5.4. Erdschollenbewegungen - Teil 2

5.4.  Die  Erdschollenbewegung ( Teil 2)

D. Südamerika, die afrikanische Schwester
E. Nordamerika, eine Welt für sich
F. Europa, die zusammengequetschte Inselwelt
G. Arabien, aufgetaucht aus dem Meer

Siehe Anmerkungen und plattentektonische Karte von Teil 1 und benutzen Sie zum
besseren Verständnis eine geologische Atlas-Karte zum jeweiligen Erdteil.
 
Bild: Titanis // Quelle: ecuadorciencia.org/…/Titanis-Horse.jpg 
                                          

D.  Südamerika

Südamerika ist der Zwilling Afrikas, dessen Nordost-Seite sich am Golf von Guinea befand (Nigeria, Ghana, Kamerun). Von dort drehte sich der Südzipfel nach Westen, riss sich von Afrika los und driftete westlich davon. Von der Flora und Fauna war der Kontinent identisch mit Afrika, geprägt vom Regenwald und begünstigte mehr die Reptilien. Auf der Reise stieß der Erdteil gegen die Nasca-Platte, worauf vor etwa 60 Millionen Jahren die Anden entstanden. Ein Vorgang, der sich über mehrere Millionen Jahre hinzog und auf der gesamte Westseite lebensfeindliche Bedingungen schuf.
Die Nähe zur Antarktis kühlte den Süden aus und verdrängte die tropische Flora und Fauna. Im Bereich des heutigen Brasilien blieb noch eine tropische Dschungelwelt erhalten und war  fest in der Hand der Reptilien. Zahlreiche Schlangen, Krokodile und Spinnen machten es den wenigen Säugetieren schwer und behinderten die Evolution. Obwohl sich hier ebenso Affenarten bildeten, gab es keine Entwicklung von Menschenaffen. Die klimatischen Verhältnisse veränderten sich häufig, aufgrund veränderter Meeresströmungen. Im Westen lagen die Anden mit ihren lebensfeindlichen Bedingungen, im Süden wechselten ständig Wärme und Kälte und der nordöstliche Dschungel schmolz in sich zusammen. Die sich stabilisierenden Meeresströmungen versorgten das Land nicht mehr mit ausreichend Wasser und zwischenzeitlich entstanden sogar Wüstenregionen.
Vor 5 Millionen Jahren dockte auch noch Nordamerika an. Durch die entstandene Landbrücke kam es zu heftigen Reaktionen an der Nordküste. Der Zusammenstoß löschte zunächst das Leben aus und ließ große Flächenlandschaften entstehen. Zur selben Zeit stabilisierten sich dadurch die klimatischen Verhältnisse im Süden des Erdteils und es bildeten sich weite Graslandschaften. Ein Eldorado für eine neue Spezies Huftiere war entstanden, mit immer grünem Gras, im Gegensatz zur afrikanischen Savanne. Allerdings bedrohte die enorme Population von Pflanzenfresser die Natur, da sie keine natürlichen Feinde hatten. Die bisherigen Gegebenheiten verhinderten die Evolution von Raubtieren. An deren Stelle entwickelte sich ein Monster, der sich Titanis nannte und der König des Graslandes wurde. Der Vorgänger des Nandus, war ein gewaltiger Hühnervogel, der etwa 2,5 m groß wurde und es auf ein Gewicht von 150 kg brachte. Umgangssprachlich wurde er Terrorvogel genannt. Wahrscheinlich war es eine Spezies, die sich in den Bergen auf fleischliche Nahrung umstellen musste und durch weitere Bedingungen zum monströsen Schreckensherrscher der Steppe mutierte. Vermutlich wurde der Hühnervogel ziemlich schnell zum Problem, für die spärliche Tierwelt des Kontinents und war drauf und dran einige Pflanzenfresser (Huftiere) auszurotten.

