10. Hippies, Hardrock

Sound: Hippie und Hardrock

1. Flower Power – Hippiebewegung
2. Hardrock -Phase 1

1. FLOWER POWER - HIPPIEBEWEGUNG ( 1965 bis 1968 )

Wortbedeutungen:
Flower Power
= Blumenmacht, im Sinne von natürliche Macht der Liebe, in deren 
Symbolik die Blumen eine sonnige Zukunft verheißen.

Hippie = leitet sich ab von Hip (angesagt) und bedeutet Verfechter der wahren idealistischen Epoche zu sein, die im Egoismus der 
               Menschen die Wurzel allen Übels 
sieht.

Love and Peace“ ist eine Parole der Hippiebewegung und meint, dass nur über die Liebe der ewige Frieden erreicht und bestehende
               Kriege beendet werden können.

„Summer of Love“ – Hippies aus San Francisco laden alle Gleichgesinnten zum Sommer der Liebe ein und machten San Francisco zum
               Wallfahrtsort der Bewegung. 
Im Januar 1967 gab es erste Diskussionsveranstaltungen (Happening) und der 6. Oktober 1967 gilt
               als der Schlusspunkt des Hippiesommers; dazwischen gab es 
das gigantische Open Air Festival in Monterey, dass in jeglicher
              Beziehung großen 
Einfluss hatte.

Guru = ein religiöser Titel für die Priester von indischen Glaubensformen, der sinngemäß als „Verkünder gewichtiger Worte“ übersetzt
              werden könnte. Der tibetanische Titel 
Lama sieht einen „Erhöhten“ (Erleuchteten) als Führer aller Geistlichen und Gläubigen an.

Gammler = wird als abwertende Bezeichnung verwendet und könnte als „die in den Tag Lebenden“ bezeichnet werden. Sie sehen sich
             selbst als Aussteiger und 
Verweigerer der gesellschaftlichen Zwänge und gehen häufig keiner geregelten Arbeit nach. 

Sexuelle Revolution:
Der Geschlechtsverkehr wird aus dem anrüchigen Verborgenen geholt („Über das man nicht spricht“) und legalisiert die voreheliche
Sexualität. In der Regel trennen Hippies in ihrem Empfinden den Sex (natürlicher Trieb) und die Liebe (Seelengemeinschaft) voneinander.

Ein ungebundenes Ausleben der Sexualität wird propagiert und Nacktheit als natürliche Gabe empfunden. Erotische Verführungsmittel
werden in der Regel jedoch abgelehnt, da sie die Sinne verklären und durch eine übersteuerte Triebhaftigkeit das Gefühl der Liebe
verloren gehen und der sexuelle Partner zum körperlichen Lustobjekt werden kann.

Rauschgift-, Drogensucht:
Mittel zum Betäuben oder stimulieren der Sinne, die zu einer Abhängigkeit führen, gesundheitsschädlich sind und zum Tod führen
können. 
Seit je her wurden Rauschmittel verwendet und speziell für die Soldaten benutzt. Sie sollten vor einer Schlacht bei den Kämpfern
das Angstempfinden und die Schmerzempfindlichkeit lähmen. Diesbezüglich wurde auch Alkohol als Droge benutzt. In der Medizin
wurden Opiate bei bestimmten Krankheitsbildern verwendet und ab dem 19 Jahrhundert, war es in den
höheren Kreisen (Aristokratie)
modern Drogen zu konsumieren (Opiumorgien).
Erst mit der Hippie-Ära wurden Rauschgiftmittel zur allgemeinen Modeerscheinung.
Wesentlich verantwortlich für die Verbreitung sind indische Gurus, die damit ihre Gläubigen gefügig machten und ihnen den Weg in eine
surreale Welt (Rausch) eröffneten.
Für fast alle namhaften Rockmusiker jener Zeit, war der Rausch zugleich inspirative Quellen und 
offenbarte sich im Psychedelicsound. Demzufolge eiferten die Fans ihren musikalischen Idolen nach und konsumierten ebenso
Rauschmittel, wie Haschisch, Heroin oder LSD. Natürlich war der Erwerb oder Besitz solcher Mittel illegal und wurde strafrechtlich
verfolgt. Die Rolling Stones Parole „Sex, Drogs and Rock’n Roll“ förderte den Drogenkonsum und
man meinte, dass die drei
Rauschzustände kombiniert zum ultimativen Erleben führten. Nachdem Anfang der 70er Jahre die Zahl der Drogentoten deutlich anstieg,
fand ein Gewisses Umdenken bei der Jugend statt. Dennoch finden bis heute Drogendealer immer noch zahlreiche Opfer.
Es sind überwiegend Menschen, die sich in einer psychische Ausnahmesituation befinden und sich verleiten lassen oder bewusst unter
Drogen gesetzt werden.

Mainstream:
Ist der vorherrschende Musikgeschmack der jugendlichen Zielgruppe, der in der Regel an den kommerziellen Singlecharts ablesbar ist

Ursprung:  
Inspiriert von der friedlichen afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, durch Martin Luther King, suchte die weiße Jugend nach einer eigenen Form des Aufbegehrens. Da die friedfertige Grundidee, auf den indischen Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi zurückging, wurden Künstler auf den indischen Glauben aufmerksam. Das Interesse der Kulturszene, speziell der Rockbands, weckte bei der Jugend die Neugier für die indische Glaubenslehre. Indische Gurus reisten daraufhin in die westliche Welt, verkündeten ihre Weltsicht und bauten Glaubenssekten auf. Jeder Guru prägte für sich die Sektengrundsätze, aber alle basierten auf eine idealistische Bescheidenheit, um zur wahren Erkenntnis zu gelangen. Die drei wesentlichsten Säulen waren der Verzicht auf Besitz (Geld, Haus, Auto), das zügeln egoistischer Gefühle (Zorn, sexueller Trieb) und die untertänige Wertschätzung des Umfelds (Natur, Tiere). Auf der Basis der Bescheidenheit, Friedfertigkeit und Toleranz war jeder Menschen, unabhängig von seiner Hautfarbe, seinem Geschlecht oder seiner Krankheit in der Gemeinschaft gleich und versuchte die Gewalttätigen und Unbelehrbaren zu beschämen, indem die Gläubigen, sich für den Zorn des anderen schuldig fühlten.
Musikalisch vermischte sich zeitgleich in Kalifornien (USA) der Pet-Sound (Surferbeat) mit Elementen des Souls und der Folkmusik, woraus eine leichte spirituelle Musikform entstand.

