8. C. Evangelium Johannes

Das Johannes  - Evangelium

Entstehung: 
ca. 80 – 100:  Auf der Basis der Textanalyse, wurden historische Besonderheiten der Gemeinden dokumentiert, die nach dem Jahr 80 relevant waren. Teile des Evangeliums (auf Papyrus) wurden erst 1920 gefunden und auf das Jahr 125 datiert. Aber Ignatius von Antiochia erwähnte das Evangelium, bevor er im Jahr 110 starb und deshalb wird das Jahr 100 als jüngster Zeitpunkt angenommen.

Entstehungsort:
Bis heute ungeklärt. Tendenziell neigen Historiker für einen Ort in Syrien, aber auch Ephesus (Türkei) oder das Ostjordanland wäre möglich. 

Adressaten:
Kategorisch und allgemein an alle Gläubigen gerichtet; sowohl an Heiden, als auch an Juden auf gleicher Glaubensstufe (die fest im Glauben stehen). 

Verfasser und Hintergrundwissen:

Autoren sind vermutlich Schüler des Apostel Johannes, die dem Evangelium den Namen ihres Lehrers gaben oder später nach ihm benannten. Mit der Namensgebung sollte wahrscheinlich der Lieblingsjünger Jesu geehrt werden. Vermutlich wurden aber auch Aufzeichnungen von Johannes benutzt, zumindest sollten eingefügte Textstellen den Eindruck erwecken, dass Johannes der Autor war. Letztendlich ist die Autorenschaft des Evangeliums heute noch sehr umstritten.
Historisch belegt ist, dass die Schüler des Johannes Schulen gründeten und das Evangelium nach Johannes lehrten. Die ursprüngliche Lehre wurde wahrscheinlich in den Schulen mehrfach überarbeitet, erneut und zeitbezogen angepasst. Typisch für das Evangelium ist die Pflege einer eigenen Tradition, einer eigene Sprache und sich zu einer spezifischen Theologie entfaltete. Die Lehre stützt sich dabei auf die Autorität des Johannes und grenzte sich auch gegen andere Lehren ab. Die Abgrenzungen beziehen sich dabei auf die Auseinanderset-zungen mit der zentralen Synode (einem Beschluss, der Judenchristen ausschließt), mit dem Täuferkreis (meint verschiedene Glaubenspraktiken, Uneinigkeit bei Gemeinschaftsgrundsätzen) und mit der Gnosis (das hellenistische Glaubensbild, Glaubensgrundsätze).

Aufbau
Das Johannes-Evangelium genießt eine ganz eigene Stellung unter den Evangelien. Im Blick auf dieses Evangelium müssen ganz andere Betrachtungswege gegangen werden, als es bisher bei den synoptischen Evangelien (Markus, Lukas, Matthäus) notwendig war. Das Evangelium beginnt weder mit der Geburt, Kindheit oder Taufe, sondern einem Liedartigen Prolog: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
Die Begriffe Wort und Gott werden dynamisch in einen entwickelnden Zusammenhang gebracht, sodass ein Bogen von der Schöpfung bis hin zur Menschwerdung gespannt wird und kündigt letztendlich das Kommen von Jesus Christus an (Das Wort ist Fleisch geworden).
Wie eine Ouvertüre leiten das Wortspiel ins Evangelium ein, worauf sich die drei Haupteile des Evangeliums abzweigen.

1. Kapitel 2–12: Das Auftreten Jesu vor Zeugen; Kap. 3–6 (Reden und Wunder); Kap. 7–12 (Streitgespräche, Unterscheidungen)

2. Kapitel 13–17: Abschied von den Jüngern; Kap. 13 (Fußwaschung), 14–16 (Abschiedsreden), 17 (das hohepriesterliche Gebet Jesu)

3. Kapitel 18–21: Verherrlichung durch Passion und Auferstehung; Kap. 18–19 (Leiden und Tod), 20–21 (Erscheinungen des Auferstandenen)

Johannes – Theologie

1. Das Christusbild

Im Zentrum steht natürlich die Botschaft von Jesus Christus, aber die Botschaft wird nicht einfach referiert oder abgehandelt. Stilistisch verkündet Christus selbst seine Botschaft und er erscheint als der irdische Mensch, dessen reales Menschsein an keiner Stelle bezweifelt wird. Sein Weg wird konsequenter, als in den anderen Evangelien, von seiner Vollendung her gesehen.

