2. A. Begriffe und Namen

1. Jüdische Gruppierungen
2. Begriffe
(z.B. Apokalypse, Diaspora)

1. Jüdische Gruppierung / Strömungen

Hassidim (oder Chassidimus = die Frommen):
Bezeichnet eine jüdische Bewegung, die auf die strenge Einhaltung religiöser Regeln bestehen. Auf der Grundlage des neuen Bundes mit Gott (Tempelbau 515 v.Chr.) verstehen sie sich als Führer zu Gottes Nähe, damit sich die
Visionen der Propheten erfüllen, einem künftigen Gottesreich. In der Folgezeit gab es verschiedene Ansichten über den Weg und es spalteten sich Gruppierungen heraus.

Hasmonäer (Makkabäer):
Das jüdische Adelsgeschlecht der Makkabäer rief 166 v.Chr.
zum Kampfe gegen die griechischen Seleukiden (Besatzungsmacht) auf. Judas Makkabäer erkämpfte für Judäa (162 v.Chr.) die religiöse Freiheit, dem sich der Kampf um die politische Freiheit anschloss. Die geistlichen Juden (die Frommen) wetterten angesichts der Apokalypse (s.u.) gegen das Machtstreben der Makkabäer und führte zur Spaltung der Geistlichkeit mit dem Adelsgeschlecht. Unbeirrt setzten die Makkabäer ihren Unabhängigkeitskampf fort, zumal sich das hellenistische Reich in der Krise befand. Die Seleukiden buhlten schließlich um eine Allianz mit dem neuen Führer Jonathan, um Feinde abzuwehren und garantierten den Makkabäern im Gegenzug die Autonomie Judäas. Jonathan verhielt sich aber nicht loyal und wurde ermordet.
Im Jahr 135 v.Chr. wurden Friedensverhandlungen geführt, worauf
134 v.Chr. Johannes Hyrkanos zum regulären Herrscher eines freien Judäas wurde. Von nun nannte sich das Adelsgeschlecht Hasmonäer, aber ihre Herrschaft wurde von den Frommen stark kritisiert. Nach Hyrkanos Tod (104 v. Chr.) führte interne Machtkämpfe zum erneuten  Konflikte mit den Seleukiden, worauf sich das Volk von dem Adelsgeschlecht abwandte.
Im Zeichen Zeit erkannten die Hasmonäer, die aufstrebende neue Macht, die Römer. Die Hasmonäer paktierten mit den Römern, wodurch das Seleukidenreich zerschlagen wurde. Im Jahr 65 v. Chr. zog der Feldherr Pompeius in Jerusalem ein. Historisch unklar ist, ob die Römer bewusst oder unbedacht den Gottestempel mit Waffen betraten (Entweihung). Eine wütende Menge griff daraufhin die Römer an, worauf die Römer mit ihren Waffen ein Blutbad anrichteten. Die Römer stellten aber somit klar, dass sie die neuen Herren sind. Schließlich aus Dankbarkeit für die Unterstützung gegen die Griechen, erhielten die Hasmonäer Sonderrechte und Judäa blieb relativ autonom. ⇒ weiteres siehe unter „Römerherrschaft“!

Sadduzäer
So nennt sich der Standeszusammenschluss von leitenden Priestern, die auch
den Hohepriester stellten. Durch ihre enge Anlehnung zum Adel, stammten sie häufig aus Adel. Für sie waren nur die fünf Bücher Moses (Thora) bindend und lehnten alle weiteren Schriften ab. Demzufolge widersprachen sie den apokalyptischen Vorstellungen, wie der Auferstehung, Unsterblichkeit, aber auch den Lehren von Engel, Geister und Dämonen (Teufel).
Auf der Grundlage der Thora, galten die Reinheitsvorschriften nur für den gottesdienstlichen Tempelkult und nicht zur täglichen Anwendung im täglichen Bereich, wie es die Pharisäer forderten. Die aristokratische Minderheit der Sadduzäer, stand anfangs den Makkabäern sehr nahe. Auch sie befürworteten einen eigenen Staat, aber nach hellenistischer Prägung. Die fortwährenden Machtkämpfe unter den Makkabäern, verärgerten die Sadduzäer und sie gingen auf Abstand zum Adelsgeschlecht. Doch haftete ihnen die Adelsnähe an, wodurch sie beim Volk keinen großen Rückhalt hatten.

