western-Stil) und das Cover von Westschlagern wurden wieder geduldet.  

1962- Plattenproduktion:
Amiga produzierte jetzt auch Schallplatten in Stereoqualität, überwiegend klassische Musik (ab 1971 alle Platten in Stereo). Neben dem Rohstoffmangel für Schallplatten wurde auch das Herstellen von Etiketten und Plattenhüllen zum Problem. Nur eine Firma dafür zuständig und deshalb passierte es immer wieder, dass Titelangaben, Zeitlänge, Hersteller oder andere Informationen zur Platte fehlten. Übrigens, hatten die Interpreten und Produzenten keinen Einfluss auf die Gestaltung des Plattencovers, da so kostengünstig wie möglich produziert werden sollte (einfache Motive und häufig wurde auf einen Farbdruck verzichtet).

1964 - Deutschlandtreffen der Jugend (DT64):
Im Vorfeld der repräsentativen Veranstaltung zeigte sich die DDR-Regierung aufgeschlossen und modern. Der moderne Jugendsound Beat wurde gefördert, mit der Auflage in Deutsch zu singen. Es entstanden einige Beatgruppen (Franke Echo Quintett, Diana Show Quartett, die Sputniks, die Butlers) und Amiga produzierte mit ihnen zwei Beat-LPs (Big Beat) und darüber hinaus erschien ebenfalls eine Beatles-LP. Ein Vertrieb anderer westlichen Pop-Beat-Gruppen wurde nicht genehmigt. Lediglich dem Berliner Rundfunk wurde ein zensiertes Sortiment an kapitalistischer Popmusik genehmigt. Außerdem durfte und sollte der Sender eine Jugendsendung einrichten und so entstand DT 64 (Sendezeit 1 bis 2 Stunden am Tag). 

1964 - Schlagerszene:
Von der musikalischen Öffnung profitierte ebenso der Schlager. Der Twist hatte sich als Shake etabliert gehabt und mit jungen Interpreten wurden die Schlagerrocker der Bundesrepublik kopiert. Frank Schöbel sollte der Peter Kraus und Ruth Brandin die Conny Froboess des Ostens sein. Ein Jahr später betrat Ina Martell mit dem Coverhit „Downtown“ von Petula Clarke erfolgreich die Szene und ihr folgte Christian Schafrik.
Die älteren Interpreten blieben ihrem Erfolgsschema treu. Eine Ausnahme bildete Helga Brauer, die fast das komplette Repertoire der Schwedin Siw Malmquist kopierte und zum Star wurde. Die guten Beziehungen zu den skandinavischen Staaten minderten erheblich die rechtlichen Konsequenzen für das covern von Songs. Die hoffnungsvolle junge Garde des Schlagers, wurde allerdings im Rahmen des Beatverbots auch musikalisch eingeschränkt, was mit einem blockieren des modernen eigenständigen Stils einherging.

1965 - Beatverbot:
Nachdem Deutschlandtreffen, wurde die Beatmusik zunehmend kritisiert. Psychologen und Pädagogen warnten vor den schädlichen Einflüssen, die die Jugend vom sozialistischen Weg entfernen und sie ins selbst zerstörerische Dunkel führen würde. Beatmusik wurde aus dem Radioprogramm genommen und Beatgruppen wurden aufgefordert sich aufzulösen.
Für Musiker die sich sträubten, fanden die Funktionäre Methoden, um eine Auflösung von Beatgruppen zu bewirken. Ohne direkte Verbote, wurden Musiker einfach zum Wehrdienst eingezogen oder ihnen Auflagenverletzungen vorgeworfen wurden. Ganz hartnäckige Musiker wurden dann auch schon mal wegen angeblicher krimineller Delikte verhaftet. Nach den heftigen Randalen beim Rolling Stones Konzert in der Westberliner Waldbühne (15. 09.), sah sich die Regierung mit ihrer Einschätzung bestätigt. Mit der Bevölkerungsmehrheit im Rücken konnte die Regierung am 11.10. ein generelles Beatverbot aussprechen.
Am 31.10. versammelten sich daraufhin in Leipzig 2.500 Jugendliche und protestierten gegen das Verbot. Die Staatssicherheit reagierte sofort und nahm zahlreiche Jugendliche fest. Die Meisten von ihnen wurden nach kurzer Haft wieder freigelassen, nicht aber die vermeint-lichen Rädelsführer.
Die meisten Beat-Bands formierten sich nach kurzer Zeit zu Tanzmusik Formationen und in ländlichen Gemeinden wagten sie es, auch mal Beatmusik zuspielen. Die darauf entstandene Untergrundszene wurde von den Behörden meistens toleriert, sofern es keine Vorkommnisse gab. Immer wieder aber wurden Beatfans Opfer gesellschaftlicher Gewalt. Die typischen langen Haare, bei jungen männlichen Beatfans, waren unerwünscht und wurden notfalls mit Gewalt oder einer Geldstrafe zum Haarschnitt gezwungen.