2. Die Welt als Schauplatz des Wirkens Christi

Ein wichtiger Ansatz des Evangeliums ist die Weitung der Perspektive. Schauplatz des Wirkens Christi ist nur pro forma das Land Israel, was genau genommen nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Der Schauplatz des Auftretens Jesu ist hier die Welt schlechthin. Es wird nicht betont, dass Jesus zu seinem Volk kam (jüdisch), sondern das Licht kam in die Welt. Jene Welt ist aber in der Sicht des Johannes-Evangeliums ein doppeldeutiger Zustand. Einerseits ist sie die Schöpfung Gottes, die durch Vermittlung Christus wieder zum Objekt der Liebe Gottes wird. Andererseits ist die Welt, der Ort der Verlorenen, der Raum der Finsternis, des Todes, der Lüge und der Unfreiheit.

3. Der Dualismus von Gott und Welt

Der Dualismus entzündet sich demnach am Gegenüber von Gott und Welt. Der verlorene Zustand der Welt ist aber nicht etwa ein unausweichliches Schicksal. Der Grund für die Verlorenheit liegt darin, dass sich der Mensch gegen Gott entschieden hat. Daher sind die Juden bei Johannes auch nicht die Angehörigen eines auserwählten Volkes, sie werden den Heiden gleichgestellt und können sich nun für den neuen Bund entscheiden.
Die Frage nach der heilsgeschichtlichen Rolle Israels spielt somit auch kaum noch eine Rolle. Wenn Johannes davon spricht, dass die Seinen das Wort nicht aufnahmen, dann meint er nicht wie Matthäus im Winzergleichnis etwa, dass den Juden der Weinberg genommen wird. Johannes fragt nicht nach der Bedeutung Jesu für Israel, sondern nach seiner Bedeutung für die ganze Welt. Die Seinen, die das Wort nicht Aufnahmen sind bei Johannes deshalb die Menschen im allgemeinen.

4. Christologie – Christus und die Welt

In jene Welt, die durch die Entscheidung gegen Gott zur Sphäre der Finsternis wurde, tritt nun der Christus ein. Er kommt aus der Welt Gottes, der Welt des Lichtes und wird somit zum Licht der Welt. Das Evangelium nennt dabei alle christologische Prädikate: Ganz besondere Bedeutung haben die Bezeichnungen: ⇒ Sohn  ⇒ Sohn Gottes ⇒ und der, den der Vater gesandt hat. Der Sohn, den der Vater gesandt hat, wird daher durch seine Sendung aus der Welt Gottes zum Mittler des Heils. Indem Christus der Welt, das Heil anbietet, stellt er die Welt radikal in Frage. Denn an ihn allein sind Licht, Wahrheit, Leben und Freiheit gebunden. Diese Güter, können somit in der Welt definitiv nicht gefunden oder errungen werden. Nur Christus vermag sie zu vermitteln, er ist die Offenbarung Gottes.

5. Die Soteriologie - Der Glaube an Christus als Bedingung der Heilwerdung

Durch Christus erhält der Mensch die Möglichkeit, seinen Standort zu wechseln, aus der Finsternis in das Licht, aus dem Tod zum Leben zu gelangen. Die grundlegende Bedingung ist der Glaube. Glauben heißt, Christus als den zu erkennen, als der er sich vorstellt (Offenbarungswort „Ich bin“). Glauben ist eine verwandelnde Entscheidung. Der Glaube des Menschen muss aber erst reifen, also zu einer das Leben gestaltenden Gemeinschaft mit Christus werden (Formel „Ihr in mir und ich in euch“).