Inzwischen hatte sich die Landbrücke zwischen Nord-und Südamerika stabilisiert und die Tierwelt des Nordens fiel in den Süden ein, aber auch umgekehrt. Die Raubkatzen des Nordens übernahmen die Herrschaft im Süden und neue Huftiere trappten über den gesamten Doppelkontinent. In der Steppe entbrannte ein mörderischer Kampf zwischen den monströsen Laufvogel und den Säbelzahnkatzen. Heimtückische Eierdiebe besiegelten vermutlich das Ende des Terrorvogels.
Ansonsten gehörte der kalte Süden den Pinguinen und im westlichen Andengebirge blieben die Lamas relativ unbehelligt. Der Urwald war ebenso sicher vor der Invasion Nordamerikas. Neben zahlreichen und farbenprächtigen Vögeln (u.a. Aras), den heutigen Faultieren, Brüllaffen und Löwenäffchen, beherrschten Krokodile (Alligatoren), Schlangen (Anakonda, Python), Spinnen (Vogelspinne), Frösche (Pfeilgiftfrosch) und viele Rattenarten den Urwald.
Da eine Entwicklung von Menschenaffen nicht stattfand, konnten sich keine Hominiden bilden. Anhand von Knochenfunden in Chile lebten erst vor 12.000 Jahren Menschen in Südamerika. Die meisten Anthropologen gehen davon aus, dass die Menschen vom Norden den Erdteil besiedelten. Jüngere Theorien halten eine Landnahme von der westlichen Meerseite für möglich. Von Indonesien kamen die Menschen über die polynesischen Inseln, der Nasca-Platte und strandeten in der Gegend des heutigen Perus. Die späteren Hochkulturen bestätigen solche Überlegung. Denn sowohl die Nasca-Kultur, die Mayas und Inkas verbindet eine erstaunliche Ähnlichkeit mit der polynesischen Kultur. Die nordamerikanischen Kulturen waren dagegen im religiösen Kult und den Lebensweisen völlig andersgeartet. Hinzu kommt, dass sich indianische Zivilisationen viel später gründeten als im Süden. Trennende Merkmale gibt es ebenfalls im Aussehen und der Statur. Nordamerika und Südamerika wurden demnach getrennt besiedelt, aber in der tertiären Phase gab es in ganz Amerika keine Hominiden.

