Nachkriegsjahre

Die Nachkriegszeit  ( 1945 – 1949 )

Die vier Besatzungszonen0. Allgemeine Betrachtung

Die Themen der Zeit
  1. Die Ausgangssituation in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) 
  2. Die westlichen Besatzungszonen 
  3. Der Nürnberger Prozess 
  4. Die Bodenreform und Enteignung von Großfirmen 
  5. Schwarzmarkt und Lebensmittelkarten
  6. Gründung der Sozialistischen Einheitspartei (SED) in der Ostzone
  7. Berlin – Blockade

  8. Der Jüdische Staat Israel
  9. Hennecke / Aktivisten Bewegung im Osten
10. Gründung der beiden deutschen Staaten
11. Antikommunismus in den USA  - Truman Doktrin

12. Bedeutende Persönlichkeiten

 0. Allgemeine Betrachtung

Eine Welt im Umbruch. Der Zweite Weltkrieg hatte viel Leid und Zerstörung hinterlassen und überall hofften die Menschen auf mehr Freiheit und Gerechtigkeit. Die Hoffnung war groß, dass aus dem Niedergang eine strahlende Zukunft erblühen kann.

Weltweit standen die faschistischen Peiniger und Mörder am Pranger und Afrikaner und Asiaten wehrten sich gegen die europäischen Kolonialherren. Indien strebte nach Unabhängigkeit von Großbritannien, Vietnam wollte nicht wieder französische Kolonie werden, die Juden sehnten ihren eigenen Staat Israel herbei und in China kämpfte Maos Volksarmee gegen die korrupten Nationalisten.
Die Unterdrückten der Welt erhoben sich gegen die imperialistischen Herrscher und wollten ihnen weder militärisch noch wirtschaftlich dienen. Bedingt durch den 2. Weltkrieg waren die Kolonialmächte militärisch angeschlagen, wodurch sich der Erfolg von Aufständen erhöhte. Weltweit inspirierte die kommunistische Idee zu eignen nationalen Gesellschaftsformen, die später als Junge Nationalstaaten bezeichnet werden.
In Ost-Europa gewannen die Kommunisten durch den sowjetischen Einfluss die Oberhand und in den Industriestaaten des Westens forderte das Volk die Abkehr von Imperialismus und Kolonialismus und forderte eine demokratische Neuordnung und mehr soziale Gerechtigkeit. Zum Brennpunkt der Weltpolitik wurde Deutschland, da sich hier die Großmächte zweier feindlichen Gesellschaftssysteme direkt gegenüber standen. Infolge der Teilung des Landes
in Besatzungszonen, versuchte die UdSSR den Stalinismus in der Ostzone zu kopieren.
Die Westalliierten beließen im Wesentlichen die bestehenden Grundstrukturen. Ein Fakt, der besonders bei der Entnazifizierung für erhebliche Kritik sorgte. Beim Nürnberger Prozess wurden stellvertretend namhafte Sündenböcke verurteilt, aber ein erheblicher Teil von Schuldigen wurde im Vorfeld begnadigt oder rehabilitiert. In allen Staaten, wo der Krieg mit all seinen Schrecken tobte, wurde rigoroser gegen Nazis und deren Helfer Verfahren. Außerhalb Deutschlands richtete sich die Wut in Europa mehrheitlich gegen die Kollaborateure und zurückgebliebene deutsche Siedler.
Das Experiment Sozialismus war in Ostdeutschland mit beträchtlichen Schwierigkeiten verbunden und die willkürliche Umsetzung verstimmte die Bevölkerung. Fatal wirkten sich Firmenenteignungen wirtschaftlich aus und die Bodenreform löste nicht das Ernährungsproblem.
Angesichts einer instabilen Lage im Osten, sah die USA die Chance die Sowjets scheitern zu lassen, sie aus Deutschland zu vertreiben und wirtschaftlich in den Ruin zu treiben.
Mit ideologischen und politischen Mitteln verschärften die USA die Spannungen zur Sowjetunion, dass in der Geschichte als Kalter Krieg bezeichnet wurde. Berechnend bauten die USA in den Westzonen ein demokratisches Modell auf und unterstützten den wirtschaftlichen Aufbau. Somit konnte der Westen mit seiner Scheindemokratie und einem höheren Lebensstandard für sich werben. Politisch nutzte die USA jede Möglichkeit die Sowjetunion ins Abseits zu stellen und sie als unmenschliche Willkürherrschaft zu diffamieren.
Die Realitäten in der Ostzone schienen das zu unterstreichen und die Ostbürger fühlten sich als die benachteiligten Deutschen. Neidisch sah die Bevölkerung auf ihre Brüder und Schwestern im Westen. Besonders die Insel Westberlin wurde zum zentralen Vorzeigemodell. Die Missstände in der Ostzone und die ideologische Diversion des Westens machten aus dem Osten ein Pulverfass.
Die Währungsreform in den Westzonen war ein weiterer gezielter Schlag gegen die instabile Wirtschaft des Ostens, mit einer erheblichen Inflationsgefahr. Als Gegenmaßnahme darauf folgte die Berlin-Blockade (1948), die für das sowjetische Oberkommando nach hinten losging. Einmal mehr schien sich das Bild einer inhumanen Sowjetunion zu bestätigen.

Die USA reagierten mit einer Versorgungsluftbrücke und waren die „Guten“, deren Militär-flugzeuge liebevoll Rosinenbomber genannt wurden. Trotz aller Widrigkeiten stabilisierte sich die Ostzone, obwohl das selbstherrliche Regime zu oft die Stimme des Volkes ignorierte und Kritik als Angriff gegen den Sozialismus verstand. 1949 vereinigten sich die Westzonen zur Bundesrepublik Deutschland und im Gegenzug gründete sich die Deutsche Demokratische Republik und besiegelten die Teilung Deutschland.

1. Die Ausgangssituation in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)

In den letzten Kriegstagen von 1945 intensivierten angloamerikanische Bomber die todbringende Last speziell auf östliche Großstädte (Berlin, Magdeburg, Dresden). Schnell wurde klar, dass die angebliche Hilfe der Alliierten für die sowjetischen Truppen ein eiskaltes Kalkül war. Für die Imperialisten galt die sozialistische Sowjetunion als der Todfeind. Seit 1917 war deren Existenz der Motor für die Arbeiterklasse in der gesamten Welt und zwang die Unternehmer zu sozialen Zugeständnissen. In der Hoffnung, dass Adolf Hitler dem sozialistischen Spuk ein Ende bereitet, hielten sich die Westmächte im Kampf gegen Deutschland zunächst zurück. Schließlich kam alles anders und nun sollte die Rote Armee nur noch ein zerbombtes Land vorfinden. Am 8. Mai 1945 erfolgte die offizielle Kapitulation Deutschlands und der Frontverlauf entsprach der Linie Wismar, Magdeburg, Leipzig.
Beim Potsdamer Abkommen wurde die Gebietsaufteilung konkretisiert. Die Sowjetunion erhielt insbesondere das intakte Thüringen dazu und die Hauptstadt Berlin wurde in vier Sektoren geteilt. Die drei Westsektoren sollten sich schon bald als Trojanisches Pferd entpuppen und wurden zur strategischen Insel mitten im sozialistischen Osten. Die deutschen Ostgebiete (Schlesien, Pommern, große Teile Ostpreußens) jenseits von Oder/Neiße erklärte die Sowjetunion zum polnischen Hoheitsgebiet und verleibte sich selbst polnische Ostgebiete ein. Die Alliierten akzeptierten Stalins Gebietsaustausch, dafür räumten die Sowjets Wien.
Im Gegensatz zu Deutschland wurde Österreich von den Alliierten bis 1955 nur kontrolliert, ohne einer Besetzung oder direkten Einflussnahme.
Nach dem Potsdamer Abkommen zogen sich die Truppen der Siegermächte in die jeweiligen Zonen zurück, der Berlinstatus wurde festgeschrieben und die Verfahrensweise abgestimmt, in deren Mittelpunkt die Entnazifizierung stand.

