8. A. Evangelium Matthäus

Das Matthäus-Evangeliums

Autor: ein Judenchrist 

Adressaten: Judenchristen in Syrien

Abfassungszeit: um 80

Matthäus, auch Levi genannt, war römischer Zolleintreiber (Zöllner), der von Jesu bekehrt und einer der 12 Jünger wurde. Er wirkte im syrischen Raum und leistete vermutlich auch Missionierungsarbeit in Äthiopien. Inwiefern er das Evangelium selbst verfasst hat ist umstritten, zumindest wurde das namenlose Evangelium nachträglich überarbeitet. Vermutlich erhielt das Evangelium zwischen dem Jahr 80 bis 100 seine letzte Fassung und erst im 2. Jh. wurde das Buch mit dem Ehrennamen Matthäus versehen. Das Evangelium begreift sich mehr als jüdische Version zum Markus Evangelium und wurde deshalb ursprünglich in hebräischer Sprache geschrieben.

Anlass:
Vermutlich entbrannten heftige Kontroversen, um die Gestalt Jesu Christi, bei den Judenchristen innerhalb der syrischen Gemeinden. Speziell die Messias-Sicht schien stark umstritten zu sein, da die Judenchristen auf der Grundlage des AT argumentierten. Dem Autor ging es darum die Hoheit Christi besonders herauszustellen. Zu diesem Zweck lehnte Matthäus seine Schrift sehr stark an die Traditionen zum jüdischen Glauben an. Zum Kernpunkt wurde dabei der Nachweis, dass Jesu der angekündigte Messias ist und belegt es mit Bezügen zum AT (Alten Testament). 

Geschichtswert:
Das Matthäus-Evangelium enthält reichliche Informationen über die griechische Umgebung des Verfassers und die brennenden theologischen Fragestellungen seiner Zeit. Auf dieser Basis können Rückschlüsse zu der Christengeneration gezogen werden, die zeitlich zwischen dem Jahr 80 und das Jahr 100 liegen. Allerdings im Hinblick auf Jesus können auch im Matthäus Evangelium keine historischen Rückschlüsse gezogen werden. Erneut dient der biografische Rahmen nur als Leitschema und ist vielmehr ein Gemeindebuch aus einer heilsgeschichtlichen Perspektive heraus.

Aspekt ⇒ Jesus, Israel und die Kirche:
Matthäus beginnt das Evangelium mit dem Kerngedanken, dass sich Israel dem Messias verweigert. Jesus wird von Gott zu seinem Volk gesandt, doch dieses versagt sich ihm. So heißt es unmittelbar nach der Geburt des Messias, „Da aber der König Herodes (es) hörte, erschrak er und ganz Jerusalem mit ihm (Mt 2,3).“ Die Geschichte des Wirkens Jesu führt diese Ablehnung nur noch weiter fort.
Das Winzergleichnis (Mt 21,33-46) wird für die Theologie des Matthäus zu einem Schlüsselgleichnis, da hier die Konsequenz dieser Ablehnung deutlich formuliert wird. Der Herr des Weinberges wird den ungetreuen Winzern, die selbst seinen Sohn nicht geachtet haben, den Weinberg wegnehmen und ihn anderen Winzern geben. Die Ablehnung, die der Messias bei seinem eigenen Volk erfährt, führt das Matthäus-Evangeliums konsequenterweise zur Heidenmission. Daraus kann bereits gefolgert werden, dass der Verfasser des Matthäus-Evangeliums im Umfeld der Gemeinde lebte, in dem Judenchristen eine bedeutende Rolle spielten. Die Spannungen zwischen Juden- und Heidenchristen, die in den damaligen Gemeinden herrschten, wurden somit in das Evangelium mitverarbeitet.