Essener (um 150 v.Chr.): 
Empfanden sich als die Heilsgemeinde Gottes in der Endzeit, sie sind die Kinder des Lichtes und werten die Gegenwart als Zeit der Ruchlosigkeit, in der die Geister des Lichtes gegen die Geister der Finsternis kämpften.
Die Essener hatten eine sehr ausgeprägte apokalyptische Vorstellung und führten ein streng asketisches Leben, um ihren sündigen Leib zu bestrafen. Sie lebten in klosterähnlichen Gemeinschaften in der Wüste, nahe dem Toten Meer. Fern ab von der Zivilisation, führten sie überstrenge Reinheitsvorschriften durch, wie tägliche Tauchbäder und Kultmahle (Essen).
Sie waren eine Gütergemeinschaft, wo der Besitz des Einzelnen zum Gesamtbesitz wurde, da sie aber kein eigenes Geld erwirtschaften bzw. zu wenig, waren die Reserven schnell aufgebraucht und lebten folglich sehr arm. Wer weniger streng leben wollte, gründete kleinere Ortsgemeinden, die verstreuten über das gesamte Land entstanden. Sie sonderten sich vom normalen Leben ab, erwirtschafteten aber ihren Lebensunterhalt. Einige Rituale, wie die Tauchbäder und Kultmahle, wurden später von der christlichen Kirche als Taufritus und dem Abendmahl übernommen. Man nimmt an, dass Johannes der Täufer, den Essenern sehr nahe stand. Die Essener gelten heute als Vorläufer des Klosterlebens.

Zeloten & Sikarier:
Sie sind religiöse Eiferer, die jegliche Fremdherrschaft ablehnten, somit die Steuern und die Anerkennung einer Fremdherrschaft verweigerten. Sie begriffen sich als
jüdische Partei, die im Sinne Gottes, aus dem Untergrund heraus agierte. Heute würde man sie als terroristische Untergrundbewegung bezeichnen. Die Gruppe der Zeloten (Eiferer) kämpfte aktiv gegen die Römer und Sikarier (Messermänner) mehr versteckt (Sabotage, Anschläge). 

Pharisäer (= Die Abgesonderten):
Sie bildeten sich aus den Frommen (= Hassidim) heraus und wurden die geistlichen Führer oder auch Priester des jüdischen Glaubens. Mit der
Besatzung der Römer, zogen sich die Frommen des Mittelstandes, aus dem weltlichen Bereich zurück und wurden nun Pharisäer genannt und gewannen an geistlichen Einfluss.

Sichtweise im Neue Testament über die Pharisäer:

Markus: Er beschuldigte Sie, mit dem verhassten jüdischen Herrscherhaus, des Herodes, gemeinsame Sache gemacht zu haben und wirft ihnen die starre Haltung zu Jesus vor. Ein großer Konfliktpunkt zwischen Jesus und den Pharisäern, sind die rituellen Reinheitsvorschriften, die Jesus, nach der Ansicht von Markus, als unsinnig betrachtet. 
Jesus kritisiert auch die irreführende Auslegung der Thora, die von Priestern falsch gedeutet wurden und den Menschen nicht das Heil und das Leben bringen würde. Jesus wird somit zum Heilbringer, der in Gehorsamkeit zu Gott, zum Retter der Menschen wurden. Die Pharisäer verkörpern dagegen das Unheil und werden in die Nähe von Satan (Teufel) gerückt. Bei Markus ist daher Jesus, der Menschen rettende und die Pharisäer die Menschen tötenden.

Matthäus: Er bezeichnet sie als Heuchler, die nicht tun was sie sagen. Demnach wollten die Pharisäer, der Thora (Gesetz) Gottes unbedingt Geltung verschaffen, aber durch ihre Auslegung haben sie den Menschen zusätzliche Lasten aufgebürdet, statt einfach nur Barmherzigkeit zu üben. Bei Jesus steht aber die Barmherzigkeit in Vordergrund und gibt auf diese Weise, die Liebe Gottes an den Menschen weiter. Da die Pharisäer das nicht tun, sind sie gottlos in den Augen von Matthäus. Jesus zeigt den Menschen die Barmherzigkeit, die ein Gesetz Gottes ist, die Pharisäer sind dagegen lieblos und demnach gesetzlos.

