4.3. Sound - Funky bis Grunge

Sound : Funky, Rap, Hip Hop, Grunge

1. Funky
2. Rap
3. Hip Hop
4. Reggae
5. New Romantics (New Wave)
6. Benefizkonzerte (Band AID)
7.  Rock’N’Roll
8. Jazz
9. Ethno-Pop
10. Hardrock 3 (Grunge, Britpop)
11. Boygroups
12. Techno

1. Funky

Begriff: Im musikalischen Sinne ein abgebrochener Sound, der stark Bass betont ist und dem Reggae ähnelt. Trotz unterbrochener Wirkung, ist die Musik ein flüssiger Soul-Stil. Der Nena Song „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, ist so ein typischer Funkysong, bei dem man den Takt, mit dem Fingern mitschnippen kann und der sich dennoch vom ähnelnden Swing unterscheidet. Beim Swing wird der Takt und beim Funky werden die Unterbrecher mitgeschnippt, die mit dem Gesang überzogen werden, wodurch kein musikalischer Bruch spürbar wird. Umgangssprachlich, bedeutet Funky in diesem Sinne „Du bist, ein merkwürdiger, aber dennoch ein interessanter Mensch (= „Ich find dich funky“)“. Es ist ein Gefühl der Unentschlossenheit, die etwas gut findet, aber irgendetwas innerlich auf Distanz geht.
Auch in der Tanz-Art spiegelt sich eine gewisse Zerrissenheit wieder, deren musikalischen Brüche eine durchgängig Emotion stoppen und den Tanz leidenschaftlicher macht.

Ursprung: Der bassbetonte, rhythmische Sound entstand bereits schon in den 60er Jahren und Interpreten wie Herbie Hancock und die Isley Brothers spielten vorwiegend den Sound. In den 70er Jahren waren es die Commodors und Earth Wind & Fire, die den Sound weiter pflegten und modernisierten. Der Stil eignete sich exquisit für die Erweiterung des Discosounds, wodurch sich Funky in den 80er Jahren zum Grundstil entwickelte.

Entwicklung: Die Grenzen sind fließend, wie man so sagt und dies gilt besonders für die Funky-Musik, die mit dem Discokult erst so richtig populär wurde. Da die Soundrichtungen des Discosounds immer ähnlicher klangen, etablierte sich Funky beinahe unbemerkt und sollte um 1983 zum vorherrschenden Soulsound werden. Michael Jackson, das Kunstprodukt der Popindustrie, ist so ein Star der Musik, da zahlreiche Titel, von ihm, vom Funky-Stil geprägt sind.

Lifestyle: Die Vertreter jener Musik prägen ein glamouröses, darstellendes Image mit einer erotischen Tendenz. Neben Michael Jackson wurden Madonna und Prince zu Megastars der 80er Jahre, die jeweils durch ihre schrillen Eigenwilligkeiten für Schlagzeilen sorgten. Weiter zu nennen wären noch: Dianna Ross, Pat Benater, Dionne Warvick, Sheena Easton und Tina Turner, die ebenfalls ein glamouröses Image pflegen.
Die überwiegend weiblichen Fans jener Musik eiferten dem Darstellungsgehabe ihrer Stars nach und orientierten ihr Leben auf Konsum, Partys, Tanz und Sex. Sie schufen für sich ein Leben fern ab vom Alltag, verdrängten die grauen Realitäten und genossen die angenehmen Seiten des Lebens.

2. Rap

Begriff: Der Slang-Ausdruck für schnelles originelles Reden und ist in erster Linie eine Erfindung der Farbigen in den Gettos der Großstädte (Ursprung: New York). Ein einfacher Disco-Funky Grundrhythmus und ein Scratchen von Schallplatten bilden die musikalische Basis der Musik und eine schnelle Slang-Sprechweise wurde typisch. Im Rap werden Botschaften verkündet, die sich mit der Realität und dem Zeitgeschehen auseinandersetzen. Vorherrschendes Thema ist aber die Partnerschaft und die Sexualität. 
Das Scratchen ist eine Discjockeytechnik, der eine laufende Schallplatte rhythmisch per Hand zurückzieht und damit neuartige Effekte erzeugt.

Ursprung : Rap versteht sich zunächst als Protestform von farbigen Jugendlichen, die über-wiegend Missstände in den Gettos anprangern, aber auch Sex und Liebe thematisieren. Rap ist auch oft mit einer überheblichen Selbstdarstellung verbunden, die konkurrierende Nebenbuhler in die Schranken weisen und Mädchen beeindrucken wollten. Von dem Ursprung her war Rap ein Streit in Musikform zwischen den Gangs einer Stadt/viertel. Ein Anführer einer solchen Rapper-Gang musste cool und wortgewandt sein und er musste es schaffen seinen Gegner beleidigend in Grund und Boden zu reden. Dennoch war Rap von seinem Wesen her ein friedliches Wortgefecht zwischen den verfeindeten Gruppen.
Den Sozialarbeiter war die Art von Streit natürlich lieber als Gewalttätigkeiten und hatten zugleich eine bessere Basis auf Jugendliche einzugehen. Mit der musikalischen rhythmischen Untermalung des Meinungsduells wurde es modern sich in Reimform zu streiten. Solche Rededuelle fanden auf einem überheblichen, provozierenden Niveau statt, sodass solche Streitkämpfe schließlich doch in einer Schlägerei endeten.
In einer Steigerungsstufe zum Rap kreierten die Farbigen verschiedenartige Tänze, die unter den Sammelbegriff Breakdance populär wurden. Neben dem Wortgefecht setzten sich auch Tanzduelle durch. Eine Form erinnerte mit ihrem akrobatischen Charakter an den russischen Volkstanz Kasatschok (Tanz in der Hocke, auf dem Boden). Beliebt war ebenso der Robot-dance mit seinen abgehackten Bewegungsformen. Musikalisch setzten Discjockeys (DJ) die Akzente und gaben mit dem Scratchen den Rap eine eigene Musikform. 
Mit der zunehmenden sexuellen Ausrichtung der Texte wurde Rap für die Musikindustrie interessant und ließ sich gewinnbringend vermarkten.