Die Christologie des Matthäus:
Um auf die Auseinandersetzungen von Juden- und Heidenchristen eine Antwort zu geben, stellt der Autor die Botschaft von Jesus dem Christus in den Mittelpunkt seiner Darstellung (Kapiteln  5 – 9). Hauptaugenmerk ist dabei, nachzuweisen, dass Jesus der verheißene Messias ist (Mt 16,16). Matthäus stellt heraus, dass Jesus sein Volk von seinen Sünden erlösen wird (Mt 1,21) und dass es ohne Jesus, dem Christus, keine Vergebung der Sünden gibt. So ändert er ganz bewusst die Formulierung von Mk 1,4 ab. Im Markus-Evangelium steht: „So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden.“ Für Matthäus war aber wichtig, dass mit der Taufe des Johannes noch keine Vergebung der Sünden verbunden ist, daher steht im Matthäus-Evangelium: „In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe (Mt. 3,1-2).“
Den „Nachlass der Sünden“ kann Johannes nicht gewähren, den erst Jesus beim Abendmahl gewährt/ anbietet (Mt.26). Der Autor unterstreicht, dass die Vergebung allein durch Jesus gekommen ist und nicht schon durch Johannes dem Täufer. Ein Nebeneffekt der Darstellung ist, dass Matthäus damit das Stichwort von der Sündenvergebung aus dem Umfeld der Taufe herausnimmt. Er bringt es mit dem Tod Jesu zusammen. Mit dem Tod Jesus beginnt das eigentliche Vergeben der Sünden und nicht wie im Markus-Evangelium mit der Taufe. Die Vergebung der Sünden durch Jesu wird somit im Matthäus-Evangeliums zum zentralen Schwerpunkt.

Die Ekklesiologie (Lehre von der Kirche als geistige Gemeinschaft):
In der Konsequenz der Zeit nach Ostern, ist die Vergebung der Schuld allein in der Gemeinschaft der Menschen zu finden, deren Schuld sich von Jesus Christus her definiert. Das Matthäus Evangelium versucht darzustellen, dass die Rettung der Menschen in der Zeit nach Ostern vorab in der Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi geschieht.
Der zweite Schwerpunkt der Theologie des Matthäus ist die Ekklesiologie und steht in den Kapiteln 8-10 im Mittelpunkt. Es geht hier um die Betonung, dass die Rettung nur innerhalb der Christusgemeinde (<Ekklesia>) zu gewinnen ist. Von daher ist dann auch das Wort an Petrus zu verstehen, dem die Schlüssel gegeben werden, um die Schuld zu lösen (Mt 16,18-19). Auch das vergleichbare Wort an die übrigen Jünger in Mt. 18,17-18 findet von der Ekklesiologie her seine Deutung. Dominierendes Thema im Evangelium ist somit die Umkehr bzw. Hinkehr zu der Kirche Jesu Christi.
Jesus, aber auch Johannes, haben bereits diese Umkehr zum Reich Gottes gepredigt. Dieses Reich Gottes bringt das Evangelium nun mit der Kirche zusammen. Mit Jesus hat für den Autor die neue Zeit bereits angefangen. Die Kirchgemeinschaft des Christus ist der Neue Bund, der sich dann endzeitlich vollenden wird. Mit Jesus ist die Zeit der Erfüllung bereits gekommen, die sich in der Ekklesia des Christus manifestierte.

Fazit:
Der Autor erzählt hier nicht einfach das Markus-Evangelium nach, sondern er redigiert seine Unterlagen mit der Absicht, ein Buch für die Unterweisung der Kirche seiner Zeit zu schaffen. Eben deshalb steht es als erstes Evangelium im Neuen Testament. Der Autor will nicht historisch konservierend das Leben Jesu erzählen, sondern er deutet das Leben Jesu in theologisch-heilsgeschichtlichen Perspektiven. Im Gegensatz zum Markus Evangelium, das einen handelnden Jesus in den Mittelpunkt stellt, thematisiert das Matthäus Evangelium die geistlichen Lehren.
Bewusst verarbeitet der Autor dazu die Probleme seiner Zeit und seiner Gemeinde, so dass seine Gemeinde, in der Geschichte von Jesu zugleich ihre eigene Geschichte noch einmal lesen und entdecken kann. Die Gemeinde soll sich daraufhin wieder neu auf das Wort Jesu und sein Wirken verpflichten und einig werden.
Mit den Worten von Werner Georg Kümmel kann man zusammenfassend sagen, dass die Aussageabsicht des Matthäus einmal darin besteht, dass „Jesus, der von Gott seit jeher der verheißene Messias ist, der Sohn des Lebendigen Gottes, der sein Volk von ihren Sünden retten wird.“ Andererseits wird in der immer wiederholten Betonung zur Tatsache, dass solche Rettung nur in der Ekklesia des Christus und als Glied des Volkes zu gewinnen ist und fruchten wird. (Angelehnt am Ursprungstext von Dr. Jörg Sieger, Peter-und-Paul-Str. 49, 76646 Bruchsal)

