09. Soul, Folk, Beat

Sound: Soul, Folk und Beat

1. Soul
2. Folk und Protestsong
3. Beat ( Anfänge und Entwicklung)
4. Ausgesuchte Liedtexte

1. Soul
Soulmusik bezeichnet eine Hauptströmung der afroamerikanischen Unterhaltungsmusik. Sie entwickelte sich Ende der 1950er Jahre aus dem Rhythm and Blues und dem Gospel.
In den 1960er Jahren war Soul das Synonym für schwarze Popmusik. Die Geschichte dieser Stilrichtung steht im engen Zusammenhang mit dem Kampf der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gegen Rassentrennung und für die Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung. Im Soul dominiert eine stark emotionale Darbietung von Vokal- und Instrumentalsoli („heart and soul“ = mit ganzer Seele), einer Betonung des Gesangsparts und mit starken Kontrasten zwischen Gesang und Instrumentierung. Je nach der vorherrschenden Emotion werden Soulkompositionen charakterisiert und unterschieden. Die Bandbreite der Musik umfasst langsame Ballade, wie „When A Man Loves A Woman“ von Percy Sledge oder das anheizende schnelle Stück „Respect“ von Aretha Franklin.
Erste Soul-Ausläufer bildeten sich Mitte der 40er Jahre heraus, wo Elemente des Swing, Bebop, Gospel und Blues verarbeitet wurden. Bluesinterpreten, wie John Lee Hooker und Muddy Waters, sowie Jazzmusiker, wie Ella Fitzgerald und Lionel Hampton, entwickelten den Stil weiter und schufen damit ebenso eine Grundlage für die Entwicklung des Rhythm ’n’ Blues. Mitte der Fünfziger entstanden unterschiedliche Tendenzen in der Musik, die zur Basis des Souls wurden.
Sam Cooke, Ray Charles und James Brown werden allgemein als die Pioniere des Soul betrachtet. Insbesondere gilt Ray Charles (Bild) als wesentlicher Auslöser durch seinem Klassiker „What’d I Say“ (1959). RayDennoch waren Elemente des Soul auch bei den Drifters und den Platters zu finden. Gospel-Soul Elemente besaßen ebenfalls einige Titel der Jazzsängerin
Ella Fitzgerald und dem Rock’n’Roll Star Fats Domino.
Nachdem die Weißen den Rhythm’n’ Blues, als Rock’n Roll, für sich vereinnahmten, trat die Spielart Soul seinen Siegeszug an. Es war eine revolutionäre Epoche angebrochen, die dringend eine musikalische Identität suchte, um sich abzuheben. Der internationale Stellen-wert der USA machte ein Umdenken in der Rassentrennung nötig. Rein rechtlich wurden nun Praktiken der Rassentrennung von den obersten Gerichten der USA verboten, aber leider sah die Praxis in der Realität anders aus. Selbst als das Gesetz gegen die Rassentrennung ratifiziert wurde, stießen die Afroamerikaner auf energischen Widerstand der Rassisten.
Trotz zahlreicher Übergriffe klagten die Farbigen selbstbewusst ihre Rechte ein und vertrauten auf Gottes Hilfe. Soul verstand sich als Aufbruch eines neuen Zeitgeistes (Black Power), Selbstwertgefühls („Black Is Beautiful“), der Gleichwertigkeit vor Gott und war von einer unbändigen Willenskraft geprägt, der sich nicht mehr einschüchtern ließ.
Musikalisch wurden typische Gospel-Elemente kombiniert, wie das Shouting (Gefühlsintensität des Vortrags), dem Call and Response-Prinzip (Ruf und Antwort) als basierende Songstruktur, sowie den Takt unterstreichendes, rhythmisches Händeklatschen und der Bandstruktur des Rhythm’ n’ Blues. Stilistisch markierte der Soul einen deutlichen Bruch mit dem schnellen und rhythmusbetonten Rhythm’ n’Blues, der im Wesentlichen ohne Tiefgang und nur Unterhaltungsmusik war. Im Soul flossen neben der Gospel-Tradition auch die Spirituals ein.
Die Musik markierte ein Wertgefühl, das sich ebenso äußerlich in ihrer Mode und Eleganz niederschlug. Zugleich wurde auf der Beziehungsebene das Verhältnis zwischen Mann und Frau neu definiert. Besonders die Begriffe Verantwortung und Zuneigung wurden thematisiert und über die Musik der afroamerikanische Weg der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau aufgezeigt. Interpreten brachten dazu gesanglich tiefe innere Gefühle zum Ausdruck und trugen dazu bei sich untereinander besser zu verstehen. Sie brachen aus dem hierarchischen Rollenbild heraus, einer vorgelebten spießigen US Gesellschaft und begannen eigene Lebensmodelle zu erproben, im gegenseitigen Miteinander. Gesellschaftspolitisch wurde der Sound zur Grundlage eines kämpferischen Selbstbewusstseins und forderten vehement ihre Bürgerrechte. Der Pastor Martin Luther King war ihr geistiger Führer und Songs wie, „Say It Loud – I’m Black And I’m Proud“ (James Brown - 1968), sowie „Respect“ (Aretha Franklin - 1967)
wurden zu Schlüsselsongs dieser Bewegung.

Die Zwei Hauptstränge der Soulmusik

Northern Soul oder auch Motown Soul (Detroiter Label):
1959 von Berry Gordy gegründet, mit dem Produzententeam Brian Holland, Lamont Dozier, Eddie Holland und gelegentlich Smokey Robinson (sein Solohit: „The Tears Of A Clown“- 1970). Motown Soul war großstädtisch, perfekt durcharrangiert und mehr auf die Hörgewohnheiten der Weißen zugeschnitten. So schafften es (ab 1966) 75% aller Singles, in die US Top 100. Motown wurde zum größten Medienunternehmen in Farbiger Hand.
Stars dieser Szene: Temptations ; Sam Cooke ; Martha Reeves & the Vandellas ; die Marvelettes ; Four Tops ; Gladys Knight & the Pips ; Smokey Robinson ; Kim Weston ; Mary Wells ; Marvin Gaye ; Jackson Five ; Edwin Starr ; Stevie Wonder und deren Superstars die Supremes (Diana Ross, Mary Wilson, Florence Ballard ).

