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Der Bund und die Weisungen Gottes

Erstmalig wird in der antiken Welt ein Gott propagiert, der uneigennützig den Menschen seinen Bund anbietet und dafür lediglich verlangt, dass sein Geist in den Menschen wohnen solle.  

Der Bund

Bislang waren fordernde und launische Götter typisch für die Antike. Sie verlangten, dass ihnen die Menschen dienen und sie sollten mit Opfergaben deren Gunst erkaufen. In der Regel hatten es die Gläubigen mit einer Götterfamilie oder/und Untergöttern zu tun, die jeweils ihre Forderungen an die Menschen stellten.
Nun kommt jedoch ein Gott, der sich anbietet und den Menschen zu Reichtum und Wohlstand verhelfen will. Er hat sich ein Volk ausgesucht an dem Gott allen Menschen seine Güte und Macht zeigen will. Diesen Bund, im Sinne von einem Gelöbnis oder Abkommen, bietet er dem Volk Israel an. Das Volk hat dabei die Wahl sich darauf einzulassen oder auch den Bund abzulehnen. Nur wenn das Volk darauf eingeht hat es vertragliche Pflichten.
Im antiken Verständnis schließt immer der Stärkere (Gott) mit dem Schwächeren (Israel) ein Bündnis und der Stärkere bietet dabei stets eine Verpflichtung an. In der Regel verlangt der Stärkere dafür egoistische Gegenleistungen. Im Vertrag mit Gott braucht der Mensch nur seinen Geboten folgen. Es sind ideelle Forderungen, die kaum als Gegenleistungen betrachtet werden, da sie Werte der Menschlichkeit und Regeln der Gottesverehrung beinhalten. Das Angebot Gottes wird als ein Versprechen ohne Gegenleistungen empfunden.
Aber wie die Geschichte lehrt, ist gerade das Umsetzen idealistischer Werte sehr schwer. Das kleine geschichtliche Credo erhält somit einen ganz neuen Sinn. Gott erklärt darin, was er alles getan hat und gibt das Versprechen, was er noch tun wird, und das ohne scheinbare Gegenleistung. Im Pentateuch finden sich dazu eine Reihe von Bündnissen mit Personen (Abraham, Noah, Haus David) und deren Nachfahren, die aber in seiner Gesamtheit das Volk Israel meint. Sie alle unterstreichen das geschichtliche Credo und machen den Bund deutlich.
Die Schriftgelehrten jener Zeit fixierten den Kerngedanken des Bundes und begreifen Gott für Israel, als Retter, Beschützer und als Garant des Segens und des Lebens. Das hebräische Wort „ Schalom“, wird allgemein hin mit Frieden (Friede sei mit dir) übersetzt, in seiner ursprünglichen Bedeutung ist es eine Bundesaussage. Schalom heißt eher = gepriesen sei der Bund mit Gott, auf das er uns ein gerechtes Leben ermöglicht. Gerechtigkeit ist das Leitmotiv des Bundes, das einen menschenwürdigen Umgang in einer Gesellschaft stiftet. Was ist nun biblisch gerecht?
Gerecht ist derjenige, der den jeweiligen Ansprüchen und Verpflichtungen, die eine Gemeinschaft an ihm stellt nachkommt. Um der Gesellschaft dafür einen Rahmen zu geben werden Gesetze und Gebote erstellt, damit dem
Menschen Grenzen abgesteckt werden und sich darin gerecht bewegen kann. Das bedeutet nicht unbedingt, vorgegebene sittliche Normen oder Gebote exakt einzuhalten, sondern die Situation abzuwägen. So ist ein Dieb nicht gleich Dieb, wenn die Motivation nicht der Bereicherung dient und zum beabsichtigten Nachteil anderer führt. Das heißt, wenn jemand aus Verzweiflung (Hunger, Not) stiehlt, so ist das mit Milde zu bewerten und die Gesellschaft hat sich nach einer Mitschuld zu fragen. Es stellt sich also die Frage, warum hat er gestohlen und wie kann man das zukünftig verhindern? Für den Hungernden, der zum Dieb wurde, müssten resultierend auf der gesellschaftlichen Ebene soziale Maßnahmen erfolgen, dass der Notleidende aus existenziellen Gründen kein Straftäter mehr wird.
Doch den Schriftgelehrten ist bewusst, dass der Mensch ein sündiges Wesen bleibt, der immer wieder egoistischen Verführungen erliegen wird. Dementsprechend zeichnen sie den Menschen in der Bibel als zweifelnden und unwürdigen Partner. Und obwohl Gott das weiß, wagt er einen Bund und gibt dem Volk ein Versprechen und will sie zu einem großen Volk machen. Doch schon auf den Weg dahin (Wüstenwanderung) fordern die abtrünnigen Aktionen der Menschen Konsequenzen heraus, um das Bündnis zu erhalten. Als logische Folge daraus, verlangen die Sünden der Menschen konkrete Richtlinien und münden in die Gesetzessammlungen, die als wegweisende Linie zu Gott zu verstehen sind.

