4. C. Kapitel 1 bis 6

Kapitel 1 bis 6
Kernthema: Gnosis

Streit in der Gemeinde und Gnosis   (Kapitel 1 – 4)

Beim Aufbau der christlichen Gemeinde in Korinth konnte Paulus nur wenige Diaspora – Juden für den Glauben gewinnen. Mehrheitlich bestand die christliche Gemeinde in Korinth aus hellenistischen Heiden, die durch propagierte gnostische Vorstellungen zum christlichen Glauben kamen. Der Einfluss der Gnosis führte zum Streit und spaltete die Gemeinde. Für Paulus war es wichtig den Streit zu beenden und argumentierte dazu mit der Predigt vom Kreuz und wies auf die Rolle des Apostels hin.

Exkurs ⇒ Gnosis :

Geschichtliche Angaben: „Gnosis nennt man eine religiöse Bewegung, die dank der Textfunde (von Nag Hammadi, am oberen Nil /1945-48), deutlicher beschrieben werden können. Gnosis ist ursprünglich keine christliche Erscheinung, sondern sie hat christliches Gedankengut aufgenommen. Aus der Fülle an gnostischer Literatur geht hervor, dass sich die eigentlich hellenistisch, spätantike Religion im vorderen Orient entwickelte (Syrien, Ägypten, Mesopotamien, Kleinasien). Gnosis ist eine Vermischung orientalischer und griechischer Religionen, also auch des jüdischen Glaubens, was man auch Synkretismus nennt.
Seit Alexander dem Großen (323 v. Chr.), entwickelte sich aus dem Synkretismus die Gnosis. Eindeutig lässt sich iranisches, jüdisches und hellenistisches Gedankengut nachweisen und wurde später durch christliches Gedankengut erweitert. Um das Jahr 50, gewann die Gnosis eine sehr starke Anziehungskraft auf die Menschen. Sie nahm die tragische Lebensvorstellung an, als Flucht aus der Sinnlosigkeit des Lebens und den Mangel an Vertrauen in diese Welt. Die Gnosis bietet eine radikale Weltverneinung und die Erlösung im Jenseits. Hierbei haben die jüdische Apokalypse und die hellenistische Weisheitslehre Pate gestanden. Gnosis heißt Erkenntnis und das die Erlösung durch Wissen bzw. Weisheit geschieht. Aus der Vielzahl von gnostischen Vorstellungen, kehrt ein zentraler Mythos immer wieder. Die drei wichtigsten Elemente sollen hier beleuchtet werden, da sie sich in das heutige religiöse Denken eingeschlichen haben.
1. Entstehung der Welt  -  2. Entstehung und Entfremdung des Menschen -  3.  Erlösung und Erkenntnis

