1.1. Die 70er Jahre - Allgemein

Die Entspannten 70er Jahre

Allgemeine Betrachtungen
1. Anfang der 70er Jahre
2. Die Jahre 1975 bis 1979
3. Die Friedliche Koexistenz, der indirekte Wirtschaftskrieg

1. Anfang der 70er  (1970 bis 1974)

International ersetzte die Friedliche Koexistenz den Kalten Krieg der Weltsysteme. Über den Sport und die Kultur wurden entspannten Beziehungen zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Staaten realisiert. Maßgeblich war jedoch die wirtschaftliche Ebene, deren intensive Kontakte eine gezielte gegenseitige Strategie verfolgte, um den anderen ökonomisch zu schaden. Zu diesem Zweck buhlten die Systeme, auch um die Gunst der Jungen Nationalstaaten (Unabhängigkeitsbewegung in Afrika und Asien), aufgrund der Rohstoffe und den Absatzmärkten. Nachdem in den 60er Jahren die sozialistischen Staaten (Sowjetunion) zu begehrten Handelspartner für die Staaten in Afrika und Asien wurden, schafften es die kapitalistischen Staaten  (USA) mit verlockenden Angeboten die Märkte für sich zurück zu gewinnen.

In der Bundesrepublik schrieb Willy Brandt deutsche Geschichte und wurde zum Symbol des demokratischen Wandels und praktizierte eine umsichtige Außenpolitik, besonders zu den sozialistischen Staaten. So entschuldigte er sich für die Verbrechen Hitlerdeutschlands in Polen und legte am Ehrenmal des jüdischen Gettos symbolisch einen Kranz nieder und kniete nieder. Mit jener Geste begann zugleich seine Entspannungspolitik zum Osten, die von der CDU stark kritisiert wurde. Die SPD-Politik führte, unter anderem, zu deutlichen Reiseerleichterungen im innerdeutschen Verkehr und zum regen Kulturaustausch.
CDU Politiker werteten das Engagement der SPD-Regierung als gefährliche Annäherung an den kommunistischen Osten und befürchteten eine schleichende sozialistische Umwandlung der Bundesrepublik. Als dann die Brandt-Regierung die Oder-Neiße Grenze staatsrechtlich anerkennen wollte, folgten wütende Proteste der CDU. Im Potsdamer Abkommen von 1945 wurde zwar die neue Ostgrenze von den Alleierten festgelegt, galt aber als vorläufig. Doch im Sinne des deutschen Grundgesetzes war die Wiedervereinigung aller deutschen Gebiete festgeschrieben. Mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze würden jedoch die deutschen Ostgebiete Schlesien, Pommern und Ostpreußen ausgeklammert werden und würden künftig völkerrechtlich als polnisches Staatgebiet gelten.
Auf sogenannten Heimattreffen bestanden die Vorsitzenden der betreffenden Landesverbände vehement auf ihr Heimatrecht und wurden von CDU/CSU Politiker, Neonazis und anderen Revanchisten unterstützt. Besonders die älteren Generationen ließen sich deshalb gegen die Ostpolitik der SPD-Regierung aufhetzen und forderten die Ostgrenzen-Regelung aufzugeben. Trotz heftiger Proteste und jahrelangen innenpolitischen Tauziehens, unterzeichnete Brandt den Vertrag mit Polen und erkannte die Oder-Neiße-Grenze als zukünftige Ostgrenze an. Da dieser Beschluss nicht im Grundgesetz (Korrektur) verankert wurde, ist unklar, ob die nachfolgenden Bundes-Regierungen an den Oder-Neiße-Vertrag gebunden sind. Zumindest löste die SPD-Politik eine unterschwellige Medienkampagne gegen  sich aus, die sich durch weitere Empörungen verstärkte. Besonders das Kippen des Abtreibungsparagrafen, die Minirockmode und das legalisieren von Sexfilmen wurde von der älteren Generation als Sittenverfall angesehen.
In einem politischen Geplänkel überstand Willy Brandt ein Misstrauensvotum, nachdem er die Vertrauensfrage stellte und gewann mit der SPD 1972 überlegen die Bundestagswahlen (45,8 %). Es waren vor allem die jüngeren Wähler, für die Willy Brandt ein Idol war. Der Sympathiebonus von Willy Brandt war in der Bevölkerung sogar so groß, dass ein Rücktritt (1974) wegen der Spionageaffäre Guillaume (DDR-Agent) nicht notwendig gewesen wäre. Politisch musste er aber die Konsequenzen ziehen, auch um nicht den Eindruck zu erwecken, mit der DDR ein geheimes Komplott geschmiedet zu haben.

