4. E. Kapitel 11

Kapitel 11

Kernthemen:  Abendmahl und Anweisungen für christliche Frauen

Schleierpflicht für Frauen

Für die jüdische Frau galt bisher die Pflicht eine Kopfbedeckung zu tragen, was zunächst aus einem Tuch bestand, ein Haargeflecht einband und bis zu den Augen reichte. An einem Stirnband waren Bänder und Schleifen befestigt, die auf die Stirn herabfielen. Ein zweites Tuch bedeckte die restlichen Kopfhaare, die unter dem Kinn zusammengebunden wurden, sodass nur noch die Augen zu sehen waren.
Ansonsten sollte die Bekleidung der Frau den gesamten Körper bedecken, bis auf die Hände. Ein Verstoß gegen die Kleiderordnung, berechtigte den Mann zur Scheidung und brauchte in dem Fall der Hochzeitsverschreibung (s. oben) nicht nachkommen.
Heidnischen Frauen dagegen konnten, dem warmen Klima angepasst, leichte und lockere Kleidung tragen. Sie brauchten auch keine Kopfbedeckungen tragen, aber ihre Kleider sollten zumindest die nackte Haut bedecken (also auch Arme und Beine). An dieser Kleiderordnung wird erneut deutlich, dass die heidnischen Frauen wesentlich Freier leben durften und ihr gesellschaftlicher Status, nicht so sklavisch ausgerichtet war, wie der Status der jüdischen Frau. Verstöße gegen die Kleiderordnung, der heidnischen Frauen, wurden auch nicht als Problem angesehen, solang sie nicht nackt umherliefen.
In der christlichen Gemeinde zu Korinth entbrannte darüber ein heftiger Streit, bei dem jüdisch gerichtete Gemeindeglieder, wenigstens für den Gottesdienst, eine feste Kleiderordnung verlangten. Paulus der selbst ein Jude war, gab seinen jüdischen Glaubensbrüdern recht. Befangen aus seiner Tradition, versucht Paulus die Kleiderordnung theologisch zu begründen, auf das die Argumente die Heidenchristen überzeugten. In der Begründung wird jedoch nicht so recht klar, was Paulus eigentlich will.
Es liegt die Vermutung nahe, dass er in dieser Frage, selbst nach einer gerechten Klärung suchte. Zunächst versucht er, den Status der untergeordneten Rolle der Frau zu erklären (Gott über Christus, Christus über dem Mann und der Mann über die Frau). Paulus interpretierte den Schöpfungsbericht des AT, wonach die Frau nach dem Bilde des Mannes und aus dem Manne (Rippen-Mythos) geschaffen wurde. Eine solche Interpretation steht aber so nicht im AT und ist demzufolge theologisch als Falsch zu bewerten. Gerade an dieser Stelle, fragt sich, inwiefern Paulus die Bibel theologisch kannte oder war er zu sehr noch von der Lehre der Pharisäer eingenommen?
In Vers 12 argumentiert Paulus weiter, dass der Mann durch die Frau geboren wird. Dieser Umstand wird, als Ehre von Gott über die Frau angeführt und deutet hier auf den Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies hin. Die Begründung dient dem Zweck, die untergeordnete Rolle der Frau in der Gemeinde zu unterstreichen, auf das sie in diesem Rahmen ihre Rolle erfüllt und zur Mission der Frau für Gott wird. Mit jener nicht theologischen Ableitung, besteht Paulus darauf, dass alle christlichen Frauen die jüdische Sitte übernehmen sollten. Ziel war es, mit jener Anordnung die Einheitlichkeit der Gemeinde zu erreichen und ergänzt, dass der griechische Glaube auch nicht jüdische Regeln übernehmen würde.
Sekundär wollte Paulus offensichtlich, die gnostischen Enthusiasten belehren und sie auf die wahren Glaubenswurzeln einstimmen. Er wollte jene zum eigentlichen Glauben zurückholen, die von sich meinten, schon gerettet (Weise) zu sein. Sie sollten lernen, sich zu fügen und erkennen, dass für Christen das alltägliche Leben der Ort ihre Bewährung ist. In der Einheit, im Gemeindeleben liegt der Sinn Jesu und nicht in einer überheblichen Selbstherrlichkeit. ⇒  Siehe weiteres zum Thema Rolle der Frau im Synagogendienst!

