01 Zeitspiegel Teil 1

Zeitspiegel der 90er Jahre –Teil 1

Die 90er Jahre waren ein sehr widersprüchliches Jahrzehnt, das in Deutschland von einem hohen Wohlstand geprägt war und umwälzende gesellschaftliche Veränderungen stattfanden. Zum Leitmotiv wurden die Begriffe „Freiheit und Demokratie“, worunter allerdings jeder etwas anderes Verstand. Die Schlagwörter missbrauchte so mancher für egoistische Zwecken und wurden zuweilen grenzenlos interpretiert.
Bestehende Werte, Normen, Auffassungen und Gesetze wurde hinterfragt und mündeten gesellschaftlich in eine respektlose Maßlosigkeit (besonders die Medien). Der neue Geist verunsicherte die Gesellschaft, führte zu einer Gewissen Ohnmacht und schuf Extreme. Da die Bevölkerung mit sich selbst beschäftigt war, konnte die Politik im Sinne der Wirtschaft ihre Ziele durchsetzen und machten ihrerseits ihre Auffassungen von Recht und Ordnung deutlich.
Über die Medien nutzten sie den Frust der deutschen Wiedervereinigung und redeten den Ostdeutschen ein schlechtes Gewissen ein und forderten vom Westdeutschen eine finanzielle Solidarität, wodurch mental eine neue Grenze aufgebaut wurde. Die Medien waren es auch, die das Volk zunehmend beeinflussten und das gesellschaftliche Klima vergifteten. Sie prägten maßgeblich die Leistungsgesellschaft mit dem Bild des Erfolgsmenschen und förderten ein überzogenes Darstellungsgehabe. Aber immer mehr Menschen blieben auf der Strecke und wurden an den Rand der Gesellschaft gedrückt und die Schattenseiten einer chaotischen Luxusgesellschaft wurden im Alltag immer präsenter. Somit waren die 90er Jahre ein turbulentes und chaotisches Jahrzehnt mit vielen Auswüchsen und Extremen.

Zeitthemen:

1. Weltpolitik
2. Ostalgie
3. Ausländerfeindlichkeit
4. Medienfreiheiten
5. Steigende Arbeitslosigkeit

 

1. Weltpolitik

In Europa war das sozialistische Staatensystem zusammengebrochen. Die große Weltmacht Sowjetunion löste sich in Unionsrepubliken auf und bestand letztendlich nur aus Russland. Die USA waren alleinige Supermacht geworden und das motivierte sie dazu, der Welt seine Ideale zu diktierten. Mit dem Rückhalt der Westeuropäer (speziell Großbritannien, Deutschland) spielten sich die USA als Weltpolizei auf und mischten sich in die inneren Angelegen-heiten anderer Staaten. Besonders aktiv wurden sie in Ländern, die mit der Sowjetunion (später Russland) befreundet waren oder unter deren Einfluss standen.
Offiziell gaben die USA stets humanistische Gründe vor, für ihre wirtschaftlichen und militärischen Aktivitäten (Kriege) und ignorierten dabei sogar UNO Beschlüsse. Eindrucksvoll demonstrierte die USA im Golfkrieg, gegen den Irak, seine militärische Überlegenheit und unterstützten in Afghanistan die Taliban. Die USA nahmen der Sowjetunion/Russland einen wichtigen Verbündeten, aber sie unterschätzte dabei die antiamerikanische Bewegung in der arabischen Welt. Die USA galt für die arabischen Muslime als Erzfeind ihrer Kultur, die mit dem verhassten Israel und den arabischen Monarchen befreundet waren.
Mit dem Irakkrieg verstärkte sich der Hass und die Taliban zeigten der USA ihre wahren Absichten. Da die USA militärisch nicht zu besiegen war, organisierten sich der terroris-tischen Widerstand zu Al-Qaida („die Basis“). Über den fundamentalistischen Iran und Afghanistan steuerten die Terroristen zentral ihre Aktivitäten gegen Amerika und deren Verbündeten und die Muslime zum Kampf gegen die ungläubige westliche Welt aufriefen. Für die USA barg ein militärisches Eingreifen gegen den Iran und Afghanistan noch zu unkalkulierbare Risiken in sich. Sie setzten auf Zeit und warben die Muslimen mit ihrem Demokratieverständnis. Sie förderten den Aufbau eines demokratischen Iraks und engagierten sich bei der Bildung des Staates Palästinas. Beides funktionierte aber nicht so recht, sondern erzeugte nur Chaos, wodurch der Frust gegenüber den USA sogar noch weiter anstieg.
Ein weiterer Unruheherd der Weltpolitik war der Balkankonflikt, der zur Auflösung der jugoslawischen Föderation führte. Auch hier mischte sich die USA ein, um den letzten sozia-listischen Staat in Europa und den Bruderstaat der Sowjetunion zu beseitigen. Im Bosnienkrieg versuchte Serbien ein Restjugoslawen zu erhalten, aber mit der Einmischung der USA und der NATO musste Serbien diese Pläne aufgeben. Zudem war Serbien einer einseitigen Berichterstattung der europäischen Medien ausgesetzt. Sie berichten explizit über die serbischen Gräueltaten, die Verbrechen von Kroaten und Muslime wurden kaum erwähnt. Im folgenden Kosovo-Konflikt eskalierte die Situation, da Russland sich demonstrativ auf die Seite Serbiens stellte und die Pläne der USA durchkreuzten. Russland machte sich in einer Nacht- und Nebelaktion zur Friedenstruppe zwischen Serben und Albanern. Letztendlich konnte ein ohnmächtiges Russland dem Belgrader Regime nur bedingt helfen, sodass die kommunistische Regierung in Serbien abdanken und freie demokratische Wahlen zulassen musste.
Russland indes drohte im Chaos und einer existenziellen Wirtschaftskrise unterzugehen. Militärisch versuchte die Regierung wenigstens den verbündeten Ländern zu helfen und griff in den Kaukasuskonflikt militärisch ein. Ein schwaches Russland motivierte zudem die Völker im Land ihre Unabhängigkeit zu fordern. Die Tschetschenen riefen als erste ihre Autonomie aus. Es bestand die Gefahr, dass Russland auf ein kleines Gebiet rund um Moskau zusammenschmelzen könnte. Um einen Flächenbrand zu verhindern, fielen russische Truppen in Tschetschenien ein. Der Krieg mündete in einem Guerillakampf der Tschetschenen und terroristischen Aktionen gegen Russland. Der Konflikt forderte auf beide Seiten viele Tote, mit Gräueltaten hüben wie drüben.

2. Ostalgie

Deutschland war wiedervereinigt, doch der Jubel in Ost und West war verflogen, was blieb war die Ernüchterung. Die ehemalige DDR Bürgern kamen sich kolonialisiert und als Fremde im eigenen Land vor. Der Bürger fühlte sich weit entfernt von den versprochenen „blühenden Landschaften“ (Kanzler Kohl).