Ostdeutschland lag in Schutt und Asche, neben den vielen Tränen von Kummer und Leid. Das größte Problem seiner Zeit war die Lebensmittelversorgung in den Großstädten. Jenseits von Oder/Neiße kamen Tausende Umsiedler, Deutsche die ihre Heimat Schlesien und Pommern verlassen und zum Teil brutale Übergriffe erdulden mussten. Unbekannt ist die Zahl der Opfer, die auf ihren Weg den Tod fanden. Für die zahlreichen Umsiedler musste das sowjetische Oberkommando Unterkünfte schaffen und verfügte Zwangseinweisungen. Nicht selten zeigten die ländlichen Bewohner wenig Verständnis für die Flüchtlinge und brachten ihnen Hass entgegen, weil sie ihren Wohnraum und Nahrungsmittel mit ihnen teilen sollten.
Wieder einmal zeigte sich, wie egoistische Denkweisen Bedürftige herzlos ausgrenzten.
Dagegen ist der Hass der sowjetischen Soldaten gegen die Deutschen eher nachvollziehbar. Gerade in Russland tobte der Krieg am heftigsten und die Grausamkeiten gegenüber der Bevölkerung waren hier am schrecklichsten. Speziell die Waffen-SS wütete mit unvorstell-barer Brutalität im russischen Hinterland. Und obwohl keine Steigerung mehr möglich schien, sahen die Soldaten der Roten Armee noch abscheulichere Taten der Deutschen in den Vernichtungslagern (KZ). Sie sahen Berge verbrannter Leichen, darunter Frauen und Kinder. Die Lagerräume waren gefüllt mit Sachen und ließen das gesamte menschenverachtende Ausmaß erahnen und die wenigen Überlebenden waren Hungergestalten, die nur noch Haut und Knochen am Leben erhielt. Leider entlud sich oftmals der Zorn der sowjetischen Soldaten an die Falschen. Die Art und Weise von Übergriffen, Vergewaltigungen und Plünderungen ist letztendlich die Summe von dem, was Deutsche anderen Völkern angetan haben.

Die Abrechnung mit allen verdächtigen Nazis fiel demzufolge besonders heftig aus. In Schnellverfahren wurden sie abgeurteilt und zahlreichen Angeklagten wurde das Recht auf Verteidigung verwehrt, ganz zu schweigen von einem ordentlichen Verfahren. Wer nicht gleich erschossen wurde, kam ins Straflager. Dazu dienten die ehemaligen Konzentrationslagern und ein weiteres düsteres Kapitel deutscher Geschichte wurde geschrieben. Unter unwürdigen Verhältnissen starben dort viele Gefangene. Neben den vermeintlichen Kriegsverbrechen kamen später Kriminelle und politische Gefangene dazu. Die Bewertung eines Feindes der sozialistischen Gesellschaft war Interpretationssache. Gerne entledigte man sich ebenso unbequemen Personen.
Die Sowjetische Militäradministration begann neben der Entnazifizierung, auch mit der Demontage von Anlagen und Geräten der Rüstungsindustrie. Laut des Viermächteabkommens sollten alle Fabrikanlagen abgebaut werden, die bisher dem Krieg dienten, um eine illegale Wiederbewaffnung zu verhindern. Lediglich die Sowjetmacht ließ konsequent entsprechende Maschinen und Anlagen nach Russland bringen.
Die kommunistische Gruppe um Walter Ulbricht war aus dem Exil zurückgekehrt und voll-zog mit dem sowjetischen Oberkommando den Umbau der Gesellschaft. Neben der KPD wurde die SPD neu gegründet und die CDU und LDPD als Parteien zugelassen. Die Gewerkschaften wurden im FDGB zusammengefügt und die Volkspolizei gegründet. Die Länder Mecklenburg, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen wurden gegründet bzw. neu geordnet. Zudem wurde den Ländern die Bodenreform übertragen.
Mit dem Kopieren des Stalinismus wurde zunächst eine politische Basis geschaffen. Das hieß, zwei Arbeiterparteien waren eine zu viel. 1946 wurde der Zusammenschluss von KPD und SPD zur SED beschlossen, nicht ganz freiwillig aufseiten der SPD. Die Jugend sollte in der FDJ seine geistige Heimat finden und die neue Verwaltung des Inneren (DVdI) überwachte den sozialistischen Kurs. Die DVdI war der Vorläufer der späteren Staatssicherheit, zu der schon Erich Mielke gehörte. Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte die Führung, das Volk hinter sich zu haben. Ernüchternd waren jedoch die Kommunal- und Landtagswahlen vom 20.10., bei der die SED insgesamt auf 47,5 % aller Stimmen kam (Mecklenburg 50 %, Brandenburg 44 %, Sachsen 49 %, Sachsen-Anhalt 46 %, Thüringen; 50 %). Die Gründe dafür waren verschieden. Schwer wogen die schlechte Wirtschaftslage und die Mangelversorgung in allen Bereichen. Die Bodenreform fruchtete nicht und die Nahrungsmittelversorgung in den Städten verbesserte sich kaum. Speziell erzürnten das Volk die Willkürmaßnahmen des Regimes, wo jedes falsches Wort Straflager bedeuten konnte.
In der zerbombten wirtschaftlichen Wüste fehlte es außerdem an Fachkräften, um die Industrie anzukurbeln. Ungeachtet dessen wurden trotzdem die kapitalistischen Firmenleitungen abgesetzt und durch linientreue Arbeiter oder Sozialisten ersetzt. Für die Leitung einer Firma waren sie meist wenig geeignet, zumal sozialistische Leitungskader erst noch ausgebildet werden mussten. Ein weiterer Schlag folgte im Oktober 1946, wo die Ostzone 2.000 Ingenieure in die Sowjetunion delegieren musste, die dort an der Kern- und Raketentechnik mitarbeiten und ihr spezielles Wissen einbringen sollten. Immer wieder mal wurden dringend benötigte Fachkräfte in die UdSSR abgezogen. Die Industrie lag am Boden und erst am 11. Juni 1946 änderte sich etwas.

Die Deutschen Wirtschaftskommission (DWK) gegründete sich und organisierte den wirtschaftlichen Aufbau. Zu diesem Zweck wurde eine sozialistisch orientierte Strategie entworfen und das bisherige System umgestaltet (Planwirtschaft).
Nebenher intensivierte die Regierung die Säuberung in den Schaltzentralen der Macht.
Im Verwaltungsapparat wurden die letzten bürgerlichen Beamten ihrer Tätigkeit enthoben und durch Sozialisten ersetzt und letzte Firmenleitungen von Werken mussten ihren Platz räumen. Kleinbetriebe und Handwerksfirmen waren davon weniger betroffen.
Das Ganze ging mit einer Reihe von sich oft ändernden Gesetzen und Anordnungen einher, die zur Verunsicherung beitrugen und den Volkszorn entfachten. Jedoch die Furcht vor dem sowjetischen Militär hielt die Bevölkerung im Zaum. Zahlreiche Menschen verließen deshalb das Land oder fühlten sich vertrieben. Die Enttäuschung über die sozialistische Idee war groß und so sangen sie das Lied des Westens, über eine hartherzige Diktatur. In allen Bereichen sah sich das Volk bevormundet, selbst welche Musik sie hören sollten.
Nachdem die Ost-CDU für die Funktionäre zu populär wurde, setzte das Regime willkürlich den Parteivorstand ab und ersetzte ihn durch SED nahe Mitgliedern. Als Blockpartei ordnete sie sich der SED unter und erhielt dafür in der Volkskammer (Parlament) festgeschriebene Sitze. Die Summe jener Dinge grub eine tiefe Kluft zwischen Volk und Machthabern. Das Deutschland nicht Russland war und somit der Stalinismus hier nicht wie erhofft funktionierte, begriffen die Kommunisten ziemlich spät. Eigentlich zu spät.

2. Die westlichen Besatzungszonen

Die Westzonen waren weit weniger zerstört als der Osten und die Übergriffe der alliierten Soldaten auf Deutsche hielten sich in Grenzen. Es kamen auch weniger Flüchtlinge oder Umsiedler in die Westzonen, aufgrund der Wegstrecke. Allerdings flüchteten aus Angst vor der Roten Armee vor allem wohlhabende Bürger (Adlige, Unternehmer) vom Osten in den Westen. Zudem kamen aus Böhmen und vom Balkan Vertriebene nach Bayern. Wie im Osten wurden den Bedürftigen mittellosen Flüchtlingen Wohnraum zugewiesen und musste dieselbe Verachtung der Einheimischen erdulden.
Die Entnazifizierung wurde hier inkonsequent betrieben, so wurden hier kaum Todesurteile vollstreckt. Das lag daran, dass weder Briten noch Amerikaner einer direkten Besetzung durch Faschisten ausgesetzt waren und selbst Frankreich, erlebte die mildere Form nazistischer Gewalt. Die Betroffenheit war daher eine andere und vermeintliche Verbrecher hatten dadurch bessere rechtliche und gerichtliche Chancen. Wer sich nicht nachweisbar eines Verbrechens schuldig gemacht hatte, konnte mit Freispruch rechnen und Handlager wurden sowieso rehabilitiert. Im Großen und Ganzen blieben daher die alten Verwaltungsstrukturen bestehen und die Firmeneigner behielten ihre Fabriken. Aufbauend auf dieser Grundlage konnte die Wirtschaft und das öffentliche Leben schnell wieder angekurbelt werden.

