6.2. Nachbetrachtung Sintflut

Nachbetrachtung Sintflut

D. Der Bibel-Text ab Kapitel 7
E. Nachbetrachtung
F. Die reale Sintflut

D. Der Bibel-Text ab Kapitel 7
Im 7. Kapitel gehen die Auserwählten an Bord und die Flut beginnt. Es wird über die Flut berichtet, die alles Leben zerstört und das Wasser sogar Berge übersteigt.

Im Gegensatz zur priesterlichen Schrift unterscheidet der Jahwist ab Vers 2 in reine und unreine Tiere. Mythologisch wird hiermit begründet, warum es scheinbar auf Erden zahlenmäßig mehr Nutzvieh (Schafe, Ziegen, Antilopen, Gänse, Enten) gibt, als schädliche Tiere (Raubtiere, giftige Tiere, Ungeziefer).  In Vers 4 kündigt Gott die Flut in 7 Tagen an, die Schöpfung dauerte 7 Tage, somit dauern die Vorbereitung zur Erneuerung ebenso 7 Tage. Die 40 Tage Dauerregen symbolisieren die Wende und den Neubeginn. Die Bedeutung der Zahl 600 als Altersangabe für Noah, ist in der gematrischen Auslegung nicht klar. Im Zusammenhang mit der Zahl 6 steht die Ziffer für die irdische Vollkommenheit und mit dem Multiplikator 100, könnte die Zahl 600 eine Differenzierung (Abstand, Wertigkeit) bedeuten. Noah entspricht demnach nicht dem Ideal Gottes, aber Noah ist der Einzige, der auf Gottes Wegen wandelte.
In Vers 7 bis 10 gehen alle an Bord und Gott persönlich schließt hinter ihnen die Tür zur Arche, wodurch seine Fürsorge für die Auserwählten zum Ausdruck kommt. Pünktlich am 17. Tag des 2. Monats begann es zu regnen. Laut jüdischen Kalender handelt es sich um den Monat Ijjar (Mitte April – Mitte Mai), der 29 Tage hat. Im jüdischen Kalender wechseln die Monatstage stetig zwischen 29 und 30. Mehrfach wird nun erwähnt das es 40 Tage regnete und soll die Dramatik des Geschehens verdeutlichen. Dass kein Anderer überleben konnte wird damit erklärt, dass das Wasser 15 Ellen über die Berge anstieg und die Flut 150 Tage dauerte. Das die „Flut 40 Tage auf Erden war“ besagt, dass neben dem Regen gewaltige Wassermassen auf die Erde hereinbrachen. Somit haben sich die Schriftgelehrten keinen mathematischen Fauxpas (40+40= 80) geleistet, sondern 70 weitere Tage (=150) sprudelte das Wasser auf die Erde und hielt den Wasserstand konstant.   

Genesis 7

(1) Und der HERR sprach zu Noah: Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus; denn dich habe ich gerecht erfunden vor mir zu dieser Zeit. (2) Von allen reinen Tieren nimm zu dir je sieben, das Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber je ein Paar, das Männchen und sein Weibchen. (3) Desgleichen von den Vögeln unter dem Himmel je sieben, das Männchen und sein Weibchen, um das Leben zu erhalten auf dem ganzen Erdboden.
(4) Denn von heute an in sieben Tagen will ich regnen lassen auf Erden 40 Tage und 40 Nächte und vertilgen von dem Erdboden alles Lebendige, das ich gemacht habe.

(5) Und Noah tat alles, was ihm der HERR gebot. (6) Er war aber 600 Jahre alt, als die Sintflut auf Erden kam.
(7) Und er ging in die Arche mit seinen Söhnen, seiner Frau und den Frauen seiner Söhne vor den Wassern der Sintflut. (8) Von den reinen Tieren und von den unreinen, von den Vögeln und von allem Gewürm auf Erden (9) gingen sie zu ihm in die Arche paarweise, je ein Männchen und Weibchen, wie ihm Gott geboten hatte. (10) Und als die sieben Tage vergangen waren, kamen die Wasser der Sintflut auf Erden.

