4.2. Andere Schöpfungsberichte

Andere Schöpfungsberichte

A: Die priesterliche Schöpfung
B: Nachbetrachtung Schöpfung

A. Die priesterliche Schöpfung

Einleitung
Typisch für die priesterliche Schrift (530 v.Chr.), wird die Schöpfung in einem nüchternen und schmucklosen Stil erzählt. Die Sprache wirkt formelhaften und der Text ist in einer genauen Zeitabfolge geordnet.
Die Schöpfungsgeschichte entstand nach dem babylonischen Exil, also einer Epoche, in der Israel mit einer chaotischer Zerstörung und Entwurzelung ihrer Kultur konfrontiert war. Die Gläubigen sahen sich den fremden Naturgottheiten ausgeliefert und ihr Gott schien sie verlassen zu haben. Die priesterlichen Schriftgelehrten erinnerten an die Zeit (Jahwistische Schöpfung), an der Gott die Welt selbst geordnet hat und verwiesen auf die Sündenfolgen. Darin verbirgt sich der neue Bund mit Gott. Das Volk Israel hat es durch seine Sünden nicht verdient ein nationales Reich zu besitzen. Vielmehr soll es jetzt über den gelebten Glauben wieder zu Gott finden und der Welt ein Beispiel sein.
Die Priester machten dem Volk klar, dass Gott immer noch bei ihnen ist, nur sollten sie sich bewähren und Gott wird sie dafür belohnen und zur gegebenen Zeit einen Messias (Erlöser) schicken.
Bis dahin soll der Gläubige Gottes Weisungen befolgen und die priesterlichen Gelehrten formulierten eine Reihe von lebensgestalterischen Weisungen. In diesem Rahmen wurden nun auch die Geschichten verpackt.
Der priesterliche Schöpfungsbericht bezieht sich emotionslos auf das Wesentliche, stellt in seinem Kern die 7-Tage-Woche heraus und die Geschichte versteht sich als Schöpfung der allgemeinen Welt, bevor sich die spezifische Schöpfung (Jahwist) anschließt.

Die Schöpfungen
Vers 1: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Mit diesem philosophischen Satz beginnt die Schöpfung und beinhaltet eigentlich alles schon. Gemessen an den anderen Götterkulten müssen nun konkrete Taten Gottes folgen.

1. Tag – Vers 2 bis 5: Gott brachte das Licht auf die Erde, als Tag und Nacht
Beschrieben wird der leeren Zustand der Erde und wie der Geist Gottes über das Wasser schwebte und er sprach: „Es werde Licht!“, worauf Tag und Nacht entstanden. Allein durch Gottes Wort wurde es hell auf der Erde und unterstreicht die Macht Gottes, aber auch, wie mühsam es gewesen sein muss, dass Gott für die Erdentstehung einen Tag brauchte.

2. Tag – Vers 6 bis 8: Gott schuf das Himmelsgewölbe
Das beherrschen des Wassers war in der antiken Epoche eine großartig Leistung. In Form vom verschlingenden Urmeer, der stürmischen Gewalten des Meeres, von Katastrophen durch Überflutungen oder Regenunwetter fürchteten die Menschen das Wasser. In vielen Mythen richtete Wasser gewaltige Schäden an und die Wesen des Wassers waren häufig herzlos und grausam. Selbst die Götter fürchteten die Kreaturen des Meeres und Wasser an sich. Gott aber beherrschte das Element Wasser und teilte es in Meereswasser und Himmelswasser (Regen).

3. Tag – Vers 9 bis 13: Gott schuf das Festland und bepflanzte es
Noch einmal zeigt Gott seine Macht und drängt das Meer zurück und schuf Nutzland (Erde). Das gewonnene Land bepflanzte er mit allerlei Gewächsen, wobei Gräser, Kräuter und Obstbäume hervorgehoben werden. Gräser sind später die Nahrungsgrundlage für das Vieh der Nomaden, Kräuter dienen der Gesundheit und Obstbäume der zusätzlichen Ernährung des Menschen. Erstmalig stellt Gott fest, dass seine Maßnahme gut war. Diese Bemerkung könnte darauf hindeuten, dass die Bändigung des Wassers nicht zufriedenstellend war und erklärt, dass es weiterhin Naturkatastrophen in Verbindung mit Wasser gibt. Andererseits könnte auch das Tun des Menschen solche Katastrophen auslösen.

