06. Ende der sozialistischen Staaten

                                                               12. Der Zusammenbruch

                                                      Das Ende der sozialistischen Staatengemeinschaft

Albanien

1985 starb Enver Hoxha, der bis dahin das Land mit harter Hand regierte und in die Isolation führte. Unter seinem Nachfolger Ramiz Alia wurde das Klima unruhiger und führte 1990 zu einer Massenauswanderung in Richtung Italien. Aufgrund der angespannten Situation ließ die Regierung freie Wahlen zu. Nachdem die Kommunisten die Wahl gewannen, wurden Manipulationsvorwürfe laut. Erneut kam es zu Protesten und sie verlangten kontrollierte Neuwahlen. 1992 übernahm dadurch der Demokrat Sali Berisha die Regierung.

Bulgarien

Unter dem Diktator Todor Schivkow trieb dessen Geheimdienst sein blutiges Unwesen. Um von der nationalen Krise abzulenken, hetzte er die Bevölkerung gegen die türkische Minderheit auf und vollzog 1986 eine ethische Säuberung. Im Zuge jener Maßnahmen wurden 380.000 türkisch stämmige Bewohner zur Auswanderung gezwungen und etwa 400 Personen starben bei Übergriffen der Staatsorgane. Die Bevölkerungsmehrheit ließ sich von der Maßnahme nicht blenden und erkannte, dass nicht die Türken verantwortlich für die wirtschaftliche Talfahrt waren, sondern die Regierung.
Ermutigt durch Gorbatschow mündete die Unzufriedenheit in Protesten und innerhalb der KP setzten sich die Reformer durch. Im November 1989 zwangen sie Schivkow zur Abdankung. Die Übergangsregierung beschloss für 1990 freie Wahlen. Die erste freie Wahl gewann die reformierte BSP, die Nachfolgepartei der KP Bulgariens war. Da die Partei die Probleme nicht gelöst bekam, wurde die BSP 1997 abgewählt.

Polen

Schon 1980 erschütterte die Streikbewegung „Solidarnosc“ das Land. Mit General Jaruzelski hoffte die KP ihre Macht wiederherstellen zu können. Da ein härterer Kurs nicht zum Erfolg führte, versuchte sich Jaruzelski als Reformer. Politisch legalisierte er 1988 die Opposition, deren Führer Lech Walesa wurde. Unter den Druck der Öffentlichkeit lies Jaruzelski 1989 Neuwahlen zu, unter der Bedingung einer Mehrheitsquote von 65% für die DVAP.
Mit überwältigender Mehrheit gewann die Solidarnosc die Wahlen und zwangen Staatschef Jaruzelski Ministerposten an die Solidarnosc abzugeben. Aufgrund von Parteistreitigkeiten
in der DVAP und dem öffentlichem Druck wurde die Auflösung der kommunistischen Partei erzwungen. Erste freie Wahlen waren dann 1990 möglich, mit dem erneuten Wahlsieg der Solidarnosc. Lech Walesa wird neuer Staatschef.

