9. B. Glaube Jesu

Aspekte zum Thema:  Das Sein (Bedeutung)  Jesus Christus

Glaube ist eine Betrachtung/ Meinung, die sich durch die zeitliche (historische) Entwicklung stets erneuert. Diesbezüglich ist auch die Betrachtung, über das Sein von Jesus Christus ebenfalls zeitgebunden. Die biblischen Überlieferungen werden dabei, aufgrund der aktuellen Situation interpretiert. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass die Person Jesu existiert haben könnte, somit basieren die Geschichten über ihn auf einen wahrscheinlichen Kern. Die Möglichkeit, heißt andererseits, dass es fraglich ist, ob es Jesus real gegeben hat.
Die Christenheit geht aber davon aus, dass Jesus wirklich gelebt hat und daher sind die Geschichten über ihn als wahr anzusehen. Das Problem sind aber die Evangelien, die inhaltlich die gleichen Geschichten verwenden, die aber unterschiedlich dargelegt werden.
Im Zusammenhang mit den Apostel-Briefen, ist es hier besonders nötig die Existenz von Jesu zu bekennen. Bedeutend wird hierbei der Status von Jesus, wer war er?
Die grundlegende Frage, wurde in Form von Bekenntnis-Titel gelöst.

Bekenntnistitel

Christus

Griechische Bezeichnung / Übersetzung für den jüdischen Begriff Messias. Messias bindet die biblische Prophezeiung, aus dem AT, in eine neue Aussage im NT. Im AT wird ein Nachkomme des Königs Davids vorhergesagt, den Gott ein Vater sein will, so wie er ihm ein Sohn sein soll und wird das auserwählte Volk führen und retten.
Für die Christen im NT erfüllt Jesus die Verheißung, der im Bund mit Gott steht, aber im Gegensatz zum AT alle Menschen retten wird. Jesus wird als beauftragter Führer Gottes bekannt und als Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft gesehen. Jesus ist die Verwirklichung der Prophezeiung für das Gottesvolk Israel (Judäa) und sie sollen als Botschafter Gottes, der gesamten Welt den Glauben an Gott anbieten. Doch die Juden akzeptieren Jesus nicht als Messias und empfanden ihn anmaßend und als eine Beleidigung Gottes. Sein Märtyrertod machten Jesus zu etwas besonderem, worauf sich die Nachösterlichen Gemeinde zu Jesu bekannte und ihn die griechische Bezeichnung Christus als Beinamen gab. Mit der Verbreitung der Christen wurde der Titel Christus zum festen Eigenname, sodass sich die Anrede Jesus Christus verbreitet hat.

Gottessohn:

Im Zusammenhang mit den Wundergeschichten und Verhaltensweisen, widerspricht die christliche Auffassung der biblischen Messias-Erwartung. Jesus konnte auf Grund seiner Handlungen kein Sohn Davids (Nachfahre) sein, er musste Gottes Sohn sein. In der Betrachtungsweise gab es jedoch Unterschiede, die irgendwie alle ihre Berechtigung hatten und kompakt zu verstehen sind. Jesu war von Gott bevollmächtigt; er war ein geistesbegabter Mensch; ein gehorsamer Sohn Gottes oder er wurde von Gott gesandt.
Die vier Eigenschaften unterstreichen dass Jesu Gottes Sohn war, aber nicht unbedingt der leibliche Sohn Gottes. Zumindest wirkte auf ihn der direkte Einfluss Gottes und konnte deshalb kein berufener Mensch sein, somit auch kein Nachfahre Davids.
Im Bibeltext bezeichnet sich Jesus nie als Gottessohn. Diese Bescheidenheit bestärkt jedoch die Glaubenden darin, das er der Sohn Gottes sein muss. Wichtig ist der Titel auch dahingehend, um sich von der jüdischen Messias Erwartung zu distanzieren. Jesu ist somit kein glorreicher Held, sondern als Gottessohn ist sein Handeln für Menschen nicht begreifbar.

