8. D. Johannes Offenbarung

Die Offenbarungen des Johannes

Die Offenbarung des Johannes oder die Apokalypse (griech. = Enthüllung), ist eine prophetische Trost- und Hoffnungsschrift für die unterdrückten Christen im Römischen Reich. Sie war und ist eine stark umstrittene Schrift im Neuen Testament.

Verfasser:
Der Verfasser nennt sich selbst Johannes, der in der kleinasiatischen Stadt Presbyter bei Ephesus gepredigt haben soll. Möglicherweise hat Johannes die Urschrift verfasst gehabt, aber vermutlich haben seine Schüler das Werk mindestens überarbeitet. Aufgrund von Text-Forschungen (Textinhalte und Stil) haben die Autoren der Johannes-Offenbarungen nichts mit dem Johannes Evangelium zu tun. Wahrscheinlich haben Schüler der Johannesschule (neue Generation) das Buch geschrieben und versuchten dem Werk die Autorität von Johannes zu geben.

Abfassungsort, der Urschrift:
Im Text selbst, beschreibt sich Johannes als Gefangener, der auf der Insel Patmos (bei Ephesus) lebte. Im englischen Sprachraum wird daher auch der Begriff Johannes von Patmos (John of Patmos) verwendet. Ob er allerdings wirklich dort in der Verbannung lebte ist historisch fraglich und ist auch eine Interpretationssache.  

Adressaten:
Die damaligen Gemeinden in Kleinasien. Im symbolischen Bezug zur Zahl 7 wurden jedoch nur 7 Gemeinden benannt: Ephesus, Smyrna, Pergamon, Thyatira, Sardes, Philadelphia und Laodizea.

Abfassungszeit: 
Um 95, das Buch setzt die Christenverfolgung unter Domitian voraus. Allerdings gibt es Textstellen die frühere Abfassungszeiten (vor dem Jahr 70) begründen. Möglicherweise sind hier Textquellen aus unterschiedlichen Zeiten vermischt worden, sodass nur die zeitnahen Belege relevant sind.  

Wichtige verwendete Symbolik

Schon im AT nimmt die Symbolik einen wichtigen Platz ein und macht bestimmte Texte erst verständlich oder gibt ihnen einen tiefen Sinn. Mitunter finden sich auch versteckte Botschaften. Das Verwenden der Symbolik unterstützte die weitverbreitete Bildersprache und wurde von den antiken Völkern verstanden. Für uns Menschen in der Gegenwart sind aber diese Symbole fremd, da sie eben nicht mehr im Alltag präsent sind.

- 4 = steht für eine kosmische Gesamtheit, wie die 4 Elemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde)

- 7 = steht für Vollkommenheit/ Allumfassend. In diesem Sinne meint der Brief an sieben Gemeinden, die gesamte Christenheit.
        Grundeinheit im AT = die Schaffung der 4 Grundelemente (Feuer, Wasser, Luft, Erde) und die 3 Lebenselemente
        (Tier, Mensch, Gott); im NT zählen zu den 4 Grundelementen, den übergeordneten Lebenselementen  Jesus, Gott
        und Heiliger Geist.

- 3,5 = ein neuzeitlicher Begriff für die zwei Hälften einer Woche

- 12 = die Vereinigungszahl/Bündnis: setzt sich aus 3 x 4 zusammen, das elementare und Grundsätzliche [4] wird zur
           absoluten (multipliziert) Vollkommenheit [3]; daher haben sich 12 Stämme zum Volk Israel vereint und Jesus
           hatte 12 Jünger. Auch im Alltag hat sich die Zahl durchgesetzt (12 Monate, 12 Tierkreiszeichen, ein Duzend)

- 42 = in der Beziehung zu Monaten; stellt die Zahl die Hälfte eines 7-jährigen Sabbatjahr-Zyklus dar, in denen
           das Tier (Teufel) die Macht über die Erde besitzen soll

- 666 = Bezeichnet verschlüsselt den Namen des Tieres, das Tier und Mensch zugleich ist (Satan); von der
            Zahlensymbolik her, steht die Zahl 6 im Gegensatz zur 7 für das noch nicht Vollkommene; mit der
            dreifachen 6 wird das Verwerfliche, das Böse betont und wird fortan als teuflische Zahl angesehen;
            es kommt jeweils auf den Zusammenhang an, so kann 666 für den Teufel (Satan, Lucifer) stehen,
            aber auch die politischen Systeme der Welt verteufeln.