Je nach dem Schwergewicht nannte man sie Folkpop, Softbeat oder Soulbeat. Zumindest war es eine sanfte heitere Musikform, in der man die Sonne Kaliforniens spüren konnte. Angeregt durch den Geist der Kennedy-Ära suchten amerikanische Künstler nach alternativen Lebensweisen. Neben den Folkmusikern setzten vor allem Schriftsteller neue Akzente. Hervorzuheben ist dabei der homosexuelle Dichter Allen Ginsberg, der in seinen Gedichten über die Blumenmacht (Flower Power) neue Denkweisen entwarf.
Die spätere Jugendbewegung übernahm den Namen und sprach von sich selbst als Blumen-kinder. Indische Lehren, Popsound und Künstlerszene bildeten letztendlich den Grundstein der aufkommenden Jugendbewegung. Die Liebe sollte zukunftsweisend die Welt verändern und Blumen symbolisierten die friedensbringende Macht. Jugendliche banden sich Blumen ins Haar oder trugen Stirnbänder. Die Oberbekleidung von weltlichen Hippies war kunterbunt, wallend und trotzdem schlicht und eine zerschlissene Bluejeans gehörte zum Image.
Die religiösen Hippies trugen meistens lange einfarbige Gewänder (häufig Weiß), die bis zum Fußknöchel reichten, und hatten Sandalen (Jesuslatschen) an. Einheitlich wandelten Jungen und Mädchen in ärmlicher Bekleidung, wollten symbolisch den Leidensweg Jesus folgen und sexuelle Begierden ersticken. Den Weg zur erkennenden Erleuchtung zeigten ihnen die Gurus, die den christlichen Glauben mit indischen Werten verbanden und im Wesentlichen darauf zielten, jegliches weltliches Denken abzulegen. Dazu gehörte, den Privatbesitz in die Gemeinschaft einzubringen und einen Partneranspruch aufzugeben. Der Begriff freie Liebe wurde geprägt und meinte, dass eine feste Paarbeziehung überholt sei, in einer Gemeinschaft von Liebenden. Das bedeutete, dass jeder mit jeden sexuell verkehren konnte und Kinder wurden von der Gemeinschaft großgezogen.
In vielen Meetings (offene Diskussion) wurden alle brennenden Fragen geklärt, um den richtigen Weg in die befreiende geistige Dimension zu finden. Die leitenden Gurus ließen dabei den Diskussionen eine großen Spielraum und warfen richtungsweisende Fragen ein, bevor sie ihr (angeblich) weises Statement abgaben und zum Schluss zur Meditation übergingen, die den Geist vom weltlichen Ballast Freiräumen sollte. 

Die weltlichen Hippies übernahmen die Idee der  freien Liebe und fanden Gefallen an das Anders sein, dem radikalen ausscheren aus der Gesellschaft. Sie übernahmen die langen Haare (nun schulterlang), als äußeres Zeichen des Protestes gegen die spießbürgerliche Gesellschaft. Ansonsten reflektierten weltliche Hippies die Wirklichkeit, stellten die Liebe in den Mittelpunkt und versuchten in deren Rahmen die konservative Gesellschaft zu beschämen. So reagierten auch sie auf Anfeindungen mit Demut und entschuldigten sich bei denen, die ihnen aggressiv gegenübertraten, ob sie sie mit irgendetwas gereizt hätten.
Musikalisch spürte man eine entwaffnende Friedfertigkeit und der Soulpop ging in den Psychedelicsound über. Die britischen Beatles verarbeiteten dazu die indische Musik, die berauschende Klänge und eine Art schwebende Musik erzeugten. Zahlreiche Musiker fühlten sich durch den neuen Geist inspiriert und brachten es musikalisch zum Ausdruck.

Der Kern der Hippiebewegung lag in den USA und somit auch die Musik. Angesichts des Vietnamkrieges und der Bürgerrechtsbewegung sahen amerikanische Jugendliche im Hippiekult eine wirkungsvolle Protestmaßnahme. In Europa schwappte lediglich die Idee herüber und beeinflusste die Musikszene. In Europa blieb der Hippiekult zunächst eine Randerscheinung und lebte erst durch die Modehippies, wodurch Anfang der 70er Jahre der Hippiekult sein Revival erlebte.

Entwicklung:
Mit den Mamas & Papas bekam die Hippieszene seine ersten Stars und lud 1967 zum „Summer of Love” nach San Francisco ein. Aus diesem Anlass fand vom 16. bis 18. Juni in Monterrey ein Open Air Konzert statt, dass etwa 50.000 bis 90.000 Zuschauer anlockte. Es traten 33 Gruppen bzw. Interpreten auf und Janis Joplin, Jimi Hendrix und Otis Redding gelang hier der große Durchbruch. Beim Festival traten namhafte Größen auf, wie Eric Burdon & the New Animals, Simon & Garfunkel, Canned Heat, Steve Miller Band, Electric Flag, The Byrds, Jefferson Airplane, The Who, Mamas & Papas, Grateful Dead und Scott McKenzie und als besonderer Gast wurde der indische Sitar-Spieler Ravi Shankar geehrt.
The Beatles, The Beach Boys, The Rolling Stones, The Kinks, Neil Young und Donovan waren ebenfalls eingeladen, sagten aber aus unterschiedlichen Gründen ab oder konnten nicht teil-nehmen. Auch ohne sie wurde das Festival ein riesiger Erfolg und wurde zum Gradmesser der Musikszene. Scott McKenzie sang „San Francisco“ (ab 10.05. auf Single), das zur Hymne der Hippies wurde und ein paar Tage später präsentierten die Beatles der Welt ihr „All Your Need Is Love“ (ab 30.06. auf Single) und wurde seinerseits zur Hippiehymne. Egal welches Lied man als wahre Hymne betrachtete, so kristallisierte sich ein Trend heraus. Die Amerikaner mochten mehr „San Francisco“, da der Titel eher dem Hippiesound der Mamas & Papas und Beach Boys entsprach.
Neue Akzente in der Szene setzten Simon & Garfunkel, die Liedermacherin Melanie (Safka), der sanfte Pop von Byrds und Grateful Dead, der Soulmusikern Otis Redding und die Blues-band Canned Head. Besonders beeindruckte auf dem Festival der Gitarrenvirtuose Jimi Hendrix, der über den Psychedelicsound maßgebliche Impulse für den Hardrock entwickelte. Nicht minder bekannt wurde Janis Joplin, die mit ihrem kräftigen Gesang als weiße Bluesrock-Queen gefeiert wurde. Allerdings war die Musik der Beiden sehr gewöhnungsbedürftig und bediente nicht den Mainstream.
In Europa setzten sich härtere Klänge durch. The Who kreierten mit „My Generation“ nicht nur eine Jugendhymne sondern machten den Beat härter, indem sie die Bässe mehr betonten und das Schlagzeug in den Vordergrund rückten. The Kinks und The Troggs spielten den Hardbeat in ähnlicher Weise. Mit den Rolling Stones setzte sich mehr die harte Spielart des Rock’n Roll durch, indem sie ihn langsamer machten und das Schlagzeug den Takt vorgab. Der Hardrock erreichte dadurch höhere Variierungsmöglichkeiten textlich wie musikalisch. Die britischen Musikformen könnte man als Gammlersound bezeichnen, die europäische Variante zu den amerikanischen Hippies, die sich mehr als gesellschaftliche Aussteiger begriffen.
Neben dem harten Sound wurde der Psychedelic sehr populär. Wie bei allen Soundarten ist eine Abgrenzung von Spielarten kaum möglich. Maßgeblich hierfür ist ein fließender Sound, der ein schwebendes Gefühl vermittelte. Mit dem Einsatz der indischen Sita wurde genau jener Effekt erreicht. Bereits der Song von den Kinks „See My Friend“ vom 30. 07. 1965 könnte man als ersten Vorläufer des Psychedelic bezeichnen. Zu wahren Meistern wurden allerdings die Beatles.
Sie begannen bei „Norwegian Wood“ die Sita einzusetzen und gaben damit dem Song eine fließenden Note. Auf dem Album „Revolver“ (Ende 1965) perfektionierten sie den Stil und mit dem Titel „Tomorrow Never Knows“ schufen die Beatles einen ersten Hit für den Psychedelic-Sound. 1967 war es dann die Band Pink Floyd die mit den Album „The Piper At The Gates Of Dawn“ zum Inbegriff des Psychedelic wurden. Zahlreiche Bands versuchten den Sound in ihre Musik einfließen zu lassen und erzeugten experimentelle Klangbilder.
Auch den Rolling Stones gelang das eindrucksvoll, unter anderem, mit „2000 Light Years From Home“, vom der LP „Their Santanic Majesties Request“ und erzeugten damit den Spacesound. In der Kulturszene umstritten war dann der Beatlessong „Lucy, In The Sky With Diamonds“, weil Kritiker den Song mit dem LSD-Rausch in Verbindung brachten.

