6.1. Das dynamische Wechselbad

„Der Mensch ist im Gegensatz zu allen höheren Säugern hauptsächlich durch Mängel bestimmt.“
- Arnhold Gehlen (dt. Philosoph & Soziologe/ 1904 – 1974)

6.1. Das dynamische Wechselbad  ( Eis- & Warmzeit)

Aus den Mängeln lernte der Mensch das Denken, doch inzwischen scheint es, dass ihm diese Gabe zum Fluch wird. Vor 2 Millionen Jahren jedenfalls begann mit dem Homo erectus die Geschichte des modernen Menschen. Die Phase entspricht einem Jugendlichen, der mit seiner Kindheit abgeschlossen hat und erste Vorstellung über sein zukünftiges Leben besitzt. Auf dem weiteren Weg wird er Erfahrungen machen und Erkenntnisse gewinnen, die seine Persönlichkeit festigen. Sollten sich auch dabei die Wege ändern, so bleiben grundsätzliche Dinge und Ideale erhalten und dienen somit als Basis für einen eventuellen Neustart. Typisch für einen Teenager ist sein Weltanspruch. In einer Mischung aus überheblichen und naiven Idealen fühlt er sich dazu berufen alles zu verändern, zu erneuern und glaubt für sich eine bessere Lebensweise aufbauen zu können. Die Erwachsenen werden hierbei als Hemmschuh angesehen, die Alten, die mit ihren Traditionen und Weisheiten den Fortschritt behindern. In diesem Spannungsfeld liegt das Problem. Nicht alles, was modern scheint, ist auch wirklich Fortschritt. Manchmal ist es besser Altes zu bewahren, da es Leben garantiert.
Übersetzt auf unsere Welt heißt das, wenn wir Menschen nicht schnellstens in die Verantwortung für den Planeten zurückkehren, dann werden wir wie einst die Saurier ausgelöscht werden. Als Pächter der Welt sollten wir der Erde dienen und sie nicht missbrauchen, die Natur schützen und erhalten, und umsichtig die Ressourcen nutzen. Leider befindet sich der Mensch von heute erst an der Schwelle zum Junior. Trotz hohem Wissen fehlt es ihm noch an der nötigen sachlichen Reife. Vielleicht finden sich einige Ursachen der heutigen Weltignoranz bei unseren Urahnen. Der Homo erectus konnte sich zumindest die Natur zunutze machen, war aber weit davon entfernt sie zu beherrschen.

Die Eiszeitperioden  

Im Verlaufe der Erdgeschichte häuften sich Perioden von Kaltzeiten. In den Urzeiten der Erde dauerten (laut Lehrmeinung) die bisherigen Eiszeiten viele Millionen Jahre. Die durchschnittliche Temperatur der Erde lag ansonsten bei 22°C und fiel während der Kaltzeiten auf 12°C. Kaltzeiten in der Erd-Urgeschichte bedeuten weniger die Vereisung der Pole, sondern eher eine drastische Abkühlung mit eventuellem Schneefall. Die folgende Tabelle stellt also lediglich solche Kältephasen dar. Von den circa 600 Millionen Jahren Kältezeit, gab es wahrscheinlich nur 300 Millionen Jahre andauernde Eisperioden und die fanden vor 2 Mio. Jahren lediglich am Südpol statt.

Kälte-/Eiszeiten     der Erde Dauer  ( in Millionen Jahre) System und Ära
Huronisch        2400  – 2100    (= 300 ) Siderium und Rhyacium       //  Paläoproterozoikum
Cryogenisch          800  –   635    (= 165 ) Cryogenium                      // Neoproterozoikum
Anden-Sahara          450  –   420    (=   30 ) Ordovizium und Silur              //   Paläozoikum
Karoo          360  –   260    (= 100 ) Karbon und Perm                     //   Paläozoikum
Känozoisch            30  –  heute   (= ? ? ?) Neogen und Quartär                //   Känozoikum

Für die Menschheit war wichtig, dass vor 33 Millionen Jahren die Temperaturen auf unserem Planeten sanken und erreichten vor 2 Millionen Jahren einen Tiefpunkt. Die Forscher nennen diese Periode känozoische Eiszeit. Sie fanden heraus, dass in der jetzigen quartären Epoche Kalt- und Warmphasen wechselten. In den Warmphasen blieben die Durchschnittstemperaturen relativ niedrig, aber die lokalen Extreme nahmen ab und das Packeis zog sich zurück. Aufgrund dessen kann davon ausgegangen werden, dass es in den früheren Kältezeiten ebenfalls solche schwankenden Phasen gab. Für die Spezies Mensch ist jedoch die aktuelle Eiszeit von entscheidender Bedeutung. In folgender Tabelle finden Sie aufgelistet die relevanten Wechselphasen.  