Southern Soul = Uptown Soul:
1. Atlantic Records wurde 1947 vom Sohn des Türkischen Botschafters Ahmet Ertegün gegründet. Jerry Wexler als Firmenpräsident gab aber erst Atlantic sein Gesicht. Sie produzierten zeitgenössischen Rhythm’n’Blues und traditionellen Blues, Jazz und Pop. Wegbereiter des ursprünglichen Souls waren LaVern Baker, Ruth Brown, Clyde McPhatter und Ray Charles. Solomon Burke wurde mit den Hits „Everybody  Needs Somebody To Love“  und „Just Out Of Reach“ kurzzeitig zum King of Rock’n’Soul, bis James Brown kam. Wilson Pickett („In The Midnight Hour“, „Land Of The 1000 Dances“) und vor allem Aretha Franklin, waren die großen Stars von Atlantic. Zu nennen wären da noch Dionne Warwick und Bobby Darin.

2. Stax Label (Memphis): Weiße Firmenchefs engagierten sich für den Soul, obwohl sie selbst aus der Countrymusik kamen. Jim Stewart gründete das Stax Label 1958 mit der Studioband Booker T. & the MG's ( 2 farbige und 2 weiße Musiker ). Kreativer Mittelpunkt war der Songschreiber und Produzent Isaac Hayes, sowie der Sänger Otis Redding, mit Hits wie „I’ve Been Loving You Too Young“ (1965) und „Sittin’ On The Dock Of The Bay“ (1967). Weitere Stars der Szene waren: Joe Tex, Rufus Thomas und Carla Thomas, das Duo Sam & Dave, Eddie Floyd sowie die Staple Singers.
Typisch für den Stax-Sound war der orgelähnliche Einsatz der Bläser. Der Gesang hielt sich im Wesentlichen im Rahmen der Gospeltradition; auf nachträgliches Abmischen wurde meist ganz verzichtet. Inspirierend wirkte die entspannt-kreative Atmosphäre der Stax-Studios in den Sechzigern, auch auf einige Interpreten des sogenannten Blue Eyed Soul: Die hier aufgenommenen Platten von Elvis Presley, Neil Diamond und Dusty Springfield werden von Musikkritikern immer wieder als herausragende Meilensteine der jeweiligen Künstler aufgeführt.

3. Muscle Shoals-Studios (Alabama): Wurde von Rick Hall gegründet. Wilson Pickett begann hier seine Karriere bevor er zu Atlantic ging, und der Welthit „When A Man Loves A Woman“ von Percy Sledge wurde hier geschrieben. Zu den bedeutendsten Künstlern der Muscle Shoals gehören Tommy Roe und Ray Stevens.

Angemerkt: Erwähnt sei noch das Label Goldwax, dessen Star James Carr es in die US Top 100 schaffte. Insgesamt war der Southern Soul urwüchsiger, aggressiver und ländlicher als der ausgefeilte Sound des Nordens. Kritiker werten diese Musik als den wahren Soul.

BrownWeitere Einflüsse und das Ende der Soulmusik

Eine Besonderheit ist der exentrische und progressive James Brown (Bild), der bereits 1956 mit „Please, Please, Please“ den Soul-Boom mit auslöste und sich keinem der erwähnten Label anschloss. 1968 sang er die bekennende Hymne „Say It Loud - I’m Black And I’m Proud“ und wurde zum Idol der afroamerikanischen Musikszene.
Wichtige Zentren des Souls waren Chikago, als die Hauptstadt des Blues und New Orleans, als die Jazzmetropole. Curtis Mayfield aus Chikago schrieb mit „Keep On Pushing“ und „We’re A Winner“ weitere Hymnen der Bürgerrechtsbewegung. Weiterhin belebten die Musikszene Al Green, der aus Arkansas kam, Patti LaBelle („Lady Marmalade“) aus Pennsylvania und New Orleans brachte Soulgrößen wie Irma Thomas, den Pointer Sisters, Lee Dorsey („Working in the Coal Mine“) und Neville Brothers hervor.

Mit dem Mord an Martin Luther King und den sich anschließenden wütenden Rassenunruhen, geriet der Soul als Motivator ins Abseits. Die Aufbruchsstimmung verflüchtigte sich und nur Wut und Enttäuschung blieben und mündeten in Resignation. Frustriert schien musikalisch der Soultraum ausgeträumt zu sein und befürchteten, dass die Rassisten das Rad der Geschichte zurückdrehen könnten. Aber speziell bei der Jugend hatte sich ein neuer Zeitgeist etabliert. Die Hippiebewegung und der Studentenprotest forderten nachhaltig gesellschaftliche Veränderungen. Gemeinsam forderten sie ein Ende des Vietnamkrieges und auch die Bürgerrechte für alle Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe wurde thematisiert.
Die afroamerikanischen Sportler Tommie Smith und John Carlos wagten es demonstrativ und  streckten bei der Siegerehrung bei der Olympiade in Mexiko ihre geballte Faust der USA-Nationalhymne entgegen. Und die Boxerlegende Cassius Clay (Mohammad Ali) verweigerte seinen Kriegsdienst in Vietnam, dass hohe Wellen in den USA schlug. Die Sportler und die Jugendlichen ächteten den Rassismus und der Mord an Martin Luther King und all die zahlreichen Übergriffe auf Afroamerikaner stärkten die Front gegen die Rassisten. Bei einem Großteil der amerikanischen Jugend spielte die Hautfarbe kaum noch eine Rolle, vereint waren sie angetreten die konservative Gesellschaft zu reformieren. Angesichts der Unruhen sah sich die US-Regierung gezwungen den Aufruhr durch Zugeständnisse zu beschwichtigen.
Aber auch die erfolgreichen Musiker, die ganz oben in den Charts standen, ließen sich nicht mehr einseifen und zeigten ihren Protest. Solange ihnen die Bürgerrechte verwehrt wurden, wollten sie auch nicht mehr, die weiße konservative Gesellschaft unterhalten, sondern Musik nur noch für ihre schwarzen Brüder machen. Zahlreiche Künstler kündigten ihren kommerziellen Labels, wie Gladys Knight, die Jackson Five und die Four Tops.
Trotzig sollte Soul die Musik der Schwarzen bleiben. In den Wirren der Zeit änderte sich der Stil in aggressiv, wehklagend, zynisch oder flüchteten in Traumwelten der Liebe oder klagten zu Gott. Die Jugendbewegungen erreichten ein gesellschaftliches Umdenken und rassistische Denkweisen wurden zunehmend geächtet. Die Musik der Afroamerikaner bekam dadurch einen anderen Stellenwert. Sie wurden per Gesetz endlich als gleichwertige US-Bürger anerkannt, aber mussten dennoch ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen. Im Alltag waren sie immer noch diversen Benachteiligungen ausgesetzt.
Der neue Undergroundsoul schöpfte aus anderen Musikarten und verarbeitete speziell den Psychedelic-Sound. Das Woodstock-Festival trug wesentlich zur mentalen Erneuerung bei. Leider förderte das neue Selbstbewusstsein auch den Drogenkonsum. Der Psychedelic Soul mündete später in den Funk- und Phillysound. Bis 1972 bereicherten Soul-Übergangsformen die Musiklandschaft und machten Künstler, wie Stevie Wonder, Marvin Gaye und The Temptation populär.
Zu absoluten Superstars in den USA wurden die Jackson Five und der King of Soul James Brown, sowie die Soulqueen Aretha Franklin.     