1966 - Singe Bewegung:
Durch Perry Friedmann etablierte sich die Singebewegung und wurde von den Funktionären als Ersatz zur Beatmusik begrüßt. Mit politisch engagierten Liedern sollte der Jugendliche für den Sozialismus mobilisiert werden.

1967 - Tanzmusik:
Der Bedarf an jugendlicher Tanzmusik war ungebrochen, aber die Schlager eigneten sich nur bedingt dazu. Die ehemaligen Beatband, getarnt als Tanzmusikgruppen, spielten immer offener ihre Musik, nun auch in den Städten. Die Funktionäre hielten sich immer mehr zurück, da die anderen sozialistischen Länder (Polen, Ungarn) gute Erfahrungen mit der Beatmusik machten. Im Prozess des Umdenkens zeigten sich die Kulturbosse gegenüber der modernen Musik nun aufgeschlossen. Die Tanzmusikgruppen durften Twist und nichtzensierte Beattitel spielen.
Eigene Lieder mussten nach wie vor in Deutsch gesungen werden. Ein besonderes Privileg hatte Thomas Natschinki (Sohn von Gerd Natschinki - siehe 1958), mit dem Amiga 1968 die erste Pop-LP (n. d. Beatverbot) produzierte.

1967 - Musikszene:
Mit dem Beatverbot sollte auch der Schlager wieder zu seinem eigenen Stil finden und an die Musik von 1958/59 anknüpfen. Das Kopieren westlicher Musik sollte vermieden werden und ebenso das covern von Westschlagern, um Rechtsstreitigkeiten mit dem Westen zu vermeiden.
International setzte inzwischen der Songwriter Bob Dylon die Akzente und popularisierte die Liedermacherszene, wodurch auch die französische Chanson Szene, sich wieder international durchsetzte. Aufgrund der guten Beziehungen zu Frankreich und dem künstlerischen Wert von Chansons, förderten die Kulturfunktionäre die Musik, zumal die Schlagerszene etwas antiquiert geworden war. Inzwischen hatte Frank Schöbel seinen eigenen Stil gefunden und komponierte mit Christian Schneider „Lieb mich so wie dein Herz es mag“. Im Duett mit Chris Doerk war plötzlich ein Hit geboren, der die bisherige Schlagerwelt revolutionieren sollte und dem DDR-Schlager ein neues typisches Gesicht gab.

1968 - „Heißer Sommer“:
Der erfolgreichste Film des Jahres, unterstrich mit seiner jugendlichen Musik den modernen Schlagertrend. Frank Schöbel und Chris Doerk waren die neuen Stars. Zum ersten Pophit der Neuzeit wurde „In der Mokka-Milch-Eisbar“ von Thomas Natschinski, der allerdings einige Zeit brauchte bis er ein Hit war (1969/70).

1969 - Rock aus den Bruderländern:
Mit dem Blick auf die Osteuropäische Musik begannen die Funktionäre die Rockmusik zu fördern und öffneten sich zugleich gegenüber der sozialistischen Musik. Als erstes wurden die ROTEN GITARREN aus Polen mit mehreren Hits bekannt und OMEGA aus Ungarn beeindruckte die Rockfans. Zahlreiche Gruppen aus Polen und Ungarn, überschwemmten die Rockszene bis etwa 1973. Im Sog dessen bereicherten viele Schlagerinterpreten und Gruppen des sozialistischen Auslands die DDR-Musikszene.

1970 bis 1975 – Entwicklung der Rockmusik:
In den Jahren entwickelte sich die Basis der DDR-Rockmusik, die überwiegend getragenen Kunstrock produzierte. Die Ausnahmen, wie die Klaus Renft Combo und die Puhdys, wurden zu Stars der Jugendszene. Das Radio- und Fernsehen fördert die Musikszene und AMIGA brachte eine ganze Samplerserie („Hallo“) mit Rockmusik heraus. Inzwischen hatten sich Kassettenrekorder durchgesetzt und waren bei der Jugend beliebt, da sie das Kopieren der Lieblingsmusik (besonders westliche Musik) gestattete. Das führte dazu, dass der Verkauf von Schallplattenspieler rückläufig war und demzufolge weniger Platten produziert werden mussten. Außerdem nutzte die Mehrzahl der Jugend den Kassetten-Rekorder dazu, um von westdeutschen Radiosendern die internationalen Hits mitschneiden zu können. Damit sank auch der Bedarf an Schallplatten von den wenigen erlaubten internationalen Künstlern.
Das spärliche Angebot von westlicher Musik im Radio und auf Schallplatte, verprellte die Jugendlichen, die verstärkt BRD-Radio-Sender hörten. Das führte zum Desinteresse an der eigenen Musikszene. Die attraktivere Popmusik, aufgenommen auf Kassette, dominierte zunehmend auf Privatfeten oder Zusammenkünften von Jugendlichen.

