9. D. Kirchengeschichte Teil 2

4. Reformation / Protestanten   (1500 - 1700)

Anmerkung: Der erste Teil widmete sich den Anfängen der Christenheit über die kirchliche Weltmacht im Mittelalter bis zur Protestantischen Bewegung (Luther).

Teil 2 setzt die Kirchengeschichte, mit nachfolgenden Themen weiter fort:
der neue Zeitgeist und Wissen (Plattenweltbild) - - - Aufstrebendes Bürgertum (Revolution in England) - - - Zeitalter des Fortschritts (zwischen Absolutismus zur französischen Revolution) - - - das neue Elend (Kolonialisierung, Arbeitslosigkeit, Ausbeutung) - - -  die Gegenwart (Sozialismus, Atheisten, Rückgang der Christen

Der neue Zeitgeist

Die protestantische Reformationsbewegung bewirkte, dass nun auch die weltliche Wissenschaft sich freier entwickeln konnte. Das aber führte dazu, dass Erkenntnisse an den Grundfesten des Glaubens rüttelten. Zu einem besonderen Streitpunkt eskalierte die Erdkugeltheorie. Nach der bisherigen Glaubensauffassung musste die Erde eine Scheibe sein, um die sich alle Gestirne drehen, da der Mensch, durch Gott die Krönung der Schöpfung war. Der Mensch musste daher im Mittelpunkt auf einer Scheibe stehen, da eine Kugelform abwegig war und da Gott alle Gestirne machte, mussten sie sich um die Erde drehen. Nach der biblisch begründeten Glaubensvorstellung konnte dies nur so sein und alles andere waren ketzerische Behauptungen.

Kurz - Information: zur Erdkugeltheorie

In der griechischen Antike gab es Gelehrte, wie Aristarchos von Samos (um 300 v. Chr.) und  Seleukos von Seleukia (190 v. Chr.), die das heliozentrische Weltbild begründeten. In der Kernaussage gingen sie von der Sonne als Zentralgestirn aus. Somit drehten sich alle Himmelskörper, um die Sonne, also auch die Erde und musste demzufolge eine Kugelform haben. Bereits in der Antike wurde diese Theorie heftig kritisiert und stattdessen das geozentrische Weltbild favorisiert. Besonders Aristoteles (um 320) stützte die Theorie, von der Erde als Mittelpunkt des Universums.
In der Folgezeit setzte sich das geozentrische Weltbild durch, wobei es unterschiedliche Auffassungen gab, inwiefern die Erde eine Kugel war. Mit der mittelalterlichen Macht der Kirche rückte die Scheibentheorie in den Vordergrund. Von nun an galt die Erde als feststehende Scheibe, um die sich alle Gestirne drehten. Es gab aber immer wieder Gelehrte, wie Roger Bacon (um 1260) und Pierre d’Ailly (um 1400), die von einer Kugelform der Erde ausgingen, aber nicht das geozentrische Weltbild bestritten. Die Gelehrten Kopernikus (1543) und Kepler (um 1610), zogen sich aber, mit Argumenten für ein heliozentrisches Weltbild, den Zorn der Kirche zu. Die Macht der Kirche war inzwischen begrenzt, da sich zunehmend der weltliche Adel gegen die Bevormundung der Kirche wehrte und die Kirche unnötige Konfrontationen vermeiden wollte. Zudem wurden Aussagen entgegen der Scheibentheorie vom Volk als lächerlich empfunden. Sogar Martin Luther betitelte Kopernikus als "Narren".
Dennoch ließen sich Adlige von fundamentierten Erkenntnisse überzeugen. Das spanische Königspaar unterstützte beispielsweise Christoph Kolumbus, bei dem Wagnis, einen westlichen Seeweg nach Indien zu finden. Nach Meinung der Kirche würden die Schiffe mit Kolumbus im Westen von der Erdplatte herunterfallen. Der König hoffte aber auf die Kugeltheorie und versprach sich große Gewinne und ließ Kolumbus 1492 segeln. Wie sich aber herausstellte, entdeckte Kolumbus nicht Indien, sondern Amerika. Erst der Portugiese Ferdinand Magellan, der ebenfalls einen Seeweg nach Indien suchte, umsegelte 1519 tatsächlich die Welt und wies eindeutig nach, dass die Erde eine Kugel sein musste.
