07. Das Jahr 1968 und 1969

                                                      Das Jahr 1968

                                                       Vietnamkrieg

Brennpunkte:
Vietnamkrieg:  Im Januar startet die Nationale Front die Tet-Offensive zur Befreiung Südvietnams. Die heftigen Kampfhandlungen enden mit hohen Verlusten der Befreiungsarmee und einer völlig zerstörten Stadt Huế. Gleichzeitig verstärkt sich der Widerstand gegen den Krieg in den USA. Erst recht, als ein Saigoner Polizeichef vor den Augen von Reportern einen Vietcong mit einem Kopfschuss tötete. Die Bilder gingen um die Welt und dienten als Beleg gegen eine unmenschliche südvietnamesische Militärdiktatur und verurteilen die USA, die ein solches Regime unterstützen. Am 16. März kommt es zum Massaker von Son My, durch US-Soldaten an 503 Zivilisten. Es dauert jedoch einige Monate bis dieser Vorfall vom Magazin Life bekannt gemacht wurde. Berichte von sozialistischen Medien wurden bislang als übertriebene Propaganda gewertet. Neben den Protesten gegen den Vietnamkrieg, eskalieren in den USA die Bürgerrechts- und Studentenbewegung. Durch die Ermordung von Martin Luther King muss Präsident Johnson ein Zusatzgesetz gegen die Diskriminierung der Schwarzen erlassen, um blutige Unruhen zu vermeiden. Insgesamt befindet sich der Präsident mit den Rücken zur Wand und verkündet am 31. März, dass er nicht mehr als Präsident kandidiert. Kurz darauf verbietet er Bombenangriffe nördlich des 17. Breitengrades und beraumt Friedensgespräche ein. Der französische Präsident Charles de Gaulle, der im Vorfeld schon auf Friedensgespräche drängte, wird zum Vermittler. Am 31. 10. finden die ersten Friedensgespräche zwischen den USA und Nordvietnam in Paris statt.
Prager Frühling: Unter dem Motto „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ führt der neu gewählte Parteivorsitzende Alexander Dubček seine tschechoslowakische Reformpolitik durch. Nach mehreren Ermahnungen aus Moskau, marschieren am 20./21. August die Truppen des Warschauer Paktes ein und beenden den Demokratieprozess. Alexander Dubček wird verhaftet und nach Moskau gebracht, nach seiner Rückkehr in Prag widerrief er die Reformen und übergab den Parteivorsitz an Gustáv Husák.
Biafra: Der andauernde Krieg um die abtrünnige Provinz Biafra löste eine extreme Hungerkatastrophe aus, deren Leidensbilder um die Welt gingen. Gleichzeitig wird bekannt, dass ausländische Kräfte die Kriegsparteien unterstützten und den Krieg damit verlängerten. Nigeria wurde von Ägypten, Syrien, Großbritannien, Sowjetunion und benachbarte Staaten unterstützt. Biafra wurde von Frankreich, Portugal, Südafrika, Rhodesien und anderen afrikanischen Staaten unterstützt.

Ausgesuchte Ereignisse:
17. 01. - Kambodscha: die Roten Khmer beginnen ihren Guerillakampf gegen die Regierung Prinz Sihanouk
08. 03. - Polen: Studentendemonstrationen in Polen
03. 04. - BRD: Brandanschlag auf ein Kaufhaus in Frankfurt/Main durch die Gruppe Baader & Ensslin
04. 04. - USA: Attentat auf den Bürgerrechtler Martin Luther King; schwere Rassenunruhen brechen aus
11. 04. - BRD: Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke (schwer verletzt)
11. 04. - USA: Civil Rights Act, Zusatzgesetz gegen diskriminierende Benachteiligungen der Schwarzen
03. 05. - Frankreich: Studenten besetzen die Universität der Sorbonne; Beginn der Studentenunruhen
17. 05. - Frankreich: solidarischer Generalstreik der Industrie sorgt für bürgerkriegsähnliche Zustände
05. 06. - USA: Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy wird ermordet
17. 07. - Irak: revolutionäre Baath-Partei ergreift die Macht im Lande
02. 10. - Mexiko: Massaker von Tlatelolco beendet Studentenbewegung blutig
05. 11. - USA: der Republikaner Richard Nixon gewinnt Präsidentschaftswahlen
12. 11. - Sowjetunion: Breschnew-Doktrin begründet die beschränkte Souveränität der sozialistischen 
Staaten, zur Abwehr von
              Bedrohungen für das sozialistische System

Sonstiges:  
Mehrwertsteuer wird in der BRD eingeführt - - - Neue Verfassung in der DDR (Volksentscheid) - - -  die Firma Intel wird von Robert
Noyce
und Gordon Moore gegründet - - - ASCII, wird der standardisierte Zeichensatz für Computer  - - - Die Hongkong Grippe fordert
weltweit zwischen 750.000 und 1 Million Menschenleben - - - Größter Chemieunfall der DDR in Bitterfeld, durch eine Vinylchlorid-
Explosion sterben
42 Personen und 200 werden verletzt - - - Überschwemmungen in Brasilien fordern 200 Todesopfer und über 50.000
werden Obdachlos - - - bei Erdbeben auf Sizilien sterben 231 Menschen und im Iran etwa 15.000 - - - Ein US- Langstreckenbomber stürzt
bei Grönland ab und verliert vier Wasserstoffbomben (die vierte wird
erst 1979 gefunden)

Internationale Hits  1968
         Song Sound Artist Nat
  1.   Delilah                                                                  ( 3. ) Song  Tom Jones GBR
  2.   Help Yourself                                                       ( 4. ) Song  Tom Jones GBR
  3.   Hey Jude                                                              ( 5. ) Beat  Beatles GBR
  4.   Hello Goodbye                                                     ( 9. ) Beat  Beatles  GBR
  5.   Jumpin' Jack Flash                                               ( 8. ) Rock  Rolling Stones GBR
  6.   Those Were The Days                                         (14.) Song  Mary Hopkin  GBR
  7.   Mighty Quinn                                                      (11.) Beat  Manfred Mann  GBR
   8.   World                                                                   (13.) POP  Bee Gees AUS
  9.   Lady Madonna                                                    (17.)  Beat  Beatles GBR
10.   Words                                                                  (15.)  
POP  Bee Gees  AUS
11.   Judy In Disguise                                                  (10.) POP  John Fred & His Playboy Band USA
12.   Lazy Sunday                                                        (12.) Beat  Small Faces GBR
13.   Yummy Yummy Yummy                                   (16.) Beat  Ohio Express   USA
14.   Congratulations                                                   (20.) Song  Cliff Richard GBR
15.   Daydream Believer                                              (!!) Rock  Monkees   USA
16.   Fire                                                                      (18.) POP  The Crazy World Of Arthur Brown GBR
17.   Do It Again                                                          (19.) Beat  Beach Boys USA
18.   Mony Mony  Beat  Tommy James & The Shondells  USA
19.   My Little Lady  Beat  Tremeloes GBR
20.   Street Fighting Man 
Rock  Rolling Stones GBR
21.   Young Girl  Soul  Union Gap   USA
22.   The Legend Of Xanadu  Beat  Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich GBR
23.   Cinderella Rockefella  Song  Esther & Abi Ofarim ISR
24.   Baby Come Back  Beat  Equals  JAM
25.   Little Arrows  POP  Leapy Lee GBR
26.   Azzurro    Song  Adriano Celentano ITA
27.   What A Wonderful World Jazz  Louis Armstrong USA
28.   Jumbo POP  Bee Gees  AUS
29.   2000 Light Years From Home Rock  Rolling Stones    GBR
30.   A Man Without Love  Song  Engelbert  GBR
Legende: Song = Liedtitel ; Sound = Musikart/Richtung; Artist = Interpreten; Nat= Herkunft der Interpreten bzw. Produktionsland
Sound: Beat = Beatstilarten ; Count= Countrystil ; Instr. = instrumentaltitel ; Jazz= Jazz-Art ; POP = populäre Mischform ;
             Rock= Rockspielarten, auch Bluesrock;  Song= Weltschlager, -Songs ; Soul = Soulart ; SWG = Swingart