Rumänien

Der Despot Nicolae Ceausescu errichtete mit Hilfe der Geheimpolizei Securitate ein selbst-verherrlichendes Terrorregime. In einem beispiellosen Personenkult wurden Gegner zum Schweigen gebracht, verhaftet, gefoltert und mitunter ermordet. Skrupellos ließ er 1985 auf Demonstranten in Brasov schießen. Die zunehmende Fluchtbewegung beantwortete das Regime mit einem Schießbefehl für die Grenztruppen nach Ungarn und Jugoslawien.
In Timisoara sah sich die Bevölkerung besonders benachteiligt. Eine Stadt die mehrheitlich von Ungarn und Serben bewohnt wurde. Die ärmlichen Zustände waren existenzbedrohend und die Regierung zeigte seine Ausländerfeindlichkeit, indem er Ungarn und Jugoslawen beschimpfte. Der Pfarrer Tökes richtete 1989 einen scharfen Protest gegen das „Dracularegime“.
Ab dem 16. Dezember begannen aufgebrachte Bürger zunehmend auf der Straße ihren Protest gegen Ceausescu zu demonstrieren. Einschüchterungsversuche der Securitate erreichten das Gegenteil und erhöhten den Zorn. Am 17.12. schossen Militäreinheiten der Securitate in die demonstrierende Menge, 58 Menschen starben. Die unbändige Wut mobilisierte über 20.000 Demonstranten. Einem erneuten Schießbefehl verweigerten die Soldaten.
Ceausescu ließ über die Medien verbreiten, dass die ungarischen Separatisten Timisoara von Rumänien abspalten wollten. Eine staatliche Großkundgebung am 21.12. für den Erhalt des Landes ging nach hinten los. Statt einer Verurteilung, von angeblichen Übergriffen von ungarischen Rumänen, schellte Ceausescu ein Pfeifkonzert entgegen. Der Versuch die Demonstration mit Gewalt aufzulösen wurde zum Revolutionssignal, zumal sich das Militär erneut weigerte auf die Protestierenden zu schießen.
In Bukarest lieferten sich daraufhin Einheiten der Securitate heftige Feuergefechte mit der Volksarmee. Am 22.12. 1989 stürmten die Demonstranten mit Hilfe des Militärs das Regierungsgebäude. An diesen stürmischen Tagen fanden über 1.000 Menschen den Tod.
Ein Fluchtversuch Ceausescus wurde vereitelt und er wurde am 25.12. standrechtlich erschossen. Im Zuge des Revolutionsgerichtes wurden besonders grausame Handlanger Ceausescus zum Tode verurteilt. Ion Illiescu tat sich als Führer der Revolution hervor und übernahm gestützt auf die Volksarmee die Regierungsgeschäfte.
Die ersten freien Wahlen gewann die sozialdemokratische Partei (PSD), die von Reformern der kommunistischen Partei gegründet wurde. Neue politische Kräfte mussten erst einmal entstehen und somit wurde Illiescu erster frei gewählter Staatspräsident. Bei erneuten Wahlen 1996 gewannen dann die Christdemokraten, aber bereits 2000 wurden sie wieder abgewählt und die Bevölkerung sprach erneut der PSD das Vertrauen aus.

Tschechoslowakei

Nach dem Prager Frühling von 1968 formierte sich eine Untergrundbewegung, die 1977 als „Charta 77“ in die Öffentlichkeit ging. Die Bewegung suchte den Dialog mit der Regierung, um in erster Linie Menschenrechtsverletzungen anzuklagen. Da sich in ihren Reihen viele Kommunisten befanden, ging die Regierung nur bedingt mit Härte gegen die Opposition vor. Gestärkt durch Gorbatschow trat die Opposition gestärkt in Erscheinung. 1989 rief Pavel Havel, als Führer der Bewegung zu Protestdemonstrationen auf.
Ohne Widerstand trat die Regierung zurück und nach einer ordnenden Übergangsregierung wurde Pavel Havel 1990 frei gewählter Regierungschef. Im Zuge des Reformprozesses sah sich die Slowakei benachteiligt. Ein wachsender Konflikt zwischen beiden Länder besiegelte am 31.12. 1992 die Trennung in zwei Staaten (Tschechien & Slowakei).

Ungarn

Schon in den 60er Jahren ging das Land unter Josef Kadar einen liberaleren Weg, als alle anderen sozialistischen Staaten. Der „Gulaschkommunismus“ erlaubte westliche Einflüsse, dem im Wesentlichen die historische Gemeinschaft mit Österreich zugrunde lag. Diese Besonderheit machten Ungarn zum beliebtesten Reiseland der DDR, Österreich und auch für die Bundesbürger. Glasnost und Perestroika wurden hier sofort umgesetzt.
Der greise Josef Kadar trat 1988 zurück und ließ die demokratische Erneuerung des Landes zu. Besonders die Forderung des Abzuges sowjetischer Truppen und die Grenzöffnung zu Österreich schlugen hohe politische Wellen. Trotz umfangreicher Reformen wurde das neue Regierungsgespann Gròsz/ Horn im März 1990 bei den ersten freien Wahlen abgewählt. Neuer Staatspräsident wurde Arpad Göncz (Bund freier Demokraten) und Ministerpräsident wurde Jozsef Antall (demokratisches Forum). Aus der kommunistischen Partei wurde die sozialistische Partei MSzP, die eine der stärksten Parteien blieb und 2002 sogar wieder in die Regierungsverantwortung gewählt wurde.