Kalt-Warmzeitperioden vor 2 Millionen Jahren                   Quelle: www.hubert-brune.de
 Zeitraum Namen der Phasen Dauer *Alpen *Isotopen
 2.300.000   bis   2.000.000 Prätegelen            Kaltzeit 300.000 Biber etwa vor 2 Mio.
 2.000.000   bis   1.600.000 Tegelen              Warmzeit 400.000    
1.600.000   bis   1.300.000 Euburon               Kaltzeit 300.000 Donau 1 Mio. -  950.000
1.300.000   bis      900.000 Waal                  Warmzeit 400.000    
 900.000   bis      800.000 Menap                  Kaltzeit 100.000 Günz 800.000 - 600.000
800.000   bis      480.000 Cromer              Warmzeit 320.000    
 480.000   bis      385.000 Elster                   Kaltzeit 95.000 Mindel 400.000 – 320.000
385.000   bis      250.000 Holstein             Warmzeit 135.000    
250.000   bis      125.000 Saale                    Kaltzeit 125.000 Riß 300.000 – 130.000
125.000   bis        75.000 Eem                    Warmzeit 50.000    
75.000   bis        10.300 Weichsel              Kaltzeit 64.700 Würm 115.000 -   11.700
 10.300   bis       heute Warmzeit ???    
Zeitraum = bislang keine gesicherten Angaben möglich, basieren auf eine Wahrscheinlichkeitsberechnung
Name der Phasen: gebräuchliche Bezeichnung
*Alpen: Benennung der Phasen im Alpenraum
*Isotopen: Berechnungsspielraum basierend auf Proben und deren Isotopenzerfalls-Berechnung

 

Mögliche Ursachen für die känozoischen Eiszeitepoche

Zunächst ist festzustellen, dass es innerhalb der heutigen Eiszeit relativ warme und extrem kalte Zwischenphasen gab. Bei den Kältephasen (Glaziale) kam es zu starken Gletschervorstößen und die Warmzeiten begannen recht plötzlich, während die Abkühlung schleichend erfolgte. Die Klimaveränderungen verliefen dabei selten gleichmäßig und konnten abrupt erfolgen, sowie gegenläufige Entwicklungen verursachen. Der Zyklus einer Warmzeit war unterschiedlich, aber mit abnehmender Tendenz. Die aktuelle Warmzeit dauert seit etwa 12.000 Jahren an. Die Warmzeit davor betrug 50.000 Jahre. Bei einer relativierenden Berechnung dürfte die nächste Eiszeit, frühestens in 10.000 Jahre beginnen. In jener Wahrscheinlichkeitsberechnung wird von einem natürlichen Verlauf ausgegangen, der den unberechenbaren Einfluss des Menschen nicht berücksichtigt. (siehe dazu bei Google-Bilder: Meeresströmungen )

Mögliche Ursachen:

1.  Verschiebung der Kontinentalplatten
Das Öffnen und Schließen von Meeresstraßen verursachte veränderte Strömungsverhältnisse. Australien, als Inselkontinent, öffnete eine Ost-West-Strömung und teilte sie in eine nördliche und südliche Strömung ⇒ dadurch gelangte keine warme Strömung zur Antarktis und kühlte sie aus (vereiste). Das Schließen der Landbrücke Süd- und Nordamerika lenkte die Strömung in einen nördlichen Wirbel (Golfstrom) um, der den Nordpolbereich auskühlte und zugleich strömungsabhängig machte (Südlicher Wärmestrom).
 2.  Erdaktivitäten
Entstehende Hochgebirge (Alpen, Rocky Mountains, Himalaja) veränderten die Luftzirkulation über den Kontinenten und kühlte besonders die Luft in nördlicher Richtung ab. Interessanterweise spielte sich der Effekt nur auf der nördlichen Halbkugel ab.
3. sinkender CO2-Gehalt in der Atmosphäre
In der Erdgeschichte sank der CO2-Gehalt stetig und erreichte etwa vor 300 Millionen ein vergleichbares Niveau zu heute. Mit den Sauriern stieg der Kohlendioxidanteil wieder an und nahm vor 140 Millionen Jahre erneut ab. Für den CO2-Gehalt in der Atmosphäre machen Forscher den hohen Vulkanismus verantwortlich. Im Vergleich zur Erdgeschichte sind die vulkanischen Tätigkeiten der Neuzeit unbedeutend. Da der Wärmeträger COfür die Erdtemperatur entscheidend ist, begünstigt ein niedriger Gehalt eine Kältezeit.
4. Veränderte Erdachse / Gravitation
Wechselseitig können sich die Gravitationskräfte von Sonne, Mond und Erde aufeinander ausgewirkt haben. Denkbar wäre beispielsweise ein ändern der elliptischen Erdbahn oder/und die periodische Verteilung der Sonnenenergie auf der Erde. Sozusagen eine ewige Nacht im Norden, Sonne pur im Süden und alles mit extremen magnetischen Abnormen. Aber auch ein magnetischer Schwächezustand wäre möglich, der über die Pole kosmische Kälte einfließen ließ, zumal das Magnetfeld der Erde dort am schwächsten ist.
5.  Sonnenzyklen
Periodische Schwankungen der Sonne können massive Vorgänge auslösen. In der letzten Kaltzeit soll es mehrere erhebliche Klima-Umschwünge gegeben haben, so stieg über dem Nordatlantik in knapp zehn Jahren die Lufttemperatur um zwölf Grad Celsius an. Auch langfristige Strahlungseigenarten der Sonne können eine Eiszeit begünstigt haben.