E. Nordamerika  (inclusive Grönland, Alaska )

Die Landmasse löste sich vor 150 Millionen Jahren von Nordafrika und bewegte sich nach Nordwesten. Auf seinen Weg verlor Nordamerika mehrere Festlandsteile, darunter Grönland und vermutlich auch die Inselwelt, aus der sich später Europa (ohne Skandinavien und dem ehemaligen Gebiet der Sowjetunion) zusammensetzte. Etwa vor 80 Millionen Jahren kollidierte der Kontinent mit der pazifischen Platte. Neben den Rocky Mountains (USA, Kanada) entstand die Sierra Madre (Mexiko) und machte fast den kompletten Westen unbewohnbar. Durch die Aufprallwucht zerberstete der gesamte Norden und noch einmal lösten sich eine Vielzahl von Inseln. Einige Forscher meinen, dass sich Grönland erst jetzt von Amerika trennte. Im Süden trennte sich die Festlandsmasse Mittelamerika vom Norden und schlug wie ein Tentakelarm in Richtung Südwest. Auf seiner Rückseite verlor der Arm Erdmassen, woraus die heutige Inselwelt der Karibik entstand.
Vor 55 Mio. Jahren war der äußerste Norden gekennzeichnet von einem trockenen Klima, mit spärlichem Pflanzenwuchs. Etwas südlicher wuchsen noch in großen Teilen Alaskas, Kanadas und Grönlands Yucca Palmen und Agavengewächse. Im zentraleren Festland (USA) bildeten sich wüstenähnliche Buschlandschaften. Die Flora und Fauna Nordamerikas ging nach dem Ende der Saurier einen separaten Weg. Es dominierte ein spezielles subtropisches Klima, dass ganz eigene Voraussetzungen für Pflanzen und Tiere schufen. Einige Forscher gehen davon aus, dass es in Nordamerika zunächst keinen Urwald gab.  
Vor 30 Mio. Jahren wurde das Klima feuchter und etwas kühler. Dadurch verwandelten sich die Buschlandschaften zu Savannen und Steppen. Die Graslandschaften förderte maßgeblich die Evolution von Huftieren. Die Natur brachte Pferde, Büffel, Antilopen, Schafe, Ziegen und Elefanten (Mammut) hervor. Für das natürliche Gleichgewicht sorgten Säbelzahnkatzen und Wölfe. Der fehlende Urwald verhinderte die Existenz von Affentieren und Reptilien gab es eigentlich nur in Form von Schlangen. Die wenigen trockenen, wüstenähnlichen Arealen wurden zur Heimat von Klapperschlangen und Skorpione. 
Geteilter Meinung sind die Forscher über das heutige Florida und die Karibik. Einerseits könnte sich in der tertiären Zeit eine tropische Enklave erhalten haben, wahrscheinlicher ist, dass sich die tropische Flora und Fauna erst in der Verbindung mit Südamerika dorthin ausbreitete. Vor 5 Millionen Jahren dockte der mittelamerikanische Tentakelarm an Südamerika an. Es veränderten sich nachhaltig und dauerhaft die Meeresströmungen und formten die klimatischen Verhältnisse um. Ein feuchtwarmes Klima bot im Süden (Mittelamerika, Karibik) nun tropischen Pflanzen und Reptilien hervorragende Bedingungen. Im Gegensatz dazu kühlte der Norden weiter aus. Mit den folgenden Eiszeiten entstanden neuartige Nadelbäume und in den dichten Wäldern, mit vielen Bächen und Seen reifte eine entsprechende Tierwelt heran. Die Ratten mutierten zu Biber, Otter, Marder und Baumtiere. Von den schützenden Bäumen stiegen die Beuteltiere herab und setzten sich als Bären durch.
Vor 2 Millionen Jahren kristallisierten sich sechs Vegetationszonen heraus, die maßgeblich durch die Eiszeiten geprägt wurden. Zu jener Zeit endete die erste große Eiszeit und es folgte eine 400.000 Jahre lange Warmzeit. Genaueres zu den Eiszeiten erfahren Sie später.
Im arktischen Norden (mit Schnee und Eis) fanden Walrosse, Seehunde und Eisbären ihre Heimat. In den weiten Grünflächen östlich der Rocky Mountains tummelten sich diverse Huftiere, Hasen, Ochsen, Füchse und Wölfe sowie urzeitliche Elefanten (Mammut) und Säbelzahnkatzen. In den sich ausbreitenden dichten Laub- und Nadelwäldern lebten Rehe, Elche und Bären. Die vegetationsarmen Gebiete des heutigen Texas und den nordwestlichen US-Bundesstaaten sollten weiter austrocknen und wüstenähnlich werden. An der Westküste Amerikas, von Kalifornien bis Mexiko, setzte sich in den Warmzeiten ein subtropisches Klima durch. Hier lebten kleinere Huftiere, Hasen, Luchse, Grauhörnchen und überwiegend zahlreiche Vogelarten. Im Dschungel von Florida, der Karibik und Mittelamerika (von Südmexiko bis Panama), fühlten sich Alligatoren, Schlagen, Leguane und Frösche heimisch. Diese Auswahl der genannten Tiere soll deutlich machen, wie vielfältig sich das Leben in Nordamerika entwickelte.