In der DDR trat mit Erich Honecker (1971) ein demokratischer Hoffnungsträger an die Spitze der SED. Der Lebensstandard stieg, die künstlerischen Freiheiten erweiterten sich und erlaubt waren auch kritische Töne. Jene Maßnahmen dienten jedoch einem Kalkül, sich zu den Weltfestspielen (1974), als weltoffen und demokratisch zu präsentieren. Die SED machte aber nach dem Fest deutlich, dass sie am grundsätzlichen Kurs der Partei nichts ändern wollte. Lockerungen und Reformen wurden in diesem Sinne korrigiert. Trotzdem hoffte das SED-Regime mit ihren großzügigen Sozialgesetzen und den neuen Freiheiten den Bürger für den Sozialismus begeistern zu können.

International entwickelte sich der Vietnamkrieg für die USA zum militärischen Desaster und sie willigten schließlich in ernsthafte Friedensverhandlungen ein. 1973 begannen die USA daraufhin mit dem Truppenabzug. Mit dem Ende des Vietnamkrieges wurde der US-Präsident Richard Nixon gestürzt. Indirekt wurde er zum Sündenbock für den verlorenen Vietnamkrieg und man stürzte ihn durch die Watergate-Affäre, wo ihm ein Missbrauch von Regierungsvollmachten nachgewiesen werden konnte. In Jordanien strebte die emigrierte palästinensische PLO die Machtübernahme an. Als ein Attentat auf den König misslang, folgte im September 1970/71 ein militärischer Konflikt. Mit Hilfe der USA und Israels (militärtechnisch) siegten die jordanischen Streitkräfte, die 68 Opfer zu beklagen hatten. Dagegen verloren 40.000 Palästinenser ihr Leben und waren überwiegend Zivilisten die in den Flüchtlingslagern angegriffen wurden (Massaker).
Am 
Ende wanderten die Palästinenser in den Libanon aus. Im Libanon bildeten sich innerhalb der PLO die Terrorzelle Schwarzer September. Mit Hilfe der deutschen RAF gelang es jener Gruppierung, bei den Olympischen Spielen in München, israelische Sportler als Geisel zu nehmen. Eine Befreiungsaktion misslingt und es sterben 9 Sportler und 5 Terroristen. Aufgrund der Einsatzpannen, wird die Gründung der Antiterror-spezialeinheit (GSG9) von der Bundesregierung beschlossen. Diese Spezialkräfte sollen professioneller reagieren, zumal in der BRD die RAF zum Problem wurde.
In Chile putscht General Pinochet gegen die sozialistische Regierung Allende und ging mit beispielloser Brutalität gegen die Kommunisten und Demokraten vor. Bei den Kämpfen gab es nur wenige Tote, zumal der Wiederstand schnell gebrochen wurde. Die Junta entledigte sich danach systematisch seiner politischen Gegner und ermordete geschätzt etwa 20.000 Chilenen. Sportstadien wurden zu Massen-Gefängnissen und überall fanden Folterungen und Hinrichtungen statt. Weltweite Proteste verhallten, da die USA mit ihrem UNO-Vetorecht Maßnahmen und Sanktionen gegen Chile blockierten und die Situation dort verharmloste.

