9.1. Lehrbücher und Weisheit

9.1. Lehrbücher und Weisheit

Weisheitsbücher, Lieder und Sprüche
9. A.  Das Buch Hiob
9. B.  Die Psalmen (Psalter, Lieder)
9. C.  Die Sprichwörter
9. D.  Prediger ( auch Weisheit, Kohelet)
9. E.  Weisheit Salomos ( Hohelied der Liebe)

 

9.1. Die Lehrbücher

Vorbemerkung: Eine inhaltliche Betrachtung zu diesen Büchern kann nur grob umschrieben werden. Die Inhalte der Texte sind sehr vielfältig und lassen Interpretationen einen großen Spielraum. Wichtiger ist es daher, die Absicht der Bücher zu kennen (Zeit, Verfasser, Hintergrund). Die Bücher sind in einer lyrischen Art verfasst und setzen sich in ihrem Kern mit einen Gedanken auseinander. Es sind Gedichte, Lieder und Sinnsprüche, die sich einem Thema widmen, aber in der Regel keine Geschichte erzählen. Eine Ausnahme ist das Buch Hiob und dürfte sogar, die interessanteste Schrift sein. Das Buch Hiob wird umrahmt von einer uralten Geschichte und beinhaltet einen umfangreichen Lehrtext.

Einleitung: Es ist wichtig zu wissen, dass die Texte im AT ursprünglich lyrischer Natur waren. Da die meisten Menschen nicht Lesen und Schreiben konnten, ließen sich lyrische Texte besser einprägen. Im Laufe der Entwicklung, war es nicht mehr nötig die Geschichten lyrisch vorzutragen. Die Geschichten wurden vervielfältigt (Papyrus, Pergament, Papier) und es gab genügend Vorleser. Die Geschichten wurde im Prosa-Stil umgeformt, wodurch der eigenartige Stil der Geschichten geprägt wurde. In den Geschichten der Bibel wurden jedoch Sprüche, Gebete und Lieder im lyrischen Stil belassen. Die Texte der Lehrbücher und einige Texte der Propheten wurden ebenso grundsätzlich im lyrischen Stil gelassen.

Anzumerken ist, dass sich nicht jede Bibelübersetzung daran gehalten hat!

Die Dichtungen und Lieder der Bibel entsprechen nicht der klassischen Dichtung (Reim, Strophe, Refrain). Der in der Bibel angewandte Stil nennt sich Parallelismus und könnte mit dem wiederholen eines Gedanken umschrieben werden. Beispiel: „Spricht er etwas und tut es dann nicht; sagt er etwas und hält es dann nicht.“ (Num 23,19). Die Abschnitte wiederholen sich und doch unterscheidet sich die Aussage in Handeln und Einhalten, wodurch sich die Aussage des Gedichts verstärkt und einprägt. Nach diesem Schema entstanden zahlreiche Abwandlungen, bei denen der Rhythmus der Zeilen im Vordergrund steht. Die Übersetzer der Bibel bemühten sich dieses Schema der Dichtung zu erhalten.

9. A.  Das Buch Hiob

Die Schrift gehört zu der Weisheitsliteratur und zählt zu den Lehrbüchern. Bereit beim Propheten Hesekiel (um 600 v. Chr.) wurde die Hiob-Geschichte erwähnt und ist wahrscheinlich eine uralte Geschichte aus der Väterzeit. Vermutlich im 4. bis 3. Jahrhundert vor Christus wurde die ursprüngliche Geschichte, um 40 Kapitel erweitert und zum Lehrbuch umgestaltet. In Form eines Streitgespräches wurden wichtige theologischen Fragen erörtert.
Im Kernpunkt geht es im Lehrtext darum, inwiefern ein Mensch vorverurteilt werden darf, wenn sich der betreffende Mensch keiner Schuld bewusst ist? Es sollte unterschieden werden zwischen Gottesstrafe und natürlich, gesellschaftliche Schicksalsschläge (Krankheit, Opfer krimineller Taten, Katastrophen). In diesem Sinne ist zu prüfen, ob der leidende Mensch eine Sünde begangen hat, statt ihm ein Frevel zu unterstellen. In der eigentlichen Geschichte wird jedoch die Frage aufgeworfen, inwiefern kann denn der Mensch noch Gott treu sein, wenn der Mensch Leid erfährt und sich keiner Schuld bewusst ist? Wie soll er dann noch Gott ehren können und das Leid als Prüfung werten und demütig sein Schicksal ertragen?

Die ursprüngliche Hiob-Geschichte ( Hi 1 bis 2,10 & Hi 42,7-12)