Entstehung der Welt:
Am Anfang gab es nur einen wahren Gott (jüd.). Er wollte aber nicht allein bleiben und setzt aus sich heraus, ein weibliches Wesen (hel.). Aus der Verbindung mit ihr entstanden weitere Wesen, männliche sowie weibliche Geschöpfe, die miteinander verbunden sind. Im Ganzen entstanden 30 Wesen, die Äonen  (hel, per.) genannt werden. Der 30. Äon von ihnen ist Sophia (= Weisheit).
Alle Äonen preisen ihren Vatergott und streben danach, ihn vollkommen zu erkennen. Das aber kann nur ein einziger, der Sohn
(chr.) des Vaters, der Eingeborene, was die Äonen nicht sind. Allerdings versucht Sophia das Unmögliche und will den Vater vollkommen erkennen, wodurch ihre Begierde nach ihm wird immer heftiger wird (entspricht der hellenistischen Mythologie der Pandora, die in ihrer Göttlichkeit eine Büchse des Unheils bewahren sollte, aber ihre Neugier öffnete sie und brachte das Unheil über die Welt → darum tauchen immer wieder beide Namen auf – Sophia / Pandora).
Sophia war auf den besten Weg, die gesamte himmlische Welt in Unordnung zu bringen, wäre sie nicht von der Begierde geheilt worden.
Die Heilung geschah, da sich die Begierde verselbstständigte und zu einem eigenen Wesen Demiurg (per.) wurde, welches von der himmlischen Welt, der Welt des Lichtes, verbannt wurde (hel.). Die verselbstständigte Begierde Demiurg, ist ein Gott dieser Welt (jüd./kan.), der Welt der Finsternis. Sie ist der böse Schöpfergott und doch Teil des Lichtes, ein Lichtfunke der oberen Welt (entspricht der jüdischen Bewertung der heidnischen Götter und Einarbeitung des kanaanäischen Wesen Satans unter Einflussnahme der hellenistischen Unterwelt / Mythologie).
Demiurg, die Gestalt der Finsternis und böser Schöpfergott, schuf zunächst sieben Himmel als Schicksalsmächte (im 7. Himmel sein, heißt = man ist an den 6 Schicksalsmächten vorbei gekommen, heißt nun das Glück genießen, da man im Himmel ist, in der Welt des Lichtes). Sie sollten den Menschen aufhalten ins Licht zu kommen und als die Himmel fertig waren, erst dann schuf er den Menschen.“
Aus dieser Sicht hat sich religiös verbreitet, dass Gott im Himmel wohnt und der Teufel im inneren der finsteren Erde. Im jüdischen Glauben (siehe AT, bei Hiob) beispielsweise, gab es kein solches Bild. Gott konnte im AT überall sein und der Teufel/Satan war ein Engel Gottes, der die Gläubigkeit der Menschen prüfen sollte.
Anmerkung: i
n Klammern wesentliche Akzente aus dem: (hel.) = hellenistischen, griechischen Mythologie, dem (jüd.) = jüdischen, (per.) = persischen, (chr.) = christlichen, (kann.) = kanaanäischen, antiken Glauben.

2. Entstehung und Entfremdung des Menschen
„Durch eine Aktion des Lichtes (eines Gottes der oberen Welt), wurde im Menschen ein Lichtfunke gepflanzt und macht ihn zum Teil der Oberen, der Welt des Lichtes. Somit ist des Menschen Seele und Geist, ein Teil der oberen Welt, aber sein irdischer Leib ist Teil der Finsternis (Trennung von Leib und Seele, ist eine typisch gnostische Vorstellung, die vom Christentum übernommen wurde). Letztendlich heißt das, der wahre innere Mensch, befindet sich in der Fremde, in der Gefangenschaft. Er ist gefangen in der Welt, gefesselt an den Leib, das Grab der Seele in der Welt der Finsternis. Erkenntnis heißt nun, dass der Mensch nicht aus der Welt der Finsternis stammt, er ist ein versprengter Teil des Lichtes, der oberen Welt.
Durch die Erschaffung der Frau, das Wecken der geschlechtlichen Begierde, die Erschaffung von Neid, Hass und Tod erreicht aber der böse Schöpfergott, dass der Mensch seine himmlische Bestimmung vergisst und ihm dienstbar bleibt. So seufzt (leidet) der Mensch unter den undurchdringlichen Schicksalsmächten und sehnt sich danach erlöst
zu werden.“
Durch diese gnostische Vorstellung, wird die Frau als Wesen endgültig diskriminiert, sie ist das Wesen der Sünde und sie wird als Tochter des Bösen gesehen,
die aber dennoch ein Funke des Lichtes besitzt.