Entwicklung: Der Text und die Sprache spielen hier eine primäre Rolle und so konnte sich deswegen die Rapmusik in Europa nur schwer durchsetzen. Die Slang-Sprechweise (Slang = Umgangsprache), war dabei ein großes Hindernis (in der Übersetzung), womit selbst die weißen Amerikaner ihre Schwierigkeiten hatten (Sprachgebrauch). 1980 gelang es der Shugarhill Gang mit „Rappers delight“, einen ersten Raphit in Europa zu landen. Allerdings mit dem Breakdance wurde Rap erst bei der Jugend populär und die entsprechenden Songs gelangten in die Charts, erreichten aber kaum vordere Plätze. Musik und Tanz waren nicht als Massenbewegung gedacht, sondern waren ausgerichtet auf eine spezielle Zielgruppe, was besonders textlich deutlich wurde. Ihre Sprache im Jargon wirkte befremdlich und ordinär, deren textliche Themen entsprachen einem primitiven Gossen-Niveau und wurden somit von der kommerziellen Jugendmasse abgelehnt. Rapper wie Meile Mel & the Furious Five und the Grandmaster Flash kamen schon textlich auf einem höheren Niveau daher.
Mitte der 80er Jahre musste die Jugend die Frustration der gescheiterten Friedensbewegung verdauen und stürzte sich in den Konsum. In Partylaune wollten sie die Politik, den Alltag vergessen und schon gar nicht an ihren sozialen Status erinnert werden. Aus der Grundhaltung heraus befand sich Rap in Europa im kommerziellen Abseits und trotzdem entwickelte sich im Laufe der 80er Jahre, in einigen Staaten Europas auch eine Rap-Szene. Mal abgesehen von Großbritannien, entwickelte sich die erfolgreichste Szene in Frankreich. In der BRD machte die Rap-Szene erst durch die Fantastischen Vier (1992) auf sich aufmerksam. Die Fantastischen Vier machten den Rap in Deutschland erst salonfähig, zumal sie in Deutsch sangen. Von der eigentlichen deutschen Rapper-Szene wurden sie dafür heftig verbal attackiert. Trotz der harschen Kritik am kommerziellen und deutsch- gesungenen Rap, entwickelte sich in den 90 Jahren eine stabile und erfolgreiche Szene. Es waren dann auch deutschsprachige Rapsongs, die später, ein progressives Denken in der Jugendszene erzeugten. Leider drifteten viele Songs in sexistische Gesänge ab und die zum Teil ordinärer Texten verschreckten die Jugendlichen.

Lifestyle: Pluderhosen, ärmellose T-Shirts und Wollmütze so sieht das typische Outfit aus. Sie wollen sich abheben und sehen sich als Verkünder und Boten des wahren Lebens. Fern ab von gesellschaftlichen Zwängen und in Ablehnung der kreierten Mode, einer kranken Wohlstandsgesellschaft, versuchen sie ein ideelles Bewusstsein zu prägen und sahen in der Liebe ihr Ideal. Damit verbunden genoss die Sexualität einen hohen Stellenwert. Mädchen betonten tänzerisch ihre erotischen Reize und Männer prahlten mit ihre Potenz, mit ihrem Gehabe. Die Suche nach einer befriedigenden Beziehung und der sexuelle Rausch waren die Triebkraft, um letztendlich ein swingendes, friedvolles Leben zu finden.

3. Hip Hop

Begriff: Bedeutet in etwa hüpfender Rhythmus und ist eine Weiterentwicklung der Funky-Musik unter dem Einfluss der Rapmusik. Die Musikart wird geprägt durch einen stetigen gleichen Grundrhythmus, zu dem nur ein ständig hüpfender Tanz passt und vom Tänzer eine hohe Kondition verlangt. Hip-Hop verband Breakdance-Elemente zur allgemeinen Tanzbarkeit, deren Erfinder Breakdancer und Graffiti Künstler waren. Der Grundsound der Musik stellte sich in der Folgezeit als sehr variabel heraus.

Ursprung: Hip-Hop war zunächst eine Breakdance Variante oder besser gesagt, definierte die Tanzarten, bevor er sich als eigener Tanz herauslöste und zur eigenen Musikrichtung wurde. Ursprünglich sollte Tanz und Musik rivalisierende Banden zum friedlichen Tanz-Wettstreit motivieren. Die Musik ließ durch seine Funkyeinflüsse keine Grundaggressivität zu, doch leider sollte sich das ändern. Typisch für Hip-Hop ist die Kombination aus gesprochenem und gesungenem Text und ist stark melodiebetont.

Entwicklung: Eine Reihe von Kategorien bezeichnen Hip-Hop-Varianten, die sich in den  Sprachgebrauch etabliert haben und sich lediglich in kleinen Nuance unterscheiden, aber alle Hip-Hop meinen. Zu den gebräuchlichen Begriffen wurden Groove, House Musik, Acid Musik oder High Energy. Hip-Hop als Sammelbegriff unterliegt einem bestimmten Grundrhythmus, er ist aber ein wandelbarer Sound, der sich den modernen Einflüssen der Blackmusik anpasst. Typisch für alle Varianten des Sounds bleibt der psychische Mit-Wipp-Effekt.
Interpreten wie Rick Astley, Mel & Kim, Tina Turner, Kylie Minouge, Gloria Gaynor, Soul 11 Soul, Leila K, Black Box, Grace Jones, Cool & the Gung, Commodors, Gloria Estefan, Whitney Houston, Lisa Stanfield, Salt'n Pepa, Neneh Cherry, Snap und MC Hammer gelten als typische Vertreter der Musik. Mit einigen Songs zählen ebenso Michael Jackson, Prince und Madonna.
Die typisch frohe Grundhaltung der Musik spiegelt sich ebenso im Tanz nieder. Der Hip-Hop-Tanz ist geprägt von einer erotisierenden körperlichen Aktivität, zum Teil selbstdarstellerisch. Da die Musik textlich die Liebe in den Mittelpunkt stellt, sind auch gemeinschaftliche Beziehungen wichtig (Tanzgemeinschaft). Nicht selten motivieren und spornen sich Tänzer gegenseitig an, wodurch der Tanz eine verbindende Sprache besitzt. (Beat und Rock stellten bislang das solistische Gefühl in den Vordergrund).

