01. Die 60er Jahre (politisch)

Die 60er Jahre (politisch)

0. Allgemeine Betrachtung

Die Topereignisse der 60er Jahre 
1. Die Berliner Mauer
2. Kuba - Krise, der beinahe 3. Weltkrieg

3. Internationale  Krisenherde
4. Studentenunruhen

Allgemeine Betrachtung

Das revolutionäre Jahrzehnt stand im Zeichen des Umbruchs und forderte Freiheit und Gerechtigkeit. Die Jugend emanzipierte sich von der Erwachsenenwelt und probierte neue Lebensformen. Die neue Jugendmusik Beat motivierte sie dazu alles zu hinterfragen. Sie hoben die Frauen in die Gleichberechtigung; forderten die politische Mitsprache; klagten die versprochene Demokratie ein und ächteten den Krieg.
In den USA sollten alle Staatsbürger gleich vor der Verfassung sein, unabhängig von der Hautfarbe (Black & White) und forderten das Ende des Vietnamkrieges. Mit dem „Summer Of Love“ versuchten Hippies mit den Werten der Liebe für eine friedvolle Welt zu werben. Leider versumpfte der Flower Power Kult im Drogenrausch und die Mehrheit der Bürger sahen in ihnen zugekiffte Spinner.

Schließlich stiegen die Studenten auf die Barrikaden und verschafften sich in Europa und den USA gehör. Es wurde Zeit für eine radikale Erneuerung und Che Guevara (Bild), Ho Chi Minh, Dr. Martin Luther King und auch Karl Marx waren ihre Idole. Die sozialistische Idee wurde zur Basis des Demokratieverständnisses, nicht aber der praktizierte Sozialismus im Ostblock, der diktatorisch die freie Meinung knebelte. Zudem mauerte die DDR ihr Volk ein und trennte menschenverachtend Familien in Ost und West.
Die protestierende Jugend wurde in Westeuropa von der Polizei brutal auseinander geknüppelt und in der Tschechoslowakei walzten sowjetische Panzer den Protest nieder. Speziell in der Bundesrepublik scheiterten die 68er Studentenunruhen, da ihnen der Rückhalt in der Bevölkerung fehlte. Andererseits konnten sie kein überzeugendes Kampfprogramm definieren und verloren sich häufig in wortklauberischen Diskussionen, ohne auf den Punkt zu kommen.
In Afrika und Asien setzte die große Unabhängigkeitsbewegung ein, die ihre europäischen Kolonialherren endgültig aus ihrem Land jagten. Durch die Ächtung des Krieges waren junge Männer nicht mehr bereit in irgendeinem fernen Land für eine fragwürdige Sache zu ver-bluten. Obendrein kamen massive Proteste gegen jede Art von Militäreinsätze.

Anfang der 60er Jahre verhinderte der US-Präsident John F. Kennedy, dass die Kubakrise unberechenbar eskalieren konnte, und wurde dafür ermordet. Einige Jahre später fand auch sein Bruder Robert Kennedy den Tod, weil er den Vietnamkrieg beenden wollte. Die Helden der 60er Jahre lebten gefährlich und der Bürgerrechtler Martin Luther King war ein weiteres populäres Opfer, der den ewig Gestrigen im Weg stand. Doch nach dem Tod lebten sie weiter, ihr Geist bewirkte große Veränderungen, deren Früchte in den 70er Jahren geerntet werden konnten. Dem Imperialismus wurden die Klauen gestutzt und die kapitalistischen Staaten waren zur friedlichen Koexistenz mit den sozialistischen Staaten gezwungen.
Am Ende der 60er Jahre war die Jugend müde von endlosen revolutionären Gerede und außerdem tat sich etwas gesellschaftlich. Also lehnte man sich zurück und konsumierte das Leben. Sie tranken Coca Cola und kleideten sich in der Carnaby Street ein.
Sie stürmten in die Kinos und wollten unter anderem die sogenannten Aufklärungsfilme sehen und holten sich Impulse für die neuen sexuellen Freiheiten.
Aus Beat wurde Hardrock, der sich progressiv mit der Vermarktung der Musikindustrie auseinandersetzte und einer engagierten Jugend, die klar formulierte Themen lieferte. Ihr Weltbild wurde fundamentierter, in dem auch ein gewisses Konsumdenken passte. Es wuchs eine Jugend heran, die nicht mehr Reden, sondern handeln wollte, allerdings auch in extremer Form (RAF).
Am Ende der 60er Jahre schien sich alles fortschrittlich zu entwickeln. In kapitalistischen, aber auch sozialistischen Staaten, machten die Regierungen der Jugend gegenüber manche Zugeständnisse. Mehr um den unberechenbaren Unruheherd zu beruhigen. In der Weltwirtschaft spielten Staatssysteme nur noch eine untergeordnete Rolle und auf dieser Basis wurde der politische Umgangston zwischen Ost und West freundlicher.

Sportlich und kulturell legten sich die Differenzen und ließen Großereignisse zu Festen der Völkerverständigung werden.
Zusammenfassend knüpfte die Jugendbewegung der 60er Jahre an die Rock‘n Roll Rebellion der 50er Jahre an. Das unkonkrete Ausprobieren stellte die Weichen für eine emanzipierte Jugend, die darüber hinaus eigene Weltvorstellungen ausprobierte. Von den Blumenkindern über die Studentenunruhen konkretisierte sich die Weltsicht für die 70er Generation, die nun auf ein vorgefertigtes Fundament zurückgreifen konnte. Die Regierungen der Welt hatten es mit einer Jugend zu tun, die sich klar definieren konnte und somit zur unkalkulierbaren Größe wurde.

