1.3. Comedy Kultur

Comedy-Kultur

RTL Samstag Nacht 
Bitte lächeln - RTL2
Wochenshow -SAT1 
Stefan Raab - Pro7       
Radiosender - Spaßradio
Daily Talk & Soap
VIVA

Deutscher Musikmarkt (Echo Preis)
Schlagerrevival 
Kelly-Family
Texttrend in den 90er Jahren

 

Schon in den 80er Jahren veränderte sich der Humor, der Tabus durchbrach und oftmals unter die Gürtellinien (unanständig) ging, makaber und draufgängerisch war.  
 
Begeisterte Jürgen von der Lippe noch mit angenehmen gesellschaftlichen Seithieben, so kam Hape Kerkeling deutlich bissiger daher. Respektlos und hemmungslos führte er die Gesellschaft vor. In „Hurz“ machte er sich über Musikkunstkenner lustig, trat satirisch als Margot Hellwig (Volkmusik) auf und später gab er sich als Königin Beatrix (Niederlande) aus und hätte beinahe einen diplomatischen Eklat verursacht.
Mit skurrilen Blödeleien war Helge Schneider erfolgreich und bald sang die ganze Nation, das sinnfreie Lied, „Katzenklo, ja das macht die Katze froh“. Mit seinem bizarren Humor stieg Helge zu einem der beliebtesten Comedystars auf. Mit derben Worten, die nicht selten beleidigend waren, wurde Karl Dall bekannt. In seiner RTL-Talk Show „Dall-As“ wussten zwar die Gäste was sie erwartete, aber im Wortduell behielt Karl oft die Oberhand. Da er sich selbst als dummdreisten Trottel mimte, nahm man ihm bestimmte Entgleisungen nicht übel und er war trotz seiner rüpelhaften Art im Fernsehen sehr beliebt.
Mit der RTL Comedy Sendung, „Samstag Nacht Show“ wurde ein neuer Meilenstein der Unterhaltung gesetzt. Mit Tanja Schumann, Esther Schweins, Wigald Bonning, Oli Diedrich, Mirco Nontschew und Stefan Jürgens überschritten sie bewusst Tabus und wurden bei jugendlichen Zuschauer zum Kult. Mit einer Mischung aus drastische Satire und Ekel-Humor (blutige Missgeschicke) begeisterten sie ihre Zuschauer. Zum Standard gehörten die Wortverdrehungen bei „Kentucky schreit ficken“ (orig. Kentucky freit Chicken) und der inszenierte Talk-Nonsens „Zwei Stühle eine Meinung“. Ebenfalls zu einem unerwarteten Erfolg wurde der komische Nachruf auf Karl Rammseier und die Lieder der Doofen. Der Erfolg der sinnlosen Lieder, bestärkte Bonning und Diedrich dazu eine LP zu veröffentlichen.
Die LP der Doofen, „Lieder, die die Welt nicht braucht“ wurde zum Hit und auch die Single „Mief“ war wochenlang in der Top 10. Der große Erfolg der RTL Sendung fand natürlich seine Nachahmer und einige TV Sender zogen nach. Inzwischen hatte sich der Humor verändert gehabt, sodass „RTL Samstag Nacht“ als gemäßigter Humor bezeichnet werden konnte. Komischer war nun, wenn sich zwei Nachbarn, aus einem geringen Anlass heraus, sich mit einer elektrischen Heckenschere gegenseitig bekämpften. Lachend schnitten sie sich gegenseitig die Arme und Beine ab, bis nur noch die beiden Köpfe im Gras lagen und siegessicher tönten, „Na gut die Runde geht an dich“ und alle wiehern vor Lachen. Solche und ähnliche bluttriefenden Geschmacklosigkeiten flimmerten nun über den Bildschirm und erfreuten ein junges Publikum.
Der Erfolg einer makabren Comedyszene war kein reflektieren von düsteren Visionen mehr, sondern die Gesellschaft erfreute sich schadenfroh am Unglück Anderer. Dazu passten auch die Aufnahmen mit der versteckter Kamera und Homevideos. Ging es in der ARD noch bei  „Pleiten, Pech und Pannen“, um vergnügliche Missgeschicke, so zeigte der Sender Tele5 in „Bitte lächeln“ mitunter sogar Unfälle. Sofern etwas komisch wirkte wurde es gesendet. Die Sendung wurde zu einem beliebten TV-Hit und animierte Fans dazu eigene Home-Videos zu drehen. Beliebt waren vor allem Videos mit Tieren oder Kindern. Humor kannte keine Grenzen und überflutete in den 90er Jahren die Medien.