                     Die drei Säulen der Ostalgie, dem verärgerten Umdenken der ehemaligen DDR-Bürger
             Wirtschaftstalfahrt
  Marode Wirtschaft erhielt
      den Todesstoß, durch ...
          Ideologische Säuberung
  Kulturelle Identität ging verloren,    
  durch ...
            Privater Abstieg
  Sozialer Niedergang statt
  „Blühenden Landschaften“, durch ...
→ teure D-Mark, kappte be-
     stehende Exportverträge
→ Boykott von Ostwaren und
     Produkten im Handel
Treuhand GmbH blockierte
     Eigeninitiativen oder den
     Verkauf an interessierten
     ausländischen Firmen
→ Rückgabegesetzt ruinierte
     Firmen (Betriebsgelände)
→ einige Westchefs führten
     Firmen absichtlich in die
     Insolvenz
→ Mit dem Einfluss der West-
     industrie wurde versucht  
     eine Ostkonkurrenz zu
    verhindern
→ Funk und Fernsehen wurden
     trotz Proteste abgewickelt
→ Abwerbungspraxis (z.B.
     Ausverkauf der Fußballklubs )
→ Diffamierungskampagne (z.B.
     wurde ein Dopingverdacht 
     gegen alle ehemaligen DDR
     Spitzensportler erhoben )
→ beliebte Konsumprodukte /-
     Waren wurden boykottiert
→ Zerfall oder Abriss von
     Kulturgebäuden der DDR,
     z.B. „Palast der Republik“
     oder Jugendklubs
→ Ignoranz (DDR Künstler oder
     Werke wurden nicht mehr
     vermittelt bzw. aufgeführt
→ Vermögensschwund durch die
     D-Mark (halbieren des Ersparten)
→ geringeres Einkommen (70%) bei
     gleichen Lebenshaltungskosten
→ hohe Arbeitslosigkeit (17 %, im
     Westen zwischen 5 und 8 %)
→ geringe Rente = dadurch Sozialfall
Rückgabegesetz brachten viele
     Hausbesitzer um ihr Grundstück
→ die ungewohnten Bürokratie baute
     ein Gefühl der Schutzlosigkeit auf
→ Denunzierungspraktiken, um 
     vermeintliche Stasivergangenheit
→ fühlten sich gegenüber Ausländern
     benachteiligt, rechtlos und existen-
     ziell bedroht, wodurch sich eine
     Ausländerfeindlichkeit entwickelte
Dadurch wurde der Osten zu einer Wirtschaftswüste:  
Hohe Arbeitslosigkeit und diverse Firmenpleiten - - -  Niedriglohn, der angeblich Westfirmen motivieren sollte
im Osten zu investieren - - -
da wenig geschah, wanderte
die Jugend in den Westen ab  
Auf die Widerstände im Osten entwickeln die Medien das Bild vom OSSI.
Medien konstruieren das Image, dass der OSSI aufsässig, faul und undankbar sei, zudem ausländer-feindlich ist. Dabei fühlt er sich fremd im eigenen Land, dem man seine Identität genommen hatte.
Soziale Ungerechtigkeiten, unsachliche Vorwürfe von Ausländerfeindlichkeit und Stasiverleumdungen entfachen eine unbändige, zuweilen unkontrollierte Wut.
Kaum ein Politiker versucht die Ängste und Nöte im Osten zu verstehen und
die Medien trampeln auf den Befind-lichkeiten der OSSIs herum.

                                                                          

                                                                                 Daraus resultierte die Ostalgie!!
                                                Aus einer Trotzhaltung heraus, kehrte der OSSI zu seinen Wurzeln zurück!

⇒ OSSI wird zum Ehrenname und Wort des Protestes gegen die Bundespolitik  
⇒ sie fordern demonstrativ ihre Ostprodukte zurück und kaufen bewusst Produkte aus den  neuen Bundesländern auf Märkten, worauf
     Supermarktketten reagieren und Ostwaren in 
ihr Sortiment aufnehmen
⇒ sie hören wieder bewusst DDR Musik (Puhdys, Karat, Silly), veranstalten Ostrockpartys 
und Konzerte von DDR Künstlern sind
     häufig ausverkauft    

⇒ die ehemalige Partei SED, die sich nun PDS nennt, wird zur Ossi-Protestpartei, auch wenn die Partei zu wenig, die Probleme des
    Ostens, bundesweit populär machte

⇒ provokativ feierten sie ihre ehemaligen DDR Sportler und jene, die aktuell (gebürtigen) aus dem Osten stammten und werteten
    Dopingvorwürfe als böswillige Unterstellung

⇒ Hansa Rostock, als einziger Ostklub in der Bundesliga, wurde der FC zum Wallfahrtsort nicht nur von Fußballfans. Man identifizierte
     sich mit dem Klub, der zum Symbol des 
Kampfes zwischen Ost und West wurde. Im Zuge dessen, wurde der ehemalige Stasiklub
     BFC Dynamo zum trotzigen Sinnbild einer wiederauflebenden Begeisterung zur ehemaligen DDR. Viele ehemalige DDR-Klubs
     waren in der Folgezeit geprägt von der 
Ost-West-Intension, speziell bei den Fans von Dynamo Dresden und Union Berlin.
⇒ Auf Druck des Publikums lässt der MDR, als einziger ostdeutsche TV-Sender die alten Sendungen, Filme und Musik des DDR-
     Fernsehens wieder aufleben. Mit enormen 
Einschaltquoten dankt der Zuschauer dem MDR. Nachdem die Privatsender (RTL und
     SAT1) ebenfalls DDR-Filme zeigten und erfolgreich eine DDR-Show produzierten, zogen selbst die westlichen 3. Programme nach.
⇒ Der Ostalgie-Trend bewirkte, dass zahlreiche CDs (Musik) und DVDs (Filme), im Handel erschienen und die Märkte extra Rubriken
    (Regale) dafür einrichteten. Der Absatz war 
im Osten enorm, aber auch im Westen gab es ein großes Interessen an der DDR-Kultur.