4. Tag – Vers 14 bis 19: Gott schuf Sonne, Mond und Sterne
Im Text werden absichtlich die Worte Sonne, Mond und Sterne vermieden und spricht von Lichtern. Die beabsichtigte Formulierung zielt dabei auf die heidnische Vergöttlichung und degradiert somit Sonne und Mond schlicht als Lichter ab, die Gott geschaffen hat.

5. Tag – Vers 20 bis 23: Gott schuf Fische und Vögel
Das Gott für Fische und Vögel einen Tag brauchte erklärt sich aus der Symbolik die dahinter steckt. Fische waren und sind für viele Kulturen eine grundsätzliche Ernährungsquelle, die unendlich ist. Zumindest stehen Fische für alles Leben in den Gewässern und werden auch als Wesen angesehen, die das Wasser in Flüssen und Seen zum Trinkwasser machen und Quellen und Brunnen damit speisen. Die Vögel sind dagegen die Wesen, die das Leben auf der Erde ermöglichen. Sie verteilen den Samen aller Gewächse in der Welt, befreien sie vor Ungeziefer und einige Kulturen sagen ihnen nach, dass sie Regenwolken über ödes Land ziehen lassen würden. Fische und Vögel symbolisieren somit die Lebensfähigkeit der Erde.

6. Tag – Vers 24 bis 31: Gott schuf alle Tiere und den Menschen
Interessanter weise schuf Gott zunächst die Wildtiere und dannach erst die Nutztiere. Diese erdgeschichtliche Logik war damals nicht selbstverständlich. Offensichtlich liegt hier der Einfluss der griechischen Philosophie zu Grunde, die sich zu jener Zeit verbreitete. Ab Vers 26 beginnt die Schöpfung des Menschen. Erneut sei darauf hingewiesen, dass mit, „lasst uns Menschen machen“ nicht mehrere Wesen daran beteiligt waren, sondern eine gebräuchliche antike Formulierung von Hochgestellten (Regenten, Prediger, Gelehrte) ist. Das „wir“ unterstreicht lediglich, dass Gott als Schöpfer und Vater in einer Person handelt. Ein weiteres Missverständnis bildet die Aussage, „schuf den Menschen zu seinem Bilde“. Die Formulierung bedeutet nicht, dass Gott den Menschen nach seinem Aussehen schuf, sondern ein Wesen das den Ansprüchen Gottes genügt. In gewisser Weise werden damit die Götterstatuen der antiken Kulturen kritisiert, die Bilder (Aussehen) erschaffen haben.
In der priesterlichen Auslegung wird „Bild“ zum abstrakten Begriff und meint „nach Gottes Vorstellung.“ Aufgrund dieses Verständnisses gab es keine Gottesbilder und Statuen von Gott, denn ein Bildnis von Gott wurde bei seinem Volk als Gotteslästerung betrachtet. Mit dem Menschen hoffte Gott einen Partner geschaffen zu haben, der ihm hilft die Welt verantwortungsvoll zu verwalten. Nicht von ungefähr ließen die Priester, in ihrem Text, die Tiere und Menschen am gleichen Tag entstehen. Damit stehen Tier und Mensch auf der gleichen Schöpfungsebene und gelten in der Natur als gleichwertig. Aber in dem der Mensch seinem göttlichen Auftrag nachkommt, hebt er sich von den Tieren ab. Obwohl es dann weiter im Text heißt, dass der Mensch über die Tiere „herrschen“ und sich die Erde „untertan“ machen soll, ist damit Gottes Anspruch gemeint. „Nach seinem Bilde“, unterstreicht Gottes Hoffnung, dass der Mensch seiner Rolle als irdischer Helfer nachkommt, der als Pächter und Verwalter im Sinne Gottes die Welt beherrscht.
Eine ausdrückliche Ermahnung folgt in Vers 29 und 30. Dort verweist der Text auf die gegebenen Ernährungsquellen des Menschen und unterstreicht, dass Gott auch speziell den Tieren die Nahrung geschaffen hat. Damit wird noch einmal die Einheit der Natur betont, die Gleichwertigkeit von den geschaffenen Lebewesen und der besondere Status des Menschen. In diesem Zusammenhang, wird in der Menschenschöpfung, besonders die Erschaffung von Mann und Frau hervorgehoben. Im Kontext wird damit die Gleichwertigkeit von Mann und Frau unterstrichen, die gemäß ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten eine Einheit bilden.
Letztendlich zeichnet der 6. Tag der Schöpfung den beabsichtigten Urzustand Gottes. Das die gelebte Realität anders aussieht, ist jedem Gläubigen bewusst und soll ihn dazu motivieren, durch ein gottgefälliges Leben, sich diesem Urzustand wieder zu nähern. Da Gott in den Menschen seine Erwartungen setzt, wird er auch bei den Menschen sein und ihnen helfen, weil er sie nach seinen Vorstellungen („Bilde“) geschaffen hat.
Trotz ihrer Sünden bleiben die Menschen Gottes Partner auf Erden. Und es klingt an, dass er die Menschen auslöschen würde, wenn seine geschaffene Welt durch sie unwiderruflich in Gefahr wäre. Im Prinzip kündigt sich mit dem Schöpfungsbericht die Sintflut an.  

