1.B. Geschichte konkret

Geschichte konkret

Dieser Teil beinhaltet wichtige Fakten zur Geschichte zu Lebzeiten Jesu und den entstehen der ersten christlichen
Gemeinschaften, die zum Verständnis des neuen Testaments nötig sind!

Teil 1: Namen und Fakten zur jüdischen Geschichte

Teil 2: Daten zur Geschichte der ersten christlichen Gemeinschaften

1. Namen und Fakten zur jüdischen Geschichte

Beginn der römischen Herrschaft:
Im Jahr 65 v.Chr. zerschlug der römische Feldherr Pompeius, Hilfe der Makkabäer das griechische Seleukidenreich. Trotzdem stellte Pompeius unmissverständlich klar, dass Rom die neuen Herrscher über Judäa sind. Ein unüberlegtes Betreten des Temples mit Waffen (Entweihung), führte zu wütenden Angriffen auf die Römer, die daraufhin ein Blutbad veranstalteten. Trotz des Vorfalls erlaubte er den Makkabäern die Selbstverwaltung,sie waren aber dem Stadthalter von Syrien rechenschaftspflichtig. Im Streit um die Herrschaft über Judäa konkurrierten Aristobal und Hyrkanos, worauf Gesandte den Tribun (Verantwortlicher eines Teilreiches) Pompeius um ein Urteil baten. Ungeduldig riss Aristobal die Herrschaft an sich, worüber Pompeius verärgert war.
Aristobal und seine Söhne wurden gefangen genommen und Hyrkan, wurde zum Hohepriester ernannt, was einem Königstitel entsprach. Hyrkanos, dem II. (67- 40 v.Chr.), wurde der Hohen Rat und die Provinzen Judäa, Idumäa, Galiläa, Samaria und Peräa unterstellt, wodurch die Makkabäer-Herrschaft gesichert war. In den Jahren 49 bis 45 v. Chr. versuchte Julius Cäsar alleiniger Imperator über das römische Reich zu werden und löste einen Bürgerkrieg aus. Nach der Ermordung von Julius Cäsar folgten interne Machtkämpfe. Während der Zeit waren die Provinzen sich selbst überlassen.
Die Makkabäer verhielten sich dennoch loyal zu Rom, zumal die Pharisäer zunehmend an Einfluss gewannen und die Bevölkerung Judäas gegen die Makkabäer aufwiegelten. Im Jahr 43 v. Chr. wurde ein erneutes Triumvirat (Dreier-Herrschaft) gegründet. In den Wirren der Zeit wurde Antipater (auch Antipatros oder Antipas) zum Regenten über Judäa, unklar ist, ob er von den Römern oder Hyrkanos ernannt worden ist. Hyrkanos wollte vermutlich weiterhin Hohepriester (geistiger Führer) bleiben und die Politische Herrschaft von Antipater stellte symbolisch die Treue zu Rom dar. Vermutlich wurde deswegen Antipater von religiösen Eiferern vergiftet (40 oder 43 v. Chr.).
Antipater, war der Vater von Herodes, die beide aus Idumäer (i. d. Bibel auch Edomiter genannt) stammen und für die Juden als Ausländer und feindliches Brudervolk galten.
Herodes, der Verwalter von Galiläa, schwor blutige Rache. Eine Invasion der Parther (Neu-Persien) machte den plan zu nichte und Herodes musste sogar flüchten. Die Parther setzten in Judäa Hyrkanos ab und erhoben den Makkabäer (Hasmonäer) Antigonos zum Regenten, der jedoch von allen gehasst wurde, so auch vom eigenen Herrschaftsgeschlecht.