Die Besiedlung Nordamerikas durch Hominiden erfolgte in mehreren Schüben. Nordamerika und Sibirien waren zwar lange Zeit miteinander verbunden, doch die Eismassen verhinderten das Einwandern der Urmenschen. Erst nach der Saale-Kaltzeit (vor 250.000 -125.000 Jahren) blieb die Verbindung zwischen Asien und Amerika für längere Zeit eisfrei. Der Mensch war ohnehin erst jetzt qualitativ gereift, um im kalten Norden überleben zu können. Laut der propagierten Meinung fand die Besiedlung Nordamerikas vor 14.000 Jahren statt. Neuere Thesen halten das Einwandern zu einem früheren Zeitpunkt für möglich. Vermutlich wanderte zunächst die nordamerikanische Tierwelt über die Aleuten nach Sibirien ein und die Urmenschen drangen umgekehrt in die Ursprungsgebiete der Tiere vor. Jedoch bedingt durch das kühle Nordklima wagten nur wenige Sippen den Weg nach Amerika. Die Urmenschen pasten sich den Gegebenheiten an. Einige davon lernten es im ewigen Eis zu leben, als Inuit (= Eskimos) und breiteten sich bis nach Grönland aus.
Irgendwann zerbrach die Landverbindung, doch lange Zeit blieb ein schmaler Streifen erhalten, die sich später in die Aleuten Inselkette auflöste. Immer wieder gelangten über die Inseln kleinere Gruppen nach Alaska und eroberten von dort den amerikanischen Lebensraum. Laut der Lehrmeinung soll ein großer Teil der Neusiedler nach Südamerika gewandert sein. Dagegen spricht, dass Nordamerika genügend Platz und reichlich Nahrung für die Menschen bot. Warum sollten sie sich auf den Weg gemacht haben, durch wüstenähnliche Landstriche in eine ungewisse Zukunft? Es fehlen auch Indizien für eine mögliche panische Massenflucht. Genetiker schätzen anhand von Erbgutanalysen die Ankunft der ersten Menschen aus Asien in Amerika vor 22.000 bis 30.000 Jahre ein.
Die Entwicklungs- und Knochenunterschiede zwischen den Nord- und Südamerikanern unterstreichen die Vermutung einer polynesischen Besiedlung des Südens. Betrachtet man heute den Abstand von Polynesien und Südamerika, so scheint das allerdings unmöglich. Hält man das Spiel der Nasca-Platte dagegen, so ist einiges denkbar, aber dazu mehr in der Betrachtung zu Indonesien.
Festzuhalten bleibt, dass sehr wahrscheinlich der Norden Amerikas über Asien (Aleuten) besiedelt wurde. Die Mehrheit der Bewohner Nordamerikas waren bodenständige Waldmenschen und ernährten sich von Früchten und Tieren sowie von Fischen aus den Binnenseen. Mit der nordamerikanischen Flora und Fauna war etwas Neuartiges und Wegweisendes entstanden. Inwiefern der Kontinent Einfluss auf Europa hatte, wird derzeit kontrovers diskutiert. Das die weiterentwickelten Waldmenschen den langen Weg von Nordamerika über Sibirien nach Europa gewandert sein könnten erscheint abwegig. Ebenso haben sicherlich nicht die Eskimos Europa besiedelt, sondern bestenfalls Skandinavien.
Die ausgeprägten mongoloiden Merkmale passen nicht zum europäischen Menschen. Sie hatten aber sicherlich Grönland, Island, Skandinavien und Nordrussland besiedelt. Die Waldbewohner blieben auf ihrem Kontinent (Kanada, USA), die mit asiatischer Bescheidenheit zu Naturvölkern wurden, die man später als Indianer bezeichnete. Lediglich um 11.600 bis 10.700 v.Chr. entwickelten sie eine kulturelle Hochphase, die als Clovis-Kultur bezeichnet wurde, aber keine Reichstruktur aufbaute. Im Gegensatz dazu bildete die polynesische Linie im mittelamerikanischen Raum die legendären Hochkulturen der Olmeken, Mayas und Azteken.  

