7. D. Die Kreuzigung

Die Kreuzigung 

Jesus Kreuzigung  ( Kapitel 15, Vers  20b bis 41 )

Die Überlieferung aus der Passionsgeschichte, erhielt seine jetzige Endgestalt von Psalm 22 und Jesaja 53 her. Beide Schriften berichten über die Sünden des Volkes und das Gott einen Retter schicken wird der die Sünden auf sich nehmen wird und die Menschen durch seinen Tod befreit. Die nachösterliche Gemeinde hatte die alttestamentarischen Texte in der Bibel entdeckt, unter deren Licht sich die Passionsgeschichte besser verstehen lässt.
Die Kreuzigungsgeschichte unterteilen wir zunächst in vier Abschnitte.

1. Der Weg zum Kreuz und die Kreuzigung  (15, 20b - 26)

Jesus wird hinausgeführt, das heißt, vor den Mauern der Stadt, denn Gotteslästerer haben keinen Platz in der Stadt und in der Gemeinschaft. Das jüdische Gesetz verkündet seit alters her, dass Gotteslästerer aus dem Lager der Israeliten auszustoßen sind (Lev. 24,14). Das Ausstoßen dient dem Zweck, dass Gotteslästerer dort zu Tode kommt. Mit der römischen Herrschaft waren Ausgestoßene gleichzeitig Straftäter, die vor den Toren der Stadt gekreuzigt wurden. Der Verurteilte musste dabei sein Kreuz (Querbalken), vom Ort der Verurteilung (Burg Antonia auf dem Tempelplatz) bis zum Kreuzigungsort selbst tragen. Dieser Akt war eine zusätzliche Demütigung und Strafe für den Verurteilten. Nicht selten wurde der Straftäter auf seinen langen Marsch vom Volk mit Schmutz beworfen.
In der Jesuspassion sind es drei Verurteilte und da Jesus, unter der Last zusammenbricht, wird jemand aus dem Volk beordert den Querbalken von Jesus zu tragen. Jene Szene symbolisiert zum einen, die unübliche Pein, die Jesu erduldet haben musste, dass er zu schwach war sein Kreuz selbst zu tragen. Zum anderen, wird der Aspekt des Auf-Sich-Nehmens deutlich, im Sinne von: „Wer mir folgen will, der nehme sein Kreuz auf sich“.
Aber zu jener aktiven, schweren Arbeit muss man gezwungen werden, sie ist kein heldenhaften Entschluss oder von einer Verherrlichung geprägt. Der Träger, der das Kreuz von Jesus tragen muss, wird hier namentlich mit seinen beiden Söhnen genannt. Vermutlich waren sie sogar den Lesern des Markusevangeliums bekannt. Sie waren wohl Diaspora Juden aus Cyrenaica (Nordafrika) und zufällig Augenzeugen. Zumindest spielte die Gemeinde in Cyrenaica (oder Cyrene) immer wieder eine Rolle im Neuen Testament, auch hatten sie in Jerusalem eine eigene kyremäische Synagoge.
Der Hügel Golgatha war der Kreuzigungsort, der von der Form her einer Schädeldecke glich. Jesus wird am Ort der Kreuzigung ein Myrrhe Trank gereicht, dass einer jüdisch /römischen Sitte entsprach. Menschen, die am Kreuz qualvoll sterben sollten, wollte man mit dem Trank betäuben, damit sie ihr Leiden besser ertrugen, aber eigentlich sollte sie dadurch länger Leiden.
Jesus aber lehnte das Getränk ab. Im vollen Bewusstsein durchlitt er deshalb die Qualen, ein Akzent, der sich an Psalm 22 anlehnt: „Er ließ sich nicht betäuben, er hat mit wachen Sinnen auf sich genommen, wohl wissend was er tat.“ Der eigentliche Akt der Kreuzigung, der in der kulturgeschichtlichen Malerei, Musik und Literatur, so reichhaltig gestaltet wurde, findet sich bei Markus nur in drei Worte, ohne jeglichen Pathos, „Sie kreuzigten ihn.“ Für den Erzähler und den Leser, von jener Zeit, war der Kreuzigungstod allgegenwärtig und brauchte keine Details.