Hinweise:  (Zahl) =  Top Twenty nach der Verkaufszahlenauswertung durch die Uni Würzburg  (Quellenverzeichnis)
Anmerkung:    (!)  =  erfolgreichste Version eines Liedes von mindestens einer weiteren Interpretation
                         (!!)  = durch die Airplaychart (Radio) deutlich populärer als durch die Singlecharts belegt
Die Hauptkäuferschicht von Singles sind die 20- und 30-jährigen; die internationalen Songs dominieren in den Hitparaden und eine klare Trennung zwischen  Jugendmusik und dem Sound der Twents ist kaum noch möglich. Beachten Sie,  dass anstatt der beliebten Jugendhits, weitere Chartshits notiert wurden.
Übrigens, der deutsche Schlager befindet sich im Aufschwung.
 
Schlagerhits 1968
           Titel  HW  Interpretation Nat
   1.  Mama        ( 1.)  Heintje NDL
   2.  Der letzte Walzer mit dir   (*Engelbert)             ( 6. )  Peter Alexander AUT
   3.  Du sollst nicht weinen  ( 2 )  Heintje NDL
   4.  Delilah                              (*Tom Jones)   ( 7. )  Peter Alexander AUT
   5.  Heidschi Bumbeidschi  (15.)  Heintje NDL
   6.  Bleib' bei mir     Roy Black  - - -
   7.  Sind Sie der Graf von Luxemburg      Dorthe  DAN
   8.  Monja                             (*Cry’n String)    Roland W.    - - -
   9.  Ich denk' an dich       Roy Black   - - -
10.  Arrivederci Hans     Rita Pavone   ITA
11.  Es geht eine Träne auf Reisen      Adamo   BEL
12.  Mathilda  
   Udo Jürgens  AUT
13.  Harlekin 
   Siw Malmqvist SWE
14.  Sehnsucht (Taiga-Lied) Ch  Alexandra - - -
15.  Komm und bedien dich          (*Tom Jones)     Peter Alexander  AUT
16.  Cotton Fields                           (*Bob Hood)  C  Udo Jürgens  AUT
17.  Lieber mal weinen im Glück     Renate Kern - - -
18.  Wärst du doch in Düsseldorf geblieben      Dorthe DAN
19.  Wunderbar ist die Welt     Roy Black   - - -
20.  Hohe Tannen  C  Ronny - - -
21.  A Banda (Zwei Apfelsinnen im Haar)    France Gall FRA
22.  Bunter Luftballon    Vicky Leandros GRI
23.  Mit verbundenen Augen     Bata Illic   YUG
24.  Zigeunerjunge    Alexandra   - - -
25.  Alle Blumen wollen blühen     Anna Lenna SWE
26.  Jeder Schotte hat in Schottland...     Dorthe  DAN
27.  Die Sonne von Mexico    Heino  - - -
28.  Mein Freund der Baum     Alexandra  - - -
29.  Ein Hoch der Liebe    Wenke Myhre NOR
30.  Der Computer Nr. 3       France Gall  FRA
Hinweise:  HW = Hinweise zum Lied ; Nat= Herkunft der Interpreten bzw. Produktionsland; deutsche Produktionen mit " - - - " gekenzeichnet
                   (*Name) = Titel im Original von ...!   // Länderkürzel: INO = Indonesien ; TAH= Tahiti

Hinweise -Konkret:  (!)  =  erfolgreichste Version eines Liedes von mindestens einer weiteren Interpretation ; (Zahl) =  Top Twenty nach 
                   der Verkaufszahlenauswertung durch die Uni Würzburg  (Quellenverzeichnis)
// B= Schlager Beat ; C = Country-Western-Stil;  
                   Ch
= Chanson ; G= Groteske Lieder & Karneval ; ; SR= Schlager Rock'n'Roll ; V=volkstümliche Songs

Anmerkung:  (!!)  = durch die Airplaychart (Radio) deutlich populärer als durch die Singlecharts belegt
 
DDR - Schlager 1968
  1.  La Bostella bei Tante Ella    Britt & Bert
  2.  Männer die noch keine sind  Chris Doerk
  3.  Verzeih den Kuss  Frank Schöbel
  4.  Blau ist die Nacht    Michaelis Chor
  5.  Wir, wir passen gut zusammen  Kathrin  & Klaus
  6.  Lass die kleinen Puppen tanzen gehen   Roswitha
  7.  Sand im Schuh      Gertie Möller
  8.  Es fängt ja alles erst an   Rosemarie Ambe
  9.  Du hast gelacht    Dagmar Frederic /Siegfried Uhlenbrock
10.  Blond wird groß geschrieben  
 Britt Kersten     
 
Albumcharts 1968 Grand Prix de Eurovision
  1.  The Beatles (The White Album)                          The Beatles  in London (GBR)           //  17 Teilnehmer  
  2.  Beggars Banquet                                           The Rolling Stones   1. ESP          La, la, la 
  3.  Magical Mystery Tour                                        The Beatles                        Massiel  
  4.  The Graduate                                                Simon & Garfunkel   2. GBR         Congratulations 
  5.  Heintje                                                                     Heintje                         Cliff Richard   
  6.  Electric Ladyland                                               Jimi Hendrix   3. FRA          La source 
  7.  John Wesley Harding                                            Bob Dylan                         Isabelle Aubret
  8.  Horizontal                                                           The Bee Gees  
  9. Their Satanic Majesties Request                      The Rolling Stones   6. BRD         Ein Hoch der Liebe 
10.  Waiting For The Sun                                             The Doors                        Wencke Myhre 
 