1. Die Berliner Mauer ( Grenze )

Am 3. April 1961 unternahm die UdSSR einen letzten Versuch Berlin einen entmilitarisierten Status zu geben. Ähnlich wie Monaco, sollte Gesamtberlin eine souveräne, neutrale Handelszelle werden. Moskau versprach sich dadurch wirtschaftliche Vorteile, doch die Westmächte befürchteten die Vereinnahmung der gesamten Stadt. Nachdem die Gespräche mit den USA, in Wien scheiterten, gab Moskau der SED Regierung grünes Licht für die geplanten Grenzsicherungsmaßnahmen.
Bislang wurde ab 1952 nur eine innerdeutsche Grenze („Grüne Grenze“) aufgebaut, die stetig erweitert wurde. Westberlin verfügte dagegen über keine richtige Grenze und war somit die Tür zum Westen, mit vielen Problemen behaftet. Einerseits flohen zu viele qualifizierte Fachkräfte, angelockt von der BRD, und andererseits gelangten ungehindert Spione, Agenten und Saboteure in die DDR. Der wirtschaftliche Schaden war erheblich und behinderte den Aufschwung des Landes. Zudem verschärfte sich der Ton der Bundesrepublik gegenüber der DDR. Aufgrund der zunehmenden internationalen Anerkennung der DDR konnte die BRD den deutschen Alleinanspruch in der Welt nicht durchsetzen und es bröckelten langsam die Isolierungsversuche des Westens, besonders auf sportlicher und kultureller Ebene.
Algerienkrieg und beginnende Kubakrise lieferten schließlich der DDR Propaganda die Argumente für eine imperialistische Bedrohung. Die Grenze wurde als „Antifaschistischer Schutzwall“ interpretiert. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen Truppen der NVA, der Grenzpolizei, der Volkspolizei und Betriebskampfgruppen die Straßen und Gleiswege nach West-Berlin abzuriegeln. Bauarbeiter setzten die vorgefertigte Betonteile ein und an schwerzugänglichen Stellen wurden Mauern errichtet. Bei der Sicherung und den Arbeiten nutzten einige noch die Gelegenheit zur Flucht. Da eine Eskalation zu befürchten war, befand sich das sowjetische Militär in höchster Gefechtsbereitschaft, um vor allem einen möglichen militärischen Angriff der Alliierten abzuwehren. Am Checkpoint Charlie (Friedrichstraße) kam es zu einer heiklen Situation, bei der sich amerikanische und sowjetische Panzer gegenüberstanden. Das Nervenspiel wurde am nächsten Tag beendet.

Trotzdem die Bundesrepublik von den bevorstehenden Grenzsicherungsmaßnahmen wusste, waren sie jedoch vom Zeitpunkt, der Perfektion und der Organisation sehr überrascht.
Die Reaktionen auf den Mauerbau fielen in Westeuropa zurückhaltend aus, lediglich der Westberliner Bürgermeister Willy Brandt verurteilte die Grenze als menschenverachtendes Bollwerk und prägte das Bild von den eingesperrten Brüdern in der DDR. Erst nach dem vollendeten Mauerbau kritisierte die imperialistische Welt die Grenze, unter anderem John F. Kennedy, bei seinem Berlinbesuch, mit seinem legendären Bekenntnis „Ich bin ein Berliner!“ 

Zitate während des Mauerbaus:
„Keine sehr schöne Lösung, aber tausendmal besser als Krieg.“ - US-Präsident J. F. Kennedy 
„Die Ostdeutschen halten den Flüchtlingsstrom auf und verschanzen sich hinter einem noch dichteren Eisernen Vorhang. Daran ist an sich nichts Gesetzwidriges.“ - Britischer Premierminister Harold Mac Millan

Exkurs – Grenze: Die Berliner Grenze wurde von seiner Struktur her nach amerikanischem Vorbild (Grenze USA/Mexiko) ausgebaut. Die Grenzsoldaten verstanden sich vorrangig als Armee, zur Abwehr eines möglichen Militärschlages aus der Bundesrepublik. Das Grenzhinterland sicherte die Polizei gegen Grenzverletzer und Schlepperbanden. Laut der Vergatterung sollten Grenzverletzer verbal und anschließend mit einem Warnschuss gestoppt werden. Nur als letztes Mittel durften gezielte Schüsse in die Beine abgegeben werden. Tödliche Schüsse waren nur erlaubt, wenn das eigene Leben bedroht war.
Die Realität sah aber anders aus, so wurden tödlich Getroffene offiziell als tragische Unfälle bezeichnet. Dazu sollte man wissen, dass sich Grenzsoldaten vor der Staatssicherheit zu verantworten hatten, wenn sie einen Flüchtigen nicht stellen konnten. Den Soldaten wurde unterstellt, geschlafen zu haben, unachtsam gewesen zu sein oder sogar Beihilfe zur Flucht geleistet zu haben, und konnten zu Haftstrafen verurteilt werden. Viele Soldaten schossen daher gezielt auf Flüchtlinge, statt selbst im Stasigefängnis zu landen. Speziell die westlichen Medien unterstellten den Grenzern sowieso, dass sie schießwütig seien. Grenzsoldaten waren daher auch bei der DDR Bevölkerung sehr unbeliebt. Andererseits kannte jeder Flüchtige das hohe Risiko und einige davon versuchten die Grenzposten auszuschalten. Die vielen getöteten Wachposten, machten die Grenzsoldaten zusätzlich nervös und schossen manchmal vorschnell auf Flüchtige.

File:Structure of Berlin Wall-info-de.svg Bilanz: Bis zum Mauerbau flohen etwa 2,6 Millionen Bürger aus der DDR, davon nutzten während des Mauerbaus 47.000 Bürger offene Schlupflöcher oder vollzogen waghalsige Aktionen zur Flucht. Circa 500 Personen gelang dann, bis zum Fall der Mauer die Flucht über die Grenze, meistens über die „Grünen Grenze“ (Bundesrepublik). Etwa 80 Flüchtlinge wurden an der Grenze erschossen, dagegen verloren 150 Grenzsoldaten ihr Leben, wovon mindestens 50 eigene Unfälle waren (Umgang mit Waffen; eigene Kameraden für Flüchtlinge gehalten). Nach inoffiziellen Schätzungen wurden etwa 2.000 Flüchtige an der Grenze verhaften. Die spektakulärsten Fluchtarten waren: mit einem Heißluftballon, über die Ostsee geschwommen, Tunnelbau unter die Grenze. 