Herr:

Zunächst ist der Titel eine Würdebezeichnung (Ehrerbietung), die im gottesdienstlichen Bereich angewandt wurde, wie bei Taufe, Abendmahl oder Eheschließung. Der Begriff Herr wurde in den orientalischen Kulturen zum Kultbegriff ihrer Gottheiten. Christen übernahmen den Begriff, um Jesus als ihren unmittelbaren Herrn zu Ehren, obwohl die Ehre doppeldeutig war und Gott mit einschließt. Zum anderen wollten sie den anderen Kulturen klarmachen, dass nur Jesu, der wahre und einzige Herr dieser Welt ist.
Sein Dasein als Mensch, die unmittelbare Nähe und seinen Geist, den er hinterließ, machten ihn irdisch greifbar und ist ebenso der Herr der irdischen Welt, der zurückkehren wird, wenn Gottes Endgericht beginnt. Dieses Denken führte dazu, Jesu als Gott anzusehen und Gott selbst rückte in die zweite Reihe. Wenn man Jesu als irdischen Herrn sieht, der im Auftrag Gottes gehandelt und gewirkt hat, so erfüllt der Begriff Herr seinen Sinn. In der heutigen Zeit, ist der Begriff mehr eine Anrede, als eine Titelbezeichnung.

Es gibt noch zahlreiche Bezeichnungen für Jesu, die in manchen Gemeinden auch als Titel bezeugt werden, die vom Sinn her etwas abwegig sind.
Beispiele: Kyrios, Lamm Gottes, Logos, Guter Hirte, der Gerechte, der Mittler, der Zeuge, Menschensohn

Streitpunkt Jesu

Zwei Naturen Lehre:
Wie man die Titel auch betrachten mag, es gab immer mal wieder Streit um sein Wesen, war er nun ein Mensch oder ein Gott, ist es möglich beides zu sein? Auf zwei Konzilen, um das Jahr 350, stritten die obersten Kirchenführer, was Jesu mehr war, wahrer Gott oder wahrer Mensch. In Nicäa formulierte man Jesu, als Gottes Sohn, um eine Halbgott Theorie entgegen zu treten, die aus der griechischen Mythologie um sich griff. Jahre später, in Chalcedon, bekräftigte das Konzil die menschliche Seite Jesu, um seine Nähe für die Christen im Glauben greifbar zu machen.
Doch der Streit um seine wahre Natur ging weiter und es bildeten sich zwei Lager, die stetig im Streit lagen. In der Summe dessen wurde Jesus zunehmend als Halbgott gesehen. Auch Martin Luther nahm zu dem Thema Stellung und formulierte seine Erklärung zum 2. Artikel des Apostolikums, dem Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus. Luther unterstreicht dabei, dass Jesu, als Gottessohn, wahrhaftig Gott und Mensch gewesen sein kann, somit waren für Jesu zwei gleichberechtigte Naturen kein Widerspruch. Zugleich kritisierte er die Kirchenfürsten den Glauben einzuschränken und ermunterte die Christen sich den Glauben nicht vorschreiben zu lassen, wie das Heil Jesu zu verstehen sei. Der Glaube an Jesus sollte nicht dirigiert und ein blinder gehorsam zur Meinung der Kirche erzwungen werden.
Glaube sollte etwas Ursprüngliches bleiben und meint die lebendige Nachfolge des Herrn anzutreten. Geschichtlicher Hintergrund war dabei der Missbrauch des Glaubens durch die katholische Kirche, wodurch die protestantische (evangelische) Bewegung ausgelöst wurde und zur Kirchenspaltung führte (Katholische und Evangelische Kirche).
Anmerkung: Die Erklärung zu Artikel 2. des Glaubensbekenntnisses, finden Sie im „kleinen Katechismus“, einer Begleitbroschüre zum Glauben für Christen.

