9.G. Kreuz und Auferstehung

Aspekte zum Thema: Auferweckung / Auferstehung

Kernpunkt des christlichen Glaubens ist die Auferstehung, denn nur mit dem Wunder der Auferstehung offenbart sich Jesus als Gottes Sohn. Mit der Auferstehung wird zugleich die Kreuzigung zum richtungweisenden Ereignis und dem neuen Weg zu Gott.

Das älteste Bekenntnis zur Auferstehung findet sich bei Paulus im 1. Korintherbrief 15, 3- 5 und bezeugt die Kurzformel:
Jesus wurde gekreuzigt – ist gestorben - wurde begraben – ist auferweckt worden - er wurde gesehen, bevor er Aufgefahren gen Himmel ist.

Im Neuen Testament werden dazu historische Zeugen benannt, aber nicht dem eigentlichen Akt der Auferweckung. Die Bezeugenden bekräftigen aber die Schlussfolgerung, dass Jesus auferweckt wurde. Die Auferweckung versteht sich als Bekenntnis, da Jesus nach seinem Tod lebend gesehen worden ist. Formell basiert die Auferweckung auf eine spekulative Annahme. Die späteren Evangelien umgehen deshalb den Fakt der Auferstehung. Die Autoren wollten sich diesbezüglich nicht festlegen, favorisieren aber den Gedanken, dass Gott selbst Jesus auferweckte. Dennoch ist das „wie“ in keiner Schrift niedergeschrieben.
Aus den Evangelien erfahren wir lediglich, dass die Jünger erschraken, als sie den toten Jesus lebendig sahen („die Jünger fliehen“). Bis zu dem Zeitpunkt galt Jesus als Tod, womit auch der Glaube gestorben war, zumal es gefährlich war sich zu Jesus zu bekennen. Aber da die Jünger Jesus sahen und mit ihm sprachen, bekannten sie das Wunder der Auferweckung. Mit der Auferweckung erhielt der Glaube an Jesu seine fundamentale Bedeutung zurück, weil sie das Wunder bekräftigten, dass Jesus der Sohn Gottes war. Mit dieser Erkenntnis wurde das „Wie“ unwichtig, dennoch haben sich viele Personen darüber Gedanken gemacht.

Kontroverse Erklärungsversuche:

1. Paul de Lagarde (1827-1891) sagte: „Jesu war zu groß, um sterben zu können.“ Mit dem Kerngedanken unterstellt er eine inszenierte Auferweckung. Für die Jünger stellten sich nach Jesus Tod sicherlich einige Fragen. Sollte alles vergebens gewesen sein? Wurde er nicht durch die Welt verkannt? Musste man sein Werk nicht am Leben erhalten? Nun aber war Jesus Tod, doch die Idee einer Auferweckung, würde sein Leben und Sein in eine völlig neue und göttliche Richtung lenken. Es könnte also sein, dass die Jünger die Auferweckung von Jesus erfunden haben!? Das heißt, das sein Geist bereits am Kreuz den Körper verlies und zu Gott hinauffuhr.

2. Rationelle Erklärungen: Hier werden Betrugstheorien aufgeworfen, die von einer Manipulation oder Diebstahl des Leichnams ausgehen und Jesus vielleicht nur Scheintod war. Möglicherweise wurde das falsche Grab geöffnet und daraufhin die Theorie entwickelt, dass Jesus auferstanden sein muss.

3. Natürliche Erklärung: Sie beruht auf der Doppelgänger-Theorie, dass den Jüngern ein Doppelgänger oder Hologramm erschien ist. Vielleicht wurde statt seiner auch ein Doppelgänger begraben, sodass Jesus nicht wirklich gestorben ist.

4. Spirituelle Erklärung: Diese Theorie basiert auf die Vorstellung, dass Jesus den Jüngern als Geist erschienen ist, ob als Trugbild oder als gemeinschaftliches Traumbild.

5. Psychologische Erklärung: Die Psychologie geht rationell davon aus, dass die Jünger sich die Begegnung mit Jesus eingebildet haben. Sie könnten einer subjektiven Täuschung erlegen gewesen sein, die jene Vision/ Einbildung als objektive Wahrnehmung beurteilten. Eine solche Täuschung könnte in der Wüste dem Phänomen einer Fata Morgana entsprechen.