2. Folk und Protestsong
Folkmusik kristallisierte sich in den 60er Jahren als eigene Musikgattung heraus und deren Titel waren inhaltlich überwiegend Protestsongs. Der gesellschaftskritische Grundcharakter machte diese Musik bei der Jugend so populär.
Mit dem Ende des Rock'n Rolls starb der Versuch einer neuen Lebensidee, die im Resultat unweigerlich nur das Elternhaus in einer anderen Form kopierte. Zudem versandete die Musik im gefönten Sing-Sang, von Liebesschmerz und Partymucke. Und immer wenn der Mainstream nichts mehr aussagt oder zu nichts mehr motiviert, dann finden sich Künstler mit einfachen Tönen, die ihre Gedanken äußern. Nicht zufällig erinnern sie sich an die Volkslieder, weil sie zeitlos sind, eine Aussage vermitteln und es ließen sich vergessene aussagekräftige Lieder ausgraben. Es ist die Faszination der Einfachheit und die einprägsame Melodie, deren Liedtexte sich in die Gehirnzellen einbrennen.
Mit dem Rock’n Roll Schlager erhöht sich demzufolge der Anteil von Countrysongs in den Charts. Eine steigende Mehrheit wollte Musik zum Zuhören oder Neues hören (Calypso-Sound). Inspiriert von der Einfachheit der Folklore (Volksmusik) komponierten Künstler eigene Lieder ohne in die Tanzmusik abzugleiten. Sie machten sich Gedanken über die Welt und ihre Musik war zum Zuhören gedacht. Sie sind Liedermacher, ob textlich engagiert, gefühlvoll, koket oder fröhlich. Der volkstümliche Stil der Lieder wurde in den 60er Jahren als Folksongs bezeichnet. Folksongs sind die amerikanische Variante zum französischen Chanson und doch unterscheiden sie sich in ihrer musikalischen Grundlage. Die Folksongs basieren auf eine irisch-britische Tradition und den sich daraus entwickelten angloamerika-nischen Musikformen (Country, Swing, Blues). Das Chanson begründet sich mehr auf die klassischen Traditionen, speziell der französischen Operette, die natürlich von deren Volksmusik stark beeinflusst war.

Einer der ersten Stars der Liedermacher war Woody Guthrie, der in den Zeiten der Wirtschaftskrise (30er Jahre) die Seele stärkte und sein „This Land Is Your Land“ in den USA beinahe ein Volkslied ist. In den 40er Jahren machte sich Peter Seeger einen Namen. Mit „Where Have All the Flowers gone“ („Sag mir, wo die Blumen sind“) sang er den ersten wirklichen Antikriegssong und dem folgte der Protestsong von streikenden Arbeitern „We Shall Overcome“ („Wir werden siegen/ überwinden“).
Mit den 60er Jahren rückten Liedermacher ins Interesse der Jugend, weil sie Missstände aufdeckten und kritisierten. Die US-Gesellschaft bot dazu eine reichhaltige Themenpalette an. Neben gravierenden politischen Themen, der farbigen Bürgerrechtsbewegung und dem späteren Vietnamkrieg, stand die statische Gesellschaft im Fokus. Familien-Hierarchie, konservatives Denken und veralterte Gesetze lähmten den modernen Zeitgeist.
Zeitgleich lief das alte Europa den Amerikanern den Rang der Fortschrittlichkeit ab und mündete in Extreme. Ein Resultat der bewegungslosen Gesellschaft war die Hippiebewegung.

Musikalisch erreichte die US-Musik Europa nicht mehr und weltweit wurde das Land als Aggressor geächtet. Die moderne Folkmusik kritisierte schon im Vorfeld die Gesellschaft und ging in Protestsongs über, die spezifisch und deutlich Details des gesellschaftlichen Niedergangs anprangerten. Wegweisende Akzente setzten dabei Bob Dylon (Bild) und die Ikone des Protestsongs Joan Baez.
Joan Baez war eine progressive Sängerin und interpretierte unter anderem, alte Kampflieder („We Shall Over Come“). Bob Dylon war der Songwriter, deren Lieder besonders in Studentenkreisen sehr beliebt waren und von verschiedenen Interpreten nachgesungen wurden.
Das Lied „Blowin In The Win“ wurde eine Art Hymne der Folkbewegung und versteht sich als Antikriegssong. Das Trio Peter, Paul & Mary erreichte mit ihrer Coverversion dazu den internationalen Durchbruch. In der Folgezeit erlebte die Folkszene ein großer Aufschwung. Die meisten Interpreten der Szene wurden über Protestsongs populär.
Barry Mc Guires thematisierte beispielsweise mit „Eve Of Destruktion“ den Vietnamkrieg. Weitere namhafte Folkmusiker waren Arlo Guthrie, Van Morrison, Phil Ochs und Neil Young, die zumindest mit gesellschaftskritischen Texten auffielen. Einer der bekanntesten Protestsongs wurde „We Shall Over Come“, ein Song, der bereits in den 40er Jahren von streikenden Arbeitern gesungen wurde. Der Liedermacher Peter Seeger erweiterte das Lied  und Joan Baez erweckte eindrucksvoll das Kampflied, in den 60er Jahren neu. Mit diesem Lied bekundeten sie ihre Solidarität mit der Bürgerrechtsbewegung und es wurde zur Hymne der Studentenbewegung. Auch in Deutschland wurden die Lieder des Protests gesungen und im Radio lieferten Schlagersänger deutschsprachige Versionen dazu. „Die Antwort weiß ganz allein der Wind“, „Sag mir, wo die Blumen sind“ oder „Hundert Mann und ein Befehl“ stehen für Progressivi-tät, die jedoch eine klare Anklage umgingen. Es wurden Bilder erzeugt, aber nicht die USA direkt für den Vietnamkrieg angeklagt, zumal die Bundesregierung die USA Aggression billigte.
Neben den Protestsongs widmete sich die eigentliche Folkszene den zwischenmenschlichen Gefühlen oder der Kritik an veralterten Anschauungen. Simon & Garfunkel, Donovan und später Cat Stevens kommerzialisierten unbeabsichtigt den Folkstil. Ein ungewöhnliches Folkquartett gründet sich 1968. David Crosby, (Byrds), Stephen Still (Buffalo Springfields) und Graham Nash (Hollies) gründeten zunächst ein Folktrio, bis sich Neil Young (Buffalo Springfield) 1969 anschloss und die Musik nachhaltig prägte.
http://static.guim.co.uk/sys-images/Guardian/Archive/Search/2012/10/2/1349189445481/Neil-Young-performing-on--011.jpgCrosbys – Still - Nash & Young begeisterten auf dem Woodstock Festival und gaben dem Folksong seine Ursprünglichkeit wieder. Neil Young (s. Bild) startete nebenbei eine sehr erfolgreiche Solokarriere, doch bis in die 90er Jahre hinein traten Crosbys, Stil, Nash & Young immer mal wieder gemeinsam auf. Einer ihrer größten Hits war „Helpless“ (von Neil Young).
Die meisten Stars der Folkszene der 60er Jahre kommen aus den USA, wie Arlo Guthrie, Bob Dylan, Gordon Lightfoot, Joan Baez, Pete Seeger, Peter Paul and Mary, Joni Mitchell, Simon & Garfunkel und der alte Hase des Folk Woody Guthrie. Das alljährliche Newport Folk Festival (ab 1959) förderte nicht unerheblich die Popularität der Musik. Als Wegbereiter der Folkbewegung der 60er Jahre gilt Bob Dylan, der später Folk mit Rock kombinierte (Folkrock) und von den Fans zunächst ausgebuht wurde. Simon & Garfunkel waren sicherlich ein Grenzfall, da sie musikalisch mit modernen Soundarten experimentierten. Zu Beginn ihrer Musikkarriere trugen ihre Lieder klare Folkstrukturen und bei den späteren Songs blieb zumindest der Text vordergründig.