- Das Tier aus dem Meer = stellt sinnbildlich ein Ungeheuer dar, meint aber eine endzeitliche totalitäre
           Staatsmacht. Die Kirche der Gegenwart und die kapitalistischen Staaten haben dieses Bild gern
           benutzt, um die sozialistischen Diktatoren zu diffamieren

- Das Tier vom Land = symbolisiert die politische Propaganda zur Verehrung eines Diktators

Grundsätzliches:

Die Offenbarung des Johannes, auch Johannes-Apokalypse genannt, gehört grundsätzlich zur Offenbarungsliteratur. Sie berichtet von einer Gegenwart, der Zeit, der letzten Trübsale. Die widergöttlichen Mächte (das Böse) entfalten in der Gegenwart ihre ganze grässliche Dämonie (Finsternis). Doch die Offenbarung lehrt, dass die Zukunft aber ganz anders sein wird. Sie wird die Zeit sein, in der Gottes Herrschaft für seine Getreuen ganz offenbar (spürbar) wird. Das Grundanliegen teilt die Johannes-Apokalypse mit den übrigen Werken der jüdischen Apokalyptik. Charakteristische Unterschiede:

1. Der Verfasser schreibt vom Standpunkt der Gegenwart aus, setzt also nicht an einem fiktiv in der Vorzeit angenommenen Punkt an. Er schreibt aus der aktuellen Zeit heraus, aus der Zeit des gelebten Christentums.

2. Die Wende der Geschichte ist bereits eingetreten und wartet nicht auf einen neuen Äon (Messias). Mit Jesu Christi hat für ihn die neue Zeit bereits begonnen.

3. Das Buch ist keine alte Botschaft, die allein für die Nachwelt bestimmt ist, sondern die sieben Sendschreiben unterstreichen, dass sie für die Kirche der Gegenwart bestimmt ist.

4. Der Verfasser, der Urschrift, schreibt auch nicht unter einem Pseudonym und gibt auch nicht vor, dass sein Werk von einem großen Mann der Vorzeit stammt. Hier schreibt ein Knecht Jesu Christi.

5. Gottes Gerechtigkeit wird nicht hinterfragt und es gibt keinen Anklagepunkt gegen Gott.

6. Gottes Weltherrschaft steht in der Apokalypse nicht in Frage. Im Blick auf den Sieg Gottes in Jesus Christus, wird die Weltherrschaft sogar stärker betont, als im Vergleich zur jüdischen Apokalypse.

Die Sprache der Johannes-Apokalypse

Die Sprache, in der die Johannes-Apokalypse verfasst ist, verweist auf die Traditionen der jüdischen Apokalypse. Somit ist die Offenbarung sehr stark mit Semitismen (Bilder, Zeichen, Symbolen, Formeln) durchsetzt. Wegen dieser verschachtelten Symbolik wird die Sprache der Apokalypse auch als Kunstsprache bezeichnet.

 

Der Aufbau der Johannes-Apokalypse

Der Briefrahmen:
Der Briefstil erstreckt sich über das gesamte Werk, als äußerer Rahmen, wobei als Brief die Kapitel 1,1 – 20 und Kapitel 22,6 –21 gelten.

1,1 - 3: Vorwort als Prophezeiung
1,4 - 8:  briefliche Einleitung mit Christushymnus
1,9 - 20: Beauftragung und Vorstellung des Johannes (1. Vision: 7 goldene Leuchter)
22,6 - 21:  Epilog: Deuteengel (zuverlässig und wahr), Naherwartung wieder aufgenommen

Ekklesiologischer Rahmen:
Innerhalb des Briefrahmens ist die Ekklesiologie eingebettet.

2,1 - 3,22:  Die Sieben Sendschreiben (Gegenwart und Zukunft der Kirche) nach folgendem Muster: „ ... an den Engel der Gemeinde ...“ ⇒ Selbstvorstellung des Auferstandenen ⇒ über den Zustand der Gemeinde ⇒Lob oder Tadel, mit Umkehrforderungen ⇒ Siegerspruch und Weckruf: „Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Kirchen sagt.“
21,1-22,5: Vision des neuen Himmels und der neuen Erde, sowie des neuen Jerusalem. Bild von der Heilsvollendung, die der Märtyrerkirche entgegenharrt und –geht.

Eschatologischer Rahmen:  Dieser Rahmen umfasst 4,1 - 5,17 und 19,11 - 20,15.