In den 80er Jahren war „Sketsch Up“ (m. Dieter Krebs) und Otto Waalkes die Highlights des Humors. Doch nun gab es eine bunte Palette von Sendungen und Comedians. Mit einem spezifischen Image wurden einige Komiker zum Kult. Zu ihnen gehörte Rüdiger Hoffmann, das langsam sprechende Nordlicht, der die naive Frohnatur mimte und sein Programm stets mit „Hallo erst mal! Ich weiß gar nicht ob sie’s wussten ...“ begann. Er karikierte überzogen Alltagsthemen, wie die schwierige Wohnungssuche oder die moderne Kindererziehung. Als stammelnden Professor wurde Pitt Klock bekannt, deren Humor aus dem nicht gesagten bestand und daher kaum einen Satz zu Ende sprach. Mit Ingo Appelt machte sich ein Zyniker einen Namen, der häufig mit böswilligen Vergleichen seinen Humor würzte und dafür stark kritisiert wurde. Als TV-Sonyboy kam Michael Mittermeier daher und beschränkte sich satirisch, mit euphorischen Geste, auf das Thema Fernsehen und Film.
Mitte der 90er Jahre kam die Comedysitzung „7 Tage, 7 Köpfe" (RTL) dazu, die sich über aktuelle Themen der Woche lustig machten. In der Sendung von Rudi Carell, spielte Jochen Busse den versnobten Gesprächsleiter und Dauergäste waren das nasenlange Nordlicht Mike Krüger, der kleinwüchsige Frauentyp Kalle Pohl, das dicke Bernybärchen Bernd Stelter und die großmäulige Xanthippe Gaby Köster. Diese sechs prägten mit ihrem gespielten Image das Gesicht der Sendung und ein ständig wechselnder Gast-Comedian ergänzte den 7. Kopf.