7. Tag – Kapitel 2, Vers 1 bis 4: Gottes Ruhetag, der Sabbat für den Menschen
Gott nahm noch kleinere Korrekturen vor und ruhte sich von der Arbeit aus, und segnete sein Werk. Symbolisch wurde der Sabbat gerechtfertigt, dass auch der Mensch Gottes Taten/ Werk loben und preisen soll.
In der neuen realen Situation jener Zeit hatte das Volk Israel keinen eigenen Staat. Der neue Bund mit Gott konnte nur über ein festes Gemeindeleben manifestiert werden. Mit konkreten Anweisungen sollen die Gläubigen Gottes Wege gehen und im Gottesdienst im Glauben bestärkt werden und Antworten auf ihre Fragen/ Zweifel finden. Das Problem war ein arbeitsreiches Leben und von der Mühsal der Alltagslast geplagt, hatten viele Gläubige weder Zeit noch Lust zum Gottesdienst. Die Priester erkannten die Problematik und legten mit dem Sabbat einen arbeitsfreien Tag fest, den es bis dahin noch nicht gab.
Nur notwendige Arbeiten sollten an dem Tag getätigt werden und ansonsten sollte der Gläubige den Tag für Gott nutzen. Neben Lobpreisungen, Gebeten und Gesprächen sollte jeder Gläubige den meditativen Freiraum erhalten, um seine Seele für Gott zu stärken. Das Problem war lediglich, dass die fremden Herrscher einen solchen Tag zunächst nicht akzeptierten. Über die griechische Philosophie setzte sich jedoch ein neuer Zeitgeist durch und griff im Sinne der arbeitenden Bevölkerung die Idee von einem freien Tag auf. Der Text der priesterlichen Schrift vom 7.Tag umklammert methodisch strukturell den gesamten Schöpfungsbericht, „und so wurde Himmel und Erde geschaffen.“
Vers 1- „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ ⇒ es folgt das „Wie“ und kommt zum Schluss ⇒ „Und so wurden Himmel und Erde geschaffen.“

Diese Klammer symbolisiert die Erschaffung der Welt und lässt nun die jahwistische Erschaffung der Welt folgen. Da die Redaktoren methodisch das Ende einer Schöpfung, am Anfang einer weiteren Schöpfung stellen, lässt vermuten, dass die Völker im Nahen Osten, als Gottes bevorzugte Menschen gesehen wurden. Ausgeklammert werden demzufolge Afrikaner (Schwarze), Asiaten (Chinesen und Inder) und Europäer (Griechen, Römer). Ohne konkret zu werden, unterscheiden die Schriftgelehrten die Menschheit und begründen rassistische und kulturelle Fragen des Volkes. Warum haben Menschen eine andere Hautfarbe, sehen an sich anders aus und warum haben sie so eine fremdartige Kultur? Die Antwort könnte allgemein so lauten: Sie wurden zwar von Gott geschaffen, aber für das Paradies hatte Gott nur die Menschen/Völker im Nahen Osten ausgesucht gehabt. 