Hiob (heb. = Wo ist der Vater/Gott?) war ein rechtschaffener, frommer und reicher Mann, der sogar für seine Söhne ein Sühneopfer (Vergebungsritual) darbot, für deren eventuelle Sünden. Satan sucht sich Hiob aus, um Gott zu provozieren. Satan unterstellt Hiob Hintergedanken in seiner Frömmigkeit, worauf Gott Satan erlaubt Hiob zu prüfen. Mehrere Boten kommen an einem Tag und berichten Hiob vom Tod oder Raub seiner Vieh-herden (& Knechten)  und schließlich vom Tod seiner Söhne (= Hiobs-Botschaften = schlechte Nachrichten). Hiob sprach aber demütig, „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen“ und ertrug schweigend seinen Kummer. Hiob hatte somit die Prüfung bestanden, aber Satan gab sich damit nicht zufrieden. Erneut reizte er Gott und warf Hiobs vor, dass es leicht sei fromm zu sein, wenn es einem nicht selbst betrifft. Darauf wurde Hiob schwer krank und seine Frau zweifelte an Gott, wogegen Hiob ihr entgegen trat („törichtes Gerede“) und seinen Kummer schweigend ertrug.
Da Hiob auch diese Prüfung bestand belohnte Gott Hiob für seine Gottestreue. Er wurde gesund und Gott bescherte ihm Reichtum (große Viehherden), zeugte 7 Söhne und hatte 3 Töchter, die als die schönsten Frauen im Land galten. Hiob erreichte ein Lebensalter von 140 Jahren und lebte bis zu seinem Tode glücklich und zufrieden.
Diese märchenhafte Geschichte im Prosastil ist allgemein bekannt und weit verbreitet. Besonders religiöse Sekten und fundamentalistische Eiferer verbanden damit häufig eine gefährliche Erwartungshaltung. So sollte der Gläubige sein Schicksal als Prüfung erdulden, statt selbst aktiv zu werden, um sein Leid zu mindern. Hiob wird am Ende belohnt, doch die Realität sieht anders aus. Außerdem sollte man sich
darüber klar werden, dass seine ersten Söhne getötet wurden und auch Hiobs Knechte. Wie kann also das Schicksal des Einzelnen über den Tod anderer gestellt werden. Speziell im AT gibt es eine Fülle von Geschichten über Einzelpersonen, in deren Zusammenhang der Tod (mitunter) von Tausenden bedeutungslos erscheint. Was aber nun die Hiob-Geschichte betrifft, so wurde sie Lyrisch erweitert und stellt eben jene Fragen nach Gottes Gerechtigkeit und wird somit zum Lehrbuch.

Das Lehrbuch Hiob (Hi 2,11 bis 42,6)

Am Anfang steht der Prosatext, wo Hiobs Freunde zu Besuch kommen. Sie sind entsetzt über Hiob Schicksal, fanden aber keine tröstenden Worte. Hiob fand darauf seine Worte wieder und es beginnt ein umfassendes lyrisches Streitgespräch. Es folgt nun das Lehrbuch, dem Streitgespräch zwischen Hiob und seinen Freunden. Hiob führt seine Argumente auf, die ihn an Gott zweifeln lassen, weil er sich unschuldig fühlt. Dem treten die Freunde entgegen, die im Elend von Hiob eine Strafe Gottes sehen. Die Freunde bewerten Hiobs Klagen als Kritik an Gott und mangelnde Zuversicht an Gott. Der Inhalt der Worte seiner Freunde wiederholt sich, doch nehmen die Worte an Schärfe zu und rügen Hiobs Uneinsichtigkeit. Somit werden die Freunde zu Ankläger. Alle drei Freunde sehen in Hiobs Schicksal eine Strafe Gottes für seine Sünden und sind empört über Hiobs Unschuldbeteuerungen und Uneinsichtigkeit. Hiob beklagt zunächst, dass ihn Gott verlassen habe und er wünschte besser Tod zu sein. Da er von seinen Freunde wenig Trost bekommt, kann er nur noch Gott herausfordern, der ihm erklären soll wofür er ihn straft.

Die Standpunkte der drei Freunde

Ellipha: Er belehrte Hiob, dass Gott immer den Unschuldigen helfen wird und Hiob sollte doch mehr Gottvertrauen haben und sein Leiden, als Zurechtweisung ansehen. Sofern man sich aber gegen Gottes Strafe auflehnt, desto stärker wird das Leiden sein. Es ist auch illusorisch anzunehmen einen Fürsprecher (Engel) im Himmel zu finden und warnt Hiob verbittert zu werden, um nicht ins Verderben zu geraten. Später bezichtigt er Hiob, dass er seine Sünden verschleiern wolle und ist deshalb von Hiobs Schuld überzeugt. Ellipha wirft ihm Überheblichkeit vor und tadelt Hiobs Vermessenheit ihren Rat abzuwerten. Er bedrängt Hiob endlich seine Sünden einzugestehen.

Bildad: Er sieht Hiob, an der Gerechtigkeit Gottes zweifeln und ist sich sicher, dass Gott nur Sünder strafen würde. Nach seiner Meinung müssen somit Hiobs Söhne gesündigt haben, denn wer wirklich fromm ist, dem wird’s gut gehen, denn nur den Frevler bestraft Gott. Hiob sollte sich somit aufrichtig an Gott wenden. Bildad geht später dazu über Hiob zu verspotten, statt Hiob zu verstehen und sieht Hiobs Krankheit als Strafe Gottes.

Zophar: Ihm empört Hiobs Unbelehrbarkeit und Unschuldsbeteuerungen. Er widerspricht Hiob vehement, dass Gott willkürlich handelt. In seiner Weisheit erkennt Gott die Schuldigen, auch wenn sie Unschuldig tun. Selbst wenn Hiob seine Sünden nicht erkennt, so bleiben sie Gott nicht verborgen. Er rät Hiob demütig in sich zu gehen und sieht auch in Hiobs Unein-sichtigkeit eine Sünde. Später hat auch er nur Vorwürfe für Hiob übrig, ohne Hiobs Worte zu verstehen und fühlt sich von Hiob persönlich angegriffen.

