03. Sound - Funky bis Grunge

Sound : Funky, Rap, Hip Hop, Grunge

1. Funky
2. Rap
3. Hip Hop
4. Reggae
5. New Romantics (New Wave)
6. Benefizkonzerte (Band AID)
7.  Rock’N’Roll
8. Jazz
9. Ethno-Pop
10. Hardrock 3 (Grunge, Britpop)
11. Boygroups
12. Techno

1. Funky

Begriff: Im musikalischen Sinne ein abgebrochener Sound und bedeutet umgangssprachlich, soviel, wie: „Du bist, ein merkwürdiger, aber interessanter Mensch (= „Ich find dich funky“)“ und meint „Du bist zwar nicht unbedingt mein Typ, aber du hast was interessantes oder  anziehendes an dir“). Der Sound ist stark Bass betont und wirkt ähnlich, wie der Reggae abhackt, ist aber dennoch ein flüssiger Soulstil, der besonders dem Discobereich eine neue Prägung gab. Der Nena Song „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“, ist so ein typischer Funkysong, bei dem man den Takt, mit dem Fingern mitschnippen kann und der sich dennoch deutlich vom Swing unterscheidet. Beim Swing wird der Takt und beim Funky werden die Unterbrecher mitgeschnippt, die mit dem Gesang überzogen werden, sodass ein musikalischer Bruch kaum spürbar wird.
Ursprung: Dieser bassbetonte, rhythmische Sound entstand bereits schon in den 60er Jahren und Interpreten wie Herbie Hancock und die Isley Brothers spielten vorwiegend den Sound. In den 70er Jahren waren es die Commodors und Earth Wind & Fire, die den Sound weiter pflegten und modernisierten. Der Stil eignete sich exquisit für die Erweiterung des Discosounds, der sich in den 80er Jahren zum Grundstil entwickelte.
Entwicklung: Die Grenzen sind fließend, wie man so sagt und dies gilt besonders für die Funkymusik, die mit dem Discokult erst so richtig populär wurde. Da die Soundrichtungen des Discosounds immer ähnlicher klangen, etablierte sich Funky beinahe unbemerkt und sollte um 1983 zum vorherrschenden Soulsound werden. Michael Jackson, das Kunstprodukt der Popindustrie, ist so ein Star der Musik, da viele seiner Titel vom Funkystil geprägt sind.
Lifestyle: Die Vertreter jener Musik prägen ein glamouröses, darstellendes Image mit einer erotischen Tendenz.
Neben Michael Jackson wurden Madonna und Prince zu Megastars der 80er Jahre, die jeweils durch ihre schrillen Eigenwilligkeiten für Schlagzeilen sorgten.
Weiter zu nennen wären noch: Dianna Ross, Pat Benater,Dionne Warvick, Sheena Easton und Tina Turner, die ebenfalls ein glamouröses Image pflegten. Die überwiegend weiblichen Fans jener Musik eiferten dem Darstellungsgehabe nach und orientierten ihr Leben auf Konsum, Partys, Tanz und Sex. Sie schufen für sich ein Leben fern ab vom Alltag, verdrängten die grauen Realitäten und genossen die angenehmen Seiten des Lebens.

2. Rap

Begriff: Slangausdruck für schnelles Reden und ist überwiegend eine Erfindung der Farbigen in den Gettos der Großstädte (Ursprung: New York). Ein einfacher Disco-Funky Grundrhythmus und ein Scratchen von Schallplatten bilden die musikalische Basis der Musik und eine schnelle Slangsprechweise wurde typisch. Im Rap werden Botschaften verkündet, die sich mit der Realität und dem Zeitgeschehen auseinandersetzen. Vorherrschendes Thema ist die Partnerschaft und die Sexualität. Das Scratchen ist eine Discjockey Technik, der eine laufende Schallplatte rhythmisch per Hand zurückzieht und damit neuartige Effekte erzeugt.
Ursprung: Rap versteht sich zunächst als Protestform von farbigen Jugendlichen, die überwiegend Missstände in den Gettos anprangern, aber auch Sex und Liebe thematisieren. Mit der sexuellen Ausrichtung wurde Rap kommerzieller, da ein gewinnbringender Aspekt in den Vordergrund rückte. Typisch für Rapper ist eine überzogene Selbstdarstellung, die traditionell vom Streit der Ganggruppen herrührte.
Ein Anführer einer solchen Rapper Gang musste cool und wortgewandt sein, und es verstehen seinen Gegner beleidigend in Grund und Boden zu reden. Dennoch war Rap von seinem Wesen her ein friedliches Wortgefecht zwischen den verfeindeten Gangs. Den Sozialarbeiter war die Art von Streit natürlich lieber als Gewalttätigkeiten und hatten zugleich eine bessere Basis auf Jugendliche einzugehen.
Mit der musikalischen rhythmischen Untermalung des Meinungsduells wurde es modern sich in Reimform zu streiten. Solche Rededuelle fanden auf einem überheblichen, provozierenden Niveau statt, sodass solche Streitkämpfe schließlich doch in einer Schlägerei endeten.
In einer Steigerungsstufe zum Rap kreierten die Farbigen verschiedenartige Tänze, die unter den Sammelbegriff Breakdance populär wurden. Neben dem Wortgefecht setzten sich Tanz-duelle durch. Eine Form erinnerte mit ihrem akrobatischen Charakter an den russischen Volkstanz Kasatschok (Tanz in der Hocke, auf dem Boden). Beliebt war ebenso der Robotdance mit seinen abgehackten Bewegungsformen. Musikalisch setzten Discjockeys (DJ) die Akzente und gaben mit dem Scratchen den Rap eine eigene Musikform.
Entwicklung:  Der Text und die Sprache spielen hier eine primäre Rolle und so konnte sich deswegen die Rapmusik in Europa nur schwer durchsetzen. Die Slangsprechweise (Slang = Umgangssprache), war dabei ein großes Hindernis (in der Übersetzung), womit selbst die weißen Amerikaner ihre Schwierigkeiten hatten (Sprachgebrauch). 1980 gelang es der Shugarhill Gang mit „Rappers delight“, einen ersten Raphit in Europa zu landen. Allerdings mit dem Breakdance wurde Rap erst bei der Jugend populär und die entsprechenden Songs gelangten in die Charts, erreichten aber kaum vordere Plätze.
Musik und Tanz waren nicht als Massenbewegung gedacht, sondern waren ausgerichtet auf eine spezielle Zielgruppe, dass besonders textlich deutlich wurde. Ihre Sprache im Jargon wirkte befremdlich und ordinär, deren textliche Themen entsprachen einem primitiven Gossen-Niveau und wurden somit von der kommerziellen Jugendmasse abgelehnt. Rapper wie Meile Mel & the Furious Five und the Grandmaster Flash kamen schon textlich auf einem höheren Niveau daher. Mitte der 80er Jahre musste die Jugend die Frustration der gescheiterten Friedensbewegung verdauen und stürzte sich in den Konsum. In Partylaune wollten sie die Politik und den Alltag vergessen und schon gar nicht am sozialen Status erinnert werden.
Aus der Grundhaltung heraus befand sich Rap in Europa im kommerziellen Abseits und trotzdem entwickelten sich im Laufe der 80er Jahre, in einigen Staaten Europas, eine Rapszene. Mal abgesehen von Großbritannien, entwickelte sich die erfolgreichste Szene in Frankreich. In der BRD machte die Rapszene erst durch die Fantastischen Vier (1992) auf sich aufmerksam.