 Weitere Chartshits
  I've Gotta Get a Message to You                     Bee Gees   My Name Is Jack                                       Manfred Mann
  Jesamine                                                          The Casuals   Pata Pata                                                    Miriam Makeba
  The Hurdy Gurdy Man                                    Donovan   Nights in white satin                                  Moody Blues 
  The Ballad Of Bonnie And Clyde                    G. Fame   L'Amour Est Bleu                                   Paul Mauriat & Or.
  Simon Says                                                   1910 Fruitgum Co.   (Sittin' On) the Dock of the Bay                Otis Redding
  I Heard it Through the Grapevine                   Marvin Gaye  Mrs Robinson                                            Simon & Garfunkel
  Honey                                                              Bobby Goldsboro  Pictures Of Matchstick Men                      Status Quo
  Jennifer Eccles                                                The Hollies  Born to Be Wild                                         Steppenwolf
  Dear Eloise                                                     The Hollies  Tin Soldier                                                 The Small Faces
  Green Tambourine                                          Lemon Pipers  Moscow                                                      Wonderland
 
 
                                                                                         Beliebtesten Interpreten 1968
International   BRD - National DDR - National
  1.  Beatles
  2.  Rolling Stones
  3.  Tom Jones
  4.  Bee Gees
  5.  Monkees
  6.  Manfred Mann
  7.  Small Faces
  8.  Hollies
  1.  Heintje
  2.  Peter Alexander
  3.  Roy Black
  4.  Wenke Myhre
  5.  Dorthe
  6.  Alexandra
  7.  Udo Jürgens
  8.  France Gall
  1.  Nina Lizell
  2.  Chris Doerk
  3.  Frank Schöbel
  4.  D. & Siegfried
  5.  Britt Kersten
  6.  Andreas Holm
  7.  Klaus Sommer
  8. Gertie Möller

 

Sport:
 - Olympische Winterspiele in Grenoble (Frankreich); erstmals getrennte Teams DDR und BRD
-  Olympische Sommerspiele in Mexiko // Eklat: die US-Leichtathleten Tommie Smith und John Carlos 
demonstrieren während der
   Siegerehrung mit geballter ausgestreckter Faust gegen die Rassenpolitik // 
Sensation im Weitsprung Bob Beamon springt 8,90 m weit //
   mit seiner Sprungtechnik revolutioniert 
Richard Fosbury den Hochsprung und erreicht 2,24 m /// DDR erreicht 5. Platz (9xG, 9xS,7xB) 
   und die 
BRD wird 8. (5xG, 11xS, 10xB) - - - 1. USA, 2. SOW, 3. JPN
- Fußball-EM in Italien: Erst im Wiederholungsspiel siegt Italien mit 2:0 über Jugoslawien und kam zuvor 
durch Münzentscheid gegen die 
  UdSSR ins Finale; die BRD und die DDR schieden in der Qualifikation aus
- Fußballmeister BRD: 1.FC Nürnberg vor Werder Bremen
- Fußballmeister DDR: FC Carl Zeiss Jena vor Hansa Rostock

Kultur:
Roman „Philoktet“ von Heiner Müller  - - -  Roman „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz - - -  Wolf Vostell
malt „Miss Amerika“ - - - 
Kurzdrama „Ariadne“ von Boris Blacher  - - - Attentat auf Aktionskünstler Andy Warhol durch die Frauenrechtlerin Valerie Solanas - - -
Geistesgestörter beschädigt das Gemälde „Die Jungfrau mit den Engeln“ (Peter Paul Rubens) - - - Oper „Ulisse“ von Luigi Dallapiccola
- - - Moderne Bibelübersetzung „Gute Nachricht“ (Neues Testament) erscheint 

Radio / Fernsehen:
- ZDF Musikshow Starparade geht auf Sendung (90 Minuten)
- Der Abenteuer 4-Teiler „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ und der Krimi 3-Teiler „Babeck“ begeistern 
im Dezember die Zuschauer
- Der 5-teilige DDR Fernsehfilm „Wege übers Land“ mit Manfred Krug schildert ungewohnt kritisch die 
Nachkriegsjahre in Deutschland
- DDR Infomagazin „Du und dein Garten“

Film/Kino:
Oscar für das britisches Musical “Oliver” nach Charles Dickens Buch “Oliver Twist“ mit Mark Lester

-  Zukunftsvision „Planet der Affen” mit Charlton Heston   
-  Westernklassiker „Spiel mir das Lied vom Tod” mit Henry Fonda und Charles Bronson, besticht vor allem 
durch das musikalische
   Intro
-  "2001: Odyssee im Weltraum”, faszinierende Science Fiction-Story
- „Barbarella“, erotisches Science Fiktion Märchen mit Jane Fonda
- „Zu Sache, Schätzchen“ mit Uschi Glas ist eine Filmkomödie, die sich modern gibt und bewusst umgangs
sprachliche Metapher
    verwendet
-  Nach den „Lausbubengeschichten“ geht nun der Schulklamauk „Die Lümmel von der ersten Bank“ in Serie 
( Theo Lingen,
   Hansi Kraus
)
- Schlagerfilm der DEFA „Heißer Sommer“ mit Frank Schöbel und Chris Doerk wird zum Kultfilm der DDR
- Walt Disneys „Dschungelbuch“ begeistert nun auch die BRD

- Erster Oswalt Kolle Aufklärungsfilm „Das Wunder der Liebe“, löst wegen der Nacktszenen heftige Kritik aus
- Erwähnenswert: Mysterydrama „Rosemaries Baby” mit Mia Farrow // erster Auftritt des dänischen Gaunertrios „Die Olsenbande”
  // die US- Horrorklassiker „Die Nächte der lebenden Toten“ und „Die seltsame 
Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ // einer
   der erfolgreichsten Gruselkrimis der Edgar Wallace Reihe 
„Der Hund von Blackwood Castle“ // der Film „Columbo - Mord nach
   Rezept“ mit Peter Falk wird ein Erfolg 
und geht in TV-Serie // Beatlesfilm „Yellow Submarine“  // sowjetischer Märchenfilm
   „Feuer, Wasser 
und Posaunen“

                                                                                         Musikszene 1968

► Das Hitjahr: Das Jahr war gekennzeichnet von einer Fülle von Hits, wie nie zuvor und einzelne Songs wurden zu Dauerbrenner einer bestimmten Gruppierung. So wurde „Born to Be Wild” von Steppenwolf zur Hymne der Motorradfreaks. „(Sittin' On) the Dock of the Bay” ist der letzte Song von Otis Redding, bevor er starb und wurde in den angloamerikanischen Charts ein Megahit. Hinter Wonderland verbirgt sich u.a. Achim Reichelt (Rattles), der unter dem Eindruck der Ereignisse in der CSSR den antisowjetischen Song „Moscow“ produzierte. Mit dem afrikanischen Volkslied „Pata Pata“ wird Miriam Makeba bekannt und engagiert sich für die Not in Afrika. Der Soundtrack zum Film „The Graduate“ (dt. „Reifeprüfung“) wird zum Megahit in den Albumcharts für Simon & Garfunkel und das Leitmotiv, der Song „Mrs. Robinson“ wird zum Radiohit. Weiterhin sind hervorzuheben Marvin Gaye mit „I Heard it Through the Grapevine”, „L'Amour Est Bleu” von Paul Mauriat & Orchester und die Filmmusik zu den Filmen „Bonnie and Clyde“ und „C’era una volta il West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“). Soweit die wichtigsten, die nicht nur die Musikwelt bewegten.