Die Priesterliche Gesetzlichkeit
Der stilistische Rahmen ist die formelle Erzählweise, die sich an eine Zahlensymbolik orientiert. Die Zahl 7 steht im übertragenen Sinne für die Vollkommenheit und bindet die vier irdischen Grundelemente und die drei Lebenselemente zu einer Einheit. Feuer, Wasser, Luft und Erde werden dabei als Basiselemente gesehen, deswegen beschäftigt sich Gott vier Tage lang mit der Erschaffung der Erde. In der Dreierbeziehung zwischen Tiere, Mensch und Gott wird der Himmelskörper Erde aber erst zum lebendigen Planeten.
Die Aussage wird deutlich: Fehlt nur eines der Elemente ist Leben nicht möglich. Auch in der Verwendung des Begriffes Tag wird symbolisch eine mathematische Einheit geprägt und hebt symbolisch den Wert der Schöpfung. Es wird nicht etwas irgendwann in einer Woche oder einem Monat geschaffen, sondern an einem Tag, somit ist jeder Tag ein besonderer Tag.
Die Symbolik von Zahlen und Zeichen ist in der priesterlichen Schrift sehr bedeutend und fundamentiert den Gesetzeskatalog als strenge Richtlinie für die Gläubigen. Wahrscheinlich wurden die Gelehrten von der griechischen Philosophie beeinflusst. Dazu sollte man Wissen, dass zu jener Zeit der griechischen Klassik (550 bis 336 v.Chr.) sich Kultur und Handel sehr stark entwickelten. Die Gesellschaft war demokratisch geprägt und der Attische Bund schuf im Mittelmeer zahlreiche Handelsstützpunkte (Kolonien). Durch Kolonien in Ägypten stieg Alexandria zum Handels- und Kulturzentrum auf und auch die Handelskontakte zur blühenden Metropole Babylon waren gegeben. In Babylon und Alexandria lebten im Exil die vertriebenen Juden. Erst die Perser erlaubten den Juden von Babylon die Rückkehr nach Juda (538 v. Chr.), ein Vorgang der sich über Jahre hinweg zog. Im Rahmen dessen kehrten auch viele Juden aus Alexandria zurück.
In beiden Städten waren die Juden mit dem Wissen und der Kultur der Zeit konfrontiert und in Babylon waren es vor allem Handelsreisende die neues Wissen mitbrachten.
In der Blütezeit Athens bildete sich um 600 v. Chr. die Philosophie heraus und hatte mit Tales von Milet einen ersten großen Denker. Mit Pythagoras (570 - 495 v.Chr.) folgte ein sehr bedeutender Philosoph, der von mathematischen Verhältnissen und Regeln im gesamten Universum sprach. Wahrscheinlich nahmen die priesterlichen Gelehrten diese Idee auf und formulierten sie in ihren Schriften. Pythagoras stellte die These von der Harmonie von Zahlen auf, die unter anderem auch von der Harmonie in der Natur durch Gottes lenken sprach. Es gab zwar in jener Zeit keine Schriften von Pythagoras, aber seine Lehren fanden eine schnelle mündlich Verbreitung. Die mathematische Lehre fand in vielen Bereichen seine Anwendung, neben der reinen Mathematik und Geometrie, auch in der Musik, Astronomie und der Religion.
So ist beispielsweise Böse und Gut mit den Zahlen 1 und 2 gleichzusetzen, aber die Zahlen stehen auch für Nacht und Tag, Frau und Mann. Somit ist 1 nicht Falsch und 2 Richtig, sondern sie bilden eine Einheit, wobei 2 den Wert/ Takt vorgibt, je nach der Betonung. Das heißt, der Betonungswert Frau und Mann, unterstreicht eine Partnerschaft, die vom Mann geprägt wird und Mann und Frau betont die weibliche Prägung. Mit solcher Art von Überlegungen verstehen sich mathematische Verhältnisse für das gesellschaftliche Leben, die http://freshideen.com/wp-content/uploads/2015/01/Partnerhoroskop-passende-sternzeichen-horoskop.jpgauf Regeln basieren. Die philosophische Zahlenlehre ist somit für die Gelehrten in der Religionslehre von großer Bedeutung.
Weiterhin ist anzumerken, dass die jüdische Schrift ohnehin auf Zahlenzeichen basiert und durch die priesterliche Schrift wieder stärker betont wird. Die Zahlenschrift besteht aus 22 Zeichen und hat neben dem Zahlenwert auch eine Doppeldeutigkeit zu Worten. Das Zeichen 1 kann auch für Begriffe wie Eins sein, (Militär)-Einheit oder Einzigartig stehen. Der Kontext ist entscheidend und gibt den Zeichenkombinationen (Worte) die entsprechende Bedeutung, wobei ein Wort sinnmäßig ein ganzer Satz sein kann. Anderseits kann der Zahlenwert 1000 in einem Text auch unspezifisch nur viele meinen (20 oder 100).
Einen entscheidenden Einfluss auf die priesterliche Zahlensymbolik hatte wahrscheinlich das System der Zahlendeutung des babylonischen Kulturkreises. Besonders geheimnisvoll ist dabei das Berechnen von Idealzahlen und der Gematria, die zusätzliche Botschaften enthalten sollen.
In der Kombination aus griechischer Philosophie, babylonischer Zahlendeutung und der eigenen jüdischen Zahlenschrift entstand eine einzigartige Zahlensymbolik. Sie war dazu gedacht das Leben zu ordnen und zu regeln, und alle Fragen des Menschsein und zu Gott einen mathematischen Rechtsrahmen zu geben.