Obwohl die ursprünglicheren Rapper in Deutschland, die Fantastischen Vier, wegen ihrer kommerziellen Musik heftig verbal attackierten, machte Fanta 4 den Rap erst salonfähig. In den 90 Jahren entwickelte sich dadurch eine stabile und erfolgreiche Szene. Rap prägte später durchaus ein progressives Denken in der Jugendszene, doch die meisten Song waren sexistisch geprägt und das in ziemlich ordinärer Weise.
Lifestyle: Pluderhosen, ärmellose T-Shirts und Wollmütze so sieht das typische Outfit aus. Sie wollen sich abheben und sehen sich als Verkünder und Boten des wahren Lebens. Fern ab von gesellschaftlichen Zwängen und in Ablehnung der kreierten Mode, einer für sie kranken Wohlstandsgesellschaft, versuchten sie ein ideelles Bewusstsein zu prägen und meinten speziell Sex damit. Ein swingendes, friedvolles Leben ist ihre Passion und die Auseinandersetzung in Wort und Tanz ist ihr Mittel dazu. Der sexuelle Rausch genießt dabei einen hohen Stellenwert.

3. Hip Hop

Begriff:  Bedeutet so viel wie hüpfender Rhythmus und ist eine Weiterentwicklung der Funky-Musik unter dem Einfluss der Rap Musik. Die Musikart wird geprägt durch einen stetigen gleichen Grundrhythmus, zu dem nur ein ständig hüpfender Tanz passt und vom Tänzer eine hohe Kondition verlangt. Hip-Hop verband Breakdance-Elemente zur allgemeinen Tanzbarkeit, deren Erfinder Breakdancer und Graffiti Künstler waren. Der Grundsound der Musik stellte sich in der Folgezeit als sehr variabel heraus.
Ursprung: Hip-Hop war zunächst eine Breakdance Variante oder besser gesagt, definierte  die Tanzarten, bevor er sich als eigener Tanz herauslöste und zur eigenen Musikrichtung wurde. Tanz und Musik sollten rivalisierende Banden zum friedlichen Tanzwettstreit führen. Die Musik ließ durch seine Funky-Einflüsse keine Grundaggressivität zu, leider sollte sich das ändern. Typisch für Hip-Hop ist die Kombination aus gesprochenem und gesungenem Text und ist stark melodiebetont.
Entwicklung:  Eine Reihe von Namen geistern heute durch unseren Sprachgebrauch die im Prinzip dasselbe meinen und wir als Hip-Hop bezeichnen. Bezeichnungen wie Groove, House Musik, Acid Musik oder High Energy meinen eigentlich dasselbe, deren Unterschiede ledig-lich im Betonen bestimmter Akzente liegen. Hip-Hop als Sammelbegriff unterliegt einem bestimmten Grundrhythmus, er ist aber auch ein wandelbarer Sound, der sich den modernen Einflüssen der Blackmusik anpasst. Typisch für alle Varianten des Sounds blieb der Mit-Wipp-Effekt. Interpreten wie Rick Astley, Mel & Kim, Tina Turner, Kylie Minouge, Gloria Gaynor, Soul 11 Soul, Leila K, Black Box, Grace Jones, Cool & the Gung, Commodors, Gloria Estefan, Whitney Houston, Lisa Stanfield, Salt'n Pepa, Neneh Cherry, Snap und MC Hammer gelten als typische Vertreter der Musik.
Mit einigen Songs zählen ebenso Michael Jackson, Madonna und Prince dazu. Die typisch frohe Grundhaltung der Musik spiegelt sich ebenso im Tanz nieder. Der Hip-Hop-Tanz ist geprägt von einer Gemeinschaftsfördernden körperlichen Aktivität. Die Tänzer motivieren und spornen sich gegenseitig an, deren Tanz durchaus eine erotische Sprache besitzt. (Beat und Rock stellten bislang das solistische Gefühl in den Vordergrund).
Lifestyle:  Wie schon beim Funky gibt es nur eine Botschaft: „Amüsiert euch und genießt euer Leben“. Für die Farbigen kommt dazu die selbstbewusste Aussage „Black Is Beautiful“ und hebt das Selbstwertgefühl der Farbigen, die immer noch einer rassistisch denkenden USA ausgeliefert sind. Provokativ betonen sie dazu ihre Sexualität und ihre erotische Ausstrahlung und unterstreichen mit eindeutigen Posen ihre Reize.
Entsprechend knapper wird hautenge Bekleidung getragen, die stimulierenden Reizquellen (Brust, Po) unterstreichen. Mit eindeutigen Gesten wird der Effekt noch verstärkt, wie Handbewegungen in der Intimzone (M. Jackson = scheint beim Tanz ungeniert den Penis gerade zu rücken) oder eine betonte Zurschaustellung des Hinterteils (Popo), mit einladenden kreisenden erotischen Bewegungen. Mit der angedeuteten Unanständigkeit erklären sie sich zum Schönheitsideal und signalisieren den Rassisten „Fuck You“ oder abgemildert gesagt „verzieht euch“, eure Zeit ist vorbei.