F.  Europa (Skandinavien und Sibirien )

Europa ist ein Abspaltprodukt von Nordamerika und Sibirien. Von Sibirien löste sich wiederum die skandinavisch-russische Platte, als kompaktes Festland. Das eigentliche Europa war vor 50 Mio. Jahren noch eine Inselwelt inklusive der Türkei und Persien (Iran). Von den britischen Inseln bis zum Ural prägte ein feuchtwarmes und niederschlagsreiches Klima die Küsten von Sibirien und die Inseln Europas. Moor- und Sumpflandschaften dominierten, mit einer reichhaltigen Vegetation. Begünstigt durch den warmen Golfstrom hielt sich in Europa lange Zeit ein tropisches Klima. Im Gegensatz zum kompakten Festland Sibiriens war Europa ein instabiler Unruheherd. Dort wo eben noch Festland war, schwammen nun Fische umher oder umgekehrt. Mehrere Hundert Jahre ragte Norddeutschland aus den Fluten hervor, doch plötzlich lag Köln am Ufer der Nordsee. Europa war ein äußerst unberechenbarer Kontinent mit andauernden Verschiebungen. So lösten sich beispielsweise die britischen Inseln von der norwegischen Küste und Dänemark gab es im Tertiär nicht. Mangrovenwälder und Sümpfe machten es der Evolution von Säugetieren schwer. In der wechselhaften subtropischen Welt konnten sich nur Reptilien wohlfühlen.
Die Archäologen fanden prähistorische Krokodile, die einst in der Londoner Themse (England) umherschwammen und in der fernen Mongolei. In  Köln (Deutschland) badeten Flusspferde und den zahlreichen Schlangen, Spinnen und Kröten störte das Spiel der Inseln kaum. In der überwiegend wässrigen Gegend konnten sich von den Säugetieren her nur Ratten, Biber und Otter entwickeln.
Die eigentliche Evolution der Säugetiere fand auf dem weiten und stabilen Festland Sibiriens und der skandinavisch-russischen Platte statt. Dort entwickelten sich die Pantodontias, die eine ausgestorbene Säugetierordnung waren und allerlei skurrile Arten hervorbrachten. Sie waren meist ein Mittelding zwischen Ratte, Hund, Katze, und Rhinozeros. Der Pantalambda beispielsweise war eine Kreuzung aus Katze und Ratte. In ähnlicher Weise gab es affenartige Wesen, die heute eher den Beuteltieren zugerechnet werden. Prinzipiell war hier eine Evolution von Affenarten möglich, fand aber nicht statt. 
Vor 36 Millionen Jahren folgte eine Abkühlung des Klimas und veränderte schlagartig die Lebensbedingungen in Sibirien. Die Atmosphäre entzog der Nordhalbkugel Luftfeuchtigkeit und verursachte damit einen dramatischen Wandel der Vegetation. Um den arktischen Raum herum weiteten sich Grasflächen aus und etwas südlicher ersetzten Laub- und Nadelbäume die tropischen Gewächse. Im zentralen Süden bestimmte warme Festlandsluft das Klima und war zu trocken für Misch- und Regenwald. Steppenlandschaften bildeten sich und in den besonders wasserarmen Gebieten verbrannte der Boden und ließ nur Wüste zurück.
Die Tierwelt musste sich umstellen oder in den Süden abwandern. Europas Inselwelt indes profitierte weiterhin von der warmen Strömung des Atlantiks. Inzwischen vereinigten sich,  im Zuge der Kontinentalbewegungen Sibirien und die skandinavisch-russische Platte, wobei sich Skandinavien vom russischen Teil zur Halbinsel löste. Ebenso wurden die europäischen Inseln langsam zu einer Festlandsmasse zusammengepresst und verband sich mit den beiden Großteilen zu Eurasien. Zu Europa gehörten die Inseln von Anatolien (Türkei) und Persien (Iran), die besonders stark zu einer kompakten Landmasse zusammengedrückt wurden.