Lukas: Er prangert besonders heftig den Reichtum und den Besitz der Pharisäer an, da ihr Materialismus sie daran hindert Gott zu sehen und somit entfernen sie sich von ihm. Jesus dagegen ist Arm und sieht deshalb die Probleme der Menschen, das Leben und er hilft ihnen, wodurch er Gott nahe sein kann. Die reichen Pharisäer, sind aber blind durch ihre Gier geworden. Bei Lukas ist Jesus arm und weltkritisch, die Pharisäer sind dagegen geldgierig und der Welt verfallen.

Johannes: Er bezieht sich in erster Linie auf die Pharisäer im hohen Rat, weil sie Jesus-Anhänger aus der Synagoge ausschlossen. Johannes unterstreicht deutlich die sture Ablehnung von Jesus durch die Pharisäer, die Jesus Bedeutung leugnen und damit gottlos sind. Auch Johannes legt den Verdacht nahe, dass die Pharisäer mit Satan im Bunde wären. Für Johannes ist klar, Jesus ist der von Gott gesandte und da die Pharisäer das bestreiten sind sie Ungläubige und damit gottlos. 

In allen vier Evangelien werden die Pharisäer negativ dargestellt und der Begriff Pharisäer, ist heutzutage zum Schimpfwort geworden (für Sturheit, Herzlosigkeit, Skrupellosigkeit und Gierigkeit). Als Beleg dafür gibt es prägnante Einzelgeschichten von den Pharisäern und Jesus. Bei Lukas 18, 9 - 14, gibt es das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner. In der Geschichte lobt der Fromme (Pharisäer) seine Gesetzestreue und dankt Gott dafür kein Straftäter oder unbeliebter Beamter zu sein. Der pflichtgetreue, aber unbeliebte Zöllner fühlt sich dadurch geringwertig vor Gott. Aber Jesus sagt ihm, „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer erniedrigt ist wird erhöht werden.“  Mit dem Gleichnis wird starke Kritik an dem Pharisäer geübt, der nur sich selbst sieht und sich nicht in den anderen hineindenkt und somit jegliches Verständnis (Barmherzigkeit) vermissen lässt. Eine solche Haltung kann nur von Gott entfernen und den Pharisäer gottlos machen.
Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, Lukas 15, 11- 32, fordert der jüngere Sohn sein Erbteil und ging in die Welt, dort verprasste er sein Geld und wurde zum Bettler. Als die Not groß war, beschloss er reumütig zu seinem Vater zurück zu kehren und wollte seine Schuld als Knecht abarbeiten. Aber der Vater empfing ihn voller Freude und veranlasste ein Fest. Davon erfuhr der andere Sohn der immer redlich und treu dem Vater diente, aber für ihn wurde nie ein Fest gegeben. Sinngemäß antwortete der Vater, „Freilich bist du ein gesetzestreuer Mensch und deshalb gehört dir alles was mein ist, aber siehe ich habe einen Sohn verloren gehabt und du einen Bruder, doch er hat es geschafft zurückzukehren.“
Symbolisch werden hier die Frommen kritisiert, die vor lauter Rechtschaffenheit verlernt haben zu leben, weil sie das Risiko (andere Sichtweisen) meiden und sich auch damit von Gott entfernen. Der verlorene Sohn hat sich zwar von Gott entfernt, aber durch seine Erkenntnisse des Scheiterns ist er gereift und hat zu Gott zurückgefunden und wird aufgrund seiner Erfahrungen fester als alle anderen im Glauben stehen. Mit diesem Gleichnis öffnet Jesus allen Sündern der Weg zur Rückkehr und verteufelt die starre Haltung der Pharisäer, einmal Sünder immer Sünder. Zugleich wollte Jesus mit dem Gleichnis den Frommen den richtigen Weg weisen.
Die Darstellung von Jesus und den Pharisäern im Neuen Testament, ist jedoch eine stark religiös gezeichnete Darstellung der Pharisäer. Wie waren sie jedoch in der Realität?
Historisch gesehen setzten sie sich, als die geistigen Vertreter des jüdischen Glaubens durch. Mit ihrer Vorstellung der Apokalypse konnten sie Jesus als Messias nicht akzeptieren und für sie waren Christen somit Gotteslästerer. Ihr Streben war ausgerichtet auf das kommende Gottesreich, was durch die Makkabäer (verursacht) auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Für sie hieß das, den Glauben noch stärker ins Leben der Menschen zu bringen und Irrwege zu verhindern. Zu den Gefahren auf den Weg zum zukünftigen Gottesreich, gehörten ein neues eigenes Königtum oder eine gottlose Bewegungen (wie die Christen). Anfangs unterstützten sie die Makkabäer, beim Kampf um die religiöse Freiheit, aber kritisierten dann heftig das politische Aufbegehren.
Besonders
heftig wurden die Auseinandersetzungen mit den Sadduzäern. Das Volk folgte zunehmend der geistigen Führung der Pharisäer. Doch dann folgten historische Ereignisse, die den Plan der Apokalypse gefährdeten und als im Jahr 70 der Tempel und die Stadt Jerusalem von den Römern vollkommen zerstört wurde, geriet der Glaube in eine schwere Krise.