Zerfall der Sowjetunion 

1985 wurde Michail Sergejewitsch Gorbatschow neuer Parteichef der KPdSU und stellte die Weichen für umfangreiche Reformen. Wie schon erwähnt, löste sein radikaler Reformkurs auch heftige Kritik aus. Amtsenthebungen, Verhaftungen und Todesurteile machten ihn in der Bevölkerung nicht gerade beliebt. Besonders die wirtschaftliche Talfahrt konnte Gorbatschow nicht bremsen. Sein demokratischer Versuch die KPdSU an der Macht zu halten, ging ebenfalls nach hinten los.
Für alle sozialistischen Staaten begann der Reformkurs zu spät und die Bevölkerung hatte kein Vertrauen mehr in eine kommunistische Regierung. Im eigenen Land ging ebenfalls alles drunter und drüber und er sah als einzigen Ausweg die totale Macht. 1990 bekleidete er alle hohen politischen Ämter, er war Parteichef, Staatsratsvorsitzender (Staatschef) und ließ sich zum Staatspräsidenten ernennen. Gegen die Machtanhäufung vermehrte sich der Widerstand und motivierte die Opposition und die Unionsrepubliken verlangten ihre Unabhängigkeit.
1989 gesellten sich zur wirtschaftlichen Talfahrt Versorgungsschwierigkeiten.
In Moskau gründet sich die erste Gegenbewegung (Demokraten) aus der KPdSU heraus unter Boris Jelzin. Die baltischen Staaten forderten ihre Autonomie und Separatisten lösten in der Provinz Bergkarabach einen blutigen Provinzstreit zwischen Armenien und Aserbaidschan aus. Gorbatschow glitt die Macht aus den Händen. International als Friedensstifter und Reformer gefeiert, wurde er im eigenen Land eher als Diktator mit demokratischem Anstrich gesehen.
1990 erklärten nacheinander die baltischen Staaten Litauen, Est-land und Lettland ihre Unabhängigkeit. Mehr zur Abschreckung marschierten sowjetische Truppen in jene Länder ein und provo-zierten kleinere Auseinandersetzungen. Durch die Besonnenheit der baltischen Staaten eskalierte die Lage nicht und Gorbatschow war gezwungen seine Truppen abzuziehen. Lediglich im Provinzstreit um Bergkarabach sorgte die Sowjetarmee mit Gewalt für Ruhe. Gebunden an sein Wort zur Demokratisierung und mit dem Rücken zur Wand, musste Gorbatschow nun auch in Moskau neue politische Strömungen akzeptieren. Boris Jelzin als Führer des demokratischen „Kongresses der Volksdeputierten“, gewann 1991 die Präsidentschaftswahl für die russische RSFR (Russische Sozialistische Föderative Republik). Das Wahlergebnis entsprach einer Unabhängigkeitserklärung Russlands und eine Loslösung von den anderen Sowjetrepubliken.
Im August 1991 besetzten daraufhin Putschisten das Regierungsgebäude in Moskau und erklärten Gorbatschow als Staatspräsident für abgesetzt. Sie wollten eine Rückkehr zum stalinistischen Kommunismus in Russland erzwingen. Die Parlamentsbesetzung durch radikale Kommunisten für ein unabhängiges Russland, lösten sofort Großdemonstrationen aus, die sich für ein Fortbestehen der Sowjetunion aussprachen. Boris Jelzin appellierte daraufhin an die militärischen Einheiten den Putschisten den Dienst zu verweigern und drängte auf eine friedliche demokratische Lösung. Nach drei Tagen mussten die Besetzer aufgeben.
Die Rolle von Gorbatschow in diesen Tagen war sehr zwielichtig. Offiziell wurde er auf  der Insel Krim festgehalten, andererseits soll der Putsch in seinem Sinne gewesen sein. Er hoffte über eine bewaffnete Eskalation die Sowjetunion retten zu können. Nach anfänglicher Zustimmung im Volk misslang der Plan, da Boris Jelzin erfolgreich für ein losgelöstes demokratisches Russland warb. Noch im selben Jahr 1991, wurde die Sowjetunion aufgelöst und in eine Staatengemeinschaft GUS (Gemeinschaft unabhängiger Staaten) umgewandelt. Mit dem Ende der Sowjetunion verlor Michail Gorbatschow nun alle seine Ämter.
Als Privatmensch ließ er sich weiterhin als Friedensstifter und Reformator international feiern. Im eigenen Land stand man ihm weiterhin sehr skeptisch gegenüber.
Russland erhob innerhalb der GUS den Führungsanspruch, im Sinne der regulären Nachfolge der Sowjetunion. Mit diesem Machtanspruch verprellte Jelzin, die nach Autonomie strebenden Unionsrepubliken. Letztendlich brachen die GUS-Staaten ihre politischen Bindungen zu Russland, sodass die GUS zu einer lockeren Wirtschaftsgemeinschaft umfunktioniert wurde. Boris Jelzin als Präsident Russland wuchs zu einer zwiespältigen Persönlichkeit heran. Aufgrund seiner Alkoholkrankheit sagte er so manches unüberlegte Wort, machte Schlag-zeilen durch peinliche Auftritte und verhielt sich zu weilen wie ein Diktator. Besonders die Autonomiebestrebungen von russischen Provinzen beantwortete er mit militärischer Gewalt. Sein überheblicher Kurs gegenüber der GUS trug maßgeblich zur endgültigen politischen Trennung bei und auch wirtschaftlich bestand die Gemeinschaft GUS nur noch notgedrungen (Abhängigkeiten).