Mit der „Wochenshow“ beendete Sat 1 die Vorherrschaft von RTL im Comedy-Bereich. Die erste Erfolgsbesetzung der Nachrichtencomedy Bestand aus Anke Engelke, Ingolf Lück, Bastian Pastewka und Marko Riema. Ähnlich wie bei der „Tagesshow“ von Rudi Carells (80er Jahre), wurden originale Nachrichtenbilder lustig verfälscht. Nebenbei machte sich die Show über das Medium Fernsehen lustig und schuf dabei eigenständige Highlights. Rickys Popsofa (Anke Engelke), war eine Satire auf die niveaulosen VIVA-Moderatoren und die Schwuchtel Brisko Schneider (Bastian Pastewka), nahm die Sendungen „Liebe Sünde“ und „Wahre Liebe“ aufs Korn. Der Sender Pro 7 setzte dem Comedytrend fort und die Formate Switch (TV-Satire), Comedy Factory (Sketsch Show), Quatsch Comedy Club (Stand Up Comedy) und die Bully Parade (Comedy-Show). Jede Sendung begeisterte ein spezielles Publikum, erreichte hohe Einschaltquoten und erlangten Kultcharakter.
Ende der 90er Jahre wechselte Stefan Raab von VIVA zu Pro 7 und setzte mit seiner TV Sendung „TV Total“ neue Akzente durch. Noch respektloser als bei VIVA machte er sich über Prominente und die Gesellschaft lustig. Bekannt wurde er bei VIVA mit seinem Song über „Börti Vogts“. Als Hommage an den Fußballbundestrainer deklariert, war jedoch die Präsentation des Liedes letztendlich eine überspitzte Satire. Juristisch könnte Berti Vogts nichts gegen den beleidigenden Song unternehmen und musste daher gute Miene zum bösen Spiel machen. Bestärkt von dem Erfolg wurde Stefan immer dreister und mit seinen Lobliedern beleidigte er unterschwellig weitere Prominente (u.a. Rudi Carell, Karl Moik).
Noch derber trieb es Stefan Raab mit dem Lied „Maschendrahtzaun“. Aus der Gerichtshow Barbara Salesch nahm er einen Nachbarschaftsstreit um einen Knallerbsenstrauch aufs Korn. Der Song wurde ein großer Hit in den Chart und die ganze Nation machte sich lustig darüber. Die reale Klägerin hatte aber fortan keine ruhige Minute mehr. Schaulustige und die Medien belagerten das Haus und bedrängten die Klägerin. Der gesamte Rummel verursachte bei der Betroffenen einen Nervenzusammenbruch, das wurde aber lange Zeit nicht publik gemacht.
Jene derben Entgleisungen machte Stefan Raab zum Star, der musikalisch ermuntert auch weitere kreative Ideen hatte. Zum Jubiläum der beliebten Kindersendung „Die Sendung mit der Maus“ schrieb er das originelle Lied „Hier kommt die Maus“, für Lars Dietrich schrieb er „Sexy Eis“ und peppte den Jürgen Drews Klassiker „Ein Bett im Kornfeld“ im Discostil auf. In Anlehnung an den erfolgreichen Schlagerkomponisten Ralf Siegel, nahm Stefan Raab als Produzent den Künstlernamen Alf Igel an. Provokativ und mit viel Kritik führte er Gildo Horn über den Vorentscheid zum Grand Prix de Eurovision 1998 und belegte sensationell Platz 7. Ein Jahr später nahm Raab selbst mit der Groteske „Wadde hadde du denn da“ selbst teil und erreichte sogar Platz 6. Alles was Raab machte wurde begeistert von der Jugend aufgenommen. Juristische Ansätze gegen ihn verpufften, da ihm rechtlich keine Vorwürfe gemacht werden konnten. Somit war er beispielgebend für die Comedy-Szene, wie man ohne rechtliche Konsequenzen die Gesellschaft provozieren und brüskieren konnte.
Der Spaß sollte im Mittelpunkt stehen und was Spaß ist sollte die Jugend bestimmen. In diesem Trend setzten einige Radiosender auf eine Gute Laune Moderation und überluden  ihre Hörer schon ab den frühen Morgen mit Heiterkeit. Zunehmend wurde jene Frohsinn als nervig empfunden. Das „Crazyphone“ konnte man schon als Telefonterror bezeichnen. Moderatoren versuchten hierbei Behörden zu foppen und mit sinnlosen Gewäsch deren Geduld zu testen. Ahnungslose Hörer wurden auf den veräppelt und mit derben Späßen traktiert. Abgerundet wurde das Programm mit aktuellen Hits in einer Endlosschleife. Spaßtelefon, Gewinnspiele und Behauptungen „Wir spielen die wirklichen Hits“ erzeugten bei vielen Zuhörern nur noch Wut. Selbst im Alltag konnte man sich nicht der musikalischen Beschallung entziehen. Kaufhäusern spielten zum hundertsten Mal dieselben Hits und die Handwerker hörten lautstark ihr Spaßradio, gewürzt mit lästiger Werbung. Auch das Kino passte sich dem Trend der Zeit an. Die Filme waren nun durchgehend mit Musik untermalt und je nach Spannung wurden entsprechende Effekte eingefügt. Da man nun oft nicht verstand, was im Film gesagt wurde, musste man sich den Film ein zweites Mal ansehen. Die Kinolandschaft wurde von diversen Komödien und Actionfilme überhäuft und auch deutsche Filme schafften es in die Kinocharts, wie „Männerpension“ oder „Der bewegte Mann“. Es waren zwar ebenfalls Komödien, aber immer noch niveauvoller als so mancher Klamauk, wie von Helge Schneider. Da das Kino auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten war, spielte die Meinung von Kritikern keine Rolle und somit wurden auch absurde Filme zu Kino-Hits. Auffällig war noch, dass zunehmend Kinderfilme zum Kinohit wurden und allen voran Walt Disney Produktionen.