Herrenmahlfeier / christliches Abendmahl

Ein weiteres Thema spaltete die Gemeinde, worauf Paulus im scharfen Ton antwortete. Angemerkt sei, dass der Sachverhalt textlich nicht zum bisherigen Brief passt. Der Bruch macht klar, dass hier ein Text zum Original dazu gefügt wurde und bekräftigt, dass ebenso der 1. Korintherbrief eine Briefsammlung aus verschiedenen Briefen ist. Vom Textinhalt her gab es offensichtlich unterschiedlichen Arten die Feier des Herrenmahls (Abendmahl) zu begehen. Dazu sollte man wissen, dass es ursprünglich ein Sättigungsmahl gab. Hier drei praktizierte Variationen der Herrenmahlsfeier.

Mahlfeier der Urgemeinde Mahlfeier in Korinth Paulus Empfehlung

Brot reichen
Danken, 
Austeilen, Segnen

Sättigungsmahl

Sättigungsmahl 
außerhalb der Gemeinde; jeder für sich zuhause

Sättigungsmahl

Brot reichen
Danken, 
Austeilen, Segnen

Brot reichen
Danken, 
Austeilen, Segnen

Wein reichen
Danken, 
Austeilen, Segnen

Wein reichen
Danken, 
Austeilen, Segnen

Wein reichen 
Danken, 
Austeilen, Segnen

 

Festzuhalten ist, dass das Abendmahl ein wichtiger Ritus der Christenheit ist. Mit der Empfehlung von Paulus wurde das Sättigungsmahl aus dem Gottesdienst genommen.

Sättigungsmahl: In Anlehnung an das Evangelium, sollte die Gemeinde, wie einst Jesu mit seinen Jüngern ein Abendmahl feiern. Das Abendmahl bestand aus einen Sättigungsessen und der symbolischen Segnung durch Brot und Wein. In Korinth, aber sicherlich auch anderswo, kam es zu extremen Fehlverhalten der Gemeindemitglieder. So brachten die Mitglieder ihr eigenes Essen mit und jeder begann zu essen und zu trinken, wann es ihnen beliebte. Nicht selten waren einige Mitglieder betrunken oder blickten neidvoll auf den Anderen, besonders die Hungernden.
Immer wieder prahlten Mitglieder mit ihrem Reichtum und breiteten ein prachtvolles Mahl aus, ohne den Hungernden etwas abzugeben.
Ein solches Verhalten konnte nicht im Sinne des Herrn sein und Paulus rügte die Gemeinde. Wenn ein Mahl zur Selbstdarstellung wird, so geht dessen Sinn des Mahles an Jesu vorbei und hat nur einen egoistischen Sinn. Paulus verurteilt die Praktiken des Sättigungsmahles, als eine Zerstörung der Gemeinschaft und der Abwertung des Abendmahles.
Wer aber den Wert des Abendmahls nicht erkennt, feiert letztendlich unwürdig und muss sich vor dem Endgericht (Apokalypse) verantworten. Paulus hatte erkannt, dass die bisherige Feier des Abendmahles so nicht funktioniert. Das Sättigungsmahl erfüllte nicht seinen Sinn und Paulus schlug vor, das Sättigungsmahl zukünftig zuhause einzunehmen.
Jene Anregung wurde für das gesamte Christentum übernommen und gilt heute noch.
Anmerkung: Beim Lesen des Brieftextes fällt auf, dass Korinth offenbar eigenmächtig die Feier veränderte. Übrigens, überlegen einige evangelischen Gemeinden, der Gegenwart, das Sättigungsmahl wieder einzuführen, was sicherlich nicht unproblematisch wäre.

