Die Zeit - Kaiserreich

Das Kaiserreich (1900 - 1920)Imperial German battle ensign of the EMDENKaiser Wilhelm II in imperially splendid attire

Am Anfang des Jahrhunderts stand das Streben der imperialistischen Mächte nach Absatzmärkten, Bodenschätzen und Kolonien. Deutschland hat es endlich geschafft einen Einheitsstaat zu gründen und rief das konstitutionelle Kaiserreich aus. Doch Deutschland kam im Wettlauf um die Absatzmärkte zu spät und die Welt war aufgeteilt.
Über Kaiser Wilhelm II.
wollten die Imperialisten Deutschlands das korrigieren.

Großbritannien bot sich mehrfach als Bündnispartner gegen Frankreich an, aufgrund ihrer gemeinsamen Adelshäuser, jedoch Deutschland wollte nicht im Schatten der Großmacht stehen. Deutschland wollte selbst dirigieren und hielt deshalb Bündnis der Mittelmächte fest. Der Verbündete Italien wurde allerdings zu einem unzuverlässigen Partner, der mit dem Erzfeind Frankreich geheime Verträge abschloss.
Durch die Unabhängigkeitsbewegungen schmolz das große Österreich territorial zusammen und das Riesenreich des neuen osmanischen Verbündeten brach ebenfalls auseinander.
Zu allem Unglück legten Frankreich und Großbritannien ihre feindlichen Differenzen beiseite und verbündeten sich zur Entente. Damit nicht genug, kam es in den wenigen deutschen Kolonien zu Aufständen (Hereros, Hottentotten). Die Gesamtsituation vor 1914 war denkbar ungünstig für einen Krieg, zumal Russland der Entente beitrat. Die Aufrüstung hatte aber schon zu viel Geld gekostet und die Militärstrategen waren von einem schnellen Sieg über Frankreich überzeugt. Die Generäle hofften auf einen Blitzkrieg, dass weder die Briten den Franzosen helfen, noch Russland eine zweite Front eröffnen könnte.

Der Plan scheiterte und die Westfront kam vor Verdun zum Stehen und Russland eröffnete die Ostfront. Italien verließ das Bündnis der Mittelmächte und kämpfte aufseiten der Entente gegen Österreich. Das zaristische Russland, das sich eigentlich keinen Krieg leisten konnte, wälzte die Kosten auf das eigene Volk ab. Unerträgliche Lasten verschärften die Lebenssituation und seit dem niedergeschlagenen Aufstand von 1905 rumorte es in der Bevölkerung. Deutschland nutzte das und unterstützte die revolutionären Kräfte, wie Wladimir Iljitsch Uljanov (Lenin).
Bereits 1916 verstärkten sich die Unruhen und im Februar 1917 vollzogen die bürgerlichen Sozialisten (Menschewiki) eine inkonsequente Revolution. Obwohl der Zar abdanken musste, gab es kaum Reformen, die am Elend des Volkes etwas änderten. Die Bolschewiki (Kommunisten) unter Lenin forderte deshalb im Parlament eine umfassendere Umgestaltung des Landes. Da die bürgerlichen Kräfte Reformen verhinderten, rief Lenin zur sozialistischen Revolution auf. Im Oktober (russischer Kalender) brach der Aufstand aus und beseitigte sofort die alten Herrschaftsstrukturen. Alle Adligen (Bojaren) und die wohl-habenden Bürger wurden enteignet und deren Lebensmittelvorräte unter dem Volk verteilt.
Es kann zu zahlreichen Standprozessen gegen jene, die bislang das Volk geknechtet hatten. Während W. I. Lenin einen neuen Staatsapparat aufbaute, bildete Trotzki die Rotgardisten, eine Armee aus Freiwilligen, die einen enormen Zulauf hatte.
Infolge der Revolution brach, wie von Deutschland erhofft, die Ostfront zusammen und Deutschland konnte die Westfront verstärken. Der Angriff blieb dennoch vor Verdun stehen und mündete in einen Stellungskrieg, der als einer der grausamsten Schlachten aller Zeiten in die Geschichte einging. Mit menschenverachtenden Mitteln wurden Grabenkämpfe geführt und die Generäle hetzten die Soldaten zu verlustreichen und oftmals sinnlosen Angriffen. Beide Seiten setzten hierbei (erstmals) Giftgas ein, woran Tausende Soldaten qualvoll verendeten. Die Schlacht bei Verdun wurde zum Albtraum jedes Überlebenden. 

