02. Lebensgefühl und Kultur

Das Deutsche Lebensgefühl und Kultur

1. Lebensgefühl / Zeitgeist
2. Technik und Medien
3. Musikkultur

1. Lebensgefühl / Zeitgeist
Der steigende Wohlstand der Bevölkerung in der BRD mündete in eine Konsumgesellschaft. Niedrige Arbeitslosigkeit, erschwingbarer Luxus für jedermann und verbesserte Arbeitsbedingungen lähmten den revolutionären Geist. Die ältere Generation sonnte sich im Glauben, den Wohlstand selbst erarbeitet zu haben und machte sich nicht die amerikanische Hilfe bewusst.
Für den weiteren Aufschwung benötigte die Wirtschaft Gastarbeiter, die mehrheitlich aus Italien kamen. Die Denkweise machte die Runde, dass die wenigen Arbeitslosen gesellschaftliche Schmarotzer wären, die sich der Arbeit verweigerten und dass die Ausländer für die niedere Drecksarbeit gebraucht wurden, wozu sich nun die Deutschen zu schade waren.
Die satte und überhebliche Selbstzufriedenheit verschloss den Bundesbürger die Sicht für die Missstände und schwammen lieber auf den Wellen der glitzernden Medien und vertrauten der CDU-Regierung, die ihnen den Wohlstand brachte. Mit Unverständnis reagierte die Gesellschaft auf die Entwicklung der Jugendlichen und sah in der Beatmusik das Hauptübel, dass die heile Familienwelt bedrohte. Nach ihrer Auffassung zogen die „Steinzeitklänge“ die Jugend in den Sumpf der Aufsässigkeit und machte sie zu arbeitsscheuen Elementen, die gegen alles und jeden revoltierten.
Die Medien Fernsehen, Radio und Presse zeichneten überzogene Bilder von verkommenen, langhaarigen Jugendlichen, die sich mit Alkohol, Drogen und Beatmusik von den Werten der Gesellschaft entfernten. Die älteren Generationen sahen die abendländische Kultur in Gefahr und verlangten ein ebenso hartes Vorgehen gegen den Beat und seinen Subkulturen, wie in der DDR. Nach dem Mauerbau ging es in der DDR spürbar bergauf und auch wenn die ältere Generation von den Grenzsicherungsmaßnahmen tief erschüttert war. Andererseits waren sie von der Aktion wenig überrascht, weil das DDR-Regime zu plötzlichen Willküraktionen neigte. Das Einmauern von Westberlin war insofern bedeutungslos, weil durch die D-Mark der Westen eh zu teuer war. Bitter war jedoch, dass sie mit der Grenze von ihren Verwandten getrennt wurden. Aber schon im Vorfeld behinderte das DDR-Regime verstärkt den Ost-West-Reiseverkehr.
Neben der wirtschaftlich positiven Wirkung der Grenze, wirkte sich der weltweit sozialistische Trend erheblich auf den Handel aus und verbesserte merklich den Wohlstand.
Natürlich konnten die Lebensbedingungen sich nicht mit dem Luxus in der Bundesrepublik messen, aber auch in der DDR gab es nun Südfrüchte und Bohnenkaffee. Wichtiger als Luxusartikel war dem Staat die Absicherung mit Grundnahrungsmittel, die subventioniert wurden und von der Bevölkerung billig gekauft werden konnten. Den Regierenden war bewusst, dass sie gegenüber der älteren Generation, aufgrund der Vergangenheit und der Gegenwart viele Sympathien verspielt hatten und setzte auf die Jugend.
Die DDR organisierte ein Deutschlandtreffen 1964 und gab sich während des Festivals weltoffen und modern. Musikalisch strahlte der Berliner Rundfunk die zweistündige Jugendsendung DT 64 (DT=Deutschlandtreffen) aus, die zum festen Programmteil des Senders wurde. Neben internationaler Beatmusik (Beatles) waren ebenso die nationalen Beatgruppen zu hören. Allerdings nach dem Festival wurden die Töne gegenüber der Beatmusik rauer und eine Diffamierungskampagne begann.
Als aufgebrachte Fans in Westberlin, nach einem viel zu kurzen Rolling Stones Konzert, die Waldbühne zerlegten, sahen sich die Funktionäre im Osten in ihrer Ablehnung der Musik bestätigt. Am 11. Oktober 1965 wurde in einem Bericht, zu den gewalttätigen Tendenzen bei den Jugendlichen, die Beatmusik als motivierende Ursache ausgemacht und als Schutzmaßnahme für die Jugend wurde die Musik verboten. 
In der Öffentlichkeit wurde die Entscheidung der DDR-Regierung begrüßt und auch die konservative Bevölkerung der BRD forderte ein ähnliches Vorgehen. In der Bundesrepublik war aber die Jugendmusik längst zu einem profitablen Wirtschaftsfaktor geworden und die Regierung bemühte sich um eine gegenseitige Toleranz. Teile der Bevölkerung kritisierten die CDU für ihre lasche Haltung gegenüber der Jugend. Konservative warfen außerdem der Regierung vor, zu wenig Druck auf den Osten auszuüben, damit die Mauer verschwindet und Revanchisten forderten die ehemaligen deutschen Ostgebiete (Schlesien, Pommern, Ostpreußen) zurück. Genau diese Themen bedienten die NPD und wurden in Bayern und Hessen sogar in den Landtag gewählt. Der größte Teil der Bevölkerung war eher erschrocken über den faschistischen Geist, der noch im Land schlummerte, aber auch über die Studenten, die dementgegen blauäugig kommunistische Ideale vertrat. Demonstrativ hielt das Volk zur Bundesregierung, obwohl auch ihre Kritik wuchs. Auf keinen Fall wollte die Bevölkerung ein neues NS-Regime und erst recht kein kommunistisches System. 
International stieg das Ansehen der BRD, die als kapitalistischer Vorzeigestaat eine freiheitliche Demokratie zelebrierte und mit einer starken Wirtschaft glänzen konnten. Viele junge Nationalstaaten in Afrika und Asien suchten die Beziehungen zur Bundesrepublik und somit stieg das Land zum weltweit beliebten Handelspartner auf. Demgegenüber beeindruckte international ebenso die DDR, als sozialistischer Vorzeigestaat und wurde als Musterstaat gepriesen. Damit stieg zugleich die Anerkennung der DDR, als zweiter deutscher Staat, und es kam, zu zahlreichen Handels- und Kulturabkommen. Die DDR als souveräner Staat setzte sich durch und ließ sich international nicht mehr isolieren. Schon frühzeitig durchbrachen Frankreich und Schweden als erste kapitalistische Staaten die Hallstein Doktrin und unterhielten zunächst kulturelle Beziehungen, die deutliche Früchte trugen.

