4. B. Erster Korinther Brief

Der erste Korinther Brief

Allgemeine Angaben
Exkurs: Die Stadt Korinth
Textstellen über Paulus und der Gemeinde in Korinth
Inhaltsübersicht über den 1. Korinther-Brief

 

Allgemeine Angaben

Abfassungszeit:  vermutlich Anno 54 oder 55    
Abfassungsort:  Ephesos bzw. Ephesus (an der Westküste Kleinasiens/ heute Türkei)
Verfasser:  Apostel Paulus (vermutlich)          
Empfänger: Sosthenes, Gemeindevorsteher von Korinth
Anlass des Briefes: Claudius Edikt  (der Kaiser verfügte die Ausweisung der Juden aus Rom)
Absicht des Briefes:  Die Gemeinde zu festigen und sie in ihrem Glauben zu bestärken
Erweiterter 
Grund: Von einer Abordnung aus Korinth, hörte Paulus beunruhigende Nachrichten
                       über den Zustand der Gemeinde und brennende Fragen, die die Gemeinde bewegten. 

Hauptthemen des Briefes:  Über die Spaltung der Gemeinde - - - Bewertung eines Inzest-Falles - - -
Behandlung von Rechtsstreitigkeiten zwischen Gemeindemitgliedern - - - über den Missbrauch christlicher Freiheiten
- - - der Unordnung im Gottesdienst, speziell Abendmahl

Spezielle Fragepunkte: Über die Ehe und das Leben, als Unverheirateter - - - Umgang mit den Nahrungsmitteln,
die Götzen geopfert wurden und der Teilnahme an Veranstaltungen in
Götzentempeln - - - Anfrage über eine
Kopfbedeckung im Gottesdienst, insbesondere der
Frauen, sowie der Stellung von Frauen im Gemeindedienst - - -
Bewertung von Geistesgaben
(Zungenreden) - - - Streitigkeiten über die Bedeutung der Auferstehung  

http://www.bistumspresse-zentralredaktion.de/sites/default/files/images/glauben/2017/17_1_Korinth.jpgExkurs: Die Stadt Korinth

Korinth ist eine griechische Stadt, westlich von Athen, auf der Peloponnes Halbinsel. Sie befindet sich in der Nähe einer Landzunge, zwischen Ägäischen Meer und den Ausläufern der Adria, als Golf von Korinth (Kanalstraße zur Adria). Die Stadt gilt als ein wichtiger Verbindungsort zwischen Italien und Kleinasien. Geographisch, liegt der Ort am 23. östl. Längengrad und 38. nördl. Breitengrad.  

Vorgeschichtliches: Wegen ihrer strategischen und wirtschaftlichen Lage zu Athen, war die Stadt besonders wichtig und demzufolge hart umkämpft. Im Jahre 146 v. Chr. wurde die Stadt deshalb von den Römern völlig zerstört. Alle Kunstschätze der Stadt wurden nach Rom gebracht, alle überlebenden Einwohner wurden versklavt und die restlichen Häuser wurden dem Erdboden gleich gemacht. Über hundert Jahre lang, erlaubten die Römer nicht, dass der Zankapfel wiederaufgebaut wird. Erst auf die Initiative von Kaiser Julius Cäsar wurde Korinth im Jahre 44 v. Chr. wieder aufgebaut, als römisch geprägte Handelsmetropole. Ein geplanter Kanal zwischen der Ägäis und der Adria bei Korinth wurde nie begonnen.

Wirtschaft (Anno 50 bis 60): Die neue errichtete Stadt errang schnell ihre einstmalige Blüte zurück. Die strategische Lage, war ein günstiger wirtschaftlicher Standort und ein wichtiger Umschlagplatz des Ost-West-Handels, zumal ein bisheriges Umsegeln der Halbinsel Peloponnes, nicht ungefährlich wahr (Piraten). Bei Korinth befanden sich zwei Häfen, Kenchreae im Osten (zur Ägäis) und Lechaion im Westen (zur Adria). Zwischen den beiden nahgelegenen Häfen, gab es schnelle Transportverbindungen. Auch ein „über Land ziehen“ von Schiffen war möglich über eine schmale Landmasse (Isthmus).
Aufgrund der schmalen Anbindung zum griechischen Festland rechnet man Peloponnes, aus geographischer Sicht zur Halbinsel, zu der auch die Stadt Korinth gehört.
Da Korinth zu einer der wichtigsten Hafenstädte im römischen Reich wurde, entwickelte sich ein lebhafter Handel und ein emsiges Treiben. Aus der gesamten bekannten Welt kamen Menschen und belebten die liberale Stadt. Besonders das Töpferhandwerk und die Webkunst verbreiteten sich stark. Zu den vielen Fremden zählten auch handwerklich, geschickte Juden. Inschriften belegten, sogar eine jüdische Synagoge (Kirche). Im griechischen Sprachgebrauch, wurden die Juden Hebräer genannt.