Im russischen Bürgerkrieg gewannen die Rotgardisten zunehmend die Oberhand. Die kapitalistischen Mächte Europas hatten jedoch einen Sieg der zaristischen Truppen (Weißgardisten) erwartet. Ein kommunistischer Staat war weder für die Mittelmächte, als auch für die Entente akzeptabel. Aus Feinden wurden nun Verbündete und schickten Militäreinheiten nach Russland und unterstützten alle antibolschewistischen Bewegungen. Trotz der eintretenden Umklammerung gelang es den Rotgardisten alle Gegner zu zerschlagen und eroberten bis 1920 den größten Teil Russlands wieder zurück.
Mit dem Kriegseintritt der USA durchbrachen die Alliierten an der Westfront die starren Stellungslinien. Die Niederlage Deutschlands zeichnete sich ab und im Jahr 1918, waren die Mittelmächte nur noch auf dem Rückzug. Trotz der sich abzeichnenden Niederlage, verweigerte das deutsche kaiserliche Parlament eine bedingungslose Kapitulation. Stattdessen schworen sie das Militär auf ein letztes ehrenhaftes Aufbäumen ein, um für Deutschland günstige Bedingungen für einen Friedensvertrag zu erreichen. Gegen eine sinnlose Seeschlacht meuterten allerdings Kieler Matrosen und lösten die Novemberrevolution in Deutschland aus. Wie in Russland versuchten die bürgerlichen Sozialdemokraten die innenpolitische Situation zu retten und riefen die Republik aus. Außenpolitisch akzeptierten sie die bedingungslose Kapitulation. 
Deutschland verlor alle Kolonien und das Territorium des Landes verkleinerte sich. Zudem gab es diverse Auflagen und Schuldbußen, aber eine Besatzung Deutschlands kam nicht in Betracht. Die Länder der Entente brauchten ihre restlichen Truppen für ihre Kolonialreiche. Innerhalb der SPD spaltete sich der linken Flügel (Kommunisten) der Partei ab, da ihnen die Reformen nicht weit genug gingen. Die Kommunisten riefen zum Aufstand auf, denen nur ein Teil der Arbeiterschaft in den Großstädten folgte. Demzufolge war die bewaffnete Bewegung nicht wehrkräftig genug und wurde vom Militär zerschlagen. Ungeachtet der Unruhen wurde in Weimar die Verfassung herausgearbeitet und mit deren parlamentarischen Ratifizierung bekam im August 1919 die Republik seine Grundlage (Weimarer Republik).

Die Wilhelminische Zeit http://cactusblog.de/wp-content/uploads/2010/04/haage_familie_1910_s-250x154.jpg
Schon über Reichskanzler Otto von Bismarck wurde ein preußischer Lebensstil geprägt und sah eine patriarchische untertänige Ordnung vor. Tugenden wie Pflichtbewusstsein, Gehorsamkeit und Kaisertreue nutzte Wilhelm II. und schwor das Volk zum Nationalbewusstsein ein. Als äußeres Zeichen trugen Männer den hochgezwirbelten kaiserlichen Bart und waren bereit für ein weltbeherrschendes Deutschland zu kämpfen. Von der Hochkonjunktur der deutschen Wirtschaft profitierten die Oberschicht und der Mittelstand und auch für das einfache Volk verbesserten sich die Lebensbedingungen. Auf jeden Fall war es besser in den Städten zu arbeiten, als auf dem Lande der Willkür der Großgrundbesitzer (meist Adlige) ausgeliefert zu sein.
Die Abwanderung der verarmten Bauern brachte dem Grundbesitzer enorme Probleme.