Im sportlichen Bereich wurde die DDR als eigene Nation anerkannt und das IOC ließ sie erstmals 1968 starten. Die DDR wuchs bei den Olympischen Spielen zur Sportmacht heran und setzte sich in Mexiko in der Medaillenwertung auf Platz 5 (9 x G; 9 x S; 7 x B), wogegen die BRD nur den 9. Platz erreichte. Die Medien schmälerten daraufhin den Erfolg der DDR Sportler und unterstellten ihnen Doping und brachten Gerüchte im Umlauf von hartherzigen Trainingsmethoden. Tatsächlich verlangten die Sportschulen von ihren Talenten eine eiserne Disziplin und eine entsprechende Lebensweise mit vielen Entbehrungen. Den Sportlern stand es frei, sich für den Erfolg oder für ein normales Leben zu entscheiden. Sicherlich wurde hier und da auch Druck aufgebaut und Doping war auch in der DDR verboten. Natürlich gab und gibt es immer wieder schwarze Schafe im Sport und hierbei macht keine Nation in der Welt eine Ausnahme.
Die beliebteste Sportart der Deutschen war aber der Fußball. Während die Bundesrepublik zur Fußballmacht wurde (Vizeweltmeister 1966; Europameister 1970), mischten sich in den DDR-Fußball zu sehr die Funktionäre ein und wirkten behindernd. Erst in der zweiten Hälfte der 60er Jahre stabilisierten sich die Klubmannschaften und die Nationalelf. 

Das Ende 60er Jahre stand im Zeichen der friedlichen Koexistenz. Mit Willy Brandt (SPD) wählten die Bürger der BRD einen Kanzler, der mit sozialem Engagement und mit dem Zugehen auf die sozialistischen Staaten die Beziehungen zwischen Ost und West deutlich verbesserte. Mit seiner Wahl zum Bundeskanzler endeten die Studentenunruhen, er wagte gesellschaftliche Reformen, durchbrach konservative Ansichten über die Demokratie und stellte sich dem Zeitgeist. Willy Brandt wurde zum Idol der Jugend und Sinnbild einer wirklichen Demokratie. Die Weichen für ein neues, entspanntes und modernes Jahrzehnt waren gestellt, doch erste Aktionen der RAF widersprachen vorschnellen Illusionen.  

2. Technik und Medien
In den 60er Jahren rückte das Fernsehen in den Mittelpunkt und es versammelten sich Nachbarn, Freunde und Verwandte vor der Glotze. Um 1965 besaßen etwa 10 Millionen Bundesbürger (60 % der Familien) einen Fernseher und in der DDR sah es ähnlich aus. Förderte das Fernsehen anfangs noch das gemeinschaftliche Erleben, so begrenzte sich später der Zuschauerkreis auf die Familie.
Die Zeiten, wo sich Freunde und Nachbarn zum Fernsehabend trafen, wurden seltener und dennoch blieb Fernsehen im Gespräch. Sie diskutierten über die Kriminalfälle von „Stahlnetz“ (BRD) und „Blaulicht“(DDR) oder ereiferten sich über sportliche Ereignisse. Es gab auch nur zwei deutsche empfangbare Programme, ARD und DFF. Am 06. 06. 1962 ging das ZDF auf Sendung, dem am 01. 04. 1963 die regionalen 3. Programme folgten. Für die neuen Sender benötigte man eine Extraantenne für die VHF-Frequenz.
Den DDR-Zuschauern standen nur die UHF-Frequenzen zur Verfügung und mussten sich mit den beiden Ersten Programmen begnügen. Das Einstellen der Sender war lange Zeit nur direkt am Gerät über einen Drehknopf möglich (keine Fernbedienung). Das Ausrichten der Antennen war damals zuweilen abenteuerlich und zeitraubend, bis ein akzeptables Bild und Ton empfangen werden konnte. Allerdings, beim nächsten Sturmtief mussten häufig die Antennen neu ausgerichtet werden. Damit nicht genug, konnten Gewitter, Flugzeuge und ähnliches, den Empfang stören und am Gerät selbst musste oft die Sendereinstellung korrigiert werden. Wenn ein zufriedenstellender Fernsehempfang gelang, konnten die Zuschauer eine feste Programmstruktur genießen. Auch ohne Programmzeitschrift kannte jeder die Standards, die das Fernsehen sendete.
Der Samstagabend war der Unterhaltung vorbehalten. Das Westfernsehen begeisterte mit „Einer wird gewinnen“, „Die Rudi Carell Show“ oder „Hotel Viktoria“ und regelmäßig lud Heinz Schenk schon am Nachmittag „Zum Blauen Bock“ ein. Das DDR Fernsehen DFF versuchte dagegen seinem Volk über die Kultur den sozialistischen Geist einzuimpfen.
Die Funktionäre mussten schnell erkennen, dass die DDR Bevölkerung lieber zur ARD umschaltete und waren gezwungen, ein Unterhaltungsprogramm nach westlichem Vorbild anzubieten. Zahlreiche Bürger hatten aber schon ihre Antenne auf das ARD-Programm ausgerichtet. In der Erkenntnis, dass der DFF nicht mit den Westprogrammen mithalten konnte, kam die DDR den heimlichen Wunsch seiner Bürger nach und richtete die VHF-Frequenz ein. Mehr als eine befriedende Maßnahme wurde 1969 das 2. Programm eingeführt und gab den Zuschauern der DDR die Möglichkeit das ZDF zu empfangen, sowie die jeweilig regional bezogenen dritten Programm (für den Berliner Raum SFB). Für die älteren Fernsehgeräte benötigte man dazu ein Extragerät (Konverter) und natürlich eine VHF-Antenne.
Die Hauptsendezeit des Fernsehens lag in beiden Staaten in der Woche zwischen 15.30 Uhr und 22.30 Uhr und am Wochenende von 9 Uhr bis 24 Uhr. Das DDR Fernsehen sendete zusätzlich für Schichtarbeiter, die Wiederholung des Abendprogramms zwischen 9 Uhr und 12 Uhr. Außerhalb der Zeiten gab es ein Testbild mit nervigem Piepton, zum exakten Einstellen der Antenne. Zu den Publikumsrennern des Westfernsehens gehörten die Freitagskrimiserien „Kobra übernehmen sie“, „Mit Schirm, Charme und Melone“ oder
„Der Mann mit dem Koffer“. Zum absoluten Straßenfeger wurde die US-Krimiserie „Auf der Flucht“, bei der ein Mann zu Unrecht des Mordes beschuldigt wurde und auf der Flucht vor der Polizei den wirklichen Mörder suchte. Musikalisch bot der DFF ab 1964 dem Zuschauer die Unterhaltungsendung „Da lacht der Bär“ und für die Schlagerfans die „Tippparade“ an. Deutlich beliebter bei Schlagerliebhaber war die ARD Sendung „Musik aus Studio B“.
1965 wagte es die ARD mit der 30-minütige Popsendung „Beatclub“ auf Sendung zu gehen. Inwiefern Eltern ihren jugendlichen Kindern den Beat-Club verboten zu sehn ist nicht bekannt, aber dass es harsche Kritik aus der Politik und der Öffentlichkeit hagelte. Schließlich wurde die Sendung doch toleriert. Das ZDF schuf 1969 mit der „ZDF Hitparade“ eine monatliche Kultsendung für Schlagerfreunde.
Das spärliche Angebot an Jugendmusik im Fernsehen trieb die Jugendlichen ans Radio. Der Berliner Rundfunk richtete im Rahmen des Deutschlandtreffens 1964 die Jugendsendung DT 64 ein. Dies war zwar die erste deutsche Radiosendung nur für Jugendliche, aber sie war auch stark von Agitation und Propaganda durchzogen. Dem Beispiel folgend bot RIAS Berlin den „RIAS-Treffpunkt“ an. Ebenso war der Sender nicht frei von politischer Hetze, brachte aber die bessere Popmusik. Zudem wurde der Sender zum Ost-West-Portal. Damals wurde noch verstärkt Postkarten/Briefe geschrieben, denn das Telefonieren war eine teure Angelegenheit und demzufolge haben die Medien auch immer ihre Postadressen publiziert. Zudem wurden Ost/West Gespräche von der DDR-Staatssicherheit überwacht. Aber auch beim schriftlichen Verkehr war es gängige Praxis bei der DDR-Post, dass verdächtige Briefe in den Westen überprüft und aussortiert wurden. Direkte Anschreiben an Westsender oder Fanklubs landeten somit sofort im Papierkorb oder bei der Staatssicherheit. Als einziger Sender bot deshalb der RIAS stetig wechselnde Privatadressen von Westberlinern an. Über jene Adressen konnte man den Kontakt zum Sender herstellen, weil die DDR-Post von Privatpost (Verwandte) ausgehen musste und sie weniger überprüfte.
In der Zwischenzeit boten die regionalen Radiosender der Bundesrepublik um 1967 ebenfalls Jugendsendungen an. Leider hatten die Sender eigene Vorstellungen von moderner Musik (z.B.: Jazz) oder zerredeten die Zeit (Jugendthemen), sodass kaum moderne Popmusik zu hören war. Das Radioprogramm an sich, bestand zum überwiegenden Teil aus Ratgeber- oder Informationssendungen, Politik, Sport, Diskussionen und viel klassischer Musik. Selbst der Anteil von Schlagermusik oder begehrten Hörspiele war gering. Lediglich Radio Luxemburg war der einzige Sender der durchgängig einen Mix aus Schlager und Pop spielte, allerdings verbunden mit viel Werbung. In der DDR war Radio Luxemburg meistens nur auf der piepsigen Kurzwelle zu empfangen. Ein grundsätzliches Problem der Jugend waren die Eltern, die gar nicht erst Popmusik in ihrer Gegenwart zuließen.