Grafik- Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Structure_of_Berlin_Wall-info-de.svg

 

 

2. Kuba - Krise, der beinahe 3. Weltkrieg

Im Januar 1959 vertrieben die Guerillas den Diktator Fulgencio Batista aus Kuba. Fidel Castro und Ernesto Che Guevara bauten Kuba zu einem sozialistischen Staat auf. Im selben Jahr nimmt Kuba diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion auf und verstaatlicht die ausländischen Firmen (meistens US-Unternehmen). Am 19. 10. 1960 verhängten die USA umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen Kuba und schleusten Saboteure und Konterrevolutionäre ins Land. Jene Maßnahmen blieben ohne Wirkung und somit leitete die CIA am 17. April 1961 die Invasion von Kontra-Revolutionären in der kubanischen Schweinebucht ein. Nachdem die Landung scheiterte, erklärt sich die Sowjetunion als Schutzmacht für Kuba.
Das Klima zwischen den Großmächten verschärft sich, als die Sowjetunion 40.000 Soldaten stationierte und damit begann Nuklearraketen aufzustellen. Für die Sowjetunion war das eine willkommene Gelegenheit die taktischen Defizite zur USA auszugleichen. Über die Türkei verfügten die USA über Nuklearraketen unmittelbar an der Grenze zur Sowjetunion.

Die sowjetischen Atomraketen auf Kuba waren wiederum der USA zu nahe. Neben den Atomraketen befürchteten die USA, dass sich der kubanische Sozialismus zum Flächenbrand über Süd- und Mittelamerika entwickeln könnte. Am 14. 10. 1962 genehmigte die US-Regierung umfangreiche Aufklärungsflüge über Kuba, worauf die UdSSR scharf protestierte. Bei einer Sitzung der US-Regierung wurden verschiedene Pläne erörtert das Problem Kuba zu beseitigen, bei der das Militär mehrheitlich eine Invasion auf Kuba favorisierte.
Dem entgegen entschied sich Präsident John F. Kennedy für eine Seeblockade Kubas, befürchtete aber zugleich Kampfhandlungen. Am 22. 10. 1962 wurden deshalb die US-Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft versetzt und nach Florida verlegt. Die NATO Verbündeten wurden vom Handeln der USA in Kenntnis gesetzt und kurze Zeit später errichtete die US-Navy mit 200 Kriegsschiffen eine Seeblockade. Zeitgleich wurde der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow aufgefordert, die Atomraketen aus Kuba abzuziehen. Chruschtschow wies die Forderung zurück und verlangte dagegen ein Ende der Seeblockade und unterstrich, dass die stationierten Raketen nur der Verteidigung dienen würden. Sowjetische Kriegsschiffe nahmen indes am 24. Oktober Kurs auf die Seeblockade, wichen aber einen Konflikt aus und drehten ab. Hinter der Aktion steckte allerdings ein Ablenkungsmanöver, sodass andere Militär- und Transportschiffe Kuba sicher erreichten. Nach dem Täuschungsmanöver bot Chruschtschow dem US-Präsidenten Kennedy den Abzug der Nuklearraketen an, der im Gegenzug auf jegliche Invasionspläne verzichten und die Blockade beenden sollte.
Am 26. Oktober zwingt ein US-Zerstörer ein sowjetisches U-Boot zum Auftauchen.
Glücklicherweise handelte der sowjetische Offizier Arkhipov besonnen und feuerte, entgegen seiner Order, keine Torpedos ab. Ebenso löste der Abschuss eines US-Aufklärungsflugzeuges über Kuba keine Kampfhandlungen aus. Indes wurde John F. Kennedy von seinen Beratern gedrängt die Invasion zu befehlen, jedoch er setzt weiter auf Verhandlungen. In geheimen Gesprächen zwischen Kennedy und Chruschtschow einigen sie sich auf eine Lösung. Die Sowjetunion sollte seine Atomraketen aus Kuba abziehen, worauf die USA seinerseits die Raketen aus der Türkei entfernt und die Souveränität Kubas garantierte.
Am Sonntag dem 28. 10. 1962 fand die Kubakrise sein Ende und ist ein Produkt der beiderseitigen Deeskalationspolitik, die auf Verhandeln setzte. John F. Kennedy wagt als erster Präsident der USA ein Zugehen auf die Sowjetunion, worauf mit gegenseitigem Respekt Schritte der Annäherung folgten.
Unter anderem handelten die Großmächte ein Atomwaffenteststopp (Abkommen) aus und um Konflikte schneller lösen zu können, wurde 1963 zwischen Moskau und Washington eine Direktverbindung („Heißer Draht“) geschaffen.
Leider wurde am 22. 11. 1963 John F. Kennedy ermordet. Es spricht vieles dafür, dass die CIA hinter dem Attentat steckte. Der liberale Kurs Kennedys ging einflussreichen Kräften zu weit und verhinderte wirtschaftliche und militärische Interessen. Der gewünschte Kubakrieg kam nicht zustande, stattdessen hatte er einen sozialistischen Staat in unmittelbarer Nähe der USA zugelassen. Aber erst sein Verhalten zum Vietnamkrieg brachte das Fass zum Überlaufen. Obwohl Kennedy damit einverstanden war das Regime in Südvietnam mit einer Eliteeinheit und Militärberater zu unterstützen, so lehnte er das Eingreifen regulärer Truppen ab. Der Demokrat Lyndon B. Johnson wurde neuer Präsident und setzte den Entspannungskurs zur Sowjetunion sporadisch fort, beugte sich aber militärischen und wirtschaftlichen Interessen. Außenpolitisch wurde die Hilfe für das Regime in Südvietnam verstärkt und unterstützte Israel gegen die pro-sowjetischen arabischen Staaten. Innenpolitisch wurde die Rassentrennung aufgehoben und ein Gesetzespapier zum Kampf gegen die Armut durchgesetzt. Im Prinzip galt es dem sozialistischen Kuba eine bessere kapitalistische Demokratie entgegenzustellen.

