04. Stilrichtungen

http://www.google.de/url?source=imgres&ct=tbn&q=http://www.freemake.com/blog/wp-content/uploads/2014/09/streaming-music.jpg&sa=X&ei=Y5JwVcbgLomksAGbqICQBw&ved=0CAUQ8wc&usg=AFQjCNEv4qv-CoYeAsbp3-j06HHvVFRGVAMusikstilrichtungen 
1. Techno 
    Entstehung &Entwicklung, Soundarten, Loveparade
2. Hip Hop, Rap & Graffiti
3. Deutscher Musikmarkt
4. Hinweise zu den nachfolgenden Jahresbetrachtungen (Charts)

 

1. Techno

Stilrichtung der elektronischen Musik, der auch als Sammelbegriff für verschiedene, miteinander verwandte Stilrichtungen der elektronischen Musik verwendet wird.  (Quelle: Wikipedia.de)

Merkmale:  Techno bezeichnet synthetisch produzierte, meist vordergründig rhythmus-orientierte Tanzmusik. Charakteristisch ist der 4/4-Takt, mit einer Betonung jedes Viertels durch eine elektronische „Große Trommel“. Akkorde sind von untergeordneter Bedeutung, stattdessen wird oft mit einzelnen Klängen und deren Zusammenwirken experimentiert. Die Klangfarben pendeln dabei zumeist im industriellen bzw. metallischen Bereich. Typisch für die Musik sind Effekte, Flächenklänge oder das Einstreuen einzelner Perkussionselemente, die nahtlos in das Rhythmusmuster eingefügt werden.

Grundlage und Inspirationsquelle ist die elektronische Musik, die in den 70er Jahren, als Elektropop bezeichnet wurde. Besonders die deutsche Band Kraftwerk wird maßgeblich als Inspirationsquelle angesehen. Beispielsweise enthält ihr Song „Autobahn“ (1974) schon viele Kriterien des späteren Techno. Der italienische Disco-Produzent Giorgio Moroder schuf zum Kraftwerksound eine Discovariante, die in „I Feel Love“, mit Donna Summer (1977), besonders zum Ausdruck kommt.
Jean Michel Jarre und Brian Eno gehören zu wichtigen Inspirationsquellen, die mit melodiöser Synthesizer-Musik Maßstäbe setzten. Nicht zu vergessen sei die schweizer Band Yello. Für die spätere Detroiter Szene, war die britische Synthie-Pop-Band Depeche Mode noch sehr wichtig.
In Europa wurde der Begriff „Techno“ zum ersten Mal im Jahre 1982 von Andreas Tomalla verwendet. Der Frankfurter sortierte in seinem Plattenladen bestimmte Musik unter dem Sammelbegriff „Techno“ ein. Unter anderem Avantgarde (Kraftwerk), Elektronische Pop-musik (Depeche Mode), EBM (Front 242, Nitzer Ebb), Industrial (Cabaret Voltaire, Clock DVA, Throbbing Gristle) und generell den Electro Wave), aber auch den Detroit Techno (A Number Of Names, Cybotron). In dieser Kategorie befanden sich alle Bands die elektronische Musik machten und thematisch von Zukunftsvisionen geprägt waren, wie dem postindus-triellen und städtischen Zerfall, emotionale Kälte oder Ängste vor atomaren Katastrophen.

Soundarten

Industrial   (70-er)
- auf der Basis elektronischer Avantgarde-Musik in den 1970er Jahren entwickelt
- Typisch, klangliche Übersteuerungen, Störgeräusche oder maschinenlärmähnliche 
Kompositionen, häufig angereichert mit Samples
   oder Schreigesang
- vordergründig standen Provokation und die ungehemmte Darbietung der Brutalität des 
alltäglichen Lebens; Themengebiete wie Krieg,
   Folter, Mord, Faschismus, Terrorismus, 
Isolation oder sexuelle Perversion
Vertreter des Industrial, u.a. Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire oder SPK

   Bedeutend war der Industrial für die Herausbildung von Hardcore Techno oder Gabba und anderen Unterarten

House   (80-er)
- in der Diskothek Warehouse in Chicago entstand die House-Musik, als Weiterentwicklung des 70er-Jahre Disco-Sounds
- DJs Frankie Knuckles und Larry Levan erkannten die hypnotische und euphorisierende 
Wirkung monotoner Zwischenstücke der
  Discoplatten und begannen Passagen verschie
dener Schallplatten zu vermischen und den Rest des Songs wegzulassen (Begr. des House)
- Produzenten wie Ron Hardy, Steve Hurley oder Marshall Jefferson veröffentlichten als 
erste Platten unter der Bezeichnung „House“ 