Herodes der Große (37 v. Chr. – 4 v. Chr)
Vermutlich 73 v. Chr. geboren und war später mit der Makkabäerin Mariamne verheiratet. Mit der Führsprache von seinem Vater wurde er Verwalter über Galiläa und Samaria. Nachdem sein Vater ermordet wurde und er fliehen musste (s.o.), kehrte Herodes mit römischen Truppen zurück. Von 39 bis 37 v. Chr. vertrieb er die Parther und war ab 37 v. Chr. der Herr über Judäa. Der bisherige Regent Antigonos wurde (36 v. Chr.) hingerichtet. Auf Bitten seiner Frau machte er den 16-jährigen Aristobulos zum Hohepriester. Aber während des Laubenhüttenfestes zeigte sich der Aristobulos als inkompetent und ließ seine Ermordung durch die Diener zu. In der Folgezeit entflammten Widerstände über die Rechtmäßigkeit Herodes als Regent, also sollte das Triumvirat entscheiden (30 v. Chr.). Durch den Einfluss von Octavian wurde Herodes als Regent bestätigt und zum König ernannt. In der Folgezeit erweiterte Rom den Herrschaftsbereich von Herodes und wurde größer als das davidische Reich.
Herodes versuchte ein liberaler und umsichtiger König zu sein und führte sein Reich in eine Blüteperiode. Neben einer stabilen Wirtschaft konnte sich auch das geistige und kulturelle Leben gut entfalten. Trotzdem Herodes ein Vasall Roms war, genoss sein Reich ein relative Autonomie. Zu seinen baulichen Leistungen gehörte der prachtvolle Tempelausbau, den Bau einer Wasserleitung für Jerusalem, die einzigartige Hafenanlage von Caeserea Martima und die Felsenfestung Masada. Als im Jahre 25 v. Chr. eine Dürre herrschte, senkte er sofort die Steuern und kaufte in Ägypten Getreide, wodurch sich die Not in Judäa in Grenzen hielt.
Seine Verdienste wurden jedoch verkannt und wurden, sowohl in den jüdischen, als auch in den christlichen Schriften sehr negativ dargestellt. Für die Juden war er ein Ausländer und ein Römerfreund, der den Tempelschatz plünderte für die Baumaßnahmen. Die Pharisäer wiegelten das Volk zusätzlich auf, weil seine Herrschaft das erwartete Gottesreich in weite ferne Zukunft rückte. Zudem trachtete ihm das Herrscherhaus der Makkabäer nach dem Leben. Im Jahre 29 v.Chr. deckte er eine Verschwörung seiner Frau Mariamne auf, die er hinrichten ließ. Einen weiteren Mordanschlag 27 v. Chr. konnte er vereiteln. Weitere Intrigen und er Undank der Bevölkerung ließen ihn zu einem verbitterten Herrscher werden. Zunehmend reagierte er überzogen auf Unruhen im Land und auf vermeintliche Aktionen gegen ihn.
Es heißt, er habe 10 Ehen geführt, doch kann man davon ausgehen, dass die meisten Mätressen waren und er keiner Frau wirklich vertraute. Auch soll er, bei einer erneuten Verschwörung (7 v. Chr.), die Kinder mit Hasmonäer-Frauen hingerichtet haben. Die Legenden um Herodes weichen allerding stark voneinander ab, und als sicher gelten Todesurteile gegen 4 Söhne. Die Darstellung im NT über den Kindermörder Herodes, ist dagegen stark übertrieben. Nach Ansicht der Bibel, soll Herodes prophezeit worden sein, dass ein König (Jesu) geboren wurde, der seine Herrschaft beendet. Daraufhin soll Herodes den Mord an alle Neugeborenen befohlen haben.  
Fakt ist aber, dass Herodes gestorben war, bevor Jesus geboren war. Im Jahre 4 v. Chr. starb Herodes als kranker und gebrochener Mann, der mit seinen letzten Atemzüge einflussreiche Juden hinrichten lassen wollte. Seine aktuelle Frau verhinderte das.
Letztendlich war Herodes zum Tyrannen geworden, der eigentlich nur Gutes wollte, aber für seine Taten nicht gewürdigt wurde, sondern angefeindet wurde.

