2.D. Jerusalem

Jerusalem - Stadt der Religionen

Stadt der Religionen und Streitobjekt, da jede Religion Jerusalem für sich beansprucht und das obwohl jede Religion denselben Gott anbetet. Auf der Basis der unterschiedlichen  Interpretation der Religionen wurden und werden im Namen Gottes weltweit zahlreiche Kriege geführt und brachten/ bringen der Menschheit viel Leid und Not.
Aktuell beansprucht Palästina Ost-Jerusalem und Israel möchte gerne wieder Jerusalem zur Hauptstadt ausrufen. Vielleicht wäre es am besten, wenn die Stadt unter UNO-Mandat gestellt wird und als Heilige Stadt zur separaten Größe werden würden, ähnlich dem Status von Monaco oder ähnlichen Freistädten. Außerdem sollten sich die Gläubigen schon fragen, warum Gott es zulässt, dass sich Gläubige um ihn streitet, Gott könnte sie doch machtvoll zur Ordnung rufen?

Entstehung und das jüdische Jerusalem

Aufgrund von Ausgrabungen siedelten sich zwischen 5700–3700 v. Chr. die ersten Menschen am Berg Ophel (südlich des späteren Tempelberges) an. Zwischen 3050–2900 v. Chr. wurden dort erste Häuser gebaut. Die Stadt gehörte dem kanaanäischen Volk der Jebusitern. Der kanaanäische Name der Stadt setzt sich zusammen aus Yru (Gottes) uru (Stadt oder Palast) schalim (Gott Schalim – vermutlich Gott all des Schönen). Aus Yruuruschalim wurde der hebräische Name Jerusalem.
Israels König David eroberte Jerusalem und verlegte dorthin seine Hauptstadt (zuvor war es Hebron. Unter König Salomo wurde der erste Tempel zur Ehren Gottes errichtet und nach der Spaltung Israel wurde Jerusalem die Hauptstadt des Südreiches Judäa. Fortan waren die geteilten Reiche abhängig oder Vasallen einer Großmacht.
Ein heimtückischer Plan Judäas verärgerte den Babylonischen König Nebukadnezar und ließ die Stadt Jerusalem und den Tempel zerstören und das Volk nach Babylon deportieren (586 v. Chr.) Mit der persischen Großmacht durften die Juden wieder zurück und bauten Jerusalem und den Tempel (um 515 v. Chr.) neu auf. Da sich die Juden in der weiteren historischen Folge mit keiner Großmacht arrangieren wollten, gab es immer wieder blutige Konflikte. Nachdem Judäa Rom verärgerte, wurde im Jahr 70 erneut die Stadt und der Tempel zerstört. Mit der Zerschlagung des jüdischen Bar-Kochba-Aufstand demütigte Rom zusätzlich die Juden. Auf den Trümmern Jerusalems wurde die Garnisonsstadt Aelia Capitolina errichtet und das Land hieß von nun an Palästina. Zudem war es Juden verboten sich dem ehemaligen Jerusalem zu nähern. Bewusst benannten die Römer das Land nach den verhassten Feinden der Juden, zudem durften die Nachkommen der Philister (= Palästinenser) das Land besiedeln. Juden waren damit Fremde im eigenen Land.

Streit zwischen Juden und Christen um Jerusalem

Mit der römischen Reichsteilung gehörte Jerusalem zum Oströmischen Reich, dem späteren Byzanz. Im nun christlichen Reich ging es den Juden nicht viel besser. Immer wieder gab es Übergriffe auf Juden. Man machte sie verantwortlich für den Tod Jesus machte und wertete sie als Ketzer (Gottesleugner). Mitunter heizten die christlichen Kirchenfürsten den Hass auf die Juden an, immer wenn sie damit einen bestimmten Zweck verfolgten und somit die Texte im NT absichtlich falsch interpretierten.
Die Christen bauten Jerusalem neu auf und schufen einen den Kultort der Grabeskirche, an deren Stelle der Ort von Jesus Kreuzigung vermutet wurde. Christen und Juden beanspruchten aber Jerusalem, als heilige Stadt, jeder für sich und schürten zusätzlich Konflikte.
Um 614 eroberten die Sassaniden (Neu-Perser) die Stadt und wurden dabei von den Juden unterstützt, um die Christen fortzujagen. Als Rache für die erlittene Pein durch Christen, initiierten die Juden ein Massaker, bei dem etwa 90.000 Christen ermordet wurden. Unter den Sassaniden gehörte Palästina wieder den Juden, aber nur kurze Zeit, da sich die Juden erneut mit der Herrschaft anlegten. In einer Schwächeperiode der Sassanide konnte Byzanz Jerusalem zurückeroberte und führte seinerseits ein Massaker unter den Juden durch.

