4.2. Hippies, Hardrock

Sound: Hippie und Hardrock

1. Flower Power – Hippiebewegung
    Hippie -Ursprung

    Hippie - Entwicklung
2. Hardrock -Phase 1
   Grundsätzliches - Hardrock
   Hardrock - Entwicklung

   Hardrock Merkmale

 

1. FLOWER POWER - HIPPIEBEWEGUNG ( 1965 bis 1968 )

Wortbedeutungen: 

Flower Power = Blumenmacht, im Sinne von natürliche Macht der Liebe, in deren Symbolik die Blumen eine sonnige Zukunft verheißen.

Hippie = leitet sich ab von Hip (angesagt) und bedeutet Verfechter der wahren idealistischen Epoche zu sein, die im Egoismus der Menschen die Wurzel allen Übels sieht.

Love and Peace“ ist eine Parole der Hippiebewegung und meint, dass nur über die Liebe der ewige Frieden erreicht und bestehende Kriege beendet werden können.

„Summer of Love“ – Hippies aus San Francisco laden alle Gleichgesinnten zum Sommer der Liebe ein und machten San Francisco zum Wallfahrtsort der Bewegung. Im Januar 1967 gab es erste Diskussionsveranstaltungen (Happening) und der 6. Oktober 1967 gilt als der Schlusspunkt des Hippiesommers; dazwischen gab es das gigantische Open Air Festival in Monterey, dass in jeglicher Beziehung großen Einfluss hatte.

Guru = ein religiöser Titel für die Priester indischer Glaubensformen, der sinngemäß als „Verkünder gewichtiger Worte“ übersetzt werden könnte. Der tibetanische Titel Lama sieht einen „Erhöhten“ (Erleuchteten) als Führer alle Geistlichen und Gläubigen an.

Gammler = wird als abwertende Bezeichnung verwendet und könnte als „die in den Tag Lebenden“ bezeichnet werden. Sie sehen sich selbst als Aussteiger und Verweigerer der gesellschaftlichen Zwänge und gehen häufig keiner geregelten Arbeit nach. 

Rauschgift-, Drogensucht: Mittel zum Betäuben oder stimulieren der Sinne, die zu einer Abhängigkeit führen, gesundheitsschädlich sind und zum Tod führen können. 
Seit je her wurden Rauschmittel verwendet und speziell für die Soldaten benutzt. Sie sollten vor einer Schlacht bei den Kämpfern das Angstempfinden und die Schmerzempfindlichkeit lähmen. Auch Alkohol wurde diesbezüglich benutzt.        In der Medizin wurden Opiate bei bestimmten Krankheitsbildern verwendet und in den höheren Kreisen (reiche Oberschicht) wurden Opiumorgien durchgeführt. Erst mit der Hippie-Ära wurden Rauschgiftmittel zur allgemeinen Modeerscheinung. Wesentlich verantwortlich für die Verbreitung sind Gurus, die damit ihre Gläubigen gefügig machten und ihnen den Weg in eine surreale Welt (Rausch) eröffneten. Für zahlreiche namhaften Musiker der Zeit, war der Rausch zugleich inspirative Quellen und wurzelte besonders im Psychedelicsound. Die Fans eiferten ihren musikalischen Idolen nach und konsumierten Rauschmittel, wie Haschisch, Heroin oder LSD. Ein krimineller Markt entstand und erhöhte den Absatz. Obwohl der Erwerb oder Besitz von Rauschgiften strafrechtlich verfolgt wurde, ließen sich besonders Jugendliche nicht davon abschrecken.
Die Rolling Stones Parole 
„Sex, Drogs and Rock’n Roll“ förderte den Drogenkonsum und meinte eigentlich, dass die drei Rauschzustände kombiniert zum ultimativen Erleben führten, aber nicht, dass sie zusammengehören und den Alltag eines Rockers dominieren sollte. Nachdem Anfang der 70er Jahre die Zahl der Drogentoten deutlich anstieg, fand ein Umdenken bei der Jugend statt. Die Modeerscheinung Rauschgift konnte tödlich sein. Dennoch finden bis heute Drogendealer immer noch viele Opfer, die meistens eine psychische Tiefphase oder deren sozialen Tiefpunkt ausnutzen, um labile Menschen abhängig zu machen.         

Sexuelle Revolution: Der Geschlechtsverkehr wird aus dem anrüchigen Verborgenen geholt („Über das man nicht spricht“) und legalisiert die voreheliche Sexualität. In der Regel trennen Hippies in ihrem Empfinden den Sex (natürlicher Trieb) und die Liebe (Seelengemeinschaft) voneinander. Ein ungebundenes Ausleben der Sexualität wird propagiert und Nacktheit als natürlich Gabe empfunden. Erotische Verführungsmittel werden in der Regel jedoch abgelehnt, da sie die Sinne verklären und durch eine übersteuerte Triebhaftigkeit das Gefühl der Liebe verloren gehen und der sexuelle Partner zum körperlichen Lustobjekt werden kann.

Mainstream: vorherrschender Musikgeschmack der jugendlichen Zielgruppe, der in der Regel an den kommerziellen Singlecharts ablesbar ist

Hippies - Ursprung: 

