4. H. Weitere Paulusbriefe

Weitere Paulusbriefe

Übersicht – Paulusbriefe

Möglicher Verfasser
Brief an die Gemeinde
Zeit und Ort /Überarbeitung
Paulus
1. Thessalonicher / 1.Thess
50 in Korinth, eventuell um 48
Paulus
1. Korinther         / 1. Kor
54/55 in Ephesus
Paulus
2. Korinther         / 2. Kor
55/56 in Makedonien
Paulus
Galater                 / Gal
55 in Ephesus oder Makedonien, mögl. auch 49
Paulus
Römer                 / Röm
56 in Korinth, mögl. auch 58
Paulus
Philipper             / Phil
54 in Cesarea oder Ephesus und 60/62 in Rom
Paulus
an Philemon        / Phlm
52 in Cesarea oder Ephesus und 61 in Rom
eventuell Timotheus
Kolosser              / Kol
52 und 61/62; überarbeitet 70 in Kleinasien
ein Paulusschüler
Epheser               / Eph
62 in Rom, überarbeitet 80-90 in Kleinasien
ein Paulusschüler
2. Thessalonicher / 2.Thess
51/52 in Korinth, überarbeitet 95-100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
1. an Timotheus   / 1. Tim
62 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
2. an Timotheus   / 2. Tim
64 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
An Titus               / Tit
62 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien

 

An die Römer:

Inhalt:    Römerbrief
1,1 – 17
       Über Gottes Retterkraft
1,18 – 3,20  Eine Welt in sündiger Not
3,21 – 5,51  Gottes Plan für die Welt
6 – 8            Ein Neues Leben
9 – 11          Das Volk Israel / Juden
12 – 15,13  Ein christliches Leben
13               Staatliche Autorität
15               Jesus als Vorbild

Vom inhaltlichen Schwerpunkt wurde der Brief im NT gleich hinter der Apostelgeschichte
einsortiert und ist eine Art Anhang zu den Evangelien. Im Mittelpunkt steht der Kerngedanke
von der Auferstehung, durch die Jesus zum Christus wird. Dabei unterstreicht Paulus, dass
das Evangelium für Juden und Christen gleichermaßen ist und Jesus mit seinen Tod die
Sünden der Menschen auf sich nahm und nun der Mensch seinem Vorbild folgen soll, damit
sie gerettet sind und erlöst werden.
Paulus schrieb den Brief vermutlich bevor er nach Jerusalem reiste und dort seinen Tod
befürchtete. Er schrieb deshalb den Römern einen sehr intensiven Glaubensbrief, da er nicht
zu hoffen wagte, einmal in Rom predigen zu können (real kam es anders).
In seinem Brief setzt er sich mit der Glaubensgrundlage auseinander und betrachtet dazu die
gegenwärtige Situation der Christen. Philosophierend stellt er die Macht des neuen Bundes mit Gott dar und bringt wehmütig zum Ausdruck, dass die Juden in Jesus, nicht den im AT prophezeiten Messias/ Christus erkennen. Zu verblendet sind sie durch ihre traditionellen Gesetzen, wobei es nicht einfach ist den Glauben zu wechseln. Man kann seine Kleidung, den Beruf oder die Wohnung wechseln, aber nicht den Glauben. Egal wie der Glaube geartet ist, ob religiös, philosophisch, idealistisch oder materialistisch, ein Glaube sitzt tief in der Seele und ist Lebensinhalt, Sinn des Lebens. Je tiefer sich ein Glaube in die Seele eingegraben hat, desto schwerer ist es, den Glauben, sein Leben, zu ändern. Erkennt man seinen neuen Weg, so zerbricht zuvor das bisherige Leben, das nun sinnlos erscheint und Depressionen auslöst.Daher fällt es den Juden schwer, sich auf einen neuen Bund einzulassen. Für die meisten Heiden dagegen sitzt ihr Glaube weniger tief, da ihre bisherigen Götter im Alltag versagten.

2. Korintherbrief

Inhalt:         2. Korintherbrief
1,1  - 2,17
   Grüße und Erklärung zu seinen Reisen
3,1 – 6,10     Der Dienst des Paulus zu Gott
6,11 – 7,10   Bruch mit dem Götzendienst
7,12 – 16      Freude über die Einsicht in Korinth
8 - 9              Begründung einer erneuten   
                      Kollektensammlung
10,1 – 12,13  Worte zu den Kritikern an Paulus
12,14 – 13      Paulus kündigt seinen Besuch an
Inhalt: Galater Brief
1
           Paulus „Es gibt nur ein Evangelium für
             Christen“
2           Erklärung zum reinen, wahren Evangelium
             für Heiden
3 – 4  Philosophie zu Gesetz und Freiheit im Glauben
5 – 6  Paulus „Christus hat die Menschen befreit!“

An mehreren Übergängen wird klar, dass sich dieser Brief aus mehreren Briefen
zusammensetzt. Zentraler Inhalt des Briefes sind das Gemeindeleben und die
Spannungen zur Gemeinde, die die Autorität von Paulus infrage stellt.
Im Laufe des Briefes wird deutlich, dass sich die Wogen wieder geglättet hatten
durch seine Schüler (Timotheus, Titus). Wichtig ist es Paulus noch die Gemeinde
ermahnen, dass sie treu zum Neuen Bund mit Gott stehen und im Sinne Jesus zu
leben, speziell den Kulten der anderen Götzen zu widerstehen.