4,1 - 5,17: Thronvision, mit der Inthronisation des Lammes mit dem Buch der 7 Siegel (Beauftragung des Lammes mit dem Vollzug des Weltgerichts)
19,11 - 20,15: Schilderung des Endgerichts und den Sieg über den Satan. Damit kann am Ende die Vision über das neue Jerusalem geschildert werden.

Der zentraler Mittelteil: Von drei übergeordneten Rahmen umgeben, offenbart sich nun das Zentrum in Kapitel 6,1 - 19,10.
Es folgen die großen Visionsreihen, die nicht geschichtlich chronologisch, sondern nach dem Prinzip der Vermischung auftreten.

z.B.: Siegelvision (7 Siegel) mit den Zwischenstücken, Offb 7,1-10 (144000), Offb 7,11-14 Hymnus-Posaunenvision (7 Posaunen von 7 Engeln geblasen) und die Schalenvision (7 Schalen von 7 Engeln ausgegossen).

Die Komposition:
Die Visionen in der Johannes-Apokalypse, beinhalten auf der einen Seite Wiederholungen, auf der anderen Seite zeigt sich so etwas wie eine Steigerung. Das sind Hinweise auf eine bewusste Komposition. Zunächst wird von sechs Siegeln bzw. Posaunen berichtet. Dann folgt ein Einschub, der die Spannung gleichsam erhöht. Erst danach wird das siebte Siegel geöffnet bzw. erschallt die siebte Posaune.

Der Sinn der Siebener Reihen ergießt sich in der Rekapitulations- oder Wiederholungstheorie. Sie besagt, dass die drei Reihen insgesamt Wiederholungen sind und denselben Ablaufes darstellen. Die Zahl 7 ist die Zahl der Vollkommenheit, so sind beispielsweise 6 unabhängige Siegel gemeint, die in ihrer Gesamtheit den 7. Sinn ergeben, eine gemeinsame Größe. Formel ⇒ 1 ~ 1 ~ 1 ~1 ~ 1~ 1 werden gebunden zum Sinn = 7.
Zwischen den einzelnen Reihen werden Steigerungen sichtbar. So ist bei der Siegelvision nicht direkt von der Vernichtung der Bewohner der Erde die Rede. Bei der Posaunenvision wird dann bereits ein Drittel der Menschheit getroffen und bei der Schalenvision wird schließlich vom universalen Gericht gesprochen. Jene Steigerung ist sicher gewollt, wenn auch schwer zu deuten. Ab dem achten Kapitel werden dann keine einheitlichen Gedankenschritte mehr unternommen. Es folgen nun schwer verständliche Zwischenstücke, die Rückblicke und Ausblicke in die Vergangenheit und Zukunft beinhalten.
Dazwischen sind gesetzten Hymnen und haben die Funktion der Tröstung für die verfolgten Gläubigen und zeigt, dass im urchristlichen Gottesdienst schon vorweg, das endgültige Heil gefeiert werden kann.

Theologie der Apokalypse:

Zeitgeschichtlich muss bedacht werden, dass die Schrift an Gemeinden gerichtet war, die in eine schwere römische Christenverfolgung und in eine harte Auseinandersetzungen mit der Umwelt geraten waren. In der Situation erhielt der Seher Johannes (wie die Offenbarung schildert) seine Vision in die Seelen derer zu schauen, die um des Wortes Gottes und des Zeugnisses willen, an dem sie festhielten und hingeschlachtet wurden.
Johannes schreibt deshalb an sieben kleinasiatische Gemeinden und will mit seiner Schrift trösten und aufrütteln. Den Gläubigen soll klargemacht werden: alleiniges Zentrum aller Handlungsabläufe von denen die Apokalypse berichtet, ist Gott. Die Christologie der Apokalypse, geht von der Thronvision aus, sie ist gleichsam der ruhende Punkt von dem die Apokalypse ausgeht. Es folgt die Vision, von der Übergabe des siebenfach versiegelten Buches an das Lamm, das wie geschlachtet dasteht und als allein würdig befunden wird, die Siegel des Buches zu öffnen. Seine sieben Hörner und sieben Augen bezeichnen seine vollkommene Macht und Weisheit. Weil das siebenfach versiegelte Buch den noch ausstehenden Lauf der Geschichte beinhaltet, der mit der Öffnung der einzelnen Siegel in Gang kommt, ist Christus, das Lamm, als der endzeitliche Weltregent eingeführt, der durch seinen Tod und seine Auferweckung die Weltregentschaft errungen hat.
Die Übernahme der Regentschaft stellt sich dann als ein Prozess dar, der sich in der Niederwerfung der Mächte des Bösen vollzieht. Die Offenbarung ist insgesamt sehr umfangreich und mit seinen prophetischen Texten noch sehr präsent. Anscheinend geht die Offenbarung von einer immer wiederkehrenden Dialektik aus, die sich historisch zuspitzt und deshalb heute noch nichts an seiner Aktualität verloren hat. Es sind jedoch die Deutungen, die einen Text zeitbezogen auslegen, auf der Basis von vergangenem, dass mit Offenbarungstexten belegt wurde.
Immer wieder wird die Offenbarung auch für okkulte Thesen benutzt, wie der Mythos um die Zahl 666, die angeblich den Sohn des Teufels auf Erden ankündigt.