Der Einfluss eines jugendlichen Publikums wirkte sich ebenso auf das Fernsehen aus, da die privaten Sender hemmungslos die Wünsche des Publikums bedienten. Am Nachmittag setzten sich Talksendungen durch, die als Gesprächsrunden zu bestimmten Themen gedacht waren, aber provokativ Beziehungen vorführten. Die Zuschauer konnten sich am Seelenstriptease ergötzen oder eine Debatte über Sitte und Moral lostreten. Da unter der Spaßgesellschaft häufig die Beziehungsebene litt, wurde es für die TV-Sender profitabel Gefühle in den Fokus zu setzen. Neben den Talksendungen wurden Daily Soap Serien zum Dauerbrenner, da die handelnden Figuren ein lebensnahes Image ausstrahlten und daher der Zuschauer, sich mit mindestens einer Person identifizieren konnte.
„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, wurde zum täglichen TV Quotenhit, ihnen folgten „Unter uns“, „Verbotene Liebe“ und „Marienhof“.  Aber auch die Mutter aller deutschen Daily Soaps „Lindenstraße“ (seit 1985), konnte seine Fangemeinde weiter ausbauen. Die Telenovelas aus den 80er Jahren verloren dagegen an Zugkraft. Daily Soaps waren nicht auf eine Hauptfigur konzentriert, sondern streute die Auswahl. Da keine Hauptprotagonisten gab, konnte sich der Zuschauer seinen Haupthelden aussuchen. Nicht selten fungierte eine solche Sendung als Ersatzfamilie und passten ihren realen Alltag an. Sie fühlen mit ihren Helden, ärgern oder freuen sich. Es bildeten sich Fan-Gemeinschaften oder Freundschaften, in deren zentralen Mittelpunkt die Serie steht.
Zu einer weiteren Ersatzquelle gegenüber der Wirklichkeit wurden Computer. Mit immer besseren Grafiken und spannenden Spiellevels waren sie gefangen in den Scheinwelten. Wurde ein Level nicht geschafft, so war der Spieler am Boden zerstört und fühlte sich sterbenskrank. Eine Reihe von extremen psychosomatischen Folgen waren bei einigen Spielen möglich. Warnungen von Psychologen wurden überhört, da der Profit einen höheren Stellenwert besaß, als die Gesundheit der Spieler oder einer kriminellen Motivation.
Neben Daily Soap und Computerwelt versuchte VIVA ein interaktiver visueller Freund zu sein. Zuvor ging 1982 der Musiksender MTV in deutscher Sprache auf Sendung und sollte die Jugend an sich zu binden. Ab Weihnachten 1993 kam VIVA, die sich zielgerichtet ein jugendliches Image gaben. Unsicher und naiv wirkende Moderatoren sollten eine Nähe ausstrahlen und freundschaftliche Gefühle wecken. Heike Makatsch verkörperte dabei eine Mischung aus Honigkuchenpferd, Pipi Langstrumpf und Nina Hagen. Ihre amateurhafte Erscheinung machte sie sympathisch, wirkte ehrlich und wurde zum Star von VIVA. Mit Heike gehörten der der dunkelhäutige Mola Adebisi, der Sonyboy Nils Bockelberg und der provokante Stefan Raab zu den Stars der ersten Stunde. Im Gegensatz zu MTV publizierte VIVA deutsche Produktionen, wie Nana, Modul, Blümchen, DJ Bobo, Mister Präsident, Culture Beat, Xavier Naidoo u.v.a.). Dennoch war der Musiksender ein Instrument der Musikindustrie, der der Jugend einen gewünschten Musikgeschmack einimpfte. Unbequeme Musiker wie Grönemeyer, Westernhagen, Die Ärzte und die Toten Hosen wurden lange Zeit nicht berücksichtigt.
Zur Konkurrenz für VIVA wurde RTL 2, der sich ebenfalls als Jugendsender verstand. Mit „Bravo TV“ und „The Dome“ setzten sie auf Musikhighlights, im Sinne der Charts. Außerdem reicherten RTL2 sein Programm mit jede Menge Jugendzeichentrickserien an. Den größten Erfolg hatten sie ab 1999 mit Pokèmon, Sailor Moon und Dragon Ball. 
Die Privatsender verstanden es die Jugend zu begeistern, waren kreativ und wussten womit sie ein jugendliches Publikum begeistern konnten. Das öffentlich rechtliche Fernsehen verlegte sich daher auf das ältere Publikum. Auch hier wurde auf humorige Akzente gesetzt, ob bei volkstümlichen Sendungen oder TV-Komödien. Ein Zuschauermagnet für Alt und Jung blieb die ZDF-Show „Wetten, dass…?“, dagegen verlor „Verstehen Sie Spaß?“ seine Zuschauer. Die neuen Moderatoren konnten das Publikum nicht begeistern, zumal die privaten Sender ähnliche Sendungen anboten, mit derberen Späßen. Trotz enormer Einbußen ließen sich ARD und ZDF nicht beirren und setzten auf Qualität. Speziell die gestiegenen Einschaltquoten der Regionalprogramme machten einen neuen Trend sichtbar. Unterschwellig setzten sich Regeln durch, die der Grenzenlosigkeit Einhalt geboten.