Politiker hofften, dass die Ostalgie eine kurze Mode-Erscheinung sein würde, aber zu tief saßen die Erfahrungen nach der Wende. Zahlreiche Bürger befanden sich am Existenzminimum (Arbeitslosigkeit, geringer Lohn). Auch das Rückgabegesetz und die Vermögensteilung brachte viele Menschen um ihr Hab und Gut (verloren ihren Besitz; 10.000 DDR-Mark wurde 2:1 getauscht, das Ersparte darüber hinaus 4:1). Die Ostdeutschen waren nun zwar Bundesbürger, aber anfangs standen sie vor den verlocken-den Schaufenstern oder vor dem Kino und verfügten nicht über die finanziellen Mittel. Selbst die Preise in ihrem Lieblingsrestaurants waren zu teuer geworden.
Politiker oder Prominente verbreiteten über die Medien Halbwahrheiten und Lügen über die Ostdeutschen und interviewten gezielt verbitterten Personen, die unter dem DDR-Regime gelitten hatten. Mit diesen einseitigen Darstellungen trampelten die Medien auf die Gefühle /Befindlichkeiten der Ostdeutschen herum, da nicht differenziert wurde. Man wollte nicht Begreifen, dass DDR-Staat und DDR-Kultur zweie verschieden Dinge waren. Überheblich zeigte der Westen Verständnis für den Ostbürger, der auf Grund der Diktatur noch viel zu lernen hatte. Herablassend wurde der Begriff Ossi geschaffen, worauf der Osten verärgert auf die westliche Überheblichkeit und Arroganz mit dem Begriff Wessi (Besserwessi) reagierte. Da die Politik wenig ehrliches Verständnis den Ostdeutschen entgegenbrachte und nur Belehrungen, Vertröstungen oder gönnerhaftes Getue zeigten, münzte der Osten die Bezeichnung Ossi zum Ehrennamen um.
Trotzig ließen sie die DDR-Kultur (Ostalgie) wieder aufleben und schufen sich, wie zu DDR-Zeiten, eine Parallelgesellschaft, in der kein Platz für Wessis war. Politiker und Medien fingen an von der „Mauer in den Köpfen“ zu reden, dabei waren sie es die eine mentale Grenze zwischen Ost und West gruben. Wirtschaftspolitisch versuchten sie dem Ossi ein schlechtes Gewissen einzureden und hetzten den Wessi gegen den Osten auf, unter anderem sollten sie solidarisch zahlen, weil die Wiedervereinigung (angeblich) treuerer wurde als erwartet. Verhärtete Fronten zwischen Ost und West entstanden, aber zum Glück gingen auch viele Bürger aufeinander zu. Besonders in Berlin, wo Ost und West schon territorial eng verbunden waren. Allerdings wurden hier die Gehälter dem Westen schritt-weise angepasst, somit konnte sich auch in Ostberlin eine Mittelschicht etablieren, mit einem steigenden Wohlstand. In den anderen neuen Bundesländern stieg der Wohlstand dagegen  behäbig an und der Frust prägte lange Zeit das Verhältnis zwischen Ost und West.
Die Politik setzte indes auf die heranwachsende Jugend. Sie sollten nicht weiter der DDR anhängen, sondern nach Karriere, Wohlstand und Konsum streben sollte. Das funktionierte nur bedingt, da die Jugendarbeitslosigkeit zu hoch war und ein respektables Leben für Alleinstehende recht schwer war. Gegen Ende des Jahrzehnts schienen sich die Gemüter insgesamt beruhigt zu haben, aber es war nur ein gefährlicher Dämmerzustand. Der Osten ging kulturell seinen eigenen Weg und insgesamt warteten die Unzufriedenen und Resignierten auf eine neue politische Wende. Sie hofften auf eine politische Kraft, die endlich den Bürger ernst nahm und ihm zuhörte.
Die steigende Zahl der Nichtwähler war dafür ein Beleg und erste Signale wurden deutlich. Immer mehr Menschen wählten alternativ und davon profitierten besonders die radikalen Strömungen (REP, NPD, DVU). Die Weichen für das neue Jahrtausend waren gestellt, doch steuerte Deutschland zunächst in eine ungewisse Zukunft.    

Überblick der Verschmelzung der Ost-Parteien zu den West-Parteien:
CDU = CDU; LDPD = FDP; SDP = SPD; NDPD50% CSU & 50% DVU ; Bündnis 90 = Grüne. Die SED gab sich den Beinamen
Partei 
des Demokratischen Sozialismus (PDS). Unter den Vorsitzenden Gregor Gysi wurde der Name SED gestrichen und nannte
sich nur noch PDS (später Fusion zur Linken).

Prominente Ostpolitiker, die mit Stasi-Vorwürfen zum Rücktritt gezwungen werden sollten:
Lothar de Maiziere: Vorsitzender der Ost-CDU und erster frei gewählter Ministerpräsident der DDR. Im vereinigten Deutschland
wurde er stellvertretender CDU Vorsitzender. Auf- grund von massiven Stasivorwürfen trat er im Herbst 1991 von seinem Amt zurück.

Ibrahim Böhme: Mitbegründer der SDP in der DDR, gehörte zum Vorstand der SPD in der BRD.
Wegen Stasi-Vorwürfen wurde er 1992 von der SPD ausgeschlossen.

Manfred Stolpe: Dem beliebten Ministerpräsidenten von Brandenburg, wurde 1993 ebenfalls eine Stasimitarbeit unterstellt. Er gab zu,
dass ein Kontakt in seiner Funktion in der evange-lischen Kirche zwangsweise (*1) nötig war, aber nie jemanden geschadet habe.
Ein starkes
Bekenntnis der Brandenburger ließ ihn weiter Ministerpräsident bis 2002 sein, bis man ihn mit einem Ministerposten beauf-
tragte und somit nicht mehr die kritsche Stimme Brandenburgs war.

Gregor Gysi: Vorsitzender der reformierten SED als PDS, stand seit 1990 ständig im Kreuzfeuer der Kritik und wurde mit etlichen
Stasivorwürfen bombardiert. Als Rechtsanwalt ergaben sich auch für ihn zwangsweise (*1) Kontakte. Trotz Medienschelte erwarb sich
Gysi im Osten große Sympathien, die die Westbürger nur wenig nachvollziehen konnten.

*1= Bei bestimmten gesellschaftlichen Positionen und besonders im kirchlichen Bereich, stand jeder unter der Kontrolle der Staatssicherheit und wurde auch von ihnen unter Druck gesetzt. Häufig war es erforderlich gewisse Kompromisse einzugehen (abzuwägen), um seine Arbeit fortsetzen zu können. Die Frage war, inwiefern eine Mitgliedschaft notwendig war, um die eigentlichen Ziele (etwas bewirken können) erreichen zu können, ohne dabei Andere zu schädigten. Noch einmal sollte hier unterstrichen werden, welchen Druck die Staatsicherheit der DDR ausübte. Höchstwahrscheinlich wurde die Mehrheit der Stasiinformanten unter existenziellen Druck gesetzt. Entscheidend ist daher, inwiefern ein Mitgliedern die Stasi aktiv unterstützte und Personen schädigte.  Anderseits sollte man stets bedenken, dass auch Paulus einmal Saulus (Bibel) war oder „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