Resümee: Nach dem Zerfall der UdSSR hat sich für den einfachen Bürger nicht viel geändert. Die neuen demokratischen Herrscher regierten diktatorisch, die Wirtschaft lag weiterhin am Boden und im demokratischen Russland gab es besonders in ländlichen Gegenden wieder Armut und Elend. Neben den neuen Multimillionären und einer städtischen Mittelschicht profitierte eine relative Mehrheit von dem freiheitlichen Kurs. Auf dem Lande wurden die wachsenden Missstände der neuen Zeit jedoch immer deutlicher.
Korruption, Kriminalität und Autonomiebestrebungen sorgten für ein chaotisches Klima, wodurch Nationalisten und wieder Kommunisten einem regen Zulauf bekamen. Durch den langsamen ansteigenden Wohlstand und den möglichen Chancen für die Zukunft, hielt die Mehrheit am marktwirtschaftlichen Kurs der Regierung fest und hoffte auf weitere demokratischen Veränderungen.

Anmerkung zur Sowjetunion:

Die Grundlage der Sowjetunion bildet der Vielvölkerstaat Russland, aber lediglich den Grenzregionen wurde das Recht auf eine
Teilrepublik gegeben.

Das legt die Vermutung nahe, dass sie strategische Pufferstaaten gelten sollten.

Keine eigene Teilrepublik erhielten beispielsweise die Tataren, Tschetschenen, Awaren, Osseten, Jakuten, Darginer, die Wolga-deutschen und die vielen sibirischen Völker.
Das eigentliche Kern-Russland (um Moskau) wäre territorial nicht größer als die Deutschland gewesen.

 

Begriffe: Sowjetunion = UdSSR 
               = UdSSR = Union der sozialistischen Sowjet-republiken
              
Sowjet = meint Rat, im Sinne von Regierungsrat
              
Sowjetunion= bedeutet eine Vereinigung von den Regierungsräten der Teilländer mit einem
               übergeordnetem Zentralrat = russische Oberherschaft
von Moskau aus regiert.

Die baltischen Staaten

Land
Hauptstadt
Einwohner
in Mio.
Fläche 
in km²
Hauptbevölkerung       
9. Litauen
Vilnius
    3,728
     65.301
Litauer
8. Lettland
Riga
    2,681
     64.589
Letten, Russen
4. Estland
Tallinn
    1,582
     45.226
Esten, Russen

 

GUS-Staaten (1991): 

Land
Hauptstadt
Einwohner
in Mio.
Fläche 
in km²
Völker (neben Russen)
11. Russland
Moskau
148,54
17.075.400
Über 100 weitere Völker
 3. Weißrussland
Minsk
  10,26
    207.595
Polen, Litauer
14. Ukraine
Kiew
  51,94
    603.700
Polen, Litauer, Tataren, Walachen
10.Moldawien
Chişinău
    4,36
      33.843
Walachen, Rumänen
 1. Armenien
Eriwan
    3,375
      29.800
Armenier, Kurden
 2. Aserbaidschan
Baku
    7,13
      86.600
Aserbaidschaner, Lesgier
 5. Georgien
Tiflis
    5,46
      69.700
Georgier, Osseten
 6. Kasachstan
Alma Ata
  16,79
 2.717.300
Mischbevölkerung aus 50 Ethnien
 7. Kirgisistan
Bischkek
   4,42
   198.500
Kirgisen, Usbeken
12. Tadschikistan
Duschanbe
   5,35
   143.100
Iranische Tadschiken, Usbeken
15. Usbekistan
Taschkent
 20,70
   447.400
Usbeken
13. Turkmenistan
Aschgabat
   3,57
   488.100
Turkmenen

