02. Begriffe - Fakten - Namen

2. Begriffe / Fakten / Namen
Amiga
Bluesmesse
Elf 99

Osteuropäische Rockmusik
Ostrock
Rock für den Frieden

 

AMIGA                                                                                                                        ( Schallplattenfirma )
Im Auftrag des sowjetischen Oberkommandos gründete Ernst Busch (siehe Chronik der DDR-Musik) am 03. Februar 1947 die Plattenfirma AMIGA (span. = Freundin). Sie sollte den wachsenden Bedarf an Schlager-Musik decken, speziell für Westberlin gedacht. Mit den Spannungen (Berlinblockade) 1948 verlor das Label seinen Absatzmarkt in Westberlin und blieb ein ostdeutsches Schallplattenlabel. Das Unterhaltungs-Label wurde mit der Staatsgründung 1949 dem VEB Deutsche Schallplatte unterstellt. Bis 1953 war Amiga ein Teil der Schallplatten GmbH „Lied der Zeit“. Dann änderten sich die Eigentumsverhältnisse im VEB „Lied der Zeit“, es wurde Ernst Busch von der Leitung entbunden und der VEB Deutsche Schallplatte gründete 1955 fünf spezifische Labels.

ETERNA (ernste Musik, Klassik, festliche Musik)
NOVA (zeitgenössische Musik, Chansons, Jazz, Soul)
SCHOLA (Lehrmaterial für Ausbildungsstätten, wie auch für den Schulunterricht)
LITERA (für das gesprochene Wort, wie Märchen, Gedichte, Novellen, Dramen)
ab 1963 AURORA (überwiegend Arbeiter- und Kampflieder, Singe-Bewegung)
AMIGA blieb der allgemeinen Unterhaltungsmusik vorbehalten

Grundsätzlich war Amiga, wegen der Rohstoffknappheit, nicht marktorientiert ausgerichtet, sondern befriedigte lediglich die Nachfrage. Ab 1962 wurden die Platten in Stereo-Qualität und anstatt Singles verstärkt LPs (Sampler) produziert. Mit dem Beat stieg der Kaufbedarf an Schallplatten, wobei sich besonders die beiden Beat-Sampler „Big Beat“ (1965) einer großen Nachfrage erfreuten. Mit dem Beatverbot von 1965 wurde der Trend beendet. Als Ersatzmusik, wurden Lieder der Singebewegung und Schlager mit einer modernen Rhythmik (Shake = Twist) propagiert, deren Absatz deutlich geringer war.
Aufgrund der guten Erfahrungen mit der populären Musik in den anderen sozialistischen Staaten (Polen, Ungarn) lockerte sich das Beatverbot und bestand nur noch formell. Aber erst Thomas Natschinski, mit seiner Band (Combo), wurden Beatklänge auf seiner LP Platte „Die Straße“ (1968) erlaubt. Ausschlaggebend war sicherlich, dass er der Sohn des bekannten Komponisten Gerd Natschinski war.
Die erfolgreichste Beatband wurde aber die Theo Schumann Combo, aber um 1970 hatte sich die Rockmusik durchgesetzt. Anfangs dominierten auf Amiga-Schallplatten Rock-Gruppen aus Ungarn und Polen. Mit der Förderung der Rockmusik entwickelte sich jedoch schnell eine eigenständige Rockszene. 1972 produzierte Amiga eine Serie von 6 Sampler, mit aktueller Rockmusik, unter den Namen „Hallo“. 1973 wurden erschienen die Sampler „Hallo“ 7 bis 12. Es wurden zirka 350.000 Platten verkauft und auf den Platten waren überwiegend Rockproduktionen aus Ungarn (Omega, Hungaria, Illes) und Polen (Skalden) zu hören, aber auch die Klaus Renft Combo und die Puhdys wurden über die „Hallo“- Serie bekannt. Ab 1973 produzierte Amiga Porträt-Alben von inzwischen namhaften einheimischen Bands oder Künstlern. Beliebt waren die Alben von der Klaus Renft Combo, Panta Rhei, Electra und den Puhdys.
Zensurpolitisch war Amiga dem Kulturministerium unterstellt und besaß dadurch gewisse Freiheiten. Das äußerte sich darin, dass Amiga auch bestimmte Interpreten und Gruppen aus dem kapitalistischen Ausland anbieten durfte. Da in der DDR nur die Nachfrage befriedigt wurde, war eine Gewinnbeteiligung am Plattenabsatz unüblich, zumal sich Interpreten glücklich schätzen mussten überhaupt auf einer Sampler-LP zu erscheinen. Ausnahmen wurden bei den populären Interpreten und Gruppen gemacht, denen auch Soloprojekte gestattet waren. Zu den Bevorteilten gehörten die Puhdys, Frank Schöbel, Karat, City, Silly oder Monika Hauff & Klaus-Dieter Henkler
In den 80er Jahren verbesserte sich das Angebot an Musik im Bereich internationaler Pop-Musik. Allerdings waren die wenigen limitierten Platten schnell vergriffen und mit einem Anstehen in Warteschlangen verbunden. Waren die Platten alle, so wurden keine neuen nachbestellt. Es war also glücksabhängig eine der wenigen West-Popplatten zu erstehen. Der Kulturaustausch mit der BRD trug Früchte und die Funktionäre ließen sogar Udo Lindenberg in der DDR auftreten. Auch internationale Stars, wie Bruce Springsteen und Bob Dylan waren in der DDR zu Gast. Amiga profitierte davon, die ein größeres Angebot produzieren konnten und DDR-Acts im Ausland vermarkten konnten.
Die LP „Blauer Planet“ von Karat wurde die erfolgreichste LP der DDR-Rockmusik (Umsatz: in der DDR = 1,1 Mio.; in der BRD =480.000; Österreich, Schweiz u.a. = 50.000 LPs / Titelsong als Single = 210.000-mal).
Der Absatz an Schallplatten der eigenen Musikszene ließ in den 80er Jahren deutlich nach (um 1980 = 400.000; um 1985 = 80.000; um 1989 = 10.000). Die DDR-Musik befand sich ab 1985 auf eine rasante Talfahrt, sodass es zur Wendezeit kaum Proteste gegen die Treuhand GmbH gab, die Plattenfirma abzuwickeln.
Der Kieler Autohändler Wolf Urban kaufte Amiga auf, aber sein Konzept ging nicht auf und BMG-Ariola übernahm Ende 1993 alle Rechte an Amiga. Mit der erwachten Ostalgie wurde Amiga, als Markenname, zu neuen Leben erweckt. Ariola wurde dann von Sony-Music aufgekauft und machte mit der Marke Amiga enorme Umsätze. Bis 2005 verkaufte Sony-Music 35.000 Titel (Songs) mit Ost-Musik, auf 2.000 CD-Alben und 5.000 CD-Singles und bescherte dem Label einen Umsatz von 40 Mio. D-Mark.