Leben-Jesu-Forschung: 
Mit dem Zeitalter des Denkens (18./19. Jahrhundert), begannen Theologen mit der Erforschung der Bibel, insbesondere den Nachweis für Jesus Leben zu führen. Da die Bibel von Menschen geschrieben wurde, hieß es Belege für Jesu in anderen Schriften der Menschheit zu finden und Texte zu analysieren. Forscher waren bestrebt herausfinden, wer und wie Jesus wirklich war, wie identisch und historisch, Jesu mit dem biblischen Jesu war. Gegen alle Dogmen der Kirche zum Trotz, versuchte man, wie bei übermalten Gemälden, Schicht für Schicht abzutragen, damit das Ursprüngliche zum Vorschein kommt. Sehr genau verglichen sie die synoptischen Texte (Evangelien), strichen Interpretationen heraus und versuchten an den Urtext zu gelangen. Man fand heraus, dass jeder Jesusspruch und Jesusgeschichte ein Bekenntnis war und nicht als historischer Beleg taugte. Sie erkannten, dass ihre Bemühungen, den Urtext zu erschließen, sie dazu verleitete selbst die Texte zu interpretierten (Emotionen) und demzufolge einen Meinungsstreit auslösten.
Dieses Projekt scheiterte somit, da bis auf den Schriften der Bibel, kein anderes stichhaltiges historisches Material zu Jesus Christus gefunden wurde. Doch die Frage, nach dem Sein Jesus, beschäftigte immer wieder Forscher zu allen Zeiten, ausgelöst durch die Zeichen der Zeit, die es verlangten, die Bedeutung Jesu zu erschließen oder neu auszusagen. Die daraus resultierenden Bekenntnisse sind situationsbedingte Entfaltungen der neutestamentlichen Christuszeugnisse. 

Kerygma-Theologie:
In der Verkündigungstheologie, versuchten Theologen (entsprechend ihrer Zeit) eine philosophische Deutung der Bedeutung Jesu zu erschließen. Drei Ansichten kristallisierten sich dabei besonders heraus.

Karl Barth (geb. 1886 ⇒ maßgeblicher Verfasser der Barmer Erklärung):

Barth unterstreicht die Hinwendung Gottes zu den Menschen in Jesus Christus. Für ihn ist die Beziehung Gott - Mensch das allumfassende Thema der gesamten Bibel, wobei Gott das Subjekt der Beziehung ist. Ausgehend davon, dass für ihn die Bibel Gottes Wort an uns Menschen ist, hat dieser Gott den Weg zu den Menschen gesucht. Die nun im Glauben sind, sind jene Kinder Abrahams, mit denen Gott seinen Bund geschlossen hatte und in Jesus Christus wurde der Bund für immer und für alle Menschen besiegelt. Jesus reiht sich hier den Taten Gottes unter ⇒ Gott ist primär, Jesus sekundär; so sind Jesus Worte eigentlich Gottes Worte.

Rudolf Bultmann (geb. 1884):
Jesus ist für den Menschen das Wort der Verkündigung und ist in ihm (Wort) gegenwärtig. Auf dieser Basis lebten die urchristlichen Gemeinden Jesus Worte und Taten. Nach Bultmann ist Jesu Träger des Wortes und sichert im Wort, den Menschen die Vergebung Gottes zu. Für ihn ist Jesus Wort, die einzige Möglichkeit, dass die Vergebung Gottes für den Menschen Wirklichkeit wird.
Bultmann ist auch ein entschiedener Gegner der Jesu-Leben-Forschung, der argumentiert, dass christlicher Glaube nicht an historischen Fragen interessiert ist, weil Verkündigung zwar einen Zeitsinn, aber nicht die Historie zum Thema hat. Verkündigung im Neuen Testament heißt für ihn:
- Ausrufen und Proklamieren eines Geschehens, aber nicht Darlegen eines Wissensstoffes
- Wirksamer Zuspruch, aber nicht Berichte über ein reales Geschehen zur Kenntnisnahme
- Rede und Tat Gottes selbst, aber nicht  Reden von Menschen über Gott und sein Tun  

Dorothee Sölle (geb. 1929):
Ihrer Meinung nach vertritt uns Christus vor Gott. Jesus leistet Für-Sprache für uns vor Gott, bekennt aber zu gleich, dass wir Menschen selber lernen sollten zu Gott zu sprechen. Jesus ist der Garant dafür, dass Gott seinen Bund mit den Menschen nicht kündigt. Damit ist mit ihm, für uns Menschen, eine gewisse Freiheit angebrochen und sein Name wird zu einem unauslöschlichen Siegel, in der Erwartung des kommenden Gottes-reiches. Jesu ist also unser direkter Ansprechpartner, unser Herr, und weil er Mensch war, weiß er über den Menschen und weil er auch Gott ist, kann er vor Gott sachgemäß vermitteln.

