7. E. Die Auferstehung

Die Auferstehung

1. Die Grablegung Jesus (15,42 – 47)

Betrachtung zu Sitten und Gebräuchen zum Thema Bestattung:

Nach einer historischen Quelle „Ist ein Toter, an folgenden drei Tage zu besichtigen und zu beklagen, bevor die Bestattung erfolgte.“ Eine solche Maßnahme sollte den endgültigen Tod sicherstellen bzw. die Gefahr der Bestattung eines Scheintoten auszuschließen. Grundsätzlich galt es als Schande nicht bestattet zu werden. Vor einer Bestattung fand der Akt der Salbung statt, eine Salbung nach der Bestattung war dagegen selten. Nach dem Zeremoniell wurde der Leichnam in eine Grabhöhle gelegt und verschlossen, indem man einen großen Stein (Golel), vor den Eingang rollte, der nur von mehreren Personen bewegt werden konnte (Diebstahlsicherung). 
Nach einer Ruhezeit von ungefähr einem Jahr, in dem der Leichnam bis auf die Knochen verwest war, wurde das Grab wieder geöffnet. Die Gebeine wurden gesammelt und mit Öl und Wein gesalbt, anschließend wurden sie in Körben oder Säcken fort getragen. Sie wurden einer partiellen Wiederholung des Taufrituals unterzogen, bevor sie endgültig beigesetzt wurden, auf dem Feld oder einer Höhle (genannt Knochenhäuser). Im Gegensatz dazu, verfuhr man mit den Leichen von Hingerichteten ganz anders.
Die Mischna (mündl. überlieferte Thoraauslegung) schrieb vor, dass Hingerichtete nicht in den Gräbern ihrer Väter beigesetzt werden durften, sondern kamen in eine Art Massengrab. Separate Bestattungen sollten vermieden werden, damit die Gottlosen (Gerichtete vor dem jüdischen Gesetz) nicht neben Gerechten liegen können. Die Auslieferung einer hingerichteten Leiche, an seine Verwandten oder Freunde war bei den Römern sehr schwierig und eher abhängig vom Wohlwollen des Präfekten. Die meisten Hingerichteten kamen namenlos und unehrenhaft in ein Massengrab.
Bei der Grablegungsgeschichte wird jenes Wissen vorausgesetzt, worauf Markus, seiner Zeit nicht eingehen brauchte, da jene Bestattungssitten bei alle Kulturen im palästinensischen Raum üblich waren. Außerdem sei angemerkt:
1. Es musste schon ein sehr reicher und einflussreicher Mann sein, dem die Römer den Leichnam eines Verurteilten aushändigten. Zumindest musste die Leiche freigekauft werden. Joseph von Arimathäa hatte anscheinend genug Geld bezahlen können.
2. Eine Steingrabaufbewahrung konnte sich nicht jeder leisten und so wurden Grabstätten auch kostengünstig vermietet. Joseph aber, konnte für Jesus eine Aufbewahrungsstelle errichten lassen.
3. Es war grundsätzlich üblich, dass die Frauen den Leib salbten, so auch den von Jesus.
4. Der Stein zum Zugang war gedacht, um wilde Tiere oder Diebe vom Leichnam abhalten, zumal die Aufbewahrungsstätte noch nicht die Grabstätte war.

Die Besonderheit des Todes von Jesus liegt darin, dass ihn Frauen begruben und er relativ schnell am Kreuz starb. „Pilatus wunderte sich, dass er schon gestorben sei“, mit diesen Worten wird klar, dass Gott Jesus schnell von seinem Leid erlöst hatte. Ansonsten konnte ein Kreuzigungstod mitunter mehrere Tage dauern (3 bis 5 Tage).  