Aus dem Ausland wurden Wanderarbeiter geholt, die meistens aus Polen kamen. Aus Angst einer „Polonisierung“ wurde die Saisonarbeit angestrebt, dennoch verblieben Gastarbeiter in hoher Zahl in Deutschland. Die wachsende Industrialisierung zu Großfirmen ließ die Städte enorm anwachsen. Lebten um die Jahrhundertwende nur 4 % der Bevölkerung in Städten (über 100.000 Einwohner), so waren es 1910 schon 21,3 %. Damit verbunden vergrößerte sich die Arbeiterschaft.
Es wurde notwendig Arbeiter für die Handhabung von Maschinen und für Fertigungstechniken auszubilden. In der Regel wurden Facharbeiter besser bezahlt als Ungelernte. Die Mehrheit der Arbeiter erhielten nur eine Einweisung und zählten als nicht ausgebildet. Der Unternehmer sparte sich dadurch Ausbildungskosten und verminderte die Gefahr eines Abwanderns (für mehr Lohn). Die oft mangelhaften Einweisungen und fehlenden Arbeitsschutzmaßnahmen verursachten ein hohes Unfallrisiko. Verunglückte (Krüppel) erhielten kaum eine Entschädigung, sondern vegetierten an der Armutsgrenze. Für jene die Arbeit hatten reichte der Lohn häufig nur für das Notwendigste. Das wiederum machte Frauen- und Kinderarbeit erforderlich, die jedoch für ihre Leistung noch weniger Geld als die Männer bekamen.
Die Wochenarbeitszeit (mit Samstag) verringerte sich von 85 auf 55 Stunden und seit 1908 war der Zehnstundentag als die gesetzliche Höchstgrenze festgelegt. Für die anwachsende Arbeiterschaft mussten Mietskasernen gebaut werden. Zum Standard gehörte dabei die Versorgung mit Wasser, Gas und Strom sowie dem Ausbau der Kanalisation. Langfristig verbesserte sich die Ernährungssituation, Arbeiterschutzmaßnahmen wurden durchgesetzt und die medizinische Versorgung. Die Kindersterblichkeit nahm ab und die durchschnittliche Lebenserwartung stieg von 37 auf 47 Jahre (1910) an. Die Gesamtbevölkerung Deutschlands wuchs um 10 Millionen auf 67 Millionen Einwohner.

Durch den Zuwachs in den Städten formierte sich eine Massengesellschaft, die nicht nur Wohnräume benötigte, sondern auch versorgt werden, sich nebenbei amüsieren und etwas leisten wollte. Kraftwerke wurden für die Stromversorgung errichtet. Als Verkehrsmittel dienten Straßenbahnen, die Straßenbeleuchtung wurde elektrifiziert und Eisenbahnen transportierten in großer Menge Lebensmittel in die Städte. Neben Großmärkten wurden Kaufhäuser errichtet und deckten den Bedarf an Konfektionswaren und Konsumgüter.
Natürlich wurde eine Dreiklassengellschaft gepflegt, die schon äußerlich an den unterschiedlichen Gebäudeformen sichtbar wurde. Neben den hochherrschaftlichen Prachtbauten gab es Bürgerhäuser und eben die Stadtviertel mit dunklen Mietsilos. Den Frauen wurde die gesellschaftliche Anerkennung verweigert und durften lediglich in den typischen Frauenberufen (Krankenschwester, Verkäuferin, Textilarbeiterin, Näherin) arbeiten, und sollten sich ansonsten um den Haushalt kümmern (Kinder, Küche, Ehemann).
Die wachsende Industrialisierung eröffnete den Frauen neue Funktionsfelder, wie die der Sekretärin. Ebenfalls wurden in den Fabriken zunehmend Frauen eingestellt. Die Konzentration von Arbeiterinnen in einer Fabrik brachte es mit sich, dass sich Frauen organisierten und ihre Rechte einforderten. Ein erster großer Erfolg der Frauenbewegung war das Durchsetzen des Wahlrechts. Der wirtschaftliche Aufschwung verursachte ferner einen erhöhten Verwaltungsbedarf.
Die Angestellten wurden in der Regel gut entlohnt und formierten den neuen Mittelstand. Etwa 2 Millionen Angestellte standen 14 Millionen Arbeitern gegenüber. Der Mittelstand konnte sich einen befriedigenden Wohlstand leisten, den sie häufig in ihre Wohnung steckten. Ein Teppich wurde zum Statussymbol und sie trugen bürgerlicher Kleidung, um sich abzuheben. Die soziale und politische Distanz zwischen Arbeiterschaft, Bürgertum und Adel hatte sich tief in die Köpfe der Menschen gebrannt. Darin liegt die Ursache begründet, dass Sozialdemokraten und Liberale keine parlamentarische Regierungsform durchsetzen konnten und der Kaiser der unangefochtene Garant für die Klassengesellschaft war.
Das Kaisertum prägte einen Patriotismus, der säbelrasselnd die Ausdehnung des Reiches verlangte. Mit preußischer Tradition und Tugenden galt die Militarisierung der Gesellschaft als erstrebenswerte Basis höchster Vollkommenheit.