Zu diesem Zeitpunkt war den Regierenden war klar, dass die meisten Rockkünstler Drogen konsumierten und das gerade der Psychedilic-Sound dazu inspirierte bzw. ein Produkt des Drogenrausches war. Aber Popmusik war inzwischen zum Wirtschaftsfaktor geworden und außerdem konnte man oftmals den Musikern, den Besitz von Drogen nicht nachweisen. Den Beatles wurde nachgesagt, dass sie ihre Sucht in Indien bei ihrem Guru auslebten.
Die Vermutung wurde laut, dass der Zeichentrickfilm und Album „Yellow Submarine“ dem Drogenrausch zugrunde liegen musste. Denn hier wurde eine realitätsferne Geschichte erzählt, die gespickt mit surrealen Bildern, skurrilen Gestalten und wirren Szenen war. Umrahmt war das Ganze mit einer eigenartigen musikalischen Breite, die vom Shanty bis zum Psychedelicsong reichte.
Der Drogenkonsum wurde zum gesellschaftlichen Problem und die Schattenseiten des Hippiekultes wurden immer deutlicher. Doch im Sommer 1969 feierten sie noch einmal ein gigantisches Open Air Festival. Vom 15. bis 17. August 1969 fand das Woodstock Music and Art Festival statt. Anlass war die esoterische Astrologie, die das Zeitalter des Wasser-manns verkündete und gravierender Veränderungen in Aussicht stellte. Ein kompletter gesellschaftlicher Wandel sollte eintreten und dauerhaft Frieden und Gerechtigkeit mit sich bringen. In diesem Sinne wurde Woodstock zum legendären Fest zu dem 400.000 Besucher kamen und 32 Bands bzw. Solisten auftraten.
Zahlreiche Künstler vom Monterrey Festival waren wieder dabei, wie Janis Joplin, Jimi Hendrix, Canned Heat, Jefferson Airplane, Grateful Dead und The Who. Neu dabei waren Joan Baez, Santana, Melanie Safka, Arlo Guthrie, Joe Cocker, Creedence Clearwater Revival, Ten Years After, The Band, Blood, Sweat & Tears, Crosby- Still - Nash & Young und wieder mit dabei der Sitar-Spieler Ravi Shankar. Trotzdem die ganz großen Namen, wie die Beatles, Rollings Stones, Bob Dylan, Led Zeppelin und die Doors aus unterschiedlichen Gründen fehlten wurde Woodstock zum historischen Musikereignis und größten Musikfestival aller Zeiten.
Friedlich und gelassen wurden diverse Missstände (Hygiene) ertragen und gelegentliche Spannungen wurden friedfertig beigelegt. Anlässlich der Amerikatournee der Rolling Stones wollte die neu formierte Band ebenfalls an einem Open Air Festival teilnehmen. Auf dem Speedwaygelände von Altamont wurde für den 6. Dezember 1969 ein spontanes Konzert organisiert. Neben Grateful Dead, Jefferson Airplane, Flying Burrito Brothers, Crosby - Still - Nash & Young und Ike & Tina Turner waren die Rolling Stones als Hauptattraktion gedacht. Das Konzert entwickelte sich zum Fiasko, das von Anfang an in einer gereizten Stimmung verlief. Das Konzert war überschattet von mehreren Vergewaltigungen, Schlägereien, drei tödlichen Unfällen und einem tödlichen Vorfall an Bühne, während Mick Jagger „Under My Tumb“ sang. Ein Farbiger wurde von Sicherheitskräften niedergestochen, als er im Drogenrausch (vermutlich) eine Waffe zog.
Das unverhältnismäßige Vorgehen der Ordnungskräfte, der Rockergang Hells Angels, und die Tatsache, dass die Stones das Konzert fortsetzten, sorgte anschließend für heftige Diskussionen und Schuldzuweisungen. Bis heute wurde nicht geklärt, ob der getötete Afro-Amerikaner Meridith Hunter, wirklich eine Waffe hatte oder sie ihm zugespielt wurde. Zu-mindest wurde den Hells Angels ein überzogener rassistischer Akt unterstellt.
Open Air Konzerte gehörten damit vorläufig der Geschichte an, zugleich wurde dieser Tag als Ende der Hippiebewegung bezeichnet. Der Traum war ausgeträumt und hatte scheinbar nichts bewirkt. Der Vietnamkrieg tobte unvermindert weiter und die Gesellschaft ließ sich mit „Love and Peace“ nicht bekehren, sondern reagierte ablehnend auf die langhaarigen Weltverbesserer. Die Mehrzahl der Hippies war drogensüchtig und viele davon wurden zu willenlosen Werkzeugen der Gurus. Sie opferten so manchen scheinheiligen Predigern ihr Hab und Gut, wurden zu steuerbaren Geschöpfen, die sich für die Gemeinschaft (dem Guru) prostituierten oder kriminalisierten (Diebstahl, Überfälle). Dementsprechend wurden sie öffentlich ausgegrenzt und als arbeitsscheues Gesindel oder asoziales Anarchistenpack angesehen. Sie fanden keine Arbeit mehr, wurden als Bettler gewaltsam vertrieben und wegen ihrem Aussehen wurde ihnen der Zutritt zu öffentlichen Gebäuden verwehrt (insbesondere Gaststätten).
In ländlichen Gegenden kam es sogar zu Übergriffen der Bevölkerung auf die Langhaarigen, sie wurden gewaltsam gebadet und ihnen die Haare geschoren.
Der Staat reagierte mit seinen Mitteln und zog Gammler oder Hippies zum Militärdienst ein. Nach 1969 entstand ein Neohippiekult, die durch die Wirtschaft kommerzialisiert wurde. Die Bekleidungsindustrie entwarf nach Vorbild, der damals selbst gemachten Hippiekleidung, eigene Kreationen. Über die Medien steuerte der Staat eine Jugendkultur, die sich im Rahmen der gesellschaftlichen Normen (anständig, pflichtbewusst) bewegte und billigte ihnen einen gewissen Freiraum, ein Aussteigen in der Freizeit ausleben zu können. Die Modehippies vollzogen ihr Anderssein in den Ferien oder im Sommerurlaub. Die älteren Generationen begannen den farbenfrohen Trend zu tolerieren, zumal nun ein modisches und adrettes Äußeres gegeben war. Selbst die langen Haare der Jungen wurden akzeptiert, sofern sie ein gepflegtes Gesamtbild ergaben.
Bis etwa 1973 hielt sich der kommerzielle Hippietrend, doch die ursprüngliche Hippiebewegung war schon längst versandete und ging unter in der lukrativen Geschäftemacherei, in den verschiedensten Wirtschaftsbereichen. Erwähnt sollte noch die Studentenbewegung werden, der sich überwiegend Hippies angeschlossen hatten, aber die Öffentlichkeit sah sie als verblendete Spinner mit einer Kommunisten Idee. Aber auch die Jugendlichen, darunter viele Hippies, nahmen Abstand von der Studentenbewegung. Ständige Diskussionen nervten, da sie in Wortklaubereien mündeten und zu keinem klaren Standpunkt fanden. Ziemlich schnell hatte die Mehrheit der Jugend die Nase voll vom revolutionären Geist und genossen lieber den Wohlstand. Ohnehin hatte sich die Welt geändert, sodass der ursächliche Kern verloren ging, im Rausche des Wohlstandes und der Jugend Zugeständnisse gemacht worden sind. Revolte und Hippiekultur fand sich musikalisch im Schlager wieder, worauf die Jugend sich eine neue geistige Heimat suchte und fand sie musikalisch im Hardrock.