In der breiten Öffentlichkeit in beiden Teilen Deutschland, wurden zwar die weltpolitischen Ereignisse zur Kenntnis genommen, aber wichtiger war der eigene Wohlstand. Erschwingliche technische Hilfsmittel machten die Hausarbeit leichter und das Fernsehen brachte Spannung und Unterhaltung ins Wohnzimmer. Mit den gestiegenen Gehältern und mehr Freizeit fuhr der Bürger gern in Urlaub oder nutzte die kulturellen Freizeitangebote (Kino, Theater, Museum, Tanzgaststätten). Viel Zeit und Geld steckten die Menschen in ihre Wohnungen oder/und strebte ein eigenes Grundstück an. Es galt den Wohlstand zu genießen und waren in jeglicher Hinsicht Konsumenten. Die Teenager emanzipierten sich über den Glamrock und mit Alice Schwarzer nahm die Frauenbewegung militante Züge an. Sportlich wurde die Bundesrepublik Europa- und Weltmeister im Fußball und die DDR -Sportler stiegen zur großen Sportmacht bei den Olympischen Spielen auf. Insgesamt konnte die gesellschaftliche Gesamtentwicklung als positiv und zukunftssicher betrachtet werden und man konnte von einer neuen Wohlstandsqualität reden.

2. Die Jahre 1975 - 1979

Der Wirtschaftskrieg der Systeme (Sozialismus/ Kapitalismus) veränderte sich schleichend. Im Ränkespiel der Supermächte verschärfte sich die politische Weltsituation und stürzte die europäischen Staaten und Nordamerika in die Krise. Die USA und die UdSSR untermauerten ihren weltweiten Einfluss und schreckten bei der Wahl ihrer Mittel vor nichts zurück. Als dritte Weltmacht stieg China empor und wurde besonders in Afrika aktiv.
Afrika wurde somit zum Schlachtfeld der Großmächte, deren Folge instabile Regierungen, Bürgerkriege und Terrorregime waren. Doch trotz perfiden Mächtespiel gab es auch immer wieder 
unerwartete Entwicklungen, die nicht mehr korrigierbar waren.
In Nikaragua war die USA machtlos beim Sturz der Somoza-Diktatur. In Uganda flüchtete der brutale Despot Idi Amin, trotz sowjetischer Waffenhilfe. Und vietnamesische Truppen beendeten in Kambodscha die grausige Pol Pot Herrschaft, die von China unterstützt wurde. Außerdem starben mit Franco (Spanien) und Mao Zedong (China) zwei Tyrannen und machten den Weg für eine Demokratisierung frei. Nachdem der Vietnamkrieg mit einer Schmach für die USA endete, rückte Vorderasien in den Brennpunkt des Weltgeschehens. Nachdem Ägypten Friedensverhandlungen mit Israel führte, verlor Ägypten sein Ansehen und die führende Rolle in der arabischen Welt. Besonders die PLO (Palästinenser) reagierte extrem verärgert und sah vor allem die USA als den treibenden Übertäter an. Die PLO verstärkten daraufhin ihre weltweiten Terroraktionen und trugen einen erheblichen Anteil am Bürgerkrieg im Libanon.

In Afghanistan führten interne Machtquerelen innerhalb der kommunistischen Partei zum nationalen Widerstand. Neben dem politischen Chaos, sahen die muslimischen Fürsten ihre islamischen Werte in Gefahr, worauf sich die Mudschahedin gründeten. Ende 1979, bat die Regierung in Kabul um sowjetische militärische Hilfen, damit die sozialistische Ordnung im ganzen Land wiederhergestellt werden konnte. Der Einmarsch schädigte in den 80er Jahren erheblich das Ansehen der Sowjetunion und löste eine folgenschwere Kettenreaktion aus, die maßgeblich von den USA inszenierte wurde.

Im Spiel der Supermächte konnte im Iran eine neue Größe heranwachsen, die sowohl von den USA, als auch von der Sowjetunion unterschätzt wurde. Mit dem geistigen Führer Khomeini begann 1979 im ehemaligen Persien die islamische Revolution, deren fundamentalistische Idee in der muslimischen Welt zum Flächenbrand werden sollte.

