03. Spaßgesellschaft

 

1. Ausgangssituation
2. Zwischen Grunge und Comedy
3. Anfänge des Comedy TV
4. Entwicklungen im TV
5. Mediale Erscheinungen

1. Ausgangssituation

Begründet auf den steigenden Wohlstand war auch die Gier nach mehr Geld verbunden und der Bürger strebte gut bezahlte Stellungen an, ließ sich auf lukrative Angebote ein und versuchte an anderer Stelle zu sparen, um mehr Luxus finanzieren zu können. Damit verbunden waren die Stellung und das Ansehen in der jeweiligen Firmen-Hierarchie. Sie unterwarfen sich einem enormen Leistungsdruck, um sich selbst darzustellen und aufzuwerten. Workaholic und Mobbing wurden typische Erscheinungen in der Arbeitswelt. Oft litt das Privatleben stark darunter, da mit der Luxusgier die Seele verkümmerte. Neben dem Arbeitsstress sorgte die Meinungsvielfalt gesellschaftlich für Verwirrung. Unter dem Deckmantel der freiheitlichen Demokratie wurde versucht die gesamte Gesellschaft umzukrempeln. Zahlreiche Denkansätze in allen Bereichen verunsicherten die Bevölkerung im Alltag. Gesetzen, Maßnahmen und Auffassungen setzten sich trotz starker Kritik durch.
Die alten Werte von Einst und das Wissen von damals, galten als überholt und wurden sogar als eine Gefährdung für den modernen gesellschaftlichen Geist angesehen. Eine Welt geriet aus den Fugen, die nur noch mit Humor zu ertragen war. Bereits Ende der 80er Jahre nahm deshalb der Anteil von grotesken Liedern zu und im Fernsehen verzeichneten Sketsche und humorvolle Sendungen hohe Einschaltquoten. Der Bürger zog sich in sein Privatleben zurück, lebte den Konsum und ignorierte dabei die Realität. Doch gerade die Jugend war sensibel genug den Krankheitszustand der Gesellschaft zumindest zu spüren. Auch konnte eine große Zahl der Bevölkerung, nicht den propagierten Wohlstand ausleben und die neuen geprägten Ideale schienen nicht für alle zu gelten.
Häufig fühlten sie sich vom Wohlstand ausgegrenzt, aber eigentlich legte sich die egoistische Kälte der Zeit auf ihr Gemüt. Besonders extrem reagierte darauf die Jugend. Im Meinungschaos der Zeit gingen die jungen Menschen unterschiedliche Wege und entwickelten daraufhin ihren eigenen Humor. Der Trend zum Humor mündete in die Spaß-gesellschaft, die nun Tabus durchbrach und die Bevölkerung mit derben Humor überschüttete. Unterschwellig war der selbstdarstellerische Antrieb gegeben, immer etwas Neues oder Einzigartiges zu bieten. Gesellschaftlich schlug sich das bei den Jugendlichen darin nieder, neue Trends zu setzten und auch dazu neigten gefährliche Aktionen durchzuführen. „Einmal im Mittelpunkt stehen!“, wurde zum Leitmotiv vieler Jugendlichen. Sie träumten davon mit wenig Arbeit reich zu werden und die Hemmschwelle zu unrechtem Handel sank.
Und immer im Mittelpunkt stand, dass Leben zu genießen. Der Lebensinhalt vieler junger Leute bestand aus Party, Sex und Drogen. Neu war, dass sich nun auch die Kids emanzipierten. Zu schnell wollten sie erwachsen werden und der Zeitgeist unterstützte sie dabei, sehr im Sinne der Wirtschaft. Überhaupt war die Jugend eine lukrative Einnahmequelle der Wirtschaft und ebenso für die Medien. Indem sie die Jugend zum Konsum verführten, konnten sie mit Events den jungen Menschen direkt das Geld aus der Tasche ziehen. Fernsehen, Radio und Presse bedienten verstärkt diesen profitablen Markt und die Politik hielt sich dabei zurück bzw. schuf auf der Basis des modernen Denkens die Voraussetzungen dazu.