3. Erlösung durch Erkenntnis
„Wie aber kann der Mensch erlöst werden und wieder zur oberen Heimat kommen? Durch die Gnosis = Erkenntnis, die der Mensch nicht von sich aus at, muss ihm von Oben eine Rettung vermittelt werden. Die Gnosis, die den Menschen befreit, ist zunächst die Erkenntnis, in welchem verlorenen Zustand man sich befindet. Die Erlösung wird so ausgesagt, dass ein Erlöser aus der oberen Welt, in die Welt der Finsternis gesandt werden wird. Er soll dem Menschen, die wahre Selbsterkenntnis und den Ausweg aus der Gefangenschaft seines Körpers zeigen. Der Erlösergedanke, wird in vielen gnostischen Systemen mit Jesus Christus verbunden. Er würde nicht als ein reines Geisteswesen kommen, da ihn sonst kein irdisches Wesen ertragen könnte und außerdem, würden ihn die Mächte der Finsternis erkennen und ihn als Feind abwehren. Der Erlöser kann aber auch kein wirklicher Mensch werden, weil die fleischliche Existenz das wichtigste Machtmittel der niederen Mächte ist (wäre also gefangen). Um das Böse zu täuschen, nimmt der Erlöser einen Scheinleib an. Die niederen Mächte werden ihn somit nicht erkennen und so wird er zur Erde gelangen. Dort kann er nun sein Werk ausrichten und wird bei einigen, befähigten Menschen (Gnostikern), die wahre Selbsterkenntnis wecken und wird ihnen Möglichkeiten zeigen dieser Welt zu entkommen. Praktizierte Möglichkeiten wären:
1. Askese: Enthaltung von fleischlichen Genüssen, besonders vom Geschlechtsverkehr →
diese Theorie zielt auf die Bestrafung des Leibes, in extremen Fällen peitschen Gläubige ihren Leib selbst, quälen sich selbst mit dem Ziel, dass die Mächte der Finsternis sie freigibt, an deren Ende der Tod steht.
2. Libertinismus: grenzenlose Freiheit → erlaubt alles bis zur Ohnmacht, wilde Sexorgien, 
Völlerei, alle möglichen Verbrechen, denn der Leib gehört dem Bösen, also was kümmert es die Seele, wenn der Leib böses tut.

Beide Formen zielen darauf, des Menschen Überlegenheit zu dokumentieren, auf das sie die Finsternis freigibt und in ihre obere Heimat gelangen, was letztendlich immer den Tod bedeutet. Zu einer weiteren Möglichkeit dieser Welt zu entkommen, gehören die Sakramente (= geheiligte Sache): Katholisch → Taufe – Firmung – Eucharistie – Beichte – Priesterweihe - Krankensalbung – Ehe //  Evangelisch → statt Ehe, die Taufe & Abendmahl.
Die 7 Sakrament gelten als Parolen /Code, damit sich die 7 Himmel öffnen und die Menschen aufsteigen können, in die obere Welt, dass sie wieder zu himmlischen Wesen werden. Nachdem der Erlöser (Jesus) die Gnosis / Erkenntnis geweckt hat, beschließen die niederen Mächte ihn zu vernichten, aber sie töten nur seinen Scheinleib. Der Erlöser fährt wieder in die obere Welt, in der Gewissheit seine geweckte Erkenntnis wird unverlierbar in der Welt sein, weil Gnostiker es weitervermitteln werden und sie neue Gnostiker wecken. Die Geschichte der finsteren Welt kann nur so lange dauern, bis der letzte Lichtfunke ausgereift ist, zum Leben erweckt wurde und aus dieser Welt in die obere Welt des Lichtes zurückgekehrt ist. Wenn das geschehen ist, wird die Welt in sich zusammen fallen. Der obere Himmel wird nun in völliger Harmonie auf ewig bestehen, wo nun auch alle Gnostiker wohnen. Die Erde und ihre Geschichte begreifen sich als Panne/ Fehler, der oberen Herrschaft und wird behoben sein, wenn der letzte Funke (Mensch) wieder in der Heimat des Lichtes ist.“