4. Reggaehttp://images6.fanpop.com/image/photos/34300000/Bob-Marley-roots-rock-reggae-34376912-1920-1200.jpg

Begriff: Entstand aus der Musikrichtung Ska (um 1960) und ist eine Verschmelzung afroamerikanischer Musik mit karibischen Elementen durch farbige Musiker. Die Vermischung Ska wurde in den Großstädten von Jamaika als rhythmisch, abgehackter Sound präzisiert. Reggae wird als kommerzieller Ableger des Ska betrachtet und steht in der westlichen Welt für karibischen Urlaub, Sonne und entspannender Gleichgültigkeit.
Ursprung: Aus dem Traditionsverständnis heraus, dass ihre Ahnen versklavte Menschen waren, erinnerten sich die Farbigen der Karibik ihrer Herkunft. Wie in den USA sangen die Farbigen ihre eigenen Lieder und waren an einer Vielzahl von Musikentwicklungen beteiligt. Speziell in Jamaika entstand der Ska/ Reggae, der sich zunächst mit religiösen Themen befasste (primär die Ska-Form). Mit der schnellen Verbreitung der Musik flossen in den Texten zunehmend kritische Töne gegenüber der weißen Herrschaft ein. Sie beklagten darin ihr Leid und verknüpften darin ihre Sehnsucht zur afrikanischen Heimat. Sie begriffen sich musikalisch als Fremde und drückten ihr Unwohlsein aus. Obwohl die Sklaverei schon längst abgeschafft war, litten sie wie die Ureinwohner von Jamaika (Indios) unter der weißen Ober-herrschaft. In Jamaika entwickelte sich ein liberalerer Rassismus und doch gab es gravierende Gegensätze zwischen Armen und Reichen, die auffällig Hautfarben bezogen waren. Im Gegensatz zu den anderen mittelamerikanischen Staaten (außer Kuba) garantierte der britische Einfluss eine zufriedenstellende, demokratische Gesellschaftssituation. Dennoch schauten die Farbigen in den Slums von Jamaika neidisch auf das sozialistische Kuba, wo es eine bessere soziale Gerechtigkeit gab.
Entwicklung:  Der wohlklingende Sound begeisterte verstärkt die Weißen in Kingston, der Hauptstadt Jamaikas. Mit der Assoziation zu Sommer, Sonne, Palmenstrand förderten britische Produzenten die Musik, die nach Urlaub und Erholung klang.
Ende der 60er Jahre wurde die Musik schon durch Desmond Decker populär. Weniger erfreut war die britische Popindustrie über Jimmy Cliff, der zeitkritisch zum Themen „Vietnam“ Stellung nahm.
Ab Mitte der 70er Jahre machte Bob Marley (à) von sich reden,  der sich neben romantischen Liedern auch politischen oder sozialkritischen Themen annahm. Natürlich wurden seine kritischen Lieder von den imperialistischen Medien boykottiert.
Reggae spielte lange Zeit in Europa nur eine gelegentliche Nebenrolle. Lediglich im kalten Britannien träumte man mit der Musik, von einem karibischen Urlaub und zugleich schwang ein koloniales Großmachtgefühl mit.
Mit der Einbindung in den New Wave (Ende der 70er Jahre), durch Gruppen wie Police und Madness, erfuhr der Reggae einen starken Popularitätsschub. Namen wie UB 40, Eddy Grant und Inner Circle sollte in den 80er Jahren fast jeder kennen, als unpolitische, exotische Urlaubsmusik.
Kult: Bunte Hemden, kurze Hosen machten das Flair des Styles der Musik aus. Interpreten im Rastalook (Haare), gebräunten Körpern und exotisch, erotischer Ausstrahlung machten Reggae zur Urlaubsmusik am Palmenstrand. Nur gelegentlich („Hope Johanna“- Eddy Grant) gelangten auch kritische Töne in die Charts und deuteten den traditionellen Grundgedanken der Musik an.