3. Internationale  Krisenherde
Die imperialistischen Mächte verloren an Einfluss und Ansehen in einer Welt, in der sich die unabhängigen Staaten der Sowjetunion zuwandten.

Kolonialreiche:
1960 erlangten 18 Länder ihre Unabhängigkeit, mehrheitlich von Frankreich.
Der französische Präsident Charles de Gaulle änderte radikal seine Außenpolitik. Der sonst eher als Nationalist bekannte Politiker setzte auf Völkerverständigung und Frieden. Es waren vermutlich wirtschaftliche Gründe, die ihn dazu bewogen, die Kolonien freizugeben. Zum größten Problem entwickelte sich aber Algerien. Die muslimische Befreiungsbewegung auf der einen Seite, aber die Algerienfranzosen (Siedler) auf der anderen Seite, brachte die französische Regierung in eine Zwangslage. Präsident Charles de Gaulle wollte eine kontrollierte Unabhängigkeit durchsetzen und verärgerte damit besonders die Algerienfranzosen. Die Spannungen weiteten sich zu einem bürgerkriegsähnlichen Konflikt aus. Erst die gewaltige Solidarität des französischen Volkes für de Gaulle beendete den militanten Widerstand der französischen Truppen in Algerien. Kurz darauf entließ Frankreich Algerien in die bedingungslose Unabhängigkeit.
Das britische Empire wollte seinerseits einen solchen militärischen Konflikt aus dem Wege gehen. Zudem war ihr Riesenreich logistisch nicht mehr zu finanzieren und musste ebenso Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen. Über das Angebot eines losen Staatenbündnis, Commonwealth of Nation, konnte Großbritannien seine wirtschaftlichen Defizite mildern. Schließlich eskalierte der Konflikt zwischen einheimischen Mau-Mau’s und britischen Siedlern in Kenia. Nach den ersten toten Siedlern war das britische Militär 1963 zum Eingreifen gezwungen. Etwa 63 Soldaten und 33 Siedler starben, dagegen wurden mindestens 20.000 Rebellen getötet.
Aufgrund der hohen Opferzahlen aufseiten der Einheimischen wurden dem britischen Militär Gräueltaten vorgeworfen. Als sich die britischen Siedler in Sicherheit befanden, wurde umgehend Kenia in die Unabhängigkeit entlassen. Ende 1964 gab es faktisch keine britische Kolonie mehr in Afrika. Weltweit blieben dem britischen Empire nur 14 kleine Inseln übrig, die mehr als Stützpunkte fungierten. Mit dem Commonwealth of Nation hatte Britannien allerdings ein Staatenbündnis geschaffen, das den Mitgliedsstaaten wirtschaftliche Vorteile brachten. Oberhaupt der Überseegemeinschaft war die Königin von England zu deren Mitglieder/ Länder wie Kanada, Australien, Neuseeland, aber auch Indien, Kenia, Kamerun usw. gehörten.

Wirtschaftsmächte: 
Die ehemaligen Kolonialmächte passten den politischen Kurs dem Zeitgeist an und ver-suchten verlorenen Boden gutzumachen. Die entstandenen Jungen Nationalstaaten standen den ehemaligen Kolonialmächten skeptisch gegenüber, waren zu einer unberechenbaren Größe geworden und suchten sich neue Orientierungspunkte. Speziell der Einfluss der sozialistischen Idee ließ die Sowjetunion wirtschaftlich und politisch expandieren. Es bestand für die kapitalistische Welt die Gefahr, große Teile des Weltmarktes zu verlieren. Lediglich die reformierten USA konnte das Vertrauen unabhängigen Staaten für sich gewinnen.
Der demokratische Kurs, die Wirtschaftsstärke und der hohe Lebensstandard der USA beeindruckten die Welt. Vermutlich hätten die USA mit John F. Kennedy den Einfluss der UdSSR deutlich mindern können, aber einflussreiche Kräfte entschieden sich für den falschen Weg. Vietnamkrieg, Nahostpolitik und die Unterstützung der Terrorregime in Lateinamerika schädigten das Image der USA gewaltig.