Predigt vom Kreuz  

Nach dem Aufbau der christlichen Gemeinde waren zirka 5 Jahre vergangen, eine Zeit die deutliche Spuren hinterließen. Eine Vielzahl von Glaubensfragen türmte sich auf, die nach einer Antwort verlangte und die gnostische Vorstellung machte sich breit und spaltete die Gemeinde. So wurden, die in Korinth wirkenden Personen, nach ihrer Weisheit bewertet. Wem hat der Erlöser, den Weg der Erlösung gewiesen, wer besitzt die wahre Erkenntnis?
Paulus ermahnte die Streitenden mit drastischen Worten, dass man sich mit solchen Wertungen von Gott entfernen würde und sprach den Gnostikern den Glauben ab. Paulus unterstrich dabei seine Funktion, die mit dem gnostischen Bild nichts zu tun haben. Er ist der Verkünder des Geistes Jesus Christus und damit auch dem Willen Gottes für die Menschen und ist somit kein Priester und kein Gnostiker. So wie er, stehen Apollos und Petrus im Dienste des Herrn, dadurch besitzt keiner mehr Erkenntnis oder Wissen als der andere. Nur im Geist Gottes liegen die Erkenntnis und damit die Erlösung. Eine Parteilichkeit spaltet den Glauben und verklebt die Sicht für die wahre Erkenntnis. Wesentliche Differenzen gab es, in der Gemeinde, auch über die Person Jesus Christus und führte zu großen Missverständnissen zwischen Heidenchristen und Judenchristen.

Heidenchristen (Hellenisten, gnostisch geprägt) meinten: Jesus ist der Erhöhte, der Sohn Gottes, der den Menschen die richtige Erkenntnis zu ihrer Erlösung vermittelt. Um ihn zu erkennen, wird die Weisheit der Menschen vorausgesetzt, die ihnen der Erlöser schon vermittelt hatte. Somit sind sie schon Weise, schon Erlöste und damit Vollkommen, haben ihre Herkunft zum Licht erkannt. Zu dem Enthusiasmus (Hochstimmung), passt aber nicht ein gekreuzigter Erlöser. Der Tod des Erlösers ist zwar folgerichtig, aber auch unbedeutend, weil ja nur der Scheinleib getötet wurde und damit der Tod bedeutungslos für den Glauben war. Das Bild der Kreuzigung, wurde aber als Demütigung empfunden und es stellte sich die Frage, ob die Finsternis nicht einen Sieg gegen das Licht errungen hat? Somit wurde die Kreuzigung als törichte Angelegenheit von den Heidenchristen ignoriert.

Judenchristen (Juden im Exil/Diaspora, jüdisch geprägt) meinten: Auf der Basis ihres jüdischen Glauben betrachteten sie Jesus als Christus (griechisch für Messias, Erlöser). In ihrer Messias Erwartung hoffte man auf einen starken Sohn Gottes, der mit mächtigen Taten deutliche Zeichen setzte. Jesus erfüllte in keiner Weise diese in ihm gesetzten Erwartungen und sein Tod am Kreuz, war eher ein Skandal. Aus diesem Grund lehnte auch die Mehrheit der Juden den christlichen Glauben ab und empfanden Jesus, als Beleidigung  Gottes. Die wenigen Diasporajuden, die sich auf den christlichen Glauben einließen, hatten somit vor allem ihre Probleme mit der Botschaft vom Kreuz.