Von den fünf möglichen Ursachen löste höchstwahrscheinlich nicht nur eine die Kältezeiten aus, sondern war eher ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Zugleich kann man dabei erahnen, wie unterschiedlich eine Phase aussehen kann, je nach vorherrschender Dominanz. In den heutigen Tagen plagt Europa ein schwächer werdender Golfstrom und verursacht Witterungsextreme, wie heiße Sommer und extreme Winter. Gleichzeitig bestimmen nun arktische und afrikanische Strömungen (Nord/Süd) zunehmend unser Wetter. Wenn man bedenkt, wie sich allein diese verhältnismäßig geringe Änderung auswirkt, dann sind einige düstere Szenarien vorhersehbar.

Gliederung der Eiszeit
Über den Zeitraum und die Dauer der Kalt- und Warmzeiten gibt es verschiedene Darstellungen, die besonders im lokalen Vergleich erheblich voneinander abweichen. Ursprünglich wurde die Gliederung des aktuellen Eiszeitalters auf der Grundlage von terrestrischen (Festland) Ablagerungen vorgenommen. Man unterschied die einzelnen, übereinander vorkommenden Schichten der verschiedenen Kalt- und Warmzeiten. Probleme traten und treten jedoch mit dem Vergleich und der eiszeitlichen Ablagerungen über weite Entfernungen auf. So ist man sich zum Beispiel bis heute nicht sicher, ob die Schichten der Saale-Eiszeit in Norddeutschland und die Riß-Eiszeit im Alpenvorland gleichzeitig wirkten. Deshalb hat jede Region auf der Erde eine eigene quartärstratigrafische Gliederung erhalten.
Die zahlreichen lokalen Gliederungen mit ihren Eigennamen wirken auf Nichtfachleute oft verwirrend. In der oberen Tabelle dienen deshalb die Bezeichnungen für das nördliche Mitteleuropa zur besseren Übersicht. Die Weichsel-Kaltzeit entspricht somit der Würm- (Alpenraum), Waldai- (Nordrussland), Devensian- (Britannien) und der Wisconsin-Eiszeit. Für die Weichselkaltzeit wird der Höhepunkt des jüngsten Eis-Vorstoßes auf vor 20.000 Jahren datiert. Bei den anderen Gebieten stellten sich erhebliche Abweichungen heraus. Innerhalb der genannten Gebiete gibt es noch zahlreiche lokale Namen, deren Berechnungen noch nicht einmal in einem Gebiet identisch sind. Eine Schwierigkeit eiszeitliche Ablagerungen auf dem Festland zu bestimmen besteht darin, dass sie nicht kontinuierlich abgelagert wurden und werden. Vielmehr folgten auf Phasen einer schnellen Sedimentation, Abschnitte ohne Ablagerungen oder gar Abtragungen. Ein solcher Effekt käme durch die Eis-Vorstöße zustande. Gerade in Norddeutschland lassen sich daher bislang die drei großen Vereisungsphasen nicht an den Ablagerungen ablesen.
Ein wichtiges Hilfsmittel bei der Gliederung des Eiszeitalters ist in der heutigen Zeit die Isotopenberechnung. Sie stellt das stabile Isotop des Sauerstoffs 16O und 18O in kalkschaligen Mikroorganismen ins Verhältnis. Da das leichtere Isotop 16O im Vergleich zum schwereren 18O bei der Verdunstung angereichert wird, kommt es zu einer isotopischen Fraktionierung, einer Trennung des Stoffgemisches. Durch das Speichern des leichteren Isotopen 16O in den kontinentalen Eismassen während der Kaltzeiten, wird der Ozean in dieser Zeit isotopisch schwerer (Eiseffekt). Hieraus wurde eine Datierung für Meeresablagerungen entwickelt. In der Tabelle weicht die Isotopen- von der Ablagerungsberechnung beträchtlich ab. Letztendlich gibt es keine zuverlässigen Zeitangaben über die Kältezeitabschnitte, denn auch der Ozean ist prinzipiell für sich ein separates Gebiet. Das es diese Phasen gab ist unstrittig, doch deren Zeitdauer und die Intensität gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf.