Lifestyle:  Wie schon beim Funky gibt es nur eine Botschaft: „Amüsiert euch und genießt euer Leben“. Für die Farbigen kommt hinzu, die selbstbewusste Aussage „Black Is Beautiful“ und hebt das Selbstwertgefühl der Farbigen, die immer noch in einer rassistisch denkenden USA leben. Provokativ betonen sie dazu ihre Sexualität und ihre erotische Ausstrahlung und unterstreichen mit eindeutigen Posen ihre Reize. Entsprechend knapper wird hautenge Bekleidung getragen, die stimulierenden Reizquellen (Brust, Po) unterstreichen.
Mit eindeutigen Gesten wird der Effekt noch verstärkt, wie Handbewegungen in der Intimzone (M. Jackson = scheint beim Tanz ungeniert den Penis gerade zu rücken) oder betontes Zurschaustellen des Popos, mit einladenden kreisenden Bewegungen. Mit der angedeuteten Unanständigkeit erklären sie sich zum Schönheitsideal und signalisieren den Rassisten „Fuck You“ oder abgemildert gesagt „verzieht euch“, eure Zeit ist vorbei.

4. Reggaehttp://images6.fanpop.com/image/photos/34300000/Bob-Marley-roots-rock-reggae-34376912-1920-1200.jpg

Begriff: Entstand aus der Musikrichtung Ska (um 1960) und ist eine Verschmelzung afro-amerikanischer Musik mit karibischen Elementen durch farbige Musiker. Die Vermischung Ska wurde in den Großstädten von Jamaika als rhythmisch, abgehackter Sound präzisiert.

Ursprung: Aus dem Traditionsverständnis heraus, dass ihre Ahnen versklavte Menschen waren, erinnerten sich die Farbigen der Karibik ihrer Herkunft. Wie in den USA, sangen die Farbigen ihre eigenen Lieder und waren an einer Vielzahl von Musikentwicklungen beteiligt. Speziell in Jamaika entstand der Reggae, der sich zunächst mit religiösen Themen befasste (primär die Ska-Form). Mit der schnellen Verbreitung der Musik flossen in den Texten zunehmend kritische Töne gegenüber der weißen Herrschaft ein. Sie beklagten darin ihr Leid und verknüpften darin ihre Sehnsucht zur afrikanischen Heimat. Sie begriffen sich musikalisch als Fremde und drückten ihr Unwohlsein aus. Obwohl die Sklaverei formelle abgeschafft war, fühlten sie sich immer noch versklavt und rechtlos. Wie die Ureinwohner von Jamaika (Indios) litten sie unter der weißen Oberherrschaft. In Jamaika war somit ein liberaler Rassismus präsent und verursachte gravierende Gegensätze zwischen Armen und Reichen, die auffällig Hautfarben bezogen waren. Im Gegensatz zu den anderen mittel-amerikanischen Staaten (außer dem sozialistischen Kuba), garantierte der britische Einfluss wenigstens eine zufriedenstellende, demokratische Gesellschaftssituation. Doch im Vergleich zu Kuba, lebten die Farbigen von Jamaika, am Existenzminimum in den Slums und einer fragwürdiger sozialer Gerechtigkeit.

Entwicklung: Der wohlklingende Sound begeisterte verstärkt die Weißen in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas. Mit der Assoziation zu Sommer, Sonne, Palmenstrand förderten britische Produzenten die Musik, die nach Urlaub und Erholung klang. Ende der 60er Jahre wurde die Musik schon durch Desmond Decker populär. Weniger erfreut war die britische Popindustrie über Jimmy Cliff, der zeitkritisch zum Themen „Vietnam“ Stellung nahm.
Ab Mitte der 70er Jahre machte Bob Marley von sich reden, der sich neben romantischen Liedern auch politischen oder sozialkritischen Themen annahm. Natürlich wurden seine kritischen Lieder von den imperialistischen Medien boykottiert. Aber Marley schaffte es auch mit zweideutigen Texten die Zensur zu umgehen. Vor allem seine Songs gegen die südafrikanische Apartheid, machten ihn in ganz Afrika zum musikalischen Idol. Obwohl Marley nicht in Südafrika auftreten durfte, so waren es afrikanische Musiker, die seine Songs verbreiteten.
Reggae spielte lange Zeit in Europa dagegen nur eine Nebenrolle. Lediglich im unterkühlten  Britannien träumte man mit der Musik, von einem karibischen Urlaub und zugleich schwang ein koloniales Großmachtgefühl mit. Mit der Einbindung in den New Wave (Ende der 70er Jahre), durch Gruppen wie Police und Madness, erfuhr der Reggae einen starken Popularitätsschub und Bob Marley wurde nun auch in ganz Europa bekannt. Aber zu den Stars der Musik wurden Namen wie UB 40, Eddy Grant und Inner Circle. In den 80er Jahren stürmten sie die Hitparaden mit ihrer eher unpolitischen, exotischen Urlaubsmusik.

Kult: Bunte Hemden, kurze Hosen machten den Flair des Styles der Musik aus. Interpreten im Rastalook (Haare), gebräunten Körpern und exotisch, erotischer Ausstrahlung machten Reggae zur Urlaubsmusik am Palmenstrand. Nur gelegentlich („Hope Johanna“- Eddy Grant) gelangten auch kritische Töne in die Charts und deuteten den traditionellen Grundgedanken der Musik an.  