 

Inhaltsübersicht/ Anmerkungen

1. Vorwort:  1,1– 20
Johannes erhebt in der Einleitung den Anspruch einer Weissagung, dem sich Jesus Offenbart hat und er den Schleier der Zukunft lüften darf. Johannes hat angeblich vom Christus in einer Vision den Auftrag erhalten alles aufzuschreiben und wurde beauftragt an die 7 Gemeinden in Kleinasien zu schreiben. Im Text bezeichnet sich der Herr als Alpha und Omega (griech. Alphabet), das A und O, der Anfang und das Ende, dass sich bis heute umgangssprachlich eingebürgert hat.

2. Die 7 Sendschreiben:  2,1 – 3,22
An die Gemeinde in Ephesus (2,1–7), Smyrna (2,8–11), Pergamon (2,12–17) in Thyatira (2,18–29), Sardes (3,1–6), Philadelphia (3,7–13) und Laodizea (3,14–22). Mit einem Lob werden Kritik oder Warnung verbunden und er schließt stets mit: „Wer Ohren hat, der Höre!“

3. Die Prophetischen Visionen: 4,1–22,5

3.1. Vision vom thronenden Gott im Himmel: 4,1–11
Um den Thron Gottes, von dem Blitze, Stimmen (Reden) und Donner ausgehen, stehen 24 andere Throne auf denen die 24 Ältesten sitzen. Ringsum stehen sieben Fackeln und vier Lebewesen (Gestalten) voller Augen (Löwe, Stier, Mensch, Adler). Mit den Ältesten sind die 12 Gründer des Volkes Israels und die 12 Apostel gemeint. Bildgewaltig loben sie Gottes Herrlichkeit und Kraft, lobpreisen die Schöpfung und alles was Gott getan hat.

3.2. Das Buch mit den sieben Siegeln:  5,1–14
Das Lamm (Jesus) allein ist würdig die Buchrolle zu öffnen, das von Gott mit sieben Siegeln geschützt wurde, da der Text in einer Reihe von Bildern die Zukunft der Welt beinhaltet. Johannes betrachtet sich als Zeuge, der Öffnung der sieben Siegel durch das Lamm.

3.3. Die Öffnung der sieben Siegel:  6,1–8,1
Die ersten vier Siegel, auch die vier apokalyptischen Reiter genannt. Der erste Reiter erscheint auf einem weißen Pferd, mit einer Krone und einem Bogen in der Hand. Er symbolisiert die Herrschaft, den Tyrannen oder den General, der nach seinem Verständnis von Gerechtigkeit, die Menschen in den Krieg führt und verblendet vom Sieg und nicht das Elend des Volkes sieht. Der zweite Reiter sitzt auf einem feuerroten Pferd mit einem Schwert in der Hand. Es sind die ausführenden Offiziere und Soldaten, die die erbarmungslose Gewalt über das Land bzw. über die Welt bringen. Der dritte Reiter auf einem schwarzen Pferd hält eine Waage in der Hand und symbolisiert die Kriegsfolgen, wie Hunger und Not, infolge von erhöhten Steuern oder dem Konfiszieren von Lebensmittel oder dem Rauben von Werten. Der vierte Reiter, wird oft als Knochengerüst dargestellt, er symbolisiert den Tod und öffnet die Hölle auf Erden. Die existenzielle Angst schürt die Bereitschaft zur panischen Gewalt, die sich von jeglicher Menschlichkeit entfernt und das Tor zur Hölle öffnet. Krankheit, Seuchen und Hunger raffen zudem die Menschen dahin (6,1- 8).
Als fünftes Siegel erscheint es denjenigen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden (Christenverfolgung) und sie klagten nach Gerechtigkeit, doch das Werk war noch nicht vollbracht und Gott bat sie um Geduld (6,9 -11). Das sechste Siegel beschreibt die kommende Endzeit mit einer Verkettung von Katastrophen (Erdbeben, kosmische Erscheinungen).
Und die Menschen versuchen in die Berge zu flüchten, doch es wird ihnen nicht nützen (6,12 -17). In einem Zwischenspiel (Kap. 7) werden zahlenmäßig die Erretteten genannt, die treu zu Gott stehen und von Vier Engel vor der Vernichtung gerettet werden. Die Symbolik der Engel wird sehr unterschiedlich ausgelegt, aber vom Text her, entsprechen sie den vier Himmelsrichtungen und bekräftigen die Vollständigkeit der Rettung, dass kein Gerechter vergessen wird. Den gezeichneten Geretteten soll aber klar sein, dass auf Erden kein sorgenfreies Leben möglich ist, aber dafür ist ein sorgenfreies Leben im Himmel garantiert.
Das siebte Siegel bindet den bisherigen Verlauf zu einem Endergebnis, der totalen Stille, die für eine halbe Stunde wehrt. Die halbe Stunde deutet an, dass die Apokalypse noch nicht vollendet ist. Es treten jetzt die sieben Egel mit ihren Posaunen in Erscheinung.