Symbolik von Brot und Wein:  Grundstein für die Symbolik Brot ist die Formel/Aussage: „Dies ist mein Leib, der für euch gebrochen wird, dies tut zu meinem Gedächtnis.“
Für die Christen bezieht sich Leib/Körper symbolisch auf Brot. Im griechischen Sprachgebrauch ist das Brot maskulin (männlich = der Brot), ergibt aber für die Griechen keinen Sinn. Das neutrische (sächliche) Element, bekommt mit der Tätigkeit des Brechens (Vers 23: ...  brach das Brot und sagte…) seinen Sinn.
Die Formel zum Wein lautet: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, dies tut so oft ihr trinkt, zu meinem Gedächtnis.“ Symbolisch wird Wein (Rotwein) von den Christen als das Blut Jesus angesehen. Ursprünglich wird
nicht das Wort Wein erwähnt, sodass angenommen werden kann, dass damals andere Flüssigkeiten (Obstsaft) genommen wurden. Wein hatte seiner Zeit einen edlen Status und war dementsprechend zu teuer für diesen Ritus. Wein ist aber von seiner Symbolik her, ein reines, wertvolles, edles Getränk, das den rituellen Wert anhob.
Im Laufe der Zeit wurde
Wein durch ein Überangebot kostengünstiger und in einigen Gegenden gehörte Wein zum täglichen Leben. Allerdings gab es enorme qualitative Unterschiede. Ein weiterer Aspekt zum Wein, ist die hygienische Komponente, die desinfizierend wirkt und mögliche Keime abtötet. Inzwischen (heute) gehen einige Gemeinden wieder dazu über, statt Wein Saft anzubieten, um trockene Alkoholiker nicht wieder zu verführen.

Der Abendmahlsvorgang besteht aus den Einsetzworten („In der Nacht, in der er verraten wurde ...“) und der Gedächtnisformel („zum Gedenken"). Der rituelle Vorgang beruht auf der Aussage: Wer in der Gemeinschaft das gebrochene Brot empfängt und wem in dieser Gemeinschaft der Kelch gereicht wird, der hat Anteil an die Gabe, die der Herr dieser Gemeinschaft schenkt. So bekommt der Feiernde einen Anteil am Leib Christi und das heißt, er hat Anteil an der Gemeinde des Herrn, nimmt aber auch Anteil am Tod des Herrn, dass der Tod Jesu Christi für ihn (zur Rettung) geschehen ist.

Das Abendmahl ist also eine rituelle Veranstaltung, zur Bewusstwerdung das jeder ein sündiger Mensch ist und durch das Gedenken an Jesu, wieder auf die richtige Bahn gerät und sich bewusst wird, dass keiner allein ist, durch die christliche Gemeinschaft. Der Ablauf des Abendmahls ist ein liturgischer Vorgang und Paulus setzt am Anfang des Verses 23, seine Kenntnis voraus. In dem Zusammenhang ist es notwendig sich mit Überlieferungsformen zur Traditions- und Formgeschichte auseinander zu setzen.

Überlieferungsformen zur Traditions – und Formgeschichte

Zunächst sei noch einmal betont, dass die Schriften des NT`s Textsammlungen sind. Die ältesten Textüberlieferungen sind in der Urgemeinde von Palästina/Judäa beheimatet. Von jenen Überlieferungen her, übersetzt nun Paulus, das Evangelium/Botschaft für die anderen Gemeinden, so auch für Korinth. In seiner Verkündigung bedenkt er auch die Situation der Gemeinde (Korinth), aber für die gottesdienstliche Versammlung, orientiert er sie an die palästinensisch, jüdisch orientierte Urgemeinde.
Paulus verwendet deshalb mehrmals die Formel: „Wie ich es empfangen habe vom Herrn (Gott).“
Mit dieser Formel ist nicht gemeint, dass er das von Gott persönlich empfangen hat, sondern er trägt der Überlieferung Rechnung, weil dahinter die Autorität Gottes steht oder zumindest vermutet. Gottesdienstliche Anweisungen sind damit unantastbare Traditionen, die durch das AT begründet sind. Es ist weiterhin zu bedenken, dass ein Großteil der Gemeinde weder lesen noch schreiben konnte. Aufgrund dessen sind einprägsame Formeln/Riten für bestimmten Anlässe (Abendmahl, Taufe) notwendig. In dem sich die Formeln einprägt, wird damit eine bestimmte Tradition/Ablauf gefestigt. Wahrscheinlich wurden die Formeln sogar gesungen, da sich der Merkeffekt durch das Singen erhöht. Die Formeln wurden zu einem Haftpunkt (Orientierung/Ausgangspunkt), dass auch gern als „Sitz des Lebens“ bezeichnet wird.

Im Falle des Abendmahles greift Paulus auf eine liturgische Überlieferung zurück. Allgemein prägten die Überlieferungsformen, dass gottesdienstlich Leben der Gemeinde, auch heute noch. Überlieferungsformen sind präsent bei Taufe, Hochzeit oder Abendmahl, aber auch feste Bestandteile des Gottesdienstes, wie Predigt, den Bekenntnissen (z.B.: „Das Vaterunser“, „Glaubensbekenntnis“), das Singen und den liturgischen Segnungen.

