4. G. Kapitel 15 und 16

Kapitel 15 und 16

Kernthemen: Auferweckung und Endgericht

Auferweckung von den Toten  (Kapitel 15)

Auf der Basis der gnostischen Lehre waren etliche Christen der Meinung, dass es keine Auferstehung gäbe. Paulus setzt sich mit dem Thema in drei Gedankenkreisen auseinander, und gibt dabei keine erschöpfende Antworten, sondern reagiert auf die aktuelle Situation in Korinth und gibt eine Gedankenlinie vor.

1. Paulus erinnert an die Zeugnisse, bzw. an die Erscheinungen des Herrn Jesu Christus (Vers: 1-11): Er zitiert die Bekenntnisformel (V. 3-5: ... und am dritten Tage auferweckt worden ist ...), die aus der Jerusalemer Urgemeinde stammte. Sie gilt als das älteste Oster-zeugnis und wurde von Paulus an die hellenistischen Gemeinden übermittelt.  
Er führt ferner das Zeugnis des gekreuzigten Jesus an, wie er seinen Brüdern erschienen ist, so auch den Aposteln (V. 6-7: ... ist mehr als 500 Brüdern erschienen ...). Paulus verweist darauf, wie ihm selbst Christus erschienen ist (V. 8: ... ist auch mir erschienen). In einer zeitlich, sachlichen Reihenfolge belegt er, die vielen Zeugnisse des gekreuzigten Jesu, denen er nach seinem Tode erschien ist.
Paulus benutzt dabei das Wort „sehen “, was im griechischen auch heißt, „er ist erschienen“ oder „er ist gesehen worden.“ Jesu Christus war demnach eine Erscheinung, dass sich sein Erscheinen ausgesucht hat. Nur auf seine Initiative hin erschien er. Es war also keine subjektive Wahrnehmung, sondern eine objektive Sichtbarmachung. Die Jesus-Erscheinungen sind demnach keine Visionen (Einbildung/ Denkkraft), sondern sind gegenständliche Wirklichkeit (Jesus beschloss jemanden zu erscheinen). So gab sich Jesus dem Paulus zu erkennen. Keine Schrift verrät, wie sich das Erscheinen konkret abspielte, auch nicht Paulus. Es ist auch unwichtig, da der Herr wahrscheinlich den Personen unterschiedlich erschienen ist, wichtig ist sein erscheinen. Für Christen sind jene Erscheinungen, ein letzter historischer Fakt, der Existenz Jesu, aber aus der Sicht von Gott, ist dies der erste göttliche Fakt zum Glauben.

Die ältesten Zeugen haben durch die Erscheinung Jesus, ihn als den erhöhten Herrn erkannt. Er ist ihnen in Form einer Vision begegnet, sie haben sein Handeln erlebt und zugleich Gottes handeln erfahren. Es ist ebenfalls egal, wer dort am Werke war, ob Gott oder Jesu? Dem Menschen steht es frei, darauf zu antworten, jeder nach eigenem Gefühl. Fest steht nur, dass Jesu verschiedenen, bestimmten Personen erschienen ist und das in einer bestimmten Reihenfolge. Bevor er den Zwölfen (Apostel) erschien, zeigte er sich Kephas (=Petrus).
Paulus fügt dazu das Bekenntnis an: Christus ist gestorben für unsere Sünden, nach der Schrift und begraben und auferstanden am dritten Tage. Jenes Zeugnis des Glaubens bringen alle zum Ausdruck, denen Jesu erschienen ist. Dass er nun Petrus zuerst erschien, darauf werden wird in den Evangelien näher eingegangen.
Faktisch wichtig ist an dieser Stelle, dass er den Aposteln erschienen ist, sowie auserwählten Personen, so auch Paulus, der damit eine Rechtfertigung für seine Tätigkeit hatte. Die 500 Gläubigen sind hier ein Beleg dafür, dass die Auserwählten keiner trügerischen Vision erlagen. Andererseits spielt auch im NT die Zahlensymbolik eine große Rolle (siehe AT), wodurch die Zahl 500 keine faktische Zahl ist. Mit dem Erscheinen, ist ein weiterer Aspekt verbunden. In den Schriften wird von dem Erhöhten gesprochen, vom Eingehen in die Herrlichkeit, vom Hinaufsteigen zum Vater, dem hindurchgehen durch die (7) Himmel, vom Eingehen in das Heiligtum oder von der Aufnahme in die Herrlichkeit. Mit den Aussagen wird Jesus erst zum Christus und unterstreicht damit seinen Anspruch der Messias zu sein. Sein Erscheinen und die Himmelfahrt belegen, dass er von den Toten auferstanden sein muss.
Nach der Osterbotschaft, war er bisher gestorben und begraben. Der Gedanke der Auferstehung hat seine Tradition in der jüdischen Apokalypse, wo Paulus besonders die Eschatologie (Endgericht) herausstellt. Die Totenerweckung ist dabei in der Eschatologie ein endzeitliches Ereignis, bei dem Gottes Reich auf Erden entsteht und eine kollektive Auferstehung der Gerechten stattfinden wird. Mit der Auferstehung Jesu, ist er der Erstling der Entschlafenen oder auch der Erstgeborene von den Toten. Da niemand die Auferstehung vorwegnehmen kann, liegt der Schluss nahe, dass mit Jesus die Endzeit, das Endgericht begonnen hat. Mit jener Feststellung, müssen sich die Christen auseinandersetzen und Jesus verstehen, als den Anbruch (beginn) der neuen Welt Gottes. Diesen Grundgedanken anzunehmen, heißt an die Auferstehung zu glauben.