Augustus: (Ehrentitel = der Erhabene)
Gaius Octavius wurde 63 v. Chr. geboren und war ein Neffe von Julius Cäsar. Nach der Ermordung von Cäsar ergriff Markus Antonius die Initiative der Rache und stellte danach ein erneutes Tiumvirat her. Octavian war einer der drei Regenten. Schließlich versuchte Markus Antonius die Macht an sich zu reißen und Octavian zu bevormunden. Schließlich verliebte sich Antonius in die ägyptischen Königin Kleopatra und verlor sein Rückhalt in Rom.
Es brach eine offene Feindschaft zwischen Antonius und Octavian aus. Um 31 v. Chr. agierte Octavian als Regent des römischen Reiches. Nach dem Sieg über Antonius erhielt er den Titel Cäsar (= Kaiser). Es dauerte noch bis zum Jahr 27 v. Chr. bis Frieden in Reich einkehrte und der Krieg als offiziell beendet galt. Der Senat verlieh Octavian nun den Beinamen Augustus. Unter der Regentschaft von Augustus erlebte das Reich seine Blütezeit. Bis auf kleiner Unruhen und notwendigen Kriegen zur Reichssicherheit, entwickelten sich die Wirtschaft und die Kultur prächtig. Auch den Provinzen wurden autonome Freiheiten zugestanden, sofern die Tribute geleistet wurden.
Neben den außenpolitischen Faktoren wurden der Verwaltungsapparat und die Finanzstruktur reformiert. Die Maßnahme der Volkszählung (Schätzung),
war diesbezüglich dazu gedacht, sich einen groben Überblick über die Zahl der Untertanen und deren geschätztes Vermögen zu verschaffen. Danach ließen sich gerechter die Steuern für die Provinzen berechnen. In besetzten Gebieten entfachte die Maßnahmen jedoch wütende Proteste und Unruhen, weil sie genau das Gegenteil vermuteten. Auch in Judäa wurde die Volkszählung als ein Beleg der römischen Willkürherrschaft verstanden. Somit war Augustus und sein Lakai Herodes zusätzlich verhasst.
Aber nicht nur in Judäa, sondern auch in anderen
Provinzen erkannte das Volk nicht die glorreiche Zeit unter Kaiser Augustus. Da Augustus keine eigenen Kinder hatte, wählte er sich aus dem julianischen Hause einen Erben aus. Bevor Augustus im Jahre 14 starb ernannte er Tiberius zu seinem Nachfolger.

Der Hohe Rat  (Knesset ; Sanhedrin)
Die Knesset fungierte lange Zeit als oberste religiöse und politische Instanz und war zudem das oberste Gericht. Bereits 203 v.Chr. wird der Rat in den Schriftstücken erwähnt und bestand zunächst aus aristokratischen Priestern (Sadduzäer), aber auch weltlichen Fürsten. Ein Hohepriester (oberster Priester) konnte nur ein Sadduzäer werden. Die makkabäische Königin Salome (76 - 67 v.Chr.), erlaubte den Pharisäern den Zugang zu dem Gremium. In der Folgezeit wuchs der Einfluss der Pharisäer im Hohen Rat, da sich die Bevölkerung durch die Frommen besser vertreten sah. Das Volk folgte auch den pharisäischen Ansichten über die Apokalypse, die der Makkabäer-Herrschaft eine Mitschuld am Schicksal und Elend Judäas gaben.
Die Sadduzäer wurden zunehmend als Vasallen der Herrschaft und der Römer g
esehen, die sich von Gottes Wort entfernten. Der enorme Einfluss der Pharisäer machte es dem Herrscherhaus unmöglich, die Frommen zu beseitigen.
Als Sanhedrin übte der Hohe Rat, schon zur Seleukidenzeit, einen direkten politischen Einfluss aus, wonach der Hohepriester im Status über den weltlichen König stand und anfangs war der Hohepriester gleichzeitig König. Mit den Römern, versuchten die Pharisäer ihren Favoriten als König durchzusetzen, aber Herodes genoss die Sympathien bei den Römern. Mit der Königsernennung von Herodes, baute sich von Anfang an der Konflikt zum Hohen Rat auf, der von den Pharisäern beherrscht wurde. Die Pharisäer hetzten somit das Volk gegen Herodes und letztendlich gegen die Römer auf, worauf Judäa seine Teilautonomie verlor.
Mit dem römischen Protektorat verlor Judäa seine politische Teilautonomie, aber die geistige kulturelle Eigenständigkeit wurde anerkannt. Der Hohe Rat versuchte auf die römischen Prokuratoren (Verwalter) ihren Einfluss durchzusetzen. Mit dem Jüdischen Aufstand (um 70) und der Tempelzerstörung zog der Hohe Rat nach Jawne (lat.= Jamnia) um. Da die Aristokraten Judäas jeglichen Einfluss verloren, wurde der Sanhedrin von Pharisäern geleitet und statt eines Hohepriesters war ein Patriarch, der leitende Geistliche. Weitere Unruhen und Übergriffe der Römer zwangen die Ratsversammlung zur Auflösung und gingen ins Exil. 

Herodes Nachfolge

Im Streit um die Nachfolge von Herodes, legte der römische Kaiser Augustus die Nachfolge fest und hielt sich dabei an das Testament von Herodes. Damit waren alle anderen Ansprüche hinfällig, so auch die Forderungen der Pharisäer, das Königtum aufzulösen. Die Pharisäer strebten die absolute Macht des Hohen Rates an, worin der römische Kaiser eine große Gefahr sah. 