Exkurs – Kreuzigung

Die Hinrichtungsart der Kreuzigung, die vermutlich schon bei den Persern verwendet wurde, übernahmen die Römer vom Volk der Punier. In den Evangelien wird Kreuzigung stark thematisiert und die Strafaktion ausführlich geschildert, dennoch muss bei der Form der Durchführung differenziert werden. In alter Zeit unterschied sich die Art der Hinrichtung im Aufhängen oder Aufspießen an einen einfachen Pfahl und nicht immer wurden lebende Verurteilte aufgehängt bzw. aufgespießt. Es genügten zur Abschreckung auch tote Körper.
Die Römer perfektionierten die Strafe, durch ein Anheften an ein zusammengesetztes Kreuz. Das Kreuz besaß die Form des Buchstaben „T“ oder „+“. Einer Kreuzigung ging stets eine Folterung voraus (zur Wahrheitsfindung). Der  Verurteilte musste nackt sein Kreuz selbst zum Hinrichtungsplatz tragen, dazu waren die ausgestreckten Arme des Verurteilten am Querholz angeheftet. Angeheftet hieß, der Verurteilte wurde in der Regel an den Balken gebunden. In besonderen Fällen wurde der Verurteilte zusätzlich an den Unterarmen oder an den Händen am Holz angenagelt. Am Richtplatz wurde der Querbalken (mit dem Verurteilten) an den mitgebrachten Hauptmast befestigt bzw. in die entsprechende Nut eingepasst. Der Mast wurde dann in ein vorbereitetes Loch geführt und das ganze Konstrukt mit Seilen angehoben und in den Boden versenkt und befestigt. Manchmal waren die Hauptmasten schon vorinstalliert, sodass die Verurteilten mit Stützgabeln in die entsprechende Nut gehoben wurden.
Um das Leiden zu verlängern wurde an den Füßen ein Holzklotz angebracht, damit der Verurteilte die Schmerzen an den Armen zwischenzeitlich kompensieren konnten. Der erwähnte Myrrhe Trank sollte zusätzlich eine vorzeitige Schmerzohnmacht verhindern.
Neben der klassischen Form der Kreuzigung, gab es jedoch keine festen Regeln und ließen dem Henker viel Freiraum für ein Umsetzen von sadistischen Horrorphantasien. In der Regel starben die Gekreuzigten nach wenigen Tagen (um die 3 Tage), doch der Leichnam blieb hängen, bis er verwest war oder zur Beute von Raubtieren (Vögel) wurde. Das sollte zusätzlich der Abschreckung dienen.
Manche liberalen Herrscher erlaubten auch eine Bestattung der Verstorbenen am Kreuz.
Die Kreuzigung galt neben dem Löwenfraß (damnatio ad bestias = Menschen in der Arena, mit wilden Tieren kämpfen zu lassen), als grausamste Art der Hinrichtung im römischen Reich. Anfangs wurden jene Hinrichtungsarten ausnahmslos an rebellierende Sklaven praktiziert, aber auch an freigelassene Sklaven (Bürgerrecht), wenn sie sich ihrer Ehre (Freilassung) nicht würdig erwiesen. Für Menschen mit den vollen römischen Bürgerrechten kam die Strafe zunächst nicht in Betracht. Später durften auch Schwerverbrecher, Hochverräter, Aufrührer (dazu zählten auch die Christen), fahnenflüchtige Soldaten oder Tempelräuber gekreuzigt werden.
In den römischen Provinzen besaßen die Stadthalter sowieso die völlige Verfügungsgewalt und sie legitimierten willkürlich die Bestrafungsarten, zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung (coercitio = Macht zur Bestrafung). In Judäa praktizierten vor den Römern bereits die Juden die Kreuzigung, in der hellenistisch – hasmonäischen Ära, besonders gegenüber Hochverrätern. Herodes der Große, verbot dann die Kreuzigungen und erst mit dem römischen Protektorat wurde die Hinrichtungsart wieder eingeführt. Unter den Prokuratoren war die Kreuzigung keine Seltenheit mehr und richtete sich vor allem gegen rebellische Juden. Weil das so war, sahen die Juden die Kreuzigung, nie als ein Symbol ihres Leidens. Tafeln aus jener Zeit bezeugen, die angebliche Schuld von Juden, die eine Hinrichtung nach sich zog. Jene Tafeln wurden den Verurteilten um den Hals gehängt, bei ihrem Gang zum Richtplatz. Übrigens, nicht alle Verurteilten erlitten den Kreuzestod, es gab auch andere Hinrichtungsarten, aber nach historischer Forschung, lautete das überwiegende Urteil Kreuzigung. Neben den physischen Qualen, gab es für die gläubigen Juden noch die psychischen Qualen. Die Kreuzigung ging einher mit einem kategorischen Ausschluss aus der Gemeinschaft und somit auch ein Glaubensausschluss. Man war ein Nichts, ein Schandfleck seiner Familie, der noch nicht einmal Gottes Trost hatte.
Physische und psychische Qualen erlitt auch Jesus Stunde um Stunde am Kreuz. Nach alter Sitte fällt dem Henker die letzte Kleidung und Habe als Beute zu und hat seine Parallele zum Psalm 22,19, in der Demütigung des „Gerechten“, wird die Beuteverteilung belegt.
In der Kreuzigungsgeschichte wird die dritte Stunde erwähnt und meint 9 Uhr morgens (= die 3. Tagstunde, bis 6 Uhr ist Nacht). Die 6. Stunde ist damit 12 Uhr Mittags und die 9. Stunde ist nachmittags um 15 Uhr. Es werden genaue Zeitangaben gemacht, die stark an einen apokalyptischen Fahrplan erinnern (die Zeit/ Tag, wann sich die Apokalypse erfüllen wird). Es ist der genaue Zeitpunkt, der beginnenden Gottesherrschaft und Gott ist präsent in dem Geschehen. Es ist eine Form das göttliche Muss zu äußern und die Leser hören das Signal, hier beginnt das endzeitliche Geschehen, hier greift Gott in die Gegenwart ein.      
Zweimal wird im Text die Kreuzigung (V.24 & V. 25) erwähnt und zweimal wird ihm der Trunk gereicht (V.23& V.36) und zweimal schrie er (V.34 & V.37). Möglicherweise wurden hier zwei Berichte ineinander verarbeitet. Manche Forscher sehen in diesen Quellen, einen stark apokalyptischen Einfluss (V. 25, 33, 34, 38).
Wenden wir uns nun der römischen Schuldtafeln zu, als Verbrechen war zu lesen: König der Juden. Die Verbrechensbezeichnung haben Pilatus und die Soldaten festgelegt, als sie Jesus verhörten bzw. folterten. Mit den Worten fallen verächtliche Verhöhnung und tiefe Wahrheit zusammen. Jesus wurde hauptsächlich auf Grund falscher jüdischer Behauptungen getötet, wobei die Römer die Königsbehauptung durch die Juden, als Beleidigung ihrer römischen Kaiser ansahen. Jesus hatte aber nie einen solchen Anspruch für sich erhoben, er ist der geistige König der Glaubenden des Volkes Israel und nicht der weltliche König Israels und bietet aller Welt den Glauben an Gott an.

