1.2. Lebensgefühl und Kultur

Das Deutsche Lebensgefühl und Kultur

1. Lebensgefühl / Zeitgeist
2. Technik und Medien
   
Fernsehen, TV-Sendungen, Radio, Tonband, Schallplatte

3. Musikkultur
    Beatmusik, Schlager der BRD und DDR, Karneval 

 

1. Lebensgefühl / Zeitgeist
Der steigende Wohlstand der Bevölkerung in der BRD mündete in eine Konsumgesellschaft. Niedrige Arbeitslosigkeit, erschwingbarer Luxus für jedermann und verbesserte Arbeitsbedingungen lähmten den revolutionären Geist der 68er Studentenbewegung. Auch in der DDR ging es wirtschaftlich aufwärts, auch wenn die Kluft zwischen dem Bürger und der Regierung wegen dem Mauerbau immer tiefer wurde.

Wirtschaftswunder: Dank der Unterstützung der USA ging es in der Bundesrepublik bereits in den 50er Jahren wirtschaftlich bergauf, dem nun ein steiler Anstieg des Lebensstandards folgte. Trotz der luxuriösen Lebensweise stieg die Unzufriedenheit. Die ältere Bevölkerung beklagte, dass immer mehr Ausländer nach Deutschland kamen und die Ostpolitik der Bundesregierung nicht konsequent genug war.
Gastarbeiter: Im Sinne der Wirtschaft holte die CDU-Regierung bereit 1955 Italiener ins Land. Sie wurden für die unattraktiven Jobs gebraucht. Für die schweren und dreckigen Arbeiten folgten 1960 Griechen, Spanier und 1961 die Türken. Obwohl sich inzwischen der deutsche Werktätige für jene Jobs zu Schade war, befürchtete die Bevölkerung große Probleme mit der steigenden Anzahl von Ausländern. Besonders den Türken wurde eine hohe Gewaltbereitschaft und kriminelle Energie nachgesagt. Außerdem wurde ein Anstieg der Arbeitslosen befürchtet.
Arbeitslosigkeit: 1965 sank die Arbeitslosenzahl auf einen historischen Tiefstand (147.000 = 0,7 %), aber bereits 1967 schnellten die Zahlen auf 460.000 (2,1%) hinauf. Wurden bislang Arbeitslose als gesellschaftliche Schmarotzer (Arbeitsverweigerer) angesehen, so änderte sich jene Denkweise erheblich, da Entlassungen keine Seltenheit mehr waren. Das führte dazu, dass die Ausländerfeindlichkeit erheblich anstieg und von der NPD geschürt wurde.
NPD: Die CDU verlor an Zuspruch, da die 1963 gegründete NPD ihre Themen zur Ostpolitik vereinnahmte. Mit kämpferisch revanchistischen Parolen forderten die NPD die deutschen Ostgebiete (Schlesien, Pommern, Ostpreußen) zurück und in ihrer antisozialistischen Hetze, griffen sie verbal nicht nur die DDR-Regierung wegen dem Mauerbau an, sondern auch die SPD, als Wasserträger der Kommunisten. 1966 zogen sie in Bayern und Hessen sogar in den Landtag ein. Große Teile der Bevölkerung waren darüber schockiert und zugleich wurde offensichtlich, wie stark der nationalistische Geist noch in der Bevölkerung schlummerte.
Studentenunruhen: Besonders Studenten reagierten verärgert auf die Großvatergeneration, da diese immer noch nationalistisch und revanchistisch dachte. Der CDU warfen sie ein imperialistisches Denken vor, die den Vietnamkrieg der USA nicht verurteilten und gute Beziehungen zu Terrorregimen unterhielten. Außerdem beklagten sie die Scheindemokratie, wonach die CDU die freiheitlichen Rechte nur zugunsten der Industriellen vertrat. Im Prinzip warteten die Studenten nur auf einen Anlass, um ihren Protest losbrechen zu lassen. Mit dem Schah von Persien wurde ihnen der Grund geliefert. Zahlreiche Jugendliche schlossen sich den Protesten an, darunter auch diverse Rowdys, die keine politische Motivation hatten. Jene Randalierer gaben der Bewegung ein gewaltbereites Image und die Presse forcierte das mit übertriebenen Berichte. Die Medien sprachen von einer Verwahrlosung der Langhaarigen, die im Drogenrausch gesellschaftliche Werte in Frage stellten und eine kriminelle Konfrontation suchten. Solche Berichte trugen erheblich dazu bei, dass die mehrheitliche Bevölkerung der Studentenbewegung ablehnend gegenüberstand. Zudem schaffte es die Studentengruppen nicht klare Aktionsziele zu formulieren. Mit kommunistischen Parolen, Wortklaubereien und endlosen Diskussionen verschreckten sie eigene Mitstreiter, wodurch sich die schleichende Auflösung der Studentenorganisationen vollzog.
Bundestagswahlen: Obwohl die Unzufriedenheit der Bürger anstieg, so waren die Verluste die den Wahlen für die CDU gering. Parlamentarisch war die CDU-Regierung allerdings auf eine Koalition mit der FDP angewiesen. Einerseits warf die Bevölkerung der Regierung Handlungsunvermögen gegenüber den Studenten vor, fürchteten aber andererseits, einen Linkstrend zum kommunistischen Staat. Insbesondere durch die neugründete DKP. Dem Bundesbürger war es auch egal, dass Kanzler Hans Georg Kiesinger früher Mitglied der NSDAP war. In den Augen der Bürger handelte Kiesinger und setzte die Notstandsgesetze gegen die jugendlichen „Chaoten“ durch und drosselte die Arbeitslosigkeit wieder. Für die jüngeren Wähler war er ein Nazi, der auch eine Verjährung von Naziverbrechen durchsetzte. 1969 gewann die SPD mit Willy Brandt die Bundestagswahlen. Mit 42,7% erreichte die SPD bis dato ihr bestes Wahlergebnis. Um jedoch regierungsfähig zu sein brauchten sie die FDP, die sich sowieso mit der CDU zerstritten hatte.
Lebensstyle: Die SPD setzte notwendige Reformen um und hob die Jugend in den Status der gesellschaftlichen Anerkennung. Willy Brandt wurde zum Idol der jungen Generation und Sinnbild einer wirklichen Demokratie. Er stellte die Weichen für ein neues, entspanntes und modernes Jahrzehnt und der Wohlstand stieg weiter an. Die Mehrheit der Jugend wollte nun den Wohlstand genießen und die Elterngeneration akzeptierte neue Lebensweisen, sofern sie nicht gesellschaftsfeindlich abdrifteten. Beatmusik, lange gepflegte Haare und eine eigene Meinung wurden toleriert, aber keine Gammler (dreckige Langhaarige) und Fixer (Drogensüchtige). Mit dem neuen Zeitgeist wurde gesellschaftlich die Gleichberechtigung der Frau propagiert. Mädchen wurden selbstbewusster und ließen sich nicht mehr auf ihre typische Hausfrauenrolle reduzieren. Allerdings gab es erhebliche Unterschiede zwischen Stadt und Land. Bereits die 68er Bewegung fand nur in den Großstädten statt, da in den ländlichen Gemeinschaften die ältere Generation das sagen hatte. Sie ließen auch keine Hippies zu und laute Beatmusik sowieso nicht. In den meisten Dörfern und Kleinstädten war die Zeit in den 60er Jahren stehengeblieben. Die Landjugend konnte zufrieden sein, wenn die Eltern es erlaubten, dass sie den Beatclub (ARD) sehen durften oder modisch hier und da Zugeständ-nisse gemacht wurden. Soweit die alte traditionelle Hierarchie nicht gefährdet, konnte auch die Landjugend wohl dosiert den neuen Zeitgeist genießen. Besonders streng war man gegenüber den Töchtern, die weiterhin zu keuschen Hausfrauen erzogen wurden. Insgesamt entwickelte sich eine zufriedene Gesellschaft, die ihren Wohlstand genoss. Doch Extremisten, wie die RAF, wollten weiter gegen die kapitalistische Ausbeutung kämpfen. 