In der Bundesrepublik zog der RAF Terror eine blutige Spur durchs Land, deren trauriger Höhepunkt das Jahr 1977 wurde und in dem Geiseldrama von Mogadischu mündete. Zuvor hatte schon eine israelische Spezialeinheit den palästinensischen Flugzeugentführern einen herben Schlag versetzt und nach deren Vorbild, war die GSG 9 in Somalia ebenso erfolgreich. Im Kampf gegen den Terrorismus, insbesondere der RAF, vollzog die Polizei eine intensive und erfolgreiche Verfolgungsjagd. Jeden Hinweis nachgehend brachte diese Vorgehensweise harsche Kritik ein und die Rede vom Polizeistaat machte die Runde. Mit dem Einsatz der Polizei gegen eine engagierte autonome Jugendbewegung verschärfte sich die Stimmung gegen die Polizei und Die Grünen forderten grundlegende Reformen. In der alternativen Bewegung wurde der ökologische Gedanke zur Aktionsquelle und richtete sich unter anderem gegen Profithaie (z. B. Hausbesetzerszene), Kernkraftwerke und setzte sich für einen modernen Zeitgeist (z. B. Frauenrechtsbewegung) ein.

Die Mehrheit der Jugend ließ sich vom verlogenen Glanz des Discokultes blenden und sie richteten ihr Leben auf Konsum, Partys und Sex aus. Mit dem steigenden Wohlstandsstreben und einer egozentrischen Gesellschaft nahm die Gefühlskälte zu und verursachte diverse Beziehungsprobleme in der Partnerschaft und der Familie. Die Zahl an Scheidungen nahm sprunghaft zu und typisch wurden kurzzeitige Beziehungen und die Zahl der Hochzeiten ging zurück. Vor allem Jugendliche schlossen sich der alternativen Bewegung an und als extreme Reaktion auf eine verlogene Gesellschaft bildeten sich die Punker.  Sie provozierten mit ihrem Aussehen und sahen für sich keine Zukunft, da die Gesellschaft die Realität leugnete. Familien zerbrachen, da bei der Jagd nach Statussymbolen jeder für sich lebte und lediglich propagierte Familienstandards erfüllt wurden, ohne ernsthaft miteinander zu reden.

Im Rausch des wachsenden Wohlstandes bemerkten nur die Mittellosen die Krise in der Wirtschaft. Obwohl die Zahl der Arbeitslosen (ca. 900.000) etwas zurückging, wuchs die Unzufriedenheit mit der SPD/FDP – Regierung. Jugendliche beklagten den Polizeistaat und dass den kapitalistischen Auswüchsen zu viel Freiraum gewährt wurde. Für die ältere Generation reagierte die Regierung nicht entschlossen genug und förderte den sittlichen Zerfall der Gesellschaft. Die CDU/CSU Opposition erstarkte im Meinungsbild und mit den Grünen war eine Alternative entstanden, die vor allem  jugendliche Wähler anzogen.

In der DDR hinterließ die allgemeine Wirtschaftskrise deutliche Spuren. Obwohl auch hier der Wohlstand wuchs, konnte der Bedarf an Waren kaum gedeckt werden. Obendrein war das Volk darüber verärgert, dass die wenigen beliebten Artikel/Waren nur noch in den teuren Spezialgeschäften (Intershop, Delikat- und Exquisit-Läden) zu haben waren. Ständig gab es irgendwelche Engpässe und die Wartezeit für einen Trabant (Auto) stiegen auf 10 Jahre an. Die Unzufriedenheit wuchs in vielerlei Hinsicht und immer lauter wurde der Protest gegen die politische Bevormundung/Meinungsfreiheit. Mit einer Reihe von Maßnahmen machten die SED-Funktionäre deutlich, welche Meinungen sie als staatsfeindlich betrachteten. Der angestaute Ärger explodierte mit der Biermann-Affäre und wurde zum offenen Protest der Kulturszene. Es ging dabei weniger um die Person Wolf Biermann, sondern prinzipiell um die künstlerischen Freiheiten. Auf ein Protestschreiben reagierte die Regierung unnachgiebig und setzten die Künstler unter Druck. Die meisten Künstler gaben sich mit Zugeständnissen zufrieden, aber andere (z.B.: Manfred Krug) reichten ihren Ausreiseantrag ein. Für den Staat überraschend, stieg die Zahl der Ausreiseanträge nun insgesamt an. Zudem hatte die Staatsicherheit registriert, dass der Bürgerprotest in den Untergrund ging. Für die Stasi wurde es notwendig mehr IMs (informative Mitarbeiter) anzuwerben, um illegale Gruppen aufspüren zu können. Am Ende der 70er Jahre war eine explosive Stimmung entstanden, die vom Regime kaum noch beherrschbar war, zumal auch in den Reihen der SED die Stimmen nach Reformen lauter wurden.