Der italienische Astronom Galileo Galilei verärgerte um 1620 die Kirche, als er umfangreiche Himmelsforschungen betrieb und dabei stichhaltige Beweise für ein 
heliozentrisches Weltbild fand. Inzwischen tobte der 30-jährige Krieg und die katholische Kirche wollte Zeichen setzen und forderte Galileo auf seine Theorie zu widerrufen. Um 1633 wurde Galileo der Prozess gemacht und unter Androhung der Todesstrafe wiederrief er seine Lehre. Doch mit dem Ende des 30-jährigen Krieges schwand auch die Macht der katholischen Kirche. Es entstanden nunmehr weltliche Universitäten, die zwar mehrheitlich aus aristokratischen Studenten bestand, aber im Laufe der Zeit öffneten sich die Lehranstalten dem Bürgertum.
In jenen Universitäten wurde Wissen kontrovers diskutiert und auch das
heliozentrische Weltbild wurde in Betracht gezogen, aber erst um 1900 ersetzte das Weltbild, die geozentrischen Weltsicht.

Der Umbruch
Weltliche Universitäten trieben die Forschung und Wissenschaft voran und der erfundene Buchdruck ermöglichte eine schnelle Vervielfältigung und Verbreitung. Damit verbunden waren verstärkt Konflikte mit der Glaubenssicht und die christlichen Kirchen gerieten in Erklärungsnöten. Zudem entstanden explosive Spannungen zwischen den christlichen Kirchen, da jede Kirche die Glaubensakzente anders interpretierte und sich schon gar nicht dem Papst unterwerfen wollte. 
Zwischen 1642 -1645 entbrannte in England die Frühbürgerliche Revolution und stellte die Weichen für eine neuen Ära. Bereits 1534 richtete Heinrich VIII. die anglikanische Staatskirche ein und trennte sich provokatorisch von Rom. Neben gestiegenen Kirchensteuern, erklärte der Papst die Ehe von Heinrich mit Anne Boleyn für ungültig. Die Kirche wollte damit ihre Macht demonstrieren, gegenüber einem abtrünnigen England, aber das Volk stand hinter dem König. Die Anhänger von der Glaubenslehre von Wyclif ersetzten das katholische Glaubensdiktat. Nach dem Tod von Heinrich versuchte die Nachfolgerin Maria I., den Einfluss der katholischen Kirche wiederherzustellen. 1558 übernahm Heinrichs rechtmäßige Tochter Elisabeth I. den Thron und ging wieder auf Konfrontationskurs zum Vatikan und brach 1573 endgültig mit dem Papst und förderte die calvinistische Bewegung. Unter ihrer Herrschaft blühte das Land auf und stieg zur Seefahrernation empor. Im Konflikt mit Spanien wurde deren Armada vernichtend geschlagen und England wurde eine Eroberungsnation. Im Jahre 1603 starb Elisabeth und damit verlor das Parlament seinen Einfluss. Bereits seit 1215 hielten sich die Könige einen Beraterstab, der sich unter Elisabeth vergrößerte und zum Parlament wurde. Die folgenden Könige beschränkten den Einfluss des Parlaments und manövrierten das Land in Kriege, die viel Geld kosteten und das Land ins Elend führten.
Neben den 30-jährigen Krieg, führte England Krieg gegen Spanien und Schottland. Der Unmut stieg und das entmachtete Parlament entfachte den Bürgerkrieg. Royale und parlamentarische Adlige wurden zu Konfliktparteien. 1645 wurde die Monarchie beseitigt und General Oliver Cromwell setzte die parlamentarische Macht im Land durch und ließ 1649 den König hinrichten.