 

Der Deutsche Musikmarkt

Echo – Preisträger (Auswahl - National)

Jahr Künstler  Gruppe  Schlager Schlager Gruppe
1992 Herbert Grönemeyer
Pe Werner
Scorpions    nicht vergeben nicht vergeben
1993

M. M. WesternhagenSandra

Die Prinzen

Nicole
Howard Carpendale

Kastelruther Spatzen
1994

Herbert Grönemeyer
Doro Pesch

Toten Hosen

Angela Wiedl
Rolf Zuckowski

Brunner & Brunner
1995

M. M. Westernhagen
Marusha

Pur

Claudia Jung
Helge Schneider

Die Flippers
1996

Mark 'Oh
Sabrina Setlur

Pur

Angelika Milster
Howard Carpendale

Kastelruther Spatzen
1997

Peter Maffay
Blümchen

Toten Hosen Wolfgang Petry Kastelruther Spatzen
1998

Nana
Sabrina Setlur

Tic Tac Toe Wolfgang Petry

Kastelruther Spatzen
Dieter Thomas Kuhn

1999

M. M. Westernhagen
Blümchen

Modern Talking

Michelle
Wolfgang Petry

Kastelruther Spatzen
Guildo Horn

(Quelle: Wikipedia – Musikpreis Echo)