Beatmusik: Die Musik der Jugendlichen setzte ein rebellisches Aufbegehren frei, gegen die Bevormundung der Elterngeneration und veralteten Sichtweisen. In beiden deutschen Staaten befürwortete die ältere Bevölkerung deshalb ein strenges Vorgehen gegen die Musik und deren Jugendkulte. In der Bundesrepublik war allerdings die Beatmusik, mit all ihren Nebenerscheinungen, zu einem profitablen Wirtschaftsfaktor geworden. Über die Medien wurde deshalb, um mehr Toleranz bei der Eltern geworben. In der DDR fand 1964 das Deutschlandtreffen statt und die Regierung gab sich während des Festivals weltoffen und modern. Musikalisch strahlte der Berliner Rundfunk die Jugendsendung DT 64 aus. Neben den Beatles, waren ebenso die nationalen Beatgruppen zu hören. Jedoch nach dem Festival wurde die Beatmusik, über die Medien zielgerichtet verunglimpft. Am 11. 10. 1965 wurde ein Bericht verbreitet, über die angeblich gewalttätigen Einflüssen bei den Jugendlichen, die in der Beatmusik ihre motivierende Ursache hätten, daher empfehlen Psychologen und auch Pädagogen, als Schutzmaßnahme für die Jugend die Beat-Musik zu verbieten. Das folgende Beatverbot umfasste den Boykott der Beatmusik. Es gab also keine Auftrittsmöglichkeiten für Beatgruppen mehr und in den Medien wurde Beat nicht mehr gespielt. Erst 1968 erlaubte die DDR moderne Töne in der Musikszene und 1969 förderten sie eine eigene Musikszene. Grund dafür, war die positive Erfahrung in Polen und Ungarn mit eine stabile Musikszene, wo sich Fans friedlich verhielten und mit der Musik politisch beeinflussbar waren.
DDR-Wirtschaft: Nach dem Mauerbau ging es in der DDR wirtschaftlich spürbar bergauf, auch wenn die ältere Generation von den Grenzsicherungsmaßnahmen tief erschüttert waren. Zahlreiche Verwandte wurden durch die Grenze voneinander getrennt und dazu behinderte das DDR-Regime verstärkt den Ost-West-Reiseverkehr. Wobei der Grenzverkehr der Ost-deutschen nach Westberlin sowieso stark nachließ, da durch die D-Mark, die Stadt zu teuer wurde. Letztlich war die DDR-Bevölkerung willkürliche Maßnahmen vom SED-Regime gewöhnt und wussten, wie rigoros die Staatsmacht vorgehen konnte. Somit verstummten die Proteste schnell auf die private Ebene, da es keinen Sinn machte gegen Windmühlen zu kämpfen. Die DDR-Bürger lebten stattdessen seinen privaten Spielraum (Parallelgesellschaft) aus. Neben der wirtschaftlichen Wirkung der Grenze, wirkten sich die Veränderungen in der Welt positiv auf den sozialistischen Handel aus und verbesserten merklich den Wohlstand. Natürlich konnten sich die Lebensbedingungen der DDR, nicht mit dem Luxus in der BRD messen, aber das Warenangebot wurde vielfältiger und exzellenter. Allerdings waren Luxusartikel, wie Südfrüchte oder Bohnenkaffee entsprechend teuer. Dagegen wurden Grundnahrungsmittel subventioniert und waren somit für jeden bezahlbar. Trotz steigenden Lebensstandards standen große Teile der Bevölkerung den Regierenden reserviert gegenüber. Besonders die älteren Generationen, misstrauten der SED, aufgrund der politischen Vergangenheit und der Gegenwart. Die Partei setzte daher auf die Jugend.
Vorzeigestaat: Beide deutschen Staaten galten als Musterstaat ihres politischen Systems. Die BRD warb mit einer freiheitlichen Demokratie für den Kapitalismus gegenüber dem Sozialismus. In Europa genoss die BRD den höchsten Wohlstand und stieg weltweit als beliebter Handelspartner auf. Der Wohlstand in der BRD wurde als Resultat einer hohen wirtschaftlichen Kompetenz gesehen. Immer mehr Staaten in Afrika und Asien eiferten jenem System nach und holten Wirtschaftsfachleute aus der Bundesrepublik, wodurch auch der politische Einfluss wuchs. Jenen Einfluss nutzte die BRD, um ihren Alleinanspruch, als einziges rechtmäßiges Deutschlands durchzusetzen und daher die DDR kein souveräner Staat ist. Mit der Hallstein Doktrin (1955) wurde der DDR- Regierung die Rechtmäßigkeit abgesprochen und somit sah sich die BRD als Vertreter des Volkes in der DDR an. In diesem Sinne wurde international eine Anerkennung der DDR als unfreundlicher Akt gegenüber der BRD gewertet. Aufgrund der Handelsbeziehungen kamen viele Staaten der Doktrin nach.
Die DDR schaffte es zunehmend ihren Anspruch als souveräner Staat durchzusetzen. Als sozialistischer Vorzeigestaat gepriesen, genoss das Land den höchsten Lebensstandard im sozialistischen Staatenbund. Obwohl der Wohlstand in der DDR nicht mit dem in der BRD vergleichbar war, beeindruckte er insbesondere arabische Staaten. Eine Reihe von Handels- und Kulturabkommen konnten international geschlossen werden. Die beabsichtigte Isolation durch die Hallstein Doktrin wurde immer brüchiger und auf Umwege umgangen. Nachdem kapitalistischen Staaten, wie Frankreich und Schweden kulturelle Beziehungen mit der DDR aufnahmen, würde der anerkennende Wandel im sportlichen Bereich sichtbar.
Sport: Bei den Olympischen Spielen dauerte es bis 1968, ehe die DDR als eigenständiges Land antreten durften. Zuvor durften DDR Sportler nur im Rahmen eines Gesamtdeutschen Teams starten. Im Fußball wurde die DDR schon in den 50er Jahren, als eigenständiges Team anerkannt, obwohl westeuropäische Teams im Vorfeld erklärten nicht gegen die DDR anzutreten. Insgesamt gehörten die Deutschen zu den großen Sportnationen der Welt, wobei die DDR bei den Olympischen Spielen erfolgreicher war als die BRD. Dafür wuchs die BRD zur Fußballmacht heran und wurden 1966 Vizeweltmeister und 1970 Europameister. Die Bilanz der DDR sah dagegen mager aus und Funktionäre mischten sich in den Sport ein. Mit ihren Maßnahmen verursachten sie Missstimmungen und zerstörten fahrlässig positive Ansätze. Erst als sich die SED-Funktionäre zurücknahmen, verzeichnete der DDR-Fußball einen positiven Aufwärtstrend.
Grundsätzlich war jeder direkte oder indirekte sportliche Vergleich zwischen der DDR und der BRD immer ein Politikum und begeisterte somit die deutsche Bevölkerung.

2. Technik und Medien

Fernsehen:

Fernsehen rückte in den Mittelpunkt der privaten Freizeitunterhaltung und hatte anfangs einen kommunikativen Effekt. Freunde, Verwandte und Nachbarn versammelten sich vor der Glotze und sie schauten sich beliebte Sendungen gemeinsam an. Sport- und Unterhaltungs-sendungen wurden besonders gern gesehen. 1965 besaßen in der BRD etwa 10 Mio. Bürger einen Fernseher, dass entsprach etwa 60 % aller Haushalte, die ein TV-Gerät besaßen. In der DDR sah es ähnlich aus. Mit der Verbreitung und technischen Verbesserung der TV-Geräte erhöhte sich der Anteil, wodurch sich aber der Zuschauerkreis auf die Familie beschränkte. Allerdings waren in der Öffentlichkeit die TV-Hits immer ein Gesprächsthema, zumal die Sender-Auswahl begrenzt war. Die Sehbeteiligung von TV-Hits, lag schätzungsweise bei 80%, auf der Basis von Befragungen oder Post-Resonanz (noch keine TV-Quoten).