► Beatles: Mit drei Megahits dominierten sie die Singlecharts, aber durch ihre Alben befanden sich im Radio diverse Auskopplungen. Speziell das Doppelalbum „The Beatles“ (weißes Album) enthält ein Sammelsurium unterschiedlichster Lieder für jeden Geschmack, wogegen „Magical Mystery Tour“ mehr mit ungewöhnlichen Klängen und surrealen Texten begeisterte. Zudem erschien der Zeichentrickfilm „Yellow Submarine“ und verband das gleichnamige Album mit den „Stg. Pepper…“- Album und erzählt eine konfuse Geschichte, die von Kritikern hoch gelobt wurde, aber die Beatlesfans eher erschreckte. Ihre erneute Reise nach Indien zum Maharishi Mahesh wurde von den Fans mit Skepsis verfolgt und die Behörden nahmen die Band ins Visier, da sie ihnen Drogenkonsum unterstellten. Die Kreativität der Beatles war zumindest enorm und Mary Hopkins profitiert davon, mit „Those Were The Days“ (von Paul Mc Cartney) gelang ihr ein Superhit.

► Rolling Stones: Nach dem Ausflug in den Psychedelicrock (Album „Their Satanic Majesties Request“) ändert die Band ihren Stil zu harten Gitarrenriffs und mit „Jumpin' Jack Flash“ stiegen sie zur beliebtesten Rockband empor. Mit „Street Fighting Man“ sympathisierten sie mit der Antikriegsbewegung und liefern zugleich eine motivierende Hymne. Das Album „Beggars Banquet” wurde eines ihrer textlich provokativsten Alben und der Song „Sympathie for the Devil“ sorgte für hitzige Diskussionen. Die Band selbst befand sich in einer Krise, wegen des Drogenkonsums von Brian Jones, wodurch sie in diesem Jahr keine Konzerte geben konnten.  

► Grand Prix de Eurovision: Mit einem Punkt Vorsprung gewann die Spanierin Massiel, aber ihr Song blieb weitgehend unbekannt, zumal Plagiats- und Bestechungsvorwürfe den Siegersong belasteten. Dagegen zum Welthit wurde „Congratulations“ mit dem zweitplatzierten Cliff Richard. Für Deutschland war die Norwegerin Wenke Myhre am Start und belegte nur Platz 6, aber in den deutschen Schlagercharts war der Titel ein Hit.

► US-Szene: Über ihre TV-Sitcom waren die Monkees die Starband der USA und fanden ihre erfolgreichen Nachahmer mit dem Ohio-Express und Tommy James & The Shondells. Ebenfalls beliebt waren weiterhin die Beach Boys, sowie die gesamte kalifornische Musikszene. Jimi Hendrix machte Negativschlagzeilen, indem er seinen Bassisten verprügelte, ein Hotelzimmer demolierte und wegen Drogensucht mit der Polizei Bekanntschaft machte. Der Jazztrompeter Louis Armstrong interpretierte den Sam Cooke Song “What a Wonderful World” in seiner unverwechselbaren Art und der Song wurde ein Welthit. Weiter hervorzuheben ist die Soulsängerin Aretha Franklin und die Bluesband Canned Heat deren Song „On The Road Again“ zum Evergreen wurde.

► Britische Szene: Das australische Trio Bee Gees war besonders in Deutschland sehr beliebt und demzufolge, gab es viele Auskopplungen aus ihrem Album „Horizontal“. In England wurden ihre Songs als kitschig kritisiert. Die aus Jamaika stammenden Komponisten der Equals, kombinierten erfolgreich karibisches Temperament mit dem britischen Beat. Zu den Dauergästen der britischen Charts gehörten die Small Faces, Hollies, Manfred Mann und The Kinks. Zu einem unerwarteten Hit, wurde das wilde unharmonische „Fire“ von Arthur Brown.

► Weltmusik: Der Engländer Tom Jones wurde mit „Delilah“ und „Help Yourself“ zum Weltstar und schaffte es in zahlreichen europäischen Hitparaden wochenlang auf Spitzenplätze. Auch der Engländer Engelbert (Humperdinck) begeisterte die älteren Generationen und präsentierte sich in TV-Showsendungen gern als Superstar. Esther & Abi Ofarim landeten ihren erfolgreichsten Singlehit. Das israelische Duo war bislang nur im deutschsprachigen Raum berühmt, nun folgten weltweite Auftritte, die leider privat zum Zerwürfnis führten. Mit „Azzurro“ gelingt dem Italiener Adriano Celentano der größte Hit seiner Karriere.   

Ansonsten: Die niederländische Band Ekzeption experimentierte erfolgreich mit Klassikmotiven und Hardrock. David Gilmour ersetzt Syd Barrett bei Pink Floyd, da sich Syd in psychiatrische Behandlung begeben musste. Die Gruppe Yardbird löst sich auf, woraus Led Zeppelin entstand. Donovan begeistert bei seinen Live-Konzerten und wird zum Geheimtipp und The Doors wurden zu Kultband für Jazzrockfans.

► BRD-Schlager: der 12-jährige Heintje aus den Niederlanden wird zum Megastar des Schlagers und bricht alle Verkaufsrekorde. Peter Alexander covert mit großem Erfolg die Hits von Weltmusikern. Roy Black verzaubert weiterhin die Frauenherzen mit gefühlvollen Schmeicheleien. Neben diesen drei Superstars des Schlagers gibt es eine Reihe von Interpreten (meist ausländische), die den Schlager bereicherten und vielseitiger machten.

► DDR-Szene: Begünstigt durch den großen Namen Gerd Natschinski (Schlagerkomponist), wird seinem Sohn Thomas, die erste Schlagerbeat-LP („Auf der Straße“) gestattet und die dazu führt, dass die Funktionäre das Beatverbot inoffiziell aufheben. Thomas und Gerd Natschinski schreiben daraufhin die Musik zum Schlagerfilm „Heißer Sommer“, der Frank Schöbel und Chris Doerk zu den Superstars der Schlagerszene machte. Die wahren offiziellen Hits in der DDR, sind die politischen Lieder „Unsere Heimat“ (Kinderlied) und „Sag mir wo du stehst“ (Oktoberklub).