Das muslimische Jerusalem

Um 639 herrschten die Umayyaden über Palästina und brachten ihren muslimischen Glauben mit. Sie betrachteten Jerusalem als historischen Kultort, in der Gott schon bei den Juden und Christen gewirkt hatte. Aus Ehrerbietung zu Gott errichteten sie auf dem Tempelberg die Al-Aqusa Moschee. Kalif Abd al-Malik propagierte dazu die Theorie, dass der Prophet Mohammed in Jerusalem gen Himmel gefahren ist. Somit wurde die Stadt sehr zum Ärger von Juden und Christen zur wichtigsten Glaubensstätte neben Mekka (Saudi Arabien). Zudem wurde die Stadt in Illiya umbenannt, deren Name sich vom der römischen Bezeichnung Aelia Capitolina ableitete. In jener Zeit bekannten sich zunehmend die Palästinenser (Nachfahren der Philister) zum Islam.
Um 750 eroberten die Abbasiden Jerusalem. Unter ihrer muslimischen Herrschaft waren Christen und Juden der Willkür der Herrscher ausgesetzt. Mal wurde sie als Glaubensbrüder toleriert oder litten andererseits unter den Launen der Herrscher. Auch die Bedeutung von Jerusalem sank als muslimischer Kultstätte.
979 eroberten die ägyptischen Fatimiden (Schiiten) Jerusalem und richteten ein Blutbad in der Stadt an. Neben den sunnitischen Gläubigen wurden auch zahlreiche Christen und Juden ermordet. Zudem wurden jüdische Synagogen (Gotteshäuser) zerstört und die christliche Grabeskirche gebrandschatzt. Später wurde die Kirche völlig abgerissen. Christen und Juden wurden unter der neuen Herrschaft, wie Abschaum behandelt und befanden sich ständig in Lebensgefahr.
Um 1020 schwächten Beduinenaufstände die Macht der Fatimiden und Byzanz sah darin die Gelegenheit Palästina zurück zu erobern. Nachdem die Belagerung Jerusalems erfolglos war, wurde Byzanz wieder zurückgedrängt. Infolge der Belagerung ließen die Fatimiden eine stärkere Stadtmauer errichten und benutzten dazu das Material von abgerissenen Gottesstätten der Juden und Christen.  
In einer Schwächeperiode waren die Fatimiden diplomatisch zu Zugeständnissen gezwungen. Die Auflagen für Juden und Christen lockerten sich und die Schiiten verpflichteten sich zur
Toleranz. Im Zuge von Verhandlungen durften byzantinische Architekten die Grabeskirche neu errichten, allerdings musste im Gegenzug Byzanz den Bau einer Moschee in ihrer Hauptstadt zustimmen.    
Um 1071 befand sich das Fatimidenreich im Untergang, sodass die sunnitischen Seldschuken Jerusalem fast kampflos übernahmen. Kurze Zeit später eskalierte der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, sodass etwa 3.000 Muslime getötet wurden. Christen blieben bei dem Konflikt verschont und Juden waren auf Grund ihrer Verfolgung sowieso sicherer im Umland.