2. Die Offenbarung des Engels an die Frauen (16,1 – 8)

Jenes Auferstehungszeugnis ist zwar der älteste Schlusspunkt der Passionsgeschichte, aber nicht das älteste Auferstehungszeugnis. Es gibt dazu ältere Bekenntnisse, die bereits in den Briefen manifestiert wurden. Hier eine Auswahl:
- 1. Korintherbrief - 15, 4:  ... dass er begraben und am 3. Tage auferweckt wurde ...
- Thessalonicher - 4, 14: ... dass Jesus gestorben und auferstanden ist...
- Römerbrief - 1, 4:   ... auf Grund seiner Auferstehung aus den Toten ...
- 1. Timotheus - 3,16: …geoffenbart ist im Fleisch ... erschienen den Sendboten...

Die Auferstehungszeugnisse, sind in der Form von Erzählungen wesentlich später entstanden, als die erwähnten Spruch-Bekenntnisse. Historiker nehmen an, dass die Gemeinden jene Spruch-Bekenntnisse in Geschichten verpackten, um ihre Erfahrungen mit dem lebendigen Jesus zu verkünden, der in der gegenwärtigen Realität dazu gesetzt scheint. Inwiefern diese Geschichten sich auf eine historische Realität beziehen, bleibt unklar, auf jeden Fall gibt Markus ihnen eine Endgestalt. Vermutlich wurden die Geschichten bei der Weitergabe mehrfach gedeutet und somit auch verändert. Dementsprechend sollte die Grabgeschichte keine Auferstehungsbotschaft in Gang setzen, sondern eher eine konkreten Situation aufzeigen, woher die Anhänger Jesu ihren Glauben nahmen.
Die Geschichte unterstreicht deshalb die Aussage: Wir haben einen lebendigen Herrn, der uns begegnet ist und weiter begegnen wird.
Die Grabgeschichte steht nun aber im engen Zusammenhang mit dem vorangegangenen Markustext 15,40 –47. In Vers 42 findet sich eine Zeitangabe, „der Tag vor dem Sabbat (Freitag)“ und setzt die Grabgeschichte logisch fort „und da der Sabbat (Samstag) vergangen war.“ Es wird eine Verknüpfung der Texte sichtbar, dem Tag der Kreuzigung vor dem Sabbat und der Grablegung, mit dem Tag nach dem Sabbat und der Grabgeschichte.
In 15,46 wird berichtet, in welches Grab Joseph von Arimathia den Leichnam legte. Einen roten Faden bilden die Frauen, die in 15,40/41 auftauchen und erst in 16,1 wieder da sind. Theologisch wird angenommen, dass alle drei Geschichten (Die Frauen am Kreuz – Grablegung – Grabgeschichte), einmal selbstständige Erzählungen waren und von dem Autor verbunden worden sind, mit Zeit -, Orts- und Namenangaben. Allerdings können die Geschichten auch konstruiert sein, denn schließlich lebten die Adressaten in einer neuen Zeit, die Antworten verlangten und setzten daher jene Geschichten in einen gegenwärtigen Zusammenhang.
Die Frage drängt sich auf, wie Markus in 16,1- 8 die Verkündigung vom Kreuz fortsetzt. Bis Vers 15,39 war Jesus der Leidende und Alleingelassene. Die Jesusanhänger haben ihn verworfen, seine Freunde haben ihn verlassen und selbst Gott schien ihn allein zu lassen. Ab 15,40 tauchen jedoch die Frauen auf, die treu zu ihm halten und auch am Grabe bei ihm sind. Ist nun diese Geschichte, der Frauen am Grabe ein Hinweis auf erfahrene Hilfe und eine verborgene Verkündigungsabsicht? Sind hier vielleicht Parallelen zum Los der Frau konstruiert worden? Um eine Antwort zu finden muss exegetisch vorgegangen werden.

Exegetische Betrachtung:

Akzente der Story

Der Abschnitt 16,1 – 8 hat einen Spannungsbogen, der mit der Einführung in Zeit, Ort und Personen beginnt. In Vers 2 wird eine Zeitangabe zum unmittelbaren Geschehen gemacht, nachdem das eigentliche Ziel genannt wird ⇒ die Salbung des Leichnams. In Vers 3 wird ein erstes Problem erörtert, der Schließstein und erzeugt eine erste Spannung. Das Problem hatte sich von selbst gelöst (war offen) und die Story konzentriert sich auf das Geschehen im Höhlengrab. Es kommt nicht zur Salbung, sondern es ergeht eine Botschaft an die Frauen. Der Höhepunkt der Story ist erreicht und endet, obwohl der Schluss kein richtiges Ende hat.