Mit folgenden Fragepunkten wurde aus den Pharisäern das rabbinische Judentum.
1. Wie erfolgt die Aussöhnung mit Gott, ohne Tempel, den Opfern und die Priesterschaft?
2. Wie kann der Aufstand und seine Wirkungen verstanden und gedeutet werden?
3. Wie soll das jüdische Leben im römisch-hellenistischen Umfeld aussehen?
4. Wie kann der Einschnitt zwischen Tempel-Vergangenheit und Diaspora-Zukunft (Leben in der Fremde)
    verstanden und gedeutet werden?

Die Pharisäer hatten letztendlich einen erheblichen Anteil daran, den jüdischen Glauben zu erhalten, zu bewahren und ihn weltweit leben zu lassen. Bei aller christlicher Kritik verhielt sich der jüdische Glaube nicht anders, als der christliche Glaube, als er sich in Gefahr sah.

2. Begriffe

Apokalyptik (abgeleiteter Kunstbegriff von Apokalypse = Enthüllung, Offenbarung)

Zentrales Thema der Offenbarung sind die Visionen vom Weltuntergang, durch das kommende Gottesreich. In den bisherigen Vorstellungen (um 500 v.Chr.) der Propheten wurden lediglich Visionen von der zukünftigen Gottesherrschaft entwickelt, die aber auch ein Ende des Menschenreiches voraussah.
Beeinflusst von der persischen Philosophie des Dualismus, sollten nach vier Weltreichen (Assyrer, Babylon, Persien, Griechen), das Königtum Gottes entstehen. Verstärkt von den hellenistischen Einflüssen, war das Griechenreich das letzte vierte Reich und damit stand das Reich Gottes unmittelbar bevor. Somit war das Ende der gottlosen Herrschaft nahe und an der Seite Gottes, würden die „Heiligen des Höchsten“ (Priester), die Herrschaft von Gott übertragen bekommen.
Die Pharisäer nahmen dabei für sich in Anspruch, dass sie und das Volk Israel (Judäa), über die Welt herrschen würden. An der künftigen Herrschaft, würden auch die schon Verstorben teilhaben, da sie wahrhaftig erweckt werden würden, aber die Unreinen zu Staub zerfallen würden. Beim Endgericht würden die Toten ihren Lohn oder
ihre Strafe für ihr irdisches Leben erhalten.
Mit dem Gedanken der Auferstehung von den Toten, prägten die Pharisäer den Leitgedanken für ein irdisches Leben, zur Bundestreue und Gesetzestreue: „Gehorsam dem Bund mit Gott treu zu bleiben, um an den Segnungen der kommenden Gottesherrschaft teilzuhaben”.

Die Apokalypse umfasst vier Grundgedanken:
1. Eine zusammenschauende Geschichtsbetrachtung
2. Die Berechnung des eigenen Standortes innerhalb des Weltgeschehens
3. Die starke Erwartung der bevorstehenden Gottesherrschaft
4. Die Gedanken zu einer Auferweckung der Toten