  • Deutschland war zum drittgrößten Musikmarkt der Welt aufgestiegen (USA, UK)
  • In Deutschland produzierte Popacts, aber auch deutschsprachige Musik verkaufte sichweltweit und stürmte die internationalen Charts (speziell in Europa)
  • Um den wirtschaftlichen Markt zu sichern, wurde jährlich die Musikmesse Popkomm in Köln durchgeführt. Zudem verlieh VIVA den Comet und RTL den Echo, als Preis der Schallplattenindustrie an die Popkünstler und ehrte somit internationale Künstler und förderte nebenher die nationale Musikszene.
  • Neben MTV und VIVA entstanden die TV-Musiksender VH-1, ONYX und VIVA 2
  • musikalischen TV Highlights wurden die RTL Sendungen „Top of the Pop" und auf RTL 2, “The Dome” und “Bravo TV”
  • Die Musikindustrie versuchte profitorientiert, den Musikgeschmack der Zuhörer, auf die kommerzieller Musik zu lenken und beeinflusste gezielt die Medien (Radio, TV). Schlagermusik und Rockpoeten, wie Herbert Grönemeyer, Marius Müller Westernhagen oder Heinz Rudolf Kunze wurden selten bis gar nicht gespielt. Jedoch über Konzerte wurde jene Musik bekannt und erzwang sich durch ihre hohe Popularität, eine mediale Berücksichtigung (Schlager über die volkstümlichen TV-Shows und Onyx publizierte Musik, die bei VIVA und MTV mehr ignoriert wurden.
  • Die deutschsprachigen Rockbands Die Toten Hosen und Die Ärzte begeisterten mit ihrer Musik und ihren Videos und konnten von den VIVA und MTV nicht weiter ignoriert werden. Hits wie, „Schrei nach Liebe“, „Männer sind Schweine“ (Die Ärzte) und „Alles aus Liebe“, „10 kleine Jägermeister“ (Toten Hosen), wurden zu Dauerbrennern.
  • Das große Geld auf den Musikmarkt brachten aber die vielen Boygroups und die Hip-Hop Danceclips; zudem ließ man Abba und Modern Talking musikalisch wieder auferstehen
  • Mit teutonischen Gesten und germanischer Symbolik vollzog Rammstein eine Gratwanderung zum erlaubten, da ihnen nazistisches Gedankengut unterstellt wurde. Mit der Verwendung von Filmmaterial von Leni Riefenstahl (NS-Filmemacherin) erhärtete sich der Eindruck. Die Band bestritt die Vorwürfe und letztendlich war es ihr großer Erfolg in den USA und in den Albumcharts, was eine Zensur (Verbot) ihrer Lieder verhinderte. Dennoch wurde ihr Video zum Lied „Stripped“ kaum gezeigt. Ebenfalls in der Kritik stand der Titel „Die Flut“ von Witt und Heppner. In dem Video wurde auch ein heroisch germanisches Bild erzeugt, nur stammte das Bildmaterial von Sergej Eisenstein (sow. Filmemacher). Dennoch warf man dem Lied vor, es schürte totalitäre Ängste, wonach im Katastrophenfall nur die Elite gerettet werden würde. Bei den Liedtexten der Böhsen Onkelz sind dagegen deutlicher Texte zu hören, deren Inhalte als rechtsradikal bezeichnet werden konnten. Letztendlich war es aber auch hier eine Interpretationssache und somit nicht für eine Zensur ausreichte, sondern als freie Meinungsäußerung bewertet werden musste. Zahlreiche Radiosender und auch VIVA und MTV verweigerten sich die Musik der Band zu spielen. Fast alle Alben wurden nach 1992 deshalb zu Tophits in den Albumcharts und belegten den Protest der Jugendgegenüber den Medien, war aber kein politisches Statement (Rechtstrend).