Gliederung
1. Die Vorbereitung zur Salbung        V. 1 & 2
2. Der Schließstein                              V. 3 & 4
3. Die Botschaft der Boten                  V. 5 – 7 
    (Auferweckungsbotschaft - die Sendung)
4. Die Flucht                                        V. 8

Einzelexegese zu Vers 1 & 2  - Die Vorbereitung  zur Salbung

Der Sabbat ist zu Ende und die Frauen waren nicht nur Zeugen der Kreuzigung und der Grablegung, sie tun noch in Letztes, sie wollten Jesus salben. Normalerweise findet eine Salbung vor der Bestattung des Leichnams statt und am dritten Tage nach der Bestattung. Man vergewissert sich, ob der Leichnam wirklich tot ist.
Aus dem Markustext geht nicht hervor, ob Jesus gesalbt wurde bevor er in die Höhle gelegt wurde. Geht man von den Traditionen aus, so wollten die Frauen den Leichnam noch einmal salben. Ein solcher Akt, wäre eine besondere Ehrerbietung und Liebe gegenüber Jesu. Auch die Auswahl von kostbaren Tinkturen unterstreicht deren Treue zu ihm. Nach den Gebräuchen wird ein Gestorbener erst dann für Tod erklärt, wenn die Leiche auch am 3. Tage leblos ist. Die Tradition beruht darauf, dass es in der Vergangenheit immer wieder Fälle gab, bei denen vermeintlich Tote wieder zum Leben erwachten (Übrigens kommen solche Scheintodfälle heute noch vor).
Es war nun der dritte Tag, der in vielen älteren Auferstehungsbekenntnissen benannt wird. Selbst im Alten Testament finden sich Zeugnisse dazu, so heißt es bei Hosea 6,2: „Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, dass wir vor ihm Leben werden.“ Bei dem Text klingt das sehr allgemein und kann sich so nicht auf den künftigen Messias beziehen? Der AT-Text bezieht sich eher auf eine endzeitliche, allgemeine Totenerweckung, zu der Zeit an der die Gottesherrschaft über die Welt kommen wird.
Allerdings stellt Paulus schon im 1 Korintherbrief fest, dass Jesus der erste Auferstandene ist und somit das kommende Gottesreich mit ihm beginnt. Die 3 Tage unterstreichen daher den Fakt eines vorgezogenen endzeitlichen Vorganges und unterstreichen sekundär die Besonderheit von Jesus.
Abschließend noch ein Wort zu den Frauen. Es war damals üblich, dass nur Frauen Toten salbten. Um ihr sündiges Wesen zu züchtigen, waren Frauen besonders gläubig, dazu gehörte ein aufopferungsvolles Dienen. Besonders bei karitativen Tätigkeiten, wie Krankheitspflege, Totenwache und ähnlichem, konnten Frauen demütig ihre Reife im Glauben leben. Der Markustext wurde später missverstanden, dass Frauen grundsätzliche karitativ dienen sollten. In jener Zeit der Adressaten war es in fast allen Kulturen üblich, dass Frauen Pflegedienste leisteten, Klageweiber waren oder Totenwache hielten. Das heißt, Markus zeichnete die Realität ab und wollte nicht die Frauen in ein Schema pressen. Im Gegenteil! In der Beziehung zu Jesu, wird die Wertigkeit der Frau angehoben und kann für jene Zeit als revolutionär bezeichnet werden, in Punkto Gleichwertigkeit zum Mann.

Einzelexegese zu Vers 3 & 4  -  Der Stein

Auf dem Weg zum Grab taucht ein Problem auf, wie sollen sie den Stein wegbekommen, der den Zugang zur Höhle versperrt. Zu ihrer großen Verwunderung ist der Stein weggerollt worden und der Zugang ist frei. Vermutlich wollte der Autor die Assoziation wecken, dass Gott den Stein weggerollt hatte. Das Wie ist dabei unwichtig, sondern dass er es irgendwie schaffte ist von belang, zumal niemand anderes in betracht käme?