6. Psychosomatisch Erklärung: Ein eventueller Missbrauch von Suchtmittel (Alkohol oder Drogen), könnte so ein Trugbild erzeugt haben, dass im Nachhinein für wahr gehalten wurde, was real nicht stattfand.

Alle jene Erklärungsversuche halten eine wirkliche Auferweckung für nicht möglich, wer wahrhaft Tod ist kann nicht wiederbelebt werden. In jenem Zusammenhang wurde dann auch bestritten, dass es Jesus wirklich gab, zumal außer den christlichen Schriften, keine glaubhaften Belege für Jesus Existenz gefunden wurden. Angemerkt sei, dass die Himmelfahrt als Zusatz, erst um 150 in das Glaubensbekenntnis aufgenommen wurde. Das Jesus in den Himmel zu Gott aufgefahren sein soll, ist lediglich eine Vermutung, da es auch dafür keine wirklichen Zeugen gibt.

Textliche Unterschiede

Die Textquellen im Neuen Testament offenbaren einige Unterschiede. Paulus spricht in seinen Briefen mal von Auferweckung, mal von Erhöhung, was sicherlich als Stilmittel zu sehen ist. Interessanter dagegen sind die unterschiedlichen Adressaten (Personenkreise). Paulus geht davon aus, dass Jesu nur den Jüngern erschienen ist, in den Evangelien dagegen spielen die Frauen eine große Rolle. Die Orte der Erscheinungen sind ebenso widersprüchlich. Paulus und Markus bekennen die erste Erscheinung in Galiläa; bei Matthäus ist Jesus zuerst Maria Magdalena und dann den Jüngern in Jerusalem erschienen. Johannes spekuliert auf die  Möglichkeit, dass Jesu zuerst in Galiläa erschienen sein könnte. Lukas verlegt jedoch alle Erscheinungen konsequent nach Jerusalem.
Wie soll man aber solche Unterschiede werten? Zunächst ist das Neue Testament kein historisches Werk, sondern ein Bekenntnisbuch. Weiterhin kann man davon ausgehen, dass den Autoren unterschiedliche Quellen zur Verfügung standen und das sich die Autoren, der Schriften, entweder nicht kannten oder bewusst ihren Standpunkt stilistisch in der Schrift vertraten bzw. eine spezifische Aussage unterstreichen wollten.
Die späteren Redaktoren, die das Neue Testament zusammenfügten, haben diesbezüglich nicht den Text korrigiert, weil jede Schrift gleichzeitig ein Bekenntnis ist. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass die Bevölkerung meistens nicht lesen und schreiben konnte und somit die Bibel nur für die Gelehrte gedacht war. Konkret sollten die Priester (Pastoren) die Sammlung von Schriften analysieren und daraus den Glauben formulieren.
Die Texte sind daher lediglich Bekenntnisse und daher sind textliche Unterschiede nicht relevant. Wichtiger ist es, die Bekenntnisse im Rahmen ihrer Zeit zu sehen bzw. für welche Adressaten (Gläubige) der Text gedacht war. Zudem ist zu bedenken, dass sich die antike Geschichtsschreibung von subjektiven Einschätzungen oder Vermutungen leiten ließ oder historische Tatsachen bewusst oder irrtümlich verfälschten. Auch die moderne Wissenschaft konnten bislang nur einige Fehler der Geschichtsschreiber aufdecken und dennoch gibt es viele Fakten und Ereignisse, die noch nicht ausreichend geklärt wurden. Daher ist es gut vorstellbar, dass die Autoren Fakten nach ihrem Wissenstand verarbeiteten und meinten, sie würden objektive Fakten vermitteln.
Wie dem auch sei, es geht in den Schriften des Neuen Testament um Bekenntnisse und in Punkto Auferstehung, um die Grundaussage der Osterbotschaft: „Jesu lebt!“

