8.1. Von Josua bis Samuel

8. Das Deuteronomistische Geschichtswerk

8.1. Von Josua bis Samuel (Bücher)

http://www.stichtingpardes.nl/Uploaded_files/Editor/image/nitzavim.jpg1. Informatives / Botschaft
2. Das Buch Josua
3. Das Buch Richter
4. Das Buch Ruth
5. Das 1. Buch Samuel

Bildquelle: www.stichtingpardes.nl

1. Informatives/ Botschaft

Begriff - Deuteronomium
Das Wort leitet sich aus dem griechischen ab und bedeutet sinngemäß „richtungsweisendes wiederholen der Gesetze“ („Zweites Gesetz“). Das Deuteronomium (5. Buch Moses) ist in seinem Kern eine Rede Moses, der zusammenfassend die wichtigsten Grundsätze für den Bund mit Gott verdeutlicht und das Volk vor ungehorsam warnt.
Das Geschichtswerk von Josua bis 2. Buch Könige ist historisch die logische Fortsetzung des Deuteronomiums (5. Buch Mose). Nun erfolgt die Landnahme und Gott hält sein Versprechen und gibt seinem Volk ein eigenes Land. Die Bücher sind geprägt mit derselben Sprache und der theologischen Aussage. Den Kern der Schriften bilden die Gotteserfahrungen, mit dem Augenmerk auf den Bund mit Gott und dem befolgen seiner Gesetze. Der historische Weg Israels ist dabei zweitrangig, wichtig ist der Status des Bundes zu Gott. Dementsprechend werden die Niederschriften zum deuteronomistischen Geschichtswerk (DtrG) und belegen die Verfehlungen Israels, deren Ignoranz gegenüber den Propheten und somit die Abkehr von
Gott, wodurch das Volk Israel die Konsequenzen selbst herausforderte.
Übrigens, sind auch die prophetischen Schriften deuteronomistische Werke, nur befassen sich diese Schriftrollen weniger mit der Historie, sondern analysieren die Sünden und warnten vor den Konsequenzen in Bezug zur Rede Moses.

Redaktoren /Anlass
587 v.Chr. zerstörten Babyloniern Jerusalem und auch den Tempel. Die Bevölkerung wurde nach Babylon deportiert. Im Lande Judäa lag die Infrastruktur am Boden, es gab keine Verwaltung, keine Wirtschaft und kein Handel, das letzte Königtum war vernichtet. Doch das Schlimmste für sie war, dass sie anscheinend auch Gott verloren hatten? Dazu war das Volk versprengt. Die einen flohen nach Ägypten, die anderen mussten im Exil von Babylon leben und der Rest versuchte in Judäa zu überleben. Vermutlich begannen in Judäa die restlichen Leviten (Priestervolk) nach Antworten im Glauben zu suchen. Ebenso versuchten die Exilpriester von Babylon ihr Schicksal zu begreifen.
Zunächst galt es die Frage zu beantworten, ob Gott sie verlassen hat? Hoffnungsvoll bekannten sie, dass Gott immer noch zu ihnen steht und ihnen einen neuen Bund anbietet.
Etwa um 560 v.Chr. wurde vermutlich mit einer umfangreichen Aufarbeitung des Glaubens begonnen. Die bisherigen Überlieferungen, wie Urgeschichte und Vätergeschichte wurde entsprechend einer theologischen Schablone angepasst und die Thora (Gesetzesbücher) verfasst. Wahrscheinlich leisteten die Exilpriester die Hauptarbeit, sowohl an der Thora, als auch am DtrG. Kontakte zwischen Exilpriester und Leviten (aus Judäa) dürfte es kaum gegeben haben.
Erst 538 v.Chr. gab es das Edikt von Kyros, der den Exiljuden die Rückkehr nach Judäa und Jerusalem erlaubte. Möglicherweise gab es im Meinungsaustausch zwischen Leviten und Exilpriester einige Korrekturen in den Schriftrollen. Um 500 v.Chr. dürfte aber das DtrG in seiner vorläufigen Endfassung vorgelegen haben.

Anmerkungen zu den Schriften
Nach theologischer Ansicht, bediente sich das DtrG einigen Quellenschriften. Folgende Schriftrollen könnten den Schriftgelehrten zur Verfügung gestanden haben:
Chronik der Könige von Juda - - - Chronik der Könige von Israel  - - - Chronik des König Salomos        
Geschichte der großen Richter - - - 
Sammlung von Saul-Geschichten  - - - Aitiologischer  Sagenkranz
Sammlung von Samuel Tradition  - - -  Verzeichnis der Grenz- und Gebietsbeschreibungen  Prophetische Erzählungen    
Sammlung von Erzählungen über die Lade Gottes - - -
Kranz von Erzählungen von den Helden Israels

Die historisch orientierten Schriften in der Bibel

Deuteronomistisches Geschichtswerk
A. Josua                       (Beginn der Landnahme; Kernzeit um etwa 1100 v. Chr.)
B. Richter                    (Landnahme unter Führung der Richter, Kernzeit um 1050 v.Chr.)
C*   Ruth                      (kein DtrG, Geschichte wurde hinzugefügt, histor. passend)
D. 1. Buch Samuel       (Beginn des Königtums mit Saul, Kernzeit um 1010 v. Chr.)
E. 2. Buch Samuel       (Königszeit von David, Kernzeit um 990 v. Chr.)
F. 1. Buch Könige        (König Salomo und die Reichsteilung, Kernzeit um 930 v.Chr.)
G. 2. Buch Könige        ( Untergang Israels und Judäa, Kernzeit ab 800 v. Chr.)

Weitere Geschichtswerke
H. 1. Buch Chronik       (Ahnengalerie bis zum Königreich von Salomo)
I.   2. Buch Chronik      ( Von König Salomo bis zum Untergang Judäas)
J.   Esra                          ( Beleuchtet die Perserzeit/ Besatzung)
K.  Nehemia                   ( Prophet Nehemia in der Perserzeit/ Besatzung)
L.  Esther                        ( Liturgische Legende zur Perserzeit/ Besatzung)   

Das deuteronomistische Grundgerüst

Grundlage: Das Credo des Pentateuchs in Form von Moses Rede
Gott war mit den Nachfahren Abrahams und hat das Volk aus der Sklaverei von Ägypten geführt und gibt nun seinem Volk das versprochene gelobte Land.
In Moses Worten werden Gottes Taten und deren Liebe zu seinem Volk gewürdigt und das Gott all seine Versprechen gehalten hat und künftige Versprechen halten wird. Doch angesichts der vergangenen Sünden des Volkes, warnt Moses vor den Konsequenzen, wenn das Volk den Bund mit Gott verlässt, seine Gesetze missachtet und ihm nicht gehorcht. Dann werden sie die Folgen ihrer Fehler zu spüren bekommen, die keine Strafen Gottes sind, denn Gott wird ihnen stets vergeben, wenn sie umkehren.

Erfüllung: Die Landnahme und Bildung des Gottesreiches
Im Bund mit Gott erobert das Volk Israel und im vorgesehene Land soll Israel zu einem großen Volk werden und die anderen Völker der Welt leiten.
Immer wieder sündigt Gottes Volk Israel und als sie das Land erobert hatten, wollten sie ein Königtum. Doch die Könige hörten nicht auf die Propheten des Herrn und das Reich teilte sich. Der Norden (Israel) schuf sich sogar eigene Heiligtümer und entgegen den Warnungen der Propheten wurde der Untergang zur logischen Konsequenz. Aber auch der Süden (Judäa) war Gott ungehorsam und schlug Prophezeiungen in den Wind. Nur deshalb klagen sie in Babylon über ihre Sünden, aber dennoch ist Gott bei ihnen.

Der neue Bund: Glaubensbewährung des Volkes (Judäa)   
Über Gottes Gesetze soll sich das Volk bewähren und zum ehrlichen Bund mit Gott finden und wenn sein Volk entsprechend gereift ist, wird Gott einen Messias (Retter) senden, damit Gottes Volk seinen vorbestimmten Platz in der Welt einnimmt.
Gemessen an der historischen Glaubensentwicklung, erhält die Rechtsordnung vom Pentateuch ein besonderes Schwergewicht. In keiner anderen antiken Gesellschaft wurde eine solche kategorische Gesetzesordnung geschaffen, wie sie die priesterlichen Schriftgelehrten (Judäa) ihrem Volk auferlegten. Zudem klammerten sie dabei die anderen Völker Israels aus und begründeten, warum sich nur noch Judäa Gottesvolk nennen durfte und verfügten Regeln, damit Juden sich nicht mit anderen Völkern vermischten (verunreinigen). Besonders stark schürten die Schriftgelehrten den Hass auf die Völker der Kanaanäer. Sie gelten nicht nur als Siedlungskonkurrenz, um das Jordanland, sondern sind auch ein verführerische Gefahr (Lebensweise, Glaube).