In der wilhelminischen Ära war die Identifikation mit dem Kaiser sehr hoch. Selbst in der Arbeiterschaft befand sich neben dem Familienfoto in der Wohnung, auch immer ein Bild von Kaiser Wilhelm II.
Modisch symbolisierten Matrosenanzüge den Nationalstolz und selbst die Gewerkschaften waren dem Kaiser hörig. Trotz militanten Personenkults wuchs in Deutschland eine selbstbewusste Arbeiterschaft heran. Die anführende SPD schaffte es 1908 trotz massiver Benachteiligungen ins Parlament. Wahlberechtigt waren alle Männer ab 25 Jahren, aber das preußische Dreiklassenwahlrecht verminderte den Stimmenwert der untersten Schicht (Arbeiter und Bauern). Verallgemeinert gesagt, wurden die Klassen nach Steueraufkommen gedrittelt, entsprechend einer A (Oberschicht), B (Mittelschicht) und C (Volk) Klasse. Die Prozentergebnisse der einzelnen Klassen wurden dann durch drei geteilt. Somit konnten die wenigen Reichen (A), die Kandidaten/ Parteien der Volksmehrheit (C) blockieren/ ausbremsen. Trotz des hinderlichen Wahlrechts stiegen die Mandate der SPD im Parlament dennoch deutlich an. Vor Kriegsausbruch brachte es die SPD auf 110 Mandate im Reichstag, vor der bürgerlichen Zentrumspartei (91), von insgesamt 288 Mandaten. Mit dem kaiserlichen Versprechen einer Demokratisierung billigte die SPD die Ausgaben zu den Kriegsvorbereitungen. [Automobil: Maurer Union, um 1900]
Zwischen 1900 und 1913 stiegen die Lebensmittelkosten, zogen aber keine Ernährungs- oder Hungerkrisen mit sich. Erstmalig machten Automobile (Bild) die Straßen unsicher.
Schließlich wurde in Sarajevo der österreichisch-ungarische Thronfolger am 28. Juni 1914 ermordet und ein unversöhn-liches Machtstreben löste im August 1914 den 1.Weltkrieg aus.
Während des Krieges kamen erstmalig Flugzeuge zum Einsatz. Nachdem der schnelle Sieg sich nicht einstellte, horchte die Bevölkerung auf und ernüchternd wirkten sich die Front-niederlagen und die steigenden Opferzahlen auf die Kriegsbegeisterung aus.
Hinzu verschlechterten sich die Lebensbedingungen erheblich und die Arbeiterschaft erwachte aus der kaiserlichen Verehrung. Die Bevölkerung fühlte sich geblendet und getäuscht und wollte die Republik. Sie strebten einen Neuanfang ohne Aristokratie an. 
Im 1. Weltkrieg starben etwa 10 Millionen Soldaten und über 20 Millionen waren verwundet, von denen eine hohe Zahl später verstarb. Der Krieg forderte ebenso 7 Millionen zivile Opfer und obendrein fehlen zuverlässige Angaben über Tote und Verwundete in den Kolonien und dem sowjetischen Bürgerkrieg. Weitere 5 Millionen Opfer (Gräueltaten) können geschätzt zugerechnet werden. Das Deutsche Reich setzte 13,25 Millionen Soldaten ein, von denen 2 Millionen starben. 