Das Leben in Korinth: Die Stadt war eine relativ junge Stadt und hatte deshalb keine festen Traditionen und Gesetze. Zahlreiche Zuwanderer aus den verschiedensten Ländern bewirkten eine multikulturelle Lebensart. Korinth wurde somit auch eine Stadt der Extreme, mit starken Gegensätzen zwischen arm und reich. Villen und Gärten zierten den Reichtum der wohlhabenden Kaufleute, daneben in den Hafenvierteln lebte die Schifferbevölkerung in elendigen Behausungen und dazwischen tummelte sich die Mittelschicht.
In der Hafenmetropole regierten am Abend die Trunkenheit und die Unzucht, verbunden mit einer hohen Kriminalität (typische Hafenmetropole, vergleichbar mit Hamburg). Das bunte Völkergemisch bot auch die Grundlage für Freiheiten, die es in keiner anderen Stadt gab. Speziell die sexuellen Exzesse brachten die Stadt in Verruf. Eine Stadt, in der Recht und Ordnung eine Definitionssache waren und ein gottloses Treiben herrschte. Dabei gab es in keiner anderen Stadt, so viele Heiligtümer und Glaubensrichtungen. Die eigentliche Schutzgöttin war Aphrodite (Venus), der zu Ehren ein Tempel gebaut wurde.
Auf dem Marktplatz eine Statue der Pallas Athene und auf dem Weg zur Burg Heiligtümer der Isis, zwei des Serapis, ein Tempel der syrischen Göttermutter, Altäre des Helios und anderen Gottheiten.
In dieser Poly-Religiosität, fand auch der jüdische Glaube seinen Platz,
auf deren Basis sich der christliche Glaube entwickelte. Jeder Kultus konnte sich hier relativ frei entwickeln, ohne nennenswerte Spannungen untereinander. Das polykulturelle Leben, lockte viele Menschen an, verführte sie zur Sünde und dem vielfältigen Spaß. Als Inspirationsquelle nutzten Philosophen die Stadt, sie konnten dort wertvolle Studie über den Menschen durchführen.
Zur Belustigung des Volkes diente ein Amphitheater, dass (soweit nachweisbar) das größte in Griechenland war. Auch die so genannten Isthmischen Spiele, lockten Jahr für Jahr, zahlreiche Zuschauer aus der griechisch-römischen Welt an. Die römischen Fechterspiele begeisterten die Massen und ebenso die Gebildeten. Obwohl anfangs die meisten Gebildeten die Raufspiele ablehnten, so verfielen sie dennoch dem Rausch des Amüsierens. In einer Stadt mit einem pulsierenden Leben, war ein geistiges Niveau eher untergeordnet. Korinth war geprägt von einer starken Zu- und Abwanderung, von ständig neuen Ereignissen, Problemen und Vergnügungsmöglichkeiten. Hier rollte das Geld, war die Lasterhaftigkeit zuhause und man lebte oberflächlich in den Tag. Korinth, stand in den Augen der römisch-griechischen Welt, für ein verdorbenes Leben, unmoralisch, lasterhaft und kriminell.
Gerade deshalb sehnten sich viele Menschen in der Stadt, nach einer geistigen Heimat. Sie suchten Zuspruch, Hoffnung und Wärme im Glauben. Doch die antiken Götter taugten dazu nicht und der Gott der Juden, war nur für die Hebräer da. Aber der christliche Glaube bot Gottes Zuspruch allen an, die sich auf ihn einließen. Deshalb fand der christliche Glaube schnell viele Anhänger. Aber schon bald tauchten Probleme auf, zwischen dem Glauben und dem Leben in der Stadt. Wie sollte man nach Gottes Regeln leben, wenn das Umfeld die Sünde selbst ist? Wie sollte man mit seinem Umfeld umgehen, ohne angefeindet zu werden? Viele elementare Fragen des Glaubens wurden gerade hier aufgeworfen und verlangten von Paulus eine situationsentsprechende Antwort, für ihren speziellen Alltag.