An die Galater

Anlass des Schreibens ist der Abfall der Gemeinden vom christlichen Glauben.
Kernpunkt dabei ist die Beschneidung, die von den Judenchristen auch für
Heidenchristen gefordert wird.
Paulus stellt unmissverständlich fest, dass seine Heilsbotschaften nicht von
einem Menschen stammen, sondern vom Christus inspiriert sind und sagt
ausdrücklich, dass die Moses Gesetze nicht die Gesetze der Christen sind.
Die Gesetzesfreiheit liegt in Christus begründet und ist die neue Grundlage des
geistigen und sittlichen Lebens. Daher steht es den Heidenchristen frei sich
Beschneiden zu lassen.

An die Epheser

Inhalt: Epheser Brief
1
           Gottes Plan für die Ewigkeit
2,1 -10  Vergangenheit und Gegenwart von Leben & Tod
2,11 – 22  Kulturelle & religiöse Grenzen überwinden
3               Rückblick auf die Arbeit mit Heiden & Gebet
4,1 – 16     Einheit von Christen praktizieren 
4,17 – 5,20  Paulus Slogan „Lebt im Licht!“
5,21 – 6, 9  Beziehung der Christen im Alltag
6,10 – 24    Über die geistlichen Waffen Gottes

Der Brief setzt sich mit der Überheblichkeit der Heidenchristen
auseinander, die den Judenchristen eine falsche Glaubengrundlage
nachsagen. Paulus stellt klar, dass im Glauben zu Jesus Christus
jeder gleichberechtigt ist. Paulus sagt sinngemäß: Es ist egal zu
welchem gesellschaftlichen Stand oder Schicht man zählt, und es
ist völlig unwichtig welche Glaubensbasis man hat, wichtig ist die
gegenseitige Toleranz und alles was den Glaubensinhalt nährt.
Paulus weißt auf das christ-liche Heil hin, dass von Gottes Weisheit,
Kraft und Gnadenerbarmen geprägt ist und mit der Einheit der
Christen, nach dem Vorbild Jesu, wird Glauben wachsen und kann
die Welt verändern.

Inhalt: Philipper Brief
1,1 - 26
        Grüße, Gebet und persönliche
                    Mitteilung     
1,27 – 2,18  Aufruf zur Einheit der Christen
2,19 – 30     Paulus lobt seine Glaubensmitstreiter
3                 Warnung vor Juden, die das Gesetz
                   fordern 
4                 Ratschläge und Ermutigungen,
                    angesichts seines Endes
                    (Paulus Todesahnung)
Inhalt: Kolosser Brief
1,1 - 23
    Einleitung, Gebet und Jesus –Bekenntnis
1,24 – 2,5    Mission: „den Christus in dir erkennen“
2,6 – 4,6   Aufruf zur christlichen Reife gegen
                 Irrlehren
4,7 - 18       Persönliche Mitteilungen

An die Philipper

Die römische Stadt mit liberaler Lebensweise enthielt viel Konfliktpotenzial
zum Glauben. Die christliche Gemeinde glaubte deshalb, im sündigen Umfeld,
den Glauben perfektionieren zu müssen und scheiterte folgerichtig.
Paulus, der besonders gern in dieser Gemeinde war, riet ihnen davon ab, zumal
Perfektion Gefahren in sich bergen. Zu schnell verbirgt man sich hinter Gesetze
und ist nicht mehr fähig auf Veränderungen einzugehen.
Wichtig ist es im Geiste Jesus zu leben, als Vorbild für andere, damit der Glaube
die Welt verändert. Somit sind auch die Moses-Gesetze (AT) nicht bindend für
die Christen.

An die Kolosser

Obwohl Paulus nie in der Gemeinde war, erfuhr er von deren Probleme.
Zentraler Punkt war dabei die Vermischung des Glaubens mit anderen
Glaubensformen, besonders der Gnosis und dem jüdischen Glauben.
In der Gemeinde wurden deshalb die Moses Gesetze durchgesetzt und gnostisch
ein Vermittlungsengel bezeugt. Paulus argumentierte, dass ein Vermittlungsengel die Herrschaft von Christus leugnen würde und dass ein asketischer gesetzlicher Lebensstil den Freiheiten des Christseins widerspricht. Auch sollte man den hellenistischen philosophischen Einfluss aus dem Glauben entfernen, da Glaube durch seine Einfachheit lebt und nur so dem Volk hilft und leitet.