3.4. Die sieben Posaunen:  8,6–11,19

Im Prinzip stehen die Posaunen als Startsignal für eine systematische Erneuerung der Welt, die alles vernichten, was sich nicht bewährte. Das Posaunenstrafgericht ähnelt den Plagen über Ägypten, im Alten Testament. Ägypten hatte die Wahl, die Katastrophen abzuwenden, in den Offenbarungen hat die Menschheit die Möglichkeit dazu, indem die Menschheit umkehrt (zu Gott zu finden). Somit verstehen sich die Posaunen als Warnung.
Kapitel 8: 1. Posaune: Hagel und Feuer mit Blut vermischt fallen aufs Land. Ein Drittel der Erde wird verbrannt.
2. Posaune: Ein brennender Berg fällt ins Meer. Ein Drittel der Lebewesen im Meere und ein Drittel der Schiffe werden vernichtet.
3. Posaune: Ein Himmelskörper, „Wermut“ genannt, fällt auf die Erde und verdirbt ein Drittel des Wasser und viele Menschen sterben, die davon trinken.
4. Posaune: Die Sonne, der Mond und die Sterne verlieren ein Drittel ihrer Leuchtkraft und ein Adler ruft dreimal „Wehe“ (mahnt letztmalig zur Umkehr).
Kapitel 9: 5. Posaune: Einem Vulkanausbruch gleich, kommt eine Heuschreckenplage über die Welt und wird jene Gerechten verschonen und sie mit einem Zeichen auf der Stirn kennzeichnen. Fünf Monate lang sollen sie die Erde quälen und „Abaddon“ soll die Zerstörung leiten. Abaddon oder Apollyon wird hier König genannt und ist ein dämonischer Diener und wird oft mit dem Teufel/ Satan in Verbindung gesetzt, zumal alttestamentlich, Satan ein gefallener Engel Gottes ist (siehe Hiob) und die Menschen im Glauben testen sollte.
6. Posaune:
Die wachenden Engel über den Fluss Euphrat öffnen die Schleusen (Flutkatastrophe) und unzählbare Pferde jagen über das Land und speien Feuer, Rauch und Schwefel bis sie sterben und ein Drittel Menschheit wird von all dem getötet.
Kapitel 10: In diesem Zwischenspiel wird Johannes (Autor) verwarnt, nicht alles aufzuschreiben, da nicht alles für den Menschen bestimmt ist (die sieben Donner). Der Autor Johannes bekommt von einem Egel Gottes ein Büchlein, indem von Honig und grimmen im Bauch die Rede ist. Dieses Bild stellt die süßen Verführungen im Leben dar, die jedoch Bauchschmerzen (Abgründe der Seele) verursachen.
Kapitel 11,1 - 14: Diese Verse werden in der Theologie sehr unterschiedlich gedeutet, neben der Vieldeutigkeit, wird hier höchstwahrscheinlich die Jesusgeschichte als Rahmen benutzt.
Sinnvoll erscheint, da Johannes das Büchlein Gottes verschlingt, fühlt er sich wie Jesus, der den Auftrag hat ein neues geistiges Glaubenszentrum („Tempel vermessen“) zu schaffen. Er soll den „Vorhof weglassen“, damit die Gläubigen vor den Ungläubigen (Händler, Geschäftemacher) geschützt werden. Aber das Böse (Satan) wird kommen (symbolisiert durch die Zahl 42) und sie werden in den Tempel eindringen („zertreten“). Aber Gott wird in der Zeit des Klagens zwei Zeugen schicken. Die Person Jesus birgt hier die zwei Zeugen in sich, er ist als Mensch und als Gottessohn auf Erden und untersteht seines Vaters Schutz. Also dem Gott, der schon den Frevel in Sodom und Ägypten bestrafte. Doch das Böse (Satan) wird kommen um die Zeugen (zweifacher Jesus) zu töten (Kreuzigen). Doch indem Jesus aufersteht setzt Gott ein Zeichen für das Ende des Bösen, dass aber nur geschehen kann, wenn die Menschen sich zu Gott bekennen. Doch Jerusalem blieb blind und so wurde die Stadt (von den Römern) zerstört. Der Abschnitt schließt mit einem erneuten Wehe-Ruf (nach Umkehr).  
Kapitel 11, 15 – 19: Die 24 Ältesten (12 Väter Israels & die 12 Apostel) loben Gott, dass er die Herrschaft angetreten hat. Der Tempel Gottes wird geöffnet, und die Bundeslade wird sichtbar. Die Metapher stehen symbolisch dafür, dass der Glaube nicht mehr an ein Volk gebunden ist, sondern sich jeden öffnet, der da glaubt. In diesem Sinne ertönt die siebente Posaune, die mit schweren Unwettern (Donner, Blitz, Hagel) diejenigen töten, die Gottes Schöpfung vernichten oder gefährden.