 

Der Zerfall Jugoslawiens

Vorwissen:

Bedingt durch den 2. Weltkrieg verbindet Serben und Russen eine tiefe Freundschaft.
Der eigene Weg Jugoslawiens, scheinbar losgelöst von Moskau, erklärt sich aus drei Hauptgründen:

1. Jugoslawien war selbst ein Vielvölkerstaat unter serbischer Kontrolle. Belgrad brauchte
    dafür freie 
Hand, vor allem gegenüber Slowenien, die sich zu Österreich hingezogen 
    fühlten und 
Kroatien, die als ehemaliger Bündnispartner Hitlers viele Gräueltaten in
    Serbien verübt 
hatten und denen man politische nicht trauen konnte.

2. Das Land spielte eine wichtige Rolle bei den stets aufflammenden Volksbewegungen
    in 
Griechenland. Um das Klima im Kalten Krieg nicht zu verschärfen, blieb Jugoslawien
    
deshalb Bündnisfrei und konnte somit die griechischen Kommunisten unterstützen.
    Die USA konnte somit Moskau keine direkten Aktivitäten vorwerfen und den
    Warschauer 
Pakt nicht beschuldigen in einem NATO Staat zu intervenieren.
    Zudem war Jugoslawien 
auch eine wichtige Stütze der italienischen Kommunisten.

3. Der Staatsführer Josip Bros Tito zog es vor, mit Billigung Stalins, seinen eigenen Kurs zu fahren. Unter seiner Führung wurde mit harter
    Hand ein allseits stabiles Jugoslawien 
errichtet. Trotz diktatorischem Kurs gab sich das Land zur westlichen Welt offen (Reise, Handel,
    Kultur) und machte seinem Volk demokratische Zugeständnisse.
    Übrigens: Normalbürger der DDR durften deshalb nicht nach Jugoslawien reisen.

Der Zerfall:

1980 stirbt Josip Tito und löst ein Machtgerangel um seine Nachfolge aus. Serbische Politiker versuchen dabei die anderen Länder der Föderation zu bevormunden und wälzten dort ihre wirtschaftlichen Probleme ab. Die politische und wirtschaftliche Instabilität ermunterte jene Bundesländer mehr Autonomie zu fordern. Die serbischen Machthaber beantworteten dies mit zunehmenden Einschränkungen. Neben den Länderstreit verstärkte sich die Wirtschaftskrise und nahm inflationäre Ausmaße an.

1987 setzte der neue KP Führer Slobodan Milosevic, die autonomen Zugeständnisse (von Tito gegeben) für den Kosovo und der Vojvodina außer Kraft. 1988 folgten daraufhin massive Unruhen im Kosovo, die mit Waffengewalt beantwortet wurden und zugleich als Warnung für die anderen Unionsstaaten galten.

Im Zuge von Glasnost und Perestroika forderten die Länder und Provinzen verstärkt ihre demokratische Autonomie. Sie ließen sich nicht länger von Milosevic einschüchtern. In Kroatien formierten sich 1990 Großdemonstrationen, die die Unabhängigkeit forderten. Kroatien, das wirtschaftsstärkste Land der Föderation, erklärte schließlich daraufhin einseitig seine Autonomie. Ein geplantes militärisches Eingreifen Serbien fand im Länderparlament keine Mehrheit. Serbien erklärte dafür die wirtschaftlich bedeutende kroatische Provinz Krajina zum serbischen Territorium. Mit der Touristenhochburg an der Adria sollte dem autonomen Kroatien die Basis der Selbstständigkeit genommen werden.
Unbeirrt ging Kroatien seinen Weg, dem sich nun auch Slowenien anschloss. Serbien versuchte eine militärische Eskalation herbeizuführen, die bis auf wenige Feuergefechte misslang. Kritisiert und gewarnt von der NATO waren Serbien die Hände gebunden, zumal sich ihr großer Bruder Sowjetunion selbst in der Krise befand und in Belgrad Serben gegen die Eskalationspolitik von Milosevic demonstrierten.