5. New Wave  (New Romantics)

Begriff: Neue Romantik oder besser moderne Ausrichtung vom New Wave, aber eigentlich steht der Sammelbegriff für einen rockorientierten elektronischen Wave Stil. Neben den Gitarren wurden elektronische Instrumente typisch, neben den vordergründigen Keyboard-klängen, kamen Elektrodrums (elektronisches Schlagzeug) zum Einsatz und Computereffekte wurden in die Musik eingebaut. Die meisten Songs der Richtung wurden nicht mehr komponiert sondern arrangiert und entstanden immer häufiger am Computer.
Ursprung: Der New Wave bildet die Grundlage und die Modepunks (siehe 70er Jahre New Wave) prägen das Erscheinungsbild. Hinzu kam eine Vielzahl von Varianten und Spielarten, doch die Basiselemente blieben dieselben. Bei Cindy Lauper fanden sich beispielsweise Elemente des Countrys in einer Funky-Variante und waren dennoch deutlich von New Wave Elementen geprägt. Der New Wave entfernte sich insgesamt von seinem Ursprung dem Punk. Die Musik wurde zahmer, glatter und melodiöser. Selbst das „Wild Boys“ von Duran Duran hatte sich weit vom ursprünglichen Punk entfernt und wirkte trotz starker Rhythmus Betonung seicht und glatt. Gleiches traf auf Depesche Mode zu, deren Songs „Masters and Servant“ und „People are People“ vollgestopft mit aggressiven Elementen und Effekten waren und dennoch brav daher kamen.
Vornehmlich britischen Bands, wie Depesche Mode, Duran Duran, Midge Ure, Simple Minds, Human Leaque, Soft Cell oder Spandau Ballett waren die Stars dieser Richtung, die sich dem Zeitgeschmack anpassten. Sie hatten nichts Provozierendes mehr, noch konnte man von einer wirklichen Botschaft reden, sie waren ein Äquivalent zum sexbetonten Discosound. Es klang alles ganz nett und manchmal versuchten sie auch etwas zu sagen, wobei die Ernsthaftigkeit auf der Strecke blieb.
Entwicklung: Gruppen wie Frankie goes to Hollywood, Simple Red, Eurytmics, Bronskie Beat, Kajagoogoo, Billy Idol, Pet Shop Boys, Talking Head, aber auch A-Ha und Roxette versuchten ein Image zu verkaufen und orientierten sich am populären Geist der 80er, ohne wirklich einen eigenen Standpunkt zu entwickeln. New Romantics ging musikalisch stets den Weg des geringsten Widerstands. War die Musik vor 1985 sehr Keyboard betont, so rückten nun wieder Gitarren in den Vordergrund. Selbst die Mädchenband Bangles rechnet man hinzu, da sie keinen einsortierbaren Sound spielten, sondern stets variierten und letztendlich in ihrer Musik die Elemente des New Waves überwogen.
Typisch für viele Bands der 80er Jahre wurde, dass sie nicht mehr an ihrem Sound klebten (wie die Popband zuvor), sondern stets Neues ausprobierten und experimentierten (also in der Regel keine Kopie eines Erfolges weiterführen). Musikalisch kann der New Romantics Sound als eine stark experimentelle Ausrichtung betrachtet werden. Andererseits entwickelte sich eine erste Form von Wegwerfmusik. Nicht mehr der künstlerische Wert eines Songs stand im Vordergrund, sondern der Erfolg eines Liedes war die Basis für ein weiteres Experiment. Natürlich begeisterten zahlreiche Songs und einige wurden zu Evergreens, aber die meisten Songs hinterließen keinen bleibenden Eindruck. Nur wenige Songs des Musikstils wurden zu Popklassiker und dennoch eignen sich zahlreiche Hits der 80er Jahre, heute noch, hervorragend als Disco- /Tanzmusik.
Kult: Der eigentliche Kult verlor sich zusehends und was blieb, war eine konsumorientierte Jugend. Sie jagten Statussymbole (Bekleidung, Auto) hinterher und wurden zu karriere-süchtigen Menschen. In der Jugendmode überwog das Experimentelle und Gewagte, dass aber nie abstoßend wirkte, sondern eher ausgefallen (verrückt & splinnig). Im Zuge dessen waren plötzlich moderne Anzüge angesagt. Das Symbol für konservativen Rückschritt wurde sogar zum Zentrum des modernen Modebewusstseins. Frauen zogen sich Blazern an und kleideten sich streng männlich und demonstrierten damit ihren gesellschaft-lichen Stand und legten zugleich ein neues Selbstbewusstsein an den Tag und ihre Emanzi-pation erhob nun den Anspruch den Männern überlegen zu sein.
Die Mode hatte starke Einflüsse im gesellschaftlichen Business und ließen die Frauen in verantwortlichen Positionen aufsteigen. Im kommerziellen Musikbereich (Hip-Hop & Funk) brachen weibliche Interpretinnen die Dominanz der Männer. In der Werbung und in den Shows setzte sich ein selbstsicheres Image der Frau durch. Im Privatleben verloren aufreizende Dessous nun ihr Schmuddel Image und wurden für modebewusste Frauen zur Alltagsunterwäsche. Eigentlich müsste man annehmen, dass die Frauen auch im Privatleben die „Hosen“ anhatten, doch weit gefehlt. Abgesehen von den dominanten ledigen Frauen und denen, die sich alten Familienstrukturen unterwarfen, gab es auch viele erfolgreiche Frauen, die im Privatleben sich einfach in die Arme eines Mannes fallen ließen.