5. New Wave  (New Romantics)

Begriff: Neue Romantik ist der Sammelbegriff für einen harmonischen und experimentier-freudigen New Wave-Sound. Der moderne Stil entfernte sich vom rockorientierten Wave und elektronische Instrumente wurden Vordergründig. Keyboardklängen und Elektrodrums (elektronisches Schlagzeug) bestimmten den Stil der Songs und immer häufiger wurden dazu Computereffekte eingefügt. Die meisten Songs der Richtung werden nicht mehr komponiert, sondern arrangiert und entstehen häufig am Computer.

Ursprung: Der New Wave bildet die Grundlage und die Modepunks (siehe 70er Jahre New Wave) prägen das Erscheinungsbild. Hinzu kam eine Vielzahl von Varianten und Spielarten, doch die Basiselemente blieben dieselben. Bei Cindy Lauper finden sich Elemente des Countrys in einer Funky-Variante und sind dennoch deutlich von New Wave Elementen geprägt. Der New Wave entfernte sich insgesamt von seinem Ursprung, dem Punk.
Die Musik wurde zahmer, glatter und melodiöser, selbst das „Wild Boys“ von Duran Duran hatte nichts mehr von jener Ursprünglichkeit (Punk), sondern wirkte trotz starker Rhythmus Betonung seicht. Gleiches trifft auf Depesche Mode zu, deren Songs „Masters and Servant“ und „People are People“ vollgestopft mit aggressiven Elementen und Effekten sind und dennoch brav daher kommen. Vornehmlich britischen Bands, wie Depesche Mode, Duran Duran, Midge Ure, Simple Minds, Human Leaque, Soft Cell oder Spandau Ballett sind die Stars dieser Richtung, die sich dem Zeitgeschmack anpassten. Sie provozierten nicht mehr und waren fern von einer progressiven Botschaft. Die Musik wurde zum Äquivalent zum sexbetonten Discosound. Es klang alles ganz nett und manchmal versuchten sie etwas zu sagen, wobei ein klares Statement auf der Strecke blieb.

Entwicklung: Gruppen wie Frankie goes to Hollywood, Simple Red, Eurytmics, Bronskie Beat, Kajagoogoo, Billy Idol, Pet Shop Boys, Talking Head, aber auch A-Ha und Roxette versuchten ein Image zu verkaufen und orientierten sich am populären Geist der 80er, ohne wirklich einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. Nur manchmal, wie Frankie goes to Hollywood provozierten sie die Gesellschaft mit ihren Ansichten oder mit ihren Auftritten. 
New Romantics war aber im Grunde eher unpolitisch und auf das Thema Liebe orientiert. Lehnte sich die Musik vor 1985 an der Rockmusik (Punk) an, so rückte immer stärker das Keyboard in den Mittelpunkt. Typisch für viele Bands der 80er Jahre wurde ihre Experimentierfreudigkeit, die stets auf der Suche nach neuen Effekten für ihre Musik waren.
Zuvor neigten Popbands dazu, ihren Erfolgstitel in veränderter Form zu kopieren. Allerdings wurde der Markt früher nicht so stark mit Acts überflutet, wie in den 80er Jahren. Das heißt, schon der Konkurrenzdruck zwang die Musiker dazu zu experimentieren, um erfolgreich zu bleiben. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass es in den 80er Jahren kaum eine Band schaffte, länger als drei Jahre populär zu bleiben. Die meisten wurden One-Hit-Wonder.
Der Begriff Wegwerfmusik machte die Runde und heißt, viele Songs wurden für eine bestimmte Zeit zum Hit, doch gerieten danach schnell in Vergessenheit. Selbiges galt für die Bands und Interpreten, deren Namen sich nicht nachhaltig einprägten und sich auch kein Starkult entwickeln konnte. Was in Erinnerung blieb war bestenfalls der Titel oder ein prägnantes TV-Video. Es verwundert daher nicht, dass nur wenige Lieder zum Evergreen wurden, also Songs die in Erinnerung blieben.
Übrigens, wurden auch einige Gruppe/ Interpreten dem New Romantics zugeordnet, die keine waren. So wäre die Mädchenband Bangles zu nennen, die mit ihren Liedern zwischen Wave und Rock liegen und sich daher schwer einzuordnen lassen. Doch für eine New Romantics -Band sind ihre Lieder eher untypisch und sollten unspezifisch nur Popsongs genannt werden. Egal, in welcher Kategorie (New Romantics, Hip-Hop, Reggae) man die Musik der 80er Jahre einordnet, sie blieb immer eine beliebte Discomusik. Daher erlebte später die Musik immer mal wieder ein Revival. Auch wenn so manch einer dabei ins Schwärmen gerät, so waren die meisten Songs vergessen gewesen und leben nur durch die Erinnerung wieder auf, da ein DJ sie wieder auskramte.

Kult: Der eigentliche Kult verlor sich zusehends und was blieb, war eine konsumorientierte Jugend. Sie jagten Statussymbole (Bekleidung, Auto) hinterher und wurden zu karriere-süchtigen Menschen. In der Jugendmode überwog das Experimentelle und Gewagte, dass aber nie abstoßend wirkte, sondern eher ausgefallen (verrückt & splinnig). Mit dieser Mode waren plötzlich moderne Anzüge angesagt. Das Symbol für konservativen Rückschritt wurde sogar zum Zentrum des modernen Modebewusstseins. Frauen zogen sich Blazern an und kleideten sich streng männlich und demonstrierten damit ihren gesellschaftlichen Stand und legten zugleich ein neues Selbstbewusstsein an den Tag. Ein neues Emanzipationsverständnis machte sich breit und Karriere-Frauen erhoben demonstrativ den Anspruch den Männern gegenüber überlegen zu sein. Die Mode hatte starke Einflüsse im gesellschaftlichen Business und ließen die selbstsichere Frauen in verantwortlichen Positionen aufsteigen.
Im kommerziellen Musikbereich (Hip-Hop & Funk) brachen weibliche Interpretinnen die Dominanz der Männer. In der Werbung und in den TV-Shows setzte sich ein selbstsicheres Image der Frau durch. Im Privatleben verloren aufreizende Dessous ihr Schmuddelimage und wurden für modebewusste Frauen zur Alltagsunterwäsche. Eigentlich müsste man annehmen, dass die Frauen auch im Privatleben nun dominieren, doch die Wirklichkeit sah anders aus. Abgesehen von den wenigen dominanten Frauen, scheiterten viele selbstbewusste Frauen an ihrem Umfeld und unterwarfen sich wieder alten Hierarchien, wie dem Partner, der Familie oder der Gemeinde.
Selbstbewusste Frauen verstärkten eine Gegenreaktion der Männer, so dass die Gewalt gegenüber Frauen zunahm. Obwohl im Kult selbstbewusste Frauen ein hohes Ansehen besaßen, so wollten die meisten jugendlichen Männer keine dominante Frau in ihrer Partnerschaft.