Inspiriert von der friedlichen afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, durch Martin Luther King, suchte die weiße Jugend nach einer eigenen Form des gesellschaftlichen Aufbegehrens. Da die friedfertige Grundidee auf den indischen Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi zurückging, wurden Künstler auf den indischen Hinduismus aufmerksam. Das weckte bei der Jugend die Neugier und das Interesse an den indischen Glaubenslehren. Gurus wurden daraufhin motiviert in die westliche Welt zu reisen, um für den Glauben zu werben. Sie verkündeten ihre Weltsicht und bauten Glaubenssekten auf, dabei interpretierte jeder Guru seine Sektengrundsätze. Die Kernpunkte waren bei allen hinduistischen Sekten gleich und basierten auf eine idealistische Bescheidenheit, die sich auf das Notwendigste beschränkte, um zur wahren Erkenntnis zu gelangen. Die drei wichtigsten Glaubens-Säulen waren der Verzicht auf Besitz (Geld, Haus, Auto), das Zügeln egoistischer Gefühle (Zorn, sexueller Trieb) und die untertänige Wertschätzung des Umfelds (Natur, Tiere und jeden Menschen, unabhängig von seiner Hautfarbe, dem Geschlecht oder seiner Krankheit).
Die Liebe wurde dabei idealisiert und wurde die ideologische Grundlage der Hippies. Musikalisch vermischte sich zeitgleich in Kalifornien (USA) der Pet-Sound (Surferbeat) mit Elementen des Souls und der Folkmusik, woraus eine melodisch flüssige Musikform entstand. Je nach dem Grundrhythmus wurde die Musik auch Folkpop, Softbeat oder Soulbeat genannt. Typisch war aber ein sanfter munterer Sound, der musikalisch die Sonne Kaliforniens einfing.
Angeregt durch den Geist der Kennedy-Ära suchten amerikanische Künstler nach alternativen Lebensweisen. Neben den Folkmusikern setzten vor allem Schriftsteller neue Akzente. Hervorzuheben ist dabei der homosexuelle Dichter Allen Ginsberg, der in seinen Gedichten über die Blumenmacht (Flower Power) neue Denkweisen entwarf. Die Jugendbewegung übernahm später den Namen und sprach von sich selbst als Blumenkinder.
Indische Lehren, Popsound und Künstlerszene bildeten letztendlich den Grundstein der auf-kommenden Jugendbewegung. Die wahrhaftige Liebe sollte zukunftsweisend die Welt verändern und Blumen symbolisierten die neue Macht. Jugendliche banden sich Blumen ins Haar oder trugen Stirnbänder. Die Oberbekleidung von weltlichen Hippies war kunterbunt, wallend und trotzdem schlicht und eine zerschlissene Bluejeans gehörte dazu. Die religiösen Hippies trugen meisten lange einfarbige Gewänder (meistens Weiß), die bis zum Fußknöchel reichten, und hatten Sandalen (Jesuslatschen) an. Einheitlich wandelten Jungen und Mädchen mit ihrer ärmlichen Bekleidung durch die Straßen, wollten symbolisch den Leidensweg Jesus folgen und sexuelle Triebbegierden ersticken. Den Weg zur erkennenden Erleuchtung sollten ihnen die Gurus zeigen, mit dem Ziel jegliches weltliche Denken abzulegen. Dazu gehörte, den gesamten Privatbesitz in die Gemeinschaft einzubringen und die Ehe aufzugeben. Der Begriff freie Liebe wurde geprägt und meinte, dass eine feste Paarbeziehung Besitzansprüche stellte und daher nicht mehr zeitgemäß sie, in einer Gemeinschaft von Liebenden. Das bedeutete, das jeder mit jeden sexuell verkehren konnte (auch gleichgeschlechtlich) und Kinder (Mutterrecht aufgehoben) wurden von der Gemeinschaft großgezogen.
In vielen Meetings (offene Diskussion) wurden alle Fragen zum Leben geklärt und sollte helfen den richtigen Weg in eine befreiende geistige Dimension zu finden. Mit Hilfe der Meditation sollte der Geist freigeräumt werden und Gurus stellten die Denkweichen, damit Versammlungen in gewünschte Bahnen verliefen. 
Die weltlichen Hippies übernahmen die freie Liebe und fanden gefallen an die langen Haare (nun schulterlang), um Jesus nachzueifern und die Gleichheit zwischen Mann und Frau auch optisch zu demonstrieren. Weltliche Hippies reflektierten jedoch bewusst die Wirklichkeit und versuchten mit Aktionen die konservative Gesellschaft zu beschämen. So reagierten sie auf Anfeindungen mit Demut und entschuldigten sich bei denen, die ihnen aggressiv gegen-übertraten. Sie gingen jeden Konflikt aus dem Wege und wehrten sich nicht. Tatsächlich zeigten sich die Gegner der Hippies davon beeindruckt, irritiert und verunsichert. 
Musikalisch spürte man eine entwaffnende Friedfertigkeit und der Soulpop ging in den Psychedelicsound über. Die Beatles waren unbewusst Wegbereiter des Psychedelic. Mit ihren musikalischen Experimenten verarbeiteten sie die indische Musik, versuchten berauschende Klänge zu erzeugen, woraus eine Art schwebende Musik resultierte. Der Psychedelic-Sound ist ein wichtiges musikalisches Produkt der Hippiezeit, dass später maßgeblich zur Grundlagen der elektronischen Musik (Synthesizer, Keyboard) wurde. Neben dem Psychedelic wurden zahlreiche Musiker vom Hippiekult inspiriert und brachten es musikalisch vielfältig zum Ausdruck. Der Kern der Hippiebewegung lag in den USA und somit auch die Musik. Angesichts des Vietnamkrieges und der Bürgerrechtsbewegung sahen amerikanische Jugendliche im Hippiekult eine wirkungsvolle Protestmaßnahme. In Europa schwappte lediglich die Idee herüber und beeinflusste die Musikszene. Der Hippiekult blieb in Europa zunächst eine Randerscheinung und erlebte ein Revival Anfang der 70er Jahre.

Hippie Entwicklung:

Mit den Mamas & Papas bekam die Hippieszene seine ersten Stars und luden 1967 zum „Summer of Love” nach San Francisco ein. Aus jenem Anlass fand vom 16. bis 18. Juni in Monterrey ein Open Air Konzert statt, dass etwa 50.000 bis 90.000 Zuschauer anlockte. Es traten 33 Gruppen bzw. Interpreten auf und Janis Joplin, Jimi Hendrix und Otis Redding gelang dabei der große Durchbruch. Namhafte Größen wie, Eric Burdon & the New Animals, Simon & Garfunkel, Canned Heat, Steve Miller Band, Electric Flag, The Byrds, Jefferson Airplane, The Who, Mamas & Papas, Grateful Dead und Scott McKenzie waren mit dabei und als besonderer Gast wurde der indische Sitar-Spieler Ravi Shankar geehrt.
The Beatles, The Beach Boys, The Rolling Stones, The Kinks, Neil Young und Donovan waren ebenfalls eingeladen, sagten aus unterschiedlichen Gründen ab oder konnten nicht teilnehmen. Auch ohne sie wurde das Festival ein riesiger Erfolg und wurde zum Gradmesser der neuen Musikszene. Scott McKenzie sang „San Francisco“, das zur Hymne der Hippies wurde und ein paar Tage später präsentierten die Beatles der Welt ihr „All Your Need Is Love“ und wurde seinerseits zur Hippiehymne. Egal welches Lied man als wahre Hippie-Hymne betrachtete, so kristallisierte sich doch ein Trend heraus. Die Amerikaner mochten mehr „San Francisco“, da der Titel eher dem Hippiesound der Mamas & Papas und Beach Boys entsprach. 
Neue Akzente in jener Szene setzten die Liedermacherin Melanie (Safka), der sanfte Pop von The Byrds, das Folk-Duett Simon & Garfunkel, der Soulmusikern Otis Redding, die Rockband Grateful Dead und die Bluesband Canned Head. Auf dem Festival beeindruckte besonders der Gitarrenvirtuose Jimi Hendrix, der über den Psychedelicsound maßgebliche Impulse für den Hardrock entwickelte. Nicht minder bekannt wurde Janis Joplin, die mit ihrem kräftigen Gesang als weiße Bluesrock-Queen gefeiert wurde. Allerdings war die Musik der Beiden sehr gewöhnungsbedürftig und bediente nicht den Mainstream.
In Europa setzten sich indes härtere Klänge durch. The Who kreierten mit „My Generation“ nicht nur eine Jugendhymne sondern machten den Beat härter, indem sie die Bässe mehr betonten und das Schlagzeug in den Vordergrund rückten. The Kinks und The Troggs spielten den Hardbeat in ähnlicher Weise. Mit den Rolling Stones setzte sich mehr die harte Spielart des Rock’n Roll durch, indem sie ihn langsamer machten und das Schlagzeug den Takt vorgab. Der Hardrock erreichte dadurch höhere Variierungsmöglichkeiten und das textlich wie auch musikalisch. Die britischen Musikformen könnte man als Gammlersound bezeichnen, da die Gammler als die europäische Variante zu den amerikanischen Hippies gewertet wurden und sich als gesellschaftliche Aussteiger begriffen.
Neben dem harten Sound war der Psychedelic sehr populär. Wie bei allen Soundarten ist eine Abgrenzung von Spielarten kaum möglich. Maßgeblich hierfür ist ein fließender Sound der ein schwebendes Gefühl vermittelte. Mit dem Einsatz der indischen Sita wurde genau jener Effekt erreicht. Der Song von den Kinks „See My Friend“ vom 30. 07. 1965 könnte man als ersten Psychedelichit bezeichnen. Zu wahren Meistern wurden allerdings die Beatles und begannen bei „Norwegian Wood“ die Sita einzusetzen und steigerten sich auf dem Album „Revolver“ (Ende 1965). Mit dem Titel  „Tomorrow Never Knows“ legten die Beatles eine erste Messlatte für den Psychedelic. Bereits 1967 war es die Band Pink Floyd, die mit den Album „The Piper At The Gates Of Dawn“ zum Inbegriff des Psychedelic wurden. Zahlreiche Bands versuchten den Psychedelic in ihre Musik einfließen zu lassen und erzeugten neue Klangbilder. Auch den Rolling Stones gelang das eindrucksvoll, unter anderem,  mit „2000 Light Years From Home“, vom der LP „Their Santanic Majesties Request“ und erzeugten den Spacesound (Flugsimulation durch Weltall). 
Umstritten war dann der Beatlessong „Lucy, In The Sky With Diamonds“, weil Kritiker den Song mit dem LSD-Rausch in Verbindung brachten. Den Regierenden war klar, dass die meisten Künstler jener Zeit Drogen konsumierten, aber Popmusik war inzwischen zum Wirtschaftsfaktor geworden und außerdem konnte oftmals den Musikern, der Besitz von Drogen nicht nachgewiesen werden. Den Beatles wurde nachgesagt, dass sie ihre Sucht in Indien bei ihrem Guru auslebten. Die Vermutung lag nahe, dass ihr Zeichentrickfilm und das Album „Yellow Submarine“ dem Drogenrausch zugrunde liegen musste. Es wurde eine realitätsferne Geschichte erzählt, die gespickt mit surrealen Bildern, skurrilen Gestalten und wirren Szenen war. Umrahmt war das Ganze mit einer eigenartigen musikalischen Breite, die vom Shanty bis zum Psychedelicsong reichte.
Der Drogenkonsum wurde zum gesellschaftlichen Problem und die Schattenseiten des Hippiekultes wurden offensichtlicher. Die ältere Generation befürchtete eine Verwahrlosung der Jugend, die sich der Arbeit, dem Militär und der Gesellschaft verweigerte.
Im Sommer 1969 feierten die Hippies noch einmal ein gigantisches Open Air Festival. Vom 15. bis 17. August 1969 fand das Woodstock Music and Art Festival statt. Anlass war die esoterische Astrologie, die das Zeitalter des Wassermanns verkündete und gravierender Veränderungen in Aussicht stellte. Ein kompletter gesellschaftlicher Wandel sollte eintreten und dauerhaft Frieden und Gerechtigkeit mit sich bringen. In diesem Sinne wurde Woodstock zum legendären Fest zu dem 400.000 Besucher kamen und 32 Bands bzw. Solisten auftraten. Zahlreiche Künstler vom Monterrey Festival waren wieder dabei, wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Canned Heat, Jefferson Airplane, Grateful Dead und The Who. Neu dabei waren Joan Baez, Santana, Melanie Safka, Arlo Guthrie, Joe Cocker, Creedence Clearwater Revival, Ten Years After, The Band, Blood, Sweat & Tears, Crosby- Still - Nash & Young und wieder mit dabei der Sitar-Spieler Ravi Shankar. Wieder sagten die ganz großen Namen ab, wie The Beatles, The Rollings Stones und Bob Dylan aus unterschiedlichen Gründen und auch Led Zeppelin und die Doors fehlten. Trotzdem wurde Woodstock zum historischen Musik-ereignis und größten Musikfestival aller Zeiten. Friedlich und gelassen wurden zahlreiche  Missstände (Hygiene) ertragen und gelegentliche Spannungen wurden friedfertig beigelegt.
Anlässlich der Amerikatournee der Rolling Stones wollte die neu formierte Band ebenfalls an einem Open Air Festival teilnehmen. Auf dem Speedwaygelände von Altamont wurde für den 6. Dezember 1969 ein spontanes Konzert organisiert. Neben Grateful Dead, Jefferson Airplane, Flying Burrito Brothers, Crosby - Still - Nash & Young waren die Rolling Stones als Hauptattraktion gedacht. Das Konzert entwickelte sich zum Fiasko, das von Anfang an in einer gereizten Stimmung verlief. Das Konzert war überschattet von mehreren Vergewaltigungen, Schlägereien, drei tödlichen Unfällen und einem tödlichen Vorfall an Bühne, während Mick Jagger „Under My Tumb“ sang. Ein Farbiger wurde von den Hells Angels niedergestochen, als er angeblich im Drogenrausch eine Waffe zog. Die Rockergang waren als Sicherheitskräfte engagiert, doch die Hells Angels provozierten eher eine gereizte Stimmung. Das unverhältnismäßige Vorgehen und dass die Stones das Konzert fortsetzten, sorgten anschließend für heftige Diskussionen. 
Open Air Konzerte gehörten damit vorläufig der Geschichte an, zugleich wurde dieser Tag als Ende der Hippiebewegung bezeichnet. Der Traum war ausgeträumt und hatte scheinbar nichts bewirkt. Der Vietnamkrieg tobte unvermindert weiter und die Gesellschaft ließ sich mit „Love and Peace“ nicht bekehren, sondern reagierte gereizt auf die langhaarigen Weltverbesserer.  Die Mehrzahl der Hippies war dazu noch drogensüchtig und viele von ihnen wurden zudem zu willenlosen Werkzeugen der Gurus. Sie opferten den durchtriebenen Predigern ihr Hab und Gut, prostituierten sich für die Gemeinschaft oder waren bereit kriminelle Taten (Diebstahl, Überfälle) zum Wohl der Gemeinschaft zu begehen. Dementsprechend wurden sie öffentlich ausgegrenzt und als arbeitsscheues Gesindel oder asoziales Anarchistenpack angesehen. Die Medien taten ihr Übriges dazu, mit übertriebenen Berichten und Darstellungen.
Hippies und auch Gammler fanden keine Arbeit, wurden als Bettler gewaltsam vertrieben und wegen ihrem ungepflegten Aussehen, wurde ihnen der Eintritt in öffentliche Gebäude und Gaststätten verwehrt. In ländlichen Gegenden kam es sogar zu Übergriffen der Bevölkerung auf die Langhaarigen, dort wurden sie gewaltsam gebadet und ihnen die Haare geschoren. Der Staat reagierte mit seinen Mitteln und zog Gammler oder Hippies zum Militärdienst ein. Nachdem der eigentlich Hippiekult am Ende war, entstand um 1970 ein Neohippiekult. Dies war eine durch die Wirtschaft kommerzialisierte Variante. Die Bekleidungsindustrie entwarf nach dem Vorbild des Hippiekults, selbst gemachten Hippiekleidung und eigene Kreationen. Sie kreierten eine Jugendkultur, die sich in ihrer Freizeit selbst verwirklichen konnte, aber im Rahmen der gesellschaftlichen Normen (anständig, pflichtbewusst) bewegte.
Die Modehippies vollzogen deshalb ihr Anderssein in den Ferien oder im Sommerurlaub. Die älteren Generationen begannen den Trend zu tolerieren, zumal nun ein modisches und adrettes Äußeres gegeben war. Selbst die langen Haare der Jungen wurden akzeptiert, wenn sie ein gepflegtes Gesamtbild ergaben. Bis etwa 1973 hielt sich der kommerzielle Hippie-trend. Die Mode-Hippies wurden zum lukrativen Geschäft für diverse Geschäftsbereiche.
Abschließend sollte noch die Studentenbewegung erwähnt werden, die ein wesentlicher Bestandteil der Hippiebewegung war. In der Öffentlichkeit wurden die Studenten mehr als verblendete Kommunisten und Anarchisten gesehen. Für die Medien waren sie überdrehte Spinner, Weltverbesserer ohne realistischen Plan. Tatsächlich brachten sich die Studenten selbst ins Abseits mit ihren endlosen Diskussionen, die in Wortklaubereien endeten und zu keinem klaren Standpunkt führten. Dennoch bewegten die Studenten einiges, aber nur deshalb, weil die Politik schneller auf ihre Grundthemen reagierte und eine revolutionäre Eskalation vermeiden wollte. Obwohl der Studentenbewegungen die Unterstützung der Erwachsenen fehlte, war die Gefahr eines Bürgerkriegs gegeben. In Deutschland kam mit Willy Brandt ein Reformer, der das Ende der Studentenbewegung bewirkte. Die mehrheitliche Jugend wollte nun lieber die neuen Freiheiten und vor allem den Wohlstand genießen. Die Studenten verloren komplett ihre Unterstützung und die gebildeten Organisationen lösten sich nach und nach auf. Allerdings gründeten sich extremistische Gruppierungen, die mit Gewalt die Gesellschaft verändern wollten. Die bekannteste Gruppe sollte die RAF werden, die in den 70er Jahren blutige Geschichte schreiben sollte, aber mit dem Geist der Hippie-Ära nichts mehr zu tun hatte.