- TV-Geräte: Standard waren Schwarz-Weiß Geräte, die technisch besser wurden, vor allem Bildgröße und Bildqualität. In der DDR kostete ein TV-Gerät um die 1.000 Mark und das spätere Farbfernsehgerät um die 5.000 Mark. Zum Standard gehörten Drehknöpfe zum Einstellen der Kontraste, Helligkeit und der Sender. Erst zum Ende des Jahrzehnts gab es TV-Geräte mit Tasten (meistens 6), die eine Programm-Voreinstellung ermöglichten.

- TV-Sender: DFF 1 (DDR); ARD und ab 06. 06. 1962 das ZDF, sowie am 01. 04. 1963 die regionalen 3. Programme // 03. 10. 1969 führte die DDR das DFF 2 ein // Hauptsendezeit der 1. Programme: 15.30 Uhr bis 22.30 Uhr in der Woche und am Wochenende 9 Uhr bis 24 Uhr; das DFF sendete in der Woche von 8 Uhr eine Schulfunksendung und ab 10 Uhr wurde eine Sendung des Abendprogramms für Schichtarbeiter wiederholt; die ARD folgte dem Beispiel und strahlte ein Vormittagsprogramm ab 10 Uhr aus // Hauptsendezeit der 2. und 3. Programme: in der Regel zwischen 18 bis 22.30 Uhr

- TV-Empfang: Für das ZDF und das regionale 3. Programm, war eine Extraantenne für die VHF-Frequenz nötig. DDR-Zuschauer konnten bis 1969 mit den UHF-Frequenzen nur die ARD und DFF 1 empfangen. Mit einem Konverter (techn. Zusatzgerät) war später der Empfang von VHF-Frequenzen möglich. Im ungünstigsten Fall brauchte man 4 Antennen. Das Anbringen und Ausrichten der Antennen auf dem Dach, war meisten eine gefährliche und vor allem zeitraubende Tätigkeit. Nach jeden heftigen Unwetter (Sturm) drohte ein erneutes Ausrichten der Antenne. Am TV-Gerät musste zudem der Sender über einen Drehknopf eingestellt werden (keine Fernbedienung). Zur besseren Justierung boten die TV-Sender außerhalb der Sendezeit ein Testbild mit Piepton an, um optimal das Bild und den Ton einstellen zu können (Antenne & TV). Trotzdem konnten verschiedene Umstände (Gewitter, Flugzeug) dazu führen, dass der Sender neu eingestellt werden musste und wollte man zu einen anderen Sender umschalten sowieso.
Farbfernsehen: Am 25.08. 1967 wurden im BRD-Fernsehen erste Farbsendungen ausgestrahlt, die DDR folgte 03.10. 1969. Die DDR verwendete allerdings das französische Farbsystem SECAM, dass aber nicht mit dem BRD Farbsystem PAL kompatibel war. Beliebte Farbsendungen des BRD Fernsehens konnten DDR-Bürger deshalb nur in einer miserablen Bildqualität sehen, daher war es oft besser auf Schwarz/Weiß Technik umzuschalten.

- TV-Programme: Eine feste Programmstruktur erleichterte, ohne Programmzeitschrift, das Navigieren zu bestimmten Sendungen (Samstag 20.15 Uhr immer eine Showsendung oder Freitag war Krimizeit). Da die einzige DDR-Programmzeitschrift „FF-Dabei“ nicht das TV-Programm der BRD abdruckte, strahlte die ARD eine Programmvorschau für die DDR-Bürger aus, Fernsehen zum Mitschreiben. Die TV-Zeitschriften der BRD druckten auch das Programm-Angebot der DDR, Österreich (ORF) und der Schweiz (SRG) ab.

- deutsche Krimiserien: „Stahlnetz“ (BRD) und „Blaulicht“(DDR)

- Beliebte internationale Krimiserien (Freitag 21.15 Uhr nach dem Bericht aus Bonn)
  „Kobra übernehmen sie“, US-Agentenserie, 171 Episoden, gesendet ab September 1966
  „Mit Schirm, Charme und Melone“, britische Detektivserie mit Humor und Emma Peel
  „Der Mann mit dem Koffer“, britische Krimiserie, um einen US-Agenten
  „Auf der Flucht“, absoluter Straßenfeger; in der US-Serie flüchtet Richard Kimble vor der
    Polizei und versucht in 120 Episoden der wahren Mörder seiner Frau zu finden

- beliebte ARD-Unterhaltungssendungen:
  „Einer wird gewinnen“, internationale Rate-Spiel Show mit Hans Joachim Kulenkampff   
  „Hotel Viktoria“, Vico Torriani empfängt musikalische Gäste im fiktiven Hotel 
  „Die Rudi Carell Show“, Themensendung mit Musik und Humor und Rudi Carell
  „Zum Blauen Bock“, Heinz Schenk lädt zum fröhlichen Nachmittag mit Äppelwoi ein
  „Haifischbar“, maritime Unterhaltung, mit viel Shanty-Musik und Humor

- beliebte Sendungen des DFF
  „Da lacht der Bär“, humorvolle Unterhaltungssendung mit viel Schlagermusik
  „ Klock 8, achtern Strom“, Unterhaltung im Hafenkneipen-Milieu
  „Zwischen Frühstück und Gänsebraten“, Weihnachtsshow zwischen 11 und 13 Uhr
  „Tipp-Parade“, Schlagersendung mit Hitparadencharakter

- beliebte Musiksendungen:
  „Beatclub“, Popsendung der ARD mit aktueller Beatmusik am Samstagnachmittag
  „Musik aus Studio B“, Chris Howland präsentierte aktuelle Schlager und Chansons
  „ZDF Hitparade“, ging 1969 auf Sendung und wurde die erfolgreichste Schlagersendung

Radio

Das Radio war ein beliebter Tagesbegleiter, auch wenn der Anteil an Unterhaltungsmusik gering war. Publizistische Beiträge (Politik, Beratungen, Tipps), Informationen, Sport und klassische Musik (Oper, Konzert) dominierten. Beliebt waren die wenigen Sendungen mit Hörspielen und Musiksendungen mit Schlagern, Seemannsliedern oder volkstümlicher Blasmusik (meistens Abends). Dagegen waren Sendungen mit qualitativ höherer Musik, wie Chansons, Jazz und Soul öfter zu hören. Die Mehrheit der Bürger wollte Unterhaltungsmusik hören und deshalb schalteten sie Radio Luxemburg ein, die als einziger Sender durchweg Musik brachten. Leider war der Anteil von Werbung sehr hoch und in der DDR konnte der Sender meistens nur über die störanfällige Kurzwelle gehört werden. Für jugendliche Hörer gab es anfangs kaum Sendungen, aber mit dem Beat verbesserte sich das Angebot.

Erste Jugendsendungen:

1964: DT64 (DDR) – integriert im Programm vom Berliner Rundfunk; sendete Montag bis Freitag zwischen 17 und 19 Uhr;
          Hauptanteil politische Agitation; Jugendmusik war 
vorrangig national oder aus sozialistischen Staaten (Ungarn, Polen, CSSR)

1967: SF-Beat (BRD): jene Jugendsendung ist ein Beispiel vom Berliner Raum, den fast alle Rundfunkastalten der BRD richteten eine
          Jugendsendung ein; der SFB strahlte 
die Jugendsendung zwischen 18 und 19 Uhr; Wortbeiträge dominierten und die Musik sollte
          anspruchsvolle Musik sein (Soul, Jazz und Blues)

1968: RIAS-Treffpunkt (BRD) – RIAS ein Westberliner US-Sender; sendete von 16.30 bis 18 Uhr; Hauptanteil waren aktuelle
          Gespräche, Kommentare, Meinungen; die Musik 
war international aktuell, mit einer Vorliebe für künstlerisch wertvoller Musik,
           wie Soul, Jazz und Blues; vermieden zunehmend POP-Musik (Beat)

Anmerkung: Den DDR-Bürgern war eine Kontaktaufnahme zu Westsendern nicht erlaubt. Daher wurden Briefe oder Autogrammwünsche
an Westsender von der DDR-Post aussortiert. Der Sender RIAS bot deshalb den Zuhörern im Osten ständig wechselnde Privatadressen an,
worauf die DDR Post nicht reagieren konnte und somit Briefe an den RIAS Sender ankamen.