(11) In dem 600. Lebensjahr Noahs am 17 Tag des zweiten Monats, an diesem Tag brachen alle Brunnen der großen Tiefe auf und taten sich die Fenster des Himmels auf,
(12) und ein Regen kam auf Erden 40 Tage und 40 Nächte.
(13) An eben diesem Tage ging Noah in die Arche mit Sem, Ham und Jafet, seinen Söhnen, und mit seiner Frau und den drei Frauen seiner Söhne; (14) dazu alles wilde Getier nach seiner Art, alles Vieh nach seiner Art, alles Gewürm, das auf Erden kriecht, nach seiner Art und alle Vögel nach ihrer Art, alles, was fliegen konnte, alles, was Fittiche hatte; (15) das ging alles zu Noah in die Arche paarweise, von allem Fleisch, darin Odem des Lebens war.
(16) Und das waren Männchen und Weibchen von allem Fleisch, und sie gingen hinein, wie denn Gott ihm geboten hatte. Und der HERR schloss hinter ihm zu. (17) Und die Sintflut war 40 Tage auf Erden, und die Wasser wuchsen und hoben die Arche auf und trugen sie empor über die Erde.

(18) Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen sehr auf Erden, und die Arche fuhr auf den Wassern. (19) Und die Wasser nahmen überhand und wuchsen so sehr auf Erden, dass alle hohen Berge unter dem ganzen Himmel bedeckt wurden. (20) 15 Ellen hoch gingen die Wasser über die Berge, sodass sie ganz bedeckt wurden. (21) Da ging alles Fleisch unter, das sich auf Erden regte, an Vögeln, an Vieh, an wildem Getier und an allem, was da wimmelte auf Erden, und alle Menschen.
(22) Alles, was Odem des Lebens hatte auf dem Trockenen, das starb. (23) So wurde vertilgt alles, was auf dem Erdboden war, vom Menschen an bis hin zum Vieh und zum Gewürm und zu den Vögeln unter dem Himmel; das wurde alles von der Erde vertilgt. Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war.
(24) Und die Wasser wuchsen gewaltig auf Erden 150 Tage.

Farblich gekennzeichnet die Autorenepoche: Jahwist – Priester – Redaktoren - Gemisch


In Kapitel 8 endet die Sintflut und der Neubeginn wird mit Gottes Segen bekräftigt.

Nach 150 Tagen beendete Gott die Sintflut und die Autoren erklären unterschiedlich den Vorgang (Wind, Brunnen & Himmelsfenster schließen). Am 17. des 7. Monats soll sich die Arche auf dem Gebirge Ararat festgesetzt haben. Die Zahl 17 (9+6+2) symbolisiert das Ende des Alten und den Übergang in eine neue Welt, der 17. des 2. Monats ist diesbezüglich der Anfang der Erneuerung. Das namentliche hervorheben des Gebirges Ararat lässt vermuten, dass am Fuße des Berges das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Aramäer war, dem Urvolk der späteren israelischen Väter.
Im 10. Monat ist das Wasser soweit gesunken das die Bergspitzen zu sehen waren. Die 10 ist die Zahl der Einheit (10 Gebote, 10 Finger) und steht für einen systematischen kalkulierbaren Vorgang (Endphasen der Sintflut). Symbolisch sendet Noah nach 40 Tagen einen Raben aus. In den antiken Kulturen wird der Rabe als weiser Vogel verehrt und ist häufig Bote der Götter. In der biblischen Sintflutgeschichte wird der Rabe deshalb herabgewürdigt, der egoistisch seinem Selbstzweck dient (kehrte nicht zurück). Dafür steigt die Taube als Sinnbild des Friedens mit Gott und als zuverlässiger Bote auf. Im Abstand von 7 Tagen symbolisierte die Taube die Erneuerung. So brachte die Taube ein Ölblatt, wodurch die Erneuerung der Natur sichtbar wurde und als die Taube nicht wiederkam, wusste Noah, dass wieder Leben auf der Welt möglich war.
Ausdrücklich wird betont das Noah 601 Jahre alt war, als ihm die Erde trocken wirkte.
Die 1 stellt vermutlich Noahs Einzigartigkeit gematrisch dar. Gott setzt in Noah sein Vertrauen, hält ihn für würdig, seine Familie und seine Nachfahren und somit die neue Menschheit in Gottes Sinne zu leiten. Er ist der erste im Sinne Gottes, aber nicht die 1. Wahl.
Allerdings könnte der 01. 01. auch als Noahs Geburtstag gelten, ist aber eher als Datum (Kalenderanfang) der erneuerten Welt gemeint. Dazu sei erwähnt, dass es bis in die Neuzeit hinein unterschiedliche Kalender gab und auch der Jahresanfang unterschiedlich interpretiert wurde (z.B.: Jahresbeginn im Frühling oder Herbst).
Erst am 27. des 2. Monats erlaubte Noah die Besiedlung der erneuerten Welt. Die reine Sintflut dauerte danach 1 Jahr und 10 Tage. Rechnet man jedoch die Zahlen im Bibeltext zusammen, so kommt man auf etwa 300 Tage. Ein Jahr in unserer Zeitrechnung beträgt jedoch 365 Tage. Damit wird klar, dass die Zahlen symbolisch gemeint waren.