3.5. Der Kampf des Satans gegen das Volk Gottes:  12,1–14,5

Nachdem Johannes geschildert hat, was die Menschheit apokalyptisch zu erwarten hat, widmet er sich dem Haupt-Kontrahenten des Glaubens, dem Thema Teufel. In der Geschichte von der Frau und den Drachen (Kap. 12) ist in Bildern das Volk Israel gemeint im Kampf gegen Satan (Drachen). Aus dem Volk wird das Jesus-Kind geboren und als der Teufel das Kind töten wollte, beschützte Micheal (Schutzengel Israels) und seine Engel das Kind. Daraufhin verlor der Teufel sein himmlisches Dasein und wurde nun auf die Erden verworfen. Erzürnt versucht er wieder aufzusteigen, indem er die Schöpfung Gottes zu vernichten versucht.
Der Abschnitt über die beiden Tiere (Kap. 13) symbolisiert zum einen die Gotteslästerer und zum anderen den irdischen Teufel. Da das erste Tier sich aus vielfachen Attributen von anderen Tieren zusammensetzt, sind damit falsche Götter (Götzen), Gottesleugner und gottlose Regenten gemeint. Beide Tiere versuchen jedoch die Menschen zu verführen und von Gottes Weg zu entfernen. Besonders gefährlich ist dabei Satan, mit seinen Helfern (Hexen, Zauberer, Geister, Dämonen) und wird mit der Zahl 666 verflucht.

3.6. Vor dem Endgericht (Kap. 14),
Mit einer symbolischen Zahl versammeln sich die gekennzeichneten Gläubigen (Stirn) vor dem Berg Zion, wo sie der Wiedergekehrte erwartet (das Lamm). Mit den Jungfräulichen sind vermutlich Priester gemeint, die ihr Leben in Gottes Dienst gestellt haben und deshalb ein Lied (Überzeugung) singen, das nur sie singen können. Drei Engel kündigen, das Jüngste Gericht an. Dabei lobt der erste Engel Gottes Schöpfung und der zweite, wie Gott einst Babylon für die Vernichtung Jerusalems strafte. Der dritte Engel verfluchte jene, die falsche Götzen verehrten oder ungeduldig waren.
Nur jene die dem Geist Jesus folgen („die im Herrn sterben“) sind selig. In einem bildlichen Gleichnis von der Ernte und Weinlese, wird dargestellt das Jesus nun kommt, um die Ernte einzufahren (sortiert die Gläubigen und straft die Ungläubigen).

3.7. Das Gericht   (15 –20,15)

Kapitel 15: Im Telegramstil wird an die Errettung des Volkes erinnert, als Gott die Plagen über Ägypten ausgoss. Wie das Volk sich freute und Gott eine Stiftshütte und einen Tempel errichtete und so das Böse besiegt wurde. Aber das Volk vergaß und so füllten sich sieben Schalen voller Zorn Gottes, sodass sie ausgeschüttet werden mussten, ehe die Menschen in den wahrhaften Tempel zu Gott gehen können.