Aufgrund dieser Basis entwickelte sich die wissenschaftliche Apokalypse, die stetig bemüht war, den genauen Zeitpunkt zu bestimmen bzw. Zeichen als Vorboten zu erkennen. Da sich die bisherigen Voraussagen nicht erfüllten, werden immer wieder neue apokalyptische Schriften verfasst. Heutzutage wird der Sinn des Wortes Apokalypse, aus seiner Bedeutung  gerissen oder irreführend verwendet. Nostradamus beispielsweise, ist eine Weissagung die Zeichen und Visionen verarbeitet hat, aber nicht auf der Basis des kommenden Gottesreiches.
Es gibt inzwischen zahlreiche Weltuntergangsvisionen und heftige Unwetter werden mit dem Wort Apokalypse dramatisiert. Wirkliche apokalyptische Thesen versuchen eine logische Entwicklungskette zu entwerfen, die glaubensrelevante Anhaltpunkte belegen und das nahe Endgericht ungefähr bestimmbar scheint.
Zum Zeitpunkt des Wartens auf die Apokalypse, begannen die Makkabäer ihren Kampf gegen die griechischen Seleukiden. Die Geistlichen wetterten laufstark gegen die Makkabäer, da sie mit ihrem Erfolg die Apokalypse aufgehoben haben. Mit den Makkabäern entschied sich das Volk für eine Menschenherrschaft, statt auf die Gottesherrschaft zu warten. Soweit, das antike Verständnis.
Im Geiste der Apokalyptik sah die Priesterschaft (um 60 v. Chr.) somit in den Römern die Strafe dafür, wodurch sich das Leiden durch die Machtgier der Makkabäer verlängerte. Die unterschiedliche Bewertung führte dazu, dass sich verschiedene religiöse Strömungen bildeten, die ihre Glaubenslösungen gegenüber dem Volk durchsetzen wollten. Besonders die Pharisäer wurde zur dominierenden religiösen Strömung, die nun auch Reinheitsvorschriften für das tägliche Leben durchsetzten, obwohl sie ursprünglich nur für den gottesdienstlichen Tempelkult galten. Unnachgiebig beeinflussten sie das Volk und bewerteten aktuelle Situationen im Rahmen der apokalyptischen Sicht kritisch. Zu diesem Zweck wurde die Auslegung der Thora (Gesetzesbuch), in Verbindung mit der Apokalypse konkretisiert. Der stärker werdende Einfluss der Pharisäer auf das öffentliche Leben, führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit den regierungsfreundlichen Sadduzäer.
Die Ansichten der Pharisäer vertieften erheblich den Zwiespalt zwischen Makkabäer und dem Volk. Zum Kernpunkt der Theorie vom kommenden Gottesreich wurde die Messias-Erwartung, einen Gott gesendeten Führer in die Endzeit.

Diaspora (= Zerstreuung in eine andersgläubigen Welt)

Aufgrund der politischen Situation nach dem Fall Israels und Judäas, verließen zahlreiche Gläubigen ihr Land. Erste Zentren der Auswanderer waren Alexandria und Babylon. Später siedelten sich die Juden im aufgeschlossenen Griechenland an und bildeten Gemeinden an der westtürkischen Küste (Ionien). Sie bauten sich Synagogen (Versammlungsgebäude für Juden), in denen sie ihren Glauben bekundeten und festigten, sowie Gott ehrten. Zuvor bestand der Glaube darauf, dass es ausschließlich nur den Tempel Gottes in Jerusalem  gab. Weitere Gottesstätten waren nicht erlaubt.
Zudem waren die Gläubigen verpflichtet den
vorgeschriebenen Tempeldienst zu leisten und sich am opferzeremoniell zu Ehren Gottes zu beteiligen. Mit den Synagogen durften und sollten die Gläubigen ihren Gottesdient leisten und die entsprechenden Rituale durchführen. Der Tempel blieb als Hauptheiligtum unangetastet und nur dort waren Opferzeremonien erlaubt und nur dort traf sich das hohe Priestertum.
Die Beschneidung oder
Sabbatfeier war somit auch in der Diaspora möglich und sogar Pflicht. Mit der Diaspora änderten sich auch Formen des praktizierten Glaubens. Prosalythen (= Hinzugekommene), nennt man die Übernahme neuer Rituale, nicht aber Neugläubige. Nach wie vor, gab es strenge Regel für jene Personen die Juden werden wollten. Entweder konnte man jüdische Vorfahren nachweisen oder war als Frau mit einem männlichen Juden verheiratet. Eine weibliche Jüdin zählte nicht und auch nicht voreheliche Kinder. In der Praxis allerdings wurden häufig Nachweise konstruiert und gefälscht.
Zum Zentrum der Diaspora wurde der Synagogendienst, in deren Mittepunkt die Auslegung der Thora stand. In der ersten Welle der Auswanderung verbreiteten sich die Juden im großen  griechischen Reich. Schon wegen dem Nachwuchs, der zunehmend nur noch griechisch sprach, wurde der Gottesdienst angepasst.
Gelehrte in Alexandria übersetzten schließlich
auch die Bibel in die griechische Sprache (Septuaginta). Nach dem Fall von Jerusalem und der weiteren historischen Entwicklung, verstreuten sich die Juden
weltweit. Die größten Gemeinden bildeten sich bis 1930 in Osteuropa, besonders in Polen und in Weißrussland. Zahlreich waren auch die Juden in Ungarn, Rumänien, der Ukraine und den baltischen Staaten.
Zu Zeit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland, lebten etwa 500.000 Juden im Deutschen Reich.