Kanaans Baal-Kult
Baal ist ein Wetter- und Fruchtbarkeitsgott und ist als Hauptgott der irdischen Welt zu sehen. Im Göttergefüge (Pantheon) steht der himmlische Gott El über ihn und hat oft regional einen Beinamen. Vermutlich leitet sich auch El-Ohim (Elohim), als biblische Bezeichnung für Gott ab und demonstriert dabei, den übergeordneten Status gegenüber Baal. Ascharot, die Frau von Baal, wird als Göttin des Krieges und der Liebe verehrt. Zum Baal-Kult gehören zahlreiche Nebengötter, so dass jede Stadt seine eigenen Schutzgötter besitzt und demzufolge sich in der Kultform unterscheiden.
Der Baal-Kult ist Aufgrund seiner freizügigen Ausgelassenheit sehr beliebt. Nicht selten werden ekstatische Glaubensorgien durchgeführt. Feuchtfröhliche Feiern und sexuelle Vergnügungen genießen einen hohen Stellenwert. Situationsbedingt verlangen die Priester im Sinne der Götter ein paar Opfergaben und formulieren Weisungen der Götter, aber konkrete Gesetze gibt es nicht. Der Kult orientiert sich schlicht an Wohlstand und Not, worauf die Baal-Priester reagieren und das Volk Gebete spricht oder zu Opfergaben bereit ist (Dankopfer, Sühneopfer). Bei einigen Kulten wurden auch regelmäßig Menschen (Jungfrauen) geopfert, je nach auserwählten Schutzgott (nicht immer Baal). Opfer dienten stets dazu den ausgewählten Schutzgott milde zu stimmen oder ihn für ein Ziel zu gwinnen. Als höchstes Opfer galt ein Königsohn (- tochter) oder ein glorreicher Held und wurde El, dem höchsten Gott gegeben. Im Respekt vor diesem Opfer, zogen sich häufig die Feinde zurück, um nicht den Allmächtigen zu verärgern, der aufgrund des Opfers gnädig war. Die Kompetenz von Baals war somit begrenzt, vor allem, wenn andere Götter (aus der Götterfamilie) um die Gunst der Menschen buhlten und nur noch El schlichten konnte.

Wissenschaftliche Geschichte
Grundsätzlich ist die biblische Darstellung der Geschichte mit einigen Zweifeln behaftet (siehe Geschichte Israels). Die Judäischen Schriftgelehrten haben Geschichte im Alten Testament zweckgebunden interpretiert. Wichtig war es, Gottes Gunst gegenüber dem auserwählten Volk darzustellen und umgingen dabei historische Wahrheiten. Historiker bezweifeln inzwischen, dass es weder den Auszug aus Ägypten, noch die Landnahme und das glorreiche Königreich (David, Salomo) jemals gegeben hatte. Bei den umliegenden Kulturen jener Zeit (Ägypten, Assyrien, Babylon) finden sich diesbezüglich keine Schriftquellen über ein Israelisches Groß-Königreich in Jordanland.
Dagegen fanden sich für die Existenz des Nordreichs Israel und das Südreich Judäa schon Belege. Der Status dürfte zu jener Zeit, dem von Fürsten entsprochen haben, aber in jener Zeit war es üblich, dass sich auch jeder Stadtherrscher König nannte. Selbst bei der Annahme, dass die biblische Darstellung ihrer Geschichte auf Tatsachen beruhte, so war Israels Untergang eine selbstverschuldete Geschichte. Realistisch gesehen führte nicht der Unglaube zu Gott in die Katastrophe, sondern eher die fundamentalistischen Glaubensbewegungen (Jehu, Josia). Im Bündnis mit anderen Kleinstaaten (z.B.: Philister) konnten sie die Großmächte (Assyrer) abwehren.
Das hieß aber auch, dass ein intensiver Handel mit den Verbündeten stattfand und die Gesellschaft sich multikulturell entwickelte. Vermutlich untergrub der Einfluss des Auslandes die Wirtschaft und Politik des Landes und gerieten somit in Abhängigkeiten. Zudem 
brachte sie fremde Götterkulte und Lebensarten mit sich. Die attraktiven Einflüsse der anderen Kulturen, wurden aber schon als eine existenzielle Gefahr für den eigenen Glaubenskult gesehen. Die in der Bibel hochgelobten Glaubensrevolutionen, führten allerdings zum Bruch des Kleinstaatenbündnisses, wodurch die Großmächte nun die isolierten Reiche erobern konnten.
Anmerkung:
Israel und das Großreich Ägypten verbindet seit je her eine Hassliebe. Seit Hunderten von Jahren lebten die Israeliten (lt. Bibel) in friedlicher Eintracht mit den Ägyptern. Stets klingt deshalb in der Bibel die Sehnsucht des Volkes nach Ägypten an, deren beider Völker nur wegen gegebener politischer Umstände zu Feinden wurden. Hierin liegt auch der Grund, warum sich später vertrieben Juden gerne in Alexandria (Ägypten) ansiedelten, in der Nähe ihres ehemaligen Siedlungsgebietes Gosen (lt. Bibel, Land am Nildelta). Auch heute noch, finden Ägypten und Israel eher zu einem Dialog der Entspannung, als zu anderen umliegenden Völkern.
So verhält es sich mit den mesopotamischen Großreichen völlig anders. Eigentlich hat das Volk Israel, über den aramäischen Ursprung zu den semitischen Völkern, eine gemeinsame Herkunftsbasis. Sie sehen sich aber als Vertriebene an, wodurch die späteren Assyrer und Babylonier stets als Feinde betrachtet werden, deren Macht man sich zwar beugen musste, aber dennoch keine ehrliche Akzeptanz zustande kam. In den biblischen Schriften, besonders in der Urgeschichte, beschreiben deshalb die Schriftgelehrten die Verwerflichkeit aller Großkulturen Mesopotamiens. Besonders groß ist der Hass gegenüber Kanaan und den Philistern, die in der Gegenwart von den Palästinensern repräsentiert werden. Israel tut sich daher heute historisch schwer mit den Staaten ringsumher, wobei Jordanien in der Tradition zu Edom ein Sonderfall ist.

Kernpunkte der Sünden des Volkes im DtrG
Einzug fremder Kulturen in israelische Städte
Ungehinderte Götzenanbetung und errichten von Heiligtümern
Das Volk Israel begann diese fremden Heiligtümer anzubeten und verehren
Ließen die Entweihung des Tempels zu, indem sogar fremde Götter einzogen
Das Volk befolgte nicht mehr die Satzungen bzw. Gesetze des Glaubens
Der Bruderkrieg wurde beklagt (Kämpfe zwischen Judäa und Israel)
Die verschwenderische Lebensführung der Herrscher und die Armut der Bevölkerung
Das grundsätzliche Entfernen von Gott, das nicht mehr zur Umkehr bereit schien
Die nichtautorisierten Heiligtümer des Nordens (Israel), u.a. das goldene Kalb
Das Koalieren mit Feinden, die wenig Gottvertrauen demonstrierten

Strafen
Trotz dieser Sünden wurden die Verfasser nicht müde zu betonen, dass Gott weiterhin zu ihnen hält und wenn sie zu ihm umkehren, wird er ihnen verzeihen, denn Gott wird immer an den Bund und sein gegebenes Wort festhalten. Somit bestraft Gott die Sünden nicht, sondern das Volk bekommt die Konsequenzen seiner Verfehlungen zu spüren, in die Gott nicht eingreifen kann, weil das Volk ihm nicht gehorcht.

Botschaft
Am Ende des DtrG, wird der letzte König Jojachin, aus dem Geschlecht David begnadigt und das wirkt, wie ein Zeichen Gottes. Die Botschaft kann daraufhin nur lauten, fleht zu Gott und erkennt eure Missetaten. Gott ist bereit und wartet darauf einen neuen Bund zu schließen. Gemäß dem neuen Bund erwartet Gott von seinem Volk grundsätzliches:
1. Jeder Einzelne steht im Zusammenhang mit seinem Volk in dem er lebt, er lebt in dessen Geschichte und ist selbst ein Teil der Geschichte.
    Was der Mensch nun im Kleinen bewirkt 
oder nicht bewirkt, prägt in der Gesamtheit die Gesellschaft. (Gesetzestreue).
2. Gottes Wirken war und ist immer eine geschichtlich, gesellschaftliche Größe. Gott wird sein Volk ohne Reich, führen, lenken und 
    beschützen, und wenn die Zeit reif dafür ist, 
wird er einen Messias schicken, aber nur wenn sich sein Volk bewährt hat. (Bewährung)
3. Glaube braucht kein Reich, sondern eher im Elend des Lebens können die Menschen Gottes Botschaft erkennen und befähigt werden,
    sich und die Menschheit zu führen, damit 
Gottes Reich (Glaube) auf Erden herrsche.

2. Das Buch Josua

Inhalt: Die gnadenlose Landnahme durch das Volk Israel mit den Abschnitten:
Eroberung von Kanaan und Landverteilung an die Stämme und Weisungen für das Wohnen im Lande.