Auswirkungen der Eiszeit

1. Vergletscherung 
Die Kaltzeiten des Eiszeitalters breiteten Inlandeisschilde und starke Gebirgsgletscher aus. Es wird angenommen, dass in der Saale-Kaltzeit etwa 32 % der festen Erdoberfläche mit Eis bedeckt waren, wovon heute nur etwa 10 % der Landoberfläche unter Gletschern liegen. Vor allem auf der Nordhalbkugel waren große Teile Europas, Asiens und Nordamerikas vereist. Die Spuren der Vereisungen (z. B. Trogtäler, Moränen, Gletscherschliffe, die Glaziale Serie) sind dort bis heute allgegenwärtig. Die Veränderung des Inlandeises der Antarktis war während des Eiszeitalters im Vergleich zur Arktis nicht so dramatisch. Aufgrund einer gleichmäßigen Meeresströmung und einer ungestörten Luftströmung verliefen die Phasen ruhiger und systematischer. Demzufolge war eine Ausdehnung des Eisschildes im Süden begrenzt. Vermutlich sind auch die Abschnitte der Eiszeit in der Antarktis nicht identisch mit Arktis. Möglicherweise könnte die Antarktis in der Hochzeit der arktischen Kaltzeit sogar eisfrei gewesen sein.
2. Meeresspiegel
Nach der gängigen Lehrmeinung wurden bei der Bildung der kontinentalen Eismassen, den Meeren große Mengen Wasser entzogen. Der Meeresspiegel soll in der jüngsten Eiszeit um 120 bis 130 m tiefer gelegen haben als heute. Die Nordsee war demnach teilweise oder voll-ständig trocken. Es könnte über die heutige Beringstraße eine breite Landbrücke zwischen Nordasien mit Nordamerika bestanden haben. Demzufolge wäre es auch möglich, dass auf der Südhalbkugel der südafrikanische Homo sapiens trocknen Fußes zur Antarktisküste gelangte. 
Und auch die Existenz von Lemuria im Pazifik wäre gegeben und möglicherweise konnten Insulaner (Polynesien), vor etwa 40.000 Jahren, ebenfalls nach Südamerika laufen.  
3. Klima und Atmosphäre
Während der Kaltzeiten fiel aufgrund der gesunkenen Temperaturen weltweit weniger Niederschlag als in den Warmzeiten, dennoch gab es regionale Unterschiede. In den hohen (Tibet) und mittleren (Kasachstan, Sahara) Breiten des Planeten regnete es nur noch selten, wogegen es in den Subtropen langanhaltende Feuchtphasen gab. Allerdings war das verfügbare Wasserangebot in den mittleren Trockengebieten, in den Eiszeiten höher als heute. Die gesunkenen Temperaturen hatten den Effekt, dass weniger Feuchtigkeit verdunstete (auch in den Savannen).
4. Lebenswelt
Die Klimaschwankungen des känozoischen Eiszeitalters hatten erhebliche Auswirkungen auf die Fauna und Flora. Lebewesen, die sich gerade dem entsprechenden Klima angepasst hatten, wurden durch das Abkühlen oder dem Wiedererwärmen zu einer Verlagerung ihrer Lebensräume gezwungen. Für viele Tier- und Pflanzenarten bedeutete es das Ende und zog eine grundsätzliche Erneuerung nach sich. Dieser Effekt betraf besonders Europa, wo das Mittelmeer und die Gebirgszüge Hindernisse für die Wanderung der Arten darstellten. Charakteristisch für das Eiszeitalter waren Tiere wie Mammuts, Mastodonten, Saigas, Säbelzahnkatzen, Höhlenlöwen oder Höhlenbären. Von den Hominiden stellten sich die europäischen Neandertaler am effektivsten auf die Kaltzeit ein.

