4. A. Anmerkungen zu Paulus

Anmerkungen zu Paulus

Biografisches zu Paulus
Anmerkungen zur Datierung
Die Paulus Briefe
Echte und unechte Briefe
Exkurs zur Briefform

 

Biografisches zu Paulus

Paulus (lat.; hebräisch = Saulus), wurde etwa im Jahre 10 als Paulus Tarsus in Kilikien geboren, als Sohn einer Zeltmacherfamilie (Nachfahren vom Stamme Benjamin).
Durch
den Rabbi Gamaliel war seine Bildung streng jüdisch geprägt, dennoch orientierte er sich zunächst am hellenistischen Judentum. Nachdem Saulus Zeltmacher wurde (wie sein Vater), schloss er sich den Pharisäern an und kehrte in seinen Ansichten zu den väterlichen Glaubenswurzeln zurück.
Charakterlich galt er als Ekstatiker, der zu heftigen Wutausbrüchen neigte und verfolgte eifrig und verbissen seine Ziele und Aufgaben. Als Pharisäer und dem väterlichen Einfluss, war er ein leidenschaftlicher Verfechter des jüdischen Gesetzes und verfolgte amtlich und aktiv die Christen in Judäa. Saulus verfolgte besonders jene Christen, die sich seiner Meinung zu stark vom Gesetz entfernt hatten (Samaritaner), die sich schon historisch bedingt von Gott entfernt hatten und nach seiner Meinung immer wieder dazu neigten Gott zu beleidigen.
Den christlichen Glauben kannte er jedoch nur schemenhaft und wusste nichts über Jesus.
Im Jahr 33 oder 34 hatte er auf dem Weg nach Damaskus eine Vision. Ihm erschien Jesus Christus (Damaskus Erlebnis), wodurch sich sein Leben völlig veränderte. Er bereute zutiefst seine Taten gegenüber den Christen. Da sein hebräischer Namen Saulus mit dieser Schande in Verbindung stand, legte er den Namen ab und nannte sich fortan Paulus (römisch). Sein Weg führte ihn von Damaskus nach Antiochia (Nordsyrien), zum Prediger Barnabas, wurde dessen Schüler und begann seine ersten Predigten zu halten. Durch die Begegnung mit Jesus fühlte er sich zum Apostel berufen und auch autorisiert.
Im Jahre 36 nahm er über Barnabas Kontakt zu den eigentlichen Aposteln in Jerusalem auf, die ihn zwiespältig aufnahmen und wegen seiner Saulus-Vergangenheit reserviert gegenüber standen. So sollte er zunächst das Wort Gottes in Tarsus studieren, bevor ihn Barnabas wieder nach Antiochia holte und sie gemeinsam die Gemeinde stabilisierten.
In den Jahren 45 bis 48 erhielt er den Auftrag andere Gemeinden zu missionieren, so begab er sich auf seine erste
1. Missionsreise.

1. Missionsreise 45 - 48: vom syrischen Antiochia → Zypern → Attalia und Antiochia (Südtürkei) → Antiochia (Syrien)

Im Jahr 49 nahm er am Apostelkonzil von Jerusalem teil und wollte offiziell als Apostel bestätigt werden. Nach harten Auseinandersetzungen zwischen den anerkannten Aposteln wurde Paulus, aufgrund seiner aktuellen Verdienste, zum Apostel ernannt. Da die Apostel weiterhin zerstritten blieben, um die Person Paulus schickte man ihn auf eine 2. Missionsreise, um ihn loszuwerden

2. Missionsreise 49 - 52:  Antiochia (Syrien) → Südtürkei → Troas (NW-Türkei) → Phillipi, Tessalonich (N- Griechenland/ bei Salonicki) → Athen und Korinth → Ephesus (NW -Türkei) → Antiochia (Syrien)

Von 51 bis 53 hielt sich Paulus überwiegend in Korinth auf, bevor er nach Antiochien zurückkehrte. Im Zusammenhang mit seinen Missionsreisen und den entstandenen Gemeinden, schrieb Paulus in der Folgezeit seine Briefe. Im Jahr 58 bis 60 begab sich Paulus auf seine dritte Missionsreise und wurde bei seiner Rückkehr in Jerusalem verhaftet, eingesperrt und nach seiner Anhörung unter Arrest gestellt.

3. Missionsreise 58 - 60:  nach Tyrus (Libanon) →Milet, Ephesus, Assos (W- Türkei) → Griechenland über Phillipi und Korinth → Antiochia und Jerusalem

Da sich Paulus auf seine römischen Bürgerrechte bezog, schickte ihn die Verwaltung von Judäa (in Cäserea) als Gefangener nach Rom, die zugleich zur vierten inoffizielle Missionsreise wurde.