Kreuzritterära

Um 1099 standen die christlichen Kreuzritter vor der Stadt und mussten erst einmal Belagerungswaffen bauen. Mit der Eroberung von Jerusalem ermordeten die Christen zahlreiche muslimische Zivilisten (ca. 3.000 lt. muslimischen Quellen). Im Umfeld von Jerusalem wurde das Königreich Jerusalem gegründet. Außerdem gründeten sich in dieser Zeit viele Ritterorden, der bekannteste sind die Templer, die in der Al-Aqsa-Moschee ihr Hauptquartier einrichtete. Zur Zeit der Kreuzritter gab es ständig Kämpfe und Konflikte um Jerusalem, in einem Land mit mehrheitlich muslimischen Bewohnern. Zu einem dunklen Kapitel gehören die zahlreiche Übergriffe auf Juden, sodass die christlichen Einheiten kaum Unterstützung im Umfeld von Jerusalem hatten.
Der kurdische Herrscher Saladin, der Ägypten regierte, entschloss sich mit seinem Heer die Kreuzritter zu vertreiben. in der Schlacht bei Hattin (1187) fügte er den christlichen Rittern eine vernichtende Niederlage bei. Kurz darauf eroberte Saladin Jerusalem und brachte große Teile Palästinas unter seine Kontrolle.
Mit dem 3. Kreuzzug (König Richard Löwenherz) eroberten die Christen um 1190 Akkon, sahen sich aber militärisch nicht in der Lage Jerusalem zurückzuerobern. Es folgten weitere Versuche der Christen Jerusalem zu erobern. 1219 entschlossen sich der ayyubidischen Herrscher die Mauern von Jerusalem und Befestigungen im Umland niederzureißen, damit im Falle einer erneuten christlichen Eroberung, keine lange und blutige Belagerung nötig wäre. Somit war Jerusalem im Prinzip militärisch schwer zu verteidigen. Aufgrund dessen wechselte die Herrschaft über Jerusalem mehrmals, zumal sich die Kreuzritter hinter den Mauern der Festung Akkon sicherer fühlten.

Muslimische Besatzung

Mit dem Mameluken-Sultan Kalil wurden die Kreuzritter endgültig aus Palästina getrieben. Mit der Eroberung von Akkon (1291) verloren die Kreuzritter ihre letzte Bastion. Jerusalem wurde politisch unbedeutend und in der Stadt lebten wenige als 10.000 Bewohner. Die Mameluken ließen unter Auflagen eine christliche und jüdische Glaubensausführung zu und gewährten sogar Pilgern aus Europa den Besuch der Heiligen Stadt.
Im Jahre 1516 besiegten die Osmanen die Mameluken und in deren Folge geriet die Stadt unter osmanischer Herrschaft. Sultan Süleyman I. verfügte 1535 den Bau einer neuen Stadtmauer wodurch Jerusalem einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Der liberale Regierungsstil tolerierte den christlichen und jüdischen Glauben, sodass sich verstärkt wieder Juden ansiedelten. Um 1830 wohnten nun in der Stadt etwa 30.000 Einwohner. 1892 erhielt Jerusalem eine Bahnanbindung nach Jaffa und erste Filmaufnahmen von der Stadt, gehen auf das Jahr 1896 zurück.

Britische Herrschaft

Im Zuge des 1. Weltkrieges vertrieben britische Truppen die Osmanen aus Palästina und am 9. Dezember 1917 marschierten kampflos die Briten in die Stadt ein. Unter dem britischen Besatzungsmandat entstanden die Hebräische Universität und das King David Hotel. Die Siegermächte des 1. Weltkrieges, Großbritannien und Frankreich teilten den Nahen Osten unten sich auf und Begriffen sich mehr als Verwalter (Mandat).
Da sich die muslimische Bevölkerung benachteiligt fühlte, kam es verstärkt zu Konflikten. 1920 eskalierte die Situation und Muslime griffen Juden an. Die Juden ihrerseits gründeten die Untergrundorganisation Hagana, die speziell die Unabhängigkeit Israels verfolgte und somit auch Terrorakte gegen Briten und Franzosen verübten.
Nach dem 2. Weltkrieg, wurde angesichts der Massenvernichtung der Juden durch Nazi-Deutschland, dem jüdischen Volk durch die UNO ein eigener Staat zugestanden. Hinzu kam, dass die militärisch angeschlagenen Briten den verstärkten jüdischen Terror kaum noch kompensieren konnten. Aus den Mandatsgebieten der Briten und Franzosen entstanden arabische Staaten und das Land Israel. Aus aller
Welt kehrten Juden zurück in ihre ursprüngliche  Heimat. Für das neue Israel gab es die Auflage eine gemeinschaftliche Regierung aus Juden und Araber (Palästinenser) zu bilden.