 

2. Hardrock -Phase 1

Grundsätzliches:
Hardrock ist ein verlangsamter Stil des Rock’n Roll, der durch einen 4/4 Takt geprägt wird und das althergebrachte Liedschema aufhob. Orientiert am Hardbeat und beeinflusst vom Psychedelic, wurde zunächst eine reine harte Spielart erzeugt, in der Bassgitarre und Schlagzeug einen dominanten Rhythmus vorgaben, und sich daraus textlich und musikalisch mehr Spielräume ergaben.
Musiker erkannten schnell, dass die Spielart enorme Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Musikrichtungen zuließen und mit der Musik Texte wirkungsvoll unterstrichen werden konnten. Der bisherige Beat war zwar schon textlich sehr variabel, stieß aber musikalisch auf Grenzen. Mit dem Hardrock konnte man selbst Instrumental eine neuartige Gefühlstiefe erreichen, die auf persönliche Emotionen zu einem Thema setzte. Rockmusik brauchten damit textlich nicht konkret werden (Andeutungen reichten), sondern führten mit Hilfe der Musik zur Kernaussage. Da Texte keine eindeutige Aussage mehr brauchten, ergab sich für den Zuhörer eine inspirative Textinterpretation und demzufolge eine enorme Gefühlstiefe.
In den sozialistischen Staaten war Hardrock deshalb sehr beliebt, da die Komponisten über die Musik die staatliche Zensur umgehen konnten. Typisch für die Anfangsphase des Hard-rocks waren überlange Musikstücke von mehr als 5 Minuten (Zeitlänge). Die Flexibilität der Musik führte dazu, dass Hardrocks immer wieder neu auflebte und drei Hauptphasen prägte.

Phase 1 - Urrock (1968 bis 1975)
Umfasst diverse experimentelle Variationen, mit künstlerischen Anspruch, die zu eigenen Genre wurden, wie Latinrock, Klassikrock, Countryrock, Bluesrock, Psychedelicrock usw.; ⇒ den Endpunkt der Phase markiert der kommerzielle Glamrock (siehe 70er Jahre).
Phase 2 - Haevy Metal (1975 - 1982)
Betonte imagebezogene Spielarten, deren Bands es auf eine bestimmte Zielgruppe abgesehen hatten; ⇒ den Endpunkt markiert der Punkrock, der kommerziell im New Wave unterging.

Phase 3 - Kommerzrock (1978 - 1992)
Hardrock wird zur Show mit gestylten Rhythmen und am Glamrock orientiert. In der Regel sind es amerikanische Bands, die mit seichten Rockklänge erfolgreich sind; ⇒ die Endphase oder auch Umbruch wird durch den Grunge eingeleitet, der schnell seine Popularität verlor.

Eine 4. Phase hat sich derzeit nicht etabliert, obwohl es im Hardrockbereich immer wieder Rockgruppen gibt und gab, die mit nicht einzuordnenden Songs in Erscheinung traten, aber keine wirkliche neu Stilrichtung prägten oder eine langzeitliche Popularität gegeben war.

Prägnante Hardrockarten:
Grundsätzlich spielten namhafte Rockband und Solisten mehrere Rockstilarten.

1. Ur-Hardrock:
Getragener bassbetonter Sound, der oft durch eine flüssig elektronische Verzerrung einem Motorengeräusch ähnelt und zur Basis für den späteren Heavy Metal Sound wurde. Hardrocker des vorwiegend britischen Stils, waren bestrebt Musikkunstwerke zu schaffen und produzierten überlange Musikstücke (um die 10 Minuten), mit prägnanten Riffs und instrumentalen Soloparts (häufig Gitarre oder Schlagzeug). Als vierblättriges Kleeblatt der Rockmusik galten Deep Purple, Led Zeppelin, Black Sabbath und Uriah Heep. Außerdem rechnet man Status Quo, Iron Butterfly und Golden Aering dazu.

2. Folkrock:
Das Kombinieren von Folk- und Rockmusik, versuchte bereits Bob Dylon und erntete bei seinen Fans zunächst Buhrufe. Neben Bob Dylon waren es The Byrds und The Flying Burrito Brothers, die den Sound populär machten. Erst durch Neil Young bekam die Soundrichtung seinen prägnanten Charakter.

3. Countryrock:
Da Folk und Country auf eine gemeinsame Basis aufbauten, prägte Bob Dylon ebenfalls die Stilrichtung. Neil Young entwickelte zusammen mit Crosby, Still and Nash den Sound weiter, der dennoch stark dem Folk ähnelte. Die Gruppe Lynyrd  Skynyrd betonte mehr die Rockelemente und gab dem Stil, seine unverwechselbare Note. Der bekannteste Vertreter wurde jedoch The Creedence Clearwater Rivivel (CCR). 

4. Psychedelicrock:
Wie in der Abhandlung zum Beat schon beschrieben, gab es eine Reihe von Bands, die sich am Sound versuchten. Pionierarbeit leisteten besonders The Beatles und The Rolling Stones und auch Jefferson Airplane sollte genannt werden. Letztendlich steht aber maßgeblich die Gruppe Pink Floyd für diese Richtung und in gewisser Weise auch Jimi Hendrix. Von ihnen angeregt entwickelten The Doors und Procol Harum den Stil textlich weiter und inspirierten besonders stark den späteren deutschen Krautrock.