 6. Benefizkonzerte

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Wissenschaftler warnten schon vor Jahren vor einer bevorstehenden Hungerkatastrophe. Ab 1984 eskalierte die Situation in Afrika und Bilder von abgemagerten und sterbenden Kindern gingen um die Welt.
Die Gründe dafür waren vielfältig und basierten auf Bürger-kriegen und wirtschaftliche Fehlentwicklungen. Eine große Mitschuld daran trugen die europäischen Staaten und die USA. Sie animierten jene Staaten zur profitablen einseitigen Landwirtschaft und so wurde Nutzfläche für Kaffee, Kakao oder Blumen genutzt. 
Hinzu kam der Export von billigen Lebensmitteln nach Afrika, wodurch die Erzeugnisse der eigenen Bauern zu teuer auf dem Markt waren. Das führte dazu, dass einerseits land-wirtschaftliche Flächen nicht mehr bewirtschaftet wurden und andererseits umfangreiche Rodungen für Luxusgüter stattfanden, dass ein Austrocknen der Ländereien förderte. 
In der Konsequenz verwüsteten sie so wertvolle Anbauflächen und verursachten obendrein einen klima­tischen Wandel mit schweren ökologischen Folgen. Hinzu kam eine langanhaltende Hitzeperiode und führte 1984 zu einer Dürreperiode, in deren Folge die Hungerkatastrophe ausgelöst wurde.
Bob Geldorf (Boomtown Rats) rief 1984 die BAND AID (= Musikgruppenhilfe) ins Leben. Seine Idee war, mit dem Erlös einer Schallplatte den Hungernden in Afrika finanziell zu helfen. Zusammen mit der Band Midge Ure komponierte Bob Geldorf „Do they know it's chrismas“. Er rief Popkünstler auf, bei diesem Projekt mitzuwirken. Interpreten wie, Annie Lennox, Phil Collins, Bono (U2), George Michael, David Bowie, Boy George, Sting, Paul Young, Paul McCartney und Mitglieder der Gruppen Spandau Ballet, Ultravox, Duran Duran, Bananarama, Kool & the Gang, Status Quo, Wham, Heaven17, Culture Club und Frankie goes to Holywood sagten spontan zu. Natürlich unentgeltlich und zum Teil mit finanzieller Unterstützung (z. B.: Paul McCartney) wurde das Video und die Single produziert.
Der Erfolg war gigantisch und motivierte in den USA Michael Jackson für ein ähnliches Projekt. Michael Jackson und Lionel Richie schrieben dafür den Song „We are the world“, der den kommerziellen Erfolg von BAND AID übertraf.
Künstler wie Harry Belafonte, Kenny Rogers, Quincy Jones, Ken Kragen unterstützten das Projekt und gewannen für ihren Chor Interpreten, wie Dan Aykroyd, Lindsey Buckingham, Kim Garnes, Ray Charles, Bob Dylon, Sheila E, Bob Geldorf, Hall & Gates, James Ingram, Jackie Jackson, La Toya Jackson, Marion Jackson, Randy Jack­son, Tito Jackson, AI Jarreau, Waylon Jennings, Billy Joel, Cyndi Lauper, Huey Lewis & the News, Bete Midler, Kenny Loggins, Willie Nelson, Jeffrey Osborne Steve Perry, Pointer Sisters, Diana Ross, Paul Simon, Smockey Robinson, Bruce Springsteen, Tina Turner, Dionne Warwick und Stevie Wonder.
Bob Geldorf entwarf schließlich die Idee für ein weltweites groß angelegtes Konzert über Satellit für den Sommer 1985. Mit der Unterstützung vieler Künstler, so auch der Rolling Stones, wurde das einzigartige globale Konzert realisiert. In London und Philadelphia wurde ein gigantisches Konzert mit zahlreichen Künstlern durchgeführt und über Satellit weltweit im Fernsehen übertragen. 16 Stunden Live-Musik konnten etwa 1,5 Milliarden Menschen hören und brachten einen Spendenerlös von umgerechnet 102 Millionen Euro ein. Zahlreiche Länder steuerten eigene Beiträge dazu bei, wie in Australien, Japan, Niederlande, Österreich, Sowjetunion, Jugoslawien und Deutschland.
In der BRD entstand das Künstlerprojekt „Nackt im Wind“, deren Song von Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken (BAP) geschrieben wurde. Zudem nahmen unter anderem Teil: Ina Deter, Alphaville, Extrabreit, Gitte Haenning, Heinz Rudolf Kunze, Klaus Lage, Peter Maffay, Udo Lindenberg, M. M. Westernhagen, Nena, Spider Murphy Gang, Spliff, Trio und Juliane Werding. Dieses Mammutkonzert wurde von zahlreichen Staaten im Fernsehen und im Rundfunk übertragen, unverständlicherweise aber nicht in der DDR. Selbst die Sowjetunion, Ungarn und Jugoslawien übertrugen das Live-AID-Konzert und produzierten eigene Beiträge.
Nachdem Konzert und gewaltigen Spendeneinnahmen, kam jedoch die Ernüchterung. Abgesehen davon, dass viele Künstler ihren Auftritt nur für Promotion-Zwecke nutzten, kam nur ein Bruchteil der Spendengelder bei den Bedürftigen an. Betraute Organisationen ließen sich bestechen und kauften überteuerte Lebensmittel und Transportfirmen stellten unverhältnismäßige Kosten in Rechnung. Zahlreiche Hilfsorganisationen sanierten mit den Geldern ihren Verwaltungsapparat oder gaben es unkontrolliert afrikanischen Regimen. 
Statt den Notleidenden effektiv zu helfen, versorgte Äthiopien nur seine Armee mit Nahrung und mit Waffen. Die Ausmaße der Korruption wurden erst nach und nach bekannt. Schätzungsweise erreichte nur 1/10-tel der Spendengelder die Notleidenden, wodurch weiter-hin Menschen an Hunger starben. Eine ohnmächtige Wut entlud sich daraufhin, aber juristisch konnte keine Anklage gegen die Schuldigen erhoben werden. Zu gut und undurchsichtig wurde das Korruptionsnetz gesponnen. Die bittere Erkenntnis aus dem Desaster sollte Folgen haben und äußerte sich darin, dass die Spendenbereitschaft deutlich nachließ und das Vertrauen zu bestimmten Hilfsorganisationen stark gesunken war. Einige mussten daraufhin sogar Konkurs anmelden.