Zusammenfassend: Der Eine betrachtet die Bibel als Gottes Wort und alles darin ordnet sich Gott unter, weil er der Handelnde ist, Jesus ist somit nur ein Ausführender. Ein Anderer betrachtet das Neue Testament separat und sieht Jesus unter dem Aspekt von Verkündigungs-schriften (Kerygma), wo Jesus der Träger des Wortes ist und somit der Handelnde im Sinne Gottes. In einer dritten Betrachtungsweise, wird Jesus Bedeutung noch klarer für uns Menschen herausgestellt und besagt, ohne ihn könnte Gott uns Menschen kündigen.

Jesu Verkündigung und Tun in Richtung Gottesherrschaft

Das zentrale Anliegen Jesu ist, nach der Schrift und den Forschungen, die Verkündigung der anbrechenden Gottesherrschaft. Dem Aspekt ordnet sich die Bedeutung und das Sein Jesu unter. Gottesherrschaft (oder „Reich Gottes“ oder „Reich des Himmels“) meint ursprünglich die Königsherrschaft Gottes, wonach Gott direkt über Israel und der gesamten Welt herrschen wird. Das auserwählte Volk (Israel) wird daran teilhaben und ein Messias, wird die irdische königliche Macht leiten.
Durch die Geschichte Israels, musste die Grundaussage revidiert und erneuert werden. Mit Jesu bekannten die urchristlichen Gemeinden, dass mit ihm die Gottesherrschaft angebrochen ist und die endgültige Herrschaft Gottes durch Jesu nahe ist. Die Nahe Gottesherrschaft ist damit eine Zeit der Freudenfeste, die Nähe Gottes jetzt zu spüren gibt Anlass zur lebendigen Freude und gilt für alle Menschen. Bisher wirkte es so, als habe Gott sich von den Menschen entfernt und sie vielleicht sogar verlassen. Die Freude über die Nahe Gottesherrschaft bekommt einen tieferen Sinn, in dem es heißt: Selig sind die Armen, denn euch gehört die Gottesherrschaft. Bislang war jeglicher Glaube ausgerichtet auf die Herrschenden oder der Priesterschaft.
Nun kommt jemand und hebt die Geringen und die Verachteten hervor, sie werden zur zentralen Quelle des christlichen Glaubens. Jesus Taten des Dienens und seine herzlichen Zuwendungen zu den Leidenden, macht die Unbedeutenden zu den Begnadeten der kommenden Gottesherrschaft, in der sie Gottes Güte erfahren werden. Jesu selbst ist der Gottesherrschaft gewiss, da sein Tun ein Akt der anbrechenden Gottesherrschaft ist, da er Menschen vom Bösen befreit und auch dazu befähigt ist (die Macht besitzt).
Da Jesu Fähigkeiten besitzt, zeigt sich Gottes Wirken und setzt durch ihm ein Zeichen. Gott lässt zugleich den Menschen die Freiheit im Glauben selbst zu entscheiden und durch Jesu werden viele Glaubensgleichnisse offenbart, die bezeugen dass eine Rückbesinnung zu Gott stets möglich ist. Das Gericht Gottes ist letztendlich eine Abrechnung des gelebten Lebens und ist auch eine Einladung für das Reich Gottes. Eine Einladung die man annehmen und ablehnen kann. Das Sein Jesu ist dabei eine subjektive Sicht, die sich nur auf Aspekte der Bibel berufen kann und die Bedeutung für uns Menschen, muss immer zeitgemäß neu formuliert werden, was auch bedeutet, Jesu in uns Leben zu lassen. Wenn Jesu in uns lebt, dann stellt sich auch nicht die Fragen nach seinem historischen Leben, es ist auch unerheblich, ob er nun wahrer Mensch war oder wahrer Gott ist.
In seiner Nachfolge zu leben, heißt den Sinn Jesu begriffen zu haben, in der frohen Erwartung auf das kommende Gottesreich. Wie der Glaube an sich, ist das Bekenntnis zu Jesu eine personale Beziehung. Im Rahmen der Gemeinde sollte das Bekenntnis überprüft werden, um nicht auf Irrwege zu geraten und heißt auch kritisch die Lehren der Kirchen zu hinterfragen.
Die Vergangenheit lehrte, dass die Sicht zu Jesu von Kirchenobersten getrübt war, weil sie durch ihre Stellung verführt worden und nicht frei vom egoistischen Trieb sind, um ihr angenehmes Leben abzusichern und auszubauen. So verkünden sie Glaubensinhalte bewusst oder unbewusst nach ihrem Sinn.