6. Die Eschatologie

Im Johannes-Evangelium geht es nicht mehr um die bevorstehende Gottesherrschaft, vielmehr wird hier betont: „das ewige Leben wird schon jetzt geschenkt und das Endgericht findet jetzt schon statt.“ Diese unrealistischen Sätze sind nur dann zu verstehen, wenn man wahrnimmt, dass sie auf die Christologie hin geordnet sind: „Wer Christus liebt und an sein Wort festhält, den wird der Vater lieben, und Vater und Sohn werden kommen und bei ihm wohnen.“ Die irdische Christusgemeinschaft soll eine Zukunft besitzen: „Im Haus des Vaters sind viele Wohnungen bereitet.“ Somit wird das schon und noch nicht der christlichen Existenz deutlich. Wir leben bereits in der neuen Wirklichkeit des Vaters, eine Wirklichkeit, die sich aber erst noch vollenden muss.

7. Die Ekklesiologie

Bei aller Ausrichtung auf den Glauben, fällt das Thema Kirche im Evangelium nicht aus, aber es stellt sich unter einem betont christologischen Aspekt dar. Die Bilder von ⇒ Hirt und Herde (10,1) oder vom Weinstock und den Rebenzweigen (15,1) mögen dies veranschaulichen. Untereinander sollen die Christen die Bruderliebe als das neue Gebot bewahren (13,31). Christus selbst gab dafür schließlich das schönste Beispiel, als er sein Leben für die Freunde einsetzte. Ein besonderes Anliegen im Hinblick auf die Kirche ist deren Einheit. Simon Petrus hat genau in diesem Punkt nach Johannes in der Kirche einen herausragenden Dienst zu erfüllen. Er (Petrus) soll der Garant dieser Einheit sein.

Besonderheiten des Johannesevangeliums

- hymnisch-reflektierender Prolog
- Auferweckung des Lazarus, als größtes Zeichen von Jesu als Gottessohn
- Lange Redesequenzen von Jesu (speziell die Abschiedsreden Kapitel 13 bis 17)
- Metapher um die eigene Person, die „Ich bin“-Worte (lebendiges Wasser, Licht der Welt)

Unterschiede zu den Synoptikern (Markus , Matthäus , Lukas)

- bei den Synoptiker beginnt Jesus Weg in Galiläa und geht dann erst nach Jerusalem; bei Johannes gibt es einen stetigen Wechsel zwischen Galiläa und Jerusalem, wobei die meisten Handlungen sich in Jerusalem abspielen und auffällig mit jüdischen Festen verknüpft wurden (z.B.: Laubhüttenfest, Tempelweihfest, Passafest).

- Nachforschungen zufolge, kannte Johannes keines der synoptischen Evangelien und konnte sie auch nicht verwenden, dass belegen vor allem die großen textlichen Unterschiede. Hätte der Autor die anderen Evangelien gekannt, hätte er sie sicherlich nicht ignoriert.

- Der Autor oder Autoren müssen dennoch die Jesus-Überlieferungen (z.B.: Logienquelle, Perikopen) gekannt haben, um das Evangelium schreiben zu können. Es gibt daher Parallelstellen zu den Synoptikern, die deutlich auf eine gemeinsames Basismaterial hinweisen.   

- Der Texte wurden nach einer sachlichen und theologischen Richtlinie geordnet, deren Hauptaugenmerk das Komponieren des geistigen Inhalts ist, in einer gegliederten Reihenfolge. Aufgrund dessen erklären sich scheinbar unlogische Anordnungen der Texte, die aber im geistigen Zusammenhang ihren Sinn ergeben.

- Die großen Reden von Jesu stehen im Mittelpunkt des Evangeliums, wobei Jesus eine ganz eigene Sprache verliehen wird und sich deshalb wenige Jesus Worte mit den synoptischen   Quellen vergleichen lassen.