Der Staat Israel 

Infolge der UNO-Auflage wurde Israel in jüdische und palästinensische Gebiete unterteilt, aber eine gemeinschaftliche Regierung scheiterte. Es kann historisch nicht die Schuldfrage geklärt werden, warum
die Staatsbildung scheiterte, da jedem dem anderen dafür verantwortlich machte. Letztendlich erklärten die Juden 1948 ihre Unabhängigkeit und beanspruchten die Oberhoheit über Israel. Infolge dessen griffen benachbarte arabische Streitkräfte Israel an, um den den Anspruch der Palästinenser über Israel durchzusetzen. Mit Hilfe von US-Beratern schlug Israel die Invasion zurück und verleibte sich die restlichen palästinensischen Gebiete in Israel ein.
Die Stadt Jerusalem wurde dabei zum Sonderfall. Die UNO stritt aber mehrere Jahre über den Status von Jerusalem. Favorisiert wurde eine UNO-Treuhandverwaltung, die allen drei Religionen gerecht und demzufolge zu keinem Staat gehören werden sollte. Eine endgültige Endscheidung über Jerusalem kam nicht zustande. Aufgrund dessen wurde Tel Aviv (Jaffa) zur Verwaltungshauptstadt mit dem Sitz der internationalen diplomatischen Einrichtungen (Botschaften, Vertretungen, Handelsorganisationen).
1950 stellte Israel die UNO vor vollendete Tatsachen und proklamierte Jerusalem zu seiner Hauptstadt, daraufhin annektierte König Husain von Jordanien Ost-Jerusalem. International wurden beide Ansprüche als rechtswidrig gesehen, somit wurde Jerusalem von den meisten Staaten der Welt nicht als Hauptstadt anerkannt, sondern Tel Aviv.
Im sogenannten 6-Tage-Krieg von 1967 kam Israel einer Invasion von mehreren arabischen Staaten zuvor und zerschlug vernichtend deren Armeen. Infolge des Krieges schuf sich Israel Schutz-Korridore und besetzte Gebiete von den arabischen Angreifern, unter anderem das West-Jordanland, wodurch Jordanien Ostjerusalem verlor. Um international das Gesicht zu wahren, erklärte Israel, dass Ost-Jerusalem lediglich verwaltungstechnisch integriert wurde.
Nach der schmachvollen Niederlage der arabischen Armeen erkannten die Palästinenser, dass Israel militärisch nicht zu besiegen ist. Die Untergrundorganisation PLO verlegte sich deshalb auf terroristische Aktivitäten. Speziell in den 70er Jahren trugen Gruppierungen der PLO den Terror in die Welt, um Israel und seinen Helfern zu schaden. Auch Jerusalem wurde Ziel mancher Aktionen. Im Prinzip kam Israel seit der Staatsgründung nie zur Ruhe, der Konflikt zwischen Juden und Palästinenser schien nicht lösbar. Auf beiden Seiten zahlten vor allem die Zivilisten den Blutzoll, da jeder das Land für sich haben wollte, somit auch Jerusalem.
Auf Initiative der UNO und den USA, gingen in den 80er Jahren die Konfliktparteien auf sich zu. Das Westjordanland sollte mit dem Gazastreifen zur neuen Heimat der Palästinenser werden, mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem. Nach einigen Rückschlägen schien sich dennoch der Frieden einzustellen. 1988 wurde der Staat Palästina ausgerufen und Ostjerusalem als Hauptstadt beansprucht. Faktisch wurde aber Ramallah die Hauptstadt, da Israel dagegen protestierte. International führte dies dazu, dass einige Länder ihre Botschaften mehrmals verlegten (Tel Aviv - Jerusalem).
Inzwischen sind die Fronten wieder verhärtet, besonders durch die Terrorakte der islamistischen Hamas-Bewegung, die den Gaza-Streifen regieren.
Aktuell hat Russland, am 07.04. 2017, als erster Staat der Welt Westjerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Schließlich folgte am 06.12. 2017 die USA, dessen Präsident Donald Trump auch die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem ankündigte. Weitere Staaten kündigten daraufhin ihre Botschaftsverlegung an. Die islamische Welt war empört und erklärte zunächst Ostjerusalem zur Hauptstadt Palästinas. Zudem werden die USA zukünftig nicht mehr als Nahost-Vermittler anerkannt. 

 Der Konflikt zwischen Palästina und Israel hat sich damit wieder deutlich verschärft. Darüber hinaus werden international die Fürsprecher, der jeweiligen Seite, in den Konflikt hineingezogen.    
(Stand: Februar 2018)