Populäre Betrachtungen zu Jesus Christus:

Apokalypse: Die erwähnte Freude über das kommende Gottesreich, hat allerdings einen bitteren Beigeschmack. Ein solches Gottesreich setzt die Apokalypse, das Endgericht voraus, das Ende der Welt. An jenem Tag, wird Jesus auf die Welt zurückkommen und die Menschen nach ihren Taten richten. Er wird jene auferstehen lassen, die sich im Glauben bewährt haben und mit ihnen wird das Gottesreich entstehen.
In dem Zusammenhang fordert das NT zur Nachfolge Jesu auf, einem verantwortlichen, bewussten und aktiven Handeln, denn nur ein christliches Leben zahlt sich später bei der Apokalypse aus. Die Apokalypse ist eine Vision vom Endgericht, deren erste Phase bereits begonnen hat. „Der Mensch vernichtet seine Welt, ist ohne Glauben, spaltet ihn, ist dem Bösen erlegen und versucht selbst Gott zu sein. Es ist eine Zeit, wo der Teufel seinen Sohn schicken und den Menschen den Weg in die Hölle zeigen wird.“
Diesbezüglich gibt es die verschiedensten Vorstellungen der Apokalypse und populäre Satanskulte sehen es so: „Das Ende, die Zerstörung der Welt ist nahe, da die Menschheit sich von Gott entfernt. Und weil kaum jemand bereit ist Jesus Nachfolge anzutreten, wird der Teufel seine Söhne schicken, die das absolute Chaos bewirken, aber aus dem Bösen wird dauerhaft Gutes entstehen, weil sich das Böse gegenseitig eliminiert.“ Satanisten glauben deshalb den Vorgang beschleunigen zu können und weil sie sich zum Teufel bekennen, werden sie von ihm geschützt, bei all ihren düsteren Taten.
Wenn wir die heutige Wirklichkeit analysieren, scheinen sich die Visionen vom Niedergang der Welt zu erfüllen. Mit jedem Tag entfernen wir uns mehr von Gott und das Böse macht sich breit. Es wird daher höchste Zeit, wieder den Weg der christlichen Nachfolge zu gehen. Denn nach den christlichen Visionen, wird Gott die Gerechten auferstehen lassen und es werden paradiesische Zeiten für die Geretteten anbrechen. Nur wenn keiner Gerettet werden kann, da alle verderbt sind, wird die Erde in ewiger Dunkelheit verharren.
Ein erster Schritt, um dem entgegen zu wirken, wäre eine grundsätzliche Einigung der Religionen. Solange man sich streitet, welche Gottesansicht, die Wahre ist und welche Glaubensmeinung die Richtige ist, wird der Glaubende verunsichert und die Zahl jener, die nicht mehr an Gott glauben nimmt weiter zu. Solange der aktuelle Zustand die Uneinigkeit bewirkt, jagen wir mit großen Schritten auf die Apokalypse zu. Es wird jedoch niemand Auferstehen können, weil keiner den rechten Weg weiß. Somit entfernt sich der Mensch als Begünstigter der Eschatologie (Jesus Wiederkehr zum Endgericht), in der Ungewissheit ein wahrer Gläubiger (Frommer) gewesen zu sein.

