01. Die Zeit bis 1985

Die Zeit 1980 bis 1985
  
Der bedrohliche Beginn

0. Allgemein: Der bedrohliche Anfang
1. Der iranischer Fundamentalismus
2. Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan
3. Irak-Iran-Krieg
4. Bürgerkrieg im Libanon
5. Streikbewegung in Polen
6. Friedensbewegung
7. Weitere wichtige Zeitthemen
    Viererbande in China ; Die Grünen ; Immunkrankheit AIDS

0. Der bedrohliche Beginn (Allgemein)

Eine allgemeine Weltwirtschaftskrise und die iranisch islamische Revolution veränderte die Weltsituation grundlegend, in deren Folgen eine bedrohliche Eskalation voranschritt. Vom religiösen Fundamentalismus im Iran angesteckt, strebten die Muslime in den anderen islamischen Staaten ebenso einen Gottesstaat an. Der Flächenbrand fruchtete auf dem Elend der Bevölkerung und den europäischen Einflüssen, die im starken Maße die traditionellen Werte und deren religiöse Kultur gefährdeten. Der Massenzorn richtete sich dabei gegen die eigenen Herrscher, die sich zum Vasallen der Großmächte USA und Sowjetunion machten. Besonders die USA und ihr Schützling Israel wurden als Erzfeinde der islamischen Welt angesehen.
Mit dem Einmarsch militärischer Truppen in Afghanistan erregte die Sowjetunion die Welt. Getarnt als Hilfsaktion für das kommunistische Regime, wollte die UdSSR den drohenden amerikanischen Einfluss auf das Land verhindern und zugleich eine Warnung an das Aufbegehren der eigenen muslimischen Bevölkerung in den Sowjetrepubliken richten. Unerwartet heftig reagierte die westliche Welt auf den Einmarsch und wertete das sowjetische Vorgehen als Invasion und löste eine weltweite Empörungswelle aus. Politisch motiviert, aber wirtschaftlich gezielt, verhängten die USA Wirtschaftsaktionen gegen die UdSSR und demonstrativ boykottierten daraufhin die imperialistischen Staaten die Olympischen Spiele in Moskau.
Die Eskalation zwischen den Supermächten verschärfte deutlich die Wirtschaftskrise in der sozialistischen Staatengemeinschaft. Neben der Mangelwirtschaft verschlimmerte sich die allgemeine Versorgungslage der Bevölkerung und im Zwiespalt versuchten die Regierungen zu handeln. Die Maßnahmen erregten jedoch ein lauter werdendes Murren unter dem Volk.
In Polen brachte die allgemeine Situation das Fass zum Überlaufen und eine Streikbewegung bildete sich, in deren Zuge sich die unabhängige Gewerkschaft Solidarnosc als führende Kraft bildete. Angesichts der angespannten allgemeinen Lage wagte die Regierung keine Gewalt-aktion. In Absprache mit Moskau versuchte es die polnische Regierung mit Drohungen und einem Regierungswechsel. Die Solidarnosc war inzwischen zur landesweiten oppositionellen Macht geworden. Die Gefahr eines Übergreifens auf die anderen sozialistischen Staaten war sehr groß und die Regierungen gingen unterschiedlich gegen die eigenen oppositionellen Bewegungen vor. Insgesamt verschärfte die innenpolitische Situation zusätzlich die Wirtschaftslage.
In Anbetracht dieser Entwicklung holten die USA zum wirtschaftlichen Todesstoß aus. Obwohl sich die US-Wirtschaft ebenfalls in der Krise befand, verfügten sie jedoch über genügend Reserven und konnten die kostenintensive nukleare Aufrüstung beschließen. Mit dem Argument des militärischen Gleichgewichts sollten in Westeuropa neue Atom-raketen aufgestellt werden. Folgerichtig war die Sowjetunion ihrerseits dazu gezwungen, in den Warschauer Paktstaaten, ebenfalls neue Mittelstreckenraketen aufzustellen.
Unerwartet entfachte die nukleare Aufrüstung eine beispiellose Protestbewegung in ganz Europa. Die Angst vor einem Atomkrieg mobilisierte alle Bevölkerungsschichten, und ob jung oder alt, sie bildeten eine Einheit und Millionen von Menschen demonstrierten auf den Straßen. Besonders heftig war der Widerstand in Deutschland, zumal hier die meisten Atomraketen stehen sollten. In der BRD wurde zum Entsetzen der konservativen Kräfte die Öko-Partei Die Grünen zur führenden Kraft der Friedensbewegung und schaffte es nun sogar in den Bundestag.
In der DDR bildete sich kontrovers zur staatlichen Friedensbewegung, die kirchliche Bewegung Schwerter zu Pflugscharen und war zugleich eine offene Oppositionsbewegung. Trotz massiver Proteste in Ost und West setzten die Politiker ihre Pläne durch und erteilte dem Volk eine Lektion, dass dem Volkswillen Grenzen aufzeigten. Die nukleare Aufrüstung forcierte die Spannungen zwischen den Supermächten und zudem breite sich die tödliche Immunkrankheit AIDS in den westlichen Wohlstandsstaaten aus. Endzeitgedanken machten sich breit, angesichts der schwarzen Wolken am Horizont, die auf eine bedrohliche ungewisse Zukunft deuteten.  