 



 

  Wissenschaft, Gliederung, Mond, Cartoon, Astronomie                                              Das Jahr 1969                                                                               

         Mondlandung                                         

Brennpunkte:
Mondlandung: Im Vorfeld war es der Sowjetunion bereits gelungen, 1966 einen Flugkörper Luna 9 auf dem Mond zu landen. Am 20. Juli startete die Apollo 11 Mission zum Mond und am 21. Juli um 3.56 Uhr (MEZ) betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Livebilder von dem Ereignis gingen um die Welt und zahlreiche Fernsehzuschauer schalteten in der Nacht ihr TV-Gerät ein, um Live dabei zu sein. Weiterhin an Bord von Apollo 11 waren Edwin Aldrin und Michael Collins. Im Nachhinein keimten einige Fragen zu den Aufnahmen auf, die der NASA unterstellten, dass dem Fernsehpublikum eine vorgefertigte Studiofassung vorgespielt wurde. Unbestritten ist inzwischen, dass es die Mondlandung gegeben hat.
Nordirland: Andauernde Benachteiligungen führten zu Unruhen und Ausschreitungen durch Katholiken und mündeten in den Marsch von Belfast nach Londonderry, die von protestantischen Loyalisten angegriffen wurden. Daraufhin errichteten die katholischen Nationalisten zu ihrem Schutz Barrikaden in den Städten. Am 12. August eskalierte die Situation, als Protestanten den katholischen Stadtteil Bogside stürmten. Die Polizei war machtlos gegenüber der Gewalt und musste die Straßenschlachten zulassen. Premierminister Clark schickte daraufhin die Armee, um die Lage zu beruhigen. Acht Menschen wurden indes getötet und 750 verletzt und mehr als 1500 katholische Familien wurden aus ihren Häusern vertrieben. Nachdem das Militär die Ruhe wiederherstellte, änderte sich aber nichts an der Gesamtsituation, worüber die Katholiken sehr verärgert waren. Schwere Vorwürfe wurden auch der IRA gemacht, die tatenlos zugesehen hatte. Im Dezember entbrannte deswegen ein Richtungsstreit in der IRA und führte zur Spaltung in die gemäßigte Official IRA und der militanten Provisional IRA (Provo). Die Provos verstärkte gezielte Terroraktionen gegen die britischen Besatzer für ein Freies Nordirland.

Ausgesuchte Ereignisse:
02. 03. - Sowjetunion: Die Spannungen zwischen China und der UdSSR gipfeln in den Grenzkonflikt am Ussuri
28. 04. - Frankreich: Infolge der Maiunruhen von 1968 tritt Charles de Gaulle als Staatspräsident zurück und 15. 06. übernimmt
               George Pompidou das Amt
27. 06. - USA: Schwere Unruhen mit der Polizei aufgrund diskriminierender Übergriffe auf Homosexuelle in der Christopher Street
               (Christopher Street Day)
04. 07. - El Salvador: Der schwelende Konflikt zwischen El Salvador und Honduras eskalierte nach einem 
Fußball-WM-
              Qualifikationsspiel und führte zu schweren Ausschreitungen, in deren Folge ein 
militärischer Konflikt zwischen beiden Staaten
               ausbrach und am 17.07. beendet wurde
22. 07. - Spanien: Der greise Diktator Franco bestimmt Juan Carlos zu seinem Nachfolger, verleiht ihm den 
Titel Prinz von Spanien
              und lässt das Land zur Monarchie umformen
13. 08. - Sowjetunion: schwere Gefechte mit chinesischen Truppen um die Grenzregion am Ussuri, die am 11. 
September beigelegt
               werden, aber der Konflikt erst 1995 gelöst wird
01. 09. - Libyen: Militärputsch durch Al Gaddhafi stürzt König Idris; sozialistischer Kurs
15. 10. - USA: In Washington protestieren 250.000 Menschen gegen den Vietnamkrieg
21. 10. - BRD: mit 42,7 % gewinnt die SPD die Bundestagswahlen und einigen sich mit Walter Scheel (FDP) 
auf eine Regierungskoalition;
               Willy Brandt wird Bundeskanzler
05. 12.  - USA: Das Magazin LIFE macht das Massaker von My Lai (von 1968) öffentlich
17. 12.  - Chile: linke Parteien und Gruppierungen gründen die Unidad Popular

Sonstiges:  
Berliner Fernsehturm (DDR) am Alexanderplatz wird eröffnet - - -  CompuServe wird gegründet - - - In der Universität of California wird
eine Nachricht zwischen zwei entfernten Rechnern übermittelt, damit wird das ARPANET gegründet und ist der Vorläufer des Internets - - -
deutsche Atomuhr CS1 wird in Braunschweig in Betrieb genommen - - - Der Sexualkunde-Atlas wird an den bundesdeutschen Schulen
eingeführt und sorgt für heftige Diskussionen - - - ausfließendes Erdöl einer Bohrplattform verursacht eine Ölpest an der Küste Kaliforniens
- - - Erdbeben in China fordert 3.000 Tote - - - Hurrikane Camille tobt an der US-Golfküste und tötet 256 Menschen - - - Erdbeben bei
Banja Luka (heute Bosnien-Herzegowina) fordert 20 Opfer und 64.000 Menschen werden obdachlos und große Teile der Infrastruktur werden
zerstört

Internationale Hits  1969
         Song Sound Artist Nat
  1.  Eloise                                                                       (1.)  POP  Barry Ryan  GBR
  2.  Je t'aime - moi non plus                                           (2.) Song  Jane Birkin & Serge Gainsbourg  FRA
  3.  In The Year 2525                                                     (6.) POP  Zager & Evans    GBR
  4.  Crimson And Clover                                               (9.) POP  Tommy James & The Shondells USA
  5.  With A Little Help From My Friends                    (13.) POP  Joe Cocker GBR
  6.  Sugar Sugar                                                            (11.) Beat  Archies   GBR
  7.  Ob-la-di Ob-la-da                                                  (16.) Beat  Beatles  GBR
  8.  Atlantis                                                                   (17.) POP  Donovan    GBR
  9.  In The Ghetto                                                         (10.) POP  Elvis Presley  USA
10.  Only One Woman                                                  (15.)
Beat  Marbles   GBR
11.  Honky Tonk Women                                              (18.) Rock  Rolling Stones   GBR
12.  The Ballad Of John And Yoko                               (14.) Beat  Beatles  GBR
13.  Get Back                                                                 (19.) Beat  Beatles   GBR
14.  Oh Happy Day                                                        (12.) POP  Edwin Hawkins Singers USA
15.  Mendocino                                                      (!*)  ( 8. ) POP  Sir Douglas Quintet USA
16.  Pretty Belinda    Song  Chris Andrews  GBR
17.  Venus  Beat  Shocking Blue  NDL
18.  Saved By The Bell  POP  Robin Gibb AUS
19.  Aquarius / Let The Sunshine In   Soul  5th Dimension  USA
20.  Dizzy     
POP  Tommy Roe  USA
21.  Israelites    RAG  Desmond Dekker  JAM
22.  Proud Mary  Rock  Creedence Clearwater Revival  (C.C.R.) USA
23.  Give Peace A Chance  XX  Plastic Ono Band ( John Lennon )   GBR
24.  Come Together / Something  Beat  Beatles  GBR
25.  Fox On The Run  Beat  Manfred Mann  GBR
26.  First Of May POP  Bee Gees   AUS
27.  Bad Moon Rising  Rock  Creedence Clearwater Revival ( C.C.R.)  USA
28.  I'm A Tiger  Song  Lulu   GBR
29.  Where Do You Go To POP  Peter Sarstedt  GBR
30.  Sorry Suzanne     Beat  Hollies   GBR
Legende: Song = Liedtitel ; Sound = Musikart/Richtung; Artist = Interpreten; Nat= Herkunft der Interpreten bzw. Produktionsland
Sound: Beat = Beatstilarten ; Count= Countrystil ; Instr. = instrumentaltitel ; Jazz= Jazz-Art ; POP = populäre Mischform ; RAG = Reggae-Art
             Rock= Rockspielarten, auch Bluesrock;  Song= Weltschlager, -Songs ; Soul = Soulart ; SWG = Swingart; XX= Protestsong