3. Ausländerfeindlichkeit  (Ossis, REP, Muslime)

Bedingt durch die Krisenherde in der Welt (Balkan, Irak) und dem hohen Wohlstand in Deutschland, erweiterte die Regierung das Gesetz zur Aufnahme von Asylanten. Zahlreich kamen sie daraufhin ins Land und brachten eine Reihe von Problemen mit sich. Speziell im Osten, wo Arbeitslosigkeit und soziale Unsicherheiten existenzielle Ängste schufen, verschärfte das Ansiedeln von Ausländern Anfang der 90er Jahre die Situation.
Die Ostdeutschen hatten den Eindruck, dass die Ausländer großzügiger versorgt wurden, als sie selbst. Obendrein waren sie Billigarbeitskräfte, die auf den Arbeitsmarkt strömten und die Arbeitslosigkeit der Ostdeutschen verstärkten. Neben den sozialen Auswirkungen stieg durch die Ausländer die Kriminalität (Diebstahl, Gewalttätigkeiten) deutlich an. Zudem ignorierten sie die gesellschaftlichen Normen und Verhaltensregeln. So machten sie lautstark die Nacht zum Tag, belästigten oder bedrängten Bürger in vielerlei Hinsicht, bedienten sich in privaten Gärten und verschmutzten Parkanlagen oder legten ihr Taschengeld in zwielichtige Dinge an. Solche und ähnliche Verhaltensweisen von Ausländern, mündeten in eine Vielzahl von begründeten Beschwerden, Klagen und Protesten.
Aber im Sinne der propagierten Bundesmeinung Ausländern helfen zu müssen, reagierten die Kommunalpolitiker nicht, um nicht als ausländerfeindlich zu gelten. Stattdessen warben sie bei der Bevölkerung um Verständnis für die fremden Kulturen und gingen ungewöhnlich liberal gegen kriminelle Auswüchse vor, worauf wütenden Proteste der Bevölkerung folgten. So mancher Bürger fühlte sich durch die Politiker verhöhnt und das nicht nur im Osten. Neonazis machten sich zum Rächer der Bürger und gerieten in die Schlagzeilen durch ihre Übergriffe im Westen. Jedoch über die Medien thematisierte die Politik den Protest im Osten. Die westdeutschen Neonazis fanden, durch die verschärfte soziale Situation im Osten, den Nährboden für ihre Ziele und erfreuten sich einem regen Zulauf. Nachdem jegliche Kritik an Ausländern von den Medien als ausländerfeindlich ausgelegt wurde, stieg auch die Zahl von Sympathisanten und eine Eskalation, war nur noch eine Frage der Zeit.

In Rostock Lichtenhagen entzündeten sich 1992 Übergriffe auf ein Ausländerwohnheim. Hunderte verärgerte Bürger behinderten die Polizei, die die westdeutschen Neonazis aus Hamburger halbherzig stoppen wollten. Das vermeintlich leere Gebäude geriet in Brand und die Demonstranten jubelten den Neonazis zu. Das sich im Gebäude jedoch Asylanten aufhielten, schockte die Protestierenden draußen, zumal es Vietnamesen waren. Schon zu DDR-Zeiten lebten Vietnamesen im Land, mit denen es nie Probleme gab. Die Reue der Rostocker folgte prompt und sie zeigten sich zutiefst betroffen und schämten sich, den Neonazis auf den Leim gegangen zu sein und verurteilten deren Aktion heftig. Von nun an wurden die Medien nicht müde auf alle Ostdeutschen einzuprügeln, dass seine Wirkung nicht verfehlte und den Ostdeutschen Protest verstummen ließ. Die Mehrheit der Bürger im Osten schämte sich für die Vorgänge in Rostock.
Kaum jemand wagte es die Asylantenpolitik zu kritisieren, denn niemand wollte als ausländerfeindlicher Neonazi beschimpft werden. Doch im Grunde trugen die Politiker und die Medien eine gehörige Mitschuld, nicht nur an den Übergriffen in Rostock. Sie reagierten nicht auf berechtigte Kritiken und so drängte sich der Gedanke auf, dass eine Eskalation gewünscht war, um den sich verstärkenden Protest im Osten zum Schweigen zu bringen. Denn ausländerfeindliche Aktionen gab es weiterhin bundesweit, aber nur die Über-griffe im Osten wurden thematisiert.
Auf Initiative der Rot-Grünen Regierung, wegen der anhaltenden Gewalt, wurden für die Migranten Anordnungen zum besseren Schutz und Programme zur Eingliederung umgesetzt. Die Gesetzesvorlagen berücksichtigten aber nicht, die Sorgen und Nöte der Bundesbürger und sahen in den Beschlüssen einen Freibrief und Bevorzugung für Ausländer. Wütende Kritik wurde mit dem Vorwurf der nationalistischen Ausländerfeindlichkeit Mundtot gemacht. Enttäuscht und verärgert fühlte sich der Bundesbürger mit seinen Klagen nicht ernst genommen, wodurch sich ein gewaltiger Rechtsruck entwickelte.
REP (Republikaner), DVU und NPD lagen Mitte der 90er Jahre wieder im Aufwärtstrend, da sie sich aber gegenseitig die Wähler wegnahmen konnte kaum eine dieser Parteien die 5% Hürde überspringen. Wirkungsvoll war ebenso eine intensive Medienkampagne, die das Gespenst von einer möglichen nationalistischen Diktatur zeichnete. Obwohl eine große Mehrheit der Deutschen zur Protestwahl neigte, waren sie verunsichert und scheute sich Rechte Parteien zu wählen. Im Osten wählten deshalb die Protest-Bürger alternativ die PDS und im Westen zogen so Bürgerinitiativen in einige Länderparlamente ein. Die allgemeine politische Verunsicherung führte auch zum starken anwachsen der Nichtwähler.
Abseits der Politik machten die Jugendlichen ihren Frust deutlich, die nach ihrer Meinung sowieso versagte. Sie empfanden die Asylanten als bevorzugt, in Punkto soziale Leistungen und bei der Arbeitsplatzsuche. Die einen ergriffen Selbstjustiz gegen die Ausländer und andere reagierten sich im Konflikt mit der Staatsmacht (Polizei) ab. Der Aufschrei nach Gerechtigkeit, der sich dahinter verbarg, stieß auf taube Ohren und wurde von der Politik kriminalisiert und als ausländerfeindlich betrachtet. Doch die Mehrheit der Jugendlichen war einfach nur gefrustet, von ihrer eigenen Situation und sahen in den Zustrom von Asylanten eine existenzielle Gefahr. Dafür spricht, dass es keine ausländerfeindlichen  Übergriffe auf Westeuropäer (Franzosen, Briten, Italiener) gab.
Selbst die Türken gerieten nur bedingt in den Strudel ausländerfeindlicher Aktionen und waren überwiegend Opfer von Neonazis. Viele türkische Bürger wohnten bereits seit den 70er Jahren in Deutschland und wurden mehrheitlich als Einheimische betrachtet. Allerdings passten sie sich, nur nach außen hin, der deutschen Kultur an. Wegen ihre Konzentration in bestimmten Stadtvierteln von Großstädten, lebten sie aber ihre muslimische Traditionen und  Kultur weiter. Das führte noch in den 70er und besonders in den 80er Jahren zu Problemen. Einerseits standen sich anatolische und kurdische Türken immer häufiger feindlich gegenüber und übertrugen ihre Konflikte auf ihr deutsches Umfeld. Dann gab es religiöse Rangeleien zwischen fundamentalistischen und liberalen Muslimen. Besonders durch Fundamentalisten stieg das Konfliktpotenzial zu den Deutschen stark an. Verbunden mit ihrer islamischen Gläubigkeit entwickelten sie eine hohe kriminelle Energie beim Durchsetzen ihrer Glaubenslehren. Von Anfang an standen den Türken deshalb die Neonazis feindlich gegenüber. Verschärft wurde der Konflikt durch den fanatischen Iran, wodurch der muslimischen Dschihad und die Scharia als eine Kriegerklärung gegen das Abendland (Europa) von den Nazis verstanden wurden. Sie sagten dem iranischen Fundamentalismus (80er Jahre) den Kampf an, zumal sich die religiöse Haltung der Türken in Deutschland dahingehend veränderte.
Radikale Muslime richteten auch ihren Zorn gegen Türken, die zu europäisch lebten und sich von der Verderbtheit der deutschen Gesellschaft anstecken ließen. Sie gaben den deutschen Politikern eine Mitschuld am arabischen Elend, zumal Deutschland mit den USA und Israel befreundet war. Innenpolitisch beklagten sie, ausgenutzt und gesell-schaftlich nicht akzeptiert zu werden. Tatsächlich waren sie nicht bereit, sich gesellschaftlich zu integrieren, da sie das deutsche Grundgesetz im Hinblick auf ihren Glauben nicht anerkennen wollten. Somit blieb zwischen Türken und Deutschen das Verhältnis angespannt. Allerding haben auch hier die Medien einen großen Anteil daran, die Vorurteile zu den Türken aufbauten und sie als extrem gewaltbereit und hinterwäldlerisch bezeichneten.