In Europa wäre noch Donevan und Cat Stevens zu erwähnen. Sie stehen für den britischen modernen Folk.
In Deutschland wurde ein Entstehen der Folkszene durch die erwähnten Schlager gebremst. Der Mehrheit der Bevölkerung waren die modernen Schlager progressiv genug. Um sich gegen den Schlager durchzusetzen, neigten Liedermacher zu einer derben und eindeutigen Sprache, die nicht jedem gefiel. Die Konzerte vom Provokateur Franz Joseph Degenhardt begeisterten beispielsweise nur eine studentische Minderheit. Anders dagegen Reinhard Mey, der sich zunächst als Chansonsänger begriff. Mit seinen eigenen Liedern belebt er nachhaltig eine Liedermacherszene, die sich zumindest an der amerikanischen Folkmusik orientierte. 
In der DDR kam der Kanadier Perry Friedmann und gründet 1966 den Hootenannyclub. 
Der Gesangsklub stand in der Tradition zum amerikanischen Protestsong und daher wurde in Englisch gesungen. Für die Regierung der DDR bestand die Gefahr, dass die Bewegung auch kritische Texte gegen den Sozialismus beinhalten könnte. Das DDR-Regime unterstützte jeden Interpreten, der Lieder gegen den Imperialismus sangen. Mikis Theodorakis, Mercedes Soza, Pete Seeger und Michelle Shocked, waren daher beliebte Gäste, und Perry Friedmann wollte in der DDR bleiben und hatte Ideen für eine sozialistische Musik. Dem Staat störte der englische Begriff Hootenanny, woraus der Oktoberklub wurde und zukünftig sollte deutsch gesungen werden. Wohlwollend sahen die Funktionäre den Aufbau einer gesellschaftsbewussten Singebewegung. Lieder, wie „Sag mir wo du stehst“ oder „Mann und Frau, Frau und Mann“ begriffen sich schon als gesellschaftskritische Lieder, aber mehr im Sinne, die letzten schwarzen Schafe einzufangen. 
In der BRD funktionierte eine Singebewegung nicht und überhaupt fühlte sich die Jugend vom revolutionären Geist genervt. Endlose Diskussionen, die zu nichts führten; Kommune 1 und RAF; Emanzipationsbewegung und ständig gegen alles sein, erzeugten nur Frust.
Das Leben genießen hieß die neue Botschaft für die 70er Jahre und den Liedermachern lief das Publikum davon. Die Szene reagierte mit Klamauk. Blödelbarden wie Insterburg & Co, Schobert & Black und Wolfgang fanden ein begeistertes Publikum. Die eigentliche Liedermacherszene der BRD orientierte sich über Reinhard Mey am französischen Chanson, wobei er lange Zeit als Einzigster erfolgreich war und blieb. Hierzu muss gesagt werden, dass das französische Chanson sich vor der Folkmusik in Deutschland etablierte. Interpreten wie Jaques Brell, Sascha Distel und Charles Asnavour waren in Deutschland schon in den frühen 60er Jahren populär. Gegen Ende der 60er Jahre wurden Jean Claude Pascal, Gilbert Becaud und Mirelle Matheu Stars des Chansonschlagers. Weiterhin war die Plattenindustrie an der Vermarktung von deutschen Liedermachern kaum interessiert (bis auf wenige Ausnahmen). Am Anfang der 70er Jahre dominierten Blödellieder die Songszene, ehe sich die österreichische Szene etablierte.
Der Begriff Folkmusik hatte sich gewandelt und bezieht alle Liedermacher mit ein und auch die Blödelbarden ordnen sich irgendwie darunter. Immer wenn sich Lieder der volkstümlichen Sprache und Instrumente bedienten rechnet man solche Lieder zum Folksong.
So prägen die Lieder des Sängers Knut Kiesewetter die norddeutsche Folklore und das Duo Zupfgeigenhansel grub alte Volksweisen wieder auf. Das heißt aber nicht, dass die Blasmusik oder die Lieder der Berge ebenfalls Folksongs sind. Obwohl es keine klare Definierung gibt, hat sich eine instrumentale Beschränkung durchgesetzt. Lieder, die vorrangig mit Gitarre gespielt werden, sind Folksong und untypisch sind Ensembles. Spezifische Begleitinstrumente waren bei Kleingruppen bestenfalls Fidel, Flöte oder Dudelsack. Beim Folksong steht der Text im Vordergrund, kann aber auch eine rein musikalische Innovation sein. Im angloamerikanischen Raum steht Folksong für zeitnahe oder reformierte Musik und Folkmusik für die ursprüngliche Volksmusik. Letztendlich ist die Bewertung Folksong oder nicht, hierzulande Interpretationssache.