Zudem waren die USA an einen schnellen Aufschwung der Westzonen interessiert. Für die USA wurde Deutschland zum wichtigen Absatzmarkt und sie konnten über die Ostzone die Sowjetunion schädigen.
Im Kalten Krieg entwickelten die USA Strategien, den Sozialismus im Osten zum Scheitern zu bringen, die Kommunisten als Unrechtsherrschaft zu diffamieren und die UdSSR zum Rückzug aus Deutschland zu zwingen. Zu diesem Zweck sollte der Westen mit einer freiheitlichen Demokratie und einem hohen Lebensstandard für den Kapitalismus werben. Vom dieser Ideologie der USA profitierte die westdeutsche Bevölkerung und erlebte einen rasanten Aufschwung. Der US-Plan schien aufzugehen, da sich die Ostbevölkerung bestraft fand und eine Rebellion gegen die Kommunisten, nur eine Frage der Zeit schien.
Die westliche Bevölkerung genoss die Konjunktur und erteilte den sozialistischen Parteien eine Abfuhr, insbesondere der KPD (West). Briten und Franzosen verfolgten das Spiel der USA mit Skepsis, weil aus Verlierern wirtschaftliche Gewinner wurden. Zweifelsohne war aber die USA der militärische Sieger des Krieges, wodurch die Verbündeten die politische und wirtschaftliche Dominanz missmutig akzeptierten. Die ehemaligen Großmächte konnten allerdings der USA nichts entgegensetzen, zumal sie mit den Kriegsfolgen zu kämpfen hatten und die Völker in ihren Kolonien rebellierten.
Die Briten und Franzosen setzten zumindest in ihrem Zuständigkeitsbereich, die heutige Länderordnung durch und beendeten die bisherige Kleinstaaterei. Nordrhein-Westfalen, Schleswig Holstein, Niedersachsen und die Freistadt Hamburg gehörten dann zur britischen Zone. Die Franzosen kontrollierten die Länder Baden, Württemberg und Rheinland-Pfalz, und das Saarland wurde ins französische Staatsgebiet eingegliedert.
Die Amerikaner begnügten sich vorerst mit den Ländern Bayern und Hessen, und bestanden auf einen Zugang zur Nordsee. Bremen wurde dadurch zum eigenen Bundesland. Später gaben die Franzosen Baden und Württemberg an die USA ab, die daraus ein vereintes Bundesland machten. Das übergeordnete Sagen in der Westzone hatten jedoch die USA. Sie führten somit auch die Nürnberger Prozesse durch. Von den ersten freien Kommunalwahlen in Hessen waren die Verbündeten weniger erfreut, denn es verdeutlichte die amerikanische Absicht einen westdeutschen Staat zu gründen. Frankreich und Großbritannien stemmten sich gegen diese Pläne, da es Deutschland völkerrechtlich nicht verdient hatte, wieder als Staat zu existieren. Angesichts der eigenen wirtschaftlichen Situation missfiel ihnen auch der Aufschwung der Deutschen, der in ihren Augen aus den Verlierern Sieger machte. Zur politischen und wirtschaftlichen Ohnmacht der Briten und Franzosen kam, dass sie ihre Truppen aus Deutschland abziehen mussten, da ihre Truppen in den unruhigen Kolonien gebraucht wurden. Speziell Frankreich war dadurch mit der Verwaltung Süddeutschlands überfordert und gab diese an die USA ab.
Mit der Währungsreform wagten die USA einen weiteren wichtigen Schritt zur Staatsbildung und schädigte damit gezielt die angeschlagene Wirtschaft im Osten. Die bewusste Konfrontation mit der Sowjetunion setzten die amerikanischen Truppen in Alarmbereitschaft und hofften auf ein unüberlegtes Handeln der UdSSR oder einem Aufstand in der SBZ. Unerwartet reagierte die UdSSR mit der Berlinblockade, deren folgende Luftbrücke für die Alliierten finanziell aufwendig war. Innerhalb des Bündnisses wurde kontrovers diskutiert Berlin aufzugeben, aber für die USA blieb Berlin strategisch wichtig. Eine Insel mitten im sozialistischen Osten eignete sich hervorragend für die ideologische Einflussnahme.

Die Bedeutung von Westberlin brachte der Stadt die größten Freiheiten und den höchsten Lebensstandard in ganz Deutschland ein. Berlin wurde in allem bevorteilt. Die Stadt eignete sich auch hervorragend als Radiostandort, für gezielte ideologische Angriffe. Die USA baute den Sender RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) auf, der gezielt auf den Osten ausgerichtet war und als die Stimme der freien Welt für sich warb. Durch die Hochleistungsantenne konnte der Radiosender in großen Teilen der SBZ empfangen werden. Später kam die Sendeanlage Hof (Bayern) hinzu und deckte fast die gesamte DDR ab. Im Zeichen der Blockade begriff sich der RIAS als die freie Stimme Berlins. Gezielt heizten sie die Emotionen der Berliner an und verurteilten die Maßnahmen der Sowjetunion und deren deutschen kommunistischen Marionetten. Der RIAS wurde der beliebteste Radiosender seiner Zeit für Berlin und der SBZ. Ein erhoffter militärischer Konflikt mit der Sowjetunion kam jedoch nicht zustande und die USA wollten nicht als Aggressor dastehen (siehe konkretes im Abschnitt „Berlin-Blockade“).
Die Machthaber im Osten versuchten ihrerseits den entstandenen Imageschaden zu kompensierten, indem sie dem Westen mehrfach Pläne für einen gesamtdeutschen Staat anboten. Die USA lehnte jedes Mal ab, weil die Vertragspapiere sozialistische Parteien bevorzugen würden. Stattdessen hielten die USA an der westdeutschen Staatsgründung fest, wodurch die sowjetische Berlin-Blockade keinen Sinn mehr machte und beendet wurde. Mit dem Festakt zur Ratifizierung zum Grundgesetz gründete sich die Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949, ohne direkten Gründungsfeiertag, da Ostdeutschland und die Ostgebiete jenseits der Oder im Sinne des Grundgesetzes fehlten. Außerdem fand erst am 14. 08. 1949 die Wahl zum ersten Deutschen Bundestag statt und mit der Bildung des Adenauer Kabinetts (20. 09. 1949), wurde der Staat regierungsfähig.

3. Der Nürnberger Prozess

Der Nürnberger Prozess umfasst alle Gerichtsverfahren gegen die Hauptkriegsverbrecher und gliederte sich in 12 Gruppenanklagen, durch den amerikanischen Gerichtshof. Vom 20. 11. 1945 bis zum 14. 04. 1949 fanden die Verfahren im Justizpalast von Nürnberg statt. Das Gericht ließ deutsche Verteidiger zu, unter anderem Hans Laternser. Er setzte sich besonders für die Wehrmacht ein, die sich seiner Meinung keiner Kriegsverbrechen schuldig gemacht haben und sich von Aktionen der Waffen-SS distanziert haben. Der erste Prozess vor einem internationalen Militärgerichtshof konnte auf keine eigene rechtliche Basis zurückgreifen, sondern erarbeite eine Verfügung des Völkerrechts auf der Grundlage des Haagener Abkommen vom 1.Weltkrieg. Das Papier regelte die Verfahrensweise bei der Tötung oder Misshandlung von Kriegsgefangenen, Hinrichtung von Geiseln und der Verschleppung zur Zwangsarbeit.
Im Anklagepapier galt es, Personen zu bestrafen, die sich Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden oder gegen die Menschlichkeit schuldig gemacht haben. Nur welche Handlungen waren in diesem Sinne strafbar?
Obwohl die Judenverfolgung als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet wurde, war die rechtliche Einordnung schwierig. Nach deutschem Recht galten sie als Strafgefangene.
Da dem Naziregime die Vernichtung „unwerten“ Lebens nachgewiesen werden konnte, wurde die Judenverfolgung als Tötungsdelikt angesehen und nach internationalem Recht verfahren. Ein ähnlicher Streitpunkt war die Definition des Begriffes Angriffskrieg. Die Verteidigung warf den Alliierten etliche Verstöße vor, die einem Angriff entsprachen. Beispielsweise wurde das bombardieren der deutschen Städte (Dresden, Magdeburg, Berlin) kritisiert.
Die Verteidiger fanden immer wieder Gesetzeswidersprüche zugunsten ihrer Angeklagten. Innerhalb der Allliierten kam es deswegen zu Querelen über die Prozessordnung, wie das Zulassen deutscher Verteidiger und das Bewerten einer Straftat. Ursprünglich waren weitere Prozesse geplant, aber im Streit um die Anwendung entsprechender Gesetze orientierte sich die USA an das Strafrecht gemäßigter Staaten. Somit konnten schon im Vorfeld keine weiteren Anklagen erhoben werden. Infolge der zunehmenden Spannungen zu der Sowjetunion waren zudem die USA nicht mehr an einer Strafverfolgung interessiert.