2. Hardrock -Phase 1

Hardrock - Grundsätzliches:

Hardrock ist ein verlangsamter Stil des Rock’n Roll, der durch einen 4/4 Takt geprägt wurde und wieder das althergebrachte Liedschema aufleben ließ. Orientiert am Hardbeat und beeinflusst vom Psychedelic wurde zunächst eine reine harte Spielart erzeugt, in der Bassgitarre und Schlagzeug einen dominanten Rhythmus vorgaben und sich dadurch textlich und musikalisch mehr Spiel-räume ergaben. Musiker erkannten schnell, dass diese Spielart enorme Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Musikrichtungen zuließ und wirkungsvoll Texte unterstreichen konnte. Der bisherige Beat war zwar textlich sehr variabel, stieß aber musikalisch auf Grenzen. Mit dem Hardrock konnte man selbst Instrumental eine neuartige Gefühlstiefe erreichen, die persönliche Emotionen zu einer Thematik unterstrich und sich an der klassischen Musik orientierte. Rockmusik brauchte sich somit textlich nicht erklären, sondern leitete musikalisch zum intuitiven Verständnis der Kernaussage. Somit lösen Rocksongs ganz unterschiedliche Emotionen aus, auf der Basis der eigenen Betroffenheit. Typisch für die Anfangsphase des Hardrocks waren überlange Musikstücke von mehr als 5 Minuten länge. Wie in der klassischen Musik sollte sich ein Gefühl ausleben können.
In den sozialistischen Staaten war Hardrock sehr beliebt, da die Komponisten über die Musik die staatliche Zensur umgehen konnten, weil Gedachtes nicht verboten werden konnte. Andererseits förderten die SED-Funktionäre die Rockmusik, da sie wirkungsvoller über die Musik die Jugend erreichten und sie zu einem gewünschten Denken leiten konnten.

Die hohe Flexibilität des Hardrocks, sich mit anderen Soundarten zu verbinden, führte dazu, dass Hardrock nie unmodern wurde, dennoch gab es bis in die 90er Jahre drei Hauptphasen der Musik, mit spezifischen Merkmalen.

Phase 1 - Urrock (1968 bis 1975): Umfasst zahlreiche experimentelle Variationen, die zu eigenen Genres wurden. Prägend für die Bezeichnung ist die verwendete Soundart, die mit Rockelementen überarbeitet wurden und einen neuen Musikstil begründeten, deren Basis der Hardrock ist. Die geschaffenen Musikstile schufen eine neue inspirative Quelle und manche Stilarten erhoben einen hohen künstlerischen Anspruch, wie beim Jazz- oder Klassikrock. Weitere bekannte Stilarten der ersten Phase waren der Latinrock, Bluesrock, Countryrock und der Psychedelicrock. à den Endpunkt der 1. Phase markierte der kommerzielle Glamrock (siehe 70er Jahre).

Phase 2 - Haevy Metall (1975 - 1982): Betonte imagebezogene Spielarten, deren Bands es thematisch auf eine bestimmte Zielgruppe abgesehen hatten. Nicht selten driften jene Bands in diabolische oder heroische Fantasiewelten ab und demonstrieren damit ihre Ablehnung zur konservativen Gesellschaft. Sie schaffen sich damit ihre eigene Welt und die Fans jener Musik betrachten sich als verschworene Gemeinschaft. à den Endpunkt markiert der Punkrock, der die Ablehnung zur Gesellschaft auf die Spitze treibt. Mit der Konkurrenz zum New Wave, werden beide Musikstile kommerziell und verlieren ihre Ursprünglichkeit.

Phase 3 - Kommerzrock (1978 - 1992): Hardrock wird zur Show mit gestylten Rhythmen und am Glamrock orientiert. In der Regel sind es amerikanische Bands, die mit geglätteten  Rockklänge erfolgreich sind. In der Regel wird der Frontmann einer Band in Szene gesetzt und zum unnahbaren Star gemacht. à die Endphase oder auch Umbruch wird durch den Grunge eingeleitet, eine Art Hippierock, der schnell seine Popularität verlor.

Prägnante Hardrockarten:

Anmerkung: Die erwähnten namhafte Rockband und Solisten lassen sich eigentlich nicht in einer Richtung eingrenzen, da sie mehrere Rockstilarten spielten. Dennoch gib es Gruppen, für die eine Spielart typisch ist und werden nachfolgend in jenes Kategorien eingeordnet. 

1. Ur-Hardrock:  getragener bassbetonter Sound, der oft durch eine flüssig elektronische Verzerrung einem Motorengeräusch ähnelt und zur Basis für den späteren Heavy Metall wird. Musiker des überwiegend britischen Stils waren bestrebt Musikkunstwerke zu schaffen und produzierten überlange Musikstücke (um die 10 Minuten), mit prägnanten Riffs und instrumentalen Soloparts (häufig Gitarre oder Schlagzeug). Als vierblättriges Kleeblatt der Rockmusik galten Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath und Uriah Heep. Außerdem rechnet man Status Quo, Iron Butterfly und Golden Aering dazu.

2. Folkrock: Das Kombinieren von Folk und Rockmusik versuchte bereits Bob Dylon und erntete bei seinen Fans zunächst Buhrufe. Neben Bob Dylon waren es The Byrds und The Flying Burrito Brothers, die den Sound populär machten. Erst durch Neil Young bekam die Soundrichtung seinen prägnanten Charakter.  

3. Countryrock: Da Folk und Country auf eine gemeinsame Basis aufbauen, prägte Bob Dylon ebenfalls diese Stilrichtung. Neil Young entwickelte zusammen mit Crosby, Still and Nash den Sound weiter, der dennoch stark dem Folk ähnelte. Die Gruppe Lynyrd Skynyrd betonte mehr die Rockelemente und gab dem Stil, seine unverwechselbare Note. Der bekannteste Vertreter wurde jedoch The Creedence Clearwater Rivivel (CCR).  

4. Psychedelicrock: Wie in der Abhandlung zum Beat schon beschrieben, gab es eine Reihe von Bands, die sich am Sound versuchten. Pionierarbeit leisteten besonders The Beatles und The Rolling Stones, und auch Jefferson Airplane sollte genannt werden. Letztendlich steht aber maßgeblich die Gruppe Pink Floyd für diese Richtung und in gewisser Weise auch Jimi Hendrix. Von ihnen angeregt entwickelten The Doors und Procol Harum den Stil textlich weiter und inspirierten besonders stark den späteren deutschen Krautrock.