Die Thora

Die 5 Bücher Mose oder Pentateuch werden im jüdischen Glauben Thora (Weisungen) genannt und machen den Kern (Gesetze) deutlich. Urgeschichte, Vätergeschichte und der Auszug aus Ägypten sind lediglich unterstreichende Beiwerke für die Gesetzessammlungen. Der Bundesschluss am Sinai (Exodus) bildet den Höhepunkt der Geschichten. Das Volk Israel wurde aus Ägypten befreit und Gott will sie nun ins gelobte Land führen. Bundesverheißung und Weisungen Gottes erhalten eine gegenseitige Zuordnung. Die Weisungen verstehen sich nun als Konsequenzen, wenn sich das Volk Israel auf den Bund einlässt. Den Schriftgelehrten war es wichtig klarzustellen, dass die Gesetze und Gebote in einem Zusammenhang mit dem Bund stehen und keine isolierte Einheit darstellen. Somit sind auch die angekündigten Strafen, nicht als Verstöße gegen Gesetze zu verstehen, sondern sie sind vielmehr die Konsequenz aus dem Fehlverhalten der Menschen selbst. Dabei betonen die Autoren, dass Gott sein gegebenes Wort halten wird, aber das Volk Israel letztendlich für die Folgen ihrer Inkonsequenz selbst verantwortlich ist. Die Summe und die Art der Verfehlungen ziehen logische Strafen mit sich, weil sie den Bund einseitig gefährden.

Rechtsammlungen des Pentateuchs

Grundsätzlich werden alle Rechtssammlungen in Bezug zu Gott erstellt und haben allgemeine Gültigkeit, egal ob König, Priester, Bauer oder Sklave. Es gilt nicht das Gesetz eines Regenten, der für sich Privilegien gesetzlich verankern lassen kann. Auch ein König sollte sich seinem Lebens bejahenden Gott (Jahwe) fügen, beziehungsweise sich dem unterordnen, was Rechtsgelehrte aus dieser Sicht niederschrieben haben. Zwei Rechtsformen finden sich im Pentateuch, das apodiktische und kasuitische Recht.
Das apodiktische Recht ist kategorisch und duldet keinen Widerspruch. Klare Gesetze mit klaren Strafen („ Du sollst nicht töten“ - Strafe: Todesurteil), jahrelang auch Leitmotiv in der Rechtsauslegung der Gegenwart. Verfehlung ⇒ Folgen ⇒ Strafmaß.

Das kasuitische Recht, beleuchtet den Rechtsfall von allen Seiten und somit ist Mord nicht gleich Mord. Wie bei einer Art Schwurgericht wird der Straffall, so objektiv wie möglich betrachtet. Trägt das Opfer eine erhebliche Mitschuld (Erpressung, Bedrohung) an dem Handeln des Täters, so kann der Täter mitunter sogar straffrei (Notwehr) ausgehen. Das heißt, dass eine vorgegebene Strafe für eine Straftat nicht angewendet wird. Die heutige Justiz versucht sich dieser Rechtsauffassung zu nähern, aber grundsätzlich lässt sie sich vom Strafmaß für eine Straftat leiten und berücksichtigt lediglich den möglichen Strafrahmen.  

Angemerkt sei, dass grundlegend, das antike Rechtsverständnis berücksichtigt werden muss. Wenn Sie die Rechtsvorschriften lesen, werden sie ziemlich schnell feststellen, dass sich die Gesetze sehr stark von unserem heutigen humanistischen Rechtsverständnis entfernen. Auffällig dabei sind die scheinbare Frauenfeindlichkeit und die brutalen Todesurteile für vergleichbar banale Vergehen. In der weiteren Abfolge werden Sie das antike Rechtsverständnis näher kennenlernen. Vorab kann man sagen, dass das jüdische Gesetz zur damaligen Zeit einzigartig war und durchaus als fortschrittlich bezeichnet werden kann.