Unter den 185 Angeklagten waren: 39 Ärzte und Juristen; 56 Mitglieder der SS und Gestapo; 42 Industrielle und Manager; 26 militärische Führer; 22 Regierungsvertreter
Urteile:  24 x Todesurteile; 98 x lange Haftstrafen; 35 x Freispruch ⇒ nur 12 Todesurteile 
wurden tatsächlich vollstreckt und 12 Urteile in lebenslange Haftstrafen umgewandelt
 Speziell angeklagt waren: KZ-Ärzte; Generalfeldmarschall Erhard Milch; Nazi-Juristen; SS-Hauptamt; Flick Konzern; IG Farben; Krupp Konzern; Oberkommando der Wehrmacht


Im nach hinein wurden die Nürnberger Prozesse kritisiert, weil zu wenige Täter angeklagt wurden und viele Angeklagte zu milde bestraft wurden. Eine Hauptschwäche war der juristische Ansatz zur Bestrafung des Völkermordes an den Juden, die nur Anklage erhoben, wenn ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit nachgewiesen werden konnte. Völlig außen vor waren alle Verbrechen vor dem 01. 09. 1939. Gerade die Überlebenden des Holocausts waren verbittert darüber. Ebenso unverständlich war, dass nur drei Wirtschaftsunternehmen der Mittäterschaft angeklagt waren und milde Urteile erhielten bzw. freigesprochen wurden. Viele wirtschaftliche Unternehmen, wie die Deutsche Bank, trugen ebenfalls eine hohe Mitschuld an den Naziverbrechen. Aber die Alliierten verfolgten längst andere Pläne und dazu brauchte man die alten wirtschaftlichen Strukturen.
In der Ostzone wurde bedeutend radikaler Verfahren. In Westeuropa wurden mehrheitlich Kollaborateure angeklagt und erhielten Todesurteile und in Osteuropa richtete sich der Zorn gegen alles, was deutsch war. Europa wurde in der Nachkriegszeit von diversen Rachetragödien überschattet und zahlreiche Menschen wurden Opfer der Lynchjustiz.
Schätzungsweise 90.000 Menschen wurden in Europa ermordet, durch Massaker oder der Lynchjustiz. Beim Todesmarsch von Bleiburg in Jugoslawien fanden etwa 40.000 Deutsche und Kollaborateure den Tod. Nachdem die letzte deutsche Enklave (Böhmen) kapitulieren musste, starben bei der Vertreibung circa 5.000 Deutsche bei Brno (Brünn).
Bis heute ungeklärt, sind die Opfer der Zwangsumsiedlung aus Schlesien und Pommern, die nun polnisches Staatsgebiet waren. In der Endabrechnung mit dem Hitlerregime wurden viele Unschuldige zu Opfer. Eine Mitschuld daran tragen auch die Nürnberger Prozesse, deren Inkonsequenz die Menschen Europas zusätzlich erzürnte. Vor allem die Überlebenden des Holocausts waren aufgebracht darüber, wie viele Täter auf freien Fuß blieben, zu milde oder gar nicht bestraft wurden. Bis in die 70er Jahre hinein, musste sich diesbezüglich, die Bundesrepublik immer wieder Vorwürfe gefallen lassen.

4. Die Bodenreform und Enteignung von Großfirmen

Am 03.11. - 11. 09. 1945 wurde für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) die Verfahrens-weise für die Bodenreform beschlossen und in Sachsen gestartet. In der ersten Phase wurden zunächst alle Großgrundbesitzer entschädigungslos enteignet mit einer Agrarfläche von über 100 Hektar, sowie alle Besitzer, die als Kriegsverbrecher angeklagt oder aktive NSDAP Mitglieder waren. Jene die Nutznießer des NS-Regimes (z. B.: durch Zwangsarbeiter) oder aktive Nazis waren, wurden in Straflager interniert. Die anderen, meist adlige Großgrundbesitzer, mussten sofort ihr Grundstück verlassen und alles zurücklassen inklusive Möbel, Wertgegenstände und Barvermögen. Ein gewisses Handgepäck wurde ihnen zugestanden und umfasste persönliche Erinnerungsstücke, ohne Wert und etwas Bargeld zum Überleben. Übrigens, der kirchliche Landbesitz blieb weitgehend unangetastet.
Die SBZ war im Wesentlichen ein Agrarland, da die wenige Industrie zerstört oder demontiert wurde und ein industrieller Aufschwung mit Kleinfirmen nicht möglich war. Das dringendste Problem der Zeit war die Ernährungslage und das erforderte die konsequente Beschlagnahmung des Eigentums aller ideologischen Feinde der Kommunisten. Man hoffte mit der Bodenreform aristokratische Sabotageakte verhindert zu können und das die Mittellosen, wie Kleinbauern, Pächter und Vertriebene engagierter ihre Aufgabe erfüllen würden.

Das Oberkommando zielte auf eine verbesserte Versorgung des Landes mit Lebensmittel und gab damit einem Heer von Erwerbslosen eine Aufgabe und Besitz. Über Sachsen weitete sich die Bodenreform über das gesamte Land aus.
Die Landbevölkerung wertete den Schritt überwiegend positiv. Dennoch kam es zu einigen Missstimmungen, sie betrafen besonders den Mangel an landwirtschaftlichen Geräten und Maschinen. Der Viehbestand war bedenklich knapp, zumal vorgesehenes Zuchtvieh für die notleidende Stadtbevölkerung geschlachtet werden mussten. Mehr als die Hälfte der Existenz-gründer mussten ohne eigene Hofgebäude auskommen, wodurch die Neubauern von den Altbauern abhängig wurden.
1945 wurde ein Bedarf von etwa 100.000 Wohnhäusern, Scheunen und Ställen berechnet.

Da Baustoffe Mangelware waren, durfte die Landbevölkerung die Herrenhäuser und andere Gutsgebäude abreißen, was sich als kurzsichtig erwies. Neben der Zerstörung von Kulturgütern wurden ebenso Wohnräume abgerissen. Gerade Herrenhäuser eigneten sich hervorragend für den späteren Bedarf an Sanatorien oder Kinderheimen. Für die Regierenden war der Schwarzmarkthandel das größte Problem. Vor allem im Raum Berlin schafften die Bauern oder Zwischenhändler Lebensmittel nach Westberlin. Ostwaren, konnten im Verhältnis zu den westdeutschen Produkten (Transportkosten), preiswerter angeboten werden und wurden für die Ostbauern zu einem profitablen Geschäft, zumal vieles auf dem Schwarzmarkt vertrieben wurde. Westberlin hatte daher kaum Nahrungsmittelprobleme, aber in Ostberlin fehlten deshalb die Waren des täglichen Bedarfs (auf Lebensmittelscheine).
Durch die Profitgier von einigen Bauern konnte das Ernährungsproblem in Ostberlin nicht gelöst werden. Und Berlin war schon bevorteilt, in den anderen Städten der Ostzone sah die Lage noch düsterer aus. Das sowjetische Oberkommando musste hart durchgreifen und die Bauern stärker überwachen. So manches Exempel wurde statuiert. Sie zentralisierten das Abholen der Lebensmittel und führten die Abgabepflicht ein, nach Einschätzung der realen Produktivität. Mehrheitlich waren es die Großbauern, die illegale Geschäfte betrieben.
1946 wurden einige von ihnen enteignet, so mancher auf bloßen Verdacht (Denunzierte) hin. Mit der Abgabepflicht überlegten sich Bauern effektiver zu wirtschaften und schlossen sich zusammen. Obwohl damit die Produktion anstieg, befürchtete die Regierung ein geschicktes Manöver (Strategie). Die Überproduktion wäre schwerer nachprüfbar gewesen und ein illegaler Handel, mit Westberlin, könnte im großen Stil erfolgen. Zunächst wurden solche Gemeinschaften so nicht erlaubt, aber die gemeinsame Nutzung der Landmaschinen wurde begrüßt. 1948 galt die Bodenreform als abgeschlossen. Nun sollte ein System der Zentralisierung gefunden werden, eine übergeordnete Verwaltung.
Am 01. 07. 1949 wurden die Volkseigenen Güter (VEG) gegründet. Im Rahmen der zentralen Leitung wurde nun ein gemeinsames kontrolliertes Wirtschaften der Bauern befürwortet. Die VEG war der Vorläufer der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), bei der jeder Bauer Grund und Boden behielt und eigene Einnahmen erwirtschaftete. Bei der späteren LPG mussten die Bauern ihr Land für eine großflächige Nutzung abtreten und aus den Mit-gliedern wurden Angestellte und bekamen dafür einen sicheren Festlohn.