1. Iranischer Fundamentalismus

Nachdem der Schah Reza Pahlevi vor dem Volkszorn ins Ausland flüchtete, ergriffen die Revolutionären die Macht. Zum geistigen Führer wurde Ayatollah Khomeini, der aus dem Exil (Frankreich) zurückgekehrt war. Er ordnete die revolutionären Kräfte, unter ihnen die Mudschaheddin (Heilige Krieger) und auch kommunistisch-sozialistische Strömungen.
Am 1. April wurde die islamische Republik ausgerufen und im weiteren Verlauf strebte Khomeini die Errichtung eines schiitischen Gottesstaates an. Auf der Basis eines fundamentalistischen Verständnisses vom Koran (Glaubensbuch), setzte der Ayatollah seine Kulturrevolution durch. Inhaltlich sollte das Land von ideologisch verseuchten, westlichen Kultureinflüssen gereinigt werden. Politisch legitimierten sich dadurch die Hinrichtungen gegen Mitglieder des Schah-Regimes und deren monarchistischen Anhänger.
In den Fokus einer weiteren Hinrichtungswelle rückten jene, die sich nicht an die neuen fundamentalistischen Richtlinien hielten oder verstoßen haben. Prostituierte, Nutznießer (Unternehmer) abendländischer Lebensweisen und ebenso westlich „verseuchte“ Kinder fanden somit den Tod. Auch Frauen ohne Schleier oder nichtislamische Zeitungsverleger konnten mit dem Tod bestraft werden. Eine dritte Welle richtete sich gegen Oppositionelle und die USA sowie Israel. Bis heute gibt es keine verlässlichen Angaben über die Zahl der Hingerichteten, aber vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens 20.000 Hinrichtungen bis 1985 aus.
Im Zuge des Feindbildes wurden 52 Diplomaten der US-Botschaft, bereits am 04. 11. 1979, als Geiseln genommen und der Iran verlangte für die Freilassung der Geiseln die Auslieferung des Schahs. Eine Befreiungsaktion einer US-Spezialeinheit ging am 24. April 1980 gründlich daneben. Am 27. Juli verstarb der Schah, wodurch der Grund für eine Geiselnahme nicht mehr gegeben war. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich auf ein Lösegeld und ließ die US-Diplomaten am 19. Januar 1981 frei.
Zur Stabilisierung der Macht wurde am 19. Februar 1980 Abolhassan Banisadr zum Präsidenten ausgerufen und galt im Prinzip als Marionette von Ayatollah Khomeini. Gegen dieses Machtpotenzial rührten sich Widerstände, die blutige beantwortet wurden. Es bildeten sich Untergrundbewegungen, die wiederholt mit Attentaten gegen das Regime vorgingen. Der Widerstand stand jedoch auf schwachen Füßen gegen ein totalitäres Regime und war zudem immer wieder dem Verrat ausgesetzt. Trotz aller Grausamkeiten der Khomeini Dikta-tur war das Volk mehrheitlich von der islamischen Revolution begeistert. Die fundamentalis-tische Idee schwappte über die gesamte islamische Welt und sorgte für massive Unruhen. Besonders die westlich orientierten Monarchen bekamen den Volkszorn zu spüren, aber auch in den sozialistisch orientierten Staaten regten sich Widerstände.

2. Sowjetischer Einmarsch in Afghanistan

Nachdem der König 1973 gestürzt wurde, entstand unter Schah Daoud ein Terrorregime. Ein Militärputsch 1978 brachte die Kommunisten an die Macht und versuchten zunächst mit einer Bodenreform das unterentwickelte Land zu einem sozialistischen Staat umzugestalten. Die Macht der Fürsten entfachte dagegen einen heftigen Widerstand und führte innerhalb der Regierung zu Richtungsquerelen.
Als sich blutig Amin als Machthaber durchsetzte, bestand die Gefahr, dass er das Land für amerikanische Interessen öffnete. Zudem formierte sich über den islamistischen Geist der iranischen Revolution die Rebellenfront der Mudschaheddin. Militärstrategisch war Afghanistan für die Sowjetunion zu bedeutend, um es an die USA zu verlieren. Außerdem konnte das Militär an den islamischen Rebellen in Afghanistan ein Exempel statuieren, um der islamischen Bewegung im eigenen Land deutliche Warnsignale zu senden.
Am 25. Dezember 1979 marschierten sowjetische Truppen ins Land ein, töteten Amin und setzten Kamal zum neuen Regierungschef ein. Sofort legitimierte er das sowjetische Vor-gehen und bat offiziell um militärische Hilfe. Schon bald stellte sich heraus, dass die technische Überlegenheit der sowjetischen Truppen nicht viel gegen die Guerillataktik der Mudschaheddin ausrichten konnte. Waffentechnisch wurden die Rebellen überwiegend von den USA und Pakistan unterstützt. Bis zum Abzug des Militärs am 15. 02. 1989 verloren etwa 15.000 sowjetische Soldaten und etwa 700.000 Afghanen (mehrheitlich Zivilisten) ihr Leben.
Mit der Invasion zahlte die UdSSR einen hohen Preis. Sie verloren ihr Ansehen in der Welt als Friedensmacht und die islamische Bewegung stand nun den Kommunisten skeptisch gegenüber. Der weltpolitisch isolierte Iran übte nur verhalten Kritik an der Sowjetunion, da die UdSSR zum wichtigsten Partner in der Welt wurde. Dagegen reagierten überzogen die imperialistischen Staaten und sprachen von einer menschenverachtenden Invasion. Speziell die USA stachelten zu Wirtschaftssanktionen auf und riefen zum Boykott der Olympischen Spiele in Moskau (1980) auf. In Europa sagten lediglich Norwegen und die Bundesrepublik Deutschland ihre Teilnahme ab. Imperialistische Staaten, wie Frankreich und Großbritannien ließen eine privat initiierte Teilnahme zu.
Der wirtschaftliche Schaden für die Sowjetunion war zwar riesengroß, aber die Verlierer waren die US-Medien, die einen dreistelligen Millionenverlust hinnehmen mussten. Im Vergleich zu den explodierenden Kosten durch den andauernden Afghanistan-Feldzug waren die Olympiadefizite für die Sowjetunion eher geringfügig. Im Rahmen des RGW wirkte sich allerdings das militärische Unternehmen der UdSSR fatal auf die Wirtschaft der sozialistischen Bruderstaaten aus. Ebenso bekamen es die arabischen Bündnispartner mit einer aufflammenden islamischen Bewegung zu tun.