5. Latinrock:
Hier verschmolzen lateinamerikanische Rhythmen im Rock und woraus ein flüssiger Sound entstand, der phasenweise dem Psychedelic ähnelte. Santana wurde der erfolgreichste Ver-treter der Richtung und Fleedwood Mac gelangen ebenfalls einige sehr erfolgreiche Songs.

6. Jazzrock:
Die zahlreichen Jazzarten boten eine Reihe von Möglichkeiten Jazz mit Rock zu verbinden. Zu den großen Namen der Stilrichtung gehörten Blood- Sweat & Tears, Jeff Beck, Earth - Wind & Fire, Miles Davis, Herbie Hancock, Frank Zappa und natürlich Janis Joplin, sowie später Chikago und auch The Doors zählen teilweise dazu.

7. Bluesrock:
Blues ist ohnehin die Basis von der Rockmusik, doch als Spielart rückte der Grundsound in den Hintergrund und verstärkte den harten instrumentalen Rhythmus. John Mayall und Alexis Korner experimentierten in jene Richtung. Es folgten Rory Gallagher und Eric Clapton.
Die erfolgreichste Band wurde die Gruppe Canned Head und der Gruppe Free gelang zumindest ein Megahit („All Rigth Now“). Im Prinzip hatte jede namhafte Band Bluesrock in seinem Repertoire, hervorzuheben sind dennoch The Rolling Stones und Led Zeppelin, sowie später Chikago, die viele Songs in dem Stil spielten. 

8. Progressive Rock:
Ist eine Mischart, die populäre Stilarten verbindet, die sowohl dem Jazz und dem Psychedelic nahe steht, aber auch Blueselemente einfügt und sich an der klassischen Musik (Altertum) orientiert. Gruppen wie Jethro Tull, Emerson-Lake & Palmer, The Moody Blues und Yes sind bekannte Größen des Stils. Später zählen Manfred Mann’s Earth Band, Genesis, Mike Oldfield und ebenso Pink Floyd dazu.

9. Ur-Punkrock (Garagenrock):
Eine simple amateurhafte Rockspielart, die mit wenigen Akkorden auskam und für die, verzerrte Gitarrenklänge typisch waren. Die Texte waren einfach gehalten, deren Aussage sich stets wiederholte. Nur wenige Gruppen schafften (wenigstens) einen Achtungserfolg, wie The Kingsmen, The Standells oder The Stooges.

10. Classicrock:
In dieser Stilart versuchten Rockgruppen eine Adaption zu klassischen Musikwerken oder versuchten strukturell eigene Werke zu erschaffen. Solche Meisterwerke wurden als Kurzsinfonie konzipiert und waren überlange Musikstücke. Die niederländische Band Ekseption verarbeitete beispielsweise Musik von Johann Sebastian Bach, wogegen Deep Purples mit „April“ ein eigenes Kunstwerk schufen und Fokus, verlegte sich darauf skurrile Töne zu kombinieren und sie in eine kunstvolle Abfolge zu bringen. Da eigentlich alle Gruppen des Progressivrocks sich an sinfonischen Stücken versuchten, zählt Classicrock als Untergruppe des Progressivrocks. Die spezifische Form verdient dennoch ein eigenes Genre.

Zu nennen wären noch Glamrock, Krautrock, Artrock und Spacerock, aber auf jene Stilarten wird in der Betrachtung zu den 70er Jahren genauer eingegangen.  

Entwicklung des Hardrocks ( 1. Phase) 
Nachdem der Beat 1963 international die Charts stürmte, entstanden zahlreiche Gruppen und führten zu einem Überangebot. Um als unbekannte Band Erfolg zu haben, musste man der Szene etwas Neues bieten und das setzte musikalische Experimente voraus. Beispielgebend hierfür waren die Rolling Stones, die gar nicht erst den Beat kopierten, sondern sich gleich dem Blues verschrieben und Erfolg hatten.
Dem Beispiel folgend, experimentierten 1963 The Yardbirds mit dem Blues und entwickelten den Bluesrock. Die drei Bandgrößen Erik Clapton, Jeff Beck und Jimi Page gingen schließlich eigene Wege und wurden bedeutende musikalische Pioniere. Erik Clapton war 1966 der Mitbegründer der Gruppe Cream, deren Musikstil in Fachkreisen als erster Hardrock-Stil angesehen wurde. Jeff Beck gründete eine Rockband, die sich stilistisch nicht festlegte, da der Einfluss der Bandkollegen Ron Wood und Rod Stewart zu groß war. Erst als Rod zu den Faces und Ron zu den Rolling Stones wechselte, schlug Jeff Beck die Jazzrockrichtung ein. Jimi Page wurde 1968 zum Mitbegründer von Led Zeppelin, die zur ersten richtigen Größe des Hardrocks wurde.
Im Mai 1968 nahm Iron Butterfly das Stück „In-A-Gadda-Da-Vida“ in unterschiedlichen Versionen auf und eine 17-Minuten-Variante landete auf der gleichnamigen LP. Das Stück begeisterte als kleines Kunstwerk nicht nur die Fachwelt, sondern ebenso die gesamte Rockszene. Für den Single Markt wurde eine 3-minütige Fassung erstellt, die es zwar nur auf Platz 30 in den US-Charts schaffte, doch wirkte der Song wie eine kleine Revolution. Plötzlich war der Trend geboren überlange Musikwerke zu schaffen. Joe Cocker interpretierte eindrucksvoll den Beatlessong „With a Little Help from My Friends”, wie eine sinfonische Ballade und nicht minder bemerkenswert, war das Meisterwerk von Barry Ryan „Eloise”. Die bombastischen und rockorientierten Songs schafften es trotz ihrer Überlänge (um die 5 Minuten) auf eine Single. Ebenfalls produzierten die Beatles mit „Hey Jude“ und die Rollings Stones mit „Symphatie For The Devil“ einen Song mit Überlänge auf eine Single.
Neben den Einfluss von Iron Butterfly, war es der Gitarrenvirtuose Jimi Hendrix, der mit seiner ekstatischen Spielweise maßgeblich die Rockszene inspirierte. Besonders das harte phasenweise überzogene Gitarrenspiel bei Zwischensolos, wurde typisch für Hardrockband. Led Zeppelin kombinierte Hendrix Gitarrenspiel mit Butterflys aggressiven, düsteren sinfonischen Sound. Ihr erstes Album von Januar 1969 verkaufte sich hervorragend und die Band wurde zur populärsten Hardrockband der Welt.

An dieser Stelle ist es notwendig, den Hardrock zu klassifizieren. Folkrock, Bluesrock und Psychedelicrock gab es bereits schon und gelten ebenso als Hardrock, aber sie bauten sich spezifisch auf andere Musikstile auf.
Der reine Hardrock versteht sich als dominante Linie zum Rock’n Roll, die durch den Effekt der harten Verlangsamung eine emotionale Tiefe erreichte und das instrumentale Spiel in den Vordergrund rückte, womit ein rhythmisches Gefüge aufgehoben wurde. Das heißt, innerhalb eines Songs wechselten die Spielarten (Tempo) und erhielten dadurch eine klassische Nuance. Gelang es Led Zeppelin noch Musikstücke unter 5 Minuten zu komponieren, ging der Trend zu langen sinfonischen Werken.
Im Grunde ist der reine Hardrock zur Kunstform geworden, der sich weder zum Tanzen noch zum Mitsingen eignete (unkommerziell). Sie hoben sich damit deutlich von den kommerziellen Hardrocktiteln der Zeit ab.