Bilanz von Amiga:

  • LP-Schallplatten-Produktion: Bis 1990 erschienen etwa 2200 Tonträger-Titel auf dem DDR-Mark à erreichten einen Umsatz von 1,2 Milliarden Mark, das entsprach einen Verkauf von 97 Millionen Tonträgern. Amiga produzierte aber nur 25% der LPs in der DDR, hatte aber den höchsten Umsatz (zirka 50%). Eterna hatte den größten Anteil von Titeln, fast 50%, gefolgt von den anderen Labels Nova, Litera und ScholaVon den gesamten LPs gehörten nur 600 zum Genre Rock und 90 zur Popmusik
  • Single- Produktion: bis 1949 wurden 220 Singles produziert und nahm danach stetig ab, so wurden bis 1955 nur 300 Singles gepresst und nahm weiter ab. Insgesamt wurden etwa 5.000 Single-Titel produziert.
  • Die erste westliche Pop-LP war von den Beatles (1965) und die erste BRD Produktion, war von Caterina Valente (1965). Nach 1965 wurde bis Mitte der 70er Jahren keine Popplatten angeboten, wohl aber künstlerische Weltmusik, wie Doris Day oder Frank Sinatra. Übrigens, bot das Label Nova auch US-Jazz und Blues an.
  • Um 1975 waren auch Platten von ABBA und The Rubettes erhältlich, allerdings war die Auflage stark limitiert, sodass man gute Beziehungen brauchte, um die LP käuflich erwerben zu können. Nicht so populäre Interpreten, wie Santana und Jimi Hendrix waren leichter zu bekommen. In den 80 Jahren verbesserte sich das Angebot.  
  • Den höchsten Absatz (auch international) erzielte Amiga mit der volkstümlichen Band Herbert Roth, allerdings sind hierzu keine Zahlen verfügbar. Das „Rennsteiglied“ von 1951 wurde mehrfach veröffentlicht, kam aber offiziell erst 1963 auf seine ersten LP “Mit Herbert Roth durch’s Thüringer Land“ auf den Label Eterna
  • 450 Titel, von bespielten Kassetten, bot Amiga im Rock-Pop-Genre an, aber wegen dem Mangel an westlichen Popplatten, nahm die Jugend ihre Musik über das Radio auf und somit der Kassettenrekorder, dass beliebte technische Gerät, als Tonträger.

Plattenverkauf:

Tonträger Gesamt:
1. Puhdys = 15 Mio.  - - - Karat =  7 Mio. - - - City = 3 Mio. - - - Silly = 950.000

Erfolgreichste LP
1.400.000 TT: „Weihnachten in Familie“ – mit Frank Schöbel und seiner Familie
1.100.000 TT: „Rock’N’Roll Musik“ – Puhdys, zugleich einzige englischsprachige LP
   950.000 TT: „Der Blaue Planet“ – Karat, Umsatz bis 1989 (siehe oben)
   700.000 TT: „Computer Karriere“ – Puhdys, Album von 1983

Erwähnenswert:
250.000 TT: „Green“ – populärste Jazz-Schallplatte mit Manfred Krug
180.000 TT: „Spar dein Wein nicht auf für morgen“ – Gerhard Schöne, Liedermacher
            (TT= Tonträger = Single, LP, Kassette, CD u..)

 

BASAR                                                                               ( Jugendfernsehsendung)
Start Januar 1965, als Jugendsendung konzipiert, berichtete das Format überwiegend aus dem kulturellen Leben der DDR und den anderen sozialistischen Ländern. Ab 1971 verbesserten sich die Auftrittsmöglichkeiten für die Rockgruppen (z.B.: Puhdys) und 1972 wurde BASAR durch RUND abgelöst.

BEATKISTE                                                                                      (Radiosendung)
Die Beatkiste war die erste Wertungssendung (Hitparade) nationaler und internationaler (sozialistische Länder) Pop- und Rockmusik auf Stimme der DDR. Jeweils donnerstags von 19.12 Uhr bis 20.30 Uhr ging sie auf Sendung und war Nachfolger von Franks Diskothek (1971) und Franks Beatkiste (moderiert von Frank Schöbel). Wegen der Doppelbelastung widmete sich Frank Schöbel seiner Schlagerkarriere und Claudia Ninnig übernahm 1972 die Moderation, und wegen angeblich politisch unkorrekten Äußerungen musste sie gehen. Für sie kam Harry BaIkow-Gölitzer, der 1984 in die BRD ausreiste. Von nun an wechselten ständig die Moderatoren. Am 29. 03. 1990 wurde die letzte Sendung ausgestrahlt.

BERLINER-ROCKSOMMER                                                (Veranstaltung)
Der Zentralrat der FDJ, sowie die Kulturdirektion Berlin, veranstalteten ab 1984 jährlich ein Open Air-Festivals, die neben DDR-Künstlern auch Interpreten des westlichen Auslands präsentierten. Programmgestalter Detlev Haak hatte großen Anteil, am Erfolg des Festivals, wo Gruppen, wie The Christians, Uriah Heep, Kevin Coyne, John McLaughlin, Heinz Rudolf Kunze, The Other Ones, Ten Years After und Golden Earring auftraten.