Festlegungen:
1. Die Söhne seiner Nebenfrauen Maltake und Kleopatra sollten Könige werden. ArchelaosSohn der Samaritanerin Maltake wurde zum Regenten über Judäa, Idumäa und Samaria bestimmt. Antipas, der Bruder von Archelaos wurde Herrscher über Galiläa und Peräa. Philippos, Sohn von der Kleopatra aus Jerusalem, wurde Herrscher über die Provinzen Trachonitis, Batanaia und Auranitis.
2. Die Söhne seiner Mätressen (sexuelle Gespielinnen), erhielten Fürstentitel (Ethnarchen = Volksfürst oder Tetrarchen = Vierfürstentum).
3. Alle Verwandten oder Kinder mit der eigentlichen Ehefrau Mariamme, waren von der Nachfolge und jeglichen Titeln ausgeschlossen, da sie machtbesessen waren und Herodes nach dem Leben trachteten.

Herrschaft der Söhne

Herodes Archelaos ( 4 v. Chr. - 6 n. Chr.):
Seine Herrschaft wurde als tyrannisch und launisch beschrieben. So ließ er den 2. Teil der Volkszählung durchführen, die mit einer Steuereintreibung verbunden war. Sein erbarmungsloses Vorgehen entfachte einen Aufstand. Cyrenius, der Stadthalter von Syrien, schickte daraufhin römischen Truppen um die
Unruhen niederzuschlagen. Kaiser Augustus setzte aufgrund dessen Archelaos als König ab und verbannte ihn nach Galiläa, wo Archelaos vermutlich im Jahre 18 starb. Für die Provinz Judäa wird als erster Stadthalter Coponius eingesetzt, der dem Präfekten (röm. Verwaltungsoberhaupt einer Region) Cyrenius unterstand. Bis zum Jahr 26 blieb Cyrenius Präfekt über Syrien, aber die Stadthalter Judäas wechselten häufig.
Cyrenius hatte somit auch die absolute Entscheidungsvollmacht. Somit bedurfte die Wahl eines neuen Hohepriesters seiner Legitimation. Eine provinzielle Gerichtsbarkeit wurde von Cyrenius anerkannt, aber er konnte jegliche Urteile wieder aufheben. Grundsätzlich mussten Todesurteile von ihm bestätigt werden. Als ein Sonderrecht wurde der Glaube respektiert. Juden durften somit unbehelligt ihrem Glauben nachgehen und der damit verbundenen Gesetzesausübung nachgehen. Der Synagogendienst wurde legitimiert, ebenso wie das Gesetzesstudium in Jerusalem und die Tempelsteuer wurde respektiert. Im Gegenzug sollten die Juden den Untertanenneid leisten und den römischen Kaiser mit einem Opfer ehren.
Im Rahmen dessen verpflichteten sich die Römer zum Respekt gegenüber der jüdischen Kultstätten. In Punkto Tempel behielten sie sich jedoch ein Notfalldekret vor, falls die Sicherheitslage es erforderte. In Jerusalem achteten die Römer auch darauf, die jüdische Kultur nicht mit Kaiserstatuen oder Götzenskulpturen zu reizen. Trotz dieser Zurückhaltung entbrannte der Widerstand gegen die Besatzer, meistens durch die Steuern oder römischen Beamten die bedacht oder unbesonnen die Juden provozierten. Immer wieder kam es zu Unruhen oder Terroristen (Zeloten, Sikarier) bewirkten eine Spirale der Gewalt. Stark wechselnde Stadthalter sind dafür ein Beleg, die meistens wurden gewechselt, wenn die Gewalt eskalierte und ein neuer Prokurator Frieden bringen sollte. 

Herodes Antipas (4 v. Chr. - 39):
In seiner langen Amtzeit regierte er seine Länder ebenfalls mit harter Hand. Das Volk in dem Machtbereich war wesentlich friedfertiger, so dass er kaum
Gewaltmaßnahmen durchführen brauchte. Antipas baute sich eine prächtige Hauptstadt aus, die er Tiberias nannte. Er heiratete die Tochter des benachbarten Nabatäer-Königs, verfiel aber dann der Schönheit einer ehrgeizigen Enkelin, von Herodes dem Großen. Er verstieß seine Nabatäer-Braut, was zu kriegerischen Konflikten führte und das Land in Not und Elend stürzte. Johannes der Taufer, der ihn deswegen Vorhaltungen machte, wurde von Antipas enthauptet. Gedrängt von seiner neuen Frau erbat sich Antipas, vom römischen Kaiser die Königskrone über ganz Palästina. Kaiser Caligula, erkannte das intrigante Spiel von Antipas und seiner Gemahlin, zudem hörte er die bitteren Klagen des Volkes, worauf er Antipas nach Südgallien (Frankreich) verbannte. Der Halbbruder von Antipas erhielt das Land, als Herodes Agrippa, Sohn des Aristobolus.