Hiob Zweifel und Fragepunkte

1. Hat nicht jeder, der sich in einer hoffnungslosen Lage befindet, dass Recht Klagen und Schreien zu dürfen und sich sogar den Tod zu wünschen? Hiob wirft seinen Freunden vor, ihn verständnislos zu tadeln, statt ihm seine Sünden zu nennen, damit er bereuen kann. So fühlt er sich auch im Recht vor Gott zu Klagen, denn wo keine Hoffnung auf Vergeben ist, herrscht völlige Ausweglosigkeit (Hi 6 & 7).

2. Warum behandelt Gott Sünder und Fromme gleichermaßen und wie kann jemand seine Strafe begreifen, wenn er sich unschuldig fühlt? Hiob wünscht sich ein Wettstreit (Rededuell) mit Gott, aber sicherlich würde es kein unparteiisches Verfahren geben und sieht in Gottes handeln eine gewisse Willkür. Außerdem könnte er sowieso nicht frei Reden, denn in seiner misslichen Lage ist er ein Bittsteller und würde stets versuchen die Gunst Gottes zu erlangen, damit sein Leid ein Ende hat. Hiob fragt sich schließlich, ob Gott sein wahres Gesicht verbirgt (wie die antiken Götter, die mit den Menschen spielen) (Hi 9 & 10).

3. Wieso bestraft Gott gelebte Frömmigkeit so hart, selbst wenn er gesündigt haben sollte? Seine Sünden müssten vergleichbar gering sein und rechtfertigen nicht das Strafmaß. (Hi 12)

4. Was sind die Weisheiten wert, wenn sie nicht helfen Gott zu verstehen? Für Hiob ist Gott ein rätselhaftes Wesen, das sich mit der irdischen Weisheit nicht erklären lässt. Daher sind die Weisheiten seiner Freunde nichts wert, weil sie ihm keine Erkenntnis bringen. Hiob spricht seinen Freunden das Recht ab für Gott zu Reden und wendet sich direkt an Gott. In einer Selbstverteidigungsrede verlangt er von Gott die Anklagepunkte zu erfahren, denn Hiob hat Angst davor zu sterben, ohne seine Sünden zu kennen. (Hi 13 & 14)

5. Wie kann es sein, dass jemand zum Sünder abgestempelt wird, obwohl man unschuldig ist? Wie kann man ein Leiden, eine ursächliche Schuld unterstellen? Hiob fordert ein Verfahren, mit Zeugen, Anwalt und Richter. Hiob fühlt sich unbarmherzig verfolgt und wendet sich an dem rechtsprechenden Gott. (Hi 16 & 17)

6. Wieso wird überhaupt jemand vorverurteilt und nimmt ihm das Recht sich zu erklären, weil damit seine Worte kein Glauben geschenkt werden? Hiob verlangt von seinen Freunden, dass seine Unschuld in Stein gemeißelt werden soll. Er symbolisiert hiermit seine Unschuld, weiß aber auch, dass seine Freunde es nicht tun würden, da sie ihn für einen Frevler halten. (Hi 19)

7. Warum geht es schlechten Menschen häufig besser und führen ein glückliches Leben bis ins hohe Alter? Sicherlich könnte man meinen, dass Gott die Nachkommen bestrafen wird, aber ist das gerecht?

8. Wie kann es sein, das Sünder ohne Strafe auf die Hilflosen herumtrampeln? Wo ist Gottes Gerechtigkeit? Hiob stellt fest, dass das Leben nicht gerecht ist und das sich Gottes Gericht häufig zu viel Zeit lässt. Aber er möchte unbedingt seinen Fall vortragen. (Hi. 23 & 24)

Hiobs resignierendes Einlenken

Erneut beschwört Hiob seine Unschuld und erkennt das Gott schwer zu begreifen ist. Ihm ist klar, dass Gott den Menschen nur einen kleinen Einblick ins Universum seiner Schöpferkraft gewährt. Er ist geneigt den Freunden zu glauben und will seine Sünden (welche auch immer) bereuen. Er lobt dabei Gottes Weisheit, denn kein Mensch kann die wahre Weisheit/ Erkennt-nis erlangen und so kann der Mensch nur Gott verehren und das Böse ablehnen. (Hi 26 – 28) In einem Schlussakkord erinnert er sich an Gottes Gunst in der Vergangenheit und beklagt die Gegenwart. Er zählt die Verführungen (Sünden) auf, die er widerstanden hat, und fragt nach dem Lohn/Berücksichtigung dafür. (Hi 29 – 31)

Der junge Elihus (Hi 32 – 37)