Die Friedliche Koexistenz (getarnter Wirtschaftskrieg)

Der US-Präsident J. F. Kennedy und der sowjetische Regierungschef N. Chruschtschow legten mit der Beendigung des Kuba-Konflikts (1962) den Grundstein für die friedliche Koexistenz. In einem friedlichen Miteinander sollte künftig der Wettstreit der Weltsysteme stattfinden und mündete in den 70er Jahren in einen versteckten Wirtschaftskrieg. Nach Kennedys Tod suchten die imperialistischen Mächte die Konfrontation und mussten erkennen, dass dies nach hinten losging. Die jungen Nationalstaaten in Asien und Afrika kehrten der kapitalistischen Welt den Rücken und wandten sich den sozialistischen Staaten zu. Der Verlust von Absatzmärkten und Rohstoffen stürzten die imperialistischen Staaten in die Wirtschaftskrise. Zudem wirkte sich der Vietnamkrieg der USA sehr negativ aus. Neben den finanziellen Unkosten für die USA und seinen Verbündeten litt besonders das Image.
Zudem verschärften Studentenunruhen die innenpolitische Lage. Am schwersten betroffen war Frankreich, wo die Unruhen bürgerkriegsähnliche Zustände auslösten. In Anbetracht einer drohenden Existenzkrise setzte ein politisches Umdenken ein. Innenpolitisch wurden notwendige soziale Reformen umgesetzt und vermittelten nach außen hin, das Bild einer freiheitlich demokratischen Gesellschaftsform. Häufig mit einem Regierungswechsel verbunden änderten die kapitalistischen Staaten ihre Außenpolitik. Speziell die Kolonialmächte (Großbritannien, Frankreich) verurteilten ihre politische Vergangenheit und machten der Welt glauben, dass für sie geläutert sind und sich für Frieden und Gerechtigkeit Einsätzen würden und allen Ländern der Welt uneigennützig Hilfe zusicherten beim demokratischen Aufbau des Staates.
Sie zeigten sich auch bereit ihre Differenzen mit den sozialistischen Staaten beizulegen und signalisierten ein hohes Interesse an intensive wirtschaftliche Beziehungen. Zwischen den blockfreien kapitalistischen Staaten, wie Schweden oder Dänemark, sowie dem eigenwilligen Frankreich, bestanden schon seit längerer Zeit Handelsbeziehungen zur sozialistischen Welt. Nun folgten auch die USA, BRD und Großbritannien. Mit dem wirtschaftlichen Interesse war jedoch eine politische Strategie verbunden. Da die sozialistische Welt mit militärischen Mitteln nicht zu besiegen war, bot sich die Gelegenheit das verhasste System wirtschaftlich zu schädigen. Die sozialistische Staatengemeinschaft ihrerseits nahm diesen Fehdehandschuh gerne an und verfolgte das Ziel der angeschlagenen Wirtschaft der imperialistischen Staaten  den Todesstoß zu versetzen.