Herodes Philippos (4 v. Chr. - 34):  
Er herrschte über unbedeutende Provinzen in der Region,
deren Landesfläche größtenteils Wüste war. Die Geschichtsschreiber würdigten ihn als einen verantwortungsbewussten und gerechten Herrscher. Zu seiner Hauptstadt ließ er Paneas ausbauen. Als er im Jahr 34 starb würdigte ihn das Volk mit einer prunkvollen Beisetzung. Das Regierungsgebiet wurde dann Herodes Agrippa übertragen.

Herodes Agrippa (41 – 44): 
Agrippa wuchs in Rom auf und fiel dort in Ungnade. Er flüchtete nach Palästina unterhielt gute Kontakte zu römischen Gegnern des römischen Kaisers Tiberius. Als Tiberius starb wurde Vitellius (Anno 36) Legat der Provinz Syrien.
Da Pontius Pilatus als Prokurator über Judäa abgesetzt war, wurde Agrippa Stadthalter als Stadthalter eingesetzt. Der neue römische Kaiser Caligula ernannte Agrippa zum König, der auch die Gebiete vom verstorbenen Philippos und dem abgesetzten Antipas übernahm. Agrippa war somit Herrscher über das ehemalige Reich von Herodes dem Großen. Von der Macht verführt strebte Agrippa ein unabhängiges Königreich an. Eine Konferenz mit den anderen Vasallen der Region sollte dazu dienen ein Komplott zu schmieden. Der neue Präfekt von Syrien Marsus verhinderte das Treffen, worauf Agrippa die Flucht nach vorn antrat und Marsus Amtsanmaßung vorwarf, da diese Konferenz angeblich dazu dienen sollte regionale Probleme zu lösen.
Da Aussage gegen Aussage stand, sah Rom keinen Handlungsbedarf. Agrippa begnügte sich mit seiner Herrschaft. Sein Regierungsstil war hellenistisch geprägt und er versuchte die jüdischen Fürsten und das konservative Judentum für sich zu gewinnen. Zu diesem Zweck ließ er die Christen verfolgen, dabei ließ er Jakobus, den Älteren ermorden und nahm Simon Petrus gefangen.
Nicht verhindern konnte Agrippa den provokanten Kaiserkult von Caligula, der darauf bestand, dass sein Bildnis im Jerusalemer Tempel aufgestellt werden sollte. Es kam zu massiven Unruhen, worauf Kaiser Caligula erbost römische Truppen schicken wollte. Doch der Tyrann wurde zuvor ermordet.
Der neue Kaiser Claudius beendete den Kaiserkult und stellte somit
die Ruhe in Jerusalem wieder her. Im Jahr 44 starb Agrippa an einer tödlichen Krankheit.