1970 bis 1975 - Schlagerszene:
In der Schlagerszene wurde das Angebot an Musik vielfältiger und breiter. Trotz der Dominanz von Frank Schöbel und Chris Doerk erlebte der DDR-Schlager seine beste Zeit. Besonders die Interpreten aus dem sozialistischen Ausland hatten großen Anteil daran. Mit der Schwedin Nina Lizell wurde erstmals eine Sängerin aus dem kapitalistischen Ausland zum Star in der DDR. In der Bundesrepublik erfolglos, wurde Nina über die Sendung „Klock 8, achtern Strom“ zum beliebten Dauergast in der DDR.

1973 - Weltfestspiele:
Anlässlich der internationalen Großveranstaltung zeigte sich erneut die Regierung weltoffen und modern, ließen sogar kritische Töne zu und begrenzte die Zensur.

1974 - Jugendsendung RUND:
Von den neuen Freiheiten profitierten eine Reihe von Künstler, unter anderem Nina Hagen mit ihren grotesken Songs und Veronika Fischer zwischen nachdenklichen und humorigen Liedern. Die Sendung „RUND“, die nur für die Weltfestspiele gedacht war, wurde zur regelmäßigen Musiksendung für Jugendliche, in der gelegentlich internationale Popgruppen auftraten.

1975 - Verbot der Klaus Renft Combo:
Auf ihre große Popularität hoffend, wagte die Band textliche Tabuthemen anzusprechen. Trotz Verbot, der „Rockballade von kleinen Otto“, suchte die Band die Konfrontation und wurde im September deshalb verboten. Der Protest der Jugend war verhalten, zumal die Mehrheit der Jugend sich ohnehin westlich orientierte und von dem Verbot gar nichts mitbekam.

1976 - Biermann-Affäre:
Sie schlug vorrangig in der Kulturszene hohe Wellen, wobei es weniger um die Person ging, sondern um die künstlerischen Freiheiten der Worte. Wolf Biermann wurde von der DDR während eines Gastspiels in der BRD ausgebürgert, da seine Lieder als staatsfeindlich und beleidigend gewertet wurden. Mehrere namhafte Größen verließen daraufhin aus Protest die DDR (z. B.: Nina Hagen, Manfred Krug). Jeder Künstler der die DDR verließ, hörte damit auf zu existieren. Sämtliche Lieder, Platten, Filme oder Bücher (auch in Lexika), in dem der Künstler zu sehen war oder genannt wurde, wurden nicht mehr verkauft, Fotos unkenntlich gemacht oder Filme mit ihm auf den Index gesetzt. Die Namen von ausgereisten Künstlern wurde akribisch und vollständig ausgelöscht.

1975 bis 1980 - Rock-/Popszene:
Eine breite Musikszene hatte sich entwickelt. Herauszuheben ist der lyrische Rock von der Gruppe KARAT und viele Songs hatten sich zu Klassikern der DDR-Rockmusik entwickelt. Die Bandbreite der Musik deckte Blues, Country und Hardrock ab. Liedermacher und Rock-poeten machten ebenso von sich reden. Die Puhdys durften als erste Rockband in die BRD und durften dort eine LP veröffentlichen. Andere Gruppen folgten und das Label Hansa produzierte mit Silly und Kreis eine LP, die nur in der Bundesrepublik erhältlich war.

1982 - „Rock für den Frieden“:
Diese gezielte musikalische Agitationsveranstaltung sollte die USA als treibende Kraft für die nukleare Kriegsgefahr anklagen. In diesem Sinne sollten alle Bands der DDR dazu einen Friedenssong beisteuern. Auf jenen Rockkonzerten waren ebenso Gruppen und Interpreten aus dem kapitalistischen Ausland willkommen. Zu einem Eklat kam es durch die BRD-Band BAP, die ihren Auftritt absagten, da die DDR-Zensur einige Titel der Band ablehnte. Anders verhielt sich Udo Lindenberg, der die Zensur akzeptierte, aber sich bei Liveauftritten nicht daran hielt.