3. Irak-Iran-Krieg

Der Krieg hatte vordergründig wirtschaftliche Interessen und gab nur humanistische Beweg-gründe vor. Im Wesentlichen eskalierte der Streit um die Provinz Chusistan, das einmal ein selbstständiges rohstoffreiches Königreich war. Zur Provinz gehörte der Grenzfluss Schatt al-Arab, der kurz vor dem Meereszugang an beiden Ufern zum iranischen Territorium wurde. Unter dem Schah hatte der Irak freies Durchfahrtsrecht. Khomeini wollte das begrenzen, da der Irak zuvor den Schah und dann die Rebellen der Provinz Chusistan unterstützte.
Mit einer breiten diplomatischen, militärischen und wirtschaftlichen Unterstützung im Rücken zielte Saddam Hussein daraufhin auf eine Annexion. Speziell mithilfe der Sowjetunion, Frankreich, den USA und Saudi Arabien verfügte der Irak über eine schlagkräftige Armee. Im Gegensatz dazu waren im Rahmen der islamischen Bewegung zahlreiche iranische Soldaten geflüchtet oder wurden exekutiert. Nur mit enormen Schwierigkeiten konnte die geschwächte Armee einen Aufstand in der Provinz Chusistan niederschlagen. Trotzdem rief Khomeini provokativ zum Sturz der irakischen Regierung auf (08.04. 1980), dem vermehrt Anschlägen gegen irakische Politiker folgten. Daraufhin wurden die irakischen Streitkräfte mobilisiert, doch am 04. 09. 1980 griffen bereits iranische Verbände irakische Grenzstädte an. Die Antwort folgte prompt, bis nach kleineren Gefechten, am 22. September 1980 (Kriegserklärung) massive Luftangriffe auf iranische Städte folgten.
Bereits am 24. Oktober wurde die strategisch wichtige Stadt Chorramschahr eingenommen. Trotz großer Erfolge begnügte sich das irakische Militär mit dem eroberten Gebiet, mit der Erkenntnis niemals den gesamten Iran erobern zu können. Hussein hoffte aufgrund der deutlichen militärischen Überlegenheit auf schnelle Friedensgespräche mit dem Iran. Khomeini war jedoch nicht bereit die Provinz abzugeben. Mit großen Verlusten schickte er seine Soldaten in die Schlacht gegen die irakischen Stellungen. Wegen der riesigen Verluste wurden zunehmend unausgebildete Kämpfer in den Krieg geschickt, darunter Kinder und Jugendliche. Das stetige Anrennen fügten der irakischen Armee wachsende Verluste zu und machten das Stellungsbollwerk brüchig. Mit der Rückeroberung von Chorramschahr 1982 trat eine Wende im Krieg ein. Saddam Hussein sah seinen Plan als gescheitert an und veranlasste mit einem einseitigen Waffenstillstand (20. 06. 1981) Friedensgespräche, die der Ayatollah ablehnte.
Von der Idee gefangen, über den Krieg die Macht der islamischen Revolution demonstrieren zu können, wollte Khomeini den angeschlagenen Irak erobern. Verlustreich warf der Iran Truppen in den Kampf, drang auf irakisches Gebiet vor und es gelang ihnen, den Irak 1985 völlig vom Meer abzuschneiden. Im Gegensatz zum 70 Millionenvolk des Iran, konnte es sich der Irak mit seinen 30 Millionen Bewohnern nicht leisten, schlecht ausgebildete Kämpfer in die Schlacht schicken. Durch die zeitraubende Ausbildung von neuen Kräften konnten lediglich die Verteidigungsschwachpunkte verstärkt werden.
Zur Schwächung der Wirtschaft ließ Khomeini ab 1983 Erdölanlagen bombardieren und Hussein ließ Giftgas gegen die iranischen Truppen einsetzen. Zudem wurden mit Raketen und Flugzeugen Städte angegriffen, mit zahlreichen Opfern unter der Zivilbevölkerung. Beide diktatorischen Regime verschwiegen ihrem Volk die Wahrheit über den Krieg und sprachen nur von Erfolgen. Im Iran folgte somit die Mehrheit blind und aus Furcht ihrem Führer Khomeini, zumal jeglicher oppositionelle Anschein den Tod bedeuten konnte. Am 22. Juni 1981 bekam es Präsident Banisadr zu spüren, den man als Sündenbock für die anfänglichen Kriegsmisserfolge verantwortlich machte. Am 29. Juli gelang ihm die Flucht und entzog sich einer eventuellen Todesstrafe. Als dann der Nachfolgepräsident von Untergrundkämpfern ermordet wurde, sah sich Khomeini legitimiert nun gegen alle oppositionelle Bewegungen vorzugehen. Nach 1983 war die Untergrundbewegung stark geschwächt.
Je länger der Krieg aber dauerte, desto mehr bekam das Volk die Auswirkungen zu spüren. Die Wirtschaft lag am Boden, die sozialen Missstände stiegen an, kulturell bewegte man sich in Steinzeit zurück und eine leere Staatskasse konnte den Krieg nicht mehr finanzieren. Obendrein wurde bekannt, dass der iranische Erzfeind USA den Iran (ab 1985) mit Waffen versorgte. In beiden Ländern war man über den unmoralischen Kuhhandel entrüstet. Strategische verfolgte die US-Wirtschaftspolitik erfolgreich das Ziel, den Iran und den Irak erheblich zu schwächen. Sowohl der islamistische Iran und der kommunistische Irak galten in der arabischen Welt als bedeutende Führungsmächte und Gegner der US-Politik. Letztendlich war die USA der einzige Gewinner in diesem Krieg, denn ebenso lag der Irak wirtschaftlich am Boden.
Ab 1988 gewann der Irak seine Kampfkraft zurück und konnte in die Gegenoffensive gehen. Durch die Missstände im Iran erstarkte die Untergrundbewegung, deren Kämpfer als NLA die irakischen Truppen unterstützten und Ayatollah Khomeini war inzwischen gesundheitlich stark angeschlagen. Ein Nachfolger war nötig, worauf bei den religiösen Rechtsgelehrten eine Grundsatzdebatte ausbrach. Angesichts eines heruntergewirtschafteten Staates sollte sich künftig die Religion aus der Staatspolitik heraushalten und seinen Einfluss auf religiöse Werte begrenzen. Auf Drängen der Geistlichen erklärte sich, am 18. Juli 1988, der kranke Ruhollah Khomeini bereit die UN-Resolution anzuerkennen. Der Waffenstillstandsvertrag beinhaltete die Grenzen vor dem Kriegsausbruch wieder herzustellen und das Durchfahrtsrecht irakischer Schiffe durch den Schatt al-Arab zu gewähren. Beide Nationen hatten die Folgen des Krieges selbst zu reparieren, wie zerstörte Städte und Erdölanlagen.
Etwa 300.000 irakische und 500.000 iranische Soldaten verloren ihr Leben, dazu kamen etwa 500.000 getötete Zivilisten. Am 3. Juni 1989 starb Khomeini und nach dem letzten Wunsch von ihm, sollte Haschemi Rafandschani sein Nachfolger werden, aber der Rat wählte demonstrativ den liberaleren Seyyed Ali Chamenei. Im Irak wertete Saddam Hussein den Friedensvertrag als Erfolg und obwohl er sein Ziel nicht erreichte, demonstrierte er sein Land als Militärmacht. Als Verbündeter der Palästinenser drohte er Israel mit militärischer Gewalt.