3. Beat ( Anfänge und Entwicklung)

Anfänge :  ( Mersey Beat bis 1965 )
Definition: Beat (engl.= im Sinne von Takt schlagen) ist eine Vermischung von Skifflemusik und Rock'n Roll Elementen, unter Einbeziehung der britischen, folkloristischen Tradition, wobei der Beat die traditionellen Züge stärker in den Vordergrund stellt. Durch eine neu entstandene, dumpfe Taktfolge taten sich neue textliche Möglichkeiten auf, keine Reimform mehr und ein Refrain war ebenfalls nicht nötig. Die Musik konnte im Erzählstil vorgetragen werden. Die wichtigsten Merkmale sind oft, der zwei- oder dreistimmige Gruppengesang; die Bandinstrumente, zwei bis drei E-Gitarren (Lead-, Rhythmus-, Bassgitarre) und ein Schlagzeug; der typische Song, in zwei- bis dreiteiliger Liedform und einen nicht swingenden 4/4 Takt. Übrigens, der Bandname der Beatles leitet sich nicht vom Wort Beat ab, sondern vom Wort Beetle (Käfer oder auch Ungeziefer).

Ursprung:  Gegen Ende der 5O-iger Jahre gab es eine Reihe von unterschiedlichen Musikrichtungen, weil der Rock’n Roll zum Schlager mutierte. Die Jugend war auf der Suche nach einer eigenen Musik, mit der sie sich identifizieren konnten. Bisher war es stets die Musik der Afroamerikaner, die neue Akzente setzten, doch nun setzte sich in den USA der Soul durch. Jene Art von Musik stellte für die Europäer einen Bruch dar, war keine typische Fortsetzung der Rockmusik, sondern eine Rückkehr zum Jazz. Für die Jugendlichen in Europa wirkte Soul deshalb befremdlich und begannen mit dem Rocksound zu experimentieren. Speziell in der britischen Hafenstadt Liverpool schufen junge Musiker auf der Basis des Rock and Rolls neuartige Stilarten. Da den Meisten das Geld für Instrumente fehlte, improvisierten sie und erzeugten mit verschiedenen Gegenständen die Skiffle-Musik. Textlich orientierten sie sich an der Folkszene und gesanglich am Blues. Der Mischmasch brachte eigentümliche Lieder hervor, die sich auch gern mal den britischen Shanties bedienten. Da die Skiffle-Musik mit einfachsten Mitteln nachspielbar war (Waschbrettmusik), boomte die Szene.
Die erfolgreichsten Lieder waren von einem schnellen Rhythmus geprägt und ähnelten textlich dem Blues. Ständig wiederholende Texte, in Form von Sinnsprüchen waren typisch oder Textzeilen aus britischen Volksliedern (Folk) erhielten durch die Spielart eine zeitbezogene Aussage. Die Skifflemusik entstand nicht zufällig in Liverpool. Ein multikulturelles Leben prägte die pulsierende Hafenmetropole und war Nährboden für eine vielseitige Musikszene.
Inder, Iren, Afrikaner und Asiaten wohnten dicht gedrängt in den Hafenvierteln und machten sie zugleich zur Problemzone. Neben den Konflikten der Einheimischen mit den Ausländern, verzeichnete die Stadt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, die zwangsläufig zu einer hohen Kriminalität führte. Großbritannien befand sich in jener Zeit in einer existenziellen Wirtschaftskrise und das wirkte sich deutlich im maritimen Handel aus. Vor 1945 war Großbritannien eine Welt- und Kolonialmacht, aber in der Folgezeit zerbrach das Empire und es endete der Wohlstand. Die Gesellschaft lebte im Widerspruch. Der britische Bürger ignorierte gern die Realitäten und sah sich noch als stolzer Beherrscher der Welt. Konservative Denkweisen und ein überzogenes Traditionsgehabe taten ein Übriges. Sie lebten über ihre Verhältnisse und glaubten an die Wiederauferstehung zur Weltmacht.
Liverpool war einst eine blühende Hafenstadt und litt nun besonders stark unter der Krise. 
Die Jugendlichen sahen ihre Stadt zunehmend verelenden. Keine Arbeit, nur wenig Sozialhilfe und Väter, die die Realität im Alkohol ertränkten. In keiner anderen Stadt Britanniens waren die Probleme so konzentriert, wie in Liverpool. Die multikulturelle Basis der Stadt bot aber neben den existenziellen Problemen eine große Farbenvielfalt. Sie war idealer Nährboden für neue Musikarten und textlich eröffnete sich der Musik ein unerschöpfliches Potenzial. Geprägt durch die Herkunft der jeweiligen Musiker (Ausländer), wurden verstärkt folkloristische Elemente in die Skifflemusik eingebunden. Unterschwellig hoben solche Lieder den nationalen Stolz, da sie Erinnerungen an bessere Tage suggerierten und die Hoffnung auf eine aufblühende Zukunft schürten. Somit wurden solchen Lieder bewusst einprägsam oder unverkennbar interpretiert.
Speziell britischen Musikern ging es darum, sich auszudrücken. Die Skifflemusik war auch ein Ventil um den Frust herauszuschreien. Afroamerikaner brachten Soul-Elemente in die Musik und kleideten den Frust in bedachte Worte und strahlten Hoffnung auf die Zukunft aus. Im Extremen gab es schreiende Rockvarianten, die unverhohlen ihre Aggressivität in die Texte legten. Jene Form könnte man als den Ur-Punk bezeichnen, zumindest gab es Parallelen. Aus dem Skiffle entstanden diverse Musikexperimente, deren Rockvarianten den Oberbegriff Mersey Beat bekamen. Am Liverpooler Fluss Mersey lagen die Armenviertel der Stadt und dort wurde der Beat geboren. Doch die Musik hatte einen schweren Stand. Die Eltern lehnten natürlich die krachige Musik ab und auch die Studenten bezeichneten sie als Gossenmusik.
Studenten, die in der Regel finanziell besser gestellt waren, bevorzugten die Jazzmusik und konnten die Begeisterung der ärmlichen Jugend für den Beat nicht nachvollziehen. Die Beat-Musiker wollten jedoch ihre Musik publizieren und brauchten dazu den Zuspruch der Studenten. Die Jazzkeller der Stadt waren die einzigste Möglichkeit für das Publizieren der Beatmusik und ein wenig Geld zu verdienen. Die zahlungskräftigen Studenten erteilten der Musik aber Hausverbot. Den Beatgruppen blieben daher nur rauchige Spelunken oder heruntergekommene Sporthallen in den Slums von Liverpool. Hier aber witterten die Betreiber den Umsatz und tatsächlich wurden die Jugendlichen von der Musik angelockt.