1991 erklärten Kroatien und Slowenien ihre Unabhängigkeit. An der Grenze kam es daraufhin erneut zu Feuergefechten zwischen Serben und Kroaten. Im selben Jahr erklärte ebenso Makedonien seine Unabhängigkeit und die USA boten den neuen unabhängigen Staaten militärischen Schutz an. Makedonien verzichtete darauf, da trotz Unabhängigkeitserklärung, das Land freundschaftlich Beziehungen zu Serben aufrechterhalten wollte.

1992 strebte schließlich Bosnien-Herzegovina seine Unabhängigkeit von Jugoslawien an. Im Vielvölkerland lebten drei Hauptvolksgruppen, Kroaten, Serben und Muslime. Jedes Volk beanspruchte die Regierungsgewalt für sich bzw. forderte den Anschluss an Serbien bzw. Kroatien. Schnell eskalierte die Situation und es kam zu Übergriffen, die in einen Bürgerkrieg mündeten. Die kapitalistische Welt machte allein Serbien für die kriegerischen Auseinandersetzungen verantwortlich.
Serbien, nun das einzige sozialistische Land in Europa, wurde von den westlichen Medien Europas heftig kritisiert, wegen ihrer Unterstützung der Bosnienserben. Auch wegen der anhaltenden Kämpfe an der kroatischen Grenze nutzte die westliche Welt die Stimmungslage aus und verhängte Sanktionen gegen Restjugoslawien.
Das befreundete Russland konnte wirtschaftliche UNO Sanktionen gegen Serbien verhindern, aber nicht den Einsatz von UNO Schutztruppen. Sie sollten den ausgehandelten Waffenstill-stand in Bosnien sichern, jedoch hielt er nur kurz an. Es verschärfte sich die Situation durch das brutale Vorgehen bosnischer Milizen und kroatischer Einheiten gegenüber der serbischen Zivilbevölkerung. Die Bosnienserben wurden vertrieben, ihre Dörfer zerstört und so manche Gräueltaten begangen. Mithilfe der serbischen Volksarmee schlugen ihrerseits die Bosnienserben zurück. Zwischendurch bekämpften sich Kroaten und Muslime und bildeten nun wieder eine Einheitsfront, unterstützt von Kroatien, gegen die bosnischen Serben.
In den westlichen Medien wurden aber einseitig die Serben für ihre Grausamkeiten an den Pranger gestellt. Die ethnischen Übergriffe auf allen drei Seiten, gegenüber der Zivilbevölkerung, waren von schrecklichen Bluttaten begleitet (Massaker).

1993 ging der Bürgerkrieg unvermindert weiter, so auch die Grausamkeiten gegenüber den Zivilisten. Diplomatische Lösungen fruchten nicht und es kam sogar zu Angriffen auf UNO Soldaten. Nachdem eine Dreiteilung Bosniens für die Konfliktparteien inakzeptabel war, entwickelt sich Bosnien zum Schlachtfeld Europas. Aus ganz Europa ließen sich Männer anwerben und kämpfen für viel Geld auf serbischer oder kroatischer Seite (auch deutsche Abenteurer). Gemäß einer UNO-Resolution griffen nun Kampfflugzeuge der USA direkt in die Kämpfe ein, da mithilfe der serbischen Volksarmee die Eroberung Bosnien bevorstand. Mit dem UNO-Mandat für die NATO wendete sich das Blatt, trotz vehementer Proteste Russlands. 

1994 erzwangen US Kampfflugzeuge, dass serbische Einheiten ihre Militärmaschinen nicht einsetzen konnten. Mit der Einmischung von NATO-Flugzeugen wurden UNO-Truppen zunehmend angegriffen. Auf diplomatischen Weg wurde Belgrad zur militärischen Zurück-haltung aufgefordert. Auf Druck der USA stellten bosnische Muslime und Kroaten ihre Feindseligkeiten ein. Ziel war es die Bosnienserben zu isolieren, was letztendlich darauf  zielte Restjugoslawien zu schwächen. Die serbische Provinz Krajina, an der Adria, griff als autonomes Gebiet in den Krieg ein. UN-Soldaten und Personal wurden nicht nur angegriffen, sondern wurden oftmals als menschliche Schutzschilde benutzt. Die NATO fordert deshalb ein direktes Eingreifen mit Bodentruppen in die Kampfhandlungen. 