Der Aufbau:
Beim Ansehen des Aufbaus fällt auf, dass der Text eine ausgezeichnete, systematische Gliederung aufweist. Ein stetiger Wechsel von Rede- und Erzählpartien ist typisch für die Schrift. Das Evangelium beginnt mit zwei Einleitungsteilen, indem Jesus zunächst geschichtlich eingeordnet und danach Jesus Auftreten vorbereitet wird.
Der 1. Hauptteil (Mt  4,12 – 13,52) beschäftigt sich mit Jesus Taten in Galiläa. Anschaulich findet hier ein Wechsel von Erzähl- und Redepartien statt.
Im 2. Hauptteil (Mt. 14,1- 20,34) wird Jesus Wanderung durch Galiläa und die Nachbargebiete nach Jerusalem dargestellt.
Der 3. Hauptteil (Mt 21,1 - 27,66) widmet sich dem Wirken von Jesu in Jerusalem.
Matthäus berichtet ausführlicher über die Ereignisse vom Einzug in Jerusalem, über das letzte Mahl bis hin zur Verhaftung und Kreuzigung.
Abschließend folgt der Auferstehungsbericht (Mt 28,1 – 20).

Besondere Merkmale gegenüber dem Markus-Evangelium: Ein erster Bericht über die Geburt Jesus - - - ausführliche und komplexe Bergpredigt - - - Die Aussendung der Jünger wurden in einer Art Lehrwerk in einem Zusammenhang gebracht - - - Insgesamt ist das Evangelium sehr umfangreich.

Die besonderen Texte im Matthäus Evangelium
Die Weisen aus dem Morgenland (… kamen Sternendeuter aus dem Osten … - Mt. 2,1 – 12)
Die Bergpredigt (Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg - Mt 5,1 – 7,29)
Seligpreisungen (selig, die arm sind vor Gott, - Mt 5,3 – 12)
Feindesliebe (… liebet eure Feinde … - Mt 5,43 – 48)
Das Vaterunser (… so sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel … - Mt 6,5 -15)
Schlüsselvers (Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen;
                        dann wird euch alles andere dazugegeben. – Mt 6,33)
Heilandsruf (… kommt zu mir … ich werde euch Ruhe verschaffen -11,28 – 30)
Weltgericht (Wenn der Menschensohn kommt in seiner Herrlichkeit – Mt 25,31 - 46)
Blutruf (Da rief das ganze Volk: Sein Blut komme über uns – Mt 27,25)
Mission und Taufbefehl (… geht zu allen Völkern … - 28,18 – 20)

Inhaltsanmerkungen:

Kapitel 1:  Stammbaum und die prophezeite Geburt Jesu
Es wird über den Stammbaum der Nachweis geführt, dass Jesu ein Nachfahre der biblischen Größen (z.B.: König David) ist und wird durch die Zahlensymbolik (z.B.: 7) bekräftigt. Anschließend steht Josef, als ein Nachkomme von König David im Mittelpunkt, wodurch die Besonderheit der Geburt Jesu unterstrichen wird. Zudem wird eine Weissagung von biblischen Propheten zitiert, dass Jesus der angekündigte Messias ist.