Mit diesem Verständnis bekommt die Aussage „Christus ist gestorben für unsere Sünden“ erst seinen richtigen Sinn und bedeutet „Christus starb den Tod, den der Sünder hätte sterben müssen, auf Grund seiner Schuld, dessen Schuld Jesu mit seinem Tode aufgehoben hat.“ Vom Gedanken der Endzeit reift die Erkenntnis, dass der Mensch ein sündiges Wesen ist. Gott hat das erkannt und schickte seinen Sohn und setzt mit ihm ein Symbol, einen neuen Bund, seine Lehre für das kommende Gottesreich. Die Erkenntnis wird den Jüngern, erst mit dem Erscheinen des Gekreuzigten bewusst. Da Jesus, nach seinem Tode nur einem bestimmten Personenkreis erschien, kommen sie zu der Aussage „Jesus hat irdisch den Tod in Wirklichkeit erlebt und seine Härte erlitten, so ist er gestorben für unser sündiges Sein und macht uns dadurch frei, seinen Weg zu gehen für ein kommendes Gottesreich, weil er auferstanden ist am dritten Tag und mit seinem Erscheinen den Beginn der neuen Zeit vergegenwärtigt und beim Vater (Gott), für uns ein mildes Wort einlegen wird.“ Somit ist die Christus Auferstehung, eine elementare wichtige Grundlage des Glaubens.

2. Stellungnahme zu den ablehnenden Anschauungen in der Gemeinde; vier Argumente von Paulus (Vers 12 – 34).

1. Wer die Auferstehung leugnet, verlässt das Fundament des Glaubens und leugnet zugleich die Auferweckung Jesu. Beides gehört zusammen, die Jesus – Auferweckung ist der Anfang und die Auferstehung an sich das Ziel. Wer also das Ziel leugnet, leugnet den Anfang durch Jesus, aber auch die jetzige Gemeinschaft mit Gott.

2. Wer die Auferstehung für nicht nötig hält, der verkennt die Wirklichkeit und die Macht des Bösen. Es muss dabei unterschieden werden, in dem Jetzt und dem DanachJetzt erfolgt der Anbruch der Gottesherrschaft und dem Sieg Christus über Sünde und Tod, aber auch noch jetzt, bei der währenden Fortdauer der Welt, in der Sünde und Tod noch existieren, üben sie auch noch Macht aus. Danach kennzeichnet die endgültige Vernichtung jener Mächte. Das heißt, Christen sind im irdischen Leben Bürger zweier Welten, sie sind Bürger der neuen Welt Gottes, aber auch noch Bürger der alten Welt. 
Jesus begann für uns den Kampf gegen die alten Mächte und wir Christen sollen ihn fortführen, denn die alten Mächte sind nur angeschlagen, aber noch nicht besiegt. Somit ist die Auferstehung notwendig für den endgültigen Sieg über die alten Mächte.

3. Wer die Auferstehung leugnet distanziert sich vom notwendigen Kampf gegen die alten Mächte und bezweifelt, dass die Bewährung des Glaubens im Alltag stattfindet. Wer die Auferstehung leugnet, leugnet das Jüngste Gericht und damit seinen Glauben und ist damit nur Tod. Wer nun aber die Glaubenserkenntnis gewonnen hat, ist noch nicht gerettet. Erst im Endgericht, wird Gott nach deinem Leben fragen, ob du nur Gott allein gedient hast, ob du seine Gebote geachtet hast, ob du Brüderliebe geübt hast und vor allem mit deiner ganzen Existenz den gekreuzigten Christus verkündigt hast? Glaube, ist daher eine Gabe und zugleich Aufgabe und kein Besitz. Der Glaube bewährt sich durch ein verantwortungsvolles Leben.