Pontius Pilatus (Amtszeit in Judäa 26 – 36)
Vermutlich durch den einflussreichen Bürger Sejans und der Gunst von Kaiser Tiberius begann in Rom der Aufstieg von Pontius Pilatus. Da Judäa weiterhin ein Unruheherd blieb, setzte ihn der Kaiser dort als Prokurator ein. Mit Sonderrechten ausgestattet war er dem Legat von Syrien nur bedingt rechenschaftspflichtig. Pilatus wurde nachgesagt, dass er den Juden reserviert gegenüberstand. Historisch ist über Pilatus nur wenig bekannt, es gibt lediglich religiös gefärbte Schriften über ihn. Die Belege stellten ihn als grausamen und regierungsunfähigen Despoten dar. Höchstwahrscheinlich wurde, wie schon bei Herodes, ein stark überzeichnetes Bild von ihm entworfen. Sowohl für Juden, als auch Christen passte nur eine negative Darstellung ins religiöse Konzept.
Forscher gehen davon aus, dass Pilatus ein
berechnender, aber auch kompromissloser Herrscher war. Er strebte wahrscheinlich die Entmachtung der Priesterschaft an und versuchte das Volk für sich zu gewinnen. Seine relativ lange Regierungszeit könnte ein Beleg für seinen Erfolg sein. Auch Unruhen hielten sich in seiner Amtszeit in Grenzen. Lediglich die Beschlagnahmung des Tempelschatzes sorgte für Aufruhr. Pilatus ließ jedoch, von dem Geld, eine Bewässerungsanlage für die Landwirtschaft bauen, um die Ernährung der Bevölkerung sicher zu stellen. Somit legte sichd er Protest in der Bevölkerung. Mit seinen Maßnahmen verbesserte er nicht nur die Versorgungslage, sondern erhöhte auch das Lebensniveau.
Sein Erfolg brachte römische Neider auf den Plan und inszenierten eine Intrigen. Man warf Pilatus vor, er würde sich selbst am Tempelschatz bereichern. Zudem wurde in Rom Sejan wegen vermeintlicher Machtintrigen angeklagt und hingerichtet. Pilatus verlor damit seinen wichtigsten Fürsprecher und wurde im Jahr 36 abgesetzt. Ein Prozess gegen ihn in Rom kam nicht zustande, da Kaiser Tiberius starb. Unklar ist das weitere Schicksal von Pilatus, der vermutlich nach Südfrankreich verbannt wurde und dort starb. Später entstanden Schriften um Pontius Pilatus, der geläutert zum Christentum konvertierte, durch die Begegnung mit Jesu und er deshalb als Prokurator abgesetzt wurde. In der Verbannung soll er maßgeblich eine christliche Gemeinde (Südfrankreich, Schweiz) aufgebaut haben.
Die biblische Legende von der Begnadigung eines Straftäters ist zwar historisch nicht belegt, wird aber für möglich gehalten. Obwohl auch umstritten ist, dass Jesus Christus gelebt hatte, könnte das Begnadigungsritual ein Test von Pilatus gewesen sein. Indem er das Volk aussuchen ließ, konnte Pilatus daran ablesen, inwiefern er das Volk für sich gewonnen und die Pharisäer entmachtet hatte. Im Rahmen der biblischen Legende entscheidet sich das Volk für den Mörder Barabbas, statt für Jesus Christus. Das heißt, die Pharisäer haben ihren Willen durchgesetzt und sich für Barabbas entschieden. Historisch war Barabbas ein Freiheitskämpfer und dessen geforderte Begnadigung belegte die ungebrochene Macht der Priesterschaft.
Ob der Tod Jesu Christus das Denken von Pilatus beeinflusste bleibt eine Legende.

Der jüdische Krieg (66 - 70):
Nach Agrippas Tod herrschten wieder Prokuratoren über
Judäa. Ständige Ausschreitungen der Bevölkerung, sowie Übergriffe und Sanktionen der Römer verschärften die Situation. Mit dem Prokurator Felix (52 - 60), herrschte ein besonders gnadenloser Verwalter über Judäa. Unter dem Verwalter Florus (64 - 68) brach schließlich der Aufstand los. Der Prokurator erhöhte zum einen die Steuern und entweihte dann den Tempel mit seinen Soldaten und plünderte den Tempelschatz.
Unter Führung der Zeloten
befreiten sie ihren Anführer Eleasar (Sohn des Hohepriesters) und metzelten die Römer nieder, Florus konnte entkommen. Sadduzäer und Pharisäer standen dem Aufstand skeptisch gegenüber und versuchten zwischen Römern und Aufständischen zu vermitteln.
Die Verhandlungszeit nutzten die Aufständischen, um den bevorstehenden Kampf zu organisieren. Der erste Angriff der Römer wurde erfolgreich abgewehrt. Im gesamten jüdischen Umland wurden die Römer vertrieben. Kaiser Nero beauftragte, im Jahr 68, Vespasian den Aufstand niederzuschlagen. Mit einem großen Heer eroberte er Stadt für Stadt zurück. Bevor Jerusalem eingekesselt war, entbrannte in Rom der Kampf um die Thronnachfolge. Kaiser Nero wurde ermordet und Vespasian erhob Anspruch auf den Thron. Er übertrug seinem Sohn Titus die Belagerung Jerusalems. Es kam ihm zugute, dass sich die verschiedenen jüdischen Strömungen (Zeloten, Sakarier) gegenseitig bekämpften, um die Vorherrschaft in der Stadt.
Strategisch geschickt und geduldig brach er den Widerstand der Drei-Millionen Stadt. Titus hungerte die Stadt aus und durchbrach die Schwachstellen im Abwehrriegel. Gnadenlos ließ er die Aufständischen ermorden.
Im Jahre 70 war Jerusalem
erobert und wie in der Antike üblich, wurde über die Stadt ein furchtbares Strafgericht vollzogen, weil sich die Gegner feige hinter Mauern versteckten. Etwa 1,1 Millionen Einwohner wurden vermutlich ermordet, alle weiteren Überlebenden wurden versklavt oder landeten in den Gladiatorenarenen als Löwenfutter. Nach dem Fall von Jerusalem wurden die letzten Widerstandsnester zerschlagen und mit der Eroberung der Wüstenfestung Masada (am Toten Meer) endete 74 der jüdische Aufstand. Die schwerzugängliche Festung wurde im Prinzip ausgehungert, zudem fanden die Römer eine (zeitaufwendige) Möglichkeit, die Burg relativ verlustarm zu erobern. In ihrer ausweglosen Situation nahmen sich die Rebellen das Leben, um nicht lebend den Römern in die Hände zu fallen. Masada wurde daraufhin als Symbol der Freiheit von den Juden verehrt.