2. Die Verspottung des Gekreuzigten (15, 27  - 32)

Der Abschnitt der Passion unterstreicht Jesus Verwerfung und wie sehr er verlassen war. Da sind zunächst diejenigen, die mit ihm am Richtplatz hängen. Der eine ist Barabbas, ein politischer Anführer und der Andere, ein Räuber. Für alle sichtbar ist Jesus zum Übeltäter geworden, unwichtig welches Verbrechen Jesus begangen haben soll, er wird von der Gesellschaft verachtet.
Die nachösterliche Gemeinde entdeckte in Jesaja 53,12 eine Parallele, die das Ereignis erklärbar macht. Die Vorübergehenden lästern über den Lästerer und sehen darin offenbar Gottes Strafe, für die anmaßenden Worte Jesu. Bezüge zu solchem Verhöhnen finden sich im Psalm 22, 8 & 9 und es ist zweifelhaft, ob die Verspottung Jesu eine historische Tatsache ist oder mehr ein verschmelzender Einbau zum Alten Testament. Ein Kernpunkt der Verhöhnung ist der göttliche Anspruch, denn wenn Jesus wirklich Gottes Sohn wäre, so könnte er doch seine göttliche Macht gebrauchen (ähnliches liest sich in der Versuchungsgeschichte bei Matthäus 4,5 -11, „Gebrauche deine Macht zu deiner Rettung“). Jesu ist aber gekommen um die Menschen zu retten, aber nicht sich selbst, somit will auch Gott sein Leiden. Seine wirkliche Macht, ist weder zur Selbsthilfe noch als Schauwunder zu haben, sie gilt allein seinem Auftrag, am Kreuze sterben. Somit haben jene, die mit Jesu gekreuzigt wurden und die Spottenden, die vorübergingen, nichts verstanden von Jesus Macht. Der Leser des Markusevangeliums sollte aber begreifen, dass der jenige, der hier hängt, seine Hingabe ganz allein trägt.