Hier eine Liste der bekanntesten Rechtsammlungen

Die 10 Gebote (Dekalog genannt): Ex 20, 2-17 und Dt 5,6-21: Die zwei Fassungen der Gebote umfassen eigentlich 11 Verbote und 2 Gebote. Für die Gemeinde wurde der Text herausgelöst und in eine gegenwärtige Fassung gebracht. Allgemein bekannt wurde die christliche Version der 10 Gebote vom kleinen Katechismus. Der kleine Katechismus (Unterweisung im Glauben) ist eine Art Manifest und enthält die wichtigsten Grundlagen für den Glauben, u.a. Vaterunser, Glaubensbekenntnis, Gebete und die 10 Gebote (mit Erklärungstext). „Du sollst nicht …“- „Was ist das? …“

Weisungen zum Gottesdienst: Exodus 34,11 -28: Hier geht es um die Abgrenzung zu heidnischen Völkern und deren Götzen und Festlegungen für den Alltag und Festen.

12 Fluchworte: Dt 27, 15- 26: Deutlich werden hier spezifische Sünden verflucht und betrifft unreine Völker, unmoralischen Verhaltensweisen und Falschheiten.

Verbotsreihe: Lev 19: Die Heiligung des täglichen Lebens steht im Mittelpunkt und es werden apodiktische Rechtsnormen geprägt. Neben klaren Gesetzesverstößen werden auch Regel für den Alltag erstellt und Umgangsregeln vorgegeben.

Rechtsordnung: Ex 21 bis Ex 23: Die kasuitisches Rechtssammlung gilt als die Älteste und bezieht sich auf mehrere Themenkomplexe. Zum Beispiel die Rechte hebräischer Sklaven // Vergehen gegen Leib und Seele // Schaden und Verlust von Tieren // Eigentum // todeswürdige Vergehen // Rechtsschutz für die Schwachen // Gebote der Gottesfurcht // Gerechtigkeit und Nächstenliebe // Sabbat, Feste und Opfergaben.

Anweisungen für den Gottesdienst: Ex 25,1 bis Ex 31, 11: beinhaltet die Bereiche Stiftshütte // Bundeslade // Schaubrote // Leuchter // Brandopferaltar // Priesterkleidung // Weihe der Priester // tägliche Opfergaben // Räucheraltar und Steuern für das Heiligtum. ⇒ Ex 35,1 bis Ex 40,38: beschäftigt sich dagegen mit der Sabbatordnung // Gaben für die Stiftshütte // Herstellung des Heiligtums // das Aussehen -> der Bundeslade, -> dem Tisch für das Schaubrot, -> der Vorhof, -> der Brandopferaltar // Aufwendungen für das Heiligtum // zusätzliche Anweisung für die Kleidung von Priestern und wie eine Stiftshütte einzuweihen ist.

Gesetze über Opfergaben: Lev 1 bis Lev 7: Anordnungen und Weisungen in Bezug auf Brandopfer, Speiseopfer, Dankopfer, Sündeopfer und Schuldopfer.

Reinheitsgesetze: Lev 11 bis Lev 15: Gebote über essbare reine und unreine Tiere // Bestimmungen für schwangere Frauen // Verhalten gegenüber Aussätzigen (ansteckenden  Krankheiten) und infektiöser Kleidung // Reinigung und Pflege von Aussätzigen und deren verseuchten Wohnraum.

Heiligkeitsgesetze: Lev. 17 bis Lev 26: Umfangreiche Darlegung über die Opferstätte // dem Verbot blutende und verendete Tiere zu essen // Verbot der geschlechtlichen Verirrung //  die Heiligung des täglichen Lebens // Strafen für schere Sünden // Vorschriften für Priester // Bestimmungen für den Genuss von Opfergaben // Festlegungen für die Feste // Strafen für Gotteslästerung, Totschlag und Gewalt // Bestimmungen zum Grundbesitz, dem Zinsverbot und den Schuldsklaven // Segen und Fluch // Ablösen von Gelübden und Weihegaben.