BERUFSAUSWEIS                                                                    (wichtiges Dokument)
Der Berufsausweis war die Voraussetzung für die professionelle Arbeit als Musiker. Ausgestellt wurde dieser vom Rat des Bezirkes, Abteilung Kultur. In der Regel war ein abgeschlossenes Musikstudium die Voraussetzung dafür. Als Berufsmusiker musste man seinen Lebensunterhalt rechtfertigen, also den Nachweis erbringen, ob man von den Einkünften der Musik leben konnte. Nur die renommierten Stars konnten das in der DDR.
Die meisten Künstler übten daher sogenannte Alibiberufe aus, brauchten mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung und sollten auf dem Papier (Arbeitsvertrag) beschäftigt sein. Für die Musiker war es notwendig, eine offizielle Arbeitsstelle nachweisen zu können oder eben einen Berufsausweis als selbstständiger Musiker zu haben, weil sonst seitens der Behörden die Zuweisung eines Arbeitsplatzes drohte. Laut der Verfassung bestand eine allgemeine Arbeitspflicht, auch für freischaffende Künstler, sofern ihre Einkünfte unter den Mindestanforderungen lagen.
Mit dem Berufsausweis war der Künstler bei der Kulturbehörde registriert und kümmerte sich um die Auftrittsmöglichkeiten. So gesehen gab es in der DDR keinen Musikmanager, der die besten Verträge aushandelte. Die Musiker bekamen ihre Angebote für Auftritte in Klubhäusern, Tanzgaststätten, bei Betriebsfeiern, Fernsehen usw. Die Band verfügte nur über ein sporadisches Mitbestimmungsrecht. Bei Schallplattenproduktionen und zu Promotionszwecken bekam Amiga das Recht zum Management. Jene Gruppen waren dann meistens populär und nicht an einem imaginären Betrieb gebunden, sodass die Bands über Amiga ganz andere Möglichkeiten der Vermarktung bekamen.
Wer aber inoffiziell an einen Betrieb angebunden war, sollte mitunter kostenlose Gegenleistungen erbringen, zumal der Betrieb Gehälter bezahlte, für einen fiktiven Mitarbeiter.

BLUESMESSE                                                                     (kirchliche Veranstaltung )
1976 hatte Günter „Holly“ Holwas (Hollys Bluesband) die Idee Bluesmessen in der Kirche zu organisieren. Beabsichtigt war eine Mischung aus Gebeten, Predigten, Diskussionen und musikalischen Beiträgen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde das Konzept 1979 realisiert. In enger Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche und dem evangelischen Pfarrer Rainer Eppelmann fand die erste Bluesmesse in der Berliner Samariter Kirche statt. Aufgrund des großen Zuspruchs weiteten sich die unregelmäßigen Veranstaltungen auf andere Kirchen aus (Zionskirche, Erlöserkirche und Gethsemanekirche).
Die Künstler spielten ohne Gage. Deren Konzerte wurden argwöhnisch von der Staats-sicherheit beobachtet, aber zu einem Verbot der Bluesmessen kam es nicht. Unter Aufsicht gewährte der Staat jene Veranstaltungen in der Kirche. Zu den musikalischen Mitstreitern, dieser kulturell-kritischen Veranstaltungen, zählten unter anderen Regine Dobberschütz, Bettina Wegner, Stefan Diestelmann, Stephan Krawczyk und Mitglieder der Berliner Blues-Rockband MONOKEL. Später durften auch Punkbands, wie Namenlos, Die Firma und Element of Crime dort spielen. 1987 überfielen deshalb 30 Skinheads die Bluesmesse in der Zionskirche, die jedoch von engagierten Gästen verscheucht wurden. Gründe waren angebliche Pöbeleien von Punkern tags zuvor im Haus der jungen Talente. Die um die Kirche herum postierten Polizei- und Stasikräfte sahen dem Skinheadüberfall tatenlos zu. Das nährte der Verdacht, einer staatlich erwünschten Provokation. Erst nach der Beendigung der Veranstaltung, als es zu einer Massenschlägerei kam, wurden 14 Skinheads verhaftet, die in einem Schauprozess zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden.

BONG                                                                                  (Fernsehsendung-Musik)
Die TV-Musiksendung „Bong“ ist Nachfolger des „Schlagerstudios“ (m. Chris Wallasch) ab 1983 im DDR-Fernsehen. Verstärkt wurde Pop- und Rockmusik angeboten und junge Nachwuchskünstler fanden dort einen Platz. Regisseur Karl-Heinz Boxberger und der Moderator Jürgen Karney präsentierten ein sehr lockeres, humorvolles Sendeformat. Die TV-Sendung wurde für viele Gruppen und Interpreten zum wichtigen Sprungbrett ihrer Karriere und konnten dort ihre aktuellen Songs präsentieren.

CHANSONTAGE                                                                               (Veranstaltung)
Die Chansontage wurden seit 1973 in Frankfurt/Oder durchgeführt. Liedermacher und Chansoninterpreten wurden von den Bezirkskommissionen für Unterhaltungskunst delegiert und traten in Wettbewerben auf.

DT METRONOM                                                                            ( Radiohitparade )
Im Januar 1972 wurde die Wertungssendung, des Berliner Rundfunks, innerhalb des Jugendstudios DT 64, ins Leben gerufen. Christine Dähn und Ute Boeden waren die ersten Moderatoren des schlagerlastigen Formats. Mit dem Moderator Gottfried Flemig änderte sich das schlagartig. Die Sendung war, wie die „Beatkiste“, Begleiter der sich in den 70er Jahren entwickelnden eigenständigen DDR-Rockmusik. 
Die Hitparade war dienstags ab 18.00 Uhr auf Sendung und stellte neben nationaler Musik auch Songs aus dem sozialistischen Ausland vor. Ab 1983 übernahm Lutz Bertram die Moderation und die Hitparade wurde nun sonntags 20.00 Uhr gesendet. Am Jahresende präsentierte das Metronom-Journal die Hits des Jahres. Nominiert waren alle Songs, die in den bisherigen Wertungssendungen des Jahres 8-mal vertreten waren, daraus wurden dann die Jahrescharts des Berliner Rundfunks erstellt. Das DT Metronom wechselte 1986 zum neu eingerichteten Jugendradio DT64 (hieß zuvor „Stimme der DDR“).

DUETT - MUSIK FÜR DEN RECORDER                                 ( Radiosendung)
Der Mitschnittservice des Berliner Rundfunks wurde wochentags von 15.00 Uhr bis 16.00 Uhr ausgestrahlt. In zwei Blöcken wurde jeweils eine LP-Seite von einem Interpret oder eine Band ausgespielt. Mitunter gab es dazu biografische Informationen. In der Auswahl waren auch internationale Interpreten aus dem kapitalistischen Ausland. Beispielsweise wurde die LP „Imagine“ von John Lennon vorgestellt, die nicht im Handel erhältlich war.
Die Sendung erfüllte die Ersatzfunktion für nicht vorhandene Westplatten und war als Mitschnittquelle (Kassetten-Aufnahme) sehr beliebt und hatte Kultcharakter. Es war eine der wenigen Möglichkeiten originale LPs von namhaften Künstlern aus dem westlichen  Ausland aufnehmen zu können. Die entsprechenden Aufnahmen wurden als Schätze gehandelt und mehrfach gesichert.

