1.2. Ende der 80er - ab 1985

                                                           11. Die Zeit nach 1985http://www.pfarrbrief.de/bilder/view/14998/Gorbatschow_Michail.jpg

                                                                                 Der Umbruch – 1985 bis1989

1. Allgemeine Betrachtung
2. Michael Gorbatschow und sein Einfluss
3. Die Regierung Helmut Kohl
4. Konsumgesellschaft und Gewerkschaften
5. Das Ende der DDR

    Chronologie mit Vor- und Nachschau

1. Allgemeine Betrachtung

Das Ende der 80er Jahre stand eng mit dem Namen Michael Gorbatschow in Verbindung. Der sowjetische Staatschef wurde für den Westen zum Symbol für Frieden und Abrüstung und im Osten für demokratische Erneuerung. Letztlich führte aber sein Engagement zum Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft. Und das wirkte sich international insofern aus, dass sich die USA weltweit gestärkt sahen und sich nun verstärkt in die Politik anderer Staaten (arabische Länder) einmischten und mitunter militärisch agierten. 
Mit dem legendären Spruch „Wer zu spät kommt, denn bestraft das Leben“, forderte Michael Gorbatschow seine Verbündeten auf, ihre Innenpolitik demokratisch zu reformieren, um die sozialistische Idee zu retten und das verlorengegangene Vertrauen in der Bevölkerung wieder zu erlangen. Inzwischen war jedoch die Wirtschaftslage katastrophal und die Stimmung innerhalb der Bevölkerung hoch explosiv. Die Reformen kamen zu spät und die Menschen hatten genug von der kommunistischen Bevormundung und den Austausch von Namen, der dem Volk den Willen zu Reformen vorgaukelte. In allen sozialistischen Staaten formierte sich nun eine offene Opposition. In Ungarn und Polen suchten die Regierenden wenigstens den Dialog mit der Opposition. In der DDR klammerte sich die SED weiter an seiner Macht. Erst die enorme Flüchtlingswelle über Ungarn und die vielen Asylsuchenden in den BRD-Botschaften, bewirkten ein Umdenken und stärkten die Reformer innerhalb der SED. Jedoch erst die Montagsdemos und die Ereignisse zum Jahrestag der Republik, machten der SED-Regierung klar, dass nun Taten folgen mussten, um einen Exodus zu verhindern. Zunächst wurden jedoch nur Personen ausgetauscht, doch damit gab sich das Volk nicht zufrieden.
International überraschte Michael Gorbatschow mit der einseitigen Abrüstung und brachte die USA in Zugzwang und er zog außerdem, die sowjetischen Truppen aus Afghanistan ab. Trotz politischer Erfolge, so hatte die sozialistische Wirtschaftsgemeinschaft RGW doch den verdeckten Handelskrieg mit der westlichen Welt verloren. Die westeuropäischen Staaten und die USA hatten ausreichend Reserven, um ihre eigene Wirtschaftskrise zu kompensieren. 
In der BRD stieg unter Bundeskanzler Helmut Kohl sogar der Wohlstand, aber andererseits  nahm die Arbeitslosigkeit zu und notwendige soziale Maßnahmen wurden nicht getroffen. Die unternehmerfreundliche Politik verärgerte zunehmend die Bevölkerung. Verblendet vom steigenden Wohlstand, wählte die Mehrheit der Bundesbürger jedoch weiter die CDU, zumal die SPD seine Wähler an Die Grünen verlor und die Grünen als Anarchisten galten. Jedoch verlor die CDU weiter an Vertrauen und ein Regierungswechsel kündigte sich an. Das Ende der DDR wirkte sich politisch als Glücksfall für die CDU-Bundesregierung aus, die mit ihren Plänen zur Wiedervereinigung politisch wieder im Aufwind waren. 
Gesellschaftlich setzte sich ein Trend zur Oberflächlichkeit durch, die vom Egoismus und dem Konsumdenken geprägt war. Eine Wegwerfgesellschaft bildete sich heraus, die auf der Basis des Wohlstands nach dem propagierten Lebensstandard gierte. Defektes wurde somit nicht mehr repariert, sondern durch Modernes und Modisches ersetzt. Der Bundesbürger neigte verstärkt zum Darstellungsgehabe und prahlte gern mit seinem Luxus.
Statussymbole wurden wichtig, um den eigenen gesellschaftlichen Stand zu zeigen. Ein luxuriöses Auto, modische Markenware, ein eigenes Haus mit Garten und eine Urlaubsreise in entfernte Länder gehörten mindestens dazu, um gesellschaftlich zu glänzen. Wer da nicht mithalten konnte, galt als ein Versager. 
Jenes luxuriöse Statusstreben verursachten, bei so manchen Menschen, massive Geltungszwänge. Häufig war damit Mehrarbeit oder ein zweiten Job verbunden, um den gewünschten Status zu erlangen. Zur Begleiterscheinung des Wohlstandstrebens wurde ein rücksichtsloses Karrieredenken. Immer im Blickpunkt war ein höherer Verdienst (Geld) und die Stellung in der Firma. Dafür war man bereit andere zu schaden, um besser dazustehen.
Für die einfachen Arbeiter waren Streiks willkommen, da sie ihnen eine Lohnerhöhung versprachen und damit ihren Lebensstandard erhöhen konnten. Aber eigentlich profitierten nur die Gewerkschaftsbosse davon, die über die erhöhten Mitgliederbeiträge, für sich private Gelder abzweigten. Ebenso wurde mit den Streiks die Wirtschaft angekurbelt, da sich die Kaufkraft des Bürgers erhöhte, wodurch eine Teufelsspirale in Gang gesetzt wurde. Da die Arbeitnehmer über mehr Geld verfügten, konnten Waren schleichend verteuert werden. Den Preisanstieg konnten sich dann aber andere Arbeitnehmer nicht mehr leisten und streikten ihrerseits für mehr Lohn. So gab es immer wieder Arbeitnehmer, die für mehr 
Lohn streikten und damit die Verteuerung der Waren anstieg. Lag das Durchschnittsgehalt (Brutto) 1980 bei 2.400 Mark, so waren es 1985 schon 2.900 Mark und stieg 1989 auf 3.300 Mark an, wobei Frauen im Schnitt etwa 600 Mark weniger verdienten.
Psychologisch gesehen zerbrachen zahlreiche Menschen am Geltungsdrang und dem Wohlstandstrieb. Das egoistische Streben nach Ansehen und einem hohen Lebensstandard zerstörte viele menschliche Beziehungen. Aus Freunden wurden Feinde und Ehen zerbrachen. Dazu stieg auch die Zahl der Menschen an, die ins gesellschaftliche Abseits gerieten und ihren Trost im Alkohol suchten oder sich zu kriminellen Taten hinreißen ließen. Grüne und Alternative lebten dagegen eine bewusstere Lebensweise vor, doch die Mehrheit der Bürger bezeichnete sie als „anarchistische Spinner“. Speziell Jugendliche suchten sich eine neue ideelle Heimat in der Musik (Grunge, Heavy Metal), Fußballklubs, Organisationen (Sekten, Neonazis, RAF) und zunehmend formierten sie sich zu kriminellen Banden oder glitten in die Drogensucht ab. 
Obwohl am Ende der 80er Jahre die krankhaften Begleiterscheinungen immer deutlicher wurden, ließen sich die meisten Menschen von den Medien fangen und strebten das propagierte Leben an. Der Einfluss der Medien war auch inzwischen stark angestiegen und man traute ihnen mehr als der Politik. Vertrauensfördernd deckte der Sensationsjournalismus einen politischen und wirtschaftlichen Skandal nach dem anderen auf. Sie verkauften sich, als die wahre unabhängige Stimme des Volkes, aber verschwiegen ihre Selbstsüchtigkeit. Skrupellos, mit Halbwahrheiten und Lügen argumentierten sie und waren im Grunde nur am Profit, den Umsatz und die Einschaltquote interessiert.
Wenn aber sollte man noch trauen, zumal eine Meinungsvielfalt einsetzte, die alles hinter-fragte. Doch was war davon wahr und glaubwürdig, und was Unsinn oder Lüge?
Dazu zerbrachen die Werte der Vergangenheit, aber ein neues Denken schaffte nur Chaos. Vielleicht flohen deshalb die Menschen in den verlockenden Luxus, lebten ihren Egoismus aus und setzten sich damit selbst unter Druck. Die Wohlstandsgesellschaft gab letztendlich die Richtlinien vor und die Mehrheit ließ sich davon verführen, da sie Luxus mit Glück gleichsetzten und den Medien mehr glaubten, als der Politik. 
In der DDR sah alles ganz anders aus und die Bevölkerung war aufgewühlt durch die eskalierende politische Lage, sowie der Misswirtschaft.  
Das neue Jahrzehnt begann für den Osten mit hohen Erwartungen und im Westen definierte man Vorstellungen von einer überzogenen freiheitlich demokratischen Gesellschaft. 
Die Saat, die in den 80er Jahren unbedacht gelegt wurde, keimte in den 90er Jahren auf.