Musik – Kultur  1900 bis 1910
Die Juniorengeneration (21 - 30 Jahre) prägte die Entwicklung der Unterhaltungsmusik in den Städten. Die ältere Generation ging je nach Stand und Einkommen in die Oper, war Mitglied eines Vereines oder bevölkerte die Biergärten. Vornehmlich die jüngeren Generationen im Alter bis 40 Jahren amüsierten sich in Varietés. Die akzeptablen Eintrittspreise machten es einer Bevölkerungsmehrheit möglich. Bei den kurzweiligen Programmen erfreuten sie sich an frivole Lieder und an den freizügigen Tänzerinnen. Da Junioren eher dazu bereit waren ihren Arbeitslohn fürs Varieté zu opfern, boten die Betreiber ein entsprechendes Programm an. Massenwirksam boten Varietés die Hits aus den Operetten und dienten aktuellen Schlagern als Startbühne. Zudem wurden erfolgreiche Lieder (Chansons) aus Bars, Kneipen und Cafés im Varieté publiziert und verbreiteten sich von dort.
Vorrangig waren es Tanzmusikkapellen die jene Schlager weiter in die ländlichen Gegenden trugen. Durch den Einfluss polnischer Gastarbeiter verbreitete sich in Preußen die Polka und in der Verbindung zum militanten Marsch entstand in Berlin eine spezifische Form der Operette. Die Berliner Operette verabschiedete sich um 1900 von den Wiener Walzerklängen und dominierte im nördlichen Deutschland. Über die Matrosen erhielt die Musik über Hamburg neue Impulse aus dem Ausland. Die abwechslungsreichen Kompositionen hatten den Effekt, dass eine Handlung um die Musik konstruiert wurde und eigentlich eher eine Revue war.
Für die klassische Operette stand bislang das Bühnenstück im Vordergrund und wurde mit Musik angereichert. Der neue erfolgreiche Operettenstil glitt zunehmend in die Revue ab, der inhaltlich nur ein Thema vorgab. Diese Form sollte langfristig das Ende der Operette besiegeln. Die Berliner Operette wurde maßgeblich von Paul Linke geprägt, der 1899 mit „Frau Luna“ Akzente setzte. Franz Lehar ließ sich in Wien davon inspirieren und mit „Die Lustige Witwe“ gelang ihm ein absoluter Operettenhit. In jener Zeit war das bekannt werden einer Operette sehr unterschiedlich und daher lässt sich eine Operette nur vom Zeitpunkt der Uraufführung einordnen. Noch viel schwerer ist das einordnen der Schlager, deren Bekanntheitsgrad über mehrere Jahre variieren konnten.
Es gab keine Verbreitungsmedien, wie das Radio und die ersten Grammofonplatten waren noch in der Experimentierphase. Allerdings verhalfen die ersten Scheiben den jungen Enrico Caruso (1908) zum weltweiten Erfolg. „Oh Sole Mio“ und „Bajazzo“ wurden sozusagen die ersten Plattenhits. Zu jener Zeit dominierte der Vertrieb von Notenblättern und entsprach dem heutigen Verkauf von Singles. Somit war der Umsatz an Notenblättern eine wichtige Finanzquelle für den Komponisten und Texter. In der damaligen Zeit war die Interpretation eines Liedes unwichtig, weil der Bekanntheitsgrad von Liedsängern nur lokal begrenzt war. Und doch gab es einige Stimmen, wie Fritzi Massary, Claire Waldoff und Josef Josephi die sich einen Namen machten. Grundsätzlich war der Komponist und Texter eines Liedes bedeutend und ein Paul Linke, Franz Lehar (bd. Musik) oder Heinz Bolten-Baecker, Victor Leon (bd. Text) waren die Megastars der damaligen Zeit.