Vietnamkrieg:
Nach dem Indochina-Krieg der Franzosen teilte sich Vietnam 1954 in den kommunistischen Norden und dem republikanischen Süden. Nachdem 1956 die letzten französischen Truppen Südvietnam verließen, unterstützte die USA das Land. Mit dem Nationalisten Dinh Diem herrschte ein Terrorregime über Südvietnam und ging brutal gegen vermeintliche Gegner vor. Speziell der blutige Konflikt mit den Buddhisten weckte beim Volk Sympathien für die Kommunisten. Beim Militärputsch von 1963 wurde Dinh Diem getötet und General Van Minh übernahm die Macht. Inzwischen war der bewaffnete Widerstand gewachsen und die Militärjunta reagierte ebenso brutal gegen vermeintliche Kommunisten und deren Helfer. Innerhalb des Militärs kam es zu Differenzen, dem ein blutiger Machtwechsel folgte und jeder folgende Regierungskonflikt verstärkte die nationale Instabilität. Gestärkt aus diesem Chaos gingen die Vietcong hervor. Erst 1965 konnten die USA das Militär schicken, um die Republik Südvietnam zu retten. Bisher hatte John F. Kennedy den Einsatz regulärer Truppen abgelehnt, zumal das Saigoner Regime wegen der brutalen Machtausübung stark kritisiert wurde.
Im Nachhinein betrachtet, war das verspätete Eingreifen des US-Militärs ein Fehler, wodurch die Vietcong erst so stark werden konnten. Das eigentliche Problem war aber der unerwartet heftige Widerstand. Da ein schneller militärischer Sieg nicht zustande kam, setzte das Militär Napalm ein. Die zähflüssige, klebrige Masse verursachte eine starke Brandentwicklung, die auch gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt wurde. Kriegsreporter wurden Zeugen der schrecklichen Wirkung der Brandwaffen und schickten die grausamen Bilder um die Welt. Sie zeigten die Qualen von Brandmalen bei Frauen, Kinder und alten Leuten, dokumentierten die verkohlten Leichen und berichteten von Massakern gegenüber der Bevölkerung, weil sie angeblich den Vietcong unterstützten. Weltweit erhob sich der Protest gegen den US- Vietnamkrieg und in den USA war es die Studentenbewegung, die den Krieg thematisierte. Ungeachtet der Proteste tötete das amerikanische Militär weiter. Zwischenzeitlich hoffte die Welt auf Robert Kennedy, der zum Wahlkampf in den USA antrat, der unter anderem ein Ende des Vietnamkrieges versprach.

Am 6. Juni 1968 wurde er Opfer eines Attentaten, dessen Täter ihn eigentlich wegen der amerikanischen Nahostpolitik ermordete.
Der Vietnam-Krieg aber tobte bis in die 70er Jahre hinein und Ende der 60er Jahre wurden die Nachbarstaaten Kambodscha, Laos und auch Nordvietnam in den Krieg hineingezogen. Grund dafür war die Unterstützung Nordvietnams mit Waffen und Freiwilligen für die Vietcong, außerdem nutzten die Rebellen die Grenzgebiete zum Rückzug, sammelten sich und organisierten Aktionen gegen das US- Militär. International wurde die USA nun auch von kapitalistischen Staaten kritisiert und speziell die ehemalige Kolonialmacht Frankreich suchte nach einer schnellen diplomatischen Lösung.
Schätzungsweise starben 1,5 bis 2 Millionen Vietnamesen, darunter mindestens 500.000 Zivilisten. Etwa 58.000 US-Soldaten starben und 150.000 wurden verwundet. Das Trauma von Vietnam trieben viele US-Soldaten nachträglich zum Selbstmord oder in die Drogensucht. Untersuchungen sprechen davon, dass 60.000 Soldaten mittelbar oder unmittelbar an den Folgen des Traumas sich das Leben nahmen oder an Drogen starben. Nach dem Krieg sprach Vietnam von 4 Millionen Opfer und das USA- Militär vertuschte die wahren Opferzahlen. Zumindest müssen etwa 1 Million Opfer hinzugerechnet werden, die an den Spät-folgen der biologischen und chemischen Waffen, sowie Napalmbrandbomben der USA starben. Umweltschäden und Vergiftungen führten ebenso zu zahlreichen Missgeburten.

Israel und der Nahe Osten:
Am 5. Juni 1967 kam die israelische Armee einen arabischen Angriff zuvor und griff ohne Vorwarnung ägyptische, jordanische und syrische Militärflughäfen an. Die Hauptstreitmacht Ägypten verlor innerhalb kürzester Zeit 385 Kampfflugzeuge und 30 Bomber. Nach dem Handstreich verfügte Israel über die absolute Lufthoheit und fügte in den folgenden fünf Tagen den arabischen Invasoren eine schmachvolle Niederlage bei. Auf israelischer Seite starben 766 Soldaten und auf arabischer Seite fanden 35.000 Soldaten den Tod.
Im Zuge des Überraschungsangriffs besetzte Israel die ägyptische Sinaihalbinsel, die syrischen Golanhöhen und den Westen Jordaniens (Westjordanland) als Sicherheitszone. Besonders schmerzlich war es für die Palästinenser, die auf eine Vertreibung der Juden hofften. Angesichts der arabischen Niederlage beschloss, die am 28. 05. 1964 gegründete PLO in den Untergrund zu gehen. Unter der Leitung von Jassir Arafat folgten ein Jahr später die ersten Terrorakte gegen Israel. Im Hintergrund des Nahost-Konflikts zogen die USA und die Sowjetunion die Fäden. Durch die Unterstützung Israels hoffte die USA den sozialistischen Trend zu stoppen. Die palästinensische Forderung nach einem eigenen Staat kam der USA sehr gelegen, sahen sich angesichts der sowjetisch orientierten Nachbarn berufen ihnen zu helfen. Die USA regte Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern an.
Das Fiasko im 6-Tage Krieg schädigte nicht nur die Führungsrolle Ägyptens in der arabischen Welt, sondern auch die Kritik über den richtigen Weg und den richtigen Verbündeten. Ägypten und Syrien waren die einzigen arabischen Staaten, die mit diktatorischen Mitteln den sozialistischen Weg durchsetzten. Jordanien war ein Königreich und wollte es auch bleiben und die erst junge Republik Algerien musste erst mal zu sich selbst finden.
Die sowjetische Politik in der arabischen Welt drohte zu scheitern, aber auch die USA wurde von der demokratischen Welt heftig kritisiert. Letztendlich wollte das arabische Volk seinen eigenen Weg gehen. Der sowjetische Sozialismus mischte sich zu stark in islamische Glaubenstraditionen ein (wie Frauengleichberechtigung) und der USA Imperialismus stützte zu sehr die Herrschaftskasten (Emir, Schah), wodurch das Volk rechtlos an der Armutsgrenze gehalten wurde. Die USA war letztlich auch jene Macht, die Israel schützten und dadurch den muslimischen Glaubensbrüdern, den Palästinensern, ihr Recht auf eine Heimat nahm.