Top-Storys:  Die Hure Rahab (2); Die Posaunen von Jericho (6); Archans Diebstahl (7)

Landnahme des Volkes Israel (1-12)

1. Auf Gottes Weisung lässt Josua sein Volk zum Kampf aufrüsten, um Kanaan zu erobern.

2. Die Hure Rahab: Die Eroberung von Jericho, als erste Stadt, ist strategisch notwendig, um die Völker Kanaans zu teilen, wodurch deren Kampfkraft geschwächt werden würde. Kundschafter wurden deshalb ausgesandt, aber sie werden enttarnt. Die Hure Rahab versteckt die Spione und bittet als Gegenleistung darum, dass die Hebräer sie verschonen, bei ihrem Angriff. Ein rotes Band wurde als Zeichen vereinbart, dass Rahabs Haus das Leben garantierte.

3. Mit der Kraft der Bundeslade, staute Josua das Wasser vom Fluss Jordan, sodass sein Volk trockenen Fußes zur anderen Seite gelangen konnte. Ein ähnliches Phänomen gab es 1927, wo ein Erdbeben den Flusslauf des Jordans stoppte.

4. Ein Steinmonument wurde anlässlich zur Jordanüberquerung errichtet. Redakteure verlegten den Ort vom Fluss zur Lagerstätte Gilgal.

5. In den Wirren der bisherigen Ereignisse wurde das Beschneiden (Ritual) vernachlässigt und sollte nun auf Geheiß Gottes mit einem Steinmesser (Tradition) schnellstens nachgeholt werden. Zur Überbrückung, der damit verbundenen Wundheilung, wurde das Passahfest gefeiert. Das Himmelsbrot Manna wurde abgeschafft, denn nun sollte sich das Volk die Nahrung von den Kanaanäer nehmen. Ein Engel Gottes wies Josua an, seine Schuhe ausziehen, da er das Land Gottes betrat (= symbolische Geste).

6. Die Posaunen von Jericho: Nach Gottes Anweisung sollte das Kriegsvolk 7 Tage lang um die Stadt herummarschieren und die Leviten sollten dazu in ihre Posaunen blasen. Am letzten Tag stimmte das Volk, dazu ein mächtiges Kriegsgeschrei an, sodass die Mauern der Stadt zerbrachen. Nach dem Erstanspruch Gottes, sollte die Stadt komplett zerstört werden und alles Leben getötet werden. Es war den israelischen Kämpfern verboten sich eine Kriegsbeute zu nehmen. Alles in Jericho, gehörte Gott. Lediglich die Hure Rahab und deren Familie blieb verschont, und wie versprochen durfte sie und ihre Familie unbehellicht im Lande Israel leben. Die Stadt Jericho, wurde aber von Gott verflucht und sollte nie wieder aufgebaut werden.

7. Archans Diebstahl: Entgegen dem Verbot Gottes, nahm sich Archan heimlich eine Kriegsbeute, worüber sich Gott erzürnte. Bei einem Angriff auf Ai, entzog Gott dem Volk seine Hilfe. Eine Fehleinschätzung der Kundschafter führte zu einer schmachvollen Niederlage. Das Volk war darüber bestürzt und Josua erklärte Gottes Zorn. Archans (= Ärgernis) Schuld wurde aufgedeckt und er wurde gesteinigt, sowie sein Besitz verbrannt.

8. Mit einem Täuschungsmanöver wurde die Stadt Ai (histor. Ruinenstadt) eingenommen. Nach einem fingierten Angriff zog sich Israel zurück, worauf die Kämpfer der Stadt den Flüchtenden hinterhersetzten. Im Hinterhalt warteten aber Israeliten, die über die wehrlosen Bewohner der Stadt herfielen und alle töteten. Die Krieger von Ai waren indes in eine Falle geraten und wurden von den Israeliten erbarmungslos getötet. Die Stadt wurde zerstört und die Kriegsbeute wurde aufgeteilt. Als Dank für den Sieg errichte Josua ein Altar bei Ebal und lies Gott ein Dankopfer bereiten.

9. Die Bewohner von Gibeon fürchteten sich vor ihrer Vernichtung und überlegten sich eine List. Gesandte zogen bettelarm zum Lager der Israeliten, gaben vor weit gereist zu sein und wollten den Gott Israels huldigen und mit seinem Volk einen Bund schließen. Ohne Rücksprache mit Gott schloss Josua mit ihnen einen Bund. Zu spät bemerkte Josua die List von Gibeon, doch er war aber an sein Wort gebunden und konnte sie lediglich zu Tempeldiener einer geheiligten Stadt machen.

10. König Adoni-Zodek, von Jerusalem, schaffte eine Allianz gegen Israel aufzubauen. Die Heere von fünf Königen, sollte zunächst die heilige Stadt Gibeon erobern. Israel kam Gideon, gemäß dem Bundesschluss zur Hilfe. Gott ließ Steine auf die Angreifer regnen und so besiegte Israel in einer riesigen Schlacht die Feinde. Josua ließ die Flüchtenden verfolgen und nahm auch die fünf Könige bei Makkeda gefangen, die dann von Josua getötet wurden. Anschließend eroberte Josua, mit Gottes Hilfe den Süden. Mehrere Städte wurden erobert und deren Bewohner umgebracht (Massaker).

11. Der König Jabin (v. Hazor), schuf ein Bündnis von Königen im Norden, um sich gegen die Invasion von Israel zu wehren. Mit Gottes Hilfe konnte Josua die riesige Streitmacht besiegen und eroberte Hazor, und ließ alle Bewohner und den König gnadenlos töten. Somit wurde auch der Norden unter israelischer Kontrolle gebracht, dennoch waren viele kleine Orte noch zu erobern, aber im Gegensatz zur bisherigen Ausrottungsstrategie ließ Josua die kleinen kanaanitischen Bergstädte nicht zerstören.

12. Der erste Abschnitt endet mit der Auflistung aller besiegten Könige seit der Eroberung von Sihon.

Die Landverteilung an die Stämme (13 – 19)

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/83/12_staemme_israels.png13. Angaben über das bisher eroberte Land und welche kanaanäische Gebiete noch zu erobern waren. Auch die Philister sollte vertrieben werden. Nach der Weisung Gottes verteilt Josua das eroberte Land an die Stämme. Ruben und Gad erhielten die Gebiete im östlichen Jordanland.

14. Wie mit Moses vereinbart, sollen die Leviten kein eigenes Land erhalten, sondern als Priestervolk standen ihnen in jedem Land eigene Städte zu. Die Nachfahren vom gottestreuen Kaleb klagten Moses Versprechen ein und erhielten Hebron.

15. Der Stamm Juda bekam das südliche Gebiet von Kanaan und die Oberherrschaft darüber. Die Stadt Hebron sollte aber Kaleb gehören und durfte sich das umliegende Land dazu erobern (Land der Debirer). Es folgt eine Auflistung aller Orte, die zu Juda gehören sollten und teilweise noch erobert werden müssten (u.a. Jerusalem).

16. Als bevorzugte Nachkommen Josephs, erhielten seine Söhne Manasse und Ephraim die Oberherrschaft über den Norden Kanaans. Und sie nahmen sich ihr Land und unterwarfen die feindliche Bevölkerung, aber sie töten sie nicht, sondern versklaven die Bewohner, dass nicht im Sinne Gottes war.

17. Die Gebiete der Joseph-Stämme (Manasse, Ephraim) wurden genau festgelegt, doch darüber beklagten sich die Stämme, die ihren Anteil als zu gering ansahen. Josua erlaubte ihnen daraufhin, ihr Gebiet mit Eroberungen zu erweitern.

18. Die Oberhoheit Judas über den Süden und die Oberhoheit der Joseph-Söhne über den Norden wird bekräftigt. Dem Stamm Benjamin wird zwischen Norden und Süden ein Siedlungsgebiet zugeteilt, u.a. die Städte Jericho, Bethel, Gibeon und Jerusalem.

19. Der Stamm Simeon soll südlich in Judäa siedeln (u.a.m. den Städten Beerseba, Suza). Sebulon soll im Norden siedeln (u.a. Bethlehem); Isaschar östlich daneben; Asser (oder Ascher) soll an der nördlichen Küste zu Phönizien siedeln und daneben Naphthali, mit der Stadt Hazor. Dan soll an der Küste zu den Philistern siedeln. Doch der Stamm Dan verlor im Kampf sein Gebiet und so zogen sie nach Norden und vertrieben den Stamm Leschem. Josua erhielt einen eigene Stadt, Timnath-Serach, im Gebiet von Ephraim und Eleasar, der Priester, erhielt die Stadt Silo.

Weisungen für das Wohnen im Lande (20 -24)

20. Es werden 6 Freistädte bestimmt und die Grundbedingungen für Schutzsuchende festgelegt und als unantastbare Schutzorte für Verfolgte definiert.

21. Den Leviten wird das Anrecht auf 48 Städte gegeben, dabei wird festgelegt wie viele Orte jeder Stamm den Priestern zu Verfügung stellen muss.