England kam jedoch nicht zur Ruhe, weder innenpolitisch als auch außenpolitisch. Bis zum Tod von Oliver Cromwell (1558) befand sich das Land in Kämpfen. 1660 beschlossen die Generäle Monck und Fairfax die Wiederherstellung der Monarchie, beschränkten aber die Rechte des Monarchen. Daraus entwickelte sich die konstitutionelle Monarchie, die dem Parlament die Regierungsmacht sicherte. Auf dieser Grundlage konnte sich in England das Bürgertum entwickeln und neben dem Adel schafften es auch angesehene Personen (Kaufleute) in den hohen Rat (Parlament). Forschung und Wissenschaft entwickelten sich und Maschinen erhöhten die Produktion. War das restliche Europa Landwirtschaftlich orientiert, so wurde in England das technische Zeitalter eingeläutet. England stieg zur Weltmacht auf und begann mit der Kolonialisierung der neuen Welt.
Mit der Kolonialisierung eröffnete sich für die katholische Kirche ein neues Missionierungsfeld. Schon mit den spanisch-portugiesischen Eroberungen begann die Kirche die "Barbaren" Südamerika zum Glauben zu bekehren. Die Art und Weise wie die Bewohner der "Neuen Welt" zum Glauben gezwungen wurden, waren fernab jeglicher Christlichkeit, nur weil die heidnischen Kulturen ihre Gottheiten nicht aufgeben wollten. Mit Hilfe der spanischen und portugiesischen Eroberer (Militär) wurde mit erbarmungsloser Gewalt die Missionierung der Ureinwohner durchgesetzt. 
Nicht anders sah die Missionierung in Nordamerika, Afrika und Asien aus. Überall, wo das koloniale Joch herrschte, dort herrschte auch die Kirchliche Gewalt. 

5. Zeitalter des Fortschritts (1700 - 1900)

Mit dem Aufblühen des Kapitalismus erlebte in England die Wissenschaft und Technik einen enormen Aufschwung. Die calvinistische Staatskirche verlor zunehmend ihren politischen Einfluss und musste sich auf Glaubensverkündigung, Seelsorge und die Hilfe gegenüber leidenden Menschen zurückziehen. Trotz der nun primär seelsorgerischen Ausrichtung agierte die Kirche als Wächter der Gesellschaft und einem christlichen Regierungskurs.
In Europa versuchten die katholischen, aber auch die evangelischen Kirchen, über die Gesellschaft Einfluss zu nehmen. Über die feudalistische Machtstruktur unterstützte der Adel die Ideale der Kirche, da der Glaube für die Aristokratie eine Säule ihrer Macht war. Demzufolge ließ sich der Adel für die Interessen der Kirche einspannen. Das äußerte sich besonders in der Verfolgung von ketzerischem Gedankengut. Die Kirche blockierte auf diese Weise erneut ein progressives Denken und behinderte den wissenschaftlichen Fortschritt. Eine kapitalistische Wirtschaft entwickelte sich daher schleppend und auf den Universitäten wurde Wissen wieder durch den christlichen Glauben zensiert.
Politisch steuerte die ehemalige Supermacht Spanien in der Krise, dafür stieg Frankreich zum katholischen Vorzeigestaat auf. Unter Ludwig XIV. (1638-1715) wurde Frankreich zur Supermacht zu Lande und auf dem Meer. Ludwig, der Sonnenkönig, praktizierte einen absolutistischen Regierungskurs, wodurch die Kirche wieder erheblich an Einfluss gewann. Zum Zeichen seiner Größe ließ er das Prunkschloss Versailles errichten. Die neuen Machtstrukturen machten ihn zum uneingeschränkten Herrscher und die luxuriöse Lebensart wurde beispielgebend für die anderen Monarchen in Europa. Der französische Lebensstil wurde von der Aristokratie in Europa kopiert und deshalb versuchte man auch französisch zu Reden.