Hinweise:  (Zahl) =  Top Twenty nach der Verkaufszahlenauswertung durch die Uni Würzburg  (Quellenverzeichnis)
Anmerkung:    (!*) = dieser Titel war in der Coverversion von Michael Holm in der BRD wesentlich erfolgreicher als das Original
 Die Singlecharts entsprachen in etwa der allgemeinen Beliebtheit, auch wenn es deutliche Unterschiede zu den Radiocharts gab.
 Speziell in den Jugendhitparaden tauchten verstärkt Hardrocktitel mit Überlängen auf und waren häufig Auskopplungen von Alben.

 Viele Hardrockband produzierte vornehmlich Albums und kaum Singles (siehe Musiknotizen).
 
Schlagerhits 1969
           Titel  HW  Interpretation Nat
  1.   Mendocino                                  (*Sir Douglas Quintett)   ( 3. ) JS  Michael Holm  - - -
  2.   Liebesleid          (4. )  Peter Alexander  AUT
  3.   Das Mädchen Carina  (5. )  Roy Black - - -
  4.   Geh nicht vorbei (7. ) JS  Christian Anders AUT
  5.   Ich sing' ein Lied für dich (20.)  Heintje NDL
  6.   Anuschka      Udo Jürgens AUT
  7.   Scheiden tut so weh     Heintje  NDL
  8.   Dein schönstes Geschenk    Roy Black   - - -
  9.   Hinter den Kulissen von Paris      Ch  Mireille Mathieu FRA
10.   Er steht im Tor       Wencke Myhre  NOR
11.   Es wird Nacht Senorita Ch  Udo Jürgens  AUT
12.   Weine nicht kleine Eva 
   Die Flippers - - -
13.   Dondolo  
   Rex Gildo - - -
14.   Weißt du wohin     Karel Gott CSR
15.   Er war nur ein armer Zigeuner    Ronny  - - -
16.   Lady Carneval     Karel Gott    CSR
17.   Heute so, morgen so    Roberto Blanco KUB
18.   Martin   Ch Mireille Mathieu  FRA
19.   Ein bisschen Goethe, ein bisschen Bonaparte        France Gall FRA
20.   Was damals war    Karel Gott CSR 
21.   Ein Student aus Uppsala     Kirsti  NOR
22.   Azzurro     Peter Rubin  - - -
23.   Erstes Morgenrot Ch  Alexandra  - - -
24.   Wähle 3-3-3 JS  Graham Bonney GBR 
25.   Pretty Belinda     Bernd Spier - - -
26.   Zucker im Kaffee    Erik Silvester - - -
27.   Karamba, Karacho ein Wisky  V  Heino - - -
28.   Wenn einer dir Tausend Küsse verspricht …      Gaby Berger  - - -
29.   Weiße Rosen       Gitte Henning DAN
30.   In der Carnaby Street      JS  Peggy March  USA
Hinweise:  HW = Hinweise zum Lied ; Nat= Herkunft der Interpreten bzw. Produktionsland; deutsche Produktionen mit " - - - " gekenzeichnet
                   (*Name) = Titel im Original von ...!   // Länderkürzel: INO = Indonesien ; TAH= Tahiti

Hinweise -Konkret:  (!)  =  erfolgreichste Version eines Liedes von mindestens einer weiteren Interpretation ; (Zahl) =  Top Twenty nach 
                   der Verkaufszahlenauswertung durch die Uni Würzburg  (Quellenverzeichnis)
// C = Country-Western-Stil;  Ch = Chanson ; 
                   G= Groteske Lieder & Karneval ; JS = Jugend-Schlager ; V=volkstümliche Songs
 
DDR - Schlager 1969
  1.   Rauchen im Wald ist verboten  Nina Lizell      SWE
  2.   In der Mocca Milch Eisbar  Thomas Natschinski Combo
  3.   Die alten Räuber    Chris Doerk
  4.   Wer hat sie gesehen   Michael Hansen
  5.   Häng den Mond in die Bäume    Chris Doerk
  6.   Ich geb’ ein Fest      Andreas Holm
  7.   Fang meine Träume ein     Ina Martell
  8.   Schön ist so ein Kuss um Mitternacht  Karin Heyn
  9.   Es war im Jahr 1199   Thomas Lück
10.   Abends in der Stadt
 Chris Doerk & Frank Schöbel
 
Albumcharts 1969 Grand Prix de Eurovision
  1.  Abbey Road                                                         The Beatles in Madrit (ESP)           //  16 Teilnehmer  *X
  2.  Let It Bleed                                                  The Rolling Stones  1. ESP          Vico cantando
  3.  Hair       (Musical)                                               Soundtrack                       Salome
  4.  Led Zeppelin                                                     Led Zeppelin   1. GBR        Boom bang a bang
  5.  Non Stop Dancing 8                                   James Last Orchester                       Lulu
  6.  Tommy    (Rockoper)                                             The Who  1. FRA         Un jour, un enfant
  7.  Ich sing ein Lied für dich                                       Heintje                       Frida Boccara 
  8.  Die goldene Stimme aus Prag                              Karel Gott 1. NDL         De troubadour  
  9.  Johnny Cash At San Quentin                              Johnny Cash                      Lennie Kuhr 
10.  Green River                                       Creedence Clearwater Revival   *X =  die  Vier Siegertitel waren punktgleich        
                                                                                                                      9. BRD          Primaballerina     - Siw Malmkvist
 Weitere Chartshits
  If Paradise Is Half As Nice                   The Amen Corner   Ob-la-di Ob-la-da                                 The Marmalade 
  Down On the Corner                            C. C. R.   Blackberry Way                                    The Move
  Holly Holy                                           Neil Diamond   Leaving, on a Jet Plane                         Peter, Paul & Mary
  Albatross                                              Fleetwood Mac   Suspicious Minds                                  Elvis Presley
  Build Me Up Buttercup                       The Foundations   The Boxer                                             Simon & Garfunkel
  Something's Happening                       The Herman's Hermits   My Way                                                Frank Sinatra
  He Ain't Heavy - He's My Brother      The Hollies   Pinball Wizard                                      The Who
  Goodbye                                              Mary Hopkin   I'm Free                                                 The Who
  In-A-Godda-Da-Vida                          The Iron Butterfly   Something In The Air                    The Thunderclap Newman
  Boom Bang-A-Bang                            Lulu   Stand By Your Man                              Tammy Wynette
 