Jugendhitparaden in Deutschland

♦  1947 ging RIAS Berlin mit den „Schlagern der Woche“ auf Sendung und bot zunächst Mitschnitte von AFN (Swing); bediente später
    mehr den Hörergeschmack der Eltern
generation; ab 1968 wurden neben den Top 7 des Schlagers auch die internationale Top 7 präsentiert;
    ab1972 waren die Chats eingleisig und spielte überwiegend internatio
nale Hits (Top 20), worauf RIAS eine zusätzliche Schlagerhitparade
    anbot

♦  1958 präsentiert sich Radio Luxemburg in deutscher Sprache und präsentiert als erster deutschsprachiger Sender seine Hörer-Hitparaden
    (Sonntagnachmittag). Über Mittel- und 
Kurzwelle konnte der Sender im gesamten Bundesgebiet und der DDR gehört werden.
 
   Sehr beliebt waren auch die „Großen Acht“ (ab 1965), eine getrennte Hitparade in internationale und nationale Hits, auf der Grundlage
    von der Ermittlung von ausgesuchte 
Schallplattenverkäufen (noch keine flächendeckenden Verkaufscharts).
♦  1965 ging der Deutschlandfunk mit dem „Schlagerderby“ an den Start, in dem bunten 
Musikmix, wurden auch Songs der Popmusik für
    die Hörerhitliste vorgestellt

♦  Um 1967 begannen die öffentlich Rechtlichen Radiosender mit der Ausstrahlung von Hörercharts für Jugendliche; der SFB „Hey Music“
    war eine der ersten Jugendhitparaden.
 Übrigens: Hörercharts wurden über das Zuhörer-Voting per Postkarte erstellt


Glücklicherweise kamen für die Jugendlichen die batteriebetriebenen Transistorradios auf den Markt und abseits der Erwachsenenwelt trafen sie sich, um ihrer Musik zu lauschen.
Erst gegen Ende der 60er Jahre setzten sich bezahlbare Kassettenrekorder durch. Die ersten Geräte verfügten kaum über einen vernünftigen UKW-Empfang, der nötig war, Beatmusik aufzunehmen. Deshalb konnten Songs zunächst nur mit einem Mikrophon von einem Standradio aufgenommen werden. Nicht selten wartete man stundenlang auf die gewünschten Songs, denn Hitparaden für Jugendliche waren noch selten. Mikrofon-Aufnahmen waren zudem manchen Störquellen ausgeliefert (wie Haushaltsgeräte,  Flugzeug, oder das jemand plötzlich ins Zimmer polterte). Gelang eine störfreie Aufnahme, so wurden sie wie Schätze behandelt.
Die Technik entwickelte sich aber weiter, Radiorekorder mit UKW-Frequenzen und Koaxialkabel, um von anderen Aufnahmequellen mitschneiden zu können. Die Befürchtungen der Schallplattenindustrie gegenüber dem Kassettenrekorder, die Geräte könnten den Umsatz gefährden, waren angesichts der Schwierigkeiten unbegründet.
Im Gegenteil, der Schallplattenmarkt boomte und die Jugend wurde zur Hauptkäuferschicht. Sie gaben gern ihr Taschengeld für ihre Idole aus und verzichteten dafür auf andere Freizeitvergnügen, wie Kino oder Tanz. Die Jugend wurde zur kommerziellen Profitquelle und im Trubel um die Stars und dem neuen Lebensgefühl wurde alles vermarktet. Neben den Platten gab es mit der „Bravo“ eine eigene Jugendzeitschrift. Es wurden Modetrends kreiert und Coca Cola wurde zum Kultgetränk. Friseure sträubten sich nicht mehr die Langhaarigen (Männer) zu frisieren und die modischen Accessoires brachten Millionenumsätze. Das Geschäft mit der Jugend funktionierte, der Beat wurde zum Wirtschaftsfaktor und obendrein besänftigte der Konsum den rebellischen Geist.
Die DDR Jugend musste sich mit weniger zufriedengeben. Gab es Anfang der 60er Jahre, sogar Beatles-Sampler zu kaufen, verschwanden sie mit dem Beat-Verbot aus den Regalen. Stattdessen sollten Singebewegung, Jazzmusik und französische Chansons, als kulturell hochwertiger Ersatz dienen. Somit genoss das Aufnehmen von Popmusik über Westsender (RIAS, SFB) hier einen besonders hohen Stellenwert. Die unbegründete Gefahr, die Jugend
an den Klassenfeind zu verlieren, wurde den Funktionären bewusst und so lockerten sie das Verbot. Zudem waren die anderen sozialistischen Staaten diesbezüglich viel weiter und begriff den hohen Stellenwert der Popmusik für die Jugend.
Speziell in Ungarn und Polen war eine eigene Popmusikszene entstanden, die der westlichen  Musikszene durchaus das Wasser reichen konnte. Um 1968 bot das DDR-Radio ungarische Rockmusik an und begann mit der Förderung einer eigenen Rockmusikszene. Die Anfänge waren jedoch etwas holprig und waren kein Ersatz für die britischen Beatles, den Rolling Stones oder Deep Purples.
Für einen hochwertigeren Klang waren Tonbandgeräte (Stereo) die beste Alternative und machten privaten Partys zum Ereignis. Per Überspielkabel konnte Musik, ohne äußere Störungen und verbesserte UKW-Stereo-Qualität aufgenommen werden. Noch aber waren Spulentonbänder die Ausnahme, da sie sich schwer transportieren ließen, zu teuer waren und ihnen die Erwachsenenwelt zu wenig Raum, für Beat-Partys gab. Also trafen sie sich weiter irgendwo und hörte über die Kassettengeräte die begehrte Musik in schlechterer Qualität.