Jugendhitparaden in Deutschland

1947 geht RIAS Berlin mit den „Schlagern der Woche“ auf Sendung und bot zunächst Mitschnitte von AFN; bediente später mehr den
Hörergeschmack der Elterngeneration; ab 1968 wurden neben den Top 7 des Schlagers auch die internationalen Top 7 präsentiert;
ab1972 waren die Chats eingleisig und da internationale Pop-Hits 
dominierten, bot der RIAS eine zusätzliche Schlagerhitparade an

1958 präsentierte Radio Luxemburg, als erster deutschsprachige Sender Hitparaden, die im gesamten Bundesgebiet gehört werden
konnten; mit den „Großen Acht“ trennten sie jeweils internationale und nationale Hits auf der Grundlage von Verkaufscharts und die
Hitparade am Sonntag waren reine Hörercharts

1965 ging der Deutschlandfunk mit dem „Schlagerderby“ an den Start, in dem bunten Musikmix, wurden auch Songs der Popmusik für
die Hörerhitliste vorgestellt und begannen zu dominieren

Um 1967 begannen die ARD-Radiosender mit der Ausstrahlung von Hörercharts für Jugendliche; der SFB, im Berliner Raum, sendete
„Hey Music“ und war eine der ersten Jugendhitparaden 

Übrigens: Hörercharts wurden über die Zuhörer-Abstimmung per Postkarte erstellt

Musik-Technik

Kassettenrecorder: Die Firma Philips brachte 1963 das erste Gerät heraus, mit den dazugehörigen Kassetten. Wurde schnell
bei Jugendlichen beliebt, auch wenn die Aufnahmen am 
Anfang nur über ein Mikrophon möglich war (extrem störanfällig).
Mit einem Koaxialkabel 
und einem modernen UKW-Radio waren qualitativ gute Aufnahmen möglich. Vorteil war das
ndividuelle Zusammenstellen der Lieblingsmusik und ersparte den Plattenkauf, zumal 
es in der DDR keine westlichen
Popplatten zu kaufen gab.

Tonbandgeräte (Stereo): Jene Geräte garantierten einen hochwertigeren Klang und eigneten sich hervorragend für private
Partys. Allerdings waren Spulentonbandgeräte recht teuer und 
für Jugendliche unattraktiv, da sich die Geräte schwer
transportieren ließen, Strom brauchte und zudem verweigerten die Eltern Beatpartys im heimischen Umfeld.
Mit Kassettengeräten 
waren Jugendliche unabhängiger (batteriebetriebene Kleingeräte).

Schallplattenmarkt: Da es in der DDR keine Westplatten mit Popmusik gab, hielt sich der Verkauf von Schallplatten und
Abspielgeräten in Grenzen. Überhaupt, wurde in der DDR lediglich der Bedarf an Schallplattenmusik gestillt, aber ökonomisch
gesehen, betrachtete die Regierung das Herstellen von Platten als Rohstoffverschwendung. Aus diesem Grund gab es 
in der DDR
berwiegend Sampler LPs, mit Liedern die zuvor erfolgreich im Radio liefen.

Übrigens, eine Single teilten sich oft zwei Musiker (A-Seite/B-Seite). 
In der BRD dagegen explodierte der Schallplattenmarkt und alle Lieder, die einen profitablen Umsatz versprachen wurden
produziert. Wobei erst im Laufe der 60er Jahre das Angebot rasant Anstieg und besonders der Verkauf von Singles lukrativ wurde.
ine Single kostete zwischen 4 und 5 DM und war für Jugendliche erschwinglich, da eine LP dagegen mindestens 
15 DM kostete.
Die Single hatte den Vorteil, dass man sich seine Musik gezielt nach seinem 
Geschmack kaufen konnte. Daher wurden Singles-
Verkaufscharts für die Musikindustrie immer wichtiger. Es wurde anhand der Charts ein Verkaufstrend sichtbar und die Popularität
eines Künstler oder Liedes. Wurden bisher die Charts nur monatlich ermittelt, so änderte sich das 1965 auf einen 14-tägigen Zyklus.

Am Schallplattenmarkt waren auch Jugendtrends ablesbar und hatten einen weitreichenden wirtschaftlichen Einfluss.
Es florierte das Geschäft mit Fan-Artikeln, der angesagten Jugend-
Mode und dem enormen Umsatz bei Popkonzerten. Coca Cola
wurde zum Jugendgetränk und die „Bravo“ ihre Zeitschrift. Immer mehr Diskotheken entstanden und die Filmindustrie versuchte
filmisch den Geschmack der Jugend zu bedienen. Popmusik wurde zu einem viel-seitigen Wirtschaftsfaktor und wurde nur
gesellschaftlich gebremst, da die ältere Generation 
in vielerlei Hinsicht die Werte von Sitte und Moral gefährdet sah.

3. Musikkultur:
Beat-Musik bestimmte durch die Jugend zunehmend den Schallplattenmarkt. Die bisherigen Musikgeschäfte (mit Instrumentenverkauf) reichten nicht mehr aus und so entstanden die ersten reinen Schallplattenläden. Immer stärker verdrängte die moderne Musik (Schlager, Pop), die anderen Stilrichtungen, wie Klassik, Jazz oder Chansons. Die ehemalige Dominanz der Kulturmusik zur Unterhaltungsmusik kehrte sich um. Verkaufscharts wurden zum Gradmesser der Unterhaltungsbranche und andere Wirtschaftsbereiche profitierten vom Trend. Die Plattenfirmen versuchten anhand der Charts den Geschmack der Jugend zu erforschen. Hatte bislang die Schallplattenindustrie mehr auf einen erfolgreichen Song im Radio reagiert, so ergriffen sie nun die Initiative und veröffentlichten erfolgversprechende Songs. Es ging für die Plattenlabels darum Markführer zu werden und mit ihrem Image, den höchstmöglichen Umsatz zu haben. Für die Musikbranche wurden Verkaufscharts deshalb ein wichtiger Gradmesser. Radio Luxemburg war hierbei ein Vorreiter und bot mit „Die Großen Acht“ die ersten kommerziellen Verkaufscharts an. Basierend auf eine Auswahl an repräsentativen Schallplattengeschäften in der BRD wurden die Charts ermittelt und analysierten am Samstag den Schallplattenverkauf, der acht meistverkauften Schlager und internationalen Pophits. Neben den Verkaufscharts wurden jugendliche Hörercharts für den Markttrend sehr wichtig, da die Radiocharts nicht identisch mit den Singlecharts waren.