Der junge unbedachte Begleiter der alten Freunde Hiobs ergreift das Wort. Ihm erzürnen Hiobs Worte und will ihn unbedarft in die Schranken weisen und überschüttet Hiob mit einer Reihe von Belehrungen. Absichtlich wurde im Lehrtext die jugendliche Naivität ans Ende gesetzt und setzt sich mit den Argumenten des Volkes/ Pöbel auseinander.
1. Gott spricht über Träume zu den Menschen, warum sieht Hiob die Träume nicht?
2. Gott ist der gerechte Richter, der letzten Instanz und wird jeden Sünder richten. Hiob sollte
    sich darüber klar sein, dass seine Worte eine Auflehnung sind und daher eine Sünde ist.
3. Gute und schlechte Menschen resultieren aus deren Verhalten und damit hat Gott nichts zu
    schaffen. Auch nicht mit jenen, die ihn in ihrer Not anflehen, um gerettet zu werden, denen
    eigentlich Gott egal ist. Warum sollte Gott ihnen dann helfen?
4. Statt umherzujammern sollte Hiob seine Ohren öffnen, um seine Sünden zu hören und
 
   statt sich den Tod zu wünschen, sollte er seine Lektion lernen und sich nicht entziehen.
5. Gegen Gottes Größe ist der Mensch ein Winzling und wird schon gar nicht Menschen
    beachten, die sich gegen ihn erheben. Und so wird ihm Gott nicht Antworten.

In diesem Augenblick meldet sich Gott persönlich zu Wort.

Gottes Antwort (Hi 38 – 42)

Es folgen einige Gedanken Gottes, die wie Zurechtweisungen wirken, aber Gott weiß um Hiobs Gottesfürchtigkeit und erinnert ihn lediglich an Aspekte die Hiob bedenken sollte. Zum einen ist Gott der Allmächtige, der sich um vieles zu kümmern hat und ist zum anderen den Menschen ganz nah (hat einen Plan). Gott macht ihm seine Größe klar, gegen die Hiobs Klagen unbedeutend sind. Provokatorisch fragt Gott, ob sich Hiobs tun/handeln mit der Schaffenskraft Gottes vergleichen kann. Wie kann Hiob also Gott zur Verantwortung ziehen und ihn infrage stellen, als wäre er Gott gleichwertig?
Gott räumt ein, dass er Wesen geschaffen hat, die sich nicht zähmen lassen, die aber ihren Sinn haben. Diesbezüglich könnte Gott auf Satan anspielen, der als Prüfer der Menschen fungiert und dass es immer Böses und Unverständliches geben wird. Letztendlich wird aber immer Gottes Gerechtigkeit da sein, auch wenn sie nicht jeder erkennt.
Hiob erkennt, dass seine Fragepunkte unbedeutend sind zur Größe Gottes. Er bereut seine bitteren zweifelnden Worte und ist bereit Gott grenzenlos zu Vertrauen, obwohl er sein Leid nicht versteht. Daraufhin wird Hiob von Gott rehabilitiert.
Insofern antwortet Gott seinem Knecht Hiob, indem er mit rhetorische Fragen erklärt, dass Gott der Schöpfer von allem sei und Gut und Böse ausschließlich in seinen Händen liege. Gott erkennt an, dass Hiob, entgegen der Behauptungen seiner Freunde, schuldlos an seinen Leiden gewesen sei. Im Wechselspiel von Gut und Böse, ist nicht jeder Sünder ein Sünder, somit sollten Vorverurteilungen vermieden werden und stattdessen den gepeinigten Helfen. Eine wichtige Rolle in dem Zusammenhang spielt Satan.

Satan (heb. = Widersacher) auch Teufel, Luzifer, Herr der Finsternis, Höllenfürst, Herr der Hölle, Beelzebub, Beliar und Mephisto genannt.
Im Buch Hiob fungiert Satan als Hauptankläger gegen die Menschen, er nimmt ihnen ihre Frömmigkeit nicht ab und unterstellt ihnen ein berechnendes Kalkül. Diesbezüglich möchte er die Menschen (Hiob) prüfen und Gott erlaubt es ihm. In Gottes Schlussrede spielt Gott auf Satan an, ein von Gott erschaffenes Wesen, der die Funktion hat die Menschen in Gottes Sinne zu prüfen. Grundsätzlich geht der hebräische Glaube davon aus, dass es nur einen Gott gibt, ohne Götter-familie und anderen Göttern. Gott kann sich aber Gehilfen schaffen, mit übernatürlichen Kräften, sie werden in der Bibel Engel (=Himmelgeschöpfe) oder Gottessöhne (=irdische Superhelden) genannt. Für die Schriftgelehrten jener Zeit ist der philosophische Gedanke klar, dass es Böses geben muss, damit man Gutes erkennt (ohne Missstand kein Fortschritt). Satan ist somit ein Engel mit der Funktion die Menschen zu prüfen und ist der Vollstrecker der Sündenfolgen. Im AT taucht Satan deshalb in verschiedenen Formen auf und bewirkt eine Erkenntnis. In der Entwicklung des Menschen und des Glaubens wird Satan zunehmend als Gegner Gottes interpretiert. Mit den Einflüssen der persischen Kultur verselbständigt sich das Wesen, als Geschöpf der Unterwelt. Für die antiken Schrift-gelehrten ist diese Sichtweise sehr praktisch, weil man nun Satan für alles Böse verantwortlich machen kann.
Über das Christentum ist Satan schließlich zu einem eigenständigen Wesen geworden, mit einer Schar von Helfern (Hexen, Dämonen, Zauberer, Magier, Gevatter Tod, alle Ungeheuer und irreale Wesen, wie Vampire oder der Klabautermann). 