Da Zahlen und Symbole in der Bibel eine sehr große Bedeutung spielen, finden Sie nach der Schöpfungsthematik eine genauere Betrachtung dazu.  
 

B: Nachbetrachtung Schöpfung

Schöpfungsbekenntnisse

Neben den bekannten Schöpfungsberichten enthält das Alte Testament weitere Schöpfungsbekenntnisse. Die bekanntesten sind:
♦ Psalm 104: ein jüdischer Sänger preist darin Gottes Schöpfung (Wasser, Licht, Wind usw.)
♦ Psalm 19, 2-7: eine babylonische Sonnenanbetung wurde hier zu Gott uminterpretiert

Im neuen Testament finden sich Bekenntnisse zur Schöpfung durch Gott.
♦ Apostelgeschichte: 4,24
♦ 1. Brief an Timotheus : 6,13
♦ Brief an die Epheser: 3,8
♦ Brief an die Römer: 4,17

Mit der Bildung der christlichen Kirche und deren staatliche Legitimierung, im römischen Reich, gab es regelmäßig Konzile, um den Glauben zu festigen, Glaubensfragen zu lösen. Auf dem 3. Konzil in Nizäa entstand ein erstes Glaubensbekenntnis, in dem Gott als Schöpfer der Welt ausgesagt wurde ⇒ dem Nicänum.

Um 1529 formulierte Martin Luther, im kleinen Katechismus, die Schöpfungspassage so:
Ich glaube an Gott, den Vater den Allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde.
Was ist das? Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt aller Kreaturen, mir Leib und Seele, Augen und Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält; dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit aller Notdurft und Nahrung dieses Leibes und Lebens reichlich und täglich versorget, wider aller (Ge-) Fährlichkeit beschirmet und vor allen Übel behütet und bewahret; und das alles aus lauter, väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit ohne all mein Verdienst und Würdigkeit des alles ich ihm zu danken und zu loben und dafür zu dienen und gehorsam zu sein schuldig bin. Das ist gewisslich wahr.

Der Dichter Christian Fürchtegott Gellert, formulierte es 1757 so (nur 1+2 von 5 Strophen):
         Wenn ich, O Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle
         wacht anbetend überlege, so weiß ich, von Bewunderung voll, nicht, wie ich dich
         erheben soll mein Gott, mein Herr und Vater.
         Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke; der Himmel, prächtig
         Ausgeschmückt preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht?
         Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne?

So zieht sich ein Bogen bis in unsere Zeit in vielfältigen Glaubensbekenntnissen. Ein moderneres Bekenntnis könnte in etwa so lauten:
         Ich glaube an Gott und dessen Geist, der uns die Welt gegeben hat, dass wir sie sorgfältig für ihn hegen
       
 und pflegen. Als Pächter seiner Welt gilt es Gottes Schöpfungen zu bewahren, alle Pflanzen, alle Tiere,
         auch in ihrer Niedrigkeit. In Bescheidenheit 
wollen wir dich, oh Herr erkennen und deine Wege gehen,
        damit die Erde und alles 
Leben darauf gerettet wird und sich die Pforte zum Garten Eden eines Tages
         wieder 
öffnen, zu dir, Oh Herr !

Weitere Glaubensbekenntnisse siehe Anhang!

Schöpfung, Glauben, Wissen
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde ...!” und am Anfang steht der Glaube. Es ist der ultimative Hoffnungsträger und Motivator der Menschheit, und über den Glauben erklärt sich die Welt und somit auch die eigene Existenz.