Ausgesuchte Kulturereignisse
1900: 
Sigmund Freund veröffentlicht sein Werk „Die Traumdeutung“ - - - Roman „Im 
Schlaraffenland“ von Heinrich Mann - - - Kinderbuch „Der Zauberer von Oz“ von Lyman Frank Baum - - - Oper „Tosca“ von Giacomo Puccini - - - die sinfonische Dichtung „Finnlandia” von Jean Sibelius - - - Oper „Das Märchen vom Zaren Saltan“  von Rimski Korsakow
1901: 
Pablo Picasso malt die ersten Bilder der „Blauen Periode“ - - - Gesellschaftsroman 
„Die Buddenbrocks“ von Thomas Mann - - - Arthur Conan Doyles erweckt seinen Meisterdetektiv Sherlock Holmes wieder zum Leben und lässt vorab zwei Kapitel von „Der Hund von Baskerville“ in einer Zeitschrift abdrucken - - - Drama von Anton Tschechow: „Drei Schwestern“ - - - lyrischen Oper „Rusalka“ von Antonín Dvořák - - - 4. Sinfonie von Gustav Mahler - - - 2. Klavierkonzerts von Sergei Rachmanikow
1902: 
Operette „Lysistrata“ von Paul Lincke - - - Drama „Nachtasyl“ von Maxim Gorki - - - 
Science-Fiction- Stummfilm „Die Reise zum Mond“ von Georges Méliès - - - lyrisches Dramas „Pelleas et Melisande“ von Claude Debussy - - -  Oper von Karl Goldmark: „Götz von Berlichingen”
1903: 
9. Sinfonie von Anton Bruckner - - - Drama „Elektra“ von Hugo von Hofmannsthal

1904: 
erster Roman „Peter Camenzind“ von Hermann Hesse - - - Drama „Der Kirschgarten“ 
von Anton Tschechow - - - Operette „Der Göttergatte“ von Franz Lehar - - - Oper „Madame Butterfly“ von Giacomo Puccini - - - „Peter Pan“ von James Matthew Barrie erscheint als Bühnenstück
1905
Satirischer Roman „Professor Unrat“ von Heinrich Mann (1930 als „Der blaue Engel“ v
erfilmt) - - - Abenteuerroman „Wolfsblut“ von Jack London - - - „Galgenlieder“ von Christian Morgenstern - - - Jugendbuch „Lausbubengeschichten“  von Ludwig Thoma - - - Pablo Picasso malt „Junge mit Pfeife“ - - -  umjubelter Auftritt der Tänzerin Mata Hari - - - Tonbilder „La mer“ von Claude Debussy  - - -  Oper „Salome“ von Richard Strauss - - - Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar
1906
Prosadichtung „Die Weise von Liebe und Tod“ von Rainer Maria Rilke - - - Oper „Don 
Procopio“ von Georges Bizet - - - Oper „Ariane“ von Jules Massenet
1907
„Neue Gedichte“ von Rainer Maria Rilke - - - Operette „Ein Walzertraum“ von Oscar 
Strauss - - -  Oper „Gloria“ von Francesco Cilea - - - Operette „Der fidele Bauer“ von Leo Fall  - - - Operette „Die Försterchristl“ von Georg Jarno - - - Operette „Die Dollarprinzessin“ von Leo Fall - - -  Bühnendrama „Ein Traumspiel“ von August Strindberg
1908:
Stummfilm „Die Ermordung des Herzogs von Guise“ - - -   Monumentalfilm „Die 
letzten Tage von Pompeji“ von Luigi Maggi & Arturo Ambrosio - - - Roman „Die Geschichte von den sieben Gehenkten“ von Leonid Andrejew - - -  Psychogramm „Casper Hauser“ von Jakob Wassermann - - - Oper „ein Wintermärchen“ von Karl Goldmark - - - Orchesterstück „Rhapsodie espagnole“ von Maurice Ravel - - - 7. Sinfonie von Gustav Mahler - - - Symbolisches Drama „Der blaue Vogel“ von Maurice Maeterlinck
1909:
Gaston Leroux schreibt das Bühnenstück „Das Phantom der Oper“ - - -  Oper „Electra“ von Richard Strauss - - - Oper „Bacchus“ von Jules Massenet - - - Operette „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Lehar

1910:
Karl May vollendet letzten Roman „Winnetou IV“ (alle anderen Erfolgsromane waren 
vor 1900 entstanden)  - - - Roman „Pelle der Eroberer“ von Martin Andersen Nexø - - - Operette „Zigeunerliebe“ von Franz Lehar - - - Oper „Don Quichotte“ von Jules Massenet - - -  Ballett „Der Feuervogel“ von Igor Strawinsky