Paulus war gefragt dem ursprünglichen Verständnis entgegen zu treten. Den Heidenchristen sagte er sinngemäß: „Wer die Weisheit als oberstes Prinzip anerkennt, wer sich am erhöhten Erlöser orientiert, wer sich selbst schon als vollkommen sieht, dem muss die Tatsache töricht und abwegig vorkommen, dass der Erlöser gekreuzigt wurde und gerade dadurch die Erlösung kommt“. Den Judenchristen sagte er: „Wenn ihr als Erlöser einen politischen Machthaber, einen König erwartet, der eindrucksvolle Taten aufzuweisen hat, dem kann die Tatsache nicht gefallen, dass Jesus am römischen Schandpfahl endete, es muss euch wie ein Skandal vorkommen“.
Mit den einleitenden Worten setzt er unmissverständlich fort:
„Eure Vorstellungen sind aber hinderlich und unbrauchbar, um die Bedeutung des Kreuzes zu ermessen. Die Weisheit euer Philosophen und Religionen hat nicht vermocht, Gott in seinem Wesen für uns zu erkennen. Somit ist eure Weisheit in Wahrheit Torheit und unbrauchbar, um Gottes Vorhaben zu erkennen, nämlich die Glaubenden zu retten. Der Tod am Kreuz geschah damit für uns, damit wir gerettet werden und auch gerettet sind. Was nun für euch als Torheit gilt, ist in Wahrheit die Weisheit Gottes und somit ist das Zeichen des Kreuzes, kein Zeichen der Schwachheit sondern der göttlichen Kraft “.
Mit dieser Aussage macht Paulus deutlich, dass die Predigt vom Kreuz eine Umwertung aller Werte ist und sagt eigentlich, vergesst eure Vorstellungen, denn mit Jesus und dem Kreuz kommt etwas Neues. Es ist egal von welchem Denken der Mensch ausgeht und es ist auch das Geschehen in der Welt egal, weil sich Gottes stärke durch das Scheitern der Menschen und ihrer Schwäche erweist. Anders gesagt, es werden nicht die Mächtigen Gottes stärke erkennen, da sie verblendet sind durch ihre Macht. Es sind die Niedrigen die Gottes Stärke sehen können und Jesus Kreuzigung ist das Zeichen, dass der wahre Glaube von Unten her beginnt. Niedrigkeit ist hier kein abwertender Begriff, sondern die fruchtbarste Basis, Gottes neuen Weg zu erkennen. Man könnte auch von einer geistigen Revolution von unten her reden und wenn die Niedrigen geeint im Sinne Gottes sind, verlieren die Mächtigen ihre Macht und es kann eine Welt im Sinne Gottes entstehen, die durch die Saat Jesus gesetzt wurde. Die Empfänger der Botschaft sind Menschen, die nicht als weise, edel und geachtet gelten, sondern eher als schwach, unedel oder gar verachtet werden. Es sind Menschen der unteren Schicht das allgemeine Volk. Mit diesem Verständnis fordert er die Gemeinde auf ihre Parteienbildung zu beenden.

Kernaussage: Christus (= Erlöser, Messias), der Jesus ist, hat für uns am Kreuz gelitten und starb grausam. Er ist das Fundament für uns alle, das nicht zerteilt werden darf, sondern es gilt zu erkennen, welche Kraft vom Kreuzestod von ihm ausging. In der Schwachheit Jesu, liegt die Weisheit Gottes, der uns unsere Sünden verzeiht, auf dass wir seinen neuen Weg erkennen, damit wir gerettet sind.

Fiktives Gespräch zum Grundverständnis der Parteien und Paulus Antwort, sinngemäß:

Griechen
Der Erhöhte, Christus, ist es, der uns die entscheidende Erkenntnis über unsere 
Erlösung vermittelt hat. Wir sind damit schon Erlöste, Vollkommene.
Paulus:   
Ich verkünde euch, dass nur der Tod Jesu am Kreuz erlöst und nichts anderes. 
Das hört sich wie eine törichte Predigt an. Wer aber der Botschaft glaubt, dass allein das Kreuz ihn erlöst, der ist gerettet.
Griechen: 
Wir sind aber nicht töricht, sondern kraft unserer weisen Erkenntnis klug. Uns 
interessiert das Kreuz nicht mehr, es hat für uns keine Bedeutung.
Paulus:   
Gott erlöst aber durch das Kreuz Jesu. So kann jeder gerettet werden. Darin steht 
Gottes rettende Tat, über aller klugen und weisen Erkenntnis, ist der Erlösung  überlegen, darin Gott weise ist!
Juden: 
Wir jüdischen Schriftgelehrten wissen, dass sich der Erlöser an großen Taten und 
Zeichen zu erkennen geben wird.
Paulus:  
Ihr seht in dem Kreuz ein Zeichen der Schwachheit und ärgert euch daran. Aber 
gerade darin hat Gott seine Kraft und Stärke erwiesen. Wer die Schwachheit des Kreuzes annimmt, statt sich daran zu ärgern, der ist gerettet.
Juden:   
Wie kann ein so offensichtlich Gescheiterter, dessen Tod ein Skandal ist, ein 
Ärgernis, unser Erlöser sein?
Paulus:  
Ich verkündige euch, dass der Tod Jesu am Kreuz euch erlöst. Dies ist das einzige 
Zeichen dafür, dass er euer Erlöser ist. Wer glaubt, dass dieses Kreuz, Zeichen der Schwachheit, ihn erlöst, der ist gerettet.
Paulus an beide Gruppen:
Ihr Juden und Griechen in der Gemeinde, ihr seid solche Unedlen,
Schwachen und Verachtete. Ihr seid berufen zu glauben; was euch als Schwachheit und Torheit Gottes erscheint, das Kreuz, das ist eure Erlösung und darin liegt eure Stärke, der feste Grund, die Kraft Gottes für euer Leben.