Ob „Honky Tonk Woman“ (Rolling Stones), „All Right Now” (Free), „Lola“ (Kinks) oder „Neandertal Man“ (Hotless), die zwar alle als Klassiker des Hardrocksounds gelten, aber genau genommen keine reine Hardrocktitel sind. Sie unterliegen anderen Einflüssen und haben untypischerweise eine durchgehende Melodie und einen Rhythmus. Aus diesem Grunde sind Status Quo und Golden Earing ein Grenzfall. Auf den Alben jener Gruppen befinden sich allerdings echte Hardrocksongs. Speziell „Radar Love“ von Golden Earing ist in der Albumversion ein wirklicher Klassiker des Hardrocks.
1968 gründete sich The Deep Purples und fanden zunächst wenig Beachtung, zumal ihre verschiedenen musikalischen Ansätze noch keinen Stil erkennen ließen. Erst mit den Album „Deep Purple“ (1969) beeindruckten sie die Kritiker mit dem 12 Minutenwerk „April“. Motiviert davon spielten sie die LP „Concerto for Group and Orchestra“ ein und fanden in den Kreisen der klassischen Musik eine hohe Anerkennung. Aber als Hardrockband machten sie sich mit „Deep Purple in Rock“ einen Namen. Das Rockstück „Speed King“ und die 10-minütige Ballade „Sweet Child in Time“ wurden zu Meilensteine des Hardrocks. In der Folgezeit wurde die Band zum Maß aller Dinge im Hardrockbereich und Led Zeppelin rutschte auf Rang zwei (dahinter). Deep Purple begriffen sich als künstlerische Band und produzierten kaum eine Single.
Die bekannteste Single ist der Klassiker „Smoke On The Water“ von 1974, ein Song, der bereit 1972 auf der LP „Mashine Head“ zu finden war. Zu einer weiteren großen Hardrock-band stieg Black Sabbath auf, deren Album „Black Sabbath“ sich 1970 sehr gut verkaufte und im selben Jahr mit der Single „Paranoid“ die Charts stürmte. Im Gegensatz zum rhythmischen „Paranoid“ bevorzugte die Band, auf ihren Konzerten, eher düstere bedrohliche Klänge und „Iron Man“ ist so ein typisches Meisterwerk. Ebenfalls 1970 machte Uriah Heep von sich reden, denen neben den Krachern „Gypsy“ und „Easy Livin“ ein sanftes „Lady In Black“ gelang. Bereits auf der ersten LP von 1970 enthalten, kam der Song nur schwer in die Gänge (1971 = 24.; 1975=44) und erst im dritten Anlauf erreichte der Song als Single 1977 nur Platz 5 in den deutschen Charts und wurde nun zum ewigen Evergreen.
Um das Jahr 1970 herum gab es nur wenig tanzbare Rockmusiktitel, der Beat wurde mit den Beatles begraben und die Musik aus den USA war den Europäern zu fremd. Die Masse empfand diesen Zustand als musikalischen Stillstand. Als Ersatz lebten Oldies auf und man war aufgeschlossen für diverse Musikarten, wie die Andenmusik („El Condor Pasa“) oder die Popversion zu Schillers/Beethovens klassischer Hymne „Lied an die Freude“ („A Song Of Joy“).
War das Jahr 1970 für die Mehrheit ein unbedeutendes Jahr, so feierten Hardrockfans das Jahr als genialen Höhepunkt. Neben den oben schon erwähnten Hardrockhits begeisterte der Latinrocker Carlos Santana mit dem Klassiker „Samba Pa Ti“ und machte „Black Magic Woman“ (ursprünglich von Fleedwood Mac) zum Hit. Mit „Lucky Man“ erfreute Emerson Lake & Palmer die Rockfans mit elektronischen Synthesizer-Klängen, CCR zeigten mit den 11-Minutenwerk „I Heard It Through The Grapevine“ seine monumentalen Fähigkeiten und Pink Floyd verließ mit der LP „Atom Heart Mother“ den Psychedelicsound und versuchte klassische Elemente mit Rock zu verbinden und verstärkte den Einsatz von Synthesizer- Effekten. Übrigens wurde das Synthesizergerät um 1970 kompakter und konnte nun auch bei Konzerten eingesetzt werden und war ein beliebtes Musikgerät der Krautrockerszene in Deutschland. 
Ab 1971 sollte sich mit dem Glamrock die Musikszene gewaltig ändern und die Hardrockbands ins deutliche Abseits bringen (siehe Abschnitt über die 70er Jahre).


Synthesizer
Basiert auf die Elektroorgel (Hammondorgel -1935) und wurde 1964 entwickelt. Es diente als Studiogerät für einige Rockbands, um Songs mit Effekten zu versehen. Speziell Pink Floyd und Emerson-Lake & Palmer kreierten daraus den Elektrosound. 1970 wurde das Gerät zur Kompaktanlage, bevor die Firma Yamaha 1976 ein multifunktionales Gerät konzipierte, dass dem heutigen Keyboard entspricht.


Prägende Merkmale (Hardrock/Jugendkultur)