Herkunftsdynamik: Nichts auf dieser Welt entwickelt sich aus sich selbst heraus, sondern schöpft bewusst oder unbewusst aus einer Inspirationsquelle oder einem fördernden Gegenüber und ist eine spezifische Situation, die zur Triebkraft wird.

In der Stadt Korinth war so eine besondere Situation gegeben, die sich als Nährboden für eine bestimmte Entwicklung eignete. Zunächst gestattete das multikulturelle Leben der Stadt, die ungehinderte Entwicklung des Glaubens und den Aufbau christlicher Gemeinden. Im lasterhaften Umfeld bot der Glaube Zukunftsperspektiven an und kam dem freiheitlichen Denken entgegen, sodass alle Menschen Glaubensbrüder wurden. Die oberflächliche und lasterhafte Lebensart führte jedoch zu grundsätzlichen Glaubensproblemen. Der Apostel Paulus war deshalb gezwungen, die wichtigen Fragen der Gemeinde zu beantworten und schuf damit explizit Regeln für die christlichen Gemeinden.
Das wiederum macht den Korintherbrief so wertvoll, da Paulus einen praktischen Leitfaden für den christlichen Alltag schrieb und somit den Grundstein für das Gemeindeleben legte. Somit initiierte die Situation in Korinth eine allgemein verbindliche Basis für die gesamte Christenheit, für den gelebten christlichen Glauben in einer angefeindeten Welt.

Textstellen über Paulus und der Gemeinde in Korinth

- 50 - 52: Paulus gründet in Korinth eine christliche Gemeinde (Apg. 18)
- 54 - 57: Paulus in Ephesus, im Schiffsliniennähe existierte wahrscheinlich ein mündlicher und schriftlicher Verkehr (Apg.19)
- Paulus schreibt den Korinthern einen Brief (1. Kor. 5,9) und er erhält einen Brief aus Korinth (1. Kor. 7,1), von Boten
- Paulus erhält durch die Boten mündliche und schriftliche Anfragen der Gemeinde und verfasst daraufhin den (offiziellen)
   1. Korintherbrief (1.Kor. 1, 11 & 16, 12-17)

- Paulus schickt Timotheus nach Korinth, als Übermittler (1.Kor. 4, 17 & 16, 10-11)
- Paulus schickt Titus nach Korinth, der eine Kollekte durchführen soll, worauf die Gemeinde verärgert reagiert und nun 
   seine Legitimation als Apostel anzweifeln; Paulus schickt 
daraufhin einen Verteidigungsbrief (2. Kor. 8,6 & 12,18)
-  Paulus auf Kurzbesuch in Korinth (2. Kor. 2,1 & 12,14 & 13,1) und stößt dabei auf seine Widersacher
    (2. Kor. 2,5 ff & 7,12), diskutiert mit ihnen und reist nach Ephesus zurück

-  Die Erlebnisse von Korinth, verarbeitet er in dem sogenannten Tränenbrief (2. Kor. 10 -13)
-  Paulus schickt Titus zu einer 2. Reise nach Korinth, Paulus selbst reist nach Troas und trifft sich dann mit Titus in
    Mazedonien und erhält von Titus eine freudige Botschaft = 
Versöhnungsbrief, dritter Teil im 2. Korintherbrief
    verstreut (2.Kor. 2, 12 ff & 7, 5 ff)

-  1. offizielle Kollekten Schreiben durch Paulus = integriert als 4. Teil im 2. Korintherbrief
-  Paulus schickt erneut Titus nach Korinth, dem ein 2. Kollekten Brief folgt = 5. Teil im 2. Korintherbrief (2. Kor. 8)
-  Im Jahr 57 weilt Paulus in Korinth (2. Kor. 12,14 & 13,1)

                                                              (Anmerkung: In Klammern textliche Bezüge. Apg = Apostelgeschichte)