 

2. Michael Gorbatschow und sein Einfluss 

Michael Sergejewitsch Gorbatschow, am 2. März 1931 in Priwolnoje geboren, wurde in den 80er Jahren zum Idol der Jugend in Ost und West.
Er war der Reformer der Demokratie, Hoffnungsträger des Ostblocks und Friedensstifter im Westen. Vieles wurde gesagt, idealisiert, aber was bleibt davon, wenn nüchterne Fakten an diesem Bild kratzen?
Anfang der 80er Jahre befand sich die sozialistische Staatengemeinschaft in einer schweren Wirtschaftskrise (Wettrüsten, Verlust von Absatzmärkten in Afrika und Asien, Afghanistankrieg, Misswirtschaft). Dazu gesellte sich eine explosive Stimmung in der Bevölkerung, die genug hatte von der kommunistischen Bevormundung. Dazu kam die grundlegende Abhängigkeit der Regierungen, der sozialistischen Staaten, von der Moskauer Regierung der Sowjetunion. Moskau als Dirigent seiner Verbündeten, stand aber nun mit dem Rücken zur Wand.
Der bisherige Staatschef Breschnew verstarb 1982 und machte die Bahn frei, für ein zeitgemäßes Umdenken. Ein interner Machtkampf entbrannte innerhalb der KPdSU zwischen den Fundamentalisten und den Reformern. Es spricht einiges dafür, dass die beiden Staatsoberhäupter vor Gorbatschow als Übergangsmarionetten fungierten, bis der Machtkampf einen Sieger fand. Der schnelle Tod von Andropow und Tschernenko ersparte der KPdSU deren Absetzung, als sich die Reformer durchsetzen und Gorbatschow zum Anführer wurde.
Sofort begann er im eigenen Land mit umfangreichen Reformen, die als Perestroika (Umgestaltung) und dem Glasnost (Demokratisierung) in die Geschichte eingingen. Zugleich zwang er die USA, mit seiner einseitigen Abrüstung, an den Verhandlungstisch. Durch sein Engagement sank die Gefahr eines nuklearen Krieges erheblich, auch wenn sich die Abrüstung der Atomraketen als Mogelpackung herausstellte. Es wurden zwar keine zusätzlichen Atomraketen aufgestellt, aber die Bestehenden durch Moderne ersetzt. Somit war weiterhin die atomare Kriegsgefahr gegeben, da die neuen Raketen eine höhere Kraft der Zerstörung und Vernichtung besaßen.
International punktete Gorbatschow mit der Beendigung des Afghanistankrieges und der Freigabe der Verbündeten, für mehr Demokratie und Selbstständigkeit. Hinter diesen Maßnahmen steckte jedoch ein Kalkül. Es galt einerseits laufende (Kriegs-) Kosten zu senken und die Bevölkerung der sozialistischen Staaten mit mehr Demokratie für die Idee des Sozialismus zurückzugewinnen. Mit der nationalen Eigenständigkeit sollten zeitgemäße Wirtschaftsmodelle gefördert werden, um der allgemeinen Wirtschaftskrise zu begegnen. Ungarn begriff seine neuen Freiheiten als Erste, aber sie versuchten mit behäbigen Reformen den regierenden Status der Partei beizubehalten. In Polen sah es ähnlich aus, dort stritten sich General Jaruzelski und Gewerkschaftsführer Walesa um den Führungsanspruch.
In allen anderen sozialistischen Staaten, so auch in der DDR, klebten die Machthaber weiter an ihrer Position und versuchten es mit anderen Mitteln. Diese Ignoranz gegen den Zeitgeist brachte Gorbatschow auf den Punkt. „Wer zu spät kommt, dem bestraft das Leben!“ Das Zitat machte weltweit die Runde und wurde nicht nur starren politischen Systemen entgegen gehalten.
Das hohe weltweite Ansehen von Michael Gorbatschow lag im eigenen Land jedoch im Argen. Die Reformen im eigenen Land bedeuteten zugleich eine rücksichtslose Säuberung. Eine Vielzahl von Amtsenthebungen, Gefängnisstrafen und auch Todesstrafen waren die Folge. Mit harter Hand ging er gegen Korruption und politischer Widersacher vor. Zudem sagte er dem Alkoholmissbrauch (Wodka) in der Bevölkerung den Kampf an. Alle Reformen der Perestroika bekamen den bitteren Beigeschmack von überzogenen Willkürmaßnahmen. Dazu kam, dass die Bevölkerung im öffentlichen Leben, nichts von einen Aufschwung spürte, sondern eher das Gegenteil eintrat. Für sie war Glasnost nur ein leeres Wort. Erst recht für die Sowjetrepubliken, die innerhalb der Sowjetunion ihre Unabhängigkeit forderten.
Ende der 80er Jahr wurde unwiderruflich klar, dass Gorbatschow selbst zu spät kam. Die angeschlagene Wirtschaft war nicht mehr zu retten und die alten politischen Strukturen waren zu tief in der Gesellschaft des riesigen Landes verankert. Demokratische Reformen, konnten nur scheibchenweise umgesetzt werden und riefen neue Geister auf den Plan.
Im gesamten sozialistischen Lager hatte die Bevölkerung genug vom Kommunismus, die einen perfiden Plan hinter den Reformen vermuteten. Zu oft wurden in der Vergangenheit nach Zugeständnissen die Zügel wieder straffer geführt. Angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage und dem sinkenden Lebensniveau wurden demzufolge die Stimmen immer lauter, die freie Wahlen forderten. Das war aber zu dem Zeitpunkt von Gorbatschow nicht vorgesehen, da alle kommunistischen Parteien ihre Macht verlieren würden. Zu stark war die Verbitterung des Volkes über ihre Machthaber. Zu sehr haben die Machthaber das Vertrauen in den Jahren zuvor verspielt.
Das Experiment Gorbatschow war misslungen. Zumindest hatte er großen Anteil daran, dass das sozialistische System (außer Rumänien) friedlich zusammenbrach. Es war auch politisch an der Zeit, dass die kommunistischen Parteien ihre Macht abgaben. Es war notwendig, die gemachten Fehler zu analysieren und als Oppositionspartei, ein ehrliches Vertrauen des Volkes zurückzugewinnen.
Gorbatschow verlor 1991 alle seine Ämter in der Sowjetunion und zog sich ins Privatleben zurück. Er reiste als beliebter Gast durch die Welt und besuchte u.a. Bundeskanzel Helmut Kohl. Gorbatschow gründete dann 1993 die Umweltorganisation „Grünes Kreuz“, die die globale Verantwortung der Regierungen der Welt einforderte.