3. Der Tod des Jesu und seine Deutung  (15, 33 - 39)

Zur 6. Stunde (12 Uhr), beginnt eine Finsternis, wahrscheinlich eine Sonnenfinsternis. Es stellt sich die Frage, was soll diese apokalyptisch angehauchte Aussage? Schauen Sie sich dazu Amos 8, 8 -10 an. Markus scheint an jenem Prophetenwort anzuschließen. Die Natur trauert mit, wo himmelschreiendes Unrecht geschieht. Die Textstelle Kapitel 13,24 und folgende, belegt ähnliche apokalyptische Vorstellungen und sieht sie als Vorzeichen Gottes für sein Eingreifen, auf dass das Ende der Welt sichtbar wird. Es wird zum Ausdruck gebracht, dass Jesus Leiden Himmel und Erde in Bewegung bringt (eine historische Sonnenfinsternis in jener Region, zu jener Zeit ist nicht belegt).
Im weiteren Text lässt Markus, Jesus Gottverlassenheit hinaus schreien. Warum? Weshalb zweifelt Jesus an seinem Vater (Gott)? Verständlich wird das, wenn man bedenkt, dass der menschliche Jesus an die Grenzen des Leidens gekommen war. Jesus kam um den Menschen Gott nahe zu bringen, doch Jesus der Gott den Menschen nahe brachte, erreicht ihn nicht mehr. Die damalige Gemeinde betrachtet es (übertragen) als notwendigen Weg Gottes mit seinen Gerechten, auch in aussichtslosen Lagen der Gottverlassenheit zu klagen. Wahrhaftiges Klagen offenbart einen Weg zu Gott. Man kann also sagen, dass Jesus die letzte Stufe des verlorenen Menschseins durchläuft, gepaart mit Zweifel.
In den Versen 35 & 36 wird jener Trank erwähnt, dessen Bedeutung der Verse theologisch umstritten ist. Eventuell ist das noch ein letzter Spott, der Herumstehenden oder der unterstellte Ruf nach Elia, sollte er ein Wunder bewirken, als allerletzte Chance. Mit dem Psalm 22, 2 - 4  wird der Hintergrund deutlich, wie völlig unangemessen die Beteiligten reagieren (Essigtrank), Jesus bleibt als Leidender allein. Dieses Alleinsein, hebt Jesu noch einmal hervor, bevor er stirbt. Niemand wollte sein Ende verhindern. Und während auf dem Berg Golgatha die Stille eintritt, erfährt der Leser bereits die Deutung des Todes. Der Vorhang des Tempels zerreißt (lt. Text), damit wird zum Ausdruck gebracht, dass Kult und Opfer keine Möglichkeit mehr sind Gott zu dienen (Assoziation zur Tempelzerstörung). Gott wohnt nun nicht mehr im Tempel, von nun an gilt nur noch, wer sich zu dem Gekreuzigten als Sohn Gottes bekennt. Wie der heidnische Hauptmann unter dem Kreuz: „... dieser Mann ist wirklich Gottes Sohn gewesen“ (15, 39).

Der Sohn Gottes:
Bei Markus begegnet uns der Titel (Gottes Sohn) in drei hervorgehobenen Punkten:
- Bei der Taufe  (1,11): „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.“
- Bei der Verklärung (9,7): „Dies ist mein geliebter Sohn, höret auf ihn.“
- Bei der Kreuzigung (15,39): „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.“

Die drei Texte stehen in einem inneren Zusammenhang, sie entsprechen auch den Ritualenbei der Einsetzung ägyptischer Könige. Erst wird der Thronanwärter feierlich zum Sohn des Königs - Gottes adoptiert (Taufe). Anschließend wird er als solcher in seiner Würde vorgestellt (Verklärung) und schließlich wird ihm die Weltherrschaft übertragen (Bekenntnis des Hauptmanns, bei der Kreuzigung, der die Welt symbolisiert). Markus bekundet damit, was die Gemeinde an Jesus hat. Jesus hat die Vollmacht erhalten, den Anbruch seines Reiches anzusagen, indem er Gottes Kraft dorthin bringt, wo Menschen Ohnmacht und Not ausgeliefert sind. Der gehorsame Sohn Gottes, bringt die Liebe Gottes bis zu seinem Tode zum Zuge. Dieses Bekenntnis, wird den Heiden in den Mund gelegt und jene die es lesen sind Heidenchristen! 
Im Markusevangelium ist der Titel „Sohn Gottes“, mehr als eine Funktion angesagt und entspricht nicht so sehr seiner Natur als Mensch. Das Bekenntnis des Hauptmanns unter dem Kreuz wirkt wie eine Statistenrolle, einer einzelnen Person, doch sie ist weitaus mehr. Sie eröffnet dem Leser ein allgemeingültiges Bekenntnis. Jesus ist gestorben, nicht nur wie ein leidender Gerechter im alten Israel starb, sondern er ist der Eine, der das Urleiden der Gott-Verlassenheit auf sich genommen hat. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob es den Hauptmann überhaupt historisch gab, sondern wichtig ist das Statement, das Bekenntnis.