5. Latinrock: Hier verschmolzen lateinamerikanische Rhythmen (Samba, Rumba, Salsa) im Rock, woraus ein flüssiger Sound entstand, der phasenweise dem Psychedelic ähnelte. Santana wurde der erfolgreichste Vertreter der Richtung und Fleedwood Mac gelangen ebenfalls einige sehr erfolgreiche Songs.

6. Jazzrock: Die zahlreichen Jazzarten boten eine Reihe von Möglichkeiten Jazz mit Rock zu verbinden. Zu den großen Namen der Musikrichtung gehörten Blood- Sweat & Tears, Jeff Beck, Earth - Wind & Fire, Miles Davis, Herbie Hancock, Frank Zappa und natürlich Janis Joplin, sowie später Chikago und auch The Doors zählen teilweise dazu.

7. Bluesrock: Blues ist ohnehin die ursprüngliche Basis der Rockmusik, doch als Spielart rückte der Blues in den Hintergrund und verstärkte den harten instrumentalen Rhythmus. John Mayall und Alexis Korner experimentierten in jener Richtung. Rory Gallagher und Eric Clapton setzten weitere Akzente hinzu. Die erfolgreichste Band wurden die Canned Head und der Gruppe Free gelang zumindest ein Megahit („All Rigth Now“). Im Prinzip hatte jede namhafte Band Bluesrock in seinem Repertoire, hervorzuheben sind besonders The Rolling Stones und Led Zeppelin, sowie später Chikago

8. Progressive Rock: Ist eine Mischart, die populäre Stilarten verbindet, sowohl dem Jazz und Psychedelic nahe steht, aber auch Blueselemente einfügt und sich an der klassischen Musik (Altertum) orientiert. Gruppen wie Jethro Tull, Emerson-Lake & Palmer, The Moody Blues und Yes sind bekannte Größen des Stils. Später zählten Manfred Mann’s Earth Band, Genesis, Mike Oldfield und ebenso Pink Floyd dazu.

9. Ur-Punkrock (Garagenrock): eine simple amateurhafte Rockspielart, die mit wenigen Akkorden auskam und für die, verzerrte Gitarrenklänge typisch waren. Die Texte waren einfach gehalten, deren Aussage sich stets wiederholte. Nur wenige Gruppen schafften wenigstens einen Achtungserfolg, wie The Kingsmen, The Standells oder The Stooges.

10. Classicrock: In dieser Stilart versuchen Rockgruppen eine Adaption zu klassischen Musikwerken oder versuchten strukturell eigene Werke zu erschaffen. Solche Meisterwerke wurden als Kurzsinfonie konzipiert und waren überlange Musikstücke. Die niederländische Band Ekseption verarbeitete beispielsweise Musik von Johann Sebastian Bach, wogegen Deep Purples mit „April“ ein eigenes Kunstwerk schufen und die Gruppe Fokus, verlegte sich darauf skurrile Töne zu kombinieren und sie in eine kunstvolle Abfolge zu bringen. Da eigentlich alle Gruppen des Progressivrocks sich an sinfonischen Stücken versuchten, zählt Classicrock als Untergruppe des Progressivrocks. Die spezifische Form verdient dennoch ein eigenes Genre.