Vor 10 Millionen Jahren driftete Eurasien südwärts. Das eigentliche Europa kollidierte vor etwa 5 Millionen Jahren mit Afrika. Anatolien und Persien quetschten Arabien aus den Fluten empor. Das große Tethys Meer verschwand, dafür entstand das kleine Mittelmeer. Begleitet von heftigen Erdbeben und Vulkanausbrüche wurde jegliches Leben an den Nahtstellen des Aufpralls ausgelöscht. Aber auch der Druck auf die Gesteinsschichten der Inseln verwandelte die Mitte Europas zu einer Mondlandschaft, mit viel Geröll und Staub. In dem lebensfeindlichen Umfeld wuchsen die Alpen, Karpaten und Pyrenäen zu Gebirgen heran. Zudem überflutete die Nordsee vor 3 Millionen Jahren das gesamte Norddeutschland. Die Natur und dessen Tiere wurden im Wasser ertränkt.
Europa kam nicht zur Ruhe, denn nach der Erdschollenkatastrophe kam die Eiszeit und schob ebenso Erdmassen vor sich her. Die Kälte gab der restlichen Flora und Fauna Europas den Rest. Durch das Entstehen der Arktis am Nordpol erhielt Europa seinen letzten Schliff und bekam im Wesentlichen sein heutiges Aussehen. Im stetigen Wechsel von Eis- und Warmzeit wurde Kulturboden (z. B. Norddeutschland, Polen) aus dem Meer geschoben und Steine zerbersteten zu Sand. Das kühle Klima übersäte Europa mit Mischwald. Lediglich im äußersten Norden gab es einen Streifen der vegetationsarmen Tundra und im Süden hielten sich noch ein paar subtropische Pflanzen und letzte überlebende Wassertiere (Reptilien, Flusspferde).
Im sich ebenfalls abkühlenden Sibirien waren die Veränderungen weniger dramatisch. Die Evolution hatte dort genügend Zeit resistentere Tiere zu erschaffen und südwärts gab es entsprechende Ausweichmöglichkeiten. Es bildete sich dort eine ähnliche Tierwelt, wie in Nordamerika. Für zahlreiche Huftiere war Sibirien ebenso eine perfekte Heimat, wie für Hasen, Füchse, Wölfe, Eisbären oder der ausgestorbenen Spezies, Mammut und Säbelzahnkatze. Forscher favorisieren die Ansicht, dass die meisten Tiere von Nordamerika her kamen, halten aber die Entwicklung von sibirische Tiere für möglich. Sicher ist, dass es über die Landverbindung zwischen Amerika und Sibirien einen regen Austausch der Tierarten gegeben hatte. Was die Hominiden betrifft, gehen die Ansichten weit auseinander. Besonders verwirrend sind hier die Knochenfunde in Italien. Der Menschenaffe Oreopithecus bambolii hatte dort vor 8 Millionen Jahren gelebt. Auf der europäischen Inselwelt war aber die Population von größeren Affenarten praktisch ausgeschlossen. Etwa vor 10 Millionen Jahren entstanden erst geeignete Landmassen für Menschenaffen. Wie also kamen sie nach Europa?
Höchstwahrscheinlich sind sie vom Osten her eingewandert. Eine Möglichkeit wäre von Indien über Persien, Anatolien, den Balkan bis nach Italien. Denkbar wäre aber auch, dass eine Spezies von Südrussland durch die Klimaveränderungen in Richtung Westen floh. Mit dem Zusammendriften Afrikas und Europas wurde der Erdteil zu einer tödlichen Falle. Vermutlich wurden sie im Süden eingeschlossen, ohne Fluchtweg zurück nach Osten. Vorstellbar ist, dass es in der heutigen Region Norditaliens, Nordspaniens und Südfrankreichs gute Überlebenschancen für Hominiden gab. Allerdings verlangte die Saale-Eiszeit (vor 2 Mio. J.) von den Primaten eine beschleunigte Anpassungsfähigkeit (schnelle Evolution), um nicht im kalten Klima zu sterben.
Eine weitere Version geht davon aus, dass alle Affenwesen starben und später ein erneutes Einwandern von Urmenschen stattfand. Letztendlich verdichtet sich anhand der Knochenfunde die These von der Evolution einer europäischen Spezies in Südeuropa (Homo heidelbergensis -> Neandertaler). Erst vor circa 50.000 Jahren eroberte eine höherentwickelte Art Europa, die aus dem Orient (speziell Raum Israel) kam. Die bisherige Lehrmeinung, einer grundsätzlichen Besiedlung aus Afrika ist sehr fraglich. Noch unwahrscheinlicher ist, dass die Ureinwohner Europas Eskimos waren oder über Sibirien (aus Asien) kamen, was ein späteres Siedeln nicht ausschließt. Letztendlich wurden die Ureuropäer vom Homo sapiens des Orients fast ausgerottet.