Ziel der Weisungen

Die Gesamtheit der Weisungen sollten dem Volk nicht nur als Richtlinie für den Glauben dienen, sondern das Volk in ein gesellschaftliches Miteinander geleiten und klare Grenzen definieren. Das Volk Israel soll dabei beispielgebend für die gesamte Menschheit sein. Der Dekalog (10 Gebote) gilt dabei als Basis der Weisungen. Angeblich hat sie Moses direkt von Gott auf Steintafeln empfangen. Die 10 Gebote gelten somit für das Volk Israel als Grundgesetz (Verfassung) und sind dennoch keine Gesetze. Gebote verstehen sich als Rahmenrichtlinie für die Gesellschaft, als Warnschilder vor den Treuebruch zu Gott und sie sollen den Menschen leiten, um eine gerechte Gemeinschaft zu gründen.
Nun gibt es aber zwei Fassungen des Dekaloges (Ex. 20, 2-17 und Dt. 5, 6 -21) und genau genommen sind es 16 Weisungen, die man jedoch in 10 Komplexen raffen kann. Mit der Version im Exodus beginnt die Sinai Erzählung und betrifft textlich deren Situation. Die Schriftgelehrten sahen sich veranlasst die Gebote im Deuteronomium zu konkretisieren.
Als Rede Moses erhebt er zunächst programmatisch den Anspruch Gottes an sein Volk Israel: „Gott hat das Volk aus der Sklaverei befreit …“ Der folgende Dekalog gibt die Richtlinien für den Bund vor und warnt im Anschluss vor den Folgen, falls das Volk seine Gebote übertritt. Die 10 Gebote werden zugleich im Kontext mit den Gesetzessammlungen gesehen. Mit der bevorstehenden Landnahme gelten nicht nur die 10 Gebote als Richtlinien, sondern die Gesetzessammlungen werden damit bekräftigt und in ihrer Gültigkeit autorisiert. Im Gegensatz zu den Gesetzen gilt der Dekalog nicht als statisches Grundgesetz, sondern als dynamischer inhaltlicher Rahmen, der ein zeitgemäßes konkretisieren der Gebote erlaubt.
Dennoch ist der Dekalog für die Gläubigen von höchster Wichtigkeit und wurde öffentlich gemacht, damit jeder die Gebote nachlesen konnte. Für die Christen wurden später die 10 Gebote schließlich Bestandteil des Kleinen Katechismus (s.o.). Mit der Leitschnur soll es den Menschen möglich sein, gefährliche Kräfte und Tendenzen abwehren zu können, die die menschliche Gemeinschaft ruinieren und zerstören können. Die Weisungen Gottes zielen auf das Wohl der Menschen und dem Schutz der von Gott gemachten Erde. Und eigentlich soll, über das Volk Israel, der Segen Gottes alle Menschen erreichen und sie zu Gott führen.
Historisch betrachtet schottete sich aber das Volk Judäa ab und sieht sich als die wahrhaft Glaubenden an. Selbst die israelischen Stämme (Nordreich) werden von den Juden vom Glauben ausgeschlossen (samaritanisches Schisma um 200 v.Chr.). Wenn in der Zeit danach vom Volk Israel die Rede ist, so meinen sich damit nur die Juden selbst, als auserwähltes Volk. 