Musik  - Kultur  1911 – 1920
Die Kulturjahre 1911 bis 1919 standen im Schatten des 1.Weltkrieges. Deutschland wollte das verhasste Frankreich auslöschen. Euphorisch meldeten sich die jungen Männer zum Kriegsdienst und die Nation feierte sich als Supermacht und folgte den kaiserlichen Größenwahn. „Puppchen du bist mein Augenstern“ oder „Die Männer sind alle Verbrecher“ entfachten augenzwinkernd eine nationale Begeisterung und der Schlagermarsch „Unter Linden“ weckte den Nationalstolz. Die Gesangsvereine sangen Lieder von Ehre und Tapferkeit und da passte auch das rührende alte Lied über eine Liebe hinein, „Es war einmal ein treuer Husar“. Beliebt waren ebenso Militärorchester, die mit alten Märschen („Radetzkymarsch“) die Hochstimmung schürten. Mit dem Kriegsbeginn (1914) änderte sich nichts und das Volk trällerte „Max du hast das Schieben raus“ durch die Gassen. Mit Berliner Dialekt ragte die Interpretin Claire Walldoff hervor („Hermann heeßt er“), deren Chansons unverwechselbar mit ihrer Stimme wurden. Eigentlich war sie die Starinterpretin der Kaiserzeit, aber mit ihrem schnoddrigen Pöbelimage mit frivolen Anspielungen war sie wenig gesellschaftsfähig. Auch zu Otto Reutter und seinen Chansons ging die hochgestellte Gesellschaft auf Distanz. Viel lieber war der Obrigkeit die singende Schauspielerin Fritzi Massary oder Lisa Weise (oft im Duett mit Oskar Sabo). Das Volk aber liebte Claire und Otto.
1916 wurde das romantische Lied „Im Prater blüh’n wieder die Bäume“ bekannt. Zu dem Zeitpunkt wusste das Volk nichts über die Schattenseiten des Krieges, zumal Deutschland territorial vom Krieg verschont blieb. Es gab noch kein Radio und keine freie Presse, nur die getünchten kaiserlichen Erfolgmeldungen. Es sprach sich jedoch herum, wie zahlreich die Frauen und Mütter wurden, die um ihre Männer bzw. Söhne weinten. Die Zahl der Toten stieg und die vielen Kriegskrüppel waren im Alltag unübersehbar.

Das Reich konnte die wirkliche Kriegssituation immer weniger verheimlichen. Die Ernüchterung machte sich breit. Das Lied von 1916 über den Prater bekam eine völlig neue Bedeutung und die blühenden Bäume symbolisierten die Hoffnungen auf einen besseren Neuanfang und waren zugleich Anklage an die Monarchen von Österreich und Deutschland. Das Jahr 1918 brachte schließlich die Gewissheit, Deutschland und seine Verbündeten waren am Ende und der Krieg kam in Form von Versorgungsengpässen ins Land. Die Mächtigen klammerten sich an die Macht, die dadurch die Novemberrevolution (1918) provozierten.
Das Parlament zwang den Kaiser zum Abdanken und Friedrich Ebert (SPD) rief die Republik aus. Unglückliche Entscheidungen erweckten den Eindruck, dass sich nicht viel ändern würde und Unruhen brachen los. Unter dem Eindruck der chaotischen politischen Umstände lag das kulturelle Schaffen am Boden, wobei genügend Künstler euphorisch vom revolutionären Geist inspiriert wurden. Das einfache Volk suchte nach einer Identität und erinnerte sich seiner folkloristischen Wurzeln. Lieder von und über die Heimat („Grün ist die Heide“) hatten Hochkonjunktur und die alten Volkslieder wurden verstärkt gesungen.
Operettenschlager und Opernarien wurden zunehmend als Relikte der Monarchie angesehen und geächtet. Stattdessen reifte eine Aufgeschlossenheit zur Musik aus Übersee heran.
Die amerikanische Musik begann nachhaltig die deutsche Musiklandschaft zu verändern. Tänze wie Foxtrott und Onestep eroberten die Tanzböden und die Schlagerkomponisten verarbeiteten die Impulse der modernen Musik aus den USA.

