6. A. Allgemeine Regeln

Exegese  = Schriftauslegung

Vor der Betrachtung der Evangelien ist es notwendig Sie mit der Exegese vertraut zu machen. Anhand des Rüstzeugs für eine Schriftauslegung soll klar werden, wie umfangreich eine renommierte Exegese ist.

Unter Exegese versteht man die Auslegung von Texten des Alten und Neuen Testaments in der christlichen Theologie und für die Glaubenspraxis. Mit Hilfe einer renommierten Schriftauslegung sollen Verkünder und Schriftgelehrtedie Aussagen und Inhalte der Texte erschließen und selbst Laien sind dadurch in der Lage, Bibeltexte zu analysieren. Das heißt, wie die Texte zu verstehen und gemeint sind, in all ihren Zusammenhängen. Hauptaugenmerk ist stets die Berücksichtigung für wen und von wem eine Schrift verfasst wurde.
Gerade die Texte im Neuen Testament verwirren viele Leser, da in drei Evangelien die gleichen Geschichten vorkommen, aber anders formuliert werden. Mit der veränderten Episode verbindet der Autor seine spezielle Botschaft (Evangelium) für jene Gläubigen in seiner Zeit (Sitz im Leben). Das bedeutet, dass die Überlieferungen in die entsprechende Zeit Über-Setzt wurden. Die Texte wurden also insofern verändert, dass sie auf Glaubensprobleme der Zeit eingingen (aktualisiert). Hierbei spielen, unter anderem, historische, kulturelle und wirtschaftliche Bedingungen der Christen in der Antike eine wesentliche Rolle.
Neben dem Sitz im Leben sollen die Evangelien Jesus als den angekündigten Messias (Christus) bezeugen. Dementsprechend gibt es viele Bezüge der Texte zum Alten Testament, die der Wortwahl eine zusätzliche Aussagekraft verleihen. Im Kontext zur beabsichtigten Aussage eines Evangeliums sind die Geschichten zudem oftmals mehrdeutig angelegt. In der Tradition zum Alten Testament sind besonders die Evangelien und weitere Schriften im Neue Testament ein verschachteltes Gesamtwerk. Weil das so ist, sollten gerade die Texte der Evangelien so umfassend wie möglich betrachtet werden, um die Aussage eines Textes zu verstehen, damit sie nicht wie im Mittelalter machtorientiert auslegt werden. Sinn der Exegese ist deshalb auch immer Fehldeutungen und Irrlehren zu vermeiden. Leider haben sich dennoch Lehren verbreitet, die sich auf eine spezielle Betrachtungsart stützen und somit die Texte im Neuen Testament unkorrekt auslegen.
Einer der größten Irrtümer ist dabei, ein Evangelium als Jesus Biografie zu sehen. Bei der Betrachtung zum Markus- Evangelium, wird auch deutlich werden, dass historische Angaben nur ein Stilmittel und keine Wahrheiten vermitteln wollte. Mit einer renommierten Exegese kann man solche fatale Irrwege erkennen, obwohl eine Schriftauslegung immer subjektiv bleiben wird. Philosophisch gesehen gibt keine wahre Erkenntnis oder kein Ideal, aber man kann sich dem propagierten Ziel nähern. Indem man sich der gemeinten Aussage nähert, kann man zumindest erkennen, welche Sichtweisen von Texten deutlich fehlerhaft sind und sogar eine Gefahr für den Glaubenden darstellen.
Da eine Exegese immer eine subjektive Erkenntnis ist, sollte eine Schriftauslegung in der Diskussion mit der Gemeinde oder religiös Interessierten geprüft werden, ob man vielleicht eine wichtige Sichtweise übersehen hat. Im Ergebnis verfügen sie anschließend über einen fundamentierten Standpunkt. Doch sollten sie sich immer vor Augen halten, dass Glaube ein subjektives Empfinden ist. Versuchen Sie also nicht zu missionieren, sondern äußern Sie ihren Standpunkt nur Interessierten, aber benutzen Sie ihre Argumente gegenüber den Fehlgeleiteten, die sich auf gefährliche Glaubenswege eingelassen haben (Fundamentalisten, Enthusiasten).  
Um eine möglichst umfangreiche Exegese anzufertigen empfehlen sich die nachfolgenden aufgeführten Schritte. Daran anschließend finden Sie eine Beispielexegese.