RGW-Strategie (Sozialistischer Wirtschaftsbund):

Konkret war es das Ziel den kapitalistischen Markt zu unterlaufen, um eine innenpolitische revolutionäre Krise auszulösen. Mit einem Überangebot zu Dumpingpreisen sollten die kapitalistischen Konkurrenz-Firmen in den Konkurs getrieben werden oder nach und nach die Firmen von Investoren aufgekauft werden, die sozialistische Marionetten waren. Zudem sollte sich Strohfirmen in den kapitalistischen Staaten gründen, deren Leitung sozialistisch gebunden war (z. B.: eine Überwachung durch Stasi-Agenten), mit dem Ziel den Druck auf den Markt zu erhöhen. Als Folge einer wirtschaftlichen Unterwanderungsstrategie, sollte die Arbeitslosigkeit explodieren, die zum sozialen Unfrieden führen würde und politisch die kommunistische Partei des Landes stärken könnte. Letztendlich war eine revolutionäre Lage beabsichtigt, die das Land durch Wahlen oder einem Ausstand sozialistisch werden würde.
Das Wirtschaftsbündnis RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe) wurde daraufhin gezielt umgebaut. Jedes Land erhielt eine spezifische wirtschaftliche Aufgabe, wodurch die Industrie zentralisiert und effizient von nötigen Zulieferern versorgt wurde. Mit der Maßnahme war eine effektivere und planbare Produktion möglich (Planwirtschaft). Erzeugnisse konnten in hoher Stückzahl hergestellt und preiswert auf dem Weltmarkt angeboten werden. Außerdem wurde der sowjetische Rubel zur Handelswährung erhoben, wodurch der Handel frei von Währungsschwankungen war.
Begünstigend zu erwähnen sei noch, dass kapitalistische Unternehmen bewusst die soz. Handelsbeziehungen förderten, um Konkurrenten im eigenen Land in den Ruin zu treiben, damit das Unternehmen ein Monopol erreichen konnte und den Wert einer Ware bestimmen konnte.

EWG – Strategie (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft):

Ziel war es mit marktstrategischen Experten gezielt Verträge abzuschließen, die langfristig nicht einzuhalten waren und den sozialistischen Wirtschaftspartner in Lieferschwierigkeiten bringen würde. Gezielt torpedierten die Strategen sekundär, die Handelsbeziehungen der RGW-Staaten zu den Staaten Afrikas und Asiens, die als Rohstoffbasis wichtig waren, um auf den Weltmarkt preiswert sein zu können. Da die RGW-Staaten, die im Gegensatz zu den EWG-Staaten, keine Rücklagen hatten, konnten eine Unterbrechung der Wirtschaftskette nicht kompensieren und deren Konsequenz wirkte sich fatal aus.
Das heißt, Verträge können nicht erfüllt werden und ziehen Vertragsstrafen nach sich, damit die Strafen nicht zur Schuldenspirale werden, wird die Landeswirtschaft stärker ausgleichend herangezogen, wodurch eine Wirtschaftskrise erzeugt wird. Im Gegensatz zu den EWG -Staaten ist eine Wirtschaftskrise in den RGW-Staaten immer deutlich zu spüren. Hierauf zielt die EWG-Strategie und hofft über den sozialen Unfrieden auf einen Volksaufstand, der die kommunistische Herrschaft stürzt. Begünstigend kommt hinzu, dass die Bevölkerung in allen  sozialistischen Staaten sowieso mehrheitlich unzufrieden ist.
Desweitern nutzen die EWG-Strategen einen grundlegenden Nachteil der Planwirtschaft. Der RGW kann zwar effektiv wirtschaften, ist aber nicht flexibel bei Markveränderungen. Mit der zentralistischen Wirtschaft verbunden, sind auch enorme Entwicklungsdefizite. Der sozialistische Markt konnte weder auf Veränderungen oder Neuerungen reagieren und  brachte nur wenige innovative Ideen zustande. Zudem war es schwierig eine Produktions-kette auf den neuen Markt umzustellen (Zulieferer, Produktion). Die EWG-Strategen schlugen dort zu, wo das RGW-System besonders verletzbar war und sich blind in eine Schuldenspirale manövrierte.