2. Zwischen Grunge und Comedy

Insgesamt reagierte die Jugend mit Extremen auf den gesellschaftlichen Zustand. Immer wenn sich eine Jugendbewegung am Scheideweg befand, entgegnete sie der Zeit, der empfundene Leere, mit außergewöhnlichen Mitteln. Letztere Protestbewegung der Jugend war der Punk, Ende der 70er Jahre. Ihre damalige Revolte galt der verlogenen Gesellschaft, in der Worte und Taten nicht übereinstimmten. Die Eltern jagten Statussymbolen hinterher und die Politik hatte nur schöne Worte für die Probleme der Jugend übrig.
Die Jugend fühlte sich hoffnungslos allein, eine gesellschaftliche Gefühlskälte. Bis zum Ende der 80er Jahre war dieser Zustand zur Normalität geworden und je luxuriöser die Gesellschaft wurde, desto mehr entfernte man sich auf der Beziehungsebene voneinander. Hinzukamen nun, der Leistungsdruck mit all seinen Begleiterscheinungen und das Darstellungsgehabe. Jeder versuchte der Beste zu sein und sich über andere zu stellen. Ein Teil der Jugend suchte frustriert im Neopunk und Grunge seine geistige Heimat und versuchte sich dem gesellschaftlichen Trend entgegen zu stellen. Mit zerschlissenen oder kaputten Jeans und zerzausten Haaren hoben sie sich äußerlich von den gestylten Erfolgs-menschen ab und wollten ein alternatives Leben kreieren. Nach dem Vorbild der Hippies (60er) und dem Punk (70er) entstand eine Mischform, die allgemein Grunge genannt wurde (Apokalyptische Grundeinstellung).
Musikalisch lauschten sie den apokalyptischen Hardrock-Klängen, von Nirvana, den Red Hot Chilli Pepers oder Smasching Pumkins. Obwohl die Bands unterschiedliche Musik machten, verkündeten sie allesamt das Ende der Welt oder flohen in surrealen oder galak-tischen Welten. Selbst die Technoszene und die Rap Gesänge zeichneten von ihren Wesen her eher düstere Bilder von einer kaputten Gesellschaft. Die aus dem Hardrock resultierende Grunge-Musik, prägte verstärkt eine mystisch düstere Lebensform, die sich im Drogenrausch ergibt und äußerlich dem Hippiekult verfiel. Obskure Gestalten und nette Ungeheuer wurden zur Zukunftshoffnung und Heilsbringer. Außerirdische und Satan wurden zu Heiligen auserkoren. Satans- und Grufftikulte hatten deswegen Hochkonjunktur.
Hardrock Bands wie Metallica oder Guns N’Roses widmeten sich der Wirklichkeit in all seinen bedrückenden Facetten. Visionäre Fantasien wurden dazu entwickelt, die vor einer brutalen Zukunft warnten und mitunter zum blutigen Kampf gegen das Unrecht aufriefen. Diese hoffnungslose Weltsicht der Apokalypse brauchte ein Ventil, damit die Seele nicht gänzlich verkümmerte und sich in Depressionen verliert. Viel zu viele junge Menschen neigten schon zum Selbstmord. Jedoch die Mehrheit von den Grunge-Rebellen suchte sich für den Alltag einen Gegenpol. Kennzeichnend für sie war eine hohe Bereitschaft, respektlos anderes Leben aus den Weg zu räumen, sofern sie den eigene Zielen im Weg standen. Mit dem Verständnis vom Ende Welt war ihnen ihr eigenen Leben egal und somit auch alles andere Leben. Deren Humor war durchzogen von jenem Geist, der dann auch allgemein Jugendliche begeisterte. So wurden bewusst eklige, brutale und blutige Sachverhalte in komische Bezüge gebracht. So wurden die blutigen Unfälle von „Gabelstapler Klaus“ zum Kult Hit, wo lustige Kommentare zu abgerissenen Armen oder durchtrennten Kopf zu Lachsalven animierten.
Das gegenteilige Extrem zu der apokalyptischen Jugend, waren jene mit einen überzogenem  Geltungsdrang. Sie ließen sich vom Zeitgeist anstecken, wollten vordergründig das Leben auskosten und sich aus der Masse hervorheben (Erfolg haben). Sie wollte bewundert und verehrt werden oder wenigstens einmal im Mittelpunkt stehen. Sie nutzten Partys und Diskotheken zum Schaulaufen ihres Egos, prahlten mit zahlreichen Eroberungen in sexueller Hinsicht oder glaubten mit Geld Anerkennung kaufen zu können. Ihr Humor war dementsprechend herabwürdigend gegenüber anderen. Sie labten sich am Missgeschick anderer und an Menschen in peinlichen kompromittierenden Situationen. Darüber hinaus neigten sie dazu, mit Späßen nachzuhelfen. Immer wieder galt es, die Macht und Überlegenheit gegenüber anderen zu demonstrieren.  
Die beiden extremen Lebensauffassungen und deren Humor beeinflusste die wankelmütige Masse der Jugend. Für die Wirtschaft ergaben sich daraus neue profitable Märkte und über die Medien wurden die neuen Trends unterstützt. In Punkto Humor entstand eine Art Misch-humor, der über das Privatfernsehen vermarktet wurde. Im Prinzip prägten die Medien den Begriff Spaßgesellschaft und schnell wurden empörende Stimmen mundtot gemacht, die den würdelosen Humor kritisierten. Die Kritiker wurden über die Medien zur Lachnummer gemacht und fanden auch keinen Rückhalt mehr in der Öffentlichkeit. Selbst Politiker und Prominente machten gute Miene zum bösen Spiel. Keiner wollte als Spaßverderber dastehen und so ertrugen sie die Unverschämtheiten, zumal es rechtlich immer schwerer wurde sich gegen Beleidigungen und entwürdigenden Späßen zur Wehr zu setzen. Die privaten Medien hatten einen enormen Einfluss auf die Gesellschaft gewonnen, die ihre profitablen Interessen rücksichtslos durch setzten und sich vom eigentlichen Medien-Kodex entfernten, einem verantwortlicher Journalismus und Unterhaltung im Sinne des Grundgesetzes, der die Menschenwürde respektiert. Der Begriff Menschenwürde wurde zur Interpretationssache.

3. Anfänge des Comedy TV

Als einen Wegbereiter könnte man das TV-Format „Sketch-Up“ bezeichnen. 1984 entstand mit Diether Krebs und Beatrice Richter (später Iris Berben) eine Serie mit Sketschen. Einige Sketche konnte man schon als grenzwertig bezeichnen konnte (Mut zur Hässlichkeit). Ein tendenzieller Umbruch im Humor kam mit Jürgen von der Lippe zustande. Die TV-Show „Donnerlippchen“ durchbrach bereits 1986 einige Tabus. Menschen wurden in seiner Sendung der Lächerlichkeit preisgegeben, aber ohne sie zu entwürdigen. Zudem wurde der Ekelfaktor bedient. Jürgen beherrschte die Gratwanderung zwischen den üblichen Humor und verwerflichen Tabus.
Wesentlich respektloser war dagegen Karl Dall (Bild), der seine Talkgäste bewusst lächerlich machen wollte und sich für einen Gag so manche Unverschämtheit erlaubte. Karl selbst verkaufte sich als dummdreisten Trottel, dem man seine Frechheiten nicht weiter übel nahm. Jeder Gast, der sich in die Talkrunde verirrte, wusste was auf ihn zukam. Und somit freute sich der Zuschauer am Schlagabtausch, ohne ausgefeilte Worte und war gespannt, ob ein prominenter Gast gegen Karl bestehen konnte.
Hape Kerkeling brachte 1989 eine völlig neue Art von Humor ins Fernsehen. In Form einer Anti-Show kokettierte er mit seinem Partner ein gespieltes Unvermögen und erntete dafür Lachsalven. Dann ging er dazu über und wagte es, sich über Prominente und die Öffentlichkeit lustig zu machen. Legendär sind sein „Hurz“, mit dem er sich über Kenner der zeitge-nössischen Kunstmusik lustig machte und die Königin Beatrix mimte. Helge Schneider begeisterte dann, mit völlig absurden Liedern, die musikalisch disharmo-nisch waren und deren Texte, alle Regeln der Lieddichtung wiedersprachen. Sein völlig sinnfreies Lied „Katzenklo“ war deshalb auch wieder komisch, sodass es zu recht 1993 sogar ein Hit wurde.
Der eigentliche Beginn des neuen Comedy-Verständnisses kam mit der Comedy-Show RTL-Samstag Nacht“ (BILD oben), die zum Meilenstein der humorvollen Unterhaltung wurde. Mit Tanja Schumann, Esther Schweins, Wigald Bonning, Mirco Nontschew, Oli Diedrich und Stefan Jürgens testen sie ab 1993 die Grenzen des Humors aus. Es wurde eine drastische Satire betrieben, entwickelten den Ekelhumor, machten sich über einfache Bürger lustig und übertraten gern alle möglichen Tabus.
Natürlich gehörten Späße „unter der Gürtellinie“ (sexistisch) genauso dazu, wie sich über blutige Missgeschicke lustig zu machen. Die Wortverdrehungen bei „Kentucky schreit ficken“ (Fastfoodkette „Kentucky Fried Chicken“) wurden zum Jugendkult. Andere TV Sender zogen nach und sendeten Comedyformate, wo der Spaß noch derbere Dimensionen erreichte. So fand man Sketche unheimlich komisch, wenn sich zwei Nachbarn, gegenseitig mit einer elektrischen Heckenschere bekämpften. Sich gegenseitig Arme und Beine abschnitten, nur noch die beiden Köpfe im Gras lagen und eine makabere Pointe den sogenannten Spaß abrundete.
Der Erfolg der Comedy Szene mündete immer stärker am realen Unglück anderer oder komischen Peinlichkeiten. Aufnahmen mit versteckter Kamera ließen die Nation daran teilhaben. Ging es bei „Pleiten, Pech und Pannen“, noch um vergnügliche Missgeschicke, so zeigte „Bitte lächeln“ mitunter Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen. Gemessen an den Humor, der jetzt über den Bildschirm flackerte, war die „Samstag Nacht Show“ zur gemäßigten Unterhaltung geworden. Die festen Sketcheinheiten „Zwei Stühle eine Meinung“ oder „Karl Rammseier ist Tod“ kannte schließlich fast jeder. Bonning und Dietrich fingen daraufhin an, als die Doofen, sinnlose Lieder zu singen. Das jedoch kam so erfolgreich an, dass sie die LP „Lieder die die Welt nicht braucht“ produzierten und zum Hit wurde. Die Auskopplung (Single) „Mief“ hielt sich wochenlang in der Top 10.
Die neue Comedy-Begeisterung brachte viele Acts hervor. Herauszuheben wäre da, das langsam sprechende Nordlicht Rüdiger Hoffmann, der sich als naive Frohnatur verkaufte. „Hallo erst mal! Ich weiß gar nicht ob sie’s wussten ...“, so begann er stets sein Programm und begeisterte durch einfache Wortkomik, die stark satirisch angelegt war. Furore machte auch Pitt Klock, der einen stammelnden Professor mimte und nie einen Satz zu Ende sprach, aber dadurch den Zuhörer das Nichtgesagte auf die Zunge legte. Als Zyniker trat Ingo Appelt in Erscheinung, der häufig mit böswilligen Vergleichen seinen Humor würzte und dafür stark kritisiert wurde. Als euphorische TV-Sonyboy kam Michael Mittermeier daher und beschränkte sich satirisch auf das Thema Fernsehen und Film.