Die katholische Geistlichkeit benutzte ihre wiedergewonnene Macht für ihre Ziele. In Frankreich konnten sie den Sonnenkönig Ludwig dazu bewegen, die letzten Hugenotten (Protestanten) aus Frankreich zu vertreiben. Aber die ständigen Grenzkämpfe, das Gerangel mit England um die Seeherrschaft und vor allem die Verschwendungssucht des Adels steuerten das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. Auf den Rücken der Bürger wurde der Staatsruin ausgetragen und beim Volk griffen Not und Elend um sich. Die Kirche versuchte das Volk im Sinne des Adels zu besänftigen. Nach dem Tod des Sonnenkönigs eskalierte die Situation und kam es zu Unruhen und Aufständen, die zunächst gnadenlos niedergeschlagen wurden.
1775 investierte Frankreich in den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, um den Erzfeind England einen schweren Schlag zu versetzen. Doch die Hilfe für die Rebellen kostete viel zu viel Geld. Damit nicht genug, wurde Frankreich von einem schweren Winter und Missernten geplagt. Die umgreifende Hungersnot brachte das Fass zu überlaufen. Es war inzwischen egal, ob man an Hunger oder an einer Kugel starb. Ein Aufstand war die bessere existenzielle Alternative.
Mit der französischen Revolution (1789) setzte das Volk einen Schlusspunkt unter den Absolutismus und deren katholischen Lakaien. Mit unbändiger Wut wurden zahlreiche Adlige und katholische Priester vom Volk gelyncht. In den Wirren der Revolution regierte zunächst das Chaos im Lande, da man verschiedene Regierungsformen ausprobierte. Die radikalen Jakobiner stemmten sich gegen jegliche aristokratischen Modelle und setzten das bürgerliche Parlament durch und versuchten das Land zu ordnen. Unter ihrer Herrschaft war die Guillotine (Köpfungsapparatur) im Dauereinsatz, unter anderem auch Aristokraten  und katholische Geistliche. Schätzungsweise wurden 20.000 Personen in Paris hingerichtet, auf dem Land und in den anderen Städten vermutlich deutlich mehr, zumal eine Vielzahl der Lynchjustiz zum Opfer fiel.
Im Namen der Kirche, wurden die europäischen Mächte zum Krieg gegen die „teuflische“ Bürgerregierung Frankreichs aufgefordert. Die Aristokratie sah zudem in der französischen Revolution die Gefahr eines Flächenbrandes. Österreich, Preußen, Spanien und die Niederlande schickten Truppen um die Revolution zu beenden. Mit enthusiastischen Siegeswillen und einer unbeugsamen Kampfbereitschaft wurden die Eindringlinge von der Bürgerarmee zurückgeschlagen. Neben einigen Militärstrategen tat sich besonders Napoleon Bonaparte hervor, der auch politisch in Erscheinung trat. Mit Hilfe seiner Befürworter beruhigte er innenpolitisch die Nation und stabilisierte die Macht. Man krönte ihn zu Kaiser und seine militärischen Erfolge zwangen Europa zum Einlenken.
Das durchtriebe Spiel der europäischen Mächte veranlasste Napoleon zu einen europaweiten Krieg (Spanien, Preußen, Russland). Irgendwie hoffte Napoleon den Geist der französischen Revolution auf den Kontinent tragen zu können, doch nur wenige ließen sich begeistern. Die Mehrheit der eroberten Völker sahen in den Franzosen die Eroberer und damit den Verlust der Heimat. Besonders die Kirche schaffte es das Volk gegen die Eroberer aufzuwiegeln. Für die Kirche waren die Franzosen Diener des Teufels und sie brachten grausige Horrorgeschichten in Umlauf.
Demnach befanden sich die Franzosen im Blutrausch Satans, die willkürlich mit großer Lust Frauen und Kinder töteten und jegliche Ordnung Gottes zerstören. Als Beleg diente ihnen die Berichte über die Hinrichtung ihres rechtmäßigen König und die zahlreichen Gottesdiener. Die Hetze gegen die Franzosen verfehlte nicht ihre Wirkung. Der aufflammende Wiederstand bewirkte ein härteres Durchgreifen der französischen Truppen, wodurch sich die Kirche in ihrer Meinung bestätigt sah. Überzogene Geschichten über die französischen Gewaltmaßnahmen machten die Runde und verstärkten den Wiederstand. Russland und England waren jene Mächte, die den Wiederstand in Europa maßgeblich stützten. Napoleon hoffte mit einer Invasion in Russland, dem Wiederstand einen entscheidenden Schlag zu versetzen und England isolieren zu können. Der Russland-Feldzug erwies sich als ein schwerer Fehler. Die stark dezimierte Armee wurde nun aus den besetzten Gebieten vertrieben. Frankreich war inzwischen so stark ausgeblutet, dass die Alliierten (England, Preußen, Russland) die Republik fast kampflos eroberten und Napoleon verbannten. Eine Rückkehr von Napoleon endete in der Schlacht von Waterloo und der erneuten Verbannung.