9. B. Die Psalmen (Psalter)

Dieses Buch besteht aus 5 Schriften und ist eine Sammlung von Lob- und Klageliedern. Die zahlreichen Danklieder und Gebete preisen Gott, deren Gesänge sich im Allgemeinen zeitlos mit dem Leben auseinandersetzen, aber auch historische Bezüge bzw. sie aus einem gegenwärtigen Abstand betrachte. Die bestehende Gegenwart wird dabei kaum besungen, sondern Begebenheiten im Nachhinein betrachtet, die sich aber auf die Gegenwart auswirken. Ähnlich als würden wir mit unserem Verständnis von Moral und Ethik, heute ein Lied über die Ritterzeit schreiben und deren Zeit kritisieren.
Grundsätzlich steht das Lobpreisen Gottes im Vordergrund und so springen die Texte auch inhaltlich umher, sodass keine zeitliche Zuordnung möglich ist. Einige Aspekte umfassen die gesamte Glaubensgeschichte bis zur hellenistischen Epoche.
Auch die Autoren der Psalmen sind zeitlich nicht zu erfassen, da es in der antiken Zeit üblich war, ein Schriftwerk jemanden zu widmen oder eine Person zu ehren. Der Urheber blieb meistens im Hintergrund, somit auch die wahren Zielgruppen. Die meisten Psalmen werden mit den Ehrenname König David belegt und untermauern seine hohe Gunst bei Gott. Sie untermauern die Sichtweise der Juden, dass König David in den Status eines Messias hebt, den bislang einzigen Auserwählten, an dem sich Gottes Macht und Herrlichkeit zeigte. Deshalb wurden ihm viele Lieder zuschrieben. Ob sie nun von oder für David geschrieben wurden, so steht doch inhaltsmäßig immer wieder Gottes große Taten und sein weises Handeln im Mittelpunkt und dienen als gottesdienstliches Fundament.
Die Entstehungszeit der Psalmen ist also kaum nachweisbar, zumal einige Lieder vermutlich nachbearbeitet wurden. Die Theologie davon ausgeht, dass erst zwischen 200 und 150 v.Chr., die Psalmensammlung grundlegend abgeschlossen und aufgeschrieben wurde.

Neben David gibt es vier weitere Schriftkomplexe von Autoren bzw. Adressaten:
König Davids Psalmen (3-41, 51-72); Korah-Psalmen (42-49, 84-85, 87-88), Asaph Psalmen (50, 73-78), Jahwe-König-Psalmen (93-99), Wallfahrts-Psalmen (120-134).
Alles andere sind unspezifische Psalmen. Angemerkt sei, dass Asaph & Korah Sippen von levitischen Sängerfamilien sind.

Begriff -Zion: Ist ein oft verwendeter Begriff in den Psalmen und meint die Turmburg der Jebusiter. Nach der Vertreibung der Jebusiter wurde an dieser Stelle der Tempel Gottes gebaut. Zion wird von den Juden als Wohnsitz Gottes angesehen, zudem auch der Tempel gehört. Zion ist somit ein heiliger Begriff, der lokalen Gottesverehrung. Der spätere Zionismus beruht darauf und ist eine politische Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, sich um Zion anzusiedeln und ein Gemeindewesen zu schaffen (Kurz, das Land zu erobern). 

Bekannteste Psalmen: 23, 46, 137  // längster Psalm: 119   // kürzester Psalm: 117

1. Buch  1 – 41     (außer Lied 1+2, alle Lieder von oder für König David)
  1. Der Weg des Frommen und des Gottlosen
  2. Gottes Sieg und Herrschaft seines Sohnes
  3. Morgenlied in böser Zeit
  4. Ein Abendgebet
  5. Gebet um Leitung und Bewahrung
  6. Bußgebet in Anfechtung
  7. Gebet eines unschuldig Verfolgten
  8. Offenbarung der Herrlichkeit Gottes
  9. Danklied für die Rettung aus der Bedrängnis
10. Klage und Zuversicht beim Übermut
11. Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit
12. Klage über die Macht der Bösen
13. Hilferuf eines Angefochtenen
14. Die Torheit der Gottlosen
15. Wen nimmt Gott an
16. Das schöne Erbteil
17. Hilferuf eines Unschuldigen
18. Dank des Königs für die Rettung
19. Gottes Herrlichkeit in seiner Schöpfung
20. Gebet für den König in Kriegsnot
21. Gottes Hilfe für den König
22. Leiden und Herrlichkeit des Gerechten
23. Der gute Hirte
24. Einzug in das Heiligtum
25. Gottes Vergebung und Leitung - Gebet
26. Bekenntnis und Bitte eines Unschuldigen
27. Gemeinschaft mit Gott
28. Bitte um Verschonung/ Dank für die Errettung
29. Großes Lobpreis der Herrlichkeit Gottes
30. Dank für die Rettung aus Todesnot
31. In Gottes Händen geborgen
32. Vom Segen der Sündenvergebung
33. Loblied auf Gottes Allmacht und Hilfe
34. Unter Gottes Schutz
35. Errettung von boshaften Feinden - Gebet
36. Reichtum der Güte Gottes
37. Das scheinbare Glück der Gottlosen
38. In schwerer Heimsuchung
39. Bittruf der menschlichen Vergänglichkeit
40. Davids Dank und Bitte
41. Gebet in Krankheit