*** Glamrock, Krautrock, Artrock und Spacerock ⇒ siehe 70er Jahre 

Entwicklung des Hardrocks ( 1. Phase) 
Nachdem der Beat 1963 international die Charts stürmte, entstanden zahlreiche Gruppen und führten zu einem Überangebot. Um als unbekannte Band Erfolg zu haben, musste man der Szene etwas Neues bieten und das setzte musikalische Experimente voraus. Beispielgebend hierfür waren die Rolling Stones, die nicht den Beat kopierten, sondern sich gleich dem Blues verschrieben und Erfolg hatten. Dem Beispiel folgend experimentierten 1963 The Yardbirds mit dem Blues und entwickelten den Bluesrock. Aus der Band gingen  die berühmten Gitarristen Erik Clapton, Jeff Beck und Jimi Page hervor, die ihre eigenen Wege gingen und bedeutende musikalische Pioniere wurden. Erik Clapton spielte in mehreren Gruppen und war 1966 der Mitbegründer der Gruppe Cream, deren Musikstil in Fachkreisen als erster Hardrock bezeichnet wurde. Jeff Beck gründete eine Rockband, die sich stilistisch nicht festlegte, da der Einfluss seiner Bandkollegen Ron Wood und Rod Stewart zu groß war. Erst als Rod zu den Faces und Ron zu den Rolling Stones wechselte, schlug Jeff Beck die Jazzrockrichtung ein. Jimi Page wurde 1968 zum Mitbegründer von Led Zeppelin, die zur ersten richtigen Größe des Hardrocks wurde.
Im Mai 1968 nahm Iron Butterfly das Stück „In-A-Gadda-Da-Vida“ in unterschiedlichen Versionen auf und eine 17-Minuten-Variante landete auf der gleichnamigen LP. Das Stück begeisterte als kleines Kunstwerk nicht nur die Fachwelt, sondern die gesamte Rockszene. Für den Single Markt wurde eine 3-minütige Fassung erstellt, die es zwar nur auf Platz 30 in den US-Charts schaffte, doch wirkte der Song wie eine kleine Revolution. Plötzlich war der Trend geboren überlange Musikwerke zu schaffen. Joe Cocker interpretierte stimmgewaltig den Beatlessong „With A Little Help From My Friends”, wie eine sinfonische Ballade und nicht minder bemerkenswert war das Meisterwerk von Barry Ryan „Eloise”. Die bombastischen und rockorientierten Songs schafften es trotz ihrer Überlänge (um die 5 Minuten) auf eine Single. Ebenfalls produzierten die Beatles mit „Hey Jude“ und die Rollings Stones mit „Sympathie For The Devil“ einen Song mit Überlänge auf eine Single. Neben den Einfluss von Iron Butterfly, war es der Gitarrenvirtuose Jimi Hendrix, der mit seiner ekstatischen Spielweise maßgeblich die Rockszene inspirierte. Besonders das harte phasenweise überzogene Gitarrenspiel bei Zwischensolos wurde typisch für Hardrockband.
Led Zeppelin kombinierte Hendrix Gitarrenspiel mit Butterflys aggressiven, düsteren sinfonischen Sound. Ihr erstes Album von Januar 1969 verkaufte sich hervorragend und die Band wurde zur populärsten Hardrockband der Welt. Der urwüchsige Rock unterschied sich deutlich zu den existierenden Rockarten, wie Folkrock, Bluesrock oder Psychedelicrock. Der typische Hardrock versteht sich als dominante Linie zum Rock’n Roll, die durch den Effekt der harten Verlangsamung eine emotionale Tiefe erreicht und das instrumentale Spiel in den Vordergrund rückt, womit ein rhythmisches Gefüge aufgehoben wird. 
Das heißt, innerhalb eines Songs wechseln die Spielarten (Tempo) und erhalten dadurch eine klassische Nuance. Led Zeppelin gelingt es, auf ihren LPs, noch Musikstücke unter 5 Minuten zu komponieren und ist mehr der Auflage der Label geschuldet. Der allgemeine Trend geht zu langen sinfonischen Werken. Der urwüchsige Hardrock ist zur Kunstform geworden, der sich weder zum Tanzen noch zum Mitsingen eignete (unkommerziell). Jene Musik hob sich damit deutlich von den kommerzielleren Hardrocktiteln ab. Ob „Honky Tonk Woman“ (Rolling Stones), „All Right Now” (Free), „Lola“ (Kinks) oder „Neandertal Man“ (Hotless), die zwar alle als Klassiker des Hardrocksounds gelten, aber genau genommen keine reine Hardrocktitel sind. Eine durchgehende Melodie und ein flüssiger Rhythmus, ist eher untypisch für den wahren Hardrock, jene Titel sollen Emotionen wecken und nicht kommerziell geglättet sein und an Aussagekraft verlieren. Ein besonderer Grenzfall sind dagegen die Gruppen Status Quo und Golden Earing, die beides versuchen. Neben den wohlgefälligen Single-Songs zeigen die Gruppen auf ihren Alben ihre Kreativität und schufen bemerkenswerte Hardrock-songs. So ist die Albumversion von „Radar Love“ (Golden Earing) zu einem Klassiker des Hardrocks geworden.
1968 gründete sich The Deep Purples und fanden zunächst wenig Beachtung, zumal ihre verschiedenen musikalischen Ansätze noch keinen Stil erkennen ließen. Erst mit den Album „Deep Purple“ (1969) beeindruckten sie die Kritiker mit dem 12-minütigen Werk „April“. Motiviert davon spielten sie die LP „Concerto for Group and Orchestra“ ein und fanden in den Kreisen der klassischen Musik eine hohe Anerkennung. Als Hardrockband machten sie sich aber erst mit „Deep Purple in Rock“ einen Namen. Das Rockstück „Speed King“ und die 10-minütige Ballade „Sweet Child in Time“, wurden zu Meilensteine des Hardrocks.
In der Folgezeit wurde die Band zum Maß aller Dinge im Hardrockbereich und Led Zeppelin rutschte auf Rang zwei. Deep Purple begriffen sich als künstlerische Band und produzierten kaum eine Single. Die bekannteste Single ist der Klassiker „Smoke On The Water“ von 1974, der bereit 1972 auf der LP „Mashine Head“ zu finden war. Zu einer weiteren großen Hard-rockband stieg Black Sabbath auf, deren Album „Black Sabbath“ sich 1970 sehr gut verkaufte und im selben Jahr mit der Single „Paranoid“ die Charts stürmte. Im Gegensatz zum rhythmischen „Paranoid“ bevorzugte die Band meist düstere bedrohliche Klänge und „Iron Man“ ist so ein typisches Meisterwerk. Ebenfalls 1970 machte Uriah Heep von sich reden, denen neben den Krachern „Gypsy“ und „Easy Livin“, ein sanftes „Lady In Black“ gelang. Bereits auf der ersten LP von 1970 enthalten, erreichte „Lady In Black“ als Single 1971 Platz 5 in den deutschen Charts und ist seitdem ein beliebter Song (Evergreen).
Wegen dem Trend zu sinfonischen Musikwerken, gab es um das Jahr 1970 herum, nur noch wenig tanzbare Rockmusik. Der Beat wurde mit den Beatles begraben und die Musik aus den USA war den Europäern zu fremd. Für die Mädchen, die gern tanzen wollten, wurde die Zeit als musikalischer Stillstand empfunden, da die Hardrocksongs eigentlich nicht tanzbar waren. Als Ersatz lebten die Oldies auf und die Mädchen gierte nach dem Besonderen, nach jeder Musikart, die kein Hardrock war. Der Schlager erfreute sich wieder großer Beliebtheit und die folkloristische Andenmusik („El Condor Pasa“) wurde durch Simon & Garfunkel populär. Unerwartet wurde auch die Popversion vom „Lied an die Freude“ zum Hit. Als „A Song Of Joy“ wurde die klassische Hymne von Schiller und Beethovens zum Dauer-brenner. War das Jahr 1970 für die tanzwillige Mehrheit ein unbedeutendes Jahr, so feierten Hardrockfans das Jahr als genialen Höhepunkt.
N
eben den oben schon erwähnten Hardrockhits begeisterte der Latinrocker Carlos Santana mit „Samba Pa Ti“ und machte „Black Magic Woman“ (ursprünglich von Fleedwood Mac) zum Hit. Mit „Lucky Man“ produzierte Emerson Lake & Palmer endlich mal eine Single, die ansonsten mit elektronischen Synthesizer-Klängen auf LPs experimentierten. CCR versuchten erfolgreich mit dem 11-Minutenwerk „I Heard It Through The Grapevine“ ein epochales Musikwerk zu schaffen und Pink Floyd verließ mit der LP „Atom Heart Mother“ den Psychedelicsound und betonte mehr den Rocksound, wobei der Einsatz von Synthesizer-Effekten zur ihrer stilistischen Note wurde.
Übrigens wurde das Synthesizergerät um 1970 kompakter und demzufolge transportabler. Das Gerät konnte nun bei Konzerten eingesetzt werden, was zuvor nicht möglich war. Der Synthesizer war auch ein beliebtes Musikgerät der Krautrockerszene in Deutschland.  Ab 1971 sollte sich mit dem Glamrock die Musikszene grundlegend ändern und die Hardrockbands ins deutliche Abseits bringen (siehe Abschnitt über die 70er Jahre).


Synthesizer

Basiert auf die Elektroorgel (Hammondorgel -1935) und wurde 1964 entwickelt. Es diente als Studiogerät für einige Rockbands, um Songs mit Effekten zu versehen. Speziell Pink Floyd und Emerson-Lake & Palmer kreierten daraus den Elektrosound. 1970 wurde das Gerät zur Kompaktanlage, bevor die Firma Yamaha 1976 ein multifunktionales Gerät konzipierte, das dem heutigen Keyboard entspricht.


 

Prägende Merkmale (Hardrock/Jugendkultur)

Einmal abgesehen von den wenigen kommerziellen Hits begreifen sich Hardrocker eher als musikalische Künstler. Speziell auf den Konzertbühnen lebten sie ihre Musik und die Inspiration aus, sodass ein und derselbe Titel in jedem Konzert anders klang. Typisch für ihre unspektakulären Auftritte war eine normale Alltagskleidung (Jeans), ohne Bühnenshow, aber mit langen Haaren. Wie bei klassischen Konzerten sollten die Zuhörer der Musik lauschen, sich emotional ansprechen lassen und sich den euphorischen Gefühlen hingeben. Die Musiker spielten sich bei ihren Soloparts in eine ekstatische Stimmung, die je nach der emotionalen Gefühlswelt ein Lied besonders in der Länge veränderten. Demgegenüber waren Schallplattenaufnahmen für Hardrockbands eine mentale Schwerst-arbeit, da der Song nun ein konkretes Gesicht erhalten sollte. Darüber hinaus war nun ein Song musikalisch fixiert und sollte bei Konzerten dann auch so klingen. Dazu kam, dass sich in den sterilen Aufnahmestudios oftmals nicht die inspirative Kraft einstellen wollte, wie auf den Konzerten. Die geplante Version kam häufig nicht zustande oder die Idee ging wegen des fehlenden Feelings (Gefühl) verloren. Später neigten Rockbands deshalb dazu Live-Mitschnitte auf den LPs zu veröffentlichen. Allerdings offenbarte die Studioarbeit auch gewisse Vorteile. Ein Song konnte mit den technischen Mitteln eindrucksvoll geglättet und im Ausdruck verstärkt werden und mit gezielten Effekten angereichert werden.
Das Produzieren einer Single war noch problematischer, da der ausgesuchte Song häufig zu lang für eine Single war und gekürzt werden musste. Mit einem Kürzen eines Liedes, war die Gefahr verbunden, das ein Lied seinen gefühlsmäßigen Wert verlor. Aufgrund dessen verweigerten sich einige Musiker dem kommerziellen Single-Markt. Marktstrategisch beeinträchtigte ein breites Singleangebot sowieso den Absatz von LPs. Die jugendliche Mehrheit, begnügte sich mit den regelmäßig erscheinenden Singles und kauften deshalb keine teuren LPs. Von daher waren die Plattenlabels, nur an einer Vorabsingle (Promotion Single) interessiert, um den LP-Verkauf anzuheizen. In der Regel, war auch das nicht nötig, da die Plattenfirmen dem Jugendradio erlaubten, LP-Auskopplungen zu veröffentlichen, um die Hardrockfans akustisch anzufüttern.
Wurde jedoch so eine Vorabsingle veröffentlicht, so erreichte der Hardrocksong oft eine Spitzenplatze in den Verkauf-Charts (manche Songs wurden sogar Nr.1 Hits). Der Effekt fruchtete, dass die wenigen Rocksongs von den Fans sofort gekauft wurden und einen enormen Absatz garantierten. Der Run (Ansturm) auf den Rocksong verpuffte deshalb auch sehr schnell und der Song belegte nur kurze Zeit Spitzenplätze in den Charts, bevor er steil nach unten fiel. Die Rockfans hatten die Single gekauft und die wenigen Nachzügler fielen nicht mehr ins Gewicht. Nachhaltiger Effekt war jedoch, dass einige Jugendliche wegen der Charts Platzierung hellhörig auf die Band wurden, aber lediglich den LP-Verkauf ansteigen ließen. Hardrockhits, Anfang der 70er Jahre hielten sich oft nur 4 Wochen in den Top-10.
Die hohen Chartsnotierungen spiegeln deshalb nicht die objektive Beliebtheit des Songs wieder. Lediglich in den Radio-Hörercharts konnte man die reale Beliebtheit von Songs bei der Jugend ablesen. In der Regel gab es enorme Unterschiede zwischen den Radiocharts und den Singlecharts. Lediglich Gruppen, wie die Rolling Stones, CCR oder The Kinks waren in beiden Charts erfolgreich. Deep Purple, Led Zeppelin oder Black Sabbath glänzten dagegen nur in den Hörercharts. Anzumerken ist, dass anfangs viele LP-Auskopplungen zu hören waren und von den Plattenlabels vorgegeben wurden. Später entschieden die Moderatoren im Radio selbst, was sie auskoppelten, mit dem Nachteil, dass regional unterschiedliche Songs ausgesucht wurden, wodurch keine allgemeine Beliebtheit mehr ablesbar war.