In der Welt vor unserer Zeit wertet das Volk Israel die Realität als zerstörerische Aktionen, die sie selbst verursachten und sich von Gottes ursprünglichen Werk entfernt haben. Sie halten sich dabei das Grundgeschehen vor Augen, um sich ihrer Existenz zu vergewissern, ihrer Herkunft und der Schöpfung. Die Schöpfungsgeschichten hatten damals deshalb die Funktion der Welterhaltung und der Daseinssicherung (Lehren & Wissen).
Die Verbindungen mit dem Anfang (Ursprung der Welt), ist ein Wiederholen der Wirklichkeit. Es wird vergegenwärtigt was real ist und als Anfang des Seins gewertet wurde. In den Schöpfungsberichten der jeweils entsprechenden Zeit, ist auch immer der Bezug zur Gegenwart enthalten. Insofern schaffen auch die Priester mythologische Bilder, um reale Menschheitsfragen zu beantworten, nur bauen sie damit die Rechtfertigung für die spätere Gesetzlichkeit auf. Wissenschaftlich wird Gott in dieser Phase der Menschheit nicht hinterfragt. Es stellt sich für das Volk Israel nicht die Frage nach der Schöpfung, es ist für sie klar, nur Gott kann der Schöpfer sein, weil er mit den Menschen ist und seine Macht bewiesen hat.
Anders als in den anderen Götterwelten besitzen die Juden einen Gott, der sich eindeutig zu den Menschen bekennt und bei ihnen bleibt trotz ihrer Sünden. Diese Lehre wird nicht hinterfragt, da sie Hoffnung bietet und den Lebenssinn (ein Ideal) definiert.
Auch die antike griechische Philosophie vermied es den Glauben anzuzweifeln und doch zielten manche Lehren sekundär auf die Existenz von Göttern. Sie schufen Methoden des Fragens (Dialogformen) oder entdeckten Zusammenhänge (Teilchenlehre, Mathematik, Astronomie), die ein Wirken der Götter in Frage stellten. Jene Philosophen, die die Existenz der Götter konkret bezweifelten befanden sich in Lebensgefahr. Das Götterverständnis der Griechen änderte sich und besonders bei den Römer. Nach deren Überzeugung erlaubten die Götter den Menschen viele Freiheiten auf Erde, Voraussetzung dafür war die strenge Einhaltung der Opferkulte. Die Schöpfung wurde dabei mythologisch gesehen und demzufolge stellten wissenschaftliche Erkenntnisse zur Weltentstehung kein religiöses Problem dar. Die Römer tolerierten sogar den Glauben anderer Völker und interpretierten deren Götter als handeln der eigenen Götter. Lediglich Glaubenslehren, die sich nicht mit den römischen Göttern vereinen ließen wurde verboten, so wie der christliche Glaube.
Ein liberaler Umgang mit anderen Götterwelten war den jüdischen Priestern nicht möglich, sie waren ihnen ein Dorn im Auge.
Die philosophisch geprägte hellenische Glaubensart war für die jüdischen Priester eine außerordentliche Gefahr, wovon sich der Glaube kategorisch abzugrenzen versuchte und stets gezwungen war, aufgrund der Weisheitslehren, Gott neu auszusagen.
Der spätere christliche Glauben setzte dagegen auf Konfrontation und als ein Angebot für alle Menschen. Nachdem der christliche Glaube angefeindet und verfolgt wurde, setzte er sich in Europa durch. Die Schöpfung wurde nun als Tatsache gepredigt und die Kirche erhielt im Laufe der Zeit so viel Macht, dass sie unbequemes Wissen blockieren konnte. 
M
it der mittelalterlichen Entwicklungsphase der aufkommenden Wissenschaftlichkeit wurde indirekt die Existenz von Gott hinterfragt. Besonders die Schöpfungsberichte boten nun eine große Angriffsfläche in der naturwissenschaftlichen Kritik. Die katholische Kirche hatte bis zu diesem Zeitpunkt zu stark ein Glaubensbild geprägt und die Schöpfungsberichte als real interpretiert, statt den Sinn der Schöpfungsberichte in die Gegenwart zu übersetzen. Wissenschaftlichkeit und moderne Philosophie standen der Glaubensauffassung kontrovers gegenüber und wurden unweigerlich als ein Angriff auf den Glauben gesehen. Als Galilei behauptete, dass sich die Erde um die Sonne drehte, zerbrach damit ein Weltbild.