 6. Benefizkonzerte

Experten warnten schon vor Jahren vor einer bevorstehenden Hungerkatastrophe und ab 1984 eskalierte die Situation in Afrika. Bilder von abgemagerten und sterbenden Kindern gingen um die Welt. Die Gründe dafür waren vielfältig und basierten auf wirtschaftliche Fehlent-wicklungen oder Bürgerkriegen. Eine große Mitschuld daran trugen die europäischen Staaten und die USA. Sie animierten jene Staaten zur profitablen einseitigen Landwirtschaft (Monokulturen) und waren an Kaffee, Kakao oder Blumen interessiert. Hinzu kam der Export von billigen Lebensmitteln nach Afrika, wodurch die Erzeugnisse der eigenen Bauern zu teuer auf dem Markt waren. Das führte dazu, dass einerseits landwirt-schaftliche Flächen nicht mehr bewirtschaftet wurden und andererseits umfangreiche Rodungen für Luxusgüter stattfanden, dass ein Austrocknen der Ländereien förderte. In der Konsequenz verwüsteten sie so wertvolle Anbauflächen und verursachten einen klima­tischen Wandel mit schweren ökologischen Folgen. Eine langanhaltende Hitzeperiode führte deshalb 1984 zu einer Dürreperiode und löste die Hungerkatastrophe aus.https://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/d/db/LiveAidlogo.jpg

Bob Geldorf (Boomtown Rats) rief daraufhin 1984 die BAND AID ins Leben. Seine Idee war es mit dem Erlös einer Schallplatte den Hungernden in Afrika finanziell zu helfen. Zusammen mit der Band Midge Ure komponierte Bob Geldorf „Do they know it's chrismas“.  Er rief Popkünstler auf bei diesem Projekt mitzuwirken. Interpreten wie, Annie Lennox, Phil Collins, Bono (U2), George Michael, David Bowie, Boy George, Sting, Paul Young, Paul McCartney und Mitglieder der Gruppen Spandau Ballet, Ultravox, Duran Duran, Bananarama, Kool & the Gang, Status Quo, Wham, Heaven17, Culture Club und Frankie goes to Holywood sagten spontan zu. Natürlich unentgeltlich und zum Teil mit finanzieller Unterstützung (z. B.: Paul McCartney) wurde das Video und die Single produziert.  

Der Erfolg war gigantisch und motivierte in den USA Michael Jackson für ein ähnliches Projekt. Michael Jackson und Lionel Richie schrieben dafür den Song „We are the world“, der den kommerziellen Erfolg von BAND AID übertraf. Künstler wie Harry Belafonte, Kenny Rogers, Quincy Jones, Ken Kragen unterstützten das Projekt und gewannen für ihren Chor Interpreten, wie Dan Aykroyd, Lindsey Buckingham, Kim Garnes, Ray Charles, Bob Dylon, Sheila E, Bob Geldorf, Hall & Gates, James Ingram, Jackie Jackson, La Toya Jackson, Marion Jackson, Randy Jack­son, Tito Jackson, AI Jarreau, Waylon Jennings, Billy Joel, Cyndi Lauper, Huey Lewis & the News, Bete Midler, Kenny Loggins, Willie Nelson, Jeffrey Osborne Steve Perry, Pointer Sisters, Diana Ross, Paul Simon, Smockey Robinson, Bruce Springsteen, Tina Turner, Dionne Warwick und Stevie Wonder.
Bob Geldorf entwarf schließlich die Idee für ein weltweites groß angelegtes Konzert über Satellit für den Sommer 1985. Mit der Unterstützung vieler Künstler, so auch der Rolling Stones, wurde das einzigartige globale Konzert realisiert. In London und Philadelphia wurde ein gigantisches Konzert mit zahlreichen Künstlern durchgeführt und über Satellit weltweit im Fernsehen übertragen. 16 Stunden Live-Musik konnten etwa 1,5 Milliarden Menschen hören und brachten einen Spendenerlös von umgerechnet 102 Millionen Euro ein.
Zahlreiche Länder steuerten eigene Beiträge dazu bei, wie in Australien, Japan, Niederlande, Österreich, Sowjetunion, Jugoslawien und Deutschland.
In der BRD entstand das Künstlerprojekt „Nackt im Wind“, deren Song von Herbert Grönemeyer und Wolfgang Niedecken (BAP) geschrieben wurde. Zudem nahmen unter anderem Teil: Ina Deter, Alphaville, Extrabreit, Gitte Haenning, Heinz Rudolf Kunze, Klaus Lage, Peter Maffay, Udo Lindenberg, M. M. Westernhagen, Nena, Spider Murphy Gang, Spliff, Trio und Juliane Werding.
Dieses Mammutkonzert wurde von zahlreichen Staaten im Fernsehen und im Rundfunk übertragen, unverständlicherweise aber nicht in der DDR. Selbst die Sowjetunion, Ungarn und Jugoslawien übertrugen das Live-AID-Konzert und produzierten eigene Beiträge. 

