7. C. Markus Kernthema

 Markus Kernthema

Inhaltsübersicht zum Markus Evangelium
Das Achtergewicht (Schwerpunkt des Evangeliums)

Die Passionsgeschichte
Verkündigungsanliegen

 

Inhaltsübersicht zum Markus Evangelium

Einleitendes / Die Vorbereitung (1 – 1.22)
    Johannes der Täufer (1,1 – 8); Jesus Taufe und Versuchung (1,9 – 13); Die ersten 4 Jünger (1,14 – 20)

Jesus Wirken in Vollmacht  (1,21 – 3,12)   
   
Dämonenaustreibung (1,21 – 28); Heilung der Schwiegermutter Simons (1,29 – 34); Jesus heilende Lehre und die Heilung eines
    Aussätzigen (1,35 – 45); Heilung eines Gelähmten (2,1 – 12); Berufung des Zöllners Levi (2,13 – 17); Die Fasten-Frage (2,18 – 22);
    1. Streit über den Sabbat zur Feldarbeit (2,23 – 28); 2. Streit über den Sabbat zu Heilungen (3,1 – 6); Die 12 Jünger und Heilungen
     am See (3,7 -19)

Jesus vollmächtiger Lehrer und Wundertäter (3,20 – 6,6) 
     Jesus und das Böse (3,20 – 35); Die Seepredigt in Gleichnissen - vom Sämann & vom Senfkorn (4,1 – 34); Jesus Macht über den
     Sturm (4,35 – 41); Heilung des Besessenen (5,1 – 20); Heilung der blutflüssigen Frau (5,21 – 43); Jesu in Nazareth (6,1- 6) 

Wunder & Auseinandersetzungen   (6,7 – 8,26)
     Aussendung und Anweisungen an die Jünger (6,7-13); Die Enthauptung des Johannes, dem Täufer (6,14 – 29); Speisung der
     Fünftausend (6,30 – 44); Das Wandeln von Jesu auf dem See (6,45 – 56); Warnung vor Menschensatzungen und Kennzeichnung der
     wahren Unreinheit (7,1 - 23); Jesus und die kanaanäische Frau (7,24 – 30); Heilung eines Taubstummen (7,31 – 37); Speisung der
     Viertausend (8,1 – 9); Zeichenforderung der Pharisäer (8,10 – 13); Warnung vor den Pharisäern und vor Herodes (8,14 – 21);
     Heilung eines Blinden (8,22 – 26) 

Epiphanias - Die Offenbarung    (8,27  -  10,52)  
     Messias Bekenntnis des Petrus (8,27 – 30); Erste Leidensankündigung Jesu (8,30 – 33); Über die Leidensnachfolge der Jünger
     (8,34 - 9,1); Verklärung der Jünger (9,2 -13); Heilung des fallsüchtigen Knaben (9,14 – 29); Zweite Leidensankündigung Jesu
     (9,30 – 32); Wider dem Ehrgeiz und Unduldsamkeit (9,33 – 50); Über Ehe und Ehescheidungen (10,1 -12); Jesus segnet die Kinder
     (10,13 -16); Der reiche Jüngling (10,17 -27); Vom Lohn der Nachfolge (10,28 -31); Dritte Leidensankündigung Jesu (10,32 -34);
     Bitte der Zebedäus Söhne (10,35 – 45); Heilung des blinden Bartimäus (10,46 -52)

 Die Zuspitzung, Jesus in Jerusalem  (11,1 – 13,37) 
    Der Messias kommt in die Stadt (11,1 – 11); Jesus und der Feigenbaum (11,12 - 26); Streit im Tempel (11,27 – 33); Gleichnis von
    den treulosen Weingärtnern (12,1 - 12); Die heuchlerische List der Gelehrten (12,13 – 40); Die Prophezeiung (13,1 – 37)

 Die Passionsgeschichte (14,1 – 15,47)
     Verschwörung der Pharisäer, Salbung Jesus und der Verrat von Judas (14,1 – 11);  Das letzte Abendmahl (14,12 – 25);
     Jesus Verhaftung (14,26 – 52); Die Anklage der Hohepriester (14,53 – 65); Petrus leugnet Jesus zu kennen (14,66 -72);
     Pilatus bestätigt Urteil vom Hohen Rat (15,1 -15); Verspottung und Pein (15,16 - 19); Die Kreuzigung (15,20 –26); Erneute
     Verspottung (15,27 – 32); Jesus Tod und die Frauen am Kreuz (15,33 – 41); Grablegung von Jesus (15,42 – 47); Die Auferstehung
     und die Frauen (16,1 - 8); Das Erscheinen Jesu und seine Himmelfahrt (16,9 – 20)  