Geburt Jesu Christus:

Die Geburt nimmt in der Jesu-Leben-Forschung einen breiten Platz ein. Es gibt zahlreiche Anhaltspunkte im NT, die den Zeitpunkt der Geburt konkretisieren, wie dem Stern von Bethlehem, der römischen Schätzung (Volkszählung), des angeblichen Kindermordes von Herodes und andere historischen Angaben in den Evangelien. Doch die historische Forschung hat jedoch mehr verunsichert, als Klarheit geschaffen.
So passten die Fakten zeitlich nicht zusammen und darüber hinaus, konnte die Wissenschaft bestimmte Dinge nicht genau erschließen. Eines wurde definitiv klar, dass die Evangelien keine Biografie Jesus sind, sondern Jesus Überlieferungen in einen biografischen Rahmen gebracht wurden. Für das Markusevangelium, war Jesus Geburt sowieso unwichtig. Im ältesten Evangelium wird seine Geburt nur kurz erwähnt. Erst die späteren Evangelien enthalten die bekannte Geburtsgeschichte. Nahe liegend ist, dass die Autoren Ereignisse aus der Vergangenheit benutzt haben, um Jesus Besonderheit darzustellen. Sie nahmen es dabei, mit der zeitlichen Stimmigkeit nicht so genau oder verarbeiteten fehlerhafte Daten.
Für die meisten Forscher wurde klar, dass sich das NT an die biblische Tradition anlehnt, wodurch historische Fakten benutzt wurden, um eine religiöse Besonderheit herauszustellen. Es ist dabei zu bedenken, dass in der Antike die Geschichtsschreibung sehr ungenau war und häufig nicht datiert war. Waren Fakten datiert, so richteten sie sich nach der lokalen Zeitrechnung. Das heißt, dass es Jahre spät kaum möglich war, Fakten in ein aktuelles Zeitschema zu bringen. So setzte die katholische Kirche erst um 1060 eine allgemeine Zeitrechnung durch.
Bedenken Sie dabei, dass Historikern erst in jüngster Zeit gelang antike Fakten zu datieren. Wenn man diesen Hintergrund bedenkt, wird klar, dass die biblischen Autoren die Fakten nach ihrem Kenntnisstand benutzten. Vielleicht fehlen auch aus diesem Grunde konkrete Zeitangaben in der Bibel. Allerdings könnte auch die Absicht dahinter gesteckt haben, den Freiraum zu haben, um eindrucksvolle Geschichte konstruieren zu können. Der historische Anschein und das benennen von Orten, machen Geschichten authentischer.
Die Geburtsgeschichte von Jesus belegt in seiner Aussage, dass Jesus irdisch als Mensch geboren wurde und die Wunder Drumherum seine Göttlichkeit bezeugen. Die historischen Fakten sind somit als bekräftigendes Beiwerk zu sehen und nicht als Tatsache. Grundsätzlich wollten die Evangelisten Jesus den Christus verkünden und den neuen Geist lehren, zu dem sich die Menschen bekennen sollten. Sie wollten den Glaubenden den rechten Weg weisen und autorisierten ihre Botschaft mit historischen Fakten.

Siehe dazu: Vorwissen über Jesus und seine Zeit   ⇒ Abschnitt heutige Gedenktage (Geburtsjahr- und tag)

Dazu ein paar interessante Rahmenfakten:

Anno 525:
der Mönch Dionysius Exiguus berechnete das Geburtsjahr, deren Angaben von Beda Venerabilis (731), einem Benediktiner verbreitete wurde und für die katholische Kirche bindend wurde, als einheitliches Richtmaß (Zurückdatierung der bisherigen Daten)

Orthodoxe Kirche:
die Erschaffung der Welt lag deren Zeitrechnung zu Grunde, die noch sehr lange publiziert wurde und sich später der katholischen Zeitrechnung anschlossen. Russland korrigierte als eines der letzten Länder Europas seine Zeitrechnung vom Jahr 7208 auf das Jahr 1700 n. Chr.