2. Buch  42 –  72          (Lieder für oder von verschiedene Personen)
Für oder von den Söhnen Korah (42 – 49)
42/43. Verlangen nach Gott aus fremden Land
44. Hat Gott sein Volk verstoßen?
45. Lied zur Hochzeit des Königs
46. Ein feste Burg ist unser Gott
47. Gott ist König über alle Völker
48. Gottes Stadt
49. Herrlichkeit der Reichen ist Trug und Schein
50. Der rechte Gottesdienst    (Asaphs Psalm )
Unterweisung von König David (51 – 60)
51. Gott, sei mir Sünder gnädig!
52. Trostpsalm gegen einen Gewalttäter
53.  Die Torheit der Gottlosen
54. Hilferuf eines Bedrohten
55. Klage über falsche Brüder
56. Getrostes Vertrauen in schwerer Not
57. Vertrauensvolle Bitte in der Anfechtung
58. Gott ist noch Richter auf Erden
59. Gebet mitten unter Feinden
60. Gebet des verstoßenen Volkes
Psalmen für/von David bzw. Gemeinde (61 -71)
61. Bitte und Fürbitte aus der Ferne
62. Stille zu Gott
63. Sehnsucht nach Gott
64. Bitte um Schutz vor bösen Anschlägen
65. Dank für geistlichen und leiblichen Segen
66. Dank für Gottes wunderbare Führung
67. Gottes Segen über alle Welt
68. Der Sieg Gottes
69. In Anfechtung und Schmach
70. Hilferuf gegen Widersacher
71. Bitte um Gottes Hilfe im Alter
72. Der Friedefürst und sein Reich  (von Salomo )

3. Buch  73 – 89    (Lieder für oder von verschiedene Personen)
Psalmen von Asaphs     (73 – 83)
73. Anfechtung und Trost beim Glück
74. Das entweihte Heiligtum (Klage)
75. Gott ist Richter über die Stolzen
76. Gott, der furchtbare Richter
77. Trost aus Gottes früheren Taten
78. Schuld, Gericht und Gnade in Israels Geschichte
79. Gebet des Gottesvolkes in schwerer Kriegsnot
80. Gebet für den zerstörten „Weinstock Gottes“
81. Die wahre Festfeier
82. Der höchste Richter
83. Gegen ein Bund mit Feinden - Gebet
84. Freude am Haus Gottes  (Söhne Korah)
85. Bitte um neuen Segen    (Söhne Korah)
86. Gebet in Bedrängnis       (von David )
87. Zion wird die Mutter der Völker  (Söhne Korah)
88. Die große Verlassenheit und Todesnähe - Gebet (Söhne Korah)
89. Israels Not und Verheißung an David  (Unterweisung von Ethans)

4. Buch  90 - 106       (namenlose Psalmen für den Gottesdienst)
90. Zuflucht in unserer Vergänglichkeit     (Moses)
 91. Unter Gottes Schutz
 92. Freude am Lob Gottes
 93. Der ewige König
 94. Hilferuf gegen die Unterdrücker des Volkes
 95. Aufruf zur Anbetung und zum Gehorsam
 96. Der Schöpfer und Richter aller Welt
 97. Freude am Königtum Gottes
 98. Der königliche Richter aller Welt
 99. Der heilige Gott
100. Ein Aufruf zum Lobe Gottes
101. Regentenspiegel
102. Gebet zur Wiederherstellung Zions
103. Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes
104. Lob des Schöpfers
105. Lob für die Taten Gottes in der Frühzeit
106. Gottes Gnade und Israels Undank

5. Buch  107 - 150             (Wallfahrtslieder = WL)
107. Danklied der Erlösten
108. Lob Gottes und Zuversicht in Kriegsnot
109. Ruf zu Gott gegen erbarmungslose Feinde
110. Der ewige König und Priester
111. Preis der Gottesgnade
112. Preis der Gottesfurcht
113. Gottes Hoheit und Huld
114. Gottes Wunder beim Auszug aus Ägypten
115. Gott allein gebührt die Ehre
116. Dank für die Rettung aus Todesgefahr
117. Aufruf an die Völker zum Lob Gottes
118. Dankbares Bekenntnis zur Hilfe Gottes
119. Die Herrlichkeit des Wortes Gottes
120. Hilferuf gegen Verleumder     (WL)
121. Der treue Menschenhüter        (WL)
122. Segenswunsch für Jerusalem   (WL)
123. Zu Gottes Gnade aufblicken    (WL)
124. Der Helfer in der Not               (WL)
125. Der Volk ist um sein Volk herum  (WL)
126. Gott erlöst seine Gefangenen        (WL)
127. An Gottes Segen ist alles gelegen (Salomo)
128. Gesegneter Hausstand                 (WL)
129. Hilferuf des Bedrängten Israels   (WL)
130. Aus tiefster Not                           (WL)
131. Kindliche Eingebung                (David)
132. Davids Haus und das Heiligtum auf Zion  (WL)
133. Segen der brüderlichen Eintracht      (David)
134. Nächtliches Loblied im Tempel       (WL)
135. Anbetung des lebendigen Gottes
136. Gottes Wunder in seiner Schöpfung
137. Klage der Gefangenen zu Babel
138. Dank für Gottes Hilfe
139. Gott der Allwissende und Allgegenwärtige
140. Bitte um Rettung vor boshaften Feinden
141. Bitte um Bewahrung                    (David)
142. Hilferuf in schwerer Bedrängnis   (David)
143. Bitte um Verschonung und Leitung   (David)
144. Gebet um Rettung und Wohlstand   (David)
145. Gottes ewige Güte                         (David)
146. Gottes ewige Treue
147. Gottes Wirken in der Schöpfung und in Israel
148. Gottes Lob im Himmel und auf Erden
149. Zion lobe den Herrn!
150. Das große Halleluja   (*1)