Weitere Benefizkonzerte:

1. Die AUAA (Artists United Against Apartheid) widmete sich 1985 den Opfern der Rassenpolitik in Südafrika mit dem Song: „Sun City“ (Organisator: Little Steven).

2. Die Band Crowd sammelte 1985 für die Opfer der Brandkatastrophe im britischen Fußballstadion Bradford mit dem Song: „You'll never walk alone“ (Organisator: Gerry Marsden = Gerry & the Pacemakers).

3. 1990 gründete sich die Pseudoband Dionne & Freinds und sammelte für die Opfer der AIDS Krankheit mit dem Song: „That's what freind are for“ (Org.: Dionne Warwick).

Die Spendenbereitschaft blieb bei allen Hilfsprojekten deutlich unter den Erwartungen. In der Konsequenz der Machenschaften mit Spendengeldern, wurden Hilfsorganisationen stärker überprüft und ihre Vertrauenswürdigkeit eingestuft wurde. Besonders renommierte Organisationen waren daran interessiert, ihr Image nicht zu verlieren. In Deutschland vertraute die Bevölkerung eigentlich nur noch der christlichen Hilfsorganisation wie „Brot für die Welt“.

7. Rock’n Roll

In regelmäßigen Abständen erlebte der Sound aus den 50er Jahren seine Wiedergeburt. Mitte der 70er durchlebte er eine längere Phase mit den Gruppen Showwaddywaddy, Mud, Rubettes, Racey und Matchbox. 1981 starb Bill Haley und ein erneutes Revival der Musik nutzte Shakin Stevens und wurde zum neuen Rock’n Roll Star. 
Shakin Stevens verkörperte den modernen Elvis, jedoch sein Erfolg ebbte relativ schnell wieder ab. In der BRD verhalf die NDW Begeisterung deutschsprachigen Rock zum Erfolg (Spyder Murphy Gang, Ted Herold, Ace Cat). Im weiteren Verlauf der 80er Jahre unterlegte speziell die Coca Cola Firma ihre Werbung mit Oldies der Rock’n Roll Ära und so wurden einige Songs noch einmal zu Radio- und Tanzhits. In den 80er Jahren entstand aus der Rock’n Roll Begeisterung die Ted-Jugendbewegung.
Bereits im Zuge der Punkbewegung (um 1977) wollten sich die Rockbegeisterten abheben. Unter der Bezeichnung Teds pflegten sie ein spezielles Äußeres und orientierten sich an der Filmlegende James Dean (gefettete kurze Haare, Lederjacke). Mit dem Gesangsstar Tracy Ullmann fanden die weiblichen Teds ihr Vorbild und kopierten sie modisch (auffällige Midi-Kleider). In ihrem Denken idealisierten sie die 50er Jahre und folgten dabei schöngefärbten Bildern jener Zeit.

8. Jazz  

In einer Ära, in der viel experimentiert wurde, fanden ebenso jazzgeprägte Titel ihren Platz. Namen wie Sade, Matt Blanco oder Double stehen für Musik. Besonders die dunkelhäutige Schönheit Sade, mit ihrer erotisierenden Stimme („Smooth operator“) begeisterte. Sie strahlte ein verträumtes sinnliches Feeling aus, wodurch sie erotisch beeindruckte. Der Jazz und auch der Soul hatten in dem Jahrzehnt immer großen Einfluss auf die farbige Musikszene (Rap, Funky oder Hip Hop). Große Charts-Erfolge blieben jedoch aus, aber zahlreiche Songs wurden zu Evergreens und gehören zum Standard mancher Radiosender (auch heute noch).