ELF 99                                                                                      (Jugendfernsehsendung )
Im September 1989 startete das TV-Jugendmagazin im 2. Programm des DDR-Fernsehens und wurde Begleiter in der Wendezeit. Die jungen Teammitglieder Ingo Dubinski, Victoria Herrmann, Jan Carpentier, Angela Mohr, Marcel Obua, Steffen Twatdowski waren alle zwischen 25 und 30 Jahre alt. Noch zu DDR Zeiten wagten sie es unbequeme Fragen zu stellen und wurden im Zuge der Veränderungen immer provokanter und legten jeglichen Respekt vor Personen ab und deckten schonungslos Sachverhalte auf. So wurde bereits in den ersten Sendungen das Tabuthema Prager Botschaftsflüchtlinge angesprochen, aber sie riskierten noch keine offene Regierungskritik. Die innenpolitische Situation änderte sich jedoch stetig und die Staatssicherheit hielt sich, sodass eine offene Kritik möglich war. Innerhalb der Sendezeit, wurden eine Abenteuerserie und aktuelle Musikvideos gezeigt.
Von Montag bis Freitag ging ELF 99 zwischen 16 und 18 Uhr auf empfang und war bei der Jugend sehr beliebt. Nach der Wende übernahm ELF 99 den gesamten Sendebetrieb des 2. Programms der DDR und ihre Beiträge nahmen an Bissigkeit zu. Der neue SED-Chef Egon Krenz wurde regelrecht in die Zange genommen und auch die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley musste sich unangenehme Fragen gefallen lassen. DT64 war zur Stimme der Jugend geworden. Die TAZ schrieb am 01. 09.1990 zum Sender: „Mit ihren respektlosen Reportagen mauserte sich die rosa Springmaus schnell zum bissigen Mediendrachen“. Eben, weil sie sich auch in der BRD nicht der propagierten Meinung unterordneten, wurde die Sendung zusammen mit den anderen DDR-Medien abgewickelt (aufgelöst). Trotz einer Flut von Zuschauerprotesten ging das Team letztmalig Silvester 1991 auf Sendung. Bereits 1990 musste ELF 99 die Frequenz mit RIAS TV und später mit SAT 1 teilen, bevor der ORB (Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg) das gesamte Sendefrequenz übernahm.

GITARREROS                                                                                       (Rockprojekt
Projekt einer Superband (1985/86) für die Initiative ,,Rock für den Frieden“. Die Organisatoren Michael Höft und Detlev Haak, konnten folgende Musiker für das kurzeitige Projekt gewinnen: Gisbert Piatkowski (NO 55), Uwe Haßbecker (Stern Meißen), Bernd Römer (Horst-Krüger-Band), Jürgen Fohle (Pankow), Hans Jürgen Reznicek (Silly), Stefan Dohanctz (Pankow), Ulrich Swillms (Karat), Toni Krahl (City), Tamara Danz (Silly), Herbert DreiIich (Karat), Mike Kilian (Rockhaus) und Reinhard Petereit (Rockhaus). Nach dem Auftritt bei „Rock für den Frieden“ und der großen Begeisterung des Publikums, folgte eine großartige Tournee durch die DDR und Amiga veröffentlichte den Live-Mitschnitt: LP: It's Only Rock'n'Roll = Die Gitarerros live (1986)

HALLO                                                                                        (LP - Sampler Reihe)
Ab 1972 veröffentlichte Amiga eine LP-Serie mit landeseigener und osteuropäischer Rockmusik. Von 1972 bis 1976 erschienen 16 LPs, die ein erfolgreicher Versuch waren, den Querschnitt der Rockmusik zu dokumentieren. Sie waren sowohl ein Sammelsurium von erfolgreichen Gruppen, als auch spezifisch orientiert (3 bis 5 Erfolgsgruppen mit aktuellen Songs oder auslandsorientiert, auf die damals dominierenden Bands aus Ungarn, Polen und der CSSR).
Anzahl der LP-Sampler pro Jahr: 1972 = 6; 1973 = 6, 1974= 2, 1975 und 1976 jeweils eine.
Grund für den Rückgang waren die neue Sampler-Projekte (Rhythmus /Jahreszahl), die als Jahreshitparade galt und die ersten Solo - LP’s populärer Gruppen.

HALLO - DAS JUGENDJOURNAL                              (populäre Radiosendung)
Das Jugendmagazin von Stimme der DDR war montags bis freitags zwischen 19.10 Uhr und 20.20 Uhr zu hören. Beliebte Standards waren die Beatkiste (Dienstag) und die Noten-bude (Donnerstag). Highlight war die Freitagsverlängerung (20.30 -21.30 Uhr), mit einer völlig musikalischen Ausrichtung und nannte sich „Vom Band fürs Band“. Es waren spezielle Berichte über internationale Rockgruppen und deren Musik zu hören, verbunden mit viel Musik, wie den Beatles, Led Zeppelin und den Rolling StonesDie Reportagen über die Gruppen wurden im Sinne der Funktionäre kritisch eingefärbt, um der Zensur zu entgehen. So wurden die Rolling Stones beispielsweise fortwährend als niveaulose und perverse Band bezeichnet. Der Jugendliche konnte aber, überzogene Kritik, von wirklichen Informationen trennen und erfuhr bei den Musikbetrachtungen höchst Interessantes zur Bandgeschichte westlicher Gruppen. Unter anderem, erfuhr man etwas über die Entstehung eines Titels und eine Übersetzung der Liedtexte wurde vorgetragen.
Kurz vor der Wende, wurde aus dem Sender „Stimme der DDR“, der Jugendsender DT 64 (1986), wo das Jugendjournal integriert wurde. Nach der Wende wurde der Sender abgewickelt (aufgelöst) und beim MDR als Jugendsender „Sputnik“ neugeboren.