3. Die Regierung : Helmut Kohl  ( BRD)

Der Bundesbürger hatte sein Vertrauen zur SPD verloren, zumal der Koalitionspartner FDP die Seiten wechselte. Gerade an der wirtschaftlichen Situation zerbrach die Koalition 1982 mit der FDP, die ein Konzeptpapier gegen die Krise vorlegt hatte. Auf der gesellschaftlichen Ebene warf die Bevölkerung der SPD vor, dass sie zu lasch gegen die aggressiven Zeitgeist-Strömungen (Punks, Autonome, Radikale) handle und damit einen anarchistischen Zerfall der Gesellschaft begünstigen würde. Die Vorwürfe der CDU, die von Misswirtschaft und moralischen Zerfall sprachen, fruchteten besonders bei den älteren Generationen. Die Medien erinnerten daran, dass die SPD das Abtreibungsgesetz ändern wollte und das Pornoverbot aufgehoben hatte. Die stark steigende Scheidungsrate wurde als Beleg einer sündigen Gesellschaft empfunden und in den Kontakten zur DDR, wurde eine Verbrüderung mit der SED befürchtet. Statistisch belegt wurde ein drastischer Anstieg der Kriminalität und der Arbeitslosigkeit auf l,80 Millionen.
Diese Situation reichte für ein konstruktives Misstrauensvotum aus und beendete vorzeitig die Amtszeit von Helmut Schmidt (SPD). Bei den Neuwahlen von 1983 setzte sich die CDU/CSU mit dem neuen Koalitionspartner FDP deutlich durch und Helmut Kohl wurde nun offiziell Kanzler der BRD. Mit 48,8 % erreichte die CDU nach 1957 ihr bestes Wahl-Ergebnis und die SPD rutschte nach langer Zeit erneut unter 40% (38,2%). Erstmals schafften es auch Die Grünen (5,6 %) in den Bundestag.
Die neue Bundesregierung strebte einen konservativen Stil an und durch den Wirtschaftskurs erhöhten sich die Arbeitslosen auf 2,25 Millionen und sollte sich bis 1990 auf eine Arbeitslosenquote von 9 % einpegeln. Die Bevölkerung ließ sich mit Argumentation abspeisen, dass 
die gestiegene Arbeitslosigkeit der wirtschaftlichen Neuordnung geschuldet sei und durch die angekurbelte Konjunktur die Arbeitslosigkeit wieder sinken würde. International demonstrierte Helmut Kohl, zusammen mit Ronald Reagan (USA) und Margaret Thatcher (GBR) eine konservative Entschlossenheit und sie fuhren gemeinsam einen kompromisslosen wirtschaftspolitischen Kurs. Im Sinne der USA setzte Helmut Kohl die Stationierung der nuklearen Mittelstreckenraketen durch und rechtfertigte das mit den USA Argumenten, von einem angeblichen atomaren Übergewicht der Sowjetunion. Trotz wachsender Proteste und Demonstrationen auf der Straße, schaffte es Helmut Kohl die parlamentarische Mehrheit für seine Argumente zu gewinnen. Zudem bremste ein wachsender Wohlstand die Protestbereitschaft der Bevölkerung und lies die Atomwaffengegner langsam verstummen.
Für die Bundesbürger strahlte Helmut Kohl ein beeindruckendes Charisma aus, das er mit seiner Zielstrebigkeit auch äußerlich unterstrich. Er bescherte Deutschland tatsächlich einen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung, allerdings auf Kosten von Sozialabbau und Arbeitslosigkeit. Es erhöhte sich die Zahl der Menschen, die am Existenzminimum leben mussten. Infolge dessen stieg auch Kriminalität, Prostitution und Drogensucht an. Gesellschaftlich wandelte sich das Bild und legte Wert auf Konsum und Karriere. Deutschland sonnte sich in seinem Luxus und Probleme von Außenseiter und Minderheiten wurden von der Mehrheit kaum ernst genommen. Auf jener Basis konnte die Regierung Toleranz gegenüber neuen Strömungen zeigen, sofern sie nicht zu politisch waren. 
Vor der Wahl 1987 schlugen die Wellen hoch wegen der Diätenerhöhung (Bezüge) der Parlamentarier und der Barschel-Affäre (Bespitzelung des SPD-Kandidaten Engholm). Hinzu kamen Spendenaffären (Flick), Steuerhinterziehungen und Bestechungsskandale. Da auch SPD Politiker darin verwickelt waren, wurde die Regierung Helmut Kohl im Amt bestätigt. Zugunsten der CDU, legte die FDP bei der Wahl zu und die SPD, mit ihrem Kanzlerkandidat Jochen Vogel verloren ihre Stimmen an Die Grünen, die mit 8,3 % ihr bestes Wahlergebnis erreichten. Bei der Bundestagswahl von 1987 setzte die Mehrheit der Bevölkerung auf das geringe Übel und erhoffte sich von der CDU wirtschaftliche Stabilität und Problemlösungen.
Nach 1987 wurden innenpolitische Aufgaben kaum gelöst und es kamen sogar neue hinzu. Egoistisch bildete sich eine wohlstandorientierte Gesellschaft heraus und führte zu einer steigenden Politikverdrossenheit. Die einen sahen sich politisch ohnmächtig und den anderen war Wohlstand und Karriere wichtiger. Eine Freizeitgesellschaft war entstanden, die Luxus und Konsum genießen wollte und sich von den Medien leiten ließ. Die Diskrepanz zwischen den Lebensarten nahm zu. Auf der einen Seite war eine karrieresüchtige Jugend, die veraltete Wertmaßstäbe, von Zucht und Ordnung, wieder aufleben ließen und auf der anderen Seite, waren die neuen Hippies und Punker, die sich im Grunge-Kult der Gesellschaft verweigerten. Mit dem starken Einfluss der privaten Medien und dem größeren Spielraum in der Pressefreiheit änderte sich ebenfalls das Verständnis von freiheitlicher Demokratie.
Mit den neuen Freiheiten gab es fast keine Grenzen mehr und viele suchten sich eine neue Identität fern ab vom Alltag und erst recht weit weg von der Politik. Das verstärkte politische Desinteresse ließ die Kohlregierung schalten und walten. Lediglich das Medium Fernsehen wurde immer prägender für die Stimmungsmache im Lande und orientierte sich dabei an den jeweiligen Trend. Mitunter suggerierten sie dem Zuschauer geschickt eine Meinung.
Die Politsatire „Hurra Deutschland“ (1989-1991) beispielsweise, karikierte mit Gummi-puppen Politiker und stellten Helmut Kohl als liebenswerten tölpelhaften Draufgänger dar, der kein Fettnäpfchen ausließ.
Abgesehen von seiner Person stieg die Unzufriedenheit über die CDU-Politik, da keine dringliche Probleme gelöst wurden und nur leere Versprechungen gemacht wurden. Medienprognosen prophezeiten der CDU, unter Helmut Kohl, eine herbe Wahlniederlage für 1990. Der Zusammenbruch der DDR (Wende) änderte jedoch alles und erstickte zudem die innerparteilichen Machtkämpfe. Mit der Wiedervereinigung wurde die CDU/CSU/FDP Koalition 1990, durch die Stimmen der DDR-Bürger klarer Wahlsieger und die SPD (33,5%) und Grüne (5,1 %) verloren weiter an Stimmen. Erwähnenswert wäre, dass die Rechten Kräfte politisch im Aufwind waren. Die Republikaner schafften es jedoch nicht über die 5% Hürde, zumal die idealistische Konkurrenz DSU und NPD ebenfalls Stimmen für sich verbuchen konnten.

4. Konsumgesellschaft  und Gewerkschaften ( BRD )

Trotz sozialem Abbau und einer stark steigenden Arbeitslosigkeit konnte die Mehrheit den Wohlstand genießen. Die Luxusgesellschaft wandelte sich in eine Konsum- und Freizeitgesellschaft. Zum Trend gehörten Reisen ins Ausland, dagegen war Urlaub im eigenen Land verpönt. Jeder Bundesbürger strebte nach einem eigenen Häuschen mit Garten, für viele wurde ein Zweitwagen (Auto) zur Normalität. Moderne Haushaltsgeräte, wie Kühlschrank und Waschmaschine gehörten zum Standard, genauso wie ein Farbfernseher und eine Hi-Fi-Musikanlage. Unmoderne Möbel wurden jetzt regelmäßig ersetzt und in der Mode jagten die Meisten den neusten Trend hinterher. Der Begriff Wegwerfgesellschaft hatte in dieser Zeit seine deutlichsten Auswüchse.
Es wurde nicht mehr entsorgt, weil es kaputt war, sondern weil es unmodern war. Besonders bei der Mode für die Frau, saß das Geld besonders locker und ausrangierte Kleidungsstücke landeten so manches Mal ungetragen auf dem Müll. Natürlich hatte die Werbung einen erheblichen Anteil daran. Sie propagierte stets den neusten Trend und das Geschäft florierte. Ab Mitte der 80er Jahre wurde ein spezielles Idealbild der Frau geprägt. Von diesem spindeldünnen Ideal profitierten die Kosmetikfirmen und alle jenen, die mit dem Schlankheitswahn Geschäfte machen konnten. Bewusste Ernährung, Diätprogramme und sportliche Fitness, hießen die neue Zauberformel für einen perfekten Körper und einer strahlenden Gesundheit. Jenen Trend ließen sich die entsprechenden Anbieter teuer bezahlen. Zudem verteuerten sich die Preise für Salate, Gemüse und Wasser dementsprechend.
Neben dem Fitnesswahn boomten die Freizeitangebote. Der Bundesbürger verließ öfter seine Wohnung und ging wieder ins Kino, Theater oder auf Volksfeste. Aufgeschlossen für alles konnte eine gute Idee zu einer profitablen Einnahmequelle werden. Noch unbedarfter war die Jugend. Ihr Motto hieß: „Leben in vollen Zügen genießen“. Aus finanziellen Gründen zogen sie es vor, von einer privaten Party zur Anderen zu gehen.
Für Karrieretypen musste es schon ein gehobener Umgang sein und sie zwängten sich nun freiwillig in Anzüge. Selbst Karrierefrauen wählten Anzugskombinationen und wollten wohl dadurch männlicher wirken. Sie strebten nach Konsum und Luxus, doch primär nach Macht und einer verantwortungsvollen Stellung. Eine Ellenbogengesellschaft entstand, die rücksichtslos den Weg nach oben suchte (Anerkennung, Stellung). Sentimentalitäten waren da fehl am Platz, die nur die eigene Schwäche sichtbar machte. Ähnlich wie in der Wildnis überlebte nur der Starke und das Motto galt: „Treten oder getreten werden“.
Der Egoismus in den 80er Jahren nahm verschärfte Dimensionen an. Arbeitnehmer neigten dazu, um des eigenen Vorteilswillen, Andere anzuschwärzen oder zu verleumden. Ein Wort machte die Runde: „Mobbing“. Der neue Wohlstandsrausch musste bezahlt werden und dafür überschritt manch einer die legitimen Normen. Die Konsumgesellschaft förderte enorm die nationale Wirtschaft und die Gewerkschaften forderten daraufhin mehr Lohn für ihre Beschäftigten. Die Arbeitnehmer sollten ihren gerechten Anteil am Wirtschaftswachstum haben. Mehr Lohn hieß zugleich Erhöhung der Kaufkraft, was die Wirtschaft zusätzlich stärkte.
Wer sich jedoch die Mühe machte und hinter die Fassade blickte, erkannte im Spiel der Gewerkschaften mit den Unternehmern ein heimtückisches Kalkül. Streiks dienten dabei einem bestimmten Zweck.