Kapitel  5 & 6:  Sittliche Missstände in der Gemeinde 

Kapitel 5: 
Paulus hat erfahren, dass sich ein schwerer Fall von Unzucht innerhalb der Gemeinde ereignet hatte. Der betreffende Christ lebte vermutlich nach dem Tode oder nach der Scheidung seines Vaters, mit seiner Stiefmutter in einer eheähnlichen Verbindung.
Nach jüdischen, wie auch nach römischem Recht, ist eine solche eheliche Verbindung (Stiefsohn/ Stiefmutter) verboten.
Der Fall war offenbar so brisant, da so etwas selbst unter den Heiden (Ungläubigen) unüblich war. Durch den Sachverhalt, lag somit eine besonders schwere Sünde vor. Paulus musste dem entsprechend reagieren, als Vater der Gemeinde und Kraft seiner apostolischen Autorität. Der Apostel Paulus nimmt sich somit das Recht eine Funktion auszuüben, die sonst nur Propheten vorbehalten war.
Mit dem Anspruch, den Geist Jesus Christus empfangen zu haben, hatte er auch die Vollmacht ein gültiges Recht für die Gemeinde zu erstellen. Paulus rät Kraft seiner Vollmacht, diesen Mann mit Fluch aus der Gemeinde auszustoßen.
Ausgestoßen sein heißt, gesellschaftlicher Tod, leidendes Sterben und findet dennoch beim Endgericht die Gnade vor dem Herrn (Gott). Eine abgestrafte Sünde bleibt beim Endgericht außer Betracht, nach der Sicht Paulus. Somit steht dem Schuldig gewordenen das spätere Heil Gottes genauso zu, wie allen anderen. Mit der Maßnahme des Paulus erhält der Sünder, neben der Strafe, noch ein gnädiges Beiwort.
Paulus war zudem gezwungen eine Strafe zu verhängen im Hinblick auf die Gemeinde, zur Bewahrung der Reinheit des Tempels und des Gotteshauses. Es war Paulus bewusst, dass das Verhalten eines Einzelnen ansteckend wirken kann und so die ganze Gemeinde vergiften kann. Er erklärt das, mit dem Bild des Sauerteiges, bei dem ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuern kann.

Anmerkung zur sündigen Frau: Die Frau ist schon durch ihr Wesen bestraft (gnostische Vorstellung) und der Mann ist angehalten, die Sünden der Frau zu zügeln, doch wenn er sündigt, trägt er allein die Last der Sünde. Die Frau ist daher durch ihre gesellschaftliche Stellung bestraft → mehr dazu an anderer Stelle.

Im weiteren Wortlaut des Briefes, geht Paulus auf einen Brief ein, der nicht mehr erhalten ist. Die Gemeinde hatte darin offenbar nachgefragt, wie sie sich verhalten sollen, gegenüber Männern, die sich nicht an die gebotenen sexuellen Regeln halten würden. Paulus hatte wohl geantwortet, „kein Umgang mit Unzüchtigen“ und er präzisierte es in diesem Brief. Paulus ermahnt die Gemeinde eine sittliche Ordnung einzuhalten. Wer das nicht macht, bleibt „draußen“ und die „draußen“ (außerhalb der Gemeinde) leben, gehen uns nichts an, denn die wird der Herr zur gegebenen Zeit richten. In den Worten sollte die Situation der Gemeinde in Betracht gezogen werden. In einer sündigen Umgebung, sind drastische Festlegungen erforderlich, um der Gemeinde in ihrer Situation im Glauben eine Richtlinie zu geben.
Aus der späteren Betrachtungsweise, klingt die strikte Trennung der Christen von den Heiden an. Leider haben sich die Christen in der Folgezeit, auf Grund dessen, sich immer wieder vom weltlichen Leben abgekapselt, vor allem Asketen. Die Abkapselung hatte zwar in Korinth seine Berechtigung, war aber nicht als allgemeine Order zu verstehen. Im Gegenteil, die Christen sollen umfassend am Leben teilnehmen und sollten der Welt ihren Glauben zeigen, der Welt ihre Welt eröffnen, um somit die Welt zu retten bzw. das Angebot Gottes der Welt zu eröffnen.