Genesis 8

(1) Da gedachte Gott an Noah und an alles wilde Getier und an alles Vieh, das mit ihm in der Arche war, und ließ Wind auf Erden kommen und die Wasser fielen.
(2) Und die Brunnen der Tiefe wurden verstopft samt den Fenstern des Himmels, und dem Regen vom Himmel wurde gewehrt. (3) Da verliefen sich die Wasser von der Erde und nahmen ab nach 150 Tagen.
(4) Am 17. Tag des siebenten Monats ließ sich die Arche nieder auf das Gebirge Ararat. (5) Es nahmen aber die Wasser immer mehr ab bis auf den zehnten Monat. Am ersten Tage des zehnten Monats sahen die Spitzen der Berge hervor.
(6) Nach 40 Tagen tat Noah an der Arche das Fenster auf, das er gemacht hatte,
(7) und ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her, bis die Wasser vertrockneten auf Erden.

(8) Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. (9) Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden. Da tat er die Hand heraus und nahm sie zu sich in die Arche. (10) Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals eine Taube fliegen aus der Arche. (11)Die kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, ein Ölblatt hatte sie abgebrochen und trug's in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. (12) Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ eine Taube ausfliegen; die kam nicht wieder zu ihm.
(13) Im 601. Lebensjahr Noahs am ersten Tage des ersten Monats waren die Wasser vertrocknet auf Erden. Da tat Noah das Dach von der Arche und sah, dass der Erdboden trocken war.

(14) Und am 27. Tage des zweiten Monats war die Erde ganz trocken. (15) Da redete Gott mit Noah und sprach: (16) Geh aus der Arche, du und deine Frau, deine Söhne und die Frauen deiner Söhne mit dir. (17) Alles Getier, das bei dir ist, von allem Fleisch, an Vögeln, an Vieh und allem Gewürm, das auf Erden kriecht, das gehe heraus mit dir, dass sie sich regen auf Erden und fruchtbar seien und sich mehren auf Erden. (18) So ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und den Frauen seiner Söhne, (19) dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen.
(20) Noah aber baute dem HERRN einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. (21) Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. (22) Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

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Ab Vers 15 erteilt Gott Noah die order, die Arche zu verlassen und mit ihm seine Familie und alle Tiere und segnete sie. Im jahwistischen Text baut Noah Gott einen Altar und opfert dem Herrn ein Brandopfer. Gott ist erfreut von dieser Ehrung, weiß aber dadurch, dass sich der Mensch nicht geändert hat. Der Mensch wird weiter berechnend um Gottes Gunst buhlen, aber die Sünde bleibt tief in den Menschen veranlagt. Gott hat das erkannt und gelobt deshalb, dass er die Welt (seine Schöpfung) wegen den Sünden der Menschen nicht mehr strafen wird. Inhaltlich wiederholt sich Vers 5 vom Kapitel 6, „das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist (bleibt) böse“ und schließt sich wie eine Klammer um die Geschichte. Die Sünden der Väter werden hier bereits prophezeit, aber Gott hofft, dass die neuen Menschen belehrbar bleiben. Damit die Menschen nicht vergessen, will Gott sie über die Natur an die Sintflut erinnern. Eigentlich endet damit die Sintflutgeschichte, doch den priesterlichen Gelehrten war es wichtig grundlegende Zusätze im Bundesschluß zuzufügen.

In Kapitel 9 wird der Bund mit Gott geschlossen, der Noah und seine Söhne segnet („seid fruchtbar und mehret euch“) und es werden grundlegende Gebote verkündet. Obwohl Gott auch die Tiere segnet, setzt er sie zugleich auf die Speisekarte des Menschen. Unmissverständlich ist es verboten trächtige Tiere zu töten und das Töten von Menschen soll von Menschen gerächt werden. Gott verspricht, dass er künftig keine Sintflut mehr schicken wird, aber in Vers 5 behält er sich ein notwendiges Eingreifen vor. Ansonsten schließt er mit den Menschen und Tieren einen ewigen Bund. Als Zeichen des Bundes soll der Regenbogen (Bogen) stehen, der Himmel und Erde verbindet, und soll Ort des schützenden Friedens sein.