G. Vorderasien / Arabien

Vorderasien (Syrien, Irak, Saudi Arabien) stieg als Neuland im Tertiär aus den Fluten des Meeres. Die arabische Platte gehörte vor 100 Millionen Jahren zu Afrika und lag größtenteils unter Wasser. Nachdem sich Eurasien und Afrika weiter trennten, versank Arabien vollständig im Tethys Ozean. Vor 50 Millionen Jahren nahmen Asien und Europa die arabische Platte am Schwarzen Meer in die Zange und drückten sie Richtung Afrika langsam nach oben.
Vorerst blieb die Platte unter Wasser, bis sie vor 20 Millionen Jahren zum Flachwassergebiet wurde und vor 15 Millionen Jahren Inselteile aus dem Wasser emporstiegen. Mit der Kollision Eurasiens mit Afrika wurde vor 5 Millionen Jahre die arabische Halbinsel komplett aus dem Meer herausgequetscht. An der Sinai Halbinsel und bei Jemen entstanden zwei Landbrücken nach Afrika. Die arabische Platte blieb über einen großen Zeitraum ein Sumpf- und Moorgebiet mit tropischem Klima. Das fehlende Tethys Meer bewirkte einen massiven Klimawandel, wodurch die Landschaft zunehmend austrocknete und sich in eine Steppenlandschaft verwandelte. Auf der jungen Erdplatte gab es vermutlich lange Zeit nur Kleinstlebewesen. Vögel waren zunächst die größten Tiere der Insel, ansonsten lebten dort Insekten, Käfer, Spinnen und Ähnliches.
Im Norden wurde ein Teil der eurasischen Inselwelt am Schwarzen Meer zur anatolischen Platte geformt und umfasst die Gebiete der heutigen Türkei und der Kaukasusstaaten. Beide Platten verbanden sich, worauf Anatolien gebirgig und steinig wurde, und an der Nahtstelle zu Eurasien das Kaukasus-Gebirge entstand. Es gab somit natürliche Barrieren, die das Ansiedeln größerer Tiere verhinderte. Ziegen und Schafe waren wendig genug im Gebirge und einer kargen Landschaft zu leben. Sie entdeckten schließlich die Steppe Arabiens. Außerdem mutierten Vögel zu Hühnern, Enten und Gänse. Für sie wurde dieser einzigartige Erdteil zum Paradies. Neben vielen Grasarten wuchsen dort wildes Getreide und Obstbäume. Das gesamte Jahr herrschte dort ein angenehmes Klima für Bodenpflanzen.
Das spärliche Angebot an Kleinwild lockte kaum Raubtiere an und lediglich für Füchse und Wolfshunde wurde Arabien zu einem Paradies. Besonders am Rand zwischen Anatolien und Arabien entstand eine Landschaft, die Historiker als Fruchtbarer Halbmond bezeichnen. Von Mesopotamien (Irak, Kuwait, Syrien) bis nach Palästina (Israel, Jordanien, Libanon) erstreckte sich das fruchtbare Land. Getreide machten den Bereich zu einer besonderen Vegetationszone. Dieser Lebensraum eignete sich später hervorragend für die Urmenschen.
Vor 1,8 Millionen Jahren lebte die Gattung des Homo erectus (georgicus) am Kaukasus und gehörte zur asiatischen Spezies. Widere Umstände zwangen den Urmenschen in die karge Welt Anatoliens, wo sie sich gut von den Kleintieren (Ziegen, Schafe) ernähren konnten. Notgedrungen erkannten sie schon den Nutzen der Tierhaltung, denn es gab nicht viel Wild zum Jagen. Ziegen, Schafe, Hühner und Gänse waren genügsame Tiere, die sich ohne großen Aufwand halten ließen. Vermutlich folgten die Menschen den Tieren zu ihren Weideflächen, töteten die Tiere bei Bedarf und achteten darauf, dass der Viehbestand konstant blieb. Auf diese Weise entdeckten sie Mesopotamien. Hier gab es für die Tiere Nahrung im Überfluss und keine gefährlichen Raubtiere. Intensiver als zuvor konnten die Urmenschen die Produkte der Kleintiere nutzen und sie in Herden halten. Ziegen gaben Milch, Hühner legten Eier und das warme Fell der Schafe wurde zur Kleidung. Sicherlich kamen die Menschen auf die Idee, die Nahrungsmittel ihrer Haustiere auszuprobieren und stellten fest, wie nahrhaft Getreide für den Menschen ist.
Die arabische Erdplatte förderte enorm das Denkvermögen und schon bald wurde Getreide gesät. Ackerbau und Viehzucht förderten erheblich das Lebensniveau und trieb die kulturelle Reife des Menschen mit großen Schritten voran. Durch die günstigen Lebensbedingungen vermehrten sich die arabischen Hominiden, denen bald der Lebensraum zu eng wurde. Ab der mittleren pleistozänen Phase (v. 780.000 Jahren), mussten Sippen deshalb auswandern und zogen nach Europa. Vermutlich etwas später wanderten einige von ihnen nach Indien aus.