JUGENDRADIO DT64                                                             ( Jugendradio )
Anlässlich des Deutschlandtreffens 1964 wurde das Jugendstudio DT 64 als tägliche Sondersendung auf dem Berliner Rundfunk gegründet. Durch die starke Resonanz der Hörer behielt es einen festen Platz beim Berliner Rundfunk und ging wochentags von 16.00-19.00 Uhr auf Sendung. In erster Linie wurde die Jugendsendung zur Agitation benutzt und brachte Beiträge aus Kultur, Sport und überwiegend Politik. Der Anteil an Musik war knapp bemessen und mitunter war auch mal einen Popsong aus Britannien zu hören. Die Musikanteile waren ansonsten von Jazz und Blues geprägt und manchmal sogar ein Schlager.
Ab 1970 änderte sich die Musiklandschaft und es wurde verstärkt Rockmusik gesendet. Anfangs besaß die Musik aus den sozialistischen Ländern ein deutliches Übergewicht, aber es bildete sich schnell eine eigene Rockszene heraus.
Am 07.03. 1986 wurde aus dem Radiosender „Stimme der DDR“ das Jugendradio „DT 64“, in deren Programm ebenso „Hallo-Das Jugendjournal“ integriert wurde. Als Vollprogramm passten sie sich dem Zeitgeist an und wagten noch zu DDR Zeiten staatskritische Töne. Während der Wiedervereinigung engagierten sie sich für die aktuellen Probleme, was nun den Bundesbehörden missfiel. Zugunsten von RIAS I wurde der Sender abgeschaltet. 
Nach massiven Protesten von Jugendlichen, bis hin zu einem Sitzstreik vor dem Funkhaus, wurde die Frequenz vom MDR übernommen und als Jugendradio SPUTNIK neu aufgebaut. Mit Sitz in Halle-Neustadt wurde der Jugendsender SPUTNIK zunehmend akzeptiert. In Berlin-Brandenburg entstand kontrovers dazu der Jugendsender FRITZ.

JUGENDTANZ                                                                            (Begriff)
Trotz Beatverbot 1965 war der Bedarf an Tanzmusik ungebrochen. In den 60er Jahren war es üblich, dass Gruppen zum Tanz aufspielten. Für den Jugendtanz waren Schlager und Shake (DDR-Bezeichnung für Twist) erlaubt. Das bescheidene Angebot an hiesiger Tanzmusik veranlasste die Funktionäre dazu westliche Schlager zu erlauben, nach der 60/40 Regel. 60% der gespielten Musik mussten daher aus der DDR oder dem sozialistischen Ausland sein, nur 40 % durfte westliche Musik sein, ausgenommen Beatsongs. Für die verbotenen Beatbands, die als Tanzmusikgruppen weiter machten, bot sich somit die Gelegenheit weiterhin musikalisch aktiv sein zu können. In den ländlichen Gegenden probierten sie ihre Grenzen aus und spielten auch unerlaubte internationalen Hits nach. Mitunter wurden auf den Dörfern 100% verbotene Beatmusik gespielt, was sich schnell herumsprach und die Jugend aus der Stadt anlockte. Natürlich bekamen das die Funktionäre mit, doch die Zeit hatte sich gewandelt, zumal man in Polen und Ungarn gute Erfahrungen mit der Beatmusik machte. Demzufolge wurde die Musik stillschweigend toleriert, solange keine Anzeige vorlag oder negative Erscheinungen zum Handeln zwangen.

LIEDERMACHER in der DDR                                                  (Begriff)
Der Begriff diente im deutschsprachigen Raum (seit den 60er Jahren) zur Bezeichnung von Künstlern, die solistisch mit sparsamer Begleitung (meist Gitarre) in Erscheinung traten und aktuelle, politische und kritische Themen behandelten. 
In der DDR entwickelte sich die Liedermacherszene aus der Folk- und Singebewegung heraus und hatte gegen Ende der 70er Jahre eine gewisse Eigenständigkeit erreicht. In den 80er Jahren war die Liedermacherszene ein fester und starker Bestandteil der DDR-Kultur. Durch den Schwerpunkt Text und einem kritischen Inhalt, kam es zu Problemen mit der Zensur und der kulturpolitischen Führung. Wer sich nicht an die Vorgaben und Auflagen der Kulturbehörde hielt, riskierte ein Verbot des Liedes. Auftrittsverbote, Ausbürgerungen oder Verhaftungen konnten folgen, wer ein Verbot ignorierte.
Auftrittsverbote konnten über die Kirche umgangen werden. Die Kirche besaß das Recht zu eigenen Veranstaltungen, daher durften Liedermacher in den Kirchen öffentlich auftreten. Die Kirche achtete jedoch darauf, dass keine staatsfeindlichen Lieder vorgetragen wurden, zumal bei jeder Veranstaltung auch die Staatsicherheit anwesend war.
Zu den prominentesten Opfern der inhaltlich, künstlerischen Beschneidung und damit verbundenen Konsequenzen zählen: Gerulf Pannach, Wolf Biermann, Bettina Wegner, Stephan Krawczyk. Staatlich sanktioniert wurden aber auch Gerhard Schöne, Barbara Thalheim, Gerhard Gundermann, Christian-Rau, Kurt Demmler und Arno Schmidt.

LIPSI                                                                                    (Pseudo-Tanz)
Den musikalisch-tänzerischen Modetanz entwickelten der Musiker Rene Dubianski und das Tanzlehrerehepaar Christa und Helmut Seifert. Der künstliche Tanz wurde Anfang 1959 bei der Tanzmusikkonferenz in Lauchhammer popularisiert und war als Alternative gegenüber dem wilden amerikanischen Rock’N‘Roll und auch dem Twist gedacht. Der Name des Tanzes im 6/4 Takt leitete sich ab, aus dem lateinischen Begriff Lipsia für Leipzig. In hoher Erwartung ließen die Funktionäre den Tanz zum Patent anmelden und hofften auf einen internationalen Durchbruch. Der Tanz erwies sich als Flop, zumal es nur wenige Lieder dazu gab und der Tanz somit für die Jugend eher steif und konstruiert daher kam. Noch erbärmlicher war ein weiterer Versuch mit dem Tanz Orion.

MELODIE UND RHYTHMUS                               (Musikzeitschrift )
Die monatliche Musikzeitschrift zum Preis von 1,25 M enthielt vor allem Berichte, Kritiken, Biografien über die eigene Musikszene und die, der sozialistischen Staaten sowie Anzeigen aus dem Pop- und Jazzbereich. Zudem war es die einzige Zeitschrift, die sich überhaupt mit westlicher Popmusik auseinandersetzte. War der Umfang an westlicher Popmusik auch sehr gering, so tauchten manchmal kleine Fotos von den internationalen Popband auf.