9. Ethno – Pop 

Wurde ab 1988 zum Sammelbegriff für einen modernen Sound und basiert musikalisch auf folkloristische Elemente aus Asien (Arabien) und Afrika. Die Interpreten galten als Exoten der Popmusikszene, zumal deren Lieder stark von den europäischen Hörgewohnheiten abwichen. Da die Popszene eine gewisse Monotonie entwickelte, wo alle Songs irgendwie gleich klangen, war man in den späten 80er Jahren gegenüber neuartigen Klängen sehr aufgeschlossen. Ofra Haza (Israel) begeisterte mit dem hebräisch folkloristischen Song „In Nin’Alu“ und Mory Kante (Guinea) mit „Yeke Yeke“ im afroasiatischen Gesangsstil.
Zudem sei gesagt, dass es in der Vergangenheit immer wiedermal Künstlern gab, die mit folkloristischen Song erfolgreich waren, wie Harry Belafonte (mit Calypso - 60er Jahre) und Miriam Makeba (afrikanische Folklore - 70er Jahren). Im Gegensatz zum primären Folkstil vermischte sich jetzt die traditionelle Musik mit moderner Popmusik und wurde dadurch zur spezifischen Musikrichtung Ethno-Pop. Folkmusik vom amerikanischen Kontinent zählt nicht dazu, so wird beispielsweise die Indiofolklore (El Condor Pasa), Samba, Rumba und die mexikanische Musik als lateinamerikanische Musik bezeichnet. Grundsätzlich wurden viele folkloristische Stilarten in der populären Musik verarbeitet.
So zählt Reggae zur Rockmusik, aber deren ursprüngliche Basis ist der folkloristische Ska, der dann wiederum zur lateinamerikanischen Musik zählte. Zu den vorherrschenden Folk-Stilarten wurden im Ethno Pop arabische (türkische), israelische und afrikanische Klänge verwendet. Experimente mit indischer und chinesischer Musik waren dagegen weniger erfolgreich.

10. Hardrock (Grunge) - Teil 3 :

Ab 1983 dominierte ein amerikanisch geprägter Hardrock, dem seine Einflüsse vom Jazz und Soul anzumerken waren. Die Rockmusik von Saga, Van Halen, Foreigner, Survivor, Toto oder Asia klangen eher weich und melodisch, gegenüber dem düsteren schweren britischen Rock, wie Iron Maiden, Motörhead oder Rainbow.
Metallica, Guns N’ Roses und Aerosmith sind zwar von ihrem Stil her, von der US-Rockmusik geprägt und ihre Musik enthält Elemente von harten Jazzspielarten, aber dennoch zeigen sich in ihre Musik Tendenzen zur britischen Spielart.
1983 gründete sich Jon Bon Jovi (eigentl. John Francis Bongiovi) als Glam-Metalband und änderte ihren Stil zum Hardrock-Pop und verkürzten ihren Namen auf Bon Jovi. 1986 hatte Bon Jovi mit „Slippery When Wet“ ihr Erstes Nr.1 Album in den USA und wurden dort zur erfolgreichsten Rockband. 1988 waren sie weltweit bekannt und beliebt. Im hautengen Outfit schüttelte Jon seine langen gepflegten Locken und verzückte mit melodischer Rockmusik besonders die weiblichen Fans. Der große Erfolg von Bon Jovi fand zahlreiche Nachahmer. Im Gegensatz zum britischen Gruselrock setzt der US-Rock auf eine gepflegte Wildheit, auf langhaarige böse Jungs (Bad Boys), die sich erotisierend präsentieren. Richtige Metal-Fans lehnten natürlich solche Musik kategorisch ab. Positiver Effekt der neuen Rockbegeisterung war, dass es Rockgruppen schafften, aus ihrer bisherigen Anonymität zu treten. Rocktroubadour Meat Loaf beispielsweise, konnte nun auch kommerziell Hits landen.
Neben den vielen Rockbands erlebte die Stilart Punkrock seine Wiedergeburt. Der Sound zeigte sich wesentlich melodiöser, aber dennoch sehr laut, wie bei Green Day und Offspring (setzten sich erst in den 90er Jahren durch). In der Bundesrepublik war der Einfluss der NDW-Ära unverkennbar. Speziell Die Ärzte übten mit absurden Texten (Dadadismus), ironisch Kritik an die Gesellschaft und ihrem Umfeld (Plattenlabel). Die Toten Hosen dagegen blieben den schreienden Rock treu und mit eindeutigen Texten brachten sie zum Ausdruck sie, was ihnen auf der Seele brannte.
Eine Mischform zwischen Heavy Metal und Punk wurde zur Stilrichtung Grunge. Von ihrem äußeren Erscheinungsbild her, sahen sie aus wie Gammler und betrachteten sich als gesellschaftliche alternative Aussteiger, ähnlich der Hippieepoche der 60er Jahre. Musikalisch spielten sie einen aggressiven Hardrock, textlich geprägt von düsteren und visionären Fantasien, die die Apokalypse (das Ende der Welt) näher kommen sahen. Die Anhänger der Musik waren deshalb mehr eine Kreuzung aus Hippies und Punks, deren ungepflegtes Erscheinungsbild zugleich Protest war. Sie verweigerten sich einer Leistungsgesellschaft, die auf Karriere und Konsum ausgerichtet war und zunehmend Gefühlskalt geworden war. Um ihr Leiden zu betäuben, griffen sehr viele von ihnen zu Drogen. Ihre Zukunft war ihnen egal, weil sie eh das Ende der Welt erwarteten.
Glücklicherweise gab es nur wenige echte Anhänger, die dem Grundgedanken folgten, aber zahlreich waren jene, die von der Musik begeistert waren. Das Besondere war jene eigenwillige Mystik in ihrer Musik, gepaart mit experimentellen Klangeffekten. Der bedeutendste Vertreter der Richtung war Nirvanna, die sich nach dem Drogentod ihres Sängers Kurt Cobain 1994 auflösten. Weitere erfolgreiche Bands waren Alice in Chains, Pearl Jam, und Soundgarden. Typisches Outfit waren abgeschnittene Hosen, verfranste oder verwaschene Kleidung und standen damit Kontrovers zur vorherrschenden Mode, die zunehmend einem Vertreterimage folgte. Im Rahmen ihrer Weltauffassung fühlten sich Grunge-Fans zu satanischen Sekten hingezogen. Ultras bevorzugten sogar Todessekten, die in ihrer spirituellen Glaubensplan am Ende den kollektiven Selbstmord vorsahen oder ein Opferzeremoniell (mitunter auch menschliche Opfer). Im Gegensatz zu den indischen Sekten der 60er Jahren, setzten sich die Satanskulte mit dem christlichen Glauben auseinander. Ihrer Meinung nach versagte das Christentum in der Welt, sodass nur mit dem Teufel im Bunde die Welt verbessert werden konnte. Indem der Mensch seine böse Aura ausleben kann, wird er sich selbst begreifen und zum Guten finden. Mit der Philosophie folgten die Satanisten den selbster-nannten Führern und waren bereit alles für ihn zu tun (rituelle Prostitution, Mordaufträge). Jene Sekten blieben jedoch eine Randerscheinung, dennoch waren zu viele Jugendliche bereit ihr Leben für den Satanismus zu opfern.
Im Schatten der Grunge-Musik standen die Red Hot Chili Peppers, Smashing Pumkins und Cranberries, die mitunter zum Grunge gerechnet wurden, aber mehr zum Alternativen Rock zählen. Die drei Bands bestechen mit einer eindrucksvollen und vielseitigen Musik. Ausdrucksstark setzen sie ihr Thema in ungewöhnlichen Klangstrukturen um und machten somit einige Titel zu kleinen Kunstwerken.
Abschließend sei noch der Britpop erwähnt, der einer Rückbesinnung zur alten Beattradition darstellt und eine gitarrenlastige Musik in den Vordergrund stellt. Die bekanntesten Vertreter der Musik sind Oasis und Radiohead, denen später Blur und Coldplay folgten. Britpop und der vom Grunge geprägte Alternative Rock haben ihren Höhepunkt allerdings erst in den 90er Jahren. 