1983 - Neue Welle:
Inspiriert vom bundesdeutschen NDW witterten junge Bands ihre Chance, sich von der vor-herrschenden Rockmusik abzunabeln. Der medialer Erfolg und der Verkauf von Schallplatten standen dabei im krassen Gegensatz. Wurden Anfang der 80er Jahre 250.000 bis 600.000 Platten von den Top-Acts hergestellt, so sank die Nachfrage deutlich. Nach 1985 wurden nur noch 20.000 bis 100.000 Platten von populären Bands/Interpreten produziert.
Da der DDR-Markt bedarfsorientiert produzierte, spiegelte sich im Plattenverkauf das reale Desinteresse an der DDR-Popmusik wieder und gipfelte darin, dass zum Schluss kaum mehr als 10.000 Platten von einem Top-act gepresst wurden. Es ist bezeichnend, dass nur die Rocksongs mit traditionellen Wurzeln bekannt wurden und es auch dauerhaft blieben (Silly, City). Mit der LP „Blauer Planet“ setzte sich Karat ein musikalisches Denkmal und gilt als beste Rock-LP der DDR-Rockmusik, die auch in der BRD zur erfolgreichsten LP einer DDR-Rockband wurde.
Ende der 80er Jahre ließ allerdings die Popularität der erfolgsverwöhnten Gruppen (Puhdys, Karat) spürbar nach. Drastisch sank die Hörerresonanz, da mit den privaten BRD-Sendern, der DDR-Bürger das Interesse am ideologischen gedrillten Radio und Fernsehen gänzlich verlor. Aufgrund der Ignoranz öffnete sich das DDR-Jugendradio. Gegen Ende der 80er Jahre erklang sogar Punkrock, die bislang unerwünscht war. Gruppen, wie Die Anderen, Feelin B, die Skeptiker, Freygang, Die Firma oder AG Geige wurden dadurch bekannt und trotzdem unbekannt, da die meisten Jugendlichen sich nicht mehr für die DDR-Musik interessierten.

1983 bis 1990 - Schlagerszene:
Ähnlich wie in der Rockmusik erlebte der Schlager eine rasante Talfahrt und doch wurden die wenigen guten Schlager zugleich Dauerbrenner. Viele Sternchen am Schlagerhimmel verpufften zu schnell. Im Prinzip folgte der DDR-Schlager dem Niedergang des Schlagers der BRD und wurde zur Randerscheinung. Dafür erlebte in beiden Teilen Deutschlands die volkstümliche Musik einen enormen Aufschwung. Der „Oberhofer Bauernmarkt“ wurde zur beliebtesten TV-Sendung der DDR, bei der Achim Mentzel zum Stimmungsstar aufstieg und das Duo Hauff & Henkler ihre neue musikalische Heimat fand. Mit humorigen Songs sollte der Schlager wieder aufgepäppelt werden. Helga Hahnemann orientierte sich dabei an Claire Waldoff, die um 1910 mit ihren frechen Liedern im Berliner Dialekt das Publikum begeisterte. Ähnliches gelang Helga Hahnemann und zelebrierte Gassenhauerhits. 

1985 - Beginn der Krisenzeit:
Die wirtschaftliche Talfahrt ließ sich nicht mehr wegdiskutieren und die Spannungen zwischen Volk und Regierung stiegen an. Musikalisch wurde das Angebot an aktueller internationaler Musik deutlich verbessert, mit dem Makel einer festgelegten Stückzahl. Das führte dazu, dass es bereits vor der Öffnung von Plattenläden zu Warteschlangen kam, um eine Platte vom begehrten Künstler (z. B.: Tina Turner, U2) kaufen zu können.

18. 08. 1989 - „Offener Brief“
Rockmusiker und Liedermacher schrieben einen offenen Brief an die Honecker-Regierung und beklagten die unerträgliche Situation im Lande und forderten umgehend demokratische Reformen. Gerhard Schöne, Tamara Danz, Toni Krahl, Frank Schöbel und Kurt Demmler sind die bekanntesten Unterzeichner. Zu dem Zeitpunkt hatte die DDR allerdings eine Vielzahl anderer Probleme.
Die Wirtschaft lag am Boden und tausende DDR-Bürger verließen das Land, flüchteten über Ungarn in die BRD oder belagerten in den sozialistischen Staaten die BRD-Botschaft und baten um Asyl. Die Oppositionsbewegungen trat offener in Erscheinung, allen voran das Neue Forum. Daher wurde der offene Brief mehr ignoriert und ebenso registrierte die Bevölkerung kaum das Schreiben. Die Ereignisse führten letztendlich zum Zusammenbruch der DDR, mitbetroffen war die angeschlagene Musikszene. Das Desinteresse der Bevölkerung und der BRD Platten-firmen an der DDR-Musik, begrub zunächst die Musikszene der DDR. Das spätere Revival (1993) zeigte, wie sehr sich die Ostdeutschen Bevölkerung an seiner Traditionen erinnerte und besonders der Ostrock wieder populär wurde.