Beatmusik: 

Anfang der 60er Jahre blieb vom ursprünglichen Rock’n Roll nur noch seichter Schlagersingsang übrig und selbst Elvis Presley kam als Schmuserocker daher. Vielleicht lag es daran, dass Rock’n’Roll in Deutschland eine Randerscheinung blieb oder weil den Eltern der seichte Teenagerrock gefiel. Schräger und lauter schwappte die britische Beatmusik über Hamburg ins Land und begeisterte die Jugend. Die Gesellschaft erhoffte sich in der Beatbe-wegung eine gleiche Entwicklung, ein Strohfeuer, das schnell erlischt.
Es war kein Zufall, dass sich der Beat über Hamburg verbreitete. In der größten Hafenstadt Deutschlands pulsierte ein buntes Leben und die Bewohner waren schon immer multikulturell aufgeschlossen. Obendrein waren die Briten nicht nur ehemalige Besatzungsmacht, sondern es verband sie eine Wesensverwandtschaft. Die Briten teilten mit den Norddeutschen eine ähnliche Kultur und Folklore und klangen im sprachlichen Gebrauch (Dialekt) sehr ähnlich. Darüber hinaus bestand eine besondere Partnerschaft zwischen Liverpool und Hamburg, wo-durch beide Städte zu den Geburtsorten der Beatmusik gezählt werden müssen.
Der Liverpooler Merseybeat wurde über den Hamburger Star Club bekannt. Die legendären Beatles erworben sich dort ihr musikalisches Rüstzeug und aus jenen Erfahrungen formten sie ihren unverkennbaren Beat. Neben ihrer Musik bauten sie sich ein Image auf, als flippige, herumblödelnde Jungs, die noch unreif und jegliche Ernsthaftigkeit vermissen ließen. Dieser Ruf machte sie aber liebenswert und als die britische Königsfamilie die Beatles zu sich einlud, wurde ihr gesellschaftlicher Status enorm aufgewertet. Fans eiferten den Beatles nach und erworben sich das Image nett verrückt zu sein, eine Jugend, die sich erst einmal austoben und ausprobieren wollte. Die Beatles wurden besonders von den Mädchen umschwärmt, wogegen die Jungs mehr die frechen Rolling Stones mochte. 
Die Beatmusik wurde jedoch zum Ventil der eigenen Unzufriedenheit und motivierte das Selbstwertgefühl. Die gelegentlichen Frechheiten wurden der jugendlichen Unbedarftheit zugutegehalten. Trotzdem sich die Gesellschaft um Toleranz bemühte, hatte besonders die ältere Generation auf dem Lande für die Beatjugend wenig Verständnis. 
In beiden deutschen Staaten gründeten sich Beatgruppen. Sogar Talentwettbewerbe wurden hier und da veranstaltet, wobei die Bands meistens ihre englischen Vorbilder kopierten.
In der DDR gab es die staatliche Auflage in Deutsch zu singen, was für ein Beatmusiker ein Unding war. Aber andererseits konnte kaum jemand englisch, da in den DDR Schulen primär Russisch als Fremdsprache gelehrt wurde. Versuche die Beathits nachzusingen, scheiterte auch daran, da man in der DDR nicht an die Originaltexte kam. Wenn also eine Band einen Beatsong nachspielte, so kam meistens nur ein Kaudawelsch dabei heraus, was nur englisch klang. Auf privaten Partys störte das keinen, zumal man ohnehin nur wusste, was das Lied inhaltlich zum Thema hatte.
Über die Londoner Szene war sowieso der Gitarrensound populär und kam den Beatbands in der DDR sehr gelegen, wie den Sputniks oder der Theo Schumann ComboIn der Bundesrepublik wurden Gruppen, wie die Rirots, Yankees, Boots, Krouth und German Bond bekannt. Doch hüben wie drüben gelang es den Bands noch nicht, einen eigenen Stil zu entwickeln. Zu den bekanntesten Ausnahmen wurden die Lords und Rattles, die es schließlich in die Verkaufscharts schafften. Der britische Beat dominierte ansonsten klar die Hitparaden.
Seit 1963 wurde es zur regelmäßigen Tradition, dass angesagte Popkünstler ihre Hits auch in einer deutschen Fassung anboten. Den Anfang machte Cliff Richard mit seiner deutschen Version zu „Lucky Lipps“. Der Erfolg von deutschsprachiger Popmusik inspirierte Produzenten, wie Christian Bruhn, Werner Scharfenberg und Henry Mayer einen eigenen deutschsprachigen Beatsong anzubieten.
1965 sang sich Drafi Deutscher mit „Marmor, Stein und Eisen bricht“ an die Spitze der Charts und wurde ein Megaseller. Die Hardliner der Beatfans degradierten ihn zwar zum Schlagersänger, aber Drafi sang sich mit weiteren Titeln in die Herzen der Beatfans. Die Produzenten erkannten die verkaufsfördernde Wirkung vom eingebauten englischen Text-passagen. „Shake Hands“, „Kiddy, Kiddy Kiss Me“ oder „Keep Smiling“, reichten aus um den deutschsprachigen Beat poppiger zu machen. Drafi Deutscher legte sich dazu noch Verkaufsfördernd einen englischen Akzent zu und wurde als Beatsänger akzeptiert.
In der Folgezeit gab es ähnliche Versuche von anderen Sängern, aber populär wurden mehr angesagte ausländische Stars. Die deutschsprachigen Songs von Paul Anka, Cliff Richard, Graham Boney, und Ricky Shayne wurden Chartshits. Im Zuge der internationalen Welle wurde ebenso Peggy March, Rita Pavone, Kirstin, Mirelle Mathieu, Salvatore Adamo und Adreano Celentano bekannt. Insgesamt erfreute sich der jugendorientierte Schlager großer Beliebtheit und förderte vor allem eine große Flexibilität im musikalischen Geschmack der Jugend. Kann man Mirelle Mathieu noch als Grenzfall betrachten, so ist Roy Black definitiv ein Schlagersänger und dennoch tauchte er in manchen Hörercharts neben den Beatles und den Rolling Stones auf.
Insgesamt war die wilde Zeit des krachigen Beats vorbei und die Beatles sangen 1965 ihr melodisches „Yesterday“ und versöhnten den Beat mit der Elterngeneration. Die Mehrheit der Jugend sah noch keinen Widerspruch zwischen Beat und Schlager, nur die textliche Aussage musste zum Weltbild passen. Die Stars der Beatjugend waren nicht in eine musikalische Schublade zu packen. Das Beatgirl Peggy March begeisterte mit modernen Beatklängen („Canerbystreet“) genauso, wie mit einem verträumten Schmusesong „Wenn der Silbermond auf die Reise geht“.
International schockten die Rolling Stones (“Satisfaktion“) und die Who („My Generation“) mit ihrem aggressiven Sound den braven Bürger. Nachdem, wegen den Stones die Berliner Waldbühne zerlegt wurde, geriet die gesamte Jugendmusik in eine heftige Kritik. Die ältere Generation forderte vehement ein Verbot der Beatmusik. Die Elterngeneration begann zu unterscheiden, zwischen den bösen Buben der Beatmusik und den nur frechen Jungs. Das gleiche galt für die Jugendbewegungen und Trends. Doch egal, wie die Erwachsenen es auch sahen, die Jugendlichen ließen sich nicht in ihren Musikgeschmack hineinreden und wollten ihre Art zu leben ausprobieren. So klagten Gammler, Hippies und Studenten die spießigen  Lebensformen an und revoltierten bewusst gegen gesellschaftliche Zwänge und Normen.
Die Schlagerszene machte sich einerseits sarkastisch lustig darüber (Bill Ramsey „Verlieb dich nie in ein Hippiemädchen“) oder klagten an (Freddy Quinn „Wir - schämen uns für euch“). Musikalisch, wie auch gesellschaftlich, eskalierte nun der Widerspruch zwischen Jung und Alt und mündete in die 68er Bewegung. Der Jugendschlager hatte ausgedient und die Jugend schöpfte aus der progressiven Popmusik den rebellischen Geist. Dabei entwickelte sich der aggressive Hardbeat zum Hardrock und aus der Folkmusik wuchs die progressive Liedermacherszene heran. Bob Dylon und Joan Beaz fanden in ihren Liedern deutliche Worte und klagten Frieden (Vietnamkrieg), Freiheit (politische Gefangene) und Gerechtigkeit (Frauen- und Bürgerrechte) ein.
Über die Politik förderte der Musikmarkt eine gefällige Popmusik, die ein paar kesse Töne zuließ, um die Jugend friedvoller zu stimmen. Sehr verärgert war die Politik über Radiostationen, die jene aufsässigen Songs spielten. In Westeuropa waren es die Piratensenderdie auf Schiffen über die Nordsee den Jugendgeschmack bedienten. Sie entzogen sich dem staatlichen Zugriff und es dauerte eine Weile, bis die Marine ermächtigt wurde gewaltsam zu handeln. Bisher verhinderten rechtliche Verfahren und Eilanträge das Einschreiten, zumal einige Unternehmen ihre Produkt-Werbung über die Piratensender ausstrahlten. Bis 1970 mussten die illegalen Piratensender ihren Betrieb einstellen, aber es gab noch bis 1990 Sender (Radio Caroline), die legal auf dem Meer senden durften.
Die Bundesrepublik belebte gegen Ende der 60er Jahre den Jugendschlager wieder neu und kommerzialisierte den Hippiekult in genehme Bahnen. Die Beatmusik war inzwischen zum Schlager geworden, da die Jugend für sich den Hardrock entdeckte.