Einzelexegese zu Vers  5 – 7 – Die Botschaft des Boten

Die Frauen betreten nun das Grab, doch statt eines Leichnams sehen sie einen jungen Mann, in einem weißen Gewand, der sich als Bote Gottes ausweist. Vermerkt wird hier das Wort Rechts, jenes Wort steht im antiken Sprachgebrauch für Rechter / Gerechter (z.B.: richtiger Weg), auf der Glück- und Heilsbringenden Seite zu sein. Die Frauen erschrecken und erkennen, dass Gott gehandelt hatte. Erschrecken meint nicht den plötzlichen Schreck, sondern mehr Ehrfurcht vor der Nähe Gottes. Es spricht aber nicht Gott persönlich zu ihnen, doch der göttliche Bote macht ihnen schon Angst, Angst vor etwas unbekannten. Der Bote wird nicht näher beschrieben, da es nur von der eigentlichen Sache ablenken würde. Es genügt die Aussage „Junger Mann“ und schon wurde ein angenehmer Akzent gesetzt, betont somit die Ehrfurcht und nicht die panische Furcht.
Der Bote redet nun die Frauen an und besänftigt sie zunächst („erschreckt nicht“). Dann spricht er sie auf die Person Jesus an („ihr sucht Jesus...“) und macht Gottes handeln deutlich („er ist auferweckt worden“). Die Auferweckungsbotschaft, bekräftigt der Bote mit den Worten: „ … ist nicht mehr hier; seht die Stelle, wohin man ihn gelegt hatte!“ An erster Stelle der Botschaft steht die Auferstehung und wie eine Beweisführung, folgen nun die Fakten dazu (Umkehrschluss: der Tote, der sich nicht an seinem Ort befindet, muss auferstanden sein).
Fakten im Sinne einer Feststellung, dabei werden weitere Fragestellungen nach dem Wie unwichtig. Zudem geht es hier nicht um einen historischen Ablauf, sondern um ein Zeugnis: Jesus der Gekreuzigte ist auferweckt worden. Um jene Grundaussage entstanden neben dem Markus-Evangelium weitere Bezeugungsgeschichten, um den Vorgang plastisch zu machen. Sicherlich waren viele Geschichten davon konstruiert, aber für die urchristlichen Gemeinden war es wichtig so ihren Glauben auszusagen. Auch das Markus – Evangelium möchte Botschaften vermitteln und legt keinen Wert auf historische Wahrheiten. Das Wie und Warum spielt für den Gläubigen letztendlich keine Rolle, sondern nur das Zeugnis das Jesus von Gott auferweckt wurde. In manchen Bibelübersetzungen werden für den Begriff auferweckt, auch die Worte aufrichten, hochbringen, aufwecken und aufstehen verwendet.
Mit der Aussage, des auferstandenen Jesus, bezeugen die Christen zugleich den Beginn des endzeitlichen Wirkens Gottes. Durch Gottes handeln an Jesu, setzt Gott Jesus Verkündigung wieder in Kraft, die zunächst mit seinem Kreuzestod hinfällig schienen. Anders gesagt, Gott bestätigt mit seinem Handeln, dass Jesus das Recht und den Anspruch hatte, mit Gottes Vollmacht zu Wirken und durfte den Heillosen die Nähe und die Liebe Gottes zusagen. In Vers 7 folgt eine weitere Botschaft, die Entsendung. Die Frauen sollten die Botschaft nicht jedem sagen, sondern lediglich den Jüngern mitteilen, insbesondere Petrus. Sie sollen ihnen mitteilen, dass Jesus in Galiläa den Jüngern erscheinen werde.
Mit dieser Botschaft wollte der Autor anscheinend, einen Bogen zu den älteren Bekenntnissen spannen. In den älteren Bekenntnissen ist Jesus nur den Jüngern erschienen (im Paulus-Brief, 1. Kor. 15,6 –7, werden noch weitere 500 Brüder und Paulus erwähnt). Neben jenen kleinen Abwandlungen wird aber in allen Bekenntnissen Petrus besonders hervorgehoben. Das lässt darauf schließen, dass Jesus ihn entweder als Glaubensverkünder für besonders fähig hielt oder Petrus als Nachfolgeleiter der Apostel bestimmte, um ein Machtgerangel unter den Aposteln zu verhindern. Mit jenem hervorheben, wird Petrus für die spätere Katholische Kirche besonders wichtig. Die Ortsangabe Galiläa, wird in vielen Bekenntnissen als Erscheinungsort benannt.
Was aber bleibt ist der Widerspruch, dass in den älteren Bekenntnissen keine einzigste Frau erwähnt wird. Es fällt auch auf, dass es den Frauen im Markus – Evangelium offenbar freigestellt bleibt, ob sie die erfahrene Auferstehungsbotschaft weitergeben dürfen. Darüber hinaus klingt hier eine Rüge an die Jünger an, die nicht Jesus das letzte Geleit gaben.
Es muss den Jüngern wie eine Ohrfeige vorgekommen sein, dass ihnen Frauen von der Auferstehungsbotschaft berichteten.