3. Musikkultur:
Mit der großen Begeisterung für den Beat bestimmte die Jugend zunehmend den BRD Schallplattenmarkt. Besonders der Singleverkauf stieg explosionsartig an. Die bisherigen Musikgeschäfte (mit Instrumentenverkauf) reichten nicht mehr aus und so entstanden die ersten reinen Schallplattenläden. Grundsätzlich verdrängte die moderne Musik (Pop, Schlager), die anderen Stilrichtungen (Klassik, Jazz, Chansons) in die Ecke. Die ehemalige Dominanz der Kulturmusik zur Unterhaltungsmusik kehrte sich um. Verkaufscharts wurden zum Gradmesser der Unterhaltungsbranche und andere Wirtschaftsbereiche (Mode, Medien, Veranstalter) profitierten vom Trend. Die Plattenfirmen versuchten anhand der Charts den Geschmack der Jugend zu erforschen.
Im Laufe der 60er Jahre wurde ein großes und vor allem aktuelles Spektrum von Schallplatten angeboten. Hatte bislang die Schallplattenindustrie auf einen erfolgreichen Song nur reagiert, so agierten sie nun. Sie betrieben Trendforschung und produzierten von bekannten Interpreten oder Musikgruppen vorab Singles. Für die Musikbranche wurden Verkaufscharts ein wichtiger Gradmesser, und nachdem Radio Luxemburg „Die Großen Acht“ (1965) präsentierte, merkte die Industrie, wie sich die Jugend von den Charts leiten ließ. Radio Luxemburg analysierte als erster Radiosender den Single-Schallplattenverkauf und präsentierten Samstag die acht meistverkauften deutschsprachigen (Schlager) und internationalen (Pop) Schallplatten der Woche. Im Wandel der 60er Jahre merkte die Industrie, dass mit steigendem Wohlstand die Jugend mehr Taschengeld besaß und dass die Verkaufscharts nicht die wirklichen Hits der Jugend widerspiegelten. Zu stark bestimmten die älteren Generationen den Absatz von Platten und sie waren deutlich zurückhaltender. Aus diesem Grunde wurden jugendliche Hörercharts für den Markttrend sehr wichtig, um nicht von der Tendenz überrascht zu werden.

Beatmusik: 
Anfang der 60er Jahre blieb vom ursprünglichen Rock’n Roll nur noch seichter Schlagersingsang übrig und selbst Elvis Presley kam als Schmuserocker daher. Vielleicht lag es daran, dass Rock’n’Roll in Deutschland eine Randerscheinung blieb oder weil den Eltern der Teenagerrock gefiel. Schräger und lauter schwappte die britische Beatmusik über Hamburg ins Land und begeisterte die Jugend. Die Gesellschaft stand der Musik erneut ablehnend gegenüber und erhoffte sich in der Beat-Bewegung eine gleiche Entwicklung, wie beim Rock, ein Strohfeuer, das schnell erlischt.
Es war kein Zufall, dass sich der Beat über Hamburg verbreitete. In der größten Hafenstadt Deutschlands pulsierte ein buntes Leben und die Bewohner waren schon immer multikulturell aufgeschlossen. Obendrein waren die Briten nicht nur ehemalige Besatzungsmacht, sondern es verband sie eine Wesensverwandtschaft. Die Briten teilten mit den Norddeutschen eine ähnliche Kultur und Folklore und klangen im sprachlichen Gebrauch (Dialekt) sehr ähnlich. Darüber hinaus bestand eine besondere Partnerschaft zwischen Liverpool und Hamburg, wodurch beide Städte zu den Geburtsorten der Beatmusik wurden. Der Liverpooler Merseybeat wurde somit über den Hamburger Star Club bekannt. Auch die legendären Beatles erworben sich dort ihr musikalisches Rüstzeug und aus jenen Erfahrungen formten sie ihren unverkenn-baren Beat. Neben ihrer Musik zeigten sie sich als flippige, herumblödelnde Jungs, die noch unreif und jegliche Ernsthaftigkeit vermissen ließen. Dieses Image machte sie aber liebenswert und als die britische Königsfamilie die Beatles zu sich einlud, wurde ihr gesellschaftlicher Status enorm aufgewertet. Richtige Fans eiferten den Beatles nach und erworben sich das Image nett verrückt zu sein, eine Jugend die sich erst einmal austoben und ausprobieren wollte. Die Beatmusik wurde für die Jugend zum Ventil der eigenen Unzufriedenheit und motivierte das Selbstwertgefühl. Die gelegentlichen Frechheiten wurden der jugendlichen Unbedarftheit zugutegehalten. Trotzdem sich die Gesellschaft um Toleranz bemühte, hatte besonders die ältere Generation auf dem Lande für die Beat-Jugend wenig Verständnis.
In beiden deutschen Staaten gründeten sich viele Beatgruppen und es wurden sogar Talentwettbewerbe veranstaltet. In der Regel kopierten jene Gruppen meistens ihre englischen Vorbilder.
In der DDR gab es die staatliche Auflage in Deutsch zu singen, was für ein Beatmusiker ein Unding war. Aber andererseits konnte kaum jemand englisch, da in den DDR Schulen Russisch als Fremdsprache gelehrt wurde.
Diejenigen, die es doch versuchten, mussten den Liedtext beim Abspielen der Originale erschließen (es gab keine Originaltexte zu kaufen). Heraus kam oft ein Kaudawelsch, was englisch klang und das Aufgeschriebene ähnelte noch nicht einmal einer Sprache (z. B.: für Free = frieh, friej oder für Good= gutt). Über die Londoner Szene war sowieso der Gitarrensound populär und kam den Beatbands in der DDR sehr gelegen, wie den Sputniks oder der Theo Schumann Combo.
In der Bundesrepublik wurden Gruppen, wie die Rirots, Yankees, Boots, Krouth und German Bond bekannt. Doch hüben wie drüben gelang es den Bands nicht, einen eigenen Stil zu entwickeln. Zu den bekanntesten Ausnahmen gehörten die Lords und Rattles, die es schließlich in die Verkaufscharts schafften.