Ausgesuchte Kulturereignisse 1911 -1920:
 1911
Mode: Korsett wird abgeschafft dafür setzt sich der sogenannte „Humpelrock“ und Hosenkleid durch - - - Umberto Boccioni malt „La strada entra nella casa“ - - - Franz Marc malt „Die gelbe Kuh“ - - - Tragikkomödie „Die Ratten“ von Gerhard Hauptmann - - -  Sinfonie „Das Lied von der Erde“ von Gustav Mahler - - - Operette „EVA“ von Franz Lehar
1912
Luxusdampfer Titanic sinkt im Nordatlantik (ca. 1500 Menschen sterben) - - - Juan Gris malt eine „Hommage an Pablo Picasso“ - - - Filmstudio Babelsberg produziert den Film „Totentanz“ - - - Operette „Der Liebe Augustin“ von Leo Fall - - -  Oper „Roma“ von Jules Massenet - - - 1. Klavierkonzert von Sergei S. Prokofjew - - - Oper „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss 

1913
Skulptur „Kleine Meerjungfrau“ von Edvard Eriksen wird Wahrzeichen von Kopenhagen - - - Arthur Wynne erfindet das erste Kreuzworträtsel (für die Zeitung New York World)  - - - Novelle „Brennendes Geheimnis“ von Stefan Zweig - - - Operette „Wie einst im Mai“ von Walter Kollo - - - Operette „Die ideale Gattin“ von Franz Lehar
1914
Der 1. Weltkrieges stoppt den Kulturaustausch und lähmt die Kunstschaffenden - - - Operette „Endlich allein“ von Franz Lehar - - - Oper „Die Marketenderin“ von Engelbert Humperdinck
1915
Stummfilm „Die Geburt einer Nation“ von David Wark Griffith (USA) - - - Roman „The Vogage Out“ von Virginia Woolf - - -  Oper „Mona Lisa“ von Max von Schillings - - -  Operette „Der künstliche Mensch“ von Leo Fall - - - Oper „Isabella“ von Ludolf Nielsen  (DÄN)
1916
Operette „Liebeszauber“ von Oscar Strauss - - - Operette „Die Rose von Stambul“ von Leo Fall - - - Oper „Die schöne Belinda“ von Hans Huber (SUI) - - - Oper „Violanta“ von Erich Wolfgang Korngold
1917
Oper „Mlada“ von Cesar Cui (RUS) - - - Oper „Turandot (Eine chinesische Fabel)“ von Ferruccio Busoni - - - Operette „Schwarzwaldmädel“ von Leon Jessel

 1918
Oper “Shanewis of the Robin Woman” von Charles Wakefield Cadman (USA) - - - in New York erfreuen sich Giacomo Puccini Opern große Beliebtheit ⇒ "Il tabarro" (Der Mantel), "Sour Angelica" (Schwester Angelica) und "Gianni Schicchi" - - - Operette „A Pacsirta (Wo die Lerche singt)“ von Franz Lehar - - - Oper „Frutta di mare“ von Hans Huber (SUI)
1919
Oper „Absolom i Eteri“ von Sacharij Paliaschwilli (SU) - - - Oper „Gaudeamus“ von Engelbert Humperdinck - - - musikalischen Komödie „Masques et bergamasques“ von Gabriel Faure (FRA) - - - Operette „Apple Blossoms“ von Fritz Kreisler
1920
Film „Das Zeichen des Zorro“ mit Douglas Fairbanks senior (USA) - - - Erste Jazzplatte in Deutschland „Tiger Rag“ - - - Operette „Der letzte Walzer“ von Oscar Strauss - - - Lied der Arbeiterbewegung „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ wird in Deutschland erstmals öffentlich gesungen - - - Einspielung des ersten gesungenen Blues in der Geschichte der Tonaufnahmen: „Crazy Blues“ mit Mamie Smith (USA) - - - Operette „Die blaue Mazur“ von Franz Lehar