Acid House    (80-er)
- Ende der 1980er Massenbewegung
- der besonders harte und minimalistische Variante des Chicago-Housesounds, wurde 
besonders in England und auf der Ferieninsel 
  Ibiza gefeiert
- Bewegung erschien wie ein Hippierevival, Freie Liebe ungezügelte Genuss von 
Rauschmitteln und neu, entwarfen Smiley-Symbol
- da Acid umgangssprachliche für LSD stand, reagierte der Staat mit Kontrollen und Razzien 
und das Radio boykottierte diese
  Musikspielart = Ende dieser Musikbewegung

EBM       (80-er)
- Künstler wie DAF, Liaisons Dangereuses oder Die Krupps entwickelten zu Beginn der 80er-Jahre, im Rahmen der Neuen Deutschen
  Welle neue Sequenzen
- kreierten Minimalismus mit geprägten repetitiven Soundschleifen
- andere Künstler verbanden diesen Electropunk mit frühem Industrial und legten die Basis 
für die Electronic Body Music. EBM wurde
   wesentlicher Einflussfaktor für den Detroit 
Techno, New Beat und später auch Goa Trance
- Sven Väth oder DJ Hell gelangten über diesen Stil zum Techno

Detroit Techno   (90-er) 
In der nächtlichen Radiosendung Midnight Funk Association in Detroit, prägten seit den  frühen 80er Jahren elektronische Musikstile das Programm. Der Moderator Charles Johnson achtete dabei explizit auf eine ausgewogene Klangvielfalt und versuchte zahlreiche Musikrichtungen in seiner Sendung zu vereinen. Dieses Programm war letztlich Hauptinspirationsquelle für die Produzenten Juan Atkins, Derrick May und Kevin Saunderson, die durch die Verschmelzung verschiedenartiger Stile den Detroiter Techno-Sound prägten. Zusammen mit Richard Davies veröffentlichte Juan Atkins 1984 unter dem Namen Cybotron die Schallplatte „Techno City“. In einem Interview wurde Juan Atkins nach dem Musikstil gefragt und antwortete: „call it techno“.

New Beat         (90-er)

New Beat entstand per Zufall durch den belgischen DJ Marc Grouls, der versehentlich eine Platte in der falschen Geschwindigkeit abspielte. Aufgrund des positiven Echos begann er verstärkt alte Tonträger verlangsamt abzuspielen. Kurze Zeit später fanden solche neu abgemischten alten Tracks ihren Weg in den Plattenhandel. Der Trend hielt sich jedoch nur zwei Jahre.

http://www.mzo-wiki.de/ghs-riemsloh/berlin_2010/m2m.d/Main.Derparktiergarten/media/image/1_love-parade_2007.jpgLoveparade

Am 02.07. 1989 gab es die erste Loveparade in Berlin und entsprach einem verspäteten Karnevalsumzug. Ab den 12.07. 1997 wurde die Loveparade zum Massenspektakel und lockte Tausende Raver nach Berlin mit steigender Tendenz. Ausgelassen und freizügig, demonstrierten die Raver eine Partystimmung mit hämmernden Rhythmen. Solche Big Party brachte zunehmend auch Probleme mit sich. Neben großen ökologischen Schäden durch Fäkalien und Lärmbelästigung der Anwohner, entstanden Berge von Müll. In zähen Verhandlungen schafften es die Organisatoren die ablehnende Haltung der Stadt umzustimmen. 2006 zog Berlin einen endgültigen Schlussstrich unter die Raverparty.

Anfänge der Technomusik:

In der Acid House Bewegung fanden kontinuierlich Partys statt und wuchsen in England zu riesigen Veranstaltungen heran, den so genannten Raves. Weltweit fusionierten New Beat, EBM, Detroit Techno, Disco, House und zahlreiche andere elektronische Musikrichtungen zum Techno. Es ist hierbei die Namensgebung umstritten. In der berliner Szene wurde die Schreibweise ohnehin in Tekkno umgewandelt, wobei die Anzahl von „K’s“ die Härte des Sounds ausdrücken sollte.
Zu Beginn der 1990er Jahre wurde Techno trotz verschiedener Herkunft kaum in Stile oder Kategorien unterteilt. Es gab meist einen großen Dancefloor und die DJs spielten sich innerhalb einer Party durch verschiedene Facetten der Techno-Musik. Bereits Ende des Jahres 1991 kam mit Mayday (Raver Veranstaltung) erstmals ein modernes Party-Konzept auf. Besonders die Loveparade als Open-Air-Veranstaltung fand großen Zuspruch und das Technomagazin Frontpage hatte einen großen Anteil an der Publizierung.
Acid Techno entstand mit einem vordergründigen Bass-Synthesizer. Zeitgleich entwickelten Harald Blüchel und Paul van Dyk den Trance, neue Techno-Strukturen mit harmonischen Akkorden und Melodien. Durch ortsansässige Plattenlabels entstanden regional in Deutschland neue Sounds, bis Mitte 90er-Jahre. In Berlin war der Tresor Club mit seinem eigenen Label und seinen Produzenten wie Jeff Mills, Daniel Bell und Joey Beltram für härtere Sounds wegweisend. Bundesweit populärer war jedoch Acid Techno aus Köln mit dem Produzenten-kreis um Wolfgang Voigt und Dr. Walker.
In Europa entwickelte sich eine enorme Stilvielfalt und Techno wurde zur kulturellen Bewegung. In den USA spielte sich die Bewegung mehr im Untergrund ab und es siedelten Musiker, wie Jeff Mills (nach Berlin) nach Europa über. Am Erfolg von Techno profitierte von Anbeginn die kommerziell interessierte Musikindustrie. Tracks wie „Das Boot“ von
U 96 (1991), „James Brown Is Dead“ von L. A. Style oder „Don't You Want Me“ von Felix (1992), hießen die erste Charterfolge. Auf die Massen ausgerichtete Kreuzungen zwischen Techno, Hip House und Pop entstanden Vertretern wie 2 Unlimited oder Culture Beat, die weitläufig unter dem Begriff „Dancefloor“ vermarktet wurden. Etwa 1994 schafften es erste Trance-Produktionen in die Charts, deren Geschwindigkeit und Rhythmus sich an Techno orientierte (z. B. Dune oder Scooter).
Kommerzielle Produktionen wie „Somewhere Over The Rainbow“ von Marusha, liefen nicht Gefahr die Subkultur zu vereinnahmen, sie pflegte ihre Basiswurzeln separat. Der Versuch einer profitorientierten Ausschlachtung spitzte sich allerdings zu. Vor allem im Schlagerbereich fanden harte elektronische Bass-Schläge ihre Verwendung. 1995 erschien eine Schlümpfe-CD mit dem Titel „Tekkno ist cool“, die Coverversionen bekannter Dance-Hits aus den Charts enthielt.
Im Zuge des Erfolges bekam der Kommerzielle Techno eine kindliche Ausrichtung. Die Augsburger Puppenkiste („Eine Insel mit zwei Bergen“) wurde ebenso vermarktet, wie die Ostdeutsche Kultpuppe Pittiplatsch mit „Ach du meine Nase“.
In dieser kommerziellen Entwicklung mutierten Blümchen und das Modul zu Stars, mit naiv, kindlichen Liebeslieder. Ein Zwischending ist Mark ´Oh, der sich an Schlagern bediente, aber dem Grundprinzip des Technos treu blieb. Mit E-Rotic, wurde eine erotische Marschroute kommerzialisiert.http://image.racheshop.de/amazon-images/90er-techno-popstar-kostuem-blau-weiss-rot-faschingskostuem-kostuem-kostueme-karnevalskostuem-herren-526080000.jpg
Westbam und Sven Väth, die Urväter der deutschen Technoszene schotteten sich dagegen verhemmend gegen die Kommerzialisierung des Technokults ab. Kellerräume und Abrisshäuser wurden zu Kultstätten der Raver, wo ihre ursprüngliche Musik gepflegt wurde. Das legendäre „UFO“, war ein kleiner, niedriger Kellerraum in einem Hinterhaus, was nur durch eine kleine Stahlleiter zu erreichen war. In diesen muffigen Gebäude tanzten sich die Technofreak in Ekstase, simulierte ein WIR-Gefühl und denoch  wurde die strikte, vollständige Abgrenzung des ICH's geprägt. Alles tanzte gemeinsam, aber eigentlich war jeder für sich allein. Solche Technoklubs schossen wie Pilze aus dem Boden und galten als angesagt. Eine politisch desinteressierte Jugend, fand hier ihren Individualis-mus, ein Zwischending aus Rezession und Jugendwahn, statt Underground war Kreativität gefragt. Eine Unzahl von DJ's (Discjockeys), betätigten sich als Soundmischer und gaben der Musik ihre Popularität.
Auf Indoor Partys trafen sich die Raver und stellten ihre Musik vor. Die circa 16-stündigen Veranstaltungen, waren eine Art Wettstreit, von Techno DJ's und zur Standortbestimmung. Der hämmernde, laute Klang der Musik, in stickigen Räume, animierte zu einem hohen Alkoholkonsum und förderte eine spezifische Ekstase, zwischen Depression und galaktischer Vision. In düsterer Umgebung wird der dröhnende Rhythmus zum kosmischen Flug. Mit der chemischen Droge Extasy, ließ sich dieses Gefühl noch steigern. Extasy, die Droge der 90er Jahre, war chemisch leicht herzustellen und wirkte schneller, als die bekannten Drogen. Die Partydroge war jedoch um ein vielfaches gefährlicher, lebensbedrohend.
Ab den späten 1990er-Jahren flaute der Techno-Boom stufenweise ab. Das Angebot an großen Raves sank und viele einflussreiche Labels stellten ihre Aktivitäten ein. Partys verlagerten sich vermehrt von alten Lagerhallen und in herkömmliche Clubs.