Lateinamerika:
Das sozialistische Kuba wurde von den USA als existenzielle Gefahr angesehen. Damit sich der sozialistische Virus nicht verbreiten konnte, nahm die USA Einfluss auf die lateinamerikanischen Regime. Über die CIA wurden die Staaten Mittel- und Südamerikas für den Kampf gegen die Kommunisten instruiert. Der US-Geheimdienst Central Intelligence Agency (offiziell Nachrichtendienst) förderte hierzu Diktatoren oder Militärjuntas, die ein stabiles Regierungssystem versprachen. Im Gegenzug garantierte die USA wirtschaftliche und militärische Hilfe für die Gewaltherrscher. Obwohl die CIA einerseits das brutale Vorgehen gegen kommunistische Kräfte unterstützte, forderten sie die Generäle anderseits dazu auf, eine deeskalierende Innenpolitik zu betreiben. Es galt den Kommunisten den Nährboden zu entziehen und demzufolge, sollte eine soziale Befriedung der Bevölkerung erreicht und Not und Elend gelindert werden.
Mit einer Fehleinschätzung wollte der gebürtige Argentinier Ernesto „Che“ Guevara, die sozialistische Revolution auf das amerikanische Festland bringen, nachdem er sich mit Fidel Castro überworfen hatte. Für Fidel Castro waren Che Guevara Ansichten zu extrem und gefährdeten den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft auf Kuba. Che Guevara suchte sich mit seinen Mitstreitern Bolivien aus, wo zuvor ein Bergarbeiterstreik niedergeschlagen wurde.
Er hoffte auf deren Kampfbereitschaft und die KP Boliviens. Dem Präsidenten General René Barrientos Ortuno war es aber inzwischen gelungen stabile Strukturen in Bolivien aufzu-bauen. Somit war kaum jemand für einen revolutionären Kampf bereit. Die etwa 45 Kämpfer wurden schnell aufgerieben, bis auch die letzten 14 in einen Hinterhalt gerieten.

General Ortuno ließ Che Guevara ohne Gerichtsverfahren am 9. Oktober 1967 hinrichten. Nach seinem Tod verehrte ihn die Jugend der Welt umso mehr, und überzogene Geschichten von seinem Heldenmut machten die Runde, und die USA-Regierung wurde für seinen Tod verantwortlich gemacht. Vermutlich haben tatsächlich CIA Agenten maßgeblich dabei geholfen, Che Guevara in eine Falle zu locken. Zumindest war die US-Politik in Lateinamerika ein weiterer Stein des Anstoßes, aber aus deren Sicht erfolgreich.

Biafrakrieg
Vom 6. Juli 1967 bis 15. Januar 1970 tobte in der nigerianischen Provinz Biafra ein langer und blutiger Bürgerkrieg, mit großem Leid für die Zivilbevölkerung. In der erdölreichen Provinz fühlte sich das christliche Igbo-Volk gegenüber dem Norden Nigerias benachteiligt. Bereits 1966 putschten daraufhin Igbo-Offiziere, dem ein Gegenputsch folgte und in einem Pogrom mündete, bei dem zehntausende Igbos ermordet wurden.
Der schwelende Konflikt führte dazu, dass am 30. 05.1967 Biafra seine Unabhängigkeit verkündete und damit den Bürgerkrieg auslöste. Am 06. Juli begannen ersten Kampf-handlungen. Trotz erbittertem Widerstand waren die Rebellen Biafras der nigerianischen Armee völlig unterlegen. Hinzu kam, dass Nigeria unter anderem, von Großbritannien und der UdSSR unterstützt wurde. Aber auch Biafra bekam Unterstützung, vor allem von anderen afrikanischen Staaten, sowie Frankreich und Portugal, die den Krieg in die Länge zogen.
Am 18. Mai verlor Biafra die wichtige Hafenstadt Port Harcourt, wodurch die Hilfe für die notleidende Bevölkerung kaum noch möglich war. Nigeria selbst, weigerte sich dem Volk der Igbo zu helfen und forderte die Rebellen auf zu kapitulieren. Die Hungerblockade wurde weltweit von den Medien als Völkermord bezeichnet. Allerdings gab es auch die Ansicht, dass Biafra zu Propagandazwecken das Leid der Menschen bewusst übertrieb. Wie dem auch sei, Bilder von hungernde Kinder und zahlreichen Hungertoten gingen um die Welt. Immer wieder wurde von Gräueltaten des nigerianischen Militärs berichtet. Militärisch verlegten sich die Rebellen Biafras auf den Guerilla-Kampf, dass im Herbst 1968 zu einer Pattsituation führte. Durch die wirtschaftlichen Interessen (Erdölvorkommen), der ausländischen Verbündeten zog en sich die Kämpfe bis zum 15. Januar 1970 hin, ehe die Rebellen Biafras kapitulierten.
Nach heutigen Schätzungen gab es etwa 2,5 Millionen Tote, davon 200.000 Soldaten von Nigeria und 1 Million Rebellen, wovon etwa die Hälfte massakriert wurde. Auch metzelten Soldaten etwa eine halbe Million Menschen hin und fast ein Million Menschen starben den Hungertod oder an deren Folgen (Krankheiten). Neben diesem Drama war die Infrastruktur über Jahre zerstört und das restliche Volk der Igbo lebte beinahe rechtlos in Nigeria. Bis zum heutigen Tag ist die Provinz ein Unruheherd und wird von Gewalt überschattet.