An die Thessalonicher

Paulus schrieb zwei Briefe an die Gemeinde und beantwortet deren Fragen und befasst sich spezifisch mit der Auferstehung, einem Thema zudem die Gemeinde unsicher wirkt.
Im zweiten Brief geht er auf Missverständnisse ein zum Thema Auferstehung. Offensichtlich wollten einige Gemeindemitglieder auf das Endgericht warten und sich dieser Welt entsagen. Unter anderem wollten sie nicht mehr arbeiten, doch Paulus machte klar, wie wichtig die Arbeit ist und wie wichtig es ist, alles vorzubereiten, für die Wiederkunft des Herrn. Somit gilt es als Christ, in jeglicher Hinsicht in der Welt als Vorbild zu leben. 

1. Brief an die Thessalonicher
2. Brief an die Thessalonicher
1             Gedanken über Glaube, Liebe, Hoffnung
2,1 – 16    Über die jüdischen Anfeindungen
2,17 – 3,13  Die Sorge von Paulus vor den Juden
4,1 – 12      Leben im Alltag (Liebe, Sex, Arbeit) 
4,13 – 5,11  Gedanken „Wenn Jesus widerkommt“ 
5,12 – 28      Letzte Anweisungen & Schluss
1                 Grüße, Lob und Ermutigungen
2,1 – 12     „Das Jüngste Gericht wird kommen“
2,13 – 3,5   Dank und Gebet
3,6 - 15       Paulus Worte über das Missverständnis
3,16 – 18    Schlussworte
 

 

An Timotheus

Die Briefe an die Schüler von Paulus werden auch Pastoralbriefe genannt und widmen sich inhaltlich den Thema Gemeindeleitung. In zwei Briefen gibt er Timotheus Anweisungen, wie er die Gemeinde zu leiten hat und welche Eigenschaften zukünftige Leiter haben sollten. Wesentlich ist dabei, wie ein Gemeindeleiter auf Irrlehren reagieren und die Wichtigkeit der Fragen der Gemeinde sondieren sollte. Nicht unwesentlich ist dabei, dass der erste Brief aus dem Gefängnis in Rom und der zweite Brief kurz vor seiner Hinrichtung von Paulus geschrieben wurde. Paulus wollte noch schnell sicher stellen, dass der Glaube auch in Zukunft in seinem Sinne vermittelt wird. 

1. Brief an Timotheus
2. Brief an Timotheus
1         Umgang mit den Irrlehren in Ephesus
2         Grundlagen für das Gebet für Männer/Frauen   
3         Die Eigenschaften eines Gemeindeleiters
4         Über falsche und rechte Lehren   
5 – 6,2   Familiärer Umgang der Gemeindeglieder
6,3 – 21  Der wahre Kampf gegen Irrlehren 
1           Lobesworte von Paulus für Timotheus
2           Dinge die Timotheus noch lernen sollte
3   Paulus warnt vor schwere Zeiten und dem Bösen
4           Letzte Anweisungen von Paulus

 

 

An Titus

Inhalt:   Anweisungen gegenüber den Gottesleugnern /  2,1 – 3,11   Rat: Glauben leben, um zu bekehren / 3,12 – 15    Letzte Anweisungen für Titus Mitteilungen

Auch an den charakterstarken Titus sendet Paulus einen Pastoralbrief. Obwohl Titus bereits in Korinth sein Talent bewiesen hat, die Gemeinde zu beschwichtigen und zu führen, so waren die Schwierigkeiten auch Kreta wesentlich komplexer. Titus hatte es hier mit massiven Widerständen zu tun, die ihn sogar einen Lügner nannten und mit ihren Ansichten den Glauben in Disposition (kretisierten = kritisierten) stellten. 

An Philemon

Der kurze Brief ist äußerlich gesehen ein Dankesbrief und doch widmet sich das Schreiben, dem  Umgang mit Sklaven. Der Überbringer des Briefes ist der Sklave Onesimus, der zum Glauben gefunden hat und den Philemon freilassen soll. Zugleich ist er als gleichwertiger Christ zu behandeln, da auch ihn Gott sein Heil anbietet. In dem Text wird klar, dass Paulus nicht nur die Sklaverei ablehnt, sondern ausdrücklich unterstreicht, dass der Glaube keine Unterschiede im Status kennt. Der Glaube an Jesus ist offen für Aristokraten, Bürger, Bauern, Sklaven und Ausgestoßene, aber jeder sollte seinen Stand im Sinne Jesu nutzen um bedürftigen Brüdern zu helfen und sie als gleichwertige Partner achten.