Anmerkung - Halleluja = lobet den Herrn / oder auch preisen, verehren – Gott, Jahwe
 

9. C.  Sprüche – Weisheit (Salomo)

Weisheit ist die Grundlage der Sprüche und ist ein Bemühen um die Erkenntnis und diese in knappen treffenden und eindrucksvollen Worten zu formulieren. Es wurden allgemeine Erfahrungen oder/und Überzeugungen verarbeitet, die zu einer fundamentierten Erkenntnis führten. Im Mittelpunkt steht dabei das Sein des Menschen in seinem Umfeld, im Alltag, dem mitmenschlichen Verhältnis, der Beziehung von Gut und Böse und dem Bezug zum Glauben. Die jeweilige Erkenntnis versuchte man dann in einem lyrischen Spruch auszudrücken. Denn ein kurzer prägnanter Spruch prägt sich besser ein, als philosophische Abhandlung zu einem Thema. Weisheitssprüche haben zudem den Vorteil, wie auch Nachteil, vielschichtig interpretiert werden zu können. Sprüche dienen meistens dazu eine Denkrichtung vorzugeben, die dann zu Erkenntnis führt, ohne sich belehrt zu fühlen.
In der antiken Epoche gab mit der kulturellen Entwicklung einen Trend, Weisheiten in Form von Sprüchen zu verbreiten. Es waren die religiösen Philosophien von Kulturgesellschaften, die über das Leben (das Sein) nachdachten und ab den 6. Jh. v. Chr. kam die weltliche Philosophie hinzu, wie Laotse & Konfuzius (China) und Tales, Pythagoras (Griechenland). Die meisten Sprüche in der Bibel stammen vermutlich aus der Königszeit (David/Salomo) und in der Ehrerbietung zum König der Weisheit wurden zahlreiche Sprüche Salomo zuge-wiesen. Die eigentlichen Verfasser der Weisheiten blieben im Hintergrund, außerdem fanden sich bei einigen Sprüchen Parallelen zur ägyptischen Kultur. Weiterhin wiesen Forscher redaktionelle Bearbeitungen nach und erst um 180 v.Chr. lag vermutlich das Buch Sprüche, im heutigen wesentlichen Umfang vor.
Typisch für die biblischen Sprüche sind ihr literarischer Gedichts-Stil. Sprüche wurden entweder lyrisch erweitert oder unter einem Thema als Gedicht zusammengestellt. Natürlich sind alle Gedichte/Sprüche vom Glauben an Gott geprägt und bieten in dieser Hinsicht Erkenntnisse für den Alltag an. Themen über Eltern und Kindern, Ehefrauen und Ehemänner finden sich dort, aber auch über Nachbarschaft, Freunde, Armut und Reichtum, Stolz und Demut, Ängste und Sorgen, Zorn und Herrschaft.

Überblick über die Sprüchesammlung:
Empfehlungen der Weisheit                                               Kap.        1 bis   9
Sprichwörter Salomos                                                        Kap.       10 bis 22,16
Spruchsammlung der Weisen                                             Kap.  22.17 bis 24,34
Sprichwörter Salomos (Hiskia Sammlung)                        Kap.       25 bis 29
Worte Agurs (*1)                                                                Kap.            30
Worte an Lemuel (*2)                                                        Kap.    31,1 bis 31, 9
Lob der tüchtigen Hausfrau                                                Kap.  31,10 bis 31,31

*1 = vermutlich Priestersohn vom arabischen Stamm Masse, Nachfahren von Ismael (Abrahams Sohn)
*2 = König vom arabischen Stamm Masse, Nachfahren von Ismael (Abrahams Sohn)     

Inhaltsüberschriften

1. Einleitung zu den Sprüchen Salomos /  Warnung vor Verführern / Ruf der Weisheit
2. Weisheit bewahrt vor dem Verderben
3. Vom Segen der Gottesfurcht und Weisheit / Ermahnung zur Friedfertigkeit und rechtem Handeln
4. Väterliche Mahnung/ Rat des Lehrers
5. Warnungen vor der Verführung
6 & 7. Warnungen vor Bürgschaften, Faulheit und Falschheit, sowie Ehebruch und Verführung
8. Einladung, Verheißung und Lob der Weisheit, als Gottes Liebling
9. Unterschied zwischen Weisheit und Torheit
10. – 22,16. Sprichwörter Salomos: Eine Sammlung unterschiedlichster 2- und 4 Zeiler.   
  
  Beispiel: (16,18)Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz und Hochmut kommt vor dem Fall.
22,17 – 24,34. Spruchsammlung der Weisen: Sammlung von 2- und 4 Zeiler.
    Beispiel: 
Der (-jenige) ist nicht stark, der in der Not nicht fest ist (24,10).
25. – 29. Sprichwörter Salomos (Hiskia Sammlung). 
    Beispiele: 
Wenn du einen siehst, der sich weise dünkt (bezeichnet), da ist für einen Toren (Narr)
    mehr 
Hoffnung als für ihn. (26,12) – Rühme dich nicht des morgigen Tages, denn du weißt nicht, 
    was der Tag dir bringt. (27,1) Wer sich (nur) auf seinen verlässt, ist ein Tor (Narr), wer aber in
    Weisheit wandelt, wird entrinnen
(28,26).