4. Bürgerkrieg im Libanon

Von 1975 bis 1990 tobte der Bürgerkrieg mit wechselnden Allianzen, der aber im Grunde ein Kampf zwischen Christen und Moslems war. Initiator waren die Palästinenser, die das Land als ihre neue Heimat betrachteten und die prowestliche christliche Regierung stürzen wollten und am 13. April 1975 in offene Kämpfe mündeten. Sunniten und Schiiten nutzten den Konflikt für religiöse Kämpfe untereinander, woraus sich die speziellen Gruppierungen der prosyrischen Amal-Miliz und der proiranischen Hisbollah bildeten.
Zur Sicherung des Friedens schickte die Arabische Liga 20.000 Soldaten und sollte vor allem die Kämpfe zwischen den verfeindeten Moslems beenden. Die Lage eskalierte trotzdem, zumal die PLO den Libanon als Ausgangspunkt für Anschläge auf Israel nutzte. Das israelische Militär schlug in den Grenzregionen zurück. Der Irak und Syrien verurteilten die Angriffe und drohten Israel. Da sich der Irak selbst im Krieg befand, besetzten syrische Einheiten die libanesische Grenze. Nachdem am 9. Mai 1982 Israel erneut von der PLO mit Raketen angegriffen wurde und die Diplomatie versagte, begann Israel mit seiner Militär-aktion. Sie zielte vorrangig auf die Vernichtung der PLO, aber mussten zuvor den syrischen Sperrgürtel durchbrechen. Die israelische Kampftechnik erwies sich als absolut überlegen und fügte der palästinensisch-syrischen Allianz schwere Verluste zu. Bei den Kämpfen verloren 675 Israelis und etwa 10.000 Araber ihr Leben.
Nachdem die Hauptstadt Beirut eingekesselt war, beschränkte sich Israel mithilfe der christlichen Milizen auf Raketenangriffe auf vermeintliche PLO Stellungen. Um einen zermürbenden Häuserkampf zu vermeiden, stimmte Israel der UNO-Resolution zum Abzug der Palästinenser aus Beirut zu. Europäische UN-Truppen überwachten den Abzug der Palästinenser in andere arabische Staaten.