Jesus Geburtstag:
wurde im 3. Jahrhundert auf dem 25. Dezember festgelegt. Nach dem julianischen Kalender entsprach der Tag der Wintersonnenwende, der längsten Nacht und Feiertag vieler heidnischer Kulturen.
Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders rückte die Wintersonnenwende auf den 21./22. Dezember. Da sich der Geburtstag von Jesus auf den 25.12. etabliert hatte verzichtete die Kirche auf eine Korrektur, zumal die orthodoxe Kirche noch sehr lange Zeit am julianischen Kalender festhielt. Übrigens mit der Korrektur vom julianischen Kalender auf den gregorianischen Kalender, änderte sich beispielsweise für Russland der Geburtstag von Jesus auf den 7. Januar.

Jugendzeit:
Im Evangelium von Lukas wird kurz die Zeit bis zum 12. Lebensjahr von Jesus erwähnt. Ansonsten gibt es über die gesamte Jugendzeit von Jesus keine glaubwürdigen Geschichten oder Nachweise.
Dennoch kursieren zahlreiche Geschichten umher, die mehr spekulativ konstruiert wurden, die im Kern sich auf folgenden Inhalt stützen:

„Jesus war ein Sohn, deren Eltern (Maria & Joseph) zur Mittelschicht zählten. Er war ein folgsamer, gerechtigkeitsliebender und wissbegieriger Sohn. In seiner Kindheit dachte er viel über das Leben nach und setzte sich mit den Ungerechtigkeiten des Lebens auseinander. Jesus versuchte die Bibel zu verstehen und begann schon als Jugendlicher eine kontroverse Meinung gegenüber den Lehren der Pharisäer zu entwickeln. Seine Erkenntnisse versuchte er in Worte zu kleiden und fand bei Freunden gehör. Er missionierte wahrscheinlich Bettler, Trunkenbolde und Prostituierte. Weil er sich aber dem „Abschaum“ widmete, erzürnten sich die Pharisäer über ihn. So kam es, das man ihn umerziehen wollte, doch es gelang ihm sich deren Zugriff zu entziehen. Er fand Unterschlupf bei Prostituierten und wurde ihr Beschützer und versuchte als Zuhälter Mädchen mit Respekt zu behandeln. Doch weil er das tat, wurde er von den Pharisäern geächtet und ihm der gesellschaftliche Stand entzogen.
Doch in seiner verwerflichen Funktion ergaben sich zahlreiche Gespräche und er erzählte von seinen Visionen, den Vorstellungen der wahren Gerechtigkeit. In jener Zeit, in der zahlreiche Wanderprediger das Land durchquerten, ermutigte man ihn ebenfalls seine Weisheiten allen Menschen zu verkünden. Er probierte sich schließlich in seiner Heimatgegend aus und immer mehr füllten sich große Plätzen, die ihn hören wollten. Schließlich zog er mit seinen Freunden (vier Apostel), gegen den Willen der Eltern durchs Land.“

Sämtliche Geschichten dieser Art, haben kein historisches Fundament. Es wurden zwar alte Schriften gefunden, die auf Jesus deuten könnten, aber ein Bezug auf Jesus bleibt spekulativ. Die Herkunft, sowohl der Schriften, als auch Überlieferungen, sind zudem sehr zweifelhaft und sind weder historisch, noch wissenschaftlich belegbar. Solche Jugendgeschichten wirken oft konstruiert und besitzen keine reale Basis.

Ebenso verhält es sich mit der populären utopischen Version, die Jesus als Außerirdischen sehen oder er als Jugendlicher ausgewählt wurde und von den Außerirdischen ausgebildet worden ist. Solche Versionen sind Erklärungsversuche seine Wundertaten, eine realistische Erklärung zu geben. Dazu wurde ein glaubhaftes, wissenschaftliches Konzept konstruiert, dass Gott zu einem Raumschiff-Kommandanten machte. Jesus wurde demnach instruiert, die Menschen darauf vorzubereiten, damit Außerirdische als Heilige gesehen und nicht angegriffen werden. Grund für eine solche Vorgehensweise ist die aggressive Natur des Menschen, die alles Unbekannte sofort angreifen würden. Eine interessante Theorie, aber mehr nicht.