Apokalyptische Interpretation

Dreh- und Angelpunkt der Auferweckung ist der jüdische Gedanke von der Apokalypse, der Ankündigung vom künftigen Gottesreich. Nach dem Fall Jerusalems (586 v. Chr.) musste der Glaube neu ausgesagt werden. Sie vermuteten Gottes Wille, dass sich die Gläubigen bewähren müssten, erst dann wird Gott einen Retter (Messias) schicken, mit dem das Gottesreich entsteht. Schon im alten Babylon gab es die Vorstellung von einem künftigen Gottesreich und die persische Philosophie entwickelte dazu den Dualismus. Der Dualismus kannte eine Glanzwelt und eine Welt der Finsternis, darüber hinaus war es möglich nach dem Tod in die Glanzwelt aufzusteigen.
Im Laufe der Geschichte und den hellenistischen Einflüssen wurde zum Gottesreich, der Auferstehungsgedanke für alle gestorbenen Gerechten entwickelt. Die Pharisäer präzisierten die Vorstellung für das Judentum (um 160 v. Chr.) und versuchten die Ansicht in der Makkabäer Zeit durchzusetzen. Das führte zu heftigen Disputen mit den noch dominanten Sadduzäern, aber die Schriftgelehrten sahen in der Apokalypse keinen Glaubensverstoß zu Gott. Im Gegenteil, da die Apokalypse wieder den Glauben stärkte.
Das Volk schöpfte die Hoffnung für die Zukunft und wenn die Gerechtigkeit im realen Leben versagte, so würde der Gerechte im Gottesreich wieder auferstehen. 
Zu jener Zeit geisterte eine Vielzahl von Vorstellungen durch die antike Welt, die von der Endzeit sprachen und die Auferstehung oder Totenerweckung in Aussicht stellten. Die Pharisäer versuchten der jüdischen Apokalypse ein klares Bild zu geben. Kernpunkt der Auferstehung war ein endzeitlicher Vorgang, was bedeutete, dass Tote nicht gleich in den Himmel aufsteigen können.

Dementgegen sagt die Ostergemeinde, dass Jesu schon auferstanden ist. Das war für die Juden völlig inakzeptabel, denn wenn Jesu auferstanden wäre, dann müsste das Endgericht bereits begonnen haben. Die Christen behaarten aber darauf, dass mit Jesus lediglich die Gottesherrschaft angebrochen ist. Sie bewerteten die aktuelle Situation als vorbereitende Phase für das Endgericht. Damit haben die Christen die apokalyptische Erwartung von der Auferstehung zum aktuellen Thema gemacht. In diesem Rahmen hat sich die Vorstellung entwickelt, dass die irdischen verstorbenen Gerechten bereits jetzt schon in den Himmel auffahren und dort auf ihre Wiedererweckung warten. Später verbreitete sich die Vorstellung über die Hölle für die Sünder, die dort endlos leiden müssen.
Letztendlich ist die Apokalypse eine Interpretationssache, die durch kein Ereignis belegt werden kann. Dass es möglich ist, wird am Beispiel Jesus bezeugt. „Er ist wahrhaft gestorben und wurde von seinen Jüngern gesehen.“ Gott hat damit den Anhänger Jesu ein Signal gesendet, weil er auferstanden ist, wirkte Jesu mit der Vollmacht Gottes. Gott hat mit der Auferweckung seinen Sohn zu sich geholt und sein Leben als Nachfolge den Menschen hinterlassen, damit sie das Heil Gottes erfahren.
Da die Auferstehung ein zentrales Thema des Glaubens ist, haben viele Denker versucht die Bedeutung der Auferstehung zu deuten. 

Deutungen über die Auferstehung / Auferweckung: (interpretierte Auszüge)

Willi Marxsen (1919 - 1993):

Jesu wurde in seinem irdischen Leben als Vorwegnahme der Endzeit erfahren. Er brachte uns den fernen Gott wieder näher. Die Auferweckung hat die Anhänger Jesu wieder in Bewegung gesetzt und sie haben das Anliegen Jesu weiter verbreitet. Sie verkünden nun, dass Jesu das kommende Heil jetzt anbietet und somit ist sich die Urgemeinde gewiss, mit seinem Geist begabt zu sein und erwartet nun den bald wiederkommenden Herrn (Jesu).
Die Gemeinde hat nun durch die Kraft des Geistes Jesus, die Funktion, zum Heil der Menschen beizutragen. Die Auferweckung Jesu wird zum Zeichen, damit seine Anhänger sein Lebenswerk übernehmen und in seinem Sinne weiterführen und gewiss sind, dass Jesu lebt und das er zurückkommen wird.