22. Josua bedankt sich bei den östlichen Stämmen (Ruben, Gad, Manasse-Nachkommen) für ihre Hilfe bei der Eroberung Kanaans und entlässt sie in ihre Gebiete. Als Dank und als Symbol der Verbundenheit mit den Brüdern in Kanaan errichten sie einen Altar am Fluss Jordan. Doch ihre Brüder sahen darin einen elementaren Bundesbruch, denn es kann für Gott nur einen heiligen Ort geben. Der Priester Pinhas stellt sie zur Rede, bevor die Streitmacht Israel über die östlichen Stämme herfallen würde. Sie erklärten Pinhas, dass sie Gott nicht erzürnen wollten, sondern lediglich ein Zeichen der Verbundenheit mit Israel setzen wollten und sie beklagten sich darüber, dass sie nichts hätten, um Gott sonst ehren zu können. Die Gottesfurcht rührte Pinhas und legetimierte den Altar als symbolisches Zeichen.  

23. In Josuas Abschiedsrede rühmte er die Taten Gottes und war sich sicher, dass Israel mit Gott auch die letzten Feinde besiegen wird. Er mahnte sie, Gottes Bund einzuhalten und sich nicht mit den Feinden zu vermengen (heiraten) und deren Kulte zu verfallen.

24. Josua spricht noch einmal zu dem gesamten Volk und erinnert an Gottes Werken, seit dem Bund mit Abraham. Er stellt das Volk bei Sichem vor die Wahl, doch Israel bekannte sich einmütig zum Bund mit Gott. Kurz darauf starb Josua und Eleasar, sein Priester.

3. Das Buch Richter

Nach dem Tod Josuas fehlt eine bindende Kraft und in jedem Stammesgebiet regieren die jeweiligen Nachkommen. Das Buch erzählt von der stetigen Untreue Israels, die durch ihren Ungehorsam in Not geraten und Gott um Hilfe anflehen. Gott beweist immer wieder seine Treue zum Volk und befähigt Richter zur Rettung. Im Prinzip sind Richter geistliche Führer, die von Gott, aus unterschiedlichen Gründen befähigt werden Israel zu retten.
Das Buch Richter irritiert am Anfang und versucht die logische Fortführung des Buches Josua zu sein, indem der Tod Josuas vorangestellt wird. Geschilderte Ereignisse haben aber, laut dem Buch Josua, zu seinen Lebzeiten stattgefunden (besonders die Kaleb-Geschichte). Es gibt dazu unterschiedliche Erklärungen im Zusammenhang mit der Entstehungszeit der Schriften. Möglicherweise beschreibt das Buch Josua stilistisch lediglich die Landesvergabe und erwähnt im Zuge dessen, deren spätere Folgen, also nach Josuas Tod. Das Buch Richter widmet sich dagegen den Folgen und vielleicht war es ein redaktioneller Fehler Josuas Tod einleitend voranzustellen. Da die biblischen Schriften grundsätzlich Jahreszahlen vermeiden, ist es demzufolge auch schwer, Geschichten zeitlich einzuordnen oder gar an historischen Jahreszahlen fest zu machen. Aus diesem Grunde sind die Geschichten zeitlos und sind immer im Kontext zum Gesamttext zu sehen.
Das Richterbuch ist insgesamt ein düsteres Buch, von Mord und Totschlag. Neben der Berufung der Richter, erzählt das Buch über den legendären Gideo und Simson und verdeutlicht in zwei Schlussgeschichten, die Sünden eines führungslosen Volkes.

Anmerkung: Namen = bedeuten jeweils israelische Stammesbezeichnungen, keine Namen

Top- Geschichten: Das Deborah-Lied (5); Gideon (7); Simson und Delila (13-16); Micha’s Sünde (17+18)

Abschnitt über die Richter

1. Mit Gottes Hilfe besiegten Juda und Simeon gemeinsam Feinde im Süden und ließen ihre Gegner zum Teil verstümmeln. Sie eroberten Hebron, dass Kaleb für sich beanspruchte (Versprechen von Josua -15) und Jerusalem, dass sie Benjamin zur Verwaltung übergeben wurde. Benjamin verliert jedoch Jerusalem an die Jebusiter. Da Juda sich nicht so recht an Gottes Weisung hält, verloren sie den Kampf gegen die Philister. Doch noch mehr sündigte der Norden, da deren Stämme die kanaanäische Bevölkerung am Leben ließen und sie zu Fronarbeitern machten, statt sie zu töten oder fortzujagen.

2. Ein Engel Gottes beklagte sich darüber, dass sein Volk die Feinde bei sich wohnen ließ und ihre Götzen-Altäre nicht zerstörten. Seit Josuas Tod wandte sich sein Volk dem Baal-Kult zu. Die bisherigen Richter konnten nur bedingt das Volk von ihrem sündigen Tun abhalten. Deshalb setzte Gott die weitere Vertreibung der übrigen Feinde aus, weil sein Volk die Feinde bei sich leben ließ und sie sollten nun die Konsequenzen zu spüren bekommen. 

3.  Es werden die Völker aufgelistet, die noch zu besiegen sind (Kanaanäer, Raubvölkern und Philister). Sie waren als Bewährungsprobe für Israel gedacht, aber sie hatten den Test nicht bestanden. Deshalb wurden die Feinde wieder stark und beherrschten nun sogar einige Völker Israels. Israel klagte in seiner Not zu Gott und er berief Othniel (Kaleb Geschlecht) zum Richter und er besiegte die Fremden. Als er jedoch starb, fiel das Volk erneut in die Sünde zurück und die Moabiter begannen sie zu beherrschen. Ehud wurde Richter und verübte auf den König von Moab ein Attentat, worauf sich Israel befreien konnte.

4.  Ehud starb und das Volk wurde rückfällig. König Jabin aus Hazor ergriff die Macht und sein Feldherr Sisera schlug jeden Widerstand. Die Prophetin Deborah zeigte Barak, dem israelischen General den Weg zum Sieg, und der Feldherr Sisera, starb demütigend durch die Hände einer Frau (schlug ihn ein Zeltpflock ins Herz).

5.  Deborah-Lied: Das Lied preist überschwänglich Deborah als Mutter Israels und berichtet von ihrer Heldentat.

6.  Nach Deborahs Tod blieb das Volk unbelehrbar und die Midianiter (s. Num. 31) fielen plündernd über Israel her. Jenes von Israel massakrierte Volk, deren Überreste wieder stark wurden. Ein Engel berief Gideon zum Richter und er soll zunächst ein Baal-Altar niederreißen. Gott sandte indes den Völkern Manasse ein Zeichen, um sich zu versammeln. Gideon vergewissert sich, ob er wirklich berufen ist das Volk zu führen und bat Gott, um ein Zeichen (trockene Wolle, im Morgentau).

Abschnitt über die Legenden

7.  Gideon: Gott ließ die Heeresstärke gegen die Midianiter von Gideon verringern und mit 300 Mann erschreckten sie ihre Feinde in der Nacht. Kopflos flüchteten die Midianiter, die sich von Dämonen (Posaunen, Fackeln) umzingelt sahen. Nach der Flucht sollte Ephraim den versprengten Einheiten nachjagen und sie alle samt mit den Heerführern töten.

 8. Ephraim beklagte sich bei Gideon, nicht bei der Schlacht dabei gewesen zu sein und er belehrte sie, dass Gott, seinem Volk, seine Stärke demonstrieren wollte. Als Gideon bei Sukkoth und Pnuel für seine Kämpfer um Brot bat, bezweifelten diese den Kampfeserfolg, da Gideon nicht die gefangenen Könige der Midianiter vorweisen konnte. Bei einem heimtückischen Überfall besiegte Gideon die restlichen Feinde und nahm deren Könige gefangen und zeigte sie den Skeptikern. Gott strafte die Ungläubigen und vernichtete die Städte Sukkoth und Pnuel, danach ließ Gideon die Midianiter-Könige richten. Israel wollte daraufhin Gideon zum Herrscher krönen, doch er lehnte ab. Gideon sündigte schließlich, als er ein Kultobjekt anfertigen ließ, um seine Feinde zu demütigen. dennoch blieb Gideon ein Volksheld und Gott verzieh ihm (Götzenbild), worauf Gideon zahlreich Söhne zeugte.

9.  Abimelech, war ein machtbesessener Sohn Gideons. Er kaufte sich Gefolgsleute, lies seine Brüder ermorden und rief sich in Sichem zum König aus. Der überlebende Bruder Jotham klagte in einem Lied den Bruder-König an. Da keiner auf ihn hörte musste er fliehen. Gott säte daraufhin Zwietracht unter dem Volk von Sichem und Gaal wiegelte das Volk gegen Abimelech auf, doch der rächte sich blutig und brutal gegen all seine Gegner. Schließlich traf den König im Kampfgewühl tödlich eine Steinplatte, geworfen von einer Frau. Für Israel, war das ein schändlicher Tod und es wurde verfügt das alle Anhänger von Abimelech so sterben sollten (Steinigung).