 Das Achtergewicht (Schwerpunkt des Evangeliums)

Das älteste Evangelium legt sein Schwergewicht auf den Schlussteil, dem Zeugnis von Jesus Christus in seinem Leiden, seinem Sterben und seiner Auferstehung (Kapitel 14 - Kapitel 16, 8 ⇒, die folgenden Verse 9 bis 20, sind spätere Einfügungen laut theologischer Forschung). Das Evangelium wird deswegen auch „Passionsgeschichte mit ausführlicher Einleitung“ genannt.
Die Passionsgeschichte (Passion = lat. Leiden, Leidensweg), wurde von den Christen zum Osterzeugnis erklärt. Die Ostergeschichte ist somit die Leidensgeschichte von Jesus Christus und Ostern ist die entsprechende Gedenkfeier. Das Wort vom Kreuz hat bei Markus eine zentrale Bedeutung: Der Kreuzestod Jesu ist die notwendige Voraussetzung für das Heil der Menschen.
Schon bei Paulus dreht sich bei seinen Schriften, alles um Tod und Auferweckung Jesu. Das führte aber zu Missverständnissen, die das Markusevangelium vermeiden wollte. Markus entschloss sich nicht nur die Passionsgeschichte zu schildern, sondern gab ihr eine ausführliche Einleitung, eine Vorgeschichte. Für Markus hat der Kreuzestod eine wichtige Vorgeschichte und damit kann Tod und Auferstehung nicht losgelöst von seinem Wirken stehen.
Die Botschaft schwingt mit: Jesus ganzer Weg ist Gottes Weg zu den Menschen, darum darf der irdische Jesus nicht aus dem Blickfeld geraten. Es bestand auch die Gefahr, dass Gottes Heil-Schaffendes Wirken, in seiner losgelösten Geschichte, zu einer geschichtslosen Heilslehre oder zum Mythos verkommt. Von daher betrachtet Markus die Passionsgeschichte rückwärts und konstruiert einen geschichtlichen Weg Jesu. Dieser Weg beginnt bei Johannes dem Täufer und mündet in die Passion.
Anzumerken ist, dass es bislang keine Lebensgeschichte von Jesus gab, sondern Markus hat sie erschaffen, anhand der einzelnen Jesusüberlieferungen. Markus sammelte Überlieferungen, Sprüche und Erfahrungen und fügte sie sinnvoll ineinander. Für das Evangelium spielten die Geburt, die Kindheit und die Jugendjahre keine Rolle. Wichtig war Markus das relevante Handeln von Jesus, das zu seiner Passion führte.

Die Passionsgeschichte

Die Passionsgeschichte im engeren Sinne beinhalten die Kapitel 14,1 bis Kapitel 15,47 und gilt als älteste Erzählüberlieferung, die Markus höchstwahrscheinlich kannte. Die Passionsgeschichten dienten in erster Linie dem gottesdienstlichen Gebrauch, beispielsweise als Liturgie bei der Feier zum Abendmahl oder zum Ostergottesdienst. Sie wurden auch für Gebetsstunden, für Predigten und dem Erstellen von Losungen benutzt.
Folgende Komplexe bilden den Kern der Passionsgeschichten Jesu:

Verrat des Judas   //  Gefangennahme Jesus  //  Verhör durch Pilatus //  Verspottung   //  Kreuzigung    //   Grablegung    // Auferweckung