Hardrock erreichte zunehmend nur noch eine die jugendliche Minderheit. Die schlechte Tanzbarkeit war besonders für die meisten Mädchen ein Problem. Schon mit dem Beat wurde der althergebrachte Paartanz aufgelöst, aber wenigstens der durchgängige Beat-Rhythmus erlaubte einen improvisierten Tanz. Beim Hardrock ging es darum, spontan sein Gefühl zu einem Lied tänzerisch auszudrücken. Eigentlich ohne Partner und ohne jeglicher Tanzvorgabe, sollte jeder seine Bewegungen zu einem Lied frei äußern können. Das Tanzen ist aber nun mal eine beliebte kommunikative Form der Partnerschaftsbildung geworden. Auch beim Beat setzte sich der Paartanz durch, obwohl jeder für sich allein tanzte, aber der Tanz dennoch dazu diente, sich einander kennenzulernen. Bei einer Tanzveranstaltung mit Hardrock, stand ebenfalls die Partnersuche oder der Tanzspaß im Mittelpunkt. Im Gegensatz zum Beat fehlte dem Hardrock aber ein durchgängiger Rhythmus und zudem änderte sich innerhalb eines Liedes nicht selten die Taktfolge. Das führte dazu, dass man beim Tanzen an einem Ort verharrte, nur die langen Haare schüttelte und mit den Armen umher gestikulierte. Für die weiblichen Teenager war jene Tanzform sehr unbefriedigend. Noch unangenehmer für sie, war das körperenge Tanzen bei Rockballaden, dass heute sicherlich als sexuelle Belästigung gewertet werden würde.
Mit langsamen Schritten drehte sich ein Paar im Kreis und der männliche Tänzer drückte den weiblichen Leib an sich heran und blieb mit den Händen nicht immer in den erlaubten Zonen. Für ein verliebtes Pärchen war diese Tanzform jedoch erotisch außerordentlich stimulierend. Für ein erstes Kennenlernen wirkte die Tanzart (Nahkampfwalzer) eher aufdringlich und die meisten Mädchen verließen die Tanzfläche, wenn so eine Rockballade erklang.
Tanzveranstaltungen waren jedoch ein beliebter Treffpunkt der Jugendlichen und hatten eine magnetische Anziehungskraft. Hier traf man sich mit Freunden oder war auf Partnersuche. Hier waren Jugendliche unter sich und konnte sich ohne Eltern frei amüsieren. Negative Randerscheinungen waren dabei gelegentliche Schlägereien oder eskalierten Streitigkeiten, die leider von der aggressiven Rockmusik mental angeheizt wurden. Die Kombination aus Alkohol und Rockmusik legte ein erhöhtes Aggressionspotenzial frei. Das bewirkte den Trend der Zeit, dass immer mehr Mädchen zuhause blieben, da sie keine Lust auf alkoholisierte Jungen hatten und sich vom nicht tanzbaren Hardrock-Lärm genervt fühlten. Es kristallisierte sich heraus, dass Hardrock keine Tanzmusik, sondern eine Konzertmusik ist.