2. Hip Hop, Rap & Graffiti

USA:
Mit Beginn der 1990er-Jahre ersetzte der Begriff Hip-Hop die bislang verwendete Bezeichnung Rap. Eine Bezeichnung, die zuvor eher selten für das Musikgenre genutzte wurde. Mit scharfen aber auch kritischen Tönen begann das Zeitalter des Gangsta-Raps. Nebenher veränderten andere Strömungen den Sound. Künstler wie Left-Eye, Dr. Dre, Snoop Doggy Dogg und 2Pac traten plötzlich hervor. New York war nicht mehr das alleinige Zentrum des Hip-Hops, sondern Los Angelos kam hinzu. Die stärksten Acts der beginnenden 1990er-Jahre von New York waren entweder intellektuelle Formationen vor allem der Native Tongues Posse wie De La Soul, A Tribe Called Quest, Black Sheep, die Jungle Brothers, aber auch die Fu-Schnickens oder politische Acts wie Public Enemy oder KRS-One. Jene Acts waren zum Teil sehr experimentellen oder schlugen politisch dezidierte Töne an und entfernten sich zu sehr vom Sound der Straße. In den 1990er-Jahren setzten Künstler mit Alben wie „Illmatic“ von Nas, Mobb Deep mit „The Infamous oder der Wu-Tang Clan mit „Enter the Wu-Tang“, Meilensteine für die Rapmusik und prägten damit den Eastcoast Sound (New York).
Der Gangsta-Rap der „Westcoast“ (Los Angelos) hatte jetzt die Führung übernommen und sollte die nächsten Jahre von der Fehde zwischen Ost- und Westküste (wobei die Zuordnung nicht streng geographisch gilt) geprägt werden.

Mitte der 1990er-Jahre hatte sich die Auseinandersetzung in einer Art Stellvertreterkrieg auf 2Pac (Westcoast) und Notorious B.I.G. (Eastcoast) konzentriert. Als im September 1996 2Pac und ein halbes Jahr später Notorious B.I.G. erschossen wurden, brach der „Krieg“ in sich zusammen. Im selben Jahr erklärten verschiedene Rapper von beiden Küsten bei einem gemeinsamen Treffen die Konfrontation für beendet.
Als herausragendes Album aus dieser Zeit ist die 1996 erschienene Doppel-CD „All Eyez On Me“ (Tupac Shakur) zu erwähnen. Auf dem Album ist eine der meistverkauften Rap-Singles der Welt zu finden „California Love“. Musikalisch gab es in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre bedeutende Neuerungen. Besonders die Beats wurden komplexer, worin man den Einfluss von Stilen wie Reggae und Dancehall (Raggamuffin Hiphop), aber auch des Oldschool-Hip-Hop und des Electro Funk der 80er-Jahre hören konnte. Zudem verwuchs die Stilrichtung des Hip-Hops immer weiter mit der des Soul und des R&B zusammen.
Um 2000 erreichte der Einfluss auch die „normale“ Popmusik wieder. Bedeutende Alben kamen in der neuen Ästhetik von Wyclef Jean („The Carnival“, 1997) und Lauryn Hill („The Miseducation of Lauryn Hill“, 1998).