Indes bildete sich in Beirut eine neue christliche Regierung, aber am 14. 09. wurde der Präsident Gemayel ermordet, was dafür sprach, dass sich in den restlichen Deportationslagern noch PLO-Kämpfer befanden. Daraufhin marschierten israelische Truppen in Beirut ein und überließen es den christlichen Milizen nach PLO-Kämpfern in den Lagern zu suchen. Die Milizen vollzogen aber am 16. September ein Massaker und töteten etwa 2.000 Palästinenser. International wurde Israel dafür politisch verantwortlich gemacht und führte zum Rücktritt vom Verteidigungsminister Scharon. Militärisch zog sich Israel zurück, besetzte aber eine Pufferzone in der Grenzregion.
Der Bürgerkrieg im Libanon ging unvermindert weiter und sollte etwa 90.00 Menschenleben fordern. Anstelle der PLO trat die Hisbollah und bekämpfte die christliche Regierung und seine Verbündeten. Am 18. April tötet ein Bombenschlag auf die US-Botschaft in Beirut 63 Menschen und am 23. Oktober 1983 wurden die Friedenstruppen Ziel von Bombenattentaten, bei denen 241 Amerikaner und 58 Franzosen getötet wurden. 1984 verließen die Friedens-truppen das Land. Die Kämpfe zwischen den verfeindeten Gruppierungen dauerten bis zum 13. Oktober 1990 an, bis syrische Truppen ein gleichstarkes Parlament aus Muslime und Christen durchsetzte. Bis 2005 unterstand der Libanon als Protektorat Syrien.   

5. Streikbewegung in Polen

Die sozialistische Wirtschaftskrise wirkte sich immer drastischer auf die Versorgungslage aus. Die Bevölkerung meuterte zunehmend gegen die Mangelversorgung und der Bevormundung. Mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan wurde die bisherige Friedenspropaganda Lügen gestraft und als Invasion gesehen. Angesichts des Zorns über das sozialistische System, wollte das Volk auch keine andere Sichtweise akzeptieren.
In Polen eskalierte die Situation durch erneute Preiserhöhungen für Fleisch am 1. Juli 1980. In der Danziger Lenin-Werft erregte sich öffentlich die Kranführerin Anna Walentynowisz über die Versorgungslage, da man mit leeren Magen nicht die gewünschte Arbeitsleistung vollbringen kann. Als sie dafür entlassen wurde, legten ihre Kollegen am 14. August solidarisch die Arbeit nieder. Bei einer Versammlung gründeten sie unter Führung von Lech Walesa ein betriebliches Streikkomitee. Trotz der Zugeständnisse der Betriebsleitung ent-schloss sich das Komitee den Streik fortzusetzen, da in der Vergangenheit zu oft gegebene Versprechen revidiert wurden.
Inzwischen hatten sich weitere Streiks gebildet, worauf am 17. August 1980 das Komitee zur Zentrale der Streikbewegung wurde und 21 Forderungen ausarbeitete. Die Kernforderungen umfassten eine Lohnerhöhung, eine bessere Lebensmittelversorgung, keine Repressalien gegen Streikteilnehmer, Abschaffung der Zensur, eine unabhängige Gewerkschaft und freiheitliche Medien. Angesichts der wachsenden Streikbewegung und der breiten Solidarität in der Bevölkerung sah sich die Regierung zu Verhandlungen gezwungen. Am 31. August wurde das Danziger Abkommen von beiden Seiten unterzeichnet.
Am 17. September 1980 gründete sich unter dem Vorsitz von Lech Walesa die unabhängige Gewerkschaft Solidarność. Zur Beruhigung der Nation übernahmen Reformer die Regierung und Parteichef Edward Gierek trat zurück und Stanislaw Kania ersetze ihn. Das neue Kabinett der PVAP erkannte die freie Gewerkschaft am 10.11. an und zugleich holte sie sich die Rücksicherung von Moskau. Im Gegensatz zur UdSSR verlangten die Staatschefs (darunter Erich Honecker) der sozialistischen Staaten ein militärisches Eingreifen, weil sie einen Flächenbrand befürchteten. Angesichts der weltpolitischen Lage hätte aber ein Militäreinsatz fatale Folgen mit sich gebracht und erst recht Aufstände ausgelöst.
Die Gewerkschaft erfreute sich einem regen Zulauf, auch aus Reihen der Kommunisten, aber ebenso Nationalisten. Es bildeten sich zwei Flügel heraus. Suchte Lech Walesa den Dialog mit der PVAP, so gingen Rulewski und Gwiazda auf Konfrontation. Zudem verschlechterte sich die Versorgungssituation aufgrund der Streikbewegung. In der Bevölkerung sank das Ansehen der Streikbewegung und führte zu wachsenden Auseinandersetzungen. Wilde Streiks und stärker werdende Konfrontationen sorgten für eine chaotische Lage und die Staatsmacht sahen sich in der Pflicht zu handeln. Am 18. Oktober 1981 wurde Kania durch General Wojciech Jaruzelski ersetzt, der am 13. Dezember das Kriegsrecht ausrief.
Damit wurden alle führenden oppositionellen Köpfe (Gewerkschaft) verhaftet und jegliche politische Aktivitäten mussten eingestellt werden. Das betraf nicht nur die Solidarność, sondern ebenso das polnische Parlament. Die Mehrheit befürwortete den ordnenden Kurs, sodass ein offizielles Verbot der Gewerkschaft am 8. Oktober 1982 nur von verhaltenen Protesten begleitet wurde. Nachdem das Parlament wieder seine Regierungsarbeit aufnahm, sollten sie einen wirtschaftlichen Reformkurs einleiten und zusammen mit der katholischen Kirche eine stabile Gesellschaft aufbauen. Anders als erwartet verhielt sich die Kirche nicht so kooperativ. Mit dem Mordanschlag an Priester Popieluszko, im Oktober 1984, sendete die Staatssicherheit ein unmissverständliches Signal an alle Regierungsgegner, obwohl sie die Tat selbst bestritten.  
Innerhalb der Bevölkerung setzte ein Meinungsumschwung ein, da es die Regierung unter General Jaruzelski nicht schaffte die Wirtschaft zu stabilisieren und die Staatsstrukturen zu diktatorisch wurden. Mit dem Machtantritt von Michael Gorbatschow in der Sowjetunion und der erstarkten Oppositionsbewegung leitete die Regierung einen grundsätzlichen Reformkurs ein. Im Juli 1986 verfügte General Jaruzelski eine Generalamnestie für politische Häftlinge und ließ im November 1987 eine erste Volksabstimmung zu, mit einer klaren Niederlage für die PVAP. à Siehe weiter: „Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft“