Mit dem Hardrock verbunden war eine spezifische Lebensart und -weise der Jugend, die sich deutlich von den amerikanischen Hippies abhob. Motiviert vom ursprünglichen britischen Hardrock, revoltierte die Jugend Europa bewusster und entschlossener gegen die Gesellschaft. Das wurde besonders in der Studentenbewegung deutlich, wo jugendliche Demonstranten engagierter und kampfwilliger in ihren Protest äußerten („Street Fighting Man“). Auf jene Entschlossenheit reagierte die Gesellschaft beschwichtigend, um eine bedrohliche Eskalation zu verhindern. Heuchlerisch zeigten die Regierenden ihr Verständnis für die Jugend und stimmten die ältere Bevölkerung auf einen gesellschaftlichen Wandel ein. Die brennenden Themen der Studenten wurden publiziert und rechtfertigten überfällige Reformen. Unterschwellig wurde die Jugend jedoch in ein gewünschtes Denken geleitet. Strategisch wurden auch marktwirtschaftliche Interessen umgesetzt und lockte die Jugend zum Luxus und machte sie zum Konsumenten. Mit einer zielgerichteten Werbung und Agitation wurde ein gewünschtes Bild eines modernen Jugendlichen erzeugt.
Das führte dazu, dass der Protest abebbte und nun in den ländlichen Gegenden längere Haare toleriert wurden. Coca Cola wurde zum Jugendgetränk und die Canerby Street, in London, diktierte den Modegeschmack. Die Zeitschrift Bravo wurde zum Kultmagazin und übte einen gewaltigen Einfluss auf die Jugend aus. Vom Wohlstand geblendet ließ sich die Jugend den Modegeschmack diktieren und von Sex und Kommerz verführen. Die mehrheitliche Jugend folgte zunächst den inszenierten Zeitgeist, da Ansätze für eine demokratische Reformierung der Gesellschaft sichtbar wurden und überholte Sichtweisen an den Pranger stellten. Unterschwellig wurde die Jugend zu den alten grundlegenden Werten zurückgeführt.
Im Kino gab es Musikkomödien, die für den jugendlichen Markt gedacht waren, die ein bisschen frech („Die Lümmel von der ersten Bank“), aber bewusst ein Saubermannimage prägten. Die männlichen Darsteller trugen ansehnliche Langhaarfrisuren, die nun das Ohr bedeckten durften, aber nicht die Schulter berührten. Der passende Jeans-Look war eine Mischung aus Hippieflair und konservative Freizeitmode. Die Mädchen in solchen Streifen waren in Jeans oder einen Minirock zu sehen, ohne dabei sexuell aufreizend zu wirken. Modisch wurden sie auf den farbenfrohen Hippiestyle getrimmt, gemäß dem Trend.
Inhaltlich wurden im Film, die grundsätzlichen Werte von Anstand und Moral vermittelt. Der Respekt zu den Erwachsenen war dabei wesentlich und das die jugendliche Auflehnung sich auf ein paar tolerierbare Frechheiten begrenzte. Manchmal tauchten bewusst Gammler in solchen Filmen auf, die natürlich negativ („asoziales Gesindel“) dargestellt wurden. Die Wirkung solcher Film war enorm, sodass eine Mehrheit dem propagierten Trend folgte und sich von den erneuerten sittlichen und moralischen Werten fangen ließ. Neben dem Film propagierten auch die jugendlichen Schlager jenes gewünschte Verständnis. Dazu kam die Popmusik, die zum profitablen Werkzeug der Unterhaltungsindustrie wurde. Der Verkauf von Schallplatten und Plattenspieler boomte und von den Lieblingsstar wurden Fanartikel vermarkten (Merchandising). Ein Fan sollte mindesten ein Starposter besitzen und möglichst seinem Idol kleidungstechnisch entsprechen. Nicht ins mediale Schema passten die Hardrocker, die mehr den Gammlerstyle entsprachen.
Gammler waren an sich in der Minderheit, da sie als obdachlose Aussteiger keine Einkünfte hatten. Sie schlugen sich mit Gelegenheitsarbeit durch oder sangen bettelnd in einer Einkaufsstraßen. Da die gesellschaftliche Ablehnung ihnen gegenüber immer größer wurde, fanden sie keine Jobs mehr und Geldspenden gab es auch kaum noch. Ihr Vorbild, die urwüchsigen britischen Hardrockbands, mussten sich aber auch anpassen.
Die Medien/Veranstalter stellten Auftrittsbedingungen, die auf ein akzeptables Erscheinungsbild bestanden. Die langen Haare sollten gepflegt aussehen, wie auch die Kleidung. Im TV-Beatclub traten anfangs keine Hardrocker auf und später wurde kameratechnisch getrickst, so dass die Band optisch schlecht zu sehen war. Mit der Zeit änderte sich das, aber dafür sank das Interesse der Jugend am Hardrock. Der Beatclub verlor mit der progressiven Rockmusik 1969 seine Zuschauer, bis im Dezember 1972 die Sendung eingestellt wurde. Obwohl der Hardrock immer weniger die mehrheitliche Jugend erreichte, wurden modisch Haare immer länger. In der Öffentlichkeit blieben dagegen zu lange Haare ein Problem und Gaststätten, Museen, Theater oder Opernhäuser verwehrten Langhaarigen den Eintritt. Einerseits wollten solche Einrichtungen ihren Status wahren und andererseits nutzten sie ihr Hausrecht gegen mögliche Gammler.
Das Fernsehen trug wesentlich dazu bei, dass sich die Sichtweise der Bevölkerung zu der veränderten Jugendmode wandelte. Besonders in Showsendungen wurde ein sympathisches Bild von Jugendlichen vermittelt, die modisch adrett und mit gepflegten langen Haaren zu sehen waren. Beabsichtigt waren dabei ungestüme Dreistigkeiten, die großzügig belächelt wurden, als pubertäre Phase einer heranreifenden Generation. 
Beliebte Vorreiter und Vorbilder waren Schlagersänger, die zum Vorzeigehippie wurden. Der Franzose Ricky Shayne, der im englischen Slang sang und in Ägypten geboren wurde, sang biedere Liebeslieder im popigen Hippieflair. Seine üppige Lockenpracht und ein weit ausgeschnittenes Oberhemd, das seine Brustbehaarung zeigte, wurden typisch für ihn. Christian Anders folgte als erster deutscher Schlagersänger, der ebenfalls die Haare über die Ohren trug und ein ausgeschnittenes Hemd trug. Mit rührseligen Liebesleid begeisterte er die weiblichen Fans. Kurz darauf gehörten Haare übers Ohr zum unerlässlichen Image jedes jugendlichen Schlagersängers. Sicherlich haben solche Schlager auch eine suggestive Kraft auf die ältere Generation entfacht. Mit dem Wohlgefallen sank bei ihnen der Widerstand gegen die moderne Jugendkultur. Die ZDF-Hitparade mauserte sich indes zum Trendsetter und die ZDF-Disco gaukelte dem Zuschauer eine brave Jugend vor. Obwohl die ältere Generation über manche Rocksongs verärgert waren, so verstand es, das Team um Ilja Richter, eine ausgewogene Mischung mit schlagerartiger Popmusik zu gestalten.
Beim legendären Beatclub sanken drastisch die Einschaltquoten, obwohl es nur hier die großen Rockgruppen Deep Purples, Status Quo oder Black Sabbath zu sehen gab. 1972 wurde der Beatclub eingestellt und durch den Musikladen ersetzt, der aber erst mit dem Discotheken-Konzept 1977 wieder ein TV-Quotenhit wurde.
Um 1970 stieg bei der Jugend der Bedarf nach tanzbarer Popmusik deutlich an und da es so wenige gab, lag der Schlager wieder im jugendlichen Trend. Auch mit der sexuellen Neugier ließ sich die Jugend profitabel leiten. Die sogenannten Aufklärungsfilme (Oswalt Kolle) hatten Hochkonjunktur und waren im Grunde Softpornos. Am Zeitungsstand fand das Sexjournal Playboy reißenden Absatz und im Kino lockten diverse Sexkomödien und in den  Rush Meyer Filmen agierten nackte Mädchen mit großen Brüsten. Im regulären Kino begeisterten Brigitte Bardot, Claudia Cardinale und Jane Fonda mit ihren erotischen Reizen.
Für Schlagzeilen sorgten sogenannte Flitzer (Nackte), die die Öffentlichkeit brüskierten oder die Kommune 1, die ihre Nacktheit demonstrativ präsentiertenDie Kommune 1 war eine mehrköpfige Wohngemeinschaft, die ein alternatives Lebensmodell vorleben wollten, eine Gemeinschaft ohne Partnerschaftsbindung. Die Öffentlichkeit reagierte angewidert auf jene Wohngemeinschaft und verurteilte erst recht die ersten Terrormaßnahmen der RAF. Unter den Jugendlichen jedoch fanden sich zahlreiche Sympathisanten, sowohl für die Kommune, als auch für die RAF, da sie als Kämpfer gegen den Kapitalismus galten.
Ebenfalls ein Thema der Zeit, war der enorme Anstieg von Drogentoten und auch der Tod von Brian Jones (Rolling Stones), Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison (Doors) änderte nichts daran. Es war angesagt (Drogenpartys) es mal zu probieren und viele kamen davon nicht wieder los. Oftmals war es das soziale Umfeld (Prostitution, Armut) oder man fühlte sich minderwertig, was den Drogenkonsum verstärkte, um im Rausch der Realität zu entfliehen. Anfang der 70er Jahre gab es neben der Drogensucht einige soziale Missstände, aber die Medien versuchten eine heile und glitzernde Welt zu zeichnen. Somit sonnten sich die Bürger im Wohlstand und registrierten nicht die Schattenseite.
Die ursprünglichen Hippies gab es nicht mehr und dem Hardockprotestler wurden scheinbar die Krallen gestutzt. Eine neue Qualität der Wohlstandsgesellschaft erwachte.