Deutschland:

Hip Hop wurde in Deutschland zu Sammelbegriff afro-amerikanischer Musik. Ob R&B, Blackmusic oder andere Unterarten alles wurde als Hip Hop vermarktet. Wie oben genannt, steht Hip-Hop für Rap Music und einige Medien bezeichneten lediglich durchgesungene Song mit sanften Grundsound als Groove. Im eigentlichen Gangsta Rap, lebten deren Künstler eine überheblichen Selbstdarstellung aus und besangen zuweilen Gettoprobleme. In erster Linie machte der populäre Hip Hop Sexualität zum Thema und unterstrich mit Mimik und Gestik eine pornografische Ausrichtung. Rapper prägten zum Teil einen respektlosen Umgang zu Anderen und stellten sich provozierend in Siegerposen dar (genannt: Dissen). In der Rap Ausrichtung wurde ein schlaksiges Gebärden typisch, wobei die offenen Hände vor dem Körper umherfuchteln.
Dieses Dissen, aus der Rap Music, verbreitet sich in gemilderter Form in allen Musikformen, die nun dem Hip- Hop hinzugerechnet wurden und könnte als neues Selbstbewusstsein der überwiegend farbigen Jugend interpretiert werden. Im gesellschaftlichen Konsens wurde jedoch klar, dass dieses Selbstwertgefühl den Egoismus meint, etwas besonders zu sein.

„Nur wenn man etwas Besonderes ist lebt man“, könnte die tiefe Botschaft lauten. Die Rapmusik in Deutschland spielte lange eine untergeordnete Rolle und erst Recht die deutschen Rapper.
Mit den Fantastischen Vier („Die da“) vollzog sich eine entscheidende Wende. Rap in deutscher Sprache, mit einem wirklichkeitsnahem Text und einer furiosen Pointe wurde zum Hit. Die Fantastischen Vier waren in aller Munde und definierten ungewollt den kommerziellen Rap. Die Hard-Core-Szene, allen voran Moses Pelhalm, reagierte mit wüsten Beschimpfungen auf die schwäbischen Rapper. Angeblich würden sie mit ihrem kommerziellen Gedudel die Philosophie des Rap‘s zerstören, hieß es. Dabei erlebte der Rap durch die Fantastischen Vier erst seine wahre Geburtsstunde. Acts wie, Sterne Deluxe, Massive Töne, Freundeskreis, Der Wolf, Absolute Beginners, Fettes Brot, Fischmob, Bürger Lars Diedrich oder Cappuccino währen ohne die Pionierarbeit der Fantastischen Vier undenkbar gewesen. Später gesellte sich noch Xavier Naidoo und Sabrina Setlur (zuvor Sister S) bereichernd dazu. Trotz Anfeindungen der Hardcore Rapper sollte die Fantastischen Vier nicht nur viele Hits haben („Sie ist weg“, „m.f.g.“), sondern waren bei der Jugend sehr beliebt und wurden nun meistens Fanta 4 genannt. Der große Erfolg von Fanta 4, bewog die einzelnen Mitglieder zu erfolgreichen Soloprojekten.
Im Zusammenhang mit der Hip-Hop Szene steht Graffiti. Schon in den 80er Jahre verbreitete sich Graffiti auch in Deutschland als Unkultur. Graffiti wurde als Spraydosen Schmiererei angesehen und war weit von dem entfernt, dass man wirklich als fantasievolle Meisterwerke bezeichnen konnte. Bei aller Kunst und bei jedem Verständnis, nahmen sich Graffitikünstler ungenehmigt das Recht öffentliche Flächen zu besprühten. Die meisten Schmierereien an S-Bahnwaggons, in U-Bahn Stationen oder an Häuserwänden waren nicht anderes als Sachbeschädigungen, die dem Steuerzahler viel Geld kosteten. Heimlich und in der Nacht treiben Graffitis ihr Unwesen, wodurch sie schwer zu erwischen sind, zumal sie vermummt ihre Schandtat durchführen, bringen Videoaufzeichnungen nicht den gewünschten Erfolg.

 

http://www.crescendo.de/wp-content/uploads/2013/09/Fecho_troph_MG_7147_c_Markus_Nass.jpg                3. Der Deutsche Musikmarkt

► Deutschland war zum drittgrößten Musikmarkt der Welt aufgestiegen
► In Deutschland wurden englischsprachige Pop-Acts für den internationalen 
Markt produziert,
     aber auch deutschsprachige Musik verkaufte sich weltweit 
 hervorragend (z.B.: Rammstein in den USA).
► Um sich wirtschaftlich auf die Trends im Markt einzustellen wurde die Musikmesse Popkomm eingeführt.
     Zudem wurden richtungsweisend Preise der Schallplattenindustrie 
 an die Popkünstler in verschiedenen Genre
     vergeben. Der begehrteste Musikpreis wurde 
Echo, der ab 1992 jährlich verliehen wurde.