Barkochba Aufstand (132 -135):
Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem, erlaubte Rom den Juden den Aufbau einer neuen Kultstätte. Da die Pharisäer glaubhaft machen konnte, gegen den Aufstand gewesen zu sein, wählten sie im Jahr 90 Jamnia (heute = Jaffa) zu ihrem neuen Zentrum. Unter Kaiser Hadrian (117 - 138), durften die Juden Jerusalem
wieder aufbauen, aber Hadrian verweigerte ihnen den Aufbau des Tempels. Zudem stand Hadrian skeptisch dem jüdischen Glauben gegenüber und Verbot einige Praktiken, wie das Beschneidungsritual. Wachsender Unmut veranlasste Hadrian dazu, den Juden die Überlegenheit des römischen Glaubens zu demonstrieren und ließ einen Jupitertempel errichten.
Im Jahr 132 rief der Schriftgelehrte Rabbi Akiba zum Aufstand auf. Die Rebellen nannten sich Bar-Kochba (= Sternensöhne) und nach anfänglichen Erfolgen wurden sie von den Römern besiegt. Bis 135 dauerte der Widerstand in Form eines Guerillakrieges, doch mit jedem römischen Opfer, nahmen die Römer brutale Rache dafür. Schließlich wurde der Aufbau von Jerusalem gestoppt und aufgebaute Gebäude wieder zerstört. Stattdessen entstand dort die Garnisonsstadt Capitolina und jedem Juden war es verboten diese Stadt zu betreten. Darüber hinaus wurde das ehemalige jüdische Reichsgebiet in Palästina (= Land der Philister) umbenannt. Zudem erhielten die Palästinenser die Oberhand über das Land und Juden waren nur noch geduldete Bewohner. Der jüdische Glaube wurde als staatsfeindlich betrachtet und deren Kultstätten verboten. Obwohl Juden nicht offiziell verfolgt wurden, so waren sei nun Fremde im eigenen Land. Sehr viel Juden wanderten ins Exil aus, da es zu ständigen Übergriffen (Römer, Palästinenser) kam. Die verbliebenen Juden arrangierten sich mit den bestehenden Bedingungen, praktizierten aber im stillen Kämmerlein weiterhin ihren Glauben. Bedingt durch die weitere Geschichte wanderten immer wieder Juden aus ihrem Land aus, um in Frieden ihren Glauben leben zu können. Doch egal wohin sie kamen, waren sie immer wieder Opfer von Übergriffen.

 

2. Daten zur Geschichte der ersten christlichen Gemeinschaften

30 - 33  Vermutliches Wirken von Jesus Christus und seinen Jüngern (Apostel)
um 33   lokal werden bekennende Christen verfolgt und gerichtet 
33 / 34   Jesus erscheint Saulus, der sich daraufhin bekehrt und sich Paulus nennt

43 – 44   Konsequente Verfolgung der Christen in Jerusalem
45 – 48   1. Missionsreise von Paulus und Barnabas und die Taufe von Heidenchristen
        48   Apostelkonzil: Anerkennung der Jerusalemer Kirche als christliches Oberhaupt und Klärung der
               Frage, ob Heiden zu Christen werden können

        50   Glaubensunruhen zwischen Juden und Christen in Rom, worauf die Christen aus Rom ausgewiesen werden
48 – 51   2. Missionsreise von Paulus zur Osttürkei und Griechenland
51 - 53   Paulus hielt sich in Korith (Griechenland) auf
58 - 60
   3. Missionsreise von Paulus und die Verhaftung von Paulus (58 - 60)
60 – 61   Missionierung Roms durch Paulus und letzte Briefe an die Gemeinden
        64   Brand in Rom, Kaiser Nero macht die Christen dafür verantwortlich und verfügt die 1. Christenverfolgung in Rom;
               im Zuge dessen wird Paulus enthauptet und 
Petrus gekreuzigt