Der britische Beat dominierte ansonsten klar die Hitparaden.
Seit 1963 wurde es zur regelmäßigen Tradition, dass angesagte Popkünstler ihre Hits auch in einer deutschen Fassung anboten. Den Anfang machte Cliff Richard mit seiner deutschen Version zu „Lucky lips“. Der Erfolg von deutschsprachiger Popmusik inspirierte Produzenten, wie Christian Bruhn, Werner Scharfenberg und Henry Mayer, um eigene deutschsprachige Beatsong anzubieten. Das bisherige Novum wurde 1965 gebrochen. Mit „Marmor, Stein
und Eisen bricht“ sang sich Drafi Deutscher (Bild) an die Spitze der Charts und wurde ein Megaseller. Die Hardliner der Beatfans degradierten ihn zwar zum Schlagersänger, aber Drafi sang sich mit weiteren Titeln in die Herzen der Beatfans. Die Produzenten erkannten die verkaufsfördernde Wirkung vom Einbau englischer Textpassagen. „Shake hands“, „Kiddy, kiddy kiss me“ oder „keep smiling“, reichten aus um den deutschsprachigen Beat poppiger zu machen. Wenn sich dann auch noch der Künstler einen englischen Akzent zulegte, konnten die Songs nicht mehr als Schlager gelten, und genau das gelang Drafi Deutscher hervorragend.
In der Folgezeit gab es ähnliche Versuche, aber populär wurden mehr angesagte ausländische Stars.
Die deutschsprachigen Beatlieder von Paul Anka, Cliff Richard, Graham Boney, und Ricky Shayne wurden Chartshits. Im Zuge der internationalen Welle wurde ebenso Peggy March, Rita Pavone, Kirstin, Mirelle Mathieu, Salvatore Adamo und Adreano Celentano bekannt. Insgesamt erfreute sich der jugendorientierte Schlager großer Beliebtheit und förderte vor allem eine große Flexibilität im musikalischen Geschmack der Jugend.
Kann man Mirelle Mathieu noch als Grenzfall betrachten, so ist Roy Black definitiv ein Schlagersänger und dennoch tauchte er in manchen Hörercharts neben den Beatles und den Rolling Stones auf.
Insgesamt war die wilde Zeit des krachigen Beats vorbei und die Beatles sangen 1965 ihr melodisches „Yesterday“ und versöhnten den Beat mit der Elterngeneration. Die Mehrheit der Jugend sah noch keinen Widerspruch zwischen Beat und Schlager, nur die textliche Aussage musste zum Weltbild passen. Die Stars der Beatjugend waren nicht in eine musikalische Schublade zu packen. Das Beatgirl Peggy March begeisterte mit modernen Beatklängen („Canerbystreet“) genauso, wie mit einem verträumten Schmusesong „Wenn der Silbermond auf die Reise geht“.
International schockten die Rolling Stones (“Sadisfaction“) und die Who („My Generation“) mit ihrem aggressiven Sound den braven Bürger. Nachdem, wegen den Stones die Berliner Waldbühne zerlegt wurde, geriet die gesamte Jugendmusik in die Kritik. Inzwischen hat es der Bundesbürger gelernt bösen Beat von Guten zu unterscheiden. Doch je mehr die Eltern den braven Beat tolerierten, umso stärker floh die Jugend zu den bösen Buben. Sie wollten ihre Musik, eine eigene Kultur und wollten Leben ausprobieren.

Gammler, Hippies und Studenten klagten die veralteten Gesellschaftsstrukturen an und lebten neue Lebensformen. Die Schlagerszene machte sich einerseits sarkastisch lustig darüber (Bill Ramsey „Verlieb dich nie in ein Hippiemädchen“) oder klagten die Jugend an (Freddy Quinn „Wir“). Musikalisch, wie auch gesellschaftlich, eskalierte nun der Widerspruch zwischen Jung und Alt und mündete in die 68er Bewegung. Der Jugendschlager hatte ausgedient und die Jugend schöpfte aus der progressiven Popmusik den rebellischen Geist. Dabei entwickelte sich der aggressive Hardbeat zum Hardrock und aus der Folkmusik wuchs die progressive Liedermacherszene heran. Bob Dylon und Joan Beaz fanden in ihren Liedern deutliche Worte und klagten Frieden (Vietnamkrieg), Freiheit (politische Gefangene) und Gerechtigkeit (Frauen- und Bürgerrechte) ein.
Über die Politik förderte der Musikmarkt eine gefällige Popmusik, die ein paar kesse Töne zuließ, um die Jugend friedvoller zu stimmen. Sehr verärgert war die Politik über Radiostationen, die jene aufsässigen Songs spielten. In Westeuropa waren es speziell Piratensender, die auf Schiffen über die Nordsee den Jugendgeschmack bedienten, aber eigentlich ging es den Sender darum, ein hohe Popularität zu erreichen und über die Werbung viel Geld zu verdienen.
Die Bundesrepublik belebte den Jugendschlager wieder und ließ den friedvolleren Hippiekult auferstehen und kommerzialisiert ihn. Da diese Maßnahmen nur zum Teil Früchte trugen, lockte die Regierung mit Konsum und sexueller Lust über Oswald Kolle (Aufklärungsfilme). Irgendwann hatte die Mehrheit genug vom 68-Protest und dem vielen Gerede, ohne ein klares Ziel und außerdem hatte sich die Politik verändert. 