Theoretische Schrittfolge der Exegese

1. Aussuchen eines Textes

In den handelsüblichen Bibeln sind die einzelnen Texte, Gleichnisse, Sprüche, Gebete und so weiter, mit Zwischenüberschriften versehen. Das heißt, innerhalb eines Kapitels einer Schrift können mehrere Texte stehen, die unabhängig voneinander sind und dennoch zu einer Geschichte gehören. Es können auch relevante Texte über mehrere Kapitel gehen oder erst am Ende eines Kapitels beginnen, deren Text im nächsten Kapitel weitergeht.
Grundsätzlich gesagt, ist die Bibel nicht, wie ein Roman aufgebaut. Bei der Bibel wurden Textbausteine passend zu einander geordnet und sind doch selbstständige Texte. Es ist vergleichbar mit Häusern in einer Straße (Kapitel) mit unterschiedlichem Baustil, trotzdem die Häuser (Texte) verschieden aussehen gehören sie zu einer Straße. Und das Texte unlogisch zwischen zwei Kapiteln zerrissen wurden, erklärt sich durch die Niederschrift auf Schriftrollen (später Pergamentpapier) und dem Streit der Gelehrten um die Texte, sodass sich beim Bibeldruck jene verwirrende Einteilung durchsetze.

Zu einer ersten Exegese sollten Sie sich einen kurzen Text, nicht mehr als 2 bis 3 Verse, heraussuchen. Zu empfehlen sind dabei Gleichnisse, die häufig einen Aha-Effekt auslösen, wenn man den Text sachlich analysiert. Die meisten Bibeln bieten zu jedem Text schon mal andere Bezugstexte an.

2. Erstbegegnung mit dem Text

Arbeitsmittel (AM): eine Bibel (z.B.: Luther-Bibel)

Ziel (Z):
Zunächst sollen Sie Empfindungen und Gefühle erleben und sich bewusst machen was der Text bei Ihnen auslöst und diese Erstgedanken formulieren

Aufgabe:
Lesen Sie den Text aufmerksam und schreiben Sie (stichpunkartig) spontan auf, was der Text bei Ihnen persönlich auslöst

Hilfsfragen dazu (HF): 
Was gefällt mir an diesen Text und was gefällt mir nicht? Was löst der Text an Empfindungen bei mir aus? Welche Probleme und Einstellungen höre ich aus dem Text heraus? Was verstehe ich nicht?

Hinweise (X):
Es genügen Stichpunkte, die Sie je nach Arbeitsstil auf verschiedenen Zetteln, nach Problematiken übersichtlich trennen und Gedanken an Hand der Hilfsfragen notieren. (z.B.: Gefühle, was gefällt, was nicht und was verstehe ich nicht?)

3. Textvergleiche

Ziel: Durch den Vergleich unterschiedlicher Bibel-Übersetzungen und Paralleltexten sollen Sie auf Akzente und Probleme im Text aufmerksam werden und lernen die Eigenart des vorliegenden Textes zu erfassen.

3.1. Textvergleiche mit anderen Bibelübersetzungen

AM:  mindesten zwei andere Bibelübersetzungen (z.B.: Dr. Menge-Bibel, Züricher Bibel, „Gute Nachricht“)

Aufgabe: Vergleichen Sie den Text mit Ihrer Bibel und den anderen Übersetzungen. Achten Sie darauf, dass es auch Übersetzungen sind und keine Übertragungen in ein verständliches deutsch sind, wie die „Gute Nachricht“. (Tipp: notfalls genügt eine weitere Bibel zum Vergleich; verschiedene Bibeln können in der Bibliothek ausgeliehen werden). Notieren Sie beim Vergleich die Unterschiede, sowie die auftauchenden Fragen und Probleme. Entscheiden Sie, in welchem späteren Schritt der Exegese eine Frage oder ein Problem zu bearbeiten sind (Tipp: Überlegen Sie genau, was Sie notieren wollen und wie viele Notizzettel sie dafür einrichten wollen. Bedenken Sie, dass Sie bei zu vielen Notizen schnell die Übersichtlichkeit verlieren. Versuchen Sie das Wesentliche zu erschließen.)

HF:   Welche Unterschiede stellen Sie fest? Wie beurteilen Sie diese Unterschiede? Welche Übereinstimmungen fallen Ihnen auf? Welche Sachverhalte davon müssen in anderen Schritten geklärt werden (Notizen, auf die Sie sich noch kein Reim machen können)?