Einmal abgesehen von den wenigen kommerziellen Hits begriffen sich Hardrocker eher als musikalische Künstler. Speziell auf den Konzertbühnen lebten sie ihre Musik und die entsprechende Inspiration aus. Dadurch war es normal, dass ein und derselbe Titel bei jedem Konzert verschieden, anders klang. Typisch für ihre unspektakulären Auftritte, war eine normale Alltagskleidung (Jeans), ohne Bühnenshow, aber mit langen Haaren.
Wie bei einem klassischen Konzert sollten die Zuhörer der Musik lauschen, sich emotional ansprechen lassen und sich euphorischen Gefühlen hingeben. Die Musiker selbst spielten sich bei ihren Soloparts in eine ekstatische Stimmung, die je nach der emotionalen Gefühlswelt, ein Lied, besonders in der Länge veränderten. Dementsprechend bedeuteten Schallplattenaufnahmen für Hardrocker mentale Schwerstarbeit, weil der Song nun ein konkretes Gesicht erhalten sollte. Dazu kam, dass sich in den sterilen Aufnahmestudios oftmals nicht die inspirative Kraft einstellen wollte, wie auf den Konzerten. Die geplante Version kam häufig nicht zustande oder die Idee ging wegen des fehlenden Feelings (Gefühl) verloren.
Später neigten deshalb Rockbands dazu Live-Mitschnitte auf den LPs zu veröffentlichen. Allerdings offenbarte die Studioarbeit auch gewisse Vorteile. Ein Song konnte mit den technischen Mitteln eindrucksvoll geglättet und im Ausdruck verstärkt und mit gezielten Effekten angereichert werden. Das Produzieren einer Single war oft problematisch, da der ausgesuchte Song gekürzt werden mussten, weil der eigentliche Song zu lang war.
Es gab auch Hardrocker, die sich dem kommerziellen Markt verweigerten und für ihren künstlerischen Anspruch lediglich LP’s bespielten. In der Marktstrategie stellte sich zudem heraus, dass ein breites Singleangebot einer Band, den Absatz von LPs beeinträchtigt. Die Praxis zeigte, dass sich die Mehrheit mit den regelmäßig erscheinenden Singles begnügen und deshalb keine teuren LPs kaufen würde.
Allerdings war es vorteilhaft die Hardrockfans mit einer Vorabsingle (Promotionsingle) anzufüttern, um den LP-Verkauf anzuheizen. Der Plan ging auf und sorgte für den Effekt, dass die wenigen Hardrocksingles in den Verkaufscharts Spitzenplätze erreichten. Hierzu ist anzumerken, dass der übersteigerte Verkauf nicht die Beliebtheit widerspiegelt, sondern eher den Umstand zu verdanken ist, sich eine Rarität gesichert zu haben.
Nur in den direkten Hörercharts von Jugendsendungen rangierten die wirklichen Hardrockhits auf den vorderen Rängen und viele Jugendsendungen stellten dazu LP-Auskopplungen für die Hitparade zur Wahl. Die Auskopplungen wurden von den Moderatoren regional unterschiedlich ausgesucht, sodass kein Beliebtheitstrend ablesbar war.

Schaut man sich dagegen die allgemeinen Hörercharts an (z. B.: von Radio Luxemburg), so finden sich dort sehr selten Hardrocktitel. Wenn man dann bedenkt, dass die Wahlbeteiligung (per Postkarte) bei den allgemeinen Charts wesentlich höher lag, als bei den reinen Jugendhitparaden, so müssen Singleerfolge von Hardrockbands relativiert werden. Die Rolling Stones, CCR oder The Kinks waren auch in den Singlecharts dauerhaft präsenter. Das heißt, Hardrocksingles (Deep Purples, Led Zeppelin u.a.) führten maximal vier Wochen die Single-Charts an, waren aber dann verschwunden, nachdem der Markt gesättigt war.
Zum besseren Verständnis dazu, wenn sie in einem Supermarkt ein Produkt häufig im Angebot finden (Popsingle), so ist ein stetiger Verkauf gegeben, gibt es aber ein Produkt im einmaligen Sonderangebot (Hardrocksong) setzt ein Run (panisches Besitzstreben) auf die begehrte Ware ein und ist schnell ausverkauft. Aus diesem Grund wurden Anfang der 70er Jahre die wenigen Hardrocksongs Nr.1-Hit in den Singlecharts. Ein weiteres Indiz dafür, dass Hardrock nicht die jugendliche Mehrheit erreichte, steht im Zusammenhang mit der Tanzbarkeit.
Schon im Beat wurde der althergebrachte Paartanz bei schnellen Beatsongs aufgelöst. Auch beim Twist wurde ein Körperkontakt (mit den Händen den Partner leiten) sicherheitshalber aufgegeben. Angesichts des neuen Lebensgefühls sollte jeder, ohne Partner und Tanzkurs, sein Gefühl zu einem Lied in Bewegung äußern können. Man kann aber davon ausgehen, dass sich über die weiblichen Tänzerinnen Tanzregeln durchsetzten. Entsprechend zum Takt der Musik wurde eine bestimmte Schrittfolge durchgeführt und bewegte den Oberkörper, meist mit angewinkelten Armen zum Rhythmus. Ebenso setzte sich nicht der ungebundene Tanz durch, sondern ein Tanzpaar stand sich stets gegenüber.
Im Gegensatz zum Beat fehlte dem Hardrock jedoch ein durchgängiger Rhythmus und zudem änderte sich innerhalb eines Liedes häufig die Taktfolge. Das führte dazu, dass man beim Tanzen an einem Ort verhaarte, nur noch die langen Haare schüttelte und mit den Armen umher gestikulierte. Für die weiblichen Teenager war die Tanzform sehr unbefriedigend. Als noch unangenehmer empfanden sie das körperenge Tanzen bei Rockballaden, dass heute sicherlich als sexuelle Belästigung gewertet werden würde. Mit langsamen Schritten drehte sich ein Paar im Kreis und der männliche Tänzer drückte den weiblichen Leib an sich heran und blieb mit den Händen nicht immer in den erlaubten Zonen.
Für ein verliebtes Pärchen war diese Tanzform außerordentlich stimulierend. Für ein erstes Kennenlernen wirkte die Tanzart (Nahkampfwalzer) eher aufdringlich. Dennoch besaßen Jugendtanzveranstaltungen eine magnetische Anziehungskraft, denn sie waren ein zentraler Treffpunkt der Jugend. Hier traf man sich mit Freunden, war ein Ort um jemanden kennenzulernen und konnte sich frei ohne Eltern zu amüsieren. Negative Randerscheinungen waren dabei häufige Schlägereien oder Beziehungsprobleme, oftmals angeheizt durch die aggressive Rockmusik.
Dazu sei gesagt, dass zu jener Zeit vielerorts lokale Rockbands die Hardrockhits nachspielten, musikalisch unflexibel waren und sich demzufolge das Aggressionspotenzial erhöhte. Erst seit Mitte der 60er Jahren setzten sich langsam Diskotheken (Schallplattenunterhaltung) durch, die sich dann, mehr an den Verkaufschart orientierten und einen friedvolleren Poprockmix anboten. Doch vor allem auf dem Lande, dominierten noch am Anfang der 70er Jahre die Rockbands, die zum Tanze aufspielten.
Die moderne Lebensart und -weise der Jugend wurde inzwischen akzeptiert und selbst in den ländlichen Gegenden wurden etwas längere Haare toleriert. Ein Umdenken der Gesellschaft wurde im Wesentlichen durch marktwirtschaftliche Interessen über zielgerichtete Werbung und unterschwelliger Agitation vollzogen. Große Teile der Wirtschaft profitierten vom Trend der Jugendlichen und bedienten den Bedarf. Coca Cola wurde zum Lieblingsgetränk und die Canerby Street (in London) diktierte den Modegeschmack. Die Zeitschrift Bravo wurde zum Kultmagazin und übte einen gewaltigen Einfluss auf die Jugend aus. Heuchlerisch zeigten sie Verständnis für die Jugend, publizierten ihre Themen und leiteten sie zu einem gewünschten Denken, diktierten den Modegeschmack und verführten die Sinne mit Sex und Kommerz.
Die Jugend begab sich auf die Fährte eines vorgetäuschten modernen Zeitgeistes und ließ sich auf die alten Werte lenken und merkte nicht, dass nur einige überholte Denkweisen an den Pranger gestellt wurden. Die meisten Jugendsendungen waren dahingehend gestrickt. Konkret wurden über die Popmusik die Jugendlichen zum profitablen Werkzeug der Unter-haltungsindustrie. Neben den Verkauf von Schallplatten und Plattenspieler ließen sich die Künstler hervorragend vermarkten. Das Mindeste war ein Starposter, das ein Fan besitzen sollte und man kleidete sich dem Idol entsprechend.
Im Kino gab es Musikkomödien, die für den jugendlichen Markt gedacht waren, die ein bisschen frech („Die Lümmel von der ersten Bank“), aber bewusst ein Saubermannimage prägten. Die männlichen Darsteller trugen ansehnliche Langhaarfrisuren, die nur das Ohr bedeckten durften, aber nicht die Schulter. Der passende Jeans-Look war eine Mischung aus Hippieflair und konservative Freizeitmode. Die Mädchen in solchen Streifen waren in Jeans oder einen Minirock zu sehen, ohne dabei sexuell aufreizend zu wirken. Modisch wurden sie auf den farbenfrohen Hippiestyle getrimmt, gemäß der angesagten Mode aus London. Tatsächlich folgte die Mehrheit der propagierten Mode und ließ sich von den getarnten alten Vorstellungen von Sitte und Moral fangen.
Ab und zu tauchten Gammler in solchen Filmen auf und wurden bewusst negativ dargestellt oder wurden bekehrt. Der verwahrlost und schmutzig wirkenden Gammlerstyle, war aber die bevorzugte Mode der Hardrocker und seiner Fans. Dieser Umstand sorgte dafür, dass Hard-rockbands kaum in den Medien gezeigt wurden. Selbst im TV-Beatclub wurde darauf geachtet, dass die Bands nur in akzeptabler Kleidung auftraten und die langen Haare gepflegt sein mussten. Das zog unweigerlich alltägliche Konsequenzen mit sich, die Hardrockfans ins Abseits rückten und beruflich und gesellschaftlich ausgegrenzten (Gaststättenverbot).
Notgedrungen kürzten die Rockfans ihre Haare, frisierten sich und passten sich mit der Kleidung an. Speziell das Fernsehen erzielte in jener Richtung eine enorme Massenwirkung und gab das neue Jugendbild vor. Angesichts der 68er Bewegung gab sich das BRD-Fernsehen jugendlich und modern, um einer erneuten Rebellion den Nährboden zu entziehen. Bewusst stellte das Fernsehen die Jugendlichen in modischer und adretter Kleidung dar, zeigte sich großzügig gegenüber einigen Dreistigkeiten und belächelte verblümt ihr ungestümes Selbstbewusstsein.
Zugleich vermittelten sie deutlich, ihren Stolz auf eine engagierte und gesellschaftlich bewusste heranreifende Generation. Besonders in Showsendungen wurde ein sympathisches Bild von Jugendlichen vermittelt. Wesentliche Vorreiter und Vorbilder waren Schlagersänger und einer von ihnen wurde zum Vorzeigehippie. Der Franzose Ricky Shayne, der im englischen Slang sang und in Ägypten geboren wurde. Ricky sang biedere Liebeslieder im poppigen Hippieflair. Seine üppige Lockenpracht und ein weit ausgeschnittenes Oberhemd, das seine Brustbehaarung zeigte, wurden typisch für ihn.
Christian Anders folgte als erster deutscher Schlagersänger, der ebenfalls die Haare über die Ohren trug und ein ausgeschnittenes Hemd trug. Mit rührseligen Liebesleid begeisterte er die weiblichen Fans. Schon kurz danach gehörten Haare übers Ohr zum unerlässlichen Image jedes jugendlichen Schlagersängers. Sicherlich haben solche Schlager auch eine suggestive Kraft auf die ältere Generation entfacht. Mit dem Wohlgefallen sank der Widerstand gegen die moderne Jugendkultur.
Die ZDF-Hitparade mauserte sich indes zum Trendsetter und die ZDF-Disco gaukelte dem Zuschauer eine brave Jugend vor. Obwohl die ältere Generation über manche Rocksongs verärgert waren, so verstand es, das Team um Ilja Richter, eine ausgewogene Mischung mit schlagerhaftem Pop zu gestalten.
Der legendäre Beatclub verzichtete ab 1969 auf Zuschauer und bot stattdessen progressive Studiomusik an. Sie entfernten sich von den Hitparaden und spielten künstlerische Rock-musik. Dadurch gab es Deep Purples, Status Quo oder Black Sabbath im Fernsehen zu sehen. Mal abgesehen von den wenigen Highlights mochte nicht jeder Hardrock und schon gar nicht unbekannte Bands. 1972 sanken die Einschaltquoten so enorm, dass die Sendung eingestellt wurde und später mit neuem Konzept als Musikladen wieder erwachte.
Die Mehrheit liebte tanzbare Popsongs, und weil es so wenige gab, lag der Schlager wieder im jugendlichen Trend. Zudem ließen sie sich in den Kommerz leiten, genossen das Leben und entdeckten die Sexualität. Die sogenannten Aufklärungsfilme (Oswalt Kolle) wurden von der männlichen Jugend als Softpornos gesehen, versuchten an Vaters Playboy (Sexzeitschrift) heranzukommen oder gierten danach heimlich die großbrüstigen Mädchen in den Rush Meyer Filmen zu sehen. Im Kino begeisterten Brigitte Bardot und Claudia Cardinale mit ihrem erotischen Charme. Aus den USA kam Jane Fonda dazu, die sich zunächst kindlich naiv gab, bis auch sie ein selbstbewusstes Frauenbild verkörperte.