                                                                                         Beliebtesten Interpreten 1969
International   BRD - National DDR - National
  1.  Beatles
  2.  Rolling Stones
  3.  Creedence C. R
  4.  Elvis Presley
  5.  Bee Gees
  6.  Who
  7.  Simon & Garf.
  8.  Donovan
  1.  Roy Black
  2.  Heintje
  3.  Udo Jürgens
  4.  Karel Gott
  5.  Peter Alexander
  6.  M. Mathieu
  7.  Wenke Myhre
  8.  Ricky Shayne
  1.  Nina Lizell
  2.  Chris Doerk
  3.  Andreas Holm
  4.  Thomas Lück
  5.  Frank Schöbel
  6.  Michael Hansen
  7.  Dagmar & Siegfried
  8.  Ina Martell

 

Sport:
 - Fußballcup der Landesmeister: Wegen den Ereignissen in der CSSR wurden die Klubs sozialistischer Staaten 
extra ausgelost, da sich die
    westlichen Klubs weigerten gegen sie anzutreten; daraufhin traten fast alle Klubs 
aus den sozialistischen Staaten nicht zum Wettbewerb
    an (Ausnahme CSSR und Rumänien). 
Sieger im Cup der Landesmeister wurde der AC Mailand im Finale gegen Ajax Amsterdam (4:1)
-  UEFA-Pokalsiegercup: Slovan Bratislava und Dinamo Bukarest waren für die CSSR und Rumänien in diesem 
Cupwettbewerb erfolgreich.
    Slovan Bratislava wurde sogar Cupsieger (- FC Barcelona 3:2)
-  Fußballmeister BRD: FC Bayern München vor Alemannia Aachen
-  Fußballmeister DDR: FC Vorwärts Berlin vor FC Carl Zeiß Jena
-  Der legendäre Jackie Stewart wird erstmals Formel-1- Weltmeister

Kultur:
Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ (W. Shakespeare) von John Cranko (Choreografie) und Kurt-Heinz Stolze (Musik) - - -  Oper
„Maître Pathelin” von Rainer Kunad - - - Oper „ Das Märchen von der schönen Lilie“ von Giselher Klebe - - - Oper „Der Teufel von
Loundun“ von Krysztof Penderecki - - - Oper „Zweitausend Taler“ von Boris Blacher

Radio / Fernsehen:
-  die BBC startet die Comedyserie Monty Python Flying Circus (schwarzer Humor)
-  DFF 2 startet im DDR-Fernsehen und strahlt erste Farbsendungen im SECAM- System aus
-  Mondlandung von Apollo 11 wird zum Fernsehereignis des Jahres (weltweit etwa 750 Millionen Zuschauer)
-  Das ZDF beginnt mit der Krimiserie „Der Kommissar“ mit Erik Ode, der „ZDF Hitparade“ und der „Peter 
Alexander Show“
-  Die ORF- Spielshow „Wünsch dir Was“ mit Dietmar Schönherr und Vivi Bach, wird vom ZDF übernommen

-  US- Krimiserie (69 Folgen - bis 1978) „Columbo“ mit Peter Falk in der ARD und die Artistenserie „ Salto Mortale“
   (mit Gustav Knuth und Hans Söhnker)

Film/Kino:
Oscar für das Gegenwartsdrama „Asphalt-Cowboy“ mit Dustin Hoffman
- Kultfilm „Easy Rider“, Rockerstudie mit Peter Fonda und Dennis Hopper, macht „Born To Be Wild“ 
(Steppenwolf) erneut zum Hit
- Mafiafilm „Clan der Sizilianer“ mit Jean Gabin und Alain Delon
- „Hurra - die Schule brennt“, mit Heintje und Peter Alexander, wird der erfolgreichste Teil der Schulkomödie 
„Die Lümmel von der ersten
   Bank“; besonders die Schlager haben daran einen großen Anteil
- Nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren wird „Pippi Langstrumpf“ mit Inger Nilsson zum 
beliebten Kinderfilm
- Filmmusical „Hello Dolly” mit Barbarra Streisan, steigert die Popularität von Musicals
- Komödie um den VW Käfer „Ein toller Käfer“, der den Namen Herbie trägt und ein gewisses Eigenleben 
entwickelt; wird Kultfilm
- Ansonsten: Paul Newman und Robert Redford als Westernbanditen in „Butch Cassidy und Sundance Kid” und ebenso als Bandit in
  Mexiko agierte William Holden im Film „Wild Bunch, Sie kannten kein Gesetz“
- Im BRD Kino gab es eine Reihe von humorigen Sexfilmchen und Oswald Kolles Aufklärungsfilme; 
das DDR Kino reagierte mit Klamauk
  in mittelalterlichen Szenarien „Hauptmann Florian von der Mühle“ 
oder „Jungfer, sie gefällt mir“ mit erotischen Szenen oder dem Märchen
  für Erwachsene „Wie heiratet 
man einen König“

                                                                                                             Musikszene 1969

► Woodstock: Zum größten Open Air Konzert aller Zeiten, vom 15. -17. August, kamen etwa 400.000 Zuschauer und es spielten 32 namhafte Bands aus der Folk-, Rock-, Soul- und Bluesszene. Die bekanntesten Künstler waren Joan Beaz, Melanie (Safka), Janis Joplin, Jimi Hendrix, Joe Cocker, Santana, Canned Heat, The Who, Ten Years After, Iron Butterfly, Blood-Sweat & Tears, Jefferson Airplane und Crosby-Still-Nash & Young. Das Festival auf einer Farm in Bethel (Bundesstaat New York), galt als der musikalische Höhepunkt der Hippiebewegung und zugleich als Protest gegen den Vietnamkrieg. Trotz einiger Mängel (Hygiene, Versorgung) lebte die Jugend einen hoffnungsvollen Traum, von einer gerechten Welt und ging in die Geschichte als das friedlichste und größte Musikereignis aller Zeiten ein. 