10. Die Richter Tola und Jair brachten Israel wieder zu Gott. Nach einem weiteren Rückfall des Volkes verweigerte Gott seinem Volk die Hilfe. Die Ammoniter und die Philister kamen ins Land. In seiner Not entfernte Israel jegliche fremden Einflüsse (Heiligtümer), um Gott milde zu stimmen. Sie rüsteten sich verzweifelt zum Kampf gegen die Ammoniter, doch hatten sie keinen Führer (Hauptmann).

11. Gott führte sie zu Jephthah, den Sohn einer Hure, der von Israel verstoßen wurde. Die Gesandten Israels konnten ihn demütig um Verzeihung bitten und überredeten ihn das Heer zu führen. Jephthah führte zuvor Friedensverhandlungen, die in gegenseitige Vorwürfe mündeten und ein Kampf unvermeidlich wurde. Der Richter versprach Gott, ihm das Erste zugeben, was ihm zu hause nach dem Sieg begegnen würde. Zu seinem Unglück war es seine Tochter, die somit unberührt blieb und Gott diente (im Prinzip die erste Nonne).

12. Ephraim beklagte sich darüber, nicht zum Kampf gegen die Ammoniter gerufen worden zu sein, doch eigentlich weigerten sie sich dem Stamm Gilead ein Landesteil abzugeben. Es kam zum Kampf und Gott verhalf Jephthahs Volk, den Gileaditer, zu Sieg. Nach dem Tod Jephthah kamen weitere Richter und führten das Volk auf Gottes Wege.

13. Simson: Die Sünden des Volkes führten zur Besatzung von Dan durch die Philister. Ein Engel schwängerte Zora und gab ihr Anweisungen zur Vermeidung von Gefahren in der Schwangerschaft. Die Unfruchtbare bekam so einen Sohn, den sie Simson nannte.

14. Simson erwählte sich eine Philister-Tochter zur Braut. Auf dem Weg dorthin wurde er von einem Löwen angegriffen, aber Gott tötete das Tier. Später wohnten im Kadaver Bienen und produzierte Honig, von dem Simson aß. Diesbezüglich formulierte er auf seiner Hochzeitsfeier den Gästen ein Rätsel. Um die Aufgabe lösen zu können, bedrängten sie Simsons Braut, die ihrem Mann die Antwort entlockte. Darüber geriet Gott in Wut und tötete jene, die die Lösung wussten und Simsons Braut wurde einem Gesellen gegeben.    

15. Die Familie seiner Braut verwehrten Simson daraufhin sie zu sehen. Er geriet in Wut und zündete die Felder der Philister an. Aus Rache erschlugen die Philister seine Braut und deren Familie. Simson tötete wiederum die Mörder und floh in eine Einöde. Die Philister aber straften das Volk Juda für Simsons Tat, solange bis sich Simson den Philistern stellte. Im Fürstenpalast befreite ihn Gott von seinen Fesseln und Simson erschlug alle an diesem Ort. Simson war dann Richter über Judäa und führte das Volk 20 Jahre lang.   

16. Die Gaziter (Philister) überlegten sich einen Hinterhalt, als Simson bei einer Hure war, doch bevor sie handeln konnten, floh er um Mitternacht und durchbrach ihr Stadttor. Dann verfiel Simson der schönen Delila und es wurde ihr Reichtum versprochen, wenn sie das Geheimnis von Simsons Kraft herausfinden würde. Nachdem er sie mehrmals reingelegt hatte, verplapperte er sich im Traum und so schnitten sie ihm die Haare, die Quelle seiner Kraft. Die Philister nahmen ihn gefangen, stachen ihn die Augen aus und er musste schwere Sklavendienste verrichten. Eines Tages gab ihn der Fürst auf einer Feier der Verspottung preis. Da gab ihm Gott seine Kraft zurück und Simson riss die Säulen nieder, an die er gekettet war. Er begrub sich und die ganze Gesellschaft unter dem einstürzenden Gebäude. Vermutlich war auch Delila unter den Toten.

Abschnitt über verwerfliche Sünden

17. Die Geschichte über Micha: Micha nahm das Geld seiner Mutter, aber beichtete ihr den Diebstahl. Wegen seiner Reue ließ sie ihm das Geld, worauf Micha ein Ephod (Gottesbildnis) und ein Haus-Heiligtum anfertigen ließ. Schließlich kam ein Levit in sein Haus und Micha ließ ihn bei sich wohnen und ernannte ihm gar zum Priester. Somit hatte Micha dreifach gesündigt: Er raubte, schuf sich Götzen (von Gott verboten) und ernannte einen Leviten ohne Weihe zum Priester, zumal die Leviten nur in ihren zugewiesenen Städten wohnen durften.
18. Das Volk Dan wurde von den Philistern vertrieben und sie zogen nach Norden, um eine neue Heimat zu finden. Sie kamen am Haus von Micha vorbei und überredeten den Priester mit ihnen zu ziehen. Er tat es und nahm Michas Götzen mit und als sich Micha darüber beklagte, hielt man ihm seine Sünden vor. Doch das Volk Dan beging eine noch größere Sünde. Sie schufen mit den Götzen von Micha ein unerlaubtes Heiligtum (entgegen Gottes Geboten) in Lajisch und ließen einen nicht autorisierten Leviten Priester sein.

19. Die Sünde von Gibea: Die Frau eines Leviten verließ ihren Mann und ging zurück in ihre Heimat. Der Mann sprach mit ihrem Vater und sie sollte wieder mit ihm gehen, aber der Vater versuchte mehrmals die Abreise zu verhindern. Schließlich nahm der Levit seine Frau und zog los. Unterwegs mussten sie in Gibea übernachten, doch da kamen Männer und wollten den Fremdlingen böses. Sie gaben sich damit zufrieden, dass der Levit seine Frau vor die Tür schickte und vergewaltigten sie zu Tode. Der Levit nahm seine Tote Frau zerteilte sie und schickte die Teile zur Anklage nach Mizpa (Zentrum Israels). 
20. Der hohe Rat von Mizpa hörte Kläger und Beklagte und forderte von Benjamin, dass die Stadt Gibea die Täter ausliefern soll. Nachdem sich die Stadt weigerte, rief Israel zu den Waffen und das Volk Benjamin stellten sich schützend vor die Stadt. Als erstes soll Juda als Oberherrschaft des Südens gegen Benjamin ziehen und verlor. Obwohl es nicht im Text erwähnt wird, ziehen nun wahrscheinlich die nördlichen Stämme gegen Benjamin und verloren ebenfalls. Erst durch einen Hinterhalt und einem vereinigten Angriff besiegen sie Benjamin, zerstören Gibea und rotten anschließend beinahe den Stamm aus.
21. In einem voreiligen Gelübde wird in Mizpa festgelegt, dass keine israelische Frau einen Benjaminiter heiraten darf. Doch Gott hat 12 Stämmen das Land gegeben und mit diesem Eid würden die letzten Benjaminiter aussterben, somit musste eine Lösung her. Da die Stadt Jabesch nicht beim Gelübde dabei war, fiel eine Streitmacht über sie her und gaben die Töchter der Stadt dem Stamm Benjamin. Zudem trafen sich Mädchen beim unerlaubten Reigentanz von Silo und es wurde Benjamin gestatteten sich dort Mädchen zu rauben.

Die letzte Geschichte belegt noch einmal die Stellung der Frau in der antiken Gesellschaft. Das der Levit seine Frau hinausschickte und sie der Vergewaltigung preis gab, ist in der antiken Gesellschaft nichts Ungewöhnliches. Somit betrachten die Männer von Gibea sie als Opfergeschenk vom Leviten, deren Tod bedauerlich war. Der Rat von Mizpa (Israel) wertete den Vorfall jedoch als eine Nötigung entgegen dem Gastrecht und damit war die Vergewaltigung ein ungeheurer Vorgang. Das daraufhin Kämpfe entbrannten, lag der Missachtung des Urteils zugrunde. Egal um welchen Sachverhalt es ging, ausschlaggeben war, dass die Autorität der gesetzgebenden Versammlung infrage gestellt wurde. Darüber hinaus verweigerte sich Benjamin Gott, dessen gerechter Geist (Glaubensauffassung) in Mizpa herrschte. Der Rat von Mizpa konnte sich deshalb keine Blöße erlauben.
Die Bewertung einer Straftat gegenüber Frauen, war dagegen immer Interpretationssache. Grundsätzlich war die Frau vom Mann sozial und rechtlich abhängig, war sein Besitz und nur der Mann konnte sich über ein Scheidungspapier von ihr trennen. Väter hatten auch das Recht ihre Töchter als Sklavin zu verkaufen. In der Ehe konnte die Frau ihren Status nur durch die Geburten männlicher Nachkommen aufwerten. Da der Mann mehrere Frauen haben durfte, war dennoch der Status als Favoritin sehr entscheidend. In der Geschichte von Gibea, war die Frau für den Leviten nur eine Nebenfrau und demzufolge minderwertig, aber dennoch war es beschämend für den Leviten, wenn sein Besitz ihn verlässt. Der Tod der Frau hatte deswegen den Status, als würde man dem Leviten etwas geraubt haben.
Der Status einer Frau konnte sich aber durch ihre öffentliche Erscheinung ändern. In ihrer praktizierten Gläubigkeit und ihrem Diensten zu Gott, konnten Frauen durch die Gemeinschaft aufgewertet werden. Immer wieder schafften es Frauen, mit Selbstbewusstsein und Intelligenz eine Gemeinschaft zu beeindrucken und erreichten eine Gleichwertigkeit zu den Männern (wie z.B.: Deborah). Allerdings blieben bedeutende Frauen in der Bibel eine Ausnahmeerscheinung. Auch historisch gesehen, war das biblische Frauenbild typisch für alle antiken Völker jener Zeit.
Anzumerken ist, dass in zahlreichen Mythen und Legenden, immer wieder Frauen gern als Reizfaktoren (Begehrenswert, verführerische Bestien) auftauchen oder Persönlichkeiten übertrieben dargestellt wurden, um eine Geschichte eindrucksvoller zu machen. In der Realität aber, gab es nur wenige Frauen, die sich gegen die Männerwelt durchsetzten.