- Unter theologischen Kriterien wurden Jesus-Worte in großen Abhandlung zusammengefügt, darin liegt die Ursache dafür, dass der Autor keine historische Rede wiedergeben wollte, sondern den geistigen Inhalt der Reden in Themenkomplexen zusammengefasst hat.

- In der Abschiedsrede des Evangeliums wird das klare Ziel der Autoren offensichtlich, sie betonen die österliche Perspektive vom Ende des Christusweges her.

 

Inhaltsübersicht /Anmerkungen

1. Der Prolog -> 1,1 – 18:
Beginnt mit einem Lied / Hymnus, der das göttliche Wort den Erlöser besingt.

2. Erster Hauptteil - Jesu Selbstoffenbarung vor der Welt ⇒ 1,19-12,50:

2.1. Die Anfänge der Offenbarung Jesu ->1,19 - 4,54:
Mit Johannes, dem Täufer, beginnt auch hier die Jesusgeschichte und dem Weg Jesus durch Galiläa. Die Texte berichten fortlaufend von den Anfängen des Wirkens Jesu, mit ungewöhn-lich genauen Zeitangaben. Die Abschnitte: Kap. 1: Die Aussage von Johannes dem Täufer und sein Zeugnis über das Lamm Gotes (Jesus) – Die ersten Jünger  // Kap. 2: Hochzeit in Kana als Zeichen – Vertreibung der Händler aus dem Tempel – Jesus beim Paschafest in Jerusalem // Kap. 3: Das Gespräch mit Nikodemus – Das Ziel der Aussendung und das letzte Zeugnis des Täufers // Kap. 4: Das Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen – Heilung des Sohnes eines königlichen Beamten

2.2. Höhepunkt der galiläischen Wirksamkeit (Jesus, das Brot des Lebens) -> Kapitel 6:
Hier wird ein geographischer Bruch zu 4,54 erkennbar, der nur in Kapitel 6 seine logische Fortsetzung findet. Der Wechsel der Orte Galiläa und Jerusalem sind nicht stimmig. Jesus kann nicht plötzlich in Galiläa sein (Kap. 5), wenn er zuvor in Jerusalem war und in Kapitel 7 schon wieder in Jerusalem ist. Warum diese unlogische Anordnung gemacht worden ist, kann nur eine inhaltliche Absicht (Aussage) sein. Kap. 6: Speisung der 5.000 - Jesus wandelt über einen See – Jesus und das Brot des Lebens – Der Streit unter den Jüngern und das Bekenntnis des Petrus

2.3. Jesu als Lebensspender und Richter ⇒  Kap. 5 & 7,15 - 24:
Kapitel 5 wäre nach Kapitel 6 logisch. Kapitel 7,15 - 24 sind vermutlich nachträgliche Einschübe und stehen im Zusammenhang mit Kapitel 5. Kap. 5: Heilung des Gelähmten am Sabbat in Jerusalem – Jesus Rede über seine Vollmacht

2.4. Jesus auf dem Laubhüttenfest & die Sicht verschiedener Kreise zu ihm ⇒ Kapitel 7: 
Erneut wurden die Texte unlogisch angeordnet, so gehört Verse 15-24 logisch zum Kapitel 5.
Kap. 7,1 – 14: Reise zum Laubhüttenfest // Kap. 7,15 – 24: Jesus auf dem Fest // ab Kap 7, 25 Mutmaßungen des Volkes über Jesus – Streit im Hohen Rat über Jesus

2.5. Die Geschichte von der Ehebrecherin (nichtjohanneischer Einschub ) ⇒ 7,53 – 8,11:
Forschungen haben ergeben, dass diese Geschichte etwa aus dem 2. Jahrhundert und aus judenchristlichen Kreisen stammen muss. Demzufolge wurde der Text sehr viel später in das Evangelium eingefügt.