Die Überlieferungskomplexe wurden als fortlaufende Erzählung gestaltet. Das führte jedoch zu  Missverständnissen, da einige Forscher an den relativen Angaben den Ort und die Zeit von Jesus Leben ablesen wollten. Es entstand der Eindruck, dass es sich bei den Passionsgeschichten, um einen chronologisch, getreuen Tatsachenbericht der Ereignisse handelte. Das ist aber nicht der Fall, da die Überlieferungen lediglich in ein logisches Kontext gebracht wurden. Hauptaugenmerk der Geschichte sollte sein, dass sich der Leser angesprochen fühlt und die Botschaft heraushört. Wichtig ist die Erkenntnis, was Jesus Leiden, Sterben und Auferweckung für ihn und alle Menschen bedeutet. Markus versucht seine und die Erkenntnisse der nachösterlichen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen, dass zugleich Zeugnis ihres Glaubens ist und als Christuspredigt verstehen. Markus gestaltet somit Glaubensaussagen und würzt sie mit historischen Erinnerungen, um das wahrhaftige Leben Jesus als Mensch zu untermauern.
Die Erkenntnis aus der vorgefundenen Überlieferung lässt die These zu:
Jesus Leiden war letztendlich nicht durch Missverständnisse und Ablehnung seiner Zeit verursacht. Es war vielmehr Gottes Wille, dass Jesus diesen Weg gehen musste.
Diesen Gedanken versuchte Markus hervorzuheben und wird besonders deutlich, indem was er hinzufügte und wie er die Texte anordnete.

Beispiele:
1. Die wiederholten Todesbeschlüsse der Tempelhierarchie: 3,6  // 11,18  // 12,12
2. Die Leidensweissagungen in passiver Form: 8,31  // 9,12- 31 // 10,33&34  // 14,41
3. Die auffallenden Anspielungen auf das Alte Testament und direkte Zitate aus dem AT
  
14,1 & 2  - sie halten einen Rat über ihn, um ihn zu töten (Psalm 31,14)
   14, 18     -  der vertraute Freund, der mitaß, wird zum Feind (Psalm 41,10)
   14, 34     -  die Seele ist betrübt zum Tode           (Psalm 43,5)

Verkündigungsanliegen

Bei Markus steht die Passionsgeschichte im Mittelpunkt. Aus den von ihm hinzugefügten Fersen ergeben sich zwei Denklinien, Todesbeschlüsse und göttliches Muss.

1. Todesbeschlüsse, der führenden jüdischen Theologen: In Kapitel 3,1- 6 sind solche Todesbeschlüsse zu hören, im Anschluss an einem Streitgespräch in der Synagoge. Hier setzt Markus das erste Signal und es folgt ein weiteres in Kapitel 11,18, der Austreibung des Wechslers aus dem Tempel. 12,12 ist das dritte Signal und im Gleichnis vom bösen Weingärtner, womit Jesus den jüdischen Oberen einen Spiegel vorhält. In den 3 Versen bringt Markus zum Ausdruck, was ihm angesichts der Passion wichtig erscheint: die Jerusalemer Theologen sind für den Tod Jesu mitverantwortlich, weil sie ihn nicht als  Bevollmächtigten von Gott anerkennen und ihn somit für einen Gotteslästerer hielten.

2. Göttliche Muss = Leidensweissagungen: Die aufgeführten Sätze zeigen an, was mit Jesus geschehen wird. Sie sind passiv formuliert und bedeutet verschlüsselt, dass auf den handelnden Gott hingewiesen wird. Daraus ergibt sich eine Grundbotschaft: Gott wird seinen Sohn den Hohepriester und den Schriftgelehrten ausliefern, denn Gott hat sein Leiden und Sterben beschlossen und liefert ihn selbst, bedacht in die Hände seiner Feinde. Die Sprüche vom Leiden und Sterben, sind sehr alte Überlieferungen die Markus aufgreift, in einen Zusammenhang stellt und sie auf den irdischen Jesus bezieht. Mit den Sprüchen unterstreicht Markus, dass Jesus Leiden und Sterben, von Gott so gewollt war.

Anmerkung: Historisch wurde später zu sehr der 1. Aspekt (Todesbeschlüsse) betont, wodurch später die christliche Judenverfolgung gerechtfertigt wurde. Der 2. Aspekt (Göttliche Muss) hebt das jedoch auch, worauf sich nur eine Botschaft an die Juden ergibt: „Hört nicht auf jene, die meinen mein Wort zu verkünden. Mit Jesu setze ich einen neuen Bund und ihr seid eingeladen, auch jene, die noch verblendet sind!“

Im Zusammenhang mit den Leidensweissagungen, tauchen immer wieder alttestamentliche Texte auf, die allerdings nicht als solche gekennzeichnet wurden. So finden sich Texte aus den Psalmen (primär Psalm 22) und dem Buch Jesaja 53. Mit den Verbindungen zum Alten Testament wollte Markus aufzeigen, dass Jesus Weg schon im AT vorgezeichnet (vorhergesagt) war, zudem sollen die Vermerke Jesus Anspruch als Gottes Sohn bekräftigen.