Nachdem Konzert und gewaltigen Spendeneinnahmen, kam die Ernüchterung. Abgesehen davon, dass viele Künstler ihren Auftritt nur für Promotion-Zwecke nutzten, kam nur ein Bruchteil der Spendengelder bei den Bedürftigen an. Betraute Organisationen ließen sich bestechen und kauften überteuerte Lebensmittel und Transportfirmen stellten unverhält-nismäßige Kosten in Rechnung. Zahlreiche Hilfsorganisationen sanierten mit den Geldern ihren Verwaltungsapparat oder gaben es unkontrolliert afrikanischen Regimen. Statt den Notleidenden effektiv zu helfen, versorgte so Äthiopien nur seine Armee mit Nahrung und mit Waffen. Die Ausmaße der Korruption wurden erst nach und nach bekannt. Schätzungsweise erreichte nur 1/10-tel der Spendengelder die Notleidenden, wodurch weiterhin Menschen an Hunger starben. Eine ohnmächtige Wut entlud sich daraufhin, zumal juristisch keine Anklage gegen Schuldige erhoben werden konnte. Zu gut und undurchsichtig wurde das Korruptionsnetz gesponnen. Die bittere Erkenntnis aus dem Desaster sollte Folgen haben und äußerte sich darin, dass die Spendenbereitschaft deutlich nachließ und das Vertrauen zu bestimmten Hilfsorganisationen stark gesunken war.
Einige mussten daraufhin sogar Konkurs anmelden.

Weitere Benefizkonzerte:  Die AUAA (Artists United Against Apartheid) widmete sich 1985 den Opfern der südafrikanischen Rassenpolitik mit dem Song: „Sun City“ (Organisator: Little Steven). Die Band Crowd sammelte 1985 für die Opfer der Brandkatastrophe im britischen Fußballstadion Bradford mit dem Song: „You'll never walk alone“ (Organisator: Gerry Marsden = Gerry & the Pacemakers). 1990 gründete sich die Pseudoband Dionne & Freinds und sammelte für die Opfer der AIDS Krankheit mit dem Song: „That's what freind are for“ (Organisator: Dionne Warwick).

Die Spendenbereitschaft blieb bei allen Hilfsprojekten deutlich unter den Erwartungen. Letztendlich bewirkten die Machenschaften mit den Spendengeldern, dass Hilfsorganisationen stärker überprüft wurden und ihre Vertrauenswürdigkeit eingestuft wurde. Gerade renommierte Organisationen waren daran interessiert, ihr Image nicht zu verlieren. In Deutschland vertraute die Bevölkerung eigentlich nur noch der christlichen Hilfsorganisation „Brot für die Welt“.

7. Rock’n Roll

In regelmäßigen Abständen erlebte der Sound aus den 50er Jahren seine Wiedergeburt. Mitte der 70er durchlebte er eine längere Phase mit den Gruppen Showwaddywaddy, Rubettes, Mud, Racey und Matchbox. 1981 starb Bill Haley und ein erneutes Revival der Musik nutzte Shakin Stevens und wurde zum neuen Rock’n Roll Star. Er verkörperte den modernen Elvis (Preslay), aber sein Erfolg ebbte relativ schnell wieder ab. In der BRD verhalf die NDW Begeisterung deutschsprachigen Rock zum Erfolg (Spyder Murphy Gang, Ted Herold, Ace Cat).
Im weiteren Verlauf der 80er Jahre unterlegte speziell die Coca Cola Firma ihre Werbung mit Oldies der Rock’n Roll Ära und die Songs wurden noch einmal zu Radio- und Tanzhits. In den 80er Jahren entstand aus der Rock’n Roll Begeisterung eine Jugendbewegung. Bereits im Zuge der Punkbewegung (um 1977) wollten sich die Rockbegeisterten abheben. Unter der Bezeichnung Teds pflegten sie ein spezielles Äußeres und orientierten sich an der Filmlegende James Dean (gefettete kurze Haare, Lederjacke). Mit dem Gesangsstar Tracy Ullmann fanden die weiblichen Teds ihr Vorbild und kopierten sie modisch (auffällige Midi-Kleider). In ihrem Denken idealisierten sie die 50er Jahre und folgten dabei schöngefärbten Bildern jener Zeit.

8. Jazz  

In einer Ära, in der viel experimentiert wurde, fanden auch jazzgeprägte Titel ihren Platz. Namen wie Sade, Matt Blanco oder Double stehen für diese Musik. Besonders die dunkelhäutige Schönheit Sade, mit ihrer erotisierenden Stimme („Smooth operator“) begeisterte. Es war das eigenartige verträumt sinnliche Feeling, wodurch sie beeindruckte. Der Jazz und auch der Soul hatten in dem Jahrzehnt immer großen Einfluss auf die farbige Musikszene (Rap, Funky oder Hip Hop). Große Charts-Erfolge blieben jedoch aus, aber zahlreiche Songs wurden dennoch zu Evergreens und gehören zum Standard so mancher Radiosender (auch heute noch).

9. Ethno – Pop 

Wurde ab 1988 zum Sammelbegriff für einen modernen Sound und basiert musikalisch auf folkloristische Elemente aus Asien (Arabien) und Afrika. Die Interpreten galten als Exoten der Popmusikszene, zumal deren Lieder stark von den europäischen Hörgewohnheiten abwichen. Da die Popszene eine gewisse Monotonie entwickelte, wo alle Songs irgendwie gleich klangen, war man in den späten 80er Jahren gegenüber neuartigen Klängen sehr aufgeschlossen. Ofra Haza (Israel) begeisterte mit dem hebräisch folkloristischen Song „In Nin’Alu“ und Mory Kante (Guinea) mit „Yeke Yeke“ im afroasiatischen Gesangsstil.
Zudem sei gesagt, das in der Vergangenheit immer wiedermal Künstlern mit folkloristischen Song erfolgreich waren, wie Harry Belafonte (mit Calypso - 60er Jahre) und Miriam Makeba (afrikanische Folklore - 70er Jahren). Im Gegensatz zum primären Folkstil vermischte sich jetzt die traditionelle Musik mit moderner Popmusik und wurde dadurch zur spezifischen Musikrichtung Ethno-Pop. Folkmusik vom amerikanischen Kontinent zählt nicht dazu, so wird beispielsweise die Indiofolklore (El Condor Pasa), Samba, Rumba und die mexikanische Musik als lateinamerikanische Musik bezeichnet.