1. Streiks waren eine willkommene Studie für das Unternehmen, um die Firmentreue der Arbeitnehmer besser
    einzuschätzen zu können (Loyalitätsprinzip).

2. Bei einem gesättigter Weltmarkt begrüßten Unternehmen Streiks, er bewirkte den Abbau eines zunehmenden
    Lagerstaus. Effizienterer Produktumsatz war möglich und verringerte 
Lagerhaltungskosten bzw. Verkaufsdefizite
    infolge unmoderner oder verrotteter 
Lagerprodukte.
 
3. Für Finanzstarke Unternehmen boten Streiks die Gelegenheit, eine anfällige Konkurrenz der Branche in den
     Ruin zu treiben. Fehlende Absätze lassen sich für finanzschwache 
Firmen nicht kompensieren und ein
     fehlendes Finanzpolster heißt Insolvenz oder das 
angeschlagene Unternehmen mussten sich einer Großfirma
     zum Kauf anbieten.

4. Von erfolgreiche Streiks profitierten in erster Linie die Großunternehmen und die Gewerkschaften. Mehr Lohn
    bedeutet für Kleinfirmen erhöhte Personalkosten, die den 
ökonomischen Handlungsspielraum bremsen.
    Höherer Lohn verringerte aber den Profit, 
wodurch kleiner Firmen nicht mehr konkurrenzfähig waren (ruiniert).
    Sicherlich profitierten Gewerkschaftsbosse von gezielten Streiks inoffiziell von den begünstigten Unternehmen.
    Außerdem erhöhen sich mit einer Lohnerhöhung auch die 
Gewerkschaftsbeiträge und bereicherten die Führung
    der Gewerkschaften.

Der Arbeitskampf, am Ende der 80er Jahren, diente daher in erster Linie den Multikonzernen und den Gewerkschaftsbossen, die davon mehr profitieren als die Arbeitnehmer. Eine stetige Methode wurde deutlich. Gewerkschaften setzen Lohnforderungen hoch an, um die Arbeitnehmer für den Arbeitskampf zu motivieren. Letztendlich wurde aber ein deutlich geringerer Kompromiss ausgehandelt. Mal abgesehen, das für kleinere Firmen Streiks den Konkurs bedeuten konnte, ließen sich Arbeitnehmer mit dem Kompromiss abspeisen und zahlten letztendlich drauf, weil der Kleinunternehmer seine Mitarbeiter entlassen musste (Insolvenz, nicht tragbare Lohnkosten). Eine Lohnerhöhung wurde in der Regel für einen Arbeitsbereich ausgehandelt, wodurch jene Arbeiter über eine höhere Kaufkraft verfügten. Das motivierte dazu, die Lebenshaltungskosten ansteigen zu lassen.
Für andere Werktätigen verteuerte sich somit der Wohlstand und sie verlangten folgerichtig über ihre Gewerkschaften mehr Lohn. Es entwickelte sich eine Spirale, in der die Lebens-haltungskosten und der Arbeitslohnkampf inflationäre Ausmaße annahmen und sich zunehmend zu einem Bumerang entwickelten. Der deutsche Arbeitnehmer war insgesamt zu teuer geworden. Gerade für Kleinbetriebe stand Lohn und Umsatz zunehmend in einem Missverhältnis. Auf der einen Seite stand zwar die hohe Kaufkraft der Bundesbürger, jedoch die Lohnentwicklung gefährdete zunehmend die konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt. Übrigens ein Problem vieler Industrie-Nationen.
Die logische Folge war und ist, ein Abwandern der Großfirmen ins Ausland oder es wurden ausländische Arbeitnehmer ins Land geholt, die für bedeutend weniger Lohn arbeiteten. Lohnkosten im Ausland oder mit Ausländern zu sparen, ließen aber die Arbeitslosenzahlen explodieren. Einen besonderen Einbruch erlebte das Handwerk. Gerade Reparaturleistungen verteuerten sich astronomisch, wobei der Arbeitslohn mitunter mehr als 50% der Rechnung ausmachte. Ein Neukauf wurde lukrativer als eine Reparatur. 
Obwohl am Horizont graue Wolken aufzogen, sonnte sich die Mehrheit der Bundesbürger im Luxusrausch. Sie ignorierten die steigende Arbeitslosigkeit und das tiefer werdende soziale Gefälle. Von den Medien aufgehetzt, schimpfte die Bevölkerung über deren Themen. Doch nur sporadisch übten die Medien politische Kritik und wurden zum Handlanger der Wirtschaft. Zudem verbreitet sich der Slogan: „Solange es mich nicht trifft!“ Diese Haltung gewährte der Kohl Regierung viel Handlungsspielraum. Soziale Leistungen wurden gekürzt und die eigenen Politikerdiäten erhöht. Die Opposition sang ihr gewohntes Schimpflied, konnte aber selbst keine Alternativen anbieten und wollte es vermutlich auch nicht. Die Grünen verloren ihren kämpferischen Geist. Äußerlich kamen sie immer seltener mit Fahrrad, tauschten ihre Jeans mit Anzügen und wurden politisch konservativer.
Lediglich die freien Medien (RTL, SAT1), schauten den Politikern etwas auf die Finger und deckten skandalöses auf. Jene Sender waren aber nur an Einschaltquoten interessiert, da sie  sich über die Werbung finanzierten und daher bedacht in ihrer Berichterstattung vorgingen. Sie wollten bestimmte Leute nicht wirklich verärgern.

5. Das Ende der DDR und die deutsche Wiedervereinigung

1. Die Grundsituation ab 1985:
Wirtschaft: 

Die Krise war an allen Ecken und Kanten zu spüren. Neben der sinkenden Auftragslage, klappte die Zulieferung von Fertigteilen nicht. Maschinen standen still, die Werktätigen putzten derweil den Hof oder die Maschinen und einige mussten entlassen werden. Erstmals gab es in der DDR Arbeitslose, die offiziell Arbeitssuchende genannt wurden, die schnell in irgendwelche Tätigkeiten gezwängt wurden (Reinigungsarbeiten). Maschinen wurden kaum noch gewartet, waren marode und fielen reihenweise aus. Ein letzter Versuch Devisen zu beschaffen verärgerte besonders die Westberliner Bevölkerung. Ein Zwangsumtausch von 20 DM in 20 DDR-Mark (1:1) erregte den Westberliner, die zuvor in Ostberlin intensiv und für ihre Verhältnisse spottbillig Kultur und das Essen in Restaurants genießen konnten.