2.6. Weitere Offenbarungsworte und Streitreden und die Vertiefung der Kluft zwischen Jesus und den ungläubigen Juden ⇒ 8,12 – 59: Schließt sich logisch an Kapitel 7 an.
Abschnitte: Jesus Selbstzeugnis (das Licht der Welt) – seine Herkunft und Bestimmung – Worte über die Wahre Freiheit – Über die Abrahams Kinder und Teufelskinder – Streit um Jesus Ehre

2.7.  Die Heilung des Blindgeborenen (Jesus, das Licht der Welt) ⇒ Kap. 9 :
Kernpunkt ist die Aussage von Jesus dem Licht der Welt. Die Heilung eines Blinden am Sabbat wird zum Streitpunkt mit den Pharisäern.

2.8. Jesus der Hirt und verwandte Bildreden und Jesus auf dem Tempelweihfest ⇒ Kap. 10:
Umstrittene Reihenfolge der Verse. Einige Theologen sind der Ansicht, dass die Verse 19 - 21 noch zum Schluss des Kapitel 9 gehören müssten, mit Vers 22 – 29 würde Kapitel 10 beginnen, dem dann erst Vers 1-18 folgt und mit Vers 30 abschließt. Abschnitte: Die Rede vom Guten Hirten verursacht bei den Pharisäern den Vorwurf der Gotteslästerung

2.9. Die Auferweckung des Lazarus ⇒ Kap. 11,1 – 54:
Im Rahmen der Erweckung des Lazarus, steht die Auferstehung und das Leben von Jesus im Mittelpunkt, worauf der Hohe Rat den Tod von Jesus beschließt. Diese Totenerweckung ist zugleich Kernpunkt des Evangeliums. In der Tiefenschau des Evangelisten ist es kein Zufall, dass in dem Augenblick, da der Sohn Gottes seine Lebensmacht in höchster Weise offenbart, die ungläubigen Menschen entschlossen sind, ihn zu vernichten und alle erforderlichen Maßnahmen dazu zu ergreifen. Der Weg zum Kreuz ist vorgezeichnet, steht aber im Plan Gottes; denn die Erhöhung am Kreuz wird zur Verherrlichung Gottes in seinem Sohn.

2.10. Das Letztes öffentliche Wirken Jesu ⇒ Kap. 11,55 –12,36:
Obwohl Jesus wusste, dass sein Gang nach Jerusalem zum Pascha-Fest sein Tod bedeutete ging er hin. Jesu kündigt dort seine Erhöhung und Verherrlichung an. Abschnitte: Aufruf der Pharisäer zum Verrat an Jesu – Jesus Salbung in Betanien als dank des Lazarus – Rede über die Verherrlichung

2.11. Das Ergebnis des Wirkens Jesu und die Offenbarungsrede ⇒ 12,37 – 50: 
Eine Rückschau und eine Reflexion über den Unglauben der Menschen. In der theologischen Betrachtung, ist der jüdischen Unglauben im Licht der Schrift (Bibel) zu verstehen und zeigt die Verhältnisse zur Zeit des Evangelisten auf. Verse 44 - 50 sind nachträgliche Einschübe und stellen in präziser Form die Johannes Verkündigung dar.

3. Zweiter Hauptteil - Jesus Abschied von den Jüngern  ⇒ 13 – 17:

3.1. Jesus im Kreis der Jünger & Letztes Mahl und Abschiedsreden ⇒ Kap. 13 - 14:
Auffallend ist, dass die Geschichte nicht vom Abendmahl selbst handelt. Der Autor berichtet vielmehr ausführlich von der Fußwaschung. Durch den Weggang des Verräters wird der Abschnitt in zwei Hälfen geteilt. Abschnitte: Kap. 13: Die Fußwaschung – Jesus und der Verräter – das neunte Gebot – Ankündigung von der Verleugnung des Petrus // Kap. 14: Rede über den Weg zum Vater (Gott), der Heilige Geist – Trostworte an die Jünger