3.2. Textvergleiche parallelen oder/ und mit verwandten Texten

AM:  1. Arbeiten Sie nun mit der Bibel weiter, die Ihnen am verständlichsten erscheint. 2. Um sich zu vergewissern, ob Sie den Inhalt des Textes richtig verstanden haben empfiehlt es, jetzt bei so genannten Tetraplas nachzulesen. Einer Bezeichnung für modernisierte Übertragungen, wie „Die Gute Nachricht“ oder der Kinderbibel. 3. Nutzen Sie den Apparat, das sind kleingedruckte, abgekürzte Randbemerkungen, innerhalb des Bibeltextes oder als Sternchenbemerkung am Rand (z.B.: vgl. Dan. 7,13 = lese dazu im Buch Daniel Kapitel 7 Vers 13). 4. Für die Texte der Evangelien empfiehlt sich die Synopse, ein theologisches Werk, dass die Texte der Evangelien direkt nebeneinander vergleicht / gegenüberstellt.
5. Ein weiteres Hilfsmittel ist die Konkordanz, ein theologisches Werk, was zu jedem Stichwort der Bibel entsprechende Vergleichsstellen angibt. In modernen Bibeln ist häufig eine kleine Konkordanz enthalten und nennt sich „Heilsgeschichtlicher Wegweiser“ und befindet sich am Ende der Bibel. Die kleine Konkordanz enthält allerdings nur die gebräuchlichsten Begriffe, die eigentliche Konkordanz ist dagegen viel umfangreicher. In der Regel genügt aber auch die kleine Konkordanz. (Beispiel: Innere Ruhe = Ruth 3,18 ; Neh.8,11 ...)

Tipp: Die angegebenen Arbeitsmittel müssten ebenfalls in der Bibliothek erhältlich sein. Entsprechende Arbeitsmittel bietet auch das Internet an.
Warnung!!: Nur Vorsicht bei kommentierten Arbeitsmitteln, deren Erkenntnisse sich unterschwellig bei Ihnen festsetzen können und Ihre eigene Auslegung gefährdet. Zu leicht lässt man sich von Internet-Ausarbeitungen beeindrucken. Es gibt auch zu vielen Texten bereits Auslegungen, die sich später als Kontrolle eignen. Wer aber einen Text für sich erschließen will, sollte kommentierte Texte im Internet meiden, zumal auch hier die Gefahr einer Fehldeutung sehr groß ist (verklärte Sekten-Auslegeung).       

Aufgabe: Suchen Sie im Apparat und mindestens in einem weiterem Arbeitsmaterial nach Parallelstellen (beachten Sie, dass Tetraplas lediglich eine Hilfe zum Textverständnis sein können, sind aber ansonsten eher ungeeignet einen Textsinn zu vertiefen). Entscheiden Sie nun, welche Vergleichstexte Ihnen zum Verständnis helfen und beachten Sie die Textfamilie (Hintergrundwissen dazu erhalten sie noch, vorweg ein Beispiel: Der 1. Korintherbrief ist von der Textfamilie her ein echter Paulusbrief). Ordnen Sie bei diesem Schritt Ihre Aufzeichnungen oder/und legen Sie ein überarbeitetes Register an (Neuordnung, Streichen, „Können nun zurückgelegte Fragen beantwortet werden?“).

HF:    Welche parallelen oder verwandte Texte finden sich? Welche sind im Vergleich mit dem vorliegenden Text wichtig? Wie verhalten (stehen) sich die verwandten Texte zum vorliegenden Text (korrigieren bzw. ergänzen, unterstreichen, verändern Sie den Text oder ihre Ausarbeitung).

4.  Form und Stil  des Textes

AM:  Bei diesem Arbeitsschritt sind in der Regel Fachbücher nötig. Selbst wenn Sie die folgenden Bücher in der Bibliothek erhalten sollten, so wäre es extrem zeitaufwendig um ein entsprechendes Buch darüber zu lesen. In den modernen Bibel-Übersetzungen sind zu den Bibelbüchern und Kapiteln entsprechende Angaben enthalten und reichen aus, die Form und den Stil des Textes zu verstehen.
Zur professionellen Analyse des Textes, dient die folgende Literaturauswahl: „Vom werden und Verstehen“ (G. Haufe); „Formgeschichte“ (M. Dibelius);  „Was ist Formgeschichte“ (K. Koch); „Die Entstehung des Neuen Testamentes“ (E. Lohse)

4.1. Form des Textes

Aufgabe: Bestimmen Sie anhand Ihrer Kenntnisse über Formen des Überlieferungsgutes die literarische Form bzw. Gattung des Textes (z.B.: Streitgespräch, Gleichnis). Notieren Sie, was das für die Aussage des Textes bedeutet, dass der Text gerade in diese Form vorliegt (erweitert das Verständnis des Textes).