SCHLAGER-Revival

  • Das Medley die „Längste Single der Welt“ von Wolfgang Petry hielt sich über ein Jahr in der Top 100 der Verkaufscharts und war zudem wochenlang Top 10 Hit
  • Der Schlager etablierte sich neu über die volkstümlichen TV-Shows, die enorme Einschalt-quoten erreichten. Über Konzerte und Alben scharten sich die Schlagerinterpreten eine steigende Zuhörerschaft um sich und ihre Alben fanden einen erhöhten Absatz.  
  • Anfang der 90er Jahre dominierten im Schlagerbereich Nicole, Claudia Jung und Kristina Bach. Doch zum absoluten Schlagerkönig wurde Wolfgang Petry.
  • In der Schwulen- und Lesbenszene genossen Schlageroldies eine hohe Popularität. Der fettleibige Gildo Horn trällerte mit fettigem strähnigem Haar die Schlager aus den 70er Jahren und wurde zum Kultfigur. Gerade weil er kein wohlgestylte Sänger war, mochten ihn die Leute. Mit Schlaghosen, Afri Cola, Rüschenhemden und Hossa-Rufen erinnerte er an die Glanzzeit des deutschen Schlagers (70er Jahre). Neben Gildo begeisterte auch der auf 70er-Jahre gestylte Dieter Thomas Kuhn, der mit den Reinhard May Titel „Über den Wolken“ in die Charts kam.
  • Den größten kommerziellen Erfolg gelang Gildo Horn, mit „Ich find' Schlager toll“ (Cover Hit zu „I love Rock'n Roll“), der zu einer Schlager Hymne aufstieg.  
  • Auf den Konzertbühnen waren besonders Roland Kaiser und Vicky Leandros beliebt. Mit Stefan Raabs Popversion zu „Ein Bett im Kornfeld“, stieg auch die Popularität von Jürgen Drews und mit ihm etablierten sich die Ballermann-Hits in den Discotheken. Der Oldie „Tränen lügen nicht“ von Michael Holm wurde durch Mark Oh zum Techno- Hit und inspirierte dazu weitere Schlager aufzupeppen, was nur teilweise gelang.
  • Im Berliner Raum begann der Radiosender Antenne Brandenburg den Schlager wieder fest ins Programm zu integrieren und stieg zum beliebtesten Radiosender von Berlin-Brandenburg auf. Ebenso erfolgreich, präsentierte Bernhard Brink beim MDR das TV „Schlagermagazin“ und wurde erfolgreicher als die ZDF-Hitparade.
  • Der Grand Prix de Eurovision verlor immer mehr an Zuspruch. Bisher komponierte der Schlagerkomponist Ralf Siegel, die meisten Songs für Deutschland für den Contest. Nun wollte Stefan Raab unter den Namen Alf Igel diese Vormacht brechen und schrieb für Gildo Horn „Gildo hat euch lieb“. Trotz vieler Proteste in der renommierten Schlager-Welt, trat Gildo Horn beim Song Contest und verblüffte die Zuschauer in Europa. Da nun auch Zuschauer abstimmen konnten, holte der Song überraschend den 7. Platz. Ein Jahr später versuchte es Stefan Raab selbst und wurde sogar 6. mit dem sinnfreien Song „Wadde hadde du den da“, einem kindlichen Gehabe, wenn ein Hund etwas fand.
  • Ballermann-Partys, gab es nun nicht nur auf Mallorca, sondern Schlagerpartys wurden auch hierzulande durchgeführt. Neu im Trend waren Apres Ski-Feten (Hüttenfeier in Winterski-Orten) und heizten mit deutschen Schlagern die Stimmung an. Es gründete sich eine Fangemeinde, die ihre neuen Stars feierten. Jürgen Drews krönte sie zum König von Mallorca und Namen, wie Michael Wendler oder Mickie Krause kannte jeder. Songs, wie „Drei weiße Tauben“, „Die Hände zum Himmel“, „10 nackte Frisösinnen“, „Ich hab ne Zwiebel auf den Kopf ich bin ein Döner“ waren bekannte Hits, die jeder kannte. Die Schlager, der noch relativ unbekannte Sängerin Andrea Berg, erlebten in dieser Szene eine besonders hohe Popularität und machten sie zu Star. Ebenfalls sehr beliebt waren die Hits von Wolfgang Petry und Bernhard Brink.