4. Die Frauen am Kreuz  (Vers 40 - 41)

Es folgen zwei merkwürdige Verse, mit denen sich die Theologie sehr schwer tut. Es sind Frauen, die am Kreuz Jesus das letzte Geleit geben. Es sind Frauen, die sein Sterben erleben, die ihn begraben und seine Auferstehung erleben. Allen voran ist es Maria Magdalena (auch Magdala), Maria von Jakobus und Salome Zebedäus, und alle sind sie Mütter.
Es stellt sich die Frage, wo waren die Apostel Jesu? Jesu war von allen verlassen, hieß es, aber die Frauen standen ihm doch zur Seite? Woher und warum tauchen plötzlich Frauen auf, die selbst in den Paulus Schriften, zur Auferstehung, nicht erwähnt werden? Bei Paulus sind es ausschließlich Männer, die die Auferstehung des Jesus Christus bezeugen. Warum nun stellt das Markusevangelium in einen ganz neuen Sachverhalt dar?
Bis heute ist es eine theologisch sehr strittige Frage, der man gern aus dem Weg geht. Versuchen wir dennoch eine logische Erklärung. Die Adressaten vom Markusevangelium sind Heidenchristen und von daher ist der Stand der Frau bei den Heiden eine ganz anderer, als bei der Juden. Die Frauen in der heidnischen Welt lebten etwas freier und waren in der Gesellschaft Anerkannter. Es wird damit vermutlich den Umstand Rechnung getragen, dass es vor allem Frauen sind, die sich zum christlichen Glauben bekennen. Es ist ein Glaube, der den Frauen eine gewisse Emanzipation bringt. Obwohl auch der christliche Glaube eine Unterwürfigkeit zur Männerwelt von der Frau verlangt, so wird ihr eine wichtige Rolle im Glauben zuerkannt, indem die Frau der Bewahrer des Glaubens ist.
Schon der Paulus Brief (1. Korinther) sagt klar, dass die Frauen wegen ihrer sündigen Natur sich dem Manne unterzuordnen hat, aber dennoch durch ihre gelebte Gläubigkeit eine wichtige Rolle spielen. In aufopferungsvoller Demut sollen sie den Glauben bewahren, ihren Mann und die Familie stärken und trotz aller Anfeindungen am Glauben festhalten.
Im Rahmen dieser Rolle sind sie die Basis des gelebten Glaubens und verdienen eine würdige Anerkennung ihrer Person. Es sind besonders Mütter, die aufopferungsvoll der Familie dienen. Dabei kommt der Aspekt zum Tragen, dass eine Mutter sich nie von ihrem Kind abwenden würde, ganz gleich was das Kind tat oder getan haben soll.
In diesem Sinne wird im Text Maria Magdalena, als eine solche Mutter gewürdigt, die ihrem Sohn auch in der (vermeintlichen) Schande beisteht. Sie wird begleitet von Müttern, die Jesus und Maria nahe stehen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Frauen sind daher Zeugen des Sterbens Jesus, sie begraben ihn und sind auch erste Zeugen seiner Auferstehung.
Die Textpassage hebt nicht nur die Bedeutung der Frauen im Glauben, sondern unterstreicht auch die Rolle von Maria im Glauben. In der Botschaft des Textes manifestiert sich auch die Ansicht, dass die Frauen ein gleichberechtigter Partner in der Gemeinschaft sind. Gleichberechtigung wird hier allerdings daran gemessen, inwiefern die Frau ihre Rolle füllt. In feministischen Kreisen der Neuzeit, wurde die Textpassage, als Beginn einer revolutionären, gesellschaftlichen Umgestaltung gesehen: Frauen sind mit Jesus Auferstanden und haben somit etwas Heiliges in sich, dass nicht länger unterdrückt werden darf (Gleichberechtigung/ Emanzipation).
Abschließend soll ein Missverständnis geklärt werden. Es entsteht der Eindruck, dass Jesus am Kreuz, die Frauen ignorierte, da er im Text zuvor beklagt von allen verlassen zu sein. Eher ist es so, dass Jesus sich der Treue der Frauen sicher war, aber enttäuscht von jenen war, für die er leidet und ihm nicht die letzte Ehre erwiesen (Jünger).