HF:    In welcher Form oder Gattung liegt der Text vor? Welche Hinweise hat die Form auf  die Bedeutung des Textes (z.B.: Wundergeschichte; Streitgespräch, Lehre)?

4.2. Stil des Textes

Aufgabe:  Bestimmen Sie die stilistischen Eigenarten des Textes! Stilmittel sind zum Beispiel: erzeugen von Bildern; Vergleiche; wörtliche Rede; Argumente; Fragen; Wiederholungen oder der durchgezogene Ich-Stil oder Wir-Stil

HF:  Welche Stilmittel begegnen Ihnen im Text? Was bedeutet das für die Aussage des Textes, dass er die Leser/ Hörer mit bestimmten Stilmitteln anspricht?

5. Überlieferungsgeschichten des Textes

AM: Sie können dazu meine entsprechenden Ausführungen nutzen oder sich über Fachbücher oder dem Internet das entsprechende Wissen aneignen.

Ziel: Sie sollen erkennen welche Überlieferungsstufen der Text, bzw. die verarbeiteten kleineren Überlieferungsstücke durchlaufen haben. Sie werden befähigt den „Sitz im Leben“ des Textes zu erkennen und sollen herausfinden welche Absicht (Motivation, Anlass) der Verfasser des Textes hatte, ihn leitete und was ihn dazu bewegte kleinere Formen zu der Gesamtform des Textes zusammenzufügen. Das heißt, den Anlass und Sinn des Textes zu erkennen!

Aufgabe: Suchen Sie zunächst Anhaltspunkte dafür, ob im vorliegenden Gesamttext ursprünglich kleinere Text-Formen verarbeitet wurden (z.B.: sprachliche oder gedankliche Brüche; auftauchende Worte oder Bekenntnisse, die losgelöst vom Text stehen könnten; ob Sprüche eingearbeitet wurden usw.). Prüfen Sie dann, ob der Text eine in sich geschlossene, einheitliche Form bildet.

HF:  Ist der Text eine in sich geschlossene, einheitliche Form? Auf welchen „Sitz im Leben“ können Sie schlussfolgern? Welche Brüche haben Sie eventuell im Text entdeckt? Entdecken Sie kleinere Formen, worauf könnte sich dann der „Sitz im Leben“ beziehen? Welche Absichten hatte der Verfasser, wenn er eventuell mehrere Texte aus seiner ursprünglichen, selbstständigen Formen zu einem Gesamttext verarbeitete?
Begriff: „Sitz im Leben“ (aktuelle Betroffenheit - siehe auch dazu im 1. Korintherbrief)

6. Zusammenhang  des  Textes

Ziel: Sie sollen herausfinden, in welchem Zusammenhang der Text steht und welche Rolle die Thematik des Zusammenhanges für die Aussage des Textes spielt!

Aufgabe 1: Zusammenhang zur Gesamtschrift: Vergegenwärtigen Sie sich, was Sie über die Entstehungsverhältnisse wissen, des biblischen Buches (Schrift), zu dem der Text gehört. (Tipp: Nutzen Sie dazu das entsprechende Hintergrundwissen zu den Büchern)

HF:  Wann, wo, von wem, für wen, aus welchen Anlas und mit welchen Absichten wurde das biblische Buch geschrieben? (z.B.: wann = politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Situation in der der Verfasser und die Empfänger lebten und welche theologische Absicht der Verfasser verfolgte). Welche jener Angaben tragen zum Verständnis des Textes bei?

Aufgabe 2: grober Zusammenhang: Bestimmen Sie den weiteren Zusammenhang des Textes anhand der bibelkundlichen Übersichten, den groben Inhaltsverzeichnissen.

HF:  Wo beginnt und wo endet der grobe Zusammenhang, in dem der Text steht? Wie heißt die Thematik, um die es in dem groben Zusammenhang geht? Wie kommt die Thematik vor bzw. welchen konkreten Beitrag leistet der Text zur Thematik im inhaltlichen Zusammenhang?