Hellenismus (abgeleiteter Begriff, von der Halbinsel Hellas)

Hellenismus bezeichnet die Kultur, insbesondere die Philosophie der Griechen. Für die Griechen gab es verschiedene Bezeichnungen, wie es auch viele Kleinreiche gab. Unklar ist, ob sich der Bund der Kleinreiche (Könige) selbst Graikoi nannten oder ob sie sich nach der antiken Stadt Graikoi (Graikos) so nannten. Vermutlich war jene Siedlung der Bündnisort zum vereinigten Reich der Griechen. Noch stärker prägte Aristoteles (um 350 v.Chr.) diesen Namen für die Völker an der Ägäis.
Bereits 1500 v. Chr. benannten sich die Völker nördlich von Athen Hellenen, nach den Namen der Halbinsel Hellas.
Mit Alexander dem Großen, wurde ein Nord-Volk (Makedonier) zum Herrscher über ganz Griechenland, wodurch sich nun der Name Hellenen durchsetzte. In der Verwendung der Namen sprach man politisch von den Griechen und Kulturell (inklusive Philosophie) von den Hellenen. Davon abgeleitet wurde der Begriff Hellenismus und meint die gesellschaftliche Ideologie (praktizierte Lehre), die von der Philosophie, der Kultur, der Lebensart und der griechischen Religion getragen wurde (griechische Demokratie). Mit den Eroberungen von Alexander (um 330 v. Chr.) setzte sich der Hellenismus in fremden Kulturen durch.
Auch der Jüdische Glaube wurde mit dem Hellenismus konfrontiert. Eine Vermischung oder Angleichung, mit anderen Kulturen wird als Synkretismus bezeichnet. Für die Priester war die neue Ideologie und deren Sichtweise eine enorme Herausforderung und sah sich gezwungen sich noch stärken von jeglichen Einflüssen zu schützen. Als Judäa unter dem Einfluss der griechischen Ptolemäer war und Samaria zum griechischen Seleukiden-Reich gehörte, wurden den Samaritanern endgültig der Glaube an Gott abgesprochen. Nur noch Judäa durfte sich als Volk Gottes bezeichnen. Strick wurde darauf geachtet, dass sich die Juden nicht mit den Griechen paarten. Als Judäa ebenfalls zu den Seleukiden gehörte, verfügten die Priester die Gründung von Glaubensgemeinschaften, um den Glauben zu stärken und über die schädlichen hellenistischen Einflüsse zu diskutieren. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass auch einige hellenistische Auffassungen im Glauben integriert wurden.

Samaritaner (ehemaliges Nordvolk Israel und Brudervolk mit Judäa)

Die Bewohner des ehemaligen Nordreiches Israel, mit ihrer Hauptstadt Samaria, wurden schon nach der Teilung des Großreiches Israels (926 v.Chr.) als Abtrünnige im Glauben gesehen. Judäa warf Samaria eine historisch Belegte Abkehr im Glauben vor und deshalb betrachteten sich Judäa als das wahre Gottesvolk. Im sogenannten samaritanischen Schisma (= Bruch), um 200v.Chr., wurden die Samaritaner als Unwürdige verurteilt. es wurde ihnen vorgeworfen, als Nordreich haben sie ständig Gott erzürnt, weil sie eigene Kultstätten bauten, zu fremden Götter beteten und fremde Völker bei sich wohnen ließen und mit ihnen verbündet waren. Mit der erneuten Teilung durch die griechischen Reiche der Seleukiden und Ptolomäer, war nach Ansicht der Priester, die Rückkehr zum Glauben unmöglich geworden. Ein Volk das ständig den Bund mit Gott brach, war nicht stark genug den hellenistischen Einflüssen zu wiederstehen. Angeblich hätten sich auch die Samaritaner mit den Ungläubigen vermischt, deshalb waren die Samaritaner kein Volk Gottes mehr. Gegen diesen Glaubens-Ausschluss wehrten sich die Samaritaner und gründeten dennoch eine eigene Kultgemeinde.