Einzelexegese: Vers 8 – Die Flucht 

Ein merkwürdiger Schluss, die Frauen flohen, zitterten und waren entsetzt und sagten keinem, was sie erlebt hatten. Mit Vers 8 endet im Markusevangelium die Auferstehungsgeschichte am Grab (Ostern) und lässt viel Platz für theologische Deutungen. Im Blick zu Vers 15,40 wird die Passage zu den Frauen abgerundet (geschlossen). Enge Freunde (Apostel) und Bekannte ließen Jesus in seinem Leid allein, nur die Frauen waren in seinen bittersten Stunden bei ihm. Mit dem Vers 8 verknüpft Markus die Geschichte mit den älteren Bekenntnissen. Indem die Frauen panisch fortliefen und es niemanden sagten, werden wieder die Apostel zu den wichtigsten Zeugen der Auferstehung. Frauen waren somit Zeugen, die aber nicht bezeugten und die Auferstehung nicht bekannten. Aufgrund dessen spielten Frauen beim Urbekenntnis keine Rolle, erst mit dem Erscheinen von Jesus bei den Jüngern wurde die Auferstehung bekannt.
Es erhebt sich die Fragen, warum hat Markus diese Geschichte ausgeführt, die letztendlich nur verwirrt? Zuvor hob Markus den Status der Frau und nun im Vers 8 wirft er ihnen ein mangelndes Selbstvertrauen vor und sind damit nicht würdig zu verkünden. Es ist notwendig sich dazu die Zeitgeschichte klar zu machen. Zu jener Zeit waren die Christen vielen Anfeindungen ausgesetzt, mit einer beginnenden römischen Christenverfolgung. Die Christen waren daher gesellschaftsbedingt gespalten und durch die Einflüsse anderer Kulte standen sie nicht fest im Glauben. Glaube war stark in der Kritik. Markus wird diesem Umstand gerecht, indem er die Frage aufwirft: Wenn schon nicht die Jesusjünger bei ihm waren, wie sollen da erst Christen sicher im Glauben stehen?
Methodisch hat Markus zielgerichtet vor der Passionsgeschichte einen christlicher Leitfaden gesetzt, dem irdischen Wirken von Jesus. Jesus hat das Christsein vorgelebt und mit der Passion stellt Markus klar, es wird kein leichter Weg sein. Zudem kommen Zweifel an Gott.
Gegenwärtig war die Zerschlagung der jüdischen Revolution und es war den Gläubigen unverständlich, warum Gott die Zerstörung von Jerusalem und dem Tempel zuließ. Auch wenn sich die Juden, nach christlichem Verständnis, auf dem Irrweg befanden, so konnte Gott doch nicht zulassen, dass die Römer sein „Haus“ zerstörten. Aber ein sich verändernder Gott braucht keinen Tempel, da er nicht mehr der Gott ist, den die Juden aus der Thora kannten. Diesbezüglich sollen die Juden nicht vor dem neuen Gott fliehen, sondern sich zu ihm bekennen, statt ihm vehement zu leugnen.    
Vers 8 versteht sich daher als eine prophetische Botschaft von Markus.
1. Seit nicht wie die Weiber, steht und findet fest zum neuen Glauben (wagt euch auf den neuen Weg Gottes).
2. Und ihr Juden erkennt, dass da ein neuer Gott ist, der keinen Tempel mehr braucht.
Markus gibt die Zukunftsbotschaft für die Gemeinde in seiner Gegenwart vor, benutzt dabei eine typische Eigenart der Frauen (ihre Ängstlichkeit), um den Zustand der gegenwärtigen Gemeinde zu schildern (weibisch). Er lässt bewusst die Apostel außen vor, aber stellt den Bezug zu ihnen her. Es wird den Apostel eine Verunsicherung mit Jesus Tod zuerkannt, aber mit der Auferstehung finden sie umso fester zum Glauben zurück. Die nachfolgenden Verse machen dies deutlich, wodurch das Markusevangelium den Anspruch als Leitlinie für die christlichen Gemeinden untermauert und eine klare Botschaft seinerzeit war. Nun ist das mit Texten immer so, dass Sinn und Interpretation missverständlich abweichen können. Insbesondere wurde später gerne mit dem Vers 8 argumentiert, dass Frauen sich nicht für verantwortliche intellektuelle Aufgaben eignen. Künftig sollten sich Frauen aus der Politik oder wissenschaftlichen Tätigkeiten heraushalten oder durften keine führenden Aufgaben übernehmen. Markus wurde also diesbezüglich völlig falsch interpretiert. Er benutzte lediglich die natürliche Ängstlichkeit der Frauen, um jene Wankelmütigen zu kennzeichnen, die sich nicht trauten, sich auf den neuen Glauben einzulassen oder meinte die Juden, die im alten Geiste verharrten und das neue nicht erkennen wollten.