Kapitel 2: Ehrerbietung und Angst vor dem Christuskind
Im Gegensatz zu der Huldigung der Sternendeuter trachtet König Herodes dem Kind nach dem Leben. Die Abschnitte beinhalten die Sternendeuter, die Flucht nach Ägypten, Herodes Kindermord zu Betlehem und die Rückkehr Jesu aus Ägypten.
In späteren Zeiten wurden aus den Sterndeutern des Ostens, die drei Weisen (oder Könige), die sich symbolisch für die Welt vor Jesu verneigten. Im übertragenen Sinne entsprechen die Weisen den drei bekannten Erdteilen von damals und assoziieren darüber hinaus die drei bedeutenden Kultur-Großmächte jener Zeit (die Römer waren keine Kulturmacht). Mit dem Stern von Bethlehem wird zusätzlich die Besonderheit von Jesu hervorgehoben. Es ist als Freudenzeichen Gottes zu sehen, aber auch als Wegweiser für all jene, die seinen Sohn ehren wollen.
Historisch ist diese Himmelserscheinung nicht belegt. Es gibt aber eine Aufzeichnungen von Astrologen in China, die ein solches Ereignis im Jahre 5 v. Chr. registrierten. Vermutlich hat Matthäus dieses astrologische Ereignis zeitlich falsch benutzt, um die Herrlichkeit von Jesus auszudrücken. Ebenso ist historisch nicht korrekt die Geschichte über Herodes und dem Kindermord zu Bethlehem (siehe dazu S. 237- Themenkomplex 2).

Kapitel 3 & 4: Der getaufte Jesus
Ausführlicher als bei Markus berichtet Matthäus über Johannes, dem Täufer und der Taufe von Jesu, seiner Versuchung in der Wüste und den ersten vier Jüngern.

Kapitel 5 bis 7: Die Bergpredigt
Im Gegensatz zu Markus führte Matthäus die Bergpredigt zu einem umfangreichen Komplex zusammen. Es wird über das wahre Glück philosophiert und neue Maßstäbe erörtert, u. a. auch für Gabe, Gebete und das Fasten. Jesu spricht seinen Zuhörern die Freiheit zu, ihm und Gott zu folgen oder einen eigenen Weg zu gehen. Allerdings warnt Jesu davor, dass man in einer Gemeinschaft auch Regeln zu befolgen hat und so gibt Jesu Richtlinien vor.
Abschnitte: Rede von der wahren Gerechtigkeit – Seligpreisungen – vom Salz der Erde und vom Licht der Welt – vom Gesetz und den Propheten – vom Töten und der Versöhnung – über Ehebruch und Ehescheidung – vom Schwören und der Vergeltung – die Liebe zu den Feinden – Almosen – Beten (Vaterunser) – Fasten – die falsche und richtige Sorge – vom Richten – Entweihung der Heiligen – Vertrauen beim Beten – Die Goldenen Regeln – von den zwei Wegen – den falschen Propheten – vom Haus auf dem Fels (Bild)

Kapitel 8 bis 10: Vom Heilen und Lehren, sowie der Aussendung der Zwölf
In dem Komplex sind Wundergeschichten integriert, aber hauptsächlich geht es um Sachverhalte, die andere Personen bisher ausgrenzten. Prägnanter Teil ist dabei die Bekehrung des Zöllners Levi, der zum Jünger Matthäus wird. Die Aussendung der 12 wird als Lehrrede Jesu verpackt, die jene Erfahrungen der Jünger verarbeiten.
Abschnitte: Heilung des Aussätzigen – Der Hauptmann von Kafarnaum – Heilung der Schwiegermutter von Petrus – Heilung von Besessenen und Kranken – Rede von der Nachfolge – Die Sturmbesänftigung auf dem See – Heilung des besessenen von Gadara - Heilung eines Gelähmten – Berufung des Matthäus und das Mahl mit dem Zöllner – Die Frage nach dem Fasten – Auferweckung der Tochter eines Synagogendieners und die Heilung einer kranken Frau – Heilung von zwei Blinden und einem Stummen – Rede von der Größe der Ernte – Die Wahl der Zwölf und die Anweisungen für ihre Mission –  Die Aufforderung zu furchtlosem Bekenntnis – Vom Lohn für die Aufnahme der Jünger