5. Schwarzmarkt und Lebensmittelkarten

Im Nachkriegsdeutschland verlor Geld vorerst seine Bedeutung, wichtiger war die Ernährung. Das Defizit von Waren, infolge des Krieges, ließ stattdessen den Schwarzmarkt erblühen und die wenigen Lebensmittel wurden auf Lebensmittelkarten ausgegeben. Lebensmittelkarten sollten eine gerechte Verteilung bewirken. Unabhängig vom Vermögen des Einzelnen sollte eine Hungersnot vermieden werden. Die Bezugsscheine wurden in Kategorien eingestuft nach der Schwere der Arbeit. Trotz der rationierten Verteilung der Warenbestände kam es besonders bei Nahrungsmittel immer wieder zu Engpässen. Im erheblichen Maße trugen die Bauern eine hohe Schuld, die ihre Produkte heimlich über den Schwarzmarkt (illegaler Tauschmarkt) verkauften. Fleisch, Wurst, Brot oder Kartoffeln wurden somit illegal gegen Wertgegenstände getauscht. Begehrt waren Schmuck, Kunstartikel, Baustoffe oder Kleidung.
Geld galt als unsicheres Tauschmittel, wegen der möglichen Inflationsgefahr. Demzufolge wurden, wenn überhaupt, unverhältnismäßig hohe Geldbeträge für eine Salami oder ein paar Eier verlangt. Infolge des Schwarzmarktes prostituierten sich zunehmend Frauen für Nahrungsmittel, bei den jeweiligen Händlern, Bauern oder den Privilegierten (Offiziere der Alliierten, Regierende). Männer wurden häufig kriminell, überwiegend durch Diebstähle von Tauschwaren (Wertgegenstände) oder Überfälle auf Lebensmitteltransporte.

Der hohe Schaden des Schwarzmarktes zwang die Behörden zum Handeln. In allen Zonen griff das Militär mit aller Härte gegen den illegalen Tauschhandel durch. Selbst in der amerikanischen Zone wurden deswegen Todesurteile verhängt, weil der Lebensmittelhandel die Versorgung der Bevölkerung gefährdete und ein Klima der revolutionären Unruhe schuf.  In den westlichen Besatzungszonen verbesserte sich jedoch spürbar die Ernährungssituation, sodass sich die Warenmenge für die Bezugsscheine erhöhte und einige Waren in den freien Verkauf übergingen.
In der Bundesrepublik Deutschland konnten 1950 die Lebensmittelkarten abgeschafft werden. Viel prekärer sah die Situation im Osten aus. Obwohl sich auch hier langsam die Nahrungsmittelsituation verbesserte, so gab es kaum eine Ware im Überfluss. Um Hamsterkäufe zu unterbinden, wurden die Bezugsscheine bis Mai 1958 beibehalten. Die Maßnahme diente auch dazu den Schwarzmarkt einzudämmen. Die Gefahr war zu groß, dass Profit-Haie begehrte Waren aufkauften und sie teuer auf dem Schwarzmarkt anboten.
Lebensmittel wurden danach staatlich subventioniert und der geringe Preis machte den illegalen Handel sinnlos. Dennoch prägte die Mangelwirtschaft bis zum Ende der DDR den Schwarzmarkt, auf der Basis „Hast du dies, gebe ich dir das“. Auf dem Lande gab es bis 1966 noch den Bezugschein für Speisekartoffeln und die sogenannte preisgünstige Einkellerung wurde in einigen Gegenden bis Ende der 70er Jahre beibehalten. Der staatlich gestützte Bezugschein für den Grundbedarf an Kohle blieb sogar bis zum Ende der DDR bestehen.

6. Gründung der Sozialistischen Einheitspartei (SED) in der Ostzone

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründeten sich KPD und SPD neu. Nun bestand die Gefahr einer Spaltung der Werktätigen durch zwei Arbeiterparteien. Obwohl beide Parteien auf der Ideologie von Karl Marx und Friedrich Engels basierten, so waren die jeweiligen Wege unterschiedlich. Die Sozialdemokraten bevorzugten den schrittweisen Umbau der Gesellschaft. Es galt eine soziale und gerechte Gesellschaft und Wirtschaft aufzubauen. Die Existenz von Kapitalisten (Unternehmer) wurde geduldet, sofern sie geforderte Arbeitsbedingungen schufen und sich der Volksherrschaft unterwarfen. Die Kommunisten verfolgten die erweiterte leninistische Idee, die eine Entmachtung des Privateigentums an Produktionsmitteln und die Diktatur des Proletariats vorsah. Der stalinistische Kurs war hierbei die extremste Form. Sie verlangte eine konsequente Entmachtung der Fabrikbesitzer und die radikale Umge-staltung zur Volkswirtschaft, sowie die Forderung das Volk in ein bewusstes und verantwortliches Gesellschaftssystem zu leiten.
Es galt den Virus Kapitalismus kompromisslos zu bekämpfen, statt sozialdemokratisch nur
an den Symptomen herumzudoktern, denn nur durch eine konsequente Therapie konnte ein kranker Körper schneller und dauerhafter gesunden.
Für die SBZ brachte der kommunistische Kurs erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Abgesehen von den demontierten Industrieanlagen, wirkten sich die Firmenenteignungen fatal aus. Anstelle der Unternehmer rückten linientreue Arbeiter als Betriebsleiter. Das stellte sich als kurzsichtig und kontraproduktiv heraus, weil sie mit der neuen Funktion überfordert waren. Unausgebildete und unerfahrene Leitungen in der Industrie verschärften dadurch den Mangel an Waren. Konkret fehlten Werkzeuge, Maschinen und Baustoffen. Nur langsam fanden die Betriebsleiter in ihre Aufgabe, aber eigentlich war es die Arbeiterschaft, die von sich aus bestrebt waren den Mangel an Waren zu beseitigen. Sie waren sich bewusst darüber, dass ein höheres Warenangebot auch den eigenen Wohlstand hob.
Diese Eigeninitiative wurde von den Funktionären falsch gedeutet und als Engagement für den Sozialismus gesehen. Die heimatverbundene Bevölkerung, die dem rücksichtslosen Kurs der Sowjetmacht ausgesetzt waren, machte aus der Not eine Tugend. Sie entwickelten eine unterschwellige Bewegung (Parallelgesellschaft), die scheinbar dem Regierungskurs folgte, aber in Wirklichkeit nach Nischen der eigenen Identität suchte.
Ähnliches vollzog sich beim Parteizusammenschluss. Grundsätzlich stellten am Anfang beide Parteien ihre Gemeinsamkeiten heraus. Selbst in den westlichen Besatzungszonen gründeten sich Arbeitsgruppen und formulierten gemeinsame Aktionsprogramme. Auf lokaler Ebene wurde in den westlichen Bundesländern vielerorts über einen Zusammenschluss nachgedacht.
In der SBZ übte aber die Sowjetmacht den entsprechenden Druck aus. Für Stalin kam in der Ostzone nur eine kommunistische Regierung in Betracht und eine SPD als Gegenspieler war nicht akzeptabel. Die SPD-Parteiführung wurde deshalb gefügig gemacht. Mit Geld oder Funktionen wurden einige Genossen gekauft und jene, die Widerstand leisteten wurden erpresst, bedroht oder mit Unterstellungen zum Schweigen gebracht. Da es keinen Sinn machte gegen Windmühlen zu kämpfen, stimmte die SPD, am 21./22. April 1946, feierlich der Vereinigung mit der KPD zur SED zu.