Missbrauch der Weisungen

In der theologischen Betrachtung werden die Weisungen gern unterschieden. Zum einen, Weisungen, die sich auf Gott berufen und zum anderen Weisungen, die im Sinne Gottes von Rechtsgelehrten angefertigt wurden. Weisungen, die sich mit konkreten Alltagsdingen beschäftigen und feste Regeln vorgeben, sind in ihrer Rationalität von Rechtsgelehrten erstellt worden. Weisungen, die sich mehr mit der Verehrung  und dem Treuebruch zu Gott befassen, sind von priesterlichen Schriftgelehrten niedergeschrieben worden. Gerade die priesterlichen Texte geben vor Gottes Worte zu sein. Ausgesuchte Personen (z. B.: Moses) haben angeblich die Weisungen empfangen und weitergegeben, und wurden von den Priestern niedergeschrieben.
Letztendlich wurde aber die gesamte Bibel von Menschen geschrieben und somit ist eine bestimmte Interpretation stets gegeben, so auch bei den 10 Geboten.
Da die Bundeslade mit den Steintafeln spurlos verschwunden ist, gibt es kein Indiz dafür, dass Gott irgendjemanden (z.B.: Moses) die Worte diktiert oder als Eingebung gegeben hat. Logischer ist, dass die Worte von den Schriftgelehrten stammten und darauf zielten Weisungen für eine funktionierende Gesellschaft zu erstellen, und haben dabei ihre Vorstellungen von Gott integriert.
Eine wesentliche Motivation zu einer umfassenden Gesetzessammlung dürfte das Umfeld gewesen sein. Der verführerische Baal-Kult lenkte nicht nur vom israelischen Glauben ab, sondern gefährdete auch die Gehorsamkeit des Volkes zu ihren Führern. Deshalb finden sich eine Reihe von Gesetzen, die sich streng gegen fremde Einflüsse wehren. So werden in den Texten immer wieder die Völker Kanaans und die Philister verflucht und obendrein, sollten alle Kanaaniter getötet werden. Ein Israelit sollte keine Ausländerin heiraten und erst recht dürften keine fremden Götzen in ihrem gelobten Land geduldet werden. Der Sinn der strengen Gesetzesordnung war eine Abschottung vor gefährlichen Einflüssen und das Durchsetzen einer konsequenten Gesellschaftsform. Um den Richtlinien das nötige Schwergewicht zu geben, wurden sie als Gesetze Gottes bezeichnet.
In der Folgezeit wurden die Weisungen mehrfach umgangen oder ausgesetzt. Speziell in der hochgelobten Königszeit verstießen die Könige mehrfach gegen die Gebote. Die Auslegung des Dekalogs wurde der gesellschaftlichen Struktur angepasst, wodurch die Herrscher einen Freibrief bekamen. Obwohl die Propheten immer wieder den Missbrauch beklagten, waren sich die Priester uneinig in der Bewertung von Sünden. Aber auch fundamentalistische Priester brachten das Land in eine gefährliche Situation und ihre zum Teil mörderischen Maßnahmen stellten ebenfalls einen erheblichen Missbrauch dar. Ein Beispiel dafür dürfte die hochgelobte Revolution Jehus (845 v.Chr.) gewesen sein, der ein Massaker gegen die Omriden und fremden Priester veranstaltete. Mit seinem Fundamentalis-mus zerstörte er das Länderbündnis gegen die Großmacht Assyrien, wodurch die Assyrer nun das Land erobern konnte bzw. die Länder zum Vasallen machten.
Im Laufe der Zeit rückten politisch geprägte Glaubensmaßnahmen in den Hintergrund, zumal nach dem Fall Jerusalem und dem Exil zu Babylon (587 v.Chr.), hatte die Juden (Israel) kein eigenes Land mehr. Der Gedanken von Lohn und Strafe im gemeinschaftlichen Kontext bekam ein Übergewicht, sodass die Basis der Weisungen Gottes nicht mehr galt. Die 10 Gebote wurden auf den Rahmen jüdischer Gemeinschaften reduziert und die Gesetze wurden zum Selbstzweck und der jeweiligen Situation gebeugt, interpretiert und passend umformuliert. 
Letztendlich bleibt fraglich, ob die vielen Gesetzessammlungen überhaupt im Sinne Gottes sind und nicht ihre Niederschrift bereits einen Missbrauch darstellten. Positiv betrachtet, schufen die Gesetzessammlungen, als Weisungen Gottes, eine Gesetzesbasis für eine Gemeinschaft, die eine Gesellschaft ordnet und strukturiert. Für die damalige Zeit waren jüdischen Gesetze ungewöhnlich konsequent und können nicht mit den heutigen  humanistischen Vorstellungen verglichen werden.
Typisch für die Antike war ein gesetzgebender Herrscher (Regent), der situationsbedingt  Gesetze festlegte. Häufig waren die Anordnungen willkürlich und aus einer Laune heraus stets veränderbar. Lediglich die jeweilige Priesterschaft konnte bestimmte Grundregeln dauer-haft durchsetzen. Mit der Autorität ihres Gottes, verfügten die Priester auf einen enormen Einfluss. Im Rahmen des Gottes-Kultes legten sie gesellschaftliche Regeln fest und konnten den Herrscher zu politisch geprägten Gesetzen motivieren oder ihn abraten.
Stabile Gesetze von antiken Reiche definierten sich eigentlich nur über die Rituale und Sitten des Glaubens, waren aber nie so statisch und umfangreich, wie die jüdischen Gesetze. Es gab allerdings Herrscher die Rechtssammlungen verfassen ließen, am bekanntesten wurde König Hammurapi (um 1790 v.Chr.). Der babylonische König begründete auf 30 Tontafeln seine göttliche Herrschaft, in denen die Gesetze mit harten Strafen verankert wurden.
Auch diese Gesetzessammlung war nicht so detailliert und einbindend, wie die jüdischen Gesetze. Der Versuch der Priesterschaft, das jüdische Volk so permanent an den Glauben zu binden, mündeten häufig ins Gegenteil. Immer wieder berichtet die Bibel von den Sünden des Volkes und belegt damit, dass das Volk aus dieser Bevormundung gerne ausbrach. Der Kontakt zu anderen Kulturen, durch die Königszeit bedingt, und dem wesentlich freieren Baal-Kult, ließ die Bevölkerung immer wieder vom Glauben ausbrechen.
Abschließend erhebt sich die Frage nach den wirklichen Weisungen Gottes. Wollte Gott diese Gesetze oder wollten das nur die Priester? Sollten nicht die 10 Gebote als Richtlinie reichen und den Gläubigen überlassen werden, sie inhaltlich zu leben?
Die Weisung Gottes ist somit ein Gefühl, in einem verantwortlichen Miteinander zu Leben und seine Schöpfung zu hegen und pflegen, und ihr und uns mit Respekt zu begegnen.