5.1. Folgeepochen

Die unmittelbare Folgeepoche – Tertiär ( Erdneuzeit )

An der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen genügt ein unspezifischer Auslöser, um das bisherige Leben radikal zu ändern. Es können neue Freunde sein, eine Strafe der Eltern, ein Popsong oder nur ein Reizwort, das die Seele trifft. Tief im Inneren spürt ein Heranwachsender bereits diese merkwürdige Unruhe. Jedoch erst durch einen Anlass wird die Erneuerung in Gang gesetzt. Die Pubertät oder Flegeljahre beginnen und alles, was bisher galt, wird infrage gestellt. Es findet ein Abnabeln vom Elternhaus statt, dass zugleich der Antrieb für ein eigenständiges Leben wird. Ein solcher Prozess ist vom Typ her zeitlich und in der Intensität sehr unterschiedlich. In der Regel rebelliert der neue Jugendliche gegen alles und jeden, besonders gegen jegliche Formen der Eingrenzung. Diese Auflehnung erleben speziell Lehrer und Eltern. Grundlegend wird mit dem früheren Leben gebrochen, das Spielzeug wird in die Ecke geworfen und begegnet den Helden der Kindheit mit Verachtung. Dafür wandelt der neue Teenager blauäugig und naiv auf unbekannten Wegen, auf der Suche nach seiner individuellen Persönlichkeit. Häufig wird die erwachte Sexualität, der dringende Wunsch nach einem Partner, zum motivierenden Antrieb. In dieser aufgewühlten und hitzigen Phase, sind die Sucher zu hohen Risiken bereit. Sie probieren die verschiedensten Lebensmodelle aus, bis sich ein erstes Lebenskonzept herausbildet.
Die bisherigen Luftschlösser verpuffen und ein sachlicheres Gerüst bekommt genauere Konturen und mit dem Aufbau des Fundamentes kann begonnen werden. Nicht anderes geschah mit der Erde. Ihr Partner ist der Mond, mit dem unser Planet seine Phase der Erneuerung vollzieht.

Nach der Katastrophen-Ära folgte die Erneuerung der Flora und Fauna in Riesenschritten. Die Geologen teilen die Phasen (siehe Tabelle) in Abteilungen. In der Beurteilung der Zeitdauer von Abschnitten in der Erdneuzeit sind sich die Forscher nicht so ganz einig.
Grundlage der nachfolgenden Darlegungen ist: „Die Chronik der Weltgeschichte“  (Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh/ München 2008).

Känozoikum    ( Erdneuzeit ) 
Formation des Zeitalters System / Altersphase Abteilung / Zeiteinteilung
                      Tertiär  
 vor  65,5 Mio. Jahren  bis  1,8 Mio. Jahren 
Paläogen  vor 65,5 – 23,8 Mio. J. Paläozän       65,5  – 55,0   Mio. J.
Eozän            55,0  – 33,7   Mio. J.
Oligozän       33,7  –  23,8  Mio. J.
Neogen   vor 23,8 – 1,81 Mio. J.  Miozän          23,8 – 5,32    Mio. J.
Pliozän          5,32 – 1,81    Mio. J.

Quartär
  vor  1,8 Mio. Jahren  bis  heute  ( 2010 )

Pleistozän  vor 1.810.000 – 11.700 J. Alt            1.810.000 – 781.000  J.
Mittel          781.000 – 126.000  J.
Jung            126.000 -    11.700  J.
Holozän  vor   11.700 Jahren bis heute wird in fünf Klimastufen unterteilt 
(vor 11.700 Jahren bis heute)

 