 

 

 

 

        

          Red Hot Cili Peppers                          Smashing Pumpkins

11. Boygroup

Der Begriff meint eine synchron tanzende und singende Gruppe von jungen Männern, die primär weibliche Fans begeistern sollen. Verpackt mit einer wohlklingenden modernen Musik, präsentieren sich einladend gestylte Modelmänner, um die Mädchenherzen zu erobern. Natürlich sollte die singenden Boys ledig sein, um den Mädchen Hoffnungen zu machen, was letztendlich auf eine bessere Vermarktung zielte.
Bereits Ende der 60er Jahre gab es vokale Teeniegruppen, wie die Jackson Five und den Osmonds. Im Prinzip könnte man auch die Comedian Harmonists aus den 30-er Jahren dazuzählen. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass bisher der Schwerpunkt auf der Musik lag und ein Starkult mehr sekundär war. Doch nun wird zielgerichtet ein Erscheinungsbild publiziert, dass sich gewinnbringend vermarkten lässt. Das heißt, nicht nur die Musik wird vermarktet, sondern auch die Interpreten werden vermarktet (wie Accessoire, Exklusiv-Material für Fans, Fanzeitschriften, Fotos, Interviews).
Musikalisch engagierte das entsprechende Label für das Produkt Komponisten und Texter, die eine maßgeschneiderte Musik für ein Image produzierte. Für das Produkt New Kids On The Block suchte eine Plattenfirma in Boston (USA) fünf gut aussehende Jungen, die singen konnten. Im Sturm eroberten die Jungs die Mädchenherzen und ließen für das Label die Kassen klingeln. Der geschliffene Sound der Boygroups war eine Gratwanderung zwischen Schlager und Pop, in Anlehnung am Funkysound.
In den folgenden 90er Jahren boomte jene Entwicklung und brachte Gruppen, wie Take That, East 17 oder Backstreets Boys hervor. Zweifelsohne schrieben sie Musikgeschichte, zumal Mädchen paralysiert alles kauften, was mit ihren Lieblingen zu tun hatte. Sie schwelgten in irrealen Fantasien (verliebten sich in Bandmitglieder) und allzu oft entfernten sie sich vom realen Leben oder verkauften sich für einen kurzen Glücksmoment. Ein wichtiges Imagekriterium einer Boyband war deswegen ihr Solostatus (unverheiratet, ohne feste Freundin). Boygroups verkaufen daher immer eine Illusion, bei der die Musik zur Nebensache wurde. In ihrer Show inszenieren sie im Prinzip einen Image-Striptease, dass den Bandmitgliedern kein Privatleben mehr gestattete und voller Fan-Verpflichtungen war. Ein stimmiges Gesamtbild war letztendlich entscheidend für den Erfolg, was der Schallplattenfirma enorme Profite einbrachte. Nicht selten wurden die Mitglieder von einer Boygroup unter Druck gesetzt, sich den Image zu fügen. Konkret mischen sich die Produzenten ins Privatleben der Band ein und bestimmten deren Tagesablauf. Demzufolge hielt sich eine Boysgroup nur wenige Jahre und brach dann auseinander, da die Interpreten die Bevormundung satt hatten. Für die Plattenfirmen kam so etwas nicht unerwartet, aber solange man die Band unter Kontrolle hatte, ließen sich mit der Band gigantische Gewinne erzielen.

12. Techno

Am Ende der 80er Jahre entwickelte sich aus dem New Wave in der Verbindung zur Funkymusik der Techno. Der hämmernde, dröhnende Grundrhythmus, der elektronisch erzeugt wurde, fand schnell begeisterte Fans. Im Takt eines Metronoms war der Rhythmus getrimmt, dem sich die Melodie anpassen musste und in einer systematischen Abfolge gebrochen wurde. Der schnelle Sound eignete sich hervorragend dazu, Oldies modern aufzupeppen und jegliche Musik neu aufzuarbeiten. Für die Musik benötigte man lediglich einen Grundrhythmus und alles Weitere war der Fantasie überlassen. Vorrangig durch Keyboard und dem Scratchen von Platten wurde der Grundrhythmus erzeugt und später ausschließlich computertechnisch. 
Musik wird nicht mehr komponiert, sondern arrangiert. Trotz der schnellen Verbreitung der Musik dauerte es verhältnismäßig lange bevor ein Song erfolgreich die Charts stürmte. Eigentlich erlebte der Techno erst durch die 2 Unlimited (1993) den großen Durchbruch. In der Bundesrepublik machten sich Maruscha, Scooter und Mark 'Oh einen Namen in der Szene, doch kommerziell räumte Blümchen ab und landete Hits in Serie, die überwiegend aufpolierte Oldies präsentierte.