Auswahl von Preisträgern:

Künstler National
Gruppe National
1992    Herbert Grönemeyer   //  Pe Werner      
1993    M. M. Westernhagen  //  Sandra  
1994    Herbert Grönemeyer   //  Doro Pesch     
1995    M. M. Westernhagen  // Marusha
1996    Mark 'Oh   // Sabrina Setlur
1997    Peter Maffay  // Blümchen
1998    Nana  // Sabrina Setlur
1999    M. M. Westernhagen  // Blümchen
1992  Scorpions //
1993  Die Prinzen
1994  Die Toten Hosen / Selig
1995  Pur  // Lucilectric
1996  Pur // Kelly Famely
1997  Die Toten Hosen // Fool‘s Garden
1998  Tic Tac Toe  // Rammstein
1999  Modern Talking /  Rammstein
Schlager & Gruppen
Volkstümliche Interpreten / Gruppen
1993  Nicole  //  Howard Carpendale
1994  Rolf Zuckowski
1995  Claudia Jung  // Helge Schneider
1996  Angelika Milster  // H. Carpendale
1997  Wolfgang Petry
1998  Wolfgang Petry / Dieter Thomas Kuhn
1999  Michelle  // Wolfgang Petry //  Guildo Horn
1993  Kastelruther Spatzen
1994  Brunner & Brunner // Angela Wiedl 
1995  Die Flippers
1996  Kastelruther Spatzen
1997  Kastelruther Spatzen
1998  Kastelruther Spatzen    
1999  Kastelruther Spatzen  
Details entnehmen sie sie bei:  de.wikipedia.org/wiki/Echoverleihung

     

► Neue TV-Musiksender VH-1, ONYX und VIVA 2, neben MTV und VIVA
► Rekord: Das Medlay die „Längste Single der Welt“ von Wolgang Petry hielt sich über ein Jahr in der Top 100 der Verkaufscharts
     und war zudem wochenlang Top 10 Hit; VIVA 
spielte den Titel trotzdem nicht
► Mit teutonischen Gesten, tiefen Gesang und einer Feuershow begeistert Rammstein und  
werden hierzulande stark kritisiert.
     Ihrer Musik und dem Stil der Darbietung wird als 
nationalistisch gewertet. Die Kritik bleibt aber zurückhaltend, da die Gruppe 
     besonders in 
den USA zum Exportschlager geworden ist. Tourneen der Band in Amerika sind stets ein voller Erfolg und das
     Publikum grölt in Deutsch ihre Lieder.

► Im Zuge einer Antihaltung zu einem ausartenden Verständnis von Demokratie und Freiheit, wuchs bei vielen Jugendlichen der
     Wunsch nach einer straffen Ordnung. Aufgrund 
dessen stieg die Popularität von radikalen Gruppierungen. Speziell in Kreisen der
     Neo
nazis entstanden auch Rockgruppen, die nationalistische Parolen zum Besten gaben. Auf der Basis der freiheitlichen Meinungs-
     äußerung ging der Staat kaum dagegen vor, zumal 
jene Gruppen kommerziell keinen Erfolg hatten. Empfindlich reagierte der Staat
     über die
Medien auf erfolgreiche Gruppe, mit textlich nationalistischen Tendenzen. Die Gruppe Böhsen Onkelz wurde wegen
     textlichen Entgleisungen als Naziband diffamiert und auch 
das Video zu „Die Flut“ von Witt und Heppner stand vor einem Verbot.

SCHLAGER-Revival

♦ Der Schlager wurden noch von den meisten Medien (Radio, Fernsehen) ignoriert. Dagegen hatten sich die volkstümlichen Schlager
   etabliert und zahlreiche TV-Sendungen trugen dem 
Trend Rechnung. Immer mehr Schlagersänger traten demzufolge in volkstümlichen 
   Shows 
auf, zudem entstanden Mischformate. Die meisten großen Schlagerstars konnte jedoch über ihre Konzerte, ihre Popularität
   untermauern. Viele Interpreten produzierten nun vorrangig 
Alben, statt Singles. Der steigende Erfolg des Schlagers und überhaupt von
   deutschspra
chiger Musik bewirkte letztendlich ein Umdenken in den Medien.