Der Mersey Beat verbreitete sich rasant und zog auch Studenten und erste Produzenten an.

Anfangsepoche:
Londoner Musiker wurden von der Musik inspiriert und entwickelten in der Hauptstadt eine eigene Szene. In der Londoner Szene überwog ein geglätteter Rock’n Roll-Sound, die mit den Elementen des Liverpooler Beat angereichert wurde. Cliff Richard war der Superstar der Szene mit seinen rhythmischen Schlagergesängen. Inspiriert von den amerikanischen Instrumentalbands Johnny & the Hurricanes und Eddie Cochran entwickelten The Shadows  einen eigenen Gitarrensound und fanden Nachahmer, wie die Tornados („Telstar“) oder Ventures („Sleepwalk“). Später wurden die Shadows zur Begleitband von Cliff Richard. Der schlagerhafte Stil der Szene brachte weitere Interpreten hervor, wie Petula Clarke, Marty Wilde oder Eddy Kane.
Um 1960 hatte sich allerdings der Mersey Beat etabliert und spielten nun in eigenen Klubs, die mehr aus Kellern in abrissreifen Häusern bestanden. Wenn Dave Clark Five, Gary & the Peacemakers, Tony Sheridun, The Rothrunners oder The Searchers spielten, bevölkerten nun auch die Studenten die feuchten modrigen Räume. In London machten sich inzwischen Freddie and the Dreamers, The Hollies, Brian Poole & the Tremeloes und Dusty Springfield mit dem Merseysound einen Namen. Die Studenten öffneten indes ihre Jazzkeller und im Cavern Club spielte eine noch unbekannte Band, die Weltruhm erlangte. Nachdem die Beatles in Hamburg waren, kehrten sie als gereifte Band in den Club zurück. Mit den Beatles bekam der Merseybeat eine spezifische Form, die den Rhythmus effektvoll verlangsamte und untypische Bandinstrumente einbauten. Im Cavern Club lernten sie Brian Ebstein kennen, der ihr Manager wurde. Er zog ihnen die Lederklamotten aus und steckte sie in Anzüge. Nachdem die Plattenfirma Decca die Band ablehnte, spielten sie für die deutsche Plattenfirma Polydor ein paar Titel ein, bevor sie einen Vertrag bei Parlophone unterschrieben. Decca lehnte die Beatles ab, weil sein in Brian Poole & the Tremeloes den aufkommenden Star sahen. Aber am 05. 10. 1962 erschien die erste Single der Beatles „Love Me Do“ und belegten Platz 17 in den Charts. Es ist der Beginn des weltweiten Durchbruchs der Beatmusik.

Höhepunkt des Beat
Ab 1963 folgten Hits in Serie für die Beatles und im Schlepptau mit den anderen Beatbands überschwemmten sie nicht nur den britischen Markt. The Beatles und The Searchers wurden schnell weltweit bekannt. Beatmusik wurde für Großbritannien zum Exportschlager und eine wichtige Wirtschaftsquelle.
Die bluesorientierten Rolling Stones starteten 1963 mit ihrer ersten Single „Come on“ (von Chuck Berry) und erreicht Platz 21 in den UK-Charts. John Lennon (Beatles) überließ dem befreundeten Mick Jagger (Rolling Stones) den Beatlestitel „I Wanna Be Your Man“ und schafften es, mit ihrer Version auf Platz 12 in den britischen Charts. Erst jetzt begannen die Rolling Stones eigene Titel zu komponieren. Mit „It’s All Over Now“ hatten sie 1963 ihren ersten Nummer 1-Hit. International waren sie besonders bei den Afroamerikanern in den USA beliebt und mit „Satisfaction“ hatten sie 1965 ihren ersten Welthit.
In Frankreich bevorzugten die weiblichen Fans The Searchers. Aber die unglaubliche Beatles-hysterie übertraf alles. Egal wo die Beatles auftraten, strömten ihnen Tausende kreischende weibliche Fans entgegen. Auf ihren Konzerten konnte man durch das hysterische Geschrei kaum die Musik verstehen. In den USA wurden die bis dahin dominierenden Beach Boys von den Beatles von den Spitzenplätzen den Charts gedrängt.
Überhaupt platzierten sich britische Gruppen weltweit in den Charts und bereicherten mit ihrem individuellen Sound die Musikszene. 1964 kamen Manfred Mann, The Animals, The Zombies und The Kinks dazu und zugleich verlor der urwüchsige Mersey Beat den Zuspruch. Im Gegensatz zum Rock’n Roll schaffte es der Beat sich weltweit durchzusetzen, selbst in Ländern, in denen eine traditionelle Nationalmusik vorherrschte. Ob Südamerika oder Asien (Japan, Philippinen) überall hörte die Jugend Beatmusik. Beatmusik ist die erste Musikrichtung, die sich weltweit verbreitete. Zwar nicht überall, aber in den meisten Staaten der Erde.
An dieser Stelle sei vermerkt, dass die älteren Menschen dem Beat ablehnend gegenüber-standen und ihn als Gefahr für die Jugend begriffen. Mit der Einladung der Beatles in den Königspalast wurde nicht nur die Band geehrt, sondern die Musik salonfähig gemacht.
Die gesellschaftliche Ächtung der Musik schwächte sich erheblich ab und speziell die Eltern tolerierten die Musik ihrer Kinder. Es bleibt allerdings fraglich, ob die Königsfamilie wirklich den Beat mochte oder sich eher gezwungen sah eine Gruppe zu ehren, die erheblich die britische Wirtschaft ankurbelten. Mit der Ordensverleihung (Member Of The Britisch Empire) an die Beatles 1964 wurde ihr wirtschaftlicher Wert deutlich unterstrichen.
Bis Ende 1965 hielt sich die internationale Beatbegeisterung und driftete nun Zusehens in die seichte Schlagerform ab, zumal den Erwachsenen nun ebenfalls Beatsongs gefielen. Die Musik verflachte und die Jugend ging wieder auf die Suche nach einer eigenen Musik. Einige Beatgruppen hatten bereits begonnen die Musik zu erneuern. In Großbritannien setzte sich der Hardbeat durch und in den USA lebte der Surferbeat (Pet Sound) wieder auf und der Soul beherrschte die Charts. Nachdem die Beatwelle etwas abgeebbt war, dominierten, in den USA, erneut die Beach Boys. In ihrer Musik flossen zwar Beatelemente ein, aber der Sound strahlte weiterhin die soulige Sonne Kaliforniens aus. In ähnlicher Weise war kurzzeitig der Ohio Express erfolgreich, die in ihrer Musik stark den Beat betonten.