4. Wer die Auferstehung leugnet, glaubt nicht an Gottes Heilswerk. So glaubt er nicht an die Neuschöpfung, die neue Welt, dass aus Nichtsein Sein wird und Tod der Anfang des Lebens ist. Allen Menschen bietet somit Gott, über Christus, seinen neuen Bund an.

3. Wie werden Tote auferstehen? (Vers 35 - 58)

Paulus räumt ein, dass er auf die Frage keine klare und eindeutige Antwort geben kann. Er unterstreicht aber, dass er fest an eine endgültige Neuwerdung der Welt in naher Zukunft glaubt. Mit Gleichnissen versucht er der Frage nach dem Wie nachzugehen.
Die Natur als Gottes Schöpfung, führt Paulus als Gleichnis und Hinweis an, gegenüber der Auferweckung als Gottes Neuschöpfung. Die Vielfalt des irdischen Lebens zeigt uns, Gottes unerschöpfliche und unbegrenzte Schaffensmöglichkeiten, was auch für die Zukunft der Welt gilt. Eine Pflanze entsteht aus einem Samen und bevor die Pflanze erlischt, legt sie neuen Samen an. Samen und Pflanze, sind zwei verschiedene Formen, aber ist es nicht denkbar, dass die irdische Daseinsform völlig verschieden zur anderen Formen sein kann? Ist es nicht möglich, dass aus Sterben wieder Leben wird?

Die irdische Daseinsform ist geprägt mit einem Körper, der Vergänglichkeit und der Verweslichkeit. Die himmlische Daseinsform könnte jedoch körperlos, unvergänglich und unverweslich sein. Zwei unterschiedliche Formen sind zwar wahrscheinlich, aber identisch bleibt die Person (der Samen) und meint nicht nur die Seele.
Zum Verständnis des Wortes Seele sei gesagt, Seele ist ursprünglich in der gnostischen Vorstellung, nur das göttliche Sein, schlechthin das Gute im Menschen. Heutzutage wird nicht mehr so deutlich unterschieden. Seele meint heute, die gesamte Geistigkeit eines Menschen bzw. das geistige Wesen (Psyche) eines Menschen. Das Gleichnis würde heute, statt Form eine identische Person meinen und ein neues Leben versteht sich ausschließlich als körperloses Geistwesen.
In einem weiteren Gleichnis führt Paulus den Übergang zu einer neuen Form an. Wir können ein Bauwerk verändern, es solange umgestalten, bis von seiner ursprünglichen Form nichts zu sehen ist und neuartig wird. Übertragen gesagt heißt dass, so wie wir die Kleidung wechseln können, so ist es möglich vom irdischen Leben in ein ewiges Leben zu wechseln. Eine biblische Formel lautet dazu, „wie Adam, so die Menschheit ist, so ist Christus die neue Menschheit.“ Paulus versucht damit klar zu machen, dass mit der Auferweckung etwas Neues geschieht, aber noch keiner wissen kann, wie es geschehen wird, aber erahnen kann, was geschehen wird.

Abschluss und „Endgericht“   (Kapitel  16)

Abschluss: Am Ende seines Briefes bittet Paulus um eine Kollekten Sammlung für die Notleidenden in Jerusalem. Eine Kollekte ist stets eine freiwillige Opfergabe der Gemeinde zu einem bestimmten Zweck. Die Opfergabe besteht heute ausschließlich aus Geld, früher umfasste es auch Esswaren oder Handelswaren. Generell dienten Kollekten einem wichtigen Projekt der Gemeinde oder allgemein einem Hilfszweck (heute z.B.: „Brot für die Welt“ oder Eine Sammlung für Erdbebenopfer).