♦  Schlagerstars der 90er (Top 10):
    1. Wolfgang Petry                                                6. Claudia Jung
    2. Nicole                                                               7. Flippers
    3. Roland Kaiser                                                   8. Michelle
    4. Howard Capendale                                           9. Kristina Bach
    5. Roger Whittaker                                             10. Udo Jürgens

♦  Volkstümliche Stars der 90er Jahre:
    1. Kastelruther Spatzen                                        6. Patrick Lindner
    2. Nockalm Quintett                                             7. Stefanie Hertel
    3. Paldauer                                                            8. Die Schäfer
    4. Wildecker Herzbuben                                       9. Hansi Hinterseer
    5. Brunner & Brunner                                         10. Andy Borg

♦  In der Schwulen- und Lesbenszene genossen Schlageroldies eine hohe Popularität. Im Kölner Klub Luxor parodierte der fettleibige
    Gildo Horn mit fettigen, strähnigen und 
lichten Haaren die Schlager aus den 70er und stieg schnell zur Kultfigur auf.
    Mit Schlaghosen, Afri Cola, Rüschenhemden und Hossa Rufen erinnerte er an die Glanzzeit des deutschen Schlagers.
    Mit dem Song „Ich find' Schlager toll“ („I love Rock'n Roll“- 
Joan Jett) gelang ihm sein größter kommerzieller Erfolg.
    Als Gegenpart zu Gildo Horn be
geisterte, der überzogen gestylte Dieter Thomas Kuhn, ebenso mit Schlager der 70er Jahre.
    Über die Klubs hinaus wurden nun auch Schlageroldies im Radio populär.

♦  Bei Ballermann-Partys oder Apres Ski-Feten gehörten deutsche Schlager mit dazu. Auf den Schlagerpartys auf Mallorca entstanden
    neue Partylieder, die von dort auch jede 
Party in Deutschland eroberten. Neben Jürgen Drews gehörten Michael Wendler und später
    Mickie Krause zu den ersten Stars des Ballermann-Kultes. 
   
Ansonsten wurde eine Reihe von alten Schlagern, Karnevalhits zu Partysongs gemacht und viele Interpreten und Gruppen gingen nach
    Mallorca, wo der Schlager wieder zuhause war. 
Außerdem wurden erst dort die Lieder von Andrea Berg zu Partyhits. Und selbst die
    Lieder 
zu den Kinderserien „Biene Maja“ oder „Heidi“ waren nun ein großer Hit. Die CD-Reihe „Ballermann-Hits“ erfreute sich stet
    einem enormen Absatz.

♦  Im Rahmen der neuen Schlagerbegeisterung verstärkte im Raum Berlin, der Radiosender Antenne Brandenburg den Schlageranteil.
    Im Fernsehen ging ab 1992 auf dem MDR das 
„Schlagermagazin“ auf Sendung und wurde mit Moderator Bernhard Brink ein großer
    Erfolg und im Osten sogar populärer als die ZDF-Hitparade.

Uminterpretierte Songs, zum Thema Wiedervereinigung, die Evergreens wurden

„Freiheit“ – Marius Müller Westernhagen: Mit diesem Lied verknüpften die DDR Bürger, ihre hohen Erwartungen nach der Wende. Mit Helmut Kohls Vision von „den blühenden Landschaften wurde dazu eine Vereinigungseuphorie geschaffen. Der Song selbst stammte aus dem Jahre 1987, indem Westernhagen allgemein alle selbstherrlichen Regierungen kritisierte, somit auch die Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl.
„Wunder geschehen“ – Nena: In diesem Lied wird das Wunder, des Mauerfalls nachempfunden, dass kein blutiger Aufstand nötig war und das sich somit manchmal einfach Hoffnungen erfüllen. Eigentlich thematisierte Nena, das Wunder der Geburt ihres Kindes, nach dem schweren Schock einer Todgeburt zuvor.
„Als ich fort ging“ – Karussell: Das Lied wurde entstand bereits 1987 (M: Dirk Michaelis; T: Gisela Steineckert) und beschreibt den Trennungsschmerz zur Geliebten, die sich von Verlockungen hat blenden lassen. Doch noch zu DDR-Zeiten wurde die politische Realität hineininterpretiert. Die hohe Zahl von Ausreiseanträgen und Flüchtigen in der DDR, schwächten die Opposition und reduzierten damit die Chance etwas zu ändern. Während der Wendezeit beklagte dann das Lied die anhaltende Fluchtwelle in den goldenen Westen und rüttelte indirekt an ein Heimatbewusstsein.