Aufgabe 3:  Bestimmen Sie nun den engeren Zusammenhang des Textes anhand der Abschnitte unmittelbar vor und nach dem Text. Achten Sie hierbei auf zeitlich, geographische, inhaltliche Verklammerungen (Rahmen), sowie auf Namen und sich wiederholende Stichworte, Rückverweise und ähnlichem. 

HF:  Wo beginnt und endet der engere Zusammenhang? Welche Thematik erkennen Sie innerhalb des engeren Zusammenhanges? Wie kommt diese Thematik im Text vor bzw. welchen konkreten Beitrag leistet der Text zu dieser Thematik?

Beispiel:
Sie möchte aus dem Kontext des 1. Korintherbriefes, das Hohelied der Liebe (Kap. 13) exegetisch betrachten:

1. Grober Zusammenhang: Sind die Antworten des Apostel, speziell über die Thematik Geistesgaben (12,1 - 14,40).
2. Engerer Zusammenhang: Kap. 12, 27 - 30: Ausführungen über das Zungenreden ⇒ dazwischen der ausgesuchte
   Text, dem sich Kap 14,2 – 6 anschließt ⇒Unterschiede des Zungenredens.
3. Ergebnis: Das „Hohelied der Liebe“ passt nicht in diesen Zusammenhang. Ein Bruch wird deutlich, der Verfasser
    hat das Lied wahrscheinlich später eingesetzt. Doch an dieser Stelle Stelle eingesetzt, bezieht sich das Lied somit
    auf die Zungenredner, den Enthusiasten!

7.  Wort- und Sacherklärungen

AM:  Je nach Klärungsbedarf dienen diverse Lexikons (im Internet = Wikipedia) oder die Sachregister bei einigen Bibelausgaben. Zur besseren Veranschaulichung dienen Landkarten und Zeittafeln, die ebenfalls in den meisten Bibeln enthalten sind. Zu den Wortbedeutungen ist der „Duden“ oder das Internet „Woxikon“ hilfreich.

Ziel:  Um eine klare und sachgemäße Vorstellung zu erhalten, ist es mitunter nötig fragliche Begriffe zu klären. Namen, Begriffe und Sachverhalte zu klären, heißt Erkenntnisse gewinnen (z.B.: Was heißt Christus? Der Begriff wird häufig als Nachname gesehen).
Bedenken Sie, dass sich so manche Fehldeutungen zur Bibel eingebürgert haben, es empfiehlt auch bekannte Begriffe zu überprüfen. Sie könnten von der eigentlichen Bedeutung der Begriffe überrascht sein. Auch die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Hintergründe sind meistens dazu sehr aufschlussreich.

Aufgabe: Suchen Sie die fraglichen Begriffe, Sachverhalte usw. heraus und klären Sie diese mit Hilfe von Wörterbüchern, Lexika und anderen Arbeitsmittel. Hilfreich sind auch gegebenenfalls spezielle Kommentare oder Darlegungen. Verinnerlichen oder notieren Sie sich deren Bedeutung für ihren Text.

HF:  Welche Namen und Sachverhalte usw. müssen geklärt werden, da sie möglicherweise wichtige Aussagen zum Text machen? Welche Bedeutung haben die fraglichen Dinge (Historisch) speziell auf diesen Text?
Tipp: Sie müssen nicht jedes Wort/Begriff klären, aber folgen Sie Ihrem Gespür welche Begriffe unbedingt geklärt bzw. überprüft werden sollten, da sie für bestimmte Sachverhalte in dem Text erst einen Sinn ergeben.    

8. Aufbau und Gliederung des Textes

AM:  Der ausgesuchte Text

Ziel:  Der Text soll Ihnen in seiner Struktur und seinem Aufbau durchschaubarer werden. Sie sollen sich über die Beziehungen der Teilabschnitte untereinander klar werden.

Aufgabe 1: Aufbau: Machen Sie sich den Aufbau des Gesamttextes klar, wie Einschnitte, Spannungsbogen und Höhepunkt

HF:   Wie ist der Text aufgebaut? Welche Textstrukturen können Sie erkennen?

Aufgabe 2: Gliederung: Gliedern Sie den Text: formulieren Sie (soweit möglich) eigne Überschriften zu Unterabschnitten

HF:    Wie ist der Text gegliedert? Welche Unterabschnitte ergeben sich?

Tipp:  Im „Duden“, finden Sie ein Abhandlungen zur Grammatik zum Thema: Aufbau & Gliederung von Texten, sofern Sie dazu Hilfe benötigen.