Alltag:
Die Mangelwirtschaft machte aus den DDR-Bürgern ein Erfindervolk und ließ zudem den Schwarzmarkt explodieren. Es war erstaunlich, wie lange Improvisiertes hielt und Maschinen ohne Originalteile funktionierten. Unter der Hand wurde so ziemlich alles gehandelt, wie Zigaretten, Rouladen-Fleisch, Zement, Fliesen, Autoersatzteile u.v.a.  In den Kaufhallen herrschte gähnende Leere, zumal beliebte Waren, mit neuem Etikett, für teures Geld, nur noch in Delikat-Läden erhältlich waren. Damit überhaupt noch Kunden in die Kaufhalle kamen, richteten sie Delikat-Bereiche ein. Nicht anders sah es mit Kleidung, Schmuck oder Schönheitsartikeln aus. Die normalen Kaufhäuser boten unmoderne Ladenhüter an, die an einen Ramsch-Laden erinnerten. Besonders in der ländlichen Gegend lagen zwischen den Kaufhäusern und den teuren Exquisit-Läden Welten.
Den Fußballfan erzürnten besonders die Machenschaften der Funktionäre, die dem Stasiclub BFC Dynamo die Meisterschaft garantierte. In einem Pokalendspiel gegen Dynamo Dresden machte ein Schiedsrichter den Skandal offensichtlich und pfiff sehr deutlich für den BFC. Er protestierte so gegen den Zwang, dem der Referee ausgesetzt war, wodurch die Machenschaften im Fußball für die Fans ersichtlich wurden.
Für den Bürger in der DDR wurde die Lage unerträglich. Mangelwirtschaft und Lügen-meldungen über angebliche Erfolge waren und konnten nur noch im Alkohol ertragen werden. Es wurde schon deshalb viel gefeiert (Grillpartys), um einerseits den Frust zu vergessen und andererseits Schwarzmarktgeschäfte mit den Gästen zu machen. Da beruhigten auch nicht der zinslose Ehekredit (10.000 Mark) und eine Lockerung der Meinungsfreiheit. Solche Maßnahmen dienten lediglich der oberflächlichen Kosmetik, aber die Wirklichkeit sah anders aus.

Opposition: 
Mit dem Rücken zur Wand reagierte die Regierung überempfindlich und schlug blind um sich. Die sich bildende Opposition musste daher aus dem Untergrund agieren. Infolge der Biermann-Affäre (1976) bildeten Künstler eine Untergrundszene, die sich später Neues Forum nennen sollte und besonders die Bürgerrechte thematisierte. Die kirchliche Friedensbewegung „Schwerter zu Pflugscharen“ ging denselben Weg und nannte sich später Initiative für Frieden und Menschenrechte (IFM). Die IFM war mit Flugblättern aktiv und deckte den Wahlbetrug in der DDR auf, wie die Wahlbüros die Ergebnisse auf 99% frisierten. Politisch gründeten Kommunisten und Demokraten und eine Organisation, aus der die SDP hervorgehen sollte. Denn auch innerhalb der SED wurden die Stimmen nach Reformen immer lauter, vor allem als Michail Gorbatschow das Honecker-Regime dazu aufforderte. Die Regierenden, waren aber nicht dazu bereit ihre Macht aufzugeben und schon gar nicht Freie Wahlen zuzulassen

 

2. Chronologie des Zerfalls

Das Jahr 1988

17. Januar: Neben der offiziellen Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wollten sich unerwünschte Demonstranten mit einreihen. Unter dem Motto, „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ von Rosa Luxemburg, wollten sie ihre Sicht oppositionell kundtun. Da die (bestellte) Westpresse anwesend war, verhafteten die DDR-Sicherheitskräfte nur etwa 160 Demonstranten. An den Folgetagen verhaftet das MfS zahlreiche Aktivisten der Berliner Oppositionsbewegung, um eine beginnende Solidaritätsbewegung zu ersticken.

♦  Vor den Feierlichkeiten zum 1. Mai kommt es zu weiteren zahlreichen Verhaftungen von verdächtigen Regimegegnern, um Störungen der offiziellen Feierlichkeiten zu verhindern. Die meisten werden am 2. Mai wieder freigelassen oder in die BRD abgeschoben.

 10. Oktober: DDR-Sicherheitskräfte lösen in Ost-Berlin gewaltsam einen Protestmarsch von etwa 200 Personen auf, die mit Transparenten gegen die Zensur von Kirchenzeitungen protestieren.

 20. November: Die sowjetische Monatszeitschrift Sputnik wird wegen ihrer kritischen Inhalte nicht mehr in der DDR vertrieben. Auch die sowjetische Zeitung „Neue Zeit“ ist nicht mehr erhältlich.

 

Das Jahr 1989

♦ 15. Januar: Über 500 Menschen demonstrieren auf dem Leipziger Marktplatz für die Meinungsfreiheit. Die Polizei hält sich weitgehend zurück, dafür wird im Anschluss die Staatssicherheit aktiv und nimmt Verhaftungen vor.

2. Mai: Ungarn öffnet seine Grenze zu Österreich. In deren Folge versuchen Hunderte von DDR-Bürgern über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begeben sich viele DDR-Bürger in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau, um ihre Ausreise nach Westdeutschland zu erzwingen.

♦ 7. Mai: Bürgerrechtsgruppen können erstmals einen Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen nachweisen und machen ihn über Flugblätter und westlichen Medien öffentlich.

♦ 31. Juli: Die ständige Vertretung der BRD in Ost-Berlin, die Botschaften in Warschau, Prag und Budapest sind total überfüllt. Trotzdem versuchen Tausende DDR Bürger die Botschaften der BRD zu stürmen, um ihre Ausreise zu erzwingen. Wegen der anhaltenden Flucht von DDR Bürgern über Ungarn, verbietet die Regierung Reisen dorthin. Die CSSR wird aufgefordert, DDR Bürger in Grenznähe zu Ungarn zu verhaften.                                       

♦ 19. August: Trotz Reiseverbot gelingt 600 Personen eine Massenflucht über Ungarn nach Österreich (ungarische Grenzer weigerten sich zu handeln).

♦ 4. September: Auf Initiative der evangelischen Kirche findet nun auch in Leipzig die erste Montagsdemonstration statt. 1.200 Demonstranten fordern die Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Die Veranstaltung verlief ohne Zwischenfälle.

♦ 10. September: Bürgerbewegung Neues Forum gründet sich offiziell. In der Folgezeit etablieren sich die Bürgerbewegungen Initiative für Frieden und Menschlichkeit, Demokratie Jetzt, Demokratischer Aufbruch und die Sozialdemokratische Partei (SDP) und stellen sich ungehindert der Öffentlichkeit vor.

♦ 10. September: Ungarn lässt die Botschaftsflüchtlinge und die festgehaltenen DDR Bürger offiziell Ausreisen. 30.000 Flüchtlinge passieren am 11.09. die ungarisch-österreichische Grenze in Richtung BRD.

♦18. September: Rockmusiker und Liedermacher schreiben einen offenen Brief an die Staatsführung und fordern demokratische Reformen. Unter ihnen Gerhard Schöne, Tamara Danz (Silly) und Kurt Demmler.

♦ 30. September: Der BRD Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag, die Ausreisegenehmigung der DDR Flüchtlinge für die Warschauer und Prager Botschaft.

♦ 2. Oktober: Die Leipziger Montagsdemonstration, an der 20.000 Menschen teilnehmen, wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst.

♦ 7. Oktober: Am Rande, zu den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR, mahnt der sowjetische Staatschef Gorbatschow die DDR-Führung zu politischen Reformen. Unbeirrt lässt sich die Staatsführung in einem Festakt feiern und zieht aus Sicherheitsgründen militärische Einheiten nach Berlin. In den Abendstunden kommt es zu schweren Übergriffen der Bereitschaftspolizei, gegen-über einer spontanen Gegendemonstration, die Kurs auf die offiziellen Feierlichkeiten nimmt. Die Stasieinheit schlägt mit Gummiknüppel auf die meist Jugendlichen ein. Einem westlichen Fernsehteam gelingt es die Gewalttätigkeiten zu filmen. Diese Bilder gehen um die Welt und brachten das DDR-Regime in Erklärungsnöte. Die große Anzahl von Verletzten ließ sich nicht leugnen. Von der Prügelorgie der Stasi entsetzt, regt sich innerhalb der SED Widerstand zum bisherigen Kurs. Zudem wird es für die Regierung fraglich, ob sie auf die Pflichttreue der Volksarmee und der Volkspolizei setzen kann. Wie später bekannt wurde, gab es Pläne erneute Demonstrationen mit Waffengewalt zu begegnen. Aus Angst, vor revoltierenden militärischen Einheiten und der Gefahr eines Bürgerkrieges, wurden solche Pläne jedoch schnell verworfen.