NEUES LEBEN                                                              (Jugendmagazin)
Das Jugendmagazin erschien monatlich zum Preis von 80 Pfennigen. Es enthielt Berichte über jugendgemäße Themen, wie Mode oder Popmusik (ab 70erJahre). Im Mittelpunkt stand aber die Agitation, z. B.: wie werde ich Berufssoldat der NVA oder Horrorberichte über den „faulenden und stinkenden“ Kapitalismus in der BRD. Beliebte Standards waren „Professor Bormann“ (Fragen zur Sexualität), Kariklau (ein-gesandte Karikaturen), Rätsel & Türklinke (Karikaturen und Sprüche) und „Schreibst du mir - schreib' ich dir“ (Kontaktanzeigen).
Ähnlich, wie bei der Jugendzeitung „Junge Welt“, filterte der Jugendliche lediglich die Themen heraus, die ihm interessierten und überblätterte politische Beiträge. Etwa 75% der Zeitschrift blieben daher ungelesen. Im März 1991 wurde das Magazin eingestellt. Trotz modernem Konzept war das Interesse gering, zu sehr war der Name der Zeitschrift vorbelastet.

Osteuropäische Rockmusik                                      (Begriff / Fakten)
Angesichts der Ereignisse in der Tschechoslowakei (Prager Frühling-1968), musste die Jugend beruhigt werden und dazu zählte ihr Wunsch nach Rockmusik. Angesichts der guten Erfahrungen mit Rockmusik in den anderen sozialistischen Staaten, begannen die Kulturfunktionäre mit der Förderung der Rockmusik. Bis zur Bildung einer eignen Szene sollte Rockmusik aus den sozialistischen Staaten den Bedarf stillen.
Überwiegend waren es Rock-Gruppen aus Ungarn und Polen, die Anfang der 70er Jahre in den Jugendsendungen im Radio der DDR dominierten.
Die meisten Songs waren stark von folkloristischen Einflüssen geprägt, orientierten sich am Jazzrock und wurden zunächst landessprachlich gesungen. Mit dem Erfolg der Musik in der DDR wurden zahlreiche Songs noch einmal in Deutsch aufgenommen. Eine Sammlung der Hits, realisierte Amiga ab 1972 mit der „Hallo“-Reihe. Die meisten Songs auf jenen LPs stammen aus früheren Jahren der Gruppen.
Mit „Anna Maria“ landeten die Roten Gitarren (Polen) einen Superhit und blieben die erfolgreichste kommerzielle Band, die zunehmend Schlager spielte. Für die rockorientierte Jugend war allerdings Omega (Ungarn) die absolute Nr. 1. Nachdem sich in der DDR eine eigene Rockszene gegründet hatte, ließ der Einfluss von Gruppen aus dem sozialistischen Ausland spürbar nach. Hinzu kam ein Stilwechsel jener Erfolgsgruppen und sie verlagerten sich hin zur kommerziellen Musik. 
Ein Beispiel dafür ist die Band Hungaria (Ungarn), sie beeindruckten mit dem Hardrocksong „Die Nacht der drei Schönen“, verlagerten sich dann zum Beat („Komm ich brauche deine Liebe“) und landeten letztendlich im Country - Rock’N’Roll („Den Platz neben mir“). Insgesamt tendierte die ungarische Musik, ab Mitte der 70er Jahre, zur Countrymusik. Zu einer der erfolgreichsten Gruppen wurde Fonograf (Ungarn), die als eine der letzten Bands, aus dem sozialistischen Ausland, in der DDR erfolgreich waren.  
Von der osteuropäischen Musik sind letztendlich nur noch die Schlager übrig geblieben und von den Hits von damals sind nur noch wenige übrig geblieben. Der Einfluss von osteuropäischer Musik war ebenso gering, da sich die DDR-Musikszene immer westlich orientierte. hatte. Im Gegenteil, jetzt war DDR-Rock zum Exportartikel geworden.


Die bekanntesten osteuropäischen Interpreten/ Gruppen in der DDR

Omega      (ungarische Rockband)http://www.progarchives.com/progressive_rock_discography_band/708.jpg

Band 1972:  Laszlo Benkö (ld, key), Gabor Presser (key), Janos Kobor (voc), Tamas Mihaly (g),  György Molnas (b), Joszef Laux (dr)  
Kurz-Story: 
Gründete sich 1962 in Budapest und wurde Ungarns Beat- und Rockband Nr. 1 - - - bis zur Erfolgsbesetzung von 1972 gab es diversen Umbesetzungen - - - Bandkomponist Gabor Presser setzte Anfang der 70er Jahre auf eine Mischung aus Rock mit Jazzelementen und ungarischer Folklore - - - 1969 entstand ihr Superhit  „Gyöngyhaju Lani“, dass in der DDR 1970 ein Megahit wurde, als „Das Mädchen mit dem Perlenhaar“ und auch in der Coverversion von Frank Schöbel „Mädchen schreib es mir in den Sand“ - - - die Band war in der DDR mit weiteren Titeln sehr erfolgreich und Amiga veröffentlichte eine Art „Best of Album“ 1972 - - - der große Erfolg führte zu Querelen in der Band und 1980 wandelte sich der Stil zum New Wave - - - 1987 löste sich die Gruppe auf - - - Aufgrund der großen Nachfrage starteten sie in den 90er Jahren ein erfolgreiches Comeback  - - - 1999 gaben sie im Budapester Nationalstadion ein legendäres Konzert und touren seitdem durch Europa. 

deutschsprachige Songs:  Nach einem schweren Jahr (1970), Sie ruft alle Tage herbei (1970), Unterbrochenes  Konzert (1971),
Untreue Freunde (1971), 10.000 Schritte (1971), Reise auf dem grauen Fluss (1972), 
Oh Barbarella (1973, Nur ein Wort (1975)

Rote Gitarren       (polnische Beatband)https://img.discogs.com/di74rr1Fk_EdSRqUGIa7dGZCkJA=/fit-in/300x300/filters:strip_icc():format(jpeg):mode_rgb():quality(40)/discogs-images/R-6045824-1418208886-3507.jpeg.jpg

Band 1970: Seweryn Krajewski (g, voc), Bernard Dornowski (b, voc), Dominik Konrad (fl, g, voc), Jerzy Skrzypczyk (dr) 
Kurz- Story:  Gründete sich 1965 und eiferten den Beatles nach - - -  nach mehreren Umbesetzungen fand die Band mit Krajewski eine stabilisierende Größe - - - von 1970 bis 1979 zählten sie zu den beliebtesten Bands in der DDR mit ihrem melodischen Beat - - - „Anna Maria“ wurde ihr absoluter Megahit in der DDR - - - sie wechselten ihren Stil in Richtung Schlager und ähnelten im Stil den Flippers und Amigos (BRD) 