4. Das Buch Ruth

Die Novelle unterbricht das DtrG und kehrt den politisch religiösen Ereignissen den Rücken und widmet sich den einfachen Menschen. Die Schrift stellt einen Übergang von der grauen Sünderzeit zum glorreichen Aufschwung dar, deren Handlung historisch gut hineinpasst. In wenigen Kapiteln wird wohltuend, von der Moabiterin Ruth berichtet, die durch ihre Gottesfürchtigkeit dem Volke Israel gleichwertig ist.
Es wird daran erinnert, dass Gott alle Menschen und Völker schuf und Gott mit jedem ist, der sich zu ihm bekennt. Daher sind auch Fremde, die sich zu Gott bekennen vom Volke Israel zu achten, denn durch Israel soll die Menschheit zum wahren Glauben finden und nur jene bekämpfen, die Gott leugnen und Israel auf falsche Wege führen.

1. Wegen einer Hungersnot zog Elimelech mit seiner Familie zu den Moabitern. Seine Söhne heirateten dort, aber schon bald starben die Männer. Die Frau von Elimelech, Noomi, zog deshalb zurück nach Betlehem, aber die Schwiegertöchter Orpa und Ruth, wollten sie begleiten. Noomi redete auf sie ein umzukehren, verschwieg ihnen jedoch die Furcht davor, dass Israel sie als Fremde peinigen könnte. Lediglich Orpa kehrte um, doch Ruth stand fest im Glauben zu Gott. Tatsächlich wurden sie in Betlehem unfreundlich empfangen.
2. Aber der Bruder von Elimelech war ein vermögender Grundbesitzer, Boas, worauf die Menschen nichts mehr sagten. Noomi schickte eines Tages Ruth aufs Feld, um liegengebliebene Gerstenähren (Abfall) aufzusammeln. Boas sah sie und erkundigte sich bei den Arbeitern, wer sie sei. Nachdem er wusste wer sie war, durfte sie sich von den vollen Ähren nehmen, mit den Arbeitern zu Mittag essen und er ließ ihr ein Extrascheffel Gerste zukommen. Wohlpreisend lobten Ruth und Noomi das Wohlwollen von Boas.
3. Noomi überredete Ruth sich zu Boas zu legen, damit ihre Gottesfürchtigkeit mit Wohlstand belohnt werden würde. Boas war angetan von ihr, da sie sich ihm Anbot und nicht einem jüngeren. Aber sie war eine Fremde und gehörte rechtlich zu seinem Bruder. Um keine Sünde zu begehen, wollte er rat beim Löser (=Gemeindeältester) suchen.
4. Boas trug sein Anliegen dem Löser vor, worauf der Gemeinderat (Senat) tagte. Da Boas bislang seines Bruders Land verwaltete, aber sein Bruder Tod war, konnte er seinen Besitz auslösen (kaufen). Dazu gehört auch Ruth und trotzdem sie Moabiterin war, erlaubte man ihn sie zu heiraten. Aufgrund ihrer Gläubigkeit wurde sie öffentlich mit dem Volk Israel gleichgestellt und das Volk bekundete die Entscheidung. Nachdem Ruth Boas Frau wurde bekam sie einen Sohn Obed, in deren Linie später David geboren wird.

Die Geschichte ist für die Gläubigen sehr wertvoll, da hier eine Praxis offenbart wird, wie Fremde regulär zum Judentum (Israelis) konvertieren bzw. gesegnet werden können. Das Ruth die Stammmutter vom späteren König David ist, scheint ein versteckter Pferdefuß zu sein. Abgesehen davon, dass viele Geschichten im AT stark übertrieben worden sind oder gar nicht stimmen, gibt es starke Zweifel an einer realen Ruth. Der Hinweis auf die David-linie könnte als argumentierender Fakt über David Sünden dienen. In den späteren Geschichten von David, ist er nicht der schillernde glorreiche König, sondern sündigt mehrmals. Theologisch könnte man nun das Erbgut der Moabiterin dafür verantwortlich machen, das David sündigen ließ. Historisch sei erwähnt, dass die Schriftgelehrten und Redakteure nach der Babylonischen Zeit, das Abschotten der Juden zu Nichtjuden deutlich verschärften.  

4. Das Samuel Buch 1 

Ursprünglich waren die Bücher eine Einheit und wurden später redaktionell getrennt. Im Mittelpunkt handelt der letzte große Richter und Prophet Samuel. Schwerpunkt dabei bildet die Königszeit, als experimentelle Akzeptanz von Gott. Denn eigentlich kann es für das Volk Israel nur einen König geben und der ist Gott allein. Da aber die Richter des Herrn nur unzureichend auf die Verführungen fremder Kulte einwirken konnten und das Volk Israel immer wieder rückfällig wurde, willigt Gott in ein gefordertes Königtum ein. Nachdem Gott über Samuel vor den Konsequenzen eines Königreiches warnte, hoffte Gott, dass der Regent ein heiliges Reich aufbaut und nach Gottes Oberhoheit handelt. Die Geschichten belegen jedoch die Sünden der Könige und unterstreichen die deuteronomistische Kernaussage, dass auch ein Königtum, das Volk Israel, vom Glauben an Gott entfernt.

Die Samuel-Bücher unterteilen sich in Folgende Abschnitte:
1. Der Richter Samuel   (1.Sam 1-7)                       4. David wird König       (2. Sam 1-8)
2. Samuel und Saul       (1.Sam 8-15)                      5. Thronfolger Davids     (2. Sam 9-20)
3. Samuel und David    (1.Sam 16-31)                    6. Nachträge                  (2. Sam 21 -24)

Top-Geschichten: David und Goliath (17); David und Abigail (25); Die badende Bathseba (2-11)

Der Richter Samuel

1. Die Kinderlose Hanna fleht Gott an ihr einen Sohn zu schenken und gelobte den Sohn Gott zu schenken. Daraufhin wurde sie Schwanger und nannte ihren Sohn Samuel.

2. Beginnend mit Hannas Lobgesang, schließen sich danach die Opferungssünden der Söhne Elis an. Eli, war der Priester vom Heiligtum in Silo, und er ermahnte seine Söhne, doch sie ignorierten ihn, worauf Gott ein Strafgericht über das Hause Eli ankündigte.

3. Eli, sollte auf Geheiß Gottes Samuel zum Priester ausbilden. Nachdem Samuel gereift war, sollte Eli ihn als Propheten einsetzen und Gott wiederholte sein Strafgericht über Elis Haus.

4. Nachdem Israel den Kampf gegen die Philister verloren, glaubten sie mit Hilfe der Bundeslade siegen zu können, aber erneut verloren sie. Und die Philister raubten die Bundeslade (Heiligtum) und auch die Söhne Elis starben im Kampf. Das Volk war sehr betrübt über den Verlust der Bundeslade und entsetzt darüber starb der Priester Eli.

5. Der Besitz der Bundeslade brachte den Philistern nur Unheil und egal wohin sie die Kiste brachten, löste sie Krankheiten (Beulenpest) und Tod aus.

6. Die Philister gaben daraufhin die Bundeslade an der Grenze zurück und waren sogar bereit eine Sühnegabe in Gold zu errichten. Die Bundeslade kam somit nach Kirjaht-Jearim.

7. Das Volk Israel beklagte sich darüber, doch Samuel erinnerte das Volk an seine Sünden, dass für die Bundeslade nicht würdig sei. Daraufhin entfernte das Volk alle fremden Götzen und legte alle heidnischen Einflüsse ab und fasteten, um die Gunst Gottes wiederzuerlangen. Gott erhörte sie und erlaubte die Bundeslade zurückzuholen. Doch griffen die Philister erneut an und Samuel stärkte das Selbstvertrauen des Heeres und mit Gottes Unterstützung besiegten sie die Philister und trieben sie anschließend aus ihren Land und eroberten alle Städte zurück. So war und blieb Samuel ein großer Richter, der zugleich Prophet war. Die Bundeslade wurde aber doch nicht geholt (laut 2 Sam 6).