Fazit:
Die derzeitige känozoische Eiszeit begann vor etwa 2,3 Millionen Jahre und kein Forscher kann verbindlich einschätzen, wie lange sie andauern wird. Gleiches gilt für die Warmzeitphasen. Aktuell besteht seit 12.000 Jahren die Warmzeit und es ist fraglich, ob der Höhepunkt der Epoche noch bevorsteht oder uns eine neue Eiszeit ereilen wird? Innerhalb der känozoischen Eiszeit erlebte der Mensch eine beschleunigte Evolution und besonders rasant entwickelt er sich in der aktuellen Warmphase. Knapp 7.000 Jahre brauchte der Mensch vom ersten Kulturvolk bis zum Computerzeitalter. In den letzten 2.000 Jahren waren es vor allem die Europäer, die sich anmaßten, über die Völker der Welt zu herrschen.
Gibt es da vielleicht einen Zusammenhang? Hat sich unserer Planet Europa bewusst ausgesucht?

Die Eiszeitphasen hatten und haben die extremsten Auswirkungen auf der Nordhalbkugel. Besonders auffällig ist die Situation in Europa, wo sich besonders verschärfte und abrupte Klimakapriolen abspielten. Mehrmals bildete sich in den Warmzeiten ein tropisches Klima, dem kurz darauf eisige Kaltzeiten folgten und die Flora und Fauna dahinraffte. Konnten die Lebewesen in Nordamerika und Asien vor anomalen Verhältnissen nach Süden ausweichen, so gab es in Europa natürliche Grenzen (Mittelmeer, Gebirge). Einerseits fand dadurch ein großes Artensterben statt, aber andererseits wurden flexiblere Arten geboren. Scheinbar war Europa die Versuchsküche der Natur. Sie probierte in den unterschiedlichen Warmphasen Lebensformen aus und korrigierte Misslungenes in den Kältephasen.
Vielleicht ist deshalb der moderne Mensch ein Experiment und ganz besonders der Europäer. Wegen der starken klimatischen Wechsel verlieh ihm die Natur einen robusten Körperbau mit einer hohen Anpassungsfähigkeit. Durch die einwandernden Kulturmenschen aus dem Orient wurde der Europäer dazu gezwungen, seine Intelligenz reifen zu lassen. Wobei fraglich ist, ob der Ur-Europäer sich vermischte oder in eine neue Qualität überging; oder wie vermutet ausstarb und die Einwanderer die neuen Europäer wurden? Letztendlich ist der Europäer eine Menschenart, die sich schnell an veränderte Bedingungen gewöhnen kann. Die afrikanischen und asiatischen Menschen benötigen weitaus längere Eingewöhnungszeiten. Die Eskimos beispielsweise, die asiatische Wurzeln besitzen, eroberten langfristig und schrittweise die Arktis als Lebensraum. Sie würden mehrere Generationen brauchen, um sich an wärmere Gegebenheiten gewöhnen zu können. Ein Herausreißen aus der gewohnten Umgebung würde die Eskimos wahrscheinlich psychisch und physisch krank machen und ihre Lebenserwartung stark senken. Neben den schnellen körperlichen Umstellungsvermögen wurde auch das Denken der Europäer besonders gefördert. Es reichte nicht aus sich auf etwas einzustellen, sondern man musste mitunter akzeptable Bedingungen schaffen. Neben wärmende Bekleidung, schützende Behausungen, musste der begrenzte Lebensraum verteidigt werden (Nahrungskonkurrenten). Im Gegensatz zu den großen Hochkulturen in Vorderasien, Ägypten, China und Indien, war der Europäer lange Zeit mit existenziellen Problemen beschäftigt, wodurch die kulturelle Entwicklung gehemmt wurde. Über das flexible Denkvermögen kompensierten die Europäer schnell ihre Defizite und mit den Griechen und Römer begannen die Europäer mit ihrer Weltherrschaft. In kürzester Zeit wurden sie zum Motor des technischen Fortschritts, aber gleichzeitig zur Gefahr für den Planeten. Rücksichtslos beuten sie die natürlichen Ressourcen aus und stellen sich arrogant über andere Völker und propagieren ihre Kultur, als die einzig wahre. Die känozoische Eiszeit entspricht damit der letzten jugendlichen Pubertätsphase, der seinen Weg gefunden hat, ein klares Ziel verfolgt und störende Rudimente der Vergangenheit beseitigt.