Erfolgreiche deutschsprachige Songs:  Solche schöne Augen (1970), Heut kennst du mich nicht mehr (1970), Es brennen die Berge
und Wälder (1972), Consuela (1972), 
Überall bist du (1973), Hochzeit (1976), Draußen beiden Weiden (1975), Weißes Boot (1977), 
Weißt du noch (1977), Auf dem Dach dieser Welt (1978)

Weitere populäre Interpreten mit einer Auswahl ihrer Hits

Ungarn
Zsuzsa Koncz:   Endlich, endlich / Farbstifte / Irgendwann bin auch ich verliebt / He, Mama / He, fang mich ein / Der Spiegel /   
                            Du bist noch nicht mein Mann / Mama, bitte sag mir / Er hat ihr niemals geschrieben
Hungaria:         Die Nacht der drei Schönen / Oh, Bangladesh / Steffi komm / Komm ich brauche deine Liebe / Den Platz neben mir /
                           Die Farben der Natur / Glaub es nie
Kati Kovacz:    Wind komm bring den Regen her / Es wird dunkel wenn kein Feuer brennt / Schaukeljunge
Fonograf:          Anna / Mädchen du Feine / Es tut mir Leid / Mädchen in der ersten Reihe / Ich geh dem Wind entgegen
Gjon Delhusa:   Mein erstes Mädchen / Ticke Tom / Die Bouzouki und ihr Lied / Berge und Steine
Illes:                   Wo ist Julia / Das Gewitter verzog / Laufschritte / Warten, aber Kati kam / Komm geh mit mir
Bergendy:           Verzeih, dass ich dich Liebe / Komm wieder Wanderer / In einem unbekannten großen Wald
Locomotiv GT:   Silberner Sommer / Hilf mir einzuschlafen / Geh nie wieder / Das Lied
General:                Heißer Tag / Hier war ich Kind / Die Säge      
Neoton Familie:    Komm Liebe komm

 

Polen
Maryla Rodowicz:     Marja / Der Teufel sitzt vor’m Paradies / Träum deinen Traum
2 plus 1:                       Heuernte / Schlaf ein und fang die Träume / Hej , ich fang den Sommer / Sei so frei
Halina Frackowiak:    Weiße Wolken am Himmel / Alle Herrlichkeiten des Sommers / Stundenlang
Skalden:                      So viele Züge kommen / Wo soll ich dich suchen / Der Hirtenjunge ist gestorben
Anawa:                          Wichtig sind Tage, die unbekannt sind / Unsere Welt / Glaube daran
Czeslaw Niemen & SBB:   Unsere Sommerliebe / Seltsam ist die Welt / Du bist nicht mein
Breakout:                      Wind mit schwarzem Haar / Heute hast du alles / Aber ich sag dir nichts davon
Budka Suflera:            Blaue Taube / Fang neu an /Straßenbahnblues
Trobadours:                Vera Vera / Herrliches Land

 

Sowie …
Vaclav Neckar & Bazillen (CSSR):         Krokodil Theophill / Doktor Dam di dam / Jorika / Nautilus
Pavol Hammel & Prudy (CSSR):           Medulienka / Die sechs Weisen / Abrakadabra
Weißer Knopf (Jugoslawien):                 Wenn ich ein weißer Knopf wär / So, jetzt will ich's erst recht!
Singende Gitarren (UdSSR):                  Salapilsz / Halt (von der DDR-Medien erfolglos als Superband angepriesen)

 


 

Ostrock = DDR Rockmusik                                (Begriff einer speziellen Spielart)

Wird heute als Begriff für den spezifischen Stil der DDR-Rockmusik verwendet, der sich in den 70er Jahren gebildet hatte und maßgeblich durch fünf Fakten beeinflusst wurde, sowie seine charakteristische Eigenheit entwickelte.

1. Beatverbot (1965): blockierte eine normale Entwicklung der Jugendmusik.
2. Landessprachlichkeit: verlangten ansprechende oder originelle Texte und eine Einheit
     von Musik und Text.
3. Osteuropäische Musik: überbrückende Rockmusik aus Ungarn und Polen, die beispiel-
    gebend anfangs Einfluss, auf die sich bildende DDR Rockszene hatte
4. Gereifte Musiker: Musiker, der sich entwickelnden Rockszene der 70er Jahre, waren
    überwiegend Musiker, ehemaligen Beatgruppen mit Berufserlaubnis. Als gereifte
    Musiker strebten sie eine künstlerisch wertvolle Musik an und orientierte sich deshalb
    an Jazz, Soul und den vielen Stilarten des Progressiven Rocks.
5. Zensur: Wegen des massiven Eingriffs in die textlichen Freiheiten, durch die Kultur-
    Behörden, fanden Texter im Irrealen die nötigen Freiheiten, um sich lyrisch zu äußern.
    Dichterisch getarnt als Märchen oder historische Begebenheiten wurde mit meistens
    zweideutigen Untertönen unerlaubte Kritik geäußert. 

In der Summe dessen entstand eine Rockmusik, die sich zum Zuhören, aber sich kaum zum Tanzen eignete. Nicht zufällig entstanden zahlreiche Balladen, da in der Form die textlichen Botschaften deutlicher vermittelt werden konnten. Unter Botschaften sind nicht nur staatskritische Untertöne gemeint, sondern der Rotstift (Zensur) des Staates setzte auch bei Texten an, die nicht dem sozialistischen Geist entsprachen. Somit waren Texte, die eine hoffnungslose Zukunftsangst vermittelten oder gesellschaftliche Aussteiger (Punker) verherrlichten unerwünscht. Insbesondere galt das für Tabuthemen, wie die Homosexualität und die Grenzsicherung. Die meisten Gruppen versuchten es erst gar nicht und experimentierten lieber mit der Musik und verfassten unverfängliche Texte. Gruppen, wie die Klaus Renft Combo und die Puhdys, versuchten schon mit ihren Texten das Leben auszudrücken. Auf der Basis der Kunstmusik und dem erfolgreichen Textschema entstand in der zweiten Hälfte der 70er Jahre ein breiteres musikalisches Angebot. Speziell die Gruppe Karat perfektionierte die lyrische Textausrichtung.
Mit dem NDW-Sound brach eine Musik herein, die sich nicht mit der traditionellen Rockmusik vereinen ließ. Zu sehr orientierte sich die Neue Musik an der westdeutschen Szene und verursachte ein großes Desinteresse der Jugend. Lediglich Gruppen, wie Silly und City, gelang es eindrucksvoll die traditionelle Rockmusik mit dem New Wave zu verbinden und entwickelten somit die spezifische DDR-Musik weiter. Allerdings war die Popmusik der DDR schon vor der Wendezeit zur Randerscheinung geworden und die Wende versetzte ihr den Todesstoß. Nur wenige Songs wurden noch populär. Im DDR-Revival erinnerte man sich wieder an die spezifische Rockmusik der DDR und eigentlich wurden nur die traditionellen Gruppen der 70er Jahre mit dem Prädikat Ostrock gehrt.