Die bürgerliche Revolution wirkte gescheitert, doch im Hintergrund rumorte es. Studenten und Gelehrte griffen die Ideale der französischen Revolution auf und auch das Bürgertum fühlte sich vom Feudalismus eingegrenzt. 1848 brachen in vielen Ländern bürgerliche Revolutionen aus und auch in Frankreich wurde erneut die Republik ausgerufen. In den meisten Fällen wurden die Aufstände niedergeschlagen, da sich das Bürgertum im Hintergrund mit der Aristokratie arrangierte. Eine Volksregierung lag nicht in Interesse der Bourgeoisie, ihnen reichten Zugeständnisse des Adels wirtschaftlich frei handeln zu können. Im Rahmen des Paktes musste auch die Kirche Kompromisse eingehen. Die katholische und evangelische Kirche befürchteten, dass mit dem Aufschwung der Wirtschaft und dem damit verbundenen Fortschritt der Glaube gefährdet sein könnte. Doch dies war die bessere Alternative, statt bei einer Volksherrschaft völlig den Einfluss zu verlieren. Der Rückzug des Bürgertums verursachte das Scheitern der Revolution und hat damit zahlreiche sinnlose Opfer zu verantworten.
Positiver Effekt war jedoch das Aufleben von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Durch den neuen Geist gab es für die Kirche viel zu tun. Eine Reihe von Philosophen wagte es biblische Lehren oder Aussagen in Frage zu stellen. Charles Darwin erregte besonders mit seiner Abstammungstheorie (1871) nicht nur die Öffentlichkeit, sondern zog sich einen wütenden Protest der Kirche zu. In der Evolutionstheorie behauptete Darvin, dass der Mensch vom Affen abstamme. Mit Darwins Theorie wurde gleichzeitig die Schöpfung Gottes bestritten. Lange Zeit wurde die Evolutionstheorie der Lächerlichkeit preisgegeben, aber in wissenschaftlichen Kreisen, wurde er als anerkannter Forscher geehrt. Bis zum heutigen Tag akzeptieren einige christliche Sekten nicht die Evolutionstheorie von Charles Darwin.
Durch den Fortschritt geriet die Kirche zunehmend in Erklärungsnöte und es fiel den Geistlichen schwer sich auf den neuen Zeitgeist einzustellen und darauf zu reagieren. Politisch setzten sich Bürgerparlamente durch und übten darüber zielgerichtet politische Macht aus. Aber statt selbst zu regieren, war es üblich aristokratische Regenten zu steuern. Die niedere Aristokratie verlor aber stetig an Macht und mit ihnen die Kirche, zumal die Kirche beim Volk an Vertrauen einbüßte. Der neue Zeitgeist besaß eine Reihe von negativen Erscheinungen. Die neue Arbeiterklasse schuftete unter katastrophalen Zuständen in den Fabriken der Bourgeoisie für wenig Geld. Neu war auch die Arbeitslosigkeit, die den Werktätigen erpressbar machte, für noch weniger Lohn zu arbeiten. Das Elend in den Gettos nahm unerträgliche Zustände an und die Kirche schaute weg oder vertrösteten die Leidenden auf das kommende Gottesreich.