Paläozän ( vor 65 – 55 Mio. J.) - die Neuschöpfung

Die Welt lag bildlich gesprochen in Schutt und Asche. Hier und dort streiften Tiere einsam über die verbrannte Erde und suchten die letzten Pflanzen. Sämtliche Tiere die größer waren als ein Schäferhund waren nahezu ausgerottet und lediglich Kleinwesen überlebten. An Land kämpften primär mausähnliche Säugetiere um ihre Existenz. Für Insekten, Käfer, Würmer und Spinnen gab es genug Arbeit (Nahrung), wovon wiederum die Vogelarten profitierten und ihren Lebensraum langsam zurück eroberten. Ähnlich überfordert waren die Bakterien und Kleinstlebewesen im Wasser. Sie beseitigten zerkochte Fischleichen und reinigten vergiftete oder übersäuerte Gewässer. Deren steigende Population beantwortete die Natur mit kleineren Fischen. Möglicherweise gab es eine Handvoll von Großtieren, die abgemagert und geschwächt überlebten und zufrieden waren, dass es ihre natürlichen Feinde nicht mehr gab.
Im Vergleich zur Kreidezeit (18°C) fiel die durchschnittliche Temperatur auf etwa 15°C, dass den heutigen Durchschnittwerten entspricht. Möglicherweise änderte sich auch das Luftgemisch und nahm einigen Tieren so die Luft zum Atmen oder/und wurde zur Grundlage der pflanzlichen Natur. In Bezug zur Katastrophenphase, wo lokal Rekordwerte über 50°C erreicht wurden, entsprachen die jetzigen Temperaturen einer extremen Abkühlung, zumal sich extreme Kälte- und Hitzezonen herausbildeten. Die Pflanzenwelt erholte sich demzufolge schleppend, da auch die Luftfeuchtigkeit geringer ausfiel. Im Grunde begann die Erneuerung der Natur im und in der Nähe von Gewässern. Die klimatischen Bedingungen begünstigten Gräser und Blütenpflanzen. Gräser entgifteten den Erdboden am wirksamsten und ihr Wurzelwerk band den Erdboden. Wie ein Teppich schützte Gras den Boden vor Wind und Wasser. Sand konnte dort nicht mehr weggeweht oder gespült werden. Zudem bewahrte der Rasen das Land vor dem Austrocknen und das starke Wurzelwerk verhinderte das Herausreißen durch gefräßige Tiere. Weiterhin ermöglichten Wurzeln den Fortbestand von Pflanzen, denn auch nach Naturkatastrophen konnten sie sich selbst regenerieren. Ähnliches galt für die Blütenpflanzen, die durch ihre Farbenpracht Insekten anlockten, wodurch der Samen an ihnen anhaftete und sich auf diese Weise die Blumenart verbreitete. Neben der Vielzahl neuartiger Insekten sind es besonders die Bienen, die den Samen verteilen. Damit die Insekten den Planeten nicht übervölkern, stieg die Zahl der Vogelarten und die wiederum wurden in ihrer Population von räuberischen Eierdieben gebremst.
Die Natur strebte das alt bewährte Gleichgewichtsystem an. Im Laufe der Zeit deckte die Natur einen reichhaltigen Tisch für die zweckdienlichen Spezies der Erdneuzeit. Besonders Vögel, Fische und Säugetiere entwickelten sich artenreich. Am Ende der Neuschöpfung stiegen die Temperaturen auf circa 20°C an, verbunden mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Agaven, Yuccapalmen und Drachenbäume wuchsen. Der Regenwald war weltweit auf den Vormarsch selbst in Alaska und der Antarktis.
Es entwickelten sich Schuppentiere, wuchtige Pflanzenfresser und Huftiere. Erneut wuchsen monströse Wesen heran, wie der 1,5 m lange Champosaurus (Krokodil) oder der 300 kg schwere Dinocerata (Pflanzenfresser). Der Ectoconus war mit 2 m das längste Huftier. Raubtiere gab es nur in der Form von Erdhöhlenbewohner, wie Mäuse, Ratten, Opossums und anderen Raubbeutler. Vermutlich waren es jene Räuber, die den letzten Saurierarten in der Katastrophenphase erbarmungslos zusetzten. Es ist durchaus denkbar, dass in der Epoche, die Erdhöhlentiere noch mit kleinen Raptor-Arten, um die Vorherrschaft kämpfen mussten. Die Paläozän Phase war sozusagen die Selbstfindung, der vorsichtige Test für einen neuen Weg der Erde. Mit großen Schritten erwachte ein neues Leben.