6. Friedensbewegung

Mit dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan glaubten die USA, die nukleare Aufrüstung rechtfertigen zu können. Über die Medien wurden Schreckensvisionen über die „Russen“ verbreitet, die angeblich nicht zögern würden die demokratische westliche Welt nuklear auszulöschen. Der eigentliche Hintergrund war die wirtschaftliche Strategie, der angeschlagenen Wirtschaft der Sowjetunion den Todesstoß zu versetzen. Zu diesem Zweck machte die USA kein Hehl daraus, der Sowjetunion zuvor zukommen und dachte laut über einen Erstschlag nach.
Da sich das Klima zwischen den Weltmächten sowieso verschärft hatte, sah sich die UdSSR zum Wettrüsten genötigt. Gegenseitig argumentierten die Großmächte mit dem nuklearen Gleichgewicht, aber dieses perfide Spiel entfachte unerwartet in Europa eine beispiellose Friedensbewegung. Am 12. 12. 1979 wurde der NATO-Doppelbeschluss ratifiziert. Er sah die Erneuerung alter Atomraketen vor und Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt über die Begrenzung von Atomwaffen in Europa. Hinter dieser Fassade wurden der Sowjetunion inakzeptable Vorschläge unterbreitet und führten zum Scheitern der Genfer Verhandlungen.
In der BRD hatte bereits die SPD-Regierung, unter Helmut Schmidt, das Stationieren der nuklearen Mittelstreckenraketen Pershing II und die Marschflugkörper Cruise Missile ausdrücklich befürwortet. Nach dem Scheitern der Genfer Verhandlungen beschloss am 22. November 1983 die CDU-Regierung, unter Helmut Kohl und mithilfe der SPD (Stimmenthaltung), die nukleare Aufrüstung. Die UdSSR antwortete mit ihren SS 20-Raketen. Trotz der massiver Proteste stellten die Regierungen klar, dass sie sich vom Volk nicht beeindrucken ließen.
Vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel demonstrierten 200.000 Menschen gegen den NATO-Beschluss und in Amsterdam waren es 400.000 Menschen. Während eines Staatsbesuches von US-Präsident Ronald Reagan äußerten 400.000 Demonstranten ihren Unmut und in Berlin protestierten 50.000 Leute. Von 1981 bis 1984 versammelten sich in den Städten Hunderttausende zu den Ostermärschen. Es fanden Sitzblockaden und ähnliche friedliche Aktionen statt und zahlreiche Künstler stärkten mit ihren Beiträgen die Protestbewegung. Führende Kraft der Friedensbewegung wurden die GRÜNEN, die den Fokus auf die Bundesregierung lenkte. Die Regierung sollte dem Beispiel von Griechenland und Dänemark folgen, die ihr Territorium zur Atomwaffenfreien Zonen erklärten. Aber die konservativen Parteien unterstützten weiterhin die Aufrüstung, wobei die SPD seine Meinung änderte und als Oppositionspartei sich der Friedensbewegung anschloss.
 In der DDR setzte sofort eine staatlich gelenkte Friedensbewegung ein. Sie klagte die USA an den Weltfrieden zu gefährden und warfen ihnen vor ernsthafte Abrüstungsgespräche zu blockieren. Die Regierung organisierte Friedensmärsche und rief die Kulturveranstaltung „Rock für den Frieden“  ins leben. Unerwartet erwachte eine Gegenbewegung, ermutigt von den Vorgängen in Polen. Viele Gemeinden der evangelischen Kirche, speziell in  Berlin, war durchzogen von Oppositionellen, meistens Intellektuelle und Künstler. Am 25. Januar 1982 verfasste Pfarrer Rainer Eppelmann und Wissenschaftler Robert Havemann den „Berliner Appell“.
Im Unterschied zur staatlichen Ansicht „mit Waffen Frieden erhalten“ setzten sie dagegen „Frieden schaffen ohne Waffen“. Begründet auf den Bibeltext beim Propheten Micha 4, wurde das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ gefertigt. Zahlreiche Jugendliche nähten sich den Aufnäher auf ihre Jacken und zeigten damit ihren Protest zur DDR-Regierung. Obwohl beide Bewegungen inhaltlich dasselbe wollten, so war „Schwerter zu Pflugscharen“ symbolisch eine gewollte Provokation. Statt einem Dialog reagierte die Staatsmacht mit Gewalt, um eine Entwicklung wie in Polen zu vermeiden.  
Die Regierung hielt sich offiziell mit Anfeindungen zurück, denn schließlich überreichte die UdSSR diese Bronzeskulptur 1958 der UNO, als Zeichen für einen ewigen Frieden. Im Hintergrund agierte jedoch die Staatssicherheit und wertete das Symbol als Zeichen einer illegalen Bewegung und verordnete harte Sanktionen gegen die Träger der Aufnäher. Unter anderem verloren Jugendliche ihren Studien- oder Ausbildungsplatz, es wurde ihnen der Zutritt zu öffentlichen Orten verweigert oder konnten strafversetzt werden. Zudem waren die Polizei und die Pädagogen berechtigt, die Aufnäher aus den Kleidungsstücken zu schneiden, falls der Jugendliche den Aufnäher nicht selbst entfernte.
Mit den gewalttätigen Übergriffen, auch auf Oppositionelle ging die Bewegung in den Untergrund. Ab 1984 schien sich die Staatsmacht durchzusetzen und die Atomraketen wurden sowieso aufgestellt. Jedoch der Preis war hoch. Frustriert stellten viele DDR-Bürger einen Ausreiseantrag, 1984 reisten 35.000 Personen in die BRD aus. Andere zeigten ihren Protest, indem sie aus staatlichen Organisationen (Partei, FDGB, DSF) austraten bzw. keinen Beitrag mehr bezahlten. Auch innerhalb der SED regten sich Widerstände gegen die Staatspolitik und die oppositionelle Bewegung war nun besser organisiert und konnte mit gezielten Aktionen auf die Missstände in der DDR hinweisen. Die „Initiative für Frieden und Menschenrechte“ resultierte 1986 als erste Bürgerrechtsbewegung daraus. Dazu kam die schlechte Wirtschaftslage und Mangelversorgung. Unterschwellig verschärfte sich die Situation und das Volk wartete lediglich auf einen Auslöser zum offenen Protest.
Mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow sollte sich zunächst alles ändern. Mit der einseitigen Abrüstung brachte er die USA in Zugzwang. In der Bundesrepublik wurde er zum Idol und Hoffnungsträger für den Frieden und in der DDR für Freiheit und Demokratie.