1995 nahm der Krieg an Heftigkeit zu und auch die gegenseitigen Gräueltaten. Besonders das Massaker in Srebrenica durch serbische Einheiten sorgt für weltweites Entsetzen. Fast 7.000 Männer wurden getötet und das brachte Serbien als Nation auf die Anklagebank. Angesichts des Massakers war die Schutzmacht Russland dazu gezwungen, Restjugoslawien zum Einlenken zu überreden. Mithilfe der NATO wurde die Provinz Krajina zu Kapitulation gezwungen und wurde zurück an Kroatien angegliedert. Isoliert gaben die Bosnienserben die Belagerung Sarajevos auf. Bei den Friedensgesprächen wurden Schutzzonen für Kroaten, Serben und Muslime festgelegt und von UNO-Truppen überwacht.

Am 31.11. 1995 endete offiziell der Bosnienkrieg, auch wenn es weiterhin zu vereinzelten Kämpfen kam. Circa 250.000 Todesopfer waren zu beklagen, wovon etwa 40 % Zivilisten waren. Besonders hoch war die Zahl an muslimischen zivilen Opfern (70.000). Etwa 30.000 serbische und 10.000 kroatische Zivilisten wurden getötet. Über 2 Millionen Menschen flohen aus Bosnien und die internationalen Opfer betrugen aufseiten der UNO bzw. NATO etwa 100 Personen. Über die Zahl der freiwilligen Söldner aus europäischen Staaten gibt es keine verlässlichen Angaben.
Der Bosnienkrieg isolierte in deren Folge Restjugoslawien, eine Föderation, die nur noch aus Serbien und Montenegro bestand. Makedonien als autonomer Staat blieb Belgrad als Bündnispartner verpflichtet und international bestand weiterhin die Freundschaft zu Russland. Da Russland aber wirtschaftlich und politisch diverse eigene Probleme hatten, konnten sie Jugoslawien nur sporadisch unterstützen. Das wirtschaftlich angeschlagene Milosevic Regime geriet deshalb innenpolitisch unter Druck, wodurch die Opposition im Lande stärker wurde. Daneben strebte nun ebenfalls Montenegro seine Autonomie an. 

Wegen der Missstände im neuen Albanien wandern zahlreiche Einwohner aus, unter anderem in die serbische Provinz Kosovo, in der mehrheitlich eine albanisch stämmige Bevölkerung lebte. Bedingt durch die Zuwanderung verlangte der Kosovo seine Eigenständigkeit zurück, die sie unter Josip Tito besaßen. 1998 formierte sich die UCK und versucht mit Terroraktionen die Unabhängigkeit zu erzwingen. Milosevic antwortet mit der serbischen Volksarmee. Neben der jagt und den Kämpfen mit UCK Rebellen, ging das Militär dazu über, die albanische Bevölkerung zu vertreiben. In dem Konflikt versuchte Makedonien neutral zu sein und erlaubte weder der NATO als Aufmarschgebiet zu fungieren, noch albanischer Flüchtlinge aufzunehmen.

Erneut gab es Gräueltaten auf beiden Seiten, worunter erneut die Bevölkerung zu leiden hatte. International forderte die UNO Belgrad auf, ein autonomes Kosovo im jugoslawischen Bund anzuerkennen. Inzwischen sah die Realität anders aus. Die UCK wollte einen Anschluss des Kosovo an Albanien und Belgrad wollte das Gebiet zu einer rein serbischen Provinz umgestalten. Auf eine militärische Drohung der NATO gegenüber Serbiens, reagierte Russland seinerseits mit militärischen Konsequenzen. Ungeachtet dessen flogen NATO Flugzeuge Angriffe gegen serbische Truppen im Kosovo. Der Erfolg war im gebirgigen Gelände gleich null und traf zudem oftmals versehentlich die Zivilbevölkerung.
Währenddessen liefen russische Kriegsschiffe nach Jugoslawien aus, waren aber mehr als Warnung gegenüber der NATO gedacht. Die russische Armee war in jener Zeit nicht in der Lage einen Krieg führen zu können. Moskau erreichte wenigstens ein Verbot von NATO Bodentruppen. Ein solcher Einsatz war auch nie ernsthaft geplant, da die eventuellen Verluste in dem unübersichtlichen Gelände unkalkulierbar gewesen wären.
Stattdessen flog die NATO direkt Ziele in Serbien an und verfehlte dort so manches militä-rische Ziel. Neben mehreren zivilen Gebäuden, traf eine Rakete irrtümlich die bulgarische Botschaft.