Ulrich Wilckens (1928):

In der Erscheinung Jesu, liegt der einmalige Akt der Bevollmächtigung der ersten Zeugen ihm gleich zu tun. Gott hat mit der schöpferischen Macht den Gekreuzigten auferweckt und damit seine Liebe zur Wirkung gebracht. So ist die Auferweckung in der Existenz der Glaubenden, eine Glaubensgrundlage. In dieser Gewissheit sind die Lehren und Verkündigungen Jesu, von Gott in endzeitliche Gültigkeit ins Recht gebracht worden. Durch Jesu kann Gottes Wille verkündigt werden, dass sein Heil allen Menschen gilt, ohne Unterschied. Diese Lehre Jesu gilt es nun zu verkünden und zu Leben von dem Glaubenden in der Gewissheit, dass die entscheidende Macht der Liebe Gottes, Jesus handeln auf ewig rechtfertigt. 

Karl Martin Fischer (1936 - 1981):

Mit der Auferstehung ist Jesu Herr des Glaubens, der Gottes Nähe angekündigt hatte und nun uns nahe ist. Durch den Osterglaube, kann der Glaubende den irdischen Tod Jesu dennoch froh betrachten, weil er durch den Glauben weiß, dass Jesus nicht umsonst gelebt hatte. Somit wird das christliche Zeugnis von der Auferstehung, die Hoffnung für diese Welt und glaubt daran, dass sich die Welt ändern kann und soll, was zum Auftrag des Glaubenden wird. Seine Vollendung aber, wird der Mensch in der jenseitigen Welt des Todes erfahren.

Aspekte zum Thema: Kreuz

Die Kreuzigung Jesu gehört zu der historischen Ebene, gilt insofern als gesichert, da es laut der Schriften (NT) Zeugen dafür gab. Aufgrund der Kreuzigung muss zuvor eine Verhaftung und ein Gerichtsverfahren stattgefunden haben. Diesbezüglich finden sich entsprechende Texte in der Schriftensammlung des Neuen Testaments.
Die Kreuzigung und die Leidensgeschichte ist ein Kernpunkt der Verkündigung und ist daher sehr bedeutend. Zunächst gilt es die Frage nach dem „Warum“ zu klären (Verhaftung, Prozess, Kreuzigung). Für die Juden und die Schriftgelehrten, war Jesus ein Provokateur und Gotteslästerer. Jesus schien ein Freund der Sünder zu sein, er interpretierte in deren Sinne das jüdische Gesetz. Er erkannte die Lehren der Pharisäer nicht an und wertete sich als gottlos ab (beleidigte sie).
Seine Anhänger erkannten den prophetischen Anspruch von Jesu und proklamierten das er zumindest Gott nahe war. Jesus Handeln, Wirken und Einfluss wurde von den Pharisäern als ketzerisch angesehen. Die zunehmende Anhängerschar (laut Schrift) wurde als Bedrohung für den jüdischen Glauben empfunden. Es war eine Blasphemie, dass sich Jesus auf Gott berief, in den Augen der Pharisäer und die Bibel in Frage stellte. Jesus wagte es religiöse Gesetze zu kritisieren und sie umzuinterpretieren. Die Pharisäer veranlassten über Pontius Pilatus die Verhaftung Jesu und im Verfahren wurde ihm eine schwere Gotteslästerung vorgeworfen. Jemand, der sich den Sündern zuwandte, sich über Moses stellte und die Apokalypse umdeutete, musste mit den Bösen Mächten in Verbindung stehen und so kam nur die Kreuzigung für ihn in Betracht.