Grundsätzlich wurden viele folkloristische Stilarten in der populären Musik verarbeitet. So zählt Reggae zur Rockmusik, aber deren ursprüngliche Basis ist der folkloristische Ska, der dann wiederum zur lateinamerikanischen Musik zählte. Zu den vorherrschenden Folk-Stilarten wurden im Ethno Pop arabische (türkische), israelische und afrikanische Klänge verwendet. Experimente mit indischer und chinesischer Musik waren dagegen weniger erfolgreich.

10. Hardrock (Grunge) - Teil 3 :

Ab 1983 dominierte ein amerikanisch geprägter Havey Metal, dem seine Einflüsse vom Jazz und Soul anzumerken waren. Die Rockmusik von Saga, Van Halen, Foreigner, Survivor, Toto oder Asia klangen eher weich und melodisch, gegenüber dem düsteren schweren britischen Rock, wie Iron Maiden, Motörhead oder Rainbow. Selbst Metallica, Guns N’ Roses und Aerosmith sind von ihrem Stil her, von den Wurzeln amerikanischer Rockmusik geprägt, und ihre Musik enthält Elemente von harten Jazzspielarten.
1983 gründete Jon Bon Jovi (eigentl. John Francis Bongiovi) die Glam-Metalband Bon Jovi und verlegten sich auf Hardrock-Pop. 1986 hatte sie mit „Slippery When Wet“ ihr Erstes Nr.1 Album in den USA und wurden zur erfolgreichsten Rockband. 1988 waren sie weltweit bekannt und beliebt. Im hautengen Outfit schüttelte Jon seine langen gepflegten Locken und verzückte mit melodischer Rockmusik die überwiegend weiblichen Fans. Der große Erfolg von Bon Jovi fand zahlreiche Nachahmer. Im Gegensatz zum britischen Gruselrock setzt der US-Rock auf eine gepflegte Wildheit, auf böse Jungs (Bad Boys), die sich erotisierend präsentieren. Richtige Metal-Fans lehnten natürlich solche Musik kategorisch ab. Positiver Effekt der neuen Rockbegeisterung war, dass es Rockgruppen schafften, aus ihrer bisherigen Anonymität zu treten. Rocktroubadour Meat Loaf beispielsweise, konnte nun auch kommerziell Hits landen.
Neben vielen Rockbands erlebte die Stilart Punkrock seine Wiedergeburt. Der Sound zeigte sich wesentlich melodiöser, aber dennoch sehr laut, wie bei Green Day und  Offspring (setzten sich erst in den 90er Jahren durch). In der Bundesrepublik war der Einfluss der NDW-Ära unverkennbar. Speziell Die Ärzte übten mit absurd scheinenden Texten, ironisch Kritik an die Gesellschaft und ihrem Umfeld (Plattenlabel), und wurden prompt von den Musikindustrie boykottiert. Die Toten Hosen dagegen blieben den schreienden Rock treu und mit eindeutigen Texten brachten sie zum Ausdruck sie, was ihnen auf der Seele brannte. Die stark zunehmende Zahl von Fans, konnten die Medien immer weniger ignorieren.
Eine Mischform zwischen Heavy Metal und Punk wurde zur Stilrichtung Grunge. Von ihrem Erscheinungsbild her, sahen sie aus wie Gammler und betrachteten sich als gesellschaftliche Aussteiger, ähnlich der Hippieepoche der 60er Jahre. Musikalisch spielten sie einen aggressiven Hardrock, textlich geprägt von düsteren und visionären Fantasien, die die Apokalypse (das Ende der Welt) nahen sahen. Die Anhänger der Musik waren deshalb mehr eine Kreuzung aus Hippies und Punks, deren ungepflegtes Erscheinungsbild zugleich Protest war. Sie verweigerten sich einer Leistungsgesellschaft, die auf Karriere und Konsum ausgerichtet war und zunehmend zwischenmenschliche Gefühle auf Eis legte. Um ihr Leiden zu betäuben, griffen sehr viele von ihnen zu Drogen. Ihre Zukunft war ihnen egal, weil sie eh das Ende der Welt erwarteten. Glücklicherweise gab es nur wenige echte Anhänger, die dem Grundgedanken folgten, aber zahlreich waren jene, die von der Musik begeistert waren.
Das Besondere war jene eigenwillige Mystik in ihrer Musik, gepaart mit experimentellen Klangeffekten. Der bedeutendste Vertreter der Richtung war Nirvanna, die sich mit dem Drogentod ihres Sängers Kurt Cobain 1994 auflösten. Weitere erfolgreiche Bands waren Pearl Jam, Alice in Chains und Soundgarden.
Typisches Outfit waren abgeschnittene Hosen, verfranzte oder verwaschene Kleidung und standen somit Kontrovers zur vorherrschenden Mode, die zunehmend einem Vertreterimage folgte. Im Rahmen ihrer Weltauffassung fühlten sich Grunge-Fans zu satanischen Sekten hingezogen. Ultras bevorzugten sogar Todessekten, die in ihrem spirituellen Glaubensplan
am Ende den kollektiven Selbstmord vorsahen oder ein Opfer-Zeremoniell (mitunter auch menschliche Opfer). Im Gegensatz zu den indischen Sekten der 60er Jahren, setzten sich die Satanskulte mit dem christlichen Glauben auseinander. Ihrer Meinung nach veränderte das Christentum nicht die Welt (versagte), sondern nur mit dem Teufel im Bunde konnte die Welt radikal verbessert werden. Indem der Mensch seine böse Aura ausleben kann, wird er sich selbst begreifen und zum Guten finden. Mit der Philosophie folgten die Satanisten den selbsternannten Führern und waren bereit alles für ihn zu tun (rituelle Prostitution, Mordaufträge). Glücklicherweise blieben die Sekten eine Rander-scheinung, dennoch waren zu viele Jugendliche bereit ihr Leben für eine fixe Idee wegzuwerfen.
Im Schatten der Grunge-Musik standen die Red Hot Chili Peppers, Smashing Pumkins und Cranberries, die mitunter zum Grunge gerechnet wurden, aber mehr zum Alternativen Rock zählen.
Die drei Bands bestechen mit einer eindrucksvollen und vielseitigen Musik. Ausdrucksstark setzen sie ihr Thema in ungewöhnlichen Klangstrukturen um und machten somit einige Titel zu kleinen Kunstwerken.
Abschließend sei noch der Britpop erwähnt, der einer Rückbesinnung zur alten Beattradition darstellt und gitarrenlastige Musik in den Vordergrund stellte. Die bekanntesten Vertreter der Musik sind Oasis und Radiohead und später Blur und Coldplay. Britpop und der vom Grunge geprägte Alternative Rock haben aber ihren Höhepunkt erst in den 90er Jahren.