E. Nachbetrachtung

Die Sintflut -Dialektik

  1. Die Sintflutgeschichte verdeutlicht einen unlösbaren Zusammenhang zwischen Gott, Mensch und Schöpfung (Tiere, Natur). Keine der drei Größen kann für sich allein existieren und es wäre auch nicht sinnvoll. Was nützte Gottes Tun ohne Menschen und ohne Schöpfung, also muss Gott seine Schöpfung über (mit Hilfe) den Menschen bewahren. Aber der Mensch neigt durch sein sündiges egoistisches Tun dazu, die gesamte Schöpfung zu gefährden. Um die Schöpfung zu bewahren muss Gott den Menschen dazu bringen sachgemäß seinen Willen umsetzen. Denn die Welt kann nur durch den Mensch leben und Gott muss ihm dazu den rechten Weg weisen.

  2. Die Sintflut versteht diese Welt als ständig gefährdet durch den Menschen. Ein sinnvolles Leben und erfülltes Menschendasein, im Sinne Gottes, bewahrt die Schöpfung zum Heil der Welt. Mit der Verleugnung Gottes würde ein Teil der Dreiheit genommen und der Mensch ungeleitet und seine Schöpfung untergehen. Dieser Leitgedanke wird in der Bibel später als Apokalypse bezeichnet ⇒ das Ende der Welt.

  3. Sintflut beschreibt somit die Hoffnung, dass bei einer Bedrohung der Menschheit und der Schöpfung Gott eingreifen wird. Auch ohne erkennbare Dienste der Menschen, kommt Gottes Rettung und Hilfe, aber er kann nicht bei allen (jeden) sein.

  4. Daher wird symbolisch Noah für die Menschen gerettet, die durch ihr Tun und Handeln trotzdem das Wohlwollen Gottes finden. Somit ist es eigentlich egal, wie wir leben und was wir tun, wir werden letztendlich an unseren Taten gemessen.

  5. Dialektisch steht die menschliche Schuld, der göttlichen Absicht seiner Schöpfung gegenüber. Es geht dabei nicht, um die Erbsünden der Menschen, sondern seine wissentliche Übertretung zum Unrecht. Dabei ist die Strafe Gottes eigentlich keine Strafe, sondern nur die Realität der Folgen unserer Verfehlungen. Der Geist Gottes soll uns helfen, aus den Fehlern zu lernen und dazu müssen wir unsere eigenen Fehler zu spüren bekommen, damit wir sie als solche erkennen. Erst wenn der Geist Gottes erkannt wird, kann Gott helfen und kann eingreifen, aber nur dann.

Die Sintflutgeschichte zeigt somit zwei Seiten eines Geschehens, sie ist Untergang und Schöpfung zugleich. Gott ist Schöpfer und Bewahrer, der Leben will und beweist es als Helfender und Verzeihender, trotz der zerstörerischen Aktion. Der Mensch ist dabei Bestandteil und Gestalter der Schöpfung in der dialektischen Dreier-Beziehung. Damit der Mensch seiner Aufgabe gerecht wird, muss er aus seinen Sünden (Folgen) lernen, um den Geist Gottes zu erkennen. Grundsätzlich ist der Mensch eine Schöpfung Gottes, er fungiert aber als Gestalter der Schöpfung (Welt) in Gottes Auftrag. Im Rahmen seiner Sünden wird sich das Grundgeschehen auch in der Gegenwart fortsetzen, dass der Mensch in den Folgen seines Tuns, seine Sünden über Gottes Geist erkennt. In der Bibel unterstreichen die nachfolgenden Sünden und die Genealogie, die generelle Veranlagung des Menschen, aus die der Mensch lernen soll. Der Mensch kann sich dabei stets der Liebe Gottes sicher sein und hoffen, dass er irgendwann für das kommende Reich Gottes bereit ist.