Obwohl für Pontius Pilatus die Anklagepunkte für Jesus keine Todesstrafe rechtfertigte, gab er den Pharisäern nach. Mit dem Zugeständnis wollte Pilatus über den hohen geistlichen Einfluss der Pharisäer, die innenpolitische Ruhe in Judäa bewirken. Da das Passahfest bevorstand und Pilatus traditionell einen Verurteilten begnadigte, hoffte er, dass sich das Volk für Jesus entscheiden würde. Doch für ihn überraschend, entschied sich das Volk für den Verbrecher Barabas (laut der Schrift). Mit jener Darstellung demonstrierten die Autoren der Evangelien, wie moralisch verkommen das jüdische Volk war, die einen räuberischen Mörder bevorzugten, statt einem Menschen, der Wunder vollbrachte und uneigennützig seine Hilfe anbot. Es gipfelte darin, dass bei seinem Kreuzestod, kaum jemand Jesus die letzte Ehre erwies.
Das Jesus von den Juden als Gotteslästerer gesehen wurde, verängstigte den einen und anderen, um nicht selbst verurteilt zu werden. Es war aber üblich, dass bei der Kreuzigung Zuschauer erwünscht waren. Schließlich sollte die Kreuzigung einen abschreckenden Effekt haben. Das Jesus, laut der Schrift, einsam starb, war ein dramaturgisches Mittel der Autoren. Es verstärkte und deute die Verunsicherung seiner Anhänger an. Wenn Jesus Gottes Sohn war oder von Gott gesandt wurde, warum hat er sich nicht selbst oder wurde von Gott gerettet? Sollte der Kreuzestod etwa doch die Strafe Gottes für Jesu sein, dessen Leben und Lehren eine Blasphemie (Verhöhnung) waren? Hatten die Pharisäer recht mit ihrem Urteil über Jesus?
Seine Anhänger sahen zunächst in seinem Tod das Scheitern und den Zusammenbruch all ihrer Hoffnungen. Die Anhänger wollte aber das Ende ihres Glauben nicht akzeptieren und begannen den Kreuzestod als Beweis seiner Göttlichkeit zu verkünden. Mit der Auferstehung Jesu war ein Zeichen Gottes gegeben und verhalf den Glaubenden zu einer neuen Sichtweise. Auferstehung und Kreuzigung stehen somit in einem systematischen Zusammenhang. Da er den Jüngern erschienen ist, muss er von den Toten auferstanden sein, somit ist die Kreuzigung ein vorgesehener, geplanter Akt von Gott gewesen.
Seine Anhänger bezeugten daher eine systematische Linie/Ablauf, einen Plan. Gott wollte das alle sehen, dass Jesus gestorben ist und nicht gemeuchelt wurde oder einsam im Kerker starb, wo nur Mutmaßungen über seinen Tod möglich waren. Mit der Kreuzigung ist Jesus wahrhaft vor aller Welt gestorben und aufgrund dessen, muss sein Tod einen symbolischen Wert ausdrücken, weil er auferstanden ist. Das heißt, Jesus ist als Mensch gestorben, lebt aber als göttliche Person weiter.
In der Analyse um den Kreuzestod reifte die Erkenntnis, die in eine Bekenntnisformel gebrachte wurde: „Jesus ist für uns gestorben!“
Mit der Aussage wurde der alttestamentliche Opfergedanke vom Sündenbock (Lev 16, 20 – 22) aufgegriffen, in dem ein ausgesuchter Ziegenbock stellvertretend mit den Sünden des Volkes beladen und geopfert wird, damit Gott den Menschen ihre Sünden verzeiht. Ebenso standen die täglichen Sühneopfer in Jerusalem der Sichtweise Pate, worauf der Gedanke formuliert wurde, dass Jesu am Kreuz stellvertretend für die Sünden der Menschen starb. Er hatte als Mensch erlebt, dass der Mensch sündhaft ist und will als Gott seinem Vater, die natürliche Grundsündigkeit der Menschen erklären. Der Gedanke der Sündenerlösung wurde jedoch ganz vielfältig verstanden.