7. Weitere Zeitthemen

China - Viererbande

Die Viererbande war eine Gruppe von Führungskräften, die nach dem Tod von Mao Zedong (06. September 1976) die Macht an sich rissen. Dennoch wurde der gemäßigte Hua Guofeng zum Nachfolger gewählt, aber die konservativen Kräfte hatten noch großen Einfluss. In die Regierung holte er den gescholtenen Deng Xiaoping, der einmal Nachfolger von Mao Zedong werden sollte, bis er in Ungnade fiel und von den Hardlinern nach wie vor angefeindet wurde. Bei den Machtkämpfen innerhalb der Regierung behielten die Reformer die Oberhand und verfügten den Hausarrest über die Viererbande. Nach einem Putschversuch wurden sie am 6. Oktober 1976 verhaftet und angeklagt. Ihnen wurde vorgeworfen, während der Zeit der Kulturrevolution massive Missstände (Verbrechen) verursacht zu haben. In ganz China feierten die Menschen deren Verhaftung auf den Straßen und hegten viel Hoffnung in die neue Zeit. 1980 wurde die Viererbande vor Gericht gestellt und 1981 wurden im Prinzip die Todes-Strafen zu lebenslänglicher Haft geändert.
Da die neue Reformpolitik von Hua Guofeng in eine ökonomische Sackgasse führte, musste er seinen Platz für Hu Yaobang räumen. Im Hintergrund übte nun aber Deng Xiaoping die eigentliche Macht aus und führt China aus der Isolation, hob den Lebensstandard deutlich an  und hatte wesentlichen Anteil am Kurs einer sozialistischen Marktwirtschaft.