In der bisherigen Vorstellung (Mabul-Weltbild) war die Erde eine Scheibe, in deren Mittelpunkt der Mensch stand und sich Sonne, Mond und Sterne am Firmament abwechselten. Nach Galilei war die Erde eine Kugel, die sich um die Sonne drehte und der Mensch war nur eines von vielen Wesen darauf. Die Krone der Schöpfung war demnach ein Nichts und das war nicht hinnehmbar. Die Kirche reagierte entsprechend und nutzte ihre mittelalterliche Macht und bezeichnete solchen Äußerungen als Gotteslästerung und stellte sie unter Strafe. Mit Folterungen und Verbrennungen wollte die katholische Kirche unbequemes Wissen ausmerzen. Aber Erkenntnisse ließen sich nicht aufhalten und die Kirche verlor dazu noch ihre Macht.
Dennoch Jahrhunderte lang stritten Wissenschaft und Religion um das Weltbild. Selbst als dem Portugiese Magellan (1519-22) die erste Weltumseglung gelang, blieb die Allgemeinheit religiös skeptisch. Schließlich arrangierte sich die Kirche mit dem Kugelweltbild, aber da kam schon die nächste Ungeheuerlichkeit. Um 1870 behauptete Charles Darwin, dass der Mensch vom Affen abstammte und demzufolge keine Schöpfung Gottes sei.
Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde diese Evolutionstheorie heftig bestritten. Besonders die katholische Kirche behaarte auf die Schöpfungsgeschichte in der Bibel.
Die Naturwissenschaft ließ sich jedoch nicht aufhalten und dennoch glauben heute noch Milliarden von Menschen an Gott. Inzwischen werden zwar mehrheitlich die biblischen Schöpfungsberichte wieder in ihrem ursprünglichen Sinne verstanden, aber es gibt auch noch zahlreiche Glaubensströmungen, die nach wie vor von einer realen Schöpfung in der Bibel ausgehen. Zudem geistern auch zu viele verklärte Bilder der Schöpfung durch unsere Kultur.
Einerseits
zeigt sich damit, wie einprägend Mythologie sein kann (z.B.: Paradiesgeschichte), aber auch, wie sie anderseits märchenhaft missverstanden wird. Nicht anders ergeht es in der Gegenwart der Wissenschaft, deren Erkenntnisse hinterfragt oder von einer anderen Perspektive gesehen unlogisch werden. Noch angreifbarer sind Philosophien, in der die Thesen von Gegenargumenten widerlegt werden können.
Wissenschaftlichkeit will die Wirklichkeit und wahre Erkenntnis vermitteln, aber mit dem Anspruch ist die Gefahr verbunden eine Ansicht zu diktieren. Wirklich scheint, was wir mit dem Auge sehen, mit dem Ohr hören und mit den Händen greifen können und dennoch können wir getrügt werden. Wirklich sind aber auch Gedanken, das Sein und Weltanschauungen, somit sind auch Annahmen/ Vermutungen wirklich. Wirklichkeit ist also nicht immer greifbar, aber sie existieren nach Regeln, die die Wissenschaft auf der Basis von Untersuchungen in Erfahrungen zu erklären versucht. Solche Erfahrungen beinhalten weitgehend immer die Begrifflichkeiten von Liebe, Glaube und Hoffnung, die naturwissenschaftlich nicht erfassbar sind, aber Grundlage aller Geisteswissenschaften (Psychologie, Philosophie) sind, die Lehren und Regeln formulieren.
Wirklich ist letztendlich, dass es Liebe, Glaube und Hoffnung gibt, nur das Definieren ist Interpretationssache auf der Basis von Erkenntnissen. Wobei Erkenntnis die Summe von gleichen oder ähnlichen Erfahrungen ist, die für eine größere Menge zutreffen und daher den Anspruch einer Gesetzmäßigkeit besitzen. Die Erkenntnis wird schließlich als wirklich ausgesagt und muss verteidigt werden. Ob eine Erkenntnis, somit Wissen oder nur eine profane Aussage ist, kann real/wirklich nicht absolut gesagt werden. Wenn ich beispielsweise einen Obstverkäufer sehe, der einen Jungen einen Apfel schenkt, so ist das eine Aussage. Bemerke ich aber, dass er Kindern immer einen Apfel schenkt, so ist das eine Erkenntnis. Ich glaube also, dass der Händler Kinder liebt und kann ein Kind zu ihm schicken in der Hoffnung, dass dieses Kind einen Apfel geschenkt bekommt. Erzähle ich nun anderen davon, muss ich ihnen sagen, dass der Obsthändler immer den Kindern einen Apfel gibt, um etwas Besonderes/ Erkenntnis auszudrucken. Sage ich nur, dass der Händler einem Kind einen Apfel gegeben hat, erzeugt das nur ein Achselzucken und hebt die Nichtigkeit mit der Feststellung, „der Apfel war vielleicht angefault und musste sowieso weg.“