4. Missionsreise (Schiffsreise) 60/61: von Cäserea (Libanon) über die SW- Türkei → Kreta → Malta nach Rom

Statt einem Verfahren wurde er in Rom er lediglich bewacht und konnte sich ansonsten frei bewegen, da er in Augen von Rom nichts Unlauteres getan hat. So durfte Paulus in Rom seinen Glauben predigen und Briefe schreiben konnte. Vermutlich reiste er zwischenzeitlich sogar nach Südfrankreich. Schließlich wendete sich die Stimmung in Rom gegen die Christen und Kaiser Nero machte die Christen für den Großbrand (64) in Rom verantwortlich. Paulus, als ein Anführer der Christen, wurde verhaftet und zum Tode verurteilt. Vermutlich wurde Paulus im selben Jahr enthauptet, es gibt aber auch Thesen, die seinen Tod auf das Jahr 68 verlegten.

Anmerkungen zur Datierung

In den Schriften des NT finden sich keine Datumsangaben, wodurch die Forschung in unterschiedlicher Weise Zeit und Ort zu bestimmen versuchte. Bis auf das NT, gibt es kaum Quellen in anderen antiken Schriften über Jesu oder die Entstehung der christlichen Kirche. Mühsam müssen textliche Hinweise, in den Briefen, mit historischen Fakten geprüft werden. Ebenso verhält es sich zu den Daten zu den relevanten Personen des NT, so auch zur Person von Paulus. Über die zur Verfügung stehenden Fakten kann zumindest erschlossen werden, wann vermutlich was war.

Hier ein Beispiel über den Aufenthalt des Paulus in Korinth.
Das Paulus in Korinth war, beweist indirekt die so genannte „Delphische Inschrift “, ein in Stein gehauener Brief des Kaisers Claudius an die Stadt Delphi (100 km von Korinth). Im Brief wird Gallio erwähnt, dass mit der Apostelgeschichte Kapitel 18, Vers 18 ff belegt wird.  Gallio war Statthalter von Achaja, der in Korinth weilte, als Paulus dort missionierte. Die auftauchende Zahl, 26ter, bezieht sich historisch auf Claudius, der als 26. Kaiser Roms ausgerufen wurde und dem Jahr 52 entspricht.
Die Bewertung der Fakten (Kaiserkrönung & Gallio), mit den Angaben aus der Apostelgeschichte belegen, dass Paulus etwa im Jahr 52
in Korinth war. Da die Amtszeit eines Prokonsuls 2 Jahre betrug und das Claudius Edikt (Ausweisungsgebot) in der Apostelgeschichte erwähnt wird, wirkte Paulus in Korinth etwa von 51 - 53. Diese letztendlich oberflächliche Darlegung macht deutlich, wie schwer es ist, an Hand von Textstellen, geschichtliche Abläufe zu rekonstruieren.
So wurden die Paulus-Briefe
in einem Zeitraum von 14 bis 17 Jahren erstellt, obwohl seine Hinrichtung in Rom zeitlich fraglich ist. Allgemein wird das Jahr 64 angenommen, aber neuere Untersuchungen gehen vom Jahr 68 aus, wodurch sich sein schriftliches Schaffen verlängerte. Es bleibt also festzuhalten, dass sämtliche Zeitangaben zu den Anfängen des Christentums sehr vage sind. Selbst die historischen Fakten der Antike durch Chronisten, sind nicht immer belegt. So nahmen es einige Chronisten nicht so genau mit der Datierung und später führte die Umstellung der Zeitrechnung zu Übertragungsfehlern. Aus diesem Grund werden Sie bei verschiedenen Betrachtungen zum Christentum auch unterschiedliche Daten finden.
So könnte der Todeszeitpunkt von Jesus im Jahr 31, aber auch im Jahr 33 gewesen sein? Zudem kommt die Frage nach dem Verfasser bzw. Abfassung von Schriften, die bis heute nicht geklärt sind und somit einen großen zeitlichen Spielraum offenbaren. Bei der folgenden Paulus-Biografie beziehe ich mich auf aktuelle Daten (2016).

Die Paulus - Briefe

Möglicher Verfasser
Brief an die Gemeinde
Zeit und Ort /Überarbeitung
Paulus
1. Thessalonicher / 1.Thess
50 in Korinth, eventuell um 48
Paulus
1. Korinther         / 1. Kor
54/55 in Ephesus
Paulus
2. Korinther         / 2. Kor
55/56 in Makedonien
Paulus
Galater                 / Gal
55 in Ephesus oder Makedonien, mögl. auch 49
Paulus
Römer                 / Röm
56 in Korinth, mögl. auch 58
Paulus
Philipper             / Phil
54 in Cesarea oder Ephesus und 60/62 in Rom
Paulus
an Philemon        / Phlm
52 in Cesarea oder Ephesus und 61 in Rom
eventuell Timotheus
Kolosser              / Kol
52 und 61/62; überarbeitet 70 in Kleinasien
ein Paulusschüler
Epheser               / Eph
62 in Rom, überarbeitet 80-90 in Kleinasien
ein Paulusschüler
2. Thessalonicher / 2.Thess
51/52 in Korinth, überarbeitet 95-100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
1. an Timotheus   / 1. Tim
62 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
2. an Timotheus   / 2. Tim
64 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien
ein Paulusschüler
An Titus               / Tit
62 in Rom, überarbeitet um 100 in Kleinasien