Wilhelm Pieck (KPD) und Otto Grotewohl (SPD) reichten sich symbolisch die Hände und besiegelten damit das Ende der Sozialdemokraten in der SBZ.  Die SPD der Westzonen weigerte sich gleichzuziehen und ging nun auf Distanz zur KPD. Westberlin war ein besonderer Fall, weil die Sowjetunion verwaltungstechnisch für Gesamtberlin die Oberhoheit besaß. Die SPD in den Westsektoren konnte sich dennoch verweigern und berief sich auf die kommunalen Rechte. Am 20. Oktober wurden in der SBZ Kommunalwahlen durchgeführt, die nicht den gewünschten Erfolg für die SED brachte. Erst recht nicht bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung von Berlin. Die SPD wurde klarer Wahlsieger (SPD hatte somit 63 Sitze à CDU= 29; SED = 26; LPD = 12), wodurch es der SED nicht gelang ganz Berlin zu regieren.
Insgesamt erlitten die Kommunisten in den Westzonen einen gewaltigen Imageschaden und in der SBZ traten zahlreiche Sozialdemokraten aus der Partei aus. Aus leninistischer Sicht war der Schritt notwendig, um eine politische Stabilität zu erreichen. Aber vielleicht hätte der Sozialismus mit zwei Arbeiterparteien besser funktioniert. 

7. Berlin - Blockade

Grundsätzlich gab es bei der Festlegung der Berliner Sektoren zunächst keine Regelungen über die Verkehrswege. Im November 1945 wurden drei Luftkorridore vereinbart, dem die Transitwege von Hamburg, Hannover und Frankfurt (am Main) nach Berlin folgten. Es entwickelte sich schließlich zwischen den westlichen Besatzungsmächten, Großbritannien, Frankreich und den USA einerseits und der Sowjetunion andererseits, starke Differenzen.
Im Frühjahr 1948 spitzte sich die Lage zu. Auf Bestreben der USA sollten sich die Westzonen zu einem Staat vereinen, wogegen die Sowjetunion Pläne für eine Wiedervereinigung Deutschlands unterbreitete. Die Westzonen lehnten den Vorschlag ab, weil die Rahmenbe-dingungen zu stark kommunistisch geprägt waren. Das sowjetische Oberkommando schränkte daraufhin, am 22.02. den LKW-Verkehr nach Westberlin ein und verschärfte ab den 31.03. die Kontrollen von und nach Westberlin. Zudem wurde am 01.04. eine Reihe von Straßen blockiert. Um diesen Behinderungen auszuweichen, errichten Briten und Amerikaner eine kleine Luftbrücke.
Aus Protest gegen die Pläne einer Währungsreform verließ die Sowjetunion am 16.06. die Berliner Kommandantur der Alliierten. Ungeachtet der sowjetischen Note wurde am 20. 06. 1948 in den Westzonen die Währungsreform durchgeführt. Aus Furcht vor inflationären Auswirkungen ordnet die sowjetische Militäradministration für die Ostzone einen Notenumtausch an (23.06.). Sie befürchteten eine Überschwemmung mit alten Reichsmarktbe-ständen, welche die instabile Wirtschaftslage in der Ostzone noch zusätzlich belastet und den sozialen Unfrieden geschürt hätte. Um der Gefahr vorzubeugen, dass in Westberlin ebenfalls die D-Mark eingeführt wird, berief sich die UdSSR auf die Potsdamer Verträge als Alleinvertretungsanspruch für Berlin und wollte für ganz Berlin die Währung MDN einführen.

Die Westmächte kündigten den Anspruch auf und führten in den Westsektoren die D-Mark ein. Das bedeutete, weil die D-Mark einen höheren Wert besaß, würde der Schwarzhandel mit den Westsektoren deutlich zunehmen.
Die Bewohner der SBZ würden verstärkt ihre Produkte und Lebensmittel in Westberlin anbieten und somit die eigene Wirtschaft untergraben. Die Notwährung MDN (Mark der deutschen Notenbank) könnte dadurch, in die Inflation stürzen und das wirtschaftliche Ende der SBZ bedeuten. Als unmittelbare Reaktion ließ sich die Sowjetunion zur Berlin-Blockade hinreißen. Noch in der Nacht vom 23.06. gingen in West-Berlin die Lichter aus.
Die Belieferung der Westsektoren mit Strom wurde eingestellt und sämtliche Verkehrswege auf Straße und Schiene sowie der Binnenschifffahrt wurden behindert. Die Reaktion der Westmächte darauf war sehr unterschiedlich und belegte, dass es selbst zwischen den Westalliierten erheblich Differenzen gab.
Da ein erwarteter militärischer Konflikt nicht zustande kam und sowjetische Truppen nicht Westberlin besetzten, kamen nur Alternativen in Betracht die den Alliierten viel Geld kosteten. Daraufhin wurde sogar erwogen Westberlin aufzugeben und das Militär abzuziehen. Wegen der strategischen Bedeutung wollte die USA allerdings Westberlin halten und erweiterten am 26. 06. die Luftbrücke. Die Militärtransporter wurden in der Folgezeit von den Westberlinern als „Rosinenbomber“ bezeichnet. Beinahe unbemerkt schlossen sich britische Militärflugzeuge an.
Wegen der Blockade verständigten sich die Westmächte darauf, die Reparationsleistungen an die Sowjetunion einzustellen. Am 06.09. organisierten die Kommunisten eine Demonstration gegen die Westberliner Abgeordneten im Stadtverordnetenrat. Die Abgeordneten wichen daraufhin nach Berlin-Schöneberg aus und wählten dort am 20.11. einen eigenen Westberliner Magistrat. Zuvor demonstrierte im Gegenzug die Westberliner Bevölkerung, am 09. 09. gegen die Blockade und für die Freiheit. In dem Rahmen appelliert Ernst Reuter an die Westmächte mit den legendären Worten: „Ihr Völker der Welt! Schaut auf diese Stadt!“ Der Hilfeschrei klagte das inhumane Sowjetregime an und unterstellte ihnen Westberlin aushungern zu wollen. Dazu sollte man wissen, dass der Personennahverkehr nicht davon betroffen war, also auch nicht die S-Bahn. Der Westberliner konnte sich ungehindert in Ostberlin versorgen, aber ebenso nutzten kriminelle Elemente den Ost-West-Verkehr. Insgesamt wurde die Luftbrücke für die Alliierten zu einem kostspieligen Unterfangen. Obwohl die Sowjetunion mit der Blockade ihren Vertreteranspruch auf Westberlin verloren, so ging ihr Konzept wirtschaftspolitisch in der SBZ auf. Die Blockade machte Westberlin zur kontrollierten Insel, der Schwarzhandel konnte eingedämmt und ein inflationärer Währungshandel verhindert werden.
1949 hatte sich die wirtschaftliche Lage in der Ostzone weitgehens stabilisiert.
In den Westzonen wurde am 08. 05. 1949 das Grundgesetzes verabschieden und stellte unwiderruflich die Weichen für die Bundesrepublik Deutschland. Die Berlin-Blockade machte daraufhin keinen Sinn mehr und am 12. 05. 1949 konnten sich die Konfliktparteien darauf einigen, die gegenseitigen Sanktionen aufzuheben und die Blockade wurde beendet.