In den Städten verlor die Kirche mehr und mehr an Zuspruch und Karl Marx kritisierte immer schärfer die Kirche als Handlanger der Mächtigen. Katholische -, evangelische - und orthodoxe Kirche schafften es über die ländlichen Gläubigen ihren gesellschaftlichen Einfluss zu bewahren. Zudem kam, dass die Regierungen das Ansehen der Kirche stärkten und sie als geistige Stütze brauchten. Demonstrativ betonten die Herrschenden ihre Regentschaft auf christliche Werte. Die Kirche sollte aber, wie eh und je ihren Zwecken dienen und das Volk hörig machen. Im Gegenzug wurde den Kirchendienern ein gewisser Luxus ermöglicht und durften auch mal oppositionelle Meinungen äußern, um verlorenes Vertrauen zum Volk wieder zu gewinnen. Um 1900 konnte man von einer gleichwertigen Akzeptanz zwischen Kirche und Politik reden.

6. Sozialismus / Umbruch des Denkens (1900 - heute)

„Glaube ist Opium fürs Volk“! Dieses Zitat von Karl Marx wurde zur Grundlage der sozialistischen Theorie, die jegliche Religionen, den Glauben an einen Gott ablehnten. Mit der sozialistischen Bewegung stieg auch insgesamt die Zahl der Atheisten deutlich an. Das neue Elend der Arbeiter und die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft, brachten einige Denker hervor, die ein Modell einer menschlichen Gesellschaftsordnung entwarfen oder versuchten das Menschsein philosophisch zu betrachten. Um 1860 ging Karl Marx einen Schritt weiter und begründete mit Friedrich Engels den wissenschaftlichen Sozialismus. In ihrer Theorie konnte eine menschliche Gesellschaft nur entstehen, indem die alten Strukturen radikal beseitigt werden. Es sollte zukünftig das Volk (Arbeiterklasse) herrschen und die Bourgeoisie sollte sich fügen bzw. mit an einer humanistischen Erneuerung mitarbeiten.
Die Kirche wurde in dieser Ideologie lediglich toleriert, aber auch nur dann, wenn sich der christlichen Glauben zu den ursprünglichen Werten bekennt und beim Aufbau eine humanistischen Gesellschaft mitwirken.
Unter Lenin setzt sich in Russland (1917) ein radikaler sozialistischer Weg zum Kommunismus durch. Das russische Volk lebte in der Zarenzeit, wie kein anderes Volk in Europa, in Hunger, Elend und Pein. Die sozialistische Idee war für sie der letzte Strohhalm für ein menschenwürdiges Leben. Nach jahrelangem Bürgerkrieg setzte sich der leninistische Sozialismus (1925) durch und die dortige orthodoxe Kirche wurde geächtet. Trotzdem die Kirche einen großen Anteil am Elend in Russland hatte, wollte es sich besonders die Landbevölkerung mit Gott nicht verscherzen. Zudem stieß das radikale Vorgehen der Kommunisten auf eine abwartende bis ablehnende Haltung. Im Vergleich zur Zarenzeit stieg zwar das Lebensniveau unter den Kommunisten an, aber die Maßnahmen der Regierung wirkten willkürlich und hartherzig. Das Volk ging deshalb auf Distanz und suchte als Gegenpol den Schutz der Kirche. Aufgrund des hohen Zulaufs zur orthodoxen Kirche mussten die Kommunisten die Kirche tolerieren.
Nachdem zahlreiche geistliche Handlanger des Zarenregimes hingerichtet oder vom Volk gelyncht wurden, hatte sich die Kirche auch neu reformiert. Die neuen geistlichen Kirchenführer stellten die Seelsorge in den Mittelpunkt und erkannten, dass die Ideale von Christen und Kommunisten grundsätzliche Gemeinsamkeiten besaßen. Mit ähnlichen Ideale suchten beide den besten Weg zu einer klassenlosen und humanistischen Gesellschaft. Für den Sozialist blieb jedoch ein imaginäres Gotteswesen inakzeptabel.