 

Echte und unechte Briefe

Bei der Vielzahl von Briefen des Paulus ist zu bedenken, dass Nachforschungen ergeben haben, dass nicht alle Briefe wirklich von Paulus geschrieben worden sind. Deuteropaulinen, nennt man jene Briefe, bei denen es erhebliche Bedenken gibt, ob es sich um keine Originale handelt. Die inhaltliche Form und der Stil der Briefe entsprechen aber dem paulinischen Denkstil und wurden somit in den Kanon aufgenommen. Sie eigneten sich hervorragend als Lehrbrief und waren vermutlich von Paulus Schülern geschrieben worden, wodurch die Briefe (Bezug zu Paulus) autorisiert waren.
Zu den Deuteropaulinen gehören: der Brief an die Epheser, Kolosser, der 2. Thessalonicher Brief, die zwei Briefe an Timotheus und der Brief an Titus.
Echte Paulinische Briefe sind somit: beide Briefe an die Korinther, der Brief an die Galater & Philipper & Römer, der erste Thessalonicher und der Brief an Philemon.
Von allen Briefen sticht der 1. Korintherbrief hervor, da sich der Brief ganz konkreten Anfragen der Gemeinde widmet und somit zum Leitfaden für ein christliches Gemeindeleben wird. Grundlegende Fragen des Christseins werden in dem Brief beantwortet und lassen sich auf alle anderen christlichen Gemeinschaften übertragen. Mit dem 1. Korintherbrief wurde im Prinzip der Grundstein für ein christliches Gemeindeleben gelegt. Aus diesem Grund wird auch nachfolgend der 1. Korintherbrief ausführlicher behandelt.
Im NT steht zuvor der Römer-Brief, der mehr die Glaubensbasis thematisiert. Auch die anderen Briefe haben spezifische Inhalte, besitzen aber nicht jene elementare Tragweite, wie der 1. Korinther für das Gemeindeleben. Außerdem lässt uns der 1. Korintherbrief erahnen, in welcher aktuellen Situation sich die Gemeinde von Korinth befand. 
Vorweg sei zu den Briefen angemerkt, dass immer fraglich ist, wer der Verfasser des Briefes ist und inwiefern mehrere Briefe zu einem verknüpft wurden? Eine Theorie besagt auch, dass möglicherweise Paulus seine Briefe hat schreiben lassen (Schriftgelehrter Schüler).

Exkurs zur Briefform
Wichtig bei der Betrachtung ist auch die damalige Briefform vom Korintherbrief. In der nachfolgenden Tabelle finden Sie eine Gegenüberstellung eines heutigen Briefes zu
einem antiken Brief und dem Stil des Paulus.

 
Heute
Antike
Paulus
Briefkopf
(privater
  Brief )
 
Berlin, den 01.01.2000
Klaus Mustermann, 
Muster Straße 100,
10000 Mustermark
 Claudius Hexus
 
 
 „Paulus – berufen zum Apostel Jesu Christi
   durch den Willen Gottes“
 
 
 
Empfänger
 
 
Liebe Eltern!
Wie geht’s euch ...
Habe euren Brief ...
Wie ich erfahren habe ...
Dem edlen Landpfleger Felix
 
„Bruder Sosthenes, der Gemeinde Gottes,
zu Korinth, dem berufenen Heiligen,
samt allen, die den Namen des Herrn
Jesus Christi anrufen“
Einleitung
  Segens –
   Wunsch
(unüblich -> daher mehr einleitende Floskeln )
 
Möge dir Heil
zuteil werden ...
 
„Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Herrn und dem Herrn Jesus Christi.“
Brieftext
 
 
Meiner Meinung nach
solltet ihr …bis ich wiederkomme.
Wie ich erfahren
habe, wollt ihr...
 
„Ich danke Gott ... dass er mich mit seinen Geist lenkt, um euch zu raten …“
Schluss
(Grüße)
Es grüßt Euch euer Klaus!
Ohne formalen Schluss!
Bestehend aus: übermitteln von Grüße aus anderen Gemeinden und schließt mit einer Warnung (wenn jemand ...) und den Worten: „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch. Meine Liebe ist mit allen in Christus Jesus.“

Die Worte: „Sei mit euch“, ist hier keine Floskel (leere Redensart), sondern ein ernstgemeinter Zuspruch. Wer im Geiste Jesus Christi lebt, dem ist die Gnade des Herrn (Gottes) gewiss und Paulus ist autorisiert diesen Geist zu verkünden.