Andere Deutungen
In den Apokryphen (1. Buch Henoch) wird das Schwergewicht auf den Text vor der Sintflut gelegt, der Geschichte von den Gottessöhnen. Nach jener Interpretation rebellierten demnach die Wächterengel (Cherubime) unter Führung von Azazel und lehrten den Menschen unerlaubte Fähigkeiten. Sie nahmen sich selbstherrlich die Menschentöchter und verführten die Menschen zum Hochmut. Nachdem Gott die Cherubime bestraft hatte, musste Gott auch den verdorbenen Samen vertilgen, worauf flächendeckend die Menschheit vernichtet wurde.
Im Neuen Testament (Petrus) symbolisiert die Sintflut die Taufe, das Altes abstreift und ein neues Leben beginnt. Auf dieser Basis halten viele Religionsgemeinschaften deshalb die Taufe von mündigen Erwachsenen für sinnvoll.
Acht Personen wurden bei der Sintflut gerettet, aber die Ziffer 7 ist die Zahl der Schöpfung und des vollkommenen Ganzen. Die Zahl 8 geht darüber hinaus und unterstreicht symbolisch der Auserwählte zu sein. Doch der anschließende Text belegt auch Noahs Sünden. Somit ist er nicht der Auserwählte und die Zahl 8 steht für den Messias bzw. Personen, die als Auserwählter infrage kommen. Für die Juden ist der Messias noch nicht erschienen, aber für die Christen ist Jesus der Messias, wodurch die Zahl 8 zu einer bedeutenden Ziffer wurde.
Im übertragenen Sinne versteht sich die Sintflut im NT auch als Gleichnis, wenn mit dem Menschensohn (Jesus) eine neue Zeit anbrechen wird. Viele Interpretationen versuchen die Begriffe „boshaft“ und „verderbt“ zu deuten. So werden beispielsweise Mischehen, Ehe mit Ungläubigen oder Andersgläubigen, als verderbt bezeichnet. Die Sintflut wurde auch zur Basis der Erbsündenlehre und den Theorien über die Apokalypse. Jesus erscheinen auf der Erde, wird auch als Beginn der neuen Flut gesehen, als phasenweise Vernichtung der Menschheit, bis das kommende Gottesreich zur Erneuerung der Erde führt.
Die genannten Beispiele sollen genügen, um zu erahnen welche weiteren Auslegungen noch in Religionsgemeinschaften kursieren.

Die Zeitangaben im Sintflut-Text
Werden und wurden auch als Daten im hebräischen Kalender verwendet.
01. 01. = Jahresbeginn, Neujahr, Neuzeit
17. 02. = Beginn der allgemeinen Fastenzeit
27. 02. = Ende des israelischen Winters, beginn des Vorsommerzeit (Israel kein Frühling)
17. 07. = Ende der Wachstumsphase (Getreide), Mitte des Sommers
01. 10. = Einbringen der Ernte, Erntedankfest

Nr. Monat Länge in Tagen Beginn zwischen und Tierkreiszeichen
7 Tischri 30 erstem Septemberdrittel  Anfang Oktober Waage
8 Cheschwan, Marcheschwan  29 (30 in übermäßigen J.)  Anfang Oktober Anfang November Skorpion
9 Kislew 30 (29 in verminderten J.) Anfang November Anfang Dezember  Schütze
10 Tevet 29 Ende November Mitte Dezember Steinbock
11 Schevat (oder Schwat) 30 letztem Dezemberdrittel Mitte Januar Wassermann
12 Adar 29 Anfang Februar Anfang März Fische
1 Nisan 30 Mitte März Mitte April Widder
2 Ijjar 29 Mitte April Mitte Mai Stier
3 Siwan 30 Mitte Mai erstem Junidrittel Zwillinge
4 Tammus 29 erstem Junidrittel Anfang Juli Krebs
5 Aw 30 Mitte Juli Mitte August Löwe
6 Elul 29 Mitte August Mitte September Jungfrau

Anmerkung: Im biblischen Kontext beginnt das Jahr im März (Nisan), heute im Oktober (Tischri), doch
an Noah orientiert, beginnt das moderne neue Jahr im Januar (von den Christen festgelegt).

Links = Eiszeitkarte                                                 Rechts= geologisch Mesopotamien

F. Die Reale Sintflut

Die biblische Sintflut wird wissenschaftlich stark bestritten und doch gibt es zahlreiche Erklärungsversuche, zumal es geologisch gesehen Flutkatastrophen gab.
Etwa vor 10.000 Jahren endete die letzte Eiszeit und durch die folgende Erwärmung kam es um 9.500 zur globalen Sintflut. Der Meeresspiegel stieg an manchen Stellen über 100 Meter an.
Dieses Phänomen betraf überwiegend die Landmassen am Atlantischen Ozean. Eine Theorie besagt, dass sich nun das Mittelmeer auffüllte und etwa vor 5.500 Jahren am Bosporus in das tiefer gelegene Schwarze Meer stürzte. Gewaltige Wassermassen stürzten somit in kürzester Zeit in diese Gegend und überfluteten großflächige Landmassen. Forscher vermuten, dass sich in der sehr fruchtbaren Ebene ein Kulturvolk angesiedelt hatte und nur wenige der Katastrophe entkamen. Die Überlebenden sollen nun die Urahnen der mesopotamischen Kulturen sein. Das klingt unglaubwürdig, da die Flüchtenden sicherlich nordwärts geflohen sind.