Kapitel 16: Die erste Schale bestrafte die Menschen, die sich dem Tier (Teufel) zuwandten mit einem bösen Geschwür. Die zweite Schale färbte das Meer zu Blut, sodass alle Lebewesen darin starben. Die dritte Schale färbte das Trinkwasser zu Blut und strafte jene, die das Blut der Heiligen und Propheten vergossen hatten. Die vierte Schale verbrannte mit Hilfe der Sonne die Menschen, die Gott lästerten. Die fünfte Schale brachte Finsternis über die Menschen, sodass sie sich vor Angst auf die Zunge bissen. Die sechste Schale trocknete den Euphrat (Fluss) aus, sodass die Mächte des Ostens eindringen konnten, die vom bösen Geist besessen waren. Zu Harmagedon (historischer und symbolträchtiger Ort, an denen viele Schlachten stattfanden) werden die falschen Propheten, die Könige zur gigantischen Schlacht führen und da zahlreich die Menschen sterben, wird damit die Größe Gottes deutlich. Mit der siebenten Schale schüttet Gott Blitz und Donner auf die Welt und die Katastrophe wird Städte vernichten und Berge und Inseln verschwinden. Damit nicht genug, werden große Hagelbrocken auf die Menschen regnen und auch Babylon nicht verschonen, aber am Ende bleiben die Menschen unbelehrbar. 

Kapitel 17: Babylon das alttestamentliche Sinnbild für Verschwendung, Eitelkeit und Gottlosigkeit wird als Mutter von Rom angesehen. Wie Babylon zerstörte Rom Jerusalem und den Tempel Gottes und wird deshalb in seiner Gier nach Luxus und Macht das gleiche Schicksal erleiden. Die Hure Babylons (Rom) vergießt das Blut von Heiligen (Christenverfolgung), getragen von einem scharlachroten Tier (Teufel) und die Engel verkünden deren Ende.

Kapitel 18: Visionär beschreibt dieses Kapitel den Untergang Roms. Tod, Trauer, Hunger und Feuer kommt über die Stadt und wird Prunk und Luxus gegen Qual und Trauer eintauschen müssen. Könige, Kaufleute und Schiffsherren werden weinen und klagen. Aber ihr Heiligen (Christen) werdet sehen, wie Gott die Stadt um euretwillen gerichtet hat.

Kapitel 19: Symbolisch wird Christus als Reiter auf einem weißen Pferd dargestellt, doch es ist die Macht des Wortes gemeint, die über den Teufel und seine Handlanger (die falschen Propheten) siegen wird. Mit vielen Attributen besetzt, kommt Jesus zurück mit einem Heer (Engel) aus dem Himmel und wird das Böse in einen See von brennendem Schwefel werfen.

Kapitel 20: Im ersten Teil des Kapitels wird das Böse besiegt und für Tausend Jahre im Abgrund gefangen sein und die Auferweckten werden im Sinne Christus über diese Welt herrschen. Möglicherweise handelt es sich um eine Vision, in der die Christen die Welt beherrschen werden. 1000 Jahre verstehen sich aber symbolisch und drücken nach antiken Vorstellungen die Unendlichkeit aus, die aber endlich (begrenzt) sein wird.
Im zweiten Teil wird Satan wieder freigelassen und die Menschen lassen sich erneut verführen (ein visionärer Bezug zur Gegenwart?). Ein letzter Kampf gegen Satan und seinen Handlangern wird notwendig, bis er endgültig besiegt ist. Nun werden die Toten auferstehen und beurteilt werden nach ihren Werken, auf der Grundlage der heiligen Schriften (Bücher).
Wer nicht den Büchern (Gesetzen) gerecht wird, bleibt in ewiger Verdammnis, doch die Gerechten werden das ewige Leben finden, sodass der Tod überflüssig wird. Im Prinzip findet die Rückführung der Auserwählten in den Garten Eden (Paradies) statt.

Kapitel 21: Die neue zu erwartende Welt wird als ewige Hochzeitsfeier beschrieben. Es entstehen ein neuer Himmel und eine neue Erde. Das neue Jerusalem, ist die Braut des Lammes Jesus Christus.
Die Stadt wird zwölf Tore und zwölf Grundsteinen haben, auf denen die Namen der zwölf Apostel stehen (12= siehe Symbole). Gott wohnt nun inmitten seines Volkes. Es gibt weder Tod noch Leid, auch braucht man keinen Tempel, denn der anwesende Gott ist der Tempel. Vom Thron Gottes und des Lammes, geht das Wasser des Lebens aus, an dem die Bäume des Lebens stehen (eine symbolisch gemeinte Brücke zum AT; Genesis 2 - das Paradies).