Deutung durch die frühchristlichen Gemeinden:

Die ersten christlichen Gemeinden lebten in den Vorstellungen der jüdischen Tradition, wie die messianische Königserwartung (2. Sam 7, 11 - 16), den leidenden Gottesknecht (Jes 53) und dem wiederkommenden Menschensohn (Dan 7, 13). Tief verwurzelt waren die Messias-Vorstellungen und erwarteten einen mächtigen Helden, somit passte der Kreuzestod nicht in deren Ansichten des Glaubens. Für sie war der Kreuzestod Jesu ein schändlicher Akt, der ihre Hoffnungen und Erwartungen nicht erfüllte und somit stark enttäuschend wirken. Kreuzigung wurde nach der Schrift (AT), als ein Fluch Gottes verstanden (Dtn 21, 23 & Gal 3, 13). Eine Heilsdeutung des Kreuzes wirkte für sie absurd und so war es kein Zufall, dass viele Schriften die Passion (Leidensgeschichte) einfach wegließen.

Deutung des Kreuzes bei Paulus:

Paulus wagte als einer der Wenigen eine Predigt vom (zum) Kreuz. Rein textlich fällt zunächst auf, dass er die griechische Präposition „hyper“ verwendete, die einen mehrfachen Sinn hatten („wegen“, „um deren Willen“). Die Worte beziehen sich auf Jesaja 53 und beklagen die Sünden als Ursache des Leidens. So deutet „anstatt“ auf ein stellvertretendes Strafleiden hin. „Für“ oder „zum Besten von“, wird bei Paulus zum zentralen Motiv, dass auf Jesus hindeutet, der uns von unseren Sünden freimachen will, es tun will und bereits gemacht hat. Paulus setzt das Kreuz sogar in den Mittelpunkt seiner Theologie, vielleicht auch deswegen, weil die gnostische Lehre in seinen Gemeinden um sich griff.
Paulus Lehre gibt der rationellen Kreuzigung keinen Platz, sieht sie als ein unbedeutendes irdisches Ereignis an, da die göttliche Herkunft Jesu mehr von Interesse ist.Paulus entwickelt bei seiner Predigt vom Kreuz drei Grundgedanken.

1. Stellvertretung: Jesus wird zum Opferlamm, ohne das Paulus den Vergleich verwendet. Jesus Christus büßt dabei, aber nicht für unsere begangenen Sünden (die wir persönlich sühnen müssten), sondern er bezieht vor Gott die Strafe als Mensch, in der Beziehung zum Treuebruch gegenüber Gott. Gott erkennt daraufhin, dass die Sündhaftigkeit in der Natur des Menschen liegt. Mit dem Akt der Stellvertretung stellt Jesu die Nähe Gottes zum Menschen wieder her, da er die Grundsünden der Menschen besser verstehen kann.

2. Versöhnung: Gott versöhnt die Welt mit sich am Kreuz und wird deshalb zum Zeichen. Das Zeichen setzt die Erwartung Gottes voraus, dass die Menschen zu Jünger Jesu werden (ihm nachfolgen) und damit die wirkliche Versöhnung geschieht. Versöhnung heißt dabei auch, dass der Mensch von der Macht der Sünde befreit wird. Macht versteht sich hierbei als triebhafte Sündigkeit oder besser Veranlagung, die den Menschen zu Fehlern treibt und sich immer wieder vom Bösen verführen lässt. Durch den neuen Glauben, der Nachfolge zu Jesu, geht der Mensch einen Weg ein sich zu disziplinieren.

3. Erlösung: Erlösung versteht sich als Befreiung von verstaubten Gesetzen und gesellschaftlichen Zwängen. Der Kreuzestod ist daher ein Befreiungsakt vom jüdischen Gesetz und richtet sich gegen das Für - Wahr - Halten von dogmatischen Sätzen. Der Freiheitsgedanke spielt in diese Vorstellung mit ein.

Deutung des Kreuzes in der gegenwärtigen Theologie:

In der heutigen Zeit, tut man sich ebenfalls schwer damit das Kreuz als Heilereignis zu sehen. Walter Keck formulierte 1968 seine Vorstellungen in etwa so: „Gott begegnet uns in dem Gekreuzigten, der auf der Seite der Verlorenen und Verdammten steht. Gott ist also auf der Seite der Rechtlosen und der Verfolgten, da sie ihr Kreuz noch zu tragen haben (symbolisch). Gott handelt dabei selbst, wenn er die Welt mit sich versöhnt und uns das Vermächtnis Jesu als neuen Bund hinterlässt. Jesus Tod schlägt also Brücken über die Abgründe der Menschheit. Die Predigt vom Kreuz ist das Bewusstsein, dass der Mensch immer wieder schuldig werden wird, aber dennoch der Zusage Gottes sicher sein kann, der Mensch ist von Gott bejaht.“ Sicherlich fragen sie nun nach dem Handeln Gottes, aber das eben ist Glauben und sicherlich nicht auf den Einzelnen hin zu sehen. Letztendlich ist aber alles Interpretationssache, wie es die Kirchengeschichte beweist.  

Auswahl von Deutungen / Auferstehung & Kreuz

Rudolf Bultmann (1884 - 1976):

Kreuz und Auferstehung sieht er als eine unzertrennliche Einheit an. Die Auferstehung ist im Prinzip der Glaube an das Heilsereignis der Kreuzigung, es ist das befreiende Gericht was durch die Auferstehung unterstrichen wird. Das Kreuz versteht sich als Abschluss eines veralteten Denkens (pharisäische Gesetzlichkeit) und Auferstehung als freiheitliches Denken in der Gewissheit des angebrochenen Reich Gottes durch Jesu. Beides bedingt sich einander, ohne Kreuz wäre die Auferstehung ohne Sinn, wie auch umgekehrt.
Kernpunkt des historischen Heilsgeschehens, ist das befreiende Gericht über die Menschen. Somit ist das Kreuz bedeutsam in der Gegenwart, weil es den Menschen von Dogmen befreit und nun bewusst auf die Endzeit zugehen kann. Die Auferstehung ist ein bekennender Schwerpunkt und Gegenstand des Glaubens und verweist auf die endzeitliche Bedeutung.