Samuel und Saul

8. Der alt gewordene Samuel setzte seine Söhne als Richter ein, aber sie beugten das Recht und bevorteilten sich. Der Ältestenrat forderte daraufhin einen König, aber Israel hatte doch schon in Gott einen König. In Rücksprache mit Gott, gab er dem Wunsch des Volkes nach. Samuel klärte das Volk über die Konsequenzen eines Königtums auf.

9. Saul sollte entlaufene Eselinnen wieder einfangen und seine Suche führte ihn zufällig zu Samuel. Aber Gott hat den Weg geführt und Samuel instruiert. Samuel nahm sich seiner an, segnete ihn und als beim Opfermahl das beste Fleischstück für ihn übrig blieb, wusste Samuel, dass Saul der Auserkorene ist. Ein Opfermahl mit dem besten Fleischstück für den König, ist typischer Einsetzungsbrauch für einen König.

10. Saul wurde zu Orten geschickt, um sich als zukünftiger König preisen zu lassen und Samuel warnte ihn davor, nicht überheblich zu werden. Saul besuchte seinen Vater und erkundigte sich, ob ihm die verlorenen Eselinnen zurückgeführt wurden. Nach dem Reglement versammelte sich dann das Volk, um einen König auszulosen. Gott beeinflusste die Auslosung und es wurde Saul gewählt und das Volk jubelte ihm zu.

11.  Nachdem die Ammoniter die Oberherrschaft Israels nicht anerkennen wollten, rief Saul die Truppen zusammen und siegte glorreich über die Ammoniter. Bisher war Saul vom Status her ein Richter, aber nun wollte ihm das Volk in Gilgal eine Königsstadt bauen.

12.  Saul nahm nun sein Amt als Regent war und Samuel trat von seiner Richterfunktion zurück. In seiner Rede erinnerte er das Volk an Gottes Taten und kritisierte es wegen dem Königswunsch und mahnte König und Volk, nicht Gottes Wege zu verlassen.

13.  Jonathan, der Sohn Sauls, erschlug die Besatzer von Gibea, worauf die Philister ein Heer gegen Israel schickten. Saul sammelt sein Heer bei Gilgal und wartete auf Samuel, der ein Zeichen Gottes mitbringen sollte. Doch je länger das Volk wartete, desto größer wurde ihre Angst vor den Philistern und flohen aus Gilgal. Saul brachte daraufhin Gott ein Brandopfer dar, um die Kämpfer zu halten. Als Samuel kam, rügte er die schwere Sündevon Saul. Saul war nicht berechtigt Gott ein Opfer darzubieten und damit das Volk zu täuschen, dass Gott mit ihnen ist. Samuel wirft dem König vor, Gottes Gunst herbeizwingen zu wollen. Es soll in dieser Geschichte deutlich werden, dass die Mächtigen (Könige, Regenten) dazu neigen Gott zu ihrem Handlanger zu machen und Gott für ihre Zwecke missbrauchen, ohne real die Gunst Gottes zu besitzen. Sauls Ungeduld auf  Samuel zu warten, ist zugleich ein Scheitern in der Zuversicht zu Gott. Gott braucht kein großes Heer, um zu Siegen, somit hat Saul die Probe Gottes nicht bestanden.

14.  Jonathan gelingt ein nächtlicher Überraschungsangriff und wird von Gott mit einem Erdbeben unterstützt. Panisch beginnen die Philister zu fliehen und Saul gibt Befehl ihnen vernichtend nachzujagen. Nach dem großen Sieg verbietet Saul seinem Volk dass Essen, um somit seine Sünde auszugleichen (vorzeitiges Opfermahl). Jonathan, der mit seinen Leuten nichts von dem Verbot wusste, naschte genüsslich Honig. Saul musste aufgrund seiner Order ihn zum Tode verurteilen, doch das Volk löste ihn aus. Nach Gottes Gesetz konnte der mehrheitliche Wille des Volkes ein Urteil aufheben (Auslösen). Es zeigt sich auch, wie zerrissen Saul ist. Einerseits will er alles richtig machen, aber anderseits ist seine Frömmigkeit eher eine Gefahr für Israel. Dagegen wird der Heldenmut von seinem Sohn Jonathan belohnt. Abschließend werden im Kapitel weiter Kämpfe aufgelistet und die nachkommen Saul aufgeführt.

15.  Saul wird beauftragt das Volk Amalek (Überfall in der Wüste) auszurotten. Saul verschonte den Amalek-König und wertvolles Vieh. Samuel verkündet Saul daraufhin Gottes Zorn, aber Saul rechtfertigte seine Tat. Der Amalek-König sollte in Gilgal vor dem Volk gerichtet werden und das Vieh zu ehren Gottes geopfert werden. Samuel machte Saul klar, dass er nicht den Auftrag Gottes erfüllt habe und ihm somit Gottes Königsgunst entzieht. Nachdem Samuel persönlich den Amalek-König richtete, zog er fort von Saul und wollte auf Geheiß Gottes einen besseren König suchen.

Nachbetrachtung: Die Autoren versuchten in der Saulgeschichte den König negativ darzustellen. Doch eigentlich ist Saul eine bemitleidenswerte Persönlichkeit, die alles richtig machen wollte und doch alles falsch machte. Einerseits wollte er Gott dienen und anderseits dem Volk. Letztendlich ist es sein mangelndes Selbstbewusstsein, dass ihn ins Schwanken brachte und er keine klare Linie durchsetzen konnte.
Historisch gesehen, war Saul (sofern es ihn gab) ein Wahlkönig, mit begrenztem Handlungsspielraum und in der Rechenschaft zum Rat der 12-Stämme. Ihm stand nur eine begrenzte Zahl von Kriegern zu Verfügung und in Kapitel 13 wird auch erstmalig die schlechte Bewaffnung der Truppe angedeutet. An dieser Stelle sei noch einmal vermerkt, dass die Darstellungen der Autoren stark übertrieben sind und historisch erhebliche Zweifel  an die vielen Kämpfe bestehen. Vom Ursprung her, brauchten Viehnomaden keine Waffen und ein umherziehendes Volk hatten daher auch keine Schmiede. Nur über den Handel konnten sie Werkzeuge erwerben und an Waffen kamen sie nur, durch getötete Krieger (Philister, Kanaanäer).
Vermutlich (Historiker) wurde das Volk Israel erst mit König Saul sesshaft. Doch immer wenn etwas Neues entsteht, regiert zunächst das Chaos, bevor sich stabile Strukturen bilden.
Da ihr Hauptsitz im Einflussbereich der Philister lag, waren sie vermutlich auch deren Vasallen. Denkbar ist, dass die Philister den Israelis sogar Waffen gaben, damit sie für die Philister gegen aufmüpfige Kanaanäer kämpften, inklusive Sonderrechten. Angemerkt sei, dass die Philister eine Handelsmacht waren und deshalb nur daran interessiert waren ihren Einflussbereich zu kontrollierten, zumal sie militärisch allen im Jordanland überlegen waren.

Samuel und David

16. Gott schickte Samuel nach Betlehem, wo er ihm den neuen König zeigen wollte. Unter dem Vorwand einer Opferzeremonie (um Sauls Spione zu täuschen) ließ sich Samuel die Söhne von Isai zeigen. Auf den jüngsten Sohn David, der gerade die Schafe hütete, fiel die Wahl Gottes und Samuel salbte (ritual für Gottes Gunst) ihn. Inzwischen wurde Saul zu einen verbitterten König, weil Gott nicht mit ihm war. Seine Berater schlugen ihm einen Gesellschafter vor, der ihn auf andere Gedanken bringen sollte. Die Wahl fiel auf David, weil er auch Harfe spielen konnte. David schaffte es Saul zu erfreuen, worauf Saul zu David freundschaftliche Gefühle entwickelte.

17. David und Goliath: Erneut zogen die Philister gegen Israel. Vor der Schlacht trat ein Riese (=kampfstarker Vorkämpfer der Philister) und forderte einen Zweikampf gegen einen Kämpfer Israels (üblicher antiker Vorkampf zur moralischen Stärkung, häufig streckte daraufhin, dass unterlegene Heer seine Waffen). Zufällig kam David daher und wollte seinen Brüdern etwas zum Essen bringen. David hörte, wie der Koloss Goliath Israel provozierte und Gott beleidigte. Daraufhin bat David König Saul um die Erlaubnis gegen den Riesen Goliath kämpfen zu dürfen. Nachdem Saul mit großen Bedenken einwilligte, ging David ohne Rüstung und nur mit einer Steinschleuder bewaffnet auf Goliath zu. Der übermächtige Kämpfer fühlte sich verhöhnt und wollte David zerschmettern, aber David streckte ihn mit einem Steinwurf nieder und nahm anschließend Goliaths Schwert und tötete ihn. Beeindruckt davon, flohen die Philister vom Schlachtfeld und auch Saul wollte nun mehr über Davids Herkunft wissen.