Eozän ( 55 -33,7 Mio. J.) – Die Explosion des Lebens 

Das Eozän war eine lange feuchtwarme Phase der Erde, in denen Sommertemperaturen um die 40°C keine Seltenheit waren und selbst im Winter sanken die Temperaturen kaum unter 20°C. Die reiche Pflanzenwelt wucherte über alle Kontinente, aber es gab Areale mit einem spärlichen Pflanzenwuchs. In jenen Gebieten wuchsen weite Grünflächen und Kakteen, die mit weniger Wasser auskamen. In den tropischen Wäldern boten zahlreiche Blütenpflanzen ein Fest für die Augen, in den verschiedensten Arten und Formen. Die Population der Insekten explodierte durch das reichhaltige Angebot. Um ein natürliches Gleichgewicht zu erhalten, schuf die Natur unzähligen Vogelarten. Vorläufer von Möwen, Schwalben und Spechten entstanden, auf deren Speisekarte neben den Insekten, Spinnen, Würmer und Schnecken bzw. Kleinfische standen. Um Termiten und Ameisen kümmerten sich Ameisenbären und die über 100 Käferarten hatten ohnehin massenhaft Feinde.
Neben den Kleinvögeln bereicherten Strauße, Flamingos, Eulen und Hühner die Tierwelt. In den Gewässern tummelten sich, neben den Überresten der Kreidezeit (u.a. Haie), über 2.000 Fischarten und in den Meeren sorgten Wale für das natürliche Gleichgewicht. In dieser Periode entwickelten sich aus den Urformen von Paarhufern, Raubbeutlern und mutierten Ornithischia (Vogelbeckensaurier/ Pflanzenfresser) viele Säuger. In direkter Sauriertradition, z. B. von Stegosaurus und Triceratops, stehen vermutlich alle Dickhäuter, wie Rüsseltiere (Elefanten), Nilpferde und Nashörner. Indirekte Nachfahren von pflanzenfressenden Sauriern sind die Paarhufer. Es bildeten sich im Eozän die Vorläufer von Pferden, Rinder, Kamele, Hirsche, Antilopen, Schafe und Ziegen. Über den Ursprung von Schweinen und dem Ur-Eichhörnchen gibt es verschiedene Thesen. Favorisiert wird bei den Schweinen die Linie zu den Flusspferden und das Urhörnchen stammt von einer Maus ab, da sich das Gebiss des Nagers mit der Urform ähnelt. Die erste Fledermaus hat dagegen nichts mit der Maus zu tun, sondern steht eher in der Tradition zu mutierten Flugsauriern. Neben solchen Anpassungsentwicklungen formten die überlebenden Tiere der Kreidezeit die neue Tierwelt entscheidend mit. Besonders Schlangen, Krokodile, Schildkröten und kleinere Reptilien brachten allerlei Sonderformen hervor. Beispielweise mutierten einige Schildkröten zu Schuppentieren.
Die wesentlichste Evolutionslinie der Säugetiere sind allerdings die Erdhöhlenbewohner. Besonders die Maus, aus der sich die Ratte entwickelte und aus deren Linie die Raubsäuger abstammen. In jenem Zeitabschnitt verzweigten sich die Linien, wodurch die Arten neue Urformen hervor brachten. In der indirekten Linie zu den Raubbeutlern kristallisierten sich spezifische Formen heraus. Ein Wesen schlich auf dem Erdboden, gut getarnt und griff überfallartig seine Opfer an. Eine andere Spezies kopierte für sich erfolgreich die Gemeinschaftsjagd der Raptoren. Und wieder Andere nutzte die Sicherheit der Bäume und wurde zum Allesfresser. Da die gelegentlichen Ausflüge auf den Erdboden immer gefährlich waren, hielten sie sich überwiegend in den Bäumen auf und ernährten sich von Obst. Gemeint sind die Urformen von Katze, Hund und Affe, die sich weltweit verbreiteten und zur spezifischen Tierart wurden. Vielleicht rührt daher das besondere Verhältnis der drei Tierarten zueinander, auch wenn es sich oftmals um Hassliebe handelt. Obwohl ein Bär ebenfalls zur oberen Familie der Hunde gerechnet wird, passt er nicht in die Dreierbeziehung. Der Bär ist mehr eine gesonderte Mischform, deren Vorfahren auch Biber sein könnten. Ähnlich verhält es sich mit den Hyänen. Das Tier sieht eher aus wie ein Hund, wird aber der Katzenfamilie zugeordnet und könnte eher ein mutiertes Erdmännchen sein. Die Ordnung der Tiere orientiert sich an typische Gemeinsamkeiten, deren direkte Linie zweifelhaft ist. Somit sind Robben, Stinktiere und Marder Mischformen und keine Hunde, auch wenn so mancher sie dort einordnen möchte. Im Eozän experimentierte die Natur der Erde in allen Richtungen und stellte ein feuchtwarmes Klima her, um sich schnellstmöglich entwickeln zu können (Hurra-Stil).  