4. Studentenunruhen
Die 68er Studentenbewegung hatte eine weltweite Dimension und wurde durch die USA Bürgerrechtsbewegung inspiriert. Schon 1963 scharte der farbige Baptistenpastor Dr. Martin Luther King die Afroamerikaner um sich und ließ sie nach Washington marschieren, um die vollständigen Bürgerrechte einzuklagen. Während der Kundgebung sprach er die legendären Worte „I have a dream“ und drückte seinen Traum aus, das Schwarz und Weiß, wie Brüder in diesem Land leben. Unter Kennedys Nachfolger Johnson wurde 1964 das Bürgerrechtsgesetz verabschiedet und machte der Rassentrennung offiziell ein Ende, doch die Realität sah anders aus. 
Zu den ersten Studentenunruhen kam es 1964 an der University of California in Berkeley. Sie wollten den hierarchischen Kurs der Universitätsleitung nicht länger hinnehmen. Die Studenten besetzten die Universität forderten mehr Meinungsfreiheit sowie das Recht der freie Rede und Forschung. Die Polizei räumte das Gebäude und verhaftete die Besetzer. Daraufhin folgte eine Großdemonstration, der sich auch 800 Professoren anschlossen und die Freilassung der Inhaftierten verlangte.

Letztendlich sah sich der Universitätspräsident gezwungen auf die Forderungen der Studenten einzugehen. In der Folgezeit gab es im ganzen Land Universitätsbesetzungen mit unterschied-lichen Forderungen der Studenten.
Inzwischen stießen die Schwarzen auf diverse Widerstände gegen die Umsetzung des neuen Bürgerrechtsgesetzes. Nach zahlreichen Übergriffen auf Bürgerrechtler und Demonstranten bildete sich unter den Schwarzen eine radikale Gegenbewegung zum friedlichen Protest von Martin Luther King. Malcolm X prägte den Begriff von Black Power, worauf sich die Black Panther bildeten und zum sozialistischen Widerstand aufriefen.

In den Gettos der Großstädte entzündeten sich Unruhen und erste Übergriffe auf die weiße Bevölkerung folgten. Dr. Martin Luther King bemühte sich um den Dialog mit Malcolm X, aber sie blieben auf getrennten Wegen. Für den Staat entstand 1967 eine heikle Situation. Den Demonstrationen der Schwarzen gegen den Vietnamkrieg schlossen sich zunehmend weiße Studenten an. Im gemeinsamen Protest wurden die Rassenschranken beseitigt, sozialistische Parolen gebrüllt und für die Studenten waren die aktuellen Freiheitskämpfer Che Guevara und Ho Chi Minh die neuen Idole. Am 4. April 1968 wurde Dr. Martin Luther King ermordet und der Zorn darüber löste starke Rassenunruhen aus. Schwarze reagierten nun empfindlich bei Ungleichbehandlungen oder rassistisch motiviertem Handeln der Polizei.
Die Studentenproteste zeigten sich zum Teil solidarisch mit der Bürgerrechtsbewegung, thematisierten aber insbesondere den Vietnamkrieg. Trauriger Höhepunkt wurden die Ereignisse an der Kent State University in Ohio (04. Mai 1970). Nachdem sich der Studentenprotest gegen den Vietnamkrieg mit Tränengas nicht auflösen ließ, eröffnete die Nationalgarde das Feuer. Vier Studenten starben und neun wurden erheblich verletzt. Wenige Tage später schrieb Neil Young den anklagenden Song „Ohio“, den er zunächst nur auf Konzerten singen konnte, da die Plattenfirma eine Aufnahme verweigerte.
1968 war auch das Jahr der Studentenproteste in Mexiko, Frankreich und Deutschland.
Mit beispielloser Brutalität ging Mexiko gegen die Studenten vor. Schätzungsweise über 500 Studenten starben beim Massaker in Tlatelolco.
Über die Vorgänge am 2. Oktober 1968 hält sich, bis heute, die mexikanische Regierung bedeckt und behauptete, dass nur 37 Jugendliche getötet wurden. Intensive Nachforschungen haben den Tod von bisher 337 Studenten nachgewiesen. Die Regierung wollte zehn Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele sicherstellen, dass es zu keinen Störungen des Sportfestes kam. Sie entschlossen sich daher zu diesem kompromisslosen Durchgreifen und ließen den Studentenprotest niederschießen.Revolte%201968
Bürgerkriegsähnliche Zustände verursachten die Unruhen in Frankreich. Mit der Schließung der philosophischen Fakultät in Paris, im Mai 1968, entwickelt sich der Studentenprotest, dem sich die Gewerkschaften anschlossen. Die Studenten forderten unter anderem verbesserte Studienbedingungen und eine Demokratisierung der Gesellschaft. Der Protest der Gewerkschaften richtete sich gegen die wirtschaftliche Talfahrt, die eskalierende Arbeitslosigkeit und den sozialen Verhältnissen.
Die medial angepriesene Wohlstandsgesellschaft stand im klaren Missverhältnis zur Realität der Mehrheit. Durch die Missstimmung der Bevölkerung schlossen sie sich der Studentenrevolte an. Die Lage eskalierte, als die Polizei eine Massendemonstration brutal auseinander knüppelt. Daraufhin breiteten sich massive Unruhen in ganz Frankreich aus und in den Straßen von Paris wurden Barrikaden errichtet.
Dem Premierminister George Pompidou gelang es die Massen zu beruhigen, zog die Polizei ab, ließ die Verhafteten frei und versprach umfangreiche Reformen. Schwelende Spannungen hielten sich bis zum Rücktritt des Staatspräsidenten Charles de Gaulle, am 27. 04. 1969. George Pompidou wurde neues Staatsoberhaupt und die Unruhen ebbten ab.
Inzwischen richtete sich die Welt auf die Vorgänge in der Tschechoslowakei, von denen besonders die Kommunisten der westlichen Welt irritiert waren. Dort nutzte Staatschef Alexander Dubcek die Zeichen der Zeit für einen demokratischen Sozialismus. Eckpfeiler der Reformen, des sogenannten „Prager Frühlings“ (08.04. 1968), waren die Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und das Mehrparteiensystem (Opposition). Ungehalten darüber forderte der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew die Prager Regierung mehrfach zum Kurswechsel auf und hoffte auf eine diplomatische Lösung.
Die Staatschefs der anderen sozialistischen Staaten, befürchteten jedoch ein Übergreifen der Reformbewegung (Flächenbrand) und drängten auf eine militärische Lösung. Schließlich gab sich die tschechische oppositionelle Bürgerbewegung mit den Reformen der Regierung nicht zufrieden und deren Forderungen gefährdeten nun den sozialistischen Kurs des Landes. Selbst innerhalb der KPCZ wurden Stimmen laut, gegen die Reformierung. Truppenverbände aus Polen, Ungarn, Bulgarien und der UdSSR marschierten am 20. August 1968 ein (auch NVA Truppen standen an der Grenze zum Einsatz bereit). Die Protestkundgebungen wurden gewaltsam aufgelöst und der Staatschef wurde nach Moskau gebracht. Bei den wütenden Ausschreitungen starben 98 Tschechoslowaken und 50 Soldaten des Warschauer Paktes. Nach seiner Rückkehr aus Moskau blieb Dubcek bis zum 17. 04. 1969 Parteichef und korrigierte auf Geheiß Moskaus die Reformen, womit der Prager Frühling endete.
Im Vorfeld der Unruhen in der BRD, kritisierten die Studenten die schwammige Haltung der Bundesregierung (CDU) zum Vietnamkrieg. Verärgert nahmen die Studenten die Naziver-gangenheit des Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger (1966-1969) zur Kenntnis, dazu passte der Einzug der NPD in die Landtage von Hessen und Bayern.
Als die Bundesregierung, am 02. 06. 1967, den Schah von Persien zu einem offiziellen Staatsbesuch eingeladen hatte, entlud sich der angestaute Zorn der Studenten. Eine aufgebrachte Jugend formierte sich zur Demonstration gegen den Tyrannen, der in seiner Heimat die Menschenrechte mit Füßen trat. Die Proteste eskalierten durch Gewaltreaktionen der persischen Sicherheitskräfte, worauf sich ein Handgemenge entwickelte und die Polizei mit Warnschüssen für Ruhe sorgen wollte, dabei wurde aber der Studenten Benno Ohnesorg tödlich getroffen. Daraufhin setzten erboste Protestdemonstrationen in vielen Großstädten der BRD ein. Am 3. April 1968 verübten radikale Studenten Brandanschläge auf zwei Frankfurter Kaufhäuser. Die Protestbewegungen entwickelten sich zunehmend zu Straßenschlachten zwischen der Polizei und den Jugendlichen.
http://www.marcuse.org/herbert/people/dutschke/dutschkerolledsleeves200pxhcr.jpgAls geistiger Führer der Studentendemonstrationen tat sich Rudi Dutschke (Bild) hervor. Nach einem Mordanschlag gegen ihn (am 11. 04. 1968) verschärfte sich der Protest besonders gegen die Springer Presse. In einem Aufruf schrieben sie zuvor den Artikel „Stoppt den Roten Rudi!“ Rudi Dutschke überlebte den Anschlag mit einer schweren Hirnverletzung, an der er 1979 starb.
Die Studenten organisierten sich in der AStA und formulierten klare Forderungen. Desweiteren gründete die revolutionäre Jugend die APO, um Grundsatzlinien festzulegen und um weitere Aktionen zu planen. Die APO verlor sich dabei in endlosen Diskussionen, ohne eine wirkliche Linie zu finden. Am 30. Mai 1968 verabschiedete die Bundesregierung die Notstandsgesetze, die unter anderem den Einsatz des Militärs genehmigte für den Erhalt der inneren Sicherheit. Inzwischen spaltete der Zeitgeist die Jugend und die Bereitschaft zu Protestaktionen nahm ab. Die einen diskutierten über die Zukunft, andere gingen in den Untergrund (RAF) und wieder andere provozierten gezielt die Gesellschaft (Kommune 1).