30. Worte Agurs: er erkennt seine Torheit und beugt sich demütig Gott und verabscheut Gewalttaten. 
     Ab 30,15 folgen Zahlenwörter und philosophieren mit den Zahlen drei und 
vier.
31. Die Worte von Lemuels Mutter, die ihn vor Ausschweifungen und Alkoholmissbrauch warnt und
     stattdessen soll er sich um sein Volk kümmern (Gerecht und Weise).

31,10. Als eine Art Leitfaden wird eine Gute Hausfrau beschrieben und macht den Mann bewusst,
     
auf welche Tugenden er achten sollte, damit er ein glückliches Leben führen kann.  

 

9. D.  Prediger (Kohelet)

Ähnlich wie bei den Sprüchen lassen die Verfasser den Eindruck entstehen, als stammen die lyrischen Verse von König Salomo. Die Predigtexte dienten vermutlich vornehmlich dem gottesdienstlichen Gebrauch und widmen sich wichtigen Fragen der Gläubigen. Auf der Basis der Weisheit und der Autorität Salomos werden Vergleiche als Antworten gegeben, die keine eindeutige Antworten und interpretierbar sind. „Alle Wasser laufen ins Meer, doch wird das  Meer nicht voller“ (1,7) – ein Vers der Predigt 1 unterstreicht zusätzlich den Gedanken, dass sich die Zyklen der Natur und damit auch der Geschichte immer wiederholen.
Auffällig ist, dass die gesamte Weisheitsliteratur, so auch das Buch Prediger, letztendlich in der hellenistischen Ära schriftlich fixiert wurde. Das Buch Prediger entstand vermutlich um 250 – 220 v. Chr. in Jerusalem und verband die alten Predigttexte, in einer philosophischen Überarbeitung. Für die hellenistische Philosophie war es typisch Weisheiten in „Bildern“ zu verpacken und umging eine konkrete Aussage, wodurch eine Rückzugsmöglichkeit gegeben war, falls die beabsichtigte Aussage nicht zutraf (Orakeleffekt). Der Predigttext ließ so eine vielschichtige Auslegung zu und war deshalb zu aktuellen Situationen interpretierbar.

Inhaltsüberschriften

1. Was hat der Mensch für ein Gewinn bei all seinen Mühen? Der Wert der Weisheit für das Leben.
2. Der Wert von Freude mit Gott und der Vergleich zwischen Weisheit und Torheit.
3. Geheimnis der Zeit. Jegliches hat seine Zeit, wie auch die Vergänglichkeit des Menschen.
4. Über die Bedrückung, den Arbeitseifer und der Vereinsamung. Auch Weisheitserfolge sind vergänglich.
5. Bedachtsamkeit beim Gottesdienst und über soziales Unrecht und die Nichtigkeit des Reichtums.
6. Über die Lebensgier und Sättigung und das der Mensch keine Macht hat über sein Leben.
7. Geht der Frage nach, was gut ist? Der Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Weisheit.
8. Über das Unrecht in der Welt und das verborgene Wirken Gottes.
9. Aufruf zur Freude trotz der Eitelkeit (Widrigkeiten) des Lebens. Über den Wert und Unwert der Weisheit.
10. Grundsätzliches über die Weisheit und Torheit.
11. Berechne nicht die Zukunft, sondern nütze den Tag.
12. Freue dich deiner Jugend, ehe Alter und Tod kommen.

 

9. E.  Das Hohelied Salomos (Liebeslied)

In diesem Buch wird eine ästhetische Sichtweise von zwei Liebenden propagiert, die als Gegenpol zum frivolen und ekstatischen Fruchtbarkeitskult des Baal-Glaubens gedacht waren. Mit dem angeblichen Verfasser Salomo, wurde das Hohelied zur erstrebenswerten Weisheit erhoben. Im Übertragenen Sinne wird zudem Gottes Liebe zu den Menschen damit ausgedrückt.
Grundlage des Buches waren eine Sammlung von Gedichten, die auf Hochzeiten erzählt wurden. In der antiken Zeit feierte man mehrere Tage (eine Woche) Hochzeit und neben Musik, Tanz und Frohsinn wurde viel erzählt, unter anderen auch amourösen Geschichten. Vermutlich um 200 v. Chr. wurde das Lied der Liebe als Buch geschrieben und hat mit Salomo als Verfasser wenig zu tun.

 Gliederung:
1,2 – 2,2 Vorfreude der Liebe und das Mädchen spricht zu ihrem Freund.
2,3 – 3,5 Gefunden, verloren und wiedergefunden. Zwischen Traum und Wirklichkeit.
3,6 – 5,1 Erfüllung der Liebe und die Freude über die Schönheit der Geliebten.
5,2 – 8,4 Der Alptraum der Braut und ihre Fragen. Der Bräutigam preist erneut ihre
               Schönheit und beide 
können es kaum erwarten sich einander hinzugeben.
8,5 – 8,14 Bekräftigung ihre Liebe zum unzerbrechlichen Bund.