Die Realität: Mit der westlichen Strategie in den 70er Jahren, änderte sich die wirtschaftliche Weltsituation zugunsten der kapitalistischen Welt. Trotz Krise gelang es den kapitalistischen Staaten den Wohlstand ihrer Bevölkerung zu erhöhen. Zwar mussten sie ihre eiserne Reserven angreifen, aber perspektivisch erholte sich die Wirtschaft auch wieder. Wichtig war, die aufmüpfige 68er-Jugend zu beruhigen und sie zum Konsum zu verführen.
In den sozialistischen Staaten, schoss sich die Sowjetunion ein politisches Eigentor, mit ihrer militärischen Aktion gegen den Prager Frühling. Nachhaltig verlor die Sowjetunion ihr Ansehen in der Welt und bei den Bürgern in den sozialistischen Staaten. Dann starb in Ägypten Abdel Nassers, wodurch sich die ägyptische Politik änderte und die Sowjetunion nicht nur ihren wichtigsten Führsprecher in der arabischen Welt verlor. Zudem kündigten weitere Staaten in Afrika, Asien und Südamerika ihre Handelbeziehungen mit dem RGW.
Mit besseren Technologien und großzügigeren Wirtschaftskonditionen lockten die kapitalis-tischen Staaten. In nur wenigen Jahren verloren die RGW-Staaten ihre wirtschaftliche Basis und damit ihr Standbein gegenüber dem Handel mit den kapitalistischen Staaten. Der wachsende Wohlstand in den EWG-Staaten könnte ebenfalls als Taktik angesehen werden, denn die RGW-Staaten waren nun gezwungen den Lebensstandard in ihrem Land zu erhöhen, um die Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu besänftigen. Die kommunistischen Funktionäre erhofften sich aber auch einen höheren Arbeitseifer, aber das trat nicht ein. Es rächten sich die stetigen Normerhöhungen der Vergangenheit, wodurch die Arbeiter Mehrleistungen vermieden, um keine weiteren Normerhöhungen zu riskieren. Auch mit Prämien oder Auszeichnungen ließen sich die Arbeiter kaum locken.
Geschönte Erfolgsmeldungen, die nicht der Realität entsprachen, führten im wesentlich dazu, das Handelsverträge nicht mehr eingehalten werden konnte. Schadhafte Produktionsgeräte, mangelhafte Produktqualität und Schwierigkeiten in der Zulieferkette, sind weitere Ursachen die sich fatal auswirkten. Es war zu teuer geworden abgenutzte oder defekte Maschinen zu ersetzen, stattdessen wurden sie nur notdürftig repariert. In vielerlei Hinsicht kam es zu Störungen in der Zulieferkette, die ihre Ursachen im Normdruck oder Desinteresse hatten. So lösten gestreckte oder minderwertige Mineralien eine Folgekette aus, die sich über die Stationen bis zur Endfertigung katastrophal auswirkten. Der Anteil von Ausschussprodukten stieg, sodass die geforderte Qualitätsmenge für den Export nicht vorhanden war.
Hinzu kamen unmotivierte Firmenleiter, die mit Falschmeldungen ihren Posten sicherten, sodass nicht mehr überprüfbar war, wo die Schlamperei begonnen hatte. Zu einem grundsätzlichen Problem wurde fehlende Konkurrenz, wodurch es keine Alternativen gab, um die Auslandsverträge zu erfüllen und auch eine nötige Inspiration für Forschungen war kaum gegeben. Der RGW konnte deshalb kaum noch die vertragliche Stückzahl in der geforderten Qualität liefern und war auch nicht in der Lage sich auf Marktveränderungen einzustellen.
Als die Probleme der RGW-Wirtschaft offensichtlich wurden, konnte viele Verträge noch erfüllt werden, indem sie der eigenen Bevölkerung die Ausschussprodukte anboten, oder sie verkauften die minderwertigen Produkte an die Entwicklungsstaaten. Später kompensierten die RGW-Staaten ihre Vertragsschulden, indem sie ihre Länder touristisch öffneten, ihre Kultur exportierten oder sportlich begeisterten. In der DDR wurde der Besuch westdeutscher Bürger gefördert und Intershops sollten ihnen das Geld aus der Tasche locken. Doch all jene Dinge lösten das wirtschaftliche Problem nicht, aber die RGW- Staaten schafften es nicht ihr System zu reformieren.