♦ 9. Oktober: Bei einer erneuten Montagsdemonstration in Leipzig mit etwa 70.000 Teilnehmern, bleiben befürchtete bewaffnete Gegenmaßnahmen aus. Zum ersten Mal ist der Slogan „Wir sind das Volk“ zu hören.

♦ 18. Oktober: Erich Honecker erklärt aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt von allen seinen Ämtern. Egon Krenz soll das Vertrauen der Bevölkerung zur SED wieder-herstellen und wird vom Politbüro zu vorsichtigen Reformen ermutigt. In seiner Antritts-rede spricht er von einer „Wende“, worauf der Begriff Wendezeit basiert.

♦ 23. Oktober: 300.000 Menschen machen auf der Leipziger Montagsdemonstration klar, dass sie sich mit einem Personenaustausch nicht abspeisen ließen.

♦ 4. November: Die größte Demonstration in der deutschen Nachkriegsgeschichte, mit knapp einer Million Teilnehmern, findet auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin statt. Legal angemeldet, fordern Künstlerinnen und Künstler bei ihren Reden mehr Meinungsfreiheit, eine Demokratisierung der DDR sowie Freie Wahlen. Eindrucksvolle Redner sind Künstler wie Christa Wolf, Ulrich Mühe und Steffie Spira und Repräsentanten der neuen Bürgerbewegungen wie Marianne Birthler, Jens Reich und Friedrich Schorlemmer. Auch SED-Vertreter dürfen das Wort (Günter Schabowski, Markus Wolf) ergreifen, sie werden allerdings ausgebuht.

♦ 7. und 8. November: Angesichts der deutlichen Volksbekundung und der 225.000 ausgereisten Bürgern in diesem Jahr, tritt die gesamte Staatsführung zurück und beauftragt den SED-Reformer Hans Modrow mit einer Übergangsregierung.

♦ 9. November: Vor laufenden Kameras verkündete Günter Schabowski die neuen Bestimmungen, dass sofort und unverzüglich Privatreisen nach dem Ausland, ohne Vorliegen von Voraussetzungen, wie Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantragt werden könnten. Die Genehmigungen würden somit kurzfristig erteilt. Schließlich erklärt er, dass Ausreisen über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur Bundesrepublik erfolgen können. 
Es ist bis zum heutigen Tag nicht geklärt, ob Schabowski einen Lesefehler begangen hatte oder absichtlich diese Passage zur Grenzöffnung eingefügt hatte. Ursprünglich sollten nur Richtlinien zur Demokratisierung verlesen werden.
Die Ankündigung einer sofortigen Grenzöffnung war völlig überraschend. Zumal die Grenzstellen keinerlei Order zuvor erhalten hatten und auch die Bundesrepublik völlig überrascht wurde. Tausende Bürger eilten daraufhin an die Westberliner Grenzen. Von dem Andrang überrascht und ohne jegliche Verhaltensorder öffneten die Grenzkontrollen verunsichert die Übergänge, an der Berliner Mauer und zur Grenze der Bundesrepublik. Noch in derselben Nacht kam es in West-Berlin zu volksfestartigen Feiern. Um diesen enormen Grenzverkehr zu ordnen, wurde an den Tagen danach sporadisch eine Visumpflicht eingeführt. Später genügte jedoch ein Stempel im Personalausweis bis schließlich jegliche Kontrollen wegfielen.

♦ 13. November: Die Reformkräfte innerhalb der SED haben die Oberhand gewonnen. Hans Modrow, bisher Chef des SED-Parteibezirks Dresden, wird nun offiziell zum neuen Ministerpräsidenten der DDR gewählt.

♦ 1. Dezember: Die SED streicht ihren Führungsanspruch aus der Verfassung und beauftragt die Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Funktionäre der SED zu ermitteln, wegen Amts-missbrauch und Korruption, unter anderem gegen Erich Honecker. Zugleich werden die anderen Parteien (CDU, LDPD, NDPD) von ihrem Verbund mit der SED entbunden und die neuen Bürgerbewegungen anerkannt. 

♦ 3. Dezember: Egon Krenz wird zum Rücktritt gezwungen und mehrere Politiker aus der SED ausgeschlossen. Unter ihnen Erich Honecker, Erich Mielke (Stasi) und Innenminister Willi Stoph.

♦ 7. Dezember: Hans Modrow lädt die freien Parteien, alle Bürgerrechtsbewegungen und die neue SDP zum Runden Tisch ein. Es gilt den Demokratisierungskurs festzulegen.

♦ 16. Dezember: Die SED gibt sich den Namenszusatz PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus).

Das Jahr 1990

♦ Januar 1990 ändert sich der Ton, der weiterhin stattfindenden Montagsdemonstrationen: Die Parole „Wir sind das Volk“ aus den Zeiten des Aufbegehrens, weicht dem Ruf nach der Wiedervereinigung.

♦ 15. Januar: Demonstranten stürmen die Stasi-Zentrale in Ostberlin. Laut Gerüchten war der Geheimdienst dabei, alle Akten zu vernichten oder aus dem Haus zu schaffen. In deren Folge, bewacht die Volkspolizei unter Kontrolle von Bürgerrechtlern das Gebäude, bis zu einer endgültigen Lösung.

♦ 4. Februar: Die SED-PDS gibt den Namensbestandteil SED auf, nennt sich PDS.

♦ 10. Februar: Gorbatschow macht gegenüber Bundeskanzler Kohl und dem Ministerpräsidenten Modrow deutlich, dass er keinen Einwand gegen eine deutsche Wiedervereinigung hätte.

♦ 20. Februar: Wahlgesetz wird beschlossen, für die ersten freien Wahlen in der DDR. Daraufhin versuchen westdeutsche Parteien, die ehemaligen Parteien der DDR zu vereinnahmen. Zusammen mit der West SPD, wirbt die Ost SDP mit einem Konzept, der den wirtschaftlichen Aufbau einer neuen DDR vorsieht, mit einer späteren Wiedervereinigung mit der BRD. Die Bürgerrechtsgruppen vereinen sich zum Bündnis 90 und zielen auf eine unabhängige demokratische DDR. Kurz vor der Wahl sieht alles nach einem klaren Sieg für die SDP aus, doch die CDU wirbt plötzlich mit der sofortigen Wiedervereinigung und Einführung der D-Mark.

♦ 18. März: Über 40 Parteien treten zur Wahl an, darunter solche Kuriositäten, wie die Sexliga und die Biertrinkerunion. Die CDU gewinnt die Wahl überwältigend mit 48,1%. Die SDP schafft es nur auf 21,9 %, die PDS auf immerhin 16,3 % und das Bündnis 90 erreichte nur 2,9%. Ein deutliches Votum der Bevölkerung, die einer zweiten DDR keine Chance gaben und die sofortige Wiedervereinigung wollten. Sabine Bergmann-Pohl (CDU), wird Volkskammerpräsidentin und damit letztes repräsentatives Staatsoberhaupt der DDR und Lothar de Maizière (CDU) letzter Ministerpräsident (Regierungschef).

♦ 5. Mai: In Bonn beginnen die „Zwei-plus-vier-Gespräche“ zwischen den Außenministern der Bundesrepublik, der DDR und der ehemaligen Besatzungsmächte (USA, Frankreich, Großbritannien, Sowjetunion). Die Gespräche drehen sich um die deutsche Einheit, wogegen Frankreich und Großbritannien erhebliche bedenken zeigten. Die USA und die Sowjetunion hofften dagegen einen Nutzen aus der Vereinigung ziehen zu können.

♦ 18. Mai: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion wurde zwischen beiden Ländern beschlossen.