4. Entwicklungen im Comedy TV

Mitte der 90er Jahre kam die Comedysitzung „7 Tage, 7 Köpfe" (RTL) (BILD →) dazu, die sich über aktuelle Themen der Woche lustig machten. In der Sendung von Rudi Carell, spielte Jochen Busse den versnobten Gesprächsleiter und Dauergäste waren das nasenlange Nordlicht Mike Krüger, der kleinwüchsige Frauentyp Kalle Pohl, das dicke Bernybärchen Bernd Stelter und die großmäulige Xanthippe Gaby Köster. Diese sechs prägten mit ihrem gespielten Image das Gesicht der Sendung und ein ständig wechselnder Gast-Comedien ergänzte den 7. Kopf.
Mit der „Wochenschow“ (Bild →) beendete Sat1 die Vorherrschaft von RTL im Comedybereich.
Die erste Erfolgsbesetzung der Nachrichtencomedy Bestand aus Anke Engelke, Ingolf Lück, Bastian Pattewka und Marko Riema. Ähnlich wie bei der „Tagesshow“ von Rudi Carell (80er Jahre), wurden originale Nachrichtenbilder lustig verfälscht. Nebenbei machte sich die Show über das Medium Fernsehen lustig und schuf dabei eigenständige Highlights. Rickys Popsofa, war eine Satire auf niveaulose VIVA-Moderatoren und die „Schwuchtel“ Brisko Schneider, nahm gekonnt die Sendungen „Liebe Sünde“ und „Wahre Liebe“ aufs Korn.
Pro 7 setzte dem Comedytrend die Sendungen Switch, Comedy Factory, Quatsch Comedy Club und die Bully Parade entgegen. Jedes Format erfreute sich einem Stammpublikum.
Ende der 90er Jahre wechselte Stefan Raab von VIVA zu Pro 7 und setzte mit seiner TV Sendung „TV Total“ neue Akzente. Schon als VIVA - Moderator fiel er durch seine Respektlosigkeiten auf, die ihm aber bei den Jugendlichen eine hohe Popularität einbrachte. Beispielsweise sein Song „Börti Vogts“, war eine überzogene Satire, die er als Hommage an den Fußballbundestrainer verpackte.
Rechtlich war somit ein Vorgehen gegen das Machwerk nicht möglich. In der Folgezeit bewies er seine Kreativität auch als Komponist. Zum Jubiläum der beliebten Kindersendung „Die Sendung mit der Maus“ schrieb er das originelle Lied „Hier kommt die Maus“. Es folgte das humorvolle „Sexy Eis“ für Lars Dietrich und machte aus den Jürgen Drews Klassiker „Ein Bett im Kornfeld“ einen Partyhit. Beim Sender Pro 7 hatte er noch mehr freie Hand für seinen Klamauk und nutzte seine Gabe der Bloßstellung in Form einer Huldigung. Seine Prominentesten Opfer waren Rudi Carell und Karl Moik, denen nichts anderes übrig blieb und das böse Spiel ertrugen. In Anlehnung an den erfolgreichen Schlagerkomponisten Ralf Siegel, nahm Stefan Raab als Produzent den Künstlernamen Alf Igel an. Provokativ und mit viel Kritik bedacht führte er Gildo Horn über den Vorentscheid zum Grand Prix de Eurovision 1998 und belegte dort sensationell Platz 7. Ein Jahr später nahm Raab selbst mit der Groteske „Wadde hadde du denn da“ teil und erreichte sogar Platz 6.
Unvergessen ist auch die musikalische Umsetzung des Nachbarschaftsstreits „Maschendrahtzaun“ (Bild →). Der Song der so lustig und genial daher kam und ein Hit wurde, verletzte aber die Gefühle der Betroffenen.
Die Klägerin des Rechtstreits wurde zur Lachnummer der Nation und wurde dadurch von den Medien bedrängt und ihr Haus wurde von Sensationslüsternen belagert. Kein Reporter versuchte die psychischen Leiden der Frau zu verstehen, die sich nicht mehr aus ihr Haus wagte. Von Selbstmordabsichten geplagt erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. Die Medien zeigten aber kein Interesse daran, die Leiden der Frau zu zu publizieren und bis heute wurde ihr Schicksal nicht öffentlich gemacht. Zumal die Menschen sehr schnell vergessen und sich neuen Themen widmeten. Dennoch soll das Schicksal dieser Frau stellvertretend deutlich machen, was unverantwortlicher Spaß anrichten konnte. Es gab in den 90er Jahre viele Opfer von entwürdigenden  Späßen, die nicht ohne psychische Folgen blieben und einige sogar in den Selbstmord trieb. Aber die Medien ignorierten solche Meldungen, im Sinne des Spaßtrends und verschwiegen bewusst der Öffentlichkeit solche psychischen Auswirkungen. Stefan Raab konnte unbehelligt weiter machen und begeisterte die Jugend. Inzwischen gab es ähnliche Formate, die noch drastischer Menschen vorführten und die Raab-Show nun zur renommierten Unterhaltung gerechnet werden konnte.

5. Mediale Erscheinungen

Radiosender setzten auf ein Gute Laune -Konzept und versuchten ihre Hörer schon am frühen Morgen mit Humor für sich zu gewinnen. Dazu wurde das „Crazyphone“ entwickelt, dass bei den Zuhörern sehr gut ankam. Die Moderatoren versuchten hierbei Behörden zu foppen und mit sinnlosen Gewäsch deren Geduld zu testen. Dieser amüsante Spaß ging so manches Mal in Richtung Telefonterror. Spaßtelefon, Gewinnspiele und mit dem Slogan „Wir spielen die wirklichen Hits“ lockten sie Hörer an. Doch der überzogene Frohsinn nervte so manchen Zuhörer und Hits in der Endlosschleife erzeugte nur noch Wut. Hinzu kam eine Beschallung von Musik im Alltag, entweder in Kaufhäusern oder von Hand-werker die lautstark ihr Spaßradio während der Arbeit hörten. Es stieg dadurch die Zahl jener, die genug vom Radio und den „Hits von heute“ hatten.
Das führte zu einem steigenden Absatz von CD’s, da die Menschen entspannt ihre Musik hören wollten, ohne Werbung und albernen Moderatoren. Im Trend lagen auch Musikarten, die nicht im Radio gespielt wurde. Davon profitierte der Schlager und die volkstümliche Musik, aber auch die Heavy Metal Rockmusik, sowie Oldies und klassische Musikarten.
Im Kino lagen wieder deutsche Filme im Trend, doch bei genauerer Betrachtung waren es überwiegend Komödien oder Klamauk. Filme wie, „Männerpension“ oder „Der bewegte Mann“ waren dabei sehenswerte Unterhaltungsfilme. Der Erfolg von Helge Schneider Filmen war dagegen unverständlich und selbst der König der Blödelbarden Otto Waalkes, konnte nichts neues mehr bieten.
Zur Spaßgesellschaft gehörten ebenso diverse Talksendungen, die sich am Seelenstriptease der Gäste ergötzen und nur formell Beziehungsprobleme lösen wollten. Das Konzept zielte auf die Emotionen von einfachen Menschen (meistens Jugendliche) und thematisierte deren
Beziehungsproblem und die Moderatoren heizten provokativ die Gemüter an. Dazu wurden abgewrackte Typen geladen, die mit ihrer schrägen Meinungen nicht nur die Nation erregten, sondern die Talkrunde eskalieren ließen.
In einer gefühlskalten Gesellschaft standen Gefühle hoch im Kurs und so verwundert es nicht, dass auch die Daily Soap Serien so erfolgreich wurden. „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, wurde zum TV Quotenhit, aber auch „Verbotene Liebe“, „Unter uns“ oder „Marienhof“ hatten ebenso eine starke Fangemeinde. Die Mutter aller Daily Soaps „Lindenstraße“, wurde nun sogar international ein großer Erfolg.
Daily Soaps haben im Gegensatz zu Telenovelas den Vorteil, dass man sich die Hauptfigur selbst auswählen konnte und keine Hauptprotagonisten vorgab. Nicht selten fungieren solche Sendungen als Ersatzfamilie. Die Fans identifizieren sich mit ihren Helden und leben sie im Alltag weiter. Sie fühlen mit ihren Helden, ärgern oder freuen sich mit ihnen. Nicht selten bildeten sich Fan-Gemeinschaften oder Freundschaften in deren zentralen Mittelpunkt eine Serie stand. Stetig wuchs aber die Zahl derer die allein und ohne Freunde waren. Der Musiksender VIVA versuchte interaktiv über die Musik visuell Freunde zu ersetzen bzw. Freundschaften entstehen zu lassen. MTV, der seit 1982 sendete, versuchte dagegen die Jugend nur mit Musik an sich zu binden. Ab Weihnachten 1993 kam VIVA, die gezielt ein amateurhaftes Image der Sendung aufbauten und somit unsichere und naive Moderatoren eine freundschaftliche Nähe ausstrahlten. Sie sollten nicht die perfekten medialen Freunde sein.
Heike Makatsch (Bild  →) verkörperte dabei eine Mischung aus
Honigkuchenpferd, Pipi Langstrumpf und Nina Hagen. Ihr laienhaftes Auftreten machte sie sympathisch, wirkte ehrlich und war deshalb sehr beliebt. Das natürliche Konzept machte VIVA schnell zum Kultsender der Jugend. Außerdem erwarb sich der Sender große Verdienste, an das publizieren deutscher Produktionen (Blümchen, Nana, Modul, DJ Bobo, Mister Präsident, Culture Beat, Xavier Naidoo u.v.a.). Kritisch anzumerken sei jedoch, dass sich VIVA als Stiefkind der Musikindustrie entpuppte und bedacht Songs und Interpreten der Musikindustrie vermarktete. VIVA wurde zu einem Instrument, die der Jugend einen Musikgeschmack einimpfen sollte. Deutlich zeigte sich das, indem man progressive Acts, wie Herbert Grönemeyer, Westernhagen, Die Ärzte und die Toten Hosen nicht berücksichtigte. Die Jugend forderte aber genau jene Musik und VIVA gab dem Druck nach.
Zur Konkurrenz für VIVA wurde RTL 2, der sich ebenso als Jugendsender verstanden. Mit „Bravo TV“ und „The Dome“ setzten sie auf Musikhighlights und reicherten ihr Programm mit jede Menge Jugendzeichentrickserien an. Abseits der Medien entwickelte sich ein Partykult, große Feten und Sauforgien wurden zu Events. Da hierzulande einige freizügige Aktivitäten gesetzlich unterbunden wurden, zog die Jugend ins Ausland. Die Kneipe Ballermann 6 auf Mallorca wurde zum Wallfahrtsort der Ausgelassenheit, woraus sich der spezifische Ballermann-Kult entwickelte. Mallorca wurde zur Partyinsel, mit deutschsprachigen Partysong und grenzenlosen Frei-heiten. Spanien tolerierte die Freiheiten der Partytouristen, da sie dem Land enorme Einnahmen brachten. Frivole Nonsens-Lieder entstanden dort und wurden auch in Deutschland zu beliebten Partyhits. Dem Trend zum Frohsinn folgten die Zentren des Winterurlaubs und veranstalteten ausgelassene Partys auf den Skihütten (Apres Ski-Partys). Die Gesellschaft züchtete über die Medien eine Jugend heran, die den Begriff Freiheit in ihrem Sinne auslegten, sich nicht mehr kontrollieren ließen und zu Auswüchsen neigten.Die Grenzen des Anstandes, Moral und Sitte waren längst durchbrochen und ehemaligen  Werte standen zu Disposition. Von der zitierten Menschenwürde im Grundgesetz blieb nicht viel übrig und der Respekt vor dem Leben sank erheblich.

 

http://vignette3.wikia.nocookie.net/nintendo/images/f/f4/The_Mario_Bros..jpeg/revision/latest?cb=20140221224337&path-prefix=enhttp://vignette2.wikia.nocookie.net/sonic/images/3/32/Sonic_pose_87.png/revision/latest?cb=20120211101843

             Infos zu Medien Kultur und Sport

 

  A. Konsolenspiele

- Konsolen konnten problemlos an jeden Fernseher angeschlossen werden und die fertigen Spielmodule ersparten die Installation
   des Spieles

- SEGA und NINTENDO dominieren, beliebt sind Jump & Run und Sportspiele
- Igel Sonic Kultspiel bei SEGA; die Super Mario Brothers bei NINTENDO
- neben den japanischen Markführern, etablierte sich die US- Konsole PLAYSTATION
- die Spiele wurden von Jahr zu Jahr grafisch immer besser und spielerisch kompakter, sowie vielfältiger mit neuen Genres
   (z.B.: Populous einmal griech. Gott spielen).

B. Computer

- war anfangs in erster Linie nur eine Arbeitsmaschine (Schreiben, Rechnen) und in der Verbindung mit einem Drucker, ersetzte er in
  der Arbeitswelt die Schreibmaschine

- PC-Spiele setzten sich nur langsam durch, da häufig die komplizierte Installation und die Konfiguration die Spieler abschreckte.
  PC-Spiele punkteten gegenüber den Konsolenspielen 
mit technischer und grafischer Überlegenheit und komplexeren Spielen
- Anfangs wurden Konsolenspiele imitiert, bis sich eigene PC-Spiele durch setzten und auch begeisterten. Zubehör wie Gamepads,
  Joystick und Lenkrad erhöhten wesentlich den Spaß
faktor und gaben den Spielen eine realitätsnahe Steuerung.  
- Die ,,Star Wars" Simulation X-Wings und das Knobel Jump & Run Spiel Lemmings (möglichst viele zottlige Wesen ins Ziel bringen)
  waren ersten PC-Hits. Beliebt war auch 
das Piraten-Rollenspiel Monkey Island und das Jump & Run-Spiel Prince of Persia.
  Stets 
ein Hit waren Sportspiele wie Olympia, Fußball oder Eishockey. Und mit dem Bundesliga Manager, konnte man virtuell seinen
  Lieblingsklub zum Erfolg führen.

- Mitte der 90er Jahre hatte sich der Computer endgültig durchgesetzt und der Markt war voll von zahlreichen Spielen. Neben dem realer. 
  Flugsimulationen, Autorennen und Kampfspiele 
(Boxen, Karate) dominierten und ganz vorn dabei war der Actionhit Tomb Raider.
- Gegen Ende der 90er Jahre kamen Kriegsspiele dazu und entfachten bei Psycholen einen Sturm der Empörung, wegen dem Effekt der
 
Gewaltverherrlichung. Blut spritzte nun noch realistischer auf dem Bildschirm und die Spieler konnten nach ihrem Sinn sogar den
   Zweiten 
Weltkrieg nachspielen.
- Wesentlich harmloser waren die Strategiespiele Die Siedler oder Age of Empire, in denen auch das erobern im Vordergrund stand.
   Das Aufbauspiele Anno 1602, stellte dagegen den 
Aufbau und die Entwicklung einer Inselbesiedlung in den Vordergrund und wurde http://vignette3.wikia.nocookie.net/moorhuhn/images/f/fb/Moorhuhn_fellig.jpg/revision/latest?cb=20090701194041&path-prefix=de
   zum Hit.

- Auf den anhaltenden Protest gegen jugendgefährdenden Spielen führte die Regierung die freiwillige Selbstkontrolle (FSK)
   ein. Die Games mussten nun mit einem Mindestalter ver
sehen werden, eine Maßnahme die nicht ernsthaft die Jugend
   schützte.

- Mit dem Internet wurden dort auch kostenlose Spiele angeboten. Kultcharakter hatte das ,,Moorhuhn", hierbei sollten so
   viele Hühner 
wie möglich erlegt werden, um in einer Rangliste aufzusteigen. In vielen Büros wurde das Spiel zur Plage,
   da die Angestellten zu häufig das Spiel 
Anklickten und dabei ihre Arbeit vergaßen.

C. Computer / Internet

- Ab 1991 wurde das World Wide Web (www) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ab 1993 wurde dazu der Grafik Browser
  Mosaik angeboten. Der Anbieter AOL bot 1995 
der privaten Öffentlichkeit den Zugang zum Internet.
- das Internet wurde schnell zu einer wichtigen Informationsquelle, hinzu kamen andere nützliche Möglichkeiten, wie die elektronische
  Post E Mail, die Kommunikationsportale 
Chatroom und die Onlineanbieter von Musik, Waren und Sex.
- Das unkontrollierte Internet wurde auch zu einer Gefahr neben zwielichtigen Angeboten, lauerten finanzielle Fallen auf pornografischen 
  Seiten oder verführerischen Produkten. 
Ebenfalls nutzten politische Extremisten das Netz um für sich zu werben oder Lügen zu  
 
verbreiten. Aber auch andere Scharlatane nutzten das Netz für ihre Zwecke.
- Hinzu kamen Technische Gefahren, Viren und Hacker bedrohten den Computer durch, wodurch der Nutzer gezwungen war teurere 
  Schutzsoftware zu kaufen.

- Gegen Ende der 90er kamen diverse Homeshopping Portale hinzu und die Medien und die Universitäten eröffneten eigene Seiten und
   auch Onlinebanking wurde möglich.

- Im wachsenden Überangebot an Internetseiten wurden Suchmaschinen notwendig, die ersten erfolgreichen Suchmaschinen waren
  Yahoo, Lycos und Altavista.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/aa/Floppy_disk_2009_G1.jpg

D. Computer/ Technik 

- Die ersten PCs wurden mit Floppy-Disc (Bild) gespeist. Für Laufwerk A war die 8´Diskette
  (CD-Größe) vorgesehen mit 
einer maximalen Leistung unter 1 MB. In Laufwerk B passten
  die 3,5´Disketten,
waren wesentlich kleiner und brachten es auf 1,44 MB.
- Mit dem Betriebssystem Windows 3.0, von Microsoft, wurde die Benutzeroberfläche ab
  
1990 für den Benutzer wesentlich einfacher und ein 486er Prozessor brachte es auf eine 
 
Taktfrequenz von 50 MHz und einem Arbeitsspeicher von 64 MB.
- Mit der rasanten Entwicklung wurden Computer immer leistungsfähiger und mit der CD- ROM Technik, konnten komplexe
  Programmen angenehmer installiert werden und mit 
Windows 95 konnte der Internet-Zugang konfortabler genutzt werden
- Es etablierten sich erste Internetspiele, doch bevorzugt war das illegale Kopieren und brennen von Musik aus kostenlosen
  Internetportalen (beliebt war Napster)

- Mit der CD-ROM konnten nicht nur Spiele und Programme installiert werden, sondern ein Brennprogramm ermöglichte das Erstellen
  von Musik-CD zur Audio-Nutzung

 E. Freizeit- und Haushaltstechnik

- Beliebt waren die kleinen LCD-Spiele für Unterwegs. Die batteriebetriebenen Videospiele waren Simpel aufgebaut und boten nur eine
  Spielform an. Der Gameboy (1998) war da
gegen vielfältiger, mit mehreren Levels und austauschbaren Modulen
- Das mobile Telefon (Handy) wurde zum wichtigen Kommunikationsmittel und durch die SMS-Funktion war praktisch jeder
  Handybesitzer erreichbar.

- Das Haustelefon verlor an Bedeutung und damit verbunden verschwanden nun auch die ersten öffentlichen Telefonzellen und das
  Senden von Telegrammen nahm rapide ab

- In der Haustechnik wurden Video-Recorder zur Alternative zum Fernsehen und in der Küche gehörte die Mikrowelle und
  Kaffeemaschine zum Standard

- Der CD-Rekorder verdrängte den Schallplattenspieler und das Kassettengerät. Für ungebundenen Musikgenuss verhalf der Discman,
  der auch selbstgebrannte CDs abspielte.

- Die schnelle Herstellung des Tonträgers ließ den CD Markt explodieren. In Verbund mit Kaufhof wurde die angeschlagene Kette
  Saturn aufgekauft, wodurch nun Media Markt b
undesweit expandierte und Medien-Kaufhäuser errichteten.
- CD-Kinderhit waren „Benjamin Blümchen", ,,Bibi Blocksberg" und „Die Schlumpfparty“ 
-
Handliche Camcorder ermöglichten das drehen von eigenen Filmchen, egal ob Familien-Feiern, Urlaubserinnerungen oder
  Inspirationen (auf dem Videorekorder abspielbar)

- Ende der 90er Jahre stand die DVD-Technik in den Startlöchern und ermöglichte mit Hilfe eines Rekorders das Aufnehmen von
  Filmen, in einer besseren Qualität und mit 
umfangreicheren Möglichkeiten gegenüber der Video-Technik
- Auch die MP3 Technik hatte sich nun durchgesetzt. Das Speichersystem erlaubte ein Komprimieren von über 100 Songs auf einer CD.
  Lediglich waren bisher die Abspiel
möglichkeiten begrenzt, mit den USB-Sticks (2000) sollte sich das ändern.
- Die Haushaltstechnik erleichterte erheblich die Hausarbeit. So konnten moderne Waschvollautomaten die Wäsche schleuderten und
  vortrocknen.

F. Radio

- die meisten Sender boten ein kurzweiliges Programm mit viel Musik an. Das klassische Radio, wo die Information im Vordergrund 
  stand, wurde zur Rarität.

- Die Musik der Sender war überwiegend englisch-sprachig. Nachdem sich die Zuhörer zunehmend von den aktuellen Hits genervt
  fühlten, lagen nun Oldies im Trend. Auch dem 
Wunsch nach deutschen Schlagern folgten einige Sender und überraschend wurden sie
  zu 
den beliebtesten Sendern einer Region. 

- Tendenz im Raum Berliner /Brandenburg:
1. Antenne Brandenburg: mit einer Mischung aus Schlager, Oldie & Pop, wurde der Sender zum beliebtesten Radio in der Region.
     Zielgruppe: 50+

2. Berliner Rundfunk: war anfangs der beliebteste Sender, doch die Konkurrenz wurde groß und eine Konzeptänderung wirkte sich
    fatal aus. Als Oldie-Sender gewannen der 
Sender wieder seine Zuhörer und dominierte mit (hinter) Antenne Brandenburg klar die
    Radioregion. Zielgruppe: 30+
3. RTL 104.6 : Mit einem Mix aus moderne Popmusik und einem hohem Oldie-Anteil wurde der Luxemburger Sender zwischendurch
    die Nr.1. Zielgruppe: 18+

4. RS 2: Als RIAS Berlin, der beliebteste Sender der Region. Nach der Wende mit neuem Konzept als RS 2 verlor der Sender stetig an
    Zuspruch. Das „Gute Laune“ Konzept mit 
Crasy-Phone und den „Hits von Heute“ nervten zunehmend. Zielgruppe: 16+
5. BB-Radio: Startete 1994 und erlangte schnell eine hohe Popularität, durch den bunten Mix an Musik, der sich vorrangig an Zuhörer-
    wünsche orientierte. Zielgruppe: 30+

X. Eine spezifische Zuhörerschaft erfreuten Radio Energy (Jugendradio), der Privatsender 100,6 („Froschradio“), Radio 1 (Information)
    und Fritz (Jugend).
Verlierer der Wende ist das Radio vom SFB, die nicht mehr an ihre Popularität anknüpfen konnten und das neue
    Spreeradio erfüllte auch nicht die Erwartungen der Betreiber.

- Insgesamt sank allgemein die Zuhörerschaft, da ständige Werbung, Eigendarstellungen und überzogener Humor nur noch nervten. 
  Zudem spielten die Sender immer dieselben 
Hits, die auch noch durch Jingles unterbrochen wurden für wichtige Meldungen.
- Durch das kostengünstige und reichhaltige CD-Angebot, stellten sich viele Bürger ein eigenes Programm zusammen. Davon profitierte
   der Absatz von Schlager, von Oldies 
(speziell DDR-Musik), der volkstümlichen- und der Rock-Musik. Dauergäste in den Albumchart
   waren deshalb Herbert Grönemeyer, Marius Müller Westernhagen und die 
Arzte, Toten Hosen, Böhsen Onkelz und Rammstein.
   Namen wie Helmut Lotti, Andre Rieu, 
die Corrs, aber auch Wolfgang Petry und Rosenstolz profitierten von der Radioignoranz.

G. Fernsehen

Im Ringen um die Einschaltquoten buhlten die Sender um die Gunst der Zuschauer. Je höher die Einschaltquote, desto höher waren die Gewinne pro Werbeminute. Da sich die privaten Medien in erster Linie durch Werbung finanzierten, lockten sie die Zuschauer an. Sie bedienten dabei die niederen Sinne des Menschen und entfernten sich vom qualitativen Niveau. Fernsehen sollte unterhalten, sollte spannend sein oder Frohsinn verbreiten. Diverse Gameshows förderten die finanzielle Gier und Geld wurde als alleiniger Glücksfaktor propagiert. Filme wurde immer blutiger und Horroreffekte drastischer dargestellt.
Neu war das sich nun allgemein ein 24 Stunden Programm durchsetzte, doch durch das Überangebot wurde Fernsehen nicht mehr intensiv geschaut. TV- Bilder flackerten nebenher, bei der Hausarbeit, beim Essen oder anderen Tätigkeiten. Schon durch die Werbung bedingt erreichten Filme kaum noch eine emotionale Tiefe. Da das öffentlich rechtliche Fernsehen die Filme nicht durch Werbung unterbrach, hatten dort Filme einen tieferen Effekt. Das wurde (unter anderem) zu einem entscheidenden Grund dafür, dass zahlreiche Zuschauer wieder zu ARD und ZDF wechselten.   

- Marktführend war zunächst RTL gefolgt von SAT 1, ab Mitte der 90er Jahre wurden wieder ARD und ZDF Marktführer, besonders
  die 3. Programme zogen speziell die 
Zuschauer über 50 Jahre (Alter) an.
- Circa 30 deutschsprachigen Sender buhlten im den 90er Jahre, um die Gunst der Zuschauer und teilten sich in folgende Sparten auf:
1. Sportsender: Eurosport, DSF (Deutsches Sportfernsehen)
2. Kinder-Jugend-Sender: Nikelodeon , RTL 2, KIKA (Kinderkanal)
3. Musikkanäle: MTV, VIVA, Vh-l, Onyx
4. Info-Nachrichtensender: Ntv, Phönix
5. Kultur TV: 3 SAT, Arte
6. Unterhaltung: ARD, ZDF, RTL, SATL, Pro7, VOX, Kabel 1, RTL2, Super RTL und alle 3. Programme: NDR, RB (Bremen), WDR,
    MDR,  ORB (Brandenburg), SFB 
(Berlin), HR, SR (Saarland), BR, SWF (Südwestfunk)

Ende der 90er Jahre startete Premiere, als verschlüsselter Programmanbieter. Gegen eine Monatsgebühr konnte der Zuschauer das Angebot nutzen. Der Sender lockte mit Spielen der Fußball-Bundesliga, deren Erstvermarktungsrechte gekauft wurden. Dazu bot der Sender schnellstmöglich aktuelle Kinofilme ohne Werbeunterbrechung an. Die Bevölkerung regierte auf das Bezahlfernsehen empört und nur wenige Kunden konnte Premiere für sein Angebot begeistern.

Highlights im Fernsehen, die in der Rubrik Spaßgesellschaft noch nicht erwähnt wurden

Gewinnshows: „Wer wird Millionär“, „Der Preis ist heiß“, „Geh auf’s Ganze“, „Glücksrad“, „Ruck Zuck“, „Familienduell“,
               „Jeopardy“, „1,2 oder 3“ (Kinder)

Oldieshows: Damals war’s (MDR), Chartshows (RTL), Hit-Giganten (SAT 1)
Showevents: Verstehen Sie Spaß? (ARD), Wetten dass? ZDF), Traumhochzeit (RTL),  100.000 Mark Show (RTL), Miniplayback Show
               (RTL), Geld oder Liebe (ARD), 
Musikantenstadl (ARD), Feste der Volksmusik (ARD), ZDF-Hitparade
Krimis: Tatort (ARD), Polizeiruf 110 (ARD), Alarm für Cobra 11 (RTL), Kommissar Rex  (SAT 1), Ein Fall für zwei (ZDF),
               Großstadtrevier (NDR-ARD)

Comedy: Bully Parade (Pro7), Quatsch Comedy Club (Pro7), Switch (Pro7)
Erotik: Liebe Sünde (VOX), Peep (RTL2)
Kinder: Pokemon ((RTL2), Sailormoon (RTL2), Tigerentenclub (KIKA), Tabaluga TV (KIKA), Die Schlümpfe (Pro7),
              Gummibären-Bande (ARD) 
Internationale
Kult-Serien: Akte X (Pro7), Emergecyroom (Pro7), Alf (ZDF), Baywatch (ARD)

H. Kino

Durch neue Techniken und ein gigantisches Angebot an Filmen veränderte sich das Kino. Die Filmtheater boten nun mehrere Säle an, wodurch unterschiedliche Filme zeitgleich gezeigt werden konnten. Für Filmhighlights wurde ein Premiere-Saal eingerichtet, in dem zusätzliche Lasershows das Publikum anlockten. Zur Umsatzsteigerung wurden nun auch Snacks im Kinosaal erlaubt. Besonders beliebt war Popcorn und Cola.

Die Top-20 der Kinohits
  1. Titanic                               (1998)  Schiffsuntergang m. Leonardo di Caprio        18 Mio.
  2. Pretty Woman                   (1990)  Liebeskomödie m. Julia Roberts                     10 Mio.
  3. Independence Day            (1996)  SF- Vision von einer Alien-Invasion               10 Mio.
  4. Jurassic Park                     (1993)  Experiment mit Sauriern eskaliert                     9 Mio.
  5. Star Wars: Episode I         (1999)  Weltraum-Saga „wie alles begann“                   8 Mio.
  6. Forrest Gump                    (1994)  Drama mit Tom Hanks                                      7 Mio.
  7. MIB - Men In Black         (1997)  Will Smith als Alien-Polizist                             7 Mio.
  8. Der mit dem Wolf tanzt    (1991)  Kevin Koster lernt Indianerleben kennen          7 Mio.
  9. Der Bewegte Mann           (1994)  deutsche Komödie mit Til Schweiger                6 Mio.
10. Bodyguard                        (1993)  Whitney Houston & Kevin Kostner                   6 Mio.
11. Schindlers Liste                (1994)  Unternehmer rettet Juden vor dem Tod              6 Mio.
12. Jurassic Park II                 (1997)  Fortführung des Saurierexperimentes                 5 Mio.
13. James Bond - Goldeneye (1995)   Action-Thriller um Agent 007                            5 Mio.
14. Notting Hill                      (1999)   Liebeskomödie m. Julia Roberts                        5 Mio.
15. Armageddon                     (1998)  Weltraummission um die Erde zu retten             5 Mio.
16. Sister Act                          (1992)  Whoopi Goldberg als singende Nonne                5 Mio.
17. Robin Hood/ König d. Diebe (1991) Fantasy Version von Robin Hood                   5 Mio.
18. Die Mumie                       (1999)   Fantasy-Action um einen Mythos                       5 Mio.
19. Die Braut die sich nicht traut (1999) Komödie mit Julia Robert                               5 Mio.
20. Terminator II                   (1991)   Arnold Schwarzenegger im SF-Thriller               4 Mio. Zuschauer

Die beliebtesten Disney-Produktionen waren:
1. ,,Der König der Löwen"       2. ,,Dschungelbuch" (neuaufgelegt)                   3. ,,Tarzan“                   
4. ,,Arielle"                               5. ,,Bernhard und Bianca"                                 
6. ,,Mulan"    
7. ,,Pocahontas"                        8. ,,Die Schöne und das Biest"                           9. ,,Aladin"   
und die Klassiker ,,Schneewittchen" und ,,Bambi"

Die beliebtesten Familien-Filme:
1. „Kevin, allein zu Haus“                                2. „Familie Feuerstein“ (Realfilm)           3. „Ein Schweinchen namens Babe“      
4. „Toy-Story“                                                 
5. „Hook“ (Peter Pan)                               6. „Mrs. Doubtfire“
7. „Mr. Beam – der Katastrophenfilm“            8. „Werner Beinhart“

Besondere & Kult- Filme:
„Matrix“ (SF-Vision) - - -  „The Rock“ (Actionthriller) - - - „Pulp Fiction“ (skurrile Action) - - - Mission Impossible“ (Agententhriller)
- - - „Der Soldat James Ryan“ (Kriegsdrama) - - -
„Knocking on heavens door“ (deutsche Komödie) - - - „Lola rennt“ (Kunst-Film)

I. Kulturszene

- Bundestag (Opposition) genehmigt trotz harscher Kritik die Verhüllung des Reichstages in Berlin, durch den bulgarischen
  Aktionskünstler Christo (wurde Medienspektakel).

- Trend Bodypainting, das kunstvolle bemalen von nackter Haut.
- Klassische Werke aus Oper und Theater wurden modern umgesetzt und empören meistens den Zuschauer, so spielt Mozarts
  ,,Zauberflöte" in einer Toilettenkulisse.

- Andre Rieu (NDL) begeistert mit seinem Geigenspiel und macht den Walzer und somit auch Operettenmelodien wieder populär.
   Er selbst wird Walzerkönig genannt.

- Helmut Lotti (BEL) wird 1994 mit einer Hommage für Enrico Caruso (legendärer Tenor um 1905) bekannt und seine Klassik-CD
   (1995) erreicht in den Benelux-Staaten Rekord
umsätze. Seine Klassik-CDs klettern dort in den Album-Charts auf Platz 1 und auch in
  Deutschland bildet sich eine große Fangemeinde. Mit dem Album „Out of Africa“ wird er auch im deutschsprachigen Raum zu Star.
- Der typische Zirkus gehört der Vergangenheit an. Unter dem Zirkuszelt wird nun eine Illusion verkauft. Es wird eine Geschichte erzählt
   in der Gesang, Humor, Artistik, Zauberei 
und Dressur eingebunden werden. Vorreiter ist der kanadische Cirque du Solei, die
  fanta
sievoll, mit spektakulären Techniken und Artisten das Publikum begeisterten.
- Das entführen in Traumwelten, in dem das Gute stets das Böse besiegt, machen auch die Revue ,,Holyday on Ice" und die Programme
  im Berliner Friedrichstadtpalast beliebt.

- die Kultbuchreihe vom kleinen Zauberer ,,Harry Potter“ und die Neuauflage vom Fantasy-Roman, ,Herr der Ringe“, bewirken bei der 
  Jugend einen Lesetrend (besonders bei Mädchen).

- Das elektronische Haustier Tamagoshi, ist ein virtueller Quälgeist, der stets umsorgt sein wollte. Kinder vernachlässigten dadurch
  stark ihre Alltagspflichten (z.B.: Schule). Das 
nachfolgende sprechende Streicheltier Furby, nervte dagegen, wegen seiner babyhaften
  monotonen und fordernden Sprache.
- Die virtuellen Spiele Pokémon und Sailer Moon wurden zum Kult für die Kids. Nach dem großen Erfolg der japanischen Action-http://stuffpoint.com/pokemon/image/181173-pokemon-pokemon-ash-and-pikachu-team.jpg
  Zeichentrickserien, gab es Sammelkarten, Würfel
spiele, Puppen, Bettwäsche und Kalender, und heizten die Illusion
  an. Nintendo entwickelte 
zu den Pokémons das entsprechende Gameboy Spiel. Der Spieler startete mit ein paar
  Fantasiegeschöpfen, mit 
unterschiedlichen Fähigkeiten und setzte sie zum Kampf in der Arena ein.
  Ein Sieg war nur möglich, indem man bedacht 
die Fähigkeiten der eigenen Pokémons einsetzte. Mit dem Ziel
  Meister zu werden, erhöhte sich der Anteil von Pokémons 
pro Level. Der Game Boy ermöglichte auch per
  Linkkabel 
den direkten Wettstreit mit Freunden. Der Kult brachte über 700 Pokémons hervor, die beliebteste
  Figur war allerding 
Pikachu (Bild).

J. Sport

- Fun-Sportarten setzen sich durch und erste Meisterschaften wurden durchgeführt im Beach Volleyball, Skateboard, Snowboard, Squatch
  und Triathlon.

- Die beliebtesten Zuschau-Sportarten waren Fußball, Tennis, Boxen und die Formel 1.
- In den Fußballstadien stiegen die Zuschauerzahlen und damit auch die Eintrittspreise.
- Seit 1992 erhielt SAT 1 die Senderechte für die Bundesliga, zum Nachteil der „ARD Sportschau“. Die Fußballsendung „Run“ entfernte
  sich dabei von der renommierten Berichter
stattung und neben viel Werbung stürzten sie sich auf Skandale oder inszenierten sie. 
 
Die sportliche Leistung wurde zur Nebensache, im Fokus standen Schiedsrichter, Spieler, Trainer und Vereinsführung. „Run“ suchte
  regelrecht Fehler und bediente unsachlich den 
Frust von Fußballfans oder schürten Probleme zum Skandal.
- Großsportereignisse, wie Olympiade, Fußball EM oder WM, waren stets TV-Quoten-Hits, wodurch die Übertragungsrechte gigantische
  Ausmaße annahmen. Besonders die Privat-
Medien trieben den Preis in die Höhe, nur mit Mühe gelang es ARD & ZDF die Events an sich
  zu binden. Infolge dieses Trends erhielten prominente Sportler nun sehr viel Geld. 
Besonders im Fußball wurden Spieler mit gewaltigen
  Summen für einen Verein oder Werbeträger gelockt.  

- Mit dem Bosmann-Urteil (1995), war ein Spieler künftig nicht mehr an seinen Verein gebunden und konnte ihn nach Vertragsende
  verlassen. Darüber hinaus galten Spieler der 
EU nicht mehr als Ausländer. Waren bisher 3 Ausländer im Spielkader erlaubt, konnten die
  Klubs nun ein Superteam mit EU-Ausländern zusammenstellen. In den Top Klubs der 
Bundesliga sank der Anteil von nationalen Talenten
  gewaltig. Zudem wurde es zum Trend  
Trainer für den Misserfolg eines Klubs verantwortlich zu machen (Trainerwechsel).
- Populäre Erfolgstrainer der Bundesliga: Ottmar Hitzfeld, Otto Rehagel, Winfried Schäfer
- Bundestrainer waren Bertie Vogts (1990 bis 1998) und Erich Riebeck (1998 bis 2000). Unter beiden Trainer wurde das Nationalteam
   stark kritisiert. Die unattraktive Spielweise 
mit dem Glück im Bunde erregten die Fußballfans. Die eigentlichen Schuldigen waren die
 
  Medien, die sich permanent in die Kompetenzen der Bundestrainer einmischten und sie verunsicherten. Häufig ohne Rückhalt vom
   DFB, setzten die Trainer genervt Spieler ein, 
die von den Medien gefordert wurden, aber eigentlich nicht ins Spiel passten. Oder sie
 
  änderten auf Druck der Medien die Spielweise mit denen die Spieler aber nicht klar kamen. Aber egal wie der Trainer reagiert, bei
  einem Misserfolg prügelten die Medien weiter auf 
ihn ein.

Bundesliga in Zahlen:
Übertragungsrechte der Bundesliga:  1990:   30 Mio. €  –  2000:    350 Mio. €
Transfer-Ausgaben der Bundesliga:   1990:   24 Mio. €  -   2000:   146 Mio. €
Transfer-Einnahmen - Bundesliga:    1990:    32 Mio. €  -  2000:      55 Mio. €

Berühmte Bundesliga-Spieler / National:
Andreas Köpke, Oliver Kahn, Jens Lehmann, Oliver Reck,  // Mario Basler, Oliver Bierhoff, Fredi Bobic, Andreas Brehme, Stefan Effenberg, Thomas Häßler, Ulf Kirsten, Jürgen Klinsmann, Jürgen Kohler, Bruno Labbadia, Olaf Marschall, Lothar Matthäus, Andreas Möller, Matthias Sammer, Mehmet Scholl, Karl Heinz Riedle, Olaf Thon, Rudi Völler, Darius Wosz, Christian Ziege

Berühmte internationale Spieler in der Bundesliga:
Elber (BRA), Balakow (BUL), Yeboah (Ghana), Bratseth (NOR), Chapuisat (SWZ), Salou (Togo), Mulder (NDL), Kadlec (TSH), Kuka (TSH), Sforsa (SWZ), Polster (AUT), Cardoso (ARG), Okocha (Nigeria), Rufer (NSL), Sergio (BRA), Verlaat (NDL)