Kapitel 11 bis 12: Der Anspruch Jesu
Im ersten Teil des 11. Kapitels geht um Johannes, dem Täufer und Jesus Ehrerbietung ihm gegenüber. Es folgt die Enttäuschung darüber, dass die Menschen in den Orten, wo er Wunder vollbrachte, sich wieder von Gott abkehrten. Jesus betet daraufhin zu Gott und bittet mit dem Heilandsruf die Sünder zu sich. Im 12. Kapitel stehen die Auseinandersetzungen mit den Pharisäern im Mittelpunkt, in Hinblick auf den Sabbat. Sowohl das Abreißen von Kornähren (Feldarbeit), als auch das Heilen am Sabbat, waren nach dem jüdischen Gesetz verboten. Im Streit mit den Pharisäern forderten sie von Jesus ein Zeichen, dass er Gottes Sohn sei. Jesu verweigerte dies und begründete es mit Belegen zum AT. Abschließend folgt seine Rede zu seinen wahren Verwandten, die ihm geistig Folgen und dann Brüder, Schwestern und Mütter sind. 

Kapitel 13: Gleichnis-Sammlung
Gleichnis vom Sämann – Sinn und Zweck der Gleichnisse – Deutung zum Gleichnis vom Säman – Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen – Gleichnis vom Senfkorn und vom Sauerteig – Bedeutung der Gleichnisse – Deutung des Gleichnisses vom Unkraut -  Gleichnisse vom Schatz und von der Perle – Gleichnis vom Fischernetz. Wie ein Gleichnis wirkt die Geschichte vom Scheitern Jesu in Nazareth, da deren Unglaube das Wunder der Heilung verhinderte.

Kapitel 14 bis 17: Ereignisse, Predigten und Wundertaten
Abschnitte – Kap. 14: Über Enthauptung von Johannes, des Täufers – Speisung der 5.000 – Jesu ging über das Wasser, um das losgelöste Boot zu holen – Krankenheilung in Gennesaret Abschnitte – Kap. 15: Streit um die Frage von Reinheit und Unreinheit mit den Pharisäern – Die kanaanäische Frau und Jesus Hilfe – Heilung vieler Kranke – Speisung der 4.000 

Abschnitte – Kap. 16:
Erneute Zeichenforderung an Jesu von den Pharisäern – Warnung an die Jünger vor den Pharisäern und Sadduzäern – Das Messias Bekenntnis des Petrus und  erste Leidensankündigung von Jesu, mit den Konsequenzen der Nachfolge

Kap. 17: Offenbarung
Gott offenbart sich einigen Jüngern, dass Jesus sein Sohn ist, aber die Jünger sollten es bis zur Auferstehung niemanden sagen (ein wichtiger Aspekt der Matthäus Theologie, die die spätere Zurückhaltung der Jünger rechtfertigen soll). Es folgt die Heilung eines Mondsüchtigen und die zweite Leidensankündigung. Abschließend wird im Text die Tempelsteuer kritisiert.

Kapitel 18: Weisungen an die Jünger
Auf einen Rangstreit der Jünger, wer im Himmelreich der Größte ist, ermahnt Jesus sie, wie die Kinder zu sein. Er warnt vor der Verführung und der Verachtung, indem er es mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf unterstreicht. Jesus hebt die Verantwortung für den Bruder hervor, ihm beim sündigen Treiben zurückzuführen, was die Pflicht zur Vergebung ein-schließt. Zur Verdeutlichung folgt das Gleichnis vom unbarmherzigen Gläubigen.

Kapitel 19 & 20: Auf dem Weg nach Jerusalem
Im Streit mit den Pharisäern geht es zunächst um die Ehescheidung und Ehelosigkeit. Nach der Segnung der Kinder fragt ihn ein reicher Jüngling, was er tun soll, um später im Himmel-reich aufgenommen zu werden. Jesus gebietet ihm die Gebote zu befolgen und von seinem Reichtum den Armen abzugeben. In dem Zusammenhang, fragen ihn die Jünger nach ihren Lohn, da sie ihren Besitz bereits geopfert haben. Und Jesus verspricht ihnen einen Platz neben sich, wenn das Endgericht kommen wird.
Mit dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Kap. 12), stellt Jesus klar, dass man sich keine Wertigkeit erarbeiten kann, somit ist der Lohn für alle gleich, auch für den späten Sünder. Nach der 3. Leidensankündigung und der Auferstehung unterstreicht Jesus, was Herrschen und Dienen in der Nachfolge bedeutet. Symbolisch schließt sich die Blindenheilung an, um sehend zu werden, um zu begreifen was die Nachfolge bedeutet.