Aus dieser Darlegung wird klar, dass Paulus mehrere Briefe geschrieben hat und zumindest der 2. Korintherbrief eine Sammlung von Briefen ist. Das heißt, die wichtigsten Inhalte der separaten Briefe wurden im 2. Korintherbrief verwoben. Aber auch der 1. Korintherbrief ist nach heutigen Erkenntnissen kein Original, zumindest wurden einige Texte später eingefügt. Es ist weiterhin zu Bedenken, dass Briefe damals sehr lange unterwegs waren und von vertrauenswürdigen Boten per Schiff oder über Land überbracht wurden. So mancher Brief kam deshalb gar nicht an, wodurch es zu Missverständnissen kam, besonders wenn der Bote versuchte den Inhalt des Briefes nachzuerzählen. Was aber vor allem deutlich wird, ist dass es zwischen Paulus und der Gemeinde Spannungen gab. Er regelte die Konflikte zunächst nicht selbst, sondern schickte Timotheus (der anscheinend versagte) und dann Titus (der wesentlich erfolgreicher war). Das Verhältnis zwischen Paulus und Korinth, schien sich offenbar an der Kollekten - Forderung zu reiben, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Inhaltsübersicht über den 1. Korinther-Brief

I. Eingang des Briefes                                                                                Kap. 1, Vers 1- 9

II.  Missstände in der Gemeinde                                                                     1, 10 bis 6, 20

1. Das Parteienwesen in der Gemeinde                                                                   1,10 – 4,21
Feststellung des Tatbestandes und die Wiedersinnigkeit des Parteitreibens           1,10 –1,17
Das Wesen und die Wirkung des Wortes vom Kreuz                                             1,18 – 1,31
Dem entsprach auch die Predigt des Paulus zu Korinth                                          2, 1  -  3, 4
Richtige Schätzung der Lehrer ( Missionare )                                                         3, 5  -  3,25
Persönliche Schlussbemerkungen                                                                            4, 3  – 4,21

2. Sittliche Missstände in der Gemeinde und ihre Beseitigung                                5, 1 – 6,20
Rüge wegen Unzucht                                                                                               5, 1 -  5,13
Rüge des Prozessierens vor heidnischen Gerichten und ähnlichem                         6, 1 – 6,11
Warnung vor der Unzucht und Betrachtung über die Sünder                                  6,12 – 6,20

III. Antworten des Apostels auf die Anfragen der Gemeinde                                7 bis 15

3. Über Ehe und Ehelosigkeit                                                                                   7, 1 – 7,40
Themen: Wert der Ehe - - - Verhalten der Ledigen - - - Scheidung christlicher Ehen - - -
Verhalten in Mischehen  - - - Vorschriften über die Stellung und dem Stand von Christen in der Gesellschaft - - -
Ratschläge zur Verehelichung junger Frauen und Wiederverheiratung von Witwen

4. Genuss von Götzenfleisch und den Gebrauch der christlichen Freiheit                8, 1 – 11,1
Themen: Behandlung geäußerter Ansichten (Erkenntnis, Rücksicht, Werte) - - - Selbstlosigkeit des Apostel
Paulus als Vorbildwirkung - - - Gefahren der Teilnahme bei Götzenopfermahlzeiten - - - Mahnung solche
Opfermahlzeiten zu meiden - - -
Verhalten durch gesellschaftliche Zwänge

5. Verhalten der Männer und Verschleierung der Frauen beim Gottesdienst       11, 2 – 11,16

6. Tadel der Missstände beim Abendmahl, Weisungen für eine würdige Feier    11,17 - 11,34

7.  Unterweisung über die Geistesgaben                                                               12, 1  - 14, 40
Themen: allgemeines über die Geistesgaben und ihren Zweck - - - die Liebe als höchste Geistesgabe, ihr Wesen,
ihre Vollkommenheit - - - über die prophetische Beredsamkeit und das Zungenreden - - - Vorschriftordnung für
erbauliche Versammlungen - - - Schlusswort

8. Belehrung über die Auerweckung der Toten                                                    15, 1 – 15, 58

Themen: Tatsache der Auferstehung Jesu - - - über die damit verbundene Hoffnung - - - über die Art der
Auferstehung - - - über die Verwandlung bei der Vollendung der Gläubigen

IV. Geschäftliches und Persönliches                                                                          Kap. 16
Kollekte - - - Reisepläne des Paulus - - - Ankündigung des Besuches von Timotheus und Apollos nach Korinth - - -
Grüße anderer Gemeinden an Korinth - - - Segenswunsch