3.8. Epilog  (22,6–21)
Mit der abschließenden Bekräftigung durch einen Engel, werden den Visionen von Johannes Wahrheit verliehen. In Angesicht der kommenden Gottesherrschaft mit dem Weltengericht (Apokalypse), sollen die Gläubigen in froher Erwartung den Glauben mit Leben füllen, trotz diverser Anfeindungen. Ausdrücklich wird betont, dass jeder durstige Willkommen ist, der vom Wasser des Lebens trinken möchte (= der Glaube ist offen für jeden). Und Jesus Christus wird kommen und seine Gnade wird mit allen sein. Damit Enden die Offenbarungen des Johannes, die in ihrer Interpretation sehr vielschichtig und zuweilen sehr dogmatisch und zu einer gefährlichen Sicht neigt.

Nachwort zu den Offenbarungen

Die geschilderte Abhandlung ist ein Versuch einer objektiven Betrachtung und ist demzufolge eine von vielen. Sie sollten aber stets bedenken, dass die Offenbarung zu einer Zeit geschrieben wurde, in der es tödlich war sich als Christ zu bekennen. Die Offenbarung sollte den Gläubigen Mut machen, damit sie sich dennoch zum Christentum bekennen und mit ihrer Friedfertigkeit die Menschheit bekehren.
Historisch gesehen wuchs die Zahl der Christen trotz Verfolgung stark an, somit konnte man auf dieser Basis Visionen entwickeln, die sich durch die Interpretationen sogar teilweise Bewahrheiteten und einige Visionen noch Realität werden könnten. Visionen sind aber keine Prophezeiungen, sie zeigen lediglich eine mögliche Zukunft an, auf der Grundlage der gegenwärtigen Situation. Das heißt, es gab und gibt zahlreiche Zukunftsvisionen, fern ab der Offenbarung, die real für möglich gehalten werden (Totalitäre Macht, Außerirdische, Atomkrieg, Naturkatastrophen).
Wahrhaftige Visionen analysieren immer gefährliche Entwicklungen der Zeit (Gegenwart, Vergangenheit), worauf sich Zukunftsnahe Visionen stützen (Wenn -> Dann). Sie warnen und zeigen Lösungen auf, damit jene Visionen nicht Realität werden. Visionen werden erst dann zur Prophezeiung, wenn Fakten eine hohe Wahrscheinlichkeit belegen.
Ein Beispiel, sind unsere derzeitigen Umweltsünden. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu erkennen, welche Auswirkungen sie haben werden (z.B.: massive Umweltkatastrophen).
Die Offenbarung dagegen beschreibt dagegen einen möglichen Weg in die Apokalypse. Bedacht wird eine verallgemeinernde Kunstsprache verwendet, die sich hinter symbolischen Bildern und Worten versteckt. Bei genauerer Betrachtung orientiert sich die Offenbarung an das Alte Testament und bedient sich, in Bezug zur Apokalypse, an den Auszug aus Ägypten (die Plagen über Ägypten – Exodus 6 bis 12). Insofern spiegelt die Offenbarung das Alte Testament wieder und integriert deren prophetischen Aussagen in neue symbolische Worte und Bilder, die eine vieldeutige Interpretation zulassen. Das Werk ist in etwa aufgebaut, wie ein Schlager der nicht konkret wird und dadurch ein Hit wird, da er dem Zuhörer individuelle Interpretationen gestattet.
Auch die Offenbarung ist letztendlich ein zeitloses Werk über die düstere Apokalypse, die sich immer wieder neu interpretieren lässt. Und weil das so ist, begeistert die Offenbarung immer wieder und ist Inspirationsquelle in der Kunst und Literatur. Jedoch gibt es auch negativ Erscheinungen, besonders in religiöser Richtung, die zu einer extremen Weltsicht führen oder auch satanistische Sekten, die jene Offenbarung zu ihrer Teufelsverehrung nutzen. Insofern ist es zwingend notwendig die Offenbarung, als Buch einer längst vergangenen Zeit zu betrachten, deren Inhalt im Grund zeitlos und allgemein ist und demzufolge keine fundamentierte Prophezeiung ist.