Charakter und Ende des Beat:
Der amerikanische Rock'n Roll war nicht so recht die Musik der Europäer. Sie kopierten ihn zwar, fanden aber keine richtige Beziehung dazu. Diese Musik entstammte im Wesentlichen der afroamerikanischen Szene und behandelte demzufolge ihre Themen. Rock'n Roll war rebellisch und mobilisierend, aber der tiefere Sinn der Musik blieb der europäischen Jugend verschlossen. Natürlich revoltierte die Jugend Europas ebenso gegen die veralterten gesellschaftlichen Zwänge, jedoch die typischen Probleme der US Gesellschaft waren in Europa anders geartet. In den USA ging es um die Bürgerrechte der Afroamerikaner, die starre Staats- und Familienhierarchie, um die viel gepriesene demokratische Freiheit, die keine war und der Bevormundung der Jugend.
Der Beat dagegen war schon musikalisch anders. Der dumpfe lang gezogene Rhythmus, im 4/4 Takt, entsprach oft einem 12-taktigen Blues-Schema. Typisch wurden der mehrstimmige Gesang und eine mindestens zweiteilige Liedform. Es ließen sich hervorragend alle möglichen Instrumente effektvoll einbauen (Klavier, Mundharmonika, Geige, Cello) und gestattete das kombinieren mit verschiedensten Soundarten. Auf der Basis der britischen Folktradition entstand eine offene Musikrichtung die wandelbar war, ohne mit dem Stil zu brechen. Der variable Sound ließ ebenso einen großen textlichen Freiraum zu.
Typisch wurde die Erzählform, die oftmals auf die Reimform und manchmal sogar auf einen Refrain verzichtete. Mit den textlichen Möglichkeiten konnten Musiker die Gesellschaft effektiver kritisieren oder brachen mit bestehenden Tabus und gaben ihre Sicht der Dinge wieder. Mit einfachsten Mitteln sangen sie, was ihnen auf der Seele lag.
In einem Lied der Beatles wird beispielsweise beschrieben, wie ein Mann geschafft von der Arbeit heimkommt und bei seiner Frau Trost sucht und neue Energie tankt („A Hard Days Night“). Aus heutiger Sicht mag das Lied ein banaler Schlager sein, aber damals stand die Aussage für einen Tabubruch. Der Text widersprach dem damaligen heroischen Männerbild. Ein Mann sollte als Familienoberhaupt stets Stärke und gegenüber Frauen keine Schwäche zeigen. Das veraltete Rollenbild von Mann und Frau wurde ein beliebtes textliches Thema und schuf die Grundlage einer modernen Sicht über die Partnerschaftsbeziehung. Durch den Beat dachte die Jugendgeneration über eine neue Lebensart nach und stellte veralterten Normen und Werte der Elterngeneration infrage. Die Männer durften Schwächen zeigen und die Gleichwertigkeit der Frau wurde thematisiert. 
Die Lieder schufen unterschwellig ein Konfliktpotenzial, da sie die Jugend animierten aus ihrem veralterten Rollenbild auszubrechen. Sie emanzipierten sich im neuen Geist, revoltierten gegen gesellschaftliche Zwänge und es reifte eine neue Weltsicht heran.
Obwohl die Beatmusik textlich eher unpolitisch war, erzeugte die Musik einen rebellischen Geist. Aus dem gesellschaftskritischen Kontext heraus, wurden die Song jedoch politisch, da sie veraltete Werte und Normen anfragten und die Jugend ihre Emanzipation suchte.
Intuitiv förderte die Musik eine elementare Reife, einer Generation, die später selbstbewusst deutlich Stellung zu politischen Themen bezog. Diese Komplexität machte letztendlich die Musik so erfolgreich. Dem Beat haftete eigentlich kein philosophischer Kerngedanke an, er ergab sich einfach und war die gereifte Fortsetzung des Aufbegehrens der Rock’n Roll-Ära. Die Beatfans legten konkrete Verhaltensmuster an den Tag, die schon einen Kerngedanken, des anders seins und der Konfrontation zum Elternhaus ausdrückten.
Optisch trugen Mädchen Hosen und die Jungen ließen sich lange Haare (Ohren verdeckt) wachsen. Sie bekundeten äußerlich ein verändertes Rollenverständnis (Mann & Frau) und zeigten ihre Ablehnung gegenüber der altmodischen Gesellschaft.

Als aufmüpfig, ungehorsam und frech wurde die Jugend bezeichnet und für die Eltern, war die Beatmusik das Grundübel. Sogenannte Experten malten düstere Bilder einer drohenden Verwahrlosung, von einer Jugend, die sich unmoralisch und verantwortungslos verhielt. Allein die mangelhafte Einstellung zur Arbeit und die Ablehnung des Militärdienstes mobilisierte Politiker.
In vielen Staaten wurde ein Verbot der Beatmusik zum parlamentarischen Thema. In der DDR wurde 1965 ein solches Verbot tatsächlich durchgesetzt und es war zugleich die Zeit, in der sich die Beatmusik progressiv wandelte. Die europäische Jugend fand Gefallen an der amerikanischen Folkmusik, die sich den Themen der Zeit stellte und in Kalifornien gab es die Hippies.
Die Rolling Stones fühlten sich in jeglicher Hinsicht „Unbefriedigt“ (Satisfaction) und der Folksänger Barry McGuire rechnete mit der US-Gesellschaft ab. Der variable Beat verarbeitet die amerikanischen Einflüsse und entwickelte daraus neue Stilformen, aus denen wiederum andere Musikrichtungen hervorgingen. Speziell die innovativen Beatles wurden zu Wegbe-reitern für neue Formen.
Ihr Song „Tomorrow Never Knows“ wurde zum Maßstab für den Psychedelicsound. Die Gruppe Cream gilt richtungsweisend als erste Hardrockband und die Rolling Stones wurden über den Blues die populärste Rockband der 60er Jahre. The Who und The Kinks prägten dagegen die Stilart Hardbeat. Im Mainstream (vorherrschend) schossen jedoch zahlreiche Bands, wie Pilze aus dem Boden. Die meisten Beatbands begeisterten zwar rhythmisch, drifteten aber textlich eher in den Schlager ab. Allen voran sind Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Titch und die Bee Gees zu nennen, aber ebenfalls zählen The Hollies, The Monkeys, The Tremeloes und Manfred Mann dazu und ein Grenzfall sind The Small Faces.
Jene Gruppen beherrschten für eine gewisse Zeit die Charts. Aber die wirklich gereiften Bands gingen neue Wege und waren dauerhaft erfolgreich, auch wenn ihnen nicht immer ein Charthit gelang. Allen voran sind die Beatles zu nennen und bewiesen mit dem Album „Rubbersoul“ (Dez. 1965) ihren Wandel und verabschiedeten sich mit ersten Songs vom typischen Beat. Mit dem Nachfolgealbum „Revolver“ vollzogen die Beatles einen klaren Stilwandel, dass einige treue Fans enttäuschten. Mit dem ursprünglichen Beatsound konnten ab 1966/67 nur noch die weiblichen Fans begeistert werden. Hardbeat, Rock, Psychedelic, Folk und Hippiekult waren angesagt und schufen die motivierende Basis für die (19)68er Studentenbewegung. Die neuen Idole der Jugend waren nun auch politische Helden,
wie Che Gueverra oder Martin Luther King.