Kapitel 6:
Paulus kritisiert hier, dass Christen gegen Christen vor heidnische Gerichte prozessieren, statt den Streit untereinander zu schlichten. In Anbetracht der jüdischen Tradition, wollte Paulus die Gemeinde für ein internes Schiedsgericht gewinnen. Juden war
es vom Glauben her verboten, bei Nichtjuden ihr Recht zu suchen. Er regte an, amtsgerichtlichte Dinge, Streitigkeiten aus dem täglichen Leben heraus, in der Gemeinde zu regeln. Von der Betrachtung des Endgerichtes her, meinte Paulus allerdings alle Rechtsfälle.
Mit dem Glauben an ein Endgericht, verbanden die Gemeindeglieder die Erwartung, dass Christus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde und mit ihm gemeinsam zu Gericht sitzen würde. Immer wieder taucht bei Paulus der Begriff Endgericht auf, einem Begriff aus der jüdischen Apokalypse → im Kapitel 15 mehr dazu.

In Beziehung zum Text, fordert er die Christen auf möglichst keine Rechtsklagen zu führen, in Erwartung des Endgerichtes. In Vers 2, wird das Wort Heilige verwendet und meint Gemeindeglieder. Nach christlichem Verständnis, hat Gott dem Christus das Richteramt übertragen, was bedeutet, dass auch Christen im Richteramt sitzen würden. Paulus argumentiert deswegen, dass es nicht sein kann, dass Christen von Christen ihr Recht fordern, wo später Christen über Christen im Endgericht sitzen werden. Also ein Paradox, Christen sollen nicht vor Nichtchristen über Christen klagen, aber sie mögen es auch vermeiden unter Christen über Christen zu klagen und nur im Notfall wäre ein christliches Schiedsgericht erlaubt. Daraus ergibt sich die Fragestellung nach einem heutigen, christlichen Schiedsgericht und vor allem, wie soll sich die Gemeinde nach außen zeigen. Bis zu den paulinischen Gemeinden lassen sich so Gemeindelebensformen zurückverfolgen und damit auch die Rechtauffassungen. Stets im Mittelpunkt dreht sich alles um die Frage, wie weit die Kirche von weltlichen Normen des Zusammenlebens geprägt wurde oder wird. Hierzu einige typische Entwicklungen:

1. Weltliche Lebensformen wurden verneint, sind für die Gemeinschaft der Christen unannehmbar. Beispiele: Asketen, Klöster, Ideen von einem Gottesstaat bei Calvin und Thomas Münzer
2.
Weltliche Lebensform wurde angenommen und von der Gemeinschaft übernommen.Die Kirche löst sich damit in der Welt auf und ist als eigene Größe nicht mehr erkennbar.
3. Die Gemeinde lebt bewusst in der Welt und deren Lebensformen, sie werden zu Orten des Glaubens, da die Welt Gott gehört (siehe Schöpfung).

Diese Lebensformen prägen somit auch ein gewisses Rechtsverständnis. Schiedsgericht versteht sich eigentlich, als eine Mahnung zum rechten Weg. In dem nun die Gemeinde Normen für das christliche Lebens festlegt, kann die Gemeinde daraus Urteilen, Maßregeln und Normen präzisieren, eine Gemeindeordnung festlegen. Eine Ordnung heißt dabei, immer die Sicht auf das Endgericht, so ist eine Ordnung Leitlinie aber nicht Gesetz.