BRD- Schlager: 

Am Anfang der 60er Jahre war der Bundesbürger vom Wirtschaftswunder gefangen und lebte euphorisch seine Gefühlswelten aus. Mit den Schlagern packte sie farbenfroh das Fernweh, verloren sich irreal in überzogene Liebesträume oder amüsierten sich bei den grotesken Liedern, über deren Stimmigkeit man lieber nicht nachdenken sollte. Es war auch die Zeit, in der zahlreiche ausländische Interpreten den Schlager bereicherten. Unterschwellig hatten die Deutschen das Gefühl als würde sich die Welt vor ihnen verneigen, wenn die Interpreten unterschiedlichster Herkunft ihren Akzent deutlich anklingen ließen.
Mit humorvollen Liedern machten die Amerikaner Bill Ramsey, Gus Backus, Billy Mo und der Engländer Chris Howland auf sich aufmerksam. Gefühlvoll, mit weinerlicher Stimme wurde die US-Sängerin Connie Francis ein beliebter Schlagerstar. Die Österreicherin Lolita und die deutsche Lale Anderson waren musikalisch auf dem Meer zu Hause und die Griechin Nana Mouskouri brachte weiße Rosen aus Athen.
Für die Stars der 50er hieß es langsam Abschied nehmen. Freddy Quinn hatte 1963, mit „Junge komm bald wieder“, noch einmal einen Superhit. Insgesamt war jedoch seine große Zeit vorbei, schaffte es aber immer noch in den Charts präsent zu sein. Catharina Valente schaffte es nur noch 1962 in die Top Ten. Die Schlagerrock’n‘Roller Connie Froboess und Peter Kraus versuchten einen erfolgreichen Stilwandel zum renommierten Schlager. Im Gegensatz dazu verstand es Peter Alexander populär zu bleiben. Anfang hatte er großen Erfolg mit den deutschen Versionen zu Elvis Presley Songs, blödelte dann mit dem Bade-wannentango und wurde dann mit Bravour die deutsche Antwort auf Tom Jones. Förderlich auf den Erfolg wirkten sich die zahlreichen Musikfilmkomödien aus („Im weißen Rösl“, „Charlies Tante“, „Hurra, die Schule brennt“ u. v. a.).
Vom Anfang der 60er Jahre sollte nicht der Romantiker Bernd Spier, die rundliche Ulknudel Trude Herr und der Komiker des Wortes Heinz Erhardt vergessen werden. Mit dem Beat kam nicht nur der Beatschlager, sondern eine Generation mit jungen Talenten und die Lieder wurden textlich lebensnaher. Siw Malmquist belehrte augenzwinkernd, dass sich Liebes-kummer nicht lohne und Manuela, gab den Bosa Nova die Schuld an allem. Peggy March gestand ihre Träume mit siebzehn und Udo Jürgens war verzaubert von einem 17-jährigen blonden Mädchen. Mit folkloristischer Lagerfeuerromantik nahm Ronny seine Zuhörer mit in die Prärie und munter kam Wenke Myhre daher, die 1966 vor Äpfeln warnte. Ein echtes Seelendessert boten die Nilsen Brothers mit „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ und auch Roy Black streichelte und umgarnte die weibliche Seele. Die Boulevardpresse priesen die Dänin Gitte Henning und Rex Gildo als Traumpaar an, was aber nie der Fall wurde. In den wenigen Filmkomödien spielten sie stets ein verliebtes Paar und beeindruckten besonders mit ihren gefühlvoller Duetten, wie “Stadtparklaternen.“
Im Zuge der wachsenden Popularität von französischen Chansons, wie von Jacques Brell, Charles Asnavour und Gilbert Becaude, stürmten französischen Interpreten in die Schlagercharts. France Gall („Wir sind keine Engel“) und Françoise Hardy („Frag den Abendwind“) wurden beliebte Dauergästen in den Charts und waren auch bei Jugendlichen beliebt. Die ältere Generation mochte mehr Mirelle Mathieu, die zum Weltstar wurde und Salvatore Adamo, mit seinen netten Chansons mit einem ironischen Augenzwinkern. Neben den französischen Interpreten wurde Britin Petula Clarke, meist englisch singend, zu einem Star und Dorthe und Anna Lenna, aus Dänemark versprühten Lebensfreude. 
Auch die 68er Bewegung ging nicht spurlos an den Schlager vorbei und einige nachdenkliche Schlager machten die Runde. „Welche Farbe hat die Welt“ (Drafi Deutscher), „Sag mir, wo die Blumen sind“ (Marlene Dietrich) und „Hundert Mann und ein Befehl“(Heidi Brühl) sind die bekanntesten Beispiele. In ihrer Einfachheit, die schon fast naiv klang, klagten die Lieder insbesondere den Vietnamkrieg an. Freddy Quinn interpretierte das Lied „Hundert Mann und ein Befehl“, aus Sicht eines Soldaten und betont die heroische Kriegspflicht. Das Lied heißt im Original „The Ballad Oft The Green Berets“ (von Robin Moore) und handelt von einer US-Spezialeinheit im Vietnamkrieg und wurde auch als Filmmusik verwendet. Aus diesem Grund wurde Freddy unterstellt, dass er die kommunistischen Vietkong dafür verurteilt, dass US-Soldaten in den Krieg ziehen müssen. Mit dem Lied „Ein Hand voll Reis“ erhärtete sich jener Eindruck. Im Gegensatz dazu, erzählt Heidi Brühl das Lied aus Sicht eines Mädchens und stellt Krieg grundsätzlich in Frage und ist daher ein wirkliches Antikriegslied.
Freddy Quinn verärgerte mit dem Lied „Wir“ endgültig die Jugend. Mit erhobenem Zeige-finger schämte er sich, mit drastischen Worten, über eine verwahrloste Jugend. 
Der Schlager teilt sich damit in Musik für ältere und jüngere Zuhörer. Die Schlager von Freddy, Heino oder Ronny begeistern  nur noch die älteren Semester. Mit Heintje singt sich ein 12-jähriger Niederländer in die Herzen der Mütter und Omas. Sein Erfolg ist auch der Zeit geschuldet, wo er Sehnsüchte und Wünsche der Mütter für ihre Kinder weckte, gegenüber einer Jugend die zu entgleisen drohte. In zahlreiche Musikfilme suggerierten die Medien der Jugend, wie schön eine heile Welt sein kann, mit intakter Sitte und Moral. Neben Heintje und Roy Black, stieg der smarte Charmeur Chris Roberts zum Ideal eines Jugendlichen auf, den die Mütter liebten. Chris Roberts wurde zu einem Grenzfall, da er nicht zu bieder herüberkam, da er sich kleidungstechnisch dem Hippie-Image näherte. Die Blumenkinder erlebten in der Bundesrepublik eine Renaissance, das sich besonders modisch niederschlug. Wenke Myhre besang ihr „Flower Power Kleid“ und Peggy March machte Reklame für die „Carnabystreet“.
Die adrette Hippiemode und der kommerziell geprägte Kult dazu, hatten mit der früheren Hippiebewegung nur wenig gemein. Mit den modernen jugendlichen Liedern wurden versucht die Jugend in gewünschte Bahnen zu lenken. Der Jugendschlager sollte rhythmisch sein und textlich unterschwellig die alten Werte vermitteln. So sehnte sich Peter Orloff nach einem Mädchen für immer (Ehe) und Graham Boney wünschte sich Siebenmeilenstiefel. Die Ehe wurde angepriesen, statt sexuelle Freiheit und so flehte Christian Anders seine Liebste an, nicht vorbei zu gehen.
Im Bereich des Schlager dominierten letztendlich die Stars der älteren Generation. Auffällig waren dabei stimmgewaltige Lieder, wobei der Entertainer Peter Alexander, mitKomm und bediene dich bei mir“, „Delilah“, „Der letzte Walzer“ und „Liebesleid“, gleich vier große Hits verbuchen konnte. Mit Liedern, wie „Weißt du wohin?“ oder „Lady Carneval“ wurde der Tscheche Karel Gott zum internationalen Star und wurde als die „Goldener Stimme aus Prag“ bezeichnet. Alexandra stürmte mit den melancholischen Liedern „Sehnsucht“ und „Mein Freund der Baum“ die Hitparaden. Sie starb viel zu jung 1969 bei einem Verkehrsunfall. Letztendlich sollte Udo Jürgens nicht unerwähnt bleiben, der mit unterschiedlichen Lieder von sich reden machte, die mal heiter und mal getragen waren. 