4. Hinweise zu den Jahrescharts der 90er Jahre

Grundlage der Zusammenstellung der Jahrescharts waren die Top-100 Auswertung von www.chartsurfer.de und der Internationalen Jahresanalyse von www.tsort.info/music.

Anmerkung: Typisch für den musikalischen Zeitgeist waren kurzlebige Hits, deren Popularität schnell erlosch. Dagegen gab es eine Reihe von Songs, die noch nicht einmal die Top 10 erreichten, aber beliebte Songs blieben. Zugunsten eines dauer-haften Erfolges wurden daher die Jahrescharts korrigiert und die Radiopräsenz berücksichtigt. Es war weiterhin nötig die Musik in separate Charts aufzuführen, wegen der Dominanz von englischsprachigen Songs, bedingt durch das enthusiastische Single-Kaufverhalten von Kids und Teens, da sich Deutschpop und Schlager kaum in den offiziellen Charts platzierten.

Spezielle Hinweise zu den Jahresbilanzen

1. Brennpunkte der Zeit werden beleuchtet und ausgesuchte Schlagzeilen und Wissenswertes sollen Ihnen ein grobes Bild über jenes
    Jahr vermitteln.

2. Internationale Hits wurden nach der Popularität (Präsenz in Radio & TV) korrigiert. Song = Titel des Liedes und <oldie> enthält
    Angaben zur Erstveröffentlichung. Stil = als 
Orientierung zum Stil gedacht, ist aber keine genaue Soundbezeichnung. Artist =Name
    des 
Interpreten/Gruppe. Nat. = Bezeichnet das Herkunftsland von Artist bzw. Land in dem die Gruppe oder das Produkt gegründet
    wurde. Ein = bezieht sich auf den ersten Erfolgsmonat, 
die Monatsnamen wurden abgekürzt (z.B.: Jan = Januar), steht dort eine
    Jahreszahl so war 
der Hit jahresübergreifend und wurde dem Erfolgsjahr zugeordnet.

3. Die Albumcharts orientieren sich an der internationalen Popularität, dazu gibt es Angaben zu der Bestplatzierung in den US, UK
    und Dt (deutschen) Charts. Dazu wurde die Top-10 
der deutschen Albumcharts aufgelistet und weitere relevante deutsche
    Produktionen aus 
den Albumcharts aufgeführt. Angemerkt sei, dass Misch-Sampler und  unbedeutende Best of… Alben zugunsten
    anderer Musikkünstler ausgeschlossen wurden.

4. USA und UK (Großbritannien) -Hits: In der Auswertung der Jahrestop-10 und der Jahrestop-100 wurde die 10 erfolgreichsten Songs
    des Jahres ermittelt.

5. Grand Prix de Eurovision: enthält Angaben über die punktbesten Songs, inklusive Komponist und Texter. Aufgeführt sind auch die
    jeweiligen BRD-Songs.

6. Unter Weitere Hits sind Song aufgeführt, die in dem Jahr sehr populär und mehrheitlich Hits des Jahres aus den USA oder dem UK
    waren. Einige Songs könnten deshalb ein 
Jahr später in den deutschen Charts auftauchen.

7. Im Bereich BRD-Schlager werden die erfolgreichsten Lieder aufgeführt, auf der Basis der ZDF-Hitparade und ähnlichen Sendungen
    im Radio & TV und CDs. Zudem wird eine 
Auswahl von volkstümlichen Schlagern aufgeführt, anhand von Best of… CD‘s.

8. Deutschsprachige Jugendhits meint beliebte deutschsprachige Songs, die es entgegen dem Mainstream schafften populär zu werden
    über Rundfunk und Fernsehen. In der 
Zusammenstellung sind die Lieder aufgeführt, die besonders von Jugendlichen gehört wurden,
    dazu zählte Schlagerpop (Pur) und Nonsens.

9. Neben der Interpreten-Bewertung (nach Popularität, Single & LP, Konzert) wurde eine Auswahl von Informationen in Punkto Sport,
    Kultur, Fernsehen und Kino (Kino-Charts) zusammengestellt.

10. Musiknotizen beinhalten einen informativen Querschnitt durch die Welt der Popmusik, der nicht allumfassend sein kann und sich
      am Mainstream orientiert (Jazz, Soul und 
Chansons etwas vernachlässigt).