1999 einigten sich die NATO und Serbien auf einen Kompromiss. KFOR Friedenstruppen sollten das gleichberechtigte Zusammenleben von Serben und Albanern regeln. Der Kosovo blieb serbische Provinz mit autonomen Sonderrechten. In einer Nacht- und Nebelaktion landeten russische Truppen in der Hauptstadt Pristina und stellten klar, dass sie den größten Teil der KFOR stellen wollten, entgegen den Vorstellungen der USA.
Der NATO Oberbefehlshaber gab daraufhin die Order, die russischen Truppen zu stoppen. Vor Ort weigerte sich der britische Truppenkommandant Mike Jackson den Befehl zu befolgen, da er nicht einen dritten Weltkrieg auslösen wollte. Die USA akzeptierte notge-drungen die russische Präsenz, die von Serbien sehr begrüßt wurde und letztendlich den Kosovokonflikt beendete.

Etwa 10.000 Albaner und 2.500 Serben starben, darunter waren circa 200 Personen, die irrtümlich durch NATO Einsätze getötet wurden. Im Konflikt starben 500 serbische, 300 albanische und 60 NATO Soldaten.
Im Jahr 2000 hatte die Bevölkerung genug vom Milosevic Regime und auch Montenegro wurde unabhängig. Eine tiefe Wirtschaftskrise bewirkte zunehmende Demonstrationen und gewaltsame Übergriffe auf Oppositionelle brachten das Fass zum Überlaufen. Milosevic liefen seine Anhänger davon und ihm blieb nur der Rücktritt. Er musste freie Wahlen zu-lassen und er selbst tauchte unter. Der letzte sozialistische Staat in Europa verschwand und Serbien trennte sich von der Bezeichnung föderatives Jugoslawien, da es keinen Vielvölkerstaat mehr gab.

Begriff: Jugoslawien = Süd (Jugo)-Slawien; meint als Föderation (Union), die Gemeinschaft südlicher slawischer Völker (Balkan-Union).

Blick nach China

Nachdem der Despot Mao Zedong 1976 starb, fand in China eine umwälzende Erneuerung statt. Unter Deng Xiaoping wurde das Land aus der Isolation geführt und es entwickelte sich eine wirtschaftlich sozialistische Marktwirtschaft, begleitet von mehreren demokratischen Reformen. Vorsichtig wurden jedoch die Auswirkungen von Neuerungen überprüft und manches wieder verworfen. Speziell den Studenten ging der Demokratisierungsprozess zu langsam und war ihnen nicht umfassend genug.
Im April 1989 verstarb Hu Yaobang, der 1987 als Ministerpräsident zurücktreten musste, weil unter seiner Führung die Demokratisierung Gefahr lief, einen unkontrollierten Verlauf zu nehmen und die Führung der KP gefährdete. Die Trauerfeierlichkeiten der Studenten um Yaobang mündeten in eine Protestkundgebung, die eine schnelle Rückkehr zum Demokratisierungskurs forderten. Auf den Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen) versammelten sich im April die Studenten, denen sich zunehmend immer mehr Menschen anschlossen. In Juni räumte die Volksarmee nach mehrmaligen Warnungen den Platz. Auf dem Platz selbst gab es keine Todesopfer, aber in den Straßen von Peking und bei Protesten in anderen Städten, starben schätzungsweise 2.600 Menschen, darunter auch Soldaten.
Trotz massiver internationaler Proteste wegen des Vorgehens gegen die Opposition, konnte die chinesische Regierung ihr Gesicht waren. Unbeirrt setzte die Regierung ihren kontrollierten Demokratiekurs fort und bauten eine sozialistische Marktwirtschaft auf, die sich
schon bald bezahlt machte. China stieg zu einer Wirtschaftsmacht empor und mit dem kontrolliert steigenden Wohlstand war die Mehrheit der Chinesen zufrieden.