BRD- Schlager: 
Am Anfang der 60er Jahre war der Bundesbürger vom Wirtschaftswunder gefangen und lebte euphorisch seine Gefühlswelten aus. Mit den Schlagern packte sie farbenfroh das Fernweh, verloren sich in irreal überzogene Liebesträume oder amüsierten sich bei den grotesken Liedern, über deren Stimmigkeit man lieber nicht nachdenken sollte. Es war auch die Zeit, in der zahlreiche ausländische Interpreten den Schlagermarkt bereicherten. Unterschwellig hatten die Deutschen das Gefühl als würde sich die Welt vor ihnen verneigen, wenn die Interpreten unterschiedlichster Herkunft ihren Akzent deutlich anklingen ließen. Mit humorvollen Liedern machten die Amerikaner Bill Ramsey, Gus Backus, Billy Mo und der Engländer Chris Howland auf sich aufmerksam. Gefühlvoll, aber mit weinerlicher Stimme wurde die US-Sängerin Connie Francis ein beliebter Schlagerstar. Die Österreicherin Lolita und die deutsche Lale Anderson waren musikalisch auf dem Meer zu Hause und die Griechin Nana Mouskouri brachte weiße Rosen aus Athen.
Für die Stars der 50er hieß es langsam Abschied nehmen. Freddy Quinn hatte 1963 („Junge komm bald wieder“) noch einmal einen Superhit, aber insgesamt war er nicht mehr der Chartstürmer. Catharina Valente schaffte es nur noch 1962 unter die Top Ten und die Schlagerrock-and-Roller Connie Froboess und Peter Kraus versuchten den Stilwandel zum renommierten Schlager, der einen kurzen Erfolg brachte. Im Gegensatz dazu verstand es Peter Alexander populär zu bleiben. Anfang hatte er großen Erfolg mit den deutschen Versionen zu Elvis Presley Songs, blödelte dann mit dem Badewannentango und wurde dann mit Bravour die deutsche Antwort auf Tom Jones. Förderlich auf den Erfolg wirkten sich die zahlreichen Musikfilmkomödien aus („Im weißen Rösl“, „Charlies Tante“, „Hurra, die Schule brennt“ u. v. a.). Aus dem Anfang der 60er Jahre sollte nicht der Romantiker Bernd Spier, die rundliche Ulknudel Trude Herr und der Komiker des Wortes Heinz Erhardt vergessen werden.

Mit dem Beat kam nicht nur der Beatschlager, sondern eine Generation mit jungen Talenten und die Lieder wurden textlich lebensnaher. Siw Malmquist belehrte augenzwinkernd, das sich Liebeskummer nicht lohne und Manuela, gab den Bosa Nova die Schuld an allem. Peggy March gestand ihre Träume mit siebzehn und Udo Jürgens war verzaubert von einem 17-jährigen blonden Mädchen. Mit folkloristischer Lagerfeuerromantik nahm Ronny seine Zuhörer mit in die Prärie und munter kam Wenke Myhre daher, die 1966 vor Äpfeln warnte. Ein echtes Seelendessert boten die Nilsen Brothers mit „Aber dich gibt’s nur einmal für mich“ und auch Roy Black streichelte und umgarnte die weibliche Seele. Die Boulevardpresse priesen die Dänin Gitte Henning und Rex Gildo als Traumpaar an, aufgrund gemeinsamer Filme und vor allem gefühlvoller Duette (“Stadtparklaternen“). Im Zuge der wachsenden Popularität von französischen Chansons, wie von Jacques Brell, Charles Asnavour und Gilbert Becaude, stürmten französische Interpreten die Schlagercharts.
Allen voran Mirelle Mathieu und Salvatore Adamo, aber auch France Gall („Wir sind keine Engel“) und Françoise Hardy („Frag den Abendwind“) werden gegen Ende der 60er Jahre zu Dauergästen in den Charts. Zu erwähnen sind unbedingt noch die Britin Petula Clarke und die Däninen Dorthe und Anna Lenna
Die 68er Bewegung ging nicht spurlos an den Schlager vorbei und einige nachdenkliche Schlager machten die Runde. „Welche Farbe hat die Welt“ (Drafi Deutscher), „Sag mir, wo die Blumen sind“ (Marlene Dietrich) und „Hundert Mann und ein Befehl“(Heidi Brühl) sind die bekanntesten Beispiele. In ihrer Einfachheit, die schon fast naiv klang, klagten die Lieder insbesondere den Vietnamkrieg an. Freddy Quinn sang ebenfalls das Lied „Hundert Mann und ein Befehl“, aber die Art der Interpretation assoziierte das Bild von Fremdenlegionären, die sich letztendlich freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet hatten. Zudem verärgerte Freddy die Jugend mit dem Lied „Wir“, in dem er sich mit erhobenem Zeigefinger für die Jugend schämte und ihnen drastische Vorhaltungen machte (verwahrloste Jugend).
Nach dem Jahr der Unruhe zeigt der Schlager eindeutig zwei Gesichter. Heintje singt sich in die Herzen der Mütter und Omas. Unbewusst demonstrierten sie damit ihre Sehnsüchte und Wünsche an ihre Kinder, diehttp://www.memoryradio.de/hitparade/zdf/003/003-03.jpg als Jugendliche zu entgleisen drohten. Zahlreiche Musikfilme suggerierten der Jugend, wie schön eine heile Welt sein kann, mit intakter Sitte und Moral. Neben Heintje und Roy Black stieg der smarte Charmeur Chris Roberts zum Ideal eines Teenagers auf, den die Mütter liebten. Damit er nicht als zu bieder herüberkam, blitzte besonders kleidungstechnisch der Hippiekult wieder auf. Die Blumenkinder erlebten in der Bundesrepublik eine Renaissance, das sich besonders modisch niederschlug. Wenke Myhre besang ihr „Flower Power Kleid“ und Peggy March machte Reklame für die „Carnabystreet“. Mit ihren Liedern wurden sie Sinnbild der zweiten Seite. Der Schlager für die Jugend sollte rhythmisch sein und textlich unterschwellig die alten Werte vermitteln. So sehnte sich Peter Orloff nach einem Mädchen für immer (Ehe) und Graham Boney (Bild) wünschte sich Siebenmeilenstiefel. Die Partnerschaft wurde angepriesen, statt Revolte und so flehte Christian Anders seine Flamme an, nicht vorbei zu gehen.
Doch mehrheitlich dominierte der konservative stimmgewaltige Schlager. „Delilah“, „Komm und bedien‘ dich bei mir“, „Der letzte Walzer“, und „Liebesleid“ machten Peter Alexander zum großen Entertainer. Aus der CSSR kam Karel Gott und sang sich mit goldener Stimme an die Spitze der Schlagercharts. In das Genre des getragenen Schlagers reihte sich noch Alexandra ein, die mit ihrer markanten Stimme die Natur besang. Neben den großen Stimmen fanden Heintje, Roy Black und Udo Jürgens ihr Zielpublikum und prägten die Schlagercharts entscheidend mit