9. Fortlaufende Auslegung des Textes

AM:  Ihre gesamten Notizen/ Ergebnisse zum Text   

Ziel:  Jetzt sollen Sie eine fortlaufende Auslegung des Textes erarbeiten, die das Anliegen des Gesamttextes, nach ihrer Meinung, zur Sprache bringt.

Aufgabe:  Fertigen Sie anhand ihrer Unterlagen, eine fortlaufende Auslegung des Textes an. Folgen Sie bei der Auslegung dem Text, sichten Sie dazu Ihre Notizen und formulieren Sie an ihren Ergebnissen ihre Exegese /Auslegung.

10.   Botschaft des Gesamttextes 

Ziel:  Formulieren Sie nun in wenigen Worten die Kern-Botschaft des Gesamttextes an die damaligen Hörer/ Leser.

Aufgabe: Markieren Sie in ihrer fortlaufenden Auslegung, die grundlegenden Gedanken, die im Text zur Sprache kommen. Formulieren Sie die Gedanken in wenigen Sätzen als Botschaft des Textes für die damaligen Hörer / Leser.

Anmerkung:  Dieser Schritt ist zugleich auch Kontrolle ihrer Arbeit, ob überhaupt eine Aussage zustande kommt und ob gemessen an ihrer Aussage, ihre Auslegung stimmig ist. Es ist absolut normal, wenn die erste Auslegung noch einmal überdacht werden  muss. Dieser Punkt ist deshalb ein sehr zeitintensiver Schritt, bei dem Sorgfalt und ein Überdenken oberstes Gebot sind.

11.  Aneignung des Textes                      

Betrachten Sie nun zum Vergleich Ihre Erstbegegnung mit dem Text bzw. erinnern Sie sich, wie sie anfangs den Text gesehen haben.

Ziel: Sie sollen sich bewusst machen, inwiefern Ihre Auslegung des Textes Ihren ersten Eindruck bestätigte oder erweiterte oder in Frage gestellt oder ergänzt bzw. verstärkt hat ⇒ in der Regel gewinnen Sie mit der Exegese eine neue Sicht der Dinge.

Machen Sie sich bei den Auslegungen folgendes bewusst:
1. Wo trifft mich die Botschaft des Textes in meinem persönlichen Leben (Christ-Sein)?
2. Wo trifft mich die Botschaft in meinem Bezugsfeld ... Persönlichkeit/ Beruf/ Freizeit/ Familie?
3. Wo trifft der Text auf meine/ unsere umgebende politische, gesellschaftliche, kulturelle, kirchliche, ... Wirklichkeit? 

12.  Literaturangaben / Quellenverweise

Ziel: Aus rechtlichen Gründen ist es unerlässlich benutzte und zitierte Literaturangaben aufzulisten. Da der Diebstahl vom geistigen Eigentum strafbar ist, könnten Sie finanziell belangt werden, daher sollten Sie alle verwendeten Quellen auflisten. Es ist auch vorteilhaft, gegebenenfalls später noch einmal nachzulesen.

Aufgabe:
1. Notieren Sie folgende Angaben über die benutzte Literatur: Verfasser, Titel des Werkes, Verlag mit Erscheinungsort und Jahr, sowie Auflage und Registriernummer (ISBN)

2. Benutzte Illustrierte/Fachzeitungen: Name der Zeitschrift, Ausgabe (ggf. Jahr, Monat oder Woche), Verlag, Artikel der Zeitschrift (ggf. mit Autor und Seitenangabe).

3. Benutzte Internetseiten: Kopieren Sie dazu die entsprechende WWW-Seite (Link) zu ihrem Quellenverzeichnis.

Wichtig!: Bewahren Sie bei den Quellen die Übersichtlichkeit, ansonsten können Sie Ihr Quellenverzeichnis in ein Platz sparendes kleineres aber lesbares Schriftformat bringen.
Übernommene Texte oder Zitate sind grundsätzlich in der Niederschrift zu kennzeichnen (mindestens als „siehe Quelle …“). In der Regel wird dabei der übernommene Text mit einem „Gänsefüßchen“, (*1) oder einem [1] versehen und die genaue Quelle am unteren Seitenrand benannt. Gleiches gilt für übernommene Bilder, Grafiken, Tabellen oder Diagramme.

Mit der fertigen Exegese können Sie darauf aufbauend eine Predigt oder Ausarbeitung anfertigen, um den ausgesuchten Text mit Ihrer persönlichen Sicht aktuell anwenden zu können.