Zur Armut in Jerusalem sei gesagt, dass die Bürger diesen Zustand selbst mit verschuldeten. Bedingt durch die ständigen Unruhen, unterlies es die römische Oberherrschaft sich um das Versorgungsprobleme zu kümmern. Andererseits wirkte sich das arrogante Verhalten der jüdischen Bürger (sie sind die wahrhaft Gläubigen) gegenüber der Landbevölkerung verschärftend aus. Demzufolge horteten viele Landgemeinden ihr Getreide und gaben einen Selbstzweck vor, wie für eigene kultische Zwecke. Meistens verkauften sie ihr Getreide lieber profitabel an ausländische Händler (z.B.: Ägypter). Durch den Getreidemangel in Jerusalem, unterlag das wenige Korn, das in der Stadt angeboten wurde, einem Preiswucher. Die Armen der Stadt konnten die verlangten Gelder nicht bezahlen, wodurch in Jerusalem ständig eine Hungersnot herrschte.
Die hellenistischen Heidenchristen murrten immer stärker dagegen und unterstellten Jerusalem sich parasitär zu verhalten.
Paulus verwies darauf, dass eine Kollekte den Zusammenhalt der Christen dokumentierte. Er sah die Kollekte als eine Bewährungsprobe für die Christen in Korinth an, ob sie das Evangelium mit Leben füllen konnten und wollten. Nach der Kollekten Aufforderung berichtet Paulus von seinen Reiseplänen und von den abgeschlossenen Reisen und kündigte den Besuch seiner Schüler Apollos und Timotheus an.
Er schließt mit Grüßen, indem er auch Grüße von anderen übermittelt.

Zusammenfassend: Das Grundproblem der Gemeinde in Korinth, ist das gnostische Missverständnis des Evangeliums, wo der irdische Jesus keine große Rolle spielt. Die gnostischen Christen sehen sich überheblich, als schon Erlöste und damit schon als Auferstandene zum neuen himmlischen Leben. Sie glaubten den göttlichen Geist zu besitzen und das Zungenreden wäre ein Beweis dafür, somit meinten sie ekstatisch ihre Vollkommenheit ausleben zu können. Es ist ihnen demzufolge alles erlaubt, denn sie fühlen sich nicht mehr als irdische Wesen. Sie sehen Christus als den Erhöhten, weil sie damit selbst zu den Erhöhten gehören, aber ein gekreuzigter Jesus ist für sie inakzeptabel.
Mit der enthusiastischen Frömmigkeit, glauben sie schon in den Himmel zu stürmen und nahmen die Erde nicht mehr ernst. Ihnen tritt Paulus entgegen, mit der zentralen Botschaft vom Kreuz. Das gerade im gekreuzigten Christus, die göttliche Kraft und die göttliche Weisheit stecken. Er holt die gnostischen Christen wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und reagiert auf interne Streitigkeiten in diesem Sinne. Das neue Reich ist angebrochen, aber noch nicht vollendet, verkündet Paulus und das alle Gaben von Gott kommt und daher der Gemeinde dienen soll und ist nicht zum Selbstzweck gedacht. Christen leben noch in der realen Welt und werden an ihrem Leben gemessen, müssen sich aber in ihrem Glauben bewähren. Wer Jesus zugehört hatte, weiß, dass sich keiner seiner Stärke und Weisheit rühmen sollte, wichtiger ist zu Lieben.
Der Christ ist zwar frei, doch nicht ohne Grenzen, weil er auf seinen (Glaubens) Bruder achten sollte, denn in der Gemeinschaft liegt das Maß der Freiheit. Der Gemeinschaft gegenüber, liegt auch die Verantwortung von Christen und verlangt eine irdische Realität und keinen enthusiastischen Himmelsflug. Es gibt keine Teil-habe an der Herrlichkeit des Auferstandenen, sondern lediglich die Teilhabe an der Kreuzes-nachfolge. Jene Personen, die im Sinne des Gekreuzigten, verantwortungsvoll und uneigennützig nach Liebe streben, erkennen jetzt schon das Zeichen des Auferweckt seins, auf dessen Vollendung aber noch gewartet werden muss. Der Grundaspekt des Kreuzes in Erwartung des Endgerichtes, ist der rote Faden von Paulus, dem er folgt, in seiner Argumentation zu allen weiteren Anfragen und Streitpunkten der Gemeinde von Korinth. Allerdings wird bei den Fragen zum Gemeindeleben sein jüdisch geprägter (Pharisäer) Ursprung deutlich.
In seiner Vermittlung zwischen Heidenchristen und Judenchristen orientiert sich Paulus an die die jüdischen Traditionen und deren Grundlage, dem Alten Testament.
Lange Zeit diente der Korintherbrief als Bezugsquelle für das Gemeindeleben in allen christlichen Gemeinschaften. Zur Stellung der Frau sei noch einmal betont, dass in der gesamten antiken Welt die Frau unterprivilegiert war, nur in der jüdischen und christlichen Religion war das besonders krass. Mit der humanistischen Entwicklung des Menschen hat das Christentum einige Ansichten von Paulus revidiert und auch reformiert. Dennoch kann man heute sagen, dass nach wie vor, die katholische Kirche, sich mit der Reformierung schwer tut und dem Zeitgeist stark hinterher hinkt.
Aber das ist ein eigenes Thema für sich, da sich hier überlegenswerte Argumente für ein Für und Wieder gegenüberstehen. Nur eines sollte man immer bedenken, alles was als fortschrittlich propagiert wird, ist real nicht immer das Beste für den Menschen. Insofern gelten Paulus Gedanken heute noch, dass es wichtig ist die Seele zu füllen und nicht den Magen und deshalb soll der Christ nach Regeln leben, damit die Verführung des Bösen nicht seine Seele Frist.   