DDR - Schlager:

Um 1960 war Bärbel Wachholz der absolute Schlagerstar. Dennoch gab es neben ihr eine Reihe von Interpreten, die ebenso populär waren. Bei den Sängerinnen waren es Helga Brauer, Jenny Petra, Ruth Brandin und Rica Dèus. Bei den Sängern, waren speziell Lutz Jahoda, Günther Geißler und Hartmut Eichler bekannt. Über den Bühnenerfolg von Operette und Musical machte sich Peter Wieland einen Namen und mimte den Swingstar. Grundsätzlich orientierte sich der DDR Schlager an den Westschlager und häufig wurden die Hits des Westens kopiert. Der Versuch die reinen DDR Produkte in eine Jahreshitparade zu ordnen, war deshalb mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Hinzu kam, dass nationale Produkte oftmals den Schlagershits der Bundesrepublik stark ähnelten.
Bedingt durch Komponist Gerd Natschinski sang Bärbel Wachholz meistens eigene Lieder und waren kein Abklatsch aus dem Westen. Gerechterweise muss man sagen, dass es einige hervorragende Coverversionen gab. Ina Martell steuerte eine gelungene deutsche Fassung zum Welthit „Downtown“ (Petula Clark) bei und „Schwarzer Kater Stanislaus“ von Helga Brauer klang kraftvoller und punktierter als das Original mit Siw Malmquist. Aber das alles änderte nichts am Nachäffen der Westschlager. Gus Backus sang im Westen „Da sprach der alte Häuptling ...“ und die DDR zog mit „Jerry Flynn“ und einer englisch klingenden Mary Halfkaths gleich und „Roter Mohn wird wieder blüh’n“ mit Heidi Kempa, klang ein bisschen wie „Wir wollen niemals auseinandergeh’n“ (Heidi Brühl).
Anders als in der Schlagerszene, hatte die volkstümliche Musik einen eigenen Charakter. Herbert Roth mit seinem unverwechselbaren thüringer Sound wurde sogar in Bayern (BRD) bekannt. Der Tscheche Lutz Jahoda ließ heimatliche böhmische Musik in seinen Schlager einfließen und überraschte immer wieder mal mit modernen Klängen, wie beim „Karthäuser Knickebein Shake“.
Um 1964 veränderte sich die Musikszene, weil die Kulturfunktionäre darauf drangen, alle angloamerikanische Metapher aus dem Schlager zu verbannen und westliche Sehnsüchte zu vermeiden. Kein besingen von Venedig oder Paris und erst recht keine amerikanische Westernromantik auslösen. Wegen des Vietnamkrieges der USA, sollten jegliche Bilder vermieden werden, die das Land (USA) positiv aufwerten könnten (Lebensart, Slang).
Mit Frank Schöbel, Ina Martell, Christian Schafrik und den Gipsys fanden modernere Twist-töne in die Hitparaden und wurden musikalisch als Shake bezeichnet. Die moderne Szene erlaubte auch Frank Schöbel „Looky Looky“ zu singen, da das Lied ansonsten auf weitere englische Metapher verzichtete und ein gewöhnliches Liebeslied war. Textlich durfte sich Rica Dèus auf Wind und Wellen fortbewegen, sofern sie nicht in einem kapitalistischen Land vor Anker ging. Bevorzugtes musikalisches Reiseziel wurde Kuba, speziell die Stadt Havanna und damit waren auch spanische Worte erlaubt. Ab 1965 bildete sich eine stabile Schlagerszene heraus, wobei das Beatverbot die Künstler verunsicherte.
Als gegensteuernde Maßnahme duldeten die Funktionäre wieder ein verstärktes Covern von Westschlagern. Ina Martell hatte mit ihrer Version von, „Mit 17 hat man noch Träume“ (Peggy March) einen riesigen Erfolg und Helga Brauer kopierte weiterhin Siw Malmquist („Liebeskummer lohnt sich nicht“).
Aus Finnland schwappte der Letkiss herüber und wurde erfolgreich als Modetanz angepriesen. In der BRD war Letkiss dagegen nur eine Randerscheinung. Ina Martell, Karin Prohaska und Helga Brauer waren die großen Stars von 1965. Die rhythmusorientierte Musik von Frank Schöbel und Christian Schafrik war zunächst nicht mehr erlaubt.
Das Jahr 1966 bedeutete einen musikalischen Rückfall in die 50er Jahre. „Weil du heut Geburtstag hast“ oder „(Kinder) ich hab keinen Zylinder“ waren antiquiert klingende Lieder, von denen zweifellos die ältere Generation begeistert war. Die Jugend sollte sich stattdessen für die Singebewegung (Folksong) begeistern. Die Mehrheit der Jugend wollte aber keine politischen Lieder singen, sie sehnten sich nach den englischen Beat und hörten Westradio. Das blieb den Funktionären nicht verborgen und steuerte um 1967 einen liberaleren Kurs an. Indirekt wurde das Beatverbot aufgehoben und modernere Klänge zugelassen.
Mit Frank Schöbel und Chris Doerk bekam der Schlager seine ersten wirklichen Stars, die textlich kess und musikalisch modern sein durften. Der Musikfilm „Heißer Sommer“ (1968) katapultierte sie endgültig an die Spitze der Schlagerlandschaft. Der Streifen entwickelt sich zum Kulthit für die Schlagerszene, da es der erste konkurrenzlose Musikfilm im Kino war. Inhaltlich wurde ein gewünschtes Bild von einer unbeschwerten Jugend erzeugt und ein banales Liebesdrama bildete den Rahmen. „Heißer Sommer“ blieb lange Zeit der populärste Musikfilm in der DDR, da es nichts Vergleichbares gab. Die beiden Hauptdarsteller Chris Doerk und Frank Schöbel verliebten sich bei den Dreharbeiten ineinander und heirateten. Obwohl in den DDR-Medien Klatsch und Tratsch unerwünscht waren, wurde bei Chris & Frank eine gewisse Ausnahme gemacht. Die wenigen Illustrierten bekamen die Gelegenheit, ein bisschen Regenbogen-Journalismus zu betreiben. Obwohl sich dadurch der Absatz der Zeitschriften erhöhte, stellten die Regierenden klar, dass weiterhin das Privatleben geschützt bleiben sollte und jeglicher Sensationsjournalismus zu unterlassen sei.
Im Zuge einer neuen Schlager-Ära machte Namen wie, Andreas Holm, Thomas Lück und Klaus Sommer auf sich aufmerksam und Ina Martell, sowie Gertie Möller, rückten wie die alten Schlagerdivas Bärbel Wachholz und Helga Brauer ins musikalische Abseits. Als Duett machten sich Dagmar Frederic & Siegfried Uhlenbrock einen Namen.
In der Jugendmusikszene wurde die ungarische und polnische Popmusik beliebt, was die Funktionäre zum Umdenken bewog und nun eine nationale Rockszene förderten. Der neue Trend führte dazu, dass die DDR-Führung mit der musikalischen Isolation brachen. Nachdem französische Chansonsänger bereits in DDR-TV Sendungen auftraten, wurde vor allem über die Musiksendung „Klock achtern Strom“, Künstler aus dem nichtsozialistischen Ausland bekannt (z. B.: Golden Gate Quartett - USA). Besonderer Beliebtheit erfreute sich Nina Lizell aus Schweden, die mit ihren munteren Schlagern die DDR-Schlagerfans begeisterte. In der BRD konnte sie dagegen nicht Fuß fassen. Trotz ihrer hohen Popularität in der DDR galt sie als Sängerin eines kapitalistischen Landes und durfte nicht in offiziellen Hörercharts gespielt werden. Unter Berücksichtigung der Beliebtheit in Wunschsendungen wurde sie dennoch bei den Jahrescharts (DDR Schlagerhits) berücksichtigt, zumal sie streckenweise beliebter, als Chris Doerk & Frank Schöbel war.
Abschließend sei gesagt, dass die Mehrheit der DDR Bürger die westdeutschen Medien (Radio, Fernsehen) bevorzugten, um die attraktivere Westmusik zu hören oder aufzunehmen. Selbst bei Tanzveranstaltungen wurde die staatliche Vorgabe 60/40 ignoriert. Statt mindestens 60 % Ostmusik und höchstens 40 % Westmusik, wurde häufig 100 % Westmusik gespielt. Die Funktionäre taten gut daran ihre Ohren zu verschließen und tolerierten den Gesetzverstoß. Außerdem sei gesagt, dass zunächst kein Schlagerstar der Bundesrepublik in die DDR einge-laden wurde. Selbst mit Künstlern aus den sozialistischen Staaten (Karel Gott, Bata Illic), die in Westdeutschland erfolgreich waren, hatten die Kulturfunktionäre ihre Probleme. Umgekehrt spielten die BRD-Medien zunächst auch keine DDR Schlager, dass aber mehr am Desinteresse der Bundesbürger lag.