Zusammenfassender Ersatzschluss des Evangeliums  (16,9 – 20)

Nach theologischer Ansicht sind die Verse 9 - 20 eine spätere Einfügungen bzw. sind in der Bewertung sehr umstritten. Es wurden demnach alten Handschriften gefunden, die nicht jene Verse enthielten. Erst um das Jahr 150 ist der Schluss des Evangeliums historisch belegt und es wird vermutet, dass diese Verse zwischen den Jahren 101-149 hinzugefügt wurden. Der bisherige Schluss von Vers 8 ließ die Zukunft offen, mit der Botschaft an die Menschen sich auf den Glauben einzulassen und trotz Zweifel und Anfeindungen, an den Glauben fest zu halten.
Historisch sind viele Jahre vergangen und die Situation der Christen hatte sich verändert. Die Zahl der Christen ist zwar stark angewachsen und zugleich stellten sich neue Glaubensfragen. Aber vor allem verschärfte sich im römischen Reich die Christenverfolgung. Aufgrund dessen wirkte der Vers 8 wie ein unfertiger Schluss. Der neue Schluss beinhaltet die Himmelfahrt, mit einer konkreten Botschaft. Zunächst werden drei Personengruppen genannt, die den Auferstandenen gesehen haben: Maria Magdalena, zwei nicht benannte Jünger und die Elf (= Apostel, Jünger Jesus).
Bei den nicht benannten Jüngern könnte es sich um die Emmaus-Jünger handeln. Im Lukas-Evangelium sind sie enttäuschte Jünglinge vom Jesus-Tod, die auf dem Weg nach Emmaus (heb.= warme Quellen) waren. Als er aber früh am ersten Tag der Woche auferstanden war, erschien er zuerst der Maria aus Magdala, von der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte (Mk 16,9). Maria wird als erste Zeugin bekräftigt und in Anlehnung zum Vers 8, allerdings wird hier die heilende Hand aufgeführt, der (Jesus) sie von ihrem Bösen Sein befreit.
Die redaktionelle Bearbeitung hebt gnostische Missverständnisse aus dem Vers 8 auf. Die Frau war in der Gnosis, ein vereinnahmtes Wesen des bösen Schöpfergottes und somit wohnten in ihr die Dämonen, damit sie ihr Licht nicht erkennt und soll den Mann verführen, damit auch er nicht sein Licht erkennen soll. Mit dem Austreiben der Dämonen, durch Jesu, ist die Frau vom bösen Schöpfergott befreit und kann in ihre neue Rolle, wie der Mann ihr Licht erkennen (s. Gnosis: 1. Korintherbrief).
Die Zahl 7 hat dabei einen symbolischen Wert für die Ganzheit und das Vollkommen sein. Somit wird Maria in den Heiligen Status gehoben, da mit der Zahl 7 auch die 7 Himmel in der gnostischen Vorstellung durchbrochen werden. Eigentlich sind mit dem Vers alle Frauen gemeint und machen sie gleichwertig zum Mann. In der Interpretation setzte sich doch die Ansicht durch, dass ausschließlich Maria damit gemeint ist, worauf sich später die katholische Maria-Verehrung aufbaute.