DDR - Schlager :
Um 1960 war Bärbel Wachholz der absolute Schlagerstar. Trotzdem gab es neben ihr eine Reihe von Interpreten, die ebenfalls beliebt waren. Bei den Sängerinnen waren es Helga Brauer, Jenny Petra, Ruth Brandin und Rica Dèus und bei den Sängern Lutz Jahoda, Günther Geißler und Hartmut Eichler. Über die Bühne von Operette und Musical machte sich Peter Wieland einen Namen und mimte den Swingstar. Grundsätzlich orientierte sich der DDR Schlager an den Westschlager und häufig wurden die Hits kopiert. Der Versuch die reinen DDR Produkte in eine Jahreshitparade zu ordnen war deshalb mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Hinzu kam, dass nationale Produkte oftmals den Schlagershits der Bundesrepublik stark ähnelten. Bedingt durch Komponist Gerd Natschinski sang Bärbel Wachholz meistens eigene Lieder und war kein Abklatsch aus dem Westen. Gerechterweise muss man sagen, dass es einige hervorragende Coverversionen gab.
Ina Martell steuerte eine gelungene deutsche Fassung zum Welthit „Downtown“ (Petula Clark) bei und „Schwarzer Kater Stanislaus“ von Helga Brauer klang kraftvoller und punktierter als das Original mit Siw Malmquist. Aber das alles änderte nichts am Nachäffen der Westschlager. Gus Backus sang im Westen „Da sprach der alte Häuptling ...“ und die DDR zog mit „Jerry Flynn“ und einer englisch klingenden Mary Halfkaths gleich und „Roter Mohn wird wieder blüh’n“ mit Heidi Kempa, klang ein bisschen wie „Wir wollen niemals auseinandergeh’n“ (Heidi Brühl).
Anders als in der Schlagerszene, hatte die volkstümliche Musik schon einen eigenen Charakter. Herbert Roth mit seinem unverwechselbaren Thüringer Sound wurde sogar in der BRD bekannt. Lutz Jahoda ließ heimatliche böhmische Musik in seinen Schlager einfließen und überraschte immer wieder mal mit modernen Klängen, wie beim „Karthäuser Knickebein Shake“.
Um 1964 veränderte sich die Musikszene, weil die Kulturfunktionäre darauf drängten, alle angloamerikanische Metapher aus dem Schlager zu verbannen und westliche Sehnsüchte zu vermeiden. Kein besingen von Venedig oder Paris und erst recht keine amerikanische Westernromantik auslösen. Wegen des Vietnamkrieges der USA, sollten jegliche Bilder vermieden werden, die das Land positiv aufwerten könnten (Lebensart, Slang). Mit Frank Schöbel, Ina Martell, Christian Schafrik und den Gipsys fanden modernere Twisttöne in die Hitparaden und gaben der Szene neue Gesichter.
Wenn auch Frank Schöbel „Looky Looky“ singen durfte, so war das Lied vorrangig ein Liebeslied mit umgangssprachlichen Englisch. Textlich durfte sich Rica Dèus auf Wind und Wellen fortbewegen, sofern sie nicht in einem kapitalistischen Land vor Anker ging. Bevorzugtes musikalisches Reiseziel wurde Kuba, speziell die Stadt Havanna und damit waren auch spanische Worte erlaubt. Ab 1965 kristallisierte sich eine stabile Schlagerszene heraus, allerdings wirkte sich das Beatverbot verunsichernd aus. Als gegensteuernde Maßnahme duldeten die Funktionäre wieder ein verstärktes Covern von Westschlagern. Ina Martell hatte mit ihrer Version von, „Mit 17 hat man noch Träume“ (Peggy March) einen riesigen Erfolg und Helga Brauer kopierte weiterhin Siw Malmquist („Liebeskummer lohnt sich nicht“). Aus Finnland schwappte der Letkiss herüber und wurde erfolgreich als Modetanz angepriesen. In der Bundesrepublik war Letkiss dagegen nur eine Randerscheinung. Ina Martell, Karin Prohaska und Helga Brauer waren die großen Stars von 1965. Für den beatorientierten Frank Schöbel und Christian Schafrik war erst einmal Ruhe.
Das Jahr 1966 bedeutete einen musikalischen Rückfall in die 50er Jahre. „Weil du heut Geburtstag hast“ oder „(Kinder) ich hab keinen Zylinder“ waren antiquiert klingende Lieder, von denen zweifellos die ältere Generation begeistert war.
Die Jugend sollte sich stattdessen in der Singebewegung (Folksong) wiederfinden. Die Mehrheit der Jugend wollte keine politischen Lieder singen, sie ersehnten den englischen Beat und hörten Westradio. SUPERillu DVDDas blieb den Funktionären nicht verborgen und steuerte um 1967 einen liberaleren Kurs an. Mit Frank Schöbel und Chris Doerk bekam der Schlager seine ersten wirklichen Stars, die textlich kess und musikalisch modern sein durften. Der Musikfilm „Heißer Sommer“ (1968) katapultierte sie endgültig an die Spitze der Schlagerlandschaft. Der Streifen entwickelt sich zum Kulthit durch die Schlagerszene, während inhaltlich ein überzogenes Bild (Wunschvorstellung) einer Jugend vermittelt wurde und als Rahmen-Konflikt ein banales Liebesdrama diente. „Heißer Sommer“ entwickelte sich zum populärsten Musikfilm der DDR. Die beiden Hauptdarsteller Chris Doerk und Frank Schöbel verliebten sich bei den Dreharbeiten ineinander und heirateten.
Obwohl in den DDR-Medien Klatsch und Tratsch unerwünscht waren, wurde bei Chris & Frank eine gewisse Ausnahme gemacht. Die wenigen Illustrierten bekamen die Gelegenheit, ein bisschen Regenbogen-Journalismus zu betreiben. Obwohl sich der Absatz der Zeitschriften enorm erhöhte, stellten die Regierenden klar, dass weiterhin grundsätzlich das Privatleben geschützt bleiben sollte.
Im Zuge einer neuen Schlager-Ära machten Namen wie, Andreas Holm, Thomas Lück und Klaus Sommer auf sich aufmerksam und Ina Martell, sowie Gertie Möller, rückten wie die alten Schlagerdivas Bärbel Wachholz und Helga Brauer ins musikalische Abseits. Als Duett wurde Dagmar Frederic & Siegfried Uhlenbrock bekannt.
In der Jugendmusikszene wurde die ungarische und polnische Popmusik beliebt, was die Funktionäre zum Umdenken bewog und nun eine nationale Rockszene förderte. Der neue Trend führte dazu, dass die DDR-Führung mit der musikalischen Isolation brach. Nachdem französische Chansonsänger bereits in DDR -TV Sendungen auftraten, wurde vor allem über die Musiksendung „Klock achtern Strom“, Künstler aus dem nichtsozialistischen Ausland bekannt (z. B.: Golden Gate Quartett - USA). Besonderer Beliebtheit erfreute sich Nina Lizell aus Schweden, die mit ihren munteren Schlagern die DDR-Schlagerfans begeisterte. In der BRD konnte sie dagegen nicht Fuß fassen. Trotz ihrer hohen Popularität in der DDR galt sie als Sängerin eines kapitalistischen Landes und durfte nicht in offiziellen Hörercharts gespielt werden. Unter Berücksichtigung der Beliebtheit in Wunschsendungen wurde sie dennoch bei den Jahrescharts (DDR Schlagerhits) berücksichtigt, zumal sie streckenweise beliebter, als Chris Doerk & Frank Schöbel war.
Abschließend sei gesagt, dass die Mehrheit der DDR Bürger die westdeutschen Medien (Radio, Fernsehen) bevorzugte, um die attraktivere Westmusik zu hören oder aufzunehmen. Selbst bei Tanzveranstaltungen wurde die staatliche Vorgabe 60/40 ignoriert. Statt mindestens 60 % Ostmusik und höchstens 40 % Westmusik, wurde häufig 100 % Westmusik gespielt. Die Funktionäre taten gut daran ihre Ohren zu verschließen und tolerierten den Gesetzverstoß. Außerdem sei gesagt, dass zunächst kein Schlagerstar der Bundesrepublik in die DDR eingeladen wurden. Selbst mit Künstlern aus den sozialistischen Staaten (Karel Gott, Bata Illic), die in Westdeutschland erfolgreich waren, hatten die Kulturfunktionäre ihre Probleme. Umgekehrt spielten die BRD-Medien auch keine DDR Schlager, dass aber mehr am Desinteresse der Bundesbürger lag.