Im Gegensatz dazu gibt es zwei umgekehrte Varianten. Diese Theorien besagen, dass sich im Laufe der Zeit das Schmelzwasser der Eiszeit im Schwarzen Meer gesammelt hat, blockiert vom südlichen Gebirge. Im Rahmen dessen bildete sich dort zusammen mit dem Kaspischen Meer ein gigantisches Binnenmeer. In einem möglichen Szenario brach am Bosporus (Istanbul) der Gebirgsdamm, durch den gewaltigen Druck der Wassermassen und strömten nun ins Mittelmeer. Die heutige Inselwelt der Ägäis könnte seiner Zeit eine gebirgige Blockade gewesen sein, dass die Wasserflut ostwärts lenkte und wodurch die Flut über Syrien nach Mesopotamien hereinbrach. Am Ende der Flut erhielten das Schwarze und das Kaspische Meer, sowie die Ägäis ihr bekanntes Aussehen. Die Ägäis wurde also seiner Zeit zur heutigen Inselwelt zurecht gespült, das würde historisch einige Besiedlungsmerkwürdigkeiten erklären. Gegen Ende der Flut hat das durchlässige Inselsieb des Mittelmeeres für einen Sogeffekt gesorgt, sodass Salzwasser ins Schwarze Meer zurückfloss. Außerdem ist denkbar, dass der Meeresspiegel des Mittelmeeres sich öfter änderte und so über den Bosporus Salzwasser ins Schwarze Meer floss. Das würde den leichten Salzgehalt des Meeres erklären.

Eine weitere Theorie besagt, dass ein gewaltiges Erdbeben, infolge der vulkanischen Aktivität des Ararat, die Flut in Mesopotamien verursacht haben könnte. An mehreren Stellen brach demzufolge das Schwarz-Meer-Wasser in relativ kleinen Strömungsarmen durch, die sich zu gigantischen Flüssen vereinten und das Zweistromland meterhoch überfluteten. Die Flut könnte dann tatsächlich mehrere Tage gedauert haben. Möglicherweise ging dieser Vorgang mit dem Bruch am Bosporus einher und Wassermassen brachen zusätzlich über Syrien in Mesopotamien ein.
Zu jener Zeit (um 5.500 v.Chr.) existierte mit Catal Hüyük, eine der größten Städte, die laut Archologen plötzlich ihre Heimat verließen. Ausgerechnet in der Sintflutzeit flüchteten die  2.500 Bewohner vermutlich in östlicher Richtung. Die Stadt liegt aber im Süden der Türkei, nördlich von Zypern in einem geologisch gebirgigen Gebiet. Theoretisch dürfte das Volk nicht von der Flut betroffen gewesen sein. Möglicherweise trat der Fluss Kizilirmak (Roter Fluss), im Bogen am Tuz Gölü (Großer Salzsee), über die Ufer und überschwemmte die Umgebung von Catal Hüyük. Vermutlich flohen die Menschen aus Angst vor dem steigenden Wasser, dass letztendlich die Stadt nicht bedrohte. Auf ihren tagelangen Marsch bzw. umherirren, gelangten sie in das fruchtbare Mesopotamien. Da die Flut inzwischen beendet war, könnten das Volk den Grundstein für ein antikes Volk gelegt haben (z.B.: Assyrer).

Wie dem auch sei, die Möglichkeit einer realen Sintflut können vielfältig gewesen sein, auch wenn so mancher Theorie eine 100%-ig Beweiskraft fehlt. Das es die Sintflut gegeben hat, ist insofern wahrscheinlich, weil psychologisch bedingt, die Fantasie von Menschen begrenzt ist und immer eine reale Vorlage benötigt. Wenigstens ein Mensch muss etwas gesehen (Erfahren) haben, worüber er berichten kann. Die Geschichte muss dazu glaubhaft sein und beweisende Fakten haben, damit sie weiter erzählt wird. So wie kaum noch die Existenz von Troja bestritten wird, kann die Sintflut als reales Ereignis angenommen werden und war nicht nur eine Überschwemmungskatastrophe, die es am Euphrat und Tigris sicherlich öfter mal gab.