Maria ist es auch, die nun den Jüngern von der Erscheinung und deren Botschaft berichtet. „Diese ging hin und verkündigte es denen, die um ihn gewesen waren, welche trauerten und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht.“ (Mk 16,10+11). Indem die Apostel trauerten wurde ihr Imageverlust wieder aufpoliert, denn sie haben nie aufgehört an ihn zu Glauben, aber sie konnten seinen Tod nicht einordnen. Als Maria von Jesus erzählte glaubte man ihr nicht, da ihre Worte zu absurd wirkten, den Tod ist Tod. Zum Tragen kommt hier auch noch die gnostische Sicht, dass der Teufel über Maria ein böses Spiel mit den Jüngern spielen will und sie nur einer Halluzination erlegen war. Außerdem gab es das jüdischen Zeugenrecht, wonach man einer Frau prinzipiell kein Vertrauen geschenkte.
„Danach aber offenbarte er sich ... zweien von ihnen unterwegs, als sie aufs Land gingen. Und diese gingen hin und verkündigten es den übrigen; doch auch ihnen glaubten sie es nicht.“ (Mk 16,12+13)
Das die Jünger auch nicht zwei Mitstreitern glaubten, sind ein Zweifel an deren Kompetenz. Zugleich wird das Unverständnis der Jünger zum Ausdruck gebracht, warum Jesus anderen erscheint und nicht zuerst seinen Vertrauten. Jene ungläubige Arroganz gegenüber Zeugen, wird zugleich zu einer Belehrung für jenen, die meinen einen gewissen Anspruch im Glauben zu haben. Im nachfolgenden Text tadelt Jesus den hartnäckigen Unglauben.
Später offenbarte er sich den Elfen selbst, als sie bei Tische saßen, und schalt ihren Unglauben und die Härte ihres Herzens, weil sie denen, die ihn nach seiner Auferweckung gesehen, nicht geglaubt hatten. (Mk 16,14). Jesus rügt damit die Apostel, da sie schon Maria Magdalena hätten Glauben sollen. Sie haben den Glauben nicht gepachtet. Jesus behält es sich vor, wem er erscheint und es klingt ein wenig, wie eine Strafe dafür, dass die Apostel beim Leiden nicht bei ihm waren. Bewusst wird auf 11 Apostel verwiesen, da Judas mit seinem Verrat nicht mehr dazu gehörte. Im Markus-Evangelium wird nicht erwähnt das Jesus seinem Jünger Petrus erschienen ist, so wie in älteren Bekenntnissen.
Bei den Versen 15 bis 18 erteilt Jesu an die Jünger einen Missionierungsauftrag. Der Text ist dabei gnostisch geprägt und zielt inhaltlich auf die kommende Apokalypse. Die Verse 19 und 20, wirken wie ein Happyend, denn Jesus fährt auf gen Himmel, um seinen göttlichen Platz neben Gott einzunehmen. Die Jünger zogen los um ihre Mission zu erfüllen und Gott schickte mit ihnen den heiligen Geist, zur Stärkung des neuen Glaubens (Pfingsten).