Sonstige Musik :
Noch bis Mitte der 60er Jahre war die volkstümliche Musik ein wichtiger Bestandteil der Schlagerszene. Die jugendliche Prägung des Schlagers verdrängte diese Musikform in einen eigenen Bereich. Der Bedarf an volkstümlicher Musik bei der älteren Generation war jedoch sehr hoch und fast jeder Radiosender bot die entsprechende Jodel- und Blasmusik an. Ernst Mosch, Slavko Avsenik und Jodelkönig Franzl Lang waren die Stars der westdeutschen Alpenmusik. In der DDR begeisterte Lutz Jahoda und Peter Altman mit der böhmischen Blasmusik (CSSR) ein folkloristisches Publikum und der Superstar war natürlich Herbert Roth mit seinem folkloristischen Ensemble. Ständig musste die Plattenfirma Amiga Schall-platten nachpressen, sodass Herbert Roth Plattenrekorde in der DDR aufstellte. Dazu muss man wissen, dass aufgrund von Rohstoffmangel die Plattenmenge limitiert wurde, aber durch die große Nachfrage Nachpressungen genehmigt wurden. Übrigens, kamen in der DDR nur Lieder auf eine Schallplatte, wenn sie zuvor im Radio erfolgreich liefen. Und Herbert Roth war ein Garant für Erfolgstitel und inspirierte weitere Gruppen aus dem Erzgebirge und dem Thüringer Land. Der Erfolg von Herbert Roth übertrat sogar die Grenzen und auch der Süden der Bundesrepublik mochte seine Lieder.
Ein weiteres losgelöstes Genre des Schlagers wurden die Karnevalsschlager, die in der sogenannten Fünften Jahreszeit das Radio im Rheinland beherrschten. Einige der zahlreichen Trink- und Stimmungslieder schafften es in die offiziellen Schlagercharts, wie der Dauerbrenner „Wir kommen alle in den Himmel, weil wir so brav sind“ (Willy Millowitsch).
An der Küste wurden Seemannslieder zur eigenen Kategorie. Neben den Schlagerhit „Junge komm bald wieder“ (Freddy Quinn), erklangen alte Shanties („Rolling Home“) oder die Lieder des unvergleichlichen Hans Albers („La Paloma“). Die Beliebtheit von Liedern über Wellen und Meer veranlasste das Fernsehen zu einer Showsendung. Die „Haifischbar“ wurde zum beliebten TV-Dauerbrenner. Die Sendung präsentierte sich im Kneipenmilieu, mit plattdeutschem Akzent, mit Snacks (Gerede), Humor und viel Musik. Der DFF reagierte darauf mit „Klock achtern Strom“, die ebenso zur beliebtesten TV-Show im Osten aufstieg. Anders als im Westoriginal wurden hier nicht nur Seemannlieder gesungen.
Inspiriert durch die internationale Folk-Szene und dem Chanson entstand in Deutschland eine externe Liedermacher-Szene. In der DDR wurde daraus die staatlich geförderte Singebewegung, deren Lieder von politischen Texten geprägt waren. Einen ähnlichen Versuch gab es in der BRD, der jedoch kläglich scheiterte, dafür befand sich dort die Liedermacherszene im Aufwind. Besonders Reinhard Mey stach hervor, der über französische Chansons zum eigenen Stil fand und der Liederszene nachhaltig Impulse gab. Im krassen Gegensatz dazu wurden Insterburg & Co. mit ihren Blödelsongs berühmt und Franz Joseph Degenhardt brachte sich mit seinen provozierenden politischen Liedern selbst ins Abseits.

Karnevalshits und Evergreens vor 1970
Am Rosenmontag bin ich geboren                                       Margit Sponheimer
Gell, du hast mich gelle gern                                                Margit Sponheimer
Heile, Heile Gänsje                                                               Ernst Neger
Humba- Täterä                                                                      Ernst Neger
Rucki Zucki                                                                          Ernst Neger
Schnaps das war sein letztes Wort                                       Willy Millowitsch
Ne Besuch em Zoo                                                               Horst Muys & Lotti Krekel

Wer soll das bezahlen                                                           Jupp Schmitz
Wir kommen alle in den Himmel                                         Jupp Schmitz
Am Aschermittwoch ist alles vorbei                                     Jupp Schmitz
Es ist noch Suppe da                                                             Jupp Schmitz
Wenn das Wasser im Rhein gold'ner Wein wär                   Willy Schneider
Schütt' die Sorgen in ein Gläschen Wein                              Willy Schneider
So ein Tag so wunderschön wie heute                                  Mainzer Hofsänger
Ui-Jui-Jui-Au-Au-Au                                                            Mainzer Bänkelsänger
Der schmucke Prinz                                                               Fritz Weber
Mir schenke der Ahle paar Blömcher                                    Lotti Krekel

Klassiker des Karnevals
Auflistung beliebter Karnevalslieder, die zum Teil in den 30er Jahren entstanden und in den 60er Jahren
von verschiedene Interpreten auf Karnevalsitzungen gesungen wurden.

Du kannst nicht treu sein     //   Es war einmal ein treuer Husar      //   Einmal am Rhein
Der Schönste Platz ist immer an der Theke   //  Denn einmal nur im Jahr ist Karneval
Ich hab' den Vater Rhein in seinem Bett geseh'n    //  Kornblumenblau
Bums Valdera (wir machen durch)   // Oh, wie ist das schön!