Karl Barth (1868 - 1968):

Auferstehung und Kreuz sind für ihn zwei verschiedene Ereignisse, wodurch das Kreuz- Ereignis von eigener Gestalt und eigenem Gehalt ist. Beide Ereignisse verstehen sich als separates Handeln Gottes und die Bedeutung des Kreuzes als Heilsgeschehen, die den Jüngern als Botschaft offenbart wurde.

Jürgen Moltmann (1926):

Im zentralen Mittelpunkt steht bei ihm der Begriff der Hoffnung. Wer durch die Osterbotschaft zur Hoffnung wiedergeboren wird, beginnt in dieser gottlosen, unmenschlichen Welt zu leiden (Kreuz). Mit Liebe und Protest bringt Jesus die Hoffnung auf ein wahres Leben in diese Welt. Aus der Auferstehung entspringt die Wiedergeburt der Hoffnung, sie lehrt durch Anfechtungen die Verheißung des Endgerichtes zu verstehen. Es beinhaltet die Hoffnung, dass der Mensch durch sein Tun, das Endgericht schneller herbeiführen kann.

Ulrich Wilckens (1928):

Er vertritt den Standpunkt, dass der auferweckte Gekreuzigte seinen Sinn darin hat, dass es keine andere Macht, als die Liebe gibt, die zuletzt zur Herrschaft kommt und kommen soll.

Ernesto Cardenal (1925):

Cardenal glaubt nicht an einen abstrakten, jenseitigen Gott an sich, sondern der Gott für – uns, lebt vielmehr unter uns und existiert als Liebe zwischen den Menschen und von der Hoffnung, dass als letzter Feind des Menschen der Tod besiegt wird (werden).

Ansicht über die Freiheiten des Kreuzes:

Verlangt von uns eine Verantwortung für diese Welt zu tragen, ob im sozialen, ökologischen oder politischen Umfeld oder dem Kampf gegen jede Form von Ungerechtigkeiten, Ausbeutungen und einem unwürdigen Lebens. Das heißt irdische Grenzen für nichtig zu erklären, weil wir alle Brüder sind und bedeutet auch dem Menschen zu dienen, durch Barmherzigkeit, soziales Engagement und ähnlichem, ohne sich selbst aufzugeben. Freiheit im Sinne des Kreuzes, heißt dem christlichen humanistischen Menschenbild zu entsprechen.

Mein Epilog

Sie sehen anhand der vielseitigen Interpretationen, dass eine einheitliche Sicht nicht möglich ist und auch nicht sein will. Der Zeitgeist nährt die Interpretation und in der Gemeinde sollten die aktuellen Fragen zum Glauben geklärt werden. Die gelehrten Kirchenführer sollten dabei den Geist der Heiligen Schrift Rechnung tragen und sich nicht weltlich verführen lassen.
Wie dem auch sei, ist Glaube letztendlich eine individuelle Sache, die dazu dient die Seele zu stärken und den Sinn des Lebens zu interpretieren. Es ist letztendlich egal, welchen Glauben man hat oder Atheist ist, der Mensch steht in der Verantwortung zur Welt, ob sie morgen noch lebenswert ist und für unsere Kinder lebenswert bleibt. Im christlichen Sinne soll uns der Heilige Geist (Glaubensverständnis) leiten und vielleicht Wunder im Alltag bewirken, aber auf Gottes eingreifen können wir nicht hoffen. Somit entscheidet unser Tun, wie schnell die Apokalypse kommt oder für Atheisten der Weltuntergang. Wie man es auch dreht und wendet, sind wir alle Kinder der Erde. Eine Heimat, die es zu bewahren gilt und das es die Menschheit endlich lernt, sich gegenseitig mindestens zu tolerieren. Leider vergiften religiöse Fanatiker das Klima und argumentieren mit dem Koran oder der Bibel: Dabei sind es Bücher, die von Menschen geschrieben wurden und in grauer Vorzeit vielleicht ihre wörtliche Berechtigung hatten, aber nicht mehr heute. In diesem Sinne lebt das Leben in der Verantwortung zu unserer Welt.

                                                          Gez.:   Dietmar Nimz (2018)