Oligozän (33,7 - 23,8 Mio. J.) – Grundstamm der neuen Tierwelt

Die Epoche beginnt mit einem drastischen Klimawandel und einem Artensterben. Im Grunde starben die Schöpfungs-Urtiere aus und mit ihnen alle experimentellen Kreaturen, die sich als nicht überlebensfähig herausstellten. Dafür bildete sich eine qualitativ bessere Artenstruktur, die jene Vorgänger überflüssig machte. Huftiere, Dickhäuter und Raubtiere dominieren auf unseren Planeten. Elefantenarten holen sich mit ihrem Rüssel das Grünfutter von den hohen Bäumen; Pferde und Rehwild bedienen sich an den Gräsern; Ratten, Katzen und Hunde jagten gnadenlos ihre Beute. Im Verlauf der Epoche entstanden weite Graslandschaften (Steppen & Savannen) und in Flachgewässern wuchsen Mangrovenwälder heran.
Es gab erste fleischfressende Pflanzen, die sich von Insekten ernährten. Zu Wasser und in der Luft hielten sich die Veränderungen in Grenzen, sie bekamen es jedoch mit den Raubsäugern zu tun. In  der Entwicklungslinie der Ratten bilden sich direkt Marder- und Biberarten heraus.
In einer weiteren Evolutionsstufe wurden aus ihnen schwimmfähige Tiere, wie Seehunde, Robben und Walrösser und machten die Gewässer unsicher. In den Meeren selbst befanden sich neben Wale und Haie auch Frühformen von Delfinen.
Für die Vogelwelt werden Affen zu einer Bedrohung. Die Kletterkünstler rauben ihre Nester aus und töten somit den Nachwuchs. Trotzdem die Erde sich weiter abkühlt herrschten im Oligozän paradiesische Zustände. Die Natur bot für jedes Lebewesen reichhaltige Nahrungsquellen. Aufgrund des Überflusses schien die Erde die Fehler aus der Urzeit zu wiederholen. Erneut wuchsen übergroße Tiere heran. So wird der Pyrotherium (Elefant) 3m lang, der Nashornvorgänger Arsinoitherium sogar 3,5m lang und der Koloss Indricotherium wurde 4,5m und wog 5t (entspricht dem Gewicht von drei Elefanten). Das größte Landsäugetier aller Zeiten ist der Baluchitherium, 7m lang, 5,4m Schulterhöhe und 15t schwer. Natürlich zogen die Raubtiere nach und es wuchs die mächtige Säbelzahnkatze heran. Die Vorgängerinnen vom Megantereon waren gezwungen in kleinen Gruppen zu jagen, doch der neue Gigant mit 1,2m länge konnte wieder auf Solopfaden wandeln.
Da die Hundearten sowieso in Rudeln jagten, blieb hier der Riesenwuchs aus, aber neue spezifische Formen bildeten sich. Neben den dominierenden Wölfen gab es Kojoten, Schakale und Hyänen und den Einzelgänger Fuchs. Entscheidend für die weitere Entwicklung der Erde waren jedoch die Affen. Neben den vielfältigen Arten kristallisierten sich erste Menschenaffen heraus.
Mit der Stufe Oligozän endet die Erneuerungsphase (Paläogen), die Basis für die neue Welt ist geschaffen und wird im Zeichen der Menschwerdung stehen.