Zudem stießen die Studenten-Proteste auf eine breite Ablehnung bei der Mehrheit der Eltern-generation. Sie verurteilte die Studenten wegen ihrer kommunistischen Parolen und der sinnlosen Gewalt. Die Allgemeinheit fürchtete sogar den Verlust des derzeitigen Wohlstandes und beschimpften die Demonstranten als kriminelle Chaoten. 1969 standen Neuwahlen bevor und Willy Brandt (SPD), kündigte umfangreiche Reformen an. In einer abwartenden Haltung kam es nur noch zu sporadischen Aktionen. Mit der Wahl von Willy Brandt zum Bundeskanzler endeten die Studentenunruhen und ebenso löste sich die APO auf. Dementgegen formierte sich ein radikaler Kern und wollte mit Terroraktionen den gesellschaftlichen Wandel erzwingen. Die Rote Armee Fraktion (RAF) entstand und sollte in den 70er Jahren eine Blutspur durchs Land ziehen.
Weitere Unruhen gab es in Polen und in Italien. Polen befand sich 1968 in einer wirtschaftlichen Krise und versuchte die Juden dafür verantwortlich zu machen. Als die Aufführung des Bühnenstücks „Totenfeier“ verboten wurden entbrannte ein Protest unter den Studenten, der in die März-Bewegung mündete. Die Studenten forderten zunächst die kulturelle Freiheit und danach Freie Medien. Über den ausländischen Sender „Freies Europa“ (Wien) gelangten die Botschaften der Studenten übers ganze Land. Präsident Gomulka nutzte die antisemitische Stimmung im Lande und erkannte in den Studentenführern Juden, worauf die Bewegung abebbte. In Italien waren die Studentenproteste von kurzer Dauer und richteten sich gegen eine starre Regierung, die eine schärfere Bildungsreform durchsetzen wollte. Nach der Rücknahme der Reform beruhigte sich die Situation wieder.