 1. Juli: Die Währungsunion tritt in Kraft. Die D-Mark wird gesetzliches Zahlungsmittel in der DDR. Jeder DDR Bürger durfte sein erspartes Vermögen in Höhe von 10.000 DDR-Mark, in einem 2:1 Verhältnis umtauschen. Für Barvermögen darüber hinaus, galt der offizielle Kurs 4:1. Viele Bürger fühlten sich um ihr angespartes Vermögen betrogen. Über Nacht verschwanden alle DDR-Waren aus den Kaufhallen und wurden zu westlichen Supermärkten. Die neuen Supermarktketten betrieben einen regelrechten Boykott von DDR-Erzeugnissen und trieben VEB-Firmen in den Bankrott und die Landwirtschaft blieb auf ihren Produkten sitzen, da nur noch westdeutsche Produkte angeboten wurden.
Durch die D-Mark kündigten ausländische Partner ihre Handelsverträge, da DDR-Waren nun zu teuer waren. Die angeschlagene Wirtschaft erlebte ihren Exodus. Zudem fielen Geschäftemacher (z. B.: Teppichverkäufer), wie Heuschrecken in die DDR ein und über-fordern ein Volk, für die die Marktwirtschaft Neuland war. Viele gutgläubige Bürger fielen auf die gewieften Betrüger oder mangelhafte Waren herein.

♦ 22. Juli: Bis zum 14. Oktober sollen die bisherigen 14 Bezirke wieder in fünf Länder umstrukturiert werden. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

♦ 23. August: Die Volkskammer votiert für den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes (Wiedervereinigung).

♦ 13. September: Der Abzug der sowjetischen Truppen bis 1994 wird vertraglich geregelt.

♦ 3. Oktober: Tag der Deutschen Einheit. Nach dem Artikel 23 des Grundgesetzes treten die Länder der DDR der Bundesrepublik bei, damit hörte die DDR auf zu existieren.

♦ 2. Dezember: Gesamtdeutsche Wahlen zum Bundestag. Für Helmut Kohl (CDU) war dieser Umstand ein Glücksfall. Zuvor standen im Westen Deutschlands die Zeichen auf einen Regierungswechsel zur SPD. Ostdeutschland brachte dem Einheitskanzler Helmut Kohl (CDU) die nötigen Stimmen für eine erneute Amtsperiode. Aufgrund einer parlamentarischen Übergangsregelung bekamen die separaten Ostparteien einen Bonus. So erhielt die PDS nur 2,4% der Stimmen bei den Wahlen, bekam aber 17 Sitze im Bundestag. Das Bündnis 90 bekam sogar nur 1,2% und erhielt 8 Sitze. Die CDU wurde Wahlsieger mit 36,7% (= 268 Sitze) und der Koalitionspartner FDP erreichte 11% (=79 Sitze) und die CSU 7,1% (= 51Sitze). Die SPD konnte mit 33,5% Prozent und 239 Sitzen keine Mehrheit erreichen.

Vor der Bundestagswahl fusionierten die Ost-Parteien mit den West-Parteien: SDP mit der SPD; Bündnis 90 mit den Grünen; LDPD und NDPD mit der FDP; Ost-CDU mit der CDU; SED benannte sich in PDS um. Anmerkung: die NDPD teilte sich und einige Mitglieder traten der DVU bei. 

 

3. Die Wiedervereinigung

Wirtschaft:

Mit der Wirtschaftsunion wurden DDR-Waren boykottiert und ausländische wirtschaftliche Beziehungen wegen der D-Mark gekündigt. Doch der endgültige Todesstoß für die DDR-Wirtschaft kam mit der Treuhandgesellschaft. Die Treuhand GmbH sollte die angeschlagene Wirtschaft marktwirtschaftlich Ausrichten und sanieren oder unwirtschaftliche Betriebe an Interessenten vermitteln (abwickeln), aber deren höchste Priorität sollte die Sicherung von Arbeitsplätze sein. In der Realität wurden Initiativen zur Selbstständigkeit von der Treuhand torpediert und ausländische Investoren vergrault.
Beispielsweise wollten schwedische und japanische Firmen Industriebereiche aufkaufen, wurden aber hingehalten und mit erhöhten Kaufpreisforderungen endgültig verschreckt. Statt „blühenden Landschaften“ machte die Treuhand aus der DDR eine wirtschaftliche Wüste, die es darauf anlegte keine Ost-Konkurrenz zu westlichen Firmen zuzulassen. Die Arbeitslosigkeit explodierte und schnellte bis auf 20% herauf, eine Quote, die drei Mal höher war, als in den alten Bundesländern (BRD). Auf dem Lande wurde die Bodenreform rückgängig gemacht, doch die meisten Bauern wären einzeln nicht konkurrenzfähig zum Westen gewesen. Nach dem Vorbild der LPG gründeten sie landwirtschaftliche Gemeinschaften. Dennoch gab es eine zusätzliche Hürde.
Viele Kaufhallen von Konsum und HO wurden von BRD-Supermarkt aufgekauft. Extra, Spar und Bolle Filialen entstanden, besonders breitete sich Kaisers-Tengelmann im Osten aus. Die westlichen Verkaufsketten bevorzugten westliche Waren/Produkte, wodurch der Absatz von regionaler Waren erschwert wurde und die Ost-Bauern existenziell bedroht waren. Aufgrund der landwirtschaftlichen Gemeinschaften konnten sie aber ihre Produkte preisgünstig anbieten oder bildeten eigene Vertriebsketten, wodurch die Landwirtschaft im Osten marktfähig blieb. Zudem verlangte der Bürger konkret Ost-Produkte, wodurch die Super-Märkte, marktwirtschaftlich motiviert, wieder Ostprodukte anboten. Besonders regionale landwirtschaftliche Produkte, wie Milch, Fleisch und Wurst wurden angeboten. Später auch Rotkäppchen Sekt, Spreewaldgurken und das Waschmittel Spee.
Nach der Devise „Todgesagte leben länger“, setzte sich die regionale Landwirtschaft durch und viele DDR-Produkte waren wieder im Supermarkt erhältlich, auch wenn einige Produkte zum Ableger von BRD-Firmen wurden, wie das Waschmittel Spee, was Henkel unterstand. Ähnliches galt für einige Firmen, die sich trotz Treuhand-Behinderungen, auf dem Markt etablieren konnten. Dagegen erlebten viele neue entstandene Gewerbe einen Reinfall und verschuldeten sich zum Teil existenziell.

Alltag:

Der DDR Bürger kam sich vom Westen überrollt vor. Die neuen Freiheiten und die sogenannte Demokratie, entpuppten sich als leere Worte. Ein Volk, was bisher wohlbehütet und vom Staat soziale Abgesichert war, musste sich plötzlich um alles allein kümmern. Der Bürger war schnell überfordert, wie sich für eine neue Krankenkasse zu entscheiden oder sein Barvermögen anzulegen oder zukunftsorientiert eine Lebensversicherung abzuschließen. Bisher unbekannte Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Prostitution, Drogensucht und die bewaffnete Kriminalität wurden nun auch hier zur Realität. Dazu schluckte die Währungsunion so manches Barvermögen und aufgehetzt von den Medien begann ein gegenseitiges Denunzieren (Stasimitglied) und trieb viel gescholtene Menschen  zum Nervenzusammenbruch oder in den Selbstmord.
Durchtriebene Geschäftemacher nutzten die Naivität der DDR-Bürger aus. Sie drehten ihnen Plunder zu überhöhten Preisen an, tricksten sie aus und ließen sie blauäugig Knebelverträge unterschreiben. Keiner war wirklich da, der den Geschädigten half und die bisher gewohnte Rechtssicherheit gab es nicht mehr. Neben der eskalierenden Arbeitslosigkeit, bekamen die Ostbürger höchstens 70%  für ihre Arbeit, im Vergleich zum Westbürger und das bei 100%-igen Lebenshaltungskosten. Die westlichen Politiker begründeten die Dumpinglöhne, dass damit Investoren in den maroden Osten gelockt werden, dass aber so nicht funktionierte.
Schließlich wurde das Gesetz „Rückgabe vor Entschädigung“ beschlossen. Kleinbetriebe verloren ihren Standort durch Besitzansprüche und damit ihre Existenz. Tausende Familien, die in der DDR legal Grundstücke erworben hatten, viel Kraft, Zeit und Geld investierten, sollten ihre Häuser ohne Entschädigung verlassen, da ein westdeutscher Besitzanspruch geltend gemachte wurde. Das führte zu dramatische Szenen und reichte von wütenden Tumulten, einer gewaltbereiten Verteidigung bis zum verbitterten Suizid.
Interessant war, dass es in der DDR offizielle Westgrundstücke gab, aber die Eigentümer jener Häuser verzichteten meist auf ihren Anspruch. Ihnen waren häufig die Sanierungs-kosten zu hoch, da die DDR nur notwendige Reparaturen machen ließ. Die Jubelstimmung über die Wiedervereinigung wurde durch die Wirklichkeit erstickt und in den Köpfen errichteten die Ostdeutschen und auch die Westdeutschen wieder eine Mauer (Grenze). Der Frust saß tief und die westdeutsche Politik, mit ihren Medien, zeigte wenig Verständnis, sondern wetterte über die undankbaren, faulen Ossis (Ostdeutsche).
In dem sozialen Brennpunkte des Ostens wurden dann auch noch Ausländer angesiedelt. Die ostdeutsche Bevölkerung musste vielerorts erleben, wie die Asylbewerber nicht nur bevorzugt wurden, sondern strafbares Handeln kulturbedingt entschuldigt wurde. Kritiken an den Ausländern, wurden von den Behörden abgewehrt. Verärgert war der Ostdeutsche ebenfalls darüber, dass die Ausländer großzügig Kleider- und Taschengeld bekamen und schneller einen Arbeitsplatz bekamen, als bedürftige Ostdeutsche. Zu oft fanden die Sorgen und Nöte der Ostdeutschen kein Gehör oder sie wurden mit beschwichtigenden Worte abgespeist. Der Ossi bekam den Eindruck ein Mensch dritter Klasse zu sein.
In seiner Wut darüber wurde der Ossi dünnheutig und hellhörig gegenüber Rechte Parolen. Die gereizte Unzufriedenheit nutzten westdeutschen Neonazis und heizten ein ausländerfeindliches Klima an. Es war klar, dass sich an Orten mit sozialen Brennpunkten, schnell der Zorn am schwächsten greifbaren Glied entlädt. Da die Politiker die Probleme der Bürger ignorierten, schaute jene Bürger mit Genugtuung den Neonazis zu, wie sie die Ausländer aus den Wohnungen jagten. Vonseiten der zuschauenden Ostbürger, sollte das mehr als Aufschrei an die verantwortlichen Politiker verstanden werden und war keine Ausländerfeindlichkeit.
Wie sollten sich sonst die Ostdeutschen gehör verschaffen, wenn 
die Politiker die Probleme der Menschen verkannten? Oder war es gar Absicht? Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu erkennen, dass eine Eskalation durch die politische Ignoranz vorprogrammiert war. Es passte hervorragend ins mediale Konzept, denn der Ossi war damit nicht nur undankbar und faul, sondern auch noch ausländerfeindlich. Mit den Ausländern in den sozialen Brennpunkt im Osten, heizte sich ein ausländerfeindliches Klima auf. Zumindest wurde es von den Medien so interpretiert, doch immer wenn eine existenzielle Bedrohung entsteht droht eine Eskalation. Dabei sucht man sich ein Ventil zum Dampf ablassen und es ist egal, ob es Ausländer, Bayern oder Leute vom Nachbarort sind. Es ist also ein Unterschied, ob Menschen kritisch verallgemeinernd als Bedrohung empfunden werden oder Menschen vorverurteilt werden ohne realen Grund. Letzteres wäre Ausländerfeindlichkeit, wenn man Menschen hasst, nur weil sie woanders herkommen und man Gerüchte über sie glaubt.
Bei den Vorgängen in Rostock-Lichtenhagen (26.08.1992) stellt sich genau diese Frage?
Diejenigen die aktiv handelten, waren Neonazis und damit ausländerfeindlich. Aber die jubelnden Zuschauer waren Frustrierte, deren Ärger über die Politik sich angestaut hatte. Im Nachhinein bereuten fast alle Zuschauer ihren Beifall, zumal es sich bei den Gejagten um Vietnamesen handelte. In der ehemaligen DDR waren vietnamesische Gastarbeiter sehr beliebt und nie ein Problem. Jenes Publikum war also nicht ausländerfeindlich, sondern verlieh dem angestauten Ärger applaudierend Gehör. Letztendlich tragen die Politiker eine große Mitschuld an der Eskalation, die die Kritiken der Bürger nicht ernstnahmen und deshalb im Vorfeld nicht reagierten. Zumindest wurde im Nachhinein die Ausländerpolitik überprüft. Was aber blieb, war ein weiteres Vorurteil der Wessis (Westdeutsche) gegen über den Ostdeutschen, dass über die Medien unter-schwellig vermittelt wurde. Jegliche Kritik an der Ausländerpolitik wurde nun sofort als ausländerfeindlich angesehen und mit sozialistischen Äußerungen brachte man sich in Verdacht bei der Stasi gewesen zu sein. Jenes Image der Ossis rechtfertigte auch, dass Firmenleitungen im Osten durch Westdeutschen besetzt wurde, „die dem Ossi, erst mal das Arbeiten beibringen.“
Mit jener Arroganz, wurde ein tiefer Graben zwischen Ossis und Wessis gegraben. Besonders die Medien und die Westpolitiker haben einen erheblichen (gewollten) Anteil daran, dass die mentale Wiedervereinigung ausblieb. Mit ihren heuchlerischen Appellen zum gegenseitigen Verständnis, lieferten sie immer wieder neue Argumente und buddelten den Graben zwischen Ost und West noch tiefer. Besonders die Jugend reagierte heftig auf die Verlogenheit. Auf der Suche ihren Protest zu zeigen ließen sie sich von rechts- und linksextremen Gruppierungen fangen.
Besonders eindrücklich zeigte sich das im Fußball. In der DDR gehasst, wurde der ehemalige Fußballklub der Staatssicherheit BFC Dynamo Berlin nun zum Protestsymbol. Im Profifußball des westlichen Europa, ging es schon lange nicht mehr um Sport, sondern die Fußballfans zogen in eine Schlacht. Ihr Klub sollte siegen und wenn nicht, fochten die Hooligans es nach der Partie erneut aus. Mit dem Ost-West Verhältnis kaum eine neue ideologische Qualität hinzu. Für die Fußballfans war jedes Stadion ein Wallfahrtsort, um ihren Ärger Luft zu machen und sie demonstrierten stolz ein DDR-Bürger zu sein und sie idealisierten ihren Fußballklub. Eine Schar von Hooligan zog stets mit den Klubs mit und es galt die Schlacht zwischen Ost und West auszutragen. Fehlende Ideale sorgten so für brutale Randerscheinungen, die den Jugendlichen im Osten in Verruf brachten und er durch die Medien gescholten wurde.

Kultur & Sport:  

Der westdeutsche Kapitalismus kolonialisierte nicht nur den Osten, sondern nahm ihm seine Identität. Radio- und Fernsehsender wurden abgewickelt und beliebte Sendungen verschwanden oder wurden in einem Stil weitergeführt („Ein Kessel Buntes“, „Polizeiruf 110“,), die den Ossi verärgerten. Lediglich das Sandmännchen überlebte, als letztes Relikt der DDR-Zeit. Im Sport wurden die großen Erfolge geschmälert und jedem erfolgreichen DDR Sportler Doping unterstellt. Im Fußball bekamen nur zwei Teams die Möglichkeit direkt in die Bundesliga aufzusteigen, sehr zum Unmut der Fußballfans. Andererseits, hatte längst ein Ausverkauf der Spieler der DDR begonnen, wo die Profiklubs des Westens, die Starspieler für wenig Geld erwarben. Was den renommierten Klubs der DDR blieb, war nur noch eine B-Mannschaft.
Im öffentlichen Leben vollzogen die Westmedien eine Hexenjagd auf die Stasi und diente auch dazu sich populärer Personen zu entledigen. Somit gerieten auch die Persönlichkeiten des Ostens ins Kreuzfeuer, die der Westregierung im Weg standen. Unter ihnen Ibrahim Böhme, Gründer & Führer der SDP und Lothar de Maisiere, erster demokratisch gewählter Staatschef der DDR-CDU. Die Hetze und Unterstellungen gegen DDR-Persönlichkeiten, sah sehr gezielt aus, um keine Ostpolitiker neben sich dulden oder kritische Stimmen mund-tot zu machen.
Die Art und Weise des Vorgehens, der westdeutschen Politik, offenbarte ein Konzept alles auszulöschen, was an die DDR erinnern könnte. Damit verbunden wurden zahlreiche Straßen umbenannt, Denkmäler abgerissen und auch der Palast der Republik (s. Bild), in Berlin, sollte verschwinden. In deren Gesamtsumme wuchs aber in den neuen Bundesländern eine Trotzhaltung heran. Die Ossis forderten ihre Ostprodukte wieder, schwelgten mit Ostmusik in alten Zeiten, ließen nostalgisch ihre Kultur auferstehen und machten die PDS bei den Wahlen zu ihren Verbündeten (bei den Wahlen 1994 im Osten fast 20% und 1998 schon 21,6%).