Die Grünen

Die Umweltproblematik wurde seit den 70er Jahren zu einem zwingenden Zeitthema, dass aber noch mehrheitlich von der Bevölkerung ignoriert wurde. In Vancouver (Kanada) gründete sich 1971 die Organisation Greenpeace, die den Grundstein für die weltweit ökologische Bewegung bildete und mit entsprechenden Aktionen auf sich aufmerksam machte. Zu der Umweltproblematik setzte sich die Organisation für Frieden und Gerechtigkeit ein und machte die zerstörerische Profitgier einiger Unternehmen bewusst. Aus der Motivation heraus gründeten sich in Deutschland die Grünen. Zur Basis der Partei wurden alternative Bewegungen, die aus der Studentenbewegung der 60er Jahre resultierten und mündeten unter anderem in die Frauenrechtsbewegung, die Hausbesetzerszene oder Greenpeace-Aktivisten. Zum verbindenden Element wurde die Antiatomkraftbewegung, und nachdem sich regional kleine Verbände bildeten, wurde am 12./13. Januar 1980 die Partei Die Grünen gegründet.
Die Bevölkerungsmehrheit stand der Partei ablehnend gegenüber und sahen sie als jugendlich überzogene Spinner an, zumal sich in den Reihen auch Anarchisten, Kommunisten und zu-mindest Sympathisanten der RAF befanden. Mit der Angst vor einem Atomkrieg änderte sich die Haltung der Bevölkerung, da die renommierten Parteien die nukleare Aufrüstung befürworteten. Mit 5,6% schafften sie es 1983 in den Bundestag und erregten zunächst mit ihren Aktionen aufsehen. So fuhren sie mit dem Fahrrad zur Bundestagssitzung, trugen normale Alltagskleidung, verließen mehrmals aus Protest die Sitzungen, leisten sich verbale Entglei-sungen oder demonstrierten offenes Desinteresse gegenüber einigen Rednern (einige Frauen strickten). Die häufigen Respektlosigkeiten im Bundestag erregten die Öffentlichkeit und selbst bei den Jugendlichen schmolz die Sympathie dahin. Nur gegen etwas zu sein reichte nicht, deshalb musste die Partei innerlich wachsen. Es entzündete sich ein Streit zwischen Fundis (Fundamentalisten) und Realos (Realpolitiker).
Petra Kelly und Otto Schilly prägten nachhaltig das Gesicht und stabilisierten die Partei zu einer politischen Größe. Inhaltlich gewachsen, wollten sie politisch aktiv sein. Ihre Kleidung im Bundestag wurde angemessener, fuhren nun mit Autos vor und machten konstruktiv ihren Standpunkt klar. 1985 kam es in Hessen zur ersten Koalition zwischen Grüne und SPD und 1987 erreichten die Grünen bei der Bundestagswahl 8,3 %. Für eine SPD/Grüne Regierung reichte es noch nicht, aber beide Parteien näherten sich politisch an und stellten die Weichen für die Zukunft. In der Wendezeit um 1990 fusionierten die Grünen mit der DDR-Bürger-rechtsallianz Bündnis 90. Der erhoffte Stimmenzuwachs fand nicht statt, sondern mündete in erheblichen Stimmenverlusten, was aber durch die politische Situation begründet war. Die CDU begeisterte die DDR-Bürger mit der sofortigen Wiedervereinigung, wogegen die anderen Parteien eine schrittweise Vereinigung favorisierten.

Immunkrankheit AIDS 

AIDS (=Acquired Immune Deficiency Syndrome) ist eine ansteckende und tödliche Immun-schwächekrankheit, die erstmals 1959 in Afrika nachgewiesen wurde und von Michael S. Gottlieb 1981 als eigenständige Krankheit benannt wurde.
Auslöser ist eine Affenart, die den HIV-Erreger unter den Menschen verbreitete und sich von Afrika aus über alle Kontinente verteilte. Der HI-Virus wird ausschließlich durch Körperflüssigkeiten (Blut, Sperma, Muttermilch, Gewebsflüssigkeiten) übertragen. Besonders Blutkonserven und Geschlechtsverkehr gelten als Hauptinfektionsquellen.
Überwiegend waren homosexuelle Männer von der Krankheit betroffen. In den USA entwickelte sich daraus eine panische Distanz vor AIDS-Kranke und Prediger sprachen von einer Strafe Gottes an die Homosexuellen. Ein weiterer Nährboden für Infektionen waren die Drogenszene und Prostituierte. Der sexuelle Verkehr wurde zum erhöhten Risiko. Nachdem entsprechenden Schockzustand wurden Kodome als wirksamer Schutz vor AIDS angepriesen. Nachweislich gingen die Einnahmen von Bordellen deutlich zurück. Allerdings hielt dieser Zustand nur kurzzeitig an und die Angst vor AIDS wurde verdrängt.
Weltweit sterben etwa 2 Millionen Menschen jährlich an AIDS, überwiegend in Afrika. In der Bundesrepublik starben bis 2012 etwa 27.000 Menschen, das sind im Verhältnis zu anderen Krankheiten eher eine geringe Zahl. Das ist eine Ursache dafür, das AIDS seinen Schrecken verloren hat und die Gesellschaft stärker als zuvor ungeschützten Sex praktiziert. 2012 waren weltweit 35,3 Millionen Menschen als HIV-Infizierte registriert.
Das tückische an der Krankheit ist, dass es bei den Infizierten nicht zum Ausbruch kommen muss, sie gelten aber weiterhin als Überträger. Wobei der eigentliche Virus den Abwehrmechanismen des Körpers zerfrisst und somit leichte Erkrankungen zum tödlichen Risiko werden lässt. Häufig bricht die Erkrankung mit grippeähnlichen Symptomen aus, mit hohem Fieber und extremer Müdigkeit. Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Hautausschlag folgen und bedeuten in der Regel den Tod. Bis heute gibt es kein Heilmittel dagegen, wohl aber zahlreiche Therapien, die hier und da den Prozess stoppen.
Die sexuelle Unvernunft in der Bevölkerung weltweit, degradiert AIDS in den Status einer Suchtkrankheit (Rauchen, Trinken, Übergewicht), man kann daran sterben, muss aber nicht.