RADIO DDR    Tippparade ⇒ Musikalische Luftfracht                  (Radiosender)
Die Tippparade eine Wertungssendung von Radio DDR, war nach der Beatkiste die zweitälteste Pophitparade der DDR. Angesagter war aber in den 70er Jahren die Sendung Musikalische Luftfracht, die Erste und einzige Wertungssendung mit internationalen Hits, also auch aus kapitalistischen Ländern. Allerdings beschränkten sich die westlichen Hits überwiegend auf die Popmusik aus Schweden, Dänemark, Österreich und den Niederlanden. Ab und zu verirrten sich Hits aus Großbritannien. Merkwürdig war jedoch, dass auf Platz 1 immer Songs aus der DDR oder dem sozialistischen Ausland landeten. Zumindest war es eine der wenigen Sendungen, in der die Chance groß war aktuellere Hits zu hören.

ROCK FÜR DEN FRIEDEN                                                        (Veranstaltung)
Unter dem Anspruch einer Friedensmanifestation der Rock- und Popinterpreten des Landes, fanden von 1982 bis 1987 dreitägige Veranstaltungen im Berliner Palast der Republik statt. Neben den nationalen Interpreten nahmen auch Künstler des Auslands teil. Hintergrund der Veranstaltung war die Gefahr eines Atomkrieges durch das nukleare Wett-rüsten der Weltmächte. Die DDR machte im sozialistischen Sinne ausschließlich die USA dafür verantwortlich und argumentierte, dass die UdSSR wegen des Gleichgewichts zum Mitrüsten gezwungen war.
1984 kam es zum Eklat, da die Kölner Band BAP ihren Auftritt kurzfristig absagte, da sie den Titel ,,Des halv spill mer he“ aus dem Programm nehmen sollten. Zur gleichen Zeit bekam Udo Lindenberg ein Konzertangebot von der DDR Kulturbehörde. Vor einem ausgesuchten Publikum und einem zensierten Programm wurde das Konzert in Ausschnitten im Fernsehen übertragen. Vorangegangen war Lindenberg's musikalische Auftrittsbitte mit dem Lied „Sonderzug nach Pankow“. Durch gegenseitige symbolische Geschenke, erhielt er dieses Konzertangebot, durfte aber nicht bei Rock für den Frieden auftreten (Lindenberg schenkte Honecker eine Lederjacke und Honecker revanchierte sich mit einem Schalmei-Musikinstrument). Bei seinem Konzert hielt sich Lindenberg letztendlich nicht an seine Auflagen und die DDR zeigte sich scheinbar tolerant.
Letztendlich durften keine weiteren BRD-Interpreten bei Rock für den Frieden auftreten. Entsprechend zur Veranstaltung wurden LPs mit ausgesuchten Songs veröffentlicht. Erst 1987 konnten wieder BRD-Künstler, neben Gruppen aus dem westlichen Ausland (Latin Quarter, Luis Moholo, Salsa Picante) bei Rock für den Frieden auftreten.
Nachdem einheimische Rockmusiker immer lauter zu denken wagten, wurde daraus die Veranstaltung „Jugend im Palast“ (1988). Als Rockveranstaltung, kam es dennoch zum verstärkten Widerstand gegen die Auflagen der Kulturbehörde und sie machten ihrerseits Druck, kritische Songs singen zu dürfen. Übrigens, wurde alle namhaften Bands der DDR dazu aufgefordert ein genehmes Friedenslied zu komponieren oder zu singen. Jene, die sich weigerten, wurden sanktioniert (standen im Fokus der Stasi; führte zur Bandauflösung)

RUND                                                                          (TV-Jugendsendung)
In Vorbereitung der 10. Weltfestspiele wurde die Fernsehsendung 1973 eingeführt. Geplant waren lediglich 6 Sendungen, aber aufgrund der großen Resonanz wurde das Format weitergeführt. Rund verstand sich als politisches Unterhaltungsmagazin für junge Leute. Somit bestand der Hauptteil der Sendung aus politischer Agitation, dennoch war der Anteil an in- und ausländischer Rockmusik recht hoch. Jugendliche ließen die Propaganda über sich ergehen, weil dies die einzige Sendung war, in der populäre Rockbands zu sehen waren. Zudem traten als Sahnestückchen ab und zu eine westliche Band auf. Im Grunde war Rund nur deswegen ein Medienerfolg. Zu den absoluten Highlights gehörten Status Quo, Suzi Quatro, Slade, Bonny Taylor, Gianna Nannini, aber auch Omega und Puhdys.

SCHLAGERREVUE                                                          (Radiosendung)
Die Schlagerwertungssendung von Radio DDR I wurde seit 1953 gesendet, zu Beginn als Schlagercocktail und von Heinz Quermann moderiert. Die Schlagerrevue war die am längsten existierende Sendung des DDR-Rundfunks und blieb bis zum Schluss eine reine Schlagersendung.

SCHLAGERSTUDIO                                                           (TV-Sendung)
Die Schlagerwertungssendung des DDR-Fernsehens entstand 1970 und löste die Tippparade (60er Jahre) ab. Mit dem Moderator Chris Wallasch (Theaterwissenschaftler), bekam die Sendung ab 1972 eine hohe Popularität, dass zeigte das Echo von etwa 25.000 Briefe oder Postkarten pro Ausgabe. Die Sendung wurde ebenso in Ungarn und der CSSR ausgestrahlt. Höhepunkt war die Jahreshitgala (Top 20): „Einmal im Jahr“ am Ende des Jahres. 1983 wurde die Sendung durch „Bong“ abgelöst, mit höheren Anteilen von Popmusik.