Exkurs: Eschatologie = Endgericht

Die Lehre der Eschatologie wurde nicht von Paulus entwickelt, aber von deren Sicht her ermahnt, rät und tröstet er. Er referiert dabei nicht die Lehre, sondern verwendet die Begriffe, je nach der Situation der Fragenden („der Herr richtet ...“, „Gott wird uns aufwecken ...“, „das Wesen dieser Welt vergeht...“).

Der Gedanke des Endgerichtes stammt aus der der jüdischen Tradition der Apokalypse. Im Alten Testament begegnet uns ein Gott der mit Israel geht, ein Glaube, der auf das irdischen Leben ausgerichtet war. Mit der babylonischen Gefangenschaft, wurde die Frage nach der Treue und Gerechtigkeit Gottes existenziell bedeutend. Wo ist Gott? Warum hat er das seinem Volk angetan?
Die Antwort war eine neue Bundesaussage, ohne ein eigenes zukünftiges Reich. Mit der persischen Religion wurde das Volk Israel/ Judäa, mit dem Gedanken der jenseitigen Welt konfrontiert. Kernpunkt der persischen Vorstellung war, dass der gute, fromme Mensch nach seinem Tode ins Jenseits des Lichtes kam und böse Menschen kamen in das Reich der Finsternis. Den Gedanken entwickelten die Juden für sich selbst weiter und unter der späteren Einbeziehung hellenistischer Vorstellungen, schufen sie daraus die jüdische Apokalypse.
In den Vorstellungen war es zunächst möglich gleich nach dem Tode, von Gott verurteilt zu werden (kanaanäischer Einfluss: Himmel / Hölle). Die jüdische Apokalypse, geprägt von den Pharisäern, erwartete dagegen einen mächtigen Messias. Er sollte das Gottesvolk in das beginnende Gottesreich führen, zum Endgericht, wo die Gerechten auferweckt werden und teilhaben am endgültigen Reich Gottes. Über die direkten Vorstellungen zum Endgericht, gibt es im Judentum keine dogmatischen Vorschriften. Selbst in den Reihen der Pharisäer, gab es keine klaren Vorstellungen und die Sadduzäer lehnten die Lehre sogar ab. Die Eschatologie ließ den Gläubigen die Freiheit sich die Zukunft so oder so vorzustellen und selbst in der Betrachtung zum Messias, gab es einen gewissen Spielraum.

Wie bei den Juden, gab es auch im Christentum keine klaren Vorstellungen und Paulus vermied es, die Eschatologie zu definieren. Neben dem Endgericht, ließ man die Möglichkeit offen, gleich gerichtet zu werden. Wie schon oben erwähnt, hielt man es für möglich nach dem Tode ins Paradies oder in die Hölle zu kommen, was aber kein endgültiges Urteil war. Beim Endgericht Gottes sollten die Lebendigen und die Toten gerichtet werden, bzw. erweckt werden, um an Gottes Reich teilzuhaben, sofern man ein Gerechter (Gottesfürchtiger) war. Aus den verschiedenartigen Vorstellungen formuliert Paulus lediglich eine Art Formel: Auferweckung Jesu = beginnendes Reich Gottes ⇒ das den Christen zur neuen Schöpfung seines Reiches macht  + am Ende werden alle Auferstehen + das Endgericht Gottes erwarten + sich ewiges Leben oder ewiger Tod entscheiden.
Jesus ist das Saatkorn, aus dem die Christenheit erwächst und mit dem Glaube (die Macht der Liebe) stark wird, bis zum Endgericht, dass ewiges Leben verspricht, durch das vollkommene Reich Gottes.

Zum Thema Endgericht lesen Sie bitte auch die Johannes Offenbarung!