 
4. Ausgesuchte Liedtexte

Eve Of Destruction    - Barry McGuire

Die östliche Welt, sie explodiert (Vietnam) - Überall lauert die Gewalt, die Waffen werden geladen (Munition)
Du bist alt genug zum töten aber nicht um zu wählen (US-Wahlrecht)
Du glaubst nicht an den Krieg, wozu das Gewehr, das du herumschleppst? (Kriegsdienst) 
Sogar am Jordan (Fluss) treiben tote Körper auf der Wasseroberfläche (Israelkonflikt) 
Aber du erzählst mir immer und immer wieder, mein Freund, - Du glaubst nicht,
dass wir am Vorabend der Zerstörung stehen (Apokalypse).

Verstehst du nicht was ich versuche zu sagen? - Verspürst du nicht dieselben Ängste, die ich die ganze Zeit habe? 
Wenn erst einer den Knopf gedrückt hat (Atomkrieg), dann gibt es kein Entkommen
Dann kann niemand gerettet werden, die Welt wird zum Grab
Schau dich mal um, Junge, das alles muss dich doch erschrecken
Aber du erzählst mir immer und immer wieder, mein Freund, - Du glaubst nicht,
dass wir am Vorabend der Zerstörung stehen

Meinem Blut geht es so schlecht, fühlt sich an als würde es gerinnen (Rassendiskriminierung)
Ich sitze hier, einfach nur um nachzudenken - Ich kann die Wahrheit nicht verdrehen, sie kennt keine Vorschriften 
Und eine Handvoll Senatoren (Rassisten) nehmen die Gesetzgebung (gegen die Rassentrennung) nicht an
Und man kann sich nicht integrieren, wenn man alleine marschiert (Minderheiten, z.B.: Homosexuelle),
wenn der menschliche Respekt fehlt - Diese ganze verrückte Welt ist nur noch frustrierend
Aber du erzählst mir immer und immer wieder, mein Freund, - Du glaubst nicht,
dass wir am Vorabend der Zerstörung stehen

Denk nur an all den Hass im „Roten China!“ (Kommunistenhetze) - Dann sieh dich um in Selma, Alabama!
(Gewalt gegen Bürgerrechtsdemonstration) - Du gehst vielleicht für eine kurze Zeit (in den Krieg)
Aber wenn du zurück kommst, ist es der selbe alte Ort (festgefahrene Traditionen)
Das Hämmern der Trommeln, (entscheidet) der Stolz und die Schande
Du kannst deine Toten begraben, ohne das sie eine Spur hinterlassen
Du kannst deine Nachbarn hassen, aber vergiss nicht ein Tischgebet zu sprechen (christliche Heuchelei)
Aber du erzählst mir immer und immer wieder, mein Freund, - Du glaubst nicht,
dass wir am Vorabend der Zerstörung stehen

Blowin' In The Wind   -  Bob Dylon

Wie viele Straßen (Wege) muss ein Mann gehen, bevor man ihn einen Mann nennt?
(Über) Wie viele Meere muss eine weiße Taube segeln, bevor sie im Sand ausruhen kann?
Und wie oft müssen Kanonenkugeln fliegen, bevor es ihnen für immer verboten wird?

 R.: Die Antwort mein Freund ist in den Wind geblasen, die Antwort ist (für'n Arsch) in den Wind geblasen.
(= Egal was kluges gesagt wird, es hört eh keiner zu - alles ist umsonst)

Wie oft muss ein Mann nach oben sehen, bevor er den Himmel sehen kann?
Und wie viele Ohren muss ein Mensch haben, bevor er das Weinen der Anderen hört?
Wie viele Tode wird es brauchen bis er begreift, dass schon zu viele Menschen gestorben sind?

JA, und wie lange kann ein Berg bestehen, bevor er ins Meer gewaschen wird?
Wie viele Jahre können (unterdrückte) Menschen durchhalten, bevor es ihnen erlaubt ist frei zu sein?
Und wie oft steckt man den Kopf in den Sand, und tun so, als würden sie nichts sehen?

Zusätzliche Strophe: 

Wie viele Straßen auf dieser Welt, sind Straßen voll Tränen und Leid?
Wie viele Meere auf dieser Welt, sind Meere der Traurigkeit?
Wie viele Mütter sind lang schon allein, und warten und warten noch heut'?

Wie große Berge von Geld gibt man aus, für Bomben, Raketen und Tod?
Wie viel große Worte macht heut' mancher Mann, und lindert damit keine Not?
Wie viel großes Unheil muss erst noch gescheh'n, damit sich die Menschheit besinnt?

Wie viele Menschen sind heut' noch nicht frei und würden so gerne es sein?
Wie viele Kinder geh´n abends zur Ruh´ und schlafen vor Hunger nicht ein?
Wie viele Träume erflehen bei Nacht, wann wird es für die Menschen anders sein?

My Generation  - The Who

Leute versuchen uns unterzukriegen (Reden über meine Generation)
Nur weil wir herumkommen (Reden über meine Generation)
Die Dinge, die sie tun sehen so Angst einflößend kalt aus (Reden über meine Generation)
Ich hoffe ich sterbe bevor ich alt werde (Reden über meine Generation)

R:  Dies ist meine Generation - Dies ist meine Generation, Baby
(= Die hohen Herren versuchen uns zu verbiegen und hörig zumachen, dass wir wie sie werden)

Warum verschwindet ihr nicht einfach alle (Reden über meine Generation)
Und versuche nicht schlecht zumachen,was wir alle sagen (Reden über meine Generation)
Ich versuche nicht eine große Sensation zu sein (Reden über meine Generation)
Ich rede einfach nur über meine Generation (Reden über meine Generation)

Wiederholung der Strophen 2 und 1!