Sonstige Musik :

Noch bis Mitte der 60er Jahre war die volkstümliche Musik ein wichtiger Bestandteil der Schlagerszene. Die jugendliche Prägung des Schlagers verdrängte die Musik-form in einen eigenen Bereich. Der Bedarf an volkstümlicher Musik bei der älteren Leuten war jedoch sehr hoch und fast jeder Radiosender bot die entsprechende Sendungen mit Jodel- und Blasmusik an. Ernst Mosch, Slavko Avsenik und Jodelkönig Franzl Lang waren die Stars der westdeutschen Alpenmusik. In der DDR begeisterte Lutz Jahoda und Peter Altman mit der böhmischen Blasmusik (CSSR) ein folkloristisches Publikum, aber der volkstümliche  Superstar war Herbert Roth mit seinem folkloristischen Ensemble. Ständig musste die Plattenfirma Amiga Schallplatten nachpressen, sogar fürs westliche Ausland. Da in der DDR nur nach dem Bedarf Schallplatten produziert wurden und beliebte Lieder auf Sampler-LP gepresst wurden, lässt sich ein Erfolg im Plattenverkauf nicht real ausdrücken. Man kann davon ausgehen, dass Herbert Roth der erfolgreichste Künstler der DDR ist und es bis zum Ende der DDR blieb. Anzumerken bleibt, dass aufgrund vom Rohstoffmangel, die Plattenmenge limitiert wurde und nur bei einer großen Nachfrage Nachpressungen genehmigt wurde. Lieder kamen nur auf eine Schallplatte, wenn sie zuvor im Radio erfolgreich liefen.  Der Erfolg von Herbert Roth inspirierte weitere Gruppen aus dem Erzgebirge und dem Thüringer Land, die zumindest bei Veranstaltungen ihre Songs vortragen konnten.

Ein weiteres beliebtes Genre des Schlagers wurden die Karnevalslieder. Karneval wird im Rheinland als Fünften Jahreszeit bezeichnet und steht für ausgelassenen Frohsinn in Wort (Büttenrede) und Gesang /Stimmungsmusik). Obwohl die Veranstaltungen oft in rheinischer Mundart dargeboten wurden, waren die TV-Übertragungen Deutschland weit ein Zuschauer-hit. In vielen Gegenden Deutschlands wurden davon inspiriert eigene Sitzungen abzuhalten, ansonsten wurde aber fast überall im Februar wenigsten Fasching gefeiert. Das Verkleiden und die grenzenlose Fröhlichkeit sind typisch für den Fasching und den Karneval. Einige der zahlreichen Trink- und Stimmungslieder schafften es in die offiziellen Schlagercharts, wie der Dauerbrenner „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind“ (Willy Millowitsch).

Bekannte Karnevalshits der 60er Jahre: Huma Tätärä (Ernst Neger) - - - Es ist noch Suppe da (Jupp Schmitz) - - -  Der Schönste Platz ist immer an der Theke (Toni Steingass) - - - Ene Besuch em Zoo (Hans Knipp) - - - Schnaps das war sein letztes Wort (Willy Milowitsch) - - - Am Rosenmontag bin ich geboren (Margit Sponheimer) - - - Gell, du hast mich gelle gern (Margit Sponheimer) - - - Heile, heile Gänzje (Ernst Neger) - - - Rucki Zucki (Ernst Neger) - - - Mir schenke der Ahle paar Blömcher (Lotti Krekel)

An der Küste wurden Seemannslieder zur eigenen Kategorie. Neben den Schlagerhit „Junge komm bald wieder“ (Freddy Quinn), erklangen alte Shanties („Rolling Home“) oder die Lieder des unvergleichlichen Hans Albers („La Paloma“). Die Beliebtheit von Liedern über Wellen und Meer veranlasste das Fernsehen zu einer Showsendung. Die „Haifischbar“ wurde zum beliebten TV-Dauerbrenner. Die Sendung präsentierte sich im Kneipenmilieu, mit plattdeutschem Akzent, mit Schnacks (norddt. Gerede), Humor und viel Musik. Der DFF reagierte darauf mit „Klock achtern Strom“, die ebenso zur beliebtesten TV-Show im Osten aufstieg. Anders als im Westoriginal wurden hier nicht nur Seemannlieder gesungen, sondern auch Schlager, Jazz und Swingmusik.

Inspiriert durch die internationale Folk-Szene und dem Chanson entstand in Deutschland eine externe Liedermacher-Szene. In der DDR wurde daraus die staatlich geförderte Singebewegung, deren Lieder von politisch orientierten Texten geprägt waren. Einen ähnlichen Versuch gab es in der BRD, der jedoch kläglich scheiterte. Dafür befand sich die  Liedermacherszene dort im Aufwind. Besonders Reinhard Mey stach hervor, der über französische Chansons zum eigenen Stil fand und der Liederszene nachhaltig Impulse gab.
Im krassen Gegensatz dazu wurden Insterburg & Co. mit ihren Blödelsongs berühmt, wobei sie mehr musikalischen Klamauk betrieben und eigentlich kein richtiges Lied sangen. Zu erwähnen wäre noch, der umstrittene Franz Joseph Degenhardt („Spiel nicht mit dem Schmuddelkind und sing nicht seine Lieder“), der mit seinen politisch geprägten Liedern oftmals provokativ und mitunter auch beleidigend war.