Kapitel 21 & 22: Einzug in Jerusalem
Das Wirken von Jesus im Tempel erzürnt erneut die Pharisäer und es wechseln Gleichnisse und Dispute.
Abschnitte: Tempelreinigung in Jerusalem – Verfluchung eines Feigenbaums – Die Frage nach der Vollmacht Jesu – Gleichnis von den ungleichen Söhnen – Gleichnis von den bösen Winzern – Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl – Frage nach dem Recht der kaiserlichen Steuer – Frage nach der Auferstehung der Toten – Frage nach dem wichtigsten Gebot – Frage nach dem Messias

Kapitel 23: Worte gegen die Schriftgelehrten und die Pharisäer
Mit seiner Rede an das Volk und zu seinen Jüngern, kritisiert Jesus die heuchlerischen Worte die meinen Gottes Gesetz zu vertreten und sich dabei von Gott entfernen.

Kapitel 24 & 25: Visionen von der Endzeit 
Jesus kündigt die Zerstörung des Tempels in Jerusalem an, mit dem die Not für das Volk in Judäa beginnen wird. Doch das wird nur der Anfang der Not sein und wird erst enden, wenn der Menschensohn zurück kommt und mit seinem Vater (Gott) Gericht halten wird. Da nur Gott allein weiß, wann der Zeitpunkt gekommen ist, mahnt er die Menschen zur Umkehr, damit sie gerettet sind. Die Erwartung (Zeitpunkt) des Endgerichts, wird in drei Gleichnissen thematisiert. Im Gleichnis vom treuen und bösen Knecht, das Gleichnis von den 10 Jung-frauen und das Gleichnis vom anvertrauten Geld.

Kapitel 26 bis 28: Die Passion

Kap. 26: Der Hohe Priesterrat beschließt Jesus Tod. Unterdessen wird Jesus in Betanien gesalbt und der Jünger Judas wird zum Verräter. Es folgt das Abendmahl bei dem Jesus sein Ende kommen sieht. Heroisch zeigt sich Petrus, der Jesus beschützen will, doch Jesus weiß, dass er ihn verleugnen wird. Nach dem Gebet von Getsemane wird Jesus verhaftet und vom Hohen Rat verhört, die ihm zum Tode verurteilen.
Kap. 27: Da aber die Rechtsgewalt beim Stadthalter Pilatus lag, sollte er das Todesurteil bestätigen. Pilatus erkannte keine Schuld an Jesu, aber er wollte auch nicht die aktuellen Spannungen im Lande weiter schüren und versuchte es mit einer List. Zum Passahfest stellte er einen Verurteilten zur Wahl des Volkes, welcher begnadigt werden sollte. Doch er wusste nicht, dass die Pharisäer das Volk gegen Jesus aufgehetzt hatten. Zu seinem Entsetzen entschied sich das Volk gegen Jesus. Somit wurde er gekreuzigt und als Toter begraben. Um das Wunder der Auferstehung noch stärker zu betonen, wurde das Grab drei tagelang bewacht und die Grabkammer versiegelt.

Kap. 28: Am dritten Tag erschien ein Engel des Herrn, worauf die Wachen in Ohnmacht fielen. Der Engel öffnete das Grab, als die Frauen kamen, die zunächst erschraken. Als ihnen Jesus erschien freuten sie sich und er beauftragte sie den Jüngern von seiner Auferstehung zu berichten und wo er sie treffen wollte. Die Wachen flohen indes zu den Hohen Priestern und berichteten davon. Aber die Priester gaben den Wachen Geld, damit sie behaupteten, dass die Jünger den Leichnam gestohlen haben. So leugneten die Juden die Auferstehung Jesu. Jesus und die Jünger versammelten sich aber und Jesus gab ihnen einen klaren Auftrag, die Menschen zum Glauben zu missionieren.
Übrigens: Ein eindeutiger Hinweis auf die Himmelfahrt Jesu lässt sich nur erahnen und auch die Ausschüttung des Heiligen Geistes (Pfingsten) wird im kurzen Schlusstext nicht erwähnt.