► Das Schwarze Jahr der Rolling Stones und das skandalöse Open Air Konzert von Altamont:
Die Spannungen mit Brian Jones veranlassten die Rolling Stones dazu Mick Taylor in die Band zu holen, um endlich wieder zuverlässig auf Konzerttournee gehen zu können. Brian Jones wird kurz darauf am 3. Juli in seinem Swimmingpool tot gefunden. Die unklare Todesursache führte zu zahlreichen Spekulationen und reichten von Rauschgifttod bis hin zum Mord. Zum Gedenken an Brian gab die Band ein Gratiskonzert im Hyde Park (London) und 300.000 Fans kamen. Anschließend gingen sie, wie geplant, auf Welttournee, die sehr erfolgreich verlief.
In den USA entschlossen sie sich zu einem kurzfristigen Open Air Konzert. Die Suche nach einem Ort erwies sich als schwierig und nur die Speedwaybahn bei Altamont (Kalifornien) bot sich an. Für den 6. Dezember wurde dort ein Konzert mit Crosbys-Still-Nash & Young, Jefferson Airplane, Grateful Dead, Flying Burrito Brothers und Ike & Tina Turner beschlossen, deren Schlusspunkt die Rolling Stones setzen wollten. Bei kühlem und regnerischem Wetter stand das Konzert unter keinen guten Stern. Zudem wurden als Ordner die Rockergruppe Hell Angels engagiert, die im Vorfeld eine aggressive Stimmung verursachten.
Das Festival wurde zum Albtraum mit mehreren Schlägereien und Hell Angels Ordner, die durch ihre Art provozierten. Der Dokumentarfilm „Gimme Shelter“, von den Rolling Stones, schildert anschaulich die Vorgänge jenes Festivals. Der Höhepunkt sollte das Stones-Konzert werden. Doch während des Konzerts, unmittelbar vor der Bühne, wurde der Afroamerikaner Meredith Hunter von den Hells Angels erstochen, weil die Ordner meinten, er wollte eine Waffe ziehen. Ein verunsicherter Mick Jagger sang verunsichert weiter und verhinderte so eine mögliche Massenpanik. Allerdings wurde Mick später von den Medien dafür scharf attackiert, obwohl Psychologen Mick Entscheidung für vernünftig erachteten. Es wurde nie aufgeklärt, ob der Afroamerikaner wirklich eine Waffe ziehen wollte oder ob ihm, im Nachhinein, die Hells Angels eine  Waffe zugesteckt hatten. Zumindest ließ der Vorfall rassistischen Spannungen wieder aufleben. Dazu kam eine Bilanz von vier Toten (3 Unfälle), mehreren Verletzten (durch Schlägereien) und einigen Schwangerschaften (z.T. Vergewaltigungen). Aufgrund dieser Vorfälle, wurden weitere Open Air Konzerte auf Eis. Mit dem Festival von Altamont wurde auch symbolisch der Hippiekult begraben.

► Weitere Popfestivals vor Altamont: in Bilzen (Belgien) unter anderem mit Deep Purples, Shocking Blue, Moody Blues und The Move (21.-24. 08.). Das Isle of Wight Festival (Großbritannien) unter anderem mit Joe Cocker, Bob Dylan, The Who und Moody Blues.

► Trennung der Beatles: Am 30. 01. gab die Band auf dem Dach des Apple-Gebäudes ein Promotion-Konzert und sorgte auf den umliegenden Straßen für einen Verkehrsstau. Es war ihr letzter gemeinsamer Auftritt, dem zunehmend Differenzen folgten, in puncto Management und Musik. John Lennon ging eigene Wege und lies sich von Yoko Ono leiten, die er am 20. März heiratet. Während ihrer Flitterwochen veranstalten sie in Amster-dam ihr erstes „Bed In“ und am 2. Juni machten sie in Montreal (Kanada) erneut vom Bett, ihren Standpunkt zum Vietnamkrieg klar und John Lennon sang erstmalig, die spätere Antikriegshymne „Give Peace A Chance“.
Paul McCartney heiratete inzwischen Linda Eastman; George Harrison wurde wegen Haschischbesitz verhaftet und Ringo Starr fühlte sich allein. Das Album „Yellow Submarine“ (ab Januar) verkaufte sich für ein Beatles-Album ziemlich mäßig. Paul McCartney versuchte die Band zusammenzuhalten, aber John und George hatten sich geistig von der Band verabschiedet und so kam es, dass die erfolgreichsten Singleproduktionen des Jahres ausschließlich von Paul McCartney stammten. Dennoch entstand im September das Album „Abbey Road“ und  war im Prinzip eine Sammlung von Soloprojekten von Paul, John und George, und für Ringo wurde „Octopus’s Garden“ geschrieben.

► „Hair, wird zum Kultmusical. In den USA überfluten Cover-Versionen zu den Songs des Musicals die Charts. In Europa setzten sich die Varianten von den 5th Dimension durch („Aquarius“, „Let The Sunshine In“). Ähnlich erfolgreich war die Rockoper „Tommy“ von The Who, dass in Großbritannien aufgeführt wurde.

► David Bowie’s „Space Oddity“: Inspiriert vom Vorhaben der Mondlandung, verwendet die BBC den Song später bei der realen Mondlandung. David Bowie wird bekannt und sein schillerndes Raumfahrt-Outfit, beein-flusst später die Glamrockmode. Sein Album „Man of Word/ Man of Music“ profitiert nicht vom Song.

► Elvis Presley - Comeback: Ein Konzert in Las Vegas am 31. Juli bringt ihn zurück ins Rampenlicht. Die TV-Aufzeichnung löst eine neue Elvis-Begeisterung in den USA aus. „Suspicious Minds“ und „in The Ghetto“ werden in den US-Charts zu Megahits und seine nachfolgenden Livekonzerte brechen alle Zuschauerrekorde.

► Grand Prix de Eurovision (16 Teilnehmer): Erstmalig waren vier Titel punktgleich, wodurch alle Lieder zu Siegern erklärt wurden (s.o.), der deutsche Beitrag „Primaballerina“ gesungen von Siw Malmquist erreichte den 9. Platz. Gemessen am späteren internationalen Charterfolg, war die eigentliche Siegerin Lulu

► Ansonsten: Led Zeppelin veröffentlichen erstes Album // CCR landen fünf Top-10 Hits in den US-Charts // Zeit der Musikhymnen durch Barry Ryan, Joe Cocker und auch Donovan // das erotische Stöhnen im Lied „Je t’aime“ macht ihn zum Skandalsong und wird in einigen Ländern verboten // Simon & Garfunkel äußern sich auf ihren Livekonzerten deutlich gegen Krieg und Armut // Jackson Five (Michael Jackson) starten mit Debütalbum // Sly & The Family Stone veröffentlichen das Erfolgsalbum „Stand!“ // Santana und Fleetwood Mac kreieren den Latinrock // Deep Purple experimentieren mit klassischer Musik // Gospelhit „Oh Happy Day“ und erster Reggaehit „Israelites“ // One Hit Wonder von Shoking Blue, Archies, Peter Sarstedt, The Marbles und Zagar & Evans // mit „Crimson And Clover“ landen Tommy James & the Shondells ihren größten Hit.

► BRD-Szene: Bunt gemischte Schlagerlandschaft von Heintje über Peter Alexander zum Schlagerbeat. Besonders beliebt bei der Jugend wird Ricky Shayne („Ich mache keine Komplimente“, „Es wird ein Bettler zum König“, „Ich sprenge alle Ketten“), gefolgt von Christian Anders, Peggy March, Michael Holm und France Gall.