18. David sollte nun im Palast von Saul wohnen, der sich dort mit Jonathan anfreundete. Als Heerführer errang David große Erfolge und die Frauen sangen Loblieder über ihn. Saul wurde neidisch und trachtete David nach dem Leben. Saul schickte deshalb David ins Heerlager (zur Schlacht) und hoffte auf seinen Tod durch die Philister, denn er wollte nicht schuldig werden. Davids Ruhm stieg und Saul entwarf den Plan, David mit seiner Tochter Michal zu verheiraten, aber nicht nur um sein Haus aufzuwerten. David sollte als Brautpreis, die Vorhäute von 100 Philistern bringen. Statt dem erhofften Tod kam David mit 200 Genitalien zurück. Saul sah Gottes Gunst gegenüber David und hasste ihn noch mehr.

19. Saul überzeugte seine Getreuen davon, dass David eine Gefahr für das Reich sei und beschloss ihn töten zu lassen. Jonathan warnte jedoch David und schaffte es seinen Vater umzustimmen. Doch Davids Erfolge gegen die Philister schürten erneut den Hass. Ein Anschlag auf David scheiterte und er floh, doch Saul setzte ihm nach. Seine Frau Michal gelang es rechtzeitig David vor den Schergen Sauls zu warnen. Und als David bei Michal war, standen die Wachen bereit, um David zu verhaften, aber mit einer List (Götzen-Attrappe) täuschte Michal sie und David konnte fliehen. Er floh nach Rama zu Samuel, aber Saul ließ ihn verfolgen. In Respekt vor dem heiligen Ort wagte es keiner David zu verhaften. So kam Saul selbst, aber auch er bekam Gewissensbisse und nahm lediglich am heiligen Ritual teil.

20. David und Jonathan versicherten sich ihre gegenseitige Freundschaft und konnten beide Sauls Hass nicht verstehen. Saul beschimpfte schließlich seinen Sohn wegen der Freundschaft zu David. Um sich nicht gegenseitig zu gefährden trennten sich Jonathan und David.

21. David ging zum Priester Ahimelech und ließ sich dort Rüstzeug und Nahrung für seinen weiteren Weg geben. Er kam ins Land der Philister, aber in Gath erkannten sie ihn, worauf er einen Geisteskranken mimte und nicht getötet wurde.

22. David floh schließlich in die Berge, wo sich Rebellen um ihn sammelten. Auf Raten der Priester zogen sie nach Judäa, wo sie sicherer leben konnten. Inzwischen beschuldigte Saul die Priesterschaft um Ahimelech dem Hochverrat. Da sich die Soldaten weigerten die Heiligen Männer zu töten, übernahm der Edomiter Does die Aufgabe, zumal der Priester Ahimelech seine Beute (das Schwert Goliaths) David gab. 

23. Es ergab sich, dass David die Stadt Kegila vor einen Angriff der Philister beschützte. Als Saul davon erfuhr schickte er Truppen, um David gefangen zu nehmen. David gelang die Flucht und begegnete in der Wüste Jonathan. Erneut bekundeten sie ihre Freundschaft, doch im Gefolge Jonathans war ein Verräter und so konnten die Truppen Sauls David einkesseln. Glücklicherweise erfolgte ein Angriff der Philister und Saul musste seinen Plan abbrechen und die Umzinglung auflösen.

24. Nachdem Saul die Philister besiegt hatte, jagte er weiter David hinterher. Saul wollte sich in einer Höhle ausruhen, aber in ihr versteckten sich David mit seinen Leute. Sie hätten Saul töten können, aber David hielt sie zurück und schenkte Saul das Leben. Er wollte kein Königsmörder sein und zudem seine Treue zum König beweisen. „Was hab ich dir getan?“, wollte David wissen, der sich keiner Schuld bewusst war. Stattdessen gab sich Saul als Sünder vor dem Herrn, ohne David seinen Neid einzugestehen, der von Gott Gesalbte zu sein.

25. Abigail: Zurzeit als Samuel starb, schickte David seine Leute zum Nabal, um nach etwas Nahrung zu bitten, zumal David das Land schützte (kein Schutzgeld). Der Geizkragen verwehrte ihnen den Wunsch, worauf David einen Überfall befahl. Abigail, die Frau Nabals, erfuhr davon und machte sich mit Geschenken zu David auf den Weg. Sie wollte damit nicht ihren Mann retten, aber die vielen unschuldigen Menschen, die beim Angriff hätten sterben müssen. Ergriffen von den Geschenken, den Worten und der Schönheit Abigails, verschonte David das Anwesen. Abigail erzählte ihrem Mann von ihrer Tat, dessen Herz verbittert zu Stein (Herzattacke) wurde und kurzdarauf verstarb. David warb daraufhin um Abigail, die gerne seine Frau wurde.

26. Wieder ließ sich Saul vom Hass leiten und jagte erneut David. David gelang es jedoch ins Heerlager von Saul einzudringen und hätte ihn erneut töten können, doch wieder scheute er sich davor, den rechtmäßigen König zu töten. In sicherer Entfernung machte er stattdessen lautstark den Wachen Vorwürfe, die ihren König schlecht bewachten. Und wieder wandte sich David an Saul und wollte wissen, worin seine Schuld lag, doch Saul wich erneut aus. Wieder bereute Saul seine Sünde, doch David traute den Worten nicht.

27. Um der Verfolgung Sauls zu entgehen floh er ins Philisterland, vermutlich erkannte man ihn dort nicht gleich oder er konnte glaubhaft seinen Hass gegenüber Saul vermittelnDavid wurde ein Vasall von König Achis, von Gath und erhielt mit Ziglag einen eigenen Verwaltungsort. David bekämpfte für die Philister nur Widersacher, die auch für Israel Feinde waren.

28. David ist bereit mit den Philistern gegen Israel zu kämpfen. Angesichts der Bedrohung sucht Saul Hilfe bei einer Totenbeschwörerin, da Samuel Tod ist und Gott nicht zu ihm spricht. Bisher ließ Saul (Gottes Gebot) jene töten, die dunklen Mächten nachgingenDie Hexe rief den toten Samuel, der zornig auf Saul wurde und ihm sagte, dass er von Gott keine Hilfe zu erwarten hatte. So verschrieb sich Saul den dunklen Mächten (Hexenmahl).

29. Die Fürsten der Philister klärten König Achis über David auf, doch der König vertraute weiterhin David, dennoch kam er der Forderung der Fürsten nach und schickte David fort.

30. Inzwischen hatten die Amalekiter Davids Stadt Ziklag zerstört und Frauen und Kinder mitgenommen. David verfolgte sie und mithilfe eines Ägypters fanden sie das Lager der Amalekiter. David befreite die Gefangenen und tötet die Feinde. Als es um die Beuteaufteilung ging, verfügte David eine neue Rechtsordnung (Staatsrecht). Nicht wie bisher (Räuberkodex), wurde die Beute unter den Kämpfern aufgeteilt, sondern unter allen, die zu Davids Volk zählten.

31. In der Schlacht mit den Philistern starben Sauls Söhne, darunter auch Jonathan. Schwerverletzt tötete sich Saul selbst, um nicht von den Feinden gedemütigt zu werden. Nachdem die Philister die Leichen zur Schau stellten, raubten die Israeliten die Toten und erwiesen ihnen (König & Söhne) die Totenehrung (salben, begraben, trauerfasten).

Mit Sauls Tod wurde in der biblischen Überarbeitung der 1. Teil beendet. Inhaltlich umfasst das Buch die Ereignisse rund um den lebenden Samuel, einschließlich der Zeit seines Todes. Obwohl Samuels Tod mehr beiläufig erwähnt wird, bildet sie eine inhaltliche Klammer. Den Schwerpunkt des Buches bilden jedoch die Personen Saul und David, die beide von Gott auserwählt wurden. An Saul zeigt sich, wie sich die Königwürde sündhaft auf ihn auswirkt und lässt Befürchtungen für David anklingen. Doch noch ist David der glorreiche Held und bei Saul werden die Schriftgelehrten nicht müde, ihn negativ darzustellen.
Und immer wieder klingen die Warnungen von Samuel (8) über das Königtum an. Saul hat sich von den Verführungen des Königtums leiten lassen und Gottes Zuspruch deshalb verloren. In diesem Sinne ließen die Schriftgelehrten Jonathan sterben, um die Königsnachfolge nicht zu komplizieren, weil der Geist Sauls in Jonathan wohnte.
Der 2. Teil versteht sich nun als Folge im Geiste Samuels, ob David der bessere König wird und den Verführungen der Macht wiedersteht oder auch sündigen wird.

Anmerkung: Verstärkt taucht hier der Begriff Zebaoth auf und versteht sie als Gottes -Attribut, im Sinne von „Allmächtiger“, abgeleitet von „Heerscharen, Heeresmacht“.