Aussagen werden somit interpretiert und lassen unwilkürlich einen ungewollten Spielraum zu. Aber eine Erkenntnis (er tut das immer) gibt die Denkrichtung (er mag Kinder) vor. Dennoch kann dieses Wissen hinterfragt werden, mit dem Warum (ist der Verkäufer pädophil)?
Das heißt wesentliche Erkenntnisse sollten fundamentiert werden (Fakten, Beweise), damit sie nicht hinterfragt werden können. Genau das versuche auch ich gerade.
In der heutigen modernen Zeit gibt es jedoch zu viele Möglichkeiten mit Gegenargumenten etwas zu hinterfragen. Das führt dazu, dass die Wissenschaft ihre Erkenntniss in den Status der absoluten Wahrheit hebt, um sich vor Pseudowissen (Scheinwissen) zu schützen. Aber gleichzeitig wird damit eine Art wissenschaftliche Inquisition (Verfolgung, Verurteilung) betrieben, die lohnenswerte Sichtweisen/ neue Ansätze bekämpft oder blockiert. Immer stärker suggerieren uns die Medien einen Mix aus verschiedenen Weltbildern und zielen dabei auf den individuellen Profit. Die Medien sind in der Meinungsbildung bedeutend geworden, weil der Mensch seine ideelle Identifikation sucht. Ursache dafür ist eine unübersichtliche Meinungssuppe mit mannigfaltigen Weltbildern. Allein um die Frage der Schöpfung dominieren zwei grundsätzliche Hauptansichten. Die Wissenschaft propagiert die Urknalltheorie und die Religion die Schöpfung durch einen Gott. Innerhalb der Denkrichtungen gibt es allerdings zahlreiche Thesen/Erkenntnisse, die sich im Detail unterscheiden und zu einen Wissensstreit führen, der ebenso zahlreiche Weltbilder schafft und schuf.  
Im religiösen Verständnis basieren einige christliche Strömungen, auf ihrer Ansicht über die Schöpfung. Die beiden christlichen Hauptkirchen (Katholisch, Evangelisch) versuchen sich dagegen anzunähern und schaffen zumindest Kompromisse in Detailfragen. Wichtig ist für alle Christen der Kernsatz der Schöpfung, „Ich glaube an Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde.” Lediglich in der Interpretation gibt es gravierende Unterschiede.
Für den evangelischen Christen stellt Wissenschaftlichkeit und biblische Schöpfung kein Widerspruch dar. Wenn es einen Urknall und die Saurier gab, so sind sie durch Gottes Willen entstanden. Und wenn der Mensch vom Affen abstammte, so hat er den Menschen zum kulturellen Wesen geformt. Wissen wird somit im Glauben interpretiert.
Letztendlich spielt es auch keine Rolle, ob irgendjemand Gott gesehen hat oder ob es erhebliche Zweifel an der Existenz Gottes gibt. Für den Glaubenden ist das Gefühl wichtig, dass es etwas übernatürliches unerklärliches gibt, dass da ist und seit Ewigkeiten Gott genannt wird. Es sind die Gesamtheit von wundersamen Erscheinungen im Alltag; wenn plötzlich ein Todkranker gesund wird; wenn bei einem Flugzeugabsturz trotzdem ein kleines Mädchen überlebt; wenn man wegen einem Stau den Zug verpaßt, der kurz danach verunglückt oder wenn aus dem Nichts jemand auftaucht und einem vor einer Gefahr rettet.
Es sind die Gerechtigkeiten die Gutes über Böses siegen lässt, wenn Hitler für seinen Wahnsinn bezahlen musste; wenn der Kriminellen den die Justiz nichts anhaben kann, doch noch entlarvt wird oder der Bösewicht Opfer seiner eigenen Boshaftigkeit wird. Es ist auch letztendlich unerheblich, dass wundersame Dinge nur selten passieren, sondern es ist wichtig das sie passieren. Somit ist Glaube wirklich.
Antriebkraft ist die Hoffnung auf ein frohes Leben und das erfüllbare Lebenswünsche real werden. Über die Liebe zu seinem Umfeld (Partner, Freunde, Verwandte, Umwelt,Tiere und Pflanzen) geht man dazu in großen Schritten darauf zu und wie man das tut ist Glaube. Mit Gott hat Glaube einen Namen und ist das Gefühl des richtigen Weges in der Gewissheit auf ein mögliches zufriedenes Leben.