Drei typische Überlieferungsformen sollen hier näher beleuchtet werden.

1. Kerygmatische Überlieferung   (Kerygma = Verkündigung der Heilsbotschaft)

Heilsbotschaften wurden zu kurzen Bekenntnissen zusammengefasst, eine Art Leitbild mit Slogan-Charakter. Ein Bekenntnisruf, wie „Kyrios ist Jesus (Herr ist Jesus)“, unterstreicht dabei den alleinigen Herrschaftsanspruch gegenüber anderen Göttern, deren Existenz damit bestritten wird. Die Steigerung wäre der Bekenntnissatz, „Kyrios Jesus Christos (Herr ist Jesu der Christus)“, indem die Rolle des Messias, Gottes Sohn, zusätzlich herausgehoben wird. Weitere lateinisch durchsetzte Kerygmas sind in jedem kirchlichen Gesangbuch zu finden (am Ende/ unter liturgische Gesänge).
Neben den Formel-Sätzen, gibt es auch jene Aussagen, die unterschiedlich in den christlichen Gemeinden verwendet werden und zeitbezogen sind. So passen Slogan, wie „Gott hat Jesus von den Toten aufgeweckt “ oder „ Christus ist für uns gestorben“, zu Pfingsten oder Ostern. Kerygmatischen Formeln prägen sich gut ein und die Christen erschließen darauf, umfassend auf seine Bedeutung bzw. erinnern sich an die Interpretation.

2. Paränetisches Überlieferungsgut     (Paränese = Ermahnung)

Im gottesdienstlichen Leben der Gemeinden verschmolzen Alltag und Gottesdienst in einander, somit waren allgemeine Verhaltensmaßregeln/ Richtlinien erforderlich. Beispiel zum Thema Scheidung: Paulus konnte diesbezüglich mit dem Gebot des Herrn argumentieren. Zu Fragen des Heiratens, konnte Paulus dagegen nicht auf eine Überlieferung bauen und musste aus sich heraus raten, mit der Autorität des Apostels. Fragen für das tägliche Zusammenleben, Fragen nach Sünde und Nichtsünde, waren hier nicht nur Fragen des Alltages, sondern auch die Frage des Friedens in der Gemeinschaft und Akzeptanz beim Gottesdienst (Wie ist eine Sünde zu werten und damit die Daseinsberechtigung, oder wird durch ein Tun Gott beleidigt?). Als grundsätzliche Richtlinien wurden alttestamentarische Ermahnungen hinzugezogen. Solche übernommene Mahnungen oder auch Formen sind beispielsweise, der „Der Laster- und Tugendkatalog“, „Die Haustafeln“ oder „Die Pflichtenkataloge.“ Im Lastenkatalog wurde, unter anderem, die Unmoral der Heiden beschrieben, um vor solchen Verhalten zu warnen und zu einem tugendhaften, jüdischen Benehmen zu ermahnen. Derartig Kataloge hatte das zeitgenössische Judentum bereits als Belehrungen übernommen und ebenso befanden sich solche Übernahmen in der Gnosis.
Ermahnungen verstanden sich als belehrende Richtlinien, aber meistens wurden sie als Gebote ausgelegt oder gar als Gesetze verstanden. Hinzu kamen Veränderungen bzw. Auslegungen vom jüdischen zum christlichen Tugendkatalog. Bei den Veränderungen entstand eine gefährliche Sinnverschiebung, was zu einer Kettenreaktion führte. Man war später der Ansicht, dass die aufgezählten Laster und Tugenden, Verhaltensweisen der Korinther waren und somit auf die Unmoral von Korinth schließen konnten.
Eine solche Sicht ist bis heute weit verbreitet. Ursprünglich ist der Tugendkatalog, ein gesammelter Erfahrungsschatz, der typisch für die gesamte Menschheit gilt. Die Kataloge sind lediglich Anleitungen zum Handeln, aber weder Gebote noch Gesetze. In seinen Worten versucht Paulus das klar zu machen, doch bis zum heutigen Tag werden solche Kataloge missverstanden. Aus diesem Grund soll an einem Beispiel der Unterschied zwischen Gesetz, Gebot und Mahnung deutlich gemacht werden.