In Europa setzte sich die sozialistische Idee zunehmend durch und der katholischen sowie evangelischen Kirche liefen die Gläubigen davon. Doch noch bildeten Kirche und Staat eine Einheit, die sich gegenseitig begünstigte. Fern ab von Europa wurden in den Kolonien der europäischen Mächte, die Menschenwürde mit Füßen getreten. Besonders die katholische Kirche schrieb dort ein weiteres unrühmliches Blatt. Mit der Hilfe der Gewalt der Kolonialtruppen gaben sie ihrer (Zwangs-)Missionierung Gewicht. Den dunkelhäutigen Afrikaner wurde eingeredet, dass ihr Sein vom Teufel gefangen ist und nur über den Glauben befreit werden könnte. Es wurde behauptet, dass nur die Kirche sie auf den richtigen Weg bringen konnte, der jedoch mit viel Leid verbunden sein wird. Mit jener Argumentation rechtfertigten die Rassisten ihre Züchtigungsmaßnahmen und das die dunkelhäutigen Menschen noch unreine und niedere Wesen sind. Mit Lieder und Geschichten wurde in Europa die Angst vor dem schwarzen Mann geschürt, um humanistische Gedanken nicht aufkommen zu lassen. Den dunkelhäutigen Afrikanern wurde das so tief in die Seele eingebläut, dass die Afrikaner heute noch zu Exzessen neigen, um ihre Seele vom teuflischen Einfluss zu befreien, um den Weg zu Gott zu finden. Aufgrund dessen entwickelte sich bei dunkelhäutigen Menschen ein sehr enthusiastisch geprägter Gottesdienst. Jedes Indiz einer empfundenen Läuterung wurde gefeiert, weil man auf den rechten Weg zu Gott war.
Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war geprägt von Gewalt, Unrecht und Not und immer wieder machte sich die Kirche zum Handlanger der Mächtigen. Mit jedem Krieg und dem Elend in der Gesellschaft, verlor die Kirche zahlreiche Gläubige. Viele von ihnen lehnten dabei die Institution Kirche ab, nicht aber den Glauben. Die Zahl der Atheisten stieg enorm an, besonders bei den Kommunisten, den Forschern und Wissenschaftlern. Überall da, wo Wissen das rationelle Denken forderte.  
Der 2. Weltkrieg wurde zum drastischen Wendepunkt, da wieder einmal die Kirchen einen großen Anteil am Leid der Menschen zu verantworten hatte. Abgesehen von einigen mutigen Geistlichen (
Dietrich Bonhoeffer), segneten die Kirchenführer den Krieg und seine Grausamkeiten. Nach dem Krieg war besonders die evangelische Kirche zur Reue (Mitschuld) bereit. Dennoch verloren viele Menschen, besonders Jugendliche, ihr Vertrauen zur Kirche.
Eine Reihe von sozialistische Staaten entstanden, die mit Billigung der Volksmehrheit die Religionen ins Abseits drängten. Aber auch in vielen kapitalistischen Staaten wurde die Trennung von Kirche und Staat endgültig vollzogen. Die Kirche verlor endgültig ihren politischen Einfluss und musste sich auf die Seelsorge beschränken. In den 60er und 70er Jahren sah es so aus, als ob der christliche Glaube zur Randerscheinung werden würde. Durch die Studentenbewegung (1968) und dem Hippiekult, erwachte ein starker Trend zu hinduistische Sekten in Westeuropa. Neue Lebensmodelle in den 70er Jahren und der Punk in den 80er Jahren entfernte die Jugend noch weiter vom Glauben.
In den sozialistischen Staaten war es allerdings dem Umstand zu verdanken, dass die Regierenden keine Opposition zuließen und aufgrund dessen, wurde die Kirche zum Gegenpol. In den kapitalistischen Staaten waren es die jugendlichen Bewegungen, die die alten Werte von Sitte und Moral gefährdeten. Die älteren Bürger drängten die Kirche zum Wächter der Sittlichkeit. 
In Osteuropa, insbesondere in der DDR, wurde die Kirche zu einer wichtigen Oppositionskraft, doch nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft nahm der Zulauf zur Kirche drastisch ab. Dennoch zahlten viele Bürger ihre Kirchensteuern und waren formell Gläubige. Bis auf Weihnachten oder anderen festlichen Anlässen (Hochzeit, Taufe) blieben jedoch die Kirchen relativ leer. Inzwischen sank stetig die Zahl der Christen und bei den offiziellen Mitgliedern ist Glaube eine Randerscheinung. Besonders die evangelische Kirche verzeichnete einen massiven Rückgang an Kirchgängern. Es ist wohl der zu liberale Stil, der die Gläubigen nicht in eine Glaubensgemeinschaft bindet.