Kelly-Family

Zu einem Phänomen wurde die umherziehende Großfamilie, die bisher mit folkloristischen Liedern bekannt waren. Vater Daniel Jerome „Dan“ Kelly wurde in den USA geboren, deren Wurzeln irischer Herkunft sind. Er zog mit seiner Familie nach Europa und lebte lange Zeit in Spanien, tourte aber auch durch Italien, Irland, Frankreich und kam zwischendurch immer Mal wieder nach Deutschland (auch in die DDR). Obwohl sie hin und wieder auch ein paar Schallplatten produzierten, verdienten sie ihren Unterhalt als Straßenmusiker. Mit modernen Eigenproduktionen versuchten sie ihr Album “Over the Hump“ zu veröffentlichen. Über die Firma Edel Record und dem Label Kel-Life kam die LP 1994 auf den Markt und wurde unerwartet zum Hit (verkauft 3 Mio. Mal & 111 Wo. in den Charts). Die Single und das Video zu „An Angel“, trugen entscheidend zum Erfolg bei (27. Wo. in den Charts).
In einer Zeit, wo Selbstdarstellung und Erfolg die Gesellschaft beherrschte, und dabei nicht bemerkte wie sehr die Gefühle vereisten, da tauchte die Kelly-Family als Gegengewicht auf. Sie wurden zum Symbol einer intakten Familie, die kein Reichtum brauchte und sich keiner Mode unterwarf. Sie waren unvollkommen sowohl gesanglich, wie auch optisch, aber genau das schätzten die Fans an ihnen. Es waren besonders die weiblichen Teenager, die die Kelly Family förmlich vergötterte und eine beispiellose Fanverehrung auslösten. Die Band wurde mehrfach ausgezeichnet und kam über ihren Erfolg zum Reichtum. Ihre zwei nachfolgenden Albums wurden zwar erfolgreich, aber insgesamt ebbt ihre Popularität ab. Sie verloren ihr Image, da sie nun zu den Wohlhabenden gehörten und eine Reihe von Gerüchten berichteten von Zerwürfnissen innerhalb der Familie.

Auszug aus dem Wandel deutschsprachiger Musiktexte

Verkaufte die 16 jährige Blümchen schöne Träume im Technorhythmus, sang Lucilecktric ironisch und selbstbewusst „… mir geht’ so gut, weil ich ein Mädchen bin …keine widerrede Mann, weil ich ja sowieso gewinn, weil ich ein Mädchen bin.“ Die Schülerband Echt fand Worte im umgangssprachlichen Jargon, inspiriert von dem verstorbenen Rio Reiser und thematisierte ungeschminkt Jugendthemen in „Alles wird sich ändern, wenn wir groß sind“ oder „Wir haben es getan“ und stellten bei den selbstverliebten Schönheiten fest „Du trägst keine Liebe in dir“. Weitaus mit deutlichen oder auch derberen Worten kam Tic Tac Toe daher. Mit „Ich find’ dich Scheiße“, „Leck mich am A-B- Zeh“, „Verpiss dich“ und „Warum“ sang sich das Mädchen-Trio den Frust von der Seele und benutzten Worte aus den täglichen Sprachgebrauch. „Junge, warum hast du nichts gelernt, schau dir den Dieter an, der hat ein schönes Auto“, sangen die Ärzte und machten den gesellschaftlichen Konflikt deutlich, wenn man sich dem Selbstdarstellungstrend verweigert. „Auch Schwarze, Lesbische, Behinderte können ätzend sein“, stellten die Tote Hosen fest und machten klar, dass es keine Kritik-Tabus geben darf (es war bestimmte Kritik verpönt und wurde sofort extremistisch ausgelegt). Diese Beispiele sollen deutlich machen, dass die 90er einen textlichen Umbruch brachten. Es wurde nicht mehr an Worten gefeilt oder sie in ein Reim gezwängt, sondern es wurde frei die Sprache vom Alltag musikalisch verpackt.