3.2. Zwei Abschiedsreden Kap. 15 – 16:
Kapitel 15 ist ein nachträglicher Einschub, da er sich nicht logisch zu Kapitel 14 verhält und die scheinbar ursprüngliche Rede erst im Kap.16 erscheint. Abschnitte: Kap. 15: Der wahre Weinstock – die wahre Liebe // Kap. 16: Das Wirken des Heiligen Geistes – Trauer und Hoffnung bei Jesu Abschied und über Bedrängnis und Frieden

3.3. Das Gebet des scheidenden Erlösers⇒ Kap. 17:
Hier handelt es sich um ein abgeschlossenes Gebet, dass höchstwahrscheinlich später eingeschoben wurde.

4. Dritter Hauptteil: Jesus Passion und Auferstehung  à 18 – 21: 

4.1. Die Verhaftung Jesu und das jüdische Verhör ⇒ 18,1 –27: 
Theologisch ist der Text vom Gedanken der Erhöhung Jesu geprägt. Seine königliche und göttliche Würde, wird besonders in jenem Geschehen erwiesen, das den anderen Evangelisten als der Tiefpunkt seiner Erniedrigung galt. Der Passionsbericht setzt unmittelbar mit der Verhaftung Jesu ein. Der Autor übergeht das von allen Synoptikern geschilderte Gebetsringen und die Todesangst Jesu. Abschnitte: Verhaftung – Verhör vor dem Hohen Rat

4.2. Der Prozess vor Pilatus 18,28 – 19,16: 
Dieser lange Abschnitt ist das Herzstück der ganzen Darstellung und ist eine letzte Offenbarungsrede. Bewusst hat der Evangelist, seine Worte an Pilatus gerichtet, die zusammengenommen eine Rede bilden, nur dieses Mal gerichtet an das Heidentum (Römer). Abschnitt: Verhör und Verurteilung durch Pilatus

4 3. Die Passion: Kreuzweg, Kreuzigung und Grablegung ⇒ 19,16 – 42:
Die theologische Perspektive wird deutlich: Jesus besteigt am Kreuz seinen Königsthron, sein Königtum wird durch die Kreuzesaufschrift in drei Sprachen, also vor aller Welt proklamiert. Der Text ist für die Hohepriester widersprüchlich, auf den aber Pilatus besteht. Aber erst von der glaubenden Gemeinde werden die Worte in ihrem Sinn erkannt. Abschnitte: Geißelung und Verspottung – Erneuerung des Urteils von Pilatus – Kreuzigung – Grablegung 

4.4. Der Ostermorgen ⇒ Kap. 20:
Das offene Grab, die Erscheinungen von Jesu und der Ausklang der Offenbarung Jesu vor den Jüngern stehen inhaltlich im Mittelpunkt. Die Sicht und Deutung des Autors werden hier verfestigt. Abschnitte: Das leere Grab – Erscheinung Jesu vor Maria Magdalena – Die Beauftragung der Jünger – Jesus und der Jünger Thomas - Epilog

5. Das redaktionelle Schlusskapitel ⇒ Kap. 21:
Stilistische, sprachliche und literaturkritische Argumente machen deutlich, dass dieses Kapitel später angefügt wurde. Inhaltlich findet sich hier eine weitere Offenbarung des Auferstandenen Jesu vor Petrus und dem Lieblingsjünger Johannes und die Gleichsetzung des Verfassers mit Johannes. Abschnitte: Der Auferstandene am See Tiberias – Worte an Johannes und Petrus – Schlussbemerkung (soll Johannes als Autor erscheinen lassen)
Interessant ist an der Schlussbemerkung, dass der Text ausdrücklich keine Vollständigkeit in Bezug Jesus Überlieferungen erhebt. Im Gegensatz zu den anderen Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) wird deutlich, dass der Autor bewusst eine Auswahl getroffen hat, um seine Glaubensansicht und Anliegen zu schildern.