Strengchristlichen Gemeinschaften dagegen, dringen mitunter in die Privatsphäre der Mitglieder ein und drängen sie manchmal auf den rechten Weg. Andererseits erfahren sie auch Hilfe durch die Gemeinschaft in allen Lebenslagen. Bekannt für eine verschworene Gemeinschaft sind die Baptisten und Methodisten. Ähnlich funktioniert dass auch bei den Katholiken und Orthodoxen. Deshalb ist auch hier der Rückgang an Gläubigen deutlich geringer, als bei der allgemeinen evangelischen Kirche. Territorial ist man auf dem Lande Gläubiger als in der Stadt und in Deutschland gibt es nach wie vor ein klares Nord - Süd - Gefälle. Protestanten im Norden und Katholiken im Süden. 
Für die Mehrheit ist Kirche nur als schmückender Rahmen Interessant. Eine Hochzeit oder eine Taufe bekommt durch das kirchliche Zeremoniell seine besondere Festlichkeit. Auch der Kirchgang zu Weihnachten macht das Fest zu einem besonderen Event. Kaum einen interessieren da Glaubensinhalte des Predigers, aber man kennt zumindest den biblischen Rahmen. Die europäischen Regierungen geben sich betont christlich und rechtfertigen sich in deren Tradition, aber eigentlich ist ihnen der christliche Glaube egal. Diesen ablehnenden Trend hat die Kirche schon längst erkannt, aber sie steht im Dilemma sich nicht modernisieren zu können. Einerseits würde man damit ein Chaos verursachen, da unterschiedliche Ansätze einer Reformierung nur verwirren und andererseits die bisherigen Gläubigen verärgern würde. Bei der katholischen Kirche kommt noch hinzu, dass besonders in Südamerika der Glaube noch am intensivsten ist, eine Glaubensmodernisierung hätte fatale Folgen.
In einigen Gemeinden werden dennoch Experimente gewagt, doch sofern die Kritik zu stark ist, wird der Versuch sofort abgebrochen. In den letzten Jahren versucht Papst Franziscus (seit 2013), einige starre katholische Erscheinungen zu reformieren und geht auch ansonsten revolutionäre Wege in der katholischen Kirche. Er hat maßgeblichen Anteil daran, dass die Zahl der Gläubigen wieder leicht zunimmt und besonders Jugendliche dazugewinnt.
Zurzeit (2017) befinden sich alle Religionen noch auf Talfahrt. Auch der Islam, der ab den 80er Jahren, auch viele Europäer begeisterte, ist durch den Terrorismus der letzten Jahre in Verruf gekommen. Zahlreiche Muslime werden heute zur Glaubenstreue gezwungen und erpresserisch zu mörderischen Taten gezwungen. In der islamischen Welt sieht das noch etwas anders aus, hier wirkt die europäische Ausbeutung nach, die sie hochtrabend Globalisierung nennen. Jene europäischen Firmen verursachten direkt oder indirekt das Elend der Bevölkerung, besonders in den arabischen Staaten. Perspektivisch gesehen, wird es die religiöse Kirche auch noch in Zukunft geben. Es wird immer Menschen geben, die Hoffnung suchen und bereit sind an ein übernatürliches Wesen zu Glauben, das ihnen helfen könnte. Nur die obersten Religionsführer sollten sich dringend auf einen Gott verständigen und Frieden schließen, zumindest sich gegenseitig tolerieren.
Solange sich Christen, Muslime und Juden um Gott streiten, wird die Menschheit sich vom Glauben abkehren. Und die Menschheit wird sich fragen, ob es überhaupt einen Gott gibt, denn wieso lässt Gott zu, dass sich drei Religionen um ihn streiten, wo er doch ein machtvolles Zeichen setzen könnte (so wie mehrmals in der Bibel).