Die Christenverfolgung führte maßgeblich zur Auffassung, dass sich Rom vor den Christen fürchtet und erhält als Protest-
bewegung einen starken Zulauf. Auch die Botschaft der Gleichwertigkeit aller Menschen und der Ächtung von Unrecht
und Gewalt, zieht zahlreiche Menschen in seinen Bann. Im gesamten römischen Reich bilden sich christliche Gemeinschaften,
besonders stark in Griechenland, Osttürkei, Syrien und Judäa.

 

      81- 96    2. Christenverfolgung in Rom unter Domitian
    98 -117    3. Christenverfolgung in Rom unter Trajan   
 249 - 251    1. allgemeine Christenverfolgung im gesamten römischen Reich
 257 - 258    2. allgemeine Christenverfolgung im gesamten römischen Reich
          260    Toleranzedikt unter Gallienus, wird nicht überall eingehalten
 300 - 311    Korrektur des Toleranzediktes geht in die Ächtung der Christen über, damit sind sie vogelfrei,
                     wodurch eine versteckte Christenverfolgung weiterhin stattfindet

          311    Neufassung des Toleranzediktes (Gallienus) von Licinius, der die Christenverfolgung aufhebt und sie zu
                     römischen Bürgern ernennt; dennoch wird diese 
Verfügung nicht im gesamten römischen Reich befolgt
          313    Konstantin der Große hat eine Erscheinung gehabt, die ihm zum christlichen Glauben führte und
                    sich 324 offen zum Christentum bekannte

          324    Konstantinopel (Byzanz) wird Hauptstadt von Kaiser Konstantin und legitimiert die christliche Kirche
 318 – 381   Arianischer Streit: Auf einem Konzil in Alexandria löste Arius einen Meinungsstreit aus, um die Person Jesu
                    (Mensch oder Erscheinungswesen). Nachdem 
wurde Jesus von Gott geschaffen, aber nicht für die Ewigkeit
                    und wurde von 
Gott zurück berufen. 325 beteiligt sich Kaiser Konstantin an dem Disput und ruft zur Einigkeit
                    auf und fordert eine Streitlösung.

           325  1. Konzil zu Nicäa: Glaubensbekenntnis wird formuliert, wodurch der Streit zunächst beigelegt wurde.
                   These: Jesus ist Gottes Sohn und ihm gleich, und 
war auch leibhaftiger Mensch.
           380  Kaiser Theodosius Herrscher über das Byzantinische Reich (Oströmisches R.) und erklärt das Christentum
                   zur Staatskirche

           381  2. Konzil zu Konstantinopel: Bekräftigung des Nizänums (Glaubensbekenntnis)
           391  Kaiser Theodosius stellt kurzzeitig die Reichseinheit mit Westrom und erklärt auch dort das Christentum zur
                   Staatsreligion

Infolge der Anerkennung der christlichen Kirchen im ehemaligen römischen Reich, werden die Regionen in 5 Patriacharte
unterteilt. Sie dienen der besseren Verwaltung und können auch besser regionale Glaubensfragen lösen. 

 

   440–461  Papst Leo I, wird erster offizieller Papst in Rom, zuvor gab es (seit dem Jahr 300) bislang nur ein Bischofamt 
           451  Konzil zu Chalcedon: Verständigt sich auf die Aussage ,"In Jesus Christus sind die göttliche und die menschliche
                   Natur in einer Person unvermischt und ungetrennt verbunden."

  Ab 450    Streitigkeiten der 5 Patriarchen (Regionen), zumal Rom die Zentralisierung des Glaubens verfolgt und nur der Papst
                  in Rom, das alleinige Oberhaupt der Kirche sein sollte. Es kommt zur orthodoxe nund katholischen Kirchenspaltung.

    1054     Endgültige Trennung zwischen Rom (= katholische Kirche) und den anderen Patriarchen (= orthodoxe Kirche)

 Die christliche Kirche hat sich in der bekannten Welt etabliert und hat einen hohen Einfluss auf die Regenten jener Zeit.
Glaube und Kirche zerfließen als Einheit und weil das so begriffen wird, brachte die Kirche viel Leid über die Menschen,

da die Kirchenfürsten sich vom Geist des Neuen Testamentes entfernten.