Datei:UN Partition Plan For Palestine 1947.png8. Der Jüdische Staat Israel

Bereits 1897 trafen sich in Basel (Schweiz) Juden zum Zionistenkongress und entwickelten Pläne für die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Erst mit dem Ersten Weltkrieg sicherte die britische Kolonialmacht 1917 seine Unterstützung zu. Zahlreiche Juden, speziell aus Osteuropa, wanderten daraufhin in Palästina ein. Dadurch engte sich nicht nur der Lebensraum der Palästinenser ein, sondern sie fühlten sich zunehmend aus der Heimat verdrängt. Darüber hinaus sahen die Muslime das Land als Gott (Allah) gegeben an, worauf die Juden nun kein Anrecht mehr hätten.
Ab 1920 kam es deswegen häufiger zu blutigen Übergriffen der palästinensischen Bevölkerung auf die Juden. Wegen der ständigen Unruhen entwarfen die britischen Verwalter 1937 Pläne das Land zu teilen. Zeitgleich verstärkte sich die Flüchtlingswelle angesichts der Judenverfolgung in Deutschland. Als Gegenreaktion auf die musli-mischen Übergriffe gründete sich die jüdische Untergrundorganisation Irgun. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde der Konflikt in Palästina von den Briten als zweitrangig betrachtet, zumal ihr Militär mit Kämpfen in Europa und in den Kolonien beschäftigt war. Zahlreiche Opfer forderte deshalb die gegenseitige Gewalt in Palästina und die Irgun strebte nun mit aller Macht den Staat Israel an. Die jüdische Untergrundorganisation verübte dazu zahlreiche Attentate auf britische Verwaltungsgebäude und -Einrichtungen. Die meisten Opfer waren beim Bomben-
Attentat auf das Hotel „King David“ zu beklagen (circa 90 Tote).
In Europa wurde indes nach dem 2. Weltkrieg das ganze Ausmaß des deutschen Vernichtungswahnsinns bekannt. Sechs Millionen Juden wurden ermordet. Angesichts des Völkermordes wurden die Stimmen lauter, die einen Staat Israel unterstützten. Großbritannien kündigte an, sich aus dem britischen Mandatsgebiet zurückziehen und die UN-Generalversammlung beschloss am 29. 11. 1947 die Teilung Palästinas in einen arabischen und einen jüdischen Staat, wobei Jerusalem unter UN-Verwaltung bleiben sollte. Der Beschluss wurde von den Juden in Palästina akzeptiert und entfachte eine verstärkte Einwanderungswelle. Im Gegensatz dazu war die arabische Welt dagegen und forderte Palästina für die Palästinenser. Die Aufteilung des Staatsgebietes (s.o. Karte) war von vornherein konfliktbeladen, sodass ein friedliches Nebeneinander zwischen Arabern und Juden scheitern musste. Allerdings gab es zum UN-Plan keine bessere Alternative und man hoffte, dass sich beide Völker arrangieren würden. Das Bilden eines gemeinsamen Parlaments scheiterte jedoch und so rief am 14. Mai 1948 Israel seine Unabhängigkeit aus. Folgerichtig erklärten am selben Tag Ägypten, Saudi Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien den jungen Staat den Krieg.
Mithilfe amerikanischer Militärberater und deren Waffenhilfe wurde aus Freiheitskämpfern eine schlagkräftige Armee. Der Krieg dauerte 15 Monate und fügte den arabischen Invasoren herbe Verluste bei. Im Land gelang es Polizeitruppen bewaffnete Palästinenser unschädlich zu machen. Im Laufe des Krieges setzte die Flucht bzw. Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung ein. Besonders der Terror von der Irgun verbreitete Angst und Schrecken. Sie begangen Gräueltaten, wie dem Massaker von Deir Yasin (ca. 100 Tote) und zielten auf die Vertreibung aller Nichtjuden aus Israel.
1948 forderte die Regierung die Auflösung der Irgun, die sich aber weigerten, worauf es zu Feuergefechten zwischen den Terroristen und der Armee kam. Die USA bekannten sich als Schutzmacht Israels und sahen das Land als Bollwerk gegen eine arabische Welt, die sich aufgrund ihrer kolonialen Erfahrung sozialistisch orientierte. Noch während des arabisch-israelischen Krieges fanden am 25. Januar 1949 die ersten Wahlen zur Knesset (Parlament) statt und wurde im selben Jahr UNO Mitglied. Die UNO vermittelte schließlich den Waffenstillstand zwischen Israel und den arabischen Nachbarstaaten. Ein Rückkehrgesetz bot allen jüdischen Flüchtlingen an, sich in Israel anzusiedeln. Bereits vor dem Gesetz (1947-1949) strömten 250.000 Juden ins Land und mit dem Gesetz strömten 1950 allein 49.000 Neusiedler ins Land. Argwöhnisch betrachtete die arabische Welt den Vorgang, war aber militärisch nicht in der Lage das zu unterbinden. Zum zusätzlichen Aufreger wurde die Landverteilung, wodurch sich die arabische Landbevölkerung vertrieben fühlte. Mit dem Staat Israel war ein ständiger Unruheherd entstanden, der bis heute andauert.

9. Hennecke / Aktivisten Bewegung im Osten

Motivierende Parolen zur Leistungssteigerung (z. B.: „So wie wir heute Arbeiten werden wir morgen Leben“) wurden von der Regierung verbreitet und es gab immer wieder Genossen, die hoch motiviert ans Werk gingen. Die Spitzenleistung allerdings vollbrachte der Bergarbeiter Adolf Hennecke. Er förderte am 13. Oktober 1948 die dreifache Menge Kohle über der Norm und wurde als „Aktivist der ersten Stunde“ von der Regierung geehrt. Unter seinem Namen entfachten die Funktionäre die Aktivistenbewegung. Diese Motivation zur Arbeitssteigerung ging für die Werktätigen nach hinten los. Wenn die Normen so leicht zu überbieten waren, so musste ein bestimmter Normsatz für jeden möglich sein. Die Funktionäre verfügten daraufhin eine Normerhöhung. Statt der bisher 100 Werkstücke pro Schicht wurden nun 120 verlangt, für den gleichen Lohn. In allen Bereichen kam es zu Normerhöhungen und wurden von der staatlichen Gewerkschaft FDGB abgesegnet.
Den Protesten der Arbeiter hielt man dagegen, dass sich die Arbeitsverhältnisse verbessert hätten und dieser Schritt gerechtfertigt sei. Der 13. Oktober wurde zum Tag der Aktivisten erklärt und für die Werktätigen wurde der Tag zur Mahnung. Später achtete die Mehrheit der Bevölkerung darauf die vorgegebenen 100% der Arbeitsnorm nicht zu überbieten. Leider gab es immer wieder Übermotivierte oder überzeugte Kommunisten, die sich von der Aktivistenbewegung anspornen ließen. Gerade in den harten Jahren des Anfangs schürten Normerhöhungen die Unzufriedenheit. Willkürliche und realitätsfremde Normerhöhungen durch die Funktionäre sollten 1954 zum Auslöser der Unruhen in der DDR werden.

10. Gründung der beiden deutschen Staaten

Am 1. September 1948 wurde unter Vorsitz von Konrad Adenauer das Grundgesetz für die Bundesrepublik erarbeitetet. Die Alliierten zogen sich auf den Besatzungsstatus zurück und machten den Weg frei für eine demokratisch gewählte Regierung. Im Mai 1949 wurde das Grundgesetz vorgelegt, und nachdem das Parlament und die Besatzungsmächte es befürworteten, trat es am 23. Mai 1949 in Kraft. Die Bundesrepublik war damit formell entstanden und sah sich als legitimer Nachfolger des gesamten Deutschlands (Grenze vor dem 2. Weltkrieg).
Das bedeutete, dass die BRD die ehemaligen Gebiete Schlesien, Pommern und Ostpreußen als widerrechtlich einverleibt ansah, das Saarland als besetzt betrachtete und Ostzonenregierung als nicht legitim bewertete. Im Grundgesetz wurden dazu Beitrittsparagrafen eingefügt, die offen eine demokratische Wiedervereinigung anstrebten und bis dahin einen Nationalfeiertag aussetzten. Am 14. August 1949 fand die erste Wahl zum Deutschen Bundestag statt. Wegen der klaren Distanz zur KPD (5,7%) brachte es die SPD auf 29,2 % der Stimmen und wäre der eigentliche Wahlsieger, aber zusammen mit der bayrischen CSU kam die CDU auf 31 %. In der Koalition mit der FDP (11,9 %) und der Deutschen Partei (4 %) erlangte die CDU die parlamentarische Mehrheit. Nachfolgend wurde Theodor Heus zum ersten Bundespräsidenten und Konrad Adenauer zum ersten Bundeskanzler gewählt. Mit der Bundestagswahl war die Bundesrepublik Deutschland nun auch politisch und geschäftsführend gegründet.

Bereits am 17. März 1948 begann der Volkskongress in der SBZ eine Verfassung für ganz Deutschland zu erarbeiten und wurde am 22. Oktober des Jahres fertiggestellt. Aufgrund der Spannungen (Berlinblockade) lehnte die Westmächte diese Verfassung ab. Mit dem Entstehen der Bundesrepublik zog die SBZ nach und führte am 15./16. Mai die Wahlen zum 3. Deutschen Volkskongress durch. Trotz Einheitslisten wurden die Kandidaten der Nationalen Front mit nur 66 % der Wählerstimmen bestätigt. Die SED legte aufgrund der bestätigten Einheitsliste die Sitzverteilung fest. Von den 330 Sitzen beanspruchte die SED 96, die CDU und LDPD erhielten jeweils 46 Sitze. Es folgte, der Kulturbund (35), NDPD (17), Bauernbund (15), die Frauenpartei (10) und kommunistischen Splittergruppen erhielten je 5 Sitze. Zum Staatspräsidenten wurde Wilhelm Pieck gewählt und zum Ministerpräsidenten Otto Grotewohl. Das eigentliche Sagen hatte aber der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht.
Am 7. Oktober 1949 gründete sich die Deutsche Demokratische Republik als eigenständiger Staat, der in den Statuten der Verfassung ebenso die deutsche Wiedervereinigung mit Westdeutschland vorsah. Die ehemaligen deutschen Länder östlich von Oder/Neiße wurden als polnisches Staatsgebiet anerkannt. Die Staatsgründung der DDR war nach demokratischen Richtlinien irregulär, weil sie auf der Listenwahl beruhte. Mit diesem scheindemokratischen Wahlverfahren wollte die SED das Risiko einer Wahlniederlage vermeiden. Hintergrund waren die Kommunalwahlen von 1946, bei der die SED eine knappe Mehrheit erreichte und die Stimmung im Volke hatte sich seitdem nicht verbessert. Die Funktionäre erfanden deshalb die Einheitsliste, worauf eine bestimmte Anzahl von Kandidaten der Nationalen Front als Vorschlag aufgeführt wurde. Im Vorfeld wurden dazu die Parteien zur Nationalen Front (Blockpartei) genötigt, einer Art Zwangskoalition mit der SED.
Bereits 1946 musste die CDU erfahren, was es hieß eine eigene Identität aufbauen zu wollen. Der Parteiführung wurde undemokratisches Gedankengut unterstellt und abgesetzt. Dieser Vorgang war allen Parteien gegenwärtig und als deutliches Warnsignal verstanden und schloss sich somit der Nationalen Front an. Hochtrabend verstand sich das Bündnis, als Front gegen Faschismus und Imperialismus und revanchistischen Gedankengut. Im Rahmen der kommunistischen Bevormundung versuchten die Blockparteien für sich Freiräume zu finden.