Thema Töten: 
Gesetz: töten ist verboten! = jeder der aus niederen (egoistischen) Beweggründen einen anderen Menschen tötet, muss gesetzlich bestraft werden, mit Haftstrafe oder Todesurteil.
Gebot:
töten sollst du nicht! = selbst wenn du im Recht währest, töte den anderen nicht, rette den anderen lieber durch deine Gnade.

Mahnung: bedenke die Folgen des Tötens! = ob nun im Recht oder Unrecht, bedenke das Töten immer eine Folgekette auslöst, egal ob du dadurch Rache erzeugst oder Lust am Töten gewinnst oder das Bild des Todes sich in deine Seele gräbt.

3. Liturgische Überlieferung   (Liturgie = Dienst; geordnete Form des Gottesdienstes) 

Das sind übernommene Formulierungen die Ausdruck spezieller gottesdienstlicher Akte sind. Zu solchen Überlieferungen zählen Lobsprüche, Gebete, der Taufvorgang und die Abendmahlfeier der Gemeinde. Bei einem Lobspruch spricht ein Einzelner die Worte wie, „ gelobt sie Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus“ oder „ Jesus Christus sei nun und zu allen Zeiten“ und die Gemeinde beantwortet den Lobspruch mit „Amen“ (hebräischer Ursprung = Zustimmungsbekräftigung).
Die erweiterte Form des Lobspruches sind Lobeslieder oder Lobeshymnen. In festen Gebeten formuliert die Gemeinde schließlich ihren Glauben, ihr Bitten, ihre Hoffnung, ihr Bekenntnis in dem „Vaterunser“ (Vater unser, der du bist im Himmel ...) und dem Glaubensbekenntnis (Ich glaube an Gott den Vater ...).
Beide Bekenntnisse gehören heute zum festen Bestandteil des Gottesdienstes. Die Taufformel („ Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …“) und Abendmahlformel, haben ebenfalls eine feste Formel, die nur mittels Anlass den Gottesdienst erweitert, also nicht ständig zum Gottesdienst gehört.

Ablauf des Abendmahles 

Das Abendmahl gehört nicht zum ständigen gottesdienstlichen Ablauf. Innerhalb der verschiedensten christlichen Kirchen, gibt es dazu unterschiedliche Ansichten und auch im Ablauf. Zu den traditionellen Punkten gehört, dass der Geistliche (Pfarrer, Pastor) die Gemeinde zum Abendmahl einlädt und sich die Gemeinde geordnet vor dem Altar begibt. In manchen Kirchen wird zuvor Brot und Wein in einem zeremoniell gesegnet, aber meistens fand dieser Prozess bereits vor dem Gottesdienst statt.
Nachdem sich die Gemeinde vor dem Altar versammelt hat, beginnt der Geistliche mit den Einsetzworten (Formel), nimmt anschließend das Brot (aus hygienischen Gründen werden heute oft Oblaten gereicht) und unter ständigem Wiederholen der Gedächtnisformel zum Leib, gibt er jedem Gemeindeglied ein Brotbröckchen bzw. Oblate. Daran anschließend verteilt der Geistliche den Wein, ebenfalls begleitet von der Gedächtnisformel über das Blut Jesu. Abschließend segnet der Geistliche mit erhobenen Händen die Gemeinde.
In der heutigen Praxis, wird statt Rotwein aus finanziellen Gründen oft Weißwein verteilt. Traditionell trinkt die Gemeinde dabei immer noch aus einem Kelch. Obwohl der Pastor heute dezent immer wieder den Trinkrand mit einem Tuch abwischt, bleibt doch ein hygienisches Problem. Wegen einer erhöhten Ansteckungsgefahr (z.B.: AIDS) sucht die Kirche immer noch nach Alternativen. Die Variante viele kleine Becher zu verteilen, wäre allerdings zu kostenaufwendig. Andererseits hat Wein einen keimtötenden Effekt und reduziert eine mögliche Ansteckungsgefahr. Doch Klagen, wegen der Jugendgefährdung durch Alkohol und einem Rückfall von trockenen Alkoholikern, veranlassten die Kirche dazu verstärkt Saft anzubieten, trotz einer möglichen erhöhten Ansteckungsgefahr.
Bei dem ganzen Hickhack um den Wein und der Bechertradition, steht es jedem frei überhaupt an einem Abendmahl teilzunehmen. Prinzipiell gibt es keine Pflicht dazu, aber wer sich dieser Tradition verweigert, gerät für die Gemeinde in den Verdacht kein Christ zu sein.