 

 

 

 

        

          Red Hot Cili Peppers                          Smashing Pumpkins

11. Boygroup

Der Begriff meint einen synchron tanzenden Jungenchor, die eine gefällige moderne Musik singen und primär weibliche Fans begeistern wollten. In der Soulmusik entstanden bereits Ende der 60er Jahre singenden Teeniechöre, wie die Jackson Five und den Osmonds. Im Prinzip könnte man auch die Comedian Harmonists aus den 30-er Jahren dazuzählen. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass zuvor das Hauptaugenmerk auf der Musik lag und jetzt ein Erscheinungsbild publiziert wurde, das sich gewinnbringend vermarkten ließ.
Die entsprechenden Label engagierten für das Produkt Komponisten und Texter, die maßgeschneiderte Musik für ein Image produzierten, dass die weiblichen Fans verzückten. Für das Produkt New Kids On The Block suchte eine Plattenfirma in Boston (USA) fünf gut aussehende Jungen, die singen konnten. Im Sturm eroberten die Boys die Mädchenherzen und ließen für das Label die Kassen klingeln. Der geschliffene Sound der Boygroups war eine Gradwanderung zwischen Schlager und Pop, in Anlehnung am Funkysound.
In den folgenden 90er Jahren boomte jene Entwicklung und brachte Gruppen, wie Take That, East 17 oder Backstreets Boys hervor. Zweifelsohne schrieben sie Musikgeschichte, zumal Mädchen paralysiert alles kauften, was mit ihren Lieblingen zu tun hatte. Sie schwelgten in irrealen Fantasien (Liebe zu einem Bandmitglied) und allzu oft entfernten sie sich vom realen Leben oder verkauften sich für einen kurzen Glücksmoment. Ein wichtiges Imagekriterium einer Boyband war deswegen, dass jedes Mitglied ledig sein musste, also unverheiratet und ohne feste Freundin). Boygroups verkaufen daher immer eine Illusion, bei der die Musik zur Nebensache wurde. In ihrer Show inszenieren sie im Prinzip einen Image-Striptease, dass den Bandmitgliedern kein Privatleben mehr gestattete. Sie waren als Boygroup ihrer weiblichen Fans verpflichtet, die die naiven Sehnsüchte von Mädchen ideell stillen sollten. Ein stimmiges Gesamtbild war letztendlich entscheidend für den Erfolg einer Boygroup, um Mädchenherzen zu erobern, damit sich die Kassen der Plattenindustrie füllten.

12. Techno

Am Ende der 80er Jahre entwickelte sich aus dem New Wave in der Verbindung zur Funkymusik der Techno. Der hämmernde, dröhnende Grundrhythmus, der elektronisch erzeugt wurde, fand schnell begeisterte Fans.
Im Takt eines Metronoms war der Rhythmus getrimmt, dem sich die Melodie anpassen musste und in einer systematischen Abfolge gebrochen wurde. Der schnelle Sound eignete sich hervorragend dazu, Oldies modern aufzupeppen und jegliche Musik neu aufzuarbeiten. Für die Musik benötigte man lediglich einen Grundrhythmus und alles weitere, war der Fantasie überlassen. Vorrangig durch Keyboard und dem Scratchen von Platten wurde der Grundrhythmus erzeugt und später ausschließlich computertechnisch. Auch hier wurde Musik nicht mehr komponiert, sondern arrangiert. Trotz der schnellen Verbreitung der Musik dauerte es verhältnismäßig lange bevor ein Song erfolgreich die Charts stürmte.
Eigentlich erlebte der Techno erst durch das niederländische Duo 2 Unlimited (1993) den großen Durchbruch. In der Bundesrepublik machten sich dann Maruscha, Scooter und Mark 'Oh einen Namen in der Szene. Kommerziell wurde jedoch Blümchen zum Star der Szene  

und landete Hits in Serie, die überwiegend aufpolierte Oldies präsentierte.