Am Rande der Gesellschaft machten immer wieder Extreme auf sich aufmerksam. Provokant stellte sich die Kommune 1 dar, die mit ihrem mehrköpfigen Zusammenleben in einer Wohngemeinschaft die Öffentlichkeit mit verschiedenen Aktionen brüskierten. Mit ersten Terrormaßnahmen brachte sich die RAF in die Schlagzeilen und fanden zahlreiche Sympathisanten, die ebenso ein Handeln gegen den Kapitalismus befürworteten.
Ebenso stieg die Zahl der Drogentoten, obwohl nach dem Tod von Brian Jones (Rolling Stones), Jimi Hendrix, Janis Joplin und Jim Morrison (Doors) ein Umdenken stattfand.
Der neue Luxus hat daran großen Anteil. Mit steigendem Wohlstand wuchs auch die Kluft zwischen Arm und Reich. Für die etwas Wohlgestellten gehörten Drogenfeten zu guten Ton und für die Mittellosen waren Drogen eine Flucht aus der Realität. Gefährdet waren Jugendliche aus asozialem Milieu (Kinder von Trinker, Schläger und Prostituierten), einem kriminellem Umfeld oder ärmlichem Elternhaus. Sie sahen sich häufig nur als Zuschauer am Rand der Glitzerwelt, werteten sich als Versager und betäubten ihre Sinne mit dem gefährlichen Stoff. Die ursprünglichen Hippies gab es nicht mehr, denen Geld und Status egal waren. Die Modehippies rückten ins Rampenlicht und kapselten sich von den ärmlich Aussehenden ab, die als Gammler oder Fixer (Drogensüchtige) abgestempelt wurden.