Praxis Einheitslistenwahl:
Wahlprinzip:
Der Wähler stimmte über die Kandidaten der Nationalen Front ab und konnte die Namen streichen, mit denen der Wähler nicht einverstanden war. Auf der Liste waren grundsätzlich neue Kandidaten für die Volkskammer. Politiker, die schon Ämter bekleideten, standen nicht auf der Liste (wie Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck, oder Otto Grotewohl). Nur die Volkskammer wählten Politiker direkt für die Staatsämter (im Vorfeld schon vorbestimmt). Das Volk hatte nur die Möglichkeit Kandidaten für die Volkskammer oder dem kommunalen Umfeld zu wählen. Wurden mehrheitlich die Kandidaten nicht gestrichen galt die Vorschlagsliste als angenommen (Ja-Stimme).
Praxis:
Die Wahlkommission erwartete vom Wähler, dass er den Zettel faltete und ihn sofort in die Wahlurne steckte; ein Tisch mit Stuhl diente als Wahlkabine, häufig fehlte ein Sichtschutz (Kabine, Vorhang) und ermöglichte ein beobachten des Wählers; auf dem Tisch lag nur ein Bleistift bereit.
Ja/Nein Wahl:
Der Wähler wurde nie richtig aufgeklärt, wie eine korrekte „Nein“-Stimme auszusehen hatte; für ein exaktes Nein musste jeder einzelne Kandidat der Liste durchgestrichen werden; das durchkreuzen des Wahlzettels wurde nur teilweise als Nein anerkannt, konnte aber auch als ungültig bewertet werden; das Durchstreichen einiger Namen galt als Ja und wurde lediglich als Korrektur der Liste betrachtet.
Wahlkommission:
Bestand aus Genossen der Blockparteien, deren Vorsitz grundsätzlich ein lokaler SED-Funktionär hatte; als statistische Erhebung getarnt wurden alle registriert, die zur sogenannten Wahlkabine gingen; eine öffentliche Auswertung der Wahl gab es nicht und in manchen Wahlkreisen wurde das Wahlergebnis frisiert.
Wahlmanipulation:
Die kommunalen Funktionäre waren angehalten die Bürger in ihrem Wahlkreis für die sozialistische Politik zu gewinnen; je höher jedoch der Anteil von Nein- Stimmen war, desto höher war das Risiko, dass die Funktionäre ihren Status verloren und ihren Posten (Bürger-meister) räumen mussten // daraufhin erfolgte das Frisieren von Wahlergebnissen, indem Nein-Stimmen zu ungültigen Stimmen erklärt oder gegen leere Wahlzettel ausgetauscht wurden oder Bleistiftstreichungen zur Ja- Stimme radiert wurden.
Registrierte Wähler:
Bürger die die Wahlkabine benutzte, konnten Repressalien ausgesetzt werden:
1. unbegründetes Ablehnen oder verzögertes Bearbeiten von Anträgen;
2. plötzliche Strafanzeigen mit überzogenen Bußgeldern für ein Bagatel-Vergehen;
3. die Staatssicherheit ermittelte gegen die gesamte Familie eines registrierten Wählers, 
da sein „vergifteter Geist“
    die ganze Familie betreffen konnte;
4. dem Registrierten konnten (ihm und der Familie) dadurch die Zukunftsperspektiven
 verbaut werden
    (durften nicht Studieren, eine leitende Tätigkeit erhalten u.ä.)
Zukunfts-Fazit:
Gerne sonnte sich die SED mit einem Wahlergebnis von 99,9%. In den 80er Jahren konnten illegale Bürgerbewegungen erstmalig Wahlfälschungen nachweisen. Genaue Zahlen ließen sich nicht nachweisen, aber insgesamt dürften sich dennoch die Manipulationen in Grenzen gehalten haben.
Der unterschwelligem Druck und die Angst vor staatlichen Vergeltungsmaßnahmen hat die Mehrheit der Bürger (mindestens 75%) für die Kandidaten der Nationalen Front stimmen lassen. Letztendlich waren Wahlen in der DDR eine undemokratische Farce und demzufolge war die DDR-Regierung zu keinem Zeitpunkt demokratisch gewählt und gilt deshalb als Diktatur.

11. Antikomunismus in den USA  - Truman Doktrin

Nach dem 2. Weltkrieg beeinflusste die kommunistische Idee die Welt und die unterdrückten Völker wehrten sich gegen Kolonialismus, Imperialismus und Krieg. Speziell in den USA hofften die Afroamerikaner euphorisch auf ihre Bürgerrechte, doch die Rassisten stoppten jegliche Überlegungen in dieser Richtung. Naheliegend sahen die Farbigen in den Kommunisten ihre Fürsprecher. Gleichzeitig vollzog sich in der amerikanischen Gesellschaft ein Umdenken und lehnten sich gegen soziale Missstände auf. Streiks der Arbeiterschaft und beginnende Unruhen in den Slums der Großstädte, sowie einer kommunistischen Partei im Aufwind verlangten einen schnellen Handlungsbedarf.
Die Regierenden sahen im Kommunismus die Wurzel allen Übels. Auf Initiative von John
E. Rankin wurde das Komitee für amerikanische Umtriebe zu einem parlamentarischen Ausschuss erhoben. Präsident Harry S. Truman unterstützte 1947 mit einer Grundsatzerklärung die Arbeit des Ausschusses und stellte die Weichen für die Kommunistenverfolgung. In der Doktrin wurde vor den Kommunisten gewarnt, die die Gesellschaft absichtlich sabotieren und unterlaufen, bis sie die Macht ergreifen würden. Eine Handvoll Diktatoren würde dann der Bevölkerungsmehrheit ein rechtloses System aufzwingen. Vor solch einem schleichenden Prozess müsse, laut Truman, die US-Gesellschaft geschützt werden. Auf der Basis dieser Ansicht, sollten umgehend kommunistischen Personen daran gehindert werden Einfluss zu nehmen. Im Aktionspapier wurden alle humanistischen, demokratischen und sozialen Denkweisen als kommunistisch durchsetzt bewertet. Besonders der aufkeimenden Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner wurde eine kommunistische Verseuchung unterstellt. In der Praxis wurden Kommunisten und deren Sympathisanten aus dem öffentlichen Leben entfernt, ihren Funktionen enthoben und deren Organisationen (Gewerk-schaften) verboten. Neben zahlreichen Verfahren gegen Afroamerikaner, sorgten besonders die Anklagen gegen namhafte Schauspieler und Regisseure für entsetzen, bei denen einige mit einem Berufsverbot belegt wurden. 1947 verschärfte sich die Kommunistenjagd mit der Mc Carthy Ära (s. Abh. Swing 1950 -1959). Die Truman Doktrin, die eine kommunistische Hexenjagd auslöste, schürte ebenso außenpolitisch die Eskalation mit der Sowjetunion.
Sie betonte scheinheilig das Recht der Völker auf ein freiheitliches Regierungssystem und befähigt die USA militärisch und wirtschaftlich dazu Unrechtsgesellschaften zu bekämpfen. Trumans Rede unterstrich im Prinzip das Recht zur Einmischung in staatlichen Angelegenheiten anderer Völker, wenn die US-Vorstellungen von Freiheit und Demokratie gefährdet seien. Das war eine klare Kampfansage gegenüber den sozialistischen Staaten, besonders gegenüber der Sowjetunion (Kalter Krieg). Die Berlinblockade wurde als willkommene Argumentation dafür missbraucht.