4. Medienfreiheiten (Politverdossenheit, Yellow Press, Paparazzi )

Die privaten Medien (TV, Radio) setzten sich immer mehr in Szene und gewannen an Ein-fluss in der Meinungsbildung. Beeindruckte das privat TV und Radio in den 80er Jahren vor allem mit ihrer innovativen Kreativität (Showsendungen, durchgehendes TV-Programm, Tabu-Filmangebot), so lockten sie nun mit ihrem respektlosen Journalismus eine steigende Zahl von Zuschauern/Zuhörern an. Da den Sendern hohe Einschaltquoten viel Geld einbrachten (Werbung), bedienten sie die Neugier der Menschen und nahmen es mit dem Respekt vor der Menschenwürde nicht so genau. Die Sender wollten provozieren und mit sensationellem und empörendem Dingen, die Ahnungen der Menschen bestätigen und berichteten gern über korrupte Politiker oder inkompetenten Behörden. Zudem sollten sich die Leute daran erlaben, dass auch die Prominenten, die Reichen und Schönen, diverse private Probleme hatten.
Auf die Menschen wirkte das aufbauend, selbstbestätigend und befriedigend, wenn sie hinter die Fassade der Mächtigen blicken durften. Ähnlich wie bei den TV-Soaps „Dallas“ und „Denver-Clan“ wurden damit die niedrigen Gelüste der Selbstaufwertung gestillt. Eindrucks-voller war nun die reale Ebene. Der Bürger konnte sich zufrieden mit seinen Problemen zurücklehnen, die im Vergleich zu den Prominenten an Bedeutung verloren. Die TV-Sender deckten Finanzskandale und unseriöse Machenschaften auf. Sie empörten sich über den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin, der kostenintensive Folgen hatte und nicht nötig gewesen wäre, im Hinblick auf die Staatsverschuldung und der Wirtschaftskrise.
Dazu deckten sie neue Parteispenden-Affären auf und erregten sich über die unverschämte Aufstockung der Diäten (Gehälter der Parlamentarier). Angesichts der Arbeitslosigkeit und dem sozialen Abbau wurde das Treiben der Politiker als Hohn empfunden. Durch solche Meldungen kehrten die Menschen der Politik zunehmend den Rücken, denn egal welche Partei man wählte, sie redeten alle nur, waren korrupt und keiner handelte.   
Die Medien erkannten, dass das politische Gewäsch kaum noch jemanden interessierte. Von den internationalen Themen, wie Balkankrieg, Nahost-Konflikten oder dem Feindbild Russland und China, hatte der Bürger ebenso genug. Amüsanter war da die Lewinsky Affäre, in der sich US Präsident Clinton angeblich von seiner Praktikantin sexuell verwöhnen ließ. Im Gegensatz zur USA schmunzelte Europa über den Skandal. Ebenso wurde mit Schaden-freude, die Computerpanne bei den USA-Wahlen registriert, wovon allerdings der unbeliebte George W. Bush profitierte.
Innenpolitisch war der West-Bürger genervt und Ost-Bürger erregt, wenn die Politik wieder einmal über den Osten herzog. Wenn sie erneut den „Ossi“ als undankbar und ausländerfeindlich bezeichneten und den Prominenten des Ostens eine Stasivergangenheit unterstellten oder dem Osten vorwarfen, sie seien schuld an der Wirtschaftskrise. Um den Wust an Ärgernissen zu kompensieren, wuchs die Politverdrossenheit und strafte die Politik mit Ignoranz. Der Bürger flüchtete in private Nischen, strebten danach seinen eigenen Wohlstand zu mehren und sich gegenüber anderen aufwertend darzustellen.
Die Jugend flüchtete in die Musik, wollte das Leben genießen und nahm sich Freiheiten heraus. Ob Apokalypse oder überzogene Spaßgesellschaft, die Freiheiten dazu wurden selbst festlegt und ignorierten Verbote. Im Zuge der individuellen Kreativität wurden im Nachhinein die Grenzgänger (Verbote) als Pioniere aufgewertet. Auf der Basis einer sich verändernden Gesellschaft und der Akzeptanz von grenzwertigen Erscheinungen, änderte sich auch das Spaßverständnis. Bewusst wurden Tabugrenzen durchbrach, wurden vulgär und abartig und geschmacklos. Im Gegensatz zu den staatlichen Sendern (ARD, ZDF), bedienten die privaten Sender (RTL, SAT1) schnell die neuen Trends und waren deshalb in den 90er Jahren sehr beliebt.
Die Regenbogenpresse punktete dagegen mit kompromittierenden Fotos von Prominenten, drang in deren Privatsphäre ein und verfälschten bewusst Interviews. Für die private Medienlandschaft wurden beleidigende Akzente zum Stilmittel. Sie setzten sich bewusst über die Menschenwürde hinweg, verbreiteten Lügen oder Halbwahrheiten. Sie brachten gezielt Menschen in peinliche Situationen oder machten sich lustig über sie. In einer bis dahin beispiellosen Weise wurden Menschen vorgeführt, bloßgestellt und zu tiefst in ihrer Seele verletzt. Die Mehrheit der Bürger war allerdings begeistert von den Missgeschicken anderer und konnte ihre Schadenfreude ausleben. Kaum jemand machte sich Gedanken darüber, wie sich die Opfer dabei fühlten.
Für jene Menschen war es weniger amüsant, sondern hinterließ bei ihnen oft schwere psychische Schäden, bis hin zu Suizidgedanken. Dazu kam, dass die Betroffenen eigentlich keine Möglichkeiten hatten sich zu wehren. Klagen vor Gericht dauerten zu lange und häufig war nicht feststellbar, wer der Urheber einer Beleidigung oder Lüge war.
Nicht selten blieben Klagen deshalb erfolglos. Hinzu kam, dass im Spaßtrend kaum noch jemand wagte gegen die Medien zu klagen. Keiner wollte als Spaßbremse gelten und den Medien einen Anlass geben, jetzt erst recht auf einem einzuprügeln.
Mit dem Zuschauer/Zuhörer/Leser im Rücken, verfügten die Medien über eine sehr hohe Popularität und somit über ein Machtpotenzial. Im Ringen um Einschaltquoten und Verkaufs-zahlen, hatten außerdem Meldungen über Mord und Todschlag, Skandalöses, Kurioses oder Getratsche Hochkonjunktur. Der Verbraucher wollte unterhalten werden, um den grauen Alltag zu vergessen. Versuche die Medien in eine renommierte Berichterstattung zu zwingen, wurde sofort als Eingrenzung der Pressefreiheit bezeichnet.
Im Fernsehen wurden Talkshows populär, die auf ein Seelenstriptease von Personen zielten und sich das Publikum am Elend anderer ergötzen konnten. Journalisten eilten zu Unfallorten und zu Katastrophe, aber statt zu helfen, behinderten sie eher die Helfer. Den Fotografen ging es vor allem um eindrucksvolle Bilder einzufangen, um dann die Exklusivrechte teuer an die Medien zu verkaufen. Reporter strebten rührselige Storys an, die dann dem Sender hohe Einschaltquoten brachten. Gab die Story nicht viel her, wurden Unwahrheiten eingestrickt. Das Elend anderer wurde zum Geschäft, mit einer gespielten Anteilnahme, die in Wirklichkeit nur am finanziellen Nutzen interessiert war. Seit den Geiselnehmern von Gladbeck (1988) wusste die Bevölkerung, wie widerwärtig Journalismus sein kann, der den Tod der Geiseln indirekt zu verantworten hatte. Aber leider vergisst der Mensch sehr schnell.
Auf jeden Fall machte ein neues Wort die Runde: Paparazzi!
Der Begriff wurde für Reporter verwendet, die besonders respektlos und rücksichtslos bei ihrem Handeln vorgingen und die Grenzen des Erlaubten durchbrachen. Paparazzi waren in der Regel freie Journalisten, die ihr Produkt meistbietend verkauften. In ihrer Geldgier inszenierten einige von ihnen sogar Situationen oder verfälschten Fakten mit den neuen technischen Möglichkeiten. Besonders im Brennpunkt stand stets das Privatleben von Prominentem, mit einem hohem öffentlichem Interesse.
In England erschütterte der tragische Tod von Lady Diana (GBR) die Welt, den letztendlich  Paparazzos verursachten. Auf der Flucht vor den sensationslüsternen Jägern verunglückte ihr Wagen und sie starb. Eine Welle der Empörung schlug den Paparazzi entgegen und zahlreiche Übergriffe waren die Folge. Und die nachfolgende gigantische Anteilnahme an der Trauer-feier, würdigte nicht nur die beeindruckende Persönlichkeit, sondern klagte auch massiv den Sensationsjournalismus an. Schnell versiegte jedoch die Empörungswelle und die Menschen geiferten wieder nach Neuigkeiten und Skandalösem.
Es entwickelte sich ein Überangebot von Meldungen und auf die Überflutung reagierte die Bevölkerung abgestumpft. Es musste nun schon Einzigartig sein. Von kleinen Aufregern wurde kaum noch Notiz genommen. Auch die Diskussion zum Grundgesetz ermüdete die Bevölkerung. Zur Disposition in seiner Wertigkeit stand der §5 (Medienfreiheit) gegenüber dem §1 (Menschenwürde). Auf der Jagd nach Einschaltquoten war den Sendern (RTL, SAT1, Pro7) die Menschenwürde scheinbar egal und bestanden auf ihre Medienfreiheiten. Ab Mitte der 90er Jahre verloren die privaten Medien an Zuspruch und die Popularität der der öffentlich Rechtlichen Sender (ARD, ZDF, Dritten) stieg wieder an. Die Privatsender versuchte verlorenen Boden gut zu machen. Verstärkt wurden erotische Filme (zum Teil pornografisch) oder Shows gesendet, zeigte unzensierte Horrorfilme und Thriller oder diverse TV-Soap, wobei der Anteil von Comedyserien („Eine schrecklich nette Familie) anstieg. Mit Showsendungen erzielten die TV-Sender meistens hohe Einschaltquoten. Häufig mussten Kandidaten extreme Aufgaben erfüllen und konnten viel Geld gewinnen. Mit neuen provokativen TV-Formaten stürzte man sich auf Politiker und Prominente, um sie zu demaskieren oder man deckte Schlampereien von Behörden und Firmen auf.
Trotz alledem, wechselte besonders das ältere Publikum wieder zu ARD und ZDF. Das lag besonders darin begründet, dass den Zuschauern bei RTL und SAT1 die ständigen Werbeunterbrechungen bei Filmen nervten. Ebenso konnten sich die älteren Zuschauer nicht an den vielen US-Serien erfreuen, zudem ärgerte sie der unsachliche Journalismus der Sender, der marktschreierisch den Bürger gegen etwas aufhetzte. Besonders die 3. Programme holten das Publikum zum staatlichen Fernsehen zurück. Sie punkteten mit regionalen Bezügen und erfüllten spezifischer Zuschauerwünsche. Der MDR wurde beispielsweise zum Lieblingssender der Ostdeutschen, der den Wünschen der Ostalgie nachkam.
Insgesamt prägte aber das Fernsehen eine Meinung und auch ARD und ZDF übernahm den erfolgreichen Stil der privaten Sender, mit sloganartigen Meldungen, ohne umfassende Hintergründe und Fakten zu vermitteln. Dem Zuschauer wurde eine Meinung suggeriert und gezielt eine gewünschte Weltsicht propagiert. Das Wort Bildleserniveau machte die Runde und meint damit den oberflächlichen Journalismus, der auf Halbwahrheiten und Annahmen beruhte und mit knappen Sätzen den Menschen informierte. Die Sachlichkeit wurde dabei einspart und ausführliche Informationen zu einem Fakt vermieden. Auf dieser Basis manifestieren sich Kernsätze, die zu Überzeugungen wurden, die mitunter mit Lügen gestützt wurden und somit die Masse zu einer gewünschten Meinung leiteten. Die Medienfreiheit wurde daher zum Instrument der Meinungsbildung und für die Politik interessant. Über die Medien konnte die Politik den Bürger jetzt besser erreichen, als je zuvor und nahm diesbezüglich Einfluss auf die Sender. Damit der Eindruck von unabhängigen Medien erhalten blieb, ließen die Politiker bestimmte, aber auch gezielte Angriffe auf sich zu. Nicht selten wurde damit ein unbequemer Politiker denunziert.
Letztendlich ist es aber die Wirtschaft, die bestimmte Interessen durch setzte und als Instrument die Politik benutzte. Somit sind die Medien auch ein Instrument der Wirtschaft. Wer aber nun direkt oder indirekt die Sender beeinflusste ist verschieden und nicht deutlich erkennbar. Soll auch nicht erkennbar sein! Auf jeden Fall sollen sie auf den Bürger Einfluss nehmen und das erreichen sie, indem sie die Neugier des Bürgers und andere egoistische Triebe befriedigen, damit sich der Mensch emotionell aufgewertet und besonders fühlt.

5. Steigende Arbeitslosigkeit

Für den Bürger drängte sich der Eindruck auf, dass die Politik keine Probleme des Volkes lösen wollte, sondern die Menschen vertröstete oder hinhielt. Denn stand wirklich einmal ein effektives Gesetz zur Disposition, konnten die Parteien sicher sein, dass die Opposition es ablehnen würde. Obendrein brachten Wortklaubereien oder wahlstrategische Argumente ein Gesetz zum Scheitern, wodurch die Regierung handlungsunfähig wirkte. Für den Bürger galt es, bei den Bundestagswahlen das geringste Übel zu wählen. Die Frage hieß SPD oder CDU oder lieber doch die liberale FDP. Die Grünen waren der älteren Generation zu anarchistisch und die PDS war die Protestpartei des Osten (um 20%), die den Westdeutschen zu kommunistisch war.
Die Wahlbeteiligung fiel auf durchschnittlich 80%, mit sinkender Tendenz. Zu jeder neuen Wahl trugen sich alternative Bürgerinitiativen oder Parteien ein. Regional schafften es einige Organisationen ins Landesparlament, die aber bei der nächsten Wahl wieder heraus fielen. Stets im politischen Brennpunkt stand der Arbeitsmarkt und damit verbunden die hohe Arbeitslosigkeit.
1991 betrug die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 2,6 Millionen (= 7,2%) und stieg 1995 auf 3,6 Millionen (= 10,4 %) an und erreichte den Höhepunkt 1997 mit 4,4 Millionen (=12,7%). Im Osten war die Quote stets am höchsten und lag 1997 bei 19 %  (=1,5 Mio.). Insgesamt variierte die Arbeitslosenquote im Osten kaum und lag stets um die 18 %. Dafür stieg aber im Westen die Arbeitslosigkeit stark an, allerdings regional unterschiedlich. Hatte Bayern im Schnitt unter 6% Arbeitslosen, so schnellte in Bremen die Quote auf über 12% hinauf.
Der Anstieg der Arbeitslosen bedeutete, dass der Staat mehr Arbeitslosengeld bezahlen musste. Bei sinkenden Steuereinnahmen und einer hohen Staatsverschuldung setzte die Regierung den Rotstift bei sozialen Leistungen an. Durch eine rückläufige Geburtenrate erhoffte sich die Regierung eine automatische Regulierung der Arbeitslosigkeit. Mit der Aufnahme von Asylanten, stieg durch deren Familien die Geburtenrate wieder an. Im Schnitt zeugten die Ausländerfamilien 3 bis 4 Kinder, wogegen bei deutschstämmigen Bürgern die Quote unter 2 Kinder weiter sank. Zukünftig stieg damit der Bevölkerungsanteil von Bürgern mit ausländischen Wurzeln deutlich an. Ein weiteres Problem war die Altersstruktur, die eine stark wachsende Zahl von Rentnern belegte und deren verdientes Altersruhegeld finanziert werden musste.
Im politischen Hick Hack hatte man allerdings das Gefühl, dass die Politiker mit sich selbst beschäftigt waren und zukünftige Finanzierungsprobleme ignorierten. Mit dem Regierungswechsel, Ende der 90er, wurde das CDU-Chaos sichtbar und hinterließ der SPD-Regierung (Schröder) ein schweres Erbe. Die SPD scheute sich aber ebenso, nötige Entscheidungen konsequent durchzusetzen. Zumindest dämmten sie die gestiegene Jugendarbeitslosigkeit ein. Bisher war den Arbeitgebern die Finanzierung von Auszubildende zu teuer, da für sie Nutzen und Lehrgeld in einem Missverhältnis standen. Profitabler war es für einen Unternehmer, untertarifliche Ausländer einzustellen, statt Lehrling.
Mit einem Ausbildungsgeld versuchte nun die Regierung, Lehrstellen für die Firmen lukrativ zu machend und darüber hinaus wurde für Firmen eine Lehrstellenquote veranschlagten. Die unausgereiften Maßnahmen der Regierung fruchteten nicht wie erwartet. Das Angebot von Lehr- und Anstellungen war weiterhin rückläufig. Zumindest stagnierte aber die Jugendarbeitslosigkeit.
Ebenso brachten vorsichtige Sozial- und Finanzreformen nicht den gewünschten Effekt. Das Staatsdefizit stieg daher weiter und die Regierung legte neue Steuern fest, wodurch der Bürger verärgert zur Kasse gebeten wurde. Zudem sollte die Privatisierung der staatlichen Firmen die Staatskasse füllen. Der Verkauf der Post, der Telekom und der Bahn brachten aber nur bedingt eine finanzielle Entlastung. Eine Haupteinnahme blieb für den Staat weiterhin die Lohnsteuer. Da aber der deutsche Arbeitnehmer zu teuer geworden war, zogen diverse Firmen ins Ausland oder stellten ausländische Billigarbeiter ein. Die Streikwellen der 80er Jahre und jüngste Streiks haben ein Lohnniveau geschaffen, dass sich die Unternehmer nicht mehr leisten konnten oder wollten. Hinzu kam das Phänomen der Überqualifizierung.
Zu viele Jugendliche hatten studiert, aber nur für einen geringen Teil gab es Anstellungen. Die anderen Studierten hatten das Problem, dass sie aufgrund ihrer Qualifikation einen angemessenen Lohn fordern konnten. Arbeitgeber fürchteten mögliche Mehrkosten und stellten solche Arbeitskräfte nicht ein. Studierte Leute  waren demzufolge gezwungen, ihr Ausbildungsniveau zu verheimlichen, um überhaupt eine (unterqualifiziert) Tätigkeiten zum Geld verdienen ausüben konnte. Gerade für Jugendliche war es insgesamt frustrierend auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Stärker als je zuvor resignierten sie, wenn wieder mal eine Bewerbung abgelehnt wurde. Erst recht, war es sinnlos geworden einem Wunschberuf nachzujagen.
Es stieg die Zahl derer, die ohne Ausbildung umherjobbten, mal hier Räume säuberten und mal dort im Lager arbeiten. Die Situation führte dazu, dass sich Jugendliche vom Elternhaus aushalten ließen. Im „Hotel Mama“ konnten sie ein angenehmes Leben führen, mietfrei und alles inklusive (Essen, Wäschewaschen usw.). Und vor dem Fernseher konnten Mädchen davon träumen Model oder Star zu werden oder einen reichen Mann zu heiraten. Die Jungen sahen sich als Rockstar, Computerfachmann oder reichen Lebemann. Eigentlich wollten alle dasselbe, ohne viel Arbeit Reich werden.
Auf der einen Seite stieg das extrem der motivationslosen Träumer, von denen einige zum Suizide neigten, da sie ihr Leben als sinnlos und nutzlos bewerteten. Entgegen dazu gab es die Gruppe der Zornigen, die wütend Schuldige für ihr Sein suchten und von einer hohen Gewaltbereitschaft durchzogen waren. Sie suchten sich dazu eine geistige Ersatzheimat. Sie schlossen sich radikalen Organisationen an, die ihnen Freundschaft und Kameradschaft vorgaukeln. Oftmals waren es neonazistische Gruppierungen, die eine Bruderschaft anboten und klare Vorstellungen von Idealen und Werten vermittelten, ein klares Feindbild hatten (Ausländer, Regierung) und sich radikal für Recht und Ordnung einsetzten.
Ein entgegengesetztes Extrem waren die Linken Strömungen, die ebenfalls gegen den Staat revoltierten, aber als die Reformierung der Scheindemokratie vorgaben. Mit ihren Aktionen (Demonstrationen, Hausbesetzungen) suchten sie den Konflikt mit der Staatsmacht Polizei, um in den Medien ihre Ideale verdeutlichen zu können. Neben den politischen Subideologien schlossen sie sich auch diverse Fangruppen an, wie Fankreise von Fußballklubs, Heavy Metal-Bands oder Motorradgangs. Es entwickelte sich ein breites Angebot von ideologisch geprägten Gruppierungen, die nicht selten gewaltbereit waren. Neben den weltlichen Strömungen hatten religiöse Sekten einen hohen Zulauf, die meisten von denen, waren in ihrem Wesen ebenfalls radikal geprägt. Neben den christlichen und hinduistischen Sekten, stieg die Zahl von satanischen Sekten deutlich an. Die christlichen Sekten waren mit einem spirituellen Flair verbunden (häufig mit Drogenkonsum) und gaben dem Gläubigen eine wohlige und wärmende Obhut. Wie gefährlich solche Sekten sein können, zeigte ein Beispiel in den USA, wo der Prediger alle seine Gläubigen in den Freitod führte. Andere Prediger animierten ihre Schäfchen zu kriminellen Handlungen.
Bei hinduistisch-buddhistischen Sekten, war schon seit den 60er Jahren bekannt, dass einige  Anführer (Gurus) zum Selbstzweck ihre Gläubigen missbrauchten (z.B.: zum Diebstahl und zur Prostitution animierten, Besitz vereinnahmten). Der Zulauf zu den satanischen Sekten, basierte auf einer Enttäuschungshaltung heraus. Für sie hatte Gott versagt und nur über das Chaos und dem Teufel, konnte die Menschheit belehrt werden. Mithilfe von Opiumrituale wurden die Gläubigen gezielt in Ekstase versetzten und zu willenlosen Geschöpfen gemacht. Häufig wurden dabei Tiere geopfert und in manchen Sekten zelebrierten sie auch Vergewaltigungsakte.
Ebenfalls fühlten sich Europäer zur islamischen fundamentalistischen Bewegung hingezogen, viele Christen konvertierten zum Islam.
Stets gefährdet waren besonders Mädchen, die sich leichter von wohlklingenden Worte ein-fangen ließen. Auf der Suche nach dem persönlichen Glück suchten Mädchen ihr Heil im Irrealen und Illusorischen. Mit einer großen Portion Hoffnung träumten sie von einem luxuriösen und angenehmen Leben und einem Mann, der ihr alle Wünsche erfüllen könnte. Rein optisch entsprachen dem Ideal die Mitglieder von Boygroups und wurden dementsprechend angehimmelt. Es entwickelte sich ein Fanatismus, der auf weltfremde Träume beruhte, um seinem Idol nahe zu sein. Andere glaubten als Supermodell oder Gesangsstar Karriere machen zu können. Nicht selten waren sie dazu bereit, sich dafür zu prostituieren oder mit Mobbing oder sogar mit kriminellen Mitteln Konkurrentinnen auszuschalten.
Neben den idealistischen Irrwegen, genoss ein Großteil der Jugend die Annehmlichkeiten des Wohlstands und ergaben sich häufig dem zelebrierten Mode-Trend. Um aus der Masse hervorzustechen suchte sich die Jugendliche private Nischen in der Gesellschaft, wo sie sich darstellen konnten. Doch um das Leben auszukosten zu können, benötigte man Geld. Das Taschengeld erhöhte sich um ein vielfaches und zur Norm wurden mindestens 50 D-Mark wöchentlich. Natürlich konnten sich das viele Eltern nicht leisten und so war die Verführung groß, sich Geld mit unlauteren Mitteln zu besorgen. Die Gesellschaft lebte eine Wohlstandssucht vor, so dass Jugendliche lukrative Job, mit hohen Ausstiegschancen anstrebten. Zielgerichtet ließen sie sich vom Karrieredenken anstecken und wussten, dass dies nur über einen hohen Bildungsstand möglich war.
Getrieben vom Ehrgeiz wollte man das Höchstmögliche erreichen und strebte zielstrebig  leitenden Positionen an. Manager oder Abteilungsleiter wurden zu den Traumberufen, da sie vergleichsweise so viel verdienten, wie berühmte Profifußballer oder Popstars. Beliebt waren zudem technische Berufe, speziell in der Computertechnik. Weibliche und männliche Jugendliche unterschieden sich kaum noch im Karrierestreben. Mit dem Streben nach begehrten Positionen wuchs ein erhöhter Leistungsdruck heran. Man musste die Firma von seinem Können überzeugen und Konkurrenten aus dem Feld treiben. Je höher die Position war, die man erreichte, desto größer war die Gefahr herabzufallen, weil die Firma vielleicht unzufrieden war oder Konkurrenten auf die Position drängten. Die Angst vor dem Scheitern oder dem Verlust des Wohlstandsniveaus durch Kündigung, motivierte dann zu einer krankhaften Arbeitssucht, worunter häufig das Privatleben litt. Das Phänomen wurde Workaholic genannt. Bei Karrierefrauen wurde das Privatleben oft zum Planungsakt.
Kinder wurden zum unberechenbaren Störfaktor und eine Schwangerschaft war eine lästige Unterbrechung der Arbeit. Auch Karrieremänner opferten ihr Privatleben für ihren Job. Sie hetzten lieber von einem Termin zum anderen, lebten nach der Stoppuhr, sogar beim Sex. Keine Sekunde durfte für die Firma verschenkt werden, damit die Konkurrenz kein Oberwasser bekommt oder ein wichtiger Auftrag flöten geht. Solche Arbeitsmaschinen redeten sich ein, ihre Ruhe zu finden, wenn sie ihr Ziel erreicht haben. Aber genau das passierte nie, denn fächerartig ergaben sich neue Aufgaben, durch den Grundauftrag, wodurch ein endgültiges Ziel nicht erreichbar war. In der Konsequenz nahm die Zahl von psychisch kranken Arbeitsmenschen zu oder sie erlitten einen Nervenzusammenbruch.
Diesen Zustand nutzten Arbeitgeber konsequent aus und erzeugten zusätzlich einen hohen Arbeitsdruck. Die Konzentration auf gutbezahlte Jobs erzeugte eine große Auswahl an Fachleuten, die leistungsfähiger und preiswerter (Gehalt) waren, als die bisherigen Angestellten. Neben der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt, gab es die Rivalen in der Firma. Um seinen Posten/Position abzusichern, entwickelten Angestellte in ihrer Panik Strategien, um den Gegner auszuschalten. Alle Aktionen, die einen Konkurrenten schädigten wurden nun als Mobbing bezeichnet. Dazu zählte